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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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Nr

28. Februar 1990

8

DEUTSCHLANDPOLITIK

US-TRUPPEN AUCH IN VEREINIGTEM
DEUTSCHLAND
Pressekonferenz von Bundeskanzler Kohl
und Präsident Bush

US-AUSSENPOLITIK

BAKER BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG
FÜR NEUE DEMOKRATIEN
Rede des Außenministers vor dem Kongreßausschuß

RÜSTUNGSKONTROLLE

FORTSCHRITTE BEI SOWJETISCHER
EINHALTUNG VON RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN
Jahresbericht des Präsidenten an den Kongreß

UMWELT

BAKER: UMWELT KERNSTÜCK DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
Rede bei der National Governors' Association

MENSCHENRECHTE

"UNVERKENNBAR" POSITIVE TENDENZEN BEI
MENSCHENRECHTEN
Jahresbericht des Außenministeriums über
Menschenrechte

WISSENSCHAFT

SUPERCOMPUTER MIT TIEFGREIFENDEN
AUSWIRKUNGEN AUF DIE WISSENSCHAFT
Anwendungen für Erforschung von Galaxien,
Konstruktion künstlicher Gelenke

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�DEUTSCHLANDPOLITIK
28. Februar 1990

US-TRUPPEN AUCH IN VEREINIGTEM DEUTSCHLAND
Pressekonferenz von Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz am 15. Februar 1990 bekundeten Präsident Bush und
Bundeskanzler Kohl ihre Überzeugung, daß eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten unmittelbar
bevorstünde und ein geeintes Deutschland Mitglied in der NATO werden soll.
Bush und Kohl erklärten übereinstimmend, US-Truppen blieben in Europa - und in einem vereinigten
Deutschland-stationiert, das Gebiet der Deutschen Demokratische Republik erhielte jedoch "einen militärischen
Sonderstatus, der die legitimen Sicherheitsinteressen aller interessierten Länder einschließlich der Sowjetunion
mit berücksichtigt".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz mit freundlicher Genehmigung des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung.

Bush: Barbara und ich haben den 24. und 25. Februar
in Camp David mit Helmut Kohl, dem Bundeskanzler
der Bundesrepublik Deutschland, und seiner Frau
Hannelore verbracht. Und wir haben uns sehr gefreut,
Sie hier als Gäste begrüßen zu können. Der Kanzler
und ich hatten Gelegenheit, ausführlich über jüngste
politische Entwicklungen in Europa und auch über die
Ost-West-Beziehungen zu sprechen.
Ich freue mich, sagen zu können, daß unsere Ansichten sich gleichen in den grundlegenden Fragen. Wir
beide begrüßen die Aussicht weiterer Entwicklungen
in Richtung auf die deutsche Einigung, beginnend mit
den Schritten in Richtung wirtschaftlicher und Währungsunion, die für den Zeitraum unmittelbar nach den
Wahlen in der DDR nach dem 18. März geplant sind.
Wenn sich die Ereignisse schneller entwickeln, als wir
es erwartet hatten, würde das doch nur bedeuten, daß
unser gemeinsames Ziel, das wir während dieser
ganzen Jahre verfolgt haben, nämlich die deutsche
Einigung, schneller erreicht werden wird, als wir es zu
hoffen gewagt hatten.
Wir sind gemeinsam der Ansicht, daß ein geeintes
Deutschland ein Vollmitglied der NATO und auch Teil
des militärischen Verbundes der NATO bleiben muß.
Wir sind uns einig, daß die amerikanischen Streitkräfte

AMERIKA DIENST 8

in einem vereinigten Deutschland und in anderen
Teilen Europas weiter verbleiben sollen als weiterer
Garant der Stabilität.
Der Kanzler und ich waren uns ebenfalls einig, daß in
einem geeinten Deutschland das frühere Staatsgebiet
der DDR einen militärischen Sonderstatus genießen
soll, der die legitimen Sicherheitsinteressen aller interessierten Länder einschließlich der Sowjetunion mit
berücksichtigt und dem Rechnung trägt.
Gleichzeitig waren der Kanzler und ich uns einig, daß
wir auf ein Rüstungskontrollabkommen drängen müssen, mit dem die militärischen Streitkräfte in Europa
vom Atlantik bis zum Ural drastisch verringert werden.
Wir wollen zusammenarbeiten, damit ein VKSE-Abkommen in diesem Jahr unterschriftsreif ist und unterschrieben werden kann bei einem Gipfel aller 35
KSZE-Mitgliedstaaten. Dieser Gipfel könnte dann
auch unseren Vorschlag verabschieden, mit dem um
KSZE-Richtlinien gebeten wird über freie Wahlen, die
sich (im Rahmen) der neuen Stimme demokratischer
Institutionen Osteuropas frei entwickeln können.
Kanzler Kohl und ich hatten ein gutes Gespräch über
Ost-West-Beziehungen.
Wir beide unterstützen
Generalsekretär Gorbatschows Programm der Perestrojka und seine Bemühungen, um Reformen im
Seite 1

�politischen und wirtschaftlichen System des Landes
durchzuführen.
Generalsekretär Gorbatschow hat sich als wahrer
Staatsmann erwiesen in seinem Respekt für den Willen der Menschen in Osteuropa, in dem Versuch, neue
Beziehungen zu schaffen auf der Grundlage der Zusammenarbeit statt des Zwanges.
Seit den schweren Tagen am Ende des 2. Weltkrieges,
als Amerika Hand in Hand mit dem deutschen Volk
begann, einen neuen Staat, eine neue Gesellschaft
aufzubauen, waren die Vereinigten Staaten der Partner Deutschlands bei der Verfolgung eines gemeinsamen Traumes. Und dieser Traum, dieses Ziel war die
Errichtung einer freien demokratischen und blühenden
deutschen Republik, die in enger Zusammenarbeit
und Frieden mit den nächsten Nachbarn lebt.
Der Bestand der deutsch-amerikanischen Partnerschaft hat sich als fest erwiesen. Und diese Zusammenarbeit war nie besser als in dieser Zeit, da Bundeskanzler Kohl, der führende Politiker einer der größten
Demokratien der Welt, einer Sternstunde seines Landes, einer Sternstunde der Geschichte seiner Nation
entgegengeht.
Wir danken Ihnen, Herr Bundeskanzler, dafürl
Kohl: Herr Präsident, meine Damen und Herren, mein
erstes Wort ist ein Wort des Dankes an Sie, Herr
Präsident, and Ihre Frau Barbara - auch im Namen
meiner Frau - für diese so herzliche und sehr freundschaftliche Aufnahme, die wir in diesen Tagen in Camp
David gefunden haben.
Die Atmosphäre unserer Begegnung ist symbolisch für
den hervorragenden Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Gerade jetzt, wo der Tag der Einheit für uns Deutsche
näherrückt, erinnern wir uns mit großer Dankbarkeit
daran, daß dies alles ohne die enge Freundschaft, die
Unterstützung, die Partnerschaft mit den Vereinigten
Staaten nicht hätte erreicht werden können.
Im Geist dieser Freundschaft haben wir beide, Herr
Präsident, in diesen Stunden in Camp David eine
breite Palette von Fragen von großer Aktualität erörtert.
Im Mittelpunkt unserer Gespräche stand die Zukunft
der transatlantischen Beziehungen und darin eingebettet der Weg der Deutschen zur staatlichen Einheit.

die deutsch-amerikanische Partnerschaft sind von
grundlegender Bedeutung für den Frieden und die
Sicherheit. Das gilt jetzt, und das gilt für die Zukunft.
Zweitens: Der Sicherheitsverbund zwischen Nordamerika und Europa ist und bleibt für uns Deutsche
heute und in Zukunft - das heißt auch für ein geeintes
Deutschland - von einer existentiellen Bedeutung.
Deshalb brauchen wir die Präsenz unserer amerikanischen Freunde in Europa und in Deutschland. Und
dazu gehört auch die Präsenz amerikanischer Streitkräfte.
Auch für das künftige geeinte Deutschland wird die
Pflege der Freundschaft und der Ausbau der Beziehungen mit den Vereinigten Staaten eine wichtige
Aufgabe sein. Wir freuen uns über den immer engeren
wirtschaftlichen Austausch und die immer engere wirtschaftliche Zusammenarbeit, über den Austausch im
Bereich der Wissenschaft und der Kultur und die sich
immer mehr verbessernde Begegnung der Menschen,
insbesondere der jungen Generation.
Wir sind der Überzeugung, daß die transatlantischen
Beziehungen auf allen Gebieten konsequent ausgebaut werden müssen. Dazu gehört die gemeinsame
Sicherheit im Bündnis, der immer engere Kontakt
zwischen der Europäischen Gemeinschaft, einschließlich der Europäischen Politischen Zusammenarbeit,
und den Vereinigten Staaten, und dazu gehört auch die
gemeinsame Arbeit an einer europäischen Friedensordnung im Rahmen der KSZE.
Herr Präsident, meine Damen und Herren, angesichts
dergroßen Veränderung in Mittel-, Ost- und Südosteuropa bleibt die Europäische Gemeinschaft ein unverzichtbarer Anker europäischer Stabilität. Deshalb
wollen wir, die Bundesrepublik Deutschland und vor
allem ich selbst, die europäische Integration nicht nur
ausbauen, sondern wir wollen diesen Prozeß wo immer
möglich beschleunigen. Über den großen Binnenmarkt zum 31. Dezember 1992, über die Wirtschaftsund Währungsunion hinaus bleibt unser vorrangiges
Ziel die Politische Union in Europa.
Das war Sinn und Inspiration der Römischen Verträge,
und daran hat sich nichts geändert.
Es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, daß die
Reformpolitik in Mittel-, Ost- und Südosteuropa und in
Sonderheit die Politik Generalsekretär Gorbatschows
in der Sowjetunion Erfolg hat. Europa und Nordamerika sind und bleiben offen für partnerschaftliche Zusammenarbeit gerade auch mit den Reformstaaten.

Vor dem Hintergrund historischer Veränderungen auf
dem europäischen Kontinent haben wir unsere gemeinsamen Grundüberzeugungen bekräftigt:

Ich begrüße ganz besonders, Herr Präsident, was Sie
eben gerade zu diesem Thema gesagt haben.

Erstens: Das Bündnis der freiheitlichen Demokratien
Europas und Nordamerikas und darin eingeschlossen

Wir waren uns in unseren Gesprächen auch einig, die
Abrüstungsverhandlungen energisch voranzutreiben
und zum Erfolg zu führen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 8

�Herr Präsident, meine Damen und Herren, auf dem
Wege zur deutschen Einheit sind jetzt vor allem Vernunft und, wie ich immer wieder sage, Augenmaß
erforderlich. Wir Deutsche gehen diesen Weg in einer
besonderen Verantwortung mitten in Europa, sozusagen auf zwei Schienen, die gleich wichtig sind und die
auch gleich bedeutend sind.
Einerseits führen wir im innerdeutschen Bereich die
intensiven Gespräche mit der DDR. Dabei geht es jetzt
insbesondere um das baldige Realisieren der Währungsunion und der Wirtschafts- und Sozialgemeinschaft.
Und andererseits haben wir darauf zu achten, daß die
unauflösliche Verbindung mit der transatlantischen
Partnerschaft, der europäischen Einigung und der
umfassenden Zusammenarbeit zwischen West und
Ost in diese Entwicklung mit eingebunden ist.
Wir respektieren die berechtigten Sicherheitsinteressen aller Staaten und achten die Gefühle der Menschen, insbesondere unserer Nachbarn.
Dies sage ich auch mit Nachdruck und Entschiedenheit unseren polnischen Nachbarn.
Die Grenzfrage wird endgültig durch eine freigewählte
gesamtdeutsche Regierung und ein freigewähltes
gesamtdeutsches Parlament zu regeln sein. Und ich
darf hier wiederholen, was ich kürzlich in Paris im
Januar dieses Jahres bereits gesagt habe: Niemand
will die Frage der Einheit der Nation mit der Verschiebung bestehender Grenzen verbinden.
Ich habe im Laufe unserer Gespräche Präsident Bush
ausführlich über die Lage in der DDR und auch über
meine Gespräche mit Generalsekretär Gorbatschow
vor wenigen Tagen am 10. Februar in Moskau berichtet.
Ich will die Gelegenheit nehmen, Herr Präsident, Ihnen
auch hier vor dem Forum der Öffentlichkeit Ihres
Landes noch einmal dafür zu danken, daß Sie mir am
Vorabend meiner Reise nach Moskau ein Schreiben
übermittelt haben, das nicht nur die Unterstützung für
unsere Politik beinhaltet, (sondern das) in seinem
freundschaftlichen Geist und in der Selbstverständlichkeit der Partnerschaft zu den großartigen Dokumenten deutsch-amerikanischer Freundschaft gehört.
Ich darf zum Schluß Ihnen noch einmal sehr herzlich
danken für die freundschaftliche Aufnahme und für die
guten Gespräche. Ich bin sicher: Wir werden diesen
guten Weg für die Zukunft gemeinsam fortsetzen.
Frage: Ich bin ein polnischer Journalist. Ich möchte
Sie fragen: Bedeutet Ihre Erklärung, daß Sie die
Verschiebung der Grenze nicht wollen, daß Sie die
deutsch-polnische Grenze unabhängig davon, was in
Deutschland vorgeht, als endgültig anerkennen?

AMERIKA DIENST 8

Kohl: Meine Antwort ist ganz klar. Die ist im Text
enthalten. Ich bin auch sicher: Sie ist korrekt übersetzt
worden. Nach unserer Rechtsordnung hat die letzte
Entscheidung über diese Frage der gesamtdeutsche
Souverän zu treffen. Das ist ein freigewähltes gesamtdeutsches Parlament und eine freigewählte gesamtdeutsche Regierung. Das ist auch in den Verträgen
1970 und in den Gesprächen, die damals stattfanden,
immer wieder klar und deutlich gesagt worden.
Ich habe nun darüber hinaus in den letzten Wochen
immer wieder zu dieser Frage erklärt, und ich wiederhole es noch einmal: Niemand will die Frage der
Einheit der Nation mit der Verschiebung bestehender
Grenzen verbinden. Das ist meine Position, an der
niemand zu zweifeln erlaubt ist.
Frage: Herr Bundeskanzler, halten Sie es für ausgeschlossen, daß vor einer deutschen Einigung mit Polen ein Vertrag über die Westgrenze Polens zustande
kommt? Halten sie Verhandlungen mit Polen - das ist
ja der Wunsch der polnischen Regierung - für ausgeschlossen?
Kohl: Wenn ich den Wunsch der polnischen Regierung richtig interpretiere - und ich gehe, glaube ich, von
einer richtigen Annahme aus - hat die polnische Regierung den sehr verständlichen Wunsch, daß der wirklich
zuständige Souverän - auch völkerrechtlich zuständige, und das ist der gesamtdeutsche Souverän - eine
solche Entscheidung trifft. Es gibt in Polen Wünsche,
daß vor dieser Entscheidung eines freigewählten
deutschen Parlaments in der Ratifikation, die dann
notwendig ist, in den beiden deutschen Staaten Entscheidungen getroffen werden. Wir haben dazu im
Deutschen Bundestag eine ganz klare, mit riesiger
Mehrheit getroffene Entscheidung bekanntgegeben,
die noch einmal diese Linie bestätigt.
Bush: Darf ich vielleicht hinzufügen, wenn Sie gestatten, Herr Bundeskanzler, daß die amerikanische Position
die ist, daß die Vereinigten Staaten die Bestimmung
der Helsinki-Schlußakte hinsichtlich der Unverletzlichkeit bestehender Grenzen in Europa respektieren.
Und die Vereinigten Staaten erkennen formell die
gegenwärtig bestehende deutsch-polnische Grenze
an.
Frage: Glauben Sie, daß es einen Unterschied gibt
zwischen dem, was Sie gerade gesagt haben und
dem, was der Kanzler gesagt hat? Ich habe den
Eindruck, daß die Aussage des Kanzlers nicht ganz
eindeutig ist. Hier besteht ein Unterschied zwischen
dem, was der Kanzler gesagt hat, und was Sie sagen.
Bush: Ich glaube, wir sind uns da einig. Die beiden
Positionen stimmen überein. Ich würde nicht sagen,
daß sie in irgendeiner Weise unklar war. Ich habe
Ihnen gerade die amerikanische Position vorgetragen.

