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cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

7. Februar 1990

BERICHT ZUR LAGE
DER NATION

Bush für einschneidende amerikanischsowjetische Truppenreduzierungen in Europa
Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation

U.S.-AUSSENPOLITIK

Baker: Offizielle Reaktion Moskaus auf Bushs
Vorschlag erwartet
Rede des US-Außenministers im Auswärtigen
Ausschuß des Senats

SICHERHEITSPOLITIK

Seminar über Militärdoktrinen als Erfolg
bewertet
Abschlußerklärung von Botschafter
John Maresca

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�BERICHT ZUR

LAGE

DER

NATION
7. Februar 1990

BUSH FÜR EINSCHNEIDENDE AMERIKANISCHSOWJETISCHE TRUPPENREDUZIERUNGEN
IN EUROPA
Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht zur Lage der Nation vom 31. Januar 1990 betonte Präsident Bush,
es sei jetzt "an der Zeit für Fortschritte bei einem konventionellen Rüstungsabkommen'* und schlug vor, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihre in Mittel- und Osteuropa stationierten Truppen auf jeweils 195 000
Mann reduzieren.
"Diese Zahl stützt sich auf Empfehlungen unserer hochrangingen Militärberater", erklärte der Präsident, "und
soll amerikanische und europäische Interessen schützen und die Verteidigungsstrategie der NATO aufrechterhalten. Der unverzügiche Abschluß unserer Rüstungskontrollverhandlungen - im konventionellen Bereich sowie
bei chemischen und strategischen Waffen - muß jetzt unser vorrangiges Ziel sein. Dieser Zeitpunkt ist
gekommen." Die Vereinigten Staaten haben zur Zeit ca. 300 000, die Sowjets rund 575 000 Soldaten in Europa
stationiert.
Bush zufolge ist es jetzt auch an der Zeit, "den aufstrebenden Demokratien Osteuropas die Hand zu reichen und
auf unsere neuen Beziehungen zur Sowjetunion aufzubauen, um einen friedlichen Prozeß innenpolitischer
Veränderungen im Hinblick auf Demokratie und wirtschaftliche Möglichkeiten zu fördern."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.
Herr Präsident, Herr Vorsitzender, verehrte Abgeordnete des amerikanischen Kongresses,
als ehemaliger Präsident des Senats und ehemaliges
Mitglied dieses ehrenwerten Hauses stehe ich heute
vor Ihnen. Als Präsident der Vereinigten Staaten habe
ich die Ehre, Ihnen heute über die Lage der Nation zu
berichten.
Heute abend werde ich weder über die "Lage der
Regierung" sprechen oder jede neue Initiative im einzelnen erläutern, die wir für nächstes Jahr planen noch
jeden einzelnen Punkt der Haushaltsvorlage erörtern.
Ich möchte Ihnen und dem amerikanischen Volk über
die Lage der Nation - und der Welt- berichten, über die
von uns beobachteten Veränderungen und die Herausforderungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen
- und welche Auswirkungen dies alles auf die Vereinigten Staaten haben wird. Es gibt einzigartige Augenblicke in der Geschichte: Daten, die einen echten
Wendepunkt markieren. Die meisten der hier Anwesenden haben einen Großteil ihres Lebens in einer
Welt verbracht, deren Grundzüge im Jahr 1945 festge-

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legt wurden. Die Ereignisse jenes Jahres bestimmten
die Gestalt der Nationen, das Tempo des Fortschritts
und Freiheit oder Unterdrückung für Millionen von
Menschen auf der ganzen Welt.
1945 war der allgemeine Bezugspunkt - die Kompaßnadel, auf die wir uns in der Nachkriegszeit zum
gegenseitigen Verständnis verlassen haben. Das war
unsere Welt. Bis heute. Die Ereignisse des eben zu
Ende gegangenen Jahres - die Revolution von 1989 waren eine Kettenreaktion, ein so tiefgreifender Wandel, daß er den Anfang eines neuen Zeitalters im
Weltgeschehen markiert.
Denken Sie nur 12 Monate zurück - an die Welt von
damals - als das Jahr 1989 anbrach.
Vor einem Jahr lebte das panamaische Volk in Angst
unter der Knechtschaft eines Diktators. Heute ist die
Demokratie wiederhergestellt - Panama ist frei.
Die Operation "Gerechte Sache" hat dieses Ziel verwirklicht. Das in Panama stationierte Militär entspricht
heute in etwa wieder der Zahl wie vor der Operation.
Seite 1

�Und heute abend gebe ich bekannt, daß die zusätzlichen amerikanischen Truppen - die tapferen Männer
und Frauen unserer Streitkräfte, die dieser Mission
zum Erfolg verholten haben - noch vor Ende Februar
nach Hause zurückkehren werden.

Die heute vor uns liegende Herausforderung besteht
darin, dieses unvergleichliche demokratische System
noch besser zu machen.
Ein besseres Amerika, mit einem Arbeitsplatz für jeden, der Arbeit sucht.

Vor einem Jahr erklärte Lech Walesa in Polen, er sei
zu einem Dialog mit den kommunistischen Machthabern dieses Landes bereit. Heute sind Mitglieder der
Solidarität in der polnischen Regierung vertreten, die
das Schicksal eines freien Polens in die Hände genommen haben.

Ein Amerika, in dem Frauen sicher sein können, daß
ihre Kinder gut aufgehoben sind und liebevoll betreut
werden, während sie ihrer Arbeit nachgehen - und in
dem die Regierung zusätzliche Alternativen der Kinderbetreuung für die Eltern erarbeitet.

Vor einem Jahr war der Dramatiker und Regimekritiker
Vaclav Havel noch im Gefängnis in Prag. Heute ist
Vaclav Havel Präsident der Tschechoslowakei.

Ein Amerika, in dem wir die Forderungen einer sauberen Umwelt und starken Wirtschaft in Einklang bringen.

Und noch vor einem Jahr bemühte Erich Honecker in
der DDR die Geschichte als Leitfaden. Er sagte
voraus, die Berliner Mauer würde weitere hundert
Jahre überdauern. Heute - noch nicht einmal ein Jahr
später - ist es die Mauer, die Geschichte ist.

Ein Amerika, in dem "Made in USA" auf der ganzen
Welt als Symbol für Qualität und Fortschritt anerkannt
ist.

