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                  <text>AMERIKA DIENST
^roN^

42

22. November 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Bush: Malta ist nicht Jalta
- Rundfunkinterview des Präsidenten in Auszügen Veränderungen in Osteuropa belegen die Macht von Informationen
- Eagleburger bei der RFE/RL-Konferenz Yeutter; Reformen im Agrarbereich können zur Beseitigung des Hungers
beitragen
- Auszüge aus einer Rede vor der FAO-Konferenz in Rom -

HINTERGRUND
Die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen:
Sowjetische Vorschläge
- Eine Übersicht des ACDA -

Amerikanische und

* * * * *

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Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

22. November 1989

42
BUSH: MALTA IST NICHT JALTA

- Rundfunkinterview des Präsidenten in Auszügen Washington - (AD) - Präsident Bush zufolge wird sein für den 2. und 3. November anberaumtes Treffen mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow "ein breitgefächertes, allgemeines Treffen" sein, das nicht als zweites
Jalta charakterisiert werden sollte. "Es kommt den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion nicht zu, Dinge aufzuteilen, Grenzen zu verändern oder Schritte der Art zu unternehmen, wie dies (in Jalta) der Fall war", erklärte der
Präsident in einem Rundfunkinterview, dessen Text am 18. Januar 1989 vom weißen Haus veröffentlicht wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview des Präsidenten in Auszügen:
Frage: Ich möchte mit einigen außenpolitischen Fragen beginnen. Was
wird bei Ihrem Treffen mit Staatsund Parteichef Gorbatschow vor Malta
das wichtigste Thema sein?
Antwort:
Sicherzustellen, daß keine unnötigen Mißverständnisse zwischen uns aufkommen. Ich möchte dies
am Beispiel zweier Schiffe verdeutlichen, die in der Nacht aneinander
vorbeifahren ohne voneinander Notiz
zu nehmen. Das möchte ich vermeiden. Ich möchte, daß wir soweit wie
möglich die gleiche Wellenlänge haben. Das Treffen wird also darauf
abzielen, daß die beiden Schiffe
nicht aneinander vorbeifahren, weil
sie keine Positionslichter gesetzt
haben.

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Frage:
Aber welches Thema werden
Sie als erstes zur Sprache bringen?
Antwort: Nun, wie ich bereits erklärt habe, haben wir keine Tagesordnung festgelegt.
Sicherlich werde
ich daran interessiert sein, Gorbatschows Ansichten zu den dynamischen
Veränderungen in Osteuropa zu erfahren. Wir werden detaillierte Gespräche über seine Wirtschaft führen, und
ich werde gerne bereit sein, ihm die
unsrige zu erläutern. In diesen beiden Bereichen wird es also ausführliche Gespräche geben, aber ich werde
auch Probleme unserer Hemisphäre zur
Sprache bringen, etwa die Unterstützung für Nicaragua, Afghanistan und
andere Bereiche, in denen sowjetische
Interessen sich nicht mit den ameri-

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�kanisehen decken, und ich erwarte,
daß er bereit sein wird, auf diese
regionalen Spannungen einzugehen.
Frage: Sie haben ihm in Beantwortung seines früheren Telegramms eine
Botschaft übermittelt, in der Sie erneut ihre Unterstützung für die gegenwärtig in seinem Land und Osteuropa stattfindenden Reformen zum Ausdruck bringen. Geht Ihre Unterstützung so weit, daß Sie auch Finanzmittel bereitstellen und den Sowjets zur
Förderung
dieser
Reformen
Wirtschaftshilfe gewähren werden?
Antwort:
Nun, ich bin gerne bereit, über Wirtschaftsreformen und
die sowjetischen Vorstellungen bezüglich westlicher Wirtschaftshilfe zu
sprechen, aber ich habe mit großem
Interesse Herrn Schewardnadses Antwort auf eine ähnliche Frage zur
Kenntnis genommen - er sagte: "Wir
sind nicht auf der Suche nach Hilfe.
Wir möchten nicht, daß irgendjemand
uns aus der Klemme hilft." Und das
ist gut so. Sie sind ein souveräner
Staat. Sie sind sehr stolz, aber sicherlich werden wir über die Sowjetunion betreffende Wirtschaftsfragen
sprechen.
Frage: Wenn Sie erklären, wie Sie
das diese Woche in einer Rede taten,
daß der Gipfel von Malta, das Treffen
von Malta, wie Sie es lieber bezeichnen, nicht dazu dient, über die Zukunft Europas zu entscheiden, was
meinen Sie damit? Nehmen Sie da etwas vom Tisch?
Antwort:
Nein.
Ich meine damit,
daß wir kein zweites Jalta vor uns
haben.
Frage:

In welcher Hinsicht?

Antwort:
In der Hinsicht, daß es
den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Sowjetunion nicht zukommt,
Dinge aufzuteilen oder Grenzen zu
verändern oder Schritte der Art zu
unternehmen, wie dies bei dem Treffen

der Fall war, auf das Sie gerade Bezug nahmen. Wir werden dies nicht
tun. Es handelt sich um ein breitangelegtes, allgemeines Treffen.
Wir
würden dies auf keinen Fall tun.
Frage:
Ist die Wiedervereinigung
der beiden deutschen Staaten unvermeidlich?
Antwort:
Ich habe meine Meinung
dazu bereits kundgetan und erklärt,
darüber zu entscheiden sei Sache der
beiden deutschen Staaten. Dies ist
für die Sowjetunion eine äußerst
heikle Angelegenheit, und deshalb ist
es besser, sie zunächst nicht weiterzuverfolgen.
Frage: Aber wenn Sie die dortigen
Ereignisse betrachten, ist es nicht
Ihrer Meinung nach unvermeidlich?
Antwort:
Das ist eine sehr hypothetische Frage, denn da können noch
so viele Dinge geschehen, und ich
möchte doch wiederum sagen, daß diese
Entscheidung Sache des deutschen Volkes ist.
Frage:
Viele Menschen schauen in
die Geschichtsbücher und machen sich
über diese Zukunftsperspektive Sorgen. Ist diese Sorge berechtigt?
Antwort: Wir haben darüber mit anderen Ländern gesprochen, die sich
aufgrund gewisser historischer Geschehnisse darüber Sorgen machen,
aber ich bin nicht der Meinung, daß
sich die Geschichte wiederholen muß,
wenn es zu einem vereinigten Deutschland kommen sollte. Aber das ist eine Frage, die in der Zukunft liegt
und gegenwärtig nicht aktuell ist.
Ich wiederhole, daß diese Entscheidung Sache der Deutschen ist.
Frage:
Einige
Kongreßmitglieder
betrachten diese Lage in Europa und
meinen, nun sei die Zeit reif für Erörterungen über eine Reduzierung des
Verteidigungshaushalts, für beträchtliche Kürzungen. Erachten Sie dies
für sinnvoll?

�Antwort:
Nein,
nicht sinnvoll.

das

ist

für

mich

Frage:
Was halten Sie von einer
Reduzierung der Streitkräfte der NATO
und des Warschauer Pakts dort? Eine
Menge Leute denken...

schrauben. Das wird in Malta nicht
geschehen, denn die Einzelheiten sind
noch nicht in dem multilateralen Forum, in Wien, gelöst worden. Es wird
noch nicht so weit sein.