Seite 3

�Frage: Können Sie uns bitte sagen, in welcher Weise
der 2 plus 4-Prozeß funktionieren wird, ob diese Sitzungen hintereinander stattfinden? Da besteht sehr
viel Verwirrung.
Bush: Diese Einzelheiten wurden noch nicht bis ins
einzelne definiert in bezug auf welche Gespräche wo
und wann. Diese Formel wurde von den Außenministern in Ottawa genehmigt. Und wir haben nicht den
Versuch gemacht, hier in Camp David nun bis ins
Kleinste festzulegen, in welcher Weise man da verfahren soll bei den 2 plus 4-Sitzungen.
Frage: Ich fürchte, ich sehe es jetzt nicht klarer als vor
Ihrer Antwort. Sollen die Deutschen ihre Sitzungen
gleichzeitig abhalten und dann die NATO?
Bush: Diese Einzelheiten wurden bisher noch nicht
festgelegt. Und es wäre nicht richtig, wenn die Vereinigten Staaten allein mit dem deutschen Bundeskanzler diese ganzen technischen Einzelheiten erarbeiten,
von denen andere schließlich auch betroffen sind. Und
deshalb haben wir es nicht gemacht.
Kohl: Ich möchte gerne auch eine kurze Bemerkung
zu diesem Thema machen, zumal ich nicht glaube,
daß es irgendeinen Grund gibt, die Dinge mit Mißtrauen zu betrachten. Ich bin sehr zufrieden mit der
Entscheidung, die in Ottawa getroffen wurde: 2 plus 4.
Es ist ganz natürlich, daß sich die beiden Staaten in
Deutschland, vor allem auch nach der Wahl nach dem
18. März, in einer besonderen Weise über dieses
Thema unterhalten. Das geht ja nun wirklich die
Deutschen primär an. Ich habe es in meinem Beispiel
mit den beiden Schienen, auf denen die Entwicklung
vorangehen muß, deutlich gemacht.
Wir werden dann - 2 plus 4 - miteinander ganz offen
über alles zu reden haben. Und hier geht es nicht
darum, irgendjemand auszutricksen - das war sozusagen der Hintergrund Ihrer Frage -, sondern hier geht es
darum, daß man über die Dinge dann sehr im Detail
sprechen muß. Und ich sehe das in einer brauchbaren
Zeit absolut für machbar.
Frage: Herr Präsident und Herr Bundeskanzler, welche Rolle spielen die Polen in diesem Prozeß? Sind sie
mit unter den 35 am Ende? Wie sind die Polen in
diesen Prozeß eingebettet?
Bush: Mir sind die Gefühle Polens bekannt. Sie
hätten statt 2 plus 4 gerne 2 plus 5. War das der
Hintergrund Ihrer Frage? Auf die 2 plus 4 hat man sich
eindeutig geeinigt. Es läßt sich keine Einigung erzielen, die die polnische Grenze betrifft, ohne daß die
Polen beteiligt werden. Aber wir versuchen hier nicht
eine Vereinbarung zu ändern, die von mehreren Ländern in Ottawa getroffen wurde. Das wollen wir nicht.
Das wollen wir nicht anfangen.
Ich sollte aber vielleicht hinzufügen, daß es alle möglichen Konsultationswege geben wird, nicht nur um die

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Interessen der Polen mit zu berücksichtigen, sondern
auch im Interesse anderer. Der Kanzler hat das in
hervorragender Weise schon ins Auge gefaßt. Auch
wir sind dazu entschlossen. Es ist wichtig, daß wir mit
den Alliierten und Verbündeten die gleiche Wellenlänge haben.
Kohl: Ich will das unterstützen, was der Präsident
gesagt hat. Ich sehe natürlich das besondere Interesse, das Polen hat. Und ich bin sicher, daß wir im
Verlaufe dieses Prozesses, auch dieser Arbeit Wege
finden, um eine befriedigende Lösung für alle Beteiligten zu finden. Ich glaube, jeder von uns hat das Gefühl,
daß es hier eine Besonderheit gibt. Aber ich halte es
für wenig sinnvoll, daß wir beide heute, während die
anderen Partner nicht präsent sind, darüber irgendwelche Erklärungen abgeben.
Frage: Herr Präsident, Herr Bundeskanzler, unser
ehemaliger eigener Nachrichtendienstdirektor hat diesen
Marsch zur Einigung einen eingleisigen Schachzug
genannt. Angesichts der deutschen Geschichte sollten sie die Zusicherung hinsichtlich der Grenze geben,
ehe diese Einigung zustande kommt.
Bush: Ich glaube, diese ganzen Angelegenheiten
werden in den Konsultationsgruppen, die wir einrichten werden, besprochen werden. Aber ich sehe Deutschlands 45jährigen Beitrag zur Demokratie und den
Beitrag zur Sicherheit des Westens. Das ist die Sache,
die für mich im Mittelpunkt steht. Deshalb habe ich den
Regierungen die Position der Vereinigten Staaten klar
zum Ausdruck gebracht. Wir haben keine Angst vor
der deutschen Wiedervereinigung, sondern wir verstehen es, wenn Brüder und Schwestern auf beiden
Seiten der Grenzen zusammengeführt werden wollen,
wie sie es schließlich waren vor der künstlichen Teilung, die sich aus dem Zweiten Weltkrieg ergab.
Wir haben also dieses Problem schon hinter uns. Wir
begrüßen nämlich die Vereinigung. Aber es ist nicht
Sache der Vereinigten Staaten, hier irgendwelche
Zeitpläne festzulegen. Es ist nicht unser Recht, zu
sagen, wie schnell das geschehen soll. Es ist unsere
Aufgabe, in Konsultationen mit unseren Verbündeten
sicherzustellen, daß das, was immer da geschaffen
wird, stabil ist und daß Frieden das Endresultat sein
wird. Ich habe Ihnen in meiner Erklärung schon die
amerikanische Position zur Vereinigung dargelegt.
Wir versuchen das nicht zu beschleunigen oder zu
verlangsamen. Das ist eine Angelegenheit, die die
Deutschen betrifft, und dann gibt es die multilateralen
Diskussionen.
Kohl: Ich möchte zu dieser Frage gern etwas sagen,
weil es eine sehr zentrale Frage ist. Ich bin dankbar
dafür. Die Frage der deutschen Einheit ist eine Frage
des Selbstbestimmungsrechts. Und das Selbstbestimmungsrecht steht allen Völkern dieser Erde zu. Es
ist ein Teil der Charta der Vereinten Nationen. Es
entspricht den Grundsätzen der KSZE. Es entspricht

AMGRIKA DIENST 8

�einer großen demokratischen Tradition unserer Welt.
In allen Dokumenten, in allen Verträgen, die mit der
Bundesrepublik abgeschlossen wurden, wurde der
Wille zur Einheit der Nation der Deutschen immer
unterstützt und bekräftigt. Das ist eine Realität.
Die zweite Realität ist, daß die Menschen in Deutschland zueinander kommen wollen, daß sie diese künstliche Teilung überwinden wollen. Die Menschen in der
DDR haben in einer friedlichen Revolution, der wohl
friedlichsten Revolution der Geschichte, deutlich
gemacht, was das Volk will. "Wir sind das Volk!" und
"Einig Vaterland!" haben sie gerufen. Doch, auch
wenn ich dies alles empfinde, mit Bewegung empfinde,
bleibt uns Deutschen die Pflicht, in einem Blick auf die
Karte die Geographie zu erkennen, daß wir mitten in
Europa sind, daß wir nicht allein sind, daß wir eine
Geschichte und eine Belastung der Geschichte mit
uns tragen, daß wir Verständnis haben müssen für
Ängste, auch unserer Nachbarn, wobei ich von den
wirklichen Ängsten rede und nicht von vorgegebenen
Ängsten, denn manche sprechen von Ängsten und
meinen die Wirtschaftskraft der Bundesrepublik plus
die Erweiterung um die DDR.
Wissen Sie, der Präsident hat das zu Recht gesagt:
Die Bundesrepublik ist im letzten Jahr vierzig Jahre alt
geworden. Sie war in diesen vierzig Jahren ein treuer
zuverlässiger Partner in schwierigsten Zeiten für
Menschenrechte, für die Verteidigung der Freiheit. Im
Jahr 1983 habe ich meine politische Existenz aufs
Spiel gesetzt bei der Stationierung der Mittelstreckenwaffen und zur Stabilisierung der NATO beigetragen.
Insofern braucht mir niemand zu sagen, was ein zuverlässiger Partner ist.
Aber ich sehe diese Gegebenheiten, und ich habe in
meinem Statement deutlich gemacht - das ist auch
eine Antwort auf Ihre Frage -, daß ich zu denen gehöre,
die die politische Integration Europas vorantreiben
wollen. Die Bundesregierung ist eine Regierung, die
bereit ist, weitere Zuständigkeiten und Rechte auf das
Europäische Parlament zu übertragen. Das heißt: wir
wollen, daß dieses vereinte Deutschland immer stärker eingebunden ist mit seinen Nachbarn in den europäischen Integrationsprozeß. Und deswegen braucht
niemand Angst zu haben.

Das wäre doch ganz eindeutig nicht unsere Position,
hätten wir die Befürchtung, auf die Ihre Frage anspielt.
Ich glaube, daß eine Möglichkeit zur Sicherung der
Stabilität nicht im Hinblick auf diese Frage, sondern
insgesamt im Hinblick auf Stabilität in Europa, darin
besteht, daß man eine starke NATO hat und daß
amerikanische Truppen, soweit sie erwünscht sind, in
Europa stationiert bleiben. Wenn ich allerdings die
Befürchtung teilte, auf die sie verwiesen, dann wäre
unsere Politik doch wohl eine andere.
Frage: Wie haltbar sind die NATO-Verpflichtungen
angesichts der Unterstützung in der Bundesrepublik
für ein neutrales Deutschland? Welche Chance geben
Sie den ostdeutschen Wahlen angesichts des politischen Drucks, dem Sie sich Ende des Jahres wegen
der Wahlen entgegensehen werden?
Kohl: Zunächst einmal sind die Wahlen in der Bundesrepublik Ende Dezember meine Sache. Ich sehe
diesen Wahlen mit großer Ruhe entgegen.
Inwieweit wir zuverlässig sind? Ich habe das Beispiel
eben gebracht. Wenn ich hier gestanden hätte im
Herbst 1982 oder im Januar 1983, hätten die meisten
Ihrer Kollegen bezweifelt, daß die Deutschen stationieren werden. Wir haben stationiert. Und deswegen
brauchen wir nun wirklich nicht eine Nachhilfe im Blick
auf Zuverlässigkeit. Neutralismus wäre ein totaler
Irrweg für die Deutschen. Ich sehe keine Mehrheit in
Deutschland - weder in der Bundesrepublik noch in
einem wiedervereinigten Deutschland für eine Neutralisierung.
Wir haben jetzt das letzte Jahrzehnt dieses Jahrhunderts. Sie dürfen uns zutrauen, daß wir die Fehler, die
in diesem Jahrhundert schon begangen wurden, nicht
wiederholen. Aber ein Fehler war natürlich auch zur
Zeit der Weimarer Republik, daß man damals Deutschland isolierte. Deutschland darf auf keinen Fall isoliert
werden. Es muß ein Teil des Ganzen sein, und das
wollen wir.
Frage: Herr Bundeskanzler, wenn Sie die Ergebnisse
von Camp David hier bewerten, haben Ihre Gespräche
den Weg zur deutschen Einheit hier beschleunigt oder
verlangsamt?

Herr Kohl, erwarten Sie das?

Kohl: Ich glaube nicht, daß das unser Thema ist. Ich
muß überhaupt sagen, daß ich diese Diskussion, wer
beschleunigt oder wer verlangsamt, für wenig sinnvoll
halte. Ich hatte im November die Zehn Punkte vorgeschlagen unter einer Zeitvoraussetzung, die völlig
anders war als heute. Ich hatte im November wirklich
gedacht - und das ist erst wenige Wochen her -, daß wir
auf dem Weg zur deutschen Einheit mit ruhigen Schritten vorankommen könnten, daß wir die Chance hätten, erst eine Vertragsgemeinschaft, dann konföderative Strukturen und dann eine Föderation zu bilden.

Bush: Ich habe erklärt, daß die amerikanische Position darin besteht, daß wir die Vereinigung begrüßen.

Die Entscheidung der Menschen in der DDR hat diese
Beschleunigung herbeigeführt, eine Beschleunigung,

Und was die Wirtschaftskraft betrifft, kann ich nur
sagen: Die EG hat große Vorteile von der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik gehabt. Die Europäische
Gemeinschaft wird noch größere Vorteile von der
Wirtschaftskraft eines vereinten Deutschlands haben.
Frage: Herr Präsident, ich möchte folgendes fragen:
Haben Sie Vertrauen, daß Deutschland nie wieder
eine aggressive Militärmacht werden wird?

AMERIKA DIENST 8

Seite 5

�an der ich nicht interessiert bin, denn überlegen Sie
einmal, seit dem 1. Januar bis zum heutigen Tag sind
erheblich über 100 000, ich schätze 110 000 Bürger
der DDR dort weggegangen. Wenn ich die Zahl richtig
im Kopf habe, ist das die Einwohnerzahl einer Stadt
wie Philadelphia - in acht Wochen. Dieser Proze ß mu ß
gestoppt werden. Und deswegen kam mein Angebot
- ich habe mir das an Weihnachten noch ganz anders
vorgestellt -, jetzt die Währungsunion zu machen, um
die Menschen in ihrer Heimat zurückzuhalten, damit
sie dort ihre Zukunft finden.
Wenn es nach mir geht, brauchen wir jetzt eine Entwicklung, in der wir mit Augenmaß Schritt für Schritt
den Weg zur Einheit gehen. Wir brauchen das aus
innerdeutschen Gründen - das sind riesige Probleme
etwa im Sozialbereich -, aber wir brauchen es auch
wegen unserer Nachbarn. Die Dynamik, die jetzt
entstanden ist, entstand aus der Situation der Menschen in der DDR und nicht, weil irgendjemand diesen
Prozeß beschleunigen wollte. Ich hoffe, daß nach der
Wahl in ein paar Tagen am 18. März das neugewählte
Parlament schnell eine Regierung wählt und daß dann
eine Beruhigung eintritt und wir den Weg nicht in einer
Hektik vorangehen. Ich bin an einer Hektik nicht
interessiert.
Bush: Die deutsche Presse hatte gebeten, daß auch
ich die Frage beantworte, das heißt, daß ich mich
äußere zu der Natur, zum Wesen der Gespräche.
Wissen Sie, in der Diplomatie heißt es immer "umfassend" und "aufrichtig" und "freimütig". Das können
Sie dann auslegen, wie Sie wollen. Ich sehe den
Nutzen solcher Gespräche darin, daß man in einer
sehr zwanglosen Runde über praktisch alle Themen
sprechen kann und daß meine persönlichen Beziehungen zu Kanzler Kohl und die Beziehungen zwischen
Amerika und der Bundesrepublik es uns möglich machen,
ganz offen miteinander zu sprechen.
Aber was grundsätzlich dabei herauskommt, ist die
Tatsache, daß wir unsere Verbündenten einbeziehen.
Ich glaube, der Kanzler teilt mit mir die Ansicht, daß es
wichtig ist, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in enger Beziehung bleiben. Ich weiß, daß er mit
mir der Ansicht ist, daß es wichtig ist, im Hinblick auf die

Sowjetunion Fortschritte in der Rüstungskontrolle und
anderen Bereichen zu erzielen.
Jetzt mit dem Abschluß unserer Gepräche wurde das
Gespräch immer offener. Wir können wirklich wie
Freunde miteinander reden, denn wir haben soviel
Gemeinsamkeiten in unserer Ansicht zur Vereinigung,
Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Notwendigkeit, (nicht)
so zu verfahren, daß es so aussieht, als wolle irgendeiner von uns den Verbündeten Sicherheitsvorkehrungen für die Zukunft diktieren.
Das war also ein sehr gutes Gespräch.

Seite 6

Frage: Können Sie sich nochmals dahingehend äußern,
ob Sie sich vorstellen können, daß ein vereinigtes
Deutschland es für richtig halten wird, eine unabhängige Atommacht zu schaffen?
Kohl: Nein, diese Diskussion ist bei uns längst ausgestanden. Wir haben keine Sehnsucht nach einer
Atommacht.
Frage: Herr Präsident, wer ist denn nun der Feind?
Zunehmend ist es immer weniger die Sowjetunion.
Einen Grund für die Aufrechterhaltung der NATO und
die weitere Stationierung der amerikanischen Truppen
in der NATO liegt doch dann offensichtlich darin, die
Deutschen niederzuhalten, also die Deutschen in der
Hand zu behalten?
Bush: Der Feind ist die Unvorhersehbarkeit, der Feind
ist die mangelnde Stabilität. Und aus eben diesem
Grunde gibt es vereinbarte Sicherheitsvorkehrungen,
und das ist die Antwort. Wer hätte denn hier mit
Sicherheit vorhersagen können, daßsich die Änderungen, die im letzten Jahr stattgefunden haben, auch
abspielen würden? Doch wohl niemand hier oben vielleicht der Herr Bundeskanzler, aber der Präsident
der Vereinigten Staaten hätte das nicht vorhersagen
können.
Und deshalb bleibt in einer Zeit der rapiden Änderungen doch sicherzustellen, daß die osteuropäischen
Länder, die jetzt das Joch des Kommunismus abwerfen, das machen können. Das ist schließlich Ausdruck
dafür, daß die Politik der NATO sich bewährt hat. Die
Sowjetunion führt dramatische Veränderungen durch,
aber es kann letztlich keiner mit Sicherheit voraussagen, was uns noch bevorsteht, was noch kommen
wird.
Was wir also tun wollen, ist, zu versuchen, in der
Zusammenarbeit mit der NATO die Stabilität zu fördern. Und das ist im Interesse der Vereinigten Staaten
von Amerika. Einige Leute in unserem Lande sagen und der Kanzler und ich haben darüber gesprochen daß wir alle Truppen abziehen sollten. Andere sagen,
ziehe man doch alle sowjetischen Truppen und die
amerikanischen Truppen aus Europa ab. Meiner
Ansicht nach wäre das nicht gut für die Stabilität in
Europa.
Und deshalb, um auf Ihre Frage zurückzukommen, ist
der Feind heute Instabilität und Unvorhersehbarkeit in
Zeiten des dramatischen Wandels in der Sowjetunion
und in Osteuropa.
Kohl: Ich würde das Stichwort von der Stabilität und
Instabilität gerne aufnehmen. Ich halte das für eine der
wichtigsten Aufgaben aller Verantwortlichen in West
und Ost - und das gilt in hohem Maße auch für die
deutsche Politik -, daß wir alles tun, um eine Destabi-

AMERIKA DIENST 8

�lisierung in Europa, vor allem auch in Mitteleuropa, zu
vermeiden. Ich werde das Notwendige dabei tun. Ich
bin mir übrigens in dieser Frage nicht nur mit dem
Präsidenten einig, sondern genauso mit Generalsekretär Gorbatschow. Wir haben erst vor wenigen
Tagen darüber gesprochen.
Was übrigens Ihr Verhältnis NATO und Bundesrepublik betrifft, scheinen Sie sich im Kalenderjahr getäuscht zu haben. Wir schreiben nicht das Jahr 1950,
sondern das Jahr 1990.
Frage: Herr Bundeskanzler, ich möchte auf das
zurückkommen, was Sie über die Information der
Alliierten gesagt haben, hätten Sie es gern, daß ein
NATO-Gipfel stattfindet, auf dem die Einigung besprochen wird?
Bush: Ich werde den Bundeskanzler bitten, auch
darauf zu antworten. Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt
brauchen wir keinen NATO-Gipfel. Jim Baker hielt
gerade eine sehr erfolgreiche Sitzung in Ottawa ab. Er
hatte dort gute Gespräche. Ich würde nicht sagen, daß
das, was wir jetzt brauchen, unbedingt ein NATOGipfel ist. Es geht hier um den KSZE-Gipfel, vorausgesetzt, daß es zum VKSE-Abkommen, Wien I, kommt.
Und dann haben wir die Sitzung mit Herrn Gorbatschow im Juni und im Herbst die G-7. Wir haben alle
möglichen Konsultationsmechanismen laufen.
Und vielleicht möchte der Bundeskanzler da noch ein
paar Worte hinzufügen hinsichtlich der Notwendigkeit
einer Zusammenarbeit innerhalb der NATO.

