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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

10. Januar 1990

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SICHERHEITSPOLITIK

Maresca: Prämissen der Vergangenheit müssen überprüft werden
Rede des Chefunterhändlers bei den VSBM-Verhandlungen

Die Zeit ist reif für Dialog über Militärdoktrinen
Broschüre der ACDA zum VSBM-Seminar

THEMENINDEX 1989

(Zweites Halbjahr)

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�S I C H E R H E I T S P O L I T I K
1

10. Januar 1989

MARESCA: PRÄMISSEN DER VERGANGENHEIT MÜSSEN ÜBERPRÜFT WERDEN
- Rede des Chefunterhändlers bei den VSBM-Verhandlungen HOUSTON - (AD) gen, Botschafter
Staaten und ihren
cherheitsbildende
Vergangenheit".

Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den VSBM-VerhandlunJohn Maresca, zufolge, basierten die von den Vereinigten
Verbündeten bei den Verhandlungen über Vertrauens- und SiMaßnahmen (VSBM) angeregten Vorschläge "auf Prämissen der

In einer am 4. Januar 1990 in der Texas A and M University gehaltenen Rede betonte Maresca, wie wichtig es sei, vertrauensbildende Maßnahmen in Zukunft
"über diese Prämissen" hinaus in ein "umfassenderes, flexibleres und weitreichenderes" Programm zu lenken. "Vertrauensbildung wird in den neunziger Jahren neue Herausforderungen bereithalten, die das Gleichgewicht zwischen Ost
und West nicht notwendigerweise berühren," erklärte Maresca.
Das vom 16. Januar bis 5. Februar 1990 in Wien unter der Schirmherrschaft der
VSBM geplante Seminar über Militärdoktrinen kann uns Maresca zufolge "für die
Pionierarbeit des Forums zur Vertrauensbildung Impulse geben, die in eine völlig neue Richtung weisen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Marescas Rede im Wortlaut.
Als dieses Plenum im vergangenen Jahr
zu Gesprächen über Vertrauensbildung
zusammentrat, verfolgten wir ein ganz
bestimmtes Ziel.
Dieses Ziel hat
seinen Ursprung in der Vergangenheit
und in der Gegenwart. Wir erörterten
die Ergebnisse der Stockholmer Konferenz sowie die Möglichkeiten, wie wir
bei den in Wien anlaufenden Verhandlungen über Vertrauensbildende Maßnahmen auf diesen Ergebnissen aufbauen könnten. Wir haben die später in
Wien vorgelegten Vorschläge und die
sich dabei möglicherweise ergebenden
Verbindungen vorweggenommen. Wir haben das Verhältnis des VSBM-Forums
von 35 Teilnehmerländern zum KSE-Forum mit 23 Mitgliedsstaaten angeschnitten und die Verbindungen zwischen
vertrauensbildende
Maßnahmen

und Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften.
Diese Gespräche waren angebracht,
sehr nützlich und trugen dazu bei,
daß alle Teilnehmer die in die Diskussion eingebrachten Ansätze verstanden.
Unsere Vorschläge wurden
bei Aufnahme der Verhandlungen im
vergangenen Frühjahr unterbreitet und
waren seither Gegenstand der Erörterungen. Es steht nunmehr außer Frage, daß es weite Bereiche gibt, in
denen ein Konsens möglich ist. Bei
einigen Vorschlägen, wie etwa vertrauensbildenden Maßnahmen bei unabhängigen Aktivitäten in der Luft oder
auf See wird unter Umständen keine
Übereinstimmung
zu erzielen sein.
Das bislang erzielte grundlegende Er-

