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                  <text>AMERIKA DIENST

34

13. September 1989

•

INHALT

i
DOKUMENTATION

Bush: Drogenbekämpfung muß Im In- und Ausland erfolgen
- Rede des Präsidenten zur neuen Drogenbekämpfungsstrategie Maresca: "Beachtliche Fortschritte" bei VSBM-Gesprächen
- Erklärung des Leiters der amerikanischen Delegation -

HINTERGRUND
Bush; Drogenmißbrauch muß weltweit bekämpft werden
- Internationaler Teil der Drogenstrategie des Präsidenten Bush steht voll und ganz hinter dem Zeitplan für KSE-Phase I
- Interview mit KSE-Chefunterhändler Ledogar -

Ostblock akzeptiert NATO-Zeitplan für KSE
- Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar bei den
KSE-Verhandlungen -

Die Verbreitung chemischer Waffen
- Eine Übersicht -

* * * * *

Eine Amerikadienst-Ausgabe Nr. 32 ist nicht erschienen. Auf Nr. 31
folgt also unmittelbar Nr. 33. Wir bitten um Verständnis.

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

34

13. September 1989
BUSH:

DROGENBEKÄMPFUNG MUSS IM IN- UND AUSLAND ERFOLGEN

- Rede des Präsidenten zur neuen Drogenbekämpfungsstrategie -

WASHINGTON - (AD) - Indem er das Drogenproblem als die gravierendste Bedrohung der Vereinigten Staaten in der heutigen Zeit brandmarkte, umriß Präsident Bush am 5. September 1989 eine vier Punkte umfassende Strategie zur Bekämpfung des Drogenhandels und -konsums in den Vereinigten Staaten und "jenseits unserer Grenzen, wo das Kokain und Crack angebaut und weiterverarbeitet
wird, das auf den Straßen Amerikas gekauft wird".
In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache erörterte Bush eine
FünfJahresstrategie, die "gelegentlichem Drogenkonsum überhaupt kein Verständnis entgegenbringt" und die Verpflichtung zu Hilfsleistungen der Vereinigten
Staaten "an die bedrängten Regierungen" der Drogen produzierenden Staaten enthält, die versuchen "die internationale Drogenmafia zu zerschlagen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Seitdem ich meinen Amtseid geleistet habe, hatte ich jetzt zum ersten
Mal das Gefühl, ein Problem sei von
solcher Brisanz und so bedrohlich,
daß ich beschlossen habe, mich direkt
an Sie - die Bürger der Vereinigten
Staaten - zu wenden. Wir sind uns
alle einig, daß die gravierendste Bedrohung, mit der sich unsere Nation
im Inland heute konfrontiert sieht,
das Drogenproblem ist.
Drogen haben unseren Glauben an
unser Justizsystem erschüttert. Unsere Gerichte, unsere Gefängnisse,
unser Rechtssystem stehen kurz vor
dem Zusammenbruch. Aufgrund des Drogenproblems schnellen die Soziallasten in die Höhe. Kurzum: Drogen
zehren am Lebensnerv der Nation.

Schaltet man die Abendnachrichten
ein oder schlägt die Morgenzeitung
auf, so sieht man, womit einige Amerikaner bestens vertraut sind, wenn
sie nur einen Schritt vor die Tür machen:
Unser ernsthaftestes Problem
heute ist Kokain und insbesondere
Crack.
War ist verantwortlich.
es Ihnen geradeheraus sagen.

Ich will

Jeder, der Drogen nimmt.
Jeder, der Drogen verkauft.
Und jeder, der die Augen vor dem
Problem verschließt.
Heute abend werde ich Ihnen aufzählen, wie viele Amerikaner Drogen

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�nehmen. Ich werde Ihnen unsere nationale Strategie erläutern, mit der
wir jeden Aspekt dieser Bedrohung bewältigen wollen. Und ich werde Sie
bitten, sich für das zu engagieren,
was ein sehr schwerer Kampf zu werden
verspricht.
Das ist Crack-Kokain, das vor einigen Tagen von Agenten der Drogenbekämpfungsbehörde
(Diug
Enforcement
Administration, DEA) in einem Park
gegenüber dem Weißen Haus beschlagnahmt wurde. Es hätte genausogut Heroin oder PCP sein können. Es sieht
so unverfänglich aus wie Bonbons,
aber es verwandelt unsere Städte in
Schlachtfelder und ermordet unsere
Kinder. Damit wir uns nicht falsch
verstehen:
Dieser Stoff ist Gift.
Manche haben Drogen als harmloses
Freizeitvergnügen
bezeichnet.
Das
sind sie nicht. Drogen sind eine reale und entsetzlich gefährliche Bedrohung unserer Nachbarschaft, unsere
Freunde und unserer Familien.
Keiner von uns ist in Sicherheit.
Wenn
Vierjährige auf Spielplätzen
spielen, die mit Spritzen und Crackampullen übersät sind - es bricht mir
das Herz. Wenn Kokain - eine der
töd]ichsten und
süchtig machenden
Drogen - Schulkindern zur Verfügung
steht - Schulkindern - so ist das empörend. Und wenn jedes Jahr Hunderttausende von Babies zur Welt kommen,
deren Mütter drogenabhängig sind
Frühgeburten, die unheilbar krank geboren werden - dann sind selbst die
hilflosesten unter uns in Gefahr.
Das sind die Schicksale hinter
der Statistik. Aber auch die Zahlen
sprechen für sich selbst. Ich möchte
Ihnen die Ergebnisse einer kürzlich
erstellten Meinungsumfrage des Bundesinstituts für Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse) vorlegen.
Sie stellt einen Vergleich
zwischen dem Drogenkonsum heute und
vor drei Jahren an. Sie teilt uns
einige gute Nachrichten und einige
sehr schlechte Nachrichten mit. Zuerst die gute Nachricht.

Wie Sie der graphischen Darstellung entnehmen können, schätzte die
Regierung im Jahr 1985, daß 23 Millionen Amerikaner "gewohnheitsmäßig"
Drogen einnahmen - das heißt, mindestens einmal im vorausgegangenen Monat. Letztes Jahr verringerte sich
diese Zahl um über ein Drittel. Das
bedeutet, nahezu 9 Millionen weniger
Amerikaner sind gelegentliche Drogenkonsumenten. Gute Nachrichten.
Weil wir unsere Einstellung im
Inland gegenüber Drogen geändert haben, hat der gelegentliche Drogenkonsum abgenommen. Wir haben vielen zu
danken: Unseren mutigen Polizeibeamten, Kirchenführern, Lehrern,
Gemeindevertretern sowie Unternehmern
und Gewerkschaftsfunktionären.
Darüber hinaus sollten wir auch den Medien für ihre umfassende Berichterstattung und Kommentare sowie ihre
Sendezeit und den Raum danken, den
sie den Aufklärungskampagnen über
Drogenmißbrauch gewidmet haben. Und
schließlich
möchte
ich
Präsident
Reagan und seiner Frau meinen Dank
dafür aussprechen, daß sie diese Kampagne in die Wege geleitet haben.
Sie alle haben die Wahrheit gesprochen - Drogenkonsum ist falsch und
gefährlich.
Aber so sehr wir angesichts dieser positiven Bilanz beruhigt sein
könnten, es gibt auch schlechte Nachrichten - sehr schlechte Nachrichten.
Rund 8 Millionen Menschen haben im
vergangenen
Jahr Kokain genommen,
fast 1 Million hat e3 häufig, einmal
pro Woche oder öfter konsumiert.
Das bedeutet, trotz der Tatsache,
daß der Kokainkonsum insgesamt gesunken ist, hat sich der häufige Konsum
in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt. Und aus diesem Grund sind
die gewohnheitsmäßigen Kokainkonsumenten - insbesondere Crackkonsumenten - das vordringlichste Drogenproblem.
Wie also lautet unser Plan? Zunächst verlasse ich mich auf das, was
die Erfahrung lehrt: Keine isolierte

�Maßnahme wird zu einer Abnahme des
Drogenkonsums führen, so spektakulär
oder magisch sie auch klingen mag.
Um den Kampf gegen abhängig machende
Drogen wie Crack gewinnen zu können,
benötigen wir mehr als eine Strategie
auf Bundesebene.
Wir brauchen eine
landesweite Strategie, eine, die jede
Schule, jeden Arbeitsplatz erreicht
und jede Familie einbezieht.
Heute habe ich dieses Dokument,
unsere erste nationale Strategie an
den Kongreß weitergeleitet. Sie wurde dank der intensiven Arbeit unseres
ersten Direktors für Drogenbekäinpfungsmaßnahmen, Bill Bennett, entwikkelt. Während der Erarbeitung dieses
Plans haben wir Gepräche mit Vertretern der Bundesregierung, Einzel Staaten und Gemeinden, Polizeibeamten und
Fachleuten für Bildungswesen, Prävention urd Rehabilitation geführt. Wir
haben mit Eltern und Kindern gesprochen. Wir haben alles, was die Bundesregierung in der Vergangenheit gegen Drogen unternommen hat, einer genauen
Überprüfung
unterzogen:
Was
funktioniert hat und - um ehrlich zu
sein - was schiefgelaufen ist.
Zu
häufig haben die Verantwortlichen in
der Regierung getan, als ob ihr Teil
des Problems - sei es die Bekämpfung
der
Drogenproduktion,
des
Drogenschmuggels oder der Nachfrage nach
Drogen - das einzige Problem sei.
Aber mit Einzelkämpfen wird dieser
Krieg nicht gewonnen, sondern nur in
Gemeinschaftsarbeit.
Heute
abend
kündige
Ich
eine
Strategie an, in der das koordinierte, gemeinsame Engagenment aller Bundesbehörden ihren Niederschlag gefunden hat. Mit anderen Worten: Dieser
Plan ist so umfassend wie das Problem
selbst.
Mit dieser Strategie haben
wir endlich einen Plan an der Hand,
der unsere Ressourcen, unsere Programme und die Menschen koordiniert,
die sie durchführen.
Unsere Waffen in dieser Strategie
sind:
Das
Rechtssystem
und
die
Strafgerichtsbarkeit, unsere Außenpolitik,
unsere
Behandlungsprogramme

sowie unsere Schulen und Präventivprogramme. Die wichtigsten erforderlichen Waffen haben wir also bereits
zur Hand.
Vvas bisher gefehlt hat,
war eine Strategie für Ihren wirksamen Einsatz.
Ich möchte die vier Hauptelemente
unserer Strategie umreißen.
Erstens sind wir zur Durchsetzung
der Gesetze entschlossen, um unsere Straßen
und die Nachbarschaft sicher zu machen. Für den
Anfang schlage ich daher vor, daß
wir die staatliche Unterstützung
für die Strafverfolgung auf Einzelstaaten- und
Gemeindeebene
mehr als verdoppeln.
Amerikaner
haben ein Recht auf Sicherhett in
ihrem Heim und ihrer Umgebung.
Nur wenn wir hart gegen Drogenkriminelle vorgehen - viel härter als
bisher - werden wir eine sichere
Nachbarschaft haben. In manchen Fällen bedeutet dies härtere Strafen.
Aber sehr viel häufiger bedeutet es
nur gerechte und sichere Strafe. Wir
haben alle Geschichten über Drogenhändler gehört, die - wieder und wieder - geschnappt und verhaftet, aber
niemals bestraft werden. Nun, jetzt
haben die Zeiten sich geändert: Wenn
Sie Drogen verkaufen, werden Sie geschnappt.
Und wenn Sie geschnappt
werden, folgt die Anklage. Und wenn
Sie einmal verurteilt sind, werden
Sie Ihre Zeit absitzen. Geschnappt.
Angeklagt. Bestraft.
Darüber hinaus schlage ich vor,
daß wir unsere Strafgerichtsbarkeit
auf allen Ebenen erweitern - auf der
Ebene der Gemeinden, Einzelstaaten
und der Bundesregierung gleichermassen. Wir brauchen mehr Gefängnisse,
mehr Zuchthäuser, mehr Gerichte, mehr
Anklagevertreter.
Aus diesem Grund
bitte ich heute abend um die Aufstokkung der drogenbezogenen Bundesausgaben für Strafverfolgungsmaßnahmen in
Höhe von nahezu 1,5 Milliarden Dollar.
Obwohl wir mit illegalem Drogenkonsum in praktisch jeder Gemeinde

