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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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17. Januar 1990

PANAMA

Eagleburger erläutert Angklage gegen Norlega
Rede des stellvertretenden Außenministers vor der OAS

UMWELT

Amerikanisch-sowjetischer Umweltplan
Gemeinsame Erklärung zur Vereinbarung eines Kooperationsprogramms

DROGEN

Aufforderung zur Drogenbekämpfung ergeht an alle Länder der Welt
Bericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamts

MARTIN LUTHER KING

Amerika muß vollständige Aufhebung der Rassentrennung verwirklichen
Präsident Bushs Proklamation zum Gedenktag an Martin Luther King

U m Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 - 339 23 66
Telex: 8-85432

�PANAMA
Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

EAGLEBURGER ERLÄUTERT ANKLAGE GEGEN NORIEGA
Rede des stellvertretenden Außenministers vor der OAS

WASHINGTON - (AD) - Aus aktuellem Anlaß veröffentlichen wir die bereits am
31. August 1989 vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gehaltene
Rede des stellvertretenden Außenministers Lawrence Eagleburger, in der die
Punkte der Anklageschrift gegen den ehemaligen panamaischen Präsidenten, General Manuel Antonio Noriega, dargelegt werden.
Nachfolgend der Wortlaut des Redetextes:

Als die Außenminister in den frühen
Morgenstunden des 24. August bei ihren Konsultationen
die Beratungen
über den Konflikt in Panama beenden
wollten, forderte der Vertreter Panamas meine Regierung wiederholt auf, und ich zitiere -, "Beweise gegen Noriega vorzulegen". Dieser - ein fähiger Strafverteidiger und ein Mann,
der im vergangenen Jahr an den Verhandlungen über dieses Problem mit
meiner Regierung teilnahm - tat dies
wohl wissend, daß die Vereinigten
Staaten ein Rechtsstaat sind und keinen Prozeß außerhalb des Gerichtssaals führen werden.
Er tat dies
auch wohl wissend, daß die meisten
Beweise gegen General Noriega der Geheimhaltung im Hinblick auf das Geschworenengericht unterliegen und wir
uns einer Straftat schuldig machten,

wenn wir diese Beweise vor dem Prozeß
enthüllen würden. Und er tat dies
meiner Ansicht nach in der Hoffnung,
daß wir aufgrund dieser Zwänge und
der fortgeschrittenen
Stunde dazu
schweigen würden.
Wir haben am 24. August zwar die
fortgeschrittene Stunde respektiert,
werden aber nicht dazu schweigen.
Wir werden nicht zulassen, daß Noriegas Vertreter die Grenzen überschreiten, die unsere Verfassung zum Schutz
der Rechte des Angeklagten zieht.
Wir dürfen uns nicht das Etikett der
Verfehlung anheften lassen, vor dem
Prozeß Nachweise als "Beweis" dafür
zu erbringen, daß die Anklagepunkte
gegen General Noriega leichtzunehmen
oder konstruiert sind. Aber wir werden auch nicht in die Falle gehen,

�die der Vertreter Panamas vielleicht
für uns auslegen wollte.
Wir werden
die Anklage gegen Noriega nicht aufs
Spiel setzen, indem wir die Rechte
verletzen, die ihm - wie jedem anderen Angeklagten auch - in unserem
Rechtswesen garantiert sind. Wir haben das auch nicht nötig, um die vom
Vertreter Panamas so nachdrücklich
geforderten "Beweise" zu erbringen.
Der Vertreter Panamas hat nicht nur
unser System der Strafverfolgung diskreditiert, sondern noch weitere Verleumdungen gegen mein Land und meine
Regierung erhoben. Er hat uns die
latente Absicht unterstellt, unseren
hehren Verpflichtungen zur friedlichen Durchführung des Panamakanalvertrags untreu zu werden und uns in die
inneren Angelegenheiten Panamas einzumischen. Auch diese Fakten möchte
ich Ihnen heute darlegen, damit Sie
sich selbst ein Urteil dazu bilden
können: Wer bedroht die Kanalverträge? Die Vereinigten Staaten oder General Noriega? Wer macht sich der
Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder schuldig, und
wer enthält dem panamaischen Volk das
Recht auf Selbstbestimmung vor? Die
Vereinigten Staaten oder General Noriega? Wer ist für die Destabilisierung des panamaischen Militärs und
der panamaischen Gesellschaft verantwortlich?
Die Vereinigten Staaten
oder General Noriega?
Herr Präsident, lassen Sie uns
dieser Stelle Bilanz ziehen.

an

Am 4. Februar 1988 wurden General Noriega und 15 weitere Angeklagte - dazu zählten Pablo Escobar, die Brüder
Ochoa und andere Mitglieder des berüchtigten Medellin-Kartells - von
einem Geschworenengericht der Bundesregierung in Miami (Florida) des Drogenhandels und ähnlicher Vergehen angeklagt.
Zur gleichen Zeit wurden
General Noriega und der panamaische
Geschäftsmann Enrique Pretelt von einem Geschworenengericht der Bundesregierung in Tampa (Florida) des Imports großer Mengen von Marihuana und

damit zusammenhängender
zichtigt.

Vergehen be-

Dazu möchte ich zunächst die Bedeutung und das Gewicht einer Anklage
nach dem Gesetz der Vereinigten Staaten erläutern.
Die strafrechtliche Verfolgung wird
eingeleitet, wenn eine Fahndungsbehörde der Bundesregierung, wie etwa
die Drogenbekämpfungsbehörde
(DEA),
glaubt, den Nachweis für eine Verletzung amerikanischer Gesetze erbringen
zu können. Dieser Nachweis kann sich
auf eine Untersuchung mit Zeugenbefragung, auf Indizien oder Bankauskünfte stützen. Die Untersuchungsbeamten legen diese Informationen dem
zuständigen Staatsanwalt vor.
Ein
Anklagevertreter prüft sie, um festzustellen, ob die Beweise für den
Tatbestand einer oder mehrerer Verbrechen ausreichen, bevor er den Fall
vor ein Geschworenengericht bringt.

•

Das
Geschworenengericht
("grand
jury") setzt sich aus 16 bis 23 willkürlich ausgewählten amerikanischen
Bürgern zusammen. Es steht unter der
Leitung eines Bundesrichters. Seine
Aufgabe ist die Prüfung der von den
Anklagevertretern vorgelegten Beweise. Es hat Vorladungsvollmacht, um
jemanden als Zeugen zu laden oder die
Möglichkeit zur Vorlage von Gegenbeweisen zu geben. Darüber hinaus kann
es Vorladungen ausstellen, um Bankauskünfte und andere Firmenbelege zu
erhalten.
Wenn ein Geschworenengericht zu dem
Schluß kommt, daß die Beweislage
"hinreichende Verdachtsmomente" für
die Annahme liefert, daß der oder die
Angeklagten Straftaten begangen haben, müssen diese Straftaten zusammen
mit einer Begründung in einer Anklageschrift eingehend erläutert werden. "Hinreichende Verdachtsmomente"
sind von amerikanischen Gerichten als
"ausreichende
Beweise"
definiert,
"denen zufolge eine Person nach bestem Wissen und Gewissen zu dem
Schluß gelangt, daß sich der Angeklagte schuldig gemacht hat".

»
*
*

�Strafverfahren
bei
Geschworenengerichten sind nicht öffentlich. Für
einen Staatsanwalt oder Geschworenen
gilt es als strafbare Handlung, Sitzungsprotokolle an die Öffentlichkeit
zu bringen.
Im allgemeinen dürfen
die von einem Geschworenengericht erbrachten Beweise nur in einem späteren Prozeß verwendet werden.
Nach unserem System kann der Prozeß
nur stattfinden, wenn der Angeklagte
persönlich vor Gericht erscheint.
Bis dahin muß der Staatsanwalt die
Beweise, auf die sich die Anklage
stützt, vorlegen und alle Zeugen vorladen. Richter und Geschworene hören
die Plädoyers von Staatsanwalt und
Verteidigung und verkünden das Urteil
"schuldig" oder "nicht schuldig".
Für diejenigen unter Ihnen, die aus
den vielen Ländern dieses Kontinents
kommen, in denen das bürgerliche
Recht gilt, möchte ich einen Vergleich anstellen. Wenn der Staatsanwalt sich an die Geschworenen wendet,
ist dies praktisch einer Anklage im
Sinne des bürgerlichen Rechts vergleichbar.
Wenn
die Geschworenen
nach ihrer Untersuchung formell Anklage erheben, entspricht dies dem
Abschluß der Untersuchungen, dem Resümee im zivilrechtlichen Prozeß.
Nur wenn der Angeklagte persönlich
beim Prozeß erscheint, kann der eigentliche Prozeß beginnen, das heißt
Klage erhoben werden.
Anklageschriften sind ernstzunehmende
Dokumente, die sich auf sorgfältige
Untersuchungen und das wohlüberlegte
Urteil unparteiischer Bürger gründen. Ich möchte mich jetzt dem Inhalt der beiden Anklageschriften zuwenden, die von den Geschworenengerichten in Florida gegen Noriega vorgebracht worden sind.
Vom Bezirksgericht der Vereinigten
Staaten im Mittleren Verwaltungsbezirk Floridas in Tampa sind General
Noriega und Enrique Pretelt in Tateinheit des Imports und Handels mit
Marihuana angeklagt.
Die Anklageschriften beschreiben den versuchten

