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                  <text>AMERIKA DIENST
%

r

"v"

Ä&lt;

37

1 1 . Oktober 1989

4

INHALT

DOKUMENTATION

Mosbacher; Verstärkte Kontrolle für Chemieexporte
- Rede des U.S.-Handelsministers Präsident Bushs Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1989
Bush würdigt bundesdeutsche Unterstützung für die DDR-Flüchtlinge
- Ansprache des Präsidenten zum Tag der Deutsch-Amerikaner -

HINTERGRUND

Die Sozialversicherung; Grundlage des "Sozialen Netzes" in den USA
- Erster von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
V,ON

Dokumentation

4

37

11. Oktober 1989

MOSBACHER:

VERSTÄRKTE KONTROLLE FÜR CHEMIEEXPORTE

- Rede des US-Handelsministers -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsminister Robert Mosbacher
zufolge beabsichtigen die Vereinigten Staaten, Exportkontrollen für 10 zusätzliche bei der Herstellung chemischer Waffen verwendete Grundstoffe einzuführen
und bei drei Chemikalien zu verschärfen, die er in seiner Rede vor dem auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 5. Oktober 1989 jedoch nicht im
einzelnen benannte. Wenn das Handelministerium diese Maßnahmen verabschiedet,
werden die Vereinigten Staaten alle 50 von den westlichen Nationen vereinbarten Chemikalien kontrollieren, so Mosbacher.
Nachfolgend veröffentlichen
cher im Wortlaut.

wir die Erklärung von Handelsminister Mosba-

Herr Vorsitzender, ich möchte in
der heutigen Anhörung das außenpolitische Programm der Vereinigten Staaten
zur Exportkontrolle
erläutern.
Bevor ich dieses Programm mit Ihnen
im einzelnen erörtere, möchte ich
kurz auf den globalen Zusammenhang
zwischen Exportkontrollen und wirtschaftlicher Sicherheit eingehen.
Von Zeit zu Zeit wurden Vorwürfe
laut, dem Handelsministerium sei das
Handelsdefizit wichtiger als die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten
und
unsere
Entscheidungen
über Ausfuhrgenehmigungen ließen einen Hang zur Exportförderung erkennen. Das trifft nicht zu. Das Handelsministerium nimmt die Rolle außerordentlich ernst, die wir bei der
nationalen Sicherheit spielen. Kraft

Gesetzes gehen wir bei Exportkontrollen sehr umsichtig vor. Gemäß diesem
Gesetz müssen wir wirtschaftliche und
nationale
Sicherheitsfaktoren
sorgfältig gegeneinander abwägen.
Dem
Gesetz zufolge ist die Aufrechterhaltung einer gesunden und wettbewerbsfähigen
Wirtschaft
integraler Bestandteil der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Unser Mandat lautet,
Exportkontrollen
auf Güter in den
Vordergrund zu stellen, die zu rein
strategischen Zwecken eingesetzt werden können, um unnötige negative Auswirkungen auf den rechtmäßigen Handel
im zivilen Bereich so gering wie möglich zu halten.

ten
daß

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Mit anderen Worten, die VereinigStaaten
sollten gewährleisten,
Exportkontrollen für Güter und

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Technologie
angemessen
angewendet
werden, so daß sie nicht entscheidend
zum militärischen Potential unserer
Gegner beitragen.
Die weitere Kontrolle dieser Produkte oder die Kontrolle von Gütern oder Technologien,
die unseren Gegnern in anderen Ländern frei zugänglich sind, würde nur
zu einer unnötigen Schädigung amerikanischer Geschäftsinteressen führen
ohne unserer nationalen Sicherheit zu
dienen. Auf lange Sicht würden solche Kontrollen unsere wirtschaftliche
Sicherheit unterhöhlen, was wiederum
unserer nationalen Sicherheit abträglich wäre.
Aus diesem Grund müssen der Kongreß und die Regierung meiner Ansicht
nach eng bei der Verhinderung von
Maßnahmen zusammenarbeiten, die den
amerikanischen
Handel bei geringer
Gegenleistung
unverhältnismäßig
und
einseitig einschränken. Da die Vereinigten Staaten den Weltmarkt für
technologische Innovationen und militärisch sensible Güter nicht vollständig unter Kontrolle haben, müssen
unsere Bestrebungen zum Schutz unserer Sicherheit und anderer Interessen
in Zusammenarbeit mit anderen freundlich
gesinnten
Nationen
erfolgen.
Ich beabsichtige, alles in meiner
Macht Stehende zu tun, um diese Zusammenarbeit sicherzustellen und zu
gewährleisten, daß wir unsere Kontrollen soweit wie möglich auf multilateraler Basis durchführen.

Außenpolitisch
trollen

motivierte

Exportkon-

Wir haben die am 20. Januar 1989
in Kraft getretenen
außenpolitisch
motivierten Exportkontrollen bis zum
20. Januar 1990 verlängert. Mit Ihrer
Erlaubnis,
Herr
Vorsitzender,
möchte ich zur Aufnahme in das Sitzungsprotokoll eine Kopie des Jahresberichts über außenpolitisch motivierte Exportkontrollen vorlegen, den
das Handelsministerium an den Kongreß
weitergeleitet hat.
Außenpolitisch