Das Entscheidende ist, daß wir einander informieren.
Dazu braucht man meiner Ansicht nach nicht einen
NATO-Gipfel, denn die meisten NATO-Verbündeten
haben ohnehin Gemeinsamkeiten. Da ist mal eine
Sorge hier, ein Vorschlag dort, aber insgesamt gesehen sind wir, glaube ich, alle auf der gleichen Wellenlänge innerhalb der NATO.
Wollen Sie dazu was sagen, Herr Bundeskanzler?
Kohl: Ich stimme dem, was der Präsident eben gesagt
hat, Wort für Wort zu. Ich will es aber noch um einiges
erweitern. Das, was jetzt geschieht, ist für viele eine
völlig überraschende neue Situation, auch für jene, die
immer davon gesprochen haben, aber in Wahrheit
nicht daran geglaubt haben, daß der Tag kommt. Und
jetzt kommt der Tag. Und deswegen ist es ungeheuer
wichtig, daß wir möglichst viel miteinander sprechen,
daß kein Mißtrauen aufkommt. Und das trifft vor allem
auch uns Deutsche in der Verantwortung, in der wir
stehen.
Ich bin nicht der Auffassung, daß es im Moment einen
Sinn macht, einen NATO-Gipfel zu machen. Aber ich
bin sehr wohl der Auffassung, daß wir sehr viele
detaillierte Gespräche führen. Wir werden in der EG
am 28. April einen Gipfel in Dublin informeller Art
haben, wie wir ihn Anfang Dezember in Paris hatten.

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Irland hat jetzt die Präsidentschaft. Ich werde dort über
die ganze Entwicklung berichten. Darüber wird diskutiert. Ich selbst werde bei Gesprächen mit den Bevollmächtigten der einzelnen Länder der NATO in Brüssel
zur Verfügung stehen. Und ich habe eine Fülle von
persönlichen Kontakten. Gestern vor acht Tagen traf
ich mich in Italien mit meinen Kollegen aus Belgien,
aus den Niederlanden, aus Luxemburg und aus Italien
und anderen. Bevor ich hierher ging, habe ich lange
mit meinem Freund Mulroney, dem Nachbarn hier,
gesprochen. Wir werden uns auch in irgendeiner
Weise verabreden.
Mir geht es darum, um es einmal einfach zu sagen, daß
wir mit ganz offenen Karten und ohne Geheimnistuerei
den Weg gemeinsam gehen. Und wir werden dabei
auch ein gutes Ergebnis erzielen.
Frage: Herr Bundeskanzler, teilen Sie die Auffassung,
daß ein vereintes Deutschland Vollmitglied der NATO
und auch der militärischen Struktur der NATO sein
muß?
Und, Herr Präsident, erwarten Sie, daß am Ende des
2 plus 4-Prozesses ein Friedensvertrag im ursprünglichen Sinne nicht mehr erforderlich sein wird?
Kohl: Den erstenTeil kann ich ganz einfach beantworten: Ja.
Bush: Wir stimmen dem zu. Und letztlich werden die
vier Mächte, die am Ende des Krieges diese Rolle
übernommen haben, das regeln. Aber ob das nun
einen formellen Vertrag erforderlich macht oder nicht,
weiß ich nicht. Es wird jedenfalls irgenwie eine Lösung , einen Abschlu ß geben, so daß da nicht weiterhin
die Notwendigkeit für diese Vier-Mächte-Vereinbarung besteht, die einem demokratisch vereinten Deutschland ständig über die Schulter guckt.
Frage: Herr Bundeskanzler, wurde bei diesen Gesprächen, die so frank und frei waren, auch die Eventualität diskutiert, was zu unternehmen wäre, wenn die
Sowjetunion mit der NATO-Mitgliedschaft der beiden
deutschen Staaten nicht einverstanden wäre?
Kohl: Wir haben über vieles gesprochen und auch
über das, was wir mit der Sowjetunion besprechen
wollen, besprechen müssen.
Frage: Und Herr Präsident?
Bush: Wir werden tun, was Lyndon Johnson getan
hat. Wir werden miteinander argumentieren. Und das
wird sich dann schon ergeben. Das geht dann in
Ordnung.
Frage: Wenn Daniel Ortega heute gewählt wird, werden die Vereinigten Staaten ihn dann als legitimes
Regierungsoberhaupt Nicaraguas betrachten?

Seite 7

�Bush: Wir werden abwarten, um zu sehen, wie frei
und fair die Wahlen waren. Ich weiß nicht, ob das hier
live nach Nicaragua übertragen wird, aber ich möchte
hier unter gar keinen Umständen irgendwelche hypothetischen Erwägungen hinsichtlich eines entsprechenden Sieges machen, denn wir stehen doch letztlich zu
denen, die sich zur Demokratie bekannt haben. Das
heißt: Ich werde mich mit dem Problem auseinandersetzen, wenn es eintritt.
Ich darf aber sagen: Wenn diese Wahlen nachweislich
frei und fair waren, dann wird sich ergeben, daß, wer
immer die Wahlen gewinnt, er ein besseres Klima, eine
bessere Atmosphäre haben wird, in der die Beziehungen mit Nicaraguasich verbessern können. Wir haben
bisher Schwierigkeiten, weil Nicaragua immer gesagt
hat, wir geben der FMLN keine Waffen. Inzwischen
haben sie gesagt: Wenn wir gewählt werden, geben
wir der FMLN keine Waffen. Bestimmte Dinge sind
aber nicht akzeptabel, nicht nur für die Vereinigten
Staaten, sondern für die anderen Länder in der Hemispäre auch.
Wir werden also abwarten müssen, um zu sehen, was
wir machen werden. Aber eine freie und faire Wahl, die
nachweislich als solche bestätigt wurde, wäre dann in
unserem Verhältnis sehr nützlich.
Frage: Würde eine solche Wahl eine amerikanische
Initiative erforderlich machen?
Bush: Das ist jetzt eine reine Hypothese, denn wir
müssen erst mal wissen, was bei den Wahlen tatsächlich herauskommt. Und wir müssen dann weiterhin
auch wissen, was danach kommt. Ich glaube, der
Außenminister hat es vor dem Kongreß sehr klar und
so gut zum Ausdruck gebracht, als er sagte: Wir
brauchen eine gewisse Zeit, in der die Dinge sich
stabilisieren, aber ich würde die FMLN als einen Bereich bezeichnen, in dem sich eine Veränderung schon
abzeichnet. Ein demokratischer Prozeß ist wichtig,
aber was dann auch tatsächlich passiert in bezug auf
Pressefreiheit, die Gewährung freier Institutionen, die
Protest- und Versammlungsfreiheit, Redefreiheit, sind
das alles wichtige Dinge.
Ich kann dazu nur sagen: Wer immer diese Wahl
gewinnt und wenn sich erweist, daß sie frei und fair
war, dann wäre das eine gute Sache und wir würden
zweifellos sehr die Tatsache berücksichtigen, daß
dadurch dann der Wille des Volkes zum Ausdruck
gebracht worden ist, und darauf unsere nächsten
Entscheidungen stützen.
Mir wäre es sehr lieb, wenn Nicaragua friedlich leben
wollte, den eigenen Leuten eine Chance gibt, die
Demokratie zu verwirklichen und die Nachbarn in Ruhe
läßt. Wenn das tatsächlich der Fall wäre, kann ich
Ihnen garantieren, daß die Beziehungen zu Nicaragua
verbessert werden.

Seite 8

Frage: Im Dezember sind Wahlen. Können Sie, Herr
Bundeskanzler, angesichts der Entwicklung in Deutschland sagen, ob es sicher noch eine Bundestagswahl
oder eine gesamtdeutsche Wahl sein wird?
Kohl: Ich gehe davon aus, daß wir in der Bundesrepublik Deutschland Anfang Dezember eine Bundestagswahl haben, wie sie der Verfassung entspricht.
Frage: Herr Bundeskanzler, Sie haben vorhin die
Stationierungsfrage angesprochen. Haben Sie an
diesem Wochenende auch über die Zukunft der nuklearen Kurzstreckenwaffen gesprochen?
Kohl: Wir haben darüber gesprochen, wie sich der
Prozeß für die nächste Zeit hierzu entwickeln wird und
welche Entscheidungen dann auch im Sinne dessen,
was wir im vergangenen Frühsommer in Brüssel verabredet haben, zu treffen sind.
Frage: Herr Präsident, Sie haben gesagt, Sie wären
überrascht, daß die Einigung schneller erfolgte, als Sie
selbst erwartet hätten. Glauben Sie, daß die anderen
Verbündeten in Europa, die relativ zurückhaltend wegen
des Tempos der Einigung sind, nicht richtig informiert
sind oder es mißverstanden haben?
Bush: Ich glaube, sie würden sich über die Vereinbarung freuen, die heute hier erwähnt worden ist. Ich
kann natürlich verstehen, wenn einzelne das Problem
aus anderer Sicht sehen. Aber das Bündnis steht in
Sicherheitsfragen fest zusammen. Ich glaube, die
Allianz wird fest zu dem stehen, was der Kanzler heute
erneut über die NATO-Mitgliedschaft gesagt hat.
Ich kann also verstehen, daß einzelne Länder gegebenenfalls mehr Klarheit benötigen, Fragen aufzuwerfen.
Das ist für uns kein Problem. Ich habe die Position der
Vereinigten Staaten zum Ausdruck gebracht und werde
das gern noch einmal tun und immer wieder tun und
dies mit den Alliierten auch weiter absprechen.
Keiner der alliierten Politiker hätte voraussagen können, wie schnell und wie dynamisch sich die Änderungen in Osteuropa vollziehen würden. Wir versuchen
jetzt zu sehen, wie das läuft. Das Entscheidende
hierbei sind nicht Nuancen in bezug auf unterschiedliche Meinungen, sondern das Entscheidende sind die
enormen Gemeinsamkeiten in unserem Ansatz, in
unserem Herangehen an die Probleme, vor allem im
Verhältnis zwischen dem Kanzler und mir.
Frage: Eine Frage an Sie beide, meine Herren:
Könnte die NATO möglicherweise verschwinden und
ein europäisches Sicherheitssystem an ihre Stelle
treten? Wurde das von Ihnen besprochen?
Bush: Wir haben selber über eine möglicherweise
unterschiedliche Rolle für die Organisation gesprochen. Wir haben auch mit Manfred Wörner neulich
darüber gesprochen, daß die NATO eine weiterreichende Rolle spielen könnte. Aber ich glaube nicht,

AMERIKA DIENST 8

�daß am Ende dieser Gespräche der Kanzler und ich da
irgendwelche Meinungsunterschiede haben. Wenn es
Nuancen gibt, möge er sich dazu äußern, aber ich
glaube es nicht.
Kohl: Ich kann nur sagen: Es ist doch eine ganz
natürliche Sache, daß angesichts der dramatischen
Veränderungen in der Welt, in der wir uns befinden denken Sie nur einmal jetzt an das Bild des Warschauer Pakts -, wir mit dem Warschauer Pakt - NATO Warschauer Pakt, USA - Sowjetunion - sprechen über
die zukünftige Entwicklung. Manfred Wörner hat in
diesen Tagen - ich vermute auch hier - mit Recht darauf
hingewiesen, daß die politische Bedeutung der Allianz,
der NATO zunehmen wird. Und das ist auch richtig.
Und wissen Sie, es gibt nicht wenige, auch in den
Reformstaaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas, die
sich im Augenblick nun wirklich nicht von der NATO
bedroht fühlen, sondern die die NATO als einen Hort
der Sicherheit und der Stabilität betrachten. Und das
muß man doch mit bedenken, wenn man über die
zukünftige Entwicklung spricht.

Ich bin in dieser Frage ganz optimistisch. Ohne eine
Weiterentwicklung dieser Gedanken werden wir auch
in der Abrüstung nicht wirklich weiterkommen. Und wir
haben doch die phantastische Chance in diesem Jahr,
daß wir in wichtigen Kapiteln der Abrüstung zu weiteren Verträgen kommen. Ich glaube nicht, daß dies die
Stunde zum Pessimismus ist.
Frage: Herr Bundeskanzler, in der Frage des Wunsches auf beiden Seiten, daß ein wiedervereinigtes
Deutschland in der NATO bleibt, haben Sie gesagt,
daß es eine Art besonderer Regelung geben sollte, um
zu garantieren, daß ein wiedervereinigtes Deutschland in der NATO bleibt. Zusätzlich hatten Sie aber
gesagt, daß besondere Vorkehrungen getroffen werden sollten, um Sicherheitsgarantien für Osteuropa
und die Sowjetunion zu gewährleisten. Schließt das
aus, daß ein vereinigtes Deutschland auch im Warschauer Pakt beteiligt werden könnte? Oder wäre es
vorstellbar, daß in einem vereinten Deutschland sowjetische Truppen stehen könnten?
Kohl: Jedenfalls ist eines ganz klar, daß ein vereintes
Deutschland nicht in zwei Paktsystemen sein kann.
Und die zweite Frage ist eine Frage der Souveränität.
Wir werden Übergangssituationen haben. Und das ist
eben das Thema, über das man verhandeln muß.
Gegenwärtig stehen in der DDR 380 000 Soldaten der
Sowjetarmee. Nach den jetzt vorgesehenen Reduzierungen wird es ungefähr noch die Hälfte sein, wenn ich
die Zahlen richtig im Kopf habe.
Es sind viele Prozesse jetzt auf den Weg zu bringen.
Und ich bin ganz und gar außerstande und auch gar
nicht willens, hier jetzt abschließende Erklärungen
abzugeben.

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Eines ist ganz klar: Ein wiedervereinigtes Deutschland
hat seine eigene Souveränität. Darüber kann es
keinen Zweifel geben. Aber das bedeutet nicht, daß
man in Übergangszeiten über Dinge nachdenken kann,
die hilfreich sind.
Frage: Können Sie mehr Einzelheiten über das nennen, was Sie in bezug auf die Sicherheitsgarantien
besprochen haben?
Kohl: Ich glaube, das ist nicht der Sinn einer Pressekonferenz, sondern erst müssen wir darüber verhandeln und dann eine Pressekonferenz abhalten.
Frage: Herr Präsident, können Sie sich eine Situation
vorstellen, bei der amerikanische Truppen noch in
Deutschland stehen, während die Sowjetunion inzwischen sämtliche Truppen von deutschem Staatsgebiet abgezogen haben?
Bush: Doch, das kann ich mir vorstellen, und der
Grund ist der, daß nämlich, wenn die Deutschen das
wollen, das auch geschehen muß. Die amerikanischen Truppen sind nicht gegen den Willen irgendeines Landes, in dem sie disloziert sind, in Europa - nicht
eines einzigen Landes. Die sowjetischen Truppen sind
seit Jahren auf Staatsgebieten, bei denen sie nicht
erwünscht sind. Das ist der fundamentale, der grundlegende Unterschied. Ich könnte mir das vorstellen.
Frage: Sie haben beide über sowjetische und amerikanische Truppen gesprochen. Aber ich möchte jetzt
eine Frage zu den deutschen Truppen stellen - sowohl
Truppen der Bundesrepublik Deutschland als auch der
DDR-Truppen. Sie haben beide umfangreiche Heere.
Das heißt, eine letzte Entscheidung über diese Heere
wird nicht getroffen, ehe die Einigung abgeschlossen
ist. Aber wie sehen Sie die Aussichten? Halten Sie es
für richtig, daß Deutschland ein Heer in dieser Größenordnung aufrechterhält, oder ist es wahrscheinlich,
daß die Truppenstärke Deutschlands verringert wird?
Kohl: Zunächst einmal ist die Frage der Truppenstärken eine Frage, die uns zwar als Deutsche direkt
berührt und interessiert, aber die eingebettet sein mu ß
in die gesamteuropäische, in die sicherheitspolitische
Entwicklung. Ich hoffe sehr, daß wir auf dem Weg zu
Abrüstung und Entspannung noch große Schritte
machen werden. Und ich hoffe auch, daß wir, die
Deutschen, dabei Nutznießer sein werden. Und deswegen kann ich Ihnen jetzt heute unmöglich, zumal ich
nicht der Vertreter einer gesamtdeutschen Regierung
bin - Sie greifen den Ereignissen schon weit voraus sagen, in welch einer Dimension sich eine solche
deutsche Verteidigungseinrichtung bewegen wird.
Aber ich glaube, das ist ein wirklich lösbares Problem,
denn auch bei dieser Frage muß man bedenken,
welche Wirkung auf die Nachbarn, und zwar auf alle
Nachbarn, in diesem Zusammenhang aufkommt. Ich

Seite 9

�habe vorhin ganz spontan auf die Frage eines Ihrer
Kollegen geantwortet, ob wir Kernwaffen haben wollen. Ich habe klar gesagt: nein. Das ist von allergrößter Bedeutung, daß da nicht zusätzliche Ängste aufkommen.
Im übrigen halte ich das wie vieles andere für eine
lösbare Aufgabe. Im Blick auf die Einigung unseres

* *

Seite 10

Vaterlandes haben wir schwierigere Probleme zu lösen als die, wenn ich etwa an die Rechtsproblematik,
so Fragen wie Privateigentum in der DDR, an das
ganze Rechtssystem, an das Sozialrecht und an so
etwas denke. Wir haben eine riesige Aufgabe vor uns,
und deswegen plädiere ich dafür, das nicht in Hektik zu
machen, sondern mit viel Überlegung.

