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%

^

Sonderdienst

c*

November 15, iyö9

I N H A L T

Bush; Berliner Mauer hat an Bedeutung verloren
- Äußerungen des Präsidenten über die neue Reisefreiheit in der DDR

Baker; Vereinigte Staaten "außerordentlich glücklich" über
Ereignisse in der DDR
- Stellungnahmen des amerikanischen Außenministers -

Walters; Winde der Freiheit wehen aus dem Westen
- Botschafter Vernon Walters im amerikanischen Fernsehen -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BUSH: BERLINER MAUER HAT AN BEDEUTUNG VERLOREN
- Äußerungen des Präsidenten über die neue Reisefreiheit in der DDR -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge ist die Berliner Mauer angesichts
der Öffnung der Grenze zur DDR nunmehr "nahezu bedeutungslos" geworden.
Der Präsident erklärte am 9. November 1989 im Weißen Haus gegenüber Journalisten, "Ich begrüße die Entscheidung der DDR-Führung, die Grenze für diejenigen
zu öffnen, die ausreisen oder verreisen wollen ... Das ist im Hinblick auf die
Menschenrechte eindeutig eine positive Entwicklung."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen des Präsidenten im Wortlaut.

Ich möchte ein kurze Erklärung abgeben. Soeben haben mich der Außenminister und der Nationale Sicherheitsberater über die jüngsten Ereignisse
in Deutschland informiert. Natürlich
begrüße ich die Entscheidung der DDRFührung, die Grenze für diejenigen zu
öffnen, die ausreisen oder verreisen
wollen. Diese Maßnahme steht, wenn
sie vollständig realisiert wird, im
Einklang mit der Schlußakte von Helsinki, die von der DDR mitunterzeichnet wurde.
Und wenn die DDR jetzt Fortschritte
macht, wird diese 1961 errichtete
Mauer nahezu bedeutungslos werden.
Das ist im Hinblick auf die Menschenrechte eindeutig eine positive Entwicklung. Und ich muß sagen, daß ich
insbesondere nach meinen Gesprächen

mit dem Außenminister und dem Nationalen Sicherheitsberater sehr erfreut
über diese Entwicklung bin.
Frage:
Herr Präsident, würden die
Vereinigten Staaten jetzt erwägen,
mehr zu tun, um der Bundesrepublik
bei der Unterbringung und Versorgung
der DDR-Bürger zu helfen, die jetzt
dorthin kommen? Können wir noch mehr
tun, um der Bundesrepublik zu helfen

Antwort: Wir haben so enge Beziehungen zur Bundesrepublik, daß wir
eine potentielle Bitte Bundeskanzler
Kohls um Hilfe ernsthaft berücksichtigen würden. Ich weiß noch nicht
genau, was man dort vorhat, denn meiner Ansicht nach ist es bei einer
ganz offenen Grenze schwer vorherzu-

�sehen, wieviele wirklich die DDR verlassen werden. Es ist also eine dynamische Entwicklung, und wir können
nur abwarten. Aber unsere Beziehungen zur Bundesrepublik sind dergestalt, daß wir größtmögliche Hilfe
leisten werden, wenn diese notwendig
wird. Bis jetzt hat die Bundesrepublik hervorragende Arbeit geleistet,
um denjenigen zu helfen, die diesen
neuen Aufbruch einleiten.
Frage:
Haben
Sie
Bundeskanzler
Kohl versichert, daß wir ihn unterstützen werden, wenn er Hilfe braucht?
Antwort:
Ich habe nicht mit ihm
die neuen Entwicklungen erörtert,
weil er sich gegenwärtig in Polen
aufhält.
Ich habe vergangene Woche
mit ihm darüber gesprochen und ihm
klar unsere Auffassung dargelegt, daß
die Bundesrepublik diese Angelegenheit mit großem Einfühlungsvermögen
regelt. Sie trägt dabei eine ungeheure Last. Und ich habe - glaube
ich - bei diesem Gespräche auch gesagt: "Wenn wir helfen können, lassen Sie es uns bitte wissen", aber
ich denke, daß er davon ausgeht.
Frage: Hat er Ihnen gegenüber angedeutet, inwieweit er in der Lage
ist, diesen Flüchtlingszustrom zu bewältigen?
Die Zahl beträgt meines
Wissens jetzt 110 000. Hat er gesagt, bei der Marke von einer Million
werden wir tatsächlich Probleme bekommen?
Antwort: Nein, über Zahlen hat er
nicht gesprochen.
Aber er demonstriert ruhige Zuversicht, daß die
Bundesrepublik
damit
fertig wird.
Ich habe bereits darauf hingewiesen,
daß dort hervorragende Arbeit geleistet wurde. Und in diesem sich rasch
wandelnden Teil der Welt finden neue
Entwicklungen &lt;jtatt, die wir begrüßen
können. Das ist ein dramatisches Ereignis für die DDR und natürlich auch
für die Sache der Freiheit.
Frage:
Ist dies das Ende des Eisernen Vorhangs?

Antwort:
Meiner Ansicht nach kann
kein einzelnes Ereignis das Ende dessen sein, was Sie den Eisernen Vorhang nennen. Aber natürlich ist seit
den schlimmsten Tagen des Eisernen
Vorhangs ein weiter Weg zurückgelegt
worden.
Frage: Herr Präsident, welche Auswirkungen werden sich Ihrer Ansicht
nach für den Warschauer Pakt ergeben? Können wir davon ausgehen, daß
es sich hier um Anzeichen für eine
Öffnung oder sogar eine Auflösung des
Warschauer Pakts handelt?
Antwort
Es kommt darauf an, was
Sie unter dem Warschauer Pakt verstehen. Im Hinblick auf die Reisefreiheit findet natürlich eine Öffnung
statt. Sie steht im Einklang mit der
Schlußakte von Helsinki und ist eine
sehr positive Entwicklung.
Unser Ziel ist ein ungeteiltes und
freies Europa. Haben wir es hier mit
Schritten in diese Richtung zu tun?
Ich würde das bejahen. Gorbatschow
spricht über ein gemeinsames Haus.
Sind dies Schritte in diese Richtung? Wahrscheinlich ja.
Frage:
Welche Anzeichen gibt es
für eine mögliche Einwanderungswelle
in unser Land, Herr Präsident? Denken Sie, daß viele dieser neuen
Flüchtlinge zu uns kommen werden?
Antwort:
Dafür gibt es
zeichen.
Die DDR-Bürger
die Bundesrepublik.

keine Anreisen in

Frage: Besteht die Gefahr, daß die
Ereignisse außer Kontrolle geraten?
Außenminister Baker hat bereits darauf verwiesen, mit welcher Geschwindigkeit sich die Veränderungen in
Osteuropa vollzogen haben.
Niemand
hat damit gerechnet, daß es so
schnell geht. Besteht also die Gefahr, daß sich die Dinge zu stark beschleunigen?
Antwort:
Ich würde nicht sagen,
daß diese Entwicklungen die Dinge zu
stark beschleunigen.
Genau diese

- 2 -

�Entwicklungen haben wir seit langem
durch unsere starke Unterstützung der
Schlußakte von Helsinki gefördert.
Ich würde also nicht die Hypothese
aufstellen,
daß
irgendetwas
zu
schnell geht.
Wir gehen aber auf eine Weise damit
um, die für alle Seiten befriedigend
sein soll. Wir haben Hochachtung vor
denjenigen, die sich zunehmend demokratisieren. Wir fördern das Konzept
eines ungeteilten und freien Europas.

