<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2125" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2125?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T02:15:46+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2136">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8d364d39b6fac5dde88dcfca5768411a.pdf</src>
      <authentication>38af7298ba7763187ac0051c3fb64da2</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10729">
                  <text>20. Dezember 1989

46

INHALT
DOKUMENTATION
Partnerschaft und Wettbewerb: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten von Amerika und der europäischen Gemeinschaft
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -

Baker: Der Westen muß den Wandel In ganz Osteuropa unterstützen
- Rede des US-Außenministers in Brüssel -

Den Worten der Vereinigten Staaten werden in Osteuropa Taten folgen
- von Robert Mosbacher -

HINTERGRUND
Offene Himmel
- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�^° s ^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

&amp;

20. Dezember 1989

46

PARTNERSCHAFT UND WETTBEWERB:
DIE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN VEREINIGTEN STAATEN
VON AMERIKA UND DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -

(AD) - In einer Ansprache vor dem Industrie-Club e.V., dem Harvard Club RheinRuhr und der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung Steuben-Schurz in Düsseldorf
gab Botschafter Walters am 5. Dezember 1989 einen historischen Rückblick und
bekräftigte erneut das Engagement der Vereinigten Staaten für den europäischen
Integrationsprozeß. Darüber hinaus verwies er auf die besondere Bedeutung der
Uruguay-Runde des GATT. Walters zufolge "waren und sind Amerikaner und Europäer in diesen Konferenzen Partner in dem Bestreben, den Welthandel effektiver
zu gestalten." Sie seien aber auch Kontrahenten, wenn es um politisch brisante Teilbereiche wie beispielsweise Subventionen für die Landwirtschaft geht.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Walters im Wortlaut.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich sehr über die Gelegenheit, heute abend zu Ihnen sprechen
zu können.
Mir wurde gesagt, daß
bisher jeder amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland
einen Vortrag in Düsseldorf gehalten
hat, und es ist mir daher eine besondere Ehre, diese Tradition fortzusetzen. Ich weiß es auch zu schätzen,
mit welchem Engagement der Düsseldorfer Industrie-Club, der Harvard Club
mxd die Deutsch-Amerikanische Vereinigung Steuben-Schurz für einen regen
Gedankenaustausch und eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Deutschen
und Amerikanern eintreten.
Aber dieser Besuch in Düsseldorf
bringt auch persönliche Erinnerungen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zurück. Erinnerungen, die in engem
und lebhaftem Bezug zum Thema meines
Vortrags stehen.
Im Jahre 1948 kam ich als Mitarbeiter
von Avereil Harriman nach Europa.
Harriman war damals Sonderbeauftragter unserer Regierung für den Wiederaufbau dieses Kontinents. Ich kam in
Bremerhaven an, und auf dem Weg nach
Paris fuhr ich auch durch diese Region.
Ich war erschüttert über das
Ausmaß der Zerstörung und Verwüstung.
Angesichts der Ruinen und der Not
konnte ich mir damals nicht vorstellen, daß ein Wiederaufbau Europas
noch zu meinen Lebzeiten möglich wäre.
Damals stand ich als junger amerikanischer Offizier inmitten zerbombter
und ausgebrannter Städte; heute

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einundvierzig Jahre später - bin ich
Botschafter meines Landes in einem
der wohlhabendsten Staaten dieser Erde. Damals waren gerade drei Jahre
vergangen seit eines der unmenschlichsten Regime in der Geschichte unterging; heute ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer
Staat und ein geschätztes Mitglied
der Gemeinschaft freier Völker. Gerade drei Jahre waren vergangen, daß
europäische
Nationen
gegeneinander
Krieg führten;
heute bilden die
Staaten Westeuropas eine immer enger
werdende wirtschaftliche und politische Gemeinschaft. Amerikaner und
Westeuropäer
sind
Verbündete
und
Partner. Dieses Bündnis basiert auf
gemeinsamen Werten, wie Demokratie,
Volkssouveränität und der Achtung der
Menschen- und Bürgerrechte. Wir können mit Stolz auf vierzig Jahre Frieden und Prosperität in diesem Teil
der Erde zurückblicken.
Eine wesentliche Grundlage für diese
Entwicklung war sicherlich der rasche
Wiederaufbau der desolaten Wirtschaft
in Europa nach dem Kriege. Dies wurde erreicht aufgrund des Willens und
der Schaffenskraft der europäischen
Völker, ihren zerstörten Kontinent
wieder aufzubauen und in Freiheit zu
leben. Ich erinnere mich an eine Begebenheit mit Harriman in der zerstörten Stadt Essen. Nach einem Besuch bei einer Familie, die in einem
Keller zwischen Trümmern lebte, fragte ich ihn: "Glauben Sie, daß man
diese Stadt jemals wieder aufbauen
kann?" Er sagte: "Haben Sie gesehen, was auf dem Tisch in diesem Keller stand?"
"Ja", erwiderte ich,
"eine Vase mit Blumen." "Nun", meinte er, "ein Volk, das inmitten dieser
Verwüstung Blumen auf dem Tisch hat,
kann auf diesen Ruinen etwas Neues
errichten." Wie viele meiner Landsleute bin ich wirklich beeindruckt
von der Leistung der Unternehmer und
Arbeitnehmer dieses Landes.
Einen weiteren Grund für die politische Neugestaltung und die schnelle
wirtschaftliche Gesundung der Alten
Welt sehe ich darin, daß diese Nach-

kriegsjahre für mich eine "Zeit der
Giganten" war. Jean Monnet, Robert
Schuman, Aleide de Gasperi, Paul
Henri Spaak und Konrad Adenauer waren
Männer mit Vision und Tatkraft. Sie
legten das Fundament für das moderne
Europa und die engen transatlantischen Beziehungen.
Gemeinsam schufen wir nach dem Zweiten Weltkrieg die politischen und
wirtschaftlichen Grundlagen für ein
enges und freundschaftliches Verhältnis zwischen der Alten und der Neuen
Welt. Natürlich trug dazu auch der
Beitrag meines Landes zum Wiederaufbau Europas bei. Bundeskanzler Kohl
sagte anläßlich des Besuchs von Präsident Bush im Mai dieses Jahres:
"Amerikas tiefe demokratische Überzeugung und politische Weitsicht haben damals entscheidend den Weg zur
Gründung unseres Staates geebnet.
Uns werden die großartige Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit in jener düsteren Nachkriegszeit immer in
Erinnerung bleiben." Ich glaube, es
ist einmalig in der Geschichte, daß
eine Siegermacht, die Tausende von
Männern auf dem Schlachtfeld verloren
hat, die Wirtschaft des Kriegsgegners
mit enormem Einsatz wieder aufbauen
hilft.
Unsere Soldaten sind durch halb Europa marschiert; wir hatten Deutschland
besetzt. Wir waren hier und fühlten
uns mitverantwortlich, eine stabile
Friedensordnung in Europa zu schaffen. Wir waren der Überzeugung, daß
wir sowohl die politischen als auch
die wirtschaftlichen Voraussetzungen
schaffen müßten, um einen erneuten
"Bürgerkrieg
der
Europäer",
wie
Churchill einmal sagte, zu verhindern. Aus diesen Überlegungen, aber
auch aus Gründen der Humanität angesichts der Not und des Elends, entschloß sich die Regierung Truman zu
einem Wiederaufbauprogramm, das ohnegleichen ist.
Von 1948 bis 1952 betrug die amerikanische Wirtschaftshilfe für Europa
rund 13 Milliarden Dollar.
Diese
Summe entsprach während dieses Zeit-