* *

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�US-AUSSENPOLITIK
28. Februar 1990

BAKER BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG FÜR NEUE
DEMOKRATIEN
Rede des Außenministers vor dem Kongreßausschuß
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge stehen die Vereinigten Staaten uneingeschränkt hinter den
weltweit, insbesondere in Osteuropa aufkeimenden Demokratien und werden eine aktive Rolle dabei
übernehmen, ihren Erfolg sicherzustellen.
"Zweifelsohne müssen die Vereinigten Staaten eine führende Rolle bei der Erfüllung der Versprechungen dieses
neuen Zeitalters der Demokratie spielen", erklärte Baker vor dem auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 22. Februar 1990 und fügte an die jungen Demokratien gerichtet hinzu, "bei der Bewältigung dieser
Herausforderungen wird Ihnen das amerikanische Volk zur Seite stehen". Darüber hinaus habe sich die BushAdministration mit ihren Verbündeten geeinigt, "wie die Einheit Deutschlands in Frieden und Sicherheit für alle"
verwirklicht werden könne. Bei der Konferenz in Ottawa sei mit der grundsätzlichen Zustimmung der Sowjetunion
zu Präsident Bushs neuem Vorschlag zu einer Truppenstärke von jeweils 195 000 Mann der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion in einer erweiterten Region Europa Mitte ein Durchbruch bei konventioneller Rüstungskontrolle in Europa erzielt worden. Ferner erläuterte der Außenminister die Fortschritte im Bereich der Rüstungskontrolle und beim Kampf gegen Drogen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit zur Erörterung unserer
Außenpolitik und der Haushaltsvorlage für 1991. Der
Präsident und ich waren über die konstruktive Zusammenarbeit mit Ihnen, Herr Vorsitzender, den Mitgliedern dieses Ausschusses und des Kongresses sehr
erfreut und bauen auf noch bessere Zusammenarbeit
bei der vorliegenden Tagesordnung.
Gestatten Sie mir einige Bemerkungen zu meiner
jüngsten Auslandsreise, die mich nach Osteuropa und
Moskau, nach Ottawa und schließlich zum Drogengipfel in Kolumbien geführt hat. Um Zeit zu sparen, bitte
ich darum, meine schriftlichen Ausführungen dem Protokoll beizufügen.
Texaner sind dafür bekannt, interessante, lange Geschichten zu erzählen, aber ich möchte die Quintessenz meiner jüngsten Auslandsreise in wenigen Worten zusammenfassen: Wirtreten in ein neues Zeitalter
der Demokratie ein.
In Prag entsteht aus der ehemaligen tschechoslowakischen Republik eine neue, mächtige Demokratie. In
Moskau hat das Zentralkomittee der Kommunistischen
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Partei unter Führung von Präsident Gorbatschow sein
Machtmonopol aufgegeben und den Weg für ein
mögliches Mehrparteiensystem geebnet. In Bulgarien
und Rumänien drängen neue, wachsame Oppositionsgruppen auf freie und faire Wahlen - die Grundvoraussetzungen der Demokratie. In Ottawa habe ich
mit meinen Amtskollegen der NATO-Mitgliedstaaten etablierten Demokratien - zusammengearbeitet, um
Fortschritte bei Rüstungskontrolle und neuen Sicherheitsvereinbarungen zu erzielen, die endlich ein ungeteiltes und freies Europa einschlie ßlich eines demokratischen Deutschlands als Mitglied des Atlantischen
Bündnisses versprechen.
Und letzte Woche haben die Demokratien unseres
Kontinents, angeführt von Präsident Bush in Kolumbien große Fortschritte bei dem schwierigen Kampf
gegen Drogen erzielt.
Gleichzeitig mit all diesen Ereignissen führte uns die
willkommene Nachricht von der Freilassung Nelson
Mandelas den weltweiten Drang nach Freiheit plastisch vor Augen. Der Präsident brachte den Wunsch

Seite 1

�des gesamten amerikanischen Volkes zum Ausdruck,
als er erklärte, in Südafrika sei eine Zeit neuer Hoffnung angebrochen. Wir erwarten von Präsident de
Klerk die Fortführung seiner Politik, die Zukunft seines
Landes zusammen mit allen Südafrikanern neu zu
gestalten.
Zweifelsohne müssen die Vereinigten Staaten eine
führende Rolle bei der Erfüllung der Versprechungen
dieses neuen Zeitalters der Demokratie spielen. Wie
ich in Prag ausgeführt habe, müssen sicherheitspolitische und wirtschaftliche Herausforderungen überwunden und neue internationale Zusammenschlüsse
erwogen werden. Die Botschaft, die ich dort und
andernorts übermittelt habe, war die Botschaft, die alle
hören wollten: Auf Ihrem Weg zur Demokratie, bei der
Bewältigung dieser Herausforderungen wird Ihnen das
amerikanische Volk zur Seite stehen. Wir engagieren
uns nicht nur am Beginn dieses Weges, sondern bis zu
seinem Ende - bis wir gemeinsam eine neue Welt des
Friedens und der Freiheit geschaffen haben.
Ich möchte Ihnen nun kurz aus meiner Sicht von den
erzielten Fortschritten berichten und wie sich diese in
unser außenpolitisches Konzept einfügen.
Erstens haben wir umfassende Einigung erzielt, wie
die Einheit Deutschlands in Frieden und Sicherheit für
alle verwirklicht werden kann. Vor etwa einem Monat
wurde uns klar, daß das Tempo der deutschen Vereinigung eine enorme Dynamik entwickelt hatte. Die
ursprünglich für Mai vorgesehenen Wahlen in der DDR
wurden auf März vorverlegt. Der Strom der Übersiedler hielt unvermindert an.
Gleichzeitig konnte die Vereinigung nicht in einem
politischen Vakuum stattfinden. Nach 40jähriger Teilung können die beiden deutschen Staaten alleine
nicht alle sicherheits- oder außenpolitischen Konsequenzen tragen, die sich aus ihrem Zusammenschluß
ergeben. Die vier Besatzungsmächte haben historische Rechte und Vorbehalte. Darüber hinaus mu ß der
KSZE-Prozeß im Auge behalten werden - die 35
Nationen, die sich im Jahr 1975 auf Sicherheitsprinzipien für ganz Europa geeinigt haben.
Aus diesem Grund benötigten wir einen Konsens zu
diesem Problem und das Rad der Geschichte hält nicht
an. Die Zeit war reif, um einen geordneten Prozeß der
deutschen Vereinigung zu schaffen, der dem deutschen Recht auf Entscheidungsfreiheit Rechnung trägt
und gleichzeitig dem übrigen Europa gewährleistet,
daß die äußeren Aspekte entsprechend berücksichtig
werden, die sie betreffen könnten. Vor meiner Moskau-Reise habe ich den Gedanken eines solchen
Prozesses mit meinen Amtskollegen aus Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland
erörtert. Nach weiteren Gesprächen in Moskau und
Ottawa wurde die sogenannte Formel "2 plus 4" verabschiedet. Mit dieser Formel sollen sich die beiden
deutschen Staaten nach den März-Wahlen in der DDR

Seite 2

auf einen Plan zur Herstellung der inneren Einheit
einigen. Gleichzeitig treffen sich die Außenminister
der Bundesrepublik Deutschland und der DDR mit
ihren Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, den
Vereinigten Staaten und der UdSSR, um die äußeren
Aspekte der Herstellung der deutschen Einheit zu
erörtern.
Aus unserer Sicht bietet der Zwei-plus-vier-Prozeß
zahlreiche Vorteile. Er etabliert das Prinzip, daß die
Vereinigung mit der Selbstbestimmung, der freien
Wahl des deutschen Volkes beginnt. Erstellt klar, daß
die vier Mächte einer solchen Wahl zustimmen. Der
Prozeß trägt der Tatsache Rechnung, daß bei einer
solchen Vereinigung umfassendere, legitime Sicherheitsinteressen auf dem Spiel stehen, und er weist den
vier Mächten, einschließlich der Sowjetunion, bei der
Berücksichtigung dieser Interessen eine bestimmte
Rolle zu.
Schließlich enthält er die Absicht, dieses Thema in
Zusammenhang mit einer Gesamtbewertung allgemein- und sicherheitspolitischer Fragen im Rahmen
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) zu würdigen.
Insgesamt ergibt sich also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Rechten des deutschen Volkes und
den Sicherheitsanliegen der Nachbarn Deutschlands
und auch Europas als Ganzem. Sicherlich sind noch
eine Reihe strittiger Fragen zu lösen. Der Präsident
hat eindeutig festgestellt, daß ein vereinigtes Deutschland Mitglied der NATO sein muß. Das ist die Position
der Vereinigten Staaten, die Position des Bündnisses
und die Position von Bundeskanzler Kohl und Außenminister Genscher. Wir haben ferner im Hinblick auf
sowjetische Besorgnisse verdeutlicht, daß wir den
Vorschlag Außenminister Genschers unterstützen, die
Streitkräfte der NATO nicht nach Osten zu verschieben.
Zahlreiche andere Probleme müssen noch untersucht
und gelöst werden. Trotzdem besitzen wir nun ein
Forum, innerhalb dessen sich die Vereinigung Deutschlands auf der dringlichsten, praktischen, zwischenmenschlichen Ebene mit Unterstützung der Deutschen
und der vier Mächte entwickeln kann, während wir uns
zusammen bemühen, angemessene Sicherheitsvorkehrungen auszuarbeiten.
Zweitens haben wir in Ottawa einen bedeutenden
Durchbruch im Hinblick auf die konventionelle Rüstungskontrolle in Europa erzielt. Die Sowjets haben
grundsätzlich dem neuen Vorschlag des Präsidenten
zugestimmt, die Truppenstärke für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion in einer erweiterten Region
Europa Mitte auf je 195 000 zu begrenzen. In Moskau
hatten die Sowjets vorgeschlagen, für alle amerikanischen und sowjetischen Truppen eine gemeinsame
Obergrenze von entweder 195 000 oder - bei Einbeziehung der 30 000 außerhalb von Europa Mitte statio-

AMERIKA DIENST 8

�nierten amerikanischen Truppen - 225 000 zu vereinbaren. Ich habe Präsident Gorbatschow und Außenminister Schewardnadse erklärt, warum wir dem Prinzip der Symmetrie nicht zustimmen konnten. Es ist
eine einfache geographische Tatsache, daß bei einem
Abzug weiterhin sowjetische Truppen im europäischen
Teil der Sowjetunion stationiert bleiben, während unsere
auf der anderen Seite des Ozeans sind. Noch wichtiger und zur Zeit auf dramatische Weise verdeutlicht ist
die Tatsache, daß unsere Streitkräfte in Europa mit
Zustimmung unserer Verbündeten stationiert sind, die
eine weitere Stationierung dort wünschen, während
die Verbündeten der Sowjetunion den Abzug der
sowjetischen Truppen fordern.
In Ottawa stimmten die Sowjets einer Asymmetrie
zwischen amerikanischen und sowjetischen Truppen
zu. Sie beharrten lediglich darauf, daß der nur stillschweigend im Vorschlag des Präsidenten enthaltene
Teil - die heute außerhalb von Europa Mitte stationierten 30 000 amerikanischen Soldaten - ausdrücklich
als Obergrenze fixiert werden sollte. Der Präsident
stimmte dem zu, und das Ergebnis ist eine Obergrenze
von je 195 000 amerikanischen und sowjetischen
Soldaten in Mitteleuropa mit der Maßgabe, daß die in
anderen Teilen Europas stationierten US-Truppen die
Obergrenze von 30 000 nicht überschreiten.
Die Sowjets folgten ferner unserem Argument, daß vor
dem Abschluß eines KSE-Abkommens kein KSZEGipfeltreffen zur europäischen Sicherheit stattfinden
solle. Ich muß jedoch hinzufügen, daß auf dem Weg
zu einem KSE-Abkommen immer noch einige Hindernisse bestehen, insbesondere bei den Flugzeugen.
Was den Offene-Himmel-Vorschlag des Präsidenten
angeht, so wurden in diesem Bereich greifbare Fortschritte erzielt. Die Regierungen der 23 NATO- und
Warschauer-Pakt-Staaten begrüßten das Konzept des
Offenen Himmels als nützlichen Beitrag zu Offenheit,
Rüstungsabbau und -begrenzung. Die Teilnehmer an
der Konferenz von Ottawa einigten sich darüber hinaus auf einige der Grundelemente eines Regimes der
Offenen Himmel.
Drittens haben wir die Grundlage für ein neues, mehr
auf Zusammenarbeit ausgerichtetes Verhältnis mit
den Völkern Mittel- und Osteuropas gelegt, das auf
Demokratie, Wirtschaftsreformen, neuen Sicherheitsvereinbarungen und - auf deren Initiative - neuen
regionalen Zusammenschlüssen beruht. In einer Rede
an der Prager Karls-Universität habe ich erklärt, nachdem das Jahr 1989 das Jahr des Hinwegfegens der
alten Diktaturen war, sollte das Jahr 1990 als Jahr für
den Aufbau neuer Demokratien stehen. Die Vereinigten Staaten seien bereit, diesen Prozeß zu unterstützen, der mit freien Wahlen und dem Aufbau demokratischer Institutionen beginnt. Ich wiederholte den Ruf
des Präsidenten nach einer Vereinbarung aller KSZEMitgliedstaaten zur regelmäßigen Abhaltung freier
Wahlen. Ferner würden wir es begrü ßen, wenn Beob-

AMERIKA DIENST 8

achter aus den KSZE-Staaten bei allen in ganz Ostund Mitteleuropa versprochenen freien Wahlen zugegen wären.
Ich habe auf meiner gesamten Reise klargestellt,
insbesondere in Bulgarien und Rumänien, daß jeder
Rückfall oder Rückzugsgefechte gegen die Demokratie zu einer Einstellung unserer Hilfe für die daran
Beteiligten führen würde. Wenn die Länder dieser
Region in Freiheit florieren sollen, dann müssen sie
freie Institutionen und freie Märkte schaffen, die vor
allem den Menschen gegenüber verantwortlich sind.
Das ist die Quintessenz der demokratischen Revolution, und das ist der Grund, warum wir unsere Hilfe von
demokratischen Reformen abhängig machen. Diese
"demokratische Differenzierung", wie wir sie nennen,
wird unsere humanitäre Hilfe nicht berühren, aber sie
wird über das Ausmaß entscheiden, in dem wir zusätzliche Hilfe bereitstellen.
In Prag konnte ich den Tschechen von unserem Wirtschaftshilfepaket berichten, und ich habe sie natürlich
dringend aufgefordert, Reformen einzuleiten, die zu
einer freien Marktwirtschaft führen. Sicherlich macht
sich auch die neue Führung der Tschechoslowakei,
ebenso wie die von Ungarn und Polen, Gedanken über
neue Wege der Zusammenarbeit. Aufgrund unserer
Erfahrungen, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg bei
der Förderung einer solchen Zusammenarbeit gesammelt haben, brachte ich den Tschechen und Slowaken
gegenüber unseren Wunsch zum Ausdruck, ihre von
Präsident Havel in Warschau vorgeschlagenen neuen
Koordinierungsanstrengungen auf jede erdenkliche
Weise zu unterstützen. Solchen Bemühungen könnte
tatsächlich eine Schlüsselrolle dabei zufallen, diesen
Teil Europas von seinertraditionellen Rolle als "Länder
in der Mitte" in eine eigenständige neue und kraftvolle
Gruppe zu verwandeln.
Viertens haben wir die Rüstungskontrolle bei chemischen und strategischen Waffen gefördert. Ein wichtiger Zweck meiner Reise nach Moskau bestand darin,
Fortschritte bei den START-Verhandlungen zu erzielen. Vor meiner Abreise wurde vielfach die Frage laut,
ob wir angesichts des stattfindenden Plenums der
KPdSU überhaupt irgendetwas erreichen könnten.
Dies ist eine gute Gelegenheit, um etwas über die
politische Atmosphäre zu sagen, die wir in der sowjetischen Hauptstadt vorfanden. Bei unserer Ankunft
ging das schwierige, sogar traumatische Plenum gerade zu Ende. Präsident Gorbatschow war entschlossener denn je, seinen Einsatz für die Perestrojka noch zu
verdoppeln. Er erklärte uns, warum die Mehrheit der
Ansicht sei, daß die heutigen wirtschaftlichen und
ethnischen Probleme der Sowjetunion eher durch
radikale Fortschritte als durch eine Hinwendung zur
Vergangenheit gelöst werden könnten. Dies bedeute
die Schaffung eines auf mehr Wettbewerb beruhenden Parteiensystems mit Beendigung des Monopols
der kommunistischen Partei und Schaffung eines

Seite 3

�stärkeren Präsidialsystems, das auf dem Willen des
Volkes beruht. Es bedeute Bemühungen für radikalere
Veränderungen in der Wirtschaft. Es bedeute darüber
hinaus neue Arrangements mit den Republiken, darunter vielleicht sogar die Aushandlung von Verträgen,
in denen Rechte und Pflichten festgelegt werden.
Kurzum: Die sowjetischen Spitzenpolitiker waren zu
Schritten nach vorn bereit, und deshalb konnten wir
große Fortschritte erzielen.
Wie aus einem in Moskau veröffentlichten gemeinsamen Kommunique hervorgeht, haben die Sowjets dem
Vorschlag des Präsidenten über einen gemeinsamen
Rahmen für Fortschritte bei chemischen Waffen zugestimmt. Beide Länder haben sich zum Abschluß eines
bilateralen Abkommens beim Gipfeltreffen im Juni
entschlossen, demzufolge der größte Teil unserer
Arsenale vernichtet werden soll. Wir engagieren uns
ferner für den Abschluß multilateraler Verhandlungen
über eine Konvention zu chemischen Waffen, mit der
in den ersten acht Jahren ihrer Gültigkeit die Arsenale
weiter reduziert und chemische Waffen in den folgenden zwei Jahren beseitigt würden, wenn andere chemiewaffenfähige Länder bis zu diesem Zeitpunkt der
Konvention beigetreten sind. Dieser Rahmen ist ein
wichtiger Schritt nach vorn. Er liefert einen praktischen
Plan, mit dem das Ziel der Beseitigung chemischer
Waffen erreicht werden kann.
Zweitens sind beträchtliche Fortschritte bei START zu
verzeichnen. Der Präsident hat bereits darauf verwiesen, daß wir hoffen, bis zum Gipfel im Juni alle wichtigen Fragen zu START beantwortet zu haben. Wir
haben das Problem der Zählweise luftgestützter Marschflugkörper (ALCMs) auf eine Weise gelöst, die angestrebte Reduzierungen möglich macht und uns die
Fortführung unseres Programms gestattet: Das Problem der vom Vertrag erfaßten nichtstationierten
Reserveraketen ist im großen und ganzen beigelegt,
und bei der Verschlüsselung telemetrischer Daten
wurden Fortschritte erzielt. Bei den seegestützten
Marschflugkörpern (SLCMs) haben die Sowjets unseren klaren Ansatz akzeptiert. Ich meine damit eine
unabhängig vom START-Vertrag von beiden Seiten
abgegebene politisch verbindliche Erklärung über die
Anzahl der Raketen, die sie in einem bestimmten
Zeitrahmen besitzen möchten. Einige der schwierigsten START-Probleme sind damit jetzt gelöst und den
Genfer Verhandlungen der Weg bereitet.
Fünftens und letztens haben wir beim Gipfel von
Cartagena gemeinsam mit unseren demokratischen
Verbündeten auf diesem Kontinent bei der Drogenbekämpfung einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht.
Hersteller- und Konsumentenländer nehmen keine
Schuldzuweisungen mehr vor oder schieben sich
gegenseitig die Verantwortung für das Drogenproblem
zu. Jetzt verbünden wir uns, um diesem Wahnsinn ein
Ende zu setzen. Die Entscheidung des Präsidenten,
trotz aller Drohungen persönlich am Gipfel teilzuneh-