Antwort:... (unverständlich) - Vorschläge. Wir haben einen kühnen Vorschlag gemacht, einen Vorschlag unter
Führung der Vereinigten Staaten, der
die umfassende Unterstützung unserer
Verbündeten genießt, der genau dies
zum Ziel hat.
Frage:
Wird dieser Vorschlag
Malta auf den Tisch gelegt werden?
Antwort:
Tisch.

in

Er liegt bereits auf dem

Frage: Was geschieht, wenn Gorbatschow kommt und sagt: "Warum kommen
wir nicht hier zu einer Einigung?"
Viele Experten - ich weiß nicht, ob
Ihre Berater auch zu diesen Leuten
gehören - behaupten, daß er genau
dies tun wird.
Antwort:
Er hat diesem Vorschlag
im Prinzip schon zugestimmt.
Das
Prinzip der von uns vorgeschlagenen
Reduzierungen steht eigentlich nicht
mehr zur Debatte. Das Problem besteht eher darin, die vielen Detailfragen zu lösen, und das kann nicht
in Malta geschehen, sie müssen vielmehr in einem multilateralen Forum
gelöst werden. Ich bin jedoch sehr
erfreut darüber, daß die Sowjets sich
gegenüber dieser US/NATO-Initiative
sehr positiv verhalten haben.
Frage: Wären Sie bereit, das Treffen von Malta als Rahmen für die Unterzeichnung eines solchen Abkommens
zu betrachten?
Antwort:
Das können wir streichen
ich möchte die Erwartungen der
Weltöffentlichkeit nicht in die Höhe
- 3 -

* * * * *

�reo ST&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

22. November 1989

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VERÄNDERUNGEN IN OSTEUROPA BELEGEN DIE MACHT VON INFORMATIONEN
- Eagleburger bei der RFE/RL-Konferenz WASHINGTON - (AD) - Dem stellvertretenden US-Außenminister Lawrence S. Eagleburger zufolge legen die gegenwärtig in Osteuropa stattfindenden Veränderungen
"Zeugnis ab von der Macht von Informationen und dem Einfluß von Ideen".
Eagleburger machte diese Äußerungen am 15. November 1989 in seiner Rede bei
der internationalen Konferenz unter der Leitung von Radio Freies Europa und
Radio Liberty (RFE/RL) über "Den Niedergang des Kommunismus' und die Reaktion
des Westens" in Washington.
Eagleburger erklärte ferner: "Unserer Ansicht nach ... wird ein demokratisches Europa ein friedliches und stabiles Europa hervorbringen ... und ein demokratisches Deutschland auch ein friedliches Deutschland sein wird, das als
Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens In Europa dienen wird."
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, heute hier bei
Ihnen zu sein. Aber um ehrlich zu
sein, muß ich Ihnen sagen, daß ich
zögerte, bevor ich meine Zustimmung
dazu gab, heute hier eine Eröffnungsansprache zu halten.
Ich zögerte,
weil ich wußte, daß ich gegenüber
RFE/RL die gegenwärtigen Ereignisse
in Osteuropa und der Sowjetunion würde ansprechen müssen. Instinktiv befürchtete ich, mein Vortrag hätte
heute abend bereits keine Gültigkeit
mehr oder sei bereits veraltet. So
schnell vollzieht sich heute der Wandel. Tatsächlich gehe ich heute das
Risiko ein, der Nostalgie nicht für
den kalten Krieg, sondern bereits für
die vergangene Woche bezichtigt zu
werden.

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Auf der anderen Seite bietet sich mir
die großartige Gelegenheit, Organisationen zu würdigen, die zu einem
nicht geringen Teil für die aufregenden augenblicklichen Ereignisse verantwortlich sind, denn die gegenwärtig in Osteuropa stattfindenden Veränderungen legen Zeugnis ab von der
Macht von Informationen und dem Einfluß von Ideen.
Ich habe nie zu denjenigen gehört,
die die Auffassung vertraten, die
Spannungen des Kalten Krieges seien
das Ergebnis des Wettrüstens zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gewesen. Vielmehr hat der
kalte Krieg so lang gedauert, weil
wir im Westen uns vor sowjetischen

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�Waffen und die Sowjets sich vor westlichen Ideen fürchteten.
Der Stalinismus mit all seinen Folgen
war bis zur Machtübernahme Gorbatschows - mit zeitweiligen Ausnahmen
in der Ära Chruschtschow - ein System, das auf Lügen und Repressalien
basierte.
Er funktionierte solange
die Grenzen geschlossen, Luftwege
blockiert und die Gedankenwelt der
Menschen vom Gedanken der Freiheit
unberührt blieben. Aber sogar in den
dunkelsten Stunden des kalten Krieges
waren Radio Freies Europa und Radio
Liberty für die Osteuropäer ein Fenster zur Realität, und durch dieses
Fenster kam genug frische Luft, um zu
verhindern, daß der Stalinismus die
Hoffnung auf Freiheit und Wahrheit
ein für allemal ersticken konnte.
Und
dann fanden zwei Ereignisse
statt, die der heute in Osteuropa
stattfindenden demokratischen Erneuerung den Weg bereiteten. Das erste
war die Unterzeichnung der Schlußakte
von Btlainkl im Jahr 1975. Sie werden sich sicherlich daran erinnern,
daß die Ford-Administration Kritik
aus vielen Lagern einstecken mußte,
weil sie angeblich den Status quo der
Nachkriegszeit
für
Osteuropa
für
rechtmäßig erklärte und im Gegenzug
nur auf dem Papier abgegebene Versprechen über die Beachtung zivilisierter Verhaltensmaßregeln erhielt.
Die Länder des Warschauer Pakts hatten natürlich nicht die Absicht, ihre
in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen zur Achtung der Menschenrechte, Freizügigkeit und freiem Fluß von
Ideen einzuhalten. Aber sie hatten
sich verrechnet. Es wurden Maßstäbe
aufgestellt, an denen diese Regierungen nicht nur vom Westen, sondern
auch von ihren eigenen Bürgern gemessen wurden.
Zweitens wurde 1980 die Gewerkschaft
Solidarität ins Leben gerufen. Die
kommunistische Partei hatte ihr Monopol auf die Wahrheit, wenn nicht sogar auf die Macht, verloren. Radio
Freies Europa spielte in diesem Au-

gust eine wichtige Rolle, indem es
die Polen über Ereignisse in verschiedenen Landesteilen informierte
und damit verhinderte, daß die Regierung Protestkundgebungen isolierte,
wie sie das in der Vergangenheit getan hatte.
Das Kriegsrecht wurde
ausgerufen, aber die Glaubwürdigkeit
und Legitimation des kommunistischen
Regimes war unwiederbringlich erschüttert.
Wir wissen, was dann geschah. In der
ausgehenden Ära Breschnew befand sich
das Land im Sumpf der Stagnation, war
in Gefahr, die postindustrielle Revolution vollständig zu verpassen und
unwiderruflich hinter den Westen zurückzufallen.
Niemand glaubte mehr
den alten Grundsätzen, aber diese
Dogmen standen allen echten Bemühungen zur Bekämpfung des Untergangs im
Ostblock entgegen.
Dann kam Michail Gorbatschow und erklärte, Staat und Partei hätten nicht
mehr das Monopol auf die Wahrheit.
Alles, was danach kam, eischließlich
der nahezu vollzogenen Öffnung der
Berliner Mauer am vergangenen Donnerstag, ist eine unvermeidliche Konsequenz dieser ursprünglichen Absage
an die Unfehlbarkeit.
Die Abschaffung des Monopols auf die
Wahrheit und Zerstörung des Eisernen
Vorhangs sind zwei Seiten derselben
Medaille. Wenn man einmal anfängt,
die Dinge beim Namen zu nennen, kann
man die sich im Nachhinein daraus ergebenden Entwicklungen nicht aufhalten. Alle Schranken, auch in Verruf
geratene
Ideologien,
fehlgeleitete
politische und wirtschaftliche Systeme und die künstliche Teilung eines
ganzen Kontinents werden am Ende von
der Macht der Wahrheit hinweggefegt
werden.
Präsident
Bush hat erklärt, wir
wünschten Perestrojka den Erfolg.
Glasnost und der damit einhergehende
Prozeß der Liberalisierung sind Anlaß
für erste Hoffnungen In der Nachkriegszeit, daß die Sowjetunion und
die Länder der westlichen Welt eines

