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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON**
25 Oktober 1989

39

I N H A L T
.
DOKUMENTATION

Mosbacher; Die Rolle der Marktwirtschaft In den Ost-West-Beziehungen
- Rede des US-Wirtschaftsministers Baker: USA streben mit UdSSR Minimierung der Erstschlagfähigkeit an
- Rede des US-Außenministers beim Commonwealth Club -

HINTERGRUND

Versicherung für Arbeitslose
- Dritter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen
Medizinische Versorgung für Bedürftige und Sltere Menschen
- Vierter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen

WIRTSCHAFT

Pro-Kopf-Einkommen steigt, Ausmaß der Armut unverändert
- Artikel über eine Pressekonferenz des statistischen Bundesamts
der Vereinigten Staaten •

I

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Sichere Landung der Raumfähre nach geglückter Aussetzung der
Raumsonde GALILEO

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

39

25. Oktober 1989

MOSBACHER:

DIE ROLLE DER MARKTWIRTSCHAFT IN DEN OST-WEST-BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Wirtschaftsministers -

FRANKFURT - (AD) - Dem amerikanischen Wirtschaftsminister Robert Mosbacher zufolge unterstützen die Vereinigten Staaten die Bestrebungen des Ostblocks zur
Umstrukturierung der Wirtschaft, auf lange Sicht müßten die Wirtschaftsbeziehungen jedoch von den Kräften des Marktes gesteuert werden.
In einer Ansprache beim Institute for East-West Security Studies in Frankfurt
drängte Mosbacher Ungarn und Polen, "mutige Programme der Marktentwicklung und
politischen Freiheit" in die Wege zu leiten.
Nachfolgepd
Wortlaut.

veröffentlichen

wir

die Ansprache

Vor hundert Jahren prägte ein britischer Dichter die berühmten Verszeile
"Ost ist Ost und West ist West - und
diese beiden werden niemals zusammenkommen".
Unsere
Zusammenkunft
am
heutigen Abend belegt in anschaulicher Weise, daß Kiplings Zeilen vor
hundert Jahren oder vielleicht sogar
noch vor ein oder zwei Jahren zutrafen,
heute
jedoch
zumindest
der
Wunsch - und wir hoffen, Engagement besteht, den Prozeß friedlicher Begegnungen zwischen Ost und West in
die Wege zu leiten.
Es ist mir eine große Ehre und ein
Vergnügen, Ihnen am heutigen Abend
einige meiner Gedanken zur nationalen
Sicherheit und zum Weltfrieden darlegen zu können. Auf dem Flug von Washington habe ich den soeben veröf-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

des Wirtschaftsministers

im

fentlichten Bericht über d''e Integration der sozialistischen Volkswirtschaften gelesen.
Es ist eine interessante Studie mit
vielen Denkanstößen. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer ausgezeichneten Arbeit und begrüße den Bericht als konstruktiven Beitrag zum gegenwärtigen
Dialog.
Wenn bei Ihnen vom heutigen Abend nur
ein einziger Gedanke haften bleiben
sollte, so der, daß Sicherheit und
Stabilität in direktem Zusammenhang
mit piner gesunden Wirtschaft stehen.
Denn - wie wir in den vergangenen Monaten wiederholt beobachten konnten nur, wenn eine Volkswirtschaft die
Grundbedürfnisse
und Wünsche eines

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Volkes befriedigt, nur, wenn ein Volk
Hoffnung für sich und seine Nachkommen hat, kann es Stabilität und Frieden geben.
Wie das
werden
Chancen
ren gut

Wasser sich seinen Weg sucht,
die
Menschen
Freiheit
und
suchen.
Die Regierungen wäberaten, sich dies zu merken.

Es gibt mehrere Anzeichen dafür, daß
die Länder des Ostblocks zu dieser
Erkenntnis gelangt sind. Aus diesem
Grund werden wirtschaftlicher und politischer Wandel in diesen Ländern so
ernsthaft durchgeführt.
In der Sowjetunion hat Perestrojka
Pläne zur Umstrukturierung der sowjetischen
Volkswirtschaft
hervorgebracht. Die zentrale Verwaltung von
Kapital und Ressourcen wurde in Frage
gestellt. Die Schaffung von Marktmechanismen zur realistischen Preisgestaltung wird in Erwägung gezogen.
Selbst ein konvertierbarer Rubel ist
angeblich im Gespräch.
Trotz der bisherigen
Veränderungen
und beeindruckenden Absichten ist die
Sowjetunion jedoch noch immer weit
von einer Marktwirtschaft entfernt,
die zum Beispiel für die Mitgliedschaft im GATT erforderlich wäre.
In Teilen Osteuropas - insbesondere
in Polen und Ungarn - kommen die Dinge etwas schneller in Bewegung. Einzelnen
Firmen
steht
es
zunehmend
frei, ihre Preise und ihr Produktionssoll selbst festzusetzen.
Geschäfte und Fabriken in Privatbesitz
werden Realität.
Selbst Unternehmen
mit ausschließlich ausländischem Kapital sind möglich.
Gleichzeitig können wir in der Sowjetunion zum ersten Mal Wahlen mit
mehreren Kandidaten
beobachten, in
Polen die Wahl der ersten nichtkommunistischen Regierung im Ostblock seit
40 Jahren, in Ungarn die Umgestaltung
der kommunistischen in eine sozialistische Partei. Dies sind bedeutende
erste Schritte. Aber es bleibt noch
sehr viel mehr zu tun.

Niemand
sollte die
Schwierigkeiten
und Unwägbarkeiten bei der Verwirklichung
einschneidender
Veränderungen
unterschätzen.
Es wird ein langwieriger und harter Prozeß sein. Und offen gesagt - die Last dieser Veränderungen wird primär der Ostblock zu
tragen haben.
Aber es zeichnen sich Veränderungen
ab. Und sie finden aus der Erkenntnis heraus statt, daß Initiative und
Innovation im Bereich der Wirtschaft
ohne politische Freiheit
unmöglich
sind und politische Freiheit wiederum
den Eckpfeiler wirtschaftlicher Liberalisierung bildet.
Darüber hinaus spiegeln die Veränderungen im Ostblock die Erkenntnis der
zunehmenden Globalisierung nationaler
Volkswirtschaften wider.
Die ausgegebenen Obligationen und Aktien der
internationalen Kapitalmärkte belaufen sich auf rund 25 Billionen Dollar. Insgesamt werden täglich internationale Zahlungen zwischen 700 Milliarden und 1,5 Billionen Dollar abgewickelt. In der Mehrzahl der Fälle
handelt es sich hierbei natürlich um
Devisentransaktionen, aber sie spiegeln das Ausmaß unserer Verflechtung
wider.
Die Internationalisierung macht nicht
an den Finanzmärkten halt.
Sie erstreckt sich auch auf den Produktionssektor
und
Gemeinschaftsunternehmen bei Waren und Dienstleistungen.
Das bedeutet, der Wettbewerb
selbst wird internationaler, fordert
mehr Effizienz, bessere Dienstleistungen und schnellere Einführung von
Produkten durch die Konkurrenten.
Unabhängige
Volkswirtschaften
haben
bei der Anhebung des Lebensstandards
eine entscheidende Rolle gespielt.
Die Schwellenländer nehmen effektiv
am weltweiten Wettbewerb teil und
zwar eben weil sie durch ihre marktorientierten Maßnahmen den Anforderungen des internationalen Wettbewerbs gerecht werden.
Währenddessen
sind die Volkswirtschaften des Ost-

�blocks immer welter ins Hintertreffen
geraten.
Die Auswirkungen des internationelen
Wettbewerbs waren in den Vereinigen
Staaten
schmerzhaft
spürbar
aber
lehrreich.
Sie zwingen uns nicht
nur, über unseren eigenen beachtlichen
Inlandsmarkt
hinauszuMicken,
sondern auch, Nabelschau zu betreihen
und die unserer Konkurrenzfähigkeit
abträglichen Herausforderungen im Inland genauestens zu analysieren.
Unsere Probleme im Inland werden heute von der Sorge um die Verbesserung
unseres
Bildungssystems,
Eindämmung
des Drogenmißbrauchs. Anhebung der
Sparrate und die erneute Verpflichtung zu Produkt- und Dienstleistungsqualität beherrscht.
Die Notwendigkeit
internationaler
Wettbewerbsfähigkeit
findet
in den Vereinigten
Staaten praktisch in jeder von uns
über diese Probleme geführten Diskussion ihren Niederschlag.
Die Amerikaner sind zu der Erkenntnis
gelangt, daß ihr zukünftiger Wohlstand - und ihre künftige Sicherheit
- davon abhängen, wie sie die Herausforderungen der Weltwirtschaft
und
des Wettbewerbs meistern.
Und was
für uns gilt, trifft um so mehr auf
die Volkwirtschaften
des Ostblocks
zu.
Mit anderen Worten, als isolierter
Block kann der Ostblock nicht wachsen
und gedeihen. Der Ostblock muß wirtschaftliche Gewinne erzielen, die nur
durch Austausch seiner besten Leistungen gegen Waren und Dienstleistungen erzielt werden kann, die in
anderen Ländern rentabler produziert
werden.
Ich möchte die Position der Bush-Adminsitration
eindeutig
klarstellen.
Wir begrüßen die Hinwendung des Ostblocks zu den Werten, auf denen unser
Land gegründet wurde: Menschenrechte, Demokratie, wirtschaftliche Freiheit, freie Märkte, das Recht auf
freie Wahl und Selbstbestimmung.

Sie bilden nicht nur die Grundlage
für Wohlstand sondern für echte Harmonie und Frieden auf der Welt. Wir
wünschen den mutigen Programmen der
Marktentwicklung
und
politischen
Freiheit in Ungarn und Polen Erfolg.
Wir sind bereit, diese Veränderungen
zu unterstützen.
Und wir wünschen der Perestrojka In
der Sowjetunion Erfolg.
Wir hoffen
auf die vollständige Integration der
Sowjetunion und aller Länder des Ostblocks in die internatioanle Staatengemeinschaft, so daß ihre Bürger die
Vorzüge
des freien
Unternehmertums
genießen können.
Im Mal dieses Jahres habe ich fünf
Prinzipien festgelegt, nach denen die
Wirtschaftsbeziehungen
zwischen
Ost
und West florieren können. Ich möchte sie als realistische Richtlinien
für zukünftige Maßnahmen wiederholen.
Erstens: Heute, morgen und für alle
Zeiten sind die nationalen Sicherheitsinteressen des Westens von vorrangiger Bedeutung. Wir streben die
Integration der Sowjetion in die internationale Staatengemeinschaft und
das Wachstum friedlichen Handels an.
Die Exportkontrollen, die wir und unsere Verbündeten aus Gründen der Sicherheit
vornehmen. bleiben
jedoch
bestehen.
Und unsere Entschlossenheit In dieser Sache wird durch die
Tatsache noch verstärkt, daß die militärische Aufrüstung der Sowjetunion
anhält - trotz Glasnost und Perestrojka.
Exportkontrollen dienen der nationalen Sicherheit - nicht der Wirtschaft.
Unser Ziel besteht darin,
den Transfer sensibler Technologie zu
verhindern, nicht den Handel zu lähmen.
Die Aufrechterhaltung unserer nationalen
Sicherheit
darf
nicht
mit
friedlichem Handel nichtstrategischer
Güter kollidieren, und gemeinsam mit
unseren Verbündeten werden wir sicherstellen, daß nur die entscheiden-