Seite 4

men und Präsident Barcos Entschlossenheit, etwas zu
erreichen, haben den Drogenkartellen eine wichtige
Lektion erteilt: Wir werden uns widersetzen, wir werden niemals aufgeben und letztlich werden wir den
Sieg davontragen. Wie der Präsident es formuliert hat,
verfügen wir jetzt über das erste Anti-Drogenkartell.
Wir haben eine gemeinsame Strategie, die in der
Erklärung von Cartagena niedergelegt ist und unseren
gemeinsamen Angriff auf alle Aspekte - wirtschaftliche, politische und sicherheitspolitische - des Drogenhandels koordiniert.
Herr Vorsitzender, an dieser Stelle möchte ich unsere
Finanzierungsforderung für die Haushaltsjahre 1990
und 1991 kurz darlegen - die Mittel, die wir benötigen,
um unsere Zielsetzungen zu verwirklichen. Für das
Haushaltsjahr 1991 fordern wir 20,8 Milliarden Dollar
als Mittel zur freien Verfügung für Haushaltstitel 150 eine Steigerung um 1,7 Milliarden Dollar oder 8,9
Prozent gegenüber 1990. Wir schlagen völlig neue
Finanzierungsinitiativen vor.
Die Initiativen und unser bescheidenes Programm sind
eng mit unserer Fähigkeit zum Schutz amerikanischer
Werte und Interessen in den kommenden zehn Jahren
verbunden.
Erstens fordern wir zur Unterstützung der gegenwärtig
stattfindenden dramatischen Veränderungen in Osteuropa 300 Millionen Dollar zur Förderung demokratischer Institutionen, als technische Hilfe und für Ausbildungsförderung, Umweltinitiativen und zur Finanzierung von Wirtschaftshilfe während der Übergangszeit.
Solche Unterstützung umfaßt sowohl die Entwicklung
des Privatsektors als auch Handels- und Investitionsprogramme. Meiner Ansicht nach haben wir bei einer
Initiative in der Gesetzgebung, die dem Präsidenten
Flexibilität einräumt, Fortschritte erzielt. Wenn der
Stellvertretende Außenminister Eagleburger aus Osteuropa zurückkehrt, können wir hoffentlich ein Paket
von Gesetzesvorlagen erarbeiten.
Zweitens fordern wir 500 Millionen Dollar als Nachtrag
zum Haushaltsjahr 1990 für Wirtschaftshilfe an Panama. Dieser Fonds würde den wirtschaftlichen Wiederaufbau stützen, indem er Untemehmenskredite, öffentliche Investitionen und wirtschaftliche Stabilisierung fördert.
Drittens fordern wir 441 Millionen Dollar an Militär- und
Wirtschaftshilfe sowie Unterstützung bei der Drogenbekämpfung für die Andenstaaten. Diese Initiative ist
für die Drogenstrategie des Präsidenten unabdingbar,
und nach dem erfolgreichen Gipfel von Cartagena
hoffen wir gemeinsam mit unseren Partnern auf die
Zustimmung des Kongresses zu unseren gemeinsamen Bestrebungen.
Viertens bitten wir um 888 Millionen Dollar zur Begleichung der Rückstände bei den Vereinten Nationen,
multinationalen Organisationen und Entwicklungsban-

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�ken innerhalb der nächsten fünf Jahre. Der Präsident
engagiert sich fürdie Finanzierung dieser eingegangenen Verpflichtungen. Wir erwarten, daß in den nächsten zehn Jahren eine gestärkte UNO größere Beiträge zur Bewahrung des Friedens, Rückführung von
Flüchtlingen und länderübergreifenden Problemen wie
Drogenbekämpfung, Umwelt und Terrorismus leisten
kann. Die Vereinigten Staaten müssen ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber diesen Institutionen
nachkommen.
Für unsere fünfte Initiative fordern wir 270 Millionen
Dollar für das neue Botschaftsgebäude in Moskau. Wir
haben die im vergangenen Jahr versprochene Überprüfung abgeschlossen und bitten jetzt um Ihre Zustimmung für unseren Plan.
Sechstens und letztens fordern wir 70 Millionen Dollar
als Nachtrag zum Haushalt 1990, um dem dringenden
Flüchtlingsproblem der Asylsuchenden gerecht zu werden, das sich zum großen Teil aus der zunehmenden
Liberalisierung der sowjetischen Auswanderungspolilik ergibt.

*

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Weitere Informationen zu diesen Initiativen und unserem Haushalt entnehmen Sie bitte meiner schriftlichen
Erklärung, Herr Vorsitzender.
Damit möchte ich zum Schluß kommen. Letztes Jahr
habe ich um größere Flexibilität beim Umgang mit
unseren beschränkten Mitteln nachgesucht. Zweifellos haben die Ereignisse gezeigt, daß eine solche
Flexibilität für unseren Erfolg in einer Welt immer
schneller erfolgender Veränderungen unabdingbar ist.
Aus diesem Grund möchte ich dieses Jahr meine Bitte
um einen neuen Verhaltenskodex zwischen der Exekutive und dem Kongreß im Hinblick auf Auslandshilfe
wiederholen. Wir sollten statt der Bereitstellung von
Mitteln konstruktive Konsultationen als wichtigstes Mittel
zur Erlangung eines Konsenses über programmatische Ziele betrachten und angesichts dieser außergewöhnlichen Zeiten mit ihren sich wandelnden Prioritäten gemeinsame Wege zu mehr Flexibilität suchen, die
allen Interessen gerecht wird.

* * *

*

Seite 5

�RÜSTUNGSKONTROLLE
28. Februar 1990

FORTSCHRITTE BEI SOWJETISCHER EINHALTUNG
VON RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN
Jahresbericht des Präsidenten an den Kongreß
WASHINGTON - (AD) - In seinem am 23. Februar 1990 veröffentlichten Jahresbericht an den Kongreß mit
dem Titel "Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen" (Soviet Noncompliance with
Arms Control Agreements) erklärte Präsident Bush, die von den Vereinigten Staaten erhobene "entschiedene
Forderung nach strenger Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen zeitigt positive Ergebnisse" und fügte
hinzu, er hoffe, die jüngsten korrektiven Maßnahmen der Sowjets bei Vertragsverletzungen "deuten auf eine
neue Bereitschaft hin, unsere nach wie vor bestehenden Bedenken aufzugreifen und zu lösen".
Nachfolgend bringen wir den zur Veröffentlichung freigegebenen Teil des Berichts in Auszügen.

Wie gesetzlich vorgeschrieben, lege ich diesen Bericht
über die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen vor.
Bisherige Berichte haben sowjetische Verletzungen
der wichtigsten Rüstungskontrollverträge und -abkommen dokumentiert. Trotz weiterhin bestehender ernsthafter Besorgnis über die Nichtbefolgung freue ich
mich, berichten zu können, daß unsere entschiedene
Forderung nach strenger Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen positive Ergebnisse zeitigt. Die
Sowjetunion scheint bereit zu sein, wichtige Maßnahmen zur Lösung einiger Anliegen der Vereinigten Staaten
zu ergreifen.
Rüstungskontrolle und ihre Einhaltung
Die Vereinigten Staaten erwarten ausnahmslos peinlich genaue Erfüllung aller gültigen und künftigen
Rüstungskontrollabkommen und der damit einhergehenden Verpflichtungen. Andernfalls kann der Rüstungskontrollprozeß weder Nutzen für die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten bringen noch können Verträge ratifizert werden. Ich setze mich dafür
ein, daß die gewissenhafte Einhaltung aller Rüstungskontrollabkommen und damit verbundener Aktivitäten
gewährleistet ist. Wir können und werden keinen
geringeren Standard akzeptieren. In einfachen Worten: Rüstungskontrollverpflichtungen müssen genau
definiert und gewissenhaft eingehalten werden. Mit
weniger geben wir uns nicht zufrieden.

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Meine Administration engagiert sich für die Erarbeitung neuer Rüstungskontrollabkommen, mit denen die
Bedrohung eines Kriegsausbruchs abgebaut und ein
Beitrag zur internationalen Stabilität geleistet wird.
Diese Ziele haben mehr Realitätsnähe als jemals
zuvor. Dennoch können sie nur verwirklicht werden,
wenn effektive Verifizierung und vollständige Einhaltung integrale Bestandteile des Prozesses sind. Wir
müssen feststellen können, ob die andere Partei ein
Abkommen einhält. Aus diesem Grund werde ich
weiterhin darauf bestehen, daß unsere Maßnahmen
und Mittel zur Verifizierung angemessen und wirksam
sind.
Ich hoffe, daß die jüngsten korrektiven Maßnahmen
der Sowjets bei Vertragsverletzungen auf eine neue
Bereitschaft hindeuten, unsere nach wie vor bestehenden Bedenken aufzugreifen und zu lösen. Dennoch
reicht Hoffnung auf Einhaltung nicht aus. Wenn Verletzungen von Rüstungskontrollabkommen identifiziert
werden, werden wir uns weiterhin des traditionellen
Mechanismus der Konsultationen bedienen, um uns
der Unterstützung des Kongresses zu versichern und
angemessen und besonnen zu reagieren.
Sowjetische Maßnahmen
Ich habe bereits darauf verwiesen, daß im vergangenen Jahr ermutigende Veränderungen im sowjetischen
Ansatz zur Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen zu beobachten waren. Jüngste Äußerungen des

Seite 1

�sowjetischen Außenministers Schewardnadse deuten
darauf hin, daß der neue Kongreß der Volksdeputierten in der Außenpolitik größere Verantwortung übernehmen wird. Wir hoffen, daß durch die Institutionalisierung einer verantwortlicheren sowjetischen Regierung eine dauerhafte Grundlage für konstruktiveres
sowjetisches Verhalten gelegt wird, das mit internationalen Normen und Abkommen im Einklang steht.

geleitet. Trotz dieser Aufhebung der Verletzung des
ABM-Vertrags in Gomel bestanden bei uns nach wie
vor Zweifel an der Einhaltung bestimmter, im Dezember 1988 vereinbarter Verfahren durch die Sowjets.
Wir sind zu dem Schluß gelangt, daß das in der Nähe
von Gomel stationierte FLAT TWIN-Radar und das
PAWN SHOP VAN nicht länger eine Verletzung des
ABM-Vertrags darstellen.

Ich begrüße Außenminister Schewardnadses Erklärung von Wyoming, der zufolge das Radar von Krasnojarsk vollständig beseitigt wird, wie auch seine freimütige Äußerung bei einer Plenarsitzung des Obersten
Sowjets am 23. Oktober 1989, die Errichtung des
Radars von Krasnojarsk stelle eine "eindeutige Verletzung" des ABM-Vertrags dar. Die Vereinigten Staaten
haben der Sowjetunion gegenüber erklärt, sie würden
kein START-Abkommen oder einen Vertrag über
Verteidigung im Weltraum schließen, bis Unstimmigkeiten über die Verletzung ausgeräumt seien. Das
sowjetische Engagement zur vollständigen Beseitigung des Radars von Krasnojarsk wird, wenn sie auf
eine verifizierbare Art und Weise nach amerikanischen
Maßgaben durchgeführt wird, die Atmosphäre der
bilateralen Beziehungen verbessern.

Obwohl die Sowjetunion nicht zugibt, daß ihre Aktivitäten im Hinblick auf schnelle Nachladefähigkeit die
Vertragsverpflichtungen verletzen, konnten seit 1983
keine zu Besorgnis Anlaß gebenden Aktivitäten beobachtet werden. Angesichts des langen Zeitraums seit
der letzten Beobachtung solcher Aktivitäten wird das
Problem in diesem Bericht nicht angesprochen.

Das sowjetische Zugeständnis, das Radar von Krasnojarsk sei eine "eindeutige Verletzung", war das
unmittelbare Ergebnis energischer amerikanischer
Einwände gegen diese Verletzung und fortgesetzter
Forderungen nach korrektiven Maßnahmen. Tatsächlich haben sich die Beharrlichkeit und unerschütterliche amerikanische Haltung gegen Verletzungen des
Prinzips, daß Rüstungskontrollabkommen streng einzuhalten sind, bezahlt gemacht. Die Unterstützung
des amerikanischen Kongresses in dieser Frage war
von unschätzbarem Wert dabei, die Sowjetunion zu
überzeugen, daß diese Verletzung korrigiert werden
muß. Wir müssen uns vor Augen führen, daß wir diese
positive Lösung nicht erzielt haben, indem wir vor der
Tatsache einer Verletzung zurückgeschreckt sind.
Im vergangenen Jahr hat die Sowjetunion darüber
hinaus weitere Maßnahmen zugegeben, die nicht mit
ihren Rüstungskontrollverpflichtungen in Einklang
stehen. Auch in diesen Fällen hat die Sowjetunion
Schritte unternommen, um die amerikanischen Bedenken auszuräumen. Im Hinblick auf den INF-Vertrag hat die Sowjetunion beispielsweise gewisse technische Unzulänglichkeiten eingeräumt und diese behoben. Obwohl die Sowjetunion Maßnahmen nicht
offen zugegeben hat, die nicht im Einklang mit ihren
Vertragsverpflichtungen stehen, war sie in anderen
Fällen dennoch bereit, Schritte zur Beseitigung der
amerikanischen Bedenken zu unternehmen. Obwohl
die Sowjetunion eine Verletzung des ABM-Vertrags
durch die Radarstationierung in Gomel nie offiziell
zugegeben hat, wurden mit der Zerstörung des FLAT
TWIN-Radar in Gomel und des PAWN SHOP VAN in
Gomel und Wnukowo konstruktive Schritte in die Wege

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Durchführung des INF-Vertrags
Der INF-Vertrag erfüllt weiterhin sein Ziel, eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer Raketen unter strengen Verifizierungsvorschriften abzubauen. Seit dem 30. November 1989 hat die Sowjetunion alle ihre 957 Raketen kürzerer Reichweite sowie
alle 238 Abschußvorrichtungen für diese Raketen
beseitigt. Die Sowjets haben 433 der 809 Mittelstrekkenraketen und 299 der 581 Abschuß Vorrichtungen
für diese Raketen abgebaut. Die Beseitigung der
verbleibenden amerikanischen und sowjetischen
Raketen und Abschußvorrichtungen muß bis zum 1.
Juni 1991 erfolgen.
In einem Bereich mußten die Vereinigten Staaten eine
Verletzung des INF-Vertrags feststellen:
Verlagerung von Raketen auf Abschußvorrichtungen
in Lebedin. Seit Dezember 1988 wurden sowjetische
SS-20-Raketen auf Abschußvorrichtungen vom Raketenstützpunkt in Lebedin zu den Wartungseinrichtungen für Raketen und Abschußeinrichtungen in Lebedin
verlagert, was eine Verletzung von Artikel VIII, Paragraph 8 des INF-Vertrags darstellt. Die Sowjets haben
die Vereinigten Staaten im Einklang mit dem Vertrag
über die Verlagerung unterrichtet und in der Benachrichtigung erklärt, die Route befinde sich eindeutig im
Bereich des Stationierungsgebiets. Nach einer amerikanischen Demarche räumten die Sowjets ein, bei
der Festlegung der tatsächlichen Grenzen des Stationierungsgebiets sei den Verantwortlichen vor Ort ein
technischer Fehler unterlaufen, der in der Zwischenzeit behoben worden sei. Seit jenem Zeitpunkt sind
keine weiteren Zwischenfälle mit Raketen auf Abschußvorrichtungen außerhalb des Stationierungsgebiets und der Raketenunterstützungseinrichtungen
festgestellt worden.
Bezüglich der Einhaltung ergaben sich ferner Fragen,
die jedoch nicht notwendigerweise eine Nichteinhaltung bedeuten müssen. Darunter fallen die SS-20Abschußzylinder in der Nähe von Moskau und die SS23-Startlafetten (TELs).