Bemerkenswerte Ereignisse - mit denen die lange
gehegten Hoffnungen des amerikanischen Volkes erfüllt
wurden. Ereignisse, die die traditionellen Ziele amerikanischer Politik rechtfertigen - einer auf ein einziges,
unerschütterliches Prinzip gegründeten Politik: die
Sache der Freiheit.
Amerika ist nicht nur als Nation sondern auch als
Traum in den Köpfen der Menschen allgegenwärtig.
Und während diese neue Welt Gestalt annimmt, stehen die Vereinigten Staaten im Mittelpunkt eines konzentrischen Kreises der Freiheit - heute, morgen und
im nächsten Jahrhundert.
Unser Land ist der immerwährende Traum eines jeden
Emigranten, der je seinen Fuß auf diese Ufer setzte und der Millionen von Menschen, die immer noch für
Freiheit kämpfen. Dieses Land - dieser amerikanische
Traum - war und ist eine neue Welt. Unsere neue Welt.
Bei einer Arbeiterkundgebung in Branik, einem Vorort
von Prag, ist dieser amerikanische Traum lebendig.
Ein Arbeiter in einem verschmierten Overall ergreift
das Wort vor den Fabriktoren. Er beginnt die Rede an
seine Mitbürger mit diesen Worten, den Worten einer
lange zurückliegenden Revolution:
"Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind, daß
sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, daß dazu Leben,
Freiheit und das Streben nach Glück gehören."
Es ist kein Geheimnis, daß sich hier, in diesem Land,
die Tore der Freiheit vor langer Zeit geöffnet haben.
Die Eckpfeiler dieser freien Gesellschaft haben bereits
ihren festen Platz gefunden: Demokratie. Wettbewerb. Chancen. Privatinvestitionen. Verantwortungsvolle Verwaltung. Und natürlich Führung.

Seite 2

Ein Amerika, in dem jeder von uns die gleichen Chancen auf Leben, Arbeit und einen Beitrag zur Gesellschaft hat. Und ein Amerika, in dem unsere behinderten Mitbürger zum ersten Mal voll und ganz integriert
sind.
Ein Amerika, in dem jeder ein Dach über dem Kopf hat
und ein Amerika, in dem die Obdachlosen die Hilfe
erhalten, die sie zu einem menschenwürdigen Leben
benötigen.
Ein Amerika, in dem unsere Schulen gleichermaßen
Herausforderung und Unterstützung für Schüler und
Lehrer sind und in dem alle "es schaffen".
Ein Amerika, in dem jede Straße, jede Stadt, jede
Schule und jedes Kind drogenfrei ist.
Und schließlich ein Amerika, in dem kein Amerikaner
vergessen wird. Wir denken dabei in tiefstem Mitgefühl an unsere Geiseln, die wir bei all unseren Bestrebungen und all unserem Trachten niemals vergessen.
Das ist Teil der Zukunft, die wir verwirklichen wollen,
der Zukunft, die wir für uns gestalten können. Aber mit
Träumen allein kommen wir nicht weit. Wir müssen
unseren Horizont erweitern, uns auf lange Sicht engagieren. Unsere Zukunftspläne beginnen hier und jetzt.
Beim harten Wettbewerb auf den Weltmärkten sehen
sich die Vereinigten Staaten vor große Herausforderungen und Chancen gestellt. Wir wissen, daß wir in
der Weltwirtschaft der neunziger Jahre Erfolg haben
können, aber um dieser Herausforderung zu begegnen, müssen wir einige tiefgreifende Veränderungen
vornehmen - in entscheidendem Maße in uns selbst
investieren.
Ja, wir werden in die Vereinigten Staaten investieren.
Diese Administration ist entschlossen, die Bildung von
Kapital aller Art zu ermutigen. Materielles Kapital:
Angefangen mit unseren Farmen und Fabriken über

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�unsere Arbeits- und Produktionsstätten bis hin zu allem, was für Produktion und Lieferung von Qualitätsprodukten und hervorragenden Dienstleistungen erforderlich ist. Geistiges Kapital: Der Ursprung von
Ideen, die Produkte von morgen hervorbringen. Und
natürlich unser menschliches Kapital: Die geschickten
Arbeitskräfte, die wir benötigen werden, um auf den
Weltmärkten konkurrenzfähig zu sein.
Ich kann Ihnen versichern, wenn wir das menschliche
Kapital ignorieren, verlieren wir unseren Erfindungsreichtum, der das Merkmal des amerikanischen Arbeitnehmers ist. Und der amerikanische Arbeitnehmer
ist der produktivste Arbeiter weltweit.
Wir müssen mehr sparen, Kapital für neue Investitionen akkumulieren, die mehr Arbeitsplätze und größeres Wachstum bedeuten. Dieser Gedanke steht hinter
einer neuen Initiative von mir - dem Familiensparplan
- den ich dem Kongreß morgen vorlegen werde.
Wir müssen die Kapitalertragssteuer senken und Risikobereitschaft - insbesondere in Kleinunternehmen ermutigen, da solche Schritte wiederum zu Wirtschaftsleistung, Arbeitsplätzen und einem besseren Leben für
uns alle führen.
Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um in
Amerikas Zukunft zu investieren. Der Haushaltsentwurf liegt vor. Das Geld ist da. Für Forschung und
Entwicklung - eine Rekordsumme. Für unsere Wohnungsbauinitiative - HOPE - mit der jedem, vom erstmaligen Eigenheimbesitzer bis zum Obdachlosen geholfen werden soll. Um Drogen von unseren Kindern
fernzuhalten: 70 Prozent mehr als bei meiner Amtsübernahme im Jahr 1989. Zur Erforschung des Weltraums und für das Bildungswesen - auch hier in
Rekordhöhe.
Und noch etwas. Bei der Konferenz überdas Bildungswesen im letzten Herbst haben sich die Gouverneure
und ich darauf geeinigt, Wege aufzuzeigen, um sicherzustellen, daß die Kinder vom ersten Tag, an dem sie
das Klassenzimmer betreten, lernwillig sind. Ich habe
dieses Versprechen erfüllt, indem ich eine Aufstokkung der Mittel in Rekordhöhe - zusätzliche 500 Millionen Dollar - für etwas vorgeschlagen habe, das uns
allen lieb und teuer ist: Head Start.
Bildung ist die Investition mit den größten Auswirkungen auf unsere Zukunft, da sie alles für unsere Kinder
bedeutet. Reale Verbesserungen in unseren Schulen
sind nicht schlicht und einfach eine Sache höherer
Ausgaben. Es geht darum, von unseren Schulen,
Lehrern, Kindern, unseren Eltern und uns selbst mehr
zu fordern und zu erwarten. Aus diesem Grund gebe
ich heute abend die Zielsetzungen des amerikanischen Bildungswesens bekannt, die zusammen mit
den Gouverneuren des Landes erarbeitet wurden:

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Bis zum Jahr 2000 muß jedes Kind mit Schulbeginn lernwillig sein.
Die Zahl der High-School-Absolventen in den
Vereinigten Staaten muß auf mindestens 90
Prozent erhöht werden.
Wir werden sicherstellen, daß die Diplome unserer
Schulen Bedeutung haben. In entscheidenden
Fächern müssen wir die Leistungen unserer
Schüler in der 4., 8. und 12. Stufe bewerten.
Bis zum Jahr 2000 müssen die amerikanischen
Studenten mit ihren Leistungen in Mathematik
und Naturwissenschaften weltweit an erster Stelle
stehen.
Jeder amerikanische Erwachsene muß des
Lesens und Schreibens kundig sein.
Jede Schule muß ein Umfeld schaffen, in dem
unsere Kinder lernen können - und jede Schule
in den Vereinigten Staaten muß frei von Drogen
sein.
Ehrgeizige Ziele? Natürlich. Leicht zu verwirklichen?
Weit gefehlt. Aber die Zukunft steht auf dem Spiel.
Dieses Land wird sich nicht mit weniger zufrieden
geben als einem ausgezeichneten Bildungswesen.
Dank dieser Investitionen werden die Vereinigen Staaten konkurrenzfähig bleiben. Und vom amerikanischen Volk weiß ich: Wir begrüßen Wettbewerb. Wir
können es mit unserer Erfindungsgabe und Energie,
Erfahrung und Technologie und unserem Unternehmergeist mit allen anderen aufnehmen. Wettbewerb
muß frei, aber fair sein. Amerika ist bereit.
Weil wir das wirklich meinen und weil wir zur Bewältigung der Herausforderung ernsthaft bereit sind, bringen wir unser Haus in Ordnung. Wir haben echte
Fortschritte erzielt. Vor sieben Jahren belief sich das
Haushaltsdefizit auf 6 Prozent unseres Bruttosozialprodukts. Im neuen Haushaltsentwurf, den ich vor
zwei Tagen vorgelegt habe, beträgt das Defizit nur
noch 1 Prozent des BSP.
Mit dieser Haushaltsvorlage werden die Bundesausgaben unter Kontrolle gebracht. Sie erfüllt die Zielsetzungen des Gramm-Rudman-Gesetzes, verringert das
Defizit weiter und gleicht den Haushalt bis 1993 aus ohne Steuererhöhungen.
Seien Sie versichert, daß die Bundesregierung immer
noch mehr als genug Geld ausgibt. Für die meisten
von uns sind 1,2 Billionen Dollar eine Menge Geld.
Wenn der Haushalt erst ausgeglichen ist, können wir
vorgehen wie jede Familie, die ihre Rechnungen bezahlen muß. Das werden wir nicht unseren Kindern
und Enkeln überlassen. Wir werden anfangen, unsere
Staatsschulden zu begleichen.

Seite 3

�Und es gibt noch etwas, das wir künftigen Generationen schuldig sind: verantwortungsvolle Verwaltung die Erhaltung der Umwelt als wertvolles amerikanisches Erbe.
Zum Zeichen dessen, wie ernst wir es meinen, verleihen wir der Umweltschutzbehörde den Status eines
Ministeriums. Damit streben wir nicht etwa mehr
Bürokratie an, sondern die Sicherheit, daß Umweltfragen sowohl im Inland als auch im Umgang mit anderen
Ländern den Stellenwert haben, der ihnen zukommt.

van damit beauftragen, im Rat für Innenpolitik die
Überprüfung von Empfehlungen über Qualität, Zugänglichkeit und Kosten unseres nationalen Gesundheitswesens zu leiten. Ich setze mich dafür ein, die
Kostenexplosion im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen.

Die Lage der Regierung hängt von vielen in dieser
Kammer ab. Aber die Lage der Nation hängt von allen
Amerikanern ab. Wir müssen den demokratischen
Anstand bewahren, der Millionen Individuen zu einer
Nation macht. Ich war über die jüngsten Berichte von
Der diesjährige Haushalt sieht über 2 Milliarden Dollar Briefbomben, die im ganzen Land verschickt werden,
an Mehrausgaben für den Umweltschutz vor, wobei entsetzt. Jeder von uns muß sich mit Rassimus,
über 1 Milliarde in die Erforschung weltweiter Klima- Antisemitismus, Doppelmoral und Haß auseinanderveränderungen fließen soll. Mit einer Initiative, die ich setzen und sie verurteilen. Nicht nächste Woche oder
America The Beautlful nenne, sollen unsere Natio- morgen, sondern jetzt gleich.
nalparks und Wildreservate und die öffentlichen Freizeiteinrichtungen ausgebaut werden.
Die Lage der Nation hängt davon ab, ob wir unserem
Nachbarn helfen und uns die Probleme der GemeinUnd noch etwas wird dazu beitragen, dieses Land - schaft zu eigen machen. Wir müssen etwas tun, wenn
seine Wälder und Innenstädte - sauberzuhalten und wir gebraucht werden - die Hand ausstrecken und
den künftigen Generationen die Schönheit Amerikas einem Unbekannten in Not einen Lichtblick bieten. Wir
zu bewahren: ein Fonds, um eine Milliarde Bäume pro müssen uns nach einem hektischen Tag Zeit für unseJahr zu pflanzen.
re Kinder nehmen, ihnen vorlesen, bei den Hausaufgaben helfen und ihnen die Werte vermittein, die wir als
Heute möchte ich alle Kongreßabgeordneten daran Kinder gelernt haben. So erhalten wir die Nation.
erinnern: Das amerikanische Volk hat uns nicht hierhergeschickt, um zu streiten. Es gibt viel zu tun - und Jeder Schritt ist wichtig. Es summiert sich, und all
man hat uns hierhergeschickt, um es zu erledigen. Wir diese Dinge verleihen dem Begriff Demokratie Bedeumüssen zusammenarbeiten, um dem Willen des Vol- tung. Es macht jetzt und in Zukunft unsere Identität
kes Genüge zu tun. In den Bereichen saubere Luft, aus.
Kinderbetreuung, beim Gesetz über Verbesserung
des Bildungswesens, bei Kriminalität und Drogen ist es Solange wir uns an den amerikanischen Traum erinan der Zeit zu handeln. Ebenfalls bei der Agrargesetz- nern, und solange er unser Leitbild ist, wird die Nation
gebung, der Verkehrspolitik, der Reform der Herstel- gesund und stark bleiben.
lerhaftung und den steuerbegünstigten Förderbereichen für Gewerbegebiete. Es ist an der Zeit, daß wir Und denen, die den Weg verloren glauben, möchte ich
aus einem Brief des 20jährigen Sanitäters James
zusammenarbeiten.
Markwell zitieren, der beim 1. Bataillon der 75. RanUnd es gibt einen Bereich, von dem ich hoffe, daß wir gers diente. Der Brief trägt das Datum vom 18.
uns darin alle einig sind. Das ist unsere Verantwor- Dezember, dem Tag vor unserer Intervention in Panama. Es ist ein Brief, wie ihn Soldaten schreiben, in der
tung. Ich spreche hier vom Sozialwesen.
Hoffnung, daß er nie abgeschickt wird. Leider hat
Ich wende mich an jeden Amerikaner, der Sozialhil- Markwells Mutter diesen Brief erhalten und ihn mir
feempfänger ist, an jeden Amerikaner, der Beiträge zugesandt.
zahlt und an jeden, der darauf baut, wenn er in den
Ruhestand geht. Wir haben Ihnen etwas versprochen Hier einige seiner Gedanken: "Ich hatte nie Angst vor
- und wir werden unser Versprechen halten.
dem Tod, aber jetzt lauert er. (...) Ich habe wie jeder
andere auch gelernt, zu töten und zu retten. Dennoch
Wir haben das System im Jahr 1983 gerettet - und es fürchte ich mich vor dem Jenseits. (...) Trauere nicht
ist saniert. Unser Haushalt finanziert die heute gezahl- um mich, sondern denke an das Leben, das ich so gern
ten Leistungen voll und ganz - und stellt sicher, daß gelebt hätte. (...) Vergiß vor allem nicht, daß ich die
auch in Zukunft Sozialleistungen gezahlt werden. Das Armee gewählt habe. Ich habe mich für sie entschieletzte, was uns gelegen käme, wäre Unordnung im den."
Sozialwesen.
"Bitte denke daran, daß ich in die Armee eingetreten
Und es gibt noch ein weiteres Problem, das wir lösen bin, um meinem Land zu dienen und dafür zu sorgen,
müssen. Wir müssen die Empfehlungen der gegen- daß alle sich frei entscheiden und ihr Leben in Freiheit
wärtig durchgeführten Untersuchungen zum Gesund- leben können."
heitswesen sorgfältig prüfen. Und deshalb möchte ich
heute abend den Gesundheitsminister Dr. Louis Sulli- Markwell war einer der ersten bei den KampfhandlunSeite 4