- 3 -

�den Technologien kontrolliert werden.
Zweitens:
Wir dürfen nicht leichtfertig
hohe
Kredite
bereitstellen
oder subventionieren, um einen künstlichen Aufschwung im Ost-West-Handel
zu fördern, der nicht im Einklang mit
der wirtschaftlichen Realität steht.
Die Vereinigten Staaten unterstützen
und ermutigen die Entwicklung des
friedlichen Ost-West-Handels, jedoch
auf
einer
gesunden
kommerziellen
Grundlage.
Drittens:
Investitionen können und
sollten ebenso wie Gemeinschaftsunternehmen
beim
Aufbau
von
Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle spielen.
Auch hier müssen Investitionsentscheidungen
nach
kommerziellen
Kriterien getroffen werden.
Die Länder Osteuropas müssen in ihrer
Rechtsprechung und in anderen Bereichen Veränderungen vornehmen, um dem
Westen Investitionsanreize zu bieten,
weil das der Wirtschaft förderlich und nicht nur politisch vorteilhaft ist.
Viertens:
Unsere
Bereitschaft
zu
grundlegenden
Verbesserungen
des
Ost-West-Handels
bleibt
an
Fortschritte bei den Menschenrechten geknüpft. In diesem Bereich machen die
Sowjetunion und andere Länder große
Fortschritte, was sich wiederum günstig auf den Handel auswirkt. Präsident Bush trifft zum Beispiel aufgrund der neuen Gesetze in Ungarn
Vorbereitungen, um Ungarn Meistbegünstigungsstatus einzuräumen.
Und fünftens:
Mehr Offenheit.
Für
den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen
müssen die Länder Osteuropas mehr Informationen liefern, weil sich Märkte
nicht entwickeln können, wenn Käufern
und Verkäufern keine genauen Zahlen
über das jeweils andere Land und seine Wirtschaft vorliegen.
Diese Grundsätze liefern den Rahmen
zur Integration Osteuropas in den
Welthandel.
Aber vollständige Inte-

gration bedeutet Wettbewerb auf dem
Weltmarkt.
Und das heißt, die Menschen müssen zunächst die Freiheit
haben, in ihrem eigenen Land konkurrieren zu können.
Die Integration der Weltwirtschaft
geschieht vorwiegend durch die Impulse freier Unternehmen, durch multinationale Konzerne und die kleine Firma, die erstmals auf den Exportmarkt
strebt.
Osteuropa wird erst vollständig in
die Weltwirtschaft integriert sein,
wenn seine eigenen Unternehmen das
Gleiche tun und ihre und unsere Unternehmen uneingeschränkt zusammenarbeiten können.
Darüber hinaus wird die Privatisierung von Staatsunternehmen an sich
nicht
zu
besserer
internationaler
Wettbewerbsfähigkeit
führen,
wenn
diese Privatunternehmen auf dem Binnenmarkt nicht konkurrenzfähig sind.
Ohne aktive Konkurrenz werden sogar
Joint Ventures in ausländischer Hand
den sicheren Hafen eines Monopols anzustreben suchen.
Und Wettbewerb von Produkt!onsgütern
allein reicht nicht aus. Unabdingbar
sind unabhängige Banken, die auf der
Basis marktwirtschaftlicher Kriterien
und Zinssätze Kapital vergeben und
Dienstleistungen anbieten, die wir im
Westen als selbstverständlich ansehen.
Bei meinem jüngsten Besuch in Polen
habe ich einen Geschäftsmann getroffen, der ein Joint Venture betreibt.
Seinen Erklärungen zufolge ist das
polnische Bankwesen so unzureichend
auf internationale Geschäftsabschlüsse eingerichtet, daß es keine Akkreditive und kein System von Sicherheiten gibt, wie wir es kennen.
Ein anderes Problem wurde von einem
Geschäftsmann angeschnitten, der berichtete, er fahre mindestens zweimal
pro Woche etwa 300 Kilometer von seiner Fabrik nach Warschau, um mit Regierungsvertretern zu sprechen. Seine Geschäfte seien leicht mit einem

�Telephongespräch zu
man komme nie durch.

erledigen,

aber

Ein dritter Geschäftsmann
beklagte
sich über eine staatliche Bestimmung,
die Werbung einschränkt.
Den Vorschriften zufolge dürfen nicht mehr
als 2 Prozent vom Umsatz bei der
Steuer als Werbungskosten abgeschrieben werden. - Dies nur als Beispiel
für die Probleme der Unternehmer in
Osteuropa.
Ich lege jedoch den Schwerpunkt nicht
auf Offenheit und Wettbewerb, um die
schwierigen politischen Entscheidungen zu verharmlosen, die von den Reformpolitikern für die Wirtschaft getroffen werden müssen.
Die Kontrolle des Geldflusses wird
schwierig
sein, aber entscheidende
Bedeutung haben, wenn diese Volkswirtschaften des Mangels sich zu einem preisorientierten System wandeln
wollen, in dem das Bild nicut mehr
von LebensmittelKarten und Schlangen
vor den Geschäften bestimmt wird.
Dasselbe gibt für Subventionen.
Auch dem Bericht der Arbeitsgruppe
des Instituts zufolge gibt es kein
Patentrezept
für den Weg von der
staatlich kontrollierten zur freien
Marktwirtschaft.
Natürlich
kennen
wir alle die für den Erfolg einer
Marktwirtschaft erforderlichen Faktoren. Und wie wir wissen, sind dabei
Halbheiten nicht möglich.
Die Vorteile der Märkte kann man sich nur
zunutze machen, wenn man Konkurrenz
zuläßt.
Wir im Westen sind uns der Tatsache
bewußt, daß die versuchte Umgestaltung schwierig und schmerzhaft sein
wird.
Und wir werden nicht untätig
zusehen.
Die Vereinigten Staaten haben sich
mit den anderen Ländern der G-7, der
Europäischen Gemeinschaft und weiteren Industrieländern in einer konzertierten
Aktion
zusammengeschlossen,
mit der Reformbestrebungen in Polen
und Ungarn gefördert werden sollen.

Wir wollen ihnen bei der Öffnung ihrer Binnenmärkte helfen, indem wir
unsere eigenen Märkte für ihre Produkte öffnen. Präsident Bush hat den
Kongreß davon in Kenntnis gesetzt,
daß er Ungarn die Vorteile unseres
Allgemeinen Systems der Begünstigung
im Handel zugute kommen lassen will
und hat den Kongreß gebeten, es auch
auf Polen auszuweiten.
Ich fordere
unsere Handelspartner in anderen Industrieländern auf, ihre Märkte weiter zu öffnen, um die Reformbestrebungen dieser Länder zu fördern.
Ein T^il unserer Bemühungen muß darauf
abzielen, gegebenenfalls echte
finanzielle Erleichterung zu bieten.
Wir werden das Geld nicht zum Fenster
hinauswerfen, aber wo es gute Wirtschaftspläne und eine gesunde Wirtschaftspolitik gibt, müssen wir bereit sein, den Übergang zu erleichtern. Beim jüngsten Weitwirtschaftsgipfel hat Präsident Bush die eine
baldige und unkomplizierte Wiederaufnahme Polens in den Pariser Club gefordert .
Soeben hat er den Kongreß aufgefordert, Polen 200 Millionen Dollar als
Stabilisierungsmaßnahme
zu bewilligen.
Damit
liegt
unser
gesamtes
Hilfsangebot für Polen bei 400 Millionen Dollar. Und wir fordern alle
Länder der westlichen Welt auf, unserem Beispiel zu folgen.
Es ist von
entscheidender Bedeutung, daß die gesamte den Polen für den Stabilisierungsprozeß erbetene 1 Milliarde Dollar westlicher Hilfe verfügbar ist,
weil sie nur nützt, wenn der Fonds
voll finanziert wird.
Aber was diese Länder nötiger als alles andere brauchen, ist ein florierender Privatsektor, der auf Marktkräfte reagieren kann.
Und wir im
Westen können helfen, indem wir den
Grundstein für eine starke Partnerschaft mit unserem eigenen Privatsektor legen.
In den Vereinigten Staaten versuchen
wir das auf unterschiedliche Art und
Weise
private
Unternehmensfonds

- 5 -

�werden geschaffen, die Hilfe der Entwicklungsgesellschaft OPIC erweitert,
Besuche von Geschäftsleuten organisiert wie bei meinem jüngsten Besuch
in Polen und Ungarn, Seminaren über
Gesetzgebung unter Einbeziehung unserer gemeinnützigen Verbände von Führungskräften und Experten veranstaltet sowie Angebote zum Aushandeln von
Verträgen über Vertrauensbildung in
der Wirtschaft und Sicherheit für Investoren.
Aber an der Tatsache, daß die wirtschaftlichen Probleme Osteuropas eben
dort ihren Ursprung haben, ist nicht
zu rütteln, und sie können nur durch
radikale - und echte - Veränderungen
auf dem Binnenmarkt gelöst werden.
Inbesondere müssen sie erkennen, daß
Halbheiten nicht zum Ziel führen.
Nur der freie Markt, nur das freie
Unternehmertum können die tiefgreifenden wirtschaftlichen Probleme der
Länder Osteuropas . lösen.
Und aus
diesem Grund kann nur der Markt ein
internationales Svstem schaffen, das
sowohl Stabilität als auch Frieden
gewährleistet.
Als Geschäftsmann liegt mir nichts an
Beschönigungen. Ich ziehe eine offene Sprache vor.
Und ich sage, was
wir alle wissen:
eine marxistisch
orientierte Volkswirtschaft funktioniert nicht.
Die Politiker Osteuropas können Jahrzehnte verschwenden, indem sie vorgeben, das System sei nicht tot und
zaghafte Maßnahmen treffen, die ideologisch mit der Vergangenheit im Einklang stehen.
Oder sie können zum
Kern der Dinge vorstoßen - zu einem
Übergang zur freien Marktwirtschaft,
die den Bedürfnissen des Volkes gerecht wird.
Die neuen Reformpolitiker Osteuropas
haben jetzt die volle Unterstützung
der Öffentlichkeit.
Und sie müssen
sich diese zunutze machen, um den
wichtigen Schritt zum Aufbau eines
neuen Wirtschaftssystems zu tun.

Die Politiker in Polen und Ungarn haben sich zu diesen Veränderungen verpflichtet.
Die sowjetischen Politiker kommen ihnen immer näher.
Die
Politiker in den anderen Volkswirtschaften Osteuropas leben jedoch immer noch in der Vergangenheit.
Aber sie werden hoffentlich bald erkennen, daß der Wunsch ihrer Bevölkerung
nach
Freiheit
und
Wohlstand
wichtigere Ziele sind als die Beibehaltung
veralteter
und
Überholter
Konzepte.
Als Geschäftsmann kann ich ihnen nur
raten:
Wagen Sie den Sprung.
Das
Wasser ist nicht kalt.
Vergangene Woche schenkte uns eine
Gruppe junger Sowjetbürger die Anstecknadel , die ich heute trage. Ich
kann mir keine bessere Art und Weise
vorstellen, um unseren heutigen Abend
zu beenden, als Ihnen die Aufschrift
auf der Nadel vorzulesen, denn sie
bringt das zum Ausdruck, was der Präsident und ich uns von der Zukunft
erhoffen:
Glasnost
Perestrojka
Demokratie
Ja!
In diesem Sinne kommen Ost und West
endlich zusammen.
In diesem Sinne
können sich endlich fruchtbare Beziehungen
entwickeln.
Darauf
hoffen
wir. Ich danke Ihnen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
25. Oktober 1989

39

BAKER: USA STREBEN MIT UdSSR MINIMIERUNG DER ERSTSCHLAGFÄHIGKEIT AN
Rede des US-Außenministers beim Commonwealth Club SAN FRANCISCO - (AD) - In einer Rede beim Commonwealth Club in San Francisco
erklärte Außenminster Baker am 23. Oktober, die Vereinigten Staaten strebten
im strategischen Bereich ein Verhältnis zur Sowjetunion an, "in dem Fähigkeiten und Anreize für einen Erstschlag minimiert und Möglichkeiten strategischer
Verteidigungssysteme untersucht werden". Bakpr verwies in diesem Zusammenhang
auf einige andere Aspekte der von Washington angestrebten neuen Beziehungen:
Die sowjetische Militärmacht soll für jedermann und nicht nur für Satelliten erkennbar sein,
Verifizierbare Verträge sollen ein niedrigeres Kriegsrisiko festschreiben,
Rüstungskontrolle soll "die Saat des Krieges zu Früchten des Friedens"
aufgehen lassen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Außenministers im Wortlaut:

