<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2123" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2123?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:24:05+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2134">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2afb591c0c64a5ae67cbbb3805195c84.pdf</src>
      <authentication>eb7d7b3dfbb08957e0ffae37d57a05fa</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10717">
                  <text>AMERIKA DIENST

6. Dezember 1989

44

,1.
INHALT
DOKUMENTATION
Bush: Malta schafft den Rahmen für Fortschritte In vielen Bereichen
- Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow Baker erläutert amerikanische Haltung zur Einheit Deutschlands
- Interview des US-Außenministers mit CNN Bush unterzeichnet Vorlage zur Hilfe für Polen und Ungarn
- Erklärung des Präsidenten -

HINTERGRUND
Präsident Bushs Initiative beim Treffen von Malta
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

* * * * *

-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

""*"" c&amp;

Dokumentation

44

6. Dezember 1989
BUSH: MALTA SCHAFFT DEN RAHMEN FÜR FORTSCHRITTE IN VIELEN BEREICHEN
- Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow -

VALLETTA - (AD) - Bei der zum Abschluß der Gespräche in Malta am 3. Dezember
1989 gemeinsam mit Präsident Gorbatschow abgehaltenen Pressekonferenz erklärte
Präsident Bush, seine zweitägigen Gespräche hätten "den Rahmen für Fortschritte in einer großen Bandbreite von Bereichen" geschaffen.
In seiner Eröffnungsansprache erklärte Bush: "Wir stehen an der Schwelle eines brandneuen Zeitalters amerikanisch-sowjetischer Beziehungen". Bessere Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sollten Bush
zufolge "eine Triebfeder für positive Veränderungen auf der ganzen Welt
sein". Der Präsident erklärte ferner: "Es gibt kein einziges Problem auf der
Welt - und ganz bestimmt nicht in Europa - zu dessen Lösung verbesserte amerikanisch-sowjetische Beziehungen nicht beitragen könnten."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Bush: Meine Damen und Herren, Präsident Gorbatschow hat mir freundlicherweise den Vortritt gelassen. Und
meiner Ansicht nach kann niemand behaupten, der Salzwassergipfel sei
kein Abenteuer gewesen - zumindest
hier im Hafen nicht.
Zunächst möchte ich Ministerpräsident
Adami und den Maltesern meinen Dank
sagen für ihre herzliche und großzügige
Gastfreundschaft
aussprechen.
Ich möchte ferner dem Kapitän und der
Besatzung der Belknap für die großartige Unterstützung danken. Sie fingen wohl bereits an, mich als Dauergast zu betrachten. Und mein besonderer Dank geht an den Kapitän und
die Besatzung der Maxim Gorki für ihre Gastfreundschaft und auch an die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Crew der Slawa, die uns Amerikaner
sehr freundlich aufgenommen haben.
Ich habe Generalsekretär Gorbatschow
zuerst nach meiner Europareise Im Juli vergangenen Jahres auf ein informelles Treffen angesprochen. Die beeindruckenden - und hoffnungsvollen Veränderungen, die ich in Polen und
Ungarn beobachten konnte, haben mich
zu der Auffassung veranlaßt, daß es
an der Zeit sei, sich mit Generalsekretär Gorbatschow in Verbindung zu
setzen, um herauszufinden, was wir
gemeinsam leisten können, um die sich
uns bietenden Chancen zu ergreifen
und die Beziehungen zu fördern.
Gorbatschow hat dem Vorschlag eines
Treffens zugestimmt.
Darüber haben

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wir schnell Einigung erzielt, und
meiner Ansicht nach haben die außergewöhnlichen Entwicklungen in Europa
seit der Zeit, als das Treffen vorgeschlagen wurde, die Bedeutung unserer
Zusammenkunft noch unterstrichen.
Deshalb freue ich mich besonders darüber, daß wir uns getroffen haben.
Wir haben jetzt ein besseres Verständnis unserer gegenseitigen Ansichten. Wir haben den Rahmen für
Fortschritte in einer großen Bandbreite von Bereichen geschaffen. Und
obwohl es nicht Aufgabe der Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion ist,
die Zukunft Europas oder irgendeines
Volkes zu bestimmen, bin ich doch davon überzeugt, daß ein kooperatives
amerikanisch-sowjetisches
Verhältnis
die Zukunft tatsächlich sicherer und
vielversprechender gestalten kann.
Es gibt kein einziges Problem auf der
Welt - und ganz bestimmt nicht in Europa - zu dessen Lösung verbesserte
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
nicht beitragen können. Bessere Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion stellen
einen Wert an sich dar, sollten aber
auch eine Triebfeder für positive
Veränderungen auf der ganzen Welt
sein.
Seit vierzig Jahren hat der Westen
Zusammenhalt für die Sache der Freiheit bewiesen.
Und jetzt befinden
wir uns angesichts der in der Sowjetunion stattfindenden Reformen an der
Schwelle zu einem brandneuen Zeitalter in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen. Wir können jetzt - jeder auf seine Weise - fast schon dazu
beitragen, daß die Teilung Europas
überwunden und die militärische Konfrontation dort beendet wird.
Wir
müssen mehr tun, um der Gewalt und
dem Leiden abzuhelfen, von denen so
viele Länder der Welt heimgesucht
werden und um die Bedrohungen für unser aller Zukunft zu beseitigen - die
Schädigung unserer Umwelt, die Verbreitung nuklearer und chemischer
Waffen, Technologietransfer für ballistische Raketen, Drogenhandel - und

unsere hier geführten Gespräche werden echten Fortschritten in diesen
Bereichen neuen Auftrieb geben.
Es bestehen ebenfalls gute Chancen,
um gemeinsame Möglichkeiten zu entwickeln. Zum Beispiel strebt die Sowjetunion jetzt eine engere Verbindung mit der internationalen Marktwirtschaft an - ein Schritt, den ich
auf jede erdenkliche Weise fördern
will.
Bei meiner Reise von Malta nach Brüssel und dem Treffen mit den NATOPartnern bin ich optimistisch, daß
wir mit Hilfe der engagierten Zusammenarbeit des Westens und bei engerer
Kooperation mit der Sowjetunion einen
dauerhaften Frieden verwirklichen und
die Ost-West-Beziehungen zu ständiger
Zusammenarbeit ausbauen können. Und
das ist eine Zukunft, die unserer
Völker würdig ist, bei der Gestaltung
dieser Zukunft möchte ich mithelfen,
und diese Zukunft haben Präsident
Gorbatschow und ich hier in Malta
eingeleitet.
Ich danke Ihnen.
Gorbatschow:
Meine Damen und Herren, Genossen, bei diesem Treffen
gibt es viele symbolische Akte und
einen, den es nie zuvor in der Geschichte gegeben hat, ist diese gemeinsame Pressekonferenz.
Das ist
gleichzeitig ein wichtiges Symbol.
Ich teile die Äußerung Präsident
Bushs, daß wir im allgemeinen mit den
Ergebnissen dieses Treffens zufrieden
sind.
Wir betrachten dieses Treffen - dem
Konzept nach war es ein informelles
Treffen, das von Präsident Bush vorgeschlagen wurde und meine Zustimmung
fand - als rein informell und ohne
die Einschränkung auf eine offizielle
Tagesordnung.
Wir
wollten
einen
freien Meinungsaustausch vornehmen,
weil die Zeit große Anforderungen an
unsere Länder stellt und damit die
Verantwortung ebenso an Bedeutung gewinnt wie die Rolle, die unsere beiden Länder spielen. Ich kann Ihnen

�versichern, daß wir uns in allen Gesprächen - die im Durchschnitt acht
Stunden dauerten - dieser Verantwortung bewußt waren.

Wir befürworten beide - natürlich
kann hier nur jeder für sich sprechen
- die Unterzeichnung dieses Dokuments
beim Gipfeltreffen.

Unsere Zusammenkunft war in allen Bereichen des Meinungsaustauschs von
Offenheit gekennzeichnet.
Es ist
heute schwierig und vielleicht wenig
sinnvoll, alle von uns erörterten
Teilbereiche
näher
zu
erläutern.
Dennoch möchte ich darauf hinweisen,
daß wir in allen Bereichen sehr offen
versucht haben, unsere Position darzulegen, die Situation der gegenwärtig stattfindenden Veränderungen auf
der ganzen Welt und in Europa zu bewerten und auf die Abrüstungsproblematik einzugehen.

Dieses Mal haben wir vor allem bilaterale Beziehungen erörtert, und ich
möchte meinerseits auf viele positive
Elemente und Punkte hinweisen, die
ich den Stellungnahmen und Äußerungen
Präsident Bushs entnehmen konnte.
Wir haben in allen Bereichen des politischen Dialogs in unseren Gesprächen, einschließlich der bilateralen
Beziehungen, die Beständigkeit und
Dauerhaftigkeit unseres politischen
Kurses bestätigt. Trotz der Tatsache, daß es sich hier um ein informelles Treffen handelte, haben wir
uns zum ersten Mal mit Präsident Bush
seit seinem Amtsantritt getroffen.
Und die Bestätigung der Dauerhaftigkeit dieses Kurses ist ein wichtiges
Element.