AMERIKA DIENST 5

�gen in Panama, und er war unter den ersten Gefallenen.
Er wußte, woran er glauben sollte, und er hatte sich
den amerikanischen Traum bewahrt.
Ich habe heute abend über die Veränderungen des
letzten Jahres gesprochen. Vor uns liegt eine neue
Welt voller Herausforderungen und Möglichkeiten. Und
dabei muß eine Führungsrolle übernommen werden,
wie sie nur Amerika gewährleisten kann.
Vor fast vierzig Jahren prognostizierte Harry Truman in
seiner letzten Rede im Kongreß eine solche Zeit. Er
erklärte: "Wenn unsere Welt für die Menschen zu
beiden Seiten des Eisernen Vorhangs stärker, einiger
und attraktiver wird, dann wird eine Zeit des Wandels
in der kommunistischen Welt anbrechen."
Dieser Wandel findet heute statt.
Vierzig Jahre lang haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten den Kommunismus in Schach gehalten und den Fortbestand der Demokratie gewährleistet. Heute mu ß beim Niedergang des Kommunismus
unser Ziel darin bestehen, den Fortschritt der Demokratie zu sichern. Die Führung dabei zu übernehmen,
dem Frieden den Weg zu ebnen und der Freiheit
Vorschub zu leisten - für einen großen und wachsenden Staatenbund freier Nationen.
Dem Kongreß und allen Amerikanern gegenüber erkläre ich, daß es an der Zeit ist, im In- und Ausland
einen neuen Konsens zu erarbeiten - eine gemeinsame Vision der friedlichen Welt, wie sie uns vorschwebt.
Auf unserem Kontinent ist es an der Zeit, daß alle
Menschen in Nord- und Südamerika in Freiheit leben.
Im Fernen Osten und Afrika ist es an der Zeit, daß sich
die freien Regierungen und freien Märkte entfalten, die
dem Fortschritt Vorschub geleistet haben.
Es ist an der Zeit, daß wir den aufstrebenden Demokratien Osteuropas die Hand reichen, damit dieser
Kontinent - der viel zu lange geteilt war - einer ungeteilten und freien Zukunft entgegensehen kann.
Und es ist an der Zeit, auf unseren neuen Beziehungen
zur Sowjetunion aufzubauen und einen friedlichen
Prozeß innenpolitischer Veränderungen im Hinblick
auf Demokratie und wirtschaftliche Möglichkeiten zu
fördern.
Wir befinden uns in einer Zeit großer Veränderungen,
großer Hoffnung und dennoch großer Unsicherheit.
Wir erkennen, daß die sowjetische militärische Bedrohung in Europa abnimmt, nehmen aber nur geringe
Veränderungen bei der Modernisierung strategischer
Waffen in der Sowjetunion wahr. Aus diesem Grunde
müssen wir unsere offensive Modernisierung strategischer Waffen und auch die Strategische Verteidigungsinitiative beibehalten.