�raums jährlich zwischen fünf und zehn
Prozent des amerikanischen Bundeshaushalts oder zwei Prozent unseres
Bruttosozialprodukts.
Diese Unterstützung ermöglichte es den Europäern, die Produktion in vielen Bereichen wiederaufzunehmen und zu erweitern. Die eintretende positive Wirtschaf tsentwicklung erhöhte sowohl die
Akzeptanz der marktwirtschaftlichen
Ordnung als auch der demokratischen
politischen Systeme in Westeuropa.
In Anbetracht des Hegemonialstrebens
der Sowjetunion war es außerdem erforderlich, unsere Verteidigungsanstrengungen auf feste politische und
wirtschaftliche Grundlagen zu stellen.
Jedoch schon während des Krieges war
den Verantwortlichen klar, daß sich
die Fehler der Wirtschaftspolitik der
dreißiger Jahre nicht wiederholen
durften. Wirtschaftlicher Isolationismus und Nationalismus haben die
Wirtschaftskrisen zwischen den beiden
Kriegen verschärft und den Aufstieg
des Nationalsozialismus in Deutschland zumindest begünstigt. Maßnahmen, die zum Schutz der heimischen
Wirtschaft beabsichtigt waren, erwiesen sich als Bumerang.
Errichtete
eine Nation Importbarrieren, so folgten andere auf dem Fuß. Wertete ein
Land seine Währung ab, um für seine
Industrie Vorteile zu erzielen, so
folgten andere auf dem Weg in die Deflation mit unzähligen Firmenzusammenbrüchen und Massenarbeitslosigkeit.
Die Erfahrung der Zeit zwischen den
Kriegen hat gezeigt, daß Protektionismus und fehlende internationale
Abstimmung in wesentlichen Währungsfragen die gesamte Weltwirtschaft ins
Chaos stürzt. Es wurde deutlich, daß
Zusammenarbeit zwischen den Nationen
und supranationale Institutionen notwendig sind, um Stabilität und Berechenbarkeit im Währungsbereich und im
Welthandel zu erzielen. Ferner waren
wir damals wie heute davon überzeugt,
daß ein offenes Welthandelssystem eine
wesentliche
Voraussetzung
für
wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand ist. Gleichberechtigter Zugang
zu Rohstoffen und Märkten, sowie

Wettbewerb unter den Anbietern sind
Garanten für effizientes Wirtschaften
und Prosperität.
Ich glaube, die
Entwicklung der letzten vierzig Jahre
hat diese These bestätigt.
Mit dem Abkommen von Bretton Woods im
Juli 1944 legten 44 Staaten das Fundament für die Nachkriegswirtschaft.
Das
internationale
Währungssystem
wurde geordnet, Weltbank und Internationaler Währungsfonds gegründet. Am
1. Januar 1948 trat das Allgemeine
Zoll- und Handelsabkommen in Kraft
mit dem Ziel, den Welthandel zu liberalisieren. In der Zwischenzeit wurde dieses Abkommen durch mehrere Konferenzrunden erweitert. Wie Sie wissen, befinden wir uns gegenwärtig in
der sogenannten GATT Uruguay-Runde,
benannt nach dem Land, in dem diese
Verhandlungsrunde vereinbart wurde.
In diesen Konferenzen waren und sind
Amerikaner und Europäer Partner in
dem Bestreben, den Welthandel effektiver zu gestalten. Sie sind aber
auch Kontrahenten, wenn es darum
geht, gewisse für den einzelnen politisch brisante Teilbereiche vom freien Welthandel auszuklammern.
Die Marshallplanhilfe, ein reformiertes Weltwährungssystem und relativ
offene Märkte in Europa und den Vereinigten Staaten führten bald zu einem regen internationalen Warenaustausch. Häufig hört man, die Wiederaufbauhilfe sollte der amerikanischen
Industrie Absatzmärkte in Europa erschließen. Ganz sicherlich sahen eine Reihe unserer Firmen Chancen in
Europa. Aber andererseits gilt es zu
bedenken, daß der große heimische
Markt unseren Unternehmen hervorragende Möglichkeiten im eigenen Lande
bot.
Ich glaube, damals wie heute war es
ein Geben und Nehmen. Amerikanische
Firmen brachten nach dem Kriege Maschinen und technisches Wissen nach
Europa.
Mit amerikanischen Fertigungsmaschinen produzierten europäische Unternehmen auch bald für unseren Markt. Auf jeden Fall entstanden
in jenen Jahren vielfältige und enge

�Handelsbeziehungen und geschäftliche
Kontakte. Sie bildeten ein Fundament
nicht nur für die beispiellose wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch
für die transatlantischen Beziehungen
insgesamt.
Die amerikanische Wiederaufbauhilfe
hatte eine weitere bedeutende Funktion: sie brachte ehemalige Kriegsgegner zusammen.
Es war nicht unser
Ziel, von Amerika aus Finanzhilfe in
die einzelnen europäischen Länder zu
vergeben.
Vielmehr betonte General
Marshall, daß der Wiederaufbau eine
gemeinsame Aufgabe der Europäer sei,
die wir tatkräftig unterstützten.
Wir arbeiteten gemeinsam mit Vertretern der europäischen Länder an der
Durchführung des Marshallplanes. Die
Mitarbeit im Ausschuß für Europäische
Wirtschaftliche
Zusammenarbeit
und
später in der OEEC trug wesentlich zu
einer Annäherung zwischen Deutschen
und Franzosen bei. Diese Zusammenarbeit war ein Grundstein für den weiteren Integrationsprozeß in Westeuropa.
Wir Amerikaner befürworteten stets
eine europäische Einigung. Wir handelten nach dem Zweiten Weltkrieg
nicht nach dem Motto "teile und herrsche", sondern wir wollten ein einiges, starkes Europa. Im Jahre 1947
war beispielsweise der spätere amerikanische Außenminister John Foster
Dulles einer derjenigen, die für eine
Föderation europäischer Staaten plädierte.
"Europe must federate or
perish", warnte er, "Europa muß sich
zusammenschließen oder es wird untergehen." Wir waren der Überzeugung,
daß Kleinstaaterei und Kirchturmspolitik nicht nur den europäischen Aufbauprozeß behindern, sondern auch der
kommunistischen Expansionspolitik Türen öffnen würde.
Wir ermutigten und unterstützten die
beteiligten Länder bei der Gründung
der Europäischen Gemeinschaft für
Kohle und Stahl am 18. April 1951.
Ebenso begrüßten wir die Schaffung
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit den Römischen Verträgen

sechs Jahre später.
Alle amerikanischen Präsidenten seit
dem Zweiten Weltkrieg legten großen
Wert und große Hoffnung auf eine enge
Partnerschaft mit einem geeinten Europa.
In einer Ansprache an der
Boston University am 19. Mai wiederholte Präsident Bush, was auch seine
Vorgänger schon betont hatten: "Ein
starkes, geeintes Europa bedeutet ein
starkes Amerika." Für meine Regierung ist und bleibt eine enge Kooperation mit Westeuropa von fundamentalem Interesse.
Es ist interessant sich zu erinnern,
daß die transatlantische Debatte um
die Schaffung der EWG ähnlich verlief
wie die Diskussion um die Errichtung
des Europäischen Binnenmarktes zum 1.
Januar 1993. Damals wie heute wollten wir eine Blockbildung wie in den
dreißiger Jahren verhindern. Damals
wie heute ging es um Fragen wie Handels- und Investitionsbarrieren gegenüber Unternehmen, die ihren Sitz
außerhalb der Gemeinschaft haben.
Wir sind bereits in den vierziger
Jahren für den freien Welthandel eingetreten und wollten in den folgenden
Jahrzehnten unsere Bemühungen fortsetzen, Hindernisse im Waren- und Kapitalverkehr
zu beseitigen.
Die
sechs EWG-Mitgliedstaaten waren aber
in ihrer Gründungsphase erst einmal
dabei, innerhalb der Gemeinschaft die
Bedingungen für einen Zollabbau zu
schaffen.
Gegenüber einer weiteren
Liberalisierung verhielten sie sich
sehr zurückhaltend.
Aus politischen Gründen waren wir bemüht, den Weg für einen erfolgreichen
Einigungsprozeß zu ebnen.
Außerdem
erzielten wir in jenen Jahren mit
Westeuropa einen hohen Handelsüberschuß. Daher nahmen wir einiges in
Kauf, was nicht unseren Prinzipien
des fairen Wettbewerbs und des offenen Marktes entsprach. Dazu gehörte
das agrarpolitische Konzept der EWG,
das schon damals gegen unsere wirtschaftlichen
Interessen
verstieß.
Niemand konnte jedoch voraussehen,