Wie Sie wissen, sollte diese Rede bereits vergangene Woche gehalten werden.
Eine furchtbare Tragödie kam
jedoch dazwischen. und aus diesem
Grund wollte ich sie zunächst absagen.
Angesichts all des Leidens schien es
nicht angemessen, hierher zu kommen
und Ihnen einen Vortrag über Rüstungskontrolle zu halten. Aber Sie
haben mich gebeten, meine Verpflichtung einzuhalten, und diese Bitte
spricht Bände.
Sie offenbart den
wahrhaft amerikanischen Charakterzug,
sich einer Katastrophe zu stellen,
entsprechende Maßnahmen zu ergreifen
und dann die reguläre Arbeit wiederaufzunehmen.
Diese Orientierung auf
die Zukunft entspricht der Mentalität
von San Francisco.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ihre Taten legen - mehr als Worte es
auszudrücken
vermögen
beredtes
Zeugnis Ihrer Dynamik ab, und ich
möchte hinzufügen, daß sie die Hoffnungen eines ganzes Landes beflügelt.
Sie arbeiten Hand in Hand mit anderen, um Krisen in Chancen, Schmerz in
Fortschritt zu verwandein und eine
aus dem Ruder gelaufene Welt wieder
in ihr richtiges Fahrwasser zu bringen. Mein herzliches Beileid geht an
die Familien der Opfer.
Ich werde
mit Ihnen beten.
Ich möchte meinen heutigen Vortrag
mit dem Hinweis auf eine andere Oktoberkrise beginnen, die vor 27 Jahren
stattfand: die Kubakrise von 1962.
Diese Krise scheint sehr lange vorbei
zu sein und weit entfernt von der
Tragödie, die Sie heute zu überwinden

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�suchen.
Die Kluft in den Beziehungen zwischen
Moskau und Washington im Oktober 1962
und im Oktober 1989 könnte nicht
größer sein.
Im Oktober 1962 sahen
wir uns mit einer Sowjetunion konfrontiert, die sich drohend vor uns
aufbaute und deren Führung uns in
Schutt und Asche legen wollte. Heute
haben wir es mit einer ernüchterten
Sowjetunion zu tun, deren Führungsspitze von einer Umstrukturierung der
Gesellschaft spricht.
Im Oktober 1962 verzeichnete die Sowjetunion
einen
Wirtschaftsaufschwung, mit dem sie ihre unablässige
Aufrüstung vorantreiben konnte. Heute steht die sowjetische Wirtschaft
unmittelbar vor dem Ruin.
Im Oktober 1962 wurden durch das sowjetische Weltraumprogramm Ängste geschürt, wir würden das Wettrennen zum
Mond verlieren.
Heute will die Sowjetunion
unbedingt vermeiden, daß
sie zurückbleibt, wenn der Rest der
Welt den Übergang vom Zeitalter der
Industrialisierung in ein neues Jahrhundert vollzieht.
In diesem Monat vor 27 Jahren standen
wir uns - wie Sie sich erinnern werden - Auge in Auge an der Schwelle
zum Krieg gegenüber.
Im Gegensatz
dazu sind heute die Beziehungen der
Supermächte so vielversprechend wie
nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.
Im Rückblick wird deutlich, daß die
Kubakrise in der Nachkriegszeit die
größte Möglichkeit zu einem Atomkrieg
bot. Wenn wir in die Zukunft blikken, haben wir jetzt die größten
Chancen zum Abbau des Kriegsrisikos
seit Anbruch des Atomzeitalters.
Der Präsident hat unser Ziel als
Schritt über den Frieden bewaffneter
Lager hinaus zu einem Frieden des gemeinsamen
Optimismus
beschrieben.
Letzte Woche habe ich unsere Strategie zur Erlangung dieses Ziels mittels einer vorsichtigen Suche nach
Elementen beschrieben, die uns beiden
zum Vorteil gereichen.
Heute möchte
- 2

ich eines dieser Elemente - die Rüstungskontrolle - eingehender erörtern.
Rüstungskontrolle kann den Aufbau eines dauerhaften Friedens in starkem
Maße unterstützen, aber Rüstungskontrolle kann nicht nicht einem politischen Vakuum erfolgen.
Das möchte
ich klarstellen:
Wir konkurrieren
militärisch, weil wir politisch unterschiedlicher Meinung sind.
Politische Querelen nähren das Feuer des
Rüstungswettbewerbs.
Nur durch die
Lösung politischer Meinungsverschiedenheiten können wir den mit ihnen
einhergehenden Rüstungswettlauf aufhalten.
Um mit Clausewitz zu sprechen - wenn Krieg die Fortsetzung von
Politik mit gewalttätigen militärischen Mitteln ist, dann ist Rüstungskontrolle die Suche nach stabilen,
berechenbaren strategischen Beziehungen mit friedlichen politischen Mitteln.
Aus diesem Grund blicken wir so hoffnungsvoll in die Zukunft.
In den
letzten vierzig Jahren hat Rüstungskontrolle bei der Gestaltung der amerikanisch-sowjetischen sicherheitspolitischen Beziehungen nur eine untergeordnete Rolle gespielt, weil unsere
politischen Differenzen zu breit gefächert waren, als daß dauerhafte und
substantielle
Fortschritte
möglich
gewesen wären.
Stärke und Einheit
des Westens haben in dieser ganzen
Zeit, als wir im Schatten gegensätzlicher Werte und divergierender Ziele
gelebt haben, die Abschreckung gestützt.
Jetzt könnte Perestrojka in
der sowjetischen Innen- und Außenpolitik den Schatten teilweise erhellen.
Die politische
Voraussetzung
für eine dauerhafte und strategisch
bedeutsame
Rüstungskontrolle
könnte
endlich Gestalt annehmen. Mit Recht
schrieb der Präsident im Juni an Gorbatschow: "Wir tragen - gemeinsam eine große Verantwortung, wenn wir
uns die Hoffnungen dieser ungewöhnlichen Zeit zunutze machen wollen, um
die internationale Sicherheit zu verbessern. "

�Der Präsident und ich haben erklärt,
wir wünschen Perestrojka den Erfolg.
Wir dürfen diese Gelegenheit nicht
leichtfertig
verstreichen
lassen.
Das sowjetische "neue Denken" in der
Außen- und Verteidigungspolitik verspricht Möglichkeiten, die noch vor
zehn Jahren undenkbar gewesen wären,
wie etwa einschneidende stabilisierende Reduzierungen bei den strategischen Streitkräften und einen Gleichstand bei reduzierten konventionellen
Streitkräften
in
Europa.
Dennoch
kann der Erfolg von Perestroika nicht
als gesichert gelten.
Jegliche Unsicherheit über den Ausgang der Reformen in der Sowjetunion
ist für uns umso mehr - nicht etwa
weniger - Anlaß, die gegenwärtige
Chance zu ergreifen. Denn die Früchte unserer Arbeit - eine geringere
sowjetische Bedrohung und wirksam verifizierbare Abkommen - können Bestand haben, auch wenn das für Perestrojka nicht gelten sollte.
Wenn
die Sowjets bereits Waffen zerstört
haben, wird es für jede künftige Führung im Kreml schwierig, kostenträchtig und zeitraubend sein, diese Maßnahme wieder rückgängig zu machen und
erneut die militärische Vormachtsteilung zu erlangen.
Und wenn die Abkommen geschlossen sind, wird jeder
Versuch des Vertragsbruchs als Anzeichen für den neuerlichen Ausbruch alten Denkens gelten.
Wir können uns das neue politische
Klima zunutze machen, um Abschreckung
auf einem Niveau mit geringerem Risiko zu konsolidieren.
Durch gesunde
und verifizierbare Abkommen
können
wir stabilere und vorhersehbare strategische Beziehungen
gestalten und
festigen.
Die sich wandelnden politischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten
sollten sich in veränderten sowjetischen
Streitkräftestrukturen
und
strategischen
Konzepten
widerspiegeln. Auf diese Weise können wir dazu beitragen, daß politische Fortschritte in militärische Realität umgesetzt werden und damit gleichzeitig
diesen
Fortschritt untermauern und

stärken.

Die
Strategie
im
strategischen Umfeld

sich

wandelnden

Bevor ich auf die Grundlagen der RUstungskontrollpolitik dieser Administration eingehe, möchte ich noch
kurz etwas zum strategischen Umfeld
sagen.
in
dem
Rüstungskontrolle
durchgeführt wird.
Politisch befindet sich die Sowjetunion mitten in der Revolution von
Perestrojka, Glasnost und Demokratisierung.
Die neuen Denker wissen,
daß Stalins System sich grundlegend
verändern muß, wenn die Sowjetunion
in einer Art und Weise, die - wie
Gorbatschow erklärt hat - einer Supermacht gebührt, ins 21. Jahrhundert
eintreten soll. Dafür hat die sowjetische Führung viel getan und im Hinblick auf politische, wirtschaftliche
und
gesetzgeberische Reformen
noch
mehr versprochen.
Obwohl diese Reformen noch erweitert, festgeschrieben, institutionalisiert und zur Normalität werden müssen, wandelt sich
doch bereits das politische Gesicht
der sowjetischen Macht.
Die Reformaussichten sind in Polen,
Ungarn, der DDR, der Tschechoslowakei
und anderen Ländern Osteuropas ebenso
vielversprechend - und nicht in manchen Fällen noch vielversprechender.
Obwohl man sich vor einer Überbewertung der Trends hüten sollte, stürzen
die politischen Pfeiler eines nach
1945
gewaltsam
geteilten
Europas
langsam ein. Wir können der Vision
des Präsidenten von einem ungeteilten
und freien Europa näherkommen.
Diese großen politischen Veränderungen finden in einer Zeit rascher
technologischer Veränderungen statt.
Unsere militärischen Instrumente werden durch neue Technologien so verändert, daß mehr Sicherheit geschaffen
werden könnte. Mit Fortschritten in
der Meß- und Regeltechnik, Datenverarbeitung und bei ziel genauerer Munition ergeben sich neue Möglichkeiten