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Aber es ist an der Zeit für Fortschritte bei einem
konventionellen Rüstungskontrollabkommen, mit dem
unsere Streitkräfte in Europa ein angemesseneres
Niveau erhalten - ein integriertes Verteidigungsprogramm, mit dem gewährleistet wird, daß die Vereinigten Staaten weiterhin ein Katalysator für friedliche
Veränderungen in Europa sein werden. Ich stehe dazu
in Konsultationen mit den Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten - und habe erst heute
mit Präsident Gorbatschow telephoniert.
Ich vertrete die gleiche Meinung wie unsere europäischen Verbündeten, daß eine militärische Präsenz
der Vereinigten Staaten in Europa unabdingbar ist und
diese nicht allein an die sowjetische Militärpräsenz in
Osteuropa gekoppelt sein sollte.
Dennoch können die Streitkräfteniveaus noch weiter
abgebaut werden. Heute abend kündige ich daher
einen wichtigen neuen Schritt an - daß die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ihre in Mittel- und Osteuropa stationierten Truppen auf jeweils 195 000 Mann
reduzieren.
Diese Zahl stützt sich auf Empfehlungen unserer
hochrangigen Militärberater. Sie soll amerikanische
und europäische Interessen schützen und die Verteidigungsstrategie der NATO aufrechterhalten. Unser
Ziel muß jetzt im unverzüglichen Abschluß unserer
Rüstungskontrollverhandlungen - im konventionellen
Bereich sowie bei chemischen und strategischen Waffen
- liegen. Dieser Zeitpunkt ist gekommen.
Dennoch müssen wir uns eine bedauerliche Tatsache
vor Augen führen: In vielen Teilen der Welt sind
Konflikte - nicht Frieden - die Realität. Anhaltende
Feindseligkeiten und gegensätzliche Interessen bestehen weiterhin. Deshalb muß der Sache des Friedens von einem Amerika gedient werden, das stark und sicher - genug ist, um unsere Interessen und
Ideale zu verteidigen. Dieser amerikanische Traum
hat in den vergangenen vierzig Jahren dazu beigetragen, die Revolution von 1989 zu entfachen.
Hier in Amerika und in der ganzen Welt wird Geschichte neu geschrieben. Vor sechs Monaten, zu Beginn
dieser Zeit des Umbruchs, stand ich in Polen an den
Toren der Danziger Werft am Denkmal der gefallenen
Gewerkschaftsmitglieder der Solidarität. Es ist ein
Denkmal von schlichter Größe. Drei große Kreuze
erheben sich über den Steinen. Auf jedem Kreuz
befindet sich ein Anker - seit jeher das Symbol der
Hoffnung.
Der Anker in unserer heutigen Zeit heißt Freiheit. Er
hält uns fest in wechelvollen Zeiten - als Symbol der
Hoffnung für die ganze Welt. Und Freiheit liegt dem
Traum zugrunde, der Amerika ausmacht.
Es hängt von jedem einzelnen ab, diesen Traum zum
Leben zu erwecken. Unsere Anker waren immer der
Glaube und die Familie.
Seite 5

�In den letzten Tagen dieses ereignisreichen Jahres
wurde unserer Familie wiederum ein großes Glück
zuteil - wir konnten das Wunder des Lebens feiern, als
unser 12. Enkelkind geboren wurde.
Als ich den kleinen Jungen zum ersten Mal in den
Armen hielt, schienen die Probleme im In- und Ausland wieder in die richtige Perspektive gerückt zu sein.
Ich weiß, daß Sie jetzt denken:
Großvater.

Hier spricht der

Vielleicht haben Sie sogar recht. Aber ich habe im
letzten Jahr viele Kinder getroffen - hier in Amerika und
überall vom Femen Osten bis nach Europa. Alle
Kinder sind einzigartig. Und dennoch sind sie alle
gleich. Die jungen Umweltschützer, die ich in diesem
Monat bei einer Reise in die Everglades Floridas
getroffen haben. Die kleine Mannschaft, mit der ich in
Polen Baseball gespielt habe - und die von Warschau
aus gleich in die Weltklasse hätten überwechseln
können. Auch die Kinder, die krank oder allein sind Gott schütze all die verlassenen oder bereits drogenabhängigen Babys - die mit Problemen fertigwerden
müssen, die kein Kind haben sollte. Aber was die
Hoffnung und die Zukunft betrifft, sind alle Kinder
gleich. Voller Träume. Bereit, sich der Welt zu stellen.
Einzigartig, weil sie die Zukunft der Freiheit bedeuten.
Ihnen gehört diese neue Welt, über die ich gesprochen
habe.
Deshalb möchte ich Sie heute abend um etwas bitten.

Seite 6

Dabei möchte ich mich zunächst an meine Generation
wenden - die Großeltern im Lande. Sie sind unsere
lebendige Verbindung zur Vergangenheit. Erzählen
Sie Ihren Enkelkindern die Geschichte der Kämpfe, die
wir im In- und Ausland geführt haben. Von den Opfern,
die wir freiwillig für die Freiheit gebracht haben. Und
erzählen Sie ihnen auch Ihre eigene Geschichte - weil
jeder Amerikaner eine Geschichte erzählen kann.
Eltern: Ihre Kinder wollen von Ihnen die Richtung
gewiesen und die Leitlinien aufgestellt bekommen.
Erzählen Sie Ihnen von Werten wie Glaube und Familie.
Sagen Sie Ihnen, daß wir vor Gott eine Nation sind.
Lehren Sie sie, daß von all den Segnungen, die sie
erhalten können, Freiheit das wertvollste Geschenk
ist. Und von all dem, was sie geben können, Hilfe für
andere die größte Gabe ist.
Und den Kindern und Jugendlichen möchte ich auf den
Weg geben: Wir setzen unsere Hoffnung auf Euch - Ihr
seid alles, was Amerika in den vor uns liegenden
Jahren und Jahrzehnten bedeuten wird. Konzentriert
Euch auf die Vision eines neuen Jahrhunderts - Eures
Jahrhunderts. Auf Träume, die wir nicht sehen können. Auf Eure - und nur auf Eure - Zukunft.
Und schließlich wollen wir, daß alle Amerikaner - hier
in diesem Saal, dem symbolischen Zentrum der
Demokratie - ihren Treueschwur auf diesen amerikanischen Traum bekräftigen. Und wir wollen immer daran
denken, daß die Lage der Nation von jedem einzelnen
von uns abhängt.

AMERIKA DIENST 5

�U.S.-AUSSENPOLITIK
7. Februar 1990

BAKER: OFFIZIELLE REAKTION MOSKAUS AUF
BUSHS VORSCHLAG ERWARTET
Rede des US-Außenministers im Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die von Außenminister Baker am 1.
Februar 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats gehaltene Rede zu den außenpolitischen Zielen der
Vereinigten Staaten, insbesondere im Hinblick auf die Gespräche mit seinem sowjetischen Amtskollegen
Schewardnadse am 8. und 9. Februar 1990 in Moskau.
Außenminister Baker zufolge erwartet er bei seinem
Besuch in Moskau eine offizielle sowjetische Reaktion
auf Präsident Bushs Vorschlag neuer einschneidender Reduzierungen amerikanischer und sowjetischer
Kampftruppen in Europa.
In seinem Bericht zur Lage der Nation hatte der Präsident am 31. Januar 1990 Reduzierungen gefordert,
nach denen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion noch jeweils 195 000 Soldaten in Europa Mitte - der
Bundesrepublik, der DDR, Polen und der Tschechoslowakei - stationiert hätten.
Baker erklärte am 1. Februar 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats, Präsident Gorbatschow
hätte bei einem vor der Rede mit dem sowjetischen
Staats- und Parteichef geführten Telephonat auf Bushs
Vorschlag weder mit Ja noch mit Nein geantwortet.
"Wir erwarten eine Antwort von ihnen, und meines
Erachtens werden wir sie bei meinem Besuch in Moskau
erhalten, den ich Montag antrete," erklärte Baker.
Baker stellte sich dem Ausschuß, um die außenpolitischen Prioritäten der Administration für 1990 darzulegen und Unterstützung für Präsident Bushs Forderung
nach einem außenpolitischen Budget im Umfang von
20,8 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr 1991 zu
gewinnen.
Der Außenminister sprach sich für mehr "Flexibilität"
des Kongresses bei der Vergabe von Haushaltsmitteln
aus, damit die Vereinigten Staaten auf unvorhergesehene Ereignisse und Herausforderungen reagieren
können. Darüber hinaus bekundete er die Hoffnung
der Administration auf ein kooperativeres Verhältnis