- 4 -

�welches Ausmaß der Subventionswettlauf im Agrarbereich einmal annehmen
würde. Kaum einer konnte ahnen, daß
die Landwirtschaft zu einer Dauerbelastung im transatlantischen Handel
werden würde.
Heute ist die EG auf wirtschaftlichem
Gebiet den Vereinigten Staaten ebenbürtig. Das Bruttosozialprodukt der
Europäischen Gemeinschaft entspricht
in etwa dem unseren und die Einwohnerzahl Westeuropas liegt weit über
der meines Landes. Auch das Bild der
Handelsbilanz hat sich zu unseren Ungunsten verändert. Im Jahre 1988 betrug unser Handelbilanzdefizit gegenüber der EG neun Milliarden Dollar.
Für europäische Unternehmen ist der
große amerikanische Markt aber nicht
nur für den Export, sondern auch für
Investitionen interessant.
Europäischen Direktinvestitionen von 157,6
Milliarden Dollar in den Vereinigten
Staaten im Jahre 1987 standen amerikanische Direktinvestitionen in der
EG von 122,3 Milliarden Dollar gegenüber.
Im Hinblick auf die wirtschaftliche
Stärke der EG besteht für Großzügigkeit unsererseits kein Grund mehr.
Daher treten wir mit größerem Nachdruck als früher für unsere Interessen ein. Europäische und amerikanische Unternehmen stehen im Wettbewerb
auf den Weltmärkten.
Und deshalb
brauchen wir gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen sowohl im bilateralen Handel als auch auf dem Weltmarkt insgesamt.
Unsere Handelspartner wissen um die
Attraktivität unseres Landes für Investitionen und Exporte: Wir bieten
stabile politische Verhältnisse, eine
liberale Wirtschaftsstruktur und einen offenen Markt von über 240 Millionen Menschen mit einer einheitlichen Sprache und Währung. Aber mein
Land kann nicht der Hauptabsatzmarkt
im Welthandel sein. Es kann auf die
Dauer nicht gut gehen, wenn andere
auf Exporte setzen und im eigenen
Land Handelsbarrieren und Wachstumshindernisse nicht beseitigen.

Unser Handelsbilanzdefizit geht zwar
seit 1987 zurück, wird aber in diesem
Jahr doch noch um die hundert Milliarden Dollar
liegen.
Steigende
Einfuhren bringen Immer größere Teile
unserer heimischen Industrie in Bedrängnis.
Unsere wettbewerbsfähige
Landwirtschaft wird immer ungeduldiger, wenn ihr Absatzmärkte verschlossen bleiben.
Amerikanische Dienstleistungsunternehmen klagen über Barrieren in einer Vielzahl von Ländern.
Daher besteht die Gefahr, daß auf
Grund verschiedener Erfahrungen im
In- und Ausland immer weniger Amerikaner für ein liberales Welthandelssystem eintreten.
In der amerikanischen Bevölkerung und
im Kongreß ist der Ruf nach Schutzmaßnahmen für die heimische Industrie
sehr laut geworden In den letzten
Jahren.
Sowohl Präsident Bush als
auch sein Vorgänger haben sich so gut
es ging protektionistischen Maßnahmen
widersetzt. Meine Regierung ist der
Meinung,
daß
Protektionismus
den
Strukturwandel
behindert
und
die
wirtschaftliche Entwicklung sowohl im
eigenen Lande als auch auf internationaler Ebene nicht voranbringt.
Wie ich in meinem historischen Rückblick betonte, war es das Ziel unserer Nachkriegspolitik, die Fehler der
dreißiger Jahre nicht zu wiederholen.
Wir wollen nun verhindern, daß die
Weltwirtschaft erneut von einer Protektionismuswelle erfaßt wird.
Präsident Bush tritt für eine Öffnung
der Märkte und für faire Wettbewerbsbedingungen weltweit ein.
Er ist
überzeugt, daß ein liberales und offenes Handelsystem, das auf klaren
und durchsetzbaren Regeln beruht,
dauerhaftes
Wirtschaftswachstum
am
ehesten gewährleistet.
Unsere Handelsbeauftragte, Carla Hills, formulierte die amerikanische Handelspolitik der neunziger Jahre mit folgenden
Worten:
"Wir wollen eine Welt, in
der Unternehmer und nicht Regierungsbürokraten über den Wettbewerb in Industrie und Landwirtschaft und den
internationalen Handel entscheiden."

- 5 -

�Die gegenwärtige GATT-Runde bietet eine große Chance, eine weitere
Liberalisierung des Welthandels zu
erreichen. Die Erfahrung der letzten
Jahrzehnte hat gezeigt, daß die Senkung der Zölle im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens zu
einem beispiellosen Anstieg des internationalen Warenaustausches beigetragen hat. Nun ist es unser Ziel,
zu verbindlichen Regelungen für den
Abbau von nichttarifären Handelshemmnissen zu kommen.
Darüber hinaus
treten wir für eine Erweiterung des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens ein.
Bereiche wie Dienstleistungen, geistiges Eigentum und Landwirtschaft müssen endlich im Rahmen
des GATT geregelt werden.
Wir sind uns mit den Europäern in
vielen Punkten einig. Aber wie in so
vielen Dingen steckt der Teufel auch
hier im Detail.
Das Hauptproblem
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Europäischen Gemeinschaft sowohl
in der laufenden GATT-Runde als auch
auf bilateraler Ebene liegt im Agrarhandel. Die Vereinigten Staaten sind
ein traditionelles Exportland für
landwirtschaftliche Produkte. Gegenwärtig sind etwa zwanzig Prozent aller amerikanischen Ausfuhren Agrarexporte. Unsere Landwirtschaft könnte
ihre Exporte noch steigern, wären da
nicht die hochsubventionierten Agrarerzeugnisse aus der EG auf den internationalen Märkten. Zum einen treffen unsere Agrarexporteure auf einen
protektionistischen Wall um die EG.
Zum anderen konkurrieren subventionierte landwirtschaftliche Produkte
aus der EG auf dem Weltmarkt mit amerikanischen Erzeugnissen, die zum
Teil nun ebenfalls subventioniert
werden.
Der Subventionswettlauf zwischen der
EG und den USA hat inzwischen absurde
Ausmaße angenommen. Im letzten Jahr
gaben die Europäer etwa 120 Milliarden Dollar und wir Amerikaner etwa 75
Milliarden Dollar zur Unterstützung
der Landwirtschaft aus. Am 25. Oktober unterbreitete daher meine Regierung der GATT-Runde in Genf einen um-

fassenden Plan zur Reform des internationalen Agrarhandels. Unter anderem schlugen wir vor, die Exportsubventionen innerhalb von fünf Jahrer
zu beseitigen. Außerdem machten wir
Vorschläge zur graduellen Beseitigung
von Einfuhrbarrieren und von wettbewerbsverzerrenden
Unterstützungszahlungen im Agrarbereich weltweit.
Die EG hat vorschnell, wie ich meine,
unsere Vorschläge als unrealistisch
abgelehnt. Die Europäer argumentieren, ein drastischer Abbau der Agrarsubventionen wäre politisch nicht
machbar. Es läßt sich immer darüber
streiten, was politisch durchsetzbar
ist und was nicht. Aber Sie dürfen
nicht vergessen, daß das Farmsterben
im Mittleren Westen auch beträchtliche innenpolitische Auswirkungen hat.
Die amerikanische Öffentlichkeit akzeptiert nicht mehr, daß Handelsbarrieren
und
wettbewerbsverzerrende
Subventionen einen wichtigen Exportzweig behindern, während europäische
Güter im großen und ganzen ungehindert in unser Land kommen.
Seit Jahren ist die EG-Agrarpolitik
ein ständiger Stein des Anstoßes.
Wir führten Hähnchen- und Spaghettikriege. Wir stritten wegen der geplanten EG-Fettsteuer und belegten
Walnüsse und Dosenfrüchte gegenseitig
mit Strafzollen.
Ich glaube, die
zermürbenden Grabenkämpfe im Agrarbereich sind eine stetige Belastung für
unsere Handelsbeziehungen. Nicht nur
das. Ich sehe auch eine große Gefahr, daß Handelskonflikte zu einer
zunehmenden Belastung für die transatlantischen
Beziehungen
insgesamt
und damit für unser Sicherheitsbündnis werden. Dies müssen wir gemeinsam verhindern, und deshalb darf die
Uruguay-Runde nicht am Agrarprotektionismus der EG scheitern.
Aber der Abbau von Agrarsubventionen
wird nicht nur unseren Landwirten
Vorteile bringen. Auch die europäischen Steuerzahler und Verbraucher
würden davon profitieren.
Ferner
streben wir offene Märkte nicht allein für unsere Exportwirtschaft an,