- 2 -

�Tages in einer Gemeinschaft gemeinsamer Werte verbunden sein werden.
Im letzten Monat hat Außenminister
Baker in New York erklärt, die Vereinigten Staaten könnten nunmehr mit
der Sowjetunion Bereiche von gemeinsamem Interesse abstecken. Vor Gorbatschow bestand unsere einzige Gemeinsamkeit darin, daß wir beide den
Wunsch hatten, einen Atomkrieg und
die Zerstörung des Planeten zu vermeiden.
Heute haben wir ein gemeinsames Interesse, daß Freiheit sich in ganz Osteuropa und In der Sowjetunion selbst
verbreitet und Erfolg hat.
Das Ausmaß der jetzt von Gorbatschow
ermutigten Offenheit ist mehr als erstaunlich. Wer hätte gedacht, daß
sowjetische Hörer bei Radio Liberty
anrufen könnten oder Regierungsvertreter aus Ostblockstaaten sich von
Journalisten von Radio Freies Europa
oder Radio Liberty interviewen lassen
würden?
Natürlich ist Gorbatschow zu der Erkenntnis gelangt, daß das wirtschaftliche und politische überleben der
Sowjetunion davon abhängt, daß sowjetische Bürger aus der seit Generationen vorherrschenden Apathie und dumpfen Passivität erwachen. Und er erkennt auch, daß dazu die Information
der Sowjetbürger und ihre Teilnahme
am politischen Prozeß erforderlich
ist. Es ist verfrüht zu prognostizieren, wohin all diese Veränderungen
führen werden, aber es kann nicht in
Abrede gestellt werden, daß eine Revolution von historischer Tragweite
stattfindet.
Offensichtlich stehen der Perestrojka
einige große Hindernisse im Weg.
Aber die Tatsache, daß die Probleme
bei den Reformen nahezu vollständig
das Ergebnis diskreditierter Doktrinen und Maßnahmen der Vergangenheit
sind, ist für uns kein Grund, die
Miene der Überlegenheit aufzusetzen,
der von den Sowjets gerade abgelegt
wird. Wir haben unsere eigenen Pro-

bleme, und niemand hat je behauptet,
eine demokratische Regierung sei einfach. Sie ist, wie Winston Churchill
einmal gesagt hat, die am wenigsten
schlechte Staatsform.
Eine Voraussetzung der Demokratie ist
jedoch, daß man Probleme nicht lösen
kann, bevor man ihre Existenz anerkennt und bereit ist, sie entschlossen im Licht aller Fakten zu untersuchen. Und In einem System, das bis
vor kurzem noch auf systematischer
Lüge und Vermeidung der Wahrheit beruhte, kann selbst das destabilisierend wirken.
In Gesellschaften, in denen die
Gleichheit als kleinster gemeinsamer
Nenner über lange Zeit die höchste
Tugend war, mag es auch schwer sein,
sich an die Freiheit zu gewöhnen.
Jede Veränderung ist beunruhigend,
und es nimmt nicht wunder, daß in einem Vielvölkerstaat der Übergang von
totalitärer Herrschaft zu einem in
gewisser Hinsicht offenen politischen
System ein schmerzlicher und risikoreicher Prozeß ist.
Was wir tun können, und was Radio
Freies Europa und Radio Liberty beitragen können, ist, den Kräften und
dem Prozeß des Wandels im Osten zur
Seite zu stehen. Die gegenwärtig in
dieser Region herrschende Offenheit
bedeutet nicht, daß die beiden Sender
ihren Auftrag erfüllt haben. Vielmehr ist die Tatsache, daß ihre Programme nicht mehr gestört werden,
teilweise ein Beweis für das offizielle Eingeständnis, daß sie als Katalysatoren für weitere positive Veränderungen im Osten wirken können.
Schon ihre Präsenz im Xther bietet
einen Anreiz zu offenerer und objektiverer Berichterstattung.
Sie ist
darüber hinaus eine Versicherungspolice gegen die Bemühungen der weiterhin vorhandenen Feinde von Glasnost.
Ferner können sie durch kreative Programmgestaltung zum Erfolg der Perestrojka beitragen, indem sie den Hörern die Techniken und Elemente des
Systems der freien Marktwirtschaft

�und demokratischer politischer Institutionen näherbringen.
Natürlich können wir uns nicht der
Tatsache verschließen, daß Glasnost
jahrhundertealte ethnische Rivalitäten freigesetzt hat, die von der totalitären
Herrschaft
unterdrückt,
aber niemals ausgeräumt wurden. Es
gibt in der Sowjetunion und in Osteuropa zahlreiche Völker und Volksgruppen, die sich kaum jemals durch eine
friedliche Koexistenz ausgezeichnet
haben und von denen wir hoffen, daß
sie lernen, freiwillig und aufgrund
gemeinsamen Interesses an der sich
entwickelnden demokratischen Ordnung
zusammenzuleben.
Ihre die höchsten
Normen von Fairness und Wahrheitstreue
erfüllende
Berichterstattung
über diese und andere Themen wird dazu beitragen, daß die Herausforderungen der Gegenwart nicht mit den Methoden der Vergangenheit bewältigt
werden.
Die Welt soll wissen, daß die Vereinigten Staaten von Selbstbestimmung
und Veränderungen auf friedlichem Wege überzeugt sind. Wir sollten niemals ein Prinzip auf Kosten eines anderen aus den Augen verlieren.
Ich weiß, daß Sie mich nicht gehen
lassen werden, ohne daß ich ein paar
Worte zur gegenwärtigen Lage in Osteuropa gesagt habe. Die Ereignisse
der letzten Wochen scheinen zu beweisen, daß die Entwicklung zu mehr Demokratie unwiderstehlich ist. Wenn
der
Führungswechsel
in
Bulgarien
letzte Koche einen Schritt in die
Richtung von Reformen bedeutet, dann
bleiben nur noch Rumänien und die
Tschechoslowakei Zuschauer bei der
gegenwärtig stattfindenden historischen Entwicklung.
Aber auch sie
können nicht mehr lange danebenstehen.
Es ist meines Erachtens wichtig, Präsident Bushs Erklärung zu wiederholen, wonach wir die gegenwärtigen Ereignissen in Osteuropa nicht zum
Nachteil der Sowjetunion ausnutzen
werden.
Eine entvölkerte DDR, zum
Beispiel, würde niemandes Interessen

dienen. Aber eine DDR, die echte demokratische
Reformen
verwirklicht,
würde zur Sicherheit ganz Europas Ost und West - beitragen. Unserer
Ansicht nach wird ein demokratisches
Europa auch ein friedliches und stabiles Europa hervorbringen.
Ich möchte ferner eindeutig klarstellen, daß nach Ansicht der Vereinigten
Staaten ein demokratisches Deutschland auch ein friedliches Deutschland
sein wird, ein Deutschland, das als
Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens
in Europa dienen wird. Es überrascht
uns nicht, daß die sich in der DDR
vollziehenden raschen Veränderungen
vielerlei Fragen und Spekulationen
über abstrakte Fragen hervorgebracht
haben, etwa über die Zukunft Deutschlands, die Zukunft der NATO und die
Zukunft des Warschauer Pakts. Dies
sind enorm komplexe Themen, die über
einen längeren Zeitraum behandelt
werden müssen.
Unser heutiges Anliegen besteht jedoch darin, daß der Prozeß der Reform
und Demokratisierung in Osteuropa und
der Sowjetunion ausgebaut und vertieft wird. Dieser Prozeß hat gerade
erst begonnen. Des weiteren sollten
wir darauf vertrauen, daß das deutsche Volk Antworten auf die Herausforderungen findet, mit denen es konfrontiert ist. Es ist sich der Gefahren des Unilateralismus besser bewußt als wir alle zusammen, und es
weiß ebenso, daß die Beständigkeit
westlicher Entschlußkraft
und die
Stärke der westlichen multilateralen
Institutionen zum großen Teil für die
gegenwärtig im Osten stattfindenden
Veränderungen verantwortlich waren.
Dieselbe Beständigkeit und Solidarität werden unerläßlich sein, damit
die gegenwärtige Übergangsperiode mit
einem Erfolg endet, und die Regierung
der Bundesrepublik Deutschland ist
sich dessen bewußt. Durch die Erweiterung der von uns errichteten kooperativen Strukturen, die eine sich
vergrößernde Gemeinschaft demokratischer Staaten aufnehmen sollen, können wir mit der Zeit ein Haus erbau-

- 4 -

�en, das seinen Dimensionen nach weder
europäisch noch westlich sondern ein
wahrhaft universelles, auf die allgemeinen demokratischen Werte gegründetes Haus ist.

