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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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Etnbassy :-" ' ^ ^ Services
Deichmanns Aue 29
5300 Bonn 2
21. Februar 1990

DROGEN

Baker: Drogen sind ernsthafte Bedrohung der
weltweiten Sicherheit
Rede des Außenministers vor der UN-Drogenkonferenz

Die Erklärung von Cartagena
Eine Übersicht des Weißen Hauses

OST-WEST-BEZIEHUNGEN

Bush: KSE-Abkommen in greifbare Nähe
gerückt
Stellungnahme zu Vereinbarung,
Einheit Deutschlands

HILFE FÜR OSTEUROPA

Eagleburger erläutert Bedingungen für
US-Hilfe an Osteuropa
Rede des stellvertretenden Außenministers
bei der Amerikanischen Handelskammer

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DROGEN
21. Februar 1990

BAKER: DROGEN SIND ERNSTHAFTE BEDROHUNG
DER WELTWEITEN SICHERHEIT
Rede des Außenministers vor der UN-Drogenkonferenz
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Außenminister Baker zufolge "stellen Drogen eine ernsthafte Bedrohung der
weltweiten Sicherheit dar. Angesichts dieser bitteren Wahrheit haben wir uns zu dieser Sondersitzung versammelt." Vor der Drogenkonferenz der Vereinten Nationen verwies Baker am 20. Februar 1990 darauf, daß die
Drogenbekämpfungsstrategie der Bush-Administration "die Bewältigung des Drogenproblems in allen Aspekten
- Konsum, Handel, illegale Herstellung, Behandlung und Therapie - fordert."
Dem Au ßenminister zufolge haben sich die Teilnehmer beim Drogengipfel in Cartagena verpflichtet, "die Händler
von Drogen und Tod" auf allen Ebenen zu bekämpfen und vereinbart, alle Länder zur Ratifizierung der
Konvention der Vereinten Nationen über den unerlaubten Handel mit Drogen und psychotropen Stoffen zu
drängen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte,
dies sind vielversprechende Zeiten für die internationale Staatengemeinschaft. Von Südafrika bis nach
Osteuropa, von den demokratischen Bewegungen in
Asien bis zu der neuen Generation demokratischer
Regierungsvertreter in Lateinamerika vernehmen wir
den bewegenden Ruf der Freiheit. Menschen mit
Glauben, Überzeugung und Mut kämpfen und wappnen sich gegen übermächtige Schwierigkeiten.
Die alte Welt dogmatischer Diktaturen geht ihrem
Ende entgegen. Tragische Rückschritte zu Unterdrükkung dienen nur dazu, uns daran zu erinnern, daß die
neue Welt der sicheren, wohlhabenden und gerechten
Demokratien noch nicht gekommen ist. Und sie wird
nicht automatisch kommen. Wir alle müssen an ihrer
Verwirklichung arbeiten und sicherstellen, daß sie von
Dauer ist.
Ein Weltkrieg hat im Jahr 1945 zur Gründung dieser
Organisation geführt. Und mit feierlicher Entschlossenheit haben sich die Gründerväter der Vereinten
Nationen in der Präambel unserer Charta verpflichtet,
"nachfolgende Generationen vor der Geißel des Krieges
zu bewahren".

AMERIKA DIENST 7

Besonders heute, in diesen vielversprechenden Zeiten ist es unabdingbar, daß sich die Nationen der Welt
an die grundlegenden Ziele erinnern, die uns verbinden. Denn wenn es uns nicht gelingt, die Ziele der UNCharta - Frieden, Menschenwürde, Gerechtigkeit,
Wahrung der souveränen Rechte und des Völkerrechts, Sorge um das Wohlergehen aller Völker der
Welt - zu unterstützen, wenn wir nicht alles in unserer
Macht Stehende tun, um diese Ziele zu verwirklichen,
dann könnten wir in einer Zukunft enden, die unserer
traurigen Vergangenheit gleicht.
Selbst während wir gemeinsam an der Beendigung
von Kriegen und Konflikten arbeiten, gibt es andere
Probleme, die unaufschiebbar sind und ungeahntes
Leid über die Menschheit bringen. Selbst während wir
den Ruf nach Freiheit und Demokratie vernehmen,
dürfen wir einen anderen Ruf nicht überhören. Dieser
Ruf ist keine Bejahung der Freiheit, sondern ihre
Verneinung, nicht Förderung von Demokratie, sondern ihre Korrumpierung. Es ist der Ruf des Drogenabhängigen.
Dieser Ruf betrifft uns alle - und er ist dringend. Wir
vernehmen ihn aus unmittelbarer Nähe - vor meiner,
Ihrer und der Tür unserer Nachbarn weltweit. Keiner
von uns - nicht einer - ist vor der Drogengefahr sicher.
Seite 1

�Drogen stellen eine ernsthafte Bedrohung der weltweiten Sicherheit dar. Angesichts dieser bitteren Wahrheit haben wir uns zu dieser Sondersitzung versammelt. Wir sind uns der wachsenden Bedeutung der
Drogenbekämpfung voll und ganz bewu ßt. Ich möchte
insbesondere den Regierungen danken, die eine führende Rolle bei der Vorbereitung der Tagesordnung
gespielt haben.
Ich möchte Ihnen jetzt einen kurzen Überblick über den
umfassenden Ansatz geben, den meine Regierung in
die Wege geleitet hat, um mein Land und die Welt
insgesamt von illegalen Drogen zu befreien. Zunächst
möchte ich die Drogenstrategie der Vereinigten Staaten umreißen, die sich auf den unabdingbaren Abbau
des Drogenkonsums im Inland konzentriert. Zweitens
möchte ich Ihnen die Ergebnisse des Drogengipfels
von Cartagena mitteilen, bei dem Präsident Bush und
die Präsidenten von Kolumbien, Bolivien und Peru das
erste Drogenbekämpfungskartell der Welt gegründet
haben. Und abschließend möchte ich Ihnen die Erwägungen meiner Regierung darüber vermitteln, wie sich
die Vereinten Nationen am besten am weltweiten
Kampf gegen Suchtstoffe beteiligen können.
Die amerikanischen Bestrebungen
An oberster Stelle steht unsere Drogenstrategie. Das
amerikanische Volk sieht Drogen als Problem Nummer Eins für die Vereinigten Staaten. Und Präsident
Bush mi ßt dem Sieg im Drogenkrieg erste Priorität bei,
und daher hat er auch für mich erste Priorität. Das Büro
für Internationale Suchtstoff-Fragen im Außenministerium unter der Leitung von Herrn Levitsky hat ausgezeichnete Arbeit dabei geleistet, sicherzustellen, daß
die Drogenbekämpfungsproblematik zum unerläßlichen Bestandteil unserer diplomatischen Bemühungen geworden ist.
Unsere Drogenbekämpfungsstrategie fordert die
Bewältigung des Drogenproblems in allen Aspekten Konsum, Handel, illegale Herstellung, Behandlung
und Therapie. Meine Regierung mißt Präventivmaßnahmen, Behandlung und Therapie größere Bedeutung als je zuvor bei. Wir beabsichtigen, den Handel
mit allen illegalen Drogen zu unterbinden, nicht nur
Kokain.