die den Menschen dies garantiert.
Frage:
Sie haben gerade gesagt,
daß wir im Kampf zwischen Ost und
West einen großen Sieg errungen haben, aber das scheint Sie nicht in
Hochstimmung zu versetzen, und ich
frage mich, ob sie an die Probleme
denken ...?
Antwort:
Ich bin in Hochstimmung,
auch wenn man es mir nicht ansieht.
Frage:

Und wir begrüßen diese Entwicklungen.
Aber ich möchte keine Hypothesen aufstellen, ob etwa zuviele oder zu
schnelle
Veränderungen
stattfinden
oder was wir tun würden, wenn etwas
schiefliefe. Ich denke, die Bundesrepublik leistet gute Arbeit, und die
Bürger der DDR - deren Hoffnung auf
Freiheit jetzt der Verwirklichung ein
großes Stück nähergekommen ist - haben unsere Hochachtung.
Frage:
Herr Präsident, denken Sie
angesichts der Entwicklungen in der
DDR, die einen Kurs wie in Polen und
Ungarn nehmen, daß sich die übrigen
Ostblockstaaten dem entziehen können?
Ich spreche von der Tschechoslowakei,
Bulgarien und Rumänien. Werden sie
die nächsten sein?
Antwort:
Meiner Ansicht nach kann
sich niemand - weder in Europa noch
in der westlichen Hemisphäre - dem
entziehen. Das ist auch so wunderbar
an den dynamischen Veränderungen in
Mittelamerika - es finden Bewegungen
in unsere Richtung statt.
Frage: Haben Sie jemals damit gerechnet, daß so etwas geschehen könnte?
Antwort:
Wir haben damit gerechnet, aber ich kann nicht sagen, daß
ich diese Entwicklungen zu diesem
Zeitpunkt vorhergesehen hätte. Vorhergesehen habe ich es nicht, damit
gerechnet schon.
Wenn ich über ein
ungeteiltes und freies Europa spreche, meine ich Freizügigkeit und Beachtung der Schlußakte von Helsinki,

Inwiefern?

Antwort:
Ich freue mich sehr, und
ich freue mich auch über viele andere
Entwicklungen. Ich habe bereits darauf verwiesen, daß der Beitrag, den
die Vereinigten Staaten meiner Ansicht nach dazu leisten - und der
nicht unmittelbar mit dieser Entwicklung heute zusammenhängt - angemessen
geleistet wird, und manche werden
verlangen, daß wir mehr Staub aufwirbeln.
Meiner Ansicht nach handeln
wir angesichts dieser dramatischen
Veränderungen angemessen und gemeinsam mit unseren Verbündeten, mit denen wir engen Kontakt halten. Wir
versuchen, bei den neuen Entwicklungen zu helfen und sowohl politische
als auch wirtschaftliche Reformen zu
fördern.
Frage:
Ich möchte noch eine Frage
zu Ihren Überlegungen stellen: Was
werden wir tun, wenn die Ereignisse
dort eskalieren und alle in den Westen kommen? Der Ansturm derer, die
in die Bundesrepublik reisen, kann
jetzt angesichts der Zahl von 200 000
gut bewältigt werden. Aber wenn die
Zahl auf eine Millionen steigt? Wenn
es zwei Millionen werden?
Antwort:
Ich möchte annehmen, daß
die politischen Veränderungen in der
DDR mit der Liberalisierung Schritt
halten werden. Vor meiner Polen-Reise wurde ich von einem polnischen
Journalisten gefragt, welchen Rat ich
geben würde, wenn ich ein junger Pole
wäre.
Ich habe darauf geantwortet,
mein Rat lautete: Bleibt hier und
beteiligt Euch an diesen dramatischen

- 3 -

�Veränderungen in diesem Land, nehmt
das Gefühl der Macht der Freiheit
auf, die Hinwendung zur Demokratie
und habt daran teil.
Hier handelt es sich um Deutsche, die
ihr Land lieben, und meiner Ansicht
nach sagen sich viele Deutsche, die
eingeschlossen waren und keine Bewegungsfreiheit hatten: Wir können uns
jetzt frei bewegen, aber wäre es
nicht besser, uns an den Reformen zu
beteiligen, die in unserem eigenen
Land stattfinden? Ich denke, es ist
zu früh, um vorhersagen zu können,
daß aufgrund der Freizügigkeit alle
das Land verlassen würden.
Frage: Denken Sie, daß jetzt Ihre
Position im Hinblick auf den Gipfel
im kommenden Monat und ihre Gespräche
mit Präsident Gorbatschow stärker
ist?
Ich meine, ob Ihre Seite gewinnt.
Und werden Sie ihm das zu
vermitteln suchen? Werden Sie davon
Gebrauch machen, um ...?
Antwort:
Er hat bereits sein Interesse an einem gemeinsamen europäischen Haus bekundet. Wir haben es
anders genannt. Wir haben von einem
ungeteilten und freien Europa gesprochen. Und wenn Sie beobachten, daß
Bürger einem Land, in dem sie unterdrückt wurden, entfliehen wollen, ist
dies ein Hinweis, den Gorbatschow
verstehen wird. Er kann das nicht
nur in Osteuropa, sondern in der Sowjetunion selbst beobachten. Ich habe erklärt, wir würden den raschen
Wandel in Osteuropa erörtern, und das
haben wir genau bis zu dem Zeitpunkt
getan, als sie hierher kamen. Wir
haben das Treffen mit Gorbatschow besprochen. Und einer der Punkte, den
wir zu diskutieren entschlossen sind
und den wir bestimmt ansprechen werden, ist dieser Wandel.

nähergerückt?
Antwort: Das kann ich nicht sagen.
Meiner Ansicht nach ist es zu früh,
um darüber zu sprechen.
Ich habe
mich zur Frage der Wiedervereinigung
bereits geäußert. Auch der französische Staatspräsident Mitterand hat
sich dazu geäußert. Ich habe Bundeskanzler Kohls Meinung dazu gehört.
Aber ich weiß nicht, ob die heutigen
Entwicklungen den Tag der Wiedervereinigung
näherrücken
lassen
oder
nicht.
Frage:
Herr Präsident, werden Sie
über die Jackson-Vanik-Beschränkungen
für die DDR diskutieren?
Antwort:
Ich werde sicherlich eine
große Bandbreite dieser Themen mit
den Sowjets erörtern. Ich weiß, daß
sie daran großes Interesse haben.
Wir sind bereit, darüber zu sprechen.
Frage: Werden Sie in den nächsten
Tagen mit Bundeskanzler Kohl sprechen?
Antwort:
Ich möchte bald mit ihm
sprechen, aber er befindet sich gegenwärtig in Polen. Ich werde versuchen, mit ihm in Kontakt zu treten,
aber ich habe erst kürzlich mit ihm
gesprochen.
Wir haben regelmäßig
Kontakt.
Frage: Haben Sie mit anderen westeuropäischen
Spitzenpolitikern
gesprochen? Werden Sie versuchen, Mitterand zu erreichen?
Antwort:
Ich weiß es nicht.
Ich
habe erst vor ganz kürzer Zeit mit ihm gesprochen. Aber es könnte sein,
daß er noch etwas besprechen möchte.