- 3-

�für die Stärkung der Abschreckung.
Wir müssen jedoch vorsichtig sein und
die Schattenseiten der sich verändernden technischen Realitäten erkennen. Immer mehr Länder erwerben die
Fähigkeit zur Herstellung von chemischen Waffen und Raketen. Da viele
dieser Regime in anhaltende regionale
Konflitke verwickelt sind, liegt das
Potential für eine explosive Eskalation ihrer Querelen auf der Hand.
Ich möchte hinzufügen, daß diese
technischen Veränderungen in einer
Zeit sich wandelnder rüstungswirtschaftlicher
Bedingungen
erfolgen.
Es ist allgemein bekannt, daß die Sowjetunion gezwungen ist, einen Teil
ihrer ungeheuren Militärausgaben für
den Wiederaufbau der heimischen Wirtschaft aufzuwenden. Auch im Westen
ist das Zeitalter schnell steigender
Verteidigungshaushalte vorbei.
Aus
den neuen Technologien müssen wir
diejenigen Waffen auswählen, mit denen sich Abschreckung am kostengünstigsten aufrechterhalten läßt.
Was ist nun das Ergebnis dieser politischen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen? Strategisch
stellt sich die Welt, die wir seit
der Kubakrise geplant haben, anders
dar als die Realität heute. Bedrohungen unserer Interessen verändern
sich politisch und werden durch neue
Technologien multipliziert.
Unsere
Fähigkeiten werden technisch verbessert, aber finanziell beschränkt.
Unsere grundlegenden Werte und Interessen werden Bestand haben. Aber mit
der Umgestaltung unseres strategischen Umfelds müssen wir einige unserer Leitlinien und Ansätze neu überdenken. Viele traditionelle Annahmen
müssen neu erwogen werden. Die Strategie verbindet den Zweck und die
Mittel. Wenn sich beide verändern,
muß sich auch die Strategie verändern.
Wir müssen zum Beispiel auch an die
Zukunft der europäischen sicherheitspolitischen Beziehungen und das wichtige strategische Verhältnis der Su-

permächte denken. Die heute als historisch angesehene politische Umgestaltung Osteuropas macht - wenn sie
angemessen institutionalisiert wird solche Neubewertungen doppelt wichtig.
Angesichts der steigenden Bedrohung für unsere weltweiten Interessen und der sich mit der Weiterverbreitung moderner Technologien ergebenden Machtverlagerung müssen wir
auch unsere Strategie bei Konflikten
in der Dritten Welt neu überdenken.
Langfristig müssen wir erwägen, ob
sich durch Optionen zur strategischen
Verteidigung, einschneidende Reduzierungen nuklearer und konventioneller
Waffen, wirkungsvolleres konventionelles Gerät und Verschiebungen in
der sowjetischen Strategie die Bedingungen für unsere Abschreckung verändern.
Um diesem veränderten Umfeld Rechnung
tragen zu können, müssen Verteidigungsprogramme und Rüstungskontrolle
Hand in Hand gehen. Das ist die Voraussetzung für eine einheitliche, integrierte Strategie, mit der das Risiko eines Krieges durch Abschreckung
eines Angriffs verringert und gleichzeitig amerikanische Werte hochgehalten werden können. Sowohl Verteidigungsprogramme als auch Rüstungskontrolle können den gemeinsamen Zielen
einer Verbesserung der Stabilität,
Gewährleistung
der
Berechenbarkeit
und Stärkung der Abschreckung dienen.
Wenn sich in Reaktion auf ein sich
entwickelndes
strategisches
Umfeld
unsere Strategie wandelt, würde das
auch eine Veränderung unserer Verteidigungsprogramme
und
RUstungskontrollPositionen bedeuten.
Insgesamt
würde die Sicherheit verbessert.
Natürlich können weder Verteidigungsprogramme noch Rüstungskontrolle das
allein leisten.
Um die Integrität
der Triade zu erhalten, müssen wir
auf die Stationierung mobiler Raketen
als wichtigem Element unseres nuklearen
Modernisierungsprogramms
vertrauen. Aber START kann hier eine
Schlüssel rolle spielen. Der Vertrag
kann die sowjetische Bedrohung für
unsere Streitkräfte vermindern, und

- 4 -

�damit wird Uberlebensfähigkeit durch
Mobilität
wahrscheinlicher.
Wenn
START nicht die sowjetische Bedrohung
einschränken würde, wäre eine verläßliche Abschreckung kaum vorhersehbar
und finanziell tragbar zu gewährleisten.
Ohne die START-Verhandlungen
wäre der zur Unterstützung wichtiger
Modernisjerungsprogramme - nicht nur
mobiler ICBMs, sondern auch B-2, Trident und SDI - erforderliche innenpolitische Konsens sehr schwierig aufrechtzuerhalten.
In ähnlicher Weise
würden ohne unsere strategischen Modernisierungprogramme
die
Vorteile
eines START-Abkommens erheblich verringert.
Somit verstärken sich die
Modernisierung
unserer
Streitkräfte
und die Rüstungskontrollbestrebungen
gegenseitig.
Im September habe ich die Entscheidung des Präsidenten verkündet, bei
START mobile, landgestützte Raketen
zu gestatten. Die Zulassung mobiler
Raketen ist nur sinnvoll, wenn die
Vereinigten Staaten zu ihrer Stationierung bereit
sind.
Deshalb ist
diese Entscheidung von der Bewilligung der Mittel für das mobile Raketenprogramm durch den Kongreß abhängig.
Der Kongreß muß jetzt START
durch die Finanzierung dieses Programms unterstützen und darf es nicht
unterminieren.
Senator Nunn hat unlängst erklärt: "Wenn wir es im Kongreß nicht schaffen, unser Modernisierungsprogramm für ICBMs wieder auf
den richtigen Weg zu bringen (...),
sehen die START-Verhandlungen einer
sehr düsteren und langen Zukunft entgegen."
Eine weitere Voraussetzung für eine
erfolgriche Strategie - für mit der
Rüstungskontrolle einhergehende Verteidigungsprogramme
- ist die Notwendigkeit der Einheit als Nation und
als Bündnis.
Das besagt schon die
einfache Weisheit:
Einigkeit macht
stark, Uneinigkeit schwach. Wir dürfen nicht zulassen, daß die Sowjets
Meinungsverschiedenheiten
zwischen
Administration und Kongreß oder zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten ausnutzen.
Das ent-

bindet uns natürlich nicht von der
Pflicht zu eingehenden Debatten.
Es
ist zwingend erforderlich, daß wir
innerhalb der strategischen Gemeinschaft
und
in der
Öffentlichkeit
überhaupt offene und ehrliche Gespräche über Strategie und Rüstungskontrolle führen. Wenn wir einen potentiellen Angriff abschrecken, müssen
wir - wie der bekannte Historiker
Michael Howard
erklärte - unseren
Völkern versichern, daß ihre in die
Verteidigung gesteckten Dollars die
Sache des Friedens effizient und effektiv unterstützen. Eine offene und
ehrliche Debatte ist die sicherste
Formel für Einigkeit. Und eine solche Debatte muß geführt werden und zu
Ergebnissen gekommen sein, bevor Verträge unterzeichnet werden - wenn wir
Verträge mit nach Hause bringen wollen, die im Interesse der Nation liegen.

Das Ziel der Rüstungskontrolle
der Weg dorthin

und

Als Beitrag zu einer solchen Debatte
möchte ich nunmehr von den Voraussetzungen der Rüstungskontrolle auf die
grundlegenden Ziele unserer Rüstungskontrollpolitik und die Grundsätze zu
sprechen kommen, mit denen diese zu
erreichen sind.
Das wichtigste Ziel der Rüstungskontrolle ist die Reduzierung des Risikos eines Krieges - sei er nun nuklear oder konventionell.
Wir hoffen,
den Krieg zu verhindern, indem wir
stabile,
berechenbare
strategische
Beziehungen
erarbeiten.
Stabilität
erfordert Streitkräfte und eine Politik, mit denen niemand auch nicht angesichts der schlimmsten Krise von
einem
Erstschlag
profitieren kann.
Einen
Krieg
- insbesondere
einen
Atomkrieg - zu gewinnen, darf für die
Sowjets niemals eine Option - auch
keine Option des kleineren Übels, wie
es ein bekannter Stratege genannt hat
sein.
Berechenbarkeit erfordert,
daß ausreichende Offenheit und Transparenz vorherrscht, um Fehleinschätzungen, Fehlplanungen und einen unab-

- 5 -

�sichtlich begonnenen Krieg - den niemand gewollt hat, den aber auch niemand aufhalten könnte - zu verhindern.
Je offener und transparenter
die militärischen Angelegenheiten der
Sowjets sind, umso mehr Vertrauen
können wir ihren Absichten entgegenbringen.
Vier Grundsätze leiten unsere Suche
nach stabilen, berechenbaren strategischen Beziehungen. Erstens streben
wir eine Reduzierung der Fähigkeit zu
einem überraschenden Erstschlag an.
Wir streben durch Vorschläge nach
Stabilität, mit denen die für eine
Offensive
in Blitzkrieg-Manier
und
präventive Erstschläge erforderlichen
Fähigkeiten
reduziert werden.
Bei
KSE haben wir uns darauf konzentriert, den sowjetischen Vorteil bei
solchen Waffen zu beseitigen, mit denen Territorium am ehesten überfallen
und besetzt werden kann:
Panzer,
Schützenpanzer und Artillerie.
Bei
Start streben wir die Reduzierung der
am meisten destabilisierenden Waffen
an, der verwundbaren, silogestützten
ICBMs, etwa der sowjetischen SS-18.
Diese Waffen sind insbesondere für
präventive Erstschläge und nicht vordringlich zur Verteidigung geeignet.
In Wyoming haben wir den Vorschlag
für ein Verbot der Erprobung seegestützter ballistischer Raketen (SLBM)
mit kurzer Flugzeit unterbreitet und
versuchen damit, die sowjetische Fähigkeit
eines
vernichtenden
Erstschlags abzubauen. Unsere START-Vorschläge betonen die relativen Vorzüge
langsam fliegender Waffen - wie etwa
Marschflugkörper und Bomber, die für
einen Erstschlag nicht geeignet sind.
Unser
SDI-Programm
legt
ebenfalls
Priorität auf Stabilität.
Effektive
strategische Verteidigung kann zu einem überlebensfähigen, kostengünstigen Schild gegen einen erfolgreichen
Erstschlag führen. Aus diesem Grund
betrachten wir die von den Sowjets in
Wyoming getroffene Entscheidung zur
Abkoppelung der Gespräche über Vertetdigungs- und
Weitraumwaffen
von
START
positiv.
Diese
sowjetische
Entscheidung, START nicht länger von

der Lösung der Probleme bei Verteidigungs- und Weltraumwaffen abhängig zu
machen, beseitigt ein wichtiges Hindernis für einen START-Vertrag und
versetzt uns gleichzeitig In die Lage,
unsere SDI -Pläne fortzuführen.
Wir engagieren uns weiterhin für die
Erhaltung unseres Rechts auf SDI-Aktivitäten, die im Einklang mit dem
ABM-Vertrag stehen.
Und wir werden
die Gespräche über Verteidigungs- und
Weltraumwaffen nutzen, um einen gemeinsamen und stabilen Übergang zu
mehr Vertrauen auf
stabilitätsfördernde, kosteneffektive strategische
Verteidigung auszuloten.
Unser zweiter Grundsatz - Berechenbarkeit durch Offenheit - geht über
den
traditionellen
Schwerpunkt
der
Rüstungskontrolle, der auf den Fähigkeiten liegt, hinaus.
Jeder Krieg
hat seine eigenen Ursachen, aber sicherlich
brachte
Thukydides
eine
wichtige allgemeine Tatsache zum Ausdruck, als er schrieb:
"Was den
Krieg unvermeidlich machte, war das
Anwachsen der Macht Athens und die
dadurch in Sparta ausgelöste Furcht."
Die Rüstungskontrolle bat sich hauptsächlich mit dem ersten Teil dieser
Einschätzung auseinandergesetzt: Beschränkung oder Reduzierung destabilisierender
militärischer
Fähigkeiten. Bei der Erweiterung der Tagesordnung bemühen wir uns darum, das
zweite Element des Thukydides zu behandein:
Furcht vor agressiven Absichten. Wir drängen auf mehr Offenheit und Transparenz der sowjetischen
militärischen
Handlungen.
Je mehr
wir wissen und verstehen, desto mehr
können wir sichergehen, daß unsere
Befürchtungen nicht das Ergebnis falscher Eindrücke und Fehleinschätzungen sind. Mehr Offenheit ist der sicherste Weg zu größerer Berechenbarkeit und einem niedrigeren Kriegsrisiko, insbesondere dessen eines Krieges aus Versehen.
Die Offene-Himmel-Initiative des Präsidenten ist ein deutliches Beispiel
für diesen neuen Schwerpunkt in der
Rüstungskontrolle.
Offenheit in beziig auf die militärischen Kräfte und