Heroin, Marihuana und die sogenannten

Designerdrogen stellen ebenfalls ernsthafte Bedrohungen dar. Und wir nehmen das Problem des Anbaus
und Handels im Inland in Angriff.
Ein solch umfassender Ansatz erfordert eine Aufstokkung der Ressourcen. Seit dem Amtsantritt von Präsident Bush wurde unser Etat zur Drogenbekämpfung
im Inland um 67 Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar
erhöht und das Budget zur Drogenbekämpfung auf
internationaler Ebene, einschließlich der Unterbindung
des Nachschubs an den Grenzen und Küsten wurde
um 73 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar aufgestockt.
Wir sind uns der Tatsache voll und ganz bewußt, daß

Seite ?

das Problem des Drogenkonsums im Inland unsere
größte Herausforderung darstellt. Solange in den
Vereinigten Staaten eine unersättliche Nachfrage nach
Drogen besteht, sieht sich unser Land mit einem
endlosen, harten Kampf zur Unterbindung des Nachschubs konfrontiert. Wir machen Fortschritte. Der
Drogenkonsum im Inland ist von 1985 bis 1988 um 37
Prozent zurückgegangen, und im gleichen Zeitraum
hat sich der Kokainkonsum um die Hälfte reduziert.
Aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns.
Wir sind entschlossen, den Drogenkonsumenten in
den Vereinigten Staaten die nackten Tatsachen vor
Augen zu führen: Ihr Verhalten ist nicht nur eine
persönliche Schwäche. Die amerikanischen Konsumenten sind die Zahlmeister organisierter Mörder. Mit
den Profiten von jedem auf den Straßen der Vereinigten Staaten gekauften Kilo Kokain werden die Kugeln
bezahlt, die Demokratien ihrer Würde und Freiheit
berauben. Amerikanische Konsumenten leisten den
Drogenkartellen Vorschub, die ihrerseits regionale und
globale Instabilität schüren und ausbeuten. Wenn
Amerikaner ihre Sucht befriedigen und die Kartelle
bereichem, ist das so, als ob sie Terroristen unterstützten. Die amerikanischen Drogenkonsumenten sind
Handlanger der Kriminellen, die Kinder vergiften. Ihre
Sucht trägt überdies zur Verwüstung von Land bei.
Koka-Bauern haben große Waldflächen zerstört, die
Drogenhändler haben Millionen Liter chemischer
Grundstoffe in die Flüsse gekippt.
Ich bedaure sagen zu müssen, daß Rauschgift zu
einem Großunternehmen geworden ist, mit dem in
meinem Land ein Riesengeschäft gemacht wird. Im
vergangenen Herbst beschlagnahmten Fahnder in
Los Angeles ein Lager mit 22 Tonnen Kokain. Würde
man alle beschlagnahmten Ein-Kilo-Pakete aufeinanderhäufen, wäre dieser Berg 2,5 Kilometer hoch - ein
Berg des Elends, halb so hoch wie der höchste Berg
der Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge über
steigt der Straßenverkaufswert des beschlagnahmten
Kokains das jeweilige Bruttosozialprodukt von über
100 der in dieser Versammlung vertretenen Staaten.
Und das war nur ein einziges Lager. Stellen Sie sich
einmal die wahren Gebirge des Elends vor, die wir
nicht entdeckt haben.
So werden Konsum und Angebot, Abhängigkeit und
Ausbeutung, Gier und Gewalt zu einem Teufelskreis
wie bei einem Drachen, der sich in den Schwanz beißt.
Dieser Kreis des Elends und des Todes mu ß durchbrochen werden. Die Vereinigten Staaten tragen dazu
bei, ihn zu durchbrechen - sowohl im Inland als auch
zusammen mit unseren Partnern im Ausland.
Der Gipfel von Cartagena
Damit komme ich zu meinem zweiten Thema: Dem
Gipfeltreffen in Kolumbien vom letzten Donnerstag
(15. Februar 1990). Wie Sie wissen, sind Präsident
Bush und ich nach Cartagena gereist, wo wir mit

AMERIKA D.tNST 7

�unseren Amtskollegen aus Kolumbien, Bolivien und
Peru zusammentrafen. In Cartagena verpflichteten
sich die Gipfelteilnehmer dazu, die Händler von Drogen und Tod auf allen Ebenen zu bekämpfen - Produktion, Vertrieb, Finanzwesen und Konsum. Präsident
Bush brachte unmißverständlich sein Engagement
zum Abbau der Nachfrage nach Drogen in den Vereinigten Staaten zum Ausdruck. Wir stimmten überein,
daß Schuldzuweisungen zwischen Hersteller- und
Verbraucherstaaten zwecklos sind - Rauschgift ist
eine tödliche Bedrohung aller Staaten, die ihm ausgesetzt sind. Wir und die anderen Gipfelteilnehmer sind
entschlossen, dem Rauschgift das Genick zu brechen
und den illegalen Kartellen das Geschäft zu verderben.
Mit seiner Reise nach Cartagena hat der Präsident die
uneingeschränkte Entschlossenheit unserer Regierung unter Beweis gestellt, den Drogenkrieg solange
wie nötig zu führen. Wir haben unseren Partnern
versichert, daß wir nicht nachlassen werden, sie im
Kampf gegen Drogen zu unterstützen.

Präsident Barco hat oftmals sein eigenes Leben riskiert, um seine Nation aus dem Würgegriff der Drogenkartelle zu befreien. Zusammen mit Präsident Barco
sind sich die Präsidenten Bush, Garcia und Paz ihrer
Verantwortung bewußt, eine Führungsrolle bei der
Bekämpfung des Kokains, unseres gemeinsamen
Feindes, zu übernehmen.
In Cartagena haben wir zusammen die Notwendigkeit
von Entwicklung, Handel und Investitionen zur Stärkung von wachstumsorientierten wirtschaftspolitischen
Maßnahmen bekräftigt, um die Kosten der Drogenbekämpfungsprogramme wettzumachen. Wir kamen
überein, zur Schärfung des öffentlichen Bewußtseins
im Hinblick auf die schädlichen Auswirkungen von
Drogenproduktion, Drogenhandel und Drogenmißbrauch
auf unsere Länder zusammenzuarbeiten. Wir erklärten uns zurGewährung von Wirtschaftshilfe bereit, um
die Volkswirtschaften der Andenstaaten zu stärken.
Ferner kamen wir überein, die Strafverfolgungsbehörden unserer Länder zu stärken, um die Rauschgifthändler ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Präsident

Als Teil ihrer Unterstützung werden die Vereinigten

Bush erklärte gegenüber seinen Amtskollegen aus

Staaten in den Haushaltsjahren 1989 bis 1991 ihr
internationales Budget zur Drogenbekämpfung in
Kolumbien, Bolivien und Peru um das siebenfache
erhöhen. Unsere gesamte Wirtschaftshilfe für diese
Andenstaaten wird im nächsten Jahr mehr als verdoppelt, wenn diese Länder harte Programme zur Drogenbekämpfung einführen und solide wirtschaftspolitische
Maßnahmen anwenden.

den Andenstaaten, er werde diese Fragen beim Gipfel
in Houston mit der G-7 sowie auch mit anderen Industriestaaten erörtern. Die Vereinigten Staaten sind
bestrebt, die Konsultation und Zusammenarbeit mit
anderen Industriestaaten in bezug auf Drogen zu
verbessern und auszubauen, um die internationale
Unterstützung von Bemühungen zur Drogenbekämpfung in den Herstellerländern zu stärken.

Kolumbien war für den Gipfel der geeignete Ort. Wir
begrüßen die mutige Entscheidung Kolumbiens, Laboratorien zu beschlagnahmen und zerstören, Drogenkriminelle festzunehmen und zu verfolgen, Drogenhändler und Geldwäscher auszuliefern und die
Herausforderung des Kokain-Imperiums anzunehmen.

Schließlich stimmten wir und unsere Amtskollegen aus
den Andenstaaten überein, sobald wie möglich die
Konvention der Vereinten Nationen über den unerlaubten Handel mit Drogen und psychotropen Stoffen
zu ratifizieren. Im Falle ihrer Ratifizierung wird diese
Konvention aus dem Jahr 1988 die weltweite Zusammenarbeit in Bereichen wie Geldwäsche, Beschlagnahme von Vermögenswerten, Kontrolle chemischer
Grundstoffe, Auslieferung, Fahndung, Sammlung
nachrichtendienstlicher Erkenntnisse und Informationsaustausch fördern. Ich freue mich, berichten zu können, daß Präsident Bush am 13. Februar 1990 für die
Vereinigten Staaten die Ratifizierungsurkunde unterzeichnet hat. Wir haben die unterzeichnete Ratifizierungsurkunde heute den Vereinten Nationen übergeben.

Keine Nation hat sich den Drogenbaronen so mutig
entgegengestellt oder größere Opfer gebracht. Keine
hier vertretene Nation kann das Schicksal Kolumbiens
unberührt lassen. Das Ausmaß der mit Drogen in
Verbindung stehenden Gewalt in Kolumbien ist selbst
für diejenigen unter uns schreckenerregend, die mit
der Gewalt, die auf solch traurige Weise ein Teil
unseres turbulenten Jahrhunderts war, unmittelbar in
Berührung gekommen sind.
In Kolumbien haben in einem kurzen, brutalen Jahrzehnt Drogenhändler aus Medellin und Cali über 1 000
Beamte, 12 Richter des Obersten Gerichtshofes, mehr
als zwei Dutzend Journalisten sowie über 200 Richter
und Justizangehörige ermordet, wobei die zahlreichen
Männer, Frauen und Kinder noch nicht erwähnt sind,
die zufälligerweise das Pech hatten, zur falschen Zeit
am falschen Ort zu sein. Und kein noch so langes
Waschen kann das an den Drogengeldern klebende
Blut entfernen. Die sogenannten Kokainkönige sind
Kriminelle - Kriminelle mit ungewöhnlicher Macht und
von ungewöhnlicher Brutalität.