Wir haben den Ablauf der Verhandlungen in Genf und Wien angesprochen und
sind ferner auf die Verhandlungen
über die Ausarbeitung einer Konvention zum Verbot chemischer Waffen zu
sprechen gekommen. All diese Fragen
wurden eingehend erörtert.
Der Präsident und ich haben einen
Austausch über unsere jeweilige - in
Washington und Moskau vertretene Einstellung zu den Brennpunkten auf
unserem Planeten für notwendig erachtet.
Dieser Meinungsaustausch war
von besonderer Bedeutung und sehr
eingehend. Wir haben unsere jeweilige offizielle Haltung bekräftigt, daß
all diese - akuten - Probleme politisch gelöst werden müssen. Und meiner Ansicht nach war diese eine sehr
wichtige Feststellung der Fakten.
Wir haben aber nicht nur Probleme erörtert und unsere Positionen dargelegt. Meiner Ansicht nach haben beide Seiten vieles kundgetan, das bei
Berücksichtigung in künftigen Aktivitäten beider Regierungen dazu führen
wird, daß wir fest mit Fortschritten
rechnen können.
Das gilt für das
Thema der 50prozentigen Reduzierung
strategischer Offensivwaffen, und wir
sind optimistisch über die Möglichkeit, bereits im nächsten Jahr einen
Vertrag in Wien schließen zu können.

Von noch größerer Bedeutung ist die
Tatsache, daß wir bei diesem informellen Treffen den Grundstein für die
Aufstockung dieses Kapitals gelegt
haben.
Meiner Ansicht nach liegt
dies vor allem im Interesse unserer
beiden Länder und auch der gesamten
Staatengemeinschaft.
Wir haben gute Kontakte geknüpft.
Durch die freundliche, offene und
ehrliche Atmosphäre waren wir in der
Lage, gute Arbeit zu leisten. In unserer Situation wäre jede Übertreibung gefährlich. Wir sollten immer
wohlüberlegt handeln - um einen der
Lieblingsausdrücke von Präsident Bush
zu benutzen.
Unsere Welt und unsere Beziehungen
befinden sich an einem wichtigen
Scheideweg. Wir tragen große Verantwortung, wenn wir uns den Herausforderungen der Welt von heute stellen.
Und die Führer unserer beiden Länder
können nicht wie eine Feuerwehr handeln, auch wenn Feuerwehren sehr
nützlich sind. Das müssen wir uns
vor Augen führen, und dieser Punkt
war allgegenwärtig.

- 3-

�Ich möchte dem Präsidenten nochmals
für seine Idee danken, dieses Treffen
abzuhalten, mit dem wir - so hoffe
ich - beide zufrieden sind. Und ich
möchte den Maltesern und der Regierung von Malta meinen Dank für ihre
Gastfreundschaft aussprechen.
Herr
Präsident, ich danke Ihnen für die
Zusammenarbeit.
Bush:

Frage:
Präsident Gorbatschow, welches sind die von Ihnen angesprochenen Brennpunkte? Vielleicht El Salvador?
Konnten Sie Präsident Bush
überzeugen, daß die Sowjetunion ihren
Einfluß in Kuba und Nicragua geltend
machen würde, um Waffenlieferungen zu
stoppen?
Und waren Sie, Präsident
Bush, mit Präsident Gorbatschows Antwort zufrieden?

Vielen Dank.

Frage:
Herr Gorbatschow, Präsident
Bush hat Sie aufgefordert, den kalten
Krieg ein für allemal zu beenden.
Ist das Ihrer Ansicht nach jetzt geschehen?
Gorbatschow:
Zunächst einmal habe
ich dem amerikanischen Präsidenten
versichert, daß die Sowjetunion niemals einen heißen Krieg gegen die
Vereinigten Staaten beginnen würde.
Und wir möchten unsere Beziehungen
auf eine Art und Weise entwickeln,
die größere Chancen zur Kooperation
eröffnet. Natürlich habe ich mit dem
Präsidenten eingehende Gespräche darüber geführt, wo wir jetzt stehen.
Wir haben beide erklärt, die Welt
trete nunmehr nach dem kalten Krieg
in eine neue Epoche ein. Dies ist
nur der Anfang. Wir stehen noch ganz
am Anfang unseres Weges - eines langen Weges in ein langfristig friedliches Zeitalter.
Deshalb sind wir einmütig zu dem
Schluß gekommen, welch besondere Verantwortung Länder wie die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion tragen.
Natürlich haben wir darüber lange Gespräche geführt, auf die ich bei dieser Pressekonferenz nicht näher eingehen möchte - das heißt, wir sollten
uns im Hinblick darauf, daß ein neues
Zeitalter einen neuen Ansatz erfordert, nicht so sehr auf diese Gespräche konzentrieren.
Viele Merkmale
des kalten Krieges sollten fallengelassen werden, etwa ... (unverständlich)..., das Wettrüsten, das Mißtrauen, psychologischer und ideologische Kontroversen usw. All das sollte der Vergangenheit angehören.

Gorbatschow:
Ist diese Frage an
mich gerichtet?
Dieses Thema ist
eingehend erörtert worden. Wir haben
dem Präsidenten erneut bestätigt, daß
wir Waffenlieferungen nach Mittelamerika eingestellt haben.
Wir haben
darüber hinaus unsere Position bekräftigt, daß wir dem dort stattfindenden politischen Prozeß und einer
Klärung der Lage positiv gegenüberstehen. Wir befürworten freie Wahlen
mit Vertretern der Vereinten Nationen
und anderen Ländern Lateinamerikas,
um die Zukunft Nicaraguas zu besiegeln.
Wir verstehen die Sorge der Vereinigten Staaten. Wir haben den diesbezüglichen Argumenten Präsident Bushs
sorgfältig zugehört und ihm unsere
grundsätzliche
Meinung
versichert,
daß wir einer politischen Klärung der
Lage in Mittelamerika positiv gegenüberstehen.
Meiner Ansicht nach - und ich möchte
nicht im einzelnen auf alle Gesprächspunkte eingehen, sondern zusammenfassend
erklären, daß
eine
Chance zum Frieden in dieser Region
besteht - Frieden liegt im Interesse
aller Völker in der Region und läuft
auch den Interessen der Vereinigten
Staaten keineswegs zuwider.
Bush:
Meine Antwort lautet, daß
wir - genau wie Präsident Gorbatschow
gerade erklärt hat - eingehende Gespräche über diese Fragen geführt haben. Ich werde nicht eher ruhen, bis
mit Hilfe freier und fairer Wahlen in
Nicaragua die vollständige Selbstbestimmung verwirklicht wird. Und Gorbatschow hat mir genug Gelegenheit

�geboten, meiner Sorge über diese Region Ausdruck zu verleihen. Er hat
auch seine Anliegen bekundet.
Ich
kann nicht sagen, daß zwischen uns
keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, aber wir hatten Gelegenheit,
diese zu erörtern.
Und wenn noch
Differenzen bestehen, so doch nur
noch in wenigen Bereichen. Aber alle
von Ihnen, die aus den Vereinigten
Staaten kommen, kennen unsere Sorge,
daß Nicaragua die Revolution nach El
Salvador exportiert anstatt freie und
faire Wahlen durchzuführen. Darüber
haben wir lange, eingehende Gespräche
geführt, und ich möchte dazu nur sagen, daß meiner Ansicht nach ein besseres Verständnis zwischen beiden
Parteien das Ergebnis dieser Gespräche war.
Frage:
Eine
Frage
der
Zeitung
Iswestija an Präsident Bush, wobei
wir Kommentare des Genossen Gorbatschow begrüßen würden. Seit langem
besteht das Problem des Ausbaus von
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Dies ist insbesondere angesichts unserer wirtschaftlichen Reformen und den damit einhergehenden
Schwierigkeiten ein dringliches Problem. In welchem Umfang ist dieses
Problem bei Ihrem Treffen erörtert
worden, welche Haltung nimmt Ihre Administration, Präsident Bush, zum
Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und
dazu ein, ob Kontakte amerikanischer
Firmen zur Sowjetunion gefördert werden sollen?
Bush:
Fragen zur Wirtschaft sind
eingehend erörtert worden. Wir haben
einige Ausführungen gemacht, wie wir
an der wirtschaftlichen Front enger
mit der Sowjetunion zusammenarbeiten
können, und ich werde die Durchführung in einigen von uns erörterten
Bereiche beobachten. Meiner Ansicht
nach waren die Gespräche über Wirtschaft am fruchtbarsten. Ich würde
ein Klima begrüßen, in dem amerikanische Unternehmer Gorbatschow bei seinen Bestrebungen um Reformen und
Glasnost unterstützen.
Meiner An-

sicht nach wäre ein Klima, in dem als
Ergebnis dieser Gespräche Investitionen in der Sowjetunion erfolgen, wir
dem Land in bestimmten Bereichen helfen und noch andere Länder eine gemeinsame Basis mit multilateralen Finanzorganisationen finden würden, eine große Bereicherung.
Meiner Ansicht nach wäre das tätsächlich ein
großes Plus.
Gorbatschow:
Dieser Antwort möchte
ich noch etwas hinzufügen. Zunächst
möchte ich die Äußerungen des Präsidenten bestätigen. Und zweitens kann
das, was bei dem Treffen stattgefunden hat, als politischer Impetus betrachtet werden, an dem es uns bei
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
gefehlt hat, der jedoch nunmehr Auftrieb bekommt und Gestalt annimmt,
wie sie unserem Leben heute entsprechen.
Der künftige Kurs dieses Prozesses
wird von der - rechtlichen und wirtschaftlichen - Vorgehensweise der Sowjetunion abhängen. Sie werden verstehen, daß wir heute eine entscheidende Hinwendung unserer Wirtschaft
zur Kooperation mit anderen Ländern
anstreben, so daß wir festes Mitglied
im Weltwirtschaftssystem werden.
Frage:
Angesichts der gespannten
Situation im Libanon - in welcher
Weise wurde die militärische Option
im Libanon erörtert? Und welche Entscheidungen haben Sie zum Nahen Osten
generell getroffen?
Die Frage geht
sowohl an Präsident Bush als auch an
Präsident Gorbatschow.
Gorbatschow:
Wir
konnten
nichts
zur Lage im Libanon sagen, weil sowohl die Vereinigten Staaten als auch
das sowjetische Volk Mitgefühl mit
der schwierigen Situation und den
Leiden dieser Menschen haben.
Wir
haben unsere Meinung ausgetauscht,
wobei wir in dieser Hinsicht gleicher
Meinung waren und übereingekommen
sind, den Meinungsaustausch fortzusetzen, wobei jeder seine Möglichkeiten ausschöpfen soll.