motivierte

Kon- 2

trollen können aus einer Reihe von
Gründen erfolgen. Außenpolitisch motivierte Kontrollen können zum Beispiel aus einem spezifischen Grund,
wie dem kontrollierten Export einer
bestimmten Chemikalie in eine besondere Region ausgeübt werden, um die
Weiterverbreitung
chemischer
Waffen
zu verhindern. Darüber hinaus können
außenpolitisch motivierte Kontrollen
auch zur Verwirklichung umfassenderer
politischer Ziele wie der Abkoppelung
der Vereinigten Staaten von einem bestimmten Land verwendet werden, wie
es bei Kuba und Vietnam der Fall war.
Außenpolitisch
motivierte
problemorientierte Kontrollen finden aus
Gründen statt, die mit Menschenrechten, terroristischen Aktivitäten, regionaler Stabilität, chemischer und
biologischer Kriegführung, der sowjetischen
Invasion in Afghanistan
und der Verbreitung von Raketen in
Verbindung stehen.
Wir üben länderspezifische Kontrollen aus, indem wir Handelsembargos gegen Libyen, Kuba, Nordkorea,
Vietnam und Kambodscha verhängt haben.
Gegen von Südafrika gelenkte
Polizei- und
Militäreinheiten
haben
wir außenpolitisch motivierte Kontrollen vorgenommen, und wir kontrollierren den Export von Computern an
pro Apartheid eingestellte Behörden,
um unsere anhaltende Opposition gegen
die südafrikanische Apartheidpolitik
unter Beweis zu stellen.
Länderspezifische
Kontrollen
spiegeln generell die von den Vereinigten Staaten gegenüber dem jeweiligen Land verfolgte Außenpolitik wider.
In einigen Fällen zielen sie
darauf ab, Druck auf bestimmte Volkswirtschaften oder Regierungen auszuüben, indem der Zugang zu einer Vielzahl amerikanischer Produkte eingeschränkt wird. In anderen Fällen haben sie die Distanzierung der Vereinigten Staaten von der Politik eines
bestimmten Landes zum Ziel.
Das Allgemeine Handelsgesetz verfügt, daß außenpolitisch motivierte

�Exportkontrollen für Ersatzteile nur
dann aufrechterhalten werden dürfen,
wenn der Handelsminister ihre Kontrolle
definitiv
beschlossen
hat.
Wir haben einen solchen Beschluß gefaßt und außenpolitisch
motivierte
Kontrollen von Ersatzteilen für Produkte eingeführt, die aus Gründen der
Menschenrechte
oder
Terrorismusbekämpfung kontrolliert werden.
Die im Rahmen von Abschnitt 309
(c) des Gesetzes über die Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen aus
dem Jahr 1978 angewandten Kontrollen
bleiben weiterhin In Kraft ebenso wie
die gemäß dem
Anti-Apartheidgesetz
von 1988 gegen Südafrika gerichteten
Kontrollen.
Herr
Vorsitzender,
mit
großer
Sorge beobachten wir die jüngste Verbreitung todbringender Technologien,
insbesondere in Regionen der Welt,
die von Instabilität gekennzeichnet
sind.
Abgesehen von der Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen, die ein
langfristiges Anliegen
ist, können
diese Technologien in zwei Kategorien
aufgeteilt werden: 1. chemische und
biologische Waffen und 2. nuklearfähige Trägersysteme und andere Massenvernichtungswaffen.
Die Vereinigten
Staaten haben sehr viel Zeit und Mühe
darauf verwandt, das wirksamste Mittel gegen die weitere Verbreitung
dieser Waffensysteme zu entwickeln.
Unsere
außenpolitisch
motivierten
Kontrollen in diesen beiden Bereichen
sind aus einem wichtigen Grund bemerkenswert:
ihre
Entwicklung
und
Durchführung basiert auf multilateraler
Zusammenarbeit.
Multilaterale
Bestrebungen
sind
für erfolgreiche
Kontrollen unabdingbar.
Ich möchte
jetzt besonders auf diese beiden entscheidenen Bereiche und unsere außenpolitisch motivierten Kontrollen im
Hinblick auf sie eingehen.

Chemische und biologische Waffen
Die

Vereinigten

Staaten

nehmen

eine Führungsrolle bei den multilateralen Bestrebungen ein, die Verbreitung und den Einsatz chemischer und
biologischer Waffen zu unterbinden,
von denen die Sicherheit weltweit bedroht ist.
In seiner Abschiedsrede
vor den Vereinten Nationen im September 1988 forderte Präsident Reagan
die Einberufung einer internationalen
Konferenz über chemische Waffen, die
im Januar 1989 in Paris stattfand.
Bei dieser Konferenz wurde die im
Genfer Protokoll von 1925 vereinbarte
internationale
Verpflichtung
gegen
den Einsatz chemischer Waffen erneut
bekräftigt. In seiner ersten Ansprache als Präsident vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen unterstrich Präsident Bush die Notwendigkeit der "Zusammenarbeit aller Nationen, um die Welt von der Geißel
chemischer Waffen zu befreien".
Er
kündigte eine neue Initiative zu chemischen Waffen an, die drastische Reduzierungen
der amerikanischen
und
sowjetischen Arsenale an chemischen
Waffen und verbesserte Techniken zur
Überwachung
und
Verifizerung
des
weltweiten
Bestands
an
chemischen
Waffen fordert - die bei unseren Verhandlungen über ein umfassendes Vei—
bot chemischer Waffen als vertrauensbildende Maßnahme dienen soll.
Die Vereinigten Staaten sind aktives Mitglied der "Australien-Gruppe" chemieverarbeitender Länder mit
dem gemeinsamen Anliegen, die Vei—
breitung und den Einsatz von Chemiewaffen aufzuhalten.
Die AustralienGruppe ist ein informelles und unabhängiges Gremium, in dem die Regierungen der Vereinigten Staaten und 19
anderer Länder mit dem
Ziel
der
Nichtwei terverbrei tung
chemischer
Waffen zusammenarbeiten. Die Australien-Gruppe hat eine schwarze Liste
von 50 chemischen Grundstoffen erai—
beitet, die bei der Waffenherstellung
Anwendung finden.
Das Handelsministerium war in der
amerikanischen
Delegation
bei
der
jüngsten
Regierungs-Industriekonferenz gegen chemische Waffen in Canberra im September stark vertreten.