AMERIKA DIENST 7

Die Ratifizierung durch alle Länder wird uns bei den
regionalen Drogenbekämpfungsbestrebungen unterstützen und darüber hinaus die weltweite Kooperation
gegen unerlaubte Drogenarten erhöhen.
Eine erweiterte Rolle der Vereinten Nationen
Die Vereinten Nationen spielen eine entscheidende
Rolle bei der Förderung weltweiter Kooperation. Es ist
unabdingbar, daß wir den besten Nutzen aus den
Instrumenten der Vereinten Nationen und dem System

Seite 3

�selbst ziehen, um unsere Bestrebungen auf nationalem und regionalem Niveau zu stützen.
Es gibt kein Land hier, daß so stolz oder so erhaben
wäre, daß es sich ohne fremde Hilfe von den Drogen
befreien könnte. Und es gibt kein Land, daß so klein
wäre, daß es diese wichtigen internationalen Bestrebungen nicht auf irgendeine Art und Weise unterstützen könnte. Gemeinsam können wir effektiver arbeiten als allein. Wir können miteinander mehr erreichen
als gegeneinander. Diese Sondersitzung bietet uns
allen - der gesamten Staatengemeinschaft - eine
Möglichkeit, Drogen entschieden zu bekämpfen.
Wir müssen diese Gelegenheit jetzt ergreifen. Wenn
wir sie verstreichen lassen, werden durch unsere
Handlungsunfähigkeit mehr Kinder zum Leiden und
zur Bedürftigkeit verdammt, Familien zerstört und mehr
Regierungen Opfer von Drogenkartellen. Und mehr
Fäden, die das Gewebe der zivilisierten Gesellschaft
zusammenhalten, werden sich lösen.
Deshalb sind der Präsident und ich vom günstigen
Zeitpunkt und der Effektivität dieser Sondersitzung
überzeugt. Wir haben die Möglichkeit, die Vereinten
Nationen auf Aktionskurs zu bringen.
Meine Regierung hegt die Hoffnung, daß die Verabschiedung des Globalen Aktionsplans und die dazugehörige politische Erklärung uns dem Ziel näher bringen, die internationale Staatengemeinschaft von der
Geißel der Drogen zu befreien - vorausgesetzt natürlich, das Programm verpflichtet zu konkreten Maßnahmen, es wird von allen Unterorganisationen der Vereinten Nationen durchgeführt und von ergänzenden
Bestrebungen auf nationalem und regionalem Niveau
unterstützt. Natürlich können wir als Mitglieder nicht
die Vereinten Nationen auffordern, etwas zu tun, was
wir zuhause nicht tun. Wir können die Vereinten
Nationen auch nicht bitten, ehrgeizige Programme
ohne finanziellen Hintergrund und eine starke Infrastruktur zu deren Durchführung zu verwirklichen. Wir
müssen unsere Prioritäten so ordnen, daß wir unsere
Ziele im Rahmen eines einheitlichen Ansatzes bei den
Vereinten Nationen und durch ein reales Nullwachstum der Programme in den Haushalten erreichen
können.
Der Globale Aktionsplan wird die von uns bereits
errichtete solide Grundlage festigen. Damit meine ich
die beiden bereits gültigen internationalen Drogenbekämpfungsabkommen und die von mir bereits erwähnte neue Konvention gegen den unerlaubten Handel mit
Drogen. Darüber hinaus haben v/ir andere Mandate,
wie sie etwa in dem Umfassenden Interdisziplinären
Entwurf der Internationalen Drogenkonferenz von 1987
und der im Dezember 19B9 verabschiedeten Resolution 44/141 der UN-Ger eralversammlung enthalten
sind. Alle diese Dokumente liefern uns sowohl die
rechtliche und programmatische Basis als auch die
Autorität zum weiteren Vorgehen. Dieser Instrumente

Seite 4

sollten wir uns effektiv bedienen, bevor wir darangehen, neue Abkommen zu entwerfen. Wir wollen unsere systemübergreifenden Bestrebungen verstärken
und größtmögliche Kooperation, Koordination und
Effektivität bei der Durchführung aller UN-Programme
sicherstellen.
Sicherlich gibt es guten Grund zur Verbesserung und
Stärkung unserer multilateralen Infrastruktur. Wir sind
uns einig, daß die Mitgliedstaaten mehr Mittel für die
Drogenbekämpfungsmaßnahmen der UNO bereitstellen sollen, um die entsprechenden Bestrebungen auf
nationaler Ebene zu ergänzen. Wir zeigen bei der
Zusammenarbeit mit anderen Regierungen mehr Einsatz als jemals zuvor, so daß die Vereinten Nationen
ein stärkerer, aufgeschlossenerer Partner bei der
Drogenbekämpfung sein können. Der Präsident und
ich hoffen, daß der Globale Aktionsplan mit Hilfe des
Generalsekretärs und aller Mitgliedstaaten dynamische Drogenbekämpfungsbestrebungen auf weltweiter Ebene belebt.
Bei unserem weltweiten Kampf gegen Drogen betrachten wir alle Nationen als natürliche Verbündete,
die wie wir entschlossen sind, sich dieser Geißel zu
widersetzen. Langjährige Freunde und erbitterte Gegner
gleichermaßen müssen sich bei ihren Bestrebungen
zusammenschließen. Tatsächlich sind vielfach trotz
politischer und wirtschaftlicher Differenzen Verbindungen eingegangen worden. Gemeinsam werden wir die
multinationalen Drogenimperien an allen Fronten
bekämpfen. Gemeinsam werden wir jede Regierung
zur Rechenschaft ziehen, die Drogenbaronen Zuflucht
gewährt, Geldwäsche zuläßt und ihre Augen vor Drogenmißbrauch und Drogenhandel verschließt. Wir
üben keine Nachsicht.
Schlußbemerkung
Ich habe zu Beginn meiner Ausführungen darauf verwiesen, daß wir in vielversprechenden Zeiten leben.
Freiheit und Demokratie sind auf dem Vormarsch, sie
sehen sich jedoch erheblichen Schwierigkeiten gegenüber. Zweifellos zählen Drogen zu ihren ärgsten
Feinden. Denn Freiheit und Demokratie sind universelle Ideale, die die Würde jedes einzelnen berühren.
Und wenn diese Ideale verwirklicht werden sollen,
muß jeder einzelne seiner Gesellschaft und der internationalen Staatengemeinschaft einen Beitrag leisten.
Ein Mensch, der unter den Einfluß von Drogen geraten
ist, wird zum Sklaven und ist nicht mehr frei oder
verantwortungsbewußt. Das gleiche gilt für eine Nation.
Aber solche Tragödien müssen nicht geschehen nicht unseren Bürgern, nicht unseren Ländern und
nicht der Staatengemeinschaft. Es liegt an uns - an
jedem von uns und an uns allen zusammen. Es steht
viel auf dem Spiel.
Wir wissen, daß wir die Welt nicht innerhalb einer
Generation von Drogen befreien können. Dennoch ist
AMERIKA DIENST 7

�es meiner Ansicht nach gerechtfertigt, optimistisch in
die Zukunft zu blicken. Mehr als jemals zuvor arbeiten
alle Länder der Welt gemeinsam am weltweiten Drogenproblem. Dazu haben die Vereinten Nationen
einen großen Teil beigetragen.

lern, wo Koka und Mohn angebaut werden, in den
Großstadtdschungeln, wo Korruption und Gewalt
regieren, in düsteren Hinterzimmern, wo Drogengeld
gewaschen wird und in den Untiefen der Seele - dort
vielleicht am meisten.

Von der Sowjetunion bis Jamaica, von Spanien bis
Malaysia schließen sich Länder im Kampf gegen Drogen
zusammen. Wir, die Völker der Welt, müssen diesen
Kampf fortführen - in den Dschungeln und den Bergtä-

Hier und heute müssen wir zum Wohle unserer Kinder
und Enkel alles menschenmögliche tun, um Gottes
Erde von der Geißel der Drogen zu befreien.