�Maßnahmen bildet das Kernstück der
Gespräche über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM),
an denen alle europäische Staaten
teilnehmen. In diesen Verhandlungen
schlagen wir einen ganz Europa umfassenden Austausch militärischer Daten
über alle unsere Streitkräfte und
Waffen vor.
Im Einklang mit dem
Geist der Offenheit, der auch bei unserem Ministertreffen in Wyoming zutage trat, haben wir ein Abkommen zur
Benachrichtigung
über
strategische
Übungen unterzeichnet und die Sowjets
eingeladen, unsere SDI-Einricbtungen
zu besichtigen.
Der Datenaustausch
über chemische Waffen wird uns dabei
helfen, einem verifizierbaren, weltweiten Verbot näherzukommen. Verteidigungsminister Jasows Besuch zu Beginn dieses Monats ist nur eines einer ganzen Reihe von Treffen, die
praktische Gelegenheiten zum Verständnis des sowjetischen MiLitärwesens bieten. Wir haben die Sowjets
ferner gedrängt, die realen Zahlen
ihres Verteidigungshaushalts zu veröffentlichen, aus denen Mitteleinsatz
und Ausstoß ihrer Rüstungsproduktion
hervorgehen.
Offenheit in militärischen Angelegenheiten ist nur ein Teil unserer Bemühungen zur Schaffung offener, pluralistischer Institutionen. von denen
wir im Umgang mit den Sowjets geleitet werden. Bei seinem jüngsten Besuch sprach der sowjetische Verteidigungsminister Jasow vom wachsenden
Einfluß der Ausschüsse des Obersten
Sowjets gegenüber dem sowjetischen
Verteidigungskomplex.
Wir
hoffen,
daß die sowjetische Militärmacht zunehmend der heilsamen Wirkung einer
umfassenden und gründlichen öffentlichen Debatte ausgesetzt wird.
Zusammen mit einem Streitkräfteabbau
wird mehr Offenheit auch dem politischen Wandel zugute kommen.
Bei
KSE werden unsere Vorschläge nicht
nur das Potential für einen sowjetischen Blitzkrieg, sondern auch für
eine
sowjetische
Einschüchterung
Westeuropas verringern.
Die sowjetische Armee, mit der wir als poten-

tieller
Angriffsarmee
konfrontiert
sind, ist für die Osteuropäer eine
Besatzungsarmee. Das Gewicht der sowjetischen Militärpräsenz in Osteuropa wird reduziert werden.
Befreit
von dem kalten Schatten sowjetischer
militärischer
Vorherrschaft
werden
politischer
Pluralismus und freie
Märkte in Osteuropa besser gedeihen
können.
Ein
berechenbareres
strategisches
Verhältnis wird voraussichtlich auch
weniger kostspielig sein. Wie der
Präsident in einem Brief an Gorbatschow schrieb, kann die Rüstungskontrolle "Berechenbarkeit in die militärische Planung einführen, so daß
wir das Ausmaß des militärischen
Wettbewerbs abbauen
können".
Ein
verringerter Wettbewerb könnte auch
ein billigerer und sichererer Wettbewerb sein. Unser Wunsch nach Einsparungen darf jedoch nicht mit der erforderlichen Sicherheit in Konflikt
geraten.
Der dritte Grundsatz unserer Politik
ist die Erweiterung der Tagesordnung
bei der Rüstungskontrolle, die ihren
traditionellen Ost-West-Rahmen sprengen muß. Wir erweitern unsere Tagesordnung mit den Sowjets sowohl bei
der Behandlung drängender, weltweiter
RUstungskontrollprobleme,
wie
der
Verbreitung chemischer und nuklearer
Waffen, als auch bei der Konzentration auf regionale Konflikte. In einer
zunehmend miteinander verflochtenen
Welt besteht eine teilweise Wechselwirkung zwischen einem stabilen, berechenbaren amerikanisch-sowjetisches
Verhältnis und regionaler Stabilität.
Ich habe vorhin schon darauf hingewiesen, daß moderne Technologien in
der dritten Welt Verbreitung finden.
Moderne Kampfflugzeuge sind an Libyen, Syrien und Nordkorea geliefert
worden. Über 20 Staaten besitzen die
Fähigkeit zur Herstellung chemischer
Waffen.
Die Verbreitung nuklearer
Waffen, insbesondere das Reaktorprogramm Nordkoreas, bleibt gefährlich.
Die Rüstungskontrolle sollte sich zunehmend solchen Problemen widmen.

- 7 -

�Die UNO-Initiative des Präsidenten
kann uns einem verifizierbaren, weltweiten Verbot chemischer Waffen näherbringen. Der Vorschlag des Präsidenten
bietet
einen
realistischen
Plan für Fortschritte.
Als Schritt
zu einem multilateralen Verbot werden
wir bilateral mit den Sowjets die
chemischen Potenttale auf 20 Prozent
des heutigen amerikanischen
Stands
reduzieren.
Innerhalb von acht Jahren nach Inkrafttreten einer multilateralen Konvention werden wir unsere
Bestände weiter auf nur 2 Prozent des
heutigen Niveaus reduzieren.
Diese
Gesamtverringerung um 98 Prozent bedeutet eine erhebliche Beschleunigung
gegenüber
früheren
Vernichtungsplänen. Nach einer zweijährigen Einhaltung des Verbots durch alle chemiewaffenfähigen Staaten werden wir unser Potential auf Null reduzieren.
Wir sind uns darüber im klaren, daß
es schwierig sein könnte, Problemstaaten wie Libyen zu einem Beitritt
zu bewegen.
Wir arbeiten jedoch an
der Schaffung eines Umfelds, das jedem Land Anreize zum Beitritt bietet
und Kosten für ein weiteres Fernbleiben auferlegt. Aufbauend auf den bei
der unlängst in Canberra abgehaltenen
Konferenz
erzielten
Fortschritten
werden
die
Exportkontrollen
für
Grundchemikalien
verschärft.
Der
Präsident hat ferner angeordnet, eine
Untersuchung über Sanktionen durchzuführen, mit denen der Einsatz chemischer Waffen und andere Verletzungen
einer Konvention abgeschreckt und bestraft werden sollen.
Alle Staaten
müssen wissen, daß sie für ihre Unmenschlichkeit
einen
Preis
zahlen
müssen.
Unser vierter Grundsatz ist die Institutionalisierung einer sichereren
Welt. Der Präsident bemüht sich darum, das Kriegsrisiko
auf
Dauer,
nicht auf Zeit zu reduzieren.
Wir
streben an, daß defensive militärische Operationen bei den Sowjets zum
Normalzustand werden.
Wir möchten,
daß sich das neue Denken konkret in
der sowjetischen Streitkräftestruktur
niederschlägt. Wir möchten, daß Waf-

fen zerstört, nicht nur verlegt werden.
Und wir wünschen Vereinbarungen, die Bestand haben.
Mit
einer
wirksamen
Verifizierung
kann gewährleistet werden, daß die
von uns unterzeichneten Verträge ihre
Aufgabe, eine sicherere Welt zu institutionalisieren,
erfüllen.
Aufgrund des Primats, den die wirksame
Verifizierung in der Haltung dieser
Administration zur Rüstungskontrolle
genießt, haben unsere
Unterhändler
bereits einen Datenaustausch und versuchsweise
Verifikationsmaßnahmen
vorgeschlagen, die schon vor Vertragsabschluß
durchgeführt
würden.
Solche Maßnahmen werden uns bei START
und bei den chemischen Waffen helfen,
Vertrauen zu bilden und praktische
Erfahrungen zu sammeln, die den Abschluß solider, verifizierbarer Abkommen erleichtern werden.
Auch bei unserem Drängen auf vollständige Einhaltung der bereits geschlossenen
Vereinbarungen
seitens
der Sowjets hat es keinen Stillstand
gegeben.
Im September hat Staatsund Parteichef Gorbatschow den Präsidenten informiert, daß das Radar von
Krasnojarsk endlich beseitigt wird.
Wir begrüßen Moskaus Schritt zur Einhaltung des ABM-Vertrags.

Ein realistischer
duzierung

Weg

zur Risikore-

Diese vier Prinzipien eines stabileren, offeneren und weniger umkehrbaren strategischen Verhältnisses bieten uns einen realistischen Weg zur
dauerhaften Reduzierung von Risiken.
Dieser Weg wird am besten mit stetigen, aufeinander aufbauenden Schritten
begangen, anstatt
mit
großen
Sprüngen, die häufig wirklichkeitsfern sind oder wieder rückgängig gemacht werden. Bei START, bei KSE, in
all unseren Verhandlungen haben wir
faire,
verantwortungsbewußte
Vorschläge unterbreitet, die zur Erlangung dauerhafter Elemente beiderseitigen Vorteils dienen.
Die Sowjets
haben viele unserer Vorschläge mit Ja

�beantwortet. Jetzt haben wir unsere
Ärmel aufgekrempelt und uns zusammen
an die Arbeit begeben, um Grundsätze
mit Leben zu erfüllen.

'
*

ten des Friedens aufgehen zu lassen.
Dies ist das strategische Verhältnis,
das wir anstreben.

Wir sollten uns über die vor uns liegende Aufgabe im klaren sein.
Wir
befinden uns nicht am Rande eines
ewigen Friedens, in dem ein Krieg
nicht mehr möglich ist. Wir können
weder die Erfindung der Atomwaffen
noch die Notwendigkeit der andauernden Abschreckung rückgängig machen.
Auch die sowjetisch-amerikanische Rivalität läßt sich nicht vollständig
beseitigen.
Diese Rivalität erfordert es jedoch nicht, daß wir am Rande des Weltkriegs stehen, wie dies
vor 27 Jahren in diesem Monat der
Fall war. Der Frieden muß nicht länger von dem von Winston Churchill so
bezeichneten "Prozeß erhabener Ironie" abhängen, "wo Sicherheit das robuste Kind des Schreckens sein wird
und das Überleben der Zwillingsbruder
der Vernichtung".
Die Abschreckung muß nicht einzig und
allein
auf
einem
zerbrechlichen,
technischen Gleichgewicht des Schrekkens beruhen, das von periodischen
Krisen gestört wird.
Heute bietet
sich uns stattdessen die Chance, über
die Politik des Containment, über den
kalten Krieg hinaus zu einem neuen
strategischen Verhältnis zu gelangen,
das auf einer soliden politischen
Grundlage beruht.

i

Ein neues Verhältnis, in dem die Fähigkeiten und Anreize zu einem Erstschlag minimiert und die Möglichkelten
strategischer
Verteidigungssysteme untersucht werden. Ein neues
Verhältnis, in dem die sowjetische
Militärmacht mit bloßem Auge zu erkennen ist und nicht nur von Satelliten am Himmel. Ein neues Verhältnis,
in dem alle Völker Europas frei von
militärischer Einschüchterung
sind.
Ein neues Verhältnis, in dem ein niedrigeres Kriegsrisiko durch wirksam
verifizierbare
Verträge
verankert
wird. Ein neues Verhältnis, in dem
Rüstungskontrolle
unseren
Völkern
hilft, die Saat des Krieges zu Früch- 9 -

*****

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

39

25. Oktober 1989

VERSICHERUNG FÜR ARBEITSLOSE
- Dritter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen

WASHINGTON - (AD) - Verliert ein amerikanischer Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz, bezieht er Leistungen aus
der Arbeitslosenversicherung, die für
gewöhlich ein Drittel bis die Hälfte
seines
letzten Einkommens
betragen
und maximal 26 Wochen lang ausbezahlt
werden.
In Zeiten außerordentlich hoher Arbeitslosigkeit kann er für weitere 13
Wochen zusätzliche Unterstützung erhalten.
Zusätzliche
Unterstützung
wird dann genehmigt, wenn die Arbeitslosenquote
in
dem
jeweiligen
Staat 1n den vergangenen 13 Wochen
bei durchschnittlich 6 Prozent liegt
oder wenn sie über 5 Prozent beträgt
und mindestens 20 Prozent höher ist
als in den vorausgegangenen 2 Jahren.
Für Zeiten einer landesweiten Rezes-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sion, wenn die Mehrzahl der Staaten
von hoher und anhaltender Arbeitslosigkeit betroffen sind, hat der Kongreß darüber hinaus von der Bundesregierung finanzierte zusätzliche Unterstützung bewilligt.
In der Mehrzahl der Staaten erhalten
vorübergehend entlassene Arbeitnehmer
eine Woche nachdem sie arbeitlos werden
reguläre Unterstützung
selbst
wenn sie ihren ehemaligen Arbeitsplatz nach kurzer Zeit zurückerhalten
oder rasch einen neuen finden.
Nur wenige beziehen die Leistungen
aus der Arbeitslosenversicherung für
den längsten möglichen Zeltraum. Im
Jahr 1988 betrug die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit eines
vorübergehend aus einer Vollzeitbe-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schäftigung entlassenen Arbeitnehmers
13,5 Wochen.
Mit Ausnahme einiger weniger Staaten,
in denen der Arbeitnehmer geringe
Beiträge entrichten muß, wird die Arbeitslosenversicherung durch getrennte vom Staat und Bund erhobene Lohnsummensteuern des Arbeitgebers finanziert. Sie wird anhand der vom amerikanischen Arbeitsministerium erarbeiteten Richtlinien verwaltet.