Import von über einer Millionen Pfund
(Imperial - Anm. d. Red.) Marihuana
in die Vereinigten Staaten in den
Jahren 1983/84. Die Anklage erhebt
den Vorwurf, daß mehrere Millionen
US-Dollar - der Gegenwert für die von
Steven Michael Kalish und anderen importierten 280 000 Pfund Marihuana in
die Vereinigten Staaten - nach Panama
gebracht und mit Zustimmung und Unterstützung der Angeklagten in panamaischen Banken und Unternehmen gewaschen wurden. Es wird der Vorwurf
erhoben, daß Noriega und andere den
Import von 400 000 Pfund Marihuana in
die Vereinigten Staaten und die unerlaubte Geldwäsche von mehr als 100
Millionen Dollar in Panama unterstützt haben. Und sie kommen zu dem
Schluß, daß Kalish im Laufe der Zusammenarbeit Noriega und anderen etwa
eine Million Dollar gezahlt hat, weil
Noriega den Schmuggel von Marihuana
und die Geldwäsche innerhalb Panamas
zuließ.
Vom Bezirksgericht für den Südlichen
Verwaltungsbezirk Floridas in Miami
wird General Noriega vorgeworfen,
sein Amt als Leiter der Abteilung
Nachrichtendienste der Nationalgarde
Panamas und später als Oberkommandierender der umbenannten Streitkräfte
Panamas ausgenutzt zu haben, um als
Gegenleistung für Unterstützung und
Schutz internationaler Drogenhändler
Bestechungsgelder anzunehmen. Zu den
Personen, denen er beim Vertrieb von
Drogen und Geldwäscheoperationen in
Panama geholfen haben soll, gehören
Pablo
Escobar-Gaviria,
Gustavo
DeJesus
Gaviria-Rivero,
Jorge
Ochoa-Vasquez und Fabio Ochoa-Vasquez.
General Noriega schützte Kokainlieferungen aus Medellin in Kolumbien auf
ihrem Weg durch Panama in die Vereinigten Staaten. Darüber hinaus sorgte er für den Umschlag und Verkauf
von Äther oder Aceton - auch wenn
diese
zunächst
von
panamaischen
Streitkräften
beschlagnahmt
worden
waren - an das Medellin-Kartell. Er
gewährte den Mitgliedern des Medellin-Kartells nach dem Mord an dem kolumbianischen Justizrainister Rodrigo

- 3 -

�Lara-Bonilla 1984 Asyl und die Basis
für ihre Operationen.
Er schützte
ein in der Provinz Darien in Panama
errichtetes Kokain-Labor. Und er gewährleistete den sicheren Beförderung
von mehreren Millionen Dollar aus dem
Drogengeschäft auf panamaische Bankkonten. Als Gegenleistung für diese
Dienste erhielt Noriega über 4,6 Millionen Dollar.
Darüber hinaus wird in der Anklageschrift ein Flug mit einer Ladung von
über einer Tonne Kokain vom 5. Juni
1984 nach Miami zitiert.
Die Geschichte, die diese Anklageschriften erzählen, ist schlicht und
erschreckend. Es ist die Geschichte
derselben schamlosen Exzesse im Bereich der Kriminalität, wie sie in
der Politik stattgefunden haben. Als
Noriega im August 1983 Oberkommandierender der Streitkräfte wurde, nahm
die Korruption "im kleineren Stil"
ungeahnte Ausmaße an. Wo im Jahr
1982 noch 100 000 Dollar für den Umschlag von Drogenlieferungen in Panama gezahlt wurden, waren es 1984 bereits 4 Millionen Dollar, die für den
Schutz des Kartells selbst an Noriega
flössen. Was als privater Opportunismus begann, geriet dann immer mehr
zur schamlosen Ausnutzung eines öffentlichen Amtes und selbst Verrat an
engen Mitarbeitern. Was für eingie
wenige noch sicher war, wurde jetzt
zur Gefahr für alle: bei den panamaischen Streitkräften, in Panama und
auf dem gesamten Kontinent.
Versicherungen von Noriega und seinen
Handlangern, die Anklagepunkte der
Vereinigten Staaten entbehrten jeglicher Grundlage, sind unsinnig. Wie
oben ausgeführt, erheben die Anklageschriften selbst den Vorwurf wiederholter und bestimmter krimineller
Handlungen, an denen Noriega persönlich beteiligt war. Darüber hinaus
haben Zeugen vor Kongreßausschüssen
die Schuld Noriegas bestätigt, unter
anderem der frühere panamaische Generalkonsul General Blandon und am Drogenhandel und Geldwaschaktionen mit
Noriega Beteiligte wie Amjad Awan,

ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank
of Credit and Commerce International,
Noriegas früherer persönlicher Pilot
Floyd Carlton, der Drogenhändler Steven Kalish und andere Mitarbeiter Noriegas.
General Noriegas Vertreter zweifeln
die Glaubwürdigkeit dieser Zeugen mit
dem Hinweis darauf an, es handle sich
dabei um Straffällige.
Das dürfte
für diejenigen von Ihnen keine Überraschung sein, die den Drogenhandel
bekämpft haben.
Drogenhändler verüben ihre Straftaten im allgemeinen
nicht in Gegenwart ehrlicher Bürger.
Zeugen sagen unter Androhung von
Strafe wegen Meineids aus. Wenn sie
vor den Geschworenen, dem Gericht
oder dem Kongreß falsch aussagen,
können sie dafür vor Gericht gestellt
und verurteilt werden.
Und unsere
Staatsanwälte und Geschworenen kennen
in der Regel den Hintergrund dieser
Zeugen.
Sie vergleichen daher die
Zeugenaussagen sorgfältig mit ihren
Unterlagen, den Indizien und Aussagen
anderer unbescholtener
Zeugen, um
herauszufinden, ob die Aussagen erhärtet werden oder widersprechen. In
diesem Fall sind die Geschworenen offensichtlich zu dem Schluß gekommen,
daß ausreichend glaubwürdige Beweise
für eine Anklage gegen Noriega vorliegen.
General Noriega hat Anwälte in den
Vereinigten Staaten mit seiner Verteidigung beauftragt. Sie haben die
Erhebung der Anklage vor einem amerikanischen Bundesgericht angefochten.
Sie
machen
seine
Immunität
als
"Staatschef" geltend.
Sie erheben
den Vorwurf, die Anklage sei politisch motiviert. Ihrer Ansicht nach
war sein Drogenhandel durch den Status der Immunität geschützt, da er
die Institutionen des Staats Panama
zur Ausübung dieser Aktivitäten benutzte. Zur Unterstützung dieser Behauptungen wurden Schriftsätze eingereicht und Argumente vorgebracht.
Keines ihrer Argumente hielt stand.
Das Gericht wies sie ab. Die Anklage
stand.

- 4 -

�stände und Antiquitäten im Wert
von mehreren Millionen Dollar erwarb,

Wir wollen also ein für allemal die
Behauptung widerlegen, General Noriega sei armer, bescheidener und ehrlicher Mann, der zu Unrecht angeklagt
wurde. Er wird vielmehr - als Ergebnis eines umfangreichen strafrechtlichen Verfahrens - vor amerikanischen
Gerichten der schwersten selbstverschuldeten Übertretungen amerikanischer Gesetze angeklagt. Er verdient
einen fairen Prozeß wie jeder andere
Angeklagte auch.
Und den wird er
auch bekommen - er verdient es, vor
Gericht gestellt zu werden.

mehrere Flugzeuge, unter anderem
drei Lear Jets und eine zweimotorige Maschine. Im Jahr 1984 erwarb er einen modernen Hubschrauber zur persönlichen Verwendung
im Wert von zwei Millionen Dollar. Ende des Jahres 1983 nahm
Steven Kalish Verhandlungen auf
und kaufte im Auftrag Noriegas
eine Boeing 727 für 2,2 Millionen
Dollar. Das Flugzeug wurde später zum Zweck der Geldwäsche eingesetzt,

Die Beweise für General Noriegas
Amtsmißbrauch
und
Korruption
beschränken sich nicht allein auf den
Drogenhandel.

drei Hochseejachten,
I, II und III.