�Bush: Unsere - von Präsident Gorbatschow geteilten - Hoffnungen richten sich auf eine friedliche Lösung
der Libanonfrage.
Wir unterstutzen
das Dreiparteien-Abkommen, das von
Gorbatschow sehr aktiv gefördert wurde. Wir wollen keine Kämpfe mehr im
Libanon. Darin sind wir uns mit Gorbatschow voll und ganz einig. Daher
wurde der Libanon so eingehend erörtert und wir würden gern die Rückkehr
zu einem friedlichen, demokratischen
Libanon beobachten.
Meiner Ansicht
ist sich jeder in den Vereinigten
Staaten mit mir über die Unerträglichkeit der Kämpfe im Libanon im
klaren. Aber wir werden versuchen zu
helfen. Wir werden auf jede erdenkliche Art zu helfen versuchen.
Frage: Meine Frage richtet sich an
Präsident Bush. Als Präsident der
Vereinigten Staaten nehmen Sie erstmals an einem Gipfel teil, als Vizepräsident der vorigen Administration
haben Sie hingegen die Außenpolitik
mitbestimmt. Wie beurteilen Sie den
Kurs, den unsere beiden Länder zwischen Genf und Malta eingeschlagen
haben?
Bush:
Diese Frage ist leicht zu
beantworten, denn die Beziehungen
verbessern sich drastisch. In unserem Land gibt es ungeheure Unterstützung für das, was Präsident Gorbatschow in seinem Land unternimmt.
Für die Art und Weise, wie er friedlichen Veränderungen in Europa gegenübersteht, wird ihm viel Respekt gezollt und große Unterstützung zuteil. Bei diesem Treffen wurde all
das erreicht, was ich erhofft hatte.
Es war ein Treffen ohne Tagesordnung
und dennoch haben wir, auch nach Meinung Gorbatschows, sehr viele Themen
abgehandelt.
Wenn also mit einem
Treffen Beziehungen verbessert werden
können, dann ist das bei diesem Treffen sicherlich der Fall gewesen.
Frage:
Präsident Gorbatschow, haben Sie konkrete Vereinbarungen über
Instruktionen, Zeitpläne oder Termine
für die Verhandlungen über chemische

Waffen, Atomwaffen oder konventionelle Streitkräfte getroffen?
Gorbatschow:
Wir haben viel Zeit
für Gespräche über konkrete Fragen
zur Abrüstung und zu verschiedenen
Verhandlungen aufgewendet.
Nur als
Beispiel, und um Ihnen zu zeigen, daß
dies substantielle Gespräche waren,
teile ich Ihnen mit, daß unsere Außenminister bald zusammentreffen werden, die Anweisung erhalten haben,
eine Annäherung der Positionen zu erarbeiten.
Im Zusammenhang mit den
neuen interessanten Vorschlägen von
Präjident Bush über chemische Waffen,
die auf ein weltweites Verbot abzielen und bis dahin bestimmte Maßnahmen
vorsehen, besteht die Möglichkeit einer baldigen Annäherung.
Im Hinblick auf strategische Offensivwaffen zeigt die Analyse der Situation und die zur Vorbereitung des
Vertrags erteilten Instruktionen, daß
wir bis zur zweiten Junihälfte - und
das wurde offiziell beschlossen - die
notwendige Arbeit leisten, um die
grundlegenden
Bestimmungen
dieses
Vertrags zu erarbeiten, der dann in
den darauffolgenden Monaten unterschriftsreif würde.
Aus diesem Grund messe ich der hier
geleisteten Arbeit größte Bedeutung
bei. Natürlich gibt es Fragen, die
einer ausführlichen Erörterung bedürften, um Bedenken auf beiden Seiten auszuräumen. Unsere Bedenken im
Hinblick auf strategische Offensivwaffen und die Vorbereitung des Vertrags über den 50prozentigen Abbau
dieser Waffensysteme erstrecken sich
vor allem auf SLCMs. Wir haben mit
dem Präsidenten die Frage erörtert,
daß wir - das heißt die Sowjetunion angesichts der unterschiedlichen Kurse, die beim Abbau von Nuklearwaffen
und
konventionellen
Streitkräften
eingeschlagen wurden, an neuen Elementen in der Militärdoktrin der NATO-Staaten interessiert sind, wenn
wir eine Verteidigungsdoktrin erarbeiten wollen. Aus diesem Grund ist
es jetzt an der Zeit, die Gespräche

�über Seestreitkräfte aufzunehmen.
Ich möchte nochmals bekräftigen - und
ich glaube, der Präsident wird dem
zustimmen -, daß unsere Gespräche
sehr fruchtbar und ermutigend waren,
und wir daher mit Erfolg rechnen können.
Frage:
Präsident Gorbatschow, können Sie mir sagen, ob Ihr anfänglicher Optimismus gerechtfertigt war?
Gorbatschow:
Meiner Ansicht nach
gab es sowohl Grund für Optimismus
als auch Pessimismus, und ich möchte
hier nicht allzu sehr ins Detail gehen. Wenn ich Sie richtig verstanden
habe, zielt Ihre Frage darauf ab, inwieweit wir im Hinblick auf die Ergebnisse dieses Treffens von Optimismus oder Pessimismus sprechen können. Vor Beginn dieser Begegnung waren beide Seiten zurückhaltend und
haben eine ausgewogene, vorsichtige
Position bezogen. Das heißt jedoch
nicht, daß wir Pessimisten sind, sondern vielmehr sehr verantwortungsvoll
handelten.
Heute hat das Treffen
stattgefunden, und wir haben die Ergebnisse mit dem Präsidenten zusammengefaßt, und ich bin optmistisch
bezüglich der Ergebnisse und der sich
jetzt abzeichnenden Aussichten.
Frage: Präsident Bush, ich beziehe
mich auf die Frage der Seestreitkräfte, die Präsident Gorbatschow eben
gerade angeschnitten hat. Können Sie
uns sagen, was Sie Präsident Gorbatschow bezüglich Ihrer Haltung zum
Abbau der Seestreitkräfte und der
Haltung der NATO in diesem Zusammenhang mitgeteilt haben? Wenn die Sowjets tatsächlich bereit sind, zu einem defensiven Einsatzkonzept überzugehen, ist es dann nicht an der Zeit,
einige Kürzungen in diesem Bereich zu
erwägen?
Bush:
Bei unserem Treffen handelt
es sich nicht um Rüstungskontrollverhandlungen in dem Sinne, daß Differenzen ausgeräumt werden sollen. Wir
haben in der Frage der Seestreltkräfte noch Meinungsverschiedenheiten mit

der Sowjetunion - dessen sind wir uns
beide bewußt. Der Punkt ist jedoch,
daß wir diese Fragen in einer sehr
konstruktiven Atmosphäre erörtern und
der Staats- und Parteichef weiß, daß
ich hier keine Absprachen im Bereich
der Rüstungskontrolle treffen kann.
Meiner Ansicht nach sind die Seestreitkräfte kein Bereich, in dem wir
unmittelbare Erfolge verzeichnen können.
Wir haben über die ganze Bandbreite
dieser Themen gesprochen, jedoch keine Einigung bezüglich der besonderen
Frage der Rüstungskontrolle für Seestreitkräfte erzielt.
Dessen sind
wir uns beide bewußt.
Gorbatschow
hatte jedoch Gelegenheit, mir die Bedeutung dieses Themas zu erläutern.
Und als Bündnispartner haben wir die
Möglichkeit, das gesamte Spektrum von
Rüstungskontrollfragen
mit
unseren
Verbündeten zu erörtern. Es ist genau die Art von Atmosphäre für ein
Treffen, die er und ich uns vorgestellt hatten. Wir konnten Themen
besprechen, bei denen wir jahrelang
Meinungsverschiedenheiten hatten und
Wege finden, sie auszuräumen. Dies
ist uns in einigen wichtigen Bereichen gelungen.
Es bestehen jedoch
noch immer einige Differenzen, das
muß offen zugegeben werden.
Frage:
Haben Sie den sowjetischen
Vorschlag zu Helsinki II erörtert?
Und sind Sie bereit, im Hinblick auf
die Krise im Nahen Osten geraeinsam
mit der Sowjetunion die Initiative zu
ergreifen?
Gorbatschow:
Zunächst
zur
Frage
von Helsinki II. Meiner Ansicht nach
haben wir uns im Verlauf dieses Treffens auf die außerordentliche Bedeutung des KSZE-Prozesses verständigt
und seine positiven Ergebnisse festgehalten - Ergebnisse, dank derer die
tiefgreifenden Veränderungen in Europa und der Welt insgesamt fortgesetzt
werden können, da Europa aus vielfältigen Gründen großen Einfluß auf das
Weltgeschehen hat.
Sowohl Präsident Bush als auch Ich