* * * * *

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^

Dokumentation

C&amp;

22. November 1989

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YEUTTER:

REFORMEN IM AGRARBEREICH KÖNNEN ZUR BESEITIGUNG
DES HUNGERS BEITRAGEN

- Auszüge aus einer Rede vor der FAO-Konferenz in Rom

-

ROM - (AD) - Bei der Eröffnung der alle zwei Jahre zusammentretenden Vollkonferenz der Welternährungsorganisation (FAO) hat US-Landwirtschaftsminister
Yeutter am 14. November 1989 in Rom erklärt, die Förderung privatwirtschaftlicher Initiativen in der Landwirtschaft solle als Mittel zur Bekämpfung des
Hungers in der Welt eingesetzt werden. "Es ist kein Zufall, daß Länder, die
sich einer marktorientierten Agrarpolitik zuwenden, den größten Erfolg bei der
Steigerung ihrer Produktivität in der Landwirtschaft und in der Industrie haben", stellte der Minister fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Yeutters Rede vor der FAO-Konferenz in Auszügen:
Ich gehöre seit vielen Jahren zu den
Förderern der FAO und kenne zahlreiche ihrer Spitzenvertreter persönlich. Ich glaube an ihre Ziele, ihre
Programme und ihre Fähigkeit, einen
tiefgreifenden und positiven Einfluß
auf die Landwirtschaft in der ganzen
Welt auszuüben.
Wir haben heute ein produktives Welternährungssystem, das zu dem Zeitpunkt, als die erste Gruppe von Staaten die Vereinten Nationen gründete,
noch
unvorstellbar
gewesen wäre.
Selbst in den seit der Welternährungskonferenz vergangenen 15 Jahren
hat sich unser Ernährungssystem erheblich verändert.
Diese Konferenz im Jahr 1974 wurde
von einer Weltuntergangs- und Krisen-

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stimmung überschattet. Die Propheten
des Unheils erklärten, daß bis zur
Mitte der achtziger Jahre - spätestens aber bis 1990 - weite Teile des
Erdballs von Hungersnöten heimgesucht
würden. Zum Glück hatten sie unrecht.
Aufgrund der Marktnachfrage steigern
die Landwirte ihre Erträge weiter.
Die
landwirtschaftliche
Produktion
ist seit den sechziger Jahren um über
60 Prozent gestiegen, während für den
Verbraucher die Nahrungsmittelpreise
inflationsbereinigt seit über 40 Jahren nach unten gerichtet sind.
In den 15 Jahren seit der Welternährungskonferenz
wurden
erstaunliche
Fortschritte in der Fähigkeit der
Entwicklungsländer zur Ernährung ihrer Bevölkerung erzielt, und ich wage

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�die Vorhersage, daß die landwirtschaftliche Produktivität in der ganzen Welt in den nächsten 15 Jahren
noch größere Fortschritte machen wird.
Damit möchte ich jedoch nicht sagen,
daß unser Welternährungssystem perfekt ist oder daß wir in Zukunft keine Herausforderungen zu bewältigen
haben - denn es gibt diese Herausforderungen.
Das Welternährungssystem ist bei weitem kein voller Erfolg. In Ländern
wie Bangladesh, dem Sudan und Äthiopien gehören Hunger und Unterernährung weiterhin zu den Ursachen für
den Tod von schätzungsweise 35 000
Kindern täglich.
Dies ist absolut untragbar. Wir müssen zusammenarbeiten, um die landwirtschaftliche Produktivität in den
Ländern zu erhöhen, die sie am nötigsten haben, und wir müssen den
Schlüssel finden, um ein dauerhaftes
Wirtschaftswachstum in allen Entwicklungsländern freizusetzen.
Viele Antworten müssen durch politische Reformen in Handel und Landwirtschaft gegeben werden. Verschwenderische Maßnahmen und Handelsbeschränkungen im Agrarbereich kosten Verbraucher und Steuerzahler heute 165
Milliarden Dollar jährlich. Dieselben Maßnahmen müssen die Entwicklungsländer mit jährlichen Verlusten
bei den realen Einnahmen in Höhe von
26 Milliarden Dollar bezahlen. Auch
dies ist eine untragbare Situation.

Sicherstellung
telversorgung

der

Weltnahrungsmit-

Bevor ich auf diese beiden Grundprobleme unseres Welternährungssystems anhaltender Hunger und zweifelhafte
politische Maßnahmen - eingehe, möchte ich kurz zum umfassenderen Problem
der Ernährungssicherung Stellung nehmen.
In jüngster Zeit ist viel über den
Rückgang der Weltnahrungsmittelreser-

ven geschrieben worden.
Es trifft
zu, daß die Getreidevorräte heute die
niedrigsten seit Mitte der siebziger
Jahre sind, aber die Bedingungen sind
heute gänzlich verschieden. Die heutigen geringen Lagerbestände an Getreide sind auf politische Entscheidungen der Getreideanbauländer zur
Drosselung der Produktion zurückzuführen und nicht auf die Unfähigkeit
der Landwirte zur Erhöhung der Produktion.
In den Vereinigten Staaten wurde eine
Anbaufläche von 70 Millionen Morgen
brachgelegt - und auch in der Europäischen Gemeinschaft und anderen Getreideexportländern wurde der Getreideanbau verringert. Die Weltgetreidevorräte
könnten
im
Bedarfsfall
schnell erhöht werden, wenn diese Anbauflächen wieder genutzt würden.
Gegenwärtig weist die Entwicklung in
diese Richtung.
In den Vereinigten
Staaten haben wir die zulässige Anbaufläche für das Jahr 1990 bereits
angepaßt, um den Landwirten zu gestatten, mehr Weizen anzubauen. Ich
erwarte, daß unsere nächste Weizenernte um etwa 60 bis 70 Millionen
Scheffel höher ausfallen wird. Dies
wird uns dabei helfen, unsere Grundnahrungsmittelreserve nach zwei Dürrejahren wieder aufzustocken - und
sicherstellen, daß wir genügend Weizen bereithalten, um unseren Verpflichtungen im Rahmen der Nahrungsmittelhilfe nachzukommen.
Wir hoffen, daß andere Länder ebenso handeln
werden. Es ist unklug, daß die Vereinigten Staaten einen solch hohen
Anteil an den Weltnahrungsmittelreserven besitzen.

Das Problem des Hungers
Der Hunger ist ein außerordentlich
komplexes Problem mit zahlreichen Dimensionen:
politischen, soziologischen, wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen. Aus gutem Grund habe
ich die landwirtschaftlichen an den
Schluß dieser Aufzählung gestellt.
Die Hauptursachen der Hungerproblema-

- 2 -

�tik bestehen nicht in einer Unfähigkeit, ein ausreichendes Nahrungsmittelangebot zu produzieren. Ein Großteil der schlimmsten Vorfälle von
Hunger und Unterernährung ereignen
sich heute in Ländern, die bereits
ein ausreichendes Nahrungsmittelangebot oder die Ressourcen zu dessen
Produktion besitzen.
Die ernstesten Hungerprobleme, die
wir heute feststellen, sind das Ergebnis gescheiterter politischer Maßnahmen, gescheiterter wirtschaftlicher Maßnahmen und gescheiterter sozialer Maßnahmen. Viele der Hungernden in der Welt sind heute Flüchtlinge und Opfer von Kriegen. Im Jahr
1980 gab es weltweit 7 Millionen
Flüchtlinge.
Heute hat sich diese
Zahl auf 14 Millionen verdoppelt.
Neben diesen von akutem Hunger betroffenen Opfern leiden schätzungsweise 500 Millionen Menschen unter
nicht ausreichender Ernährung. Viele
dieser 500 Millionen sind stark unterernährt. Viele sind Kinder. Viele sind Hausfrauen und Mütter. Alle
sind arm. Vielfach sind sie Opfer
von politischer und wirtschaftlicher
Diskriminierung.
Während
Nahrungsmittel- und
Wirtschaftshilfe dieses Leid lindern können, sind sie doch keine Dauerlösung. Die lokalem Nahrungsmittelmangel und der damit einhergehenden Unterernährung zugrundeliegenden Ursachen müssen erörtert und beseitigt
werden.
Etwa 90 Prozent der weltweit verzehrten Nahrungsmittel werden in den Ländern verbraucht, in denen sie produziert werden.
Letztlich muß jeder
Staat seine Hungerprobleme selbst in
den Griff bekommen, indem er seinen
eigenen Agrarsektor stärkt und den
Handel mit anderen Staaten entwickelt.
Politischer Wille sowie ein Geist der
Innovation
und
Initiative
sind
Schlüssel zum Erfolg in der Landwirtschaft wie in jedem anderen Wirtschaftszweig. Selbst Länder, in de-