General Noriegas privat und unrechtmäßig erworbene Profite widerlegen
das von seinen Vertretern gemalte anrührende, aber wenig überzeugende
Bild eines armen Jungen aus bescheidenen Verhältnissen, der durch Fleiß,
Leistung und Talent aufstieg, um Führer einer kleinen, aber angesehenen
Militäreinheit zu werden. Vorsichtigen Schätzungen zufolge beträgt Noriegas persönliches Vermögen (von dem
das meiste auf Nummernkonten im Ausland liegt) mindestens zwei oder drei
Milliarden Dollar. Zu diesem persönlichen Vermögen zählen:

Nur als Beispiel für die Verschwendungssucht der Familie Noriega hat Jose Blandon angeführt,
daß sich zu seiner Zeit als panamaischer Konsul in New York "eine
der Töchter Noriegas in New York
aufhielt und an einem einzigen
Tag in New Yorker Geschäften über
50 000 Dollar ausgab".
Das Protokoll der Anhörung im Senat enthält ferner eine für Noriega und seine Familie ausgestellte
Rechnung
des
Helmsey
Palace Hotels in New York über
Zehntausende von Dollar.

ein Ferienhaus am Maddensee in
Panama, ein Refugium in den Bergen mit einem Anwesen und mehreren Häusern auf 60 Acre Land in
der Provinz Chiriqui,

mehrere Luxusapartments in der
Dominikanischen Republik, wo Noriegas Frau Möbel, Kunstgegen-

Machos

Im Dezember 1987 verlieh sich Noriega selbst einen Orden, die Adler Medaille.
Die Kosten für
diesen aus Gold und Edelsteinen
gefertigten Orden beliefen sich
über 85 000 Dollar.
Und einem
Beobachter zufolge "erhielt Noriega diesen Orden weder für einen Sieg noch für einen Kampf".

ein luxuriöses Anwesen in Panama-Stadt, in dem etwa 50 wertvolle Ölgemälde hängen und ein Landhaus in der Nähe eines panamaischen Flughafens in Rio Hato,

ein Bauernhof in Frankreich, etwa
50 Minuten von Paris entfernt und
ein Luxusapartment in einem Nobelviertel von Paris,

die

Vor dem Kongreß hat ein ehemaliger
Mitarbeiter der Bank of Credit and
Commerce International ausgesagt, daß
Noriega im Jahr 1982 bei der Filiale
dieser Bank in Panama-Stadt ein Konto
eröffnete, von dem er behauptete, es
sei ein Konto des "Geheimdienstes".
Es wurde bis Anfang 1988 geführt.

- 5 -

�Nur er allein hatte Unterschriftsberechtigung für dieses Konto. Seine
Frau und seine drei Töchter besaßen
Kreditkarten, deren Rechnungen von
diesem Konto bezahlt wurden.
Das
Guthaben
auf
diesem
Girokonto
schwankte zwar, des öfteren betrug es
jedoch etwa 20 bis 25 Millionen Dollar.
Aufgrund rechtlicher Vorbehalte dürfen wir nicht alle Informationen
preisgeben, die uns über General Noriegas umfangreiche Geheimkonten vorliegen. Die Bankbelege sprechen jedoch für sich.
Sie enthüllen die
persönliche Vollmacht über mehrere
Millionen Dollar. Wie die Spitze eines Eisbergs erlauben sie uns, die
Tragweite von Noriegas Betrugsmanövern und Verbrechen zu erkennen.
General Noriegas illegale Aktivitäten
und der von ihm damit erworbene Wohlstand liefern die wahre Erklärung für
seine feste Absicht, dem Volkswillen
zum Trotz die Kontrolle über die Institutionen des panamaischen Staats
zu behalten.
Er ist kein Patriot
mit dem Willen, sein Volk vor Bedrohungen von außen zu schützen. Er ist
noch weniger ein Berufssoldat, der
seine militärische Institution zu erhalten versucht.
Wir sollten uns die Anfänge des Konflikts in Panama vor Augen führen.
Er hatte nichts mit dem Vereinigten
Staaten, dem Kanal oder einer äußeren
Bedrohung für Panama oder sein Militär zu tun. Der Konflikt ist vielmehr die Folge von Reaktionen zahlreicher panamaischer Bürger im Juni
1987 auf Vorwürfe gegen General Noriega, die vom damaligen stellvertretenden Kommandeur der panamaischen
Streitkräfte, Oberst Roberto Diaz
Herrera, erhoben worden waren.
Warum ging Oberst Diaz Herrera an die
Öffentlichkeit?
Die Antwort liegt
vielleicht darin begründet, wie Noriega die ihm unterstehende Institution behandelte. Im Zuge des tragischen Todes von General Omar Torrijos
Herrera im Jahr 1981 trafen die Offi-

ziere der Nationalgarde Panamas eine
Vereinbarung, um die Stabilität der
Institution und die Übergabe der Befehlsgewalt zu gewährleisten.
Einzelne wichtige Bestimmungen betrafen
auch Noriega, der diesen Vertrag feierlich unterzeichnet hatte. Es war
vorgesehen, daß er im März 1984 das
Kommando von General Paredes übernehmen würde und General Paredes für
seine Präsidentschaftskandidatur die
Unterstützung des Militärs sichern
würde. Und er sah den Rücktritt Noriegas zum 31. Juli 1987 vor.
Wir wissen, was dann geschah. Als
Paredes nicht mehr im Amt war, hintertrieb Noriega seine Kandidatur.
Und als für Noriega die Zeit des
Rücktritts gekommen war, feuerte er
statt dessen seinen bereits benannten
Nachfolger.
Diese
institutionelle
Erschütterung war wahrscheinlich der
Grund für Diaz Herreras Enthüllungen
und den darauffolgenden Meinungsumschwung im panamaischen Volk - ein
Umschwung, der bereits im Frühsommer
des Jahres 1987 zu Streiks und Demonstrationen führte und damit lange bevor die Anklage der Vereinigten Staaten, amerikanische Sanktionen oder
Manöver auch nur geplant waren. Und
diese Mißachtung der Institutionen
findet weiterhin statt. Wer hat den
Generalstab und die reguläre Kommandostruktur umgangen, indem er seine
eigene Schattenorganisation innerhalb
des Militärs aufgebaut hat? Wer hat
seine Helfershelfer befördert, seine
Widersacher eingesperrt und dabei das
Militärgesetz verletzt? Wer hat seine Streitkräfte gegen das eigene Volk
eingesetzt? Wer hat sie gegen seinen
engsten langjährigen Verbündeten die Vereinigten Staaten - und den
Rest der demokratischen Welt ins Feld
geschickt? Wer hat aus Mördern "Todesschwadrone" rekrutiert, um die
schmutzige Arbeit der Unterdrückung
zu leisten - die Arbeit, deren Zeuge
wir alle wurden, als die Sieger der
Wahl vom 7. Mai vor unseren Augen beschossen und geschlagen wurden? Wer
hat bewaffnete Truppen außer den gesetzlich erlaubten Sicherheitskräften
aufgestellt?

- 6 -

�Die Männer der Streitkräfte wissen,
wer ihre Standesloyalität mißachtet
und Schande über ihre Institution gebracht hat. Keine Bewegung, Ideologie, kein Feind von außen oder innen. Ein einzelner korrupter Mann.
Ein Mann, der keine Grenze kennt.
Ich möchte ein Beispiel für die Lügen
und Entstellungen anführen, die er
den eigenen Truppen und auch der Öffentlichkeit erzählt. Er behauptet wie bereits sein Vertreter am 24. August -, seine Probleme hätten begonnen, als er eine Bitte des damaligen
Nationalen Sicherheitsberaters Admiral John Poindexter um Unterstützung
der Widerstandsbewegung in Nicaragua
abschlug.
Diese Behauptung ist ein Widerspruch
in sich. Zahlreiche freundlich gesinnte Staaten vertraten zum Thema
Nicaragua eine andere Auffassung als
die Vereinigten Staaten.
Dennoch
pflegen wir zu Ihnen weiterhin normale Beziehungen. Auch die Tatsachen
stimmen nicht. An dem von General
Noriega beschriebenen Treffen mit Admiral Poindexter nahmen mehrere Personen teil, unter ihnen amerikanische
Diplomaten. Das Thema war keineswegs
Nicaragua - das wurde nur in einem
Nebenstz erwähnt. Das Thema war Panama.
Admiral Poindexter forderte
General Noriega zu einer politischen
Öffnung und Hinwendung zur Demokratie
auf. Natürlich nahm er diesen Rat
nicht an. Aber seine Einstellung zu
Nicaragua entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Ende August 1986 unterbreitete ein
persönlicher Vertreter Manuel Noriegas - einer dem Kongreß vorliegenden
Computerraitteilung von Oliver North
an den Nationalen Sicherheitsberater
zufolge - den Vorschlag, Noriega würde sich als Gegenleistung für eine
Zusage der amerikanischen Regierung
"sein (Noriegas) Image aufzupolieren"
und eine Verpflichtung zur Aufhebung
eines amerikanischen Verbots für Waffenlieferungen an die panamaischen