�gebnis ist der sich abzeichnende Konsens über das Prinzip eines umfassenden
jährlichen
Informationsaustauschs, der von Ad-hoc-Inspektionen
begleitet sein und den Wahrheitsgehalt der gelieferten Informationen
verifizieren soll. Das scheint prinzipiell von allen Parteien akzeptiert
worden zu sein.
Darüber hinaus wurde vereinbart, ab
dem 16. Janaur 1990 ein dreiwöchiges
sicherheitspolitisches "Seminar" abzuhalten, an dem auch Stabschefs und
andere hochrangige Offiziere sowie
Vertreter des Verteidigungsministeriums teilnehmens sollen. Diese Teilnehmer werden ihre Politik und ihre
Doktrinen darlegen und sich gegenseitig zu Aspekten derjenigen Maßnahmen
befragen, die zu Zweifeln Anlaß geben. Das ist ein weiterer Vorstoß zu
einem relativ unerforschten Aspekt
militärischer Konfrontation, der aber
in diesem Forum mit 35 Teilnehmerstaaten die Tradition der Erforschung
neuer Bereiche der Rüstungskontrolle
fortführt. In diesem Fall werden wir
danach streben müssen, die Absichten
und Zielsetzungen der von uns beobachteten Streitkräfte zu verstehen die genaue Beurteilung ist das vielleicht schwierigste Element des Sicherheit spoli tischen Gleichgewichts.
Das Seminar ist ein ausgezeichneter
Prüfstein für das Hauptthema meiner
Ausführungen: Die Rolle der Vertrauensbildung in den neunziger Jahren,
einer Periode rapider Veränderungen
in Europa. Wie bereits im vergangenen Jahr möchte ich heute auch aus
persönlicher Sicht sprechen, und die
hier von mir vorgetragenen Gedanken
spiegeln nicht notwenigerweise die
Politik der Vereinigten Staaten wider.
Seit unseren Gesprächen in Houston im
vergangenen Jahr hat sich viel verändert. Die erste wichtige Veränderung
mit Auswirkungen auf die VSBM-Verhandlungen bestand in der Vorlage eines westlichen Vorschlags bei den
KSE-Verhandlungen, der Informationsaustausch in größerem Umfang und ein
System der Verifizierung vorsah. Im

letzten Jahr nahmen wir noch an, die
VSBM-Verhandlungen
wären
vor
den
KSE-Verhandlungen beendet. Aber angesichts von den Initiativen eines
Gipfeltreffens und eines NATO-Gipfels
ausgehenden Impulse ist die Wahrscheinlichkeit jetzt größer, daß das
KSE-Abkommen vor einer VSBM-Vereinbarung erzielt wird. Das ist natürlich
eine positive Entwicklung. Es bedeutet jedoch, daß der Hauptvorschlag
bei den VSBM-Verhandlungen beträchtlich an Bedeutung verliert.
All dies hat viele von uns zu der
Frage veranlaßt, worin die geeignete
Rolle für vertrauensbildende Verhandlungen zu einer Zeit besteht, in der
Rüstungskontrolle große Fortschritte
macht. Insbesondere fragen sich viele von uns bei den Verhandlungen, ob
alle Vorschläge, die derzeit auf dem
Wiener Verhandlungstisch liegen, entsprechend ihrer Pionierfunktion zu
mehr
Vertrauensbildung
beitragen,
oder ob das VSBM-Forum hinter den rapiden Fortschritten in den Bereichen
Sicherheit und Rüstungskontrolle zurückbleibt.
Die zweite bedeutende Entwicklung des
vergangenen Jahres mit Auswirkungen
auf die VSBM-Verhandlungen bestand
natürlich in den dramatischen Ereignissen in Osteuropa. Die Auswirkungen dieser Entwicklungen sind so umfassend, daß sie einer eingehenden
Analyse bedürfen.
Die erste Frage, die sich für die
VSBM-Verhandlungen durch die Ereignisse in Osteuropa stellt, ist eine
Erweiterung der Frage bezüglich ihrer
Rolle in Zeiten von Fortschritten bei
der Rüstungskontrolle: Worin besteht
die geeignete Rolle von Vertrauensbildung in Zeiten drastischer Veränderungen in Osteuropa? Traditionell
wurde Vertrauensbildung im Zusammenhang mit der Ost-West-Konfrontation
definiert, obwohl es immer klar war,
daß die VSBM-Verhandlungen nicht zwischen Blöcken stattfinden, sondern
vielmehr zwischen unabhängigen Ländern. Angesichts der raschen Veränderungen in Osteuropa muß die Frage