- 7 -

�befürworten die Weiterentwicklung des
KSZE-Prozesses im Einklang mit den
Erfordernissen der heutigen Zeit, damit wir ein neues Europa auf der
Grundlage der Gemeinsamkeiten zwischen den europäischen Ländern aufbauen können.
Wir haben erneut bekräftigt, daß es
sich hierbei um eine gemeinsame Angelegenheit aller europäischen Signatarstaaten der Schlußakte von Helsinki handelt, einschließlich der gesamten EG. Diese Tatsache fand in allen
Diskussionen über Europa und die
übrige Welt unter aktiver und konstruktiver Beteiligung der Vereinigten Staaten und Kanadas ihren Niederschlag. Aus diesem Grund befürworten
wir die Stärkung dieses Prozesses.
Die Umstrukturierung der KSZE-Institutionen sollte zu diesem Zeitpunkt
in einer Anpassung an die derzeitigen
Veränderungen bestehen.
Nehmen Sie
beispielsweise die NATO und den Warschauer Pakt. Sie sollten nicht länger militärische Bündnisse sein, sondern vielmehr militärpolitische und
später rein politische Bündnisse werden. Ihre Struktur würde sich also
entsprechend der Veränderungen auf
dem Kontinent wandeln.
Darüber hinaus bestehen berechtigte
Hoffnungen, daß der Gemeinsame Markt
und der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe unter aktiver Beteiligung der Vereinigten Staaten an den
Wirtschaftsprozessen zu größerer Offenheit gelangen werden. Unserer Ansicht nach müssen wir jetzt ensprechend den Erfordernissen der heutigen
Zeit Schritt für Schritt vorgehen,
die gesamte Verantwortung übernehmen,
ohne das Sicherheitsgefüge aus dem
Gleichgewicht zu bringen. Wir müssen
die Lage insgesamt, Stabilität und
Sicherheit
verbessern.
Um
diese
Punkte drehten sich unsere Gespräche,
und ich bin sicher, daß Präsident
Bush dem nur zustimmen und bekräftigen kann, daß wir übereinstimmende
Ansichten zu diesen Themen haben.

Frage: Das Treffen fand im Mittelmeer statt. Haben Sie das Problem
des Abbaus der militärischen Präsenz
im Mittelmeer erörtert?
Bush: Ist diese Frage an mich gerichtet?
Zunächst zum Abbau - wir
hatten keine spezifischen Zahlen im
Kopf. Gorbatschow hat die Frage der
Rüstungskontrolle für Seestreitkräfte
angeschnitten, und ich habe darauf
nicht beonders positiv reagiert. Wir
sind uns jedoch einig, daß wir den
KSE-Prozeß voranbringen und so abschließen wollen, daß Italien und die
anderen Länder fest im NATO-Bündnis
verankert sind. Wir haben zwar bei
diesen Themen nicht in allen Einzelheiten Einigung erzielt, aber das haben wir auch nicht erwartet.
Nun
möchte ich kurz.auf die Frage der gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Initiative eingehen. Um die Nahostfrage zu lösen, bedarf es keiner gemeinsamen Initiative. Wir haben jedoch festgestellt, daß die Sowjetunion im Libanon eine konstruktive Rolle
spielt und im gesamten Nahen Osten
versucht, das Dreiparteien-Abkommen
zu unterstützen, das auch die Vereinigten Staaten uneingeschränkt befürworten. Hier gibt es also Gemeinsamkeiten, was im Verlauf der Geschichte
vielleicht nicht immer der Fall war.
Und die Vereinigten Staaten haben es
auch nicht immer aus dem Blickwinkel
gesehen, welche konstruktive Rolle
die Sowjetunion spielen könnte.
Nach unseren und den zwischen Außenminister Baker und Schewardnadse geführten Gesprächen spielen die Sowjets eine konstruktive Rolle. Ich
möchte nochmals das Dreiparteien-Abkommen anführen. Ich bin sicher, daß
sie nach unseren Gesprächen unsere
Ansicht im Hinblick auf eine friedliche Lösung der Probleme im Nahen
Osten - sei es der Libanon oder Jordanien - teilen.
Hier haben wir
weitgehend Einigung erzielt.
Frage:
Präsident Gorbatschow, haben Sie Präsident Bush versichert,
daß die Sowjetunion...

�Gorbatschow: Ich kann dem, was Präsident Bush gesagt hat, nur hinzufügen, daß wir das Thema Naher Osten
sehr gründlich erörtert haben. Und
meines Erachtens haben wir Einigung
erzielt, unsere Möglichkeiten zu nutzen und einzugreifen, um eine Lösung
dieses anhaltenden Konflikts zu fördern, der die gesamte Weltlage negativ beeinflußt.
Wir sind uns darüber hinaus auch einig, daß wir eine realistische Chance
haben, den Einigungsprozeß in die Wege zu leiten. Da die Lage sich sehr
rasch ändert, dürfen wir diese Chance
nicht vergeuden.
Frage:
Ich gehöre zur Gruppe der
tschechoslowakischen
Journalisten.
Präsident Gorbatschow, haben Sie Präsident Bush zugesichert, daß die Veränderungen in Osteuropa unumkehrbar
sind und die Sowjetunion das Recht
auf militärische Intervention dort
aufgegeben hat?
Und an Präsident
Bush gleichermaßen die Frage: Haben
Sie infolge dieses Treffens größeres
Vertrauen, daß die Sowjets tatsächlich eine Abkehr von der BreschnewDoktrin vollzogen haben?
Gorbatschow:
Ich möchte mich hier
nicht als alleiniger Sprecher aller
europäischen Länder sehen. Das wäre
nicht richtig.
Wir sind ein Teil
Osteuropas, und damit ganz Europas.
Wir arbeiten in allen Bereichen mit
unseren Verbündeten zusammen, und unsere Bindungen sind tief.
Dennoch
bildet jede Nation eine eigenständige
Einheit in der Weltpolitik, und jedes
Volk hat das Recht, sein Schicksal
und das Schicksal seines Staates
selbst zu bestimmen.
Ich kann nur
meine eigene Einstellung erläutern.
Meines Erachtens wurden die Veränderungen in der Sowjetunion und in den
Ländern Osteuropas durch den Lauf der
Geschichte
selbst
herbeigeführt.
Niemand kann diesen Evolutionsprozeß
aufhalten, und die Probleme sollten
unter Berücksichtigung der Erfahrungen und des Potentials dieser Länder
auf einer neuen Grundlage gelöst wer-

den und Möglichkeiten eröffnen, um
alles Positive zu nutzen, das vom
Menschen geschaffen wurde.
Meiner
Ansicht nach sollten wir die Dynamik
dieser Prozesse begrüßen, da sie den
Wunsch der Menschen zum Ausdruck
bringen, ihre Gesellschaften demokratischer, menschlicher zu machen und
sich der Welt zu stellen. Daher fühle ich mich durch diesen Prozeß ermutigt, und ich glaube, daß die anderen
Länder ebenso denken.
Darüber hinaus beobachte ich tiefgreifende Veränderungen in anderen
Ländern, unter anderem in Westeuropa
und dies ist ebenfalls von Bedeutung,
da es sich um eine wechselseitige Bewegung handelt, dank derer sich die
Menschen auf dem Kontinent näher kommen und dabei gleichzieitg ihre eigene Identität bewahren. Es ist sehr
wichtig, sich dies vor Augen zu führen.
Frage:
Ich möchte im Namen der
tschechoslowakischen Journalisten eine Frage stellen. Wir erörtern die
Zukunft Europas...
Bush: Kann ich darauf kurz antworten?
Ohne Zweifel vollzieht sich
dort ein dramatischer Wandel. Niemand kann das bezweifeln. Und wenn
Präsident Gorbatschow von demokratischen und friedlichen Veränderungen
spricht, wird damit die bisherige
Doktrin zu Grabe getragen, die einen
anderen Ansatz verfolgte. Er weiß,
daß nicht nur der Präsident sondern
das ganze Volk der Vereinigten Staaten die Fortführung dieses demokratischen
Evolutionsprozesses
wünscht.
Dies ist meines Erachtens die beste
Art und Weise, diese Frage zu beantworten, da der Wandel so dramatisch
und so offensichtlich ist. Ich möchte jedoch hinzufügen, daß wir Gelegenheit hatten, dies sehr viel mehr
im Detail zu erörtern, als hier angebracht wäre.
Frage:
Präsident Bush, Sie haben
die Sowjetunion der Waffenlieferungen
nach El Salvador und Mittelamerika
beschuldigt, und Sie, Präsident Gor-

*

�batschow, haben diese Anschuldigungen
zurückgewiesen.
Jetzt sitzen Sie
beide hier nebeneinander - wer von
Ihnen ist im Recht?
Bush:
Vielleicht sollte ich diese
Frage als erster beantworten. Meiner
Ansicht nach haben wir keine solche
Beschuldigung gegenüber der Sowjetunion vorgebracht. Wir haben gesagt,
die Waffenlieferungen dorthin seien
eine unhaltbare Situation.
Meines
Erachtens haben die Nicaraguaner dies
nicht nur stillschweigend geduldet
sondern sogar ermutigt. Und die Beweise liegen auf der Hand. Aber ich
möchte hier die Worte des sowjetischen Außenministers nicht in Zweifel
ziehen. Er und Außenminister Baker
und Präsident Gorbatschow und ich haben darüber gesprochen. Meines Wissens hat er zu einem früheren Zeitpunkt gesagt, freie Wahlen seien der
richtige Weg. Ich habe ihn auch über
das Telephongepräch mit Oscar Arias
informiert, in dem er Castro und die
Sandinisten
dafür
verantwortlich
machte, die Revolution zu exportleren
und Mittelamerika zu unterminieren.
Zu diesem Thema könnten wir Meinungsverschiedenheiten haben, aber Ich wäre vorsichtig, wenn Sie sagen, ich
hätte sie dieser Waffenlieferungen
beschuldigt. Das habe Ich nicht, da
Außenminister
Schewardnadse
direkt
mit seinem Amtskollegen Baker in Verbindung getreten ist. Jeder weiß jedoch, daß es in Mittelamerika Unmengen von Waffen internationaler Provenienz gibt.
Unabhängig von ihrer
Herkunft untergraben sie jedoch die
Bestrebungen der Länder In der Region, die eine Fortführung des Demokratisierungsprozesses wünschen.
Gorbatschow:
Präsident
Bush
hat
das Gespräch über dieses Thema richtig erläutert. Wir wurden nicht beschuldigt, und wir mußten weder etwas
akzeptleren noch zurückweisen.
Wir
haben den Präsidenten über die bindenden Zusagen aus Nicaragua informiert, daß weder die Waffen noch
Flugzeuge eingesetzt werden. Und der
Präsident hat unsere Argumente ange-