Streitkräfte der sandinistischen Führung "annehmen".
Selbstredend haben die Vereinigten
Staaten dieses "Angebot" eines Attentats zurückgewiesen.
Wie kann ein
Mann, der solch ein Angebot macht,
der im Dezember 1988 direkt an einem
geplanten Militärputsch
in Argentinien beteiligt war und der die
Guerillas und Drogenhändler in Kolumbien unterstützt, tatsächlich die
Frechheit besitzen, zu behaupten,
seine Probleme seien die Folge seiner
starken Abneigung gegen eine Intervention.
Dem Vertreter Panamas zufolge ist Noriegas Razzia in einer Kokainfabrik
in der Provinz Darien vom Mai 1984
ein Beweis für sein Bestreben zur Bekämpfung des Drogenhandels. Wie einige Zeugen vor einem Unterausschuß
des US-Kongresses erklärten, stellte
sich die Realität ganz anders dar.
Die Fabrik in Darien wurde ausgehoben, kurz nachdem Noriega über vier
Millionen Dollar vom Medellin-Kartell
dafür erhalten hatte, daß er den Anführern des Kartells sowie 70 bis 90
Leibwächtern Zuflucht gewährte, nachdem das Kartell den kolumbianischen
Justizminister Lara Bonilla ermordet
hatte.
Zuvor hatte Noriega einen
seiner Konkurrenten beim Schutz von
Drogenhändlern aus dem Feld geschlagen und mehrere Millionen Dollar vom
Kartell erhalten, damit diese die Fabrik aufbauen konnten. Nach dem Tod
Lara Bonillas veranlaßte der öffentliche Druck in Panama und Kolumbien
(und vielleicht auch der Druck der
Vereinigten Staaten) Noriega zum Handeln. Auf seinen Befehl hin schlössen die panamaischen Streitkräfte die
Fabrik.
Das Medellin-Kartell fühlte sich jedoch auf zweifache Weise betrogen.
Eine Intervention Fidel Castros war
notwendig, um den Streit zu schlichten. Schließlich erhielt das Medellin-Kartell den Generator von 40 Megawatt, den Maschinenpark, das ferti-

- 7 -

�ge Kokain, die zur Herstellung benötigten Chemikalien und die beschlagnahmten Flugzeuge zurück.
Damit möchte ich mich einigen Punkten
zuwenden, die der Vertreter Panamas
am 24. August angesprochen hat und
denen wir zustimmen können. Es gibt
Bereiche grundsätzlicher Übereinstimmung zwischen meiner Regierung, der
überwältigenden Mehrheit des panamaischen Volkes, der Regierung und
der Streitkräfte Panamas. Tatsächlich geht es dabei um Grundsätze, die
auch alle Mitglieder dieses Gremiums
akzeptieren.
Der erste Bereich ist die Bedeutung
der getreuen Durchführung der Kanalverträge.
Die Vereinigten Staaten sind zur Einhaltung bereit und ihrer Zeit voraus. Als der Vertrag am 1. Oktober
1979 in Kraft trat, haben die Vereinigten Staaten die Kanalzone aufgehoben und ihre Regierung abgesetzt.
Wir haben die Rechtsprechung und die
Regierungsfunktionen - einschließlich
der
Häfen,
Eisenbahnverbindungen,
Feuerlöschanlagen und Straßen - an
die Republik Panama abgegeben. Alle
im Vertrag benannten militärischen
Einrichtungen - unter ihnen Fort Gulick, Fort Randolph, Teile des Gebiets von Fort Clayton, Fort Kobbe
Beach, die Einrichtungen in Coco Solo
und Corozal, das Pacific Area Depot,
Teile von Fort Amador, das Gebiet
südlich von Quarry Heights und andere
- fielen zu einem bestimmten Zeitpunkt an Panama.
Seit Inkrafttreten des Vertrags wurden etwa 2 786 Wohneinheiten an Panama übergeben. Das sind 64 Prozent
aller Einheiten, die vor dem Vertrag
bestanden. Dabei sind die Vereinigten Staaten ihrem in den Verträgen
festgelegten Terminplan um Jahre voraus.
Die Vereinigten Staaten haben eine
stärkere Beteiligung Panamas auf allen Ebenen der Arbeit am Kanal gefördert. Im Jahr 1979 zählten lediglich

zwei Panamaer zur Piloteneinheit für
den Kanal. Heute sind es 56 von insgesamt 227 Piloten. Panamaer stellen
heute 25 Prozent aller Piloten, und
bis 1999 sollen ihr Anteil 95 Prozent
betragen. Ende Juli 1989 waren am
Panamakanal
1 009
amerikanische
Staatsbürger und damit weniger als
die Hälfte verglichen mit 1979 beschäftigt.
Gleichzeitig stieg die
Zahl der Zahl der bei der Panamakanal-Gesellschaft beschäftigten Panamaer auf insgesamt 5 521. Das ist
gegenüber 1979 ein Anstieg um 24 Prozent. Der Anteil der dort beschäftigten Panamaer beträgt 86 Prozent
und ist steigend. Panamaer sind in
die höheren Positionen der Verwaltung
aufgestiegen, und es werden immer
mehr.
Der Vertreter Panamas hat am 24. August die engen und respektvollen Beziehungen präzise beschrieben, die
nunmehr die gemeinsamen Bestrebungen
der amerikanischen und panamaischen
Streitkräfte bei ihrer Verteidigung
des Kanals gemäß der Kanalverträge
charakterisieren. Aber er hat nicht
erwähnt, wie im Februar 1988 Noriegas
Schikanen gegenüber den überwiegend
panamaischen Beschäftigten den Kanalbetrieb direkt bedrohte. Noriega bewies damit nicht nur Mißachtung der
Verträge, sondern auch gegenüber dem
Kanal selbst. Die Vereinigten Staaten waren dadurch gezwungen, von ihren im Vertrag niedergelegten Rechten
zur Verteidigung Gebrauch zu machen nicht in der bevorzugten Art und Weise einer Zusammenarbeit mit den panamaischen Streitkräften, aber dennoch
in vollem Einklang mit den Vertragsbestimmungen. In jüngster Zeit haben
diese Schikanen der Kanalarbeiter und
unseres militärischen Personals stark
abgenommen.
Der Vertreter Panamas erklärte gegenüber den Außenministern: "Die Vereinigten Staaten wollen Panama ruinieren, in die Knie zwingen, damit Panama einen neuen militärischen Vertrag
schließen muß, mit dem die Präsenz
der US-Streitkräfte verlängert werden
kann."

- 8 -

�Das ist ebenfalls Unsinn. ien Vertrag sdokumente
sehen
vor,
daß
US-Streitkräfte nur nach dem Jahr
2000 in Panama stationiert werden,
wenn beide Regierungen einverstanden
sind. Aber bis dahin sind es noch
zehn Jahre. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat das Thema niemals
angeschnitten, weil dies unserer Ansicht nach eine Entscheidung ist, die
nur dann getroffen werden kann, wenn
das Jahr 2000 in greifbare Nähe gerückt ist. Und auch, weil alle langfristigen Abkommen nur mit einer panamaischen Regierung geschlossen werden können, die vom Volk unterstützt
wird. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie und ist gleichzeitig aufschlußreich, daß die einzigen Panamaer, die angeboten hatten, amerikanische Stationierungsrechte über das
Jahr 200 hinaus zu gewähren, Sympathisanten von General Noriega waren.
Ende des Jahres 1988 boten sie Stationierungsrechte im Gegenzug für die
Normalisierung
unserer
Beziehungen
mit seiner Regierung an. Dieses Angebot wurde von uns kategorisch abgelehnt .
Ich lege dem Rat eine Reihe von Dokumenten über die Vertragserfüllung vor
und will im folgenden eine weitere
Reihe von Lügen widerlegen. Der Vertreter Panamas erklärte gegenüber den
Außenministern ebenfalls, die Vereinigten Staaten nutzten Einnahmen aus
dem Kanal zu Propagandazwecken gegen
Noriega und enthielten Panama die
Beiträge zur Sozial- und Krankenversicherung für die Löhne der Arbeiter
am Panamakanal vor.
Diese Behauptung
ist absichtliche
Täuschung.
Die Vereinigten Staten
kommen ihren Verpflichtungen und den
im Kanalvertag vorgesehenen Zahlungen
auch im Einklang mit den Forderungen
der Regierung Delvalle nach.
Die
Zahlungen werden auf ein Treuhandkonto der panamaischen Regierung geleistet. Die Nutznießer sind die Republik
Panama und
das panamaische
Volk. Die Mittel stehen jeder rechtmäßigen panamaischen Regierung in
vollem Umfang zur Verfügung. Was die