- 2 -

�heute lauten, ob Vertrauensbildung
die Aufgabe zukommt, Stabilität in
ganz Europa sicherzustellen, während
sich diese dramatischen Ereignisse
vollziehen. Dies würde natürlich eine umfassende Neuorientierung der
Verhandlungen und ihres bisherigen
Zwecks bedeuten. Wir müssen uns jedoch sehr sorgfältig überlegen, was
wir tun, damit es für die Zukunft von
Bedeutung ist.
Die Verantwortung, die wir übernehmen
sollten, könnte entschieden anders
als unsere derzeitigen Verhandlungen
gelagert sein.
Die Tradition der
Pionierarbeit
impliziert, daß das
VSBM-Forum sich eingehender mit den
durch die neuen Realitäten in Europa
stellenden umfassenderen Sicherheitsproblemen befassen sollte. Die Tatsache, daß vertrauensbildende Verhandlungen nicht
zwischen Blöcken
stattfinden bedeutet, daß wir besondere Fähigkeiten besitzen, etwas in
diesem Bereich zu tun, das zweifelsohne im Interesse aller Teilnehmerstaaten liegen sollte.
Eine andere Frage, die sich durch die
Entwicklungen in Osteuropa stellt,
lautet, ob Verhandlungen zwischen den
beiden
Militärblöcken
nach
einem
KSE-Abkommen wirklich weiterhin das
Hauptgewicht der konventionellen Rüstungskontrollbestrebungen in Europa
tragen können.
Innerhalb des Ostblocks scheinen einige Länder den Abzug der sowjetischen Streitkräfte von
ihrem Territorium zu verwirklichen.
Kann das Kräftegleichgewicht zwischen
NATO und Warschauer Pakt als Grundlage für Rüstungskontrollverhandlungen
gelten, wenn einige Länder auf der
einen Seite dieser Gleichung sich einer Konfrontation entziehen?
Wenn
die beiden Blöcke nicht länger als
echte Gesprächspartner in einer im
wesentlichen
bilateralen
Verhandlungsrunde
fungieren, welche Form
kann dann eingesetzt werden, um einen
Abbau der Rüstungen herbeizuführen?
Bietet die Form eines Forums von 35
Teilnehmerstaaten, mit der Bestimmung, daß jedes Land einzeln teilnimmt und sein auf Konsens gestützter

Entscheidungsprozeß eine Alternative?
Es dürfte in diesem Zusammenhang erwähnenswert sein, daß wir bei den
VSBM-Verhandlungen im vergangenen Monat die Unterbreitung eines gemeinsamen
französisch-ungarischen
Vorschlags über militärische Kontakte
erlebt haben. Es war der erste Vorschlag in der Geschichte der Rüstungskontrollverhandlungen, der gemeinsam von einem Mitglied des Warschauer Pakts und der NATO vorgelegt
wurde. Der Inhalt des Vorschlags war
natürlich weniger
interessant als
seine politische Bedeutung.
Diese
Entwicklung legt den Schluß nahe, daß
es in der Tat bestimmte Möglichkeiten
in einem nicht blockgebundenen Forum
gibt.
Eine dritte sich aus der gegenwärtigen Lage ergebende Frage betrifft die
allgemeine politische Rolle eines Sicherheit spoli tischen Verhandlungsprozesses mit 35 beteiligten Staaten in
einer Zeit raschen Wandels. Inwieweit ist ein solches Gremium für Gespräche über alle Seiten betreffende
Probleme nützlich?
Die Antwort auf
diese Frage wurde im Dezember offensichtlich, als die Ereignisse in Rumänien im VSBM-Forum zur übereinstimmendsten Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen führten, die wir
jemals bei einem KSZE-Treffen erlebt
haben. Sicherlich werden auch in Zukunft noch zahlreiche schwierige Momente auftreten, da die osteuropäischen Staaten ihre eigenen politischen Positionen noch definieren
müssen. Es mag sicherlich Entwicklungen geben, die das eine oder andere Land innerhalb des sich entwikkelnden
sicherheitspolitischen
Umfelds in Europa berücksichtigt wissen
möchte. Wir benötigen ein flexibles
Gremium mit Beteiligung aller europä-^
ischen Staaten sowie der Vereinigten
Staaten und Kandas, das bereitsteht,
um diesem Bedarf gerecht zu werden.
In dieser Hinsicht sind VSBM und KSE
nicht miteinander vergleichbar. Die
KSE muß einen Vertrag fertigstellen.
Das ist ihr Ziel. Die Verhandlungen