* * * * *

Frage:
Herr Präsident,
wenn sie
sagen, vielleicht wollten die DDRBürger bleiben und sich am Reformprozeß ihres Landes beteiligen, deuten
sie an, daß bis zur Wiedervereinigung
noch ein weiter Weg ist. Wie stehen
Sie zur Wiedervereinigung?
Ist sie

�BAKER:

VEREINIGTE STAATEN "AUSSERORDENTLICH GLÜCKLICH" ÜBER EREIGNISSE
IN DER DDR
- Stellungnahmen des amerikanischen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) In mehreren Interviews hat der amerikanische Außenminister
James Baker am 10. Novemher 1989 zu den Ereignissen in der DDR und Berlin
Stellung genommen. In bezug auf die Öffnung der Berliner Mauer erklärte der
Minister unter anderem, die Vereinigten Staaten "begrüßen dieses bedeutende
und dramatische Ereignis".
Sie seien darüber "außerordentlich glücklich".
Baker verwies ferner auf den "rapiden" und "dynamischen Wandel", der sich gegenwärtig in der DDR vollziehe.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen des US-Außenministers zu diesem
Thema in ihren wichtigsten Auszügen.

Frage:
Ich weiß nicht, ob Sie in
den vergangenen Wochen Zeit zum Sinnieren hatten, aber sinnieren Sie
doch mit mir ein wenig - denken Sie
einmal sechs Wochen zurück.
Gorbatschow besucht Ostberlin.
Als nächstes tritt Honecker ab.
Und dann
fährt Honeckers Nachfolger nach Moskau. Kurz darauf wird in der DDR alles auf den Kopf gestellt.
Welche
Rolle hat Gorbatschow bei all diesen
Ereignissen gespielt?
Antwort:
Dies ist wirklich ein rapider Wandel.
Und ein sehr dynamischer. Meines Erachtens spielten die
Sowjets dabei eine sehr wichtige Rolle.
Im Verlauf meiner Treffen mit
Außenminister Schewardnadse hat dieser mir gegenüber eindeutig erklärt,
daß die Sowjets den Reformprozeß in

Osteuropa ebenso unterstützen wie die
Reformen in der Sowjetunion.
Ich
denke, sie sind zu dem Schluß gekommen, daß sie erforderlich sind, wenn
sie mit der Perestrojka Erfolg haben
wollen.
Ich habe heute mit Interesse
zur
Kenntnis genommen, daß die Sowjetunion zu den ersten Staaten zählte, die
diese Entwicklung begrüßt haben.
Frage:
Der
Sprecher
des
sowjetischen
Außenministeriums,
Gennadij
Gerassimow, hat erklärt, es würde den
Sowjets noch nicht einmal etwas ausmachen, wenn dort freie Wahlen mit
mehreren Parteien durchgeführt werden, solange die DDR im Warschauer
Pakt bleibe.
Und man gewinnt jetzt
den Eindruck, daß die Sowjets mehr

�getan haben als nur daneben zu stehen
und zu sagen:
'Los, Leute. Macht,
was Ihr wollt.' Denn zunächst wollte
die DDR-Regierung ja hart bleiben.

len, daß die Sowjets keinerlei Bedenken gegenüber dem Gedanken eines wiedervereinigten
Deutschlands
haben.
Können Sie das?

Antwort:
Ja,
meines
Erachtens
wollten sie zunächst eine harte Haltung einnehmen. Das glaube ich auch.
Die Sowjets haben jedoch Reformen ermutigt.
Ich denke, sie sehen genau,
in welche Richtung das Pendel ausschlägt und - wie ich bereits festgestellt habe - betrachten sie Reformen
als Schlüssel zum Erfolg in der Sowjetunion
und
deshalb
auch
als
Schlüssel zum Erfolg in Osteuropa.

Antwort:
Es ist sehr schwer, dies
mit der Vorstellung in Einklang zu
bringen, alles sei in Ordnung, solange man nicht aus dem Warschauer Pakt
austrete. Wie kann es ein wiedervereinigtes Deutschland ohne diesen Austritt geben?
Es wäre wiederum verfrüht, dies jetzt zu erörtern.
Es
hat gerade eine äußerst wichtige Entwicklung stattgefunden, aber dies ist
eigentlich nur ein erster Schritt.
Es haben noch keine freien Wahlen in
der DDR stattgefunden.
Ich hoffe,
daß diese am Ende der Entwicklung
stehen.

Frage:
Erklären Sie mir das.
Warum?
Welchen Nutzen zieht Gorbatschow daraus für seine langfristige
Planung?
Antwort:
Die Frage nach dem Warum
wird durch die Tatsache beantwortet,
daß das alte System gescheitert ist
und sie das erkennen.
Das ist der
Grund. Warum Reformen? Weil das alte System nicht funktioniert.
Frage:
Aber es gibt ein noch grösseres Fragezeichen im Hinblick auf
die DDR.
Und da lautet die Frage,
wenn es eine demokratische DDR gibt,
dann besteht kein Grund mehr für die
Existenz der DDR. Dann könnte es genauso gut ein einziges Deutschland
geben.
Antwort:
Nun, genau
dies
trifft
natürlich auf die DDR zu, und sie ist
in dieser Hinsicht wirklich einzigartig unter den Ländern Osteuropas. Da
haben Sie recht. Und damit kommt man
zu der Frage, wie sich dies mit der
sowjetischen
Vorstellung
verträgt,
daß alles in Ordnung Ist, außer dem
Austritt aus dem Warschauer Pakt.
Und dieses Problem wird irgendwann
gelöst werden müssen.
Wir können
dies
zum
jetzigen
Zeitpunkt
noch
nicht.
Das
wäre
heute
verfrüht.
Aber wir sind uns dieses Problems bewußt und müssen uns darüber Gedanken
machen.
Frage:

Ich

kann mir

nicht vorstel-

Frage:
Ich
weiß
nicht,
welches
Bild Sie benutzen wollen - das von
dem Geist, den man nicht mehr in die
Flasche zwingen kann oder das von der
Zahnpasta, die man nicht mehr zurück
in die Tube bekommt. Könnte die Uhr
wieder zurückgedreht werden?
Antwort:
Ich glaube nicht.
Wenn
die Menschen einmal von den Früchten
der Freiheit gekostet haben, dann
kann man den Geist nicht mehr zurück
in die Flasche verbannen. Meines Ei—
achtens wird sich eine progressive
Entwicklung zu mehr Freiheit vollziehen, und genau das haben wir im Westen seit Jahr und Tag gefordert.
Dies muß nicht Instabilität, Chaos,
Blutvergießen
oder
Gewaltanwendung
bedeuten. Was wir wirklich dort erleben möchten, ist eine Hinwendung
zur Freiheit in allen Staaten Osteuropas, zu den Werten, die uns so teuer sind.
Wir möchten jedoch, daß
dies in Frieden und Freiheit geschieht.
Wir möchten, daß dies in
Frieden und Freiheit geschieht, weil
Instabilität in Form von Blutvergiessen und Gewalt nicht im Interesse
Osteuropas oder der Sowjetunion und
auch nicht im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
Frage:
Aber die Menschen, die ihr
Land heute verlassen, sind nicht die