* *

AMERIKA DIENST 7

* *

*

Seite 5

�DROGEN
21. Februar 1990

DIE ERKLÄRUNG VON CARTAGENA
Eine Übersicht des Weißen Hauses
(Die folgende Übersicht zur Erklärung von Cartagena, die nach dem Gipfeltreffen der Präsidenten von Kolumbien, Bolivien, Peru und den Vereinigten Staaten zum Drogenproblem unterzeichnet wurde, hat das Weiße Haus
am 15. Februar 1990 veröffentlicht.)

Allgemeiner Hintergrund
In der Erklärung von Cartagena wird eine umfassende,
intensivierte Drogenbekämpfungsstrategie dargelegt,
um Produktion, Handel und Konsum illegaler Drogen
zu beenden. Unter Berücksichtigung der Tatsache,
daß die Problematik in jedem Land unterschiedlich
gelagert ist, sind sich die Präsidenten darin einig, daß
alle Glieder in der Kette des Kokainhandels gleichzeitig
bekämpft werden müssen.
In der Erklärung verpflichten sich die Regierungen
Boliviens, Kolumbiens, Perus und der Vereinigten
Staaten, die Herausforderung des Drogenproblems
aufzunehmen und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben.
Die Erklärung beinhaltet Absichtserklärungen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit und alternativen Entwicklung sowie zur Bekämpfung illegaler Drogen. Sie
enthält ferner Initiativen in Diplomatie und Öffentlichkeitsarbeit.
Wirtschaftliche Aspekte und alternative Entwicklung
Die Erklärung unterstreicht die Bedeutung verstärkter
internationaler Zusammenarbeit in Wirtschaft und Handel
im Zuge der effektiven Verwirklichung von Strategien
zur Rauschgiftbekämpfung. Der Präsident wird den
Kongreß für die Haushaltsjahre 91-94 um die Bewilligung zusätzlicher Wirtschaftshilfe bitten. Die amerikanische Hilfe wird im Rahmen der Bemühungen im
Kampf gegen Drogen sowie solider wirtschaftspolitischer Maßnahmen der beteiligten Andenstaaten zur
Verfügung gestellt werden.

AMERIKA DIENST 7

Benötigt werden Mittel zur Unterstützung der Zahlungsbilanzen, für die Umstellung auf neue Anbauprodukte, soziale Programme sowie breitgefächerte Entwicklungsmaßnahmen, die das für die beteiligten Andenstaaten unerläßliche Wirtschaftswachstum sicherstellen werden.
Die Parteien werden sich ferner bemühen, zusätzliche
Wirtschafts- und Handelsinitiativen zu entwickeln. Die
Vereinigten Staaten werden dazu beitragen, Märkte
für die durch alternative Entwicklungsprogramme
geschaffenen Produkte zu fördern sowie Hilfe zur
Verfügung stellen, damit landwirtschaftliche Produkte
aus den Andenstaaten die amerikanischen Zulassungskriterien erfüllen.
Der Kampf gegen illegale Drogen
Die Präsidenten verpflichteten sich zu verstärkten
Anstrengungen in der Bekämpfung von Produktion,
Transport und Konsum illegaler Drogen durch Prävention, Strafverfolgung, Kontrolle von Waffen und chemischen Grundstoffen, Beschlagnahme, Einziehung und
Verteilung von Gewinnen aus dem Drogenhandel,
Koordinierung der beteiligten Strafverfolgungsbehörden, der Streitkräfte und der Gerichte im Rahmen der
nationalen Souveränität der beteiligten Länder sowie
eine Nettoreduzierung beim illegalen Anbau der KokaPflanze.
Die Parteien verpflichten sich zu einem umfassenderen Austausch von Informationen, auch nachrichtendienstlicher Art. Sie verabredeten, daß jedes Land auf
seinem eigenen nationalen Territorium seine Streitkräfte einsetzen kann. Die Vereinigten Staaten erklärten sich bereit, verstärkt Ausrüstung und Ausbildung

Seite 1

�für die Strafverfolgungsbehörden und Streitkräfte der
beteiligten Andenstaaten zur Verfügung zu stellen.

Folgetreffen innerhalb der nächsten sechs Monate
abzuhalten.

Die Parteien verpflichteten sich femer zur Stärkung
der Justizverwaltungen, insbesondere dem Schutz
von Richtern und Justizangestellten.

Das Gipfeltreffen ist Teil eines fortdauernden Prozesses, und die Parteien haben sich darauf verständigt,
weitere Schritte in diesem Bereich vorzunehmen,
darunter unter anderem den Abschluß bilateraler
Abkommen, die mit ihren Verpflichtungen zum Kampf
gegen das Rauschgift im Einklang stehen.

Diplomatische Initiativen und öffentliche Meinung
Die Gipfelteilnehmer geloben, das Bewußtsein der
Öffentlichkeit für das Drogenproblem zu schärfen,
indem sie interamerikanische Programme für die öffentliche Meinungsbildung sowie zur Dämpfung der
Nachfrage durchführen.

Die Vereinigten Staaten und Bolivien unterzeichneten
Vereinbarungen über Öffentlichkeitsarbeit, die Kontrolle chemischer Grundstoffe sowie die Kontrolle von
Waffenexporten.

Die Gipfelteilnehmer wollen in jedem erdenklichen
internationalen Forum die Zusammenarbeit im Kampf
gegen das Rauschgift fördern. Insbesondere fordern
die Parteien eine Weltkonferenz gegen den Rauschgifthandel im Jahr 1991.

Die Vereinigten Staaten und Peru unterzeichneten
Vereinbarungen über den Austausch von Informationen über Steuern sowie Öffentlichkeitsarbeit und tauschten Noten zum Auslieferungsverfahren aus.

Die Gipfelteilnehmer sind sich einig, ein hochrangiges

Über weitere Vereinbarungen mit Kolumbien wird zur
Zeit noch verhandelt.

*

Seite 2

*

*

*

AMERIKA DIENST 7

�OST-WEST-BEZIEHUNGEN
21. Februar 1990

BUSH: KSE-ABKOMMEN IN GREIFBARE
NÄHE GERÜCKT
Stellungnahme zu Vereinbarung, Einheit Deutschlands
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush erklärte am 14. Februar im Weißen Haus, die amerikanisch-sowjetische
Vereinbarung, daß jede Seitenichtmehrais 195 000 Soldaten in Mitteleuropa stationieren wolle, "ist ein wichtiger
Durchbruch, mit dem ein schwerwiegendes Hindernis für den baldigen Abschluß eines KSE-Vertrags aus dem
Weg geräumt wird".
Dem Präsidenten zufolge wurde bei der Konferenz Offene Himmel in Ottawa im Hinblick auf einen Prozeß, an
dessen Ende die Vereinigung beider deutscher Staaten steht, ein weiterer wichtiger Durchbruch erzielt.
"Diese Schritte lassen zusammen mit dem dynamischen Vormarsch der Demokratie in Osteuropa das von mir
im ersten Jahr meiner Präsidentschaft hervorgehobene Ziel eines ungeteilten und freien Europas in greifbare
Nähe rücken," erklärte Bush ferner.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Stellungnahme in Auszügen:

Bush: Ich möchte Außenminister Baker zu seiner
hervorragenden Arbeit in Ottawa gratulieren wie auch
dazu, daß er bei seinen Gesprächen in Moskau die von
mir und Präsident Gorbatschow - in Malta - vereinbarte
Tagesordnung weiter verfolgt hat. Und ich freue mich,
daß die 23 Mitglieder der Wiener Verhandlungen über
Konventionelle Streitkräfte in Europa die von mir am
31. Januar 1990 im Bericht zur Lage der Nation vorgeschlagene NATO-Initiative akzeptiert haben, mit der
das Problem der Mannschaftsstärke gelöst werden
sollte.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion werden
jeweils nicht mehr als 195 000 Soldaten in Mitteleuropa stationieren. Und das wird die Obergrenze für auf
ausländischem Territorium stationierte sowjetische
Truppen sein. Die Vereinigten Staaten werden die
zusätzlichen 30 000 Soldaten in Europa außerhalb
Mitteleuropas stationieren.
Dies ist ein wichtiger Durchbruch, mit dem ein schwerwiegendes Hindernis für den baldigen Abschluß eines
KSE-Vertrags aus dem Weg geräumt wird. Und damit
wird dem Prinzip Geltung verschafft, daß US-Streitkräfte in Europa nicht mit sowjetischen Streitkräften in
Osteuropa gleichzusetzen sind.