- 3-

�über Vertrauensbildung jedoch erreichen ihr Ziel teilweise schon durch
ihre bloße Existenz.
Das Bestehen
dieses Forums ist - wie das Seminar
über Militärdoktrinen - an sich bereits eine vertrauensbildende Maßnahme.
Die zur Diskussion stehenden
Maßnahmen sind weniger rigoros als
Rüstungsreduzierungen und lassen sich
deshalb leichter verwirklichen und
vereinbaren. Es mutet wie Ironie an,
daß gerade die relative Unkompliziertheit von Vereinbarungen und der
relative Mangel an Sicherheitsrisiken
diesen wesentlich politischeren Prozeß so bedeutsam machen, insbesondere
in der heutigen Zeit.
Gerade die
Tatsache
andauernder
Verhandlungen
über Vertrauensbildung trägt zur Stabilität bei.
Schließlich muß sich in der gegenwärtigen Lage die Frage stellen, ob Vertrauensbildung nicht einen flexibleren Ansatz in der Rüstungskontrolle
darstellt, der in einem immer mehr in
Fluß geratenden europäischen Umfeld
angebrachter wäre. Sicherlich wurden
die beiden Blöcke benötigt, um ein
Abkommen über gegenseitige ausgewogene Rüstungsreduzierungen zu erzielen.
Auch die Art von Rüstungsreduzierung,
wie sie auf der KSE zur Verhandlung
steht, wird weiterhin ein solches Forum erforderlich machen. Langfristig
könnte es jedoch wünschenswert sein,
durch Verhandlungen andere Ansätze
für die Sicherheit in einer Form zu
entwickeln, die der politischen Evolution mehr Freiraum einräumt als die
starre Formel von den beiden Blöcken.
Rüstungskontrolle ist nur ein Teil
der
allgemeinen
sicherheitspolitischen Lage in Europa. In einer umfassenderen Sichtweise hat Außenminister Baker erkannt, daß der Rahmen
des KSZE-Prozesses nun seinen Platz
als zentrale Institution für eine zusammenhängende und stabile Gesamtentwicklung der Beziehungen zwischen den
europäischen Staaten einnehmen muß.
Zweifelsohne bietet der in Helsinki
geschaffene
Rahmen
Vorteile:
Er
stellt die Rolle der Vereinigten
Staaten und Kanadas sicher, er grün-

det sich auf eine Reihe hervorragender
Prinzipien
zwischenstaatlichen
Verhaltens, er gestattet es den Militärbündnissen, eine wichtige aber begrenzte Rolle zu spielen, und durch
seinen eigenen, auf Konsens beruhenden Entscheidungsfindungsprozeß hat
er in der Vergangenheit wertvolle
Vereinbarungen hervorgebracht.
Ein
Rüstungskontrollprozeß innerhalb des
KSZE-Rahmens kann uns daher nur Vorteile bringen, und wir sollten ihn
deshalb nicht fürchten.
Vertrauensbildung wird in den neunziger Jahren neue Herausforderungen bereithalten, die das Gleichgewicht
zwischen Ost und West nicht notwendigerweise berühren. Das Seminar über
Militärdoktrinen könnte uns für die
Pionierarbeit des Forums zur Vertrauensbildung Impulse geben, die in eine
völlig neue Richtung weisen. So wird
zum Beispiel ein Tagesordnungspunkt
des Seminars die Militärhaushalte und
die militärische Haushaltsplanung betreffen.
Planung und Beschaffung
neuer Waffensysteme spiegeln die Absichten einer Regierung im militärischen Bereich wider, und natürlich
ist der Druck auf die Haushalte in
allen Industriestaaten eine treibende
Kraft für die Reduzierung der Verteidigungshaushalte. Wenn diese Fakten
in einer offeneren Atmosphäre behandelt werden könnten, um eine nüchternere Diskussion über nationale Pläne
und ein befriedigendes Niveau der Verifizierung zu ermöglichen, dann gibt
es allen Grund zu der Annahme, daß
das Ergebnis bedeutend zur Stabilität
und zur verantwortungsvollen Reduzierung der Militärausgaben beitragen
könnte. Es wäre zum Beispiel sicherlich billiger, sich im vorhinein darauf zu verständigen, neue Panzer
nicht zu entwickeln und zu beschaffen, als sie zu bauen und zu stationieren und danach über ihre Reduzierung und Beseitigung zu verhandeln.

- 4 -

Die grundsätzliche Frage im Hinblick
auf Vertrauensbildung lautet in den
neunziger Jahren: Welche Rolle, welche Funktion sollte die Vertrauensbildung in diesem neuen Zeitalter der

�Beziehungen in Europa erfüllen?
Bis
jetzt beruhten die in Wien vorgelegten Vorschläge auf den Annahmen der
Vergangenheit. Wir müssen über diese
Annahmen hinaus denken und den Weg zu
einem breiteren, flexibleren und umfassenderen
Vertrauen weisen, wenn
dieser Ansatz für Sicherheitsprobleme
in der Zukunft seine Bedeutung bewahren soll.