- 2 -

�Alten.
Sie sind jung, sie sind gut
ausgebildet, sie sind für das überleben einer gesunden DDR absolut lebenswichtig und unerläßlich.
Da muß
man sich doch angesichts der stark
ansteigenden Zahlen von Übersiedlern
die Frage stellen, wieviele verkraftet werden können?
Antwort:
Meines Erachtens besteht
ein Grund für die heutige Ankündigung
darin, daß die Menschen, die ihr Land
verlassen, jung und gut ausgebildet
sind, daß dies Leute sind, ohne die
die DDR nicht auskommen möchte. Das
ist einer der Hauptgründe für diese
Ereignisse.
Nun, ich besitze keine Kristallkugel,
die mir sagt, wieviel Übersiedler aus
der DDR in der Bundesrepublik verkraftet werden können, ohne daß für
beide
Seiten
Probleme
entstünden.
Sicherlich gibt es Fragen in bezug
auf die Aufnahmefähigkeit der Bundesrepublik.
Wir gehen davon aus, daß
es etwa
175 000 Übersiedler gibt.
Ich kann Ihnen aber nicht sagen, bei
welchem Stadium diese Entwicklung Anlaß zu ernsthafter Besorgnis geben
würde.
Frage: Sind Sie als für die amerikanische Außenpolitik
Verantwortlicher nicht etwas beunruhigt über ein
Europa, das sich anschickt, ein vereintes Europa zu werden, möglicherweise
mit
einem
wiedervereinigten
Deutschland in seiner Mitte?
Antwort:
Der Präsident hat dazu in
Mainz während seiner Europareise aus
Anlaß des vierzigjährigen Bestehens
der NATO Stellung genommen, als er
erklärte:
'Wir wollen ein ungeteiltes, freies Europa.'
Und dies ist
weiterhin unser Ziel.
Das ist seit
langem unser Ziel, es ist das Ziel
dieser Administration und wird weiterhin
Ziel
dieser
Administration
sein. Die einzige Bedingung ist die,
daß sich dies friedlich vollzieht.
Wir möchten nicht, daß es in irgendeiner anderen Weise erreicht wird.
Meines Erachtens sollten wir uns darüber keine Sorgen machen. Es ist et- 3

was, das wir begrüßen und für das wir
uns einsetzen sollten.
Frage:
Seit vielen Jahren ist Berlin für uns so etwas wie das Symbol
des kalten Kriegs gewesen, eines geteilten Europas. Es war ein Zankapfel und sogar ein Ort, an dem der
Dritte Weltkrieg
zwischen Ost und
West seinen Ausgang nehmen könnte.
Ist es jetzt nicht nur an der Zeit,
daß die ganze Welt einen Stoßseufzer
der Erleichterung von sich gibt, sondern auch, daß die Uhr, die Atomphvsiker einmal geschaffen haben, um das
Risiko eines Atomkriegs zu messen erinnern Sie sich? - daß diese Uhr
ein wenig zurückgestellt wird?
Antwort:
Es ist an der Zeit, zu
erkennen, daß gerade das beginnt, was
wir seit über 40 Jahren anstreben.
Dies ist wirklich eine außerordentlich bemerkenswerte Entwicklung. Bei
unserem Regierungsantritt haben wir
Reden gehalten, in denen die Abkehr
von der Breschnew-Doktrin gefordert
wurde.
Die Breschnew-Doktrin wurde
im Grundsatz seither von der Sowjetunion widerrufen.
Wir haben davon
gesprochen, die Mauer müsse niedergerissen werden.
Nun ist die Mauer
zwar noch nicht niedergerissen worden, aber sie hat zumindest eine Bresche bekommen.
Und man kann wenigstens symbolisch sagen, daß die Mauer
gefallen ist. Dies sind dramatische
Ereignisse, die wir begrüßen sollten
und die wir in der Tat begrüßen.
Frage:
Wie interpretieren Sie den
Beschluß, achtzehn neue Grenzübergänge zu schaffen und der neuen Reisepolitik Dauerhaftigkeit zu verleihen?
Antwort:
Nun. meines Erachtens bemüht sich die DDR offensichtlich darum, jegliche Zweifel über eine mögliche Umkehrbarkeit dieser Politik zu
zerstreuen.
Es wurden Fragen zur
Durchführung erhoben.
Es gab Fragen
über einen möglichen Rückfall und so
weiter.
Und es scheint, als ob sie
jetzt sagen wollten: 'Seht, wir meinen es wirklich ernst. Das ist von
Dauer. Es hat Bestand.'

�Frage:
worden?

Sind

Sie

davon

überzeugt

Antwort:
Ja.
Ich habe früher bereits festgestellt, daß ich persönlich davon überzeugt bin, daß die. Sowjets nicht die Absicht haben, mit
Truppen in Osteuropa einzumarschieren, um diesen Entwicklungen ein Ende
zu bereiten. Das haben sie uns mitgeteilt, und das haben sie in öffentlichen Erklärungen gesagt.
Ich glaube nicht, daß sich die Ereignisse von 1956 wiederholen werden.
Wir können meines Erachtens nicht mit
absoluter Sicherheit sagen, ob die
Regime in Osteuropa nicht eines Tages
selbst beschließen könnten, an einem
gewissen
Punkt wieder zurückzuweichen.
Ich glaube dies aber nicht.
Man kann jedoch nichts mit absoluter
Sicherheit ausschließen.
Frage:
Aber die Tatsache, daß die
Sowjetunion nichts unternehmen wird,
um dramatisch in die Entwicklung einzugreifen . ..
Antwort:
Genau.
Dies wäre sicherlich nie ohne Duldung und Zustimmung
der Sowjetunion geschehen.
Frage:
Die
Morgenzeitungen,
die
morgendlichen
Fernsehprogramme
und
die Kommentatoren haben ihr Unverständnis darüber ausgedrückt, was sie
als eine kühle Reaktion des Präsidenten - und auch von Ihnen - im Hinblick auf die dramatischen Ereignisse
von gestern betrachten. Gibt es etwas, von dem Sie Kenntnis haben und
der Rest der Welt nicht?
Antwort:
Nein, nicht im mindesten.
Und dabei wird meiner Meinung nach
einiges außer acht gelassen. Es ist
jedenfalls wichtig
wenn wir zeigen,
Haß wir - wie es der Präsident erklärt hat - keine einseitigen Vorteile aus diesen Ereignissen ziehen wollen. Es ist wichtig, daß wir klarstellen, daß Instabilität in Osteuropa oder auch Instabilität in der Sowjetunion nicht im Interesse des Westens liegt. Es liegt nicht im In-

teresse
der
Vereinigten
Staaten.
Meines Erachtens ist den Leuten etwas
entgangen, wenn sie behaupten, wir
reagierten
vorsichtig.
Wir
haben
dies als bemerkenswert, dramatisch,
sehr begrüßenswert und bedeutend charakterisiert.
Ich glaube nicht, daß
dies eine vorsichtige Reaktion ist.
Frage:
Aber würden Sie nicht zustimmen, daß für den Durchschnittsamerikaner die Berliner Mauer - nicht
eine Realität wie für die Deutschen aber ein Symbol der Teilung zwischen
Ost und West...
Antwort:
Frage:

Selbstverständlich.
...des kalten Kriegs ist.