Arbeitslosenunterstützung
Im Gegensatz zur Sozialversicherung
ist
die
Arbeitslosenunterstützung
nicht einheitlich und variiert von
Staat zu Staat entsprechend der Lebenshaltungskosten
erheblich.
Im
Landesdurchschnitt betrug der 1988 im
Rahmen der Arbeitslosenversicherung
an einen Arbeitslosen ausgezahlte Betrag 143 Dollar pro Woche, wobei der
Satz mit 103 Dollar in Alabama am
niedrigsten und mit 206 Dollar in
Massachusetts am höchsten lag. In 12
Staaten einschließlich Massachusetts
wurden darüber hinaus Familienzulagen
bezahlt, wodurch der wöchentliche
Höchstbetrag dort auf 382 Dollar aufgestockt wurde.
Arbeitslose Arbeitnehmer, deren Jahreseinkommen
unter die landesweit
festgesetzte Armutsgrenze fällt - im
Jahr 1989 rund 10 060 Dollar für eine
dreiköpfige Familie - kommen auch für
andere Sozialprogramme in Frage wie
Wohnungsbeihilfe, Lebensmittelmarken,
landwirtschaftliche Überschüsse, Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (AFDC) sowie durch
Blockzuschüsse des Bundes an die
Staaten finanzierte allgemeine Sozialleistungen.
Da die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten in den vergangenen
Jahren kontinuierlich gesunken ist
und die meisten Gewerkschaften in den
Tarifverhandlungen die Sicherheit des
Arbeitsplatzes vor Gehaltserhöhungen
und andere Leistungen des Arbeitgebers gestellt haben, mußten weniger

amerikanische Arbeitnehmer die Arbeitslosenversicherung
in
Anspruch
nehmen.
Nur ein Staat - Alaska zahlte im Jahr 1988 zusätzliche Unterstützung und 1989 wurde sie überhaupt noch nicht in Anspruch genommen.
Im letzten Zeitraum, für den vollständige Daten zur Verfügung stehen dem am 30. September 1988 zu Ende gegangenen Haushaltsjahr - bezogen 7
Millionen Amerikaner Arbeitslosenunterstützung in Höhe von 13,4 Milliarden Dollar. Rund 3 Milliarden Dollar
dieser Gesamtsumme - einschließlich
2,2 Milliarden Dollar an Ausgleichszahlungen für Arbeitnehmer, die ihren
Arbeitsplatz aufgrund von Importen
verloren hatten - wurden von der Bundesregierung
bereitgestellt, wobei
die jeweiligen Staaten für den Rest
aufkamen.

Hintergrund
Die Arbeitslosenversicherung
wurde
1935 im Rahmen des Sozialversicherungsgesetzes ins Leben gerufen, um
Arbeitnehmer und ihre Familien gegen
die durch den unverschuldeten vorübergehenden Verlust ihres Arbeitsplatzes verursachten wirtschaftliche
Härten abzusichern.
In den meisten
Staaten muß der Anspruchsberechtigte
mindestens zwei Quartale des vorausgegangenen Kalenderjahres beschäftigt
gewesen sein, um Unterstützung beziehen zu können. Alle Staaten stellen
die Bedingung, daß der Antragsteller
arbeitsfähig und verfügbar ist, sollte ein Arbeitsplatz angeboten werden.
Einkommensschwache Familien, die von
langfristiger
Arbeitslosigkeit
betroffen sind, können Unterstützung
durch andere Sozialhilfeprogramme des
Bundes, Staates oder der Gemeinde beantragen.
Die Unterstützung für ehemalige Zivilangestellte des Bundes, kürzlich
aus dem Militärdienst ausgeschiedene
Soldaten oder Offiziere und Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz aufgrund der Handelspolitik oder Naturkatastrophen verlieren. ist an die

- 2-

�Arbeitslosenverslcherung angeglichen,
wird
jedoch aus Bundesmitteln und
nicht aus der Lohnsummensteuer finanziert.
Arbeitslosenversicherung
ist
ebenso
wie die Sozialversicherung kein vermögensabhängiges
Programm, bei dem
die Höhe der Unterstützung vom verfügbaren Einkommen oder anderen Mitteln des Versicherten abhängt. Praktisch alle amerikanischen Arbeitnehmer sind durch Programme des Bundes
oder der Staaten abgedeckt.
Ausgenommen sind Arbeitnehmer, die für Arbeitgeber tätig sind, die in jeder
der vorausgegangenen 20 Kalenderwochen niemanden beschäftig hatten oder
deren
gezahlte
Gehälter
in
jedem
Quartal der letzten beiden Kalenderjahre 1 500 Dollar nicht überstiegen.
In der Landwirtschaft und im Haushalt
tätige Arbeitskräfte sind ebenfalls
ausgenommen, wenn
ihre Arbeitgeber
über mindestens 10 Kalenderwochen in
den vergangenen zwei Jahren hinweg
weniger als 10 Beschäftigte hatten
oder deren vierteljährliche Lohnsummensteuer in einem der beiden Jahre
unter 20 000 Dollar lag.

dies, daß die tatsächlich vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsummensteuer 0,8
Prozent
beträgt.
Dem
Bundesgesetz
zufolge ist jeder Staat ermächtigt,
seinen eigenen Steuersatz für die Arbeitslosenversicherung
festzusetzen
und
sowohl die
Bemensungsgrundlage
für die Erhebung dieser Steuern zu
bestimmen als auch, welche Arbeitgeber Steuern zahlen müssen.
Im Jahr
1988 belief sich der durchschnittlich
von den Staaten erhobene Lohnsummensteuersatz auf 2,4 Prozent der ersten
7 000 Dollar der gezahlten Gehälter
und variierte zwischen 5,4 Prozent in
Puerto Rico und 0,7 Prozent in New
Hampshire.
Die
Beitragsbemessungsgrenze lag zwischen 7 000 und 20 900
Dollar.
Für gewöhnlich werden die Staatskonten genutzt, um Arbeitslosen während
des regulären Unterstützungszeitraums
von 26 Wochen direkte Unterstützung
zu gewähren.
Die Lohnsummensteuer
des Bundes wird zur Deckung der den
Staaten bei der Verwaltung des Programms entstandenen Kosten verwendet
und zur Finanzierung von 50 Prozent
der Kosten für zusätzlich gewährte
Unterstützung

Finanzierung
Andere Programme
Die vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsuramensteuer wird in einen von der
Bundesregierung verwalteten Treuhandfonds eingezahlt, bei dem jeder Staat
sein eigenes Konto unterhält.
Ende
1988 beliefen sich die Reserven dieser Staatskonten zusammengenommen auf
über 30 Milliarden Dollar.
Die
betroffenen
Arbeitgeber müssen
eine Lohnsummensteuer in Höhe von 6,2
Prozent der an die Arbeitnehmer ausgezahlten Jahresgehälter bis zu 7 000
Dollar an die Bundesregierung abführen. Dem Gesetz zufolge wird jedoch
Arbeitgebern eine Einkommensteuervergünstigung in Höhe von 5,4 Prozent
gewährt, die eine Steuer für die Arbeitslosenversicherung an den Staat
entrichten.
Da alle Staaten jetzt
ihre eigene Steuer für die Arbeitslosenversicherung
erheben,
bedeutet

Im Rahmen des Bundesgesetzes müssen
Firmen mit über 100 Vollzeitbeschäftigten Betriebsstillegungen oder Massenentlassungen mindestens 60 Tage im
voraus ankündigen.
So können sich
die Arbeitnehmer besser mit dem Gedanken
zukünftiger
Arbeitslosigkeit
vertraut machen und haben Zeit, sich
einen neuen Arbeitsplatz zu suchen.
Darüber hinaus kann so im Falle von
Massenentlassungen die Unterstützung
durch die staatlichen und kommunalen
Regierungen rechtzeitig und im angemessenen Umfang erfolgen.
Andere Programme wie die Gesetze über
Wirtschaftsausgleich, Übergangshilfen
für Arbeitnehmer und
Unterstützung
durch importbedingte Handelsanpassungen
gewähren Voll- und Teilzeitbeschäftigten
zusätzliche
Unterstüt-

- 3 -

�zung, die ihren Arbeitsplatz infolge
von Betriebsstillegungen und Massenentlassungen verlieren.
Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz
verloren haben, können für gewöhnlich
im Rahmen einer Reihe von Ausbildungs- und
Beschäftigungsprogrammen
der Staaten und des Bundes an Umschulungsmaßnahmen
teilnehmen.
Einkommensschwache Jugendliche und Angehörige von Minderheiten, die neu auf
den Arbeitsmarkt kommen, können im
Rahmen des außerordentlich erfolgreichen Job Corps-Programms an Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen teilnehmen, die von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit staatlichen Regierungen und Privatfirmenen
durchgeführt werden.
Die Bezahlung
der meisten Arbeitsplätze, für die
Arbeitnehmer
ausgebildet
werden,
liegt über dem allen amerikanischen
Arbeitnehmern durch das Bundesgesetz
garantierten Mindestlohn.
Zusätzlich zur Sozial- und Arbeitslosenversicherung wird bestimmten Personengruppen Unterstützung im Rentenalter und bei Behinderung geboten.
Diese erstreckt sich auf pensionierte
und behinderte zivile Bundesbedienstete, Angehörige des Militärs, Bahnangestellte, durch die "Staublunge"
berufsunfähig gewordene Bergarbeiter
sowie Familienangehörige oder Hinterbliebene dieser Personengruppen.
Die meisten staatlichen und kommunalen Regierungen bieten ihren Angestellten ähnliche Versicherungen gegen Einkommensverlust an.
Im Jahr
1988 waren rund 30 Millionen Amerikaner durch andere öffentliche Rentenversicherungen als die Sozialversicherung abgedeckt.
Jeder Staat bietet darüber hinaus ein
eigene
Berufsunfallversicherung,
die für gewöhnlich durch vom Arbeitgeber entrichtete Steuern finanziert
wird und Arbeitnehmern und ihren Familienangehörigen zusätzliche Versicherungsleistungen
bei Verlust des
Einkommens aufgrund
von Verletzung
oder Tod am Arbeitsplatz bietet. Ei-

nige dieser Programme wurden bereits
Anfang dieses Jahrhunderts ins Leben
gerufen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VoN^

25. Oktober 1989

39

MEDIZINISCHE VERSORGUNG FÜR BEDÜRFTIGE UND ÄLTERE MENSCHEN
- Vierter von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten
Staaten haben kein einheitliches System der Gesundheitsfürsorge für die
gesamte Bevölkerung.
Es gibt jedoch
zwei Einzelprogramme, die gemeinsam
die medizinische Versorgung für die
Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung abdecken, die keine private oder
vom Arbeitgeber mitfinanzierte Krankenversicherung haben.
MEDICARE wurde
im Jahr
1965 als
Krankenversicherung für ältere Menschen
ins
Leben
gerufen
und
MEDICAID
im gleichen
Jahr verabschiedet, um die Kosten für die medizinische Versorgung der Bedürftigen
und Behinderten zu tragen, die keinen
Anspruch auf MEDICARE haben.
Dem amerikanischen Statistischen Bun-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

desamt zufolge übernahm MEDICARE die
GesundheitsfUrsorgekosten
für
12.6
Prozent und MEDICAID für 8,1 Prozent
der Bevölkerung ; 73,3 Prozent waren
durch vom Arbeitgeber, den Gewerkschaften oder dem Versicherten selbst
abgeschlossenen privaten Versicherungen abgedeckt, und 14,7 Prozent hatten überhaupt keinen Versicherungsschutz.