Sozialversicherungsbeiträge für die
Gehälter der panamaischen Bürger betrifft, so werden diese auf Weisung
von Präsident Delvalle aus humanitären Gründen an das Noriega-Regime
transferiert.
Ich bedauere jedoch,
sagen zu müssen, daß das Regime diese
Mittel entwendet und sie nicht in die
Kranken- und Rentenversicherung einzahlt.
Zu dieser Übersicht über die Vertragsdurchführung
möchte
ich
abschließend feststellen, daß die Vereinigten Staaten seit 1979 mehrere
hundert Millionen Dollar an Kapital
in den Kanal investiert haben und
zwischen fünf und sechs Millionen
Dollar jährlich aufwenden, um die Panamaer für die zum Betrieb des Kanals
erforderlichen Tätigkeiten auszubilden.
Sollte der Kanal heute oder
morgen geschlossen werden, würde die
amerikanische Wirtschaft zweifelsohne
einen Rückschlag hinnehmen müssen,
der Güterfernverkehr auf der Straße
nimmt jedoch rasch zu; ohne allzu hohe Kosten könnten alle Nahrungsmittel, die heute den Kanal passieren
müssen, von beiden Küsten der Vereinigten Staaten verladen werden. Im
Gegensatz dazu wäre der Schaden für
die Volkswirtschaften von Ländern ohne diese Alternativen - insbesondere
Nicargua, Ecuador und Peru - ebenso
wie für Panama selbst beträchtlich.
Für die Vereinigten Staaten ist das
Problem der Sicherheit von größerer
Bedeutung.
Die Vereinigten Staaten
haben Verhandlungen über Vertragsabschlüsse aufgenommen, da sie zu der
Schlußfolgerung gelangt sind, daß die
Zukunft des Kanals auch für die internationale Schiffahrt am besten
durch die Übergabe des Kanals an eine
stabile und populäre Regierung in einem freundlich gesinnten Panama gewährleistet werden könnte. Kurzum:
Die Vereinigten Staaten haben sich
mit General Torrijos geeinigt, daß
der Schlüssel zur Sicherheit des Kanals in einem gut funktionierenden
Nachrichtendienst und freundlich gesinnten Volk liegt.

- 9 -

�Die Regierung der Vereinigten Staaten
ist nach wie vor davon überzeugt, daß
die Einhaltung der Panamakanalverträge im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt. Das akute Problem sind nicht die Verträge, sondern
das Fehlen einer stabilen Regierung
des Volkes in Panama.

sion bei jedem Schritt unterstützt.
Die Kommission hat die Parteien zu
persönlichen Gesprächen zusammengeführt.
Gemeinsam haben sie eine
ernstzunehmende Tagesordnung formuliert. Während der letzten Runde haben die Parteien die Einzelheiten
dargelegt, die eine Lösung der Krise
gestatten würden:

Ich möchte mich jetzt einem anderen
Thema zuwenden:
Unserer Unterstützung einer friedlichen und demokratischen Lösung der Probleme Panamas.
Im Februar 1988 hat der panamaische
Präsident von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch gemacht, General
Noriega seines Postens als Kommandeur
der panamaischen Streitkräfte zu entheben. Wie Ihnen bekannt ist, wurde
Präsident Delvalle dann von einer
Rumpfsitzung der von Noriega-Anhängern dominierten Nationalversammlung
unter Amtsanklage gestellt. Unmittelbar nach Bekanntwerden dieser Maßnahme der Nationalversammlung haben
die Vereinigten Staaten erklärt, daß
sie eine verfassungsmäßige Zivilregierung in Panama unterstützen. Wir
sehen daher in Präsident Delvalle
weiterhin den rechtmäßigen Präsidenten Panamas. Da seine Absetzung gemäß der panamaischen Verfassung unrechtmäßig
war,
ist
Präsident
Delvalle bis zum Ablauf seiner Amtszeit heute nacht null Uhr weiterhin
Präsident von Panama.
Diese politische Krise hätte rechtmäßigerweise bei den Wahlen am 7. Mai
gelöst werden können und sollen. Noriega hat diese Wahl jedoch für ungültig erklärt, da er sie verloren
hatte. Am 17. Mai verurteilte die
OAS "die schwerwiegenden Ereignisse
und den Amtsmißbrauch von General Manuel Antonio Noriega während der Krise und den Wahlen in Panama".
Unser ehrenwerter Generalsekretär und
die ehrenwerten Minister von Guatemala, Trinidad und Tobago sowie Ecuador
haben mit den panamaischen Parteien
bei einer versuchten Machtübergabe
zusammengearbeitet.
Die Vereinigten
Staaten haben die Arbeit der Kommis-

die Entmachtung General Noriegas;
Bildung einer Ubergangsregierung
am 1. September;
neue, freie Wahlen binnen kürzester Zeit;
die Aufhebung der als Reaktion
auf die Krise in Panama von den
Vereinigten Staaten ergriffenen
Maßnahmen.
Die Vereinigten Staaten waren stets
bereit, ihren Teil beizutragen. Wir
wünschen eine baldige Beilegung der
Krise. Die von uns verhängten Maßnahmen waren mit Präsident Delvalle
abgesprochen, um Solidarität mit dem
panamaischen Volk beim Widerstand gegen das zu demonstrieren, was In
Wirklichkeit ein Militärputsch war.
Teil der Maßnahmen war eine Erklärung
gemäß dem International Emergency
Economic Powers Act (IEEPA), mit dem
die Kapitalanlagen der panamaischen
Regierung in den Vereinigten Staaten
eingefroren und Zahlungen amerikanischer Staatsbürger und Unternehmen an
das
Noriega/Solis-Regime
untersagt
werden.
Hierbei handelt es sich
nicht um "Sanktionen" im Sinne eines
allgemeines Handelsembargos oder anderer auf die Volkswirtschaft des
Landes ausgerichteter Maßnahmen, sondern vielmehr um ein Verbot für amerikanische Staatsbürger, Zahlungen an
das unrechtmäßige Noriega-Regime zu
leisten.
Diese Maßnahmen sind nicht die Hauptursache für die Wirtschaftskrise in
Panama.
Die Wirtschaftskrise ist
vielmehr ein Spiegelbild der politischen Krise. Privatleute und Unternehmen bringen ihr Kapital außer Lan-

- 10 -

�des und verlegen ihren Firmensitz,
wenn die Stabilität bedroht ist.
Wenn General Noriega wirklich glaubt,
die Freigabe der in den Vereingten
Staaten hinterlegten rund 300 Millionen Dollar würde die Wirtschaftskrise
lösen, warum gibt er dann nicht eine
entsprechende Summe des Betrags zurück, den er gestohlen hat? Das in
den Vereinigten Staaten hinterlegte
Geld trägt zugunsten des panamaischen
Volkes Zinsen und wird ihm zurückgegeben, wenn die demokratische Regierung wieder im Amt ist. Wird das von
General Noriega genommene Geld zurückgegeben?
Nichts würde meine Regierung oder das
amerikanische Volk mehr freuen als
die Aufhebung der derzeit verhängten
Maßnahmen und die Wiederherstellung
normaler Beziehungen mit einem demokratischen Panama.
Es gibt nur ein Hindernis bei der Lösung der Krise - und wir alle wissen,
um wen es sich handelt. Am 20. Juli
berichtete die OAS-Kommission, "Der
Verbleib von General Noriega im Amt
als Oberbefehlshaber der Streitkräfte
wird sowohl von seinen Anhängern als
auch der Opposition als einer der
Faktoren - wenn nicht sogar der
Hauptfaktor - angesehen, der zur Lösung
der Krise bewältigt werden
muß." Dennoch weigert sich General
Noriega, Umstände zu benennen, unter
denen er bereit wäre, das von der OAS
so definierte Haupthindernis bei der
Lösung der Krise aus dem Weg zu räumen.
Bei all unseren Bestrebungen um eine
Lösung der politischen Krise haben
wir General Noriega und allen politischen Parteien und Gruppierungen in
Panama gegenüber eindeutig klargestellt, daß Fragen bezüglich der Zusammensetzung der panamaischen Regierung und der Rolle der Streitkräfte von den Panamaern selbst entschieden werden müssen - vielleicht durch
Vermittlung der übrigen lateinamerikanischen
Länder
aber
sicherlich
nicht der Vereinigten Staaten. So-

wohl unsere bilateralen Gespräche im
vergangenen Jahr als auch unsere Unterstützung des OAS-Ministertreffens
erfolgten ausschließlich auf dieser
Ebene.
Dies bringt uns zu unserem Hauptproblem zurück - der harten Wahrheit,
die dem Leiden des panamaischen Volkes zugrundeliegt. Das Problem heißt
Noriega und vor allem Noriegas Entschlossenheit, seine persönlichen Interessen und seinen persönlichen Profit vor seinen militärischen Stab,
vor sein Land und vor die internationale Staatengemeinschaft auf diesem
Kontinent und weltweit zu stellen.
Noriegas Habgier, sein persönlicher
Ehrgeiz und seine Selbstsucht sind
Ursache und Nährboden der Krise Panamas. So lange er und seine Gefolgschaft diese Realität nicht erkennen,
sie zu verschleiern versuchen oder
die Schuld dafür anderen zuweisen,
wird sich die Krise nur noch verschlimmern. Es gibt Zeiten, in denen
hehre
Grundsätze
uns
zwingen,
schlechte Menschen zu verteidigen.
Einige bringen das Argument vor, diese träfe auf Noeriega und Panama zu.
Sie argumentieren, als ob das Prinzip
der Nichteinmischung uns zwingen würde, alles zu akzeptieren, was Noriega
tut.
Nichteinmischung
bedeutet
jedoch
nicht, einzelne Verbrecher zu schützen. Sie bedeutet nicht, das gegen
unsere Familien und Kinder gerichtete
Eindringen von Drogenschmugglern in
unsere Gesellschaft zu fördern. Sie
bedeutet nicht, friedliche und diplomatische Aktionen souveräner Staaten
zur Unterstützung der Demokratie zu
verhindern. Und sie bedeutet nicht,
Verbrecher das Gute mit Füßen treten
zu lassen.
Man braucht nur Panamas Nachbarn im
Süden zu betrachten, um den augenfälligen Unterschied auszumachen.
Das
Regime in Panama gewährt den Drogenschmugglern und ihren Handlangern Unterschlupf und schützt die Banken,
über die sie ihr schmutziges Geld waschen.