Antwort:
Wie auch wir erklärt haben, ist dies das bedeutendste Ereignis in den Ost-West-Beziehungen der
vergangenen 40 Jahre. Daran gibt es
für uns keinerlei Zweifel.
Frage:
Warum veranstaltet der Präsident dann nicht irgendeine Feier
dazu, oder warum scheint er nicht wenigstens in Feierstimmung zu sein?
Worin
besteht das Problem?
Warum
scheinen Sie alle nicht so glücklich
darüber zu sein?
Antwort:
Wir sind
außerordentlich
glücklich darüber. Wir begrüßen dieses bedeutende und dramatische Ereignis. Und ich möchte Ihnen mitteilen,
daß ich ein sehr bewegendes Telefongespräch mit dem Außenminister der
Bundesrepublik
Deutschland,
Herrn
Genscher, geführt habe. Er rief mich
an.
Ich ging ans Telefon, und seine
Sekretärin war am Apparat, und sie
sagte:
'Einen Moment bitte.
Und
vielen Dank für alles.
Gott segne
Amerika.
Hier ist der Minister.'
Dann sagte der Minister: 'Ich möchte
Sie anrufen, um Ihnen und durch Sie
dem amerikanischen Volk gegenüber unseren Dank zum Ausdruck zu bringen
für das, was Amerika für Deutschland
und insbesondere für das, was Amerika
für Berlin getan hat.'
Ich

-- 4 -

finde

dies

sehr

bewegend.

Er

�sagte weiter:
'Dies ist eine bewegende Stunde für unsere Nation. Aber
ich rufe Sie an, um unseren Dank gegenüber dem amerikanischen Volk zum
Ausdruck zu bringen.' Da treten einem fast Tränen in die Augen. Es war
ein sehr bewegender Moment.
Frage:
War das
schaft an Sie?

seine

einzige

Bot-

Antwort:
Nein, wir haben noch über
andere Dinge gesprochen.
Aber Bundeskanzler Kohl hat den Präsidenten
angerufen und ihm eine sehr ähnliche
Botschaft übermittelt. Jegliche Vorstellung, derzufolge wir in irgendeiner Weise darüber nicht sehr, sehr
erfreut sind und dies nicht begrüßen,
ist völlig falsch.
Frage:
Hatten Sie, als sie diese
Berichte im Fernsehen erlebten, vielleicht ebenso wie ich den Gedanken,
daß der Außenminister oder der Präsident der Vereinigten Staaten am liebsten dort wären, um die Menschen auf
der anderen Seite der Mauer zu begrüßen?
Ich meine nicht offiziell.
Aber haben Sie zu dem Zeitpunkt nicht
daran gedacht?
Antwort:
Ich
möchte
noch
einen
wichtigen Punkt hinzufügen, den wir
klarstellen sollten und auf den Frau
Thatcher angespielt zu haben scheint.
Wir stehen heute an diesem Punkt aufgrund der Entschlossenheit, des Willens und der Stärke des Westens. Und
wir sollten diese Tatsache nicht aus
den Augen verlieren. Das ist meines
Erachtens ein wichtiges Element, und
diese Botschaft kam wohl auch in dem
Telefonanruf
von Minister Genscher
zum Ausdruck.
Frage:
Was würden Sie unseren Zuschauern über das Risiko eines Kriegs
mit der Sowjetunion und ihren Verbündeten im Osten sagen?
Diese Bedrohung ist ja seit 40 Jahren Bestandteil unseres Lebens.
Wie hoch Ist
sie heute?
Antwort:
Vor
nicht
allzu
langer
Zeit habe ich dazu eine Rede vor der

Foreign Policy Association in New
York gehalten. Auch in San Francisco
habe ich über Rüstungskontrolle gesprochen, und ich habe in jener Rede
erklärt, daß wir leider den Krieg
noch nicht geächtet haben und nicht
sicher sein können, daß ein Krieg
nicht doch irgendwo ausbrechen könnte. Es gibt immer noch Schwierigkeiten mit der Sowjetunion im Hinblick
auf ihr Verhalten in regionalen Konflikten überall auf der Welt.
Wir
bemühen uns energisch um Lösungen.
Aber ich hoffe, daß die von uns beim
gesamten Spektrum der mit der Sowjetunion
behandelten
Themen
erzielten
Fortschritte zumindest den Ausbruch
eines Konflikts zwischen den Supermächten immer unwahrscheinlicher machen. Das ist meine Ansicht.
Bis heute stand das Verhalten im allgemeinen mit den öffentlichen Bekundungen im Einklang, nicht so sehr bei
den regionalen Konflikten wie in anderen Bereichen, etwa dem, was wir
heute in der DDR erleben.
Es hätte
niemals ohne Duldung oder Zustimmung
der Sowjetunion geschehen können.
Frage:
Erwägen Sie und der Präsident in der jetzigen Situation unsere
gesamte Politik gegenüber der Sowjetunion und dem Ostblock aufgrund der
Ereignisse der letzten drei Tage zu
überprüfen?
Antwort:
Wir haben unsere Politik
gegenüber dem Ostblock und der Sowjetunion seit den Vorbereitungen für
die Reise des Präsidenten nach Polen
und Ungarn in einer Art und Weise
durchgeführt, die mit den jetzigen
Ereignissen völlig im Einklang steht.
Der Präsident hat meines Erachtens in
seinem Ansatz zu Polen und Ungarn mit
dem Gedanken, daß wir Hilfe leisten
werden, genau den richtigen Standpunkt eingenommen. Wir werden echte
Reformen unterstützen.
Wir möchten,
daß dabei Fortschritte erzielt werden
und daß sie andauern. Wir nehmen die
Sowjetunion beim Wort bis dies nicht
mehr nötig sein wird.
Wir streben
keinen einseitigen Vorteil an, und

- 5 -

�wir werden uns entsprechend verhalten.
Ich möchte dazu sagen, daß wir uns
gegenwärtig mit einigen der Fragen
beschäftigen,
die
unserer
Ansicht
nach in Zukunft auftreten könnten.
Aber das tun wir nicht erst seit heute oder seit gestern. Wir tun dies
schon seit längerer Zeit.
Frage:
Der
sowjetische
Sprecher,
den wir gerade in dem Bericht aus
Moskau gesehen haben, hat ja erklärt,
diese ganze Angelegenheit
sei ein
weiteres interessantes Thema für die
Gespräche im Rahmen des Gipfels von
Malta. Ist das alles?
Antwort:
Sie meinen
das
Treffen
von Malta. Es ist wirklich kein Gipfel.
Frage:
Gipfel.
Ich habe da
schlechten Ausdruck benutzt.

einen

Antwort:
Es handelt sich wirklich
nicht um einen Gipfel. Aber werden
sie über Osteuropa sprechen? Da können Sie drauf wetten. Und das wird
einen herausragenden Stellenwert auf
der Tagesordnung einnehmen, jedoch
nicht in der Weise, als ob sich da
die zwei Supermächte an einen Tisch
setzen würden, um irgendwie über das
Schicksal Osteuropas zu entscheiden.
Frage:

Aber warum denn nicht?