AMERIKA DIENST 5

zur Sowjetunion und erläuterte amerikanische Pläne
zur Förderung der Demokratie in Osteuropa und anderen Ländern.
Bakers Gespräche mit Gorbatschow und dem sowjetischen Außenminister Schwardnadse dienen der
Vorbereitung eines Gipfeltreffens der Präsidenten Bush
und Gorbatschow in Washington Ende Juni.
Der Außenminister erklärte, Präsident Bush habe
"ausdrücklich" den Wunsch nach Abschluß eines
Abkommens über die Reduzierung konventioneller
Streitkräfte in Europa bekundet. Ihm zufolge sind
bedeutende Fortschritte im Hinblick auf dieses Ziel
bereits bei den Wiener Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) erzielt worden.
Baker betonte jedoch, der Präsident beabsichtige mit
seinem Vorschlag noch einschneidenderer Truppenreduzierungen keinesfalls, ein KSE-Abkommen zu
verzögern, zu verhindern oder zu komplizieren. Er erklärte, die westlichen Verbündeten stünden Bushs
Vorschlag generell positiv gegenüber, und er erwarte
aus dieser Richtung keine ernsthaften Bedenken.
"Wir müssen bei KSE-1 noch einige Probleme ausbügeln, insbesondere im Hinblick auf Flugzeuge und
Hubschrauber, obgleich wir sehr gute Fortschritte
machen", erklärte der Außenminister. Die Position
des Präsidenten beschrieb er wie folgt: "Wenn wir dies
schaffen, ohne den Abschluß eines KSE-Abkommens
- der sowohl in unserem als auch im Interesse der
Verbündeten liegt - im Jahr 1990 zu verzögern, zu
verhindern oder zu komplizieren, ziehen wir diesen
Weg vor."

Seite 1

�"Wenn dies jedoch dem Abschluß eines Abkommens
über konventionelle Waffen im Jahr 1990 im Weg
stünde, müßten wir einen Weg finden, um diese Probleme später zu lösen", erklärte Baker. "Der Präsident
hat ausdrücklich erklärt, er wünsche den Abschluß
eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte im
Jahr 1990."
Baker schlug zur diesjährigen Unterzeichnung eines
Abkommens über konventionelle Streitkräfte einen
Gipfel mit 23 Teilnehmerstaaten von NATO und Warschauer Pakt vor, mit dem Ziel, "den baldigen Abschluß eines KSE-Abkommens zu fördern" und den
"Prozeß stärker zu beschleunigen als dies sonst der
Fall sein würde".
Bei ihren Gesprächen am 8. und 9. Februar 1990 in
Moskau werden Baker und Schewardnadse hochrangige Arbeitsgruppen für fünf Bereiche der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung - Rüstungskontrolle, regionale Fragen, Menschenrechte, bilaterale
Beziehungen und länderübergreifende Probleme - zur
Seite stehen.
Bei ihrem Gipfeltreffen in Malta im Dezember vergangenen Jahres hatten Bush und Gorbatschow ihre
Minister angewiesen, die Verhandlungen über einen
Vertrag zur Verringerung strategischer Rüstungen
(START) abzuschließen, um ihn beim Gipfel im Juni
unterzeichnen zu können.
Der Außenminister erklärte gegenüber einem Senator
jedoch, die Hoffnung sei "zu hochgegriffen", daß ein
START-Vertrag in diesem Jahr vom Senat ratifiziert
würde. Wenn bei den noch ausstehenden Fragen
Übereinkunft erzielt würde, was Baker als "keine leichte Aufgabe" bezeichnete, würde es noch "Monate"
dauern, bis das komplexe Abkommen als Vertragswerk vorliege.
Auf die Frage eines anderen Senators erwiderte Baker, es sei "verfrüht", die Sowjetunion in ein Hilfsprogramm einzubeziehen, wie es für andere Länder Osteuropas existiere, "weil sie noch nicht die politischen
und wirtschaftlichen Reformen durchgeführt hat, wie
wir sie in Ländern wie Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei beobachten".
In seiner Rede stellte Baker fest, die mit der Sowjetunion bisher bestehenden Spannungen "lassen tatsächlich zum großen Teil aufgrund der überall stattfindenden tiefgreifenden Veränderungen nach. Stabilisierende Rüstungskontrollbestrebungen machen Fortschritte. Die alte Welt dogmatischer Diktaturen macht
ganz langsam einer neuen Welt Platz - einer Welt der
Sicherheit, wohlhabender und gerechter Demokratien,
die jedoch als solche noch nicht existiert," warnte
Baker.
Er umriß fünf entscheidende außenpolitische Herausforderungen für die neunziger Jahre.