- 3 -

�konfrontiert sind, ist es nirgendwo
schlimmer als in unseren Sozialwohnungen. Wir alle wissen, die Armen
haben es in dieser Welt niemals
leicht gehabt.
Aber bisher wurden
sie auf ihrem Heimweg von der Arbeit
wenigstens nicht überfallen und ausgeraubt. Und ihre Kinder mußten sich
auf dem Schulweg nicht vor Kugeln
ducken. Aus diesem Grund veranschlage ich 50 Millionen Dollar für die
Verbrechensbekämpfung
in
sozialen
Wohnungsbauprojekten - die dazu beitragen sollen, die Ordnung wiederherzustellen und die Drogenhändler für
immer zu vertreiben.
Das zweite Element unserer Strategie ist grenzüberschreitend und
hat die Länder zum Ziel, in denen
das Kokain und Crack angebaut und
weiterverarbeitet wird, das auf
den
Straßen
Amerikas
gekauft
wird. Allein in Kolumbien haben
vom Kokainkartell gedungene Mörder einen führenden Staatsmann
erschossen, fast 200 Richter und
sieben Mitglieder des Obersten
Bundesgerichts ermordet. Die bedrängten Regierungen der Drogen
produzierenden
Länder
schlagen
zurück und kämpfen für die Zerschlagung
der
internationalen
Drogenmafia.
Sicherlich stimmen
Sie wie auch ich dem mutigen
Staatspräsidenten von Kolumbien,
Virgilio Barco, zu, der erklärt
hat, wenn Amerikaner Kokain nehmen, dann bezahlen die Amerikaner
für Mord. Die amerikanischen Kokainkonsumenten müssen begreifen,
daß unser Land dem gelegentlichen
Drogenkonsum überhaupt kein Verständnis
entgegenbringt.
Wir
tragen die Verantwortung, unsere
mutigen Freunde in Kolumbien in
ihrem Kampf nicht im Stich zu
lassen.
Die vor zwei Wochen angekündigten
65 Millionen Dollar an Soforthilfe
waren nur ein erster Schritt bei der
Unterstützung der Andenstaaten in ihrem Kampf gegen die Kokainkartelle.
Kolumbien
hat bereits Lieferanten
verhaftet, Tonnen von Kokain be-

scnlagnahmt und palastähnliche Häuser
der Drogenkönige konfisziert.
Aber
Kolumbien siebt sich einem langen,
harten Kampf gegenüber, und deshalb
müssen wir bereit sein, noch mehr zu
tun.
Im Rahmen unserer Strategie werden für nächstes Jahr über 250 Millionen Dollar an Militärhilfe und polizeiliche Unterstützung für die drei
Andenstaaten Kolumbien, Bolivien und
Peru zur Verfügung gestellt. Das ist
der erste Teil unseres Fünfjahresprogramms, das sich auf 2 Milliarden
Dollar beläuft und die Bekämpfung der
Produzenten, Händler und Schmuggler
zu Ziel hat.
In der vergangenen Woche hatte
ich eine Unterredung mit Präsident
Barco und wir hoffen, mit den Regierungschefs der betroffenen Länder einen in der Geschichte bisher einmaligen Drogengipfel abzuhalten, zur Koordinierung einer interamerikanischen
Strategie zur Bekämpfung der Kartelle. Wir werden mit unseren Verbündeten und Freunden zusammenarbeiten insbesondere mit den Teilnehmern am
Wirtschaftsgipfel - um mehr im Kampf
gegen Drogen zu tun. Ferner werde
ich den Senat bitten, die im Dezember
vergangenen
Jahres
verabschiedete
Drogenkonvention der Vereinten Nationen zu ratifizieren.
Um den Drogenfluß auf dem Weg in
die Vereinigten Staaten zu unterbinden, schlage ich über 1,5 Milliarden
Dollar für Abfangmaßnahmen vor. Bessere behördenübergreifende Zusammenarbeit kann zusammen mit modernsten
nachrichtendienstlichen Erkenntnissen
und der Technologie des amerikanischen Verteidigungsministeriums dazu
beitragen, die Drogen an unseren
Grenzen aufzuhalten.
Unsere Botschaft an die Drogenkartelle lautet:
Die Zeiten haben
sich geändert. Wir werden jeder Regierung helfen, die unsere Hilfe
wünscht. Auf Wunsch werden wir zum
ersten Mal die geeigneten Mittel der
amerikanischen Streitkräfte zur Ver-

�fügung stellen. Wir werden unseren
Kampf gegen Drogenschmuggler auf hoher See, Im internationalen Luftraum
und an unseren Grenzen intensivieren.
Wir werden den Fluß von Chemikalien
aus den Vereinigten Staaten unterbinden, die zur Weiterverarbeitung von
Drogen verwendet werden. Wir werden
internationale
Abkommen
erarbeiten
und durchsetzen, mit denen die Drogendollar bis zu den obersten Bossen
und Geldgebern zurückverfolgt werden
können. Und dann werden wir diesen
Geldwäschern Handschellen anlegen und
sie hinter Gitter bringen - genau wie
jeden Drogenhändler auf der Straße.
Und für die Drogenbosse die Todesstrafe.
Der dritte Teil unserer Strategie
befaßt sich mit der Behandlung
Drogenabhängiger.
Experten zufolge gibt es zwei Millionen Drogenabhängige in den Vereinigten
Staaten, die mit geeigneter Behandlung von der Droge loskommen
können. Gegenwärtig erhalten jedoch nur 40 Prozent wirklich Hilfe. Das ist einfach nicht genug.
Viele, die Behandlung nötig hätten, kümmern sich nicht aus eigenem
Antrieb darum, und einige, die sich
darum bemühen, werden auf Wartelisten
gesetzt. Die meisten Programme wurden für Heroinabhängige entworfen,
aber heute sind die Kokainkonsumenten
das Hauptproblem.
Es ist an der
Zeit, daß wir unsere Behandlungssysteme ausweiten und denjenigen, die
es nötig haben, mehr solcher Hilfen
bereitstellen.
Ich schlage deshalb
heute abend Mehrausgaben des Bundes
von 321 Millionen Dollar für die Behandlung Drogenabhängiger vor.
Mit dieser Strategie werden wir
mehr leisten.
Wir werden mit den
Einzelstaaten zusammenarbeiten.
Wir
werden die Unternehmer ermutigen,
Hilfsprogramme für ihre Beschäftigten
einzurichten, um den Drogenkonsum zu
bekämpfen.
Weil Drogenabhängigkeit
ein solch grausames Erbe ist, werden
wir darüber hinaus die Suche nach
Möglichkeiten intensivieren, um dro-

genabhängigen
helfen.

werdenden

Müttern

zu

Viertens müssen wir den Drogenkonsum verhindern noch bevor er
beginnt. Leider beginnt er schon
früh - bei vielen Kindern schon
vor dem Teenageralter.
Er beginnt jedoch nicht so, wie Sie
vielleicht denken mögen, durch
einen Dealer oder einen Süchtigen, der um den Schulhof herumlungert.
Noch häufiger kommen
unsere Kinder zum ersten Mal
durch Freunde oder durch ältere
Geschwister mit Drogen in Kontakt. Anpassungsdruck trägt zur
Verbreitung
des
Drogenkonsums
bei.
Anpassungsdruck kann auch
dazu beitragen, ihn zu stoppen.
Ich schlage eine Aufstockung der
Bundesmittel für Präventionsprogramme
in Schulen und Gemeinden um 250 Millionen Dollar vor, mit denen jungen
Menschen und Erwachsenen geholfen
werden kann, den Verlockungen zum
Ausprobieren von Drogen zu widerstehen. Darüber hinaus schlage ich noch
etwas vor. Jede Schule, jedes College und jede Universität - und jede
Arbeitsstätte - müssen im Hinblick
auf den Drogenkonsum von Schülern,
Studenten und Arbeitnehmern harte,
aber faire Maßnahmen ergreifen. Diejenigen, die keinerlei Maßnahmen dieser Art einleiten, werden kein Bundesmittel mehr erhalten. Punkt.
Auch dem Privatsektor kommt eine
Rolle zu. Ich habe mit einem Unternehmer namens Jim Burke gesprochen,
der erklärte, er werde von dem Gedanken - eigentlich einem Alptraum
verfolgt, daß irgendwo in den Vereinigten Staaten zu jedem beliebigen
Zeitpunkt ein Mädchen im Teenageralter, das eigentlich in der Schule
sein sollte, stattdessen ein kokainsüchtiges Kind gebärt. Jim hat deshalb gehandelt. Er stellte sich an
die Spitze einer aus privaten Mitteln
finanzierten Partnerschaft zur Drogenbekämpfung, um mit Werbe- und Medienfirmen zusammenzuarbeiten.
Ihre
Partnerschaft ist heute entschlossen,

- 5 -

�mit unserer Strategie zusammenzuarbeiten, indem sie Aufklärungskampagnen im Wert von einer Million Dollar
pro Tag - und das für jeden Tag in
den nächsten drei Jahren - produziert, also eine Milliarde Dollar an
Werbung zur Förderung des Feldzugs
gegen Drogen bereitstellt.

verwirklicht werden - und zwar sofort. Das nächste Haushaltsjahr beginnt in nur 26 Tagen. Ich bitte also heute abend den Kongreß, der uns
bei der Formulierung dieser Strategie
unterstützt hat, uns bei seiner unmittelbaren Verwirklichung zu helfen.
Wir können diesen Kampf gegen
Drogen bezahlen ohne Steuern zu erhöhen oder das Haushaltsdefizit zu vergrößern. Wir haben dem Kongreß unseren Plan zugeleitet, der aufzeigt,
wie er in den Grenzen unserer überparteilichen Haushaltsvereinbarung zu
finanzieren ist.