Antwort:
Weil das unangemessen wäre, um das einmal ganz offen zu sagen.
Es wäre erstens unangemessen,
wenn die Vereinigten Staaten dies separat und ohne ihre Bündnispartner
tun würden.
Das hat einen Beigeschmack der Kritik, wie sie bei gewissen Ereignissen der Vergangenheit
geübt worden ist.
Und das ist ja nicht der Zweck dieses
Treffens.
Ich möchte dies klarstellen, damit jeder das versteht.
Frage:
Dann möchte ich die Frage
etwas klarer fassen.
Ist der Präsident - aufgrund dessen, was Sie uns
gegenüber heute abend erklärt haben -

darauf vorbereitet, daß dies Wirklichkeit ist. Viele sind ja der Ansicht - und es sind ja schon zahlreiche derartige Ereignisse eingetreten
-, daß es Gorbatschow und die Sowjetunion ernst meinen. Wir sind Zeugen
geworden, wie sich die Ereignisse im
Ostblock entwickelt haben.
Ist der
Präsident bereit, sich mit Herrn Gorbatschow an einen Tisch zu setzen und
zu sagen:
'Okay. Wir glauben Ihnen
jetzt.
Sie haben uns durch Taten
überzeugt.
Was können wir tun, um
Ihnen dabei zu helfen, auf dieser Basis weiterzumachen und die Demokratisierung voranzutreiben?'
Antwort:
Grundsätzlich besteht unsere Position, die wir gegenüber der
Sowjetunion bei den vergangenen Ministertreffen vertreten haben, darin,
daß wir der Perestrojka Erfolg wünschen.
Und wir möchten positiv handeln. Wir würden gerne da mit ihnen
zusammenarbeiten, wo für beide Seiten
Vorteile winken, um ein stabiles internationales
Umfeld
zu
schaffen.
Denn damit wird man zum Erfolg der
Perestrojka beitragen.
Wir möchten
mit ihnen Konsulationen abhalten, etwa im Hinblick auf Ansätze einer
freien Marktwirtschaft und ähnliche
Dinge.
Und ich bin sicher, daß der
Präsident diese Themen gegenüber Gorbatschow ansprechen wird.
Frage:
Gestern haben Sie und der
Präsident vorsichtigen Optimismus zum
Ausdruck gebracht. Was ist der Grund
für die Vorsicht?
Antwort:
Nun, ich weiß nicht, ob
man es als
vorsichtig
bezeichnen
kann. Ich habe gesagt, die Ereignisse von gestern seien eine positive
Entwicklung.
Es war eine bedeutende
Entwicklung, eine Entwicklung, die
wir begrüßen. Ich weiß nicht, warum
das vorsichtig sein soll. Meines Erachtens vollziehen sich dort sehr bemerkenswerte Dinge.
Dinge, die wir
schon seit langem gefordert haben.
Frage:
Schon
heute
morgen
wird
vielfach die Kritik laut, die BushAdministration sei von der Schnellig-

�keit der Ereignisse "völlig überrumpelt" worden. Trifft das zu?
Antwort:
Ob wir von der Schnelligkeit der Ereignisse überrascht wurden?
Da können Sie drauf wetten.
Und genauso ging es allen anderen,
soweit ich das überblicken kann. Ich
kenne niemanden, der diese Entwicklung vorausgesehen hätte. Es ist eine sehr gute Entwicklung. Ich schäme
mich kein bißchen dafür, daß die
Schnelligkeit uns überrascht hat.
Frage:
Herr Minister, warum
hat
sich die Entwicklung in der DDR so
rasch vollzogen?
Woher kommt dieser
Druck auf Reformen?
Antwort:
Nun, ich glaube, sie werden durch den inneren Druck auf mehr
Freiheit,
Redefreiheit
und
andere
derartige Rechte, der von ihrem eigenen Volk ausgeht, dazu gedrängt. Und
heute sehen wir, daß ihre Regierung
ihnen das Recht auf Freizügigkeit gewährt, ein grundlegendes Menschenrecht.
Ich hoffe, daß sie nun auch
in anderen Bereichen Freiheiten gewähren. Ich hoffe, daß wir eine Entwicklung zu freien und offenen demokratischen Wahlen erleben werden.
Frage:
Minister Baker, haben Sie
in den vergangenen zwei Tagen mit ihrem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse gesprochen?
Antwort:
Nein.
Ich habe in den
letzten Tagen mit dem Bundesaußenminister gesprochen, und ich habe soeben ein Telefongespräch mit unserem
Botschafter in Bonn geführt, der gerade im Auswärtigen Amt mit Vertretern der Bundesregierung sowie der
britischen und der französischen Regierung gesprochen hat.
Frage: Was haben Sie der Bundesrepublik heute morgen versprochen?
Antwort:
Nun, wir haben der Bundesregierung mitgeteilt, daß wir so
hilfreich wie möglich sein werden,
falls sie Hilfe benötigen sollte.
Wie Sie wissen, stellen wir militäri-

sche Hilfe in Form von Unterkünften
und ähnlichem zur Verfügung, um den
Zustrom von Ubersiedlern zu bewältigen.
Ich möchte hinzufügen, daß Botschafter Walters mir heute morgen mitgeteilt hat, daß der Zustrom von Ubersiedlern stark, aber konstant ist.
Er hat ferner berichtet, daß bereits
einige DDR-Flüchtlinge, die gerade
erst in die Bundesrepublik gekommen
waren, wieder in die DDR zurückkehren.
Frage:
Wie können wir Reformen in
der DDR fördern? Werden wir das immer nur über Helmut Kohl tun oder
werden wir auch an die DDR oder die
Sowjetunion herantreten?
Antwort:
Wir haben in bezug auf
die Reformen in Osteuropa schon ziemlich eingehende Gespräche mit der Sowjetunion geführt. Wir haben eindeutig erklärt, daß wir den Reformprozeß
in Osteuropa unterstützen.
Offengestanden, auch die Sowjets haben erklärt, daß sie den Reformprozeß in
Osteuropa unterstützen, und ich möchte hier feststellen, daß dieser nicht
möglich gewesen wäre, wenn die Sowjetunion ihn nicht zugelassen oder
sogar ermutigt hätte.
Frage:
Ich nehme an, Sie werden
die Gespräche darüber bei dem bevorstehenden Gipfeltreffen weiterführen.
Planen Sie gegenwärtig, dabei Geld
anzubieten?
Antwort:
So würde
ich es
nicht
ausdrücken.
Ich möchte hinzufügen,
daß der Zweck dieses Treffens vor dem
eigentlichen
Gipfeltreffen
zwischen
Präsident Bush und Präsident Gorbatschow nicht darin besteht, sich an
einen Tisch zu setzen und Osteuropa
aufzuteilen oder die Zukunft Osteuropas zu regeln.
Er besteht vielmehr
darin, Meinungen und Standpunkte zu
den Ereignissen in Osteuropa auszutauschen.
Frage:
Minister Baker, als Sie im
Jahr 1980 zunächst in die Reagan-Administration eintraten, was betrach-