AMERIKA DIENST 7

Ein weiterer wichtiger Durchbruch wurde bei der Vereinigung beider deutscher Staaten erzielt. Ich habe
gestern mit Bundeskanzler Kohl telephoniert, um letzte Einzelheiten der von Außenminister Baker in Ottawa
erzielten Vereinbarung zu erörtern.
Wir sind uns mit unseren deutschen Verbündeten
völlig einig. Die Dinge haben sich dort überaus schnell
entwickelt. Und der von uns erzielten Übereinkunft
zufolge werden die Außenminister beider deutscher
Staaten mit den Außenministem der vier Mächte - der
Vereinigten Staaten, Frankreichs, Großbritanniens und
der Sowjetunion - zusammentreffen, um außenpolitische Aspekte der Vereinigung beider deutscher Staaten zu erörtern. Und das bringt uns der Verwirklichung
des lang gehegten Wunsches nach deutscher Einheit
ein Stück näher. Im Mai vergangenen Jahres habe ich
in Mainz darauf verwiesen, daß dies ein Ziel ist, das wir
und unsere Verbündeten mit dem deutschen Volk seit
mehr als 40 Jahren teilen.
Diese Schritte lassen zusammen mit dem dynamischen Vormarsch der Demokratie in Osteuropa das
von mir im ersten Jahr meiner Präsidentschaft hervorgehobene Ziel eines ungeteilten und freien Europas in
greifbare Nähe rücken.

Seite 1

�Frage: Herr Präsident, warum hat Gorbatschow Ihrer
Ansicht nach ihrem Vorschlag über Truppenreduzierungen zugestimmt?

vorzuschreiben, wie dies letzten Endes aussehen soll.
Ich habe diese Frage offen gelassen. Aber ja, die
Entwicklung ging sehr rasch voran.

Bush: Meiner Meinung nach schien er ihm vernünftig.
Au ßenminister Baker hat ihn mit seinem Amtskollegen
Schewardnadse erörtert. Aber wir sind bei diesem
Vorschlag hart geblieben. Unserer Ansicht nach ist es
ein sehr vernünftiger Vorschlag. Er hat die einhellige
Unterstützung unserer Verbündeten. Die Ereignisse
überschlagen sich dort nahezu, das gilt als positiv, und
ich hoffe, es wird sich eine für Europa stabilisierende
Lösung ergeben.

Frage: War Ihnen nicht schon am Montag bewußt,
daß sich die Dinge in diese Richtung bewegten - was
ja schon am Dienstag zutage trat?

Frage: Außenminister Schewardnadse hat soeben in
Ottawa erklärt, er könne sich ein vereintes Deutschland vorstellen, in dem sowohl NATO als auch Warschauer Pakt eine Rolle spielen. Sie haben immer auf
die Rolle der NATO verwiesen. Diese Haltung werden
Sie wohl immer noch einnehmen, aber können Sie sich
auch eine Rolle des Warschauer Pakts vorstellen?
Bush: Ich sehe die Sache so, daß die Verbündeten die
Stabilität der US-Streitkräfte und eine einige NATO
wünschen - US-Streitkräfte in Europa und eine starke
NATO. Die dem Warschauer Pakt angehörenden
Länder Osteuropas wollen den Abzug sowjetischer
Truppen. Es ergibt sich also eine andere Gleichung.
Wir erörtern einen deutschen Verbleib in der NATO,
Flexibilität bei der Stationierung der Truppen in Deutschland, aber auch die Stärke der NATO. Ich habe bereits
erklärt, es sei - zumindest aus dem Blickwinkel Westeuropas - stabilisierend, und meiner Ansicht nach
werden Sie auch in Osteruopa viele Länder finden, die
uns dort als stabilisierenden Faktor betrachten.
Frage: Also kein Warschauer Pakt?
Bush: Diese Fragen werden gegenwärtig erörtert.
Meiner Ansicht nach vollziehen sich die Veränderungen so schnell, daß es schwierig ist, damit Schritt zu
halten. Aber dennoch möchte ich nochmals Außenminister Baker und seine Mitarbeiter würdigen, weil so
vieles schneller vollbracht wurde als ich es für möglich
gehalten hätte. Die Übereinkunft über Truppenreduzierungen ist nur ein Punkt.

Bush: Nein, es war uns am Montag überhaupt nicht
klar, daß wir am Dienstag ein solches Ergebnis haben
würden.
Baker: Wir waren auch nicht in Ottawa, möchte ich
hinzufügen.
Bush: Und das gleiche trifft auch auf die Einigung ü ber
den Truppenabzug zu. Sie müssen sich einmal darüber klar werden, daß wir es hier mit historischen
Veränderungen zu tun haben, und wir sollten uns
darüber freuen. Im Ernst, diese vollziehen sich sehr,
sehr rasch. Und die Tatsache, daß der Außenminister
diese Vereinbarung so schnell erreichen konnte - ich
meine sehr rasch nach unseren letzten Gesprächen
über dieses Thema - ist ein Beweis dafür. Aber er kann
das nicht allein tun, er benötigt dazu auch Veränderungen der beiden deutschen Staaten. Sie müssen sich
jedoch an folgendes erinnern: Modrow hat mit Kohl
gesprochen, und Jim Baker hat mit Schewardnadse
gesprochen, die führenden Politiker der NATO haben
sich getroffen. Am vergangenen Wochenende hatten
wir ein Gespräch mit Wörner. Zur Zeit finden also
vielfältige diplomatische Aktivitäten statt.
Aber es hat mich wirklich überrascht, daß sie bereit
waren, darüber Einigung zu erzielen - über die Truppen. Ich war jedoch der Ansicht, es sei richtig, in dieser
Frage unnachgiebig zu bleiben.
Frage: Wie stehen Sie angesichts dessen zu der von
einigen geäußerten Kritik, Sie legitimierten durch die
Zustimmung zu einem KSE-Abkommen mit 195 000
Soldaten ihre weitere Stationierung von so vielen
Truppen in Osteuropa und es sei an der Zeit, diese
Obergrenze zu senken?

Frage: Sie haben Montag erklärt, die Zeit sei für eine
Viermächtekonferenz über Deutschland noch nicht
reif. Hat sich von Montag bis zur Übereinkunft am
Dienstag etwas verändert?

Bush: Wir haben es mit einer Zeit dynamischer
Veränderungen zu tun. Wir versuchen - und dies habe
ich gestern und Jim Baker in der Vergangenheit zu
vermitteln versucht - diesem Prozeß eine gewisse
Stabilität zu verleihen. Unsere Verbündeten betrachten dies gewiß als eine gute, vernünftige Zahl.

Bush: Nun, ich überlasse es Herrn Baker, darauf
einzugehen. Aber sicherlich gab es eine Menge Veränderungen - keinen umfassenden Wandel, aber wie
Bundeskanzler Kohl mir gestern in einem Telefongespräch erklärte, hatte er das Gefühl, daß die Vereinbarung, über die Außenminister Baker gesprochen und
deren Einzelheiten er mit Außenminister Schewardnadse und den politisch Verantwortlichen der Verbündeten ausgearbeitet hat, ein sehr vernünftiger Schritt
war. Wir versuchen nicht, irgend jemandem dort

Was noch nicht berücksichtigt wurde - eine gewisse
Zeit ist erforderlich, damit sich dies auf das ganze
System auswirkt, und dies wird nach den Wahlen in
verschiedenen Ländern geschehen -, ist die Einstellung dieser Länder zur Präsenz sowjetischer Truppen.
Dem Außenminister ist es mit der Annahme unseres
Vorschlags gelungen, die Waffen abzukoppeln. Und
das ist gut so, weil die Westeuropäer - und meines
Erachtens auch, ich wiederhole dies, einige Osteuropäer unsere Anwesenheit dort wünschen und uns nicht

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AMERIKA DIENST 7

�als Bedrohung, sondern als stabilisierenden Einfluß
betrachten. Die Osteuropäer scheinen die Anwesenheit der Sowjets dort abzulehnen, und ich habe den
Eindruck, daß Gorbatschow nicht entgegen dem allgemeinen Gefühl in Osteuropa dort bleiben möchte. Er
hat ja auch enorme Probleme an der Wirtschaftsfront.

che Zahlen gekoppelt werden sollte. Ich stimme dem
nicht zu. Meines Erachtens ist genau das Gegenteil
der Fall.