Als Präsident besteht eine meiner
vornehmsten Pflichten darin, die Aufmerksamkeit der Nation weiter auf unsere Offensive gegen Drogen zu lenken. Ich werde also nächste Woche in
einer besonderen Fernsehansprache den
Feldzug gegen Drogen in die Klassenzimmer tragen und hoffe, daß er jede
Schule und jeden jungen Amerikaner
erreichen wird. Die Erziehung gegen
Drogen beginnt jedoch nicht im Klassenzimmer oder vor dem Fernseher.
Sie muß zu Hause und in der Nachbarschaft beginnen. Eltern und Familien
müssen ein Beispiel für ein drogenfreies Leben geben. Und wenn Familien
auseinanderbrechen,
müssen
Freunde und Nachbarn helfen.

Ich weiß, daß manch einer trotzdem sagen wird, wir gäben nicht genug
aus.
Aber diejenigen, die unsere
Strategie nur nach deren Kosten beurteilen, verstehen einfach das Problem
nicht. Täuschen wir uns nicht: Wir
alle haben in der Vergangenheit gesehen, daß unsere schwierigsten Probleme mit Geld allein nicht zu lösen
sind.

Dies sind die wichtigsten Elemente unserer Strategie zur Drogenbekämpfung. Sie alle sind darauf ausgerichtet, sich gegenseitig zu verstärken und ein umfassendes Ganzes zu
ergeben, um das Problem an allen Ekken und Enden energisch zu bekämpfen.
Dies ist das erste Mal in der Geschichte unseres Landes, daß wir eine
wirklich umfassende Strategie haben.

Unsere Strategie benötigt diese
Mittel, um durchschlagend und wirksam
zu sein. Es gibt jedoch nichts, was
mit einem vereinten Amerika, einem
entschlossenen Amerika und einem zornigen Amerika vergleichbar wäre. Unsere Wut über Drogen vereint uns,
schweißt uns in diesem einen Aktionsplan zusammen, einem Angriff an allen
Fronten.

Wie Sie sich denken können, ist
ein solcher Ansatz nicht billig. Im
vergangenen Februar habe ich im Drogenbudget für das kommende Jahr einen
Zuwachs von 700 Millionen Dollar beantragt. In den letzten sechs Monaten sorgfältiger Untersuchungen haben
wir einen unmittelbaren Bedarf von
weiteren 1,5 Milliarden Dollar festgestellt.
Mit diesen zusätzlichen
2,2 Milliarden Dollar wird unser Drogenbudget im Jahr 1990 nahezu 8 Milliarden Dollar erreichen - dies ist
der stärkste Zuwachs in unserer Geschichte.

Dies ist die schwerste innenpolitische Herausforderung seit Jahrzehnten, und wir müssen uns dieser Herausforderung stellen - nicht als Demokraten oder Republikaner, als Liberale oder Konservative, sondern als
Amerikaner. Der Schlüssel liegt in
einer koordinierten, gemeinsamen Anstrengung. Wir haben auf den Antrag
des Kongresses zur Erstellung der ersten nationalen Strategie zur Drogenbekämpfung aufrichtig reagiert. Ich
werde mich auf die führende Rolle und
die überparteiliche Unterstützung der
demokratischen Mehrheit und unserer
republikanischen Abgeordneten im Kongreß stützen. Unsere Mitbürger ver-

Dieses

Programm

muß

vollständig

�dienen Zusammenarbeit, nicht Konkurrenz, eine nationale Anstrengung,
keinen Parteienstreit.

auf dem Spiel.

Um einen Anfang zu machen, muß
der Kongreß nicht nur zu dieser nationalen Strategie zur Drogenbekämpfung handeln, sondern auch zu unserem
Paket zur Verbrechensbekämpfung vom
letzten Mai. Mit diesem Paket sollen
Strafen verschärft, die Strafverfolgung verstärkt und 24 000 neue Gefängnisplätze geschaffen werden.

Vor nicht allzu langer Zeit las
ich in einer Zeitung die Geschichte
über einen kleinen Jungen namens
Dooney, der bis vor kurzem in einem
Crack-Haus in einem Vorort von Washington labte. In Dooneys Nachbarschaft zucken Kinder beim Geräusch
von Schüssen nicht zusammen, und wenn
sie spielen, tun sie so, als verkauften sie einander kleine weiße Steine,
die sie Crack nennen.

Sie und ich wissen, daß die Bundesregierung dies nicht allein bewältigen kann. Die Einzelstaaten müssen
schärfere Bundesgesetze durch schärfere Staatsgesetze ergänzen - die Bestimmungen für Kautionen, Bewährung,
Hafturlaub und Verurteilungen verschärfen.

Das Leben Zuhause war so grausam,
daß Dooney seine Lehrer bat, auf dem
Boden der Schule schlafen zu dürfen.
Und als man ihn nach der Zukunft
fragte, erwiderte der sechsjährige
Dooney:
"Ich möchte keine Drogen
verkaufen, aber wahrscheinlich muß
ich es tun."

Wir benötigen Ihre Hilfe. Wenn
Menschen in Ihrem Bekanntenkreis Drogen nehmen, helfen Sie Ihnen, davon
loszukommen. Wenn Sie Eltern sind,
sprechen Sie mit Ihren Kindern über
Drogen - noch heute abend.

Nun, Dooney muß keine Drogen verkaufen. Kein Kind in den Vereinigten
Staaten soll so leben müssen. Zusammen, als Volk, können wir diese Kinder retten. Wir haben bereits die
nationale Einstellung der Toleranz in
eine Haltung der Verurteilung verändert. Aber der Krieg gegen Drogen
wird nur nach hartem Kampf gewonnen
werden, Nachbarschaft
um Nachbarschaft, Häuserblock um Häuserblock,
Kind um Kind.

Rufen Sie Ihre lokale Beratungsstelle an. Seien Sie ein großer Bruder oder eine große Schwester für ein
Kind in Not. Beteiligen Sie sich an
Ihrem
nachbarschaftlichen
Uberwachungsprogramm.
Ob Sie Ihre Zeit
oder Ihre Talente einbringen, jeder
zählt.
Jedes Unternehmen, das Drogen vom
Arbeitsplatz verbannt.
Jede Schule, die hart gegen Drogenkonsum vorgeht.
Jede Nachbarschaft, in der Drogen
nicht willkommen sind.

Wenn wir diesen Krieg als geteilte Nation führen, dann haben wir ihn
schon verloren. Aber wenn wir diesem
Unheil als vereinte Nation entgegentreten, wird es nichts als eine Handvoll nutzloser Chemikalien darstellen.
Sieg. Sieg über die Drogen ist
unser Anliegen, eine gerechte Sache,
und mit Ihrer Hilfe werden wir gewinnen.

Am wichtigsten jedoch ist jeder
von Ihnen, der sich weigert, wegzusehen. Jeder von Ihnen zählt.
Natürlich werden für einen Sieg
harte Arbeit und Zeit erforderlich
sein. Aber zusammen werden wir gewinnen - zu viele junge Leben stehen
- 7 -

*****

�^°^&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

34

13. September 1989
MARESCA:

"BEACHTLICHE FORTSCHRITTE" BEI VSBM-GESPRÄCHEN

- Erklärung des Leiters der amerikanischen Delegation -

WIEN - (AD) - Bei den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) sind bereits "beachtliche Fortschritte" erzielt worden,
erklärte der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter John Maresca,
bei der Eröffnung der dritten Verhandlungsrunde am 8. September 1989 in Wien.
Was die VSBM-Gespräche erreicht haben, hat auch "maßgeblichen und positi- ven
Einfluß auf die Rüstungskontrolle insgesamt gehabt", fügte Maresca hinzu. Dem
Botschafter zufolge können die Verhandlungen jetzt "sehr wohl Fortschritte
machen, aber frühzeitige positive Schlußfolgerungen können nur gezogen werden,
wenn Vorschläge, bei denen voraussichtliche kein Konsens erzielt werden kann,
ausgeklammert werden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Botschafter Maresca im
Wortlaut.

Wie die anderen Redner am heutigen Vormittag möchte auch ich die Befriedigung meiner Delegation zum Ausdruck bringen, zur Eröffnung dieser
dritten Verhandlungsrunde wieder in
Wien sein zu können. Wir sehen weiteren fruchtbaren Sitzungen und der
engen Zusammenarbeit mit Ihnen allen
gerne entgegen.
Herr Vorsitzender, während der
Sommerpause bin ich zu Konsultationen
nach Washington zurückgekehrt.
In
den Gesprächen mit hochrangigen Vertretern des Weißen Hauses, des Aussen- und
Verteidigungsministeriums
sowie anderen Regierungsinstitutionen
habe ich von den beachtlichen Fortschritten berichtet, die wir bei diesen Verhandlungen bisher verzeichnen
konnten. Bei meinen Gesprächen habe

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ich den Eindruck gewonnen, daß Washington den VSBM-Verhandlungen zunehmende Bedeutung beimißt.
Die
politisch
Verantwortlichen
meines Landes sind sich der besonderen Bedeutung von Rüstungskontrolle
bei den im Rahmen der KSZE geführten
Verhandlungen voll und ganz bewußt.
Es wird immer deutlicher, daß die zunächst bei den 35 KSZE-Teilnehmerstaaten verzeichneten Erfolge auch
maßgeblichen und positiven Einfluß
auf die Rüstungskontrolle insgesamt
gehabt haben. Helsinki hat die Tür
zur Beobachtung von Übungen geöffnet.
In Madrid wurde zum ersten Mal Einigung über die Zone vom Atlantik bis
zum Ural erzielt. In Stockholm wurde
das Konzept von Ad-hoc-Inspektionen
verabschiedet.
Diese Entwicklungen

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�haben den Weg zu Fortschritten in anderen Bereichen der Rüstungskontrolle
geebnet.
1