- 6 -

�sondern für alle am Wettbewerb teilnehmenden Staaten. Die Öffnung des
japanischen
Rindfleischmarktes
ist
für die australischen Viehzüchter
mindestens ebenso ein Gewinn wie für
unsere Fleischexporteure.
Schließlich hätten mit dem Wegfall
hochsubventionierter Agrarexporte und
mit einer Öffnung unserer Märkte auch
die Länder der Dritten Welt eine
Chance,
ihre
landwirtschaftlichen
Strukturen zu entwickeln und zu verbessern. Es ist offensichtlich, daß
viele Entwicklungsländer ihre Wirtschaft nur dann voranbringen können,
wenn sie mangels Industriegüter Absatzmärkte für ihre Agrarprodukte
finden. Auch die deutsche Industrie
weiß, daß die Dritte Welt Einnahmen
aus Agrarausfuhren braucht, um beispielsweise Maschinen oder Fertigung sanlagen in der Bundesrepublik
kaufen zu können. Nicht zuletzt im
Hinblick auf eine Lösung der internationalen Verschuldungskrise sind offene Agrarmärkte für die hochverschuldeten Staaten von entscheidender
Bedeutung.

sicht
würde
sich
Protektionismus
zweifelsohne negativ auf die Einheit
der NATO auswirken.
Wir hoffen, daß im Hinblick auf 1992
die Europäer der Versuchung widerstehen, die innere Umstrukturierung mit
protektionistischen
Barrieren
nach
außen abzuschirmen. Ich weiß, es erfordert politischen Mut, bisher national regulierte Branchen nicht nur
dem Wettbewerb innerhalb der EG, sondern weltweit zu überlassen.
Aber
Protektionismus hier und da bringt
das ganze System in Gefahr. Staatlicher Schutz und Subventionen für einen Wirtschaftszweig in einem Land,
führen meist zu Gegenmaßnahmen in anderen Staaten.
Beispielsweise wäre
bei zunehmendem Protektionismus in
der EG eine restriktivere Handhabung
des neuen amerikanischen Handelsgesetzes nicht auszuschließen.

Ich glaube, enge Kontakte zwischen
Amerikanern und Europäern in Fragen
der Wirtschaft und des Handels sind
für die gesamten transatlantischen
Beziehungen außerordentlich wichtig.
Bei der Komplexität und dem Umfang
unseres Handels wird es immer Interessengegensätze geben. Aber es muß
alles getan werden, um zu verhindern,
daß Kontroversen um Hormone und Teigwaren unsere partnerschaftlichen Beziehungen insgesamt beeinträchtigen.

Lassen Sie mich kurz noch ein Problemfeld ansprechen, das Amerikaner
und Europäer schon seit Jahren beschäftigt: die Subventionen für den
Airbus. Im Rahmen der Übernahme von
MBB durch Daimler-Benz wurde ein gefährlicher Präzedenzfall dadurch geschaffen, daß die Bundesregierung das
Risiko
von
Wechselkursschwankungen
übernimmt. Ich bin der Meinung, es
wäre eine Katastrophe, wenn Regierungen anfingen, die Wechselkursrisiken
ihrer Industrie mit Subventionen abzusichern.
Im übrigen müßte sich
heute
jeder Geschäftsmann fragen,
wieso der Airbus trotz der enormen
Nachfrage nach Zivilflugzeugen immer
noch am Subventionstropf hängt.

Ich frage mich auch, ob das Atlantische Bündnis langfristig Bestand
haben könnte, wenn sich auf dem Gebiet der Wirtschaft ein europäischer
und ein nordamerikanischer Block gegenüberstünden?
Senator William V.
Roth betonte kürzlich, daß es in unserer modernen Welt unrealistisch wäre, Handels- und Sicherheitsfragen zu
trennen. Roth ist führendes Mitglied
des Finanzausschusses und der Vorsitzende der Arbeitsgruppe zu "Europa
1992" im Kongreß. Nach seiner An-

Europäer und Amerikaner müssen sich
hüten vor einer Politik, die kurzfristig vielleicht ein paar wirtschaftliche Vorteile bringt, aber langfristig unsere partnerschaftlichen Beziehungen aushöhlt.
Es gibt nicht
wenige, die dem Atlantischen Bündnis
seit dem Reformkurs Gorbatschows nur
noch sekundäre Bedeutung beimessen.
Ich aber sage, in einer Zeit der
enormen Veränderungen In den Staaten
des Warschauer Paktes, sind Einheit
und Standfestigkeit im Atlantischen

�Bündnis Voraussetzung für Stabilität
und gute Nachbarschaft in Europa.
Uneinigkeit im Westen und sei es eben
weil Handelsprobleme eskalieren, würde zu einer Destabilisierung mit unvorhersehbaren Folgen führen.
Wie ich schon eingangs erwähnte, begrüßen wir ausdrücklich den europäischen
Einigungprozeß.
Westeuropa
wird mehr und mehr mit einer Stimme
sprechen und eine größere Rolle in
der Weltpolitik und der Weltwirtschaft spielen.
Präsident Kennedy
hat bereits vor über fünfundzwanzig
Jahren von den zwei Pfeilern des Verteidigungsbündnisses
gesprochen.
Auch in der Weltwirtschaft ist Europa
zu einer tragenden Säule geworden.
Kein Land der Erde - auch die Vereinigten Staaten nicht - kann heute
noch als Lokomotive die Weltwirtschaft ziehen. Deshalb brauchen wir
ein einheitliches Europa als Partner
im Bemühen um weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt.
Heute ist allen klar, daß die Verflechtung der Weltwirtschaft eine enge und möglichst reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Staaten erfordert. War es nicht verblüffend und
erschreckend zugleich zu sehen, wie
am 19. Oktober 1987 an allen Börsen
der Welt die Wertpapierkurse in den
Keller stürzten?
Selten wurde die
Vernetzung und die Sprunghaftigkeit
der internationalen Finanzmärkte so
deutlich.
Viele Kommentatoren verglichen dieses Ereignis mit dem sogenannten Schwarzen Freitag im Jahre
1929 und sagten eine weltweite Rezession voraus. Wie Sie wissen, erwiesen sich diese Prognosen glücklicherweise als falsch. Im Gegenteil: die
Konjunktur in Europa ist hervorragend; in den Vereinigten Staaten
setzt sich das wirtschaftliche Wachstum fort, und die Experten sind sich
nicht einig, ob die amerikanische
Wirtschaft weiterhin zügig vorausfährt oder bereits zu einer weichen
Landung ansetzt.
Im Vergleich zu 1929 war eine Tatsache bemerkenswert:
die Regierungen

der führenden Wirtschaftsnationen waren sich einig, daß sie nur gemeinsam
die Finanzmärkte beruhigen und die
Weltwirtschaft vor Instabilität bewahren
konnten.
Wirtschaftliche
Stabilität und Kontinuität beruhen
heute auf einer engen Abstimmung der
Finanz- und Wirtschaftspolitik unter
den Industrieländern. Die Weltwirtschaftsgipfel, Konferenzen des Internationalen
Währungsfonds
und
der
Weltbank, und eine Vielzahl von Begegnungen von Regierungsmitgliedern
und Notenbankgouverneuren sind Beispiele für eine Politik, die Peter F.
Drucker
"Joint
leadership" nennt:
die großen WirtSchaftsnationen tragen
gemeinsam die Verantwortung für globale Aufgaben und arbeiten gemeinsam
an deren Lösungen. In diesem Zusammenhang sind das Plaza-Abkommen vom
September 1985 und das Louvre-Abkommen vom Februar 1987 zu nennen, in
denen die großen Industrienationen
gemeinsame Schritte in der Währungspolitik vereinbarten.
Natürlich muß diese Zusammenarbeit
noch verbessert werden. Es sind sich
zwar alle bewußt, daß heute im globalen Rahmen gedacht und gehandelt werden muß, aber nationale und regionale
Besonderheiten und Interessen spielen
natürlich auch im makroökonomischen
Bereich eine Rolle. Wir sind beispielsweise der Meinung, daß die Länder mit hohen Exportüberschüssen einen größeren Beitrag zu einem ausgeglichenen Welthandel leisten müßten.
Die Vereinigten Staaten und andere
Länder fordern daher die Bundesrepublik immer wieder auf, weniger auf
Wachstum durch Exporte zu setzen und
der Binnennachfrage mehr Gewicht beizumessen.
Die Bundesregierung und die Bundesbank wiederum kritisieren unser Haushaltsdefizit und die niedrige Sparquote in unserem Land. Wir müssen in
der Tat noch einige harte haushaltspolitische
Entscheidungen
treffen.
Ich möchte allerdings in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, daß aus
dem amerikanischen Verteidigungsetat
jährlich neunzig Milliarden Dollar