Unsere Einstellung ist folgende: Wir haben eine gute
Vereinbarung, eine kontinuierliche, stabilisierende
Vereinbarung, und danach sehen wir, wie sich die
Ereignisse weiterentwickeln. Aber jetzt sollten wir
diese Vereinbarung auch verwirklichen. Genau dies
möchte ich tun. Wir wollen dieses KSE-Abkommen
abschließen, es unterzeichnen und verwirklichen. Es
bestehen weiterhin einige technische Probleme.

Baker: Der Präsident hat erklärt, daß er es dieses Jahr
vollendet sehen möchte, und dies ist unser Ziel.

Baker: ...auch ein großer Unterschied bei den Reduzierungen.
Bush: Ja. Der ursprüngliche Vorschlag sah vor, daß
die Sowjets wesentlich mehr abbauten als wir. Heute
haben wir eine Art von Entkoppelung, und dies ist
meines Erachtens stabilisierend. Bei der gestrigen
Pressekonferenz brachte jemand eine Frage vor, die
meiner Ansicht nach zumindest implizierte, daß dies
als destabilsierend betrachtet würde, daß es an glei-

*

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Frage: Wie bald kann ein KSE-Abkommen geschlossen werden?

Frage: Wie steht es mit START? Bereiten Sie
irgendwelche neuen Initiativen bei START vor? Es war
von einem Verbot mobiler Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) die Rede.
Bush: Ich hatte seit der Rückkehr des Ministers noch
nicht die Gelegenheit zu einem detaillierten Gespräch
mit General Scowcroft, und ich muß mit ihm darüber
sprechen. Aber raten Sie mal, was wir jetzt tun
werden? Wir werden hineingehen und genau über
dieses Thema sprechen.
Frage: Wird es schwierig sein, Länder zu finden, die
die Zahl 195 000 akzeptieren?
Bush: Oh nein.

* * *

*

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�HILFE

FÜR

OSTEUROPA
21. Februar 1990

EAGLEBURGER ERLÄUTERT BEDINGUNGEN FÜR
US-HILFE AN OSTEUROPA
Rede des stellvertretenden Außenministers
bei der Amerikanischen Handelskammer
WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Bush zum Koordinator der US-Hilfe an Osteuropa ernannte Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger verwies am 16. Februar 1990 bei der Amerikanischen Industrieund Handelskammer auf die bereits an Polen und Ungarn geleistete umfangreiche Hilfe und erklärte: "Wir
müssen unsere Bemühungen nunmehr auf ganz Mittel- und Osteuropa und auch auf Jugoslawien ausdehnen."
Eagleburger stellte vier Bedingungen auf, nach denen die Vereinigten Staaten Osteuropa Hilfe zu leisten bereit
sind.
Fortschritte müssen erzielt werden "im Hinblick auf politischen Pluralismus, der sich auf freie und faire
Wahlen gründet und ein Ende des Machtmonopols der Kommunistischen Partei bedeutet".
Wirtschaftsreformen müssen Hinwendung zu einem marktwirtschaftlichen System bedeuten und "einen
breiten Privatsektor" schaffen.
"International anerkannte Menschenrechte - auch das Recht auf Auswanderung, Reisen und Redefreiheit - müssen stärker respektiert werden".
Mit den Vereinigten Staaten müssen "freundschaftliche Beziehungen" aufgenommen werden, die
"feindselige nachrichtendienstliche Aktivitäten und illegalen Technologietransfer" ausschließen.
Eagleburger versicherte ferner, die Vereinigten Staaten würden sich angesichts der sich in der Region
vollziehenden Entwicklungen und Reformen "ihrer Pflicht nicht entziehen" und erklärte: "Wir sehen der Zeit
entgegen, wenn sie sich eindeutig für eine repräsentative Demokratie entscheiden."
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Im Jahr 1989 fanden auf dem europäischen Kontinent
die dramatischsten Veränderungen seit Ende des Zweiten
Weltkriegs statt. Von den Wahlen in Polen im Juni, bei
denen kommunistische Kandidaten eine totale Niederlage hinnehmen mußten, bis zum Sturz Ceausescus
Ende Dezember sind wir Zeuge des stetigen Vormarschs
von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten in ganz
Mittel- und Osteuropa geworden.
Dennoch können wir nur ein begrenztes Maß an Veränderungen aufnehmen, bis der Punkt der Gleichgültigkeit
erreicht ist und sich unser Blickwinkel verändert. Aus
diesem Grund ist es wichtig, sich immer wieder vor

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Augen zu führen, daß die demokratische Umwandlung Osteuropas nicht nur ein Zeichen des Sieges
amerikanischer Politik während des kalten Kriegs ist,
sondern auch an die Amerikaner erinnert, die in zwei
Weltkriegen ihr Leben für die Schaffung eines Europas gegeben haben, das wohlhabend, gefestigt und
frei ist.
Wir haben also einen großen Anteil am Erfolg der
Revolutionen in Osteuropa. Wir sehen uns mit der
Herausforderung und der Möglichkeit konfrontiert, zu
Wirtschaftswachstum und Stabilität beizutragen, die
der Region nach dem Ersten Weltkrieg versagt ge-

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�blieben waren und die Freiheit zu konsolidieren, die
Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg verweigert
wurde.
Es besteht kein Zweifel darüber, daß dies viel von uns
verlangt. Aber die Vereinigten Staaten dürfen sich
ihrer Pflicht nicht entziehen, und sie werden das auch
nicht tun. Ich werde Ihnen heute morgen darlegen,
daß wir umfangreiche Mittel für den wirtschaftlichen
Wiederaufbau Osteuropas einsetzen, dies jedoch auf
wohlüberlegte Weise tun. Unsere Hilfsmaßnahmen
sollten sich auf wirklich erfolgversprechende Projekte
konzentrieren und nicht auf viele Projekte verteilt werden,
die letztlich wenig bewirken.
Unser Ziel besteht darin, in der Region Reformen und
eigenständiges Wirtschaftswachstum so zu fördern,
daß enge Abstimmung mit unseren Verbündeten erkennbarwird und eine Überschneidung von Bemühungen vermieden und unser vergleichsweiser Vorteil im
Bereich der Hilfe maximiert werden kann. Darüber
hinaus möchte ich auch erläutern, daß unsere Pläne
für Mittel- und Osteuropa der Rolle die höchste Priorität beimessen, die Sie - der amerikanische Privatsektor - beim revolutionären Umbau dieser Volkswirtschaften spielen müssen.
Es liegt auf der Hand, daß ein neues Europa uns neues
Denken und eine neue Vision abfordern wird. Wir
haben die letzten 45 Jahre mit einem geteilten Europa
gelebt und betrachten Osteuropa immer noch als
fernen Ort. Aber diese Zeit ist vorbei oder geht
zumindest bald vorbei. Die Berliner Mauer ist gefallen.
Der Eiserne Vorhang ist offen. Wir dürfen Osteuropa
nicht mehr als Block ansehen, sondern müssen jedes
Land für sich im Kontext seiner eigenen Geschichte,
Hoffnungen und Potentiale betrachten. Unsere Politik
erfordert daher eine neue demokratische Differenzierung, die sich auf den Fortschritten gründet, die diese
Länder bei der Hinwendung zu demokratischen Gesellschaften mit marktorientierten Volkswirtschaften
machen.
Die Vereinigten Staaten haben unter den westlichen
Ländern die Führungsrolle übernommen, als es um
Hilfe für Polen und Ungarn ging. Wir müssen unsere
Bemühungen nunmehr auf ganz Mittel- und Osteuropa und auch auf Jugoslawien ausdehnen. Wir müssen
einen Prozeß und einen Rahmen entwickeln, um die
Umwandlung dieser kommunistisch regierten und
planwirtschaftlich orientierten Länder in pluralistische
Demokratien mit freien Marktwirtschaften zu bewältigen. Die Gewährung amerikanischer Hilfe wird vom
Ausmaß abhängen, in dem diese Länder Schritte zur
Realisierung von vier Zielsetzungen unternehmen, die
im beiderseitigen Interesse liegen.
Erstens wünschen wir uns Fortschritte im Hinblick auf
politischen Pluralismus, der sich auf freie und faire
Wahlen gründet und ein Ende des Machtmonopols der
Kommunistischen Partei bedeutet. Zweitens wün-