Es liegt für mich auf der Hand,
daß diese Vorreiterfunktion auch Einfluß auf die Wiener Verhandlungen gehabt hat. Der reguläre Austausch militärischer Informationen hat meiner
Ansicht nach jetzt auch Eingang in
dieses Forum gefunden. Dies stellt
einen wichtigen Schritt nach vorne
dar, der ausschließlich positive Auswirkungen auf das gesamte Spektrum
der derzeit stattfindenden Rüstungskontrollgespräche haben wird. Natürlich haben wir uns noch nicht auf alle Einzelheiten des Informationsaustauschs geeinigt. Eine Herausforderung liegt in der Erarbeitung eines
Konsenses zu den unterschiedlichen
Ansätzen, die in dem westlichen Vorschlag, dem inoffizellen polnischen
Papier des vergangenen Sommers und
dem von den neutralen und blockfreien
Delegationen unterbreiteten Vorschlag
enthalten sind. Meines Erachtens ist
jedoch mit der grundsätzlichen Zustimmung zu einem solchen Austausch
bereits ein Durchbruch erzielt worden.
Es gibt noch einen anderen Bereich, in dem diese Verhandlungsrunde
den Weg nach vorne weist - und der
besteht in der vorgeschlagenen Erörterung der jeweiligen Militärdoktrin
in Form eines Seminars. Auch hier
scheint sich umfassende Zustimmung
zum Konzept eines solchen Seminars
abzuzeichnen. Ich habe den Eindruck,
daß die Ad-hoc-Arbeitsgruppe, die mit
der Vorbereitung dieses Seminars befaßt ist, jetzt zu einer sachlichen
Erörterung der Tagesordnung und Modalitäten für diese Veranstaltung in
der Lage ist. Wenn unsere Bestrebungen erfolgreich sind, wird diese Verhandlungsrunde zum ersten Informationsaustausch über Militärdoktrin zwischen den jeweiligen Regierungen führen, der je stattgefunden hat. Dialog ist insbesondere in der heutigen
Zeit von vorrangiger Bedeutung und
meine Delegation würde in der Zustimmung zu einem solchen Seminar eine
Errungenschaft von beachtlicher mög- 2

licher Tragweite sehen.
Zusätzlich zu den beeindruckenden
Fortschritten im Hinblick auf den Informationsaustausch und das Seminar
zur Militärdoktrin konnten auch in
anderen Bereichen bedeutende Fortschritte verzeichnet werden.
Unter
der generellen Bezeichnung "Verbesserungen der Stockholmer Maßnahmen" haben sich einige Gemeinsamkeiten abgezeichnet. Es scheint sich jetzt die
umfassende Zustimmung zu dem Gedanken
abzuzeichnen, daß unser Schlußdokument eine Reihe von Verbesserungen
der Stockholmer Maßnahmen enthalten
sollte, die unserer einhelligen Meinung nach zur besseren Verwirklichung
eines Dokuments führen werden, das
bereits als Erfolg der Rüstungskontrolle eingestuft worden ist. Auch
diese Bereiche scheinen reif für weitere Fortschritte im Verlauf dieser
Verhandlungsrunde.
Herr Vorsitzender, bei diesen
Verhandlungen können jetzt sehr wohl
Fortschritte
erzielt werden.
Wir
müssen jedoch auch realistisch sein.
Die Gemeinsamkeiten, die sich in den
ersten beiden Verhandlungsrunden abgezeichnet haben, können nur zu frühzeitigen positiven Schlußfolgerungen
führen, wenn Vorschläge, bei denen
voraussichtlich kein Konsens erzielt
werden kann, ausgeklammert werden.
Das ist zweifelsohne die schwierigste
- wenn nicht sogar schmerzlichste Aufgabe, mit der wir uns konfrontiert
sehen, aber ein Sondierungsprozeß ist
unabdingbar und wir werden uns ihm
stellen.
Meine Delegation ist zur
Zusammenarbeit mit Ihnen allen bereit, um diese Gespräche auf der
Grundlage eines Konsenses voranzubringen. Das ist unser gemeinsames
Ziel für Runde III.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

13. September 1989

34

BUSH: DROGENKONSUM MUSS WELTWEIT BEKÄMPFT WERDEN
Internationaler Teil der Drogenstrategie des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Bei der Formulierung einer amerikanischen Strategie
zur Bekämpfung der weltweiten Verbreitung von Drogen sind Präsident Bush zufolge Programme unabdingbar, mit denen andere Länder zum Kampf gegen die Herstellung und den Handel mit Drogen auf internationaler Ebene ermutigt werden
sollen. In seinem Strategiepapier zur nationalen Drogenbekämpfung betonte
Bush am 5. September 1989, daß die Vereinigten Staaten die Kosten und Verantwortung für die Drogenbekämpfung nicht alleine tragen könnten. Aus diesem
Grund, so Bush, "muß ein Eckpfeiler unserer internationalen Drogenpolitik die
Entschlossenheit sein, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten und sie zur Mobilisierung ihrer Ressourcen im Kampf gegen den Drogenschmuggel zu ermutigen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Teil des Strategiepapiers des Präsidenten, der sich mit internationalen Belangen befaßt, im Wortlaut.
Internationale Prioritäten
Zerschlagung
Drogenmafia.
-

und

Auflösung

Nachrichtenerfassung gegründet.
der

Verringerter
Kokainnachschub.
Den drei Kokain produzierenden
Andenstaaten wird Hilfe bei der
Strafverfolgung sowie militärische und wirtschaftliche Unterstützung gewährt, um die wichtigsten Koka-Anbaugebiete zu isolieren, Lieferungen von zur KokainVerarbeitung verwendeten Chemikalien abzufangen, die Kokain-Hydrochlorid verarbeitenden Labors
zu zerstören und Drogenhändlerringe auszuheben. Im Transitbereich werden die Maßnahmen verstärkt, und im Karibischen Becken
wird ein gemeinsames Zentrum zur

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Unterbindung des Heroinnachschubs
durch Bestrebungen, andere Länder
zu überzeugen, auf Opiumanpflanzer einzuwirken und Heroinverarbeitung und -vertrieb abzubauen.
Unterbindung des Marihuananachschubs durch verstärkte Strafverfolgung im Ausland und Vernichtung der Felder sowie durch Bestrebungen, Länder mit geringen
Marihuanaanpflanzungen davon zu
abzuhalten, große Mengen anzubauen.
Unterstützung
der
Vereinigten
Staaten und Ermutigung von Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaft und auf multilateraler

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Telex: 8-85432

�Ebene, die die Anbau- und Transdtländer, Verteilernetze sowie
den Verbrauch in Europa zum Ziel
haben. Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft beim Kampf
gegen die internationale und regionale Drogenmafia.
Andere internationale Ziele:
Das Drogenproblem wird ein Punkt
der bilateralen Außenpolitik.
Ratifizierung der Konvention der
Vereinten Nationen gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen
und
psychotropen
Stoffen
durch die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen noch zu verabschiedenden Verträgen über gegenseitige Rechtshilfe. Andere Länder werden zur Ratifizierung der
Konvention aufgefordert.
Unterstützung des Genehmigungsverfahrens für Auslandshilfe der
Vereinigten
Staaten,
um
eine
wirksamere Einhaltung der amerikanischen
Drogenbekämpfungsziele
in den Anbau- und Transitländern
zu gewährleisten.
Bilaterale und multilaterale Bestrebungen
zur Bekämpfung der
Geldwäsche
auf
internationaler
Ebene.
Internationale Initiativen
Die Herkunft der gefährlichsten
Drogen, die unser Land bedrohen, ist
im wesentlichen auf internationaler
Ebene zu suchen. Wenige ausländische
Bedrohungen sind kostspieliger für
die
amerikanische
Volkswirtschaft.
Keine richtet mehr Schaden an unseren
nationalen Werten und Institutionen
an oder zerstört mehr Leben in den
Vereinigten
Staaten.
Während die
meisten internationalen Bedrohungen
potentiell bestehen, sind die im Drogenhandel resultierenden Schäden und
Gewalttaten alles beherrschende Realität. Drogen sind eine entscheidende Bedrohung unserer nationalen

Sicherheit.
Eine umfassende Drogenkontrollstrategie muß Programme zur wirksamen
Bekämpfung der Herstellung und des
Handels mit Drogen auf internationaler Ebene beinhalten. Diese Programme, die auf die Herstellung von Drogen im Ausland abzielen, unterstützen
die damit einhergehenden Konzepte der
Abschreckung
und
Vernichtung
und
stellen eine Erweiterung der Strafgerichtsbarkeit im Inland dar, indem
die Bekämpfung der multinationalen
Drogenmafia über unsere Grenzen hinausgetragen wird.
Sie tragen dazu
bei, daß wir den Drogenhandel vom Anbau bis zur Ankunft in den Vereinigten Staaten unterbinden können und
das Problem nicht nur auf unseren
Straßen in Angriff nehmen.
Wirksame internationale Bestrebungen gestatten uns, in diesem Kampf
auf die Ressourcen anderer Nationen
zurückzugreifen. Unser Land kann die
Verantwortung oder Kosten der Drogenbekämpfung nicht alleine übernehmen.
Genausowenig können wir erwarten, die
Bedrohung ohne gegenseitige Unterstützung zu bekämpfen. Ein Eckpfeiler unserer internationalen Drogenpolitik muß die Entschlossenheit sein,
mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten und sie zur Mobilisierung ihrer
Ressourcen im Kampf gegen den Drogenhandel zu ermutigen. Nur durch umfassende, gemeinsame internationale
Bestrebungen können wir den Drogennachschub aus dem Ausland verringern
und andere Länder ermutigen, uns in
unseren Bemühungen zur Drogenkontrolle zu unterstützen und die Drogengefahr selbst zu bekämpfen.
In den meisten Fällen werden die
Drogen nicht von den Konsumenten ins
Land gebracht - Einzelpersonen, die
genug für den eigenen Bedarf oder den
ihrer Freunde einschmuggeln.
Die
Mehrzahl vor allem der gefährlichsten
Drogen wird von multinationalen Verbrechersyndikaten angebaut, verarbeitet und in die Vereinigten Staaten
verschifft oder geliefert.
Unsere
internationalen Bestrebungen zur Dro-

�genbekämpfung müssen sich daher vornehmlich auf die Gruppen und ihre
Bosse richten, die den Handel gefährlicher Drogen in die Vereinigten
Staaten und andere Länder organisieren und kanalisieren. Jedes einzelne
Element dieser Organisationen muß von
der Herstellung, Verarbeitung, Lieferung, Verteilung bis hin zu den Finanznetzen bekämpft werden. Im Einklang mit unseren und den Gesetzen
anderer Länder müssen wir handeln, um
den internationalen Drogenhandel zu
zerschlagen und aufzulösen, so daß
die Drogenhändler um ihr Geschäft gebracht werden. Darüber hinaus müssen
wir in größtmöglichem Umfang den
Transport und Handel mit Drogen in
den Erzeugerländern vereiteln, da die
Unterbindung des Drogenschmuggels in
die Vereinigten Staaten ein unverhältnismäßig komplizierteres, teureres und weniger wirksames Mittel zum
Abbau des Drogennachschubs in unser
Land ist.

Kokain, Heroin, Marihuana und andere
Drogen
Heute stellen zwei Drogen - Kokain und Heroin - die ernsthafteste Bedrohung der Vereinigten Staaten dar.
Praktisch das gesamte in den Vereinigten
Staaten konsumierte Kokain
stammt von in Peru (60 Prozent), Bolivien (30 Prozent) und Kolumbien (10
Prozent) angebautem Koka. 80 Prozent
des in den Vereinigten Staaten angebotenen Kokains wird in Kolumbien
verarbeitet und verschifft. Zusätzlich zu den Verbrechen und Gewalttaten, die der Kokainhandel in den Vereinigten Staaten mit sich bringt, ist
die Kokain herstellende Industrie direkt für Gewalt, drogenbezogene Korruption und Einschüchterung durch die
Drogenhändler gegenüber Einzelpersonen und Regierungen in den Andenländern verantwortlich, in denen das Kokablatt angebaut wird.
Sie alle
schließen sich zusammen, um die Bemühungen der Regierungen der Andenstaaten bei der Drogenbekämpfung zu vereiteln.