�Die Delegierten des Handelsministeriums haben eine Reihe bilateraler
Gespräche mit Abordnungen anderer Regierungen über Probleme der Exportkontrolle geführt.
Darüber hinaus
haben wir Gesetzentwürfen über den
Handel mit chemischen Grundstoffen
und
biologischen Organismen große
Aufmerksamkeit gewidmet.
Diese außenpolitisch motivierten Exportkontrollen und die damit verbundenen
Maßnahmen spiegeln das amerikanische
Engagement wider, das sich in der Zusammenarbeit bei multilateralen Exportkontrollbestrebungen ebenso zeigt
wie in der Beachtung der im Genfer
Protokoll von 1925 und der Konvention
über biologische Waffen von 1972 eingegangenen internationalen Verpflichtungen sowie in den Bemühungen um ein
weltweit verifizierbares Verbot aller
chemischen und biologischen Waffen.
Das Handelsministerium
hat im
Rahmen seiner Mitarbeit in der Australien-Gruppe seine außenpolitisch
motivierten
Kontrollmaßnahmen
für
chemische Grundstoffe verschärft und
neue verhängt. Am 22. Februar 1989
habe ich dem Kongreß im Einklang mit
Abschnitt 8 des Außenwirtschaftsgesetzes einen Bericht vorgelegt, der
Exportkontrollen für 23 mehrfach einsetzbare chemische Grundstoffe vorsieht, die als Basis für chemische
Waffen sowie für bestimmte Organismen
dienen können. Vor dieser Maßnahme
sah das Handelsministerium Exportkontrollen für 17 chemische Grundstoffe
vor, die nachweislich zur Herstellung
chemischer Waffen genutzt werden können.
Die
betroffenen
chemischen
Grundstoffe und biologischen Wirkstoffe unterlagen bisher einseitigen
nationalen Sicherheitskontrollen, die
am 23. Februar dieses Jahres dem Allgemeinen Handelsgesetz von 1988 zufolge Ihre Gültigkeit verlieren. Die
neue Grundlage außenpolitisch motivierter
Exportkontrollen
gestattet
dem Ministerium, seine Kontrollbestrebungen auf solche Länder zu konzentrieren, an die Weiterverbreitung
als problematisch gilt: Iran, Irak,
Syrien und Libyen.
Zum Zweck der
besseren Kontrolle überarbeiten wir

die außenpolitisch motivierten Exportbestimmungen, um Wiederausfuhrkontrollen
auf
diese
chemischen
Grundstoffe und biologischen Wirkstoffen mit dem Bestimmungsort Iran,
Irak, Syrien und Libyen zu verhängen.
Wir gestehen Schwierigkeiten bei
der Kontrolle dieser "Mehrzweck"-Chemikalien ein. Einige sind sehr gebräuchlich und werden sowohl in der
Forschung als auch kommerziell vielfach eingesetzt, etwa bei der Herstellung von Verdünnern, Emulsionsund Düngemitteln.
Tatsächlich kann
jedes Land mit einer Ölraffinerie
oder einer Düngemittelfabrik diese
Verbindungen herstellen. Leider können diese Chemikalien in anderen Verbindungen zur Herstellung chemischer
Waffen genutzt werden. Darüber hinaus ist die Technik zur Herstellung
dieser chemischen Verbindungen nicht
geschützt.
Ich werde dem Kongreß ferner einen Bericht über die Ausweitung der
Exportkontrollen auf drei chemische
Grundstoffe und die Einführung solcher Kontrollen für 10 zusätzliche
Chemikalien vorlegen.
Mit dieser
Maßnahme werden die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen westlichen
Ländern alle 50 der mehrfach verwendbaren chemischen Grundstoffe kontrollieren.
Diese Kontrolle mehrfach
einsetzbarer und kommerziell genutzter Chemikalien findet zusätzlich zur
Kontrolle chemischer und biologischer
Waffen, ihrer Bestandteile und Trägersysteme statt, die bereits im Rahmen des Gesetzes zur Kontrolle von
Waffenexporten vom Außenministerium
eingeführt wurde.

Kontrollmechanismus
technik

für die Raketen-

Schon seit langem wenden sich die
Vereinigten Staaten gegen die Verbreitung von Trägersystemen. Am 16.
April 1987 haben wir eine neue Maßnahme verkündet, um die Verbreitung
von Raketen zu begrenzen, die Nuklearwaffen als Träger dienen können.

- 4 -

�Die
Vereinigten
Staaten
schlössen
sich mit der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien,
Italien, Japan und Kanada zusammen,
um einen Kontrollmechanismus für die
Raketentechnik
(Missile
Technology
Control Regime - MTCR) zu schaffen,
mit dem die Verbreitung nuklearfähiger ballistischer Raketen
begrenzt
werden kann.
Die Mitglieder haben
vereinbart, den Export der zur Entwicklung und Stationierung von Raketen mit der Fähigkeit zum Abschuß nuklearer Gefechtsköpfe erforderlichen
Anlagen und Techniken zu kontrollieren.
Das Außenministerium kontrolliert
die Mehrzahl - etwa 80 Prozent - der
Handelsware, die in direktem Zusammenhang mit Raketen steht. Das Handelsministerium kontrolliert hingegen
mehrfach einsetzbare Posten, deren
Kontrolle unter dem MTCR vereinbart
wurde.
In Übereinstimmung mit dem
Außenministerium hat das Handelsministerium die außenpolitisch motivierten
Exportkontrollen
auf
mehrfach
einsetzbare Waren erweitert, die im
Anhang zum MTCR genannt sind.
Die
Erweiterung dieser Kontrollen hat jedoch keine neuen Genehmigungsverfahren für Anlagen zur Folge gehabt,
weil sie lediglich für Waren eingefügt wurde, die bereits nationalen
Sicherheitskontrollen unterliegen.
Gegenwärtig werden alle Anträge
auf Ausfuhrgenehmigung für Waren, die
Kontrollen für Raketentechnik unterliegen, sorgfältig überprüft, um sicherzustellen, daß der beabsichtigte
Export nicht entscheidend zu einem
Raketenentwicklungsprogramm
beiträgt.
Folgende Kriterien sind im
Handelsministerium für die Genehmigung der Ausfuhranträge ausschlaggebend:
ob die Ware der außenpolitisch
motivierten
Exportkontrolle
für
Raketen unterliegt,
ob das Bestimmungsland die Fähigkeit
zur Herstellung ballistischer Raketen entwickelt,