* * * * *

- 5 -

�S I C H E R H E I T S P O L I T I K
1

10. Januar 1990

DIE ZEIT IST REIF FÜR DIALOG ÜBER MILITÄRDOKTRINEN
- Broschüre der ACDA zum VSBM-Seminar -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von der amerikanischen
Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde (ACDA) am 3. Januar 1990 als Hintergrundmaterial für das vom 16. Januar bis 5. Februar 1990 in Wien anberaumte
Seminar über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) und Militärdoktrinen im Wortlaut.

Das Seminar über Militärdoktrinen
bei den Wiener Verhandlungen über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen (VSBM)
Geleitet von dem Entschluß, durch einen offenen und ehrlichen Gedankenaustausch zum besseren Verständnis
der militärischen Fähigkeiten und ihres Einsatzes zur Vertrauensbildung
beizutragen,
hat das Plenum beschlossen, ein Seminar über Militärdoktrinen zu veranstalten. Es wird integraler Bestandteil der Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen sein und vom 16. Januar bis 5.
Februar 1990 in Wien stattfinden.
Zweck

dieses Seminars ist, Gelegen-

heit zu Gesprächen über Militärdoktrinen in bezug auf Einsatzkonzept
sowie Struktur und Aktivitäten konventioneller Streitkräfte in der Zone
zu bieten. Andere Themen, die mit
Militärdoktrinen im Zusammenhang stehen und Auswirkungen auf die militärischen Fähigkeiten haben, könnten
ebenfalls erörtert werden.
Während
des
Seminars
wird
kein
Schlußbericht oder -dokument erarbeitet. Die Gespräche dienen als Hintergrundinformation für die Wiener
Verhandlungen.
Anhand der im Verlauf des Seminars
gewonnenen Erfahrungen könnte das
Plenum
geeignete
Schlußfolgerungen
ziehen.

�(Auszug aus dem Beschluß der Wiener
VSBM-Verhandlungen vom 20. Oktober.)
Die Zeit ist reif
Sicherheitspolitik

die Streitkräftestruktur im Zusammenhang mit Maßnahmen, Ausbildungsmustern und dem Militärhaushalt konzentrieren.

für Dialog über

Die dramatischen Ereignisse des vergangenen Jahres in Osteuropa waren
unvorhersehbar. Das sicherheitspolitische Gefüge, das uns in den letzten
vierzig Jahren so vertraut geworden
ist, wird heute täglich erneut in
Frage gestellt und eine Prognose der
Ereignisse zunehmend erschwert.
Es ist nicht gewährleistet, daß wir
in diesem Jahr die Zukunft besser als
im vergangenen prognostizieren können. Wir müssen jedoch den Veränderungen in Osteuropa bei dem Versuch
Rechnung tragen, Sicherheit und Stabilität auf dem gesamten Kontinent zu
garantieren. Mehr denn je zuvor müssen wir solide neue Ansätze zum Problem der europäischen Sicherheit finden.
Dem Seminar über Militärdoktrinen
kommt in diesem Prozeß eine entscheidende Rolle zu. Es soll zum besseren
Verständnis der Absichten beitragen,
die der Streitkräftestruktur und den
Aktivtäten zugrunde liegen.
Dieses
Element des militärischen Gleichgewichts
bildet
offensichtlich
das
Kernstück für gegenseitiges Vertrauen
- war bisher jedoch äußerst schwierig
in den Griff zu bekommen. In Ermangelung
vollständiger
militärischer
Offenheit haben wir schlicht und einfach keine verläßliche Handhabe, um
die Motivationen einzuschätzen, von
denen die Streitkräfte geleitet sind.
Die Veranstaltung eines "Seminars"
über Sicherheitspolitik ist ein weiteres Wagnis auf dem relativ unerschlossenen Weg zur Lösung der Sicherheitsprobleme und
stellt eine
Fortführung der Pionierarbeit dar,
die bei den vertrauensbildenden Gesprächen der 35 Nationen geleistet
wurde. Die Tagesordnung wird das gesamte Spektrum der Sicherheitspolitik
umfassen, sich jedoch besonders auf

Persönliche Gespräche können durch
nichts ersetzt werden. Sie sind der
beste Weg, um Zweifel auszuräumen und
Antworten zu erhalten, Mißtrauen zu
zersteuen und Verständnis für die Absichten eines jeden Landes aufzubauen.
Das "Seminar" ist keine Verhandlungsrunde, und wir erwarten keine spezifischen Ergebnisse, aber ein
solcher Dialog ist zu diesem Zeitpunkt in der europäischen Geschichte
unabdingbar.
Zu einer Zeit, in der sich die Ereignisse schneller überschlagen, als man
sich je hätte träumen lassen, brauchen wir derartige Gespräche. Ohne
sie werden unsere Rüstungskontrollbestrebungen höchstwahrscheinlich nicht
mit dem politischen Wandel Schritt
halten können und nicht den Beitrag
zu Sicherheit und Stabilität leisten,
den die Menschen weltweit erwarten.
Leiter der amerikanischen Delegation
bei den VSBM-Verhandlungen ist John
J. Maresca.
Hintergrund:
Vertrauens- und
cherheit sbildende Maßnahmen in
KSZE