�für unsere Streitkräfte in Europa
ausgegeben werden.
Die Bundesrepublik Deutschland gibt beispielsweise
weniger als ein Drittel dieses Betrages für Verteidigungsausgaben im Jahr
aus. Außerdem darf man auch nicht
vergessen, daß unsere Soldaten jährlich ungefähr acht Milliarden Dollar
in Deutsche Mark umtauschen. Diese
Summe entspricht fast unserem Handelsdefizit mit der Bundesrepublik im
letzten Jahr.
Aber gemeinsame Anstrengungen müssen
nicht nur in Fragen der Weltkonjunktur unternommen werden. Nur gemeinsam können wir die internationale
Verschuldungskrise bewältigen. Alle
Industrieländer sind aufgerufen, sich
für die wirtschaftliche Entwicklung
der Staaten der Dritten Welt einzusetzen.
Dabei geht es um direkte
Wirtschaftshilfe ebenso, wie um eine
weitere Öffnung unserer Märkte für
Erzeugnisse aus der Dritten Welt.
Entwicklungshilfe ist ein wichtiger
Beitrag für eine gerechtere Welt.
Aber ich glaube, daß es noch viel
wichtiger ist, daß die Menschen in
der Dritten Welt ihr Brot selber verdienen können. Das erfordert allerdings, daß wir den Entwicklungsländern die Möglichkeit einräumen, ihre
Waren bei uns zu verkaufen um Devisen
zu erwirtschaften.
In dieser Hinsicht kann mein Land mit Stolz vergleichsweise beachtliche Ergebnisse
vorweisen.
Im Jahre 1987 betrugen beispielsweise
unsere Fertigwarenimporte aus der gesamten Dritten Welt mehr als das Doppelte von dem, was die EG aus diesen
Staaten einführte. Aus den hochverschuldeten Ländern importierten wir
im gleichen Jahr mehr als dreimal soviel Fertigerzeugnisse wie die EG.
Genauso bemerkenswert sind die unterschiedlichen Wachstumsraten an Einfuhren aus diesen Staaten zwischen
1980 und 1987: sie nahmen im Bereich
der Fertigwaren bei uns um über 200
Prozent und in der EG nur um 73 Prozent zu. Ich glaube, die wirtschaftliche Zukunft der Dritten Welt würde

um einiges besser aussehen, wenn die
Europäische Gemeinschaft ihre Importe
aus den Entwicklungsländern in etwa
auf unser Niveau brächte.
Gegenwärtig sind die politischen und
wirtschaftlichen Entwicklungen in der
DDR und in anderen Staaten des Warschauer Paktes für uns alle von besonderem Interesse. Wie Sie wissen,
entschlossen sich die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten auf dem Pariser Gipfel
im Juli dieses Jahres zu einer gemeinsamen Wirtschaftshilfe für Polen
und Ungarn. Die EG-Kommission wurde
beauftragt, diese Hilfe zu koordinieren. Ich glaube, diese Tatsache unterstreicht unseren Wunsch nach Übernahme von Führungsaufgaben im internationalen Bereich durch die Europäische Gemeinschaft.
Europäer und Amerikaner müssen gemeinsam mit anderen Ländern Maßnahmen
zum Erhalt unserer natürlichen Lebensverhältnisse und unserer Umwelt
ergreifen. Die Erwärmung der Erdatmosphäre und die Beschädigung der
Ozonschicht
betreffen
die
ganze
Menschheit. Maßnahmen einzelner reichen nicht aus, um diese Probleme zu
lösen, und deshalb sind mehr denn je
internationale
Vereinbarungen
von
größter Wichtigkeit.
Das Abkommen
von Montreal zur Reduzierung von
Fluorkohlenwasserstoff ist ein wichtiger erster Schritt.
Flüchtlingsfragen, der internationale
Drogenhandel und die Verhinderung der
Weiterverbreitung von atomaren und
chemischen Waffen und Raketentechnologie sind weitere Herausforderungen,
die Amerikaner und Europäer gemeinsam
mit anderen bewältigen müssen. Aber
die Zeit ist bereits fortgeschritten,
und ich kann auf diese Punkte nicht
mehr näher eingehen.
Ich möchte nun schließen mit einem
Wort von Jean Monnet, der in seinen
Erinnerungen über die Vereinigten
Staaten schreibt: "Die größte Macht
der Welt zu sein, das ist eine einsame und gefährliche Stellung. Sie be-

- 9 -

�deutet fast unbegrenzte Verantwortung
gegenüber den anderen...".
Meine Damen und Herren, ich glaube,
meine Ausführungen haben gezeigt, daß
wir es begrüssen würden, wenn diese
Verantwortung auch von der Europäischen Gemeinschaft mitgetragen würde.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VoN^

20. Dezember 1989

46

BAKER:

DER WESTEN MUSS DEN WANDEL IN GANZ OSTEUROPA UNTERSTÜTZEN
- Rede des US-Außenministers in Brüssel -

BRÜSSEL - (AD) - In einer Ansprache vor der Gruppe der 24 Industrienationen
(G-24) bekräftigte der amerikanische Außenminister James Baker am 13. Dezember
1989, daß die koordinierten Hilfsleistungen für Ungarn und Polen nur eine erste Reaktion des Westens auf den wirtschaftlichen und politischen Wandel in
Osteuropa sind, jedoch auch die in der DDR, der Tschechoslowakei und Bulgarien
stattfindenden Veränderungen der Aufmerksamkeit des Westens bedürften. "Wir
müssen zur Unterstützung der Länder bereit sein, die auf dem Weg zu bedeutenden Fortschritten im politischen und wirtschaftlichen Bereich sind", erklärte
Baker, "und ich hoffe, daß im Zuge unserer Unterstützung einer wachsenden Zahl
reformwilliger Länder der Koordinierungsprozeß der G-24 Modellcharakter für
reibungslose und erfolgreiche westliche Zusammenarbeit behält."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.
Herr Präsident, liebe Kollegen,
die Vereinigten Staaten von Amerika
begrüßen diese Gelegenheit zu einer
Erörterung der dynamischen Ereignisse
in Osteuropa.
Der Multiplikatoreffekt der Macht des Volkes bringt ein
völlig neues Ost-West-Gefüge hervor.
Männer und Frauen treten friedlich
für die grundlegenden Menschenrechte
ein - in einem Maße, das zu Beginn
dieses Jahres undenkbar gewesen wäre.
1989 ist das Jahr, in dem die Völker
Osteuropas handelten, um Europa ungeteilt und frei zu machen.
Unsere Aufgabe besteht darin, diese
mutigen Reformbestrebungen zu unterstützen. Wenn auf den Straßen nicht
mehr demonstriert wird, wenn das Volk
eine neue Regierung gewählt hat, wenn
die Regierungen Diener des Volkes ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

worden sind - wenn all dies geschehen
ist, müssen die Volkswirtschaften soweit gesundet sein, daß Essen auf den
Tisch gestellt und die Regale der Geschäfte mit Waren gefüllt werden können. Neue Pläne für Wirtschaftsreformen müssen mit vierzigjähriger
Stagnation brechen und private Marktkräfte freisetzen. Hier können und
müssen wir helfen, wenn wir dem Ruf
der Geschichte Folge leisten wollen.
Bei der Unterstützung von Reformen in
Osteuropa haben die G-24 bereits eine
maßgebliche Rolle gespielt. Wie ich
gestern in Berlin erläutert habe, ist
die Bush-Administration außerordentlich erfreut über unsere beim Pariser
Weltwirtschaftsgipfel getroffene Abmachung, daß die EG-Kommission eine
besondere Rolle bei den Bemühungen
der G-24 übernehmen sollte, die Re-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�formen in Polen und Ungarn zu unterstützen. Seitdem haben wir im Wege
der Zusammenarbeit viel erreicht.
Was uns betrifft, so haben die Vereinigten Staaten über 1 Milliarde
Dollar an Hilfsleistungen für diese
beiden Länder bewilligt - den Großteil in Form von Darlehen.