�Das sind die Menschen, die der zivilisierten Gesellschaft in Kolumbien
den Krieg erklärt und diese mutige
Nation mit Attentaten, Bombenanschlägen, Entführungen und Drohungen bestraft haben, die am Lebensnerv der
ältesten
Demokratie
Lateinamerikas
zehren. Präsident Virgilio Barco mobilisiert alle Kräfte seines Landes zivile wie militärische - um die Würde und Achtung der Gesetze in diesem
Land wiederherzustellen.
Die große
Mehrheit der Kolumbianer aller politischen Parteien unterstützen ihn,
denn sein Kampf ist ihr Kampf. In
der Tat ist es ein Kampf, der im Namen von uns allen geführt wird. Die
Drogenbarone in Kolumbien stellen ohne Zweifel eine ebensolche Bedrohung
der Demokratie dar wie ein Eindringling; ihre Handlanger töten unsere
Kinder und korrumpieren unsere Gesellschaften. Und die Nationen der
Welt sollten das kolumbianische Volk
und seine demokratische Regierung sowohl moralisch als auch materiell unbeirrt unterstützen.

Kolumbien und Panama. Barco und Noriega. Gibt es einen größeren Gegensatz zwischen den moralischen Qualitäten des Besten und des Schlechtesten unter uns auf diesem Kontinent?
Wer verdient unsere Hilfe, wer sollte
aus unserer Mitte verstoßen werden?
Zumindest für die Vereinigten Staaten
ist die Antwort klar.

Das Menetekel ist unmißverständlich.
Das Muster ist klar. Indifferenz gegenüber
den erdrückenden Beweisen
können Noriega und seinesgleichen nur
ermutigen und ihnen Handlungsfreiheit
verschaffen.
Die Ausflüchte, die Drohgebärden, die
als Wahrheit verbrämte Propaganda alles, was Noriegas Verteidiger vorgebracht haben, um diesen Verbrecher
im Amt zu halten, ist aufgedeckt worden.
Noriegas Aktionen - detailliert aufgelistet in Zeugenaussagen, Anklageschriften, Quittungen, Konten, Privatbeteiligungen, in einer Beweiskette, die Verfehlungen internationalen
Ausmaßes belegt - sind unentschuldbar.
Aber auch unsere Untätigkeit wäre unentschuldbar. Es ist an der Zeit,
unser Schweigen zu brechen. Es ist
an der Zeit, unsere Zurückhaltung zu
überwinden. Wir müssen Noriega als
denjenigen entlarven, der er ist.
- 12 -

* * * * *

�UMWELT
Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AMERIKANISCH-SOWJETISCHER UMWELTPLAN
Gemeinsame Erklärung zur Vereinbarung eines Kooperationsprogramms

WASHINGTON - (AD) - Zum Abschluß einer einwöchigen Konferenz über Zusammenarbeit im Bereich der Umwelt haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
am 12. Januar 1990 ein Kooperationsprogramm für die Zukunft unterzeichnet.
Bei der Konferenz handelte es sich um das zwölfte Treffen des amerikanisch-sowjetischen Ausschusses über Kooperation im Bereich des Umweltschutzes. Die
nächste Konferenz wurde für die erste Hälfte des Jahres 1991 in Moskau geplant.
Für 1990 sind neue gemeinsame Forschungsprojekte in Bereichen wie der Erhaltung von Feuchtbiotopen, Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und
weltraumgestützter elektronischer Erforschung von Schadstoffen in der Atmosphäre vorgesehen. Erstmalig haben beide Länder die Zusammenarbeit in verschiedenen Teilbereichen der Polarkreisforschung vereinbart.
Nachfolgend veröffentlichen wir die am 12. Januar 1990 in Washington veröffentlichte Gemeinsame Erklärung.
Am 23. Mai 1972 wurde in Moskau das
Abkommen über Kooperation im Bereich
des Umweltschutzes zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
unterzeichnet.
Diesem Abkommen zufolge werden "beide Seiten die Zusammenarbeit im Bereich des Umweltschutzes auf der Grundlage von Gleichheit,
Gegenseitigkeit
und
beiderseitigem
Vorteil ausbauen". Ferner ist eine
Zusammenarbeit
in zwölf Bereichen
vorgesehen, die praktisch alle wichtigen Probleme des Umweltschutzes,
den wirtschaftlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen und das Zusammenwirken von Mensch und Natur umfassen.
Zahlreiche amerikanische und
sowjetische Stellen, einschließlich
Regierungsbehörden und Ministerien,
wissenschaftliche Institutionen, Universitäten, multinationalen Unterneh-

men und privaten Umweltschutzorganisationen sind an der in dem Abkommen
vereinbarten Kooperation beteiligt.
Das zwölfte Treffen des auf der
Grundlage des Abkommens ins Leben gerufenen
amerikanisch-sowjetischen
Ausschusses über Kooperation im Umweltschutz fand vom 9. bis 12. Januar
1990 in Washington statt. Vorsitzende waren der Leiter des Umweltschutzamtes, William K. Reilly, und der erste Vorsitzende des Staatlichen Ausschusses für Umweltschutz der UdSSR
(GOSKOMPRIRODA), Valentin G. Sokolowski.
Das Plenum stimmte einem Projektbericht zu, der die Leistungen des gemeinsamen Programms in den Jahren
1988/89 würdigt und verabschiedete

�eine Vereinbarung über das Kooperationsprogramm für 1990. Dieses Programm enthält neue Forschungsprojekte
für Bereiche wie weltraumgestützte
elektronische Erforschung von Schadstoffen in der Atmosphäre, Erhaltung
von
Feuchtbiotopen, Denkmalpflege,
Transport radioaktiven Materials als
Folge der Katastrophe von Tschernobyl, stratosphärischen Ozon und seismologische
Beobachtung.
Erstmalig
wurde auch die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen der Polarkreisforschung vereinbart. Besondere Aufmerksamkeit wurde Umweltproblemen von
internationaler Tragweite gewidmet,
wie etwa Klimaveränderungen und integrierte Beobachtung der ökologischen
Verhältnisse auf der Erde und Problemen mit unmittelbaren Auswirkungen
für beide Länder, wie der Einführung
umweitschonender Technologien.
Die offizielle Fassung der AusschußProtokolle wird Ende Februar 1990 in
englischer und
russischer Sprache
veröffentlicht.
Zu den Ergebnissen der beim zwölften
Treffen des Gemeinsamen Ausschusses
erörterten Zusammenarbeit von Februar
1988 bis Dezember 1989 zählen zahlreiche Aktivitäten von beiderseitigem
Nutzen, etwa Treffen von Arbeitsgruppen, Symposien und Seminare über besondere Umweltprobleme, Entwicklung
und Vergleich von Methoden und Materialien, gemeinsame Experimente und
Expeditionen zu Wasser und zu Land.
Über 100 gegenseitige Besichtigungen
fanden statt, Berichte wurden erstellt und veröffentlicht und zahlreiche wissenschaftliche und technische Dokumente und Forschungsergebnisse ausgetauscht.
Gemäß diesem Abkommen werden beide
Seiten in Kürze die beim Gipfeltreffen im Dezember 1987 geforderte gemeinsame Studie über zukünftige Klimaveränderungen vorlegen.
Die Entsendung amerikanischer Seismologen in
die Sowjetunion nach dem Erdbeben in
Armenien im Dezember 1988 sowie sowjetischer Seismologen nach Kalifornien nach dem Loma Prieta-Erdbeben im