Sider

Am 1. August 1975 haben 33 Länder Europas, die Vereinigten Staaten und
Kanada in Helsinki das Schlußdokument
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) - die
sogenannte Schlußakte von Helsinki unterzeichnet.
Die Schlußakte von
Helsinki liefert den 35 Teilnehmerstaaten ein dauerhaftes Rahmenwerk,
um in den Bereichen gegenseitige Sicherheit,
Wirtschaftsbeziehungen,
fundamentale
Menschenrechte
und
Grundfreiheiten ausgewogene und angemessene Fortschritte
zu erzielen.
Sie enthält eine Reihe vertrauensbildender Maßnahmen, mit denen einzelne
Länder ermutigt werden, sich gegenseitig über in Europa zu Lande statt-

- 2 -

�findende militärische Aktivitäten zu
benachrichtigen und Beobachter dazu
einzuladen.
Die Verhandlungen vlber Vertrauensund
Sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSBM) sind integraler Bestandteil
der KSZE und haben seither diese Rolle des Wegbereiters in der Rüstungskontrolle übernommen.
Bei Abschluß
eines KSZE-Folgetreffens in Madrid
1983 haben die 35 Länder vereinbart,
VSBM für ganz Europa auszuhandeln.
Dieser Bereich wurde bei den VSBMVerhandlungen in Stockholm und den
laufenden Wiener VSBM-Verhandlungen
abgedeckt. Damit wird ein Präzedenzfall für das bei den ebenfalls in
Wien
stattfindenden
Verhandlungen
über konventionelle Streitkräfte in
Europa erörterte Gebiet vom Atlantik
bis zum Ural geschaffen. In Stockholm hatten die Teilnehmerstaaten ein
wichtiges neues Recht auf Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, das ein nützlicher Vorläufer für das INF-Verifizierungssystem war. Das Stockholmer
VSBM-Dokument ist das einzige in jüngerer Zeit ausgehandelte heute in Europa gültige Abkommen zur konventionellen Rüstungskontrolle.
Die VSBM-Verhandlungen wurden am 9.
März 1989 in Wien wieder aufgenommen.
Die Länder des Westens und Ostens sowie die neutralen/blockfreien Staaten
haben formelle Vorschläge unterbreitet. Die westlichen Länder schlugen
unter anderem Gespräche über Militärdoktrinen und Sicherheitspolitik "im
Stil von Seminaren" vor. Dieser Vorschlag wurde am 20. Oktober 1989 angenommen und damit eine weitere interessante und bahnbrechende Arbeit
eingeleitet.
Andere
Aspekte
des
westlichen Vorschlags, wie etwa einen
jährlichen Austausch von Informationen über Streitkräfte in Europa und
damit einhergehende Bewertungsmaßnahmen werden weitgehend unterstützt.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß
das Seminar über Militärdoktrinen zum
Erfolg der VSBM-Verhandlungen beitragen wird.

Hintergrund: Das Seminar über Militärdoktrinen
Die im Stil von Seminaren durchgeführten Gespräche über Militärdoktrinen stellen das erste offizielle Zusammentreffen hochrangiger Offziere
aus Europa, den Vereinigten Staaten
und Kanada zu einem solchen Austausch
dar.
Das ursprüngliche Konzept eines sicherheitspolitischen Dialogs geht auf
die Empfehlungen von Wissenschaftlern
aus Ost und West zurück. Ihre Ideen
wurden 1987 in einem Kommunique des
Warschauer Pakts aufgegriffen, in dem
ein Vergleich der Doktrinen beider
Bündnisse angeregt wurde.
Der Westen hat diese Ideen konkretisiert.
Bei Aufnahme der VSBM-Verhandlungen im März 1989 unterbreiteten alle 16 Mitglieder des Atlantischen Bündnisses den Vorschlag für
einen freien und offenen Ideenaustausch, mit dem Mißverständnisse über
die konventionellen Fähigkeiten ausgeräumt werden sollen.
Die osteuropäischen und die neutralen/blockfreien Länder haben diesen
Vorschlag für ein Seminar einhellig
unterstützt. Der westliche Vorschlag
hatte alle 35 Teilnehmerländer aufgefordert, im Stil eines Seminars die
Militärdoktrin im Hinblick auf das
Einsatzkonzept und die Struktur konventioneller Streitkräfte in Europa
zu erörtern, unter Einbeziehung von:
"Informationsaustausch über jährliche
Militärausgaben,
Informationsaustausch
über
die
Ausbildung
der
Streitkräfte mit Verweis auf militärische Handbücher, Bemühungen um Klärung von Entwicklungen, die Anlaß zu
Zweifeln bieten, wie etwa Veränderungen bei der Anzahl und dem Umfang angekündigter militärischer Aktivitäten.
Der Westen bemühte sich um rasche
Vereinbarungen zur Gestaltung und Tagesordnung für die Gespräche, damit
diese im Januar 1990 abgehalten werden konnten. Der Zielsetzung zufolge