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Die vordringliche Notwendigkeit zur Konsolidierung der Demokratie. "Ost und West bewegen
sich auf ein ungeteiltes und freies Europa zu",
erklärte Baker. "Im Hinblick auf unser Verhältnis zur Sowjetunion sondieren wir vier Bereiche
von beiderseitigem Interesse, in denen wir soweit
möglich statt Konflikten Kooperation erzielen
können."
Bestrebungen zur Unterstützung weltweiten
Wachstums, indem bilaterale und multilaterale
Marktprinzipien durch IWF, Weltbank und GATT
gefördert werden. "Von Osteuropa über Lateinamerika bis hin zu den Entwicklungsländern in
Afrika und Südasien machen sich Anzeichen
zum Abbau von staatlicher Kontrolle und Hindernissen für den Privatsektor bemerkbar, während die bankrotten Planwirtschaften aufgegeben werden", so Baker.
Die Notwendigkeit zu verbesserter Sicherheit
des internationalen Umfelds, die unabdingbar
ist, wenn Demokratie und freie Märkte gedeihen
sollen. "Revolutionäre Veränderungen in der
kommunistischen Welt und ein zunehmend
kooperatives amerikanisch-sowjetisches Verhältnis schaffen die politischen Bedingungen,
die zu dauerhafter und strategisch entscheidender Rüstungskontrolle unverzichtbar sind. Meines
Erachtens haben wir die historische Chance zu
einer Umwandlung des Sicherheitswettlaufs
zwischen Ost und West", führte Baker aus.
Die Notwendigkeit, mit allen - Verbündeten,
Freunden und traditionellen Gegnern gleichermaßen - neue weltweite Gefahren wie Umweltverschmutzung, Drogenhandel und Terrorismus
zu bekämpfen.
Die Notwendigkeit, "unsere Bündnisse und andere
wichtige Bindungen neu zu gestalten und zu
erneuern. Die Bewältigung dieser Herausforderung ist meiner Ansicht nach entscheidend, um
alle anderen in den Griff zu bekommen", erklärte Baker. "Wir müssen unsere atlantische und
pazifische Partnerschaft sowie internationale
Institutionen an die im großen und ganzen

günstigen Bedingungen anpassen, die diese
Partnerschaften und Organisationen geschaffen haben."
Dem Außenminister zufolge hat die Administration für
das am 1. Oktober 1990 beginnende Haushaltsjahr
1991 insgesamt 20,8 Milliarden Dollar an frei verfügbaren Ausgabeermächtigungen für auswärtige Beziehungen beantragt, was einer Aufstockung von 1,7
Milliarden Dollar gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr entspricht. "In diesem Zusammenhang", so
Baker, "unterbreiten wir folgende sechs Finanzierungsvorschläge:

AMERIKA DIENST 5

�300 Millionen Dollar zur Förderung von Strukturreformen, Entwicklung des Privatsektors, für
Handels- und Investitionsprogramme sowie Umweltschutzmaßnahmen in Osteuropa.
500 Millionen Dollar an zusätzlicher Wirtschaftshilfe für Panama zur Stützung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus durch Unternehmensförderung, öffentliche Investitionen und wirtschaftliche Stabilisierung im Haushaltsjahr 1990.
441 Millionen Dollar für Militär- und Wirtschaftshilfe sowie Drogenbekämpfungsmaßnahmen in
den Andenstaaten.
888 Millionen Dollar zur Begleichung der amerikanischen Zahlungsrückstände bei den Vereinten Nationen und anderen multinationalen Organisationen und Entwicklungsbanken.
270 Millionen Dollar für die neue amerikanische
Botschaft in Moskau.
Aufstockung der Mittel für das laufende Haushaltsjahr in Höhe von 70 Millionen Dollar zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms aufgrund der
weiteren Liberalisierung der sowjetischen Auswanderungspolitik."
Auf die Frage nach COCOM, dem zwischenstaatlichen Koordinationsausschuß für ost-westliche Handelspolitik mit Sitz in Paris, der sicherheitsempfindliche Exporte in kommunistische Staaten überwacht,
antwortete Baker, "der kontinuierliche Schutz sicherheitsempfindlicher Technologie für den strategischen
Bereich, insbesondere von Technologie mit potentieller militärischer Anwendung, ist von außerordentlich
großer Bedeutung." In diesem Zusammenhang erwähnte er das vom 14. bis 15. Februar 1990 in Europa
stattfindende COCOM-Treffen zu Osteuropa und stellte fest, daß die Vereinigten Staaten eine umfassende
Überprüfung ihrer Politik in die Wege geleitet haben.

"Wir möchten ein neues internationales Verhältnis mit
der Sowjetunion schaffen, indem wir sie drängen, zur
friedlichen Beilegung regionaler Konflikte beizutragen", so Baker. "Und wir streben eine demokratischere Sowjetunion an, in der Fortschritte bei den Menschenrechten durch einen Rechtsstaat und demokratische Verfahren fest verankert werden."
Bei der Beantwortung von Fragen verwies Baker darauf, daß die Vereinigten Staaten die Wiedervereinigung Deutschlands seit über 40 Jahren unterstützt
haben. "Dies ist nach wie vor ein Ziel unserer Politik",
erklärte er. Der Außenminister stellte fest, daß die
Vereinigten Staaten vier Prinzipien formuliert haben,
die in diesem Zusammenhang erwogen werden sollten:
Selbstbestimmung muß ungeachtet des Ergenisses erfolgen.
Die Wiederherstellung der Einheit sollte im
Rahmen der bleibenden Integration der Bundesrepublik in die NATO und der Schaffung
eines Europäischen Binnenmarktes erfolgen.
Die Wiederherstellung der Einheit muß im Interesse der allgemeinen europäischen Stabilität
friedlich und schrittweise erfolgen.
In der Frage der Grenzen sollten die Vereinigten
Staaten ihre Unterstützung für die in der Schlu ßakte von Helsinki niedergelegten Grundsätze
bekräftigen, mit denen die Unverletzbarkeit der
Grenzen, jedoch gleichzeitig die Möglichkeit
friedlicher Veränderungen anerkannt wird.

* * * *

*

Baker zufolge werden in Moskau voraussichtlich vor
allem die sowjetischen Fortschritte bei der Kodifizierung der liberalisierten Auswanderungspolitik erörtert,
die den Weg zur Meistbegünstigung durch die Vereinigten Staaten ebnen könnten. Er erklärte, er werde
die politisch Verantwortlichen in der Sowjetunion drängen, eine "verantwortungsbewußte und konstruktive
Rolle" beim Streben nach Frieden in Mittelamerika zu
spielen und sie zu der angeblichen Lieferung von
Kampfflugzeugen des Typs MiG-29an Kuba befragen.