Oktober 1989 war in diesem Abkommen
vorgesehen.
Der stellvertretende Vorsitzende hat
eine konstruktive Bilanz der Umweltprobleme von internatioanler Tragweite einschließlich weltweiter Klimaveränderungen gezogen. Man kam überein, daß Zusammenarbeit bei Umweltproblemen weiter zu dem derzeit auf
höchster Ebene stattfindenden Dialog
zwischen beiden Regierungen beitragen
könnte.
Beim zwölften Treffen des Gemeinsamen
Ausschusses hielten auch Vertreter
sowjetischer und amerikanischer privater Umweltschutzorganisationen Vorträge. Beide Seiten sind sich der
wünschenswerten
kontinuierlichen
Teilnahme von Vertretern nicht staatlicher
öffentlicher
Organisationen
der Sowjetunion und der Vereinigten
Staaten bei der Arbeit im Rahmen des
zwischenstaatlichen
Abkommens
über
Umweltschutz bewußt, bis hin zu der
möglichen Vertretung durch solche Organisationen in beiden Delegationen
bei späteren Sitzungen des Gemeinsamen Ausschusses.
Es wird erwartet, daß die Sozioökologische Union unter Beteiligung anderer interessierter sowjetischer sozialer Verbände zusammen mit privaten
Organisationen
der
amerikanischen
Seite gemeinsame Vorschläge über die
Art und Weise ihrer Beteiligung gemäß
dem Abkommen erarbeiten werden. Als
Teil dieses Prozesses können private
Organisation
an
der Planung und
Durchführung von Aktivitäten im Rahmen des Abkommens unter besonderer
Berücksichtigung neuer Ansätze bei
der Lösung ökologischer Probleme im
Hinblick auf eine kontinuierliche
Wirt Schaftsentwicklung beteiligt werden.
Der sowjetische stellvertretende Vorsitzende hat seinem amerikanischen
Kollegen eine Kopie des ersten Berichts über die UmweltSituation überreicht, der je in der Sowjetunion
veröffentlicht wurde.
Die Übersetzung dieses 200 Seiten umfassenden

^"

�Dokuments ins Englische ist veranlaßt.
Mitglieder der sowjetischen Delegation wurden über die Erfahrungen des
Ingenieurkorps der US-Army in den Bereichen Wasserwirtschaft, Verwaltung
von Ressourcen und Umweltschutz unterrichtet. Im Programm der Delegation war ein Besuch der Einrichtungen
des Korps in der Umgebung von New
Orleans vorgesehen.
Das nächste Treffen des Gemeinsamen
Ausschusses ist für die erste Hälfte
des Jahres 1991 in Moskau geplant.

* * * * *

- 3

�DROGEN

Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AUFFORDERUNG ZUR DROGENBEKÄMPFUNG ERGEHT AN ALLE LÄNDER DER WELT
Bericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamts

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die ungesetzliche Herstellung von Drogen und
ihr Mißbrauch haben dem Internationalen
Suchtstoff-Kontrollamt
zufolge
"ein neues gefährliches Stadium" erreicht, wobei jeder Konsument illegaler Drogen für die durch den Drogenhandel verursachten schwerwiegenden
Probleme
persönlich
Verantwortung
trägt.
Der am 10. Januar 1990 veröffentlichte Bericht des Kontrollamts für 1989
verweist ferner darauf, daß die Frage
der Legalisierung einiger oder aller
Sucht Stoffe "nachdrücklich" verneint
werden sollte.
Eine solche Vorgehensweise würde signalisieren, daß
der Konsum von Drogen geduldet wird,
zu einer drastischen Zunahme des Dro-

genmißbrauchs und damit zusammenhängender Todesfälle führen, die Krankenkosten in die Höhe treiben sowie
Familien und
grundlegende soziale
Werte erschüttern würde.
Die Legalisierung von Suchtstoffen
oder "jede Lockerung der Kontrolle
ist moralisch nicht vertretbar und
läuft auf eine Auslieferung aller
Länder an die Drogenkartelle hinaus",
heißt es in dem Bericht.
Das Kontrollamt fordert Länder mit
weitverbreitetem
Drogenkonsum
auf,
energische Maßnahmen zur Eindämmung
und zum Abbau der Nachfrage zu treffen. Dem Bericht zufolge soll die
internationale
Staatengemeinschaft
"sofort und in größtmöglichem Umfang

�Regierungen
Hilfestellung
leisten,
die von Drogenhändlern unter Druck
gestzt werden".
Der 35 Seiten umfassende Bericht enthält Statistiken über Drogenmißbrauch
und Drogenhandel, Bekämpfungsstrategien einzelner Länder und Städte sowie regionale und weltweite Tendenzen
im Jahr 1989.
Die allgemeine Tendenz deutet darauf
hin, daß ein drastischer Anstieg von
Drogentoten, Drogenmißbrauch und Drogenhandel in vielen Regionen nach wie
vor weitverbreitet ist, die Drogenkriminalität schneller zunimmt als
alle anderen Straftaten, und die Beschlagnahme von Heroin, Kokain, Haschisch und Amphetaminen in manchen
Ländern Rekordzahlen erreicht. Eine
"neue und bedenkliche Entwicklung"
ist die erhebliche UmweltSchädigung
in Ländern, wo Mohn zur Opiumgewinnung und Koka angebaut werden.
In Lateinamerika ist der Drogenhandel
zu einem "wichtigen öffentlichen Thema" geworden. Schwer bewaffnete Kartelle mit unerschöpflichen finanziellen Mitteln betreiben weiterhin skrupellos die Unterwanderung politischer
Institutionen, stören die Volkswirtschaften und ermorden Regierungsvertreter und Privatpersonen" heißt es
in dem Bericht. Da der Drogenmißbrauch den gesamten Kontinent erfaßt,
riskiert Lateinamerika, zum wichtigsten Konsumenten seiner eigenen Erzeugnisse zu werden.
Als positive Entwicklung verweist das
Kontrollamt darauf, daß sich bei der
Drogenbekämpfung erste Erfolge von
Aufklärungsmaßnahmen
und
Informationskampagnen zeigen und verstärkte
internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich gute Resultate hervorbringt.
Die Tatsache, daß Crack in den Niederlanden nicht sehr verbreitet ist,
wurde auf gezielte Aufklärungskampagnen zurückgeführt. In den Vereinigten Staaten ist der seit 1985 erfolgte 37prozentige Rückgang bei der Zahl

der Drogenkonsumenten ähnlichen Kampagnen zu verdanken, die Drogenkonsum
als nicht akzeptables Sozialverhalten
darstellten.
In Frankreich erweisen sich vorbeugende Programme als "ermutigend, zumal eine jüngste Untersuchung bei Jugendlichen im Alter von 11 bis 20
Jahren zeigte, daß der Drogenkonsum
in dieser Altersgruppe stagniert",
heißt es in dem Bericht. Er führt
ferner Untersuchungen über den Drogenkonsum in Schweden an, die darauf
hindeuten, daß der Prozentsatz junger
Leute unter 20, die Drogen konsumieren, zurückgeht, obwohl ein starker
Anstieg bei beschlagnahmten Drogen
zeigt, daß diese leichter erhältlich
sind.
Das Kontrollamt erklärt die Vereinbarung der Konvention gegen den Handel
mit Suchtstoffen und Psychotropen
Stoffen im Dezember 1988 zu einem
Meilenstein. Im November 1989 hatten
bereits 77 Länder die Konvention unterzeichnet, und zwei Parteien hatten
sie ratifiziert. Das Kontrollamt erklärt, die baldige Durchführung der
Bestimmungen des Dokuments über die
Kontrolle
chemischer
Grundstoffe
könnte die internationalen Bestrebungen zum Abbau der illegalen Herstellung von SuchtStoffen stark verbessern.
In Hongkong, Malaysia, Indien, Spanien, Kanada und den Vereinigten
Staaten erlassene Gesetze zielen darauf ab, dem Drogenhandel Einhalt zu
gebieten und die nationale Gesetzgebung auf die Konvention abzustimmen.
Eine Reihe von Maßnahmen, die seit
1987 auf den Bahamas getroffen wurden
und die unabhängig oder in Zu sammarbeit mit der amerikanischen Küstenwache erfolgreich durchgeführten Operationen der Königlich Bahamischen
Streitkräfte haben dem Kontrollamt
zufolge den Drogenhandel positiv beeinflußt. "Das starke Engagement der
Bahamas und ihre beispielhafte Zusammenarbeit mit anderen Ländern zeitigen nunmehr Ergebnisse" schreibt der
Bericht.