Darüber hinaus ist der Kokainhandel in der Andenregion nur eine von
vielen Bedrohungen.
Wirtschaftliche
Unsicherheit und politische Rebellion
sind ebenso ernsthafte Herausforderungen für demokratische Institutionen und die Stabilität in diesem Gebiet. Diese drei Faktoren gehen Hand
in Hand: die isolierte Bewältigung
eines Problems, ohne gleichzeitig
auch die anderen anzugehen, wird
wahrscheinlich nicht zu einem Abbau
des Kokainnachschubs
führen.
Die
Herausforderung besteht darin, die
Regierungen der Kokain herstellenden
Länder zur Zusammenarbeit mit uns zu
motivieren, um der Kokainindustrie
einem empfindlichen Schlag zu versetzen, während diese Länder gleichzeitig ihre eigenen Programme zur Drogenbekämpfung durchführen. Umfassende und kontinuierliche mehrjährige
Bestrebungen, die wirtschaftliche und
militärische Unterstützung sowie Hilfe bei der Strafverfolgung beinhalten, werden zur Verwirklichung dieses
Ziels in die Tat umgesetzt.
Die
Zielsetzung dieser Bestrebungen muß
folgendermaßen
lauten:
Isolierung
der Hauptanbaugebiete von Koka in Peru und Bolivien, Unterbindung von
Lieferungen der zur Kokainverarbeitung unerläßlichen chemischen Grundstoffe in diesen Ländern, Zerstörung
der Einrichtungen, in denen KokainHydrochlorid verarbeitet wird, Zerschlagung der Drogenhändlerringe sowie Vernichtung der Kokaernte, wenn
dies mit einer wirksamen Strategie
gewährleistet werden kann. Wir können und müssen diese Ziele mit einem
möglichst geringen direkten Einsatz
amerikanischen Personals verwirklichen.
Das ist ein entscheidender
Punkt. Die Länder der Region müssen
die Hauptlast selbst tragen.
Um die regionale Unterstützung
dieser Zielsetzungen zu verbessern,
müssen wir die Zusammenarbeit mit den
Regierungen der Koka anbauenden Länder intensivieren. Dies sollte die
Einberufung einer Drogen-Gipfelkonferenz der Andenstaaten im kommenden
Jahr beinhalten. Unsere Teilnahme an
einer solchen Konferenz würde einen

- 3 -

�umfassenden Gedankenaustausch zu dem
Problem gestatten, uns Gelegenheit
zur Erläuterung unserer angebots- und
nachfrageorientierten Strategien geben und im Idealfall ein Abkommen
zwischen den Vereinigten Staaten und
den Andenstaaten über unsere Hauptziele und Strategien in dieser Region
hervorbringen. Darüber hinaus könnte
die
Koordinierung
der
regionalen
Strafverfolgung unter den Andenstaaten erwogen werden sowie gemeinsame
Maßnahmen zum Abbau der Nachfrage
nach Drogen in diesen Staaten. Zur
weiteren Unterstützung von Kokainbekämpfungs- und
Drogenkontrollprogrammen, die auf Opium und andere Substanzen abzielen, sollten die Vereinigten Staaten diplomatische Initiativen in die Wege leiten, um erweiterte Zusagen für materielle Hilfe
aus anderen Geber- und Verbraucherländern sicherzustellen.
Da die überwiegende Mehrheit der
Kokainlieferungen über Mittelamerika,
Mexiko und die Karibik in die Vereinigten Staaten gelangen, müssen wir
darüber hinaus verstärkt Programme
zur Verbesserung der Drogenbekämpfung
in diesen Transitgebieten entwickeln.
In diesem Zusammenhang hat die jüngste Erweiterung des gemeinsamen Zentrums zur Nachrichtenerfassung, dank
dem die Vereinigten Staaten und die
Regierungen des Karibischen Beckens
nachrichtendienstliche
Erkenntnisse
über Drogenziele sammeln und austauschen konnten, wertvolle Möglichkeiten eröffnet. Mit der verbesserten
Technik können 26 Länder der Karibik
miteinander und mit den amerikanischen Strafvollzugsbehörden über INTERPOL Verbindung aufnehmen, was zu
einer weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit in diesem Gebiet beigetragen hat.
Zusätzlich zur Unterstützung dieser Bemühungen können die
Vereinigten Staaten einen entscheidenden Beitrag zu den Strafverfolgungsmaßnahmen der Transitländer leisten, von Ausbildung und technischer
Hilfe bis hin zu operativer Unterstützung der Drogenbekämpfungsmaßnahmen. Auch hier müssen die Organisationen und Personen, die den Drogen-

handel leiten und handhaben, im Mittelpunkt stehen.
Opium und sein gefährlichstes Derivat, Heroin, werfen eine Reihe von
Problemen auf, die ganz anders gelagert sind als bei Kokain. Der Umfang
der weltweiten Heroinproduktion, der
weit über den derzeitigen Konsum in
den Vereinigten Staaten hinausgeht,
wächst weiter an. Mit Ausnahme von
Thailand hat jedes Opium produzierende Land im Jahr 1988 sein bisheriges
Produktionsniveau
aufrechterhalten
oder aufgestockt, und die Gesamtzunahme der Opiumproduktion wird 1989
voraussichtlich
anhalten.
In den
beiden führenden Opium produzierenden
Regionen hat Südostasien die Stelle
von Südwestasien
als Hauptversorgungsquelle für unser Land eingenommen.
Die Vereinigten Staaten haben jedoch keinen zwingenden Einfluß auf
die wichtigsten Opium produzierenden
Länder der Welt. Infolgedessen haben
Bestrebungen zum Abbau des Nachschubs, die regionale und internationale Organisationen
oder Entwicklungshilfe umfassen, wenig Aussicht
auf eine maßgebliche Verringerung der
Opiumernten. Eine Strategie zur Eindämmung des Heroinnachschubs in die
Vereinigten Staaten muß daher ausschließlich auf drei Pfeiler gegründet sein:
Überzeugung der Länder,
die Einfluß auf die Opiumanpflanzer
haben, diesen direkt geltend zu machen und Ermutigung von Strafverfolgung und Erntevernichtungsprogrammen
in den Ländern, in denen die Vereinigten Staaten einen gewissen Einfluß
haben; Ausübung des amerikanischen
Einflusses auf Länder, die Verarbeitungs- und Verteilungszentren sind zum
Beispiel
Malaysia,
Thailand,
Hongkong und China und als wirksamstes Mittel Anwendung von Abfangmaßnahmen an der amerikanischen Grenze,
insbesondere in den Ankunftshäfen.
Bessere strategische und operative
nachrichtendienstliche
Erkenntnisse
(die im folgenden Kapitel behandelt
werden) sind unabdingbar zur Verwirklichung dieser Ziele.

�Kolumbien ist der Hauptlieferant
für in den Vereinigten Staaten konsumiertes Marihuana und stellt rund 40
Prozent des gesamten amerikanischen
Bedarfs.
Mexiko produziert 25 Prozent des Verbrauchs in den Vereinigten Staaten und 10 Prozent kommen aus
anderen Ländern. Der übrige amerikanische Markt - 25 Prozent - wird aus
dem Inland beliefert.
Um die Marihuanalieferungen aus dem Ausland einzudämmen, müssen wir Abkommen mit den
Hauptanbauländern
abschließen,
um
ausländische
Strafverfolgungsmaßnahmen durch Avisbildung, logistische und
nachrichtendienst1iche
Unterstützung
zu verbessern. Darüber hinaus müssen
wir dabei behilflich sein, genaue
Schätzungen des Ernteertrags vorzunehmen, auf die sich mit Drogenkontrolle in Verbindung stehende Aktivitäten gründen.
Ferner müssen wir
Erntevernichtungsprogramme
dort unterstützen, wo sie die beste Anwendung finden.
Ein zweites Hauptmerkmal unserer Strategie muß darauf ausgerichtet sein, noch kleine Cannabisanpflanzer in Mittel- und Südamerika, Ostasien und Afrika davon abzuhalten, führende Marihuanalieferanten
zu werden.
Multilaterale Bestrebungen der Verbraucherländer müssen gemeinsam mit bilateralen Initiativen
und
wirksamer
Öffentlichkeitsarbeit
an die spezifischen Gegebenheiten der
Länder angepaßt werden.
In bestimmten Gebieten und unter
gewissen Umständen könnten Erntevernichtungsmaßnahmen
der
beste
und
wirtschaftlichste Ansatz sein, um den
weiteren Anbau von Pflanzen zu verhindern, aus denen Drogen gewonnen
werden können.
In anderen Ländern
kann es genau das Gegenteil bewirken
und Bauern in die Reihen regierungsfeindlicher Rebellen treiben oder in
andere Gebiete vertreiben, die nicht
so leicht zugänglich sind.
Vernichtungsmaßnahmen
funktionieren
wahrscheinlich am besten in solchen Gebieten, in denen wenig oder kein Widerstand vom Gastland geleistet wird,
wo
Strafverfolgungsmaßnahmen
das
Rückgrat der Schmuggelringe gebrochen
haben und Ernteerträge gesunken sind,

wo die Wahrscheinlichkeit einer Ernteverlagerung - die Anpflanzer verlagern ihre Produktion in andere Gebiete - begrenzt ist und echte Beschäftigungsalternativen
bestehen
oder
leicht geschaffen werden können. Bei
Vernichtungsprogranmen muß sorgfältig
von Fall zu Fall abgewogen werden im Hinblick auf mögliche Auswirkungen
auf die Gesamtproduktion des Landes,
auf Rentabilität und Nutzen im Vergleich zu anderen Drogenbekämpfungsprogrammen im selben Land oder Gebiet
und auf ihre möglichen politischen
Konsequenzen.
Zusätzlich zu Kokain, Opium und
Marihuana bedrohen andere gefährliche
Drogen und Substanzen die Nation.
Die Einfuhr von Grundstoffen zur Herstellung
von Methylamphetaminen in
heimischen Labors stellt ein besonderes Problem in den westlichen und
südwestlichen Staaten dar, das nur
noch von Crack als Hauptdrogenproblem
übertroffen wird.
Die illegale Einfuhr von Ergotamin, das bei der Herstellung von LSD verwendet wird und
der Schmuggel von MDMA ("ecstasy")
sowie von Amphetaminen müssen weitere
Ziele unserer Bestrebungen sein.
Um diese eben genannte Reihe von
Problemen bewältigen zu können, müssen
wir
verhindern,
daß Drogenschmuggler Material im großem Umfang
über die kontrollierten aber meist
nicht genügend bewachten Landgrenzen
oder auf dem Luft- oder Seeweg ins
Land bringen. Dies erfordert erweiterte
Vollstreckungsmaßnahmen
der
Grenzposten,
zusätzliche
Fahrzeugund Containerinspektionen und - im
Falle importierter Chemikalien - Einführung
umfassender
internationaler
Kontrollen
und gemeinsamer Uberwachungs- und Strafverfolgungsprogramme
mit anderen Ländern.