- 7 -

�teten Sie damals als mögliche Herausforderungen in Osteuropa?
Und was
war zu jener Zeit das Ziel?
Antwort: Nun, wenn Sie sich an jene Tage erinnern, jene Tage des
'Reichs des Bösen', wenn Sie an unser
Verhältnis zur Sowjetunion denken, so
war damals Osteuropa eine geschlossene, abgeschottete Gesellschaft mit
sehr starren, repressiven Regimen in
nahezu allen osteuropäischen Ländern.
Und ich glaube nicht, daß irgendjemand im Jahr 1981 in der Lage war,
die Art von Bewegung und Reformen und
Offenheit zu prognostizieren, wie wir
sie heute in Osteuropa erleben.
Frage:
Es wird heute morgen
so
viel von der Wiedervereinigung gesprochen. Wird dieses Thema umgehend
von den NATO-Partnern behandelt werden?
Antwort:
Ich glaube nicht, daß es
unmittelbar behandelt wird, wenn man
in diesem Zusammenhang bestimmte Maßnahmen meint. Lassen Sie mich sagen,
daß die Wiedervereinigung seit über
40 Jahren Politik der NATO und Politik der
Vereinigten
Staaten
ist.
Wenn wir von Wiedervereinigung sprechen, so ist dabei wichtig
zu verstehen, daß wir diese auf der Grundlage westlicher Werte anstreben. Und
wir sprechen davon, sie in Frieden
und Freiheit zu verwirklichen.
Und
das ist sehr, sehr wichtig, wenn wir
beginnen, über die Wiedervereinigung
zu sprechen.
Ich meine, daß es noch ein wenig verfrüht Ist, den Sprung von der Freizügigkeit in der DDR, der Reiseerlaubnis für die Bürger der DDR zum Thema
Wiedervereinigung zu machen.
Es erscheinen mir bis dahin noch eine Reihe weiterer Schritte notwendig, darunter die freien Wahlen, die ich
vorhin erwähnt habe.

* * * * *

- 8 -

�WALTERS: WINDE DER FREIHEIT WEHEN AUS DEM WESTEN
- Botschafter Vernon Walters im amerikanischen Fernsehen WASHINGTON - (AD) - Dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in
der Bundesrepublik, Vernon Walters, zufolge werden die "Winde der Freiheit"
bald in allen Ländern Osteuropas, auch in Bulgarien und der Tschechoslowakei
wehen, und "sie wehen aus dem Westen".
Der Botschafter gab am 12. November 1989 im amerikanischen Fernsehen Interviews bei CBS ("Face the Nation") und CNN ("Newsmaker Sunday"), in denen er
seine Erwartung zum Ausdruck brachte, Veränderungen in der Tschechoslowakei
würde sich - ähnlich denen in Polen, Ungarn und jetzt der DDR - innerhalb "weniger Wochen" vollziehen. Walters erklärte ferner, die Öffnung der Berliner
Mauer mache es "völlig klar, daß die Ereignisse nicht mehr rückgängig zu machen sind".
Den Siegeszug demokratischer Ideen in Osteuropa führte er auf die Tatsache zurück, daß "wir es erreicht haben, weil wir stark waren."
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Zusammenstellung dieser Interviews.
Frage: Was wird als nächstes geschehen, Herr Walters?
Antwort: Als nächstes wird in der
DDR die Forderung nach freien Wahlen
laut werden. Wenn es freie Wahlen
gibt, kann das deutsche Volk unmittelbar entscheiden, ob es sich als
Ganzes oder in einer anderen Form zusammenschließen
will.
Aber
das
bleibt ihm überlassen. Und das kann
natürlich nicht ohne Zustimmung der
Sowjets geschehen, die 16 Divisionen
- schätzungsweise 480 000 Soldaten in der DDR stationiert haben.
Aber meiner Ansicht nach nehmen auch
die wirtschaftlichen Probleme in der
Sowjetunion - ich denke, Gorbatschow
hat erkannt, daß es keine gewinnträchtigen Kriege geben kann - eine

Richtung, bei der wir Fortschritte
machen können und die in Zukunft so
aufsehenerregend sein werden wie die
Ereignisse der Vergangenheit.
Frage: Wie sieht es mit dem übrigen Osteuropa aus? Was wird aufgrund
Ihrer Erfahrungen und der Berichte
Ihrer Nachrichtendienste zum Beispiel
in der Tschechoslowakei geschehen?
Antwort:
Wenn Sie eine Karte betrachten, werden Sie feststellen, daß
es von Polen, Deutschland und Ungarn
umschlossen wird. Und wenn Sie näher
hinschauen, sieht es - geographisch
betrachtet - aus wie der Kopf im Maul
eines Löwen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie sich diesem Druck
länger entziehen können. Jeder wußte
meiner Ansicht nach, daß die DDR eine

�harte Nuß war - die härteste im gesamten Ostblock.

über ihr eigenes Schicksal bestimmen
zu können.

Bulgarien wurde zum Beispiel von allen als gefälligster Verbündeten der
Sowjets betrachtet. Sogar Bulgarien
bricht jetzt auf.
Die Winde der
Freiheit wehen, und sie wehen aus dem
Westen. Und wer das nicht versteht,
wird vom Winde verweht werden.

Frage: Was können und sollten die
Vereinigten Staaten tun, um den sich
nunmehr vollziehenden Prozeß der Veränderungen zu fördern?

Frage:
Sie denken also, daß die
Tschechoslowakei eher früher als später den Kurs der DDR und anderer Länder einschlagen wird?
Antwort:
Das
ist, was man in
Deutschland
"Wunschdenken"
nennt.
Ich denke, daß es dazu kommen wird.
Frage: Wird es Wochen, Monate oder
Jahre dauern?
Antwort: Wochen.
Frage:
Haben wir das beobachten
können, was wir erwartet haben?
Antwort:
Teilweise.
Ich
würde
nicht sagen, daß eine so abwartende
Haltung eingenommen wird. Der Präsident hat diese Veränderungen sehr
herzlich begrüßt und auch deren Bedeutung hervorgehoben.
In den ersten Tagen der Öffnung der
Mauer befürchtete man, daß es sich
hierbei um ein Mißverständnis auf der
anderen Seite oder lediglich um eine
Teilmaßnahme handeln könnte.
Jetzt
ist jedoch ganz klar, daß die Ereignisse nicht rückgängig gemacht werden
können und die Deutschen beider Teile
Berlins zusammenkommen können. Gestern habe ich bereits den Deutschen
erklärt, daß es nicht nur ein großer
Tag für sie sondern auch für ihre
Freunde ist.
Wir sollten uns vor Augen führen, wie
wir das erreicht haben. Wir haben
das erreicht, weil wir stark waren.
Wir haben es erreicht, weil wir Entschlossenheit gezeigt haben, und wir
haben es erreicht, weil wir die freie
Wahl der Menschen unterstützt haben,