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�Anhaltenden Anlaß zu Besorgnis gibt die Zählweise
nach der "gleich aussehende Raketen gleich gezählt
werden". Bei zwei Gelegenheiten haben die Sowjets
Gerät unter Beibehaltung der ursprünglichen äußeren
Konfiguration modernisiert, das entweder unter den
Bedingungen des Protokolls über den Abbau oder vor
Inkrafttreten des Vertrags beseitigt werden sollte.
Unabhängig davon, ob die Modernisierung den Einsatz dieses Geräts für nicht im Einklang mit dem
Vertrag stehende Zwecke gestattet, komplizieren solche Aktivitäten die Überwachung der Vertragsbegrenzungen für das Gerät mit Nationalen Technischen
Mitteln (NTM). Diese beiden Vorfälle beziehen sich auf
einen SS-20-Abschußzylinder in der Nähe von Moskau und SS-23-Abschuß Vorrichtungen in Stankowo.
In beiden Fällen reagierten die Sowjets auf amerikanische Einwände, indem sie amerikanischen NTM oder
Inspektoren Gerät in Konfigurationen vorführten, mit
denen Zweifel an der Beschaffenheit dieses Geräts
behoben wurden.
Der ABM-Vertrag
In vorherigen Berichten kam unsere tiefe Besorgnis
über die sowjetische Nichteinhaltung des ABM-Vertrags zum Ausdruck, insbesondere beim Radar von
Krasnojarsk, das eine erhebliche Verletzung eines
Kernstücks des Vertrags darstellt. Die Sowjetunion
hat sich jetzt zum vollständigen Abbau des Radars
verpflichtet. Obwohl die Sowjets mit der Demontage
des Radars noch nicht begonnen haben, könnten
Vorbereitungen dazu bereits im Gange sein. Die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion verhandeln
derzeit über den Abbau des Radars. Wir erwarten die
unverzügliche Durchführung der sowjetischen Verpflichtung und werden die sowjetischen Maßnahmen
genau im Auge behalten.
Während mit dem Abbau des Radars von Krasnojarsk
eine wesentliche Sorge der Vereinigten Staaten ausräumt wird, bleiben weiterhin Bedenken bezüglich
sowjetischer ABM- und damit in Verbindung stehender Aktivitäten bestehen. Sie werden in diesem Bericht im einzelnen aufgeführt. Der Bau neuer weitreichender Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung (LPARs) an der Peripherie der Sowjetunion und
die Modernisierung des Moskauer ABM-Systems dem einzigen stationierten System zur Verteidigung
gegen ballistische Raketen der Welt - scheinen im
Einklang mit dem ABM-Vertrag zu stehen. LPARs
wurden jedoch schon immer als das Element einer
eventuellen territorialen Verteidigung mit langer Vorwarnzeit angesehen. Krasnojarsk ist nur eines in
einem Netz von neun solcher Radars. Da sie die
Fähigkeit zur genauen Erfassung einer großen Anzahl
von Objekten besitzen, haben diese Radars abhängig
von Standort und Ausrichtung das technische Potential, um zur ABM-Kampfführung beizutragen.
Im vorliegenden Bericht werden folgende andere
Bedenken der Vereinigten Staaten angesprochen:
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Entwicklung und Erprobung der für mobile ABMSysteme erforderlichen Bauteile,
Gleichzeitiger Einsatz von Luftverteidigungsund ABM-Bauteilen,
Entwicklung moderner Luftverteidigungssysteme, die einige ABM-Fähigkeiten besitzen können,
Gesamtumfang sowjetischer ABM- oder damit
in Zusammenhang stehender Aktivitäten, die
darauf hindeuten, daß die UdSSR eine Verteidigung ihres nationalen Territoriums vorbereitet.
Chemische, biologische und Toxin-Waffen
Die Vereinigten Staaten kommen zu dem Schluß, daß
die Sowjetunion den Vertrag über biologische und
Toxin-Waffen von 1972 weiterhin verletzt. Wie bereits
in vorherigen Berichten stellen die Vereinigten Staaten
fest, daß die Sowjets das Genfer Protokoll von 1925
und damit in Zusammenhang stehende Bestimmungen des Völkerrechts verletzt haben. Die Vereinigten
Staaten sehen keinen Grund, ihre Schlußfolgerung zu
revidieren, daß die Sowjetunion mit Produktion, Verlagerung und Einsatz von Pilzgiften zur Kampfführung in
Laos, Kambodscha und Afghanistan befaßt ist, was
eine Verletzung ihrer rechtlichen Verpflichtungen im
Rahmen des Völkerrechts darstellt, wie es im Genfer
Protokoll von 1925 und der Konvention über biologische Waffen aus dem Jahr 1972 kodifiziert ist. Diese
Verletzungen geben zusammen mit den anhaltenden
sowjetischen Aktivitäten in diesen Bereichen weiterhin
Anlaß zu ernsthafter Besorgnis. Seit dem Bericht vom
Januar 1984 liegen uns keine bestätigten Beweise
über den Einsatz todbringender Kampfstoffe vor.
Die Vereinigten Staaten sind zu dem Schluß gekommen, daß die Sowjetunion trotz gegenteiliger Behauptungen ein Programm und die Fähigkeit zu aktiver,
offensiver biologischer Kriegführung unterhält, eine
Verletzung der Konvention über Biologische und Toxin-Waffen von 1972. Wir gehen davon aus, daß die
sowjetischen Fähigkeiten modernste biologische und
Toxin-Wirkstoffe beinhalten, von denen wir nur wenig
oder gar keine Kenntnis und gegen die die Vereinigten
Staaten keine Verteidigung besitzen.
Als Ergebnis der im Jahr 1986 durchgeführten FolgeKonferenz zur Konvention über Biologische und ToxinWaffen haben sich die daran beteiligten Staaten bereiterklärt, Informationen über Einrichtungen auszutauschen, in denen risikoreiche biologische Experimente durchgeführt werden sowie über Einrichtungen,
die sich mit anderen in Zusammenhang mit der Konvention stehenden Vorhaben beschäftigen. Obwohl
wir die von den Sowjets vorgelegten Daten begrü ßt haben, sind die Vereinigten Staaten davon überzeugt,
daß weiterhin Vorhaben in solchen Einrichtungen verfolgt
werden, die unserer Ansicht nach mit dem offensiven
sowjetischen Programm in Verbindung stehen und
Seite 3

�daß nicht alle diese Programme in der sowjetischen
Erklärung enthalten waren.
Wir sind weiterhin unzufrieden mit den sowjetischen
Erklärungen zum Ausbruch von Milzbrand in Swerdlowsk im Jahr 1979. Wir haben diese Frage seit März
1980 wiederholt gegenüber den Sowjets zur Sprache
gebracht. Stets wurde uns mitgeteilt, der Ausbruch der
Krankheit habe auf dem Verzehr verseuchten Fleischs
beruht. Aufgrund von den Vereinigten Staaten zur
Verfügung stehenden Informationen sind wir jedoch zu
dem Schluß gekommen, daß der Ausbruch der Seuche durch die versehentliche Freisetzung von Milzbrand-Erregem durch eine verbotene Einrichtung zur
Produktion biologischer Waffen verursacht wurde.
Im April 1987 verkündete Generalsekretär Gorbatschow, die Sowjetunion habe die Produktion chemischer Waffen eingestellt. Im Dezember 1987 erklärten
die Sowjets, sie besäßen einen Lagerbestand von
50 000 Tonnen chemischer Wirkstoffe.
Am 23. September 1989 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion eine Regierungsvereinbarung (Memorandum of Understanding - MOU)
über ein bilaterales Verifizierungsexperiment und einen Datenaustausch bei chemischen Waffen. Das
MOU besteht aus einer Zweiphasenvereinbarung: Die
erste Phase beinhaltet einen Datenaustausch und
Besuche bei einschlägigen C-Waffen-Einrichtungen.
Zu den ausgetauschten Daten gehören der Gesamtbestand an chemischen Waffen, die Art der jeweils im
Besitz befindlichen chemischen Wirkstoffe sowie die
prozentualen Anteile an Munition und sonstigen gelagerten Mengen.
Gemäß dieser Vereinbarung stellten die Sowjets am
29. Dezember 1989 die verlangten Daten zur Verfügung. Diese werden zur Zeit ausgewertet. Ersten
Hinweisen zufolge entsprechen diese Daten in vielerlei
Hinsicht nicht unserem Verständnis.
Der Vertrag über die Begrenzung von Atomtests
(LTBT)
Seit Inkrafttreten des Vertrags über die Begrenzung
von Atomtests (LTBT) vor über 20 Jahren hat die
Sowjetunion ihr Kernwaffentestprogramm auf eine Art
und Weise durchgeführt, die im Widerspruch zu den
Vertragsbestimmungen steht. Seit Veröffentlichung
des Berichts vom Dezember 1988 hat sich dieses
Verhalten fortgesetzt und führt weiterhin zur Freisetzung nuklearer Partikel in der Atmosphäre jenseits der
sowjetischen Grenzen. Auch wenn das von den
sowjetischen Tests freigesetzte Material kein greifbares Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Umwelt
darstellt und Vertragsverletzungen keine offenkundige
militärische Bedeutung haben, haben die sowjetischen
Stellen auf unsere wiederholten Versuche, diese Vorfälle zur Sprache zu bringen, diese lediglich bestritten
und amerikanische Ersuchen nach technischen Dis-

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kussionen zurückgewiesen, die zur Verhinderung einer weiteren Freisetzung nuklearer Rückstände durch
die Sowjets führen könnten.
Der Schwellenvertrag (TTBT)
Am 9. November 1987 nahmen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion Verhandlungen auf, deren
wichtigstes Ziel eine Vereinbarung über effektive Verifizierungsmaßnahmen ist, um eine Ratifizierung des
amerikanisch-sowjetischen Schwellenvertrags und des
Vertrags über Kernexplosionen zu friedlichen Zwekken (PNET) zu ermöglichen.
Als Teil dieser Verhandlungen führten beide Seiten ein
Gemeinsames Verifizierungsexperiment durch, wobei
am 17. August 1988 auf dem amerikanischen Versuchsgelände eine von den Sowjets überwachte Kernexplosion stattfand und am 14. September 1988 eine
von den Vereinigten Staaten überwachte auf dem
sowjetischen Versuchsgelände.
Am 23. September 1989 einigten sich die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion beim Außenministertreffen in Wyoming im Hinblick auf das Verifizierungsprotokoll zum TTBT auf ein Paket von drei Verifizierungsmethoden: hydrodynamische Messungen vor Ort,
Vor-Ort-Inspektionen und über das Land verteilte seismische Stationen.
In der gegenwärtig stattfindenden Runde der Gespräche über Kernwaffenversuche (NTT) verhandeln beide Seiten über die zur Durchführung der in Wyoming
erzielten Vereinbarungen erforderlichen detaillierten
Verfügungen. Unser Ziel ist die Fertigstellung von
Protokollen zu beiden Verträgen und deren Vorlage an
den Kongreß zur Beratung und Ratifizierung. Nach der
Ratifizierung wird die Anwendung dieser beiden Verträge mit den zur effektiven Verifizierung nötigen Vorschriften die Sowjets dazu verpflichten, unsere seit
langem bestehenden Anliegen im Hinblick auf die
sowjetische Einhaltung der Schwelle von 140 Kilotonnen auszuräumen.
Zusammenfassung
Die amerikanische Forderung nach peinlich genauer
Vertragseinhaltung steht nicht zur Verhandlung. Wir
werden weiterhin auf effektiver Verifizierung der Bestimmungen dieser neuen Vereinbarungen bestehen,
auf jegliche sowjetische Vertragsverletzung angemessen reagieren und weiterhin unsere strategischen
Entscheidungen auf der Grundlage von Charakter und
Umfang der sowjetischen Bedrohung fällen. Im Hinblickauf die Einhaltung von Rüstungskontrollverpflichtungen darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.
Im vergangenen Jahr hat unser Bestehen auf peinlich
genauer Vertragseinhaltung im Verein mit verbesserter Zusammenarbeit seitens der UdSSR die allgemein
erfolgreiche Durchführung des INF-Vertrags, die
Beseitigung einer Verletzung des ABM-Vertrags und

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�positive Schritte in Richtung auf eine Beseitigung der
Vertragsverletzung durch das Radar von Krasnojarsk
ermöglicht. Dies ist eine ermutigende und bedeutsa-

me positive Entwicklung zur Einhaltung von Rüstungskontrollverträgen. Wir hoffen, die UdSSR wird auch in
Zukunft in diesem Bereich kooperativ sein.

* * * * *

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�UMWELT
28. Februar 1990

BAKER: UMWELT KERNSTÜCK DER
AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
Rede bei der National Governors' Association
WASHINGTON - (AD - Umweltfragen besitzen laut Außenminister Baker heute einen besonderen Stellenwert
in der amerikanischen Außenpolitik. In einer Rede bei der National Governors'Association erklärte Baker am
26. Februar 1990, zu den vier Hauptzielen der US-Außenpolitik - Konsolidierung der Demokratie im Ausland,
Förderung von Wohlstand und wirtschaftlicher Freiheit, Gewährleistung weltweiter Sicherheit und Verbesserung
wirkungsvoller internationaler Zusammenarbeit - gehörten zugleich wichtige umweltpolitische Komponenten.
"Demokratien bieten die umfassendsten Möglichkeiten für verantwortungsbewußte umweltpolitische Maßnahmen. Die Umweltbewegung steht als einer der grö ßten Erfolge für Basisdemokratie in den Vereinigten Staaten."
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Rede im Wortlaut.

Ich freue mich, heute zu Ihnen über die Umwelt sprechen zu können. Dieses Thema ist sowohl für mich
persönlich als auch für die 50 Staaten, die Territorien
und unsere Außenpolitik von großer Bedeutung.
In diesem Zusammenhang erscheint mir ein kurzer
geschichtlicher Rückblick angebracht. Im Jahr 1852
ersuchte die amerikanische Regierung Häuptling Seattle
um den Verkauf von Stammesland, das sie neu ankommenden Siedlern überlassen wollte. Der Häuptling antwortete: "Die Erde gehört nicht dem Menschen, der Mensch gehört der Erde. Alle Dinge sind
miteinander verbunden wie das Blut, das uns alle
vereint: Der Mensch hat das Geflecht des Lebens
nicht gewoben, er ist nur ein Faden darin." Und der
Häuptling warnte: "Was immer er diesem Geflecht
antut, das tut er sich selbst an."
Die Siedler zogen weiter nach Westen - auch mein
eigener Urgroßvater gehörte zu ihnen. Diese unabhängigen, schwer arbeitenden und mutigen Menschen
trugen dazu bei, unser Land zu dem zu machen, was
es heute ist. Selbst für diejenigen unter uns, deren
Vorfahren nicht an der Erschließung des Westens
beteiligt waren, stellen diese Pioniere nach wie vor die
Quintessenz des amerikanischen Geistes dar.
Doch schon zu Ende des letzten Jahrhunderts war es
vielen Amerikanern bewußt geworden - vom ent-

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wickelten Osten bis zum sich entwickelnden Westen daß Amerikas Schätze nicht unerschöpflich waren. Es
war offenkundig geworden, daß wir Verantwortung für
Schutz und Erneuerung unserer natürlichen Ressourcen übernehmen mußten, damit auch künftige Generationen in ihren Genuß kommen konnten.
Im Jahr 1908 berief Präsident Theodore Roosevelt
eine Konferenz zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen ins Weiße Haus ein - die erste ihrer Art nicht nur in
den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen Weit.
Sie wurde als Konferenz der Gouverneure bekannt.
Fairerweise muß gesagt werden, daß von dieser
Konferenz der grö ßte Einzelimpuls für eine verantwortungsbewu ßte nationale Umweltpolitik in den Vereinigten Staaten ausging.
Wenn wir uns heute anschicken, für das nächste
Jahrhundert zu planen, müssen wir uns der Lehren des
19. und 20. Jahrhunderts erinnern.
Von den Ureinwohnern Amerikas haben wir gelernt,
daß wir die Natur nicht als selbstverständlich hinnehmen dürfen. Wir müssen sie in Ehren halten und die ihr
von Gott gegebene Würde achten.
Von unseren Vorfahren haben wir gelernt, daß die
Natur kein Füllhorn mit unendlichem Nachschub ist.
Wir müssen der Erde etwas zurückgeben, wenn wir
weiterhin ihre Gaben nutzen wollen.
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�Aus der Geschichte der Umweltbewegung in den
Vereinigten Staaten haben wir gelernt, daß Bundesund Staatsregierungen, Wirtschaft und Gewerkschaften, landesweite Organisationen und Einzelpersonen
bei der Ausarbeitung wirksamer umweltpolitischer
Maßnahmen zusammenarbeiten müssen.
Schließlich wissen wir aus eigener Erfahrung in dieser
interdependenten Welt, daß wir "lokal denken und
global handeln" müssen. Wir können den Umweltinteressen der Vereinigten Staaten nicht wirkungsvoll
dienen, wenn wir die weltweiten Umweltprobleme außer
acht lassen.
Hier kommt nun die Außenpolitik ins Spiel. Darüber
möchte ich heute zu Ihnen sprechen.
Die Umwelt und die amerikanische Außenpolitik
Die außenpolitischen Ziele der Vereinigten Staaten
gründen sich auf unsere Grundwerte. Wir streben
danach, die Demokratie zu ermutigen, Wohlstand durch
wirtschaftliche Freiheit zu fördern, die Sicherheit zu
gewährleisten sowie wirkungsvolle internationale
Zusammenarbeit zu verbessern, die unseren gemeinsamen Interessen dient. Weniger bekannt ist jedoch
die Tatsache, daß unseren umweltpolitischen Anliegen eine wichtige Rolle bei der Verwirklichung all
dieser Ziele zukommt. Demokratie, Wohlstand, Sicherheit, Zusammenarbeit und Umwelt - sie alle sind
untrennbar miteinander verbunden. Deshalb sind der
Präsident und ich fest entschlossen, Umweltfragen
umfassend in unsere diplomatischen Bemühungen
einzubetten. Dies ist die grüne Komponente unserer
Außenpolitik.
Ich möchte also erstens darauf zu sprechen kommen,
wie unsere Bemühungen zur Konsolidierung der
Demokratie mit unseren umweltpolitischen Bemühungen zusammenhängen. Demokratien - die nun einmal
von einer informierten Bürgerschaft, einer offenen
Gesellschaft und der Rechenschaftspflicht der Regierung abhängen - bieten die umfassendsten Möglichkeiten für verantwortungsbewußte umweltpolitische
Maßnahmen. Die Umweltbewegung steht als einer
der größten Erfolge für Basisdemokratie in den Vereinigten Staaten. Wenn wir demokratische und umweltpolitische Werte verteidigen und fördern, so verleihen
wir damit der Quintessenz dessen Ausdruck, was wir
für den Fortschritt aller Nationen für unerläßlich halten
- für Industriestaaten und Entwicklungsländer gleichermaßen.
Ich möchte Ihnen ein anschauliches Beispiel davon
geben, wie sich Demokraten und Umweltschützer
einer gemeinsamen Sache verpflichten. In Osteuropa
wurden Umweltprobleme lange vor den Revolutionen
des Volkes vom vergangenen Herbst von demokratischen Oppositionsgruppen aufgegriffen. Tatsächlich
schürten Umweltprobleme den Drang zur Demokratie.
Bei der Internationalen Umweltkonferenz in Sofia in

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Bulgarien sprang der Funke der Volksrevolution über.
Die im Vorfeld dieser Konferenz ins Leben gerufene
"Ökoglasnost-Bewegung" ist jetzt eine der größten
Basisorganisationen und demokratischen Oppositionsgruppen.
In Bulgarien hat ökoglasnost dem Begriff "Grüne
Revolution" ganz neue Bedeutung verliehen.
Die Umwelt ist eindeutig einer der Bereiche beiderseitiger Vorteile zwischen Ost und West, den der Präsident und ich in dem Bemühen anstrebten, den kalten
Krieg hinter uns zu lassen. Um den Osteuropäern im
wichtigen Bereich Umwelt Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, bringen wir unsere ganze Erfahrung beim Umgang mit diesen Problemen ein. Wir gewähren den
aufstrebenden Demokratien Subventionen und günstige Kredite, bieten gemeinsame Projekte, Ausbildung
und Technologie sowie Hilfe bei der Erarbeitung von
Gesetzen und Vorschriften. Beispielsweise haben wir
eine gemeinsame amerikanisch-tschechoslowakische
Studie zur Bestimmung der preisgünstigsten Möglichkeiten vorgeschlagen, mit denen dringliche Probleme
der Umweltverschmutzung in der Tschechoslowakei
gelöst werden sollen. Wir liefern Technologie zur
sauberen Kohleverbrennung an Polen, teilweise um
der tragische Beeinträchtigung der historischen Architekturdenkmäler Krakaus Einhalt zu gebieten - die von
Tag zu Tag im wahrsten Sinne des Wortes stärker
zerfressen werden. Für die Region insgesamt haben
wir zur Teilnahme am Budapester Regionalen Umweltzentrum ermutigt, das Präsident Bush im Juli vergangenen Jahres erstmals angekündigt hat. In der Sowjetunion hat Außenminister Schewardnadse meiner
Forderung zugestimmt, bei unseren Zusammenkünften einen fünften Tagesordnungspunkt - grenzübergreifende Probleme - zu behandeln. Umwelt ist vordringlichstes Thema dieser ständigen Gespräche.
Die Gesamtheit all dieser Projekte wird den Trend zur
Demokratie in Osteuropa - das heißt, dem Volk und
seinen Anliegen verantwortliche Regierungen - verstärken.
Damit komme ich zu unserem zweiten vordringlichen
Ziel: Der Förderung von Wohlstand und wirtschaftlicher Freiheit. Ebenso wie politische und wirtschaftliche Freiheit Hand in Hand gehen, gilt dies für anhaltendes Wachstum und eine gesunde Umwelt. Starke
Volkswirtschaften bieten die materiellen Grundlagen
zum Schutz der Umwelt. Beide gehen eine Symbiose
ein. Sie werden mit dem Begriff "erträgliche Entwicklungen" umschrieben.
Erträgliche Entwicklung ist - um es einfach auszudrükken - eine Möglichkeit, dem Bedarf der Gegenwart
nachzukommen ohne Anleihen bei der Zukunft aufnehmen zu müssen. Wenn wir eine Politik der erträglichen Entwicklung verfolgen, werden sowohl unsere
wirtschaftlichen als auch unsere umweltpolitischen
Ziele verwirklicht. Tatsächlich gründet sich der ge-