nen das jährliche Pro-Kopf-Einkommen
unter 400 Dollar liegt, wie China und
Sri Lanka, haben bei der Bekämpfung
des Hungers im vergangenen Jahrzehnt
erhebliche Fortschritte erzielt.
Die Schlacht gegen den Hunger kann
gewonnen werden.
Wir besitzen das
Wissen, das ökonmische Know-how und
die Ressourcen, um diese Schlacht zu
gewinnen. Was häufig fehlt, ist der
politische
Wille, dieses
Problem
ernsthaft anzugehen.
Nationale Maßnahmen zur Förderung von
Investitionen und der Entwicklung des
Privatsektors können enorm positive
Auswirkungen
haben.
Entscheidende
Maßnahmen zur Bezwingung des Hungers
sind die Bereitstellung von Anreizen
für Farmer, Vertrauen auf Marktmechanismen und eine vorrangige Stellung
für die landwirtschaftliche Infrastruktur.
Ein weiterer wichtiger Bereich, den
es abzuhandeln gilt, ist die Schuldenkrise
der
Entwicklungsländer.
Wenn umfangreiche finanzielle Ressourcen in den Schuldendienst fließen
müssen, kann ein Land nicht dringend
benötigtes Kapital und andere Waren
importieren, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Es kann auch
keine Spareinlagen im Inland bilden,
um notwendige Investitionen zu tätigen. Trotz aller Sparmaßnahmen wird
sich seine wirtschaftliche Situation
eher verschlechtern als verbessern.
Wir können alle etwas tun, um die
Schwierigkeiten vieler stark schuldenbelasteter Länder zu verringern.
Wir hoffen, daß durch den Brady-Plan
und die gemeinsamen Anstrengungen öffentlicher und privater Finanzinstitute bald greifbare Fortschritte erzielt werden.
In der Vergangenheit haben wir mit
Entwicklungshilfeprogrammen zu helfen
vrsucht. Die Vereinigten Staaten haben mehr als 40 Milliarden Dollar
Nahrungsmittelhilfe und Zehntausende
Millionen Dollar an technischer Hilfe, für Ausbildung und Kapitalinve-

�stitionsfonds in den Entwicklungsländern gewährt. Wir werden weiterhin
unseren Beitrag leisten.
Aber als
treibende Kraft für anhaltendes Wirtschaftswachstum ist Handel weit wichtiger als Entwicklungshilfe.

Land- und Forstwirtschaft und im
Fischereiwesen
Internationale Pflanzenschutzkonvention
Wiederaufforstung und Aktionsplan
für den tropischen Regenwald
Verhaltenskodex für Verbreitung
und Einsatz von Pestiziden.

Dazu folgendes Beispiel.
1987 haben die OECD-Länder den Entwicklungsländern Hilfe im Umfang von
41 Milliarden Dollar geleistet. Im
Vergleich dazu kauften die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr von
diesen Ländern Waren im Wert von 178
Milliarden Dollar. Mit diesem Warenhandel wurde weit mehr zur Schaffung
von Arbeitsplätzen und Einkommen in
diesen Ländern geleistet als durch
Entwicklungshilfe.
Aber wenn Handel das Wirtschaftswachstum ankurbeln soll, muß er so
fair und offen sein wie möglich. Und
das ist heute in der Landwirtschaft
nicht der Fall.
Willkürliche Agrarpolitik und Handelsschranken reduzieren das Sozialprodukt der Entwicklungsländer gegenwärtig um mehr als 20 Milliarden Dollar jährlich. Für solche institutionellen Fehler gibt es keine Entschuldigung. Sie hätten bereits vor Jahren korrigiert werden müssen.
Die Rolle der FAO
Ich bin optimistisch über die Zukunft
der Welt-Agrarwirtschaft und über unsere Fähigkeit, die Ernährung aller
Menschen - heute und für künftige Generationen - zu verbessern.
Die FAO kann eine zunehmend wichtige
Rolle spielen, damit dies der Fall
ist. Diese Organisation leistet bereits einen wertvollen Beitrag in
vielen Bereichen der Agrarwirtschaft
und des Agrarhandels:
Codex Alimentarius
Weltweite Frühwarnung
Seuchenkontrolle
Statistische
Arbeit

in

der

Ich fordere die FAO auf, der Rolle,
die der Marktwirtschaft und dem privaten Unternehmertum bei der Entwicklung der Landwirtschaft zukommt, größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Länder, in denen diese Entwicklungen
nicht stattgefunden haben, sehen sich
heute großen wirtschaftlichen Umwälzungen gegenüber.
Es ist kein Zufall, daß Länder, die
sich einer marktorientierten Agrarpolitik zuwenden, den größten Erfolg
bei der Steigerung ihrer Produktivität in der Landwirtschaft und in der
Industrie haben. Freies Unternehmertum mit Anreizen für Gewinne funktioniert.
Wir würden es begrüßen, wenn die FAO
die Entwicklung des Privatsektors in
der Landwirtschaft und auch Joint
Ventures zwischen staatlichen und
privaten Firmen in Ländern mit kaum
entwickeltem Agrarsektor tatkräftiger
fördern würde.
Die Vereinigten Staaten vertreten die
Auffassung, daß sich die Mitgliedstaaten der FAO weiterhin für Reformen engagieren sollen. Diese Ansicht
teile ich mit dem Vorsitzenden und
anderen anwesenden Ministern.
Wir
begrüßen die Bestrebungen des Generaldirektors zur Senkung der Verwaltungskosten als Prozentsatz des gesamten Haushalts während seiner Amtszeit.
Wir gehen davon aus, daß angesichts
dieser angespannten Haushaltslage eine Politik des realen Nullwachstums
für die FAO angemessen ist. Alle
Teilbereiche der Vereinten Nationen
müssen angesichts konkurriender Prioritäten
schwierige
Entscheidungen
treffen.

- 4 -

�Ich kann Ihnen versichern, daß die
Bush-Administration entschlossen ist,
die volle Finanzierung aller Behörden
der Vereinten Nationen, einschließlich der FAO, zu unterstützen und unsere ausstehenden Beiträge zu entrichten.
Die FAO ist für Amerika wichtig. Sie
ist für mich wichtig. Als Landwirtschaftsminister wünsche ich mir engere und für beide Seiten fruchtbare
Beziehungen zwischen der FAO und den
Vereinigten Staaten. Beim Besuch von
Generaldirektor Saouma letzten Monat
in Washington habe ich mein Engagement für eine diesbezügliche Zusammenarbeit bekundet.
In der Landwirtschaft sehen wir uns
großen Herausforderungen gegenüber.
Jedes Jahr steigt die Weltbevölkerung
um 90 Millionen Menschen. Wir müssen
tatkräftig zusmmenarbeiten, damit ihre Ernährung sichergestellt wird und
sie genügend Beschäftigungsmöglichkeiten haben.
Wir verfügen über die Fähigkeit und
die Ressourcen, innerhalb der nächsten 25 Jahre den Hunger von der Erde
zu verbannen. Aber das wird nicht
automatisch erfolgen.
Wir müssen
nachhelfen.
Weniger zu tun, würde
bedeuten, Millionen Menschen unnötigen Härten und Leiden auszusetzen.
*****
- 5 -

�AMERIKA DIENST
"VON

Hintergrundmaterial

4

22. November 1989

42

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN:
UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE

AMERIKANISCHE

- Eine Übersicht des ACDA -

(Die folgende Übersicht wurde am 15, November 1989 vom Amt für RUstungskontrolle und Abrüstung veröffentlicht.)
START - Gespräche über die Begrenzung strategischer Rüstungen
Allgemeine Haltung
Vereinigte Staaten
Stufenweise Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf gleiche Niveaus, durchzuführen in zwei Phasen
innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags, wobei nach
Phase 1 gleiche Obergrenzen gelten
müssen.
Sowjetunion
Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf gleiche Niveaus, durchzuführen in zwei Phasen innerhalb von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrags, wobei nach Phase 1 gleiche
Obergrenzen gelten müssen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vereinigte Staaten
Abschluß eines START-Abkommens nicht
abhängig von einer Einigung über Fragen der Weltraumverteidigung.
Sowjetunion
Abschluß des START-Vertrags nicht abhängig von einer Einigung über Weltraumverteidigung. Die Sowjets stehen
jedoch auf dem Standpunkt, daß sie
ein Recht zur Kündigung eines STARTVertrags besitzen, wenn sie zu dem
Schluß kommen sollten, daß die Vereinigten Staaten den ABM-Vertrag verletzen, wie er von den Sowjets interpretiert wird.
Vereinigte Staaten
Es können keine weiteren Rüstungskontrollverträge mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange diese

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht die Verletzung des ABM-Vertrags
mit Hilfe des Radars von Krasnojarsk
in einer verifizierbaren Weise einstellt, die amerikanischen Kriterien
entspricht.
Sowjetunion
Die Sowjets haben sich bereiterklärt,
das Radar von Krasnojarsk vollständig
abzubauen.