Antwort:
Ich denke, bis jetzt haben wir alles getan.
Wir ähneln
vielleicht einer europäischen Fußballmannschaft, die zur Halbzeit mit
10 zu 1 führt, und ich denke nicht,
daß wir eine oder mehrere Strategien
entwerfen sollten, um etwas besser zu
machen.
Ich denke, bis jetzt haben wir alles
getan. Wenn Sie sich erinnern wollen, so sind seit Reykjavik erst
zweieinhalb Jahre vergangen, seit die
Sowjets erklärt haben, wenn ihr SDI
nicht aufgebt, sind wir am Ende. Wir
haben SDI nicht aufgegeben, und sie
haben herausgefunden, wie teuer es
wäre, mit uns gleichzuziehen und entschlossen sich, einen anderen Weg
einzuschlagen. Dies ist der andere
Weg.
Frage: Heute morgen wurde am Potsdamer Platz ein neues Loch in die
Mauer geschlagen. Gestern wurde die
Glienicker Brücke geöffnet. Für viele von uns sind das lediglich Namen.
Aber welche Bedeutung haben diese Orte für das deutsche Volk?
Antwort:
Der Potsdamer Platz war
vor dem Krieg der Times Square von
Berlin.
Dort traf man sich, dort
pulsierte das Leben genau wie am
Times Square.
Auf der Glienicker
Brücke fand oftmals ein Austausch von
Spionen statt. Ich war gestern dort.
Und ich habe nie zuvor mehr erwachsene Männer mit Tränen in den Augen gesehen als gestern auf dieser Brücke.
Frage: Wie schätzen Sie die Gefühle der Deutschen ein?
Antwort:
Es herrscht Festtagsstimmung. Das deutsche Volk sieht Licht.
Die lange Nacht ist vorbei. Aber dafür muß die Mauer - unmittelbar vor

- 2 -

�dem Brandenburger Tor - endgültig und
tatsächlich
niedergerissen
werden,
und ich brauche ihnen nicht zu sagen,
daß das Brandenburger Tor für die
Deutschen zugleich Magnet und Symbol
ist.
Ich war vergangene Nacht um
Mitternacht dort und mit mir etwa
5 000 Menschen, von denen viele sagten: "Die Mauer muß weg".
Zunächst ist die Mauer vor dem Brandenburger Tor kein besonders schöner
Anblick. Aber für die Deutschen ist
sie irgendwie ein Symbol für die Einheit der Stadt. Und wann immer sie
bei Tag oder bei Nacht dorthin kommen, befinden sich dort Tausende von
Menschen.
Gestern Nacht waren es
insbesondere junge Leute, es herrschte eine Atmosphäre wie auf einem Fußballplatz, aber in dem Gefühl, daß
die lange Nacht zuende gehen und sich
die Tore öffnen würden.
Sie haben den Potsdamer Platz erwähnt. Heute morgen hat man ein Loch
in die Mauer am Potsdamer Platz geschlagen, und die beiden Bürgermeister von Ostund West-Berlin haben
sich dort getroffen. Das ist ein bedeutungsvoller Schritt.
Frage: Die Ereignisse dieser Woche
haben die unvermeidliche und für manche hier in Europa unliebsame Aussicht einer Wiedervereinigung beider
Teile Deutschlands aufgeworfen. Sehen sich Ost und West - ebenso wie
die DDR sich Forderungen nach Demokratisierung und Freizügigkeit gegenübersieht - jetzt den Forderungen des
deutschen Volkes nach einer Wiedervereinigung ihres Landes ausgesetzt?
Antwort:
Ich denke, daß dieser
Druck besteht. Meiner Ansicht nach
werden sie dabei vorsichtig vorgehen
müssen.
Aber ich glaube, niemand,
der sich als Freund Deutschlands bezeichnet, kann sich der freien Wahl
des deutschen Volkes widersetzen, wie
immer sie auch aussehen mag.
Frage:
Viele Menschen in Deutschland haben mir erklärt, daß sie einen
Zusammenschluß des Landes befürworten

würden, nicht in Ost oder West, sondern mit einem neutralen Status, wie
ihn etwa Österreich hat. Könnten Sie
sich das auch so vorstellen?
Wie
könnten beide Seiten diesen "neutralen Staat", wie Sie es genannt haben,
zwischen anderen Ländern verwirklichen?
Antwort: Das hängt zu einem großen
Teil natürlich vom allgemeinen Zustand der Beziehungen zwischen der
Sowjetunion und den Ländern des NATOBündnisses ab und davon, wie sie sich
entwickeln. Meiner Ansicht nach ist
ein neutrales Deutschland nicht realistisch.
Für ein kleineres Land
könnte dies realistisch sein, aber
für ein Land von der Größe Deutschlands
wäre
das
sehr
schwierig.
Deutschland
ist
nicht
Finnland.
Deutschland
ist nicht Österreich.
Deutschland ist sehr groß - bevölkerungsmäßig das größte Land Europas.
Es ist wirtschaftlich das stärkste
Land. Und meiner Ansicht nach ist es
nicht realisitisch, sich vorzustellen, das Land könnte in einem Vakuum
existieren.
Aber als Mitglied des NATO-BUndnisses
stellt Deutschland
meiner Ansicht
nach für niemanden eine Bedrohng dar.
In den zehn Jahren meiner Amtszeit im
NATO-Hauptquartier habe ich niemals
einen Angriffsplan dort gesehen. Und
ich denke, daß dies auch die andere
Seite weiß.
Frage: Besteht das Risiko, daß wir
uns zu weit vorwagen und die DDR-Führung im Hinblick auf Veränderungen zu
stark bedrängen? Ist es an der Zeit,
Vorsicht walten zu lassen?
Antwort:
Ich denke, wir stehen an
der Schwelle zu einem neuen Zeitalter, aber wir müssen vosichtig sein.
Unter Gorbatschow haben die Sowjets
zwei wichtige neue Raketensysteme
stationiert und die schwersten ihrer
Systeme - die SS-18 - modernisiert,
zu denen uns das Gegenstück fehlt.
Wir müssen solange Vorsicht walten
lassen, bis wir statt Worten Taten
sehen.

- 3 -

�Hier in Deutschland haben wir viele
Taten gesehen. Aber auf der anderen
Seite müssen wir insgesamt noch mehr
Taten sehen, bevor wir das Gefühl haben können, daß es sich wirklich um
eine fortschrittliche Politik handelt. Wir hoffen, daß das zutrifft
und wahrscheinlich ist es auch so.
Aber wir warten noch auf bessere Beweise.
Wir wollen keinen Truppenabzug aus
dem Gefühl der Panik heraus. Wir
müssen
ausgehandelte
Reduzierungen
durchsetzen, mit denen die Fähigkeit
zur Invasion in Europa abgebaut werden kann. Und diese Invasionsfähigkeit in Europa gäbe es nicht mehr,
wenn gemäß dem Vorschlag des Präsidenten eine Reduzierung auf 275 000
Soldaten auf beiden Seiten akzeptiert
würde. Und darüber wird in Wien verhandelt, und ich bin optimistisch.
Ich denke, wir werden es schaffen.
Frage:
Mit welcher Geschwindigkeit
wird sich der Wandel Ihrer Ansicht
nach vollziehen? Sehen Sie eine Verzögerung voraus?
Antwort:
Offen gesagt, kann man
sich kaum vorstellen, daß es mit dieser Geschwindigkeit weitergeht. Das
ist wie das Fahren auf deutschen Autobahnen, und ich weiß nicht, wie
lange es noch in diesem Tempo weitergeht, aber all meine Vorhersagen über
eine Verlangsamung sind nicht eingetroffen. Wenn überhaupt, so hat eine
Beschleunigung stattgefunden.
Für jemanden, der die Luftbrücke in
Berlin und den Mauerbau erlebt hat,
ist es außergewöhnlich, hier zu sein,
und zu sehen, wie Löcher in die Mauer
geschlagen werden.

* * * * *

- 4

�</text>
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