I.

Hilfe für Polen

Ich hoffe, daß die G-24 heute die
letzten Einzelheiten des Stabilisierungsfonds für Polen in Höhe von 1
Milliarde Dollar klärt.
Die Polen
haben uns selbst darum gebeten, und
er ist zur Verwirklichung der Reformen unabdingbar. Die politisch Verantwortlichen in Polen sehen diesen
Fonds als entscheidend für den Erfolg
der geplanten Währungs- und Preisreform an.
Darüber hinaus hat der
Fonds für die Polen auch symbolische
Bedeutung als Indikator dafür, ob ihnen der Westen tatsächlich beisteht,
wenn sie schwierige Wirtschaftsentscheidungen zu treffen haben.
Als die Vereinigten Staaten Anfang
Oktober erstmals ihre Absicht bekanntgaben, ein Darlehen in Höhe, von
200 Millionen Dollar zum Stabilisierungsfonds beizusteuern, hofften wir,
eine Reihe anderer Länder - nicht nur
die sieben führenden Industrienationen - würden ebenfalls zu diesem
Fonds beitragen. Vor Beginn unseres
heutigen Treffens habe ich erfahren,
daß unser Ziel in greifbare Nähe gerückt ist, doch die Antwort einiger
potentieller Spender steht noch aus.
Als ehemaligem Finanzminister ist mir
klar, daß Versprechungen allein nicht
genug sind. Wir müssen sicherstellen, daß wir in den kommenden Wochen
die rechtlichen und technischen Details ausarbeiten, damit die Regierung von Ministerpräsident Masowiecki
und das polnische Volk unsere Hilfe
unverzüglich in Anspruch nehmen können, wenn sie ihr IWF-Programm verwirklichen und den neuen Haushalt
verabschieden. Aus diesem Grunde empfehle ich, daß jedes Land eine hochrangige Kontaktperson benennt, damit

die rasche Durchführung in allen Einzelheiten gewährleistet ist. Für die
Vereinigten Staaten hat Präsident
Bush meinem Stellvertreter, Larry
Eagleburger, diese Aufgabe zugedacht.
Ich möchte kurz einige der von den
Vereinigten Staaten im Rahmen der
Hilfe für Polen ergriffenen Maßnahmen
erwähnen.
Wir haben 240 Millionen
Dollar für den polnisch-amerikanischen
Unternehmensfonds
bewilligt.
Mit diesem Fonds sollen Privatinvestitionen in Polen gefördert werden.
In mancher Hinsicht scheint die Arbeit des Unternehmensfonds sich mit
den Aufgaben zu decken, die für die
vorgesehene Europäische Entwicklungsbank erwogen werden.
Ein Prüfung,
wie sich ihre Arbeit verbinden läßt,
könnte sich als nützlich erweisen.
Wir haben die Zustimmung des Kongresses zu zusätzlichen Hilfsleistungen
in Höhe von rund 200 Million Dollar
erhalten. Sie umfassen Programme in
den
Bereichen
Nahrungsmittelhilfe,
Energie, Umwelt, medizinische Versorgung, technische Ausbildung, Stipendien, Aktivitäten des Entwicklungsdienstes (Peace Corps), Ausbildung
von Arbeitskräften und technische Unterstützung ebenso wie Programme zur
Förderung demokratischer Institutionen. Darüber hinaus hat der Kongreß
200 Millionen Dollar für Handels- und
Darlehensgarantien bewilligt. Zusammengenommen werden wir also im Verlauf der nächsten drei Jahre Hilfsleistungen in Höhe von über 800 Millionen Dollar für Polen bereitstellen.
Wir haben versucht, diese Hilfe so
weit wie möglich in Form von Sofortkrediten zu gewähren. Die Polen benötigen vor allem Bargeld, damit sie
bei der Reform ihrer Wirtschaft und
der Umschuldung etwas Luft haben. Im
Hinblick auf das gesamte Mix an
Hilfsleistungen sollte Sofortkrediten
der Vorzug vor Garantien und Handelskrediten gegeben werden.
Darüber hinaus freue ich mich, Ihnen
mitteilen zu können, daß wir die Arbeit an einem multilateralen Überbrückungskredit
aufgenommen
haben,

- 2 -

�der Polen so bald wie möglich ausgezahlt werden soll und zu dem wir 200
Millionen Dollar beitragen werden.
Es sollte nicht unerwähnt bleiben,
daß Präsident Bush vor kurzem eine
von Landwirtschaftsminister Clayton
Yeutter angeführte Wirtschaftsdelegation auf Kabinettsebene nach Polen
entsendet hat, um herauszufinden, wie
wir Polen bei seinen strukturellen
Wirtschaftsreformen
helfen
können.
Sie konzentrierte sich insbesondere
auf den Finanz-, Agrar- und Industriesektor sowie den Arbeitsmarkt.
Polen muß jetzt in diesen lebenswichtigen mikroökonomischen Fragen Fortschritte erzielen, wenn Kraft und Erfindungsreichtum von Privatinitiativen Früchte tragen sollen. Die Delegation wird ihren Bericht in Kürze
vorlegen, und wir werden Ihnen die
Schlußfolgerungen natürlich mitteilen.
Polen sieht sich nach wie vor mit einer kritischen Wirtschaftslage konfrontiert, die schwere Entscheidungen
fordert. Eine Reihe von Ländern haben erfolgreich die sehr hohe Inflationsrate gedämpft, andere haben ihre
hohe Auslandsverschuldung abgebaut,
die Preisbindung aufgehoben, Subventionen
entschieden
gekürzt
oder
Staatsbetriebe privatisiert - aber
kein Land hat all diese Probleme nach
40 Jahren Planwirtschaft auf einmal
gelöst. Die Aufgabe ist erdrückend,
aber unsere gemeinsamen Bestrebungen
werden dazu beitragen, den Polen über
die vor ihnen liegenden Hürden hinwegzuhelfen.

II.

Prozeß besteht darin, potentiellen
Investoren die Gewißheit zu geben,
daß sie ungarische Produkte im Westen
verkaufen können.
Wir begrüßen es
deshalb, daß die Vereinigten Staaten,
die EG und mehrere andere Mitgliedstaaten der G-24 Ungarn in das allgemeine Präferenzsystem einbezogen haben und daß die Europäische Gemeinschaft den Abbau der noch bestehenden
Mengenbeschränkungen für ungarische
Produkte beschleunigen wird.
Die Vereinigten Staaten haben ferner
60 Millionen Dollar für einen ungarisch-amerikanischen
Unternehmensfonds bewilligt, der zum Aufbau von
Privatunternehmen
beitragen
soll.
Darüber hinaus haben wir in Ungarn
ein Programm unseres Entwicklungsdienstes eingeleitet und Programme
für technische Ausbildung, Studienbeihilfen, Umwelt und Arbeitswesen
ins Leben gerufen. Insgesamt werden
wir Ungarn in den nächsten drei Jahren Hilfe in Höhe von 80 Millionen
Dollar gewähren.
Der wichtigste Schritt für Ungarn ist
jedoch die Zustimmung des Parlaments
zu einem Programm des Internationalen
Währungsfonds und dessen erfolgreiche
Durchführung. Da Ziel des Programms
ein Abbau des Haushalts- und Handelsdefizits ist, wird dies für die Regierung mit schwierigen Entscheidungen verbunden sein. Bedeutende Zeiten erfordern jedoch mutige Entscheidungen.
Die Führung Ungarns kann
sich einen Platz In der Geschichte
sichern, indem sie tut, was getan
werden muß, damit die multilaterale
Hilfe für Ungarn in Gang kommt.