MEDICARE für die älteren Mitbürger
MEDICARE gliedert sich in zwei Teile. Jeder sozialversicherte Amerikaner über 65 Jahre, kann Krankenhausversicherungsleistungen
in Anspruch
nehmen und praktisch jeder (mit Ausnahm" von Ausländern, die ihren Wohnsitz in den USA haben) kann mit fe-

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�sten
monatlichen
Beitragszahlungen
eine
staatliche
Versicherung
abschließen, die andere Auslagen übernimmt.

nimmt MEDICARE 100 Prozent aller übrigen im Rahmen von Teil B genehmigten Kosten für den Rest des Kalenderjahres.

1987, dem letzten Jahr, für das vollständige Daten zur Verfügung stehen,
erhielten schätzungsweise 32,4 Millionen Amerikaner Leistungen aus dem
MEDICARE-Programm der Bundesregierung
in Höhe von 78,9 Milliarden Dollar.

Wenn ein Arzt oder Krankenhaus mehr
als
den
von
MEDICARE
anerkannten
Höchstbetrag berechnet, muß der Patient für die Differenz aufkommen,
die nicht auf den 1.370 Dollar-Betrag
angerechnet wird.
Die Mehrzahl der
Arzte und Krankenhäuser vereinbaren
jedoch bereits im voraus, nicht mehr
als den von MEDICARE genehmigten Betrag für solche Leistungen zu berechnen.

Die
Krankenhausversicherung
(Teil
A) übernimmt zu 100 Prozent alle
Leistungen in einem von MEDICARE anerkannten
Krankenhaus - unabhängig
von Kosten. Dauer des Krankenhaasaufenthalts oder der Häufigkeit, mit
der sich ein Patient pro Jahr einer
Behandlung unterzieht - nach Zahlung
einer einmaligen "Selbstbeteiligung"
(564 Dollar im Jahr 1989).
Unter
Selbstbeteiligung
versteht man den
Betrag, den ein Patient für einen erforderlichen
Krankenhausaufenthalt
bezahlen muß, bevor MEDICARE die mit
dem Programm abgedeckten Kosten für
Behandlung und Versorgung übernimmt.
Teil A kommt auch für bestimmte Arten
von häuslicher Betreuung auf wie für
die Pflege durch eine Krankenschwester oder einen Krankenpfleger, nachdem der Patient aus dem Krankenhaus
entlassen worden ist.
Außerdem für
bis zu 150 Tage pro Kalenderjahr in
einem von MEDICARE anerkannten Heim
mit
qualifiziertem
Pflegepersonal,
wobei der Patient einen Zuschuß zu
den ersten sechs Tagen der Behandlung
zahlen muß (22 Dollar pro Tag im Jahr
1989) und für unbegrenzte Behandlung
in einer Sterbeklinik.
Im
Rahmen
der
Krankenversicherung
(Teil B) muß ein Patient die ersten
75 Dollar dpr von MEDICARE genehmigten Kosten für Behandlung und Ausgaben pro Kalenderjahr und 20 Prozent
aller danach anfallenden Kosten bis
zu einem Höchstbetrag von 1.370 Dollar im Jahr 1989 übernehmen. Es ist
nicht ausschlaggebend, ob der Patient
oder eine private Krankenversicherung
für diese Kosten aufkommt.
Ist die
1.370 Dollar-Grenze erreicht, über-

Die Krankenhausversicherung im Rahmen
von MEDICARE wird zum Teil aus derselben von der Bundesregierung erhobenen Lohnsummensteuer finanziert wie
die Sozialversicherung.
Die Krankenversicherung (Teil B) wird von den
vom Versicherungsnehmer entrichteten
Monatsbeiträgen getragen (31,90 Dollar im Jahr 1989).
Die Krankenhauskosten werden im allgemeinen direkt von MEDICARE an die
jeweilige Institution bezahlt.
Alle
anderen Behandlungskosten werden vom
Patienten übernommen, der sich dann
zur Rückerstattung an MEDICARE wendet.
Zur Zeit kommt MEDICARE für alle dem
Patienten im Krankenhaus verordneten
Medikamente auf. Vorbehaltlich eines
Einspruchs
durch
den
Kongreß
erstreckt sich diese Bestimmung ab 1.
Januar 1991 auch auf alle anderen
verordneten
Medikamente, bei einer
Selbstbeteiligung des Patienten von
600
Dollar
jährlich.
Wenn
die
Selbstbeteiligung
ausgeschöpft
ist,
übernimmt MEDICARE die Hälfte der Kosten für alle anderen verschriebenen
Medikamente bis zum Ende des Kalenderjahres.

MEDICAID für die Bedürftigen
Im Rahmen der von den Bundesstaaten
verwalteten und gemeinsam mit der
Bundesregierung finanzierten MEDICAID
muß jeder Staat ein Minimum an Lei-

- 2 -

�stungen übernehmen, etwa ambulante
und
stationäre
Klinikhehandlung.
Arztleistungen, qualifizierte Betreuung zu Hause, Laboruntersuchungen und
Röntgendiagnose, Vorsorgeuntersuchungen und Nachsorge für Kinder unter 21
Jahren, Krankenpflege, Beratung bei
der Familienplanung. Sanatorien auf
dem Land sowie Begleitdienste.
Alle Familienmitglieder, die entweder
Zuschüsse
für
Einkommensschwache
(SSI) oder Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten
Kinder
(AFDC)
erhalten,
sind
automatisch
durch
MEDICAID abgedeckt. SSI ist ein vom
Staat
finanziertes und
verwaltetes
öffentliches Hilfsprogramm, in dessen
Rahmen Kindern und älteren Menschen,
Behinderten oder Blinden festgesetzte
monatliche
Beträge
bar
ausgezahlt
werden - auch denjenigen, die über
sehr
begrenzte
finanzielle
Mittel
oder ein geringes Einkommen verfügen
oder nicht vollständig durch andere
größere
Sozialhitfeprogramme
abgedeckt sind. AFDC unterstützt Familien finanziell, in denen ein Elternteil verstorben ist, die Familie verlassen hat, behindert ist oder - in
einigen Staaten - seinen Arbeitsplatz
verloren hat
Dem Bundesgesetz zufolge müssen die
Staaten darüber hinaus minderjährigen
Kindern Bedürftiger und Behinderter
bestimmte
kostenlose
medizinische
Dienste anbieten.
Augen, Gehör und
Zähne dieser Kinder müssen untersucht
und gegebenenfalls behandelt werden.
Ihr Wachstum und ihre Entwicklung muß
regelmäßig überprüft, und sie müssen
gegen ansteckende Krankheiten geimpft
werden.
Die jeweiligen Staaten bestimmen, wer
Anspruch auf MEDICAID hat, und die
Bedingungen sind von Staat zu Staat
unterschiedlich.
In
den
meisten
Staaten kann eine Person MEDICAID in
Anspruch nehmen, wenn das Einkommen
der Familie unter der festgelegten
Armutsgrenze liegt.
Im Jahr 1987 erhielten rund 23,3 Millionen Amerikaner MEDICAID in Höhe

von 47,5 Milliarden Dollar. Der Anteil des Bundes an dieser Gesamtsumme
belief sich auf 26,2 Milliarden Dollar, von denen 40 Prozent auf vier
Staaten entfielen - New York, Kalifornien. Ohio und Pennsylvania.
Der jeweilige Staat oder seine Zahlstelle bezahlt die Kosten für von
MEDICAID abgedeckte Dienstleistungen
für den Versicherungsnehmer
direkt
beim Arzt oder Krankenhaus.
Gemäß
einem vom Kongreß festgelegten Kostenschlüssel übernimmt die Bundesregierung in Staaten mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkoramen einen größeren Kostenanteil
der
medizinischen
Versorgung
Im Jahr 1989 bewegt sich
der Anteil des Bundes in den einzelnen Staateo zwischen mindestens 50
und höchstens 80 Prozent und beträgt
durchschnittlich ca. 56 Prozent der
gesamten Programmkosten.
Die Regierungen des Bundes und der Staaten
teilen sich die Verwaltungsausgaben
jeweils zur Hälfte.

Änderungen
gramme

der

medizinischen

Pro-

Im Dezember 1988 verabschiedete der
Kongreß
einen
Gesetzentwurf
für
MEDICARE bei Krankheiten mit katastrophalen Folgen, der mit Unterschrift des Präsidenten zum Gesetz
wurde. Zusätzlich zu stark erweiterter
MEDICARE-Abdeckung
anhaltender
und kostenintensiver Krankheiten der
älteren Menschen müssen die staatlichen
MEDICAID-Prograrame
im
Rahmen
dieses Gesetzes die MEDICARE-Beiträge, Selbstbeteiligung und den Beitragsanteil verarmter älterer und behinderter Amerikaner für Krankenhausaufenthalt
und
Krankenversicherung
übernehmen.
Ab 1. Juli 1990 schreibt das Gesetz
den Staaten erweiterte MEDICAID-Leistungen
für schwangere Frauen und
Kinder von unter einem Jahr vor, wenn
das
verfügbare Einkommen
unterhalb
der Armutsgrenze liegt.
Dem Gesetz
zufolge steht dem Ehepartner eines
Patienten, bei dem eine langfristige

- 3 -

�medizinische Versorgung in einem anerkannten Pflegeheim, einer psychiatrischen Klinik oder anderen Institution erforderlich ist, ausreichendes
verfügbares Einkommen zu. um nicht
unter 122 Prozent der Armutsgrenze zu
sinken.
Ältere Amerikaner lehnten das Gesetz
von 1938 jedoch ab, vor allem wegen
der Art seiner Finanzierung - durch
eine Ergänzungsabgabe zur Einkommenssteuer für ältere Menschen, bei der
die vermögenderen einen höheren Prozentsat/, als die einkommenssehwachen
Versicherten zahlen.
Am 4. Oktober
stimmte das amerikanische Repräsentantenhaus über einen Einspruch ab,
und zwei Tage später verabschiedete
der Senat eine Maßnahme zur Abschaffung der Ergänzungsabgabe und Aufrechterhai tung unbegrenzter Übernahme
der Kr-inkenhauskosten durch MEDICAX.E
sowie erweiterte MEDICARE Leistungen
für die Einkomuensschwachen. wid^rri.'f jedoch andere MEDICARE-Klausein
für Krankheiten
mit
katastrophalen
Folgen, die nach 1989 in Kraft treten
sol lter,.

Die Ausgaben von Bund, Staaten und
Gemeinden
für
Gesundheitsfürsorge
(einschließlich durch Lohnsuramensteuer
finanzierte
MEDICARE-Leistungen)
stiegen von 19 Milliarden Dollar im
Jahr 1967 auf 202 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 und machten 1987 fast 41
Prozent der Gesamtausgaben im Bereich
des Gesundheitswesens aus.

Bis die beiden gesetzgebenden Kammern
ihre Meinungsverschiedenheiten beigelegt hoben und der Präsident einen
Kompromi ßvorschlag
unterzeichnet,
bleibt das Schicksal der durch die
Maßnahm* von 1988 erzwungenen Gesetzesönderung ungewiß.