ob der Endverbraucher ein für uns
besorgniserregendes
Projekt
durchführt,
ob die Ware einen entscheidenden
Beitrag zum Raketenentwicklungsprogramm des Landes leisten würde,
der Ruf, in dem das Importland im
Hinblick auf die Nichtweiterverbreitung steht und die Art und
Weise der Garantie einer Nichtweiterverbreitung.
Gegenwärtig im Rahmen von MTCR
erörterte Probleme betreffen Vorbereitungen für ein Gesetz über Sanktionen bei "Verletzungen" des MTCR
und Zusatzartikel zum Gesetz über die
Kontrolle von Waffenexporten und das
Außenwirtschaftsgesetz von 1979, um
die Weiterverbreitung von Raketen,
Raketenteilen und Raketentechnik zu
begrenzen.
Um die Wirkung des Kontrollmechanismus zu erhöhen und Übertretungen abzuschrecken, sehen die
Gesetzentwürfe folgendes vor:
Sanktionen gegen die Vereinigten Staaten
und ausländische Körperschaften, die
Verhä'ngung stärkerer einseitiger amerikanischer
Technologiekontrollen,
Berichte über die Wirksamkeit des
Kontrollmechanismus
(MTCR) und zusätzliche Überprüfungen von Exportanträgen für mehrfach verwendbare Waren
durch das Außen- und Verteidigungsministerium.
Aller Wahrscheinlichkeit
nach wird eine solche Gesetzgebung
aber eher negative Auswirkungen haben
und
multilaterale
Betrebungen
zur
Nichtweiterverbreitung
von
Raketen
schwächen. Sie würde die weitere Zusammenarbeit und den Informationsaustausch behindern und die Regeln, nach
denen der Kontrollmechanismus aufgestellt wurde, einseitig verändern.
Darüber hinaus werden Fragen der
Erweiterung
des
Kontroilmechanismus
erwogen, so daß er zusätzliche Länder
einbezieht.
Der MTCR bildet
eine
wirksame Sperre gegen Programme zur
Weiterverbreitung nuklearfähiger Raketen.
Er liefert ein ausgezeichnetes Beispiel für die Vorteile multi-

�lateraler Zusammenarbeit im Gegensatz
zu einseitigen Kontrollen. Wir wollen ihn so erweitern, daß er auch
Länder mit der Fähigkeit zur Herstellung und Ausfuhr nuklearfähiger Raketen und ihrer Teile einbezieht.

Andere außenpolitische Probleme
Im Hinblick auf Nordkorea haben
außenpolitisch motivierte Kontrollen
tatsächlich zu einem Handelsembargo
zwischen diesem Land und den Vereinigten Staaten geführt. Am 20. Januar 1988 hat der Außenminister Nordkorea als ein Land bezeichnet, das den
internationalen Terrorismus bei seinen Aktionen wiederholt unterstützt
hat und in diesem Zusammenhang auch
den Abschuß der KAL-Maschine im November 1987 zitiert.
Im Oktober 1988 entschied die Administration, Nordkorea aus seiner
Isolation herauszuhelfen und das Land
zur Abkehr von terroristischen Aktivitäten zu bewegen. Diese politische
Entscheidung führte zu einer sehr bescheidenen Liberalisierung der amerikanischen
Exportkontrollpolitik
gegenüber Nordkorea. Diese Veränderung
läßt nunmehr die Lieferung von Handelswaren und Spenden an Nordkorea
zu, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu decken.
Wie bereits ausgeführt, sind außenpolitisch motivitierte Exportkontrolen für Anlagen und technische Daten in Kraft, die zur Herstellung von
Lastwagen an der Kama und in der
Zil-LKW-Fabrik
in
der
Sowjetunion
dienen. Diese Politik wurde als Reaktion auf den Einsatz der in der Fabrik an der Kama hergestellten LKWs
beim Einmarsch in Afghanistan eingeführt.
Gegenwärtig
verfolgen
die
Vereinigten Staaten die Politik, Anträge auf Export dieser Anlagen abzulehnen. Angesichts des nunmehr abgeschlossenen Abzugs sowjetischer Truppen aus Afghanistan wird die Administration insbesondere diese Bestimmung neu überprüfen.

Zusammenfassung
Wir investieren viel Zeit und Mühe, um Realitätsbezug und Effektivität
außen- und
sicherheitspolitisch
motivierter Kontrollen zu gewährleiten. Ich versichere Ihnen, das Handelsministerium wird weiterhin alles
in seiner Macht Stehende tun, um sicherzustellen, daß unser Exportkontrollprogramm amerikanischen sicherheits- und
außenpolitischen
sowie
wirtschaftlichen Interessen dient.