Außenpolitische Initiativen
Wir haben durchgreifende Bemühungen unternommen, um einen internationalen
Konsens
über die
Bedrohung
durch den Drogenhandel zu erreichen.

- 5 -

�Ein bedeutender Meilenstein wurde mit
der am 18. Dezember des vergangenen
Jahres in Wien verabschiedeten Konvention der Vereinten Nationen gegen
den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Stoffen erzielt.
Die Konvention fordert die
Bestrafung
von
Produktion, Anbau,
Transport und Handel von Kokain, Heroin, Marihuana und anderen gefährlichen Drogen. Ferner fordert sie, daß
der Handel mit chemischen Grundstoffen sowie die Geldwäsche unter Strafe
gestellt werden und liefert einen
Rahmen für die Beschlagnahme von Vermögen, die Auslieferung von Drogenhändlern, die Abtretung von Strafverfahren, Ausbildungsmaßnahmen und andere Formen der Zusammenarbeit.
Die Konvention ist für wirksame
internationale Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung
des
Drogenhandels
von
grundlegender Bedeutung. Die Vereinigten Staaten müssen sie sobald wie
möglich ratifizieren und Durchführungsgesetze erlassen, um sie wirksam
werden zu lassen. Ferner müssen wir
die Ratifizierung durch andere Länder
zu einer vordringlichen Frage in unseren bilateralen Beziehungen machen,
insbesondere mit den wichtigsten Herstellungs- und
Transitländern
für
Drogen.
In anderen Bereichen Von außenpolitischem Interesse bieten gewisse
Länder und Regionen sowohl den internationalen Drogenhändlern als auch
dem Interesse der Vereinigten Staaten
an der Zerschlagung des internationalen Drogenhandels besondere Möglichkelten.
Dazu gehören: Westeuropa,
wo Drogen zunehmend als unmittelbare
Bedrohung betrachtet werden und der
Konsum, insbesondere von Kokain und
Heroin, ständig zunimmt. Die Sowjetunion und Osteuropa, wo innerhalb von
wenigen Jahren asiatisches Heroin und
andere Drogen das soziale Geflecht
durchdrungen haben. Dies führte im
Juni des vergangenen Jahres zur ersten Ostblockkonferenz über Drogenbekämpfung in Taschkent. Begrenzte und
selektive Zusammenarbeit in mehreren
anderen Ländern und Regionen könnte

den Vereinigten Staaten hohen Nutzen
bei der Bekämpfung von Drogenhändlern
und deren Organisationen einbringen.
Die
amerikanischen
Initiativen
müssen auf bestimmte Situationen zugeschnitten sein.
Im Hinblick auf
Europa zum Beispiel wird die amerikanische Strategie vier Ziele verfolgen: Erstens, der Europäischen Gemeinschaft bei der Entwicklung durchschlagender Maßnahmen, Strategien und
Programme zur Reduzierung der Nachfrage mit dem Ziel zu helfen, den europäischen Drogenmarkt auszuhöhlen,
die Profite aus dem Drogenhandel einschneidend zu verringern und den internationalen Drogenhandel zu schwächen. Zweitens, die Europäischen Gemeinschaft bei der Stärkung ihres eigenen Mechanismus zur Reduzierung des
Angebots zu unterstützen, insbesondere bei Strafverfolgungsmaßnahmen sowie Austausch von Aufklärungsergebnissen und Informationen. Drittens,
die Einbindung von Staaten der Europäischen Gemeinschaft in multilaterale Bemühungen mit den Vereinigten
Staaten, um die Produktion, Weiterverarbeitung und den Handel, insbesondere von Kokain und Heroin, in den
Produktions- und Transitländern unter
Kontrolle zu bekommen. Schließlich,
Sicherung der Unterstützung seitens
der EG für Maßnahmen internationaler
und regionaler Organisationen mit Beteiligung der Herstellungsländer und
-gebiete, insbesondere dort, wo die
Vereinigten Staaten über wenig oder
gar keinen direkten Einfluß verfügen.
Wir müssen bereit sein, unser
Wissen und unser Anliegen mit der Sowjetunion und den osteuropäischen
Staaten zu teilen und diese an kooperativen Maßnahmen zur Drogenbekämpfung teilhaben zu lassen.
Ferner
sollten wir willens sein, von anderen
Ländern, zu denen wir minimale oder
gar keine diplomatischen Beziehungen
unterhalten,
angebotene
besondere
Chancen zu nutzen.
So könnte zum
Beispiel Kuba den Transit von Drogenflugzeugen auf dem weg in die Vereinigten Staaten effektiv blockieren,
anstatt ihn zu fördern. Die kubani-

- 6 -

�sehe Regierung hat die Fähigkeit, den
gegenwärtigen Drogenhandel erheblich
zu stören. Es bleibt abzuwarten, ob
sie dies mit dem nötigen Nachdruck
tun wird.
Eine durchgreifende internationale Strafverfolgung ist ein vordringliches Anliegen.
In demselben Umfang, in dem wir ürogenkonsumenten
und Drogenhändler in unserem eigenen
Land für ihre Taten zur Verantwortung
ziehen, müssen wir anderen Staaten
dabei helfen, ihre Fähigkeiten zur
Strafverfolgung sowie ihre gesetzlichen Möglichkeiten zur Bestrafung von
Drogentätern auf deren Territorium zu
stärken. Falls nötig, sollten ausländischen Behörden Fortbildung bei
der Strafverfolgung, besondere Ausrüstung und logistische Unterstützung
gewährt werden. Die Mechanismen zum
Austausch strafrechtlich relevanter
Informationen mit ausländischen Regierungen sollten ebenfalls verbessert werden.
Wir sollten uns um Abkommen mit
den wichtigsten Herkunftsländern von
Drogen bemühen, um die internationale
Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung zu verbessern. Solche kooperativen Bemühungen sollten beinhalten:
Gegenseitige Rechtshilfeabkommen, die
amerikanische
Strafverfolgungsbehörden in die Lage versetzen, im Ausland
vor amerikanischen Gerichten verwertbares Beweismaterial zu sammeln und
die ermittlungstechnische und strafrechtliche Unterstützung zwischen den
Vereinigten Staaten und den Vertragspartnern erleichtern würden; Auslieferungsabkommen; Abkommen zur Stärkung der in anderen Staaten bestehenden Gesetze gegen Verschwörung; bedeutende Maßnahmen zur Beschlagnahme
von Vermögen und gezielte finanzielle
Maßnahmen. Die schon seit vielen Monaten dem Senat vorliegenden Rechtshilf eabkommen müssen ratifiziert werden.
Wir sollten ferner auf die Beteiligung der Industriestaaten - darunter die EG-Mitgliedstaaten, Japan,
Australien und Kanada - bei der Bil-

dung einer ständigen Konsultativgruppe zur Unterstützung von Maßnahmen
zur Drogenbekämpfung durch die Herkunftsländer drängen.
Wir müssen weiterhin den Ländern
bei ihren Programmen zur Drogenbekämpfung durch bestehende internationale und
regionale Organisationen
helfen - einschließlich der Vereinten
Nationen. Unsere Unterstützung dieser Organisationen muß jedoch gute
Aussichten für die Verstärkung des
internationalen Engagements zur Drogenbekämpfung in sich bergen.
Die
amerikanische Unterstützung kann kein
Ersatz für die Konzentration und den
Einfluß sein, der durch speziell auf
Drogen ausgerichtete bilaterale und
multilaterale Abkommen
zum Tragen
kommt.
Konzertierte, von den führenden
Politikern der verschiedenen Staaten
geleitete internationale Bemühungen
sind notwendig, um in der Weltmeinung
zum Drogenproblem einen grundlegenden
Umschwung herbeizuführen. Vorrangige
Aufmerksamkeit sollte der baldmöglichen Einberufung eines Drogengipfels
zukommen, auf dem Herkunfts-, Transit- und Verbraucherländer vertreten
sind - jedoch nur nach sorgfältiger
Vorbereitung, einschließlich Konsultationen mit allen beteiligten Staaten sowie nur nachdem wir mit den politisch Verantwortlichen der Andenstaaten zusammengetroffen sind.
Die rechtlich vorgeschriebene Bescheinigung für wichtige Drogenherstellungs- und Transitländer kann zur
Bekämpfung des internationalen Drogenhandels und der Drogenherstellung
eingesetzt werden.
Diese nach der
Verabschiedung
des Gesetzes gegen
Drogenmißbrauch von 1986 in Kraft getretene
Bescheinigungsvorschrift
stellt eine direkte Beziehung zwischen der amerikanischen Unterstützung für wichtige Herstellungs- und
Transitländer von Drogen und deren
positivem Verhalten bei der Drogenbekämpfung her. Der Präsident muß die
Angemessenheit der Bemühungen dieser
Länder zur Unterbindung von unerlaub-

- 7 -

�ter Produktion, Handel und Geldwäsche
oder ihre umfassende Zusammenarbeit
mit amerikanischen Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenhandels bescheinigen. Falls der Präsident einem Land
diese Bescheinigung verweigert oder
wenn der Kongreß sein Veto gegen die
Bescheinigung
einlegt, müssen die
Vereinigten Staaten den Großteil ihrer Wirtschafts- und Militärhilfe zurückbehalten. Das gleiche gilt für
die Unterstützung von Krediten durch
die Weltbank oder andere Institutionen. Der Präsident behält die Option, Konzessionen beim Handel zu gewähren.
Die Androhung der Verweigerung
dieser Bescheinigung kann die Beziehungen mit Ländern belasten, in denen
für uns wichtige außenpolitische Interessen auf dem Spiel stehen. Richtig eingesetzt kann sie jedoch ein
wichtiges Instrument darstellen, um
ausländische Regierungen zu motivieren, bei der Bekämpfung des Drogenhandels Hilfe zu leisten. Überdies
unterstützt das Bescheinigungsverfahren unsere Position, daß in demselben
Maße, wie wir uns für die Verringerung der unersättlichen Nachfrage
nach Drogen in unserem Land einsetzen, sich auch jede ausländische Regierung für die Eindämmung des Drogenproblems auf ihrem eigenen Territorium engagieren muß. Kurzum: Regierungen müssen für ihre Leistungen
oder Versäumnisse verantwortlich gemacht werden. In den bilateralen Beziehungen mit Herstellungs- und Transitländern von Drogen müssen die Vereinigten Staaten deshalb die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit unseren Bemühungen zur Drogenbekämpfung
sowie davon unabhängiger effektiver
Maßnahmen zur Unterbindung des Drogenhandels betonen.
Ferner müssen
wir bereit sein, denjenigen Ländern
die Bescheinigung zu verweigern, die
willentlich den Drogenhändlern gestatten, ihre Operationen von deren
Territorium aus durchzuführen.
Um
die Wirksamkeit des Bescheinigungsverfahrens zu stärken, sollten wir
ferner danach streben, mit jedem Herstellungs- und Transitland jährliche