US-Aufwendungen
sorge

für

Gesundheitsfür-

Die Ausgaben für das amerikanische
Gesundheitswesen nehmen innerhalb der
amerikanischen
Volkswirtschaft
am
schnellsten zu und stiegen von 51
Milliarden Dollar oder 6,3 Prozent
des
Bruttosozialprodukts
(BSP)
im
Jahr 1967 auf 497 Milliarden Dollar
oder 11,2 Prozent des BSP im Jahr
1987.
Im gleichen Zeitraum erhöhten
sich die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheitsfürsorge von 247 Dollar auf
1.973 Dolla-.
- 4 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'VON«*

39

25. Oktober 1989

PRO-KOPF-EINKOMMEN STEIGT, AUSMASS DER ARMUT UNVERÄNDERT

Artikel Über eine Pressekonferenz des Statistischen Bundesamts
der Vereinigten Staaten -

WASHINGTON - (AD) - Vertretern der
amerikanischen Regierung zufolge ist
das Pro-Kopf-Einkommen in den Vereinigten Staaten im Jahr 1988 auch inf lationsbereinigt
angestiegen. während sich die Zahl der Personen unterhalb der amtlich festgelegten Armutsgrenze nicht verändert hat.
"In diesem Jahr haben die meisten
Gruppen Verbesserungen erzielt oder
das Niveau des Vorjahres gehalten",
erklärte William Butz, der für demographische
Entwicklungen
zuständige
stellvertretender Direktor des Statistischen Bundesamts der Vereinigten
Staaten am 18. Oktober 1988 bei der
Vorstellung der ersten nach Alter,
Rasse,
Familienstand,
Haushaitstvp.
geographischen Gebieten und anderen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Merkmalen
unterteilten
Studie
des
Amts über die Einkommensentwicklung
im Jahr 1988.
Während das Pro-Kopf-Einkommen inflationsbereinigt
auf die Rekordsumme
von 13 120 Dollar stieg, hielt ein
seit 20 Jahren bestehender Trend an,
wonach die Zahl der ärmsten und der
reichsten Bürger weiter zunahm. Das
bedeutet, daß der Anteil der Mittelklasse an der Gesamtbevölkerung abnimmt.
Butz zufolge sind sich die
Experten über die Gründe dieses Phänomens nicht im klaren.
Das
inflationsbereinigte
Pro-KopfEinkommen, auch als reales Pro-KopfEinkommen bezeichnet, stieg für die
meisten Schwarzen von 1987 bis 1988

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�an. Der 3,9prozentige Zuwachs erhöhte die Einkommen auf 8 270 Dollar pro
schwarzem Bürger.
Der im Jahr 1988 für Weiße verzeichnete geringere Anstieg von 1,5 Prozent bescherte diesen trotzdem ein
stark
gestiegenes
Durchschnittseinkommen von 13 900 Dollar, da sie
schon vorher ein wesentlich höheres
Niveau erreicht hatten.
Das Realeinkommen der Hispano-Amerikaner blieb mit 7 960 DoLlar im Jahr
1988 unverändert.
Die Zahl der Personen unterhalb der
amtlich festgelegten Armutsgrenze lag
im Jahr 1988 mit 31,9 Millionen kaum
niedriger als im Jahr 1987, als sie
32,3 Millionen betrug. Mit der Aussage, daß dieser Unterschied statistisch nicht ins Gewicht fällt, verweisen die Statistiker darauf, daß
die Differenz zwischen den beiden
Zahlen auf verfahrenstechnischen oder
Rechenfehlern beruhen könnte.

zent. Die Quoten des Jahres 1987 waren praktisch gleich.
Etwa 75 Prozent aller Armen lebten in
Familien.
Innerhalb dieser Gruppe
waren alleinerziehende Mütter besonders stark von Armut betroffen.
Zum Beispiel war bei 75,6 Prozent aller schwarzen Familien, die unterhalb
der Armutsgrenze lebten, eine alleinerziehende
Frau
Haushaltsvorstand.
Bei Hispano-Amerikanern lag die Vergleichsquote bei 47,9 Prozent, bei
Weißen erreichte sie 43,5 Prozent.
In fast der Hälfte der armen Familien
(48,3 Prozent) gab es im Jahr 1988
berufstätige Mitglieder, In 16,4 Prozent dieser Familien hatte zumindest
ein Familienmitglied einen Vollzeitarbeitsplatz. Letztere Zahl bedeutet
im Vergleich zum Jahr 1987 eine Zunahme, als nur In 14,6 Prozent der
armen Familien mindestens ein Familienmitglied einen Vollzeitarbeltsplatz
hatte, das Familieneinkommen dennoch
unter der Armutsgrenze lag.

Die Arrautsquote belief sich im Jahr
1988 auf 13,1 Prozent, während sie
1987 13,4 Prozent betragen hatte.
Die Armutsgrenze wird jedes Jahr von
der Bundesregierung nach den Lebenshaltungskosten und der Zahl der Familienmitglieder neu festgesetzt.
Im
Jahr 1988 lag die Armutsgrenze für
einen
Vier-Personen-Haushalt
bei
12 092 Dollar.
Die Armutsquote hatte im Jahr 1978
mit 11,4 Prozent ihren niedrigsten
Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Der Anteil der Armen an der
Gesamtbevölkerung
stieg
inflationsund
rezessionsbedingt
auf
einen
Höchststand von 13,5 Prozent im Jahr
1983.
Die Armutszahlen unterscheiden sich
stark
je nach Rassenzugehörigkeit.
Während die Quote bei Weißen im Jahr
1988 bei 10,1 Prozent lag, erreichte
sie bei den Schwarzen 31,6 und bei
den
Hispano-Amerikanern
26.8
Pro-

* * * * *

&lt;

�^eos^

^VoN^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

25. Oktober 1989

39

SICHERE LANDUNG DER RAUMFÄHRE NACH GEGLÜCKTER AUSSETZUNG
DER RAUMSONDE GALILEO

WASHINGTON - (AD) - Die Besatzung der
Raumfähre ATLANTIS
ist nach einer
fünftägigen Mission im All, in deren
Verlauf
die
unbemannte
Raumsonde
GALILEO auf den Weg durch das Sonnensystem zum Planeten Jupiter gebracht
wurde, sicher zur Erde zurückgekehrt.
Am 23. Oktober 1989 machte die Raumfähre um ] 7! 33 Uhr MEZ eine perfekte
Landung auf einem zum LuftwaffenStützpunkt Edwards in Kalifornien gehörenden ausgetrockneten See in der
Mojave-WUste.
Damit wurde der 31.
Flug einer Raumfähre insgesamt und
der sechste seit der CHALLENGER-Katastropbe erfolgreich beendet.
Die ATLANTIS
landete drei Stunden
früher als vorgesehen, um für später
vorhergesagten
stürmischen
Winden

United States Information Service
Embassy of the United States of America

auszuweichen.
Bei zu starkem Wind
hätte die Landung bis zum nächsten
Tag verschoben werden können.
"Wir gratulieren zu einer hervorragenden Mission," funkte das Raumfahrtzentrum in Houston, nachdem die
Astronauten die Raumfähre zum Stillstand gebracht hatten.
"Sie haben
den Aktionsradius der Raumfähre zu
den äußeren Planeten ausgedehnt."
Während die Astronauten zur Erde zurückkehrten, befand sich die von der
ATLANTIS am 18. Oktober 1989 gestartete Raumsonde GALILEO schon 1,6 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf der ersten Etappe einer
sechsjährigen Reise durch das Sonnensystem
zum Riesenplaneten
Jupiter.
Der Bodenkontrolle zufolge funktio-

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�nieren alle
einwandfrei.

Systeme

der

Raumsonde

Die Flugbahn von GALILEO wird einmal
an der Venus und zweimal an der Erde
vorbeiführen,
bevor
die
Sonde
schließlich am 7. Dezember 1995 den
Jupiter erreichen wird.
Nach ihrer
Ankunft wird GALILEO 22 Monate lang
den Jupiter und seine Monde erforschen. Damit wird zum ersten Mal eine Raumsonde einen der äußeren Riesenplaneten umkreisen.
Eine weitere Sonde an Bord von Galileo wird in die Jupiter-Atmosphäre
eintauchen und von dort Daten zur Erde zurücksenden, durch die sich Wissenschaftler
genauere
Aufschlüsse
über den Ursprung des Sonnensystems
erhoffen. Nach etwa 75 Minuten wird
diese Sonde wahrscheinlich durch Umwelteinflüsse
des Jupiter zerstört
werden.
Die Astronauten setzten GALILEO etwa
sechseinhalb Stunden nach dem Start
der Raumfähre aus und wandten dann
ihre Aufmerksamkeit einer Reihe von
Experimenten zu, im Rahmen derer sie
mit einer speziellen 70-Mi11imeterKamera im Orbit Aufnahmen für einen
Umweltfilm machten.
Unter anderem wurden Nord- und Südkorea gefilmt, ferner Japan. China und
der Taifun Elsie über dem Südchinesischen Meer. Die Astronauten machten auch Filmaufnahmen von Europa,
der Meerenge von Gibraltar, den griechischen Inseln, dem Nahen Osten mit
Israel und bewässertem Ackerland in
Saudi-Arabien.
Die Aufnahmen
sind
für einen Film mit dem Titel Blue
Planet bestimmt, der von der Iaiax
Systems Corporation in Toronto produziert wird. Er wird nächstes Jahr im
September
im
Nationalen
Luft- und
Raumfahrtmuseum in Washington erstmals gezeigt werden.
Die Besatzung führte ferner eine Reihe von Experimenten durch, unter anderem, um Wissenschaftlern bei der
Beobachtung der die Erde schützenden
Ozonschicht zu helfen und ein ande-

res, um die Bildung vom Molekülen und
Eiskristallen im Weltall zu beobachten.
Darüber hinaus führten die Astronauten
medizinische
Untersuchungen
durch, um mehr über die Ursachen der
Weltraumkrankheit zu erfahren, an der
etwa die Hälfte aller Astronauten erkranken. Als Teil einer anderen medizinischen Versuchsreihe wurden bei
zwei Astronauten, dem Piloten Michael
McCuliey und der Ärztin Ellen Baker
nach der Landung Muskelgewebeproben
entnommen, um sie mit entsprechenden
vom dem Start entnommenen Proben zu
vergleichen. So will man herausfinden, ob und unter Umständen welche
Auswirkungen die Schwerelosigkeit auf
Zellgewebe hat.
Die Besatzung, zu der auch der Kommandant
Donald
Williams
und
die
Astronauten Shannon Lucid und Frank
Chang-Diaz zählten, setzten zu ihrem
einstündigen Abstieg zur Erde über
dem Indischen Ozean an, als Williams
und McCuliey die beiden Bremsraketen
der Raumfähre zündeten und damit die
Geschwindigkeit
der
Raumfähre
so
drosselten, daß sie die Erdumlaufbahn
verlassen und wieder in die Erdatmosphäre eintreten konnte.
Nach dem
Flug entlang der kalifornischen Küste
setzte die Raumfähre zu einer sanften
Landung in Edwards an.

* * * * *

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher: die Rolle der Marktwirtschaft In den Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Wirtschaftsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker: USA streben mit UdSSR Minimierung der Erstschlagfähigkeit an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers beim Commonwealth Club&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Versicherung für Arbeitslose&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dritter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Medizinische Versorgung für Bedürftige und ältere Menschen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter von fünf Artikeln über das amerikanische Sozialwesen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pro-Kopf-Einkommen steigt, Ausmaß der Armut unverändert&lt;br /&gt;Artikel über eine Pressekonferenz des statistischen Bundesamts der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sichere Landung der Raumfähre nach geglückter Aussetzung der Raumsonde GALILEO</text>
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