Trägersysteme
Vereinigte Staaten
Eine Obergrenze von 1 600 strategischen Trägersystemen (SNDVs) in Form
von stationierten Interkontinentalraketen (ICBMs) und deren Abschußvorrichtungen, stationierten U-Boot-gestützten
ballistischen
Raketen
(SLBMs) und deren Abschußvorrichtungen sowie schweren Bombern.
Sowjetunion
Etwa gleiche Haltung wie die Vereinigten Staaten. Es bestehen jedoch
weiterhin Unterschiede bei der Zählweise.

Gefechtsköpfe
Vereinigte Staaten
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen,
einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe auf ICBMs und SLBMs sowie
atomar bestückter ALCMs (luftgestützter Marschflugkörper) großer Reichweite; jeder nur mit atomaren Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer
Reichweite
(SRAMs)
ausgerüstete
schwere Bomber zählt als ein Gefechtskopf.
Sowjetunion
Identisch mit US-Position.
Einige
Unterschiede bei der Zählweise der
ALCM-Gefechtsköpfe bleiben bestehen.

Untergrenzen bei Gefechtsköpfen
Vereinigte Staaten
Untergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen
auf Raketen und 3 000 - 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs.
Sowjetunion
Untergrenze von 4 900 Gefechtsköpfen
auf ballistischen Raketen. Im Falle
einer Untergrenze von 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs muß eine ebensolche
Untergrenze von 3 300 Gefechtsköpfen
auf SLMBs eingeführt werden. Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf
schweren Bombern.

Schwere ICBMs
Vereinigte Staaten
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen
auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot von Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer oder bestehender Typen
schwerer ICBMs.
Sowjetunion
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen
auf
154
stationierten
schweren
ICBMs.
Produktion,
Flugerprobung
oder Modernisierung bestehender Typen
schwerer ICBMs zulässig.
Entwicklung, Erprobung und Stationierung
neuer Typen schwerer ICBMs verboten.

Wurfgewichte
Vereinigte Staaten
Die Wurfgewichte der sowjetischen
ICBMs und SLBMs zusammengenommen werden um 50 Prozent des am 31. Dezember
1986 bestehenden Wurfgewichts reduziert. Während der Dauer des Vertrags wird keine Seite dieses Niveau
überschreiten.

- 2 -

�Sowjetunion
Im Prinzip identisch mit der US-Position, aber Reduzierung von dem bei
Unterzeichnung des Vertrags bestehenden Niveau der Wurfgewichte.

Gefechtsköpfe
keten

auf

ballistischen

Ra-

Vereinigte Staaten
Jeder Gefechtskopf auf ballistischen
Raketen zählt als ein Gefechtskopf
unter der Obergrenze von 6 000. Für
die bestehenden Typen wird eine Quote
von Vor-Ort-Inspektionen festgesetzt,
um zu verifizieren, daß die beim Washingtoner Gipfel für stationierte
Raketen deklarierte und vereinbarte
Zahl von Gefechtsköpfen nicht überschritten wird.
Für künftige Typen sowie Veränderungen in der Zahl von Gefechtsköpfen
auf bestehenden Typen müssen die Verfahrensweisen noch festgelegt werden.
Sowjetunion
Bei den bestehenden Typen identisch
mit der US-Position

Mobile ICBMs
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben - unter
der Voraussetzung, daß der Kongreß
Mittel für mobile ICBMs in den Vereinigten Staaten bewilligt - das Verbot
von mobilen
ICBMs fallengelassen.
Die START-Unterhändler müssen jetzt
die Einzelheiten für die Anwendung
der Begrenzungen auf mobile ICBMs sowie wirksame Verifizierungsmaßnahmen
ausarbeiten.
Sowjetunion
Zulässig mit zahlenmäßigen Begrenzungen für Abschußvorrichtungen und Gefechtsköpfe.

strategisches
Trägersystem
(SNDV).
Jeder nur für Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite ausgerüstete schwere Bomber würde im
Rahmen der Obergrenze von 6 000 als
ein Gefechtskopf zählen. Eine vereinbarte Zahl von schweren Bombern
könnte durch Umrüstung zu rein konventionellen Systemen von der SNDVObergrenze von 1 600 ausgenommen werden.
Sowjetunion
Identisch mit der US-Position, außer
in der Frage, daß eine sowjetische
Zustimmung zur Umrüstung von schweren
Bombern zu rein konventionellen Systemen von der amerikanischen Zustimmung zur sowjetischen Position über
Reichweite und Zuordnung von ALCMs
abhängig gemacht wird.
ALCMs
Vereinigte Staaten
ALCMs werden als luftgestützte, nuklear bestückte Marschflugkörper mit
einer Reichweite von über 1 500 Kilometern definiert.
Eine vereinbarte
Zahl von ALCMs (10) sollen jedem für
ALCMs ausgerüsteten Typ schwerer Bomber zugerechnet und auf die Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen angerechnet werden.
Sowjetunion
ALCMs
werden
als
luftgestützte
Marschflugkörper mit Reichweiten über
600 Kilometern definiert. Die Zahl
der einem ALCM-fähigen schweren Bomber zugerechneten ALCMs soll maximal
so hoch sein wie die Zahl, für die
der jeweilige Typ ausgerüstet ist.
Die Anzahl der nuklear bestückten
ALCMs soll im Rahmen der vorgeschlagenen Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf schweren Bombern begrenzt
werden.

SLCMs
Schwere Bomber
Vereinigte Staaten
Jeder schwere Bomber zählt als ein

Vereinigte Staaten
Beide Vertragsparteien werden eine
für beide Seiten annehmbare Lösung in

- 3 -

�der Frage einer Begrenzung der Stationierung von nuklear bestückten
SLCMs (seegestützten Marschflugkörpern) größerer Reichweite erarbeiten. Eine solche Begrenzung bedeutet
keine Anrechnung dieser SLCMs im Rahmen der Obergrenzen von 6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen
Trägersystemen.
Beide Seiten verpflichten sich zur Schaffung von
Obergrenzen für diese Flugkörper und
zur Erarbeitung von beiderseits annehmbaren und wirksamen Methoden der
Verifizierung solcher Begrenzungen.
Dazu zählen Nationale Technische Mittel (NTM), kooperative Maßnahmen und
Vor-Ort-Inspektionen. Bisher konnten
die Vereinigten Staaten keinen wirksamen Ansatz zur Verifizierung von
SLCMs erkennen.
Angesichts eines
fehlenden Plans für die wirksame Verifizierung haben die Vereinigten
Staaten vorgeschlagen, daß beide Seiten nicht-bindende Erklärungen zur
Anzahl der nuklear bestückten SLCMs
abgeben.
Die Vereinigten Staaten haben sich
bereiterklärt, sowjetische Vorschläge
zur Ausklammerung aller mit SLCM in
Zusammenhang stehenden Fragen aus den
START-Verhandlungen zu prüfen.
Die
Vereinigten Staaten lehnen Gespräche
über die Begrenzung seegestützter
Waffen ab.
Sowjetunion
Die Sowjets akzeptieren grundlegende
Prinzipien.
Besondere Begrenzungen
auf 400 nuklear bestückte und 600
konventionell bestückte SLCMs werden
vorgenommen. Die Sowjets haben bisher jedoch noch keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen erarbeitet. Der
sowjetische Ansatz würde ferner die
amerikanische
Politik
untergraben,
die Präsenz von Atomwaffen an einem
bestimmten Ort weder zu bestätigen
noch zu dementieren. Dieses Konzept
bildet einen bedeutenden Stützpfeiler
der Abschreckungspolitik.
Die Sowjets haben vorgeschlagen, entweder das gesamte Problem der SLCMs
aus den START-Verhandlungen auszunehmen und in einem umfassenderen Kom-

plex seegestützte Waffen zu behandeln
oder START auf die Verifizierung von
SLCM zu konzentrieren und die Frage
der SLCM-Begrenzungen in einem separaten - aber mit START in Zusammenhang stehenden -, bindenden Abkommen
abzuhandeln. In beiden Fällen würden
die Sowjets verbindliche, verifizierbare SLCM-Begrenzungen für den Abschluß eines START-Vertrags voraussetzen.