nommen und ihnen zugestimmt. Im Hinblick auf das prinzipielle Vorgehen
möchte ich wiederholen, daß wir freie
Wahlen befürworten, damit dieser Konflikt mit politischen Mitteln gelöst
und die Situation sich normalisieren
kann.
Bush: Darüber hatte man sich geeinigt. Ich stimme dieser Beurteilung
zu. Dennoch habe ich immer noch das
Gefühl, daß Waffen nach El Salvador
geliefert werden. Wir haben eindeutige Beweise dafür.
Ich kann die
Darstellung der Fakten hier nicht widerlegen.
Aber es gibt Differenzen. Ich glaube
nicht, daß die Sandinisten unseren
sowjetischen Freunden die Wahrheit
gesagt haben. Und warum? Weil wir
mit lOOprozentiger Sicherheit wissen,
daß Waffen nach dort geliefert worden
sind.
Ich sage nicht, sowjetische
Waffen. Sie haben gesagt, sie liefern keine Waffen, und das akzeptiere
ich. Aber es werden Waffen dorthin
geliefert. Und ich sage, daß sie Außenminister Schewardnadse irregeführt
haben, als sie definitiv erklärten,
von Nicaragua gingen keine Waffenlieferungen nach El Salvador. Es gibt
also unterschiedliche Betrachtungsweisen bei dieser Frage. Und die beste Art und Weise, diese Differenzen
beizulegen, besteht in freien Wahlen
in Nicaragua. Was Castro anbetrifft
- auf ihn habe ich überhaupt keinen
Einfluß. Vielleicht stellt irgendjemand diese Frage an Präsident Gorbatschow. Aber weltweit gibt es hie
und da unterschiedliche Meinungen an
unterschiedlichen Orten.
Frage: Eine Frage an beide Präsidenten: Was ist mit Kuba?
Gorbatschow:

Was meinen Sie?

Frage: Oscar Arias hat offensichtlich Präsident Bush angerufen und ihm
gesagt, Kuba würde die Lage in der
Region durch Kommentare schüren...
Gorbatschow:
Latein- und

Wir haben die Lage in
Mittelamerika
erörtert

�und unsere Beurteilungen erläutert.
Anhand unserer eigenen Analysen und
Beurteilungen habe ich dem Präsidenten die sich abzeichnenden Konditionen zur Verbesserung der Lage erklärt, da sowohl die Vereinigten
Staaten als auch andere Länder den
Wunsch zur Normalisierung haben.
Frage:
Wie schätzen
in Deutschland ein?

sie

Gorbatschow:
Möchten Sie
deutschen Frage beginnen?
Frage:
Wollen
Präsident?

Sie

die

mit

te zu diesem Thema das letzte Wort
haben.
Gorbatschow:
Ja, und der Präsident
hat mir eine Botschaft in Englisch
gesandt. Ich spreche kein Englisch,
aber ich habe in Russisch geantwortet
- er spricht kein Russisch. Wir haben uns trotzdem verständigt.

Lage

der

antworten, Herr

Bush: Sehr gerne. Vielleicht wiederholt jemand die Frage noch einmal,
wenn ich antworten soll. War es die
Frage bezüglich Deutschland?
Frage: Ob die deutsche Frage erörtert wurde und ihre Haltung gegenüber
dem Kohl-Plan.
Bush: Die Vereinigten Staten haben
als Teil der NATO eine traditionelle
Position. In Helsinki wurde ein Konzept permanenter Grenzen formuliert.
Ich habe Präsident Gorbatschow gegenüber eindeutig klargestellt, daß wir
unsererseits nichts Unrealistisches
tun wollen, das zu Rückschritten in
einem Land oder zur Verwicklung des
eigenen Volkes in einem militärischen
Konflikt führen könnte.
Meines Erachtens haben wir also versucht, uns so zu verhalten, wie es
auch Präsident Gorbatschow angedeutet
hat - wohlüberlegt. Also nicht auf
der Berliner Mauer zu demonstrieren,
um zu zeigen, wie glücklich wir über
den Wandel sind.
Wir sind sehr
glücklich über die Veränderungen.
Ich habe von vielen führenden Politikern Erklärungen zur deutschen Frage
vernommen. Ich glaube nicht, daß es
den Vereinigten Staaten zukommt, das
Tempo des Wandels in irgeneinem Land
zu diktieren.
Dies ist Sache der
dort lebenden Menschen. Das ist unsere Position. Der Vorsitzende soll-

Ich möchte mich kurz fassen. In den
letzten Tagen habe ich mehrmals zu
dieser Frage Stellung genommen. Ich
kann nur bekräftigen, was ich bereits
früher erklärt habe, aber nach den
Gesprächen mit dem Präsidenten über
dieses Thema kann ich sagen, daß wir
dieses Problem auf der Grundlage des
KSZE-Prozesses behandeln, in dem die
Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs ihren Ausdruck fanden und der die Ergebnisse dieses Krieges festgeschrieben hat. Und das sind Realitäten.
Die Realität besteht darin, daß wir
heute in Europa zwei deutsche Staaten
haben - die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische
Republik -, die beide Mitglieder der
Vereinten
Nationen
und
souveräne
Staaten sind.
Die Geschichte hat es so entschieden. Und ich komme immer wieder auf
diesen Grundsatz zurück. Um Realisten zu bleiben, sollten wir erklären, daß die Geschichte selbst über
die Prozesse und das Schicksal des
europäischen Kontinents sowie über
das Schicksal beider deutscher Staaten entscheidet.
Ich bin der Meinung, daß dies eine von allen Seiten
geteilte Überzeugung ist. Und jede
künstliche Beschleunigung des Prozesses würde die Lage nur verschlimmern
und den Wandel in vielen europäischen
Ländern nur erschweren.
Wir würden diesem Prozeß durch eine
künstliche Beschleunigung oder das
Antreiben der gegenwärtig in beiden
Ländern stattfindenden Prozesse keinen Dienst erweisen.
Ich denke, wir können den Medien für
ihre Zusammenarbeit dankbar sein.
Wir wissen natürlich noch nicht, was

- 11 -

�sie über uns schreiben werden.
Bush:
...richtig, ihnen nachher zu
danken?
Nachdem sie ihre Berichte
verfaßt haben?
Gorbatschow:
Wir sollten ihnen im
voraus danken, und sie werden deshalb
in Zukunft bessere Bereichte verfassen.
Ich möchte Ihnen für Ihre Zusammenarbeit danken, Herr Präsident.
Frage:
Präsident
Bush, wie ist
denn jetzt die persönliche Beziehung
zwischen Ihnen beiden? Wären regelmäßige Kontakte, die vielleicht nicht
mehr als Gipfeltreffen zu bezeichnen
wären, hilfreich?
Bush:
Ich habe Präsident Gorbatschow schon vorher gekannt, und ich
überlasse es ihm, für sich selbst zu
sprechen, aber ich bin der Meinung,
daß wir ein gutes persönliches Verhältnis haben, und ich glaube, das
trägt zur Offenheit auf beiden Seiten
bei - daß wir unsere unterschiedlichen Meinungen sowie auch die Bereiche des Einvernehmens darlegen. Und
das ist ein sehr wichtiges Element
aufgrund der Position der beiden
Mächte und aufgrund der dramatischen
Veränderungen, die heute stattfinden.
Ich sage nicht, daß er aufgrund persönlicher Sympathien seit langem bestehende politische Positionen ändern
wird. Und wenn ich sage, daß ich ihn
mag, heißt das nicht, daß wir unsere
seit langem bestehenden Positionen
verändern werden. Es ist uns hier
jedenfalls gelungen, uns zu treffen
und über die Meinungsverschiedenheiten ohne Groll und so offen wie möglich zu sprechen. Und meiner Meinung
war dies ein sehr konstruktives Treffen. Ich hätte mir also kein besseres Ergebnis dieses Nichtgipfel-Gipfeltreffens wünschen können.
Was Ihre Frage nach regelmäßigen
Treffen angeht, so bin ich offen, ihn
so oft wie nötig zu treffen, um die
fortschrittliche Entwicklung in Gang

zu halten.
Wir haben bereits ein
Gipfeltreffen
verabredet.
Dieses
Gipfeltreffen wird die Tagesordnung
in der Rüstungskontrolle voranbringen. Und das ist gut so, weil ich
ihm gegenüber dargelegt habe, daß wir
ein START-Abkommen und ein KSE-Abkommen sowie hoffentlich ein Abkommen
über chemische Waffen erreichen möchten. Das ist eine sehr ehrgeizige
Tagesordnung.
Ich denke, wenn wir
uns nicht hier an den Tisch gesetzt
und miteinander gesprochen hätten, so
hätten wir vielleicht nicht verstanden, wie der andere über diese wichtigen Themen denkt.
Gorbatschow:
Ich möchte bestätigen, was Präsident Bush gesagt hat daß wir uns schon lange kennen. Aber
ich möchte hinzufügen - und darauf
habe ich mich nicht mit dem Präsidenten im voraus verständigt, aber es
ist auch kein Geheimnis -, daß wir
einen umfangreichen Meinungsaustausch
bei früheren Kontakten hatten und dadurch Verständnis für die Positionen
des anderen entwickelt haben.
Ich
möchte nur Governors Island oder unser Gespräch im Auto erwähnen, wodurch wir verstanden haben, worüber
wir gesprochen haben.
Ferner hat es einen Briefwechsel gegeben, und unser heutiges Treffen
stellt unsere Kontakte auf eine höhere Ebene. Ich bin über unsere Treffen und unsere Gespräche befriedigt,
einschließlich unserer beioden Gespräche unter vier Augen. Ich teile
die Ansicht des Präsidenten, daß persönliche Kontakte ein sehr wichtiges
Element in den Beziehungen zwischen
Staatschefs sind, und dies gilt tim so
mehr, da wir von den führenden Politikern von Ländern wie den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sprechen. Ich begrüße diese persönliche
Beziehung.
Der Präsident hatte ganz recht, als
er sagte, dies bedeute nicht, daß wir
unsere seit langem vertretenen Positionen um unserer persönlichen Beziehung willen aufgeben oder uns der
Verantwortung entziehen würden. Ich