* * * * *

�•fcD S T &gt;

%r,DN

AMERIKA DIENST

4

Dokumentation

11. Oktober 1989

37

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM TAG DER DEUTSCH-AMERIKANER 1989

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des
Präsidenten zum "Tag der Deutsch-Amerikaner" am 6. Oktober 1989 im Wortlaut.
Im Jahr 1683 verließ eine kleine
Gruppe Männer, Frauen und Kinder ihre

Heimat Deutschland, um in der Neuen
Welt ihre Religion frei ausüben zu
können. Diese 13 Familien, die vor
über 300 Jahren in der Nähe von Philadelphia an Land gingen, waren die
ersten von sieben Millionen deutschen
Einwanderern in Amerika. Heute können nahezu 60 Millionen Amerikaner
ihre. Wurzeln zu diesen mutigen und
fleißigen Menschen zurückverfolgen.
Ihr stolzes kulturelles Erbe ist
nicht nur eine von Generation zu Generation weitergegebene Kostbarkeit,
sondern auch ein nicht versiegender
Quell der Stärke und des Stolzes für
die Vereinigten Staaten von Amerika.
In gesamten Verlauf der Geschichte unseres Landes standen die Deut-

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Embassy of the United States of America

schen mit ihren Angehörigen an vorderster Front bei der Verteidigung
der Freiheit. Von den heroischen Bestrebungen unter General Friedrich
von Steuben während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges bis zu
General Eisenhower im Zweiten Weltkrieg standen Ihr Mut und Patriotismus außer Zweifel.
In Zeiten des
Friedens wie in Zeiten des Kampfes
haben Generationen von Deutsch-Amerikanern getreu die Prinzipien verteidigt, auf die diese Nation gegründet
wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen
die Vereinigten Staaten gemeinsam mit
Ihren Verbündeten dazu bei, die Bedingungen wiederherzustellen. unter
denen die deutsche Demokratie, geführt von Politikern wie Konrad Ade-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nauer, wurzeln und gedeihen konnte.
Heute besteht kein Zweifel daran, daß
Europa stärker - und die Welt sicherer - ist, weil die Bundesrepublik
Deutschland
frei, demokratisch und
souverän ist.
Während
wir
stolz
zu unserer
Freundschaft mit den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland stehen, müssen wir gleichzeitig mit Betroffenheit feststellen, daß vielen Deutschen
immer
noch
das
Recht
auf
Selbstbestimmung
verweigert
wird.
Die Vereinigten Staaten sind daher
nach wie vor der Förderung von Freiheit und demokratischer Regierung in
ganz Deutschland und ganz Osteuropa
verpflichtet. Wir werden in unserer
Bestrebungen nicht ruhen, überall in
Osteuropa die Wahrung der Menschenrechte zu fördern, politische Reformen voranzutreiben und die Barrieren
abzubauen, die Berlin immer noch teilen.
Unsere große Nation ist stark,
weil wir Amerikaner in unserem gemeinsamen Glauben an die. Freiheit des
einzelnen und die Rechtsstaatlichkeit
ebenso wie durch Vertrauen und Familienbande vereint sind. Während wir
heute die zahlreichen Beiträge würdigen, die Amerikaner deutscher Herkunft für unser Land geleistet haben,
wollen wir uns erneut der Förderung
derselben Einheit im Land ihrer Vorfahren verpflichten.
Zu Ehren aller Deutsch-Amerikaner
hat der Kongreß mit der gemeinsamen
Entschließung 118 den 6. Oktober 1989
zum "Tag der Deutsch-Amerikaner" erklärt und den Präsidenten ermächtigt
und ersucht, zum Gedenken an diesen
Tag eine Proklamation zu erlassen.
Aufgrund
dessen
erkläre
ich,
George Bush, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit
Freitag, den 6. Oktober 1989, zum Tag
der Deutsch-Amerikaner.
Ich bitte
alle Amerikaner, mehr über den Beitrag der deutschen Einwanderer zu Leben und Kultur der Vereinigten Staaten in Erfahrung zu bringen und die-

sen Tag mit angemessenen Feiern
Veranstaltungen zu begehen.

und

Unterzeichnet am 5. Tag des Oktober, im Jahr des He rrn 1989 und im
214. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
(unterzeichnet) George Bush

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11. Oktober 1989

37

BUSH WÜRDIGT BUNDESDEUTSCHE UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE DDR-FLÜCHTLINGE
- Ansprache des Präsidenten zum Tag der Deutsch-Amerikaner -

WASHINGTON - (AD) - Bei einer Feierstunde anläßlich der Unterzeichnung
der Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner erklärte Präsident Bush am 5.
Oktober 1989: "Ich bin bewegt von den Zehntausenden DDR-Bürgern, die all ihren Besitz opfern, alles zurücklassen, um ihren Weg in einen Westen zu finden,
der Freiheit und Möglichkeiten verpricht." "Amerika steht zu den treibenden
Kräften des Wandels", erklärte Bush. "Wir haben unsere moralische und materielle Unterstützung zugesichert."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, des Präsidenten Im Wortlaut.

Alle, die wir heute hier zusammengekommen sind, werden Zeuge eines
entscheidenden Wendepunkts in der Geschichte.
Die Länder Osteuropas befinden sich im Umbruch, und ihr Kampf
um Freiheit ist in eine neue Phase
der Hoffnungen eingetreten, die jetzt
stärker sind als jemals zuvor.
In
Polen
ist eine
nichtkommunistische
Regierung gebildet worden. In Ungarn
wird der totalitären Ideologie eine
Absage erteilt.
Ich habe bereits in Hamtramck,
Warschau, Danzig und Budapest erklärt. Amerika stehe zu den treibenden Kräften des Wandels. Wir haben
unsere moralische und materielle Unterstützung zugesichert.
Die polnische Regierung

hat ver-

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Embassy of the United States of America

gangene Woche angesichts der Aussicht
schmerzhafter
Anpassungen
bei
der
Einführung
ihrer drastischen Wirtschaftsreformen vom Westen eine Milliarde Dollar Direkthilfe erbeten.
Und deshalb habe ich gestern (am 4.
Oktober) den Kongreß gebeten, Polen
zusätzlich 200 Millionen Dollar zur
Verfügung zu stellen, wenn das Land
einen Vertrag mit dem Internationalen
Währungsfonds unterzeichnet, um unseren Beitrag zur Erfüllung Ihrer Bitte
zu leisten. Darüber hinaus entsende
Ich eine Delegation nach Polen, die
mit den Polen über den besten Einsatz
dieser und anderer Mittel
beraten
soll.
Wir sind gebannt, und ich bin bewegt von den Zehntausenden DDR-Bürgern, die all ihren Besitz opfern,