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�SICHERHEITSPOLITIK
7. Februar 1990

SEMINAR ÜBER MILITÄRDOKTRINEN ALS
ERFOLG BEWERTET
AbSchlußerklärung von Botschafter John Maresca
WIEN - (AD) - Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John Maresca, zufolge bewerten die Vereinigten Staaten das am 5.
Februar 1990 in Wien beendete Seminar über Militärdoktrinen als "Erfolg".
Der Zweck des Seminars - "größere Offenheit im Bereich der Militärdoktrinen" - sei erfüllt worden, erklärte
Maresca in seiner Abschlußerklärung. Dennoch existierten "insbesondere bei der sowjetischen Streitkräftestruktur und Militärpolitik noch bestimmte Realitäten, die wir schlicht und einfach nicht ignorieren können".
Gleichzeitig betonte Maresca, die Vereinigten Staaten seien "optimistisch im Hinblick auf die Entwicklung der
östlichen Doktrin, die sie in den kommenden Monaten und Jahren genau im Auge behalten werden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Abschlu ßerklärung von Botschafter Maresca beim Seminar über Militärdoktrinen im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, mehrere Delegationen haben bisher ihre Ansicht zum Ausdruck gebracht, das Seminar
über Militärdoktrinen sei ein Erfolg gewesen. Meine
Delegation teilt diese Meinung - das Seminar war ein
Erfolg. Es hatte vor allem größere Offenheit im Bereich der Militärdoktrinen zum Ziel, und dieses Ziel ist
verwirklicht worden.
Dies soll jedoch nicht heißen, daß alle Differenzen
zwischen uns ausgeräumt worden sind. Insbesondere
bei der sowjetischen Streitkräftestruktur und Militärpolitik existieren noch bestimmte Realitäten, die wir schlicht
und einfach nicht ignorieren können. Diese wurden im
Verlauf der Diskussion deutlich und müssen jetzt nicht
noch einmal wiederholt werden. Wir sollten sie jedoch
bei unserer Standortbestimmung im Auge behalten
und sie gemahnen uns zur Vorsicht.
Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten optimistisch
im Hinblick auf die Entwicklung der Doktrin des Ostens, die sie in den kommenden Monaten und Jahren
genau im Auge behalten werden. Die neuen Elemente, die sich im Verlauf des Seminars abzeichneten,
deuten darauf hin, daß diese Entwicklungen einen
positiven Kurs nehmen.
Zusätzlich zu größerer Offenheit ist das Seminar über
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Militärdoktrinen der VSBM-Tradition gefolgt und hat in
neuen Bereichen der Rüstungskontrolle Pilotfunktion
übernommen. Meines Erachtens kann man mit Fug
und Recht sagen, daß das Seminar zu einem Vorreiter
der Rüstungskontrolle geworden ist. Erstmals in der
Geschichte der Rüstungskontrolle sind unsere ranghöchsten Offiziere zusammengekommen, um gemeinsam die kontroversesten Themen auf der sicherheitspolitischen Tagesordnung Europas zu erörtern. Diese
sowohl offiziellen als auch inoffiziellen Kontakte könnten sich auf lange Sicht als ebenso wichtig erweisen
wie die Debatten bei den offizielllen Seminarveranstaltungen.
Obgleich viele der von uns im Laufe des Seminars
gehörten Referate unser Interesse fanden, war meine
Delegation besonders von den Einlassungen mehrerer Länder Osteuropas in den Bann gezogen. Das
offensichtliche Bestreben, die in vielen Fällen noch
heftig umstrittene nationale Position freimütig darzulegen, wurde sehr begrüßt und spiegelte eindeutig die
tiefgreifenden politischen Veränderungen unserer Zeit
wider.
Darüber hinaus sind wir der sowjetischen Delegation
für ihre durchdachten Vorträge - und die vielen Antworten auf unsere direkten Fragen - dankbar. Wir haben
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�den Eindruck gewonnen, daß die neue sowjetische
Doktrin des "vernünftigen und ausreichenden Niveaus
der Verteidigung" zunehmend an Einfluß gewinnt,
wenngleich sie noch nicht alle Bereiche sowjetischer
Militärpolitik durchdrungen zu haben scheint. Nicht
zuletzt gibt es die sowjetischen Streitkräfte weiterhin,
und unsere Verteidigungsplanung muß diese rauhe
Wirklichkeit in Betracht ziehen, bis ein Gleichstand in
Europa erzielt ist.
Dennoch begrü ßen wir die Tatsache, daß hochrangige
sowjetische Offiziere bereit waren, sich an einem
solchen direkten Austausch zu beteiligen. Wir verstehen und würdigen die Bedeutung dieses Beitrags der
Sowjets. Aufgrund dessen haben wir jetzt ein besseres Verständnis des nunmehr von der Sowjetunion
eingeschlagenen Kurses, mit dem sie die Kräfteverteilung ihrer Streitkräfte weniger bedrohlich gestalten,
und wir sind uns auch bewußt, daß Veränderungen
Zeit erfordern. Wir werden diese Bestrebungen mit
Interesse beobachten. Eine Fortsetzung gegenwärtiger Tendenzen wird unser Vertrauen in die sowjetischen Absichten steigern.
Herr Vorsitzender, alle amerikanischen Teilnehmer
verlassen diese Konferenz mit dem Gefühl der Befriedigung, daß sie - wenn auch oft nur kurz - die Möglichkeit hatten, sich an einem geschichtsträchtigen Dialog
zu beteiligen. In diesem Sinne hat General Powell uns
eine persönliche Botschaft übermittelt, die wir allen

Delegationen zugänglich machen werden, in der er
den Wert dieses Seminars für die Förderung unseres
gemeinsamen Ziels hervorhebt - größerer Offenheit
als Schlüsselelement militärischer Stabilität.
Heute morgen wurde ich von einem Journalisten über
wahrhaft sensationelle Entwicklungen des Seminars
befragt. Ich habe geantwortet, es sei nicht unsere
Aufgabe, sensationelle Entwicklungen hervorzubringen. Ich erklärte ihm, wir arbeiteten an der langsamen,
stetigen Entwicklung von Stabilität und Vertrauen im
sicherheitspolitischen Bereich. Und meiner Ansicht
nach ist das Seminar diesem Ansatz gerecht geworden. Es war ein weiterer Schritt in unserem langsamen, stetigem Bestreben der Vertrauensbildung in
unserem Kreis. Herr Vorsitzender, wenn wir morgen
zu unseren Verhandlungen zurückkehren, besteht
unsere Herausforderung darin, zu gewährleisten, daß
wir aussagekräftige Abkommen verantwortungsvoll
vorantreiben, mit denen diese historische Entwicklung
in positivem Sinne vorangetrieben und ein Europa
geschaffen wird, in dem Sicherheit und Unabhängigkeit für alle Länder gesichert sind.
Ich möchte an dieser Stelle auch im Namen meiner
Delegation Herrn Botschafter Liedermann und dem
Sekretariat, den Dolmetschern und der österreichischen Regierung für ihre hervorragende Arbeit bei der
Organisation dieser wichtigen Veranstaltung danken.
Ich danke Ihnen, Herr Vorsitzender.

*

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*

AMERIKA DIENST 5

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