- 12 -

�glaube, daß unsere persönlichen Kontakte uns dabei helfen, unserer Verantwortung gerecht zu werden und besser im Interesse unserer beiden Staaten und der gesamten internationalen
Staatengemeinschaft miteinander auszukommen. Ich persönlich möchte dem
Präsidenten für seine Zusammenarbeit
bei diesem Treffen danken, für die
Kooperation bei einem sehr wichtigen
amerikanisch-sowjetischen
Vorhaben.
Unser Anteil ist fifty-fifty.

* * * * *

- 13 -

�AMERIKA DIENST
\ o N

Dokumentation

$ &lt;

6. Dezember 1989

44

BAKER ERLÄUTERT AMERIKANISCHE HALTUNG ZUR EINHEIT DEUTSCHLANDS
- Interview des US-Außenministers mit CNN BRÜSSEL - (AD) - In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN
hat Außenminister Baker am 4. Dezember 1989 darauf verwiesen, daß die Einheit
Deutschlands seit 40 Jahren und auch weiterhin Ziel der amerikanischen Außenpolitik sei. Der spezifische Charakter einer solchen Vereinigung solle jedoch
gegenwärtig nicht festgelegt werden, "denn Einheit kann vieles bedeuten".
Ferner müßten in der DDR vor einer Vereinigung der beiden deutschen Staaten
"Selbstbestimmung ... freie und faire Wahlen mit mehreren Parteien" sowie "die
Entwicklung zu einer freien Marktwirtschaft" verwirklicht werden. Die Grenzen
in Europa "sollten nur mit friedlichen Mitteln verändert werden".
Nachfolgend
Wortlaut:

veröffentlichen

wir das

Interview mit dem US-Außenminister im

Frage: Sie kommen gerade vom Gipfeltreffen der Präsidenten Gorbatschow und Bush in Malta und werden
nun zusammen mit Präsident Bush die
Verbündeten unterrichten. Erwägt das
Bündnis nun weitere Reduzierungen der
konventionellen Streitkräfte in Europa, die über das hinausgehen, was bereits für den Abschluß eines Vertrags
mit der Sowjetunion vorgeschlagen
wurde?

Die vielfach von unseren Verbündeten
zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen, wir könnten uns auf irgendeine
Diskussion mit den Sowjets über einen
speziellen Vorschlag zur Reduzierung
der konventionellen Streitkräfte einlassen, waren also unbegründet. Und
meines Erachtens wird dies nach dem
Bericht des Präsidenten über sein
Treffen in Malta jetzt allgemein anerkannt.

Antwort:
Nein, das ist nicht der
Fall, und dieses Thema wurde in Malta
auch gar nicht behandelt - das heißt,
die weitere Reduzierung der konventionellen Streitkräfte wurde nicht in
solch spezieller Form mit Gorbatschow
angesprochen. Es gab nur eine sehr
allgemeine Diskussion über konventionelle Streitkräfte.

Frage: Haben Sie mit den Verbündeten über eine mögliche nächste Stufe
der Reduzierungen gesprochen?

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Antwort: Nein. Heute morgen haben
wir ziemlich umfassend über die Bedeutung von Fortschritten in bezug
auf ein Abkommen über konventionelle
Streitkräfte und dessen Abschluß im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kommenden Jahr gesprochen, was dem
ursprünglich im vergangenen Mai von
der NATO vereinbarten Zeitplan entspricht, der auch von Präsident Bush
und Präsident Gorbatschow in Malta
gutgeheißen wurde - also ein Abschluß
im nächsten Jahr. Darüber wurde heute morgen ziemlich eingehend gesprochen.
Frage:
Ein weiteres Thema, das
heute morgen sicherlich zur Sprache
kam, ist die Zukunft Deutschlands.
Haben die Verbündeten darüber diskutiert und gab es einen Konsens darüber, wie diese Frage zu behandeln
ist?
Antwort:
Nun, darüber wurde gesprochen. Ich scheue mich ein wenig,
dies als Konsens zu bezeichnen, denn
es könnte sehr wohl unterschiedliche
Ansichten dazu geben, aber ich werde
Ihnen gerne unsere Haltung erläutern.
Unsere Haltung ist grundsätzlich dadurch gekennzeichnet, daß die Einheit
Deutschlands ein seit 40 Jahren von
der NATO vertretenes politisches Ziel
ist. Aber Einheit kann vieles bedeuten. Sie kann in einem einzigen Bundesstaat oder in einer Konföderation
von Staaten verwirklicht werden. Wir
sollten also zum jetzigen Zeitpunkt
den genauen Charakter einer solchen
möglichen
Vereinigung
noch
nicht
festlegen.
Ein weiterer Grundsatz besteht darin,
daß dies nur nach der Verwirklichung
der Selbstbestimmung in der Deutschen
Demokratischen Republik, freien Wahlen - freien, fairen Wahlen mit mehreren Parteien - der Fall und Teil
eines schrittweisen Prozesses sein
sollte.
In dieser Hinsicht besteht
größtenteils Einmütigkeit, aber ich
scheue mich doch zu sagen, es herrsche ein Konsens, weil es einige
Staaten geben könnte, die bei dem einen oder anderen dieser Prinzipien
eine unterschiedliche Haltung einnehmen.
Bevor wir zum nächsten Thema kommen,
möchte ich noch ein weiteres Prinzip

nennen. Eine Vereinigung der beiden
deutschen Staaten betrifft natürlich
auch Grenzen. Ich bin sicher, daß es
hier wahrscheinlich unterschiedliche
Ansichten bei verschiedenen Mitgliedstaaten des Bündnisses geben wird,
und ich bin mir bewußt, daß auch einige Länder im Osten - etwa die Sowjetunion - eine andere Meinung vertreten, wenn es um die Grenzfrage
geht. Dem Standpunkt der Vereinigten
Staaten zufolge sollten wir uns an
die Sprachregelung der Schlußakte von
Helsinki halten, die davon ausgeht,
daß die Grenzen in Europa unverletzlich sind und nur mit friedlichen
Mitteln verändert werden sollten.
Frage:
Sind die
unverletzlich?

heutigen

Grenzen

Antwort:
Die
heutigen
Grenzen.
Dies gilt für die Grenzen Deutschlands, dies gilt für die Grenzen zwischen Deutschland und Polen, und das
geht aus der Schlußakte von Helsinki
hervor und entspricht der Position
der Vereinigten Staaten.
Es gibt da noch ein weiteres Element,
das zwangsläufig ins Spiel kommt,
wenn wir von der Vereinigung Deutschlands sprechen, und das sind die
Rechte und Pflichten der alliierten
Mächte.
Bis heute gibt es keinen
Friedensvertrag mit Deutschland. All
dies muß berücksichtigt werden, wenn
wir über die Frage der Wiedervereinigung Deutschlands sprechen.
Frage: Botschafter Walters hat angeblich behauptet, seiner Ansicht
nach könnte die Wiedervereinigung in
weniger als fünf Jahren verwirklicht
werden. Ist das auch die Ansicht der
Vereinigten Staaten?
Antwort: Nein. Ich bin nicht sicher, daß man das sagen kann. Dies
ist die Ansicht von Herrn Walters,
und Herr Walters hat auf diesem Gebiet große Erfahrung. Er ist unser
Botschafter in der Bundesrepublik,
aber es entspricht nicht der politischen Ansicht dieser Administration,
dafür einen bestimmten Zeitrahmen zu

- 2 -

�setzen, denn - wie ich bereits gesagt
habe - müssen zunächst diese zusätzlichen Schritte durch das Volk der
DDR vollzogen werden - Selbstbestimmung, freie und faire Wahlen, Fortschritte in Richtung auf eine freie
Marktwirtschaft und so weiter.
Frage:
Hat
Präsident Gorbatschow
über die Grenzen Deutschlands gesprochen? Hat er während des Gipfeltreffens im Hinblick auf die sowjetische
Haltung zur Wiedervereinigung und zur
innerdeutschen
Grenze
Flexibilität
gezeigt?
Antwort: Er hat uns gegenüber dasselbe gesagt wie in der abschließenden Pressekonferenz, bei der er erklärte, wir sollten die Frage der
Wiedervereinigung dem Urteil der Geschichte überlassen. Die Geschichte
soll entscheiden. Er hat ebenso erklärt, daß eine Wiedervereinigung der
Sowjetunion Probleme bereiten würde,
daß eine Forcierung dieses Themas zu
echten Spannungen führen könnte.
Frage: Die SED ist in den vergangenen beiden Tagen nahezu völlig zusammengebrochen. Eine Machtbasis von
Egon Krenz scheint heute nicht mehr
zu existieren. Ist die DDR gegenwärtig führungslos?
Antwort:
Nun, man muß vielleicht
sagen, daß dort gegenwärtig ein Übergang von einer Regierung zu einer anderen stattfindet.
Wie sich diese
Regierung neu konstitutieren wird,
kann ich Ihnen nicht beantworten.