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�alles zurücklassen, um ihren Weg in
einen Westen zu finden, der Freiheit
und Möglichkeiten verspricht.
Und ich habe heute von Tausenden
von Menschen gelesen, die zehn Jahre
gewartet haben, um ein Auto zu kaufen
und es dann ganz einfach auf der
Straße zurücklassen und die Schlüssel
jemandem schenken.
Sie nahmen nur
das mit, was sie tragen konnten und
kletterten über einen Botschaftszaun,
um auf einen Zug in die Freiheit zu
warten.
Angesichts unserer Feier zum Tag
der Deutsch-Amerikaner möchte ich die
Maßnahmen der Bundesrepublik Deutschland würdigen, die sich den mit diesen Ereignissen stellenden ungeheuren
Herausforderungen
gewachsen
zeigt.
Und ich freue mich auf den Tag, an
dem die Deutschen keine Zäune mehr
überwinden, nicht mehr in Botschaftsgärten frieren oder Kugeln ausweichen
müssen, um die Vorzüge einer freien
Gesellschaft genießen zu können.
Ich muß Ihnen nicht erzählen,
welch wichtige Rolle alle DeutschAmerikaner in den letzten 200 Jahren
in den Vereinigten Staaten - einzeln
und auch gemeinsam - gespielt haben.
Deutsch-Amerikaner bilden einen entscheidenden Bestandteil unseres Erbes. Und, wie Sie wissen, wurden wir
uns zu Beginn der achtziger Jahre der
Notwendigkeit
bewußt, die Kontakte
zwischen der Bundesrepublik und den
Vereinigten
Staaten
zu
vertiefen.
Und seit der Zeit haben unsere Länder
gemeinsam am Fortbestand unserer Werte und Pflichten gearbeitet.
Unser
US-Informationsamt
(USIA)
hat bei vielen dieser Initiativen die
Führungsrolle übernommen.
USIA hat
eine wichtige Rolle bei der 300-JahrFeier zum Gedenken an die deutschen
Einwanderer
gespielt, an der
ich
teilzunehmen die Ehre hatte. Und in
jüngster Zeit hat sich USIA an der
Einrichtung des Gartens der DeutschAmerikanischen
Freundschaft
beteiligt, die Sie heute hier feiern.

Aus diesem Grunde freue ich mich,
Ihnen heute mitteilen zu können, daß
unser USIA-Direktor, Bruce Gelb, eine
neue Aufgabe übernehmen und Amerikanischer Koordinator für Deutsch-Amerikanische Kontakte werden wird.
Er
möchte gemeinsam mit Ihnen dazu beitragen, daß junge deutsche und amerikanische
Führungskräfte
Kontakte
knüpfen. Dies liegt auch im Interesse Bundeskanzler Kohls.
In Regierung, Industrie, im Journalismus, den
Geisteswissenschaften
- wir wollen
Kontakte knüpfen, um Perspektiven zu
eröffnen, Freundschaften zu erhalten
und das Verständnis zwischen unseren
Ländern zu fördern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

11. Oktober 1989

37

DIE SOZIALVERSICHERUNG:

GRUNDLAGE DES "SOZIALEN NETZES" IN DEN USA

- Erster von fünf Artikeln zum amerikanischen Sozialwesen -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische
Sozialwesen Ist ein sich ständig
fortentwickelndes Geflecht von etwa
40 000
eigenständigen
öffentlichen
und privaten sozialen Diensten, die
zusammengenommen das "soziale Netz"
in den Vereinigten Staaten bilden,
das die meisten Amerikaner vor den
wie Präsident Franklin D. Roosevelt
es nannte "Launen und Wechsel fällen
des Lebens" schützt.
Schätzungen des Amerikanischen Verbands für Wohlfahrtspflege (American
Public Weifare Association) zufolge
belaufen sich die Ausgaben für die
Aufrechterhaltung dieses Netzes der
sozialen Sicherheit heute auf über 1
Billion Dollar pro Jahr oder etwa 20%
des amerikanischen Bruttosozialprodukts im Jahr 1989. Circa zwei Drit-

tel dieser Mittel werden von der Bundesregierung vergeben. Aber auch die
Bundesstaaten sowie Städte und Gemeinden geben etwa ein Prozent ihrer
Steuereinnahmen, ungefähr 300 Milliarden Dollar, für Programme aus,
die Armen, Arbeitslosen und Benachteiligten helfen sollen.
Der Rest
wird vom Privatsektor finanziert, zumeist in Form von Renten und Krankenversicherungsbeiträgen sowie Spenden
für wohltätige Zwecke. Das Spendenaufkommen belief sich im Jahr 1988
auf über 100 Milliarden Dollar, 20
Prozent davon wurden für Gesundheits- und Pflegedienste gespendet.