Hilfe für Ungarn

Darüber hinaus müssen wir uns den
Problemen Ungarns widmen, die zwar
anders gelagert sind als die polnischen, aber ebenso wichtig. Wir müssen dazu beitragen, Anreize für Privatinvestitionen zu schaffen, damit
Ungarns dringendem Kapitalbedarf abgeholfen wird. Ebenso wie in Polen
müssen wir in Ungarn die Grundlagen
für Selbsthilfe zu schaffen.
Ein entscheidender Schritt in diesem

III. Anhaltende Bemühungen und der
Koordinierungsprozeß
Gemeinsam haben wir einen guten Anfang bei der Unterstützung Polens und
Ungarns gemacht, aber es bleibt noch
viel zu tun. In den kommenden Monaten werden die neue polnische und die
neue ungarische Regierung vor schweren Herausforderungen stehen, wenn
beide den historisch bisher einmaligen Schritt von einer zentralen Plan-

- 3 -

�Wirtschaft zu
vollziehen.

einer

Marktwirtschaft

Meines Erachtens kann die EG bei diesem Prozeß eine besonders wichtige
Rolle spielen.
Die EG mit ihren
marktwirtschaftlichen Prinzipien hat
für die osteuropäischen Reformer eine
besondere
Anziehungskraft.
Vielleicht könnte die EG besondere Möglichkeiten für eine verbesserte wirtschaftliche
Interaktion
schaffen,
wenn die politischen und ökonomischen
Reformen bestimmte Niveaus erreicht
haben. So könnte die erste Stufe und die ersten Anreize - auf Niveaus
in Kraft treten, die sich schon bald
erreichen lassen.
Andere Niveaus
könnten sich der Art von Bindungen
annähern, wie sie die EG mit den Mitgliedstaaten der EFTA erreichen möchte. Eine solche Abfolge von Möglichkeiten könnte das wertvollste Angebot
bieten: Hoffnung.
Im Zuge fortschreitender Reformen in
Polen und Ungarn müssen wir ferner
kontinuierlich prüfen, wie wir die
Reformen am besten unterstützen können, insbesondere nach Einführung der
IWF-Vereinbarungen. Bei der Koordinierung
unserer
Hilfsanstrengungen
müssen wir sowohl mit dem IWF als
auch mit Weltbank, OECD und Pariser
Club zusammenarbeiten.
Wir sollten
dazu beitragen, daß die Maßnahmen
dieser jeweiligen Organisationen einander verstärken.

IV.
Neue
der G-24

Kandidaten

für

Maßnahmen

Schließlich können wir uns der Tatsache nicht verschließen, daß die Ereignisse in der Tschechoslowakei, der
Deutschen Demokratischen Republik und
auch in Bulgarien eindringlich belegen, daß unsere Bemühungen zur Koordinierung der westlichen Antwort nur
die erste Phase der anstehenden ökonomischen und politischen Reformen In
Osteuropa betreffen. Dies wurde mir
besonders nach meinem gestrigen Besuch der DDR klar. Sowohl Kirchenvertreter als auch Ministerpräsident
Modrow erklärten mir gegenüber, der

wirtschaftliche Fortschritt in der
DDR sei ein entscheidendes Element
zur
Gewährleistung
schrittweiser,
friedlicher Veränderungen - und vielleicht sogar dabei, eine Ausreisewelle in die Bundesrepublik zu verhindern.
Koordinierte Maßnahmen des Westens
zur Förderung demokratischer Institutionen, von politischem Pluralismus
und marktorientierten Volkswirtschaften werden weiterhin für die Aussichten auf erfolgreiche, unumkehrbare
Reformen entscheidend sein. Wir müssen bereit sein, Ländern zu helfen,
die substantielle Fortschritte zu ökonomischen und politischen Veränderungen machen, und ich hoffe, daß im
Zuge
unserer
Unterstützung
einer
wachsenden Zahl reformwilliger Länder
der Koordinierungsprozeß der G-24 Modellcharakter für reibungslose und
erfolgreiche westliche Zusammenarbeit
behält.

V.

Schlußbemerkungen

Abschließend
möchte ich Präsident
Delors und die EG-Kommission nochmals
zu ihrer Arbeit beglückwünschen. Der
Pariser Gipfel brachte für die EG eine neue Herausforderung, eine Herausforderung, deren Tragweite nur noch
größer werden kann. Meine Regierung
sieht der weiteren Koordinierung erwartungsvoll entgegen, in deren Rahmen wir uns bemühen werden, die Macht
des Volkes institutionell zu verankern und die Teilung Europas zu überwinden.
Die Kommission hat Bewundernswertes geleistet und verdient
unseren Beifall.
Ferner sehen wir - falls auch die anderen Teilnehmer zustimmen - ein Ministertreffen im nächsten Jahr vor,
auf dem die von uns erzielten Fortschritte überprüft und weitere Impulse gegeben werden sollen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

�^DS&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

20. Dezember 1989

46

DEN WORTEN DER VEREINIGTEN STAATEN WERDEN IN OSTEUROPA TATEN FOLGEN
von Robert Mosbacher

(Der Autor ist Wirtschaftsminister der Vereinigten Staaten und war Mitglied
der Delegation des Präsidenten für Polen. Der folgende Beitrag wurde exklusiv
für das IJS-Inf ormationsamt verfaßt.)

"Laßt den Worten Taten folgen." Diesen Appell richtete Lech Walesa im
vergangenen Monat während seiner Rede
vor beiden Häusern des Kongresses an
das amerikanische Volk.
Er sprach
dabei über Polens dringenden Bedarf
an Investitionen, um die Freiheit zu
unterstützen.
Die aus tiefstem Herzen kommende Antwort der Bush-Administration und des
amerikanischen Volkes ist ein uneingeschränktes Ja.
Wir unterstützen
das polnische Volk - und alle Völker
Osteuropas - in ihrem Streben nach
Freiheit. Und wir werden alles in
unserer Macht Stehende tun, um zu ihrem Erfolg beizutragen.
Letzten Endes können jedoch nur die
Völker Osteuropas selbst die nachtei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ligen Auswirkungen einer 40jährigen
kommunistischen Mißwirtschaft überwinden. Aber wir können ihnen dabei
helfen, und das werden wir auch tun.
Der Kongreß hat ein Hilfspaket für
Polen und Ungarn in Höhe von 938 Millionen Dollar verabschiedet und sich
damit das Programm Präsident Bushs
für die Unterstützung politischer und
ökonomischer Reformen in diesen beiden Länder vollständig zu eigen gemacht.
Darüber hinaus haben die Vereinigten
Staaten im vergangenen Monat mit der
Unterzeichnung eines gemeinsamen Kommuniques über Telekommunikation und
der Aushandlung eines Abkommens zur
Verbesserung des Investitionsklimas
in Polen einen bedeutenden Schritt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�getan, um Polen in die Weltwirtschaft
einzugliedern und den Übergang des
Landes zur Demokratie zu fördern.