sein, bevor die volle Selbstbestimmung verwirklicht wird, aber ich bin
überzeugt, daß sie entschlossen sind,
dorthin zu gelangen und daß sie dies
auch letzten Endes erreichen werden.
Frage: Nun, genau das meinen viele
ja, wenn sie die Situation in der DDR
als "instabil" bezeichnen, als eine
Lage, in der nicht feststeht, wer am
Ruder ist, ob es überhaupt eine Autorität gibt und so weiter. Haben Sie
mit Präsident Gorbatschow über die
Frage der Gewaltanwendung oder sowjetischen Druck auf Osteuropa oder über
die Bewältigung dieser Art von Instabilität gesprochen?
Antwort:
Der
Präsident hat mit
Präsident Gorbatschow darüber gesprochen und ihm sehr klar zu verstehen
gegeben, daß uns ein solches Eingreifen vor schwere Probleme stellen würde, so wie ich es bei zwei früheren
Anlässen auch dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse gegenüber getan habe, indem ich ihm erklärte, das
amerikanische Volk werde für Gewaltanwendung gegen friedlichen Protest
in Osteuropa keinerlei Verständnis
haben.
In beiden Fällen wurde uns
von der sowjetischen Führung versichert, daß dies außer Frage stehe.
Wenn ich mich recht erinnere, erklärte Schewardnadse mir gegenüber wörtlich: "Wir werden in Osteuropa keine
Gewalt anwenden. Das würde bedeuten,
daß die Perestrojka gescheitert ist."

Frage: Bedeutet dies Wahlen in naher Zukunft?
Antwort:
Meines Erachtens besteht
beim Volk der DDR ein echter Wunsch
nach Selbstbestimmung, und Selbstbestimmung kann ohne freie und faire
Wahlen mit mehreren Parteien nicht
verwirklicht werden. Gegenwärtig haben sich noch keine neuen Parteien
organisiert. Sie stehen erst am Anfang, die Parteien dort stecken noch
in den Kinderschuhen. Es wird also
noch eine Wegstrecke zurückzulegen
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

6. Dezember 1989

44

BUSH UNTERZEICHNET VORLAGE ZUR HILFE FÜR POLEN UND UNGARN
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage für die
Polen- und Ungarnhilfe im Umfang von 938 Millionen Dollar erklärte Präsident
Bush am 28. November 1989, dieses Gesetz sei "ein wichtiger und positiver
Schritt einer von allen Parteien getragenen Außenpolitik".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:
Ich habe heute das "Gesetz zur Unterstützung der Demokratie in Osteuropa
(SEED)" unterzeichnet.
Mit dieser
Vorlage werden 938 Millionen Dollar
zur Unterstützung der Demokratisierung in Polen und Ungarn freigegeben. Ferner werden verschiedene Programme zur Förderung von Reformen in
diesen Ländern bewilligt, insbesondere für wirtschaftliche Stabilisierung, Handelsliberalisierung und Unternehmensfonds zur Entwicklung des
Privatsektcrs, Arbeitsmarktreform sowie verbesserten Umweltschutz.
Ein Jahr nähert sich dem Ende, das
künftigen Generationen als Wasserscheide in Erinnerung bleiben wird,
ein Jahr, in dem der menschliche

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Geist von den kühnen und mutigen Aktionen zweier Völker - der Polen und
Ungarn - neu befruchtet wurde.
Am Anfang dieses Jahres standen die
ersten Gespräche am runden Tisch in
Polen. Im April wurde eine Vereinbarung zwischen der polnischen Kommunistischen Partei und der Gewerkschaft
Solidarität abgeschlossen, die im
Juni zu Wahlen führte. Obwohl noch
nicht alle Sitze im Parlament frei
gewählt wurden, gelang es dem polnischen Volk, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen - und damit die politische Landschaft in Polen neu zu
gestalten. Am Ende stand die erste
nichtkommunistische Regierung Osteuropas seit 1948. Diese Regierung hat

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die Umgestaltung der polnischen Gesellschaft weitergeführt. Ein neues
Wirtschaftsprogramm mit der Aussicht
auf Umwandlung Polens in eine Marktwirtschaft wurde vorgelegt.
Auch die Ereignisse in Ungarn haben
die Phantasie der Welt beflügelt. Im
Mai beschloß Ungarn, den Stacheldrahtzaun, der das Land vom Westen
trennte, niederzureißen. Im September applaudierte die ganze Welt Ungarn für die Entscheidung, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen und Bewohnern der DDR zu erlauben, seine Grenzen in Richtung Westen zu passieren. In jüngster Zeit
hat Ungarn nahezu alle Attribute eines stalinistischen Staats abgelegt eine neue, auf demokratische Prinzipien gegründete Verfassung wurde verabschiedet, der Name des Landes wurde
von "Volksrepublik" zu "Republik Ungarn" geändert und die regierende
Kommunistische Partei löste sich auf,
um eine völlig andere und wesentlich
kleinere Sozialistische
Partei zu
schaffen, die mit allen anderen Parteien um die Stimmen des ungarischen
Volkes konkurrieren muß. Am 26. November 1989 fand in Ungarn ein Referendum statt, um über den Zeitpunkt
für freie Wahlen zu entscheiden.
Parlamentswahlen mit mehreren Parteien werden spätestens im nächsten Sommer abgehalten. Diese Wahlen bieten
die Aussicht, Ungarn politisch ebenso
zu verändern wie die Wahlen in Polen
jenes Land verändert haben.
Die Vereinigten Staaten haben sich
bei diesen Ereignissen nicht auf die
Rolle eines untätigen Zuschauers beschränkt.
Im April habe ich in
Hamtramck (Michigan) eine Reihe von
Schritten angekündigt, mit denen die
politischen und wirtschaftlichen Reformen in Polen unterstützt und Polen
Hilfe zur Selbsthilfe geboten werden
sollte.
Seither hat meine Administration eng mit dem Kongreß zusammengearbeitet, und ich bin dankbar
dafür, daß viele der von uns vorgeschlagenen Maßnahmen in diesem Gesetz
enthalten sind.

Im Juli besuchte ich Polen und
Ungarn zu Gesprächen mit der dortigen
Führung und um mir selbst ein Bild
von den Veränderungen in diesen beiden Ländern zu machen.
Im Rahmen
dieses Besuchs hatte ich Gelegenheit,
eine Rede bei einer Sitzung des polnischen Parlaments zu halten und in
Budapest vor einer großen Zuhörerschaft an der Karl-Marx-Universität
über politische und wirtschaftliche
Reformen zu sprechen. Ich kündigte
eine Reihe von Maßnahmen an, mit denen die weitere Unterstützung der
Vereinigten Staaten für die anhaltenden Reformbestrebungen in Polen und
Ungarn demonstriert werden sollten.
Meine Administration hat seitdem tatkräftig an der Verwirklichung der von
mir vorgeschlagenen Maßnahmen gearbeitet.
Wo keine gesetzgeberischen
Maßnahmen erforderlich waren, haben
wir Fortschritte erzielt. Mit den
heute rechtskräftig werdenden Gesetzen können wir die noch anstehenden
Maßnahmen durchführen.
Wir wollen
diese Maßnahmen so schnell wie möglich verwirklichen.
Dieses Gesetz umfaßt eine weitere
Maßnahme, die ich im Oktober gefordert habe - die Genehmigung für den
Beitrag
zu einem Stabilisierungsfonds, den die polnische Regierung
erbeten und den wir bewilligt haben.
Ich gratuliere dem Kongreß zu seiner
schnellen Reaktion auf diese Bitte.
Wir arbeiten jetzt gemeinsam mit unseren wichtigsten Verbündeten und der
G-24 - der beim Pariser Weltwirtschaftsgipfel
ins Leben gerufenen
Gruppe zur Koordinierung der Hilfe
für Polen und Ungarn - um die für
diesen Fonds erforderliche zusätzliche Finanzierung zu erhalten.
Das Inkrafttreten dieses Gesetzes ist
ein wichtiger und positiver Schritt
einer von allen Parteien getragenen
Außenpolitik. Es besteht ein starker
nationaler Konsens im Hinblick auf
die Unterstützung Polens und Ungarns. Der Kongreß hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, der auf meine Anforderungen eingeht und darüber hin-

- 2 -

�aus eine Reihe zusätzlicher Programme
vorsieht, die gemeinsam unser nationales Ziel fördern wollen: politische und wirtschaftliche Freiheit in
Polen und Ungarn zu unterstützen.

ihm von der Verfassung zugestandene
Macht auszuüben, wurden solche Bestimmungen immer als Empfehlungen und
nicht als Vorschriften betrachtet.