Ursprünge der Sozialversicherung
Eine

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reihe

von

Sozialverslcherungs-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Programmen wurden während der Großen
Depression von Präsident Roosevelt
und dem Kongreß als Teil des historischen Sozialversicherungsgesetzes von
1935 zum Schutz amerikanischer Arbeitnehmer in Handel und Industrie
gegen Einkommensverlust aufgrund unverschuldeter Arbeitslosigkeit, Ruhestand oder Tod geschaffen. Sie bilden die Grundlage des amerikanischen
sozialen Netzes.
Roosevelt zufolge sollten diese Programme dazu beitragen, die Auswirkungen
künftiger
Wirtschaftseinbrüche
abzuschwächen, indem sie dem amerikanischen Arbeitnehmer ein Grundeinkommen sicherten, das "die Höhen und
Tiefen von Deflation und Inflation
ausgleichen" würde.
Eines dieser Programmpakete - Rentenversicherung,
Hinterbliebenen- und
Invaliditätsversicherung - wurden unter dem Begriff "Sozialversicherung"
bekannt.
Die Sozialversicherung sollte nicht
die einzige Einkommensquelle für Arbeitnehmer nach Eintritt in den Ruhestand sein.
Sie sollte eher eine
Grundversorgung
sicherstellen, die
durch eigene Ersparnisse, private
Renten und Familienvermögen ergänzt
werden könnte.
Die Sozialversicherung, das bei weitem wichtigste Element des amerikanischen sozialen Netzes, hat seit ihrer
Schaffung
erhebliche
Veränderungen
erfahren. Ihre Grundsätze - Zwangsmltgliedschaft, Anspruchsberechtigung
aufgrund von Arbeit in den erfaßten
Berufen,
Beitragsbezogenhelt
sowie
Finanzierung durch gehaltsabhängige
Beiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber - haben jedoch Bestand gehabt.
Bei Inkrafttreten der Sozialversicherung im Jahr 1937 erfaßte sie weniger
als 60 Prozent der Arbeitsplätze in
den Vereinigten Staaten. Sie wurde
seither auf etwa 95 Prozent aller Arbeitnehmer erweitert. Viele freiberuflich Tätigen, Saison- und Teilzettarbeitnehmer in kleinen Unterneh-

men sind nicht erfaßt oder möchten
sich nicht beteiligen.
Auch die
Langzeitarbeitslosen werden per definitionem den Erwerbstätigen zugerechnet, können aber nicht teilnehmen.

Höhe der Renten
Im Lauf der Zeit wurden auch Familienangehörigen und Hinterbliebenen von
Rentnern sowie Erwerbsunfähigen und
deren Familien Renten zugebilligt.
Die Zwangsmitgliedschaft wurde auf
Beschäftigte in Land- und Hauswirtschaft, Freiberufler, Angehörige der
Streitkräfte, Angestellte im öffentlichen Dienst sowie Mitarbeiter gemeinnütziger
Organisationen
ausgedehnt. Ferner wurde die Möglichkeit
einer Vorruhestandsregelung für Männer und Frauen eingeführt.
Heute belaufen sich die Ausgaben für
die Sozialversicherung auf jährlich
etwa 23 Prozent aller Ausgaben aus
dem Bundeshaushalt, und ungefähr einer von sechs Amerikanern bekommt jeden Monat eine Rente ausbezahlt.
Im Jahr 1940, dem ersten Jahr, in dem
Renten gezahlt wurden, waren die Altersrenten auf einen Höchstbetrag von
41 Dollar pro Monat für einen alleinstehenden Arbeitnehmer und auf 62
Dollar für einen anspruchsberecbtigten Arbeitnehmer mit einem nicht berufstätigen
Ehepartner begrenzt
selbst zu jener Zeit sehr bescheidene
Beträge.
Bis heute sind diese Renten auf
durchschnittlich folgende Monatswerte
angestiegen:
(Tabelle: siehe letzte
Seite)
Während das normale Rentenalter bei
65 Jahren liegt, kann ein Arbeitnehmer schon mit 62 Jahren in den Ruhestand treten, falls er voll versichert ist (nach mindestens zehn Arbeitsjahren an einem der Versicherung
unterliegenden
Arbeitsplatz).
Die
monatlichen Rentenzahlungen an Vorruheständler betragen jedoch auf Dauer
nur 80 Prozent der Vollrente, die an

- 2 -

f

i

�diejenigen gezahlt wird, die mit 65
oder später in den Ruhestand treten.
Ab dem Jahr 2000 wird das Alter, mit
dem die volle Rente bezogen werden
kann, schrittweise auf 67 Jahre angehoben.
Eine reduzierte Rente wird
immer noch ab 62 Jahren möglich sein,
jedoch wird die Reduzierung höher
ausfallen als heute.
Zur Berechnung der Bezüge für Ruhestand
und Berufsunfähigkeit
werden
beim im gesamten Berufsleben erarbeiteten Nettoverdienst des Arbeitnehmers Anpassungen vorgenommen, die den
Veränderungen der Durchschnittslöhne
seit 1951 Rechnung tragen. Von diesen angepaßten Einkünften wird der
Durchschnittswert errechnet, von dem
dann mittels einer Formel die Leistungen abgeleitet werden.
Die Sozialversicherung ist nicht vermögensabhängig, das heißt, die Leistungen
richten sich nicht nach dem Umfang
anderweitig erzielter Einkünfte oder
dem
Privatvermögen des Antragstellers.
Dennoch begünstigt die Formel
Arbeitnehmer mit geringerem Einkommen
aufgrund der Annahme, daß sie nicht
wie höhere Einkommensgruppen über finanzielle Mittel verfügen, um ihre
Sozialleistungen aufzubessern.