- 3 -

�sollte das Seminar beizeiten zum Verhandlungsprozeß beitragen und das bei
den
VSBM-Verhandlungen
besprochene
Material ergänzen. Die 35 Teilnehmerstaaten stimmten der Tagesordnung
und dem Ablauf des Seminars im Oktober 1989 zu.
Das Seminar über Militärdoktrinen
wird vom 16. Januar bis 5. Februar
1990 in Wien stattfinden.

4.

AbSchlußerklärungen.

5.

Ende des Seminars.

(5. Februar)
(5. Februar)

(Auszug aus dem Beschluß der Wiener
VSBM-Konferenz vom 20. Oktober 1989.)

Die wichtigsten
nigten Staaten
General Colin
nungspunkt 2)

Sprecher der Verei-

L.

Powell

(Tagesord-

Tagesordnung
1. Eröffnung des Seminars durch den
Vorsitzenden. (16. Januar)
2.
Vorträge und Diskussionen über
Militärdoktrinen oder ähnliche Konzepte der Teilnehmerstaaten vor dem
Hintergrund ihrer Sicherheitspolitik
gemäß dem oben dargelegten Zweck des
Seminars. Dazu können auch geplante
Veränderungen in den Militärdoktrinen
gehören. Bei den Vorträgen wird der
Definition der verwendeten Terminologie
besondere
Aufmerksamkeit
geschenkt. (16. - 19. Januar)
3. In diesem Kontext wird die Diskussion über Militärdoktrinen oder
ähnliche Konzepte unter Berücksichtigung der folgenden Themenkreise geführt werden:
3A. Einsatzkonzept und Streitkräftestrukturen
(darunter
Organisation,
Führungsstrukturen,
Stationierung,
Unterstützungssysteme,
Mannschaftsstärke, Bewaffung und Ausrüstung, Bereitschaftsgrad, Beschaffungspläne).
(22. - 26. Januar)
3B.
Militärische Aktivitäten und
Ausbildung (darunter Manöver, Ausbildung von Soldaten, Benutzung einschlägiger Militärhandbücher). (29.
- 31. Januar).
3C.
Militärische Finanz- und Haushaltsplanung (einschließlich Aufstellung und Ansatz in den nationalen Gesamthaushalten,
Mittelzuweisung).
(31. Januar - 2. Februar)

Als
Vorsitzender
der
Vereinigten
Stabschefs ist General Powell der
wichtigste militärische Berater des
Präsidenten, des Verteidigungsministers und des Nationalen Sicherheitsrates. Von Januar 1987 bis Januar
1989 war er stellvertretender Referent und danach Referent des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit. General Powell hatte zuvor
Kommandos in Europa sowie auf jeder
Ebene der Armee inne. Aufgrund seiner breitgefächerten Erfahrung ist er
mit allen Aspekten der amerikanischen
Militär- und nationalen Sicherheitspolitik vertraut.

Generalmajor John D. Robinson (Tagesordnungspunkt 3A)
Generalmajor Robinson leitet das für
Streitkräftestruktur,
Mittelplanung
und Auswertung zuständige Direktorat
des Vereinigten Stabes.
Er diente
über 27 Jahre im Heer als Offizier
der Heeresfliegertruppe und begann
seine Laufbahn als Kampfflieger in
der 3. Panzerdivision des amerikanischen Heeres in Europa.
Von Juni
1986 bis Juli 1988 war er Kommandeur
des U.S. Army Training and Doctrine
Analysis Command in Fort Leavenworth
(Kansas).