Dankenswerterweise werden mir die
Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt vorgelegt. Die friedliche Revolution, die
in Polen stattgefunden hat, ist das
Werk vieler Menschen.
Einer nimmt
dabei jedoch eine herausragende Stellung ein: Lech Walesa. Er hat auch
in den dunkelsten Jahren des Kriegsrechts den Glauben nicht verloren.
Er hat die Möglichkeiten des Runden
Tisches erkannt und sich und seine
Organisation in den Dienst dieses historischen Prozesses gestellt. Kürzlich sprach er im Kongreß. Es ist
nicht mehr als angemessen, daß wir
anläßlich meiner Unterzeichnung dieser Maßnahmen diesen Mann würdigen.
Schließlich verfügen einzelne Bestimmungen des Gesetzes, daß verschiedene
Behörden in bestimmter Weise mit ausländischen Regierungsvertretern zusammenarbeiten und in unseren bilateralen Beziehungen oder multilateralen
Foren bestimmte Ziele verfolgt werden
sollen. Im Sinne der Praxis in der
Vergangenheit betrachte ich diese Bestimmungen als empfehlenswert, nicht
als obligatorisch.
Meiner Ansicht
nach steht diese Interpretation im
Einklang mit der ausdrücklichen Meinung des Kongresses über die Notwendigkeit "größtmöglicher Flexibilität"
bei der Durchführung dieser Gesetzesbestimmungen.
Andere Bestimmungen des Gesetzes sehen vor, daß der Präsident Berichte
mit seinen Empfehlungen über die angemessene Form der Hilfe für Polen
und Ungarn vorlegt. Die Verfasssung
erkennt ausschließlich dem Präsidenten das Recht zu, dem Kongreß von ihm
als erforderlich und zweckdienlich
erachtete Maßnahmen zur Prüfung vorzulegen. Da der Kongreß nicht per
Gesetz
vom
Präsidenten
verlangen
kann, unter bestimmten Umständen die

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VO"N'^

44

6. Dezember 1989

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVEN BEIM TREFFEN VON MALTA
- Eine Übersicht des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu den beim Treffen in Malta
am 2. und 3. Dezember 1989 vom amerikanischen Präsidenten vorgestellten Initiativen wurde am 4. Dezember 1989 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Präsident Bush und Staats- und Parteichef Gorbatschow haben bei ihrem
Treffen in Malta einen Meinungsaustausch
zu einer großen Bandbreite
von Themen - unter anderem zu den bemerkenswerten Ereignissen, die den
friedlichen und demokratischen Wandel
und Ost- und Mitteleuropa hervorgebracht haben - vorgenommen.

hungen wichtige neue Impulse zu geben. Der Präsident hat sich in seinen Äußerungen diesem Ziel persönlich
verschrieben.
In diesem Sinne hat der Präsident
folgende Vorschläge unterbreitet:

Der nächste Schritt
Der Präsident hat der Perestrojka
seine Unterstützung zugesichert und
vorgeschlagen, daß beide Spitzenpolitiker sich zum Ziel setzen sollten,
den amerikanisch-sowjetischen Bezie-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1.

Ein Gipfel soll in den letzten
beiden Juniwochen des nächsten
Jahres in den Vereinigten Staaten
stattfinden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�2.

Das nachte Außenministertreffen
soll in Vorbereitung auf den Gipfel nächsten Monat in der Sowjetunion abgehalten werden.

5.

Gespräche über ein bilaterales
Investitionsabkommen sollen aufgenommen werden, zum Schutz amerikanischer Geschäftsleute, die
in der Sowjetunion investieren
wollen.

6.

Die Verbindungen zwischen der Sowjetunion und der OECD sollen
ausgebaut und die Wirtschaftskooperation zwischen Ost und West
durch den Wirtschaftskorb des
KSZE-Prozesses erweitert werden.

Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
1.

2.

Beim Gipfel 1990 ist der Abschluß
eines Handelsabkommens vorgesehen, das der Sowjetunion den
Meistbegünstigungsstatus
einräumt, so daß der Präsident
gleichzeitig eine Aufhebung von
Jackson-Vanik verfügen kann. Zur
Verwirklichung dieses Ziels hat
der Präsident die sofortige Aufnahme von Verhandlungen über ein
Handelsabkommen vorgeschlagen und
den Obersten Sowjet aufgefordert,
die Neuordnung der Auswanderungsgesetze zu Beginn nächsten Jahres
abzuschließen.
Nach Abschluß der Uruguay-Runde
im kommenden Jahr soll der Beobachterstatus der Sowjetunion im
GATT gefördert werden. Der Präsident hat die Sowjetunion aufgefordert, die verbleibende Zeit zu
nutzen, um marktorientierte Preise einzuführen und Absatzmärkte
zu schaffen, so daß die Wirtschaft mit dem GATT-System kompatibel wird.

3. Die
amerikanisch-sowjetische
Wirtschaftskooperation soll ausgebaut werden. Der Präsident hat
einen Katalog mit Vorschlägen zu
einzelnen
Wirtschaftsprojekten
vorgelegt, unter anderem in den
Bereichen Finanzwesen, Landwirtschaft, Statistik, Mittelstandsförderung, Haushalts- und Steuerpolitik sowie eine Börse und Kartellgesetze.
4.

Gemeinsam mit dem Kongreß soll
nach dem Verzicht auf Jackson-Vanik die Aufhebung gesetzlicher Beschränkungen für Exportkredite
und -garantien
geprüft
werden.

Menschenrechte
Bis zum Gipfel 1990 sollen alle Probleme der Familienzusammenführung gelöst werden. Zu diesem Zweck hat der
Präsident eine • Liste mit auswanderungswilligen Personen überreicht.

Regionale Fragen
Der Präsident bekundete seine Enttäuschung über die sowjetische Politik
gegenüber Mittelamerika, die ihm zufolge nicht im Einklang mit dem neuen
Kurs steht, den die Sowjetunion in
Osteuropa und im Bereich der Rüstungskontrolle einschlägt. Nicaragua und Kuba bleiben der einzige
Störfaktor in den Beziehungen.

Rüstungskontrolle
1. Die Verwirklichung eines Verbots
chemischer Waffen soll durch das
amerikanische
Angebot
erzielt
werden, die Herstellung binärer
Waffen einzustellen, wenn die
multilaterale
Konvention
über
chemische Waffen in Kraft tritt.
Dies geschieht im Gegenzug dafür,
daß die Sowjets die Bedingungen
unseres UN-Vorschlags über ein
Verbot chemischer Waffen akzeptieren.
2.

- 2 -

Der Vorschlag wurde unterbreitet,
beim Gipfel 1990 ein Abkommen zur

�Zerstörung amerikanischer und sowjetischer chemischer Waffen bis
auf 20 Prozent des gegenwärtigen
Niveaus zu unterzeichnen.

satzkonzept und Statistiken über die
Waffenherstellung veröffentlicht.

Olympische Spiele
Die gemeinsame Unterstützung der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion für ein KSE-Gipfeltreffen 1990 mit gleichzeitiger Unterzeichnung eines KSE-Abkommens
wurde vorgeschlagen.
Der START-Prozeß soll beschleunigt werden, um alle Grundsatzfragen zu klären und wenn möglich, noch vor dem Gipfel 1990
einen Vertrag abzuschließen. In
diesem Rahmen hat der Präsident
vorgeschlagen, daß die Außenminister Baker und Schewardnadse bei
ihrer Zusammenkunft im Januar ihr
Augenmerk auf die drei noch bestehenden
Probleme
von
START
richten:
Luftgestützte Marschflugkörper (ALCMs), nicht stationierte Raketen und die Verschlüsselung telemetrischer Daten.

Es wurde der Vorschlag unterbreitet,
daß die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion gemeinsam die Wahl von
Berlin als Austragungsort der Olympischen Spiele im Jahr 2004 unterstützen.

Umwelt
1.

Im kommenden Herbst soll eine
Konferenz
veranstaltet
werden,
bei der ein Rahmenvertrag über
weltweite Klimaveränderungen ausgehandelt wird, nachdem ein von
der UN geförderter länderübergreifender Ausschuß über Klimaveränderungen seinen Abschlußbericht vorgelegt hat.

2.

Im kommenden Frühjahr soll ein
internationales Treffen im Weißen
Haus stattfinden, bei dem Regierungsvertreter aus den Bereichen
Wissenschaft, Umwelt und Wirtschaft auf höchster Ebene Fragen
der weltweiten Klimaveränderungen
erörtern. Der Präsident verlieh
seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Sowjets sich daran beteiligen und
ihrerseits
hochrangige
Beamte
entsenden.

Die Arbeit am Schwellenvertrag
und dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken
(PNET) soll
bis
zur Unterschriftsreife beim Gipfel 1990
vollendet sein.
Der Sowjetunion wurde vorgeschlagen, sich an Bestrebungen zur effektiveren Einschränkung der Verbreitung von Raketen zu beteiligen, indem sie die von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten mit dem System zur Kontrolle von Raketentechnologie aufgestellten
Einschränkungen
anerkennt .

Militärische Offenheit

Austauschprogramme
Der Austausch zwischen den Universitäten soll erheblich zunehmen und bis
zum Beginn des Studienjahres 1991
sollen zusätzlich 1 000 amerikanische
und 1 000 sowjetische Studenten im
jeweils anderen Land studieren können.

Zu militärischen Programmen sollen
mehr
Informationen
veröffentlicht
werden.
Der Präsident hat vorgeschlagen, daß die Sowjetunion ebenso
wie die Vereinigten Staaten Einzelheiten zu ihrem Militärhaushalt, Ein- 3 -

* * * * *

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10712">
              <text>06.12.1989</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10713">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10714">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10715">
              <text>Amerikadienst 06.12.1989</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10716">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Malta schafft den Rahmen für Fortschritte In vielen Bereichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker erläutert amerikanische Haltung zur Einheit Deutschlands&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview des US-Außenministers mit CNN &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush unterzeichnet Vorlage zur Hilfe für Polen und Ungarn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Bushs Initiative beim Treffen von Malta&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