und langfristige Zielvorgaben zu vereinbaren.
Auch in der diplomatischen Öffentlichkeitsarbeit ist ein energisches, koordiniertes Programm unerläßlich, wenn die Vereinigten Staaten
beabsichtigen, die Unterstützung ihrer internationalen Ziele in der Drogenbekämpfung zu verbreitern. In der
Vergangenheit wurden die Programme in
diesem Bereich durch den Mangel an
Bedeutung abgeschwächt, der dem Drogenproblem als außenpolitisches Anliegen von unserem Land beigemessen
wurde. In der diplomatischen Öffentlichkeitsarbeit müssen wir ein breitgefächertes, sinnvolles Programm in
einer Art und Welse entwickeln und
zum Ausdruck bringen, die das Ausmaß
der internationalen Ablehnung gegenüber Drogen verstärkt und staatliche
und private Maßnahmen zur Beseitigung
von Drogenproduktion, -handel und
-verbrauch in der ganzen Welt fördert.
Unsere Programme in der Öffentlichkeitsarbeit
sollten anderen
Ländern dabei helfen, die Nachfrage
nach Drogen zu verringern und sollten
die internationale Unterstützung für
bilaterale und multilaterale Strategien und Programme der Vereinigten
Staaten fördern. Insbesondere sollten sie sich auf die Verbraucherländer konzentrieren. Alle erdenklichen
Anstrengungen
sollten
unternommen
werden, um diesen Ländern die benötigten Informationen über erfolgreiche amerikanische Strategien und Programme zur Senkung der Nachfrage zu
verschaffen.

Die Abzweigung chemischer Grundstoffe und Geldwäsche
Aus dem kommerziellen Handel abgezweigte Chemikalien sind für die
Herstellung von Kokain, Heroin und
Drogen wie Methylamphetamin, PCP and
LSD unerläßlich.
Tatsächlich wird
das meiste in unser Land geschmuggelte Kokain mit Hilfe von Chemikalien
verarbeitet, die von amerikanischen
Unternehmen exportiert wurden, und
fast alle Methylamphetamine, LSD und

- 8 -

�PCP werden mit Hilfe von Chemikalien
amerikanischer Firmen illegal hergestellt. Einige Firmen und Vertreiber
sind unwissentlich darin verstrickt.
Andere sind kriminelle Komplizen. In
beiden Fällen müssen wir versuchen,
den Vertrieb von chemischen Substanzen zu unterbinden, die zur Herstellung von Drogen benutzt werden, ob
sie in das betreffende Land eingeschmuggelt oder dort produziert werden.
Drei Strategien werden benötigt.
Wir müssen strenge Kontrollen für die
Ausfuhr
von Chemikalien einführen,
die zur unerlaubten Herstellung von
Kokain in Südamerika verwendet werden.
Energische Maßnahmen sind vonnöten, um die Abzweigung chemischer
Substanzen zur unerlaubten Herstellung von Drogen innerhalb der Vereinigten Staaten zu unterbinden. Diese
beiden Strategien werden von einem
Eckpfeiler
der Gesetzgebung unterstützt, dem Gesetz über Abzweigung
und Verkehr chemischer Substanzen von
1988 (Chemical Diversion and Trafficking Act), mit dem ein System zur
Identifizierung, Überwachung und Kontrolle chemischer Lieferungen eingeführt wird, die für den unerlaubten
Drogenhandel abgezweigt werden könnten. Ferner müssen wir auf Vereinbarungen
zur
internationalen
Zusammenarbeit dringen, die einschneidende Kontrollen zur Verhinderung der
Abzweigung chemischer Substanzen unterstützen (wie etwa die obengenannte
UNO-Konvention) sowie die Einführung
von Gesetzen im Ausland, die mit unseren
vergleichbar
sind.
Darüber
hinaus müssen wir uns um die Schaffung
von
Ermittlungs- und
Uberwachungsprogrammen in anderen Ländern
bemühen, die eng mit amerikanischen
Strafverfolgungsbehörden
zusammenarbeiten.

Märkte einzudringen - und diese potentiell zu dominieren -, amerikanische und ausländische Beamte zu korrumpieren sowie ausländische Regierungen zu destabilisieren.
Die Lösung dieses Problems erfordert Aufmerksamkeit auf nationaler Ebene, und
die durch einen Erfolg in diesem Bereich zu gewinnenden Vorteile sind
potentiell sehr hoch. Neben unseren
Bemühungen im Inland - die in diesem
Bericht getrennt behandelt werden müssen wir die Fähigkeiten und Ressourcen anderer
Staaten ins Spiel
bringen, um dazu beizutragen, die im
Ausland angelegten Erträge aus Drogengeschäften zu identifizieren, aufzuspüren, einzufrieren
und zu beschlagnahmen.
Wir müssen weiterhin
auf Internationale Abkommen dringen,
wie etwa die UNO-Konvention, mit denen durchgreifende Maßnahmen zur Kriminalisierung
und
Bestrafung
der
Geldwäsche gefördert werden.
In unseren bilateralen Beziehungen werden
wir andere Regierungen drängen, Geldwäsche
durch
Verabschiedung
einschneidender Maßnahmen unter Strafe
zu stellen und gegen diejenigen Sanktionen zu verhängen, die das internationale Finanzsystem mißbrauchen, um
unrechtmäßig erworbene Mittel zu verschleiern und über nationale Grenzen
zu transferieren.

Ein weiterer entscheidender Bereich, der Anlaß zu Besorgnis gibt,
ist die Geldwäsche. Der Umfang ihres
aus
dem
Drogenhandel
erworbenen
Reichtums
verschafft
ausländischen
Drogenhändlern die Fähigkeit sowohl
in rechtmäßige als auch in illegale
- 9 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

13. September 1989

34

BUSH STEHT VOLL UND GANZ HINTER DEM ZEITPLAN FÜR KSE-PHASE I
- Interview mit KSE-ChefUnterhändler Ledogar -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Chefunterhändler bei den Verhandlungen Über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE), Botschafter Stephen Ledogar, wird am 7. September 1989 mit dem Auftrag von Präsident Bush in die
Sitzungsrunde in Wien gehen, "auf rasche Fortschritte zu einem verifizierbaren
Abkommen hinzuarbeiten".

Der Präsident steht "voll und
ganz" hinter dem beim NATO-Gipfeltreffen im Mai vorgeschlagenen Zeitplan von 6 bis 12 Monaten, erklärte
Ledogar in einem Interview am 31. August 1989.
Der beim NATO-Gipfeltreffen am
Ende der zweiten KSE-Sitzungsrunde im
Juli in Form eines Rahmenabkommens
unterbreitete Vorschlag "forderte den
Ostblock auf", im Einklang mit dem
vorgeschlagenen Zeitplan auf ein Phase I-Abkommen hinzuarbeiten, so Ledogar.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Obwohl "umfangreiche und detaillierte
Verhandlungen
erforderlich
sind" bevor ein Abkommen erzielt werden kann, "scheint es nach wie vor im
Bereich
des Möglichen", daß der
NATO-Zeitplan
eingehalten
werden
kann, erklärte Botschafter Ledogar.
Bis heute hat sich der Warschauer
Pakt "sehr sachlich und ernsthaft
verhalten", fügte er hinzu. "Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß
sich dies ändern wird".
Aber der Westen kann nicht all
die zu bewältigenden Probleme selbst

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�lösen.
"Wir brauchen vernünftige
Partner", erläuterte der Botschafter.
Der
ChefUnterhändler
erklärte,
die Hochrangige Arbeitsgruppe (HLTF)
der NATO sei damit befaßt, Einzelheiten der westlichen Position zu Informationsaustausch, Verifizierung, Stabilisierungs- und
Nichturogehungsmaßnahmen zu erarbeiten. Diese Einzelheiten würden in dem Dokument enthalten sein, das die NATO am 7. September vorlegt, fügte er hinzu.
Eine weitere Frage, die nach wie
vor einen Großteil der Aufmerksamkeit
des Chefunterhändlers erfordern wird,
lautet, wie präzise Definitionen der
fünf "Zähleinheiten" - Waffenkategorien - erarbeitet werden können, mit
denen sich das KSE-Abkommen befaßt.
Im März unterbreitete die NATO
ihren Vorgeschlag zu Obergrenzen bei
Panzern, Schützenpanzern und Geschützen. Im Juli wurden Obergrenzen für
Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber
hinzugefügt.
Gemäß den NATO-Vorschlägen würden beide Seiten jede der
fünf Waffenkategorien auf gleiche Niveaus reduzieren, die unterhalb des
derzeitigen NATO-Stands liegen.
Trotz der Bestrebungen der Sowjetunion werden die Gespräche über
Rüstungskontrolle bei den Seestreitkräften nicht in die KSE-Verhandlungen einbezogen. Darauf einigten sich
alle 23 Mitgliedstaaten der NATO und
des Warschauer Pakts in dem Mandat
vom Januar 1989, mit dem die Verhandlungen ins Leben gerufen wurden, erklärte er.
Ledogar zufolge sind die vorgeschlagenen Obergrenzen bei Panzern
und Schützenpanzern jetzt für die Unterhändler beider Seiten in greifbare
Nähe gerückt, bei Geschützen sind die
Positionen jedoch noch weit voneinan- 2

der entfernt. Dies könnte sich ändern, wenn eine gemeinsame Definition
der Geschütze erarbeitet werden kann,
erklärte er. Der Warschauer Pakt hat
die Zahlen für Kampfflugzeuge und
Hubschrauber noch nicht vorgelegt.
Bis heute haben die Warschauer
Pakt-Staaten die Position vertreten,
nur für Angriffe auf Ziele am Boden
ausgerüstete Flugzeuge - und ihre Definition, welches Gerät in diese Kategorie fällt - sollten in ein KSEAbkommen einbezogen werden. "Meiner
Ansicht nach wissen sie, daß sie eine
unlogische und schwer zu haltende Position vertreten", erklärte der Botschafter. Die Position der NATO ist
"zweifelsohne logischer", fügte er
hinzu.
Wenn der Westen weiterhin das
Prinzip verfolgt "gleich aussehende
Waffen werden gleich gezählt", sollte
es möglich sein, die Unstimmigkeiten
in der Position des Ostblocks zu beheben, erklärte Ledogar. Das Festhalten an dieser Position würde bedeuten, daß alle Flugzeuge des gleichen Typs als solche aufgeführt werden, unabhängig von der jeweiligen
Bauart, mit der die militärischen Fähigkeiten eines Flugzeugs verändert
werden können, stellte der Botschafter fest.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
"VON

Hintergrundmaterial

4

34

13. September 1989

OSTBLOCK AKZEPTIERT NATO-ZEITPLAN FÜR KSE
- Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar bei den KSE-Verhandlungen -

WIEN - (AD) - Der Warschauer Pakt hat Botschafter Stephen Ledogar, dem
amerikanischen ChefUnterhändler bei den Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) zufolge die "Herausforderung" des sechs- bis 12raonatigen Zeitplans der NATO zum Abschluß eines Phase I-Abkommens angenommen.
Bei einer Pressekonferenz in der Wiener Hofburg erklärte Ledogar am 7. September 1989, die Zustimmung des Ostblocks zu dem Zeitplan sei "eine sehr positive
Entwicklung". Weder der Warschauer Pakt noch die NATO haben bei der Eröffnung
der dritten Runde der Gespräche Vorschläge unterbreitet. Ledogar verwies jedoch darauf, daß er einen Vorschlag des Bündnisses "recht bald" erwarte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar 1m Wortlaut.