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�samte amerikanische Ansatz bilateraler und multilateraler Hilfe auf das Konzept der erträglichen Entwicklungen.
Mit Hilfe marktwirtschaftlicher Anreize, durch die
Beseitigung struktureller Hindernisse und internationaler Handelspraktiken, mit denen sich Verzerrungen
auf den Weltmärkten ergeben, entsteht eine wirtschaftliche Dynamik, von der sowohl Industrie- als
auch Entwicklungsländer profitieren werden.
Dazu möchte ich einige Beispiele anführen, wie das
Konzept der erträglichen Entwicklung mit Hilfe unserer
bilateralen Hilfe funktionieren soll. In Ruanda fördern
wir ein Projekt, bei dem der wirtschaftliche Nutzen des
Tourismus mit der Erhaltung zweier einzigartiger Artenschutzgebiete einhergeht. In anderen Entwicklungsländern der Welt fördern wir die Diversifikation
der Landwirtschaft. Damit können wir die Verfügbarkeit von Agrarprodukten für kommerzielle Zwecke
steigern. Lebensrettende Arzneimittel und andere
Handelswaren wie Nahrungsmittel und Farbstoffe
können dann produziert werden. Ein gegenwärtig
durchgeführtes AID-Projekt in Indonesien konzentriert
sich auf die Behandlung und Konservierung einheimischer exotischer Früchte, die als Handelsware geeignet sein könnten. Im Rahmen dieses Projekts werden
auch Methoden gefördert, mit denen der Zerstörung
der tropischen Regenwälder Einhalt geboten werden
kann.
Innovativen Bestrebungen wie Schuldenerlaß im
Austausch für Umweltschutzmaßnahmen kommt
ebenfalls große Bedeutung zu. Diese müssen wie alle
anderen Bemühungen zum Schuldenabbau mit grundlegenden Strukturreformen einhergehen, wenn sie Erfolg
zeitigen sollen. Diese Art von Austausch ist weder ein
Allheilmittel für Schuldenreduzierung noch können damit
einseitig Umweltprobleme gelöst werden - dennoch
kann er beides unterstützen.
Auf multilateraler Ebene können die Entwicklungsbanken eine wichtige Rolle bei der Förderung umweltverträglichen Wachstums spielen. Wir werden die multilateralen Entwicklungsbanken weiterhin ermutigen, ihre
Politik, ihren Mitarbeiterstab und ihre Ausbildung zu
erweitem. Wir hoffen, andere Geberländer werden
sich unseren Bemühungen zur Integration umweltpolitischer Bewertungen in alle Operationen der Entwicklungsbanken anschließen.
Ich weiß, daß vielfach der Ruf nach Einrichtung neuer
Finanzinstitutionen oder Mechanismen zur Gewährung von Wirtschafthilfe laut wird. Aber bevor wir
unsere beschränkten Mittel zum Aufbau neuer Bürokratien aufwenden, ist es sinnvoll, die bereits bestehenden multilateralen Mittel bestmöglich einzusetzen
und bestehende Institutionen zu fördern.
Ebenso müssen wir - bevor wir zusätzliche Mittel für
internationale Umweltprobleme aufwenden - wissen,

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wieviel wir benötigen. Umfangreiche Mittel für Umweltprojekte stehen bereits zur Verfügung. Wir sind uns
jedoch in vollem Maße der Tatsache bewußt, daß
Entwicklungsländer zusätzliche Hilfe benötigen werden, wenn sie die steigenden Kosten tragen sollen, die
sich im Zusammenhang mit der Erfüllung ihrer internationalen umweltpolitischen Verpflichtungen ergeben.
Unsere dritte Zielsetzung ist die Gewährleistung weltweiter Sicherheit. Gesunde Demokratien und Volkswirtschaften können nicht in einem unsicheren Umfeld
gedeihen. Wir arbeiten seit langem gemeinsam mit
anderen befreundeten Nationen am Schutz vor traditionellen Bedrohungen für unsere Sicherheit durch
gegnerische Regierungen. Aber in der Welt von heute
müssen traditionelle Konzepte der Bedrohung für die
Sicherheit unserer Bürger neu überdacht und die neuen
grenzübergreifenden Gefahren - auch Umweltzerstörung - einbezogen werden.
Bedrohungen für die Umwelt machen nicht vor Grenzen halt. Sie bedrohen das Leben der Menschen und
verletzen die territoriale Integrität einzelner Länder
innen und außen. Tschernobyl - ein klassisches
Beispiel für Mißstände der Breschnew-Ära - hat gezeigt, wie Menschenleben unötig gefährdet werden
können, wenn Regierungen nicht schnell und verantwortungsvoll handeln, um ihre eigenen Bürger und die
Menschen in den Nachbarländern zu schützen.
Es kommt nicht überraschend, daß die Drogenkartelle,
die die Gesundheit der Staatengemeinschaft bedrohen, auch die Umwelt schädigen. Ich habe bereits bei
der Sondersitzung der Vereinten Nationen über Suchtstoffe in der vergangenen Woche darauf verwiesen,
daß Händler in den Anden große Waldgebiete für ihre
Drogenlabors zerstören und Millionen Liter der dazu
benötigten Chemikalien in Flüsse einleiten.
Vor vierzig Jahren haben wir uns zusammen mit
unseren NATO-Partnern zum "Schutz des gemeinsamen Erbes und der Zivilisation" Europas gegen unsere
Gegner verpflichtet. Der Präsident verwies darauf,
daß Europas Umwelt gemeinsames Erbe aller Europäer sei und wir alle an ihrem Schutz mitarbeiten
müssen. Wie wir beobachten konnten, ist die Verteidigung der Umwelt Europas gegen die Gefahr der
Verschmutzung ein weiterer Weg, mit dem der Westen
den Völkern Osteuropas bei der Verwirklichung ihres
Traums von einem ungeteilten und freien Europa
helfen kann.
Unser viertes Ziel besteht in der Erweiterung wirksamer internationaler Zusammenarbeit, die unseren
gemeinsamen Interessen dient. Viele der heutigen
Probleme - insbesondere im Bereich des Umweltschutzes - haben weltweite Konsequenzen. Sie fordern internationale Lösungen. Alle Nationen tragen
gemeinsam die Verantwortung für den Schutz der
internationalen Staatengemeinschaft.

Seite 3

�Unabhängig von ihrer Größe kann eine Nation allein
weder den Kurs der Geschichte diktieren noch ihre
Rohstoffe uneingeschränkt schützen. Und jedes noch
so kleine Land verfügt über die Macht, zum Wohle der
internationalen Staatengemeinschaft beizutragen. Alle
Länder müssen verantwortungsewußt handeln und
zusammenarbeiten.
Ich freue mich, sagen zu können, daß alle Nationen der
Welt mehr denn je zuvor an der Bewältigung weltweiter
Umweltprobleme mitarbeiten. Ich möchte zwei Beispiele anführen. Erstens die weltweiten Klimaveränderungen. Noch vor wenigen Wochen hat Präsident
Bush vor der Zwischenstaatlichen Kommission zur
Klimaveränderung (IPCC) eine Rede gehalten. Er war
der erste Staatschef, der vor diesem Gremium gesprochen hat. Und seine Anwesenheit war ebenso Beweis
für die Bedeutung, die unsere Regierung dieser Frage
beimißt wie für unser Engagement, angemessene
wissenschaftliche, wirtschaftliche und umweltpolitishe
Lösungen zu finden. Der Präsident bekräftigte unsere
Politik angesichts der Klimaveränderungen. Wir bezeichnen sie als Politik, die wir nicht "bereuen" müssen
und ermutigen andere Nationen, einen ähnlichen Ansatz
zu verfolgen.
Was verstehen wir unter einer Politik, die wir nicht
"bereuen" müssen? Wir verstehen darunter, daß wir
gleichzeitig mit ernsthafter wissenschaftlicher Forschung,
die für jeden verantwortungsbewußten Ansatz unabdingbar ist, wirtschaftlich auf Nummer Sicher gehen.
Wir verstehen darunter, daß die Vereinigten Staaten
beträchtliche finanzielle Verpflichtungen eingehen, um
diese wissenschaftlichen Probleme auszuwerten und
unseren Fondsfürdas amerikanische Forschungsprogramm zur weltweiten Klimaveränderung auf über 1
Milliarde Dollar aufgestockt haben. Und wir verstehen
darunter, daß wir zu Maßnahmen bereit sind, die in
sich selbst gerechtfertigt sind und den zusätzlichen
Vorteil haben, die Treibhausgase einzudämmen. Das
sind Maßnahmen, die wir niemals bereuen müssen:

Schließlich haben wir ein Programm zur Energieerhaltung und zum Energiesparen verabschiedet. Mit diesem Programm sollen knappe
Energien wirksam genutzt, unsere Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen reduziert und unser aller Geld - der Bürger, Regierung und Industrie gleichermaßen - gespart
werden. Darüber hinaus wird die eingeschränkte Verwendung fossiler Brennstoffe die Treibhausgasemissionen reduzieren.
Sollten internationale wissenschaftliche Forschungsergebnisse belegen, daß sich die Klimabedingungen
nicht maßgeblich verändern, "bereuen" wir diese
Maßnahmen nicht, weil sie andere Vorteile hatten.
Sollten unsere Forschungen jedoch andererseits Anlaß zu weiterer Beunruhigung geben, so haben wir
bereits kluge Schritte zur wirtschaftlichen Lösung des
Problems unternommen. Wir fordern andere Nationen
auf, sich unsere Politik, die wir nicht "bereuen" müssen, als Vorbild zu nehmen.
Ein letztes Beispiel weltweiter Zusammenarbeit bezieht sich auf einen Vertreter der Spezies Tier - das
Symbol einer Partei. Einige sagen, es sei eine parteiische Kreatur, aber es verfügt über überparteiliche
Tugenden. Bedauerlicherweise ist es unter den vom
Aussterben bedrohten Tierarten aufgeführt. Selbst die
Demokraten unter uns stimmen zu, daß wir alle einen
schmerzlichen Verlust erleiden würden, wenn wir unseren
alten Freund, den Elefanten, ausrotten. Aus diesem
Grund haben die Vereinigten Staaten im vergangenen
Sommer das Verbot des Welthandels mit Elfenbein in
die Wege geleitet. Heute sind internationale Bestrebungen im Gange. Die meisten anderen Nationen sind
unserem Beispiel gefolgt. Und obwohl immer noch mit
Elfenbein gehandelt wird, können wir meines Erachtens alle an der Entwicklung eines Systems zum
Schutz des afrikanischen Elefanten zusammenarbeiten.
Schlußbemerkung

Zum Schutz der Ozonschicht haben wir uns
zum schrittweisen Abbau von Fluorchlorkohlenwasserstoffen bis zum Jahr 2000 verpflichtet.
FCKW tragen zum Treibhauseffekt entscheidend bei.

Des weiteren hat der Präsident eine umfangreiche, "America the Beautiful" genannte Wiederaufforstungsinitiative in die Wege geleitet. Im
Rahmen dieses mehrjährigen Programms werden unsere Bürger gemeinsam mit Regierungsund Industrievertretern eine Million Bäume pro
Jahr pflanzen. Diese Bäume sind der Lebensraum für Tiere, halten die Bodenerosion auf,
bilden Freizeiteinrichtungen, schaffen Arbeitsplätze und bringen Früchte hervor. Gleichzeitig
tragen diese Bäume dazu bei, Kohlendioxyd ein wichtiges Treibhausgas - zu absorbieren.

Seite 4

Die von mir heute umrissenen Umweltbestrebungen
zeigen anschaulich, auf welch vielfältige Art die BushAdministration national und international gegen die
Gefährdung unserer Umwelt vorgeht. Bei meinen
Ausführungen heutig morgen bin ich weder auf den
Schutz der Feuchtbiotope, die Eröffnung offizieller
Gespräche mit Kanada über sauren Regen noch die
einstimmig von den Vereinten Nationen verabschiedete Resolution zu Treibnetzen eingegangen. Auch eine
andere wichtige Umweltinitiative der Administration
blieb unerwähnt: Die Formulierung eines überarbeiteten Emissionsschutzgesetzes mit Anreizen für unseren Privatsektor, kreative, marktorientierte Lösungen
zur Verbesserung der Luftqualität zu finden. Und ich
bin sehr zuversichtlich, daß wir schon bald die Baseler
Konvention über die Kontrolle von Giftmüllexporten
unterzeichnen werden.

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�Die Vereinigten Staaten tun all dies im Dienste ihres
nationalen Interesses. Darüber hinaus tun sie es, weil
es grundsätzich richtig ist. Die großartigen frühen
Pioniere des amerikanischen Umweltschutzes erkannten diese Wahrheiten und fanden wirksame Mittel und
Wege, um darauf zu reagieren. Ihre Sichtweise deckte
sich nicht immer mit derjenigen der Politiker ihrer Zeit,
und zweifelsohne waren sie nicht immer einer Meinung. Kontroversen, die sich um die Gouverneurskonferenz im Jahre 1908 entzündeten, bestehen bis zum
heutigen Tag. Umweltfragen waren in der Tat nie eine
einfache Angelegenheit und werden es niemals sein.
Umweltprobleme sind komplex und entwickeln sich
gelegentlich langsam. Und manchmal dauert es noch
länger, sie zu erkennen.
*

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Trotz intensiver Diskussionen, trotz aller Unwägbarkeiten, trotz der Komplexität der Sache sind wir wie alle
Völker der Welt mit der unbestrittenen Verantwortung
konfrontiert, zu handeln. Emerson, der amerikanische
Dichter des 19. Jahrhunderts, formulierte es folgendermaßen: "Wir erben die Erde nicht von unseren
Vorvätern, wir borgen sie von unseren Kindern."
Dies ist eine Schuld, die feierlich eingelöst werden
muß. Die Großartigkeit der Natur umfängt und vereint
die gesamte Menschheit. Die Völker der Erde müssen
jetzt gemeinsam handeln, damit dieses kostbare Geflecht des Lebens alle nachfolgenden Generationen in
Schönheit und Frieden umfangen kann.

* * *

*

Seite 5

�MENSCHENRECHTE
28. Februar 1990

"UNVERKENNBAR" POSITIVE TENDENZEN
BEI MENSCHENRECHTEN
Jahresbericht des Außenministeriums über Menschenrechte
WASHINGTON - (AD) - Dem Jahresbericht des US-Außenministeriums über die weltweite Achtung der
Menschenrechte zufolge waren positive Tendenzen bei den Menschenrechten im Jahr 1989 "unverkennbar".
Der Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, Richard
Schifter, schreibt in seiner Einleitung zu dem am 21. Februar 1990 veröffentlichten Bericht: "Das Jahr 1989 wird
im Hinblick auf das weltweite Problem der Menschenrechte als Wendepunkt in die Geschichte eingehen".
Der Bericht mit dem Titel "Länderberichte über Menschenrechtspraktiken 1989" (Country Reports on Human
Rights Practices for 1989) erfaßt 169 Länder. Laut Gesetz muß das Ministerium dem Kongreß diesen
Jahresbericht über Menschenrechtspraktiken der Länder, die amerikanische Hilfe erhalten sowie aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen vorlegen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Einleitung des Berichts in Auszügen:

Das Jahr 1989 wird im Hinblick auf das weltweite
Problem der Menschenrechte als Wendepunkt in die
Geschichte eingehen. Die revolutionären Veränderungen in Bulgarien, der Tschechoslowakei, der DDR
und Rumänien führten dazu, daß Albanien am Ende
des Jahres als einziges noch intaktes totalitäres Regime in Europa gelten konnte. Bei den Wahlen in Polen
gewann die Gewerkschaft Solidarität nahezu alle zur
Wahl stehenden Sitze, und eines ihrer Mitglieder wurde
Ministerpräsident. Verfassungsmäßige Reformen in
Ungarn werden voraussichtlich zur Einsetzung einer
repräsentantiven Regierung führen. Freie Wahlen
werden in Bulgarien, der Tschechoslowakei, der DDR
und Rumänien versprochen.
Bemerkenswert bei diesen dramatischen Veränderungen in Osteuropa ist die Tatsache, daß diese - außer
in Rumänien - nahezu ohne Blutvergießen erfolgten.
Die Akzeptanz dieser Veränderungen in der Sowjetunion war zweifellos ein ebenso wichtiges Kriterium für
den friedlichen Charakter des Übergangs wie die friedlichen und demokratischen Absichten der Volksbewegungen selbst.
Die spektakulären Ereignisse in den ehemaligen
sowjetischen Satellitenstaaten haben fast die von der
Sowjetunion selbst in Richtung auf eine offene Gesell-

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schaft unternommenen bemerkenswerten Schritte in
den Schatten gestellt. Die Wahlen zum Kongreß der
Volksdeputierten wurden zwar in einigen Regionen
manipuliert, während sie in anderen echte Konkurrenz
zuließen. Insgesamt führten sie aber zur Wahl vieler
Gegner der alten Ordnung. Der sich aus Mitgliedern
der Volksdeputierten zusammensetzende Oberste
Sowjet wurde Teil der Legislative und von der Exekutive relativ unabhängig. Es gab weitere Fortschritte im
Hinblick auf Rede-, Versammlungs- und Religionsfreiheit. Femer wurden viele Vorschriften zur Auswanderung gelockert.
Obwohl Reformpolitiker ihren Einfluß auf höchsten
Ebenen der sowjetischen Regierung geltend machen
konnten, hat das "neue Denken" noch nicht viele
Bereiche der sowjetischen Bürokratie durchdrungen.
Es wird weiterhin über Fälle diktatorischer Machtausübung berichtet. Die fehlende rechtsstaatliche Tradition und gesetzlich verankerter Institutionen mit der
Macht zum Schutz der Rechte des einzelnen tragen zu
den Schwierigkeiten der Führung bei, diese Reformpolitik vollständig durchzuführen. Die Schaffung einer
unabhängigen Justiz bleibt entscheidendes Kriterium
für Verbesserungen bei der Achtung von Menschenrechten in der Sowjetunion.