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sehen wir uns Fortschritte im Hinblick auf Wirtschaftsreformen, die auf einem marktwirtschaftlichen System
mit einem breiten Privatsektor basieren. Drittens
müssen international anerkannte Menschenrechte auch das Recht auf Auswanderung, Reisen und Redefreiheit - stärker respektiert werden. Und viertens
wünschen wir uns die Bereitschaft jedes Landes, mit
den Vereinigten Staaten freundschaftliche Beziehungen aufzunehmen.
Wie Präsident Bush in seiner Rede in Hamtramck im
vergangenen April betonte, sind feindselige nachrichtendienstliche Aktivitäten und illegaler Technologietransfer keine freundlichen Akte. Bei der Entscheidung über den Umfang und die Zusammensetzung der
Hilfsmaßnahmen für die jeweiligen Länder lassen wir
uns von deren Hinwendung zu den oben genannten
Zielsetzungen leiten. Ich möchte hinzufügen, daß
nicht alle unsere Hilfsleistungen an Bedingungen
geknüpft sind. Zum Teil werden sie den Ländern nach
Bedarf zur Verfügung gestellt. In diesem Bereich
möchte ich humanitärer Hilfe besonderen Vorrang
einräumen, die darauf abzielt, Mängel zu beheben und
der neuen Regierung etwas Luft zu verschaffen. Die
an Rumänien gelieferten medizinischen Hilfsgüter und
die sowohl Polen als auch Rumänien zur Verfügung
gestellte Nahrungsmittelhilfe sind Beispiele dieser
Hilfsmaßnahmen.
Ich möchte hier auch die Unterstützung demokratischer Institutionen einschließlich der Förderung freier
Wahlen und politischer Reformen durch den Rechtsstaat nicht unerwähnt lassen. Freie Meinungsäußerung, unzensierte Medien und freie politische Parteien
müssen per Gesetz garantiert werden - und nicht nur
leere Worte sein - und wir sind mehr als bereit, in
diesen Bereichen zu helfen. Weiterer entscheidender
Bedarf besteht bei technischer Hilfe und Ausbildung,
die den Übergang zu einer marktorientierten Wirtschaft fördern sollen. Initiativen in diesem Bereich
beinhalten Unterrichtung in den Grundsätzen der
Marktwirtschaft, Ausbildung in Finanzwesen und
Buchführung sowie in Produktivität und Management.
Und nicht zuletzt leisten wir Hilfe im Bereich des
Umweltschutzes, um anhaltendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Säuberung der Umwelt zu fördern.
Hilfsmaßnahmen in diesen Bereichen tragen zur Förderung offener Märkte und offener Gesellschaften bei
und stellen eine Erweiterung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den jeweiligen
Empfängerländern dar. Über diese ersten Maßnahmen hinaus sind wir bereit, die Handels- und Investitionshemmnisse abzubauen, wenn die Länder Osteuropas die Anforderungen der amerikanischen Gesetzgebung erfüllen. Bilaterale Handels- und Investitionsabkommen, Meistbegünstigungsstatus, Gewährung
von Kreditgarantien für Exporte durch unsere ExportImport-Bank und die Preisstützungsbehörde für die

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�Landwirtschaft, Genehmigung für die Entwicklungsgesellschaft OPIC, in diesen Ländern tätig zu werden - all
dies sind Maßnahmen, von denen sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Länder Osteuropas profitieren
können.

Märkten entscheiden. Der Gesetzentwurf, den die Administration dem Kongreß übermittelt hat, bietet die
Flexibilität zu reagieren, wenn diese Länder in eine
neue Phase politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen eintreten.

Schließlich sind wir bereit, den Ländern, die sich der
schwierigen Aufgabe verschrieben haben, politische
und wirtschaftliche Reformen institutionell zu verankern, Hilfe zu leisten. Wir sind uns bewußt, daß der
Übergang von einer Planwirtschaft zu einer marktorientierten Wirtschaft viele Härten mit sich bringt.
Tatsächlich ist er nie zuvor vollzogen worden. Wir sind
jedoch der Überzeugung, daß dies der einzige Weg zu
anhaltendem Wachstum ist und werden daher den
Ländern wirtschaftliche Übergangshilfen gewähren,
die zur Selbsthilfe bereit sind. Unser Ansatz beinhaltet
bilaterale Maßnahmen wie Geld für den Stabilisierungsfonds, mit dem die galoppierende Inflation unter
Kontrolle gebracht und der Übergang zur Konvertierbarkeit der jeweiligen Währungen ermöglicht werden
soll. Darüber hinaus enthält er die Bereitstellung von
Kapital, um die Entwicklung des Privatsektors zu stimulieren - sei es auf bilateraler Basis durch Unternehmensfonds oder durch die Bereitschaft, eine Beteiligung an neuen multilateralen Institutionen wie der
vorgesehenen Europäischen Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung in Betracht zu ziehen.

Was Regierungen tun können, wird von uns getan.
Einige haben das Argument vorgebracht, wir würden
nicht genug tun, sollten aber mehr Geld bereitstellen.
In diesem Tenor wurden Rufe nach einem neuen
Marshallplan für Osteuropa laut. Zu solcher Kritik
möchte ich zwei Dinge sagen. Erstens gehen in der
Tat beträchtliche Ressourcen nach Osteuropa. Zahlen können irreführend sein. Wenn wir dieselben
Rechenexempel anstellen wie unsere Freunde und
Verbündeten - das heißt, wenn unsere Zahlen zusätzlich zu den tatsächlichen Haushaltsaufwendungen
gebundene Hilfe, Exportkredite und die Umschuldung
enthielten - wären unsere Hilfsleistungen insgesamt
unerreichbar.

Auch der Schuldenerlaß kann eine sehr wichtige
Maßnahme sein. Gemeinsam mit unseren Partnern
im Pariser Club sind wir zum Schuldenerla ß bereit. Die
Gewährung begünstigter Handelsprogramme wie dem
Allgemeinen Präferenzsystem fällt ebenfalls in diese
Kategorie wirtschaftlicher Übergangshilfen.
Schließlich können internationale Finanzinstitutionen
wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die
Weltbank unserer Ansicht nach wesentliche Hilfestellung bei der Integration Osteuropas in die Weltwirtschaft leisten. Wir werden die Bemühungen der reformwilligen Länder unterstützen, diesen Institutionen
beizutreten, wenn sie die Kriterien der Mitgliedschaft
erfüllen.
Wie Sie wissen, haben Polen und Ungarn den Weg zu
Reformen angeführt und sind daher Nutznießer unserer neuen Politik der Differenzierung. Die Tschechoslowakei ist offensichtlich entschlossen, politische und
wirtschaftliche Reformen rasch institutionell zu verankern, und Au ßenminister Baker hat in der vergangenen
Woche in Prag ein Paket amerikanischer Hilfsmaßnahmen angekündigt, das dieser Tatsache Rechnung
trägt.
Die anderen Länder Osteuropas ebnen - ebenso wie
Jugoslawien - in unterschiedlichem Maße den Weg zu
freien Wahlen und institutionell verankerten politischen
und wirtschaftlichen Reformen. Wir sehen der Zeit
entgegen, wenn sie sich eindeutig für eine repräsentative Demokratie und einen echten Übergang zu freien

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Sehr viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, daß wir uns
mit einer Situation befassen, die der Nachkriegszeit in
Westeuropa nicht vergleichbar ist, als wir eine Region
wiederaufbauen mußten, die physisch vernichtet war,
jedoch noch über die technischen Fähigkeiten, öffentlichen Institutionen und Markterfahrung verfügte, um
sich rasch zu erholen. In Osteuropa - das aus 40jähriger Abkapselung hervortritt und dem diese Fähigkeiten und Institutionen fehlen - müssen wir eine andere
Strategie anwenden. Wir dürfen vor der Verwirklichung wahrhaft marktorientierter Reformen keine
beträchtlichen Summen transferieren, wie es die Banken
des Westens in den siebziger Jahren getan haben.
Unser Hauptziel muß zumindest in den Anfangsstadien darin bestehen, die Fähigkeiten zum Aufbau
demokratischer Institutionen und das unternehmerische Know-how bereitzustellen, ohne die eine Privatisierung der osteuropäischen Volkswirtschaften schlicht
und einfach nicht gelingen wird. Kurzum: Wir müssen
darauf hinarbeiten, die Infrastruktur einer Marktwirtschaft zu schaffen - und hierbei kommt uns eine
entscheidende Rolle zu.
Der Aufbau einer soliden Infrastruktur ist ein Weg, um
die Bereitstellung westlichen Kapitals zu ermutigen. In
einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe streben wir
bewußt an, die uns zur Verfügung stehenden Instrumente - vornehmlich OPIC-Versicherung sowie EximKredite - einzusetzen, die als Katalysator für Investitionen des Privatsektors dienen werden. Wir bemühen
uns ferner darum, in der gesamten Region Schranken
gegen amerikanische Unternehmen abzubauen und
wenn möglich zu beseitigen. Ihr Fachwissen - sowie
Ihre finanziellen Ressourcen - sind unerläßlich, um
unsere umfassenden nationalen Ziele in Osteuropa zu
verwirklichen. Natürlich können wir als Regierung
sowohl im Bereich der Ressourcen als auch beim
Aufbau demokratischer Institutionen eine Menge tun,
aber Osteuropa wird sein schweres Vermächtnis der