tionsförderung müssen die Länder Osteuropas ihr Rechts- , Rechnungs- und
Bankwesen und die Aufgaben der Banken
verändern. Gegenwärtig ist es beispielsweise für Unternehmen in Polen
Diese Maßnahmen waren das Ergebnis
nicht möglich, Akkreditive zu erhalder Reise einer von drei Kabinettsten. Es gibt keine Girokonten, wie
mitgliedern geleiteten Delegation des
wir sie kennen, und das RechnungswePräsidenten nach Polen. Die Delegasen ist mit dem international und in
tion trug der Tatsache Rechnung, daß
allen Industrieländern üblichen Syder Schlüssel zu verbesserten amerikani sch-polni sehen Wirt schaft sbezie- stem unvereinbar. Dies sind nur einige der Probleme, die mit einem
hungen in der umfassenden Beteiligung
Wirtschafts- und Handelsabkommen zu
des
amerikanischen
Privatsektors
lösen wären.
liegt. Die Bemühungen der Bush-Administration sind deshalb darauf ausgerichtet, die polnische Regierung Viertens:
Wenn Märkte erschlossen
und alle osteuropäischen Regierungen
werden sollen, müssen Käufer und Ver- zu ermutigen, ein Klima zu schafkäufer über genaue Statistiken zu
fen, das Investitionen amerikanischer
Wirtschaft und Handel verfügen. Die
Firmen begünstigt.
Vereinigten Staaten können technische
Hilfestellung leisten, damit Zahlen
über Verbraucherpreise, Handel und
Sicherlich werden Vereinbarungen zwiArbeitslosigkeit exakt und termingeschen den Vereinigten Staaten und anrecht vorliegen können.
deren osteuropäischen Staaten in Kürze folgen. Im Rahmen einer früheren
Delegationsreise nach Ungarn und PoFünftens: Unser Engagement für Menlen sind wir zu der Überzeugung geschenrechte ist integraler Bestandlangt, daß sich der Schlüssel zur
teil unserer Handelspolitik.
PoliVerbesserung
der
Ost-West-Wirttische Freiheit und wirtschaftliche
schaftsbeziehungen mit sechs PrinziFreiheit gehen Hand in Hand, und
pien charakterisieren läßt:
grundlegende Verbesserungen im OstWest-Handel werden in demselben Maße
erfolgen wie Fortschritte bei den
Erstens: Das Wachstum des Ost-WestMenschenrechten.
Handels muß auf soliden wirtschaftlichen Entscheidungen fußen. Wir können amerikanische Firmen nicht zwinSechstens: Obgleich wir den starken
gen, in Osteuropa geschäftlich tätig
Aufschwung im Handel mit Waren bezu werden, und es obliegt den dortigrüßen und fördern, die nicht für
gen Regierungen, ein attraktives und
strategische Zwecke eingesetzt werden
profitables wirtschaftliches Umfeld
können, sind doch nationale Sicherzu schaffen. Mit dieser Art Fördeheitsinteressen des Westens von höchrung werden reale Investitionen bester Bedeutung. Wir werden mit unsegünstigt, Arbeitsplätze geschaffen,
ren Verbündeten zusammenarbeiten, um
Grundkapital gebildet und der Lebenszu gewährleisten, daß nur Schlüsselstandard angehoben.
technologie kontrolliert wird, die
Exportkontrollen
für
solche Teile
werden aber bestehen bleiben.
Zweitens: Investitionen müssen ebenso wie Joint Ventures beim Ausbau von
Innerhalb dieses Rahmens werden wir
Wirtschaftsbeziehungenen
eine
entOsteuropa bei der Entwicklung eines
scheidende Rolle spielen. Die langwettbewerbsfähigen
Systems
helfen,
fristig wirkungsvollste Hilfe, die
das von freiem Unternehmertum gekennvon den Vereinigten Staaten geleistet
zeichnet und Schlüssel zur Integrawerden kann, besteht in Direktinvetion in die Weltwirtschaft ist. Und
stitionen amerikanischer Unternehmen.
wir werden Investitionen fördern und
Exportmärkte für amerikanische Waren
Drittens:
Zum Zweck der Investi-

�schaffen.
Präsident Bush hat erklärt: "Demokratische Kräfte in Polen haben um
die moralische, politische und wirtschaftliche Unterstützung des Westens
gebeten. Und der Westen wird dieser
Bitte nachkommen."

* * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

20. Dezember 1989

45

OFFENE HIMMEL
- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -

Die folgende Übersicht zu der von Präsident Bush vorgeschlagenen Initiative
Offene Himmel, die das häufige überfliegen von Territorium beteiligter Staaten zur Beobachtung der jeweiligen militärischen Aktivitäten und Einrichtungen
gestattet, wurde am 15. Dezember 1989 von der US-Delegation bei der NATO in
Brüssel veröffentlicht.
Hintergrund
Präsident Bush schlug das Konzept
Offene Himmel am 12. Mai 1989 in
einer Rede bei der Texas A and M
University vor. Die Verbündeten vereinbarten die weitere Ausarbeitung
der Initiatvie beim Gipfeltreffen im
Mai.
Seitdem hat die NATO an einem detaillierten Vorschlag gearbeitet.
Bei
der Sitzung des Nordatlantikrats am
14. und 15. Dezember 1989 vereinbarten die Minister einen gemeinsamen
Ansatz des Bündnisses bei der Aushandlung des Konzepts für Offene
Himmel. Für die im Februar in Ottawa stattfindende Konferenz über Offene Himmel wurde als Kernstück der
westlichen Haltung ein Papier über

United States Information Service
Embassy of the United States of America

"Grundlegende
licht.

Merkmale'

veröffent-

Präsident
Bush
und
Außenminister
Baker haben beim NATO-Gipfel am 4.
Dezember beziehungsweise am 12. Dezember in Berlin den Westen aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die
zunehmende Offenheit in der Sowjetunion und in Westeuropa festzuschreiben. Die Vereinbarung der NATO über
ihre Haltung zu Offene Himmel für
die Konferenz in Ottawa demonstriert
möglicherweise
einen
wichtigen
Schritt in diese Richtung.

Zielsetzung
Offene Himmel ist eine Initiative
zur Förderung gegenseitiger Offenheit

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der beteiligten Länder.
Sie würde
das häufige überfliegen von Territorium beteiligter Staaten zur Beobachtung der jeweiligen militärischen Aktivitäten und Einrichtungen gestatten
und damit Vertrauen und Sicherheit
fördern.
Das Konzept basiert auf folgenden
Grundsätzen, mit denen größtmögliche
Offenheit gewährleistet werden soll:
Verpflichtung der Beteiligten zu
stärkerer Transparenz durch uneingeschränktes überfliegen des
gesamten nationalen Territoriums
im Rahmen der Flugsicherheitsbestimmungen.
Die Beteiligten können solche Beobachtungsflüge einzeln oder gemeinsam mit ihren Verbündeten
durchführen.

Quartal über jedem Land vorgesehen.

Flugzeuge und Sensoren
Der Einsatz von unbewaffneten Starrflüglern der Zivilluftfahrt oder der
Streitkräfte zum Transport von Beobachtern des Gastgeberlandes ist gestattet, des weiteren ist eine Vielzahl von Sensoren erlaubt.

Perspektiven
Vom 12. bis 28. Februar 1990 soll in
Ottawa eine Konferenz stattfinden,
auf der ein Konzept für Offene Himmel vereinbart werden soll.
Die
Außenminister der NATO und des Warschauer Pakts werden an der Eröffnungssitzung vom 12. bis 14. Februar
teilnehmen. Außenminister Baker wird
die US-Delegation leiten.

Verpflichtung
der
Beteiligten,
BeobachtungsflUge auf der Basis
festgelegter Quoten durchzuführen
und zu dulden.
Die
Ausarbeitung
einheitlicher
Verfahrensweisen, mit denen sowohl Transparenz als auch Flugsicherheit
gewährleistet
werden
sollen.

Beteiligung und Umfang
Die Beteiligung an der Initiative
Offene Himmel steht anfänglich allen
Mitgliedern
des
Atlantischen
Bündnisses und des Warschauer Pakts
offen. Sie umfaßt alle Territorien
der Mitglieder in Nordamerika, Asien
und Europa. Alle Mitglieder sind zu
Beobachtungsflügen berechtigt.

Quoten
Die "Abrechnung" bei Offene Himmel
geschieht durch Quoten, mit denen die
Anzahl der überflüge begrenzt wird.
Diese Quoten sind abhängig von der
Fläche des jeweiligen Landes. Dennoch ist mindestens ein Flug pro
- 2 -

* * * * *

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10724">
              <text>20.12.1989</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10725">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10726">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10727">
              <text>Amerikadienst 20.12.1989</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10728">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft und Wettbewerb: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen&lt;br /&gt;den Vereinigten Staaten von Amerika und der europäischen Gemeinschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Botschafter Vernon A. Walters -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: Der Westen muß den Wandel In ganz Osteuropa unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Worten der Vereinigten Staaten werden in Osteuropa Taten folgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Robert Mosbacher -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Offene Himmel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Übersicht der US-Delegation bei der NATO -&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