Seite 1

�Gewalttätige Unruhen ethnischer Minderheiten im
Senegal und in Mauretanien kosteten in beiden Ländern zahlreiche Menschenleben und führten zur
Umsiedelung von mindestens 200 000 Menschen.
Eine unbekannte Zahl von Personen wurde in Liberia
bei Kämpfen zwischen Dissidenten und Armeeinheiten getötet, und Tausende suchten Zuflucht in den
Nachbarländern.
Bei Kämpfen und Aufständen ethnischer Minderheiten
waren in Sri Lanka mindestens 8 500 und im Sudan
über 1 000 Menschenleben zu beklagen. Repressive
Maßnahmen und Stammesfehden in Somalia führten
zum Tod von mehreren hundert Menschen, Unterdrükkung und Bürgerkrieg forderten in Äthiopien Tausende
von Todesopfern.
Andere von Aufständen, Bürgerkriegen, Terrorismus
und von Gegenmaßnahmen der Regierung heimgesuchte Regionen sind Kolumbien, El Salvador, Guatemala, Indien, die israelisch besetzten Gebiete, Nordirland, Peru und die Philippinen ebenso wie der von
anhaltenden Kämpfen gekennzeichnete Libanon. In
Angola, Mocambique, Kambodscha und Afghanistan
werden weiterhin bewaffnete Konflikte ausgetragen.
In der westlichen Welt haben Demokratisierungsprozesse und Menschenrechte beträchtlich an Boden
gewonnen. Das Jahr 1989 steht für das Ende der
Stroessner-Diktatur in Paraguay, die Wahl des Vorsitzenden der demokratischen Opposition zum Präsidenten von Chile sowie friedliche Wahlen in Argentinien, Brasilien, Uruguay, El Salvador und Honduras.
Im südlichen Afrika konnten durch die von UNOBeobachtem überwachten Wahlen in Namibia Fortschritte bei der Menschenrechtssituation verzeichnet
werden. Die neugewählte Verfassunggebende Versammlung begann mit dem Entwurf einer neuen Verfassung, und der Unabhängigkeitstag wird Anfang
1990 erwartet. Der neugewählte Präsident von Südafrika, De Klerk, hat ermutigende Schritte zum Dialog
mit der schwarzen Opposition unternommen.
Weltweit sind die positiven Tendenzen unverkennbar
und machen die Rückschläge umso augenfälliger.
Nachdem China sich seit über zehn Jahren auf dem
Weg zu einer freieren Gesellschaft befunden hatte,
fand im vergangenen Juni mit der Niederschlagung der
Studentenrevolte, zahlreichen Verhaftungen, dem
erneuten Verbot derf reien Meinungsäu ßerung und der
Rückkehr zu Diktatur und Indoktrination ein Umschwung
statt. In Burma wird weiterhin jegliche Art der politischen Oppositon unterdrückt, und Nordkorea ist nach
wie vor eines der repressivsten totalitären Regime.
Kuba handelte den vorherrschenden Tendenzen in der
westliche Welt zuwider und verhängte erneut repressive Maßnahmen, insbesondere gegen Menschenrechtsverfechter, von denen viele in den Jahren 1988 und
1989 mit Vertretern der UNO-Menschenrechtskommission zusammengearbeitet hatten. Die Regierung
inszenierte einen Schauprozeß und exekutierte dann

Seite 2

eine Gruppe von Offizieren, die möglicherweise eine
Bedrohung für Castro dargestellt hätten. Auch die
ernsthaften Rückschläge in Haiti im Januar 1990 gaben
mit der Aufhebung bürgerlicher Freiheiten, Gewaltanwendung gegen prominente Oppositionspolitiker, deren Inhaftierung und/oder Deportation Anlaß zu Besorgnis.
Mit Blick auf 1990 stellt sich uns und der internationalen Staatengemeinschaft die Frage, ob die im Jahr
1989 in Osteuropa und anderen Teilen der Welt erzielten Fortschritte bei den Menschenrechten von Dauer
sein werden. Besteht die Gefahr eines Rückfalls?
Werden aus innenpolitischen anstatt aus internationalen Konflikten herrührende Menschenrechtsprobleme
in zunehmendem Maß unsere Aufmerksamkeit beanspruchen?
Die Vereinigten Staaten ihrerseits bleiben weiterhin
der weltweiten Förderung und Konsolidierung von
Menschenrechten und Demokratie verpflichtet. Wir
betrachten diese Ziele als besonders wichtige außenpolitische Herausforderungen. Wir setzen uns im
Ausland aktiv für diese Ziele ein, weil sie unser bestes
Erbe verkörpern und weil wir herausgefunden haben,
daß wir diejenigen Länder, in denen Menschenrechte
und demokratische Werte Wurzeln geschlagen haben,
zu Freunden haben - und nicht zu Feinden. Dies sind
die stabilsten Regierungen der Welt, die dynamischsten Gesellschaften, die Bollwerke der Freiheit, die die
Rechte ihrer Staatsbürger und ihrer Nachbarn achten
und die einen besonders verantwortungsbewußten
Beitrag zum Wohlergehen der internationalen Staatengemeinschaft leisten.
Wir streben bei der Anwendung international anerkannter Normen nach Objektivität. Die Berichte spiegeln jedoch ohne Wenn und Aber die Ansicht der
Vereinigten Staaten wider, daß das Recht auf Selbstregierung ein politisches Grundrecht ist, daß eine
Regierung nur dann legitim ist, wenn sie sich auf die
Zustimmung der Regierten gründet und daß eine so
begründete Regierung nicht dazu benutzt werden sollte,
Leben, Freiheit und das Streben nach Glück zu verweigern. Der einzelne hat in einer Gesellschaft das
unveräußerliche Recht auf Schutz der Person vor
staatlichen Übergriffen, auf bürgerliche Freiheiten wie
Rede-, Versammlungs- und Religionsfreiheit sowie
Freizügigkeit ohne Diskriminierung aufgrund von Rasse,
Herkunft oder Geschlecht und auf Veränderung der
Regierung mit friedlichen Mitteln. Der Bericht berücksichtigt ferner die Tatsache, daß Terroristen und
Guerrillagruppen häufig Personen töten, foltern, verstümmeln oder sie ihrer Freiheit berauben. Solche
Menschenrechtsverletzungen durch gewalttätige
Oppositionsgruppen sind ebenso verwerflich wie wenn
sie von der Regierung selbst begangen würden.
Aus ... (der) Prämisse, daß die grundlegenden Menschenrechte weder eingeschränkt noch verweigert
werden dürfen, folgt, daß sich unsere Menschenrechtspolitik mit den Beschränkungen staatlicher Macht
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�beschäftigt, die notwendig sind, um die Integrität und
Würde des einzelnen zu schützen.
Ferner liegt es in unserem nationalen Interesse,
demokratische Prozesse zu fördern, um zum Aufbau
eines weltweiten Umfelds beizutragen, das die Einhaltung der Menschenrechte eher begünstigt und deshalb
der Stabilität und dem Weltfrieden förderlicher ist. Wir
haben deshalb eine zweigleisige Politik entwickelt, die
in dem Sinne reaktiv ist, daß wir weiterhin spezifische
Fälle von Menschenrechtsverletzungen ablehnen, wann
immer sie sich ereignen, aber gleichzeitig auch aktiv,
indem wir uns langfristig fürdie Stärkung der Demokrat
tie engagieren.

* * * * *

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�WISSENSCHAFT
28. Februar 1990

SUPERCOMPUTER MIT TIEFGREIFENDEN
AUSWIRKUNGEN AUF DIE WISSENSCHAFT
Anwendungen für Erforschung von Galaxien, Konstruktion
künstlicher Gelenke
NEW ORLEANS - (AD) - Der zunehmende Einsatz von

Supercomputern verändert das Gesicht der Wissenschaft, wobei Astronomen mit dem Computer innerhalb von Minuten Zeiträume von Milliarden Jahren
simulieren, um die Entstehung von Sternen und Galaxien zu erforschen und Chirurgen Computerbilder
benutzen, um künstliche Knie- und Hüftgelenke anzufertigen.
Bei der Jahresversammlung der amerikanischen
Gesellschaft für die Förderung der Wissenschaft vom
15. - 20. Februar 1990 erklärten teilnehmende Wissenschaftler, die meisten Menschen seien sich des Ausmaßes nicht bewußt, in dem Supercomputer die
menschliche Intelligenz auf ehedem unvorstellbar
komplexe Bereiche ausdehnen.
"Man muß sich klarzumachen, daß Computer ein
integraler Bestandteil der Wissenschaft geworden sind",
erklärte Melvin Kalos, Direktor des Center for Theory
and Simulation in Science and Engineering an der
Cornell University.
Viele der aufregendsten Phänomene in der Wissenschaft blieben ohne den Einsatz von Supercomputern
unentdeckt, sei es bei der Analyse von Radiosignalen
aus dem Weltraum, bei der Suche nach Pulsaren oder
bei der Auswertung eines Wirrwarrs von seismischen
Echos, um die Struktur der Erdkruste zu entschlüsseln.
Gleichzeitig kritisierte der Informatiker Gregory McRae
von der Carnegie Mellon University, es gebe derzeit
keine ausreichende Computerkapazität dieser Grö ße,
um Forschritte in Wissenschaft und Technik zu fördern. Ihm zufolge besteht in den Vereinigten Staaten
ein "absolut lebenswichtiger Bedarf" an hohen Investitionen in Supercomputer. "Wir besitzen zur Zeit beispielsweise keine ausreichende Rechnerkapazität, um

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einige der Klimamodelle herzustellen, die wir für Grundsatzentscheidungen zur Erwärmung des Erdklimas
benötigen", erklärte er.
Supercomputer gestatten es den Wissenschaftlern,
komplexe Probleme zu untersuchen, deren Erforschung
unter Laborbedingungen häufig unmöglich oder zu
kostpielig ist.
Einer der schnellsten Supercomputer der Welt, der
sechs Tonnen wiegt und in der Lage ist, über eine

Milliarde Rechenoperationen in der Sekunde zu bewältigen, befindet sich im NASA-Forschungszentrum in
Kalifornien. Der Supercomputer Cray Y-MP wird unter
anderem eingesetzt, um Luftströmungen bei Hyperschallfluggeräten wie dem geplanten Nationalen Raumflugzeug oder der Raumfähre zu untersuchen.
Dem außerordentlichen Professor für Raumfahrttechnik an der Cornell University, Dean Taylor, zufolge
werden Orthopäden schon bald in der Lage sein, Hüfte
oder Knie eines Patienten auf dem Bildschirm darzustellen, um künstliche Gelenke für den Patienten zu
gestalten, die Jahrzehnte halten.
Solche Implantat-Entwurfssysteme, so Taylor, sind
bereits entwickelt und werden in mehreren Forschungskliniken der Vereinigten Staaten eingesetzt. Er erwartet die routinemäßige Anwendung in rund fünf Jahren.
Dank diesem System können Chirurgen mit einem an
den Bildschirm angeschlossenen Gerät das Gelenk
des Patienten abtasten und anhand von dreidimensionalen Computergraphiken prüfen, wie das Implantat
sitzt und sich den Körperbewegungen anpaßt. Die
Computerdaten werden dann elektronisch direkt an
eine automatische Fräsmaschine in der Klinik übermittelt, die das neue Metallgelenk in der gewünschten
Form gestaltet.

Seite 1

�"Mit dieser Kombination von Computerbildern und
Graphiken zur Darstellung von Informationen für den
Chirurgen können wir eine sehr viel bessere Paßform
und Gestaltung für Hüft- und Knieimplantate erzielen", erklärt Taylor. "Wir haben berechtigte Hoffnungen, daß diese verbesserten Implantate Jahrzehnte
länger halten als die heutigen Prothesen."
Zur Zeit wählen Chirurgen ein Implantat für einen
Patienten aus einer Reihe von genormter Prothesen
aus, indem sie eine Abfolge von Schablonen auf
zweidimensionale Röntgenbilder des Gelenks projizieren. Diese künstlichen Gelenke halten nur rund zehn
Jahre. Die Erneuerung wird erforderlich, weil sich das
Gelenk lockert oder aufgrund der Beanspruchung der
Körperbewegungen bricht.
"Das Knochengerüst des Menschen ist ein außerordentlich aktives System, bei dem sich die Knochen
unterschiedlichen Lasten anpassen", erläutert Taylor.
"Darüber hinaus haben wir es auch mit einem äußerst
schwierigen chemischen Umfeld zu tun."
Taylor zufolge wird die Anzahl künstlicher Hüftgelenke, die pro Jahr in den Vereinigten Staaten eingesetzt
werden - heute bereits 200 000 - mit zunehmender
Überalterung der Bevölkerung voraussichtlich in den
nächsten Jahrzehnten beträchtlich steigen.
McRae, außerordentlicher Professor für Chemie der
Carnegie Mellon University, verwendet Cray-Supercomputer, um die für die Luftverschmutzung in Großstädten verantwortlichen Prozesse besser zu verstehen. Anhand eines detaillierten mathematischen Modells
der Luftverschmutzung in Los Angeles hat die Forschungsgruppe McRae herausgefunden, daß der Ansatz
der Bundesregierung zur Verringerung der Luftverschmutzung sich nur auf einen Teil des Problems konzentrierte, nämlich den Abbau von Kohlenwasserstoffen ohne gleichzeitige strikte Maßnahmen zur Reduzierung der Stickoxyde, die ebenfalls mit den Abgasen
freigesetzt werden.
Ihre Forschungsergebnisse wurden in dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Emissionsschutzgesetz
und bei der Formulierung von Präsident Bushs vorgesehenen neuen Bundesvorschriften zur Reinhaltung
der Luft berücksichtigt.
"In den Vereinigten Staaten leben 60 Prozent der
Bevölkerung in Großstädten oder einer Gegend, in der
die Qualität der Luft gesundheitsschädlich ist und die
Vorschriften des Emissionsschutzgesetzes nicht erfüllt", erklärt McRae. "Andere Großstädte wie Sydney
und Mexico City sind daran interessiert, die Ergebnisse unserer Arbeit anzuwenden."
Bei dem Treffen berichteten Astronomen, sie benutzten jetzt Supercomputer-Simulationen, um zu erforschen, wie ganze Galaxien aus Abermillionen von
Sternen entstehen und sich entwickeln.

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Diese Modelle basieren auf Ergebnissen astronomischer Beobachtungen zur Wechselwirkung von Sternen und interstellaren Gasen. Sie umfassen die
Newtonschen Axiome, das Entstehung und das Verglühen von Sternen, die Auswirkungen von interstellaren Winden und Sternenlicht bei der Aufheizung und
Bewegung interstellarer Materie und die Abkühlung
interstellarer Materie durch die Emission von Infrarotstrahlung.
Dem Agrar-Entomologen David Onstad von der University of Illinois zufolge kann Supercomuter-Forschung
zu besserer Schädlingsbekämpfung ohne Einsatz
chemischer Insektizide führen. Er hat herausgefunden, daß zwei durch den europäischen Kombohrer
und den Mehlkäfer hervorgerufene Insektenplagen
statt durch Chemikalien durch natürliche Mikroorganismen unter Kontrolle gebracht werden können.
"Ein Befall kann viele Auswirkungen haben", erklärte
Onstad. "Wie der Erreger wirkt und die Wirtspflanze
angreift, ist ein komplexer Vorgang. Dabei müssen der
Übertragungsweg und die Art der Krankheitsentwicklung berücksichtigt werden."
Onstad bediente sich der Geschwindigkeit und Speicherkapazität des Supercomputers, um Veränderungen einer Insektenpopulation über 25 Jahre zu simulieren. Mit Hilfe dieser Berechnungen, die weniger ausgereifte Computer in Monaten erarbeiten, kann er
innerhalb weniger Minuten den Einfluß natürlicher
Parasiten und anderer Faktoren auf die Insektenpopulation feststellen.
Dem Leiter des neu eingerichteten Rechenzentrums
für Makromolekularbiologie an der University of California in San Diego, Dr. Lynn Ten Eyk, zufolge lassen
sich mittels biomolekularer Simulationen Parameter und damit ein Modell - aufstellen, mit dessen Hilfe sich
neue Stoffe mit geringen oder gar keinen Nebenwirkungen im Labor herstellen lassen.
Trotz gewisser Engpässe bei der Ausrüstung mit Zeichencomputern können laut Ten Eyck mit Hilfe biomolekularer Simulationen bereits falsche Wege ausgeschaltet und vielversprechendere Wege für die weitere
Forschung eröffnet werden.
"Supercomputer sind bei Molekularbiologen und
Chemikern auf große Zustimmung gestoßen", erklärt
er dazu. "Dieser Enthusiasmus herrscht trotz der
Tatsache vor, daß bis jetzt noch keine von Supercomputern geschaffenen Chemikalien über das klinische
Stadium hinaus gelangen konnten. Computergestützte Chemie für Systeme von der Größe biologischer
Makromoleküle steckt noch in den Kinderschuhen."

* * * *

*

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�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Deutschlandpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Truppen auch in Vereinigtem Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker bekräftigt Unterstützung für neue Demokratien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem Kongreßausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Rüstungskontrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fortschritte bei sowjetischer Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht des Präsidenten an den Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Umwelt Kernstück der amerikanischen Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei der National Governors' Association&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"unverkennbar" positive Tendenzen bei Menschenrechten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht des Außenministeriums über Menschenrechte&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Wissenschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Supercomputer mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anwendungen für Erforschung von Galaxien, Konstruktion künstlicher Gelenke&lt;/em&gt;</text>
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