Finanzierung
Um die gegenwärtig gewährten Leistungen beibehalten und in den nächsten
Jahren neue finanzieren zu können,
mußte der Kongreß die - jeweils zur
Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlte - Lohnsummensteuer erhöhen. Die von Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils auf ein Jahreseinkommen unter 3 000 Dollar gezahlte Lohnsummensteuer ist von 1 Prozent seit
der Einführung des Programms 1937 auf
7,51
Prozent
für Einkommen
unter
48 000 Dollar im Jahr 1989 (einschließlich
1,45
Prozent
für
MEDICARE-KrankenhausVersicherung) gestiegen. Das ergibt einen maximalen
Arbeitgeber/Arbeitnehmeranteil
von
jährlich 7 210 Dollar. Ein selbständiger Erwerbstätiger muß 13,2 Prozent
seines Einkommens unter 48 000 Dollar

als
Sozial Versicherungsbeitrag
entrichten und damit einen etwas geringeren Satz, als er und sein Arbeitgeber in einem Angestelltenverhältnis
zu zahlen hätten.
Diese Einnahmen werden zusammen mit
geringfügigen durch die Besteuerung
einiger
Sozialleistungen
erzielten
Einkünften in vier einzelnen Treuhandfonds
unabhängig
von
anderen
staatlichen Konten verwaltet.
Die
nicht zur Zahlung unmittelbarer Leistungen
und
Verwaltungsaufwendungen
benötigten Mitteln werden in Staatsanleihen der Vereinigten Staaten angelegt, wobei durch Zinsgewinne wiederum Einnahmen erzielt werden.

Rückgang
bürgern

der Armut

bei

älteren

Mit-

Heute haben 130 Millionen Amerikaner
sozialversicherungspflichtige
Arbeltsplätze, und
1989 werden 38,9
Millionen Menschen daraus Leistungen
im Umfang von 228 Milliarden Dollar
in Anspruch nehmen.
Die Sozialversicherungszahlungen werden in diesem
Jahr etwa 27 Millionen Rentnern und
ihren Ehepartnern, 5,3 Millionen Witwen, 3,5 Millionen
berufsunfähigen
Arbeitnehmern und ihren Ehepartnern
und 3,2 Millionen Kindern pensionierter, verstorbener oder arbeitsunfähiger Arbeitnehmer gewährt.
Untersuchungen haben ergeben, daß die
Sozialversicherung
für die meisten
Amerikaner im Ruhestand die wichtigste Einkommensquelle
ist.
Bei 62
Prozent der über 65jährigen macht sie
wenigstens die Hälfte des verfügbaren
Einkommens aus. bei 26 Prozent sind
es 90 Prozent, und für 15 Prozent der
älteren Mitbürger ist sie einzige
Einkommensquelle.
Ein Drittel aller
sozialversicherten Rentner hat eine
private Altersversorgung von durchschnittlich
260
Dollar
im Monat.
Darüber hinaus erhalten viele Pensionäre zusätzliche Leistungen in Form
von Steuerfreibeträgen, Fahrpreisermäßigungen, preiswerter medizinischer
Versorgung und Rabatt für Nahrungs-

- 3 -

�und Arzneimittel.
über die Hälfte der 124 Millionen zivilerwerbstätigen
Amerikaner
haben
eine private Altersversorgung, die im
Falle des Ruhestands oder der Berufsunfähigkeit des Arbeitnehmers eine
monatliche Rente zahlt. Diese Leistungen werden zusätzlich zu den Versicherungsleistungen der Bundesregierung oder der Einzelstaaten gewährt.
Heute gibt es in den Vereinigten
Staaten mehr als 1,7 Millionen private Altersversicherungspläne mit einem
Gesamtvermögen von über 1,6 Milliarden Dollar.
Die Beteiligung, Mitgliedsbedingungen und Leistungen weichen stark voneinander ab. Ihre Mitglieder arbeiten in der Regel in großen Privatunternehmen und haben höhere Einkommen als Nichtmitglieder.
Im Jahr 1987 erhielten mehr als neun
Millionen Amerikaner und ihre Familien Leistungen aus einer privaten Rentenversicherung, einschließlich einmaliger Zahlungen, im Gesamtumfang
von 117,4 Milliarden Dollar.
Wenn man die Bezüge aus allen Quellen
zusammenrechnet - Rente, Ersparnisse,
Gewinne aus Investitionen und Teilzeitarbeit - ergibt sich für einen
etwa 65jährigen Amerikaner für 1985
ein mittleres Einkommen von 11.833
Dollar. Im gleichen Jahr bewohnten
13,8 Millionen oder 73,2 Prozent aller Haushalte mit einem Haushaltsvorstand in diesem Alter ihr eigenes
Haus.
Der amerikanische Verband der Ruheständler hält der Sozialversicherung
zugute, daß sie mehr geleistet hat,
um ältere Amerikaner vor Armut zu bewahren als jede andere Einzel initiative.
Dem Statistischen Bundesamt
der Vereinigten Staaten zufolge lag
der Anteil der über 65jährigen Amerikaner, die 1959 - bei Einführung dieser Statistik - an oder unter der offiziellen "Armutsgrenze" lebten, bei
33,1 Prozent und war damit doppelt so
hoch wie für den Rest der Bevölkerung. Bis 1987 fiel die Zahl auf 12,
2 Prozent und war damit nur noch halb

so hoch wie für den Rest der Bevölkerung. Die Armutsgrenze lag 1987 für
einen über 65jährigen bei 5 447 Dollar (sie ist etwas niedriger als bei
einem unter 65jährigen).
Eine ähnliche Untersuchung der Forschungsabteilung des Kongresses kam
vor einigen Jahren zu dem Schluß, daß
die an ältere Mitbürger gezahlten
Leistungen der Bundesregierung "der
Hauptgrund" für den allgemeinen Rückgang der Armutsgrenze bei den über
65jährigen ist. Der Untersuchung zufolge war die Sozialversicherung "am
wirkungsvollsten".

�Alleinstehender Rentner über 65

537 Dollar

Rentnerehepaar, beide mit Rentenanspruch

921 Dollar

Hinterbliebener mit zwei Kindern

1 112 Dollar

Witwe oder Witwer im Rentenalter

492 Dollar

Erwerbsunfähiger mit Familie

943 Dollar

Erwerbsunfähiger, alleinstehend

529 Dollar

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