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�Unterentwicklung und Instabilität niemals überwinden,
wenn die Osteuropäer nicht lernen, wirtschaftlich selbstbewußt und unabhängig zu werden. Genau dies
müssen sie von Ihnen lernen.
Sie sind diejenigen, die unternehmerische Erfolgsrezepte vermitteln können. Ihre Handelstätigkeit, Ihr
Know-how und Ihre Investitionen können der Motor für
Wirtschaftswachstum und die politische Umgestaltung
Osteuropas sein. Es trifft zu, daß ausländische Unternehmen in der vor uns liegenden Übergangsphase ein
schwieriges Terrain vorfinden. Gesetze und politische
Bedingungen werden sich ändern. Neue Ideen werden mit alten Gewohnheiten kollidieren. Kredit-, Bankund Kommunikationswesen sowie andere für wirtschaftliche Tätigkeit wichtige Bereiche werden - zumindest zu Anfang - weit unter den westlichen Standards liegen.
Die Unternehmer, mit denen Sie es zu tun haben
werden, werden unerfahren und in ihren Erwartungen
oft unrealistisch sein, und sie werden sich ständig
selbst den Veränderungen anpassen müssen. Trotz
alledem bieten sich in Osteuropa ungewöhnliche
Chancen. Die Bedürfnisse liegen auf der Hand, und im
Hinblick auf Investitionen und Know-how orientieren
sich die Osteuropäer nach außen. Unsere Erfahrung,
unser Rat und unser Kapital werden benötigt und sind
willkommen.
Bei seinem Besuch in den Vereinigten Staaten hat
Lech Walesa amerikanischen Geschäftsleuten gegenüberwiederholt die Chancen in Polen betont. Eine
Delegation des Präsidenten, die unter Führung von
Landwirtschaftsminister Yeutter im vergangenen
November Polen besuchte, fand zahlreiche Bereiche
vor - darunter Landwirtschaft, Umwelttechnik, Telekommunikation, Bankwesen, Wohnungsbau und
Energiewirtschaft -, in denen westliche Investitionen
benötigt werden. Derselbe Bedarf besteht in ganz
Mittel- und Osteuropa. Die Privatisierung von Staatsunternehmen, dringend benötigte Infrastrukturprojekte, das Wachstum des Privatsektors sowie die Schaffung von Kapitalmärkten bieten große Möglichkeiten
für ausländische Firmen.
Die Osteuropäer bemühen sich ihrerseits zügig, ihre
Volkswirtschaften für ausländische Investititionen zu
öffnen. Polen hat ein umfassendes, vom IWF genehmigtes Programm zur strukturellen Anpassung in Angriff
genommen. Zu diesen Bemühungen gehört der Plan,
den Zloty konvertibel zu machen und neue Gesetze
über Bankwesen, Auslandsinvestitionen und Zollwesen einzuführen, um eine funktionsfähige freie Marktwirtschaft aufzubauen. Die DDR hat Gesetze verabschiedet, die Gemeinschaftsunternehmen sowie in
einigen Fällen die Mehrheitsbeteiligung ausländischer
Unternehmen an DDR-Firmen gestatten. Die Tschechoslowakei überarbeitet ihr Gesetz über Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ziel, ausländische
Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen zu gestat-

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ten. Ungarn hat einen Aktienmarkt geschaffen und
bemüht sich aktiv um ausländische Investitionen. Das
Geschäft von General Electric mit Tungsram ist nur ein
Beispiel für die Möglichkeiten in diesem Land. Jugoslawien hat seine Währung konvertibel gemacht, einen
Aktienmarkt geschaffen und ein Programm für marktorientierte Wirtschaftsreformen eingeführt.
Ich bin mir Ihrer Verantwortung gegenüber Ihren Unternehmen und Ihren Aktionären bewußt. Natürlich
müssen Sie davon überzeugt sein, daß die Mischung
von Risiko und Rendite in Osteuropa mit anderen
Möglichkeiten konkurrieren kann. Es mag überdies
heute nicht leicht erkennbar sein, wann eine Investition
in Polen, Ungarn oder der Tschechoslowakei Gewinne
einbringen wird. Ich möchte Sie jedoch bitten, zugleich
aggressiv und geduldig zu sein. Wenn Sie mit Ihren
Investitionen warten, bis sich die Märkte in Osteuropa
vollständig stabilisiert haben, werden Sie wahrscheinlich feststellen, daß Sie bereits von ausländischen
Konkurrenten ausgestochen wurden. Andererseits
werden Sie wahrscheinlich enttäuscht werden, wenn
Sie in Erwartung schneller Profite in Osteuropa investieren.
Ich kann Ihnen ferner versichern, daß Ihre westeuropäischen Konkurrenten dort auf keinen Fall das schnelle Geld machen wollen. Am erfolgreichsten werden
also die amerikanischen Firmen sein, die unverzüglich
eine langfristige Präsenz in Osteuropa aufbauen - eine
Präsenz, von der ein Großteil unseres langfristigen
nationalen Einflusses in der Region abhängen wird.
Eine der ersten Amtshandlungen von Außenminister
Baker bestand darin, unsere diplomatischen Vertreter
im Ausland davon in Kenntnis zu setzen, daß die
Verbesserung der amerikanischen Exportleistung ein
vordringliches Ziel dieser Administration ist. Er erklärte den Missionsleitern im Ausland, sie sollten auf ihren
Posten als wichtigste Handelsbeauftragte fungieren
und sich persönlich für die Förderung amerikanischer
Exporte und die Unterstützung amerikanischer Firmen
engagieren. Er wies sie ferner an, sicherzustellen, daß
sich jeder Angehörige ihrer Mission für die Förderung
amerikanischer Wirtschaftsinteressen einsetzt. Damit
ist es uns ernst, wir meinen, was wir sagen und wir
beabsichtigen, Erfolg zu haben.
Wie Sie vielleicht wissen, hat mich der Präsident zum
Koordinator für die amerikanische Hilfe an Osteuropa
benannt. Ich betrachte die Unterstützung amerikanischer Privatunternehmen in Osteuropa als Kernstück
meiner Tätigkeit. Wir begrüßen es, daß viele amerikanische Firmen versuchen werden, gegen starke westeuropäische Konkurrenz einen Marktanteil zu erobern.
Die amerikanischen Unternehmen werden von ihrer
Regierung ein besonderes Maß an Unterstützung und
Beratung benötigen und gewiß auch verdienen. Ich
werde sicherstellen, daß Sie es erhalten.
Aus diesem Grund habe ich kürzlich unsere Botschaf-

AMERIKA DIENST 7

*

�ten in Osteuropa an den Wunsch des Ministers erinnert, daß die Unterstützung amerikanischer Geschäftsinteressen eine vordringliche Aufgabe des Au ßenministeriums sein solle. Eine Delegation, der auch ich
angehören werde, reist am Dienstag nach Polen,
Ungarn und Jugoslawien. Wir werden sondieren, wie
sich die Reformen dort entwickeln, und wir werden dort
Gespräche über unsere Hilfsbemühungen führen. Wir
werden unseren Gesprächspartner ferner mitteilen,
daß sie geschäftliche Vorschläge amerikanischer Fir-

men ernsthaft berücksichtigen sollten.
Die amerikanische Regierung nimmt die Herausforderung in Osteuropa an. Wir unterstützen die Gründung
von Demokratie und freiem Unternehmertum. Die
Herausforderung an die amerikanische Wirtschaft
besteht darin, die historischen Chancen zu ergreifen,
die sich heute im Herzen Europas bieten, um zu
beweisen, daß freies Unternehmertum und Freiheit
zwei Seiten derselben Münze sind.

*

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*

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