Verifizierung der Einhaltung
Vereinigte Staaten
Die Bestimmungen müssen mindestens
folgende Punkte enthalten: Datenaustausch vor und nach der Durchführung
von Reduzierungen; Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung von Daten und
zur Beobachtung der Beseitigung der
Waffen; kontinuierliche Vor-Ort-Uberwachung von Zugängen und Gelände der
entscheidenden
Produktionsstätten;
kurzfristig anberaumte Inspektionen
von Standorten, an denen vertraglich
begrenzte Systeme sowohl während als
nach dem Reduzierungszeitraum stationiert sind. Inspektionen von Standorten, an denen eine Vertragspartei
die geheime Produktion, Lagerung, Instandsetzung oder Stationierung vermutet.
Recht auf kurzfristig anberaumte Inspektionen von "verdächtigen Standorten". Recht zur Beantragung von Inspektionen von anderen "verdächtigen
Standorten". Falls die beschuldigte
Partei die Inspektion verweigert, muß
sie sich aufrichtig um die Ausräumung
der Anschuldigungen bemühen.
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß beide Seiten vereinbaren, ihre Bestrebungen zu beschleunigen und sobald wie möglich mit der
Durchführung von Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilisierung zu beginnen, um praktische Erfahrung zu
sammeln und Fragen der Verifizierung
schneller zu lösen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen: die Aufnahme von Vor-Ort-Inspektionen im Umkreis und an den Zugängen zu bestimm-

- 4 -

�ten Raketenproduktionsstätten, Datenaustausch über die strategischen Nuklearstreitkräfte beider Seiten, Verbot der Zurückhaltung von Daten, einschließlich der Verschlüsselung telemetrischer Daten, über alle Abschüsse
bestimmter ICBMs und SLBMs, Demonstrationen von Inspektionsverfahren
für Wiedereintrittsflugkörper, Erörterung des Problems von SLBMs mit
kurzer Flugzeit und Experimente über
die
Identifizierung
von
Raketen
("Tagging").
Mit den Sowjets wurde eine Vereinbarung zur vorherigen Benachrichtigung
über eine wichtige strategische Übung
mit strategischen Bombern pro Kalenderjahr getroffen.
Sowjetunion
Die Sowjets haben den größten Teil
der amerikanischen Haltung zur Verifizierung - insbesondere im Bereich
der Verifizierung mobiler ICBM - akzeptiert, obgleich es noch viele Detailfragen zu lösen gilt.
Die Sowjets haben das Prinzip von
Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilität akzeptiert, einige eigene
Vorschläge unterbreitet und sich bereiterklärt, die amerikanischen Vorschläge in Genf eingehender zu prüfen.
Mit den Vereinigten Staaten
wurde eine Vereinbarung zur vorherigen Benachrichtigung über eine strategische Übung mit schweren Bombern
pro Jahr getroffen.

Verteidigung im Weltraum
Anmerkung: Beim Außenministertreffen
in Wyoming vom 22. und 23. September
1989 haben die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion vereinbart, daß
der Abschluß und die Durchführung eines START-Vertrages nicht vom Abschluß eines Abkommens über Verteidigung im Weltraum abhängt. Beide Seiten haben vereinbart, die Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag von 1972 fallenzulassen.
Die
Sowjets haben jedoch angedeutet; daß
sie sich ein RUcktrittsrecht vom

START-Vertrag vorbehalten, wenn sie
herausfinden, daß die Vereinigten
Staaten den ABM-Vertrag großzügiger
ausgelegt haben als die sowjetische
Definition das zuläßt. Bei der gegenwärtigen Verhandlungsrunde in Genf
werden die Vereinigten Staaten Einzelheiten der neuen sowjetischen Position zu ergründen suchen. Bis zur
Klärung der sowjetischen Position
werden davon unter Umständen betroffene Beschreibungen der amerikanischen und sowjetischen Vorschläge zur
Verteidigung im Weltraum im folgenden
unverändert dargestellt, aber mit einem (U) markiert.

Allgemeine Haltung
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten streben einen
leichteren gemeinsamen Übergang zu
einem stabilisierenden Gleichgewicht
bei den offensiven und defensiven
Streitkräften an, wenn sich eine effektive Verteidigung gegen strategische ballistische Raketen als machbar
erweist.
Die Vereinigten Staaten
wollen sich darüber hinaus die Option
erhalten, in angemessenem Umfang und
auf kooperative Art und Weise moderne
Verteidigungssysteme
zu
entwickeln
und zu stationieren, wenn diese einst
bereit sind. Fragen der Verteidigung
im Weltraum sollten in einem neuen
Vertrag behandelt werden, der auf der
Sprachregelung der Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington aufbaut
und diese erläutert, um die unzweifelhafte Bedeutung von Verpflichtungen zu gewährleisten, die in künftigen Verträgen eingegangen werden.
Sowjetunion
Fragen der Verteidigung im Weltraum
sollten in einem neuen separaten Abkommen abgehandelt werden, das die
Gemeinsame Gipfelerklärung von Washington ohne substantielle Erläuterungen durchführt. Die Sowjets weigern sich, einen gemeinsamen Vertragsentwurf auszuarbeiten.
Vereinigte Staaten
Mit der Sowjetunion kann kein weite-

- 5 -

�rer Vertrag über strategische Rüstungskontrolle geschlossen werden,
wenn sie nicht ihre Verletzung des
ABM-Vertrags - das Radar von Krasnojarsk - auf verifizierbare Art und
Weise und nach amerikanischen Kriterien korrigiert.
Die Vereinigten
Staaten sich befriedigt über die sowjetische
Ankündigung
ausgedrückt,
daß sie die Radarstation von Krasnojarsk vollständig abbauen werden.
Sowjetunion
Die Sowjets haben zugestimmt, die Radarstation von Krasnojarsk vollständig zu beseitigen.

Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom
ABM-Vertrag
Vereinigte Staaten
Beide Seiten haben vereinbart, den
Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.
Sowjetunion
Beide Seiten haben vereinbart, den
Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.

(U) Aktivitäten in der Phase des
Nichtrücktritts
Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten haben Initiativen vorgeschlagen, um die Bedeutung
der
Sprachregelung
"erforderliche
Forschung, Entwicklung und Erprobung
wie im ABM-Vertrag gestattet" klären
zu helfen.
Sowjetunion
Die Sowjets streben Übereinstimmung
über nach dem ABM-Vertrag erlaubte
und verbotene Aktivitäten an, in Form
eines Zusatzprotokolls zum ABM-Vertrag. Die Sowjets würden Aktivitäten
auf eine Interpretation des ABM-Vertrags zbegrenzen, die restriktiver
ist als beide Parteien dies 1972 vereinbart haben und möglicherweise noch

restriktiver als die "enge Interpretation".
Vereinigte Staaten
Um zu demonstrieren, daß die amerikanische Erprobung weltraumgestützter
Komponenten von ABM-Systemen, die auf
"anderen physikalischen Prinzipien"
beruhen und die Fähigkeit haben, eine
ABM-Abfangrakete zu ersetzen - was
nach dem ABM-Vertrag erlaubt ist nicht mit der Stationierung solcher
Komponenten gleichzusetzen ist, sind
die Vereinigten Staaten bereit, diese
erlaubte Erprobung nur von bestimmten
ABM Test-Satelliten aus durchzuführen.
Die Vereinigten Staaten sind
der Ansicht, daß die Anzahl der
gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befindlichen Satelliten nicht die Zahl
überschreiten soll, bei der man gemeinhin bereits von einer Fähigkeit
zur Stationierung ausgehen würde.
Den Vereinigten Staaten zufolge liegt
die Zahl 15 weit unter dieser Grenze.
Sowjetunion
Die Sowjets haben die Initiative der
Vereinigten Staaten zur Erprobung im
Weltraum (ABM Test-Satelliten) und
auch den Vorschlag über weltraumgestützte Sensoren zurückgewiesen und
geltend gemacht, sie liefen dem ABMVertrag und der Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington zuwider.
Vereinigte Staaten
Die Benachrichtigung über die Erprobung von Raketenabwehrsystemen in
Weltraum würde im Protokoll über die
Berechenbarkeit (siehe unten) Eingang
finden.
Die Vereinigten Staaten haben darüber
hinaus vorgeschlagen, daß keine Partei auf der Grundlage des ABM-Vertrags der Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung weltraumgestützter Sensoren der anderen Seite widersprechen
darf. Demgemäß kann jede Seite uneingeschränkt weltraumgestutzte Sensoren entwickeln, erproben oder stationieren.
Dieser Vorschlag wurde
erarbeitet, um künftige Probleme mit
der Verifizierung auszuschließen.