�Die Schweiz ist sich dem Bericht zufolge ihrer Stellung im internationalen Finanzwesen bewußt und intensiviert ihre Bemühungen um ein Gesetz
zur Bekämpfung der Geldwäsche.
Der Bericht verweist auch auf Indien,
Pakistan, die Sowjetunion, Osteuropa,
Großbritannien, Mexico, die Vereinigten Staaten und Kanada sowie deren
Koordinierung und Zusammenarbeit mit
anderen Ländern. Er legt dar, wieviele Länder, unter ihnen Spanien und
Pakistan, ihre Mittel für Aufklärung
und Rehabilitation aufgestockt haben.
Die Zollbehörden der Sowjetunion haben mit über 25 westlichen Ländern
Vereinbarungen getroffen, und sind
mit den zuständigen Stellen in Kanada, Großbritannien, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und anderen
Ländern erfolgreich gegen Drogenhändler vorgegangen.
Trotz
Mexicos
gravierender
Wirtschaftsprobleme wurde dem Bericht zufolge der Etat für die Drogenbekämpfung um 174 Prozent erhöht, dabei ist
die Zahl der Mitarbeiter und Ausrüstungsgegenstände erheblich gestiegen
und innerhalb der Regierung die Stelle eines stellvertretenden Justizministers für Drogenermittlungen geschaffen worden.

schen Ländern bei der Drogenbekämpfung aus.
Das Kontrollamt fordert unverzügliche
technische Hilfe für die afrikanischen Länder und betont die Notwendigkeit "der Bekundung festen politischen Willens der Regierungen", umfassende Gesetze und Verwaltungsvorschriften zu erlassen, um sowohl den
Vertrieb als auch den Handel legaler
Drogen unter Kontrolle zu bringen.
Der Bericht verweist auf Besorgnis
über die Entwicklungen in Pakistan
und im Iran und bekundet die Hoffnung, im Jahr 1990 Beobachter in diese Länder entsenden zu können.
Das
Internationale
Suchtstoff-Kontrollamt besteht aus 13 unabhängigen
Experten und ist bestrebt - in Zusammenarbeit mit den Regierungen - die
Kultivierung, Herstellung und den
Konsum von Drogen in dem Maße einzuschränken, wie er für medizinische
und wissenschaftliche Zwecke erforderlich ist.

Der Bericht verweist auf einen starken Anstieg des Mohnanbaus zur Opiumgewinnung in Guatemala, das dennoch
ein Programm ins Leben gerufen hat,
um wichtige Chemikalien und Grundstoffe zu ermitteln, die bei der Herstellung von Kokain und Heroin verwendet werden. Das Programm könnte
für andere Länder Modellcharakter haben.
Obwohl die afrikanischen Regierungen
sich der schnellen Ausbreitung des
Drogenhandels in der Region und der
damit einhergehenden Gefahren für die
Gesundheit bewußt sind, nutzen Drogenhändler die Lücken im System der
Bekämpfung, die geringen Mittel, das
mangelnde Fachwissen und die fehlende
Zusammenarbeit unter den afrikani- 3 -

* * * * *

�MARTIN

LUTHER

KING

Amerika Dienst 2

17. Januar 1990

AMERIKA MUSS VOLLSTÄNDIGE AUFHEBUNG DER RASSENTRENNUNG VERWIRKLICHEN
Präsident Bushs Proklamation zum Gedenktag an Martin Luther King

WASHINGTON - (AD) - Obwohl sich Präsident Bush zufolge viele der dunkelsten
"Wolken des Rassismus" in den Vereinigten Staaten verzogen haben, muß die Nation "weiterhin an der Aufhebung der Rassentrennung und Verwirklichung der
Gleichberechtigung" arbeiten.
In einer Proklamation zum 15. Januar, der zum Gedenken an den Geburtstag des
Baptistenpfarrers Dr. Martin Luther King Jr. als gesetzlicher Feiertag begangen wird, verwies der Präsident darauf, daß King sich für die Befreiung aller
Menschen im ganzen Land von den "Fesseln der Rassentrennung und den Ketten der
Diskriminierung" eingesetzt habe.
In der Proklamation des Präsidenten heißt es, der Kampf gegen Vorurteile sei
"unsere erste Bürgerpflicht" und "die größte Ehre, die wie dem Andenken" an
den berühmten Führer der Bürgerrechtsbewegung erweisen können.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation im Wortlaut.

Wir begehen einen gesetzlichen Feiertag zum Gedenken an den Geburtstag
des
Baptistenpfarrers
Dr. Martin
Luther King Jr. und würdigen damit
ein Leben, das dem Kampf für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit gewidmet war. Mit Entschlossenheit, Mut
und großem Engagement für Gewaltlosigkeit setzte sich Dr. King dafür
ein, alle Menschen im ganzen Land von
den "Fesseln der Rassentrennung und
den Ketten der Diskrimierung" zu befreien.
Martin Luther King Jr. liebte sein
Land und glaubte fest an die in der
Unabhängigkeitserklärung niedergelegten beständigen Ideale:
"Folgende
Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich:
daß
alle
Menschen
gleich geschaffen sind, daß sie von

ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind,
daß dazu Leben, Freiheit und das
Streben nach Glück gehören."
Wohl
wissend, daß ein "geteiltes Haus
nicht standfest ist", widmete King
sein Leben dem Streben nach Aufhebung
der Rassentrennung und Verwirklichung
der Gleichberechtigung in den Vereinigten Staaten. Seiner Ansicht nach
ist unser Land vom richtigen Kurs,
wie er in unserer Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung niedergelegt ist, abgewichen. Er war entschlossen, darüber zu wachen, daß
Amerika den dort verankerten Prinzipien treu bleibt.
In Worten und Taten erinnerte Martin
Luther King Jr. alle Amerikaner an
die von Abraham Lincoln 1858 ausge-

�sprochene eindringliche Warnung an
die Bürger von Edwardsville (Illinois) vor den tragischen Konsequenzen, die eine weitere Billigung der
Sklaverei für die Vereinigten Staaten
haben könnte. Präsident Lincoln wußte - wie viele berühmte Amerikaner
vor ihm -, daß die Stärke unseres
Landes auf der Überzeugung beruht,
daß jedes Individuum von unschätzbaren Wert ist und die einzige Legitimation einer Regierung im Schutz der
gottgegebenen Rechte des Menschen besteht.
"Wenn diese Gesinnung zerstört wird," warnte Lincoln, "wird
damit die Saat der Tyrannei vor unserer eigenen Tür gesät. Wenn man sich
mit den Ketten der Knechtschaft vertraut macht, bereitet man seine Glieder darauf vor, sie zu tragen. Wenn
man gewohnt ist, die Rechte der anderen mit Füssen zu treten, hat man das
Talent
zur eigenen Unabhängigkeit
verloren und wird willkommenes Opfer
des ersten gerissenen Tyrannen, der
sich erhebt."
Ebenso wie Präsident Lincoln wußte
Martin Luther King, daß die Vereinigten Staaten kein großes freies Land
bleiben konnten, wenn den Menschen
ihre Rechte vorenthalten werden. Er
wußte, daß die amerikanische Verheißung von Freiheit und Gerechtigkeit
für alle Menschen im wunderbaren Plan
unseres Schöpfers angelegt ist, und
er wußte, daß diese Verheißung nicht
durch Bigotterie und Diskriminierung
entstellt werden darf.

Charakter
beurteilt wird", müssen
wir "weiterhin an der Aufhebung der
Rassentrennung und Verwirklichung der
Gleichberechtigung in den Vereinigten
Staaten arbeiten. Das ist unsere erste Bürgerpflicht - und die größte
Ehre, die wir dem Andenken an Dr.
Martin Luther King Jr. erweisen können.
Per Gesetz 98-144 ist der dritte Montag im Januar jedes Jahres ein gesetzlicher Feiertag zum Gedenken an
den Geburtstag von Martin Luther
King, Jr.
Aufgrund dessen erkläre ich, George
Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der mir von
der Verfassung und dem Gesetz zugestandenen Autorität Montag, den 15.
Januar 1990 zum Gedenktag für Martin
Luther King Jr.
Unterzeichnet am 9. Tag des Januar,
im Jahre des Herrn 1990 und im 215.
Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
(unterzeichnet) George Bush

Dr. King erzählte uns von seinem
Traum. Heute erkennen wir, daß es
kein Traum, sondern eine Vision war.
Im Sinne des Sprichworts: "Ohne Vision geht das Volk zugrunde" legte
uns King seine Hoffnungen und Zukunftspläne dar. Er hatte das "gelobte Land" gesehen und gab uns den
Anstoß, es mit ihm gemeinsam zu erblicken.
Obwohl sich heute viele der dunkelsten "Wolken des Rassismus" verzogen
haben, obwohl der Tag nähergerückt
ist, an dem "der Mensch nicht nach
seiner Hautfarbe, sondern nach seinem
- 2 -

* * * * *

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      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 17.01.1990</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Panama&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger erläutert Anklage gegen Norlega&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des stellvertretenden Außenministers vor der OAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetischer Umweltplan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung zur Vereinbarung eines Kooperationsprogramms&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufforderung zur Drogenbekämpfung ergeht an alle Länder der Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Internationalen Suchtstoff-Kontrollamts&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Martin Luther King&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika muß vollständige Aufhebung der Rassentrennung verwirklichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bushs Proklamation zum Gedenktag an Martin Luther King&lt;/em&gt;</text>
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