Generalleutnant Edwin S. Leland, Jr.
(Tagesordnungspunkt 3B)
Generalleutnant Leland ist Stabschef
des European Command, das die Gesamtverantwortung für alle Ausbildungs-

�und Übungsmaßnahmen der amerikanischen Streitkräfte in Europa trägt.
Er diente über 27 Jahre im amerikanischen Heer als Offizier der Panzertruppe. Im Jahr 1974 erhielt er sein
erstes Kommando in Europa. Von Juli
1986 bis Juli 1988 war er kommandierender General der 1. Panzerdivision
des US-Heeres in Europa.
Dr. David
punkt 3C)

S.C.

Chu

(Tagesordnungs-

Dr. Chu ist seit 1981 Abteilungsleiter für Programmanalyse und -auswertung im US-Verteidigungsministerium.
Er ist für die Koordinierung und
Durchführung einer umfassenden Überprüfung von Programmvorschlägen zuständig, die von den vier Teilstreitkräften und militärischen Dienststellen unterbreitet wurden. Ferner ist
er für die Entwicklung von Alternativvorschlägen
verantwortlich,
die
dem Verteidigungsminister als Entscheidungshilfe dienen sollen. Dr.
Chu war von 1978 - 1981 stellvertretender Direktor für nationale Sicherheit und internationale Angelegenheiten im Haushaltsbüro des Kongresses.
Von 1970 bis 1978 war er für die Rand
Corporation tätig.

* * * * *

- 5 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (2. Halbjahr 1989)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im AMERIKA DIENST (2.
Halbjahr 1988) erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die
wichtigsten Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe,
in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Ost-West-Beziehungen,
sicherheitspolitische Themen
Ost-West-Beziehungen
Rüstungskontrolle allgemein
Nukleare Streitkräfte
Konventionelle Streitkräfte
Biologische Waffen
Chemische Waffen
NATO
KSE
KSZE
VSBM
START
NST
Gipfel vor Malta

36,
31,
29
27
35
34,
27,
34
45
34
29,
30,
42,

38, 39, 42, 43, 44, 46
35, 36, 39, 41, 46

35, 36, 37
38

30, 36
42
43, 44

Amerikanisch-europäische
Beziehungen
Westliche Sicherheit - Die USA und
ihre NATO-Partner
Bush zum 28. Jahrestag des Mauerbaus
Bush/Proklamation und Ansprache zum Tag
der Deutsch-Amerikaner
Baker/Berliner Rede vom 12. 12. 89

30
31
37
45

Vereinigte Staaten
Nationale Energiestrategie
Nationale Sicherheitsstrategie
Eagleburger/Die amerikanische
Wi rt schaft/Handel/Finanzen
Sozialwesen in den USA
Pro-Kopf-Einkommen

29
45
35
35, 40, 42, 43
37, 38, 39, 40
39

Porträts
Colin Powell, Vorsitzender der
Vereinigten Stabschefs

31

�Internationale Probleme
Menschenrechte
Nicaragua
Kambodscha
Polen
Ungarn
Drogen
Umweltschutz
Weltwirtschaftsgipfel Paris
Zwei Weltkriege und ihre Lehren,
von Paul H. Nitze
Regionale Fragen

45
28
29
33, 36, 40, 43, 44
44
31, 34, 45
27, 28, 36, 40, 41
27
33
36

Wissenschaft und Technik
Shuttle-Flüge
Weltraum
Apollo - 20. Jahrestag
Forschung
Kernenergie

k

39
&gt;
28
27
30

28

29

&gt;

33

�REDEN DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS
VERNON A. WALTERS
Nr. 40, 1. November 1989
Amerikanische Präsenz in Europa im Zeitalter von Glasnost und
Perestrojka
- Rede vor der Gesellschaft für Auslandskunde, 30. Oktober 1989 Nr. 46, 20. Dezember 1989
Partnerschaft und Wettbewerb; Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Gemeinschaft
Rede vor dem Industrie-Club e.V., dem Harvard Club Rhein-Ruhr und der
Deutsch-Amerikanischen Vereinigung Steuben-Schurz in Düsseldorf, 5.
Dezember 1989

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              <text>&lt;strong&gt;1. Sicherheitspolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maresca: Prämissen der Vergangenheit müssen überprüft werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Chefunterhändlers bei den VSBM-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zeit ist reif für Dialog über Militärdoktrinen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Broschüre der ACDA zum VSBM-Seminar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Themenindex 1989&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; (Zweites Halbjahr)&lt;/em&gt;</text>
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