- 6 -

�(U)

Inkrafttreten/Dauer/Koppelung

Vereinigten Staaten
Dieses Abkommen wäre abhängig vom Inkrafttreten des START-Abkommens. Ein
Vertrag über Verteidigung im Weltraum
wäre von unbegrenzter Dauer, wobei
die Länge eines "näher zu bezeichnenden Zeitraums" des Nichtrücktritts
vom ABM-Vertag noch ausgehandelt und
der ABM-Vertrag während dieses Zeitraums und bis jede Seite das Recht
zur Stationierung wahrnimmt, eingehalten werden müßte.
Der Vertrag
über Verteidigung im Weltraum muß unabhängig
sein.
Ein START-Vertrag
sollte nicht an den Abschluß eines
Vertrags über Verteidigung im Weltraum gekoppelt sein.
Sowjetunion
Dieses Abkommen würde gleichzeitig
mit dem START-Vertrag in Kraft treten. Das Abkommen wird am Ende des
Nichtrücktrittszeitraums
auslaufen,
vorbehaltlich
anderer
Vereinbarungen.
Ein START-Vertrag kann nicht
ohne Lösung von Fragen der Verteidigung im Weltraum abgeschlossen werden. Das START-Abkommen würde außer
Kraft getzt, wenn irgendeine Partei
den ABM-Vertag oder dieses Abkommen
verletzt.

(U) RUcktrittsrechte
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß den Beteiligten die aufgrund
des Völkerrechts zuerkannten Rechte
zum Rücktritt vorbehalten bleiben etwa solche, die im Fall der Gefährdung höchster Interessen einer Seite
wahrgenommen werden könnten - sowie
das Recht auf Kündigung und vorläufige Aufhebung, wenn der Vertrag tatsächlich gebrochen wird.
Sowjetunion
Die Sowjets schlagen eine "bedingungslose"
Verpflichtung
für
den
Nichtrücktritt vor, derzufolge eine
Partei keine Gründe für den Rücktritt
vom Vertrag geltend machen kann.

(U)
System
nach
trittszeitraum

dem

Nichtrück-

Vereinigte Staaten
Gemäß der Vereinbarungen beim Washingtoner Gipfel werden eingehende
Gespräche über strategische Stabilität spätestens drei Jahre nach Ende
des näher bezeichneten Nichtrücktri-ttszeitraums beginnen, nachdem vorbehaltlich anderer Vereinbarungen
beider Parteien - jede Seite den weiteren Kurs ihrer Vorgehensweise frei
bestimmen kann. Jede Seite wird nach
diesem Zeitraum das Recht haben, eine
strategische Raketenabwehr J,.ÜWL ditf
Einrschränkungen des ABM-Vertrags hinan*. Izu stationieren, wenn sie die andere Partei sechs Monate vorher von
dieser Absicht schriftlich unterrichtet.
Sowjetunion
Eingehende Gespräche über strategische Stabilität werden spätestens
drei Jahre vor Ende des Nichtrücktrittszeitraums aufgenommen, nach dem
- vorbehaltlich anderslautender Vereinbarungen beider Seiten - jede Seite ihre weitere Vorgehensweise frei
bestimmen kann.
(Dem sowjetischen
Vorschlag zufolge würde jedoch das
Abkommen über Verteidigung im Weltraum am Ende des Nichtrücktrittszeitraums enden und damit wäre das RUcktrittsrecht wiederum vom ABM-Vertrag
abhängig). Die Sowjets schlagen vor,
daß diese Gespräche sich mit den
"Problemen der ABM-Verteidigung (beschäftigen) und dabei die neue Situation berücksichtigen, die sich aus
Reduzierungen bei den strategischen
Streitkräften ergibt". Wenn bei diesen Gesprächen keine anderslautenden
Vereinbarungen getroffen werden, wird
nach Ablauf des Abkommens über Verteidigung im Weltraum
jede Seite
selbst ihre weitere Vorgehensweise im
Hinblick auf den ABM-Vertrag und den
START-Vertrag bestimmen können, wenn
sie dabei die entsprechenden Modalitäten dieser Verträge einhält. Die
Sowjets vertreten daher die Auffassung, daß beim Washingtoner Gipfel
kein "Stationierungsrecht" vereinbart

�«k

wurde, jedoch die nach dem ABM-Vertrag
vorgesehenen
RUcktrittsrechte
nach dem Nichtriicktrittszeitraum wieder gelten.

Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten
Die Beteiligten werden Möglichkeiten
erörtern, um die Berechenbarkeit in
der Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen Bereich unter der Bedingung
strategischer Stabilität zur Reduzierung des Risikos eines Nuklearkrieges
zu gewährleisten. Im Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen und um für die
strategischen
Verteidigungsprogramme
der jeweils anderen Seite Berechenbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen, haben
die
Vereinigten
Staaten die folgenden Maßnahmen im
Bereich der strategischen Verteidigung gegen ballistische Raketen vorgelegt, die auf Grundlage von Gegenseitigkeit, Vergleichbarkeit und auf
freiwilliger Basis verwirklicht werden sollen: jährlicher Austausch von
programmatischen Daten und Expertentreffen, Informationsgespräche, Besuche von Labors und Beobachtung von
Versuchen.
Die Vereinigten Staaten
haben darauf verwiesen, daß die von
den Sowjets vorgeschlagenen Verifizierungsmaßnahmen nicht durchführbar
sind und die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gefährden könnten. Beide Seiten arbeiten am Entwurf eines Protokolls zu
diesen Punkten.
Sowjetunion
Die Beteiligten sollen Möglichkeiten
erörtern, um Berechenbarkeit bei der
Entwicklung eines amerikanisch-sowjetischen Verhätnisses im strategischen
Bereich zu gewährleisten und damit
das Risiko eines Atomkrieges vermindern.
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben sowjetische Regierungsvertreter zum Besuch
zweier amerikanischer Einrichtungen
eingeladen, in denen Forschung über
- 8

eine strategische Verteidigung gegen
ballistische
Raketen
durchgeführt
wird.
Sowjetunion
Die Sowjets haben einige amerikanische Konzepte für vertrauensbildende
Maßnahmen akzeptiert, einschließlich
Datenaustausch, Expertentreffen und
Beobachtung von Tests. (Die Sowjets
haben nicht den amerikanischen Vorschlag akzeptiert, demzufolge Maßnahmen zur Berechenbarkeit Forschungsaktivitäten einschließen, die nicht mit
nationalen technischen Mitteln zu erfassen sind.) Dennoch würden die Sowjets solche Maßnahmen obligatorisch
machen, um die Einhaltung des ABMVertrags und die Aushandlung des Abkommens über Verteidigung im Weltraum
zu gewährleisten.
Darüber hinaus
schlagen sie einen Informationsaustausch vor, um zweifelhafte Situationen zu klären, ferner die Durchführung zwingender Vor-Ort-Inspektionen
bei bestimmten Einrichtungen, die Anlaß zur Besorgnis geben sowie die Lösung von Fragen der Einhaltung beim
Ständigen Konsultativausschuß. Beide
Seiten arbeiten am gemeinsamen Vertragsentwurf eines Protokolls zu diesen Fragen.
Die Sowjets haben zugestimmt, in Genf
die Einladung der Vereinigten Staaten
für Besuche sowjetischer Regierungsexperten bei zwei amerikanischen Einrichtungen zu erörtern, die Forschung
über strategische Verteidigung gegen
ballistische Raketen betreiben.

* * * * *

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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 22.11.1989</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Malta ist nicht Jalta&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rundfunkinterview des Präsidenten in Auszügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Veränderungen in Osteuropa belegen die Macht von Informationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eagleburger bei der RFE/RL-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yeutter: Reformen im Agrarbereich können zur Beseitigung des Hungers beitragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede vor der FAO-Konferenz in Rom&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen:&lt;br /&gt;sowjetische Vorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des ACDA&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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