Heute wurde die dritte Runde der
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) eröffnet.
Heute vormittag war eine Plenarsitzung anberaumt, die im Hinblick
auf
den
allgemeinen
Tenor
sehr
fruchtbar verlaufen ist und von einer
positiven Einstellung gekennzeichnet
war.
Bei den Einzelheiten ließ sie
jedoch noch zu wünschen übrig.
Wir
haben es begrüßt, daß der Ostblock
die Herausforderung der NATO angenommen hat, die am 30. Mai 1989 von den
Staats- und Regierungschefs der NATO
formuliert wurde und die ein erstes
KSE-Abkommen binnen 6 bis 12 Monaten
und die Durchführung des Abkommens
bis 1992 oder 1993 zum Ziel hat.
Dies ist eine sehr positive Entwicklung. Wie ich bereits erwähnt habe,
war die Atmosphäre sehr freundlich,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mit einer Reihe von Absichtserklärungen, Fortschritte erzielen zu wollen,
es wurden jedoch keine Vorschläge unterbreitet.
Heute nachmittag findet
eine
Arbeitsgruppensitzung
statt.
Nun bin ich gerne zur Beantwortung
von Fragen bereit.

Frage:
Warum hat die NATO heute
keine
Stabilisierungsvorschläge
unterbreitet?
Antwort:
Nun, sie
ganz ausformuliert.

waren

noch

nicht

Frage:
Besteht
eine
Möglichkeit,
daß morgen oder in Kürze Stabilisierungsmaßnahmen vorgeschlagen werden?
Antwort:

Die

Konsultationen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

und

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Verhandlungen dauern auch untereinander noch an und ich möchte daher auf
die Probleme nicht im einzelnen eingehen. Es gibt jedoch einen offensichtlichen Schuldigen, der unsere
Bestrebungen in vielen Bereichen kontinuierlich erschwert, und das ist
die geographische Realität.
Frage: Wer ist das?
Antwort:
Es handelt sich hierbei
nicht um eine Person. Die Schwierigkeit liegt im BUndnisgebiet selbst,
das sich wie eine schmale Sichel in
der Form des Neumonds um den riesigen
Kreis
des
Warschauer
Paktgebiets
krümmt.
Wenn
man versucht, die
Streitkräfte des Ostblocks aus Mitteleuropa zu verbannen, lassen sich
Probleme für die Verbündeten nur
schwer vermeiden, die an unseren sogenannten Flanken stationiert sind.
Frage: Wo liegen die größten Probleme bei diesen Verhandlungen?
Antwort:
Wie ich bereits erwähnt
habe, möchte ich auf die Probleme
nicht im einzelnen eingehen, aber der
Aspekt der Geographie sollte im Auge
behalten werden. Es ist eine Tatsache, daß von unseren 16 BUndnisstaaten einige vollständig innerhalb und
andere größtenteils oder ganz außerhalb des Anwendungsbereichs liegen.
Dies
führt
zu
unterschiedlichen
Sichtweisen bestimmter Themenkomplexe. Wir sind uns jedoch meiner Ansicht nach zu 98 Prozent einig, nicht
nur im Hinblick auf die Stabilisierungsmaßnahmen, sondern auch bei allen vier Abschnitten des Kapitels, an
dem wir den ganzen Sommer gearbeitet
haben. Ich erwarte also, daß hier
binnen Kürze etwas in Bewegung gerät.
Frage:
Besteht
die
Möglichkeit,
daß das Paket, das sie heute unterbreiten sollten, morgen oder nächste
Woche vorgelegt wird?
Antwort: Für morgen ist keine Plenarsitzung anberaumt. Man könnte eine einberufen, nehme ich an. Wir bemühen uns jedoch, nicht mit dem Ab-

lauf der anderen hier in Wien abgehaltenen Verhandlungen in Konflikt zu
geraten.
Die nächste Plenarsitzung
findet am kommenden Donnerstag statt.
Frage:
Wo
liegen
die
größten
Schwierigkeiten bei den Verhandlungen?
Antwort: Ich möchte nicht über die
Schwierigkeiten
sprechen,
sondern
vielmehr die Chancen hervorheben, da
wir bei diesen Verhandlungen mit
atemberaubender Geschwindigkeit vorgegangen sind, wenn man es einmal mit
unseren bisherigen Erfahrungen bei
der konventionellen Rüstungskontrolle
vergleicht und sich vor Augen führt,
daß wir dieses Unterfangen erst am 9.
März 1989 begonnen haben. Wir hatten
nur 10 oder 12 Sitzungswochen und haben ganz enorme Fortschritte erzielt.
Aus diesem Grund würde ich es vorziehen, die Betonung auf die Chancen zu
legen. Es trifft sicherlich zu, daß
es Bereiche gibt, in denen wir im Augenblick noch sehr weit voneinander
entfernt sind. In einigen dieser Bereiche können meiner Ansicht nach die
Meinungsverschiedenheiten
ausgeräumt
werden, und wir arbeiten derzeit an
neuen Initiativen unsererseits, die
dazu beitragen können, diese Differenzen zu überbrücken.
Wir warten
jedoch auch auf Initiativen der anderen Seite, die ihrerseits zu Lösungen
beitragen könnten.
Frage:
Grinewski zufolge sind die
Definitionen das schwierigste Problem. Stimmen Sie dem zu?
Antwort: Ja, in dem Sinne, daß das
Problem, das wir als erstes lösen
wollen, die Definitionsfrage ist.
Sie ist der Baustein, ohne den keine
wirksamen Fortschritte bei einer Reihe anderer Themen erzielt werden können. Wir müssen genau wissen, was
man unter einem Panzer oder einem
Schützenpanzer versteht, damit dieses
Fahrzeug bei der Gesamtbewertung entsprechend gezählt wird. Das klingt
ganz einfach, ist in Wirklichkeit jedoch sehr schwer. Aber wir machen
Fortschritte.

- 2 -

�Was die anderen Definitionsfragen
anbetrifft, stellen Flugzeuge zum
jetzigen Zeitpunkt die größte Herausforderung dar. Bei Kampfpanzern und
Schützenpanzern haben wir uns angenähert.
Im Hinblick auf Geschütze
sieht es auch nicht allzu schlecht
aus und wir haben bereits Vorstellungen, wie das Ungleichgewicht behoben
werden kann.
Die Definition der
Flugzeuge wird schwierig sein. Wir
sind nach wie vor optimistisch, aber
wir sind auch realistisch, weil es
sich um eine schwierige Aufgabe handelt.
Frage:
Sollten die landgestützten,
nuklearfähigen Flugzeuge der Sowjetunion Ihrer Ansicht nach in diese
oder die START-Verhandlungen einbezogen werden?
Antwort:
Unsere
Definition
der
Flugzeuge schließt Nuklearfähigkeit
nicht aus, sondern würde zahlreiche
Typen
von
Mehrzweckkampfflugzeugen
einbeziehen. Eine Vielzahl von Flugzeugtypen würden unserer Definition
nach von diesen Verhandlungen abgedeckt. Andere würden in den Rahmen

Antwort:
Wir werden Ihren neuen
Vorschlag einer Überprüfung unterziehen. Es gab Anzeichen, daß sie ein
bißchen weitergehen würden, als wir
als "vernünftig" bei diesem Themenkomplex bezeichnen würden. Wir erachten eine Position, die unter dem
Strich die Hälfte ihrer Luftstreitkräfte ausschließen, aber alle unsere
Luftstreitkräfte einbeziehen würde,
als unvernüftige Position. Ich möchte hier jedoch keine hypothetischen
Fragen beantworten und mit Ihnen Verhandlungen aufnehmen. Ich bedauere,
dies sagen zu müssen, aber ich brauche offizielle Verhandlungspartner,
die die Meinung der Sowjets und des
Warschauer Vertrags vertreten, bevor
ich alternative Positionen erörtere.
Frage:
Die NATO hat erklärt, sie
erwarte eine Antwort des Warschauer
Pakts auf ihren am 13. Juli 1989 unterbreiteten Vorschlag zu Flugzeugen.
Grinewski hat jedoch gesagt, der Ostblock habe bereits geantwortet. Können Sie das bitte klären. Trifft es
also zu, daß die NATO Mehrzweckkampfflugzeuge einbezogen hat, aber nicht
beabsichtigt, sie zu reduzieren?

der Genfer Verhandlungen fallen.

Frage: Sehen Sie Probleme zwischen
diesen beiden Verhandlungsrunden?
Antwort: Nein, ich sehe keine Probleme voraus.
über Munition wird
beispielsweise nicht im Rahmen der
KSE-Gespräche
verhandelt.
Während
der Mandatsgespräche kam dem Problem
bei den Mehrzweckkampfflugzeugen besondere Bedeutung zu. Es hat außerordentlich viel Zeit und Mühe erfordert, aber wir haben es bewältigt.
Zwischen den beiden Seiten bestehen
keine Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Grenzlinie bei Mehrzwecksystemen mehr. Im Rahmen dieser Verhandlungen sprechen wir nicht über
Nuklearwaffen.
Frage: Teilen Sie den sowjetischen
Einwand gegen die Einbeziehung ihrer
Luftverteidigungsflugzeuge
in
die
Verhandlungen?

Antwort:
Zunächst zum Thema Flugzeuge - ich kenne Botschafter Grinewskis Aussage nicht im einzelnen,
habe aber gehört, was er Ihnen zufolge gesagt hat. Wenn die Sowjets weiterhin darauf bestehen, daß bestimmte
Flugzeugtypen aufgrund ihrer spezifischen Rolle
ausgeschlossen werden
müssen, bedarf das einer detaillierten Analyse und wir werden uns damit
zum gegebenen Zeitpunkt befassen.
Solche Ausgrenzungen müßten natürlich
auf beide Seiten gleichermaßen anwendbar sein. Wir werden keine Vereinbarungen akzeptieren, bei denen
das Kriterium für Einbeziehung westlicher Flugzeuge die Fähigkeit ist,
wohingegen das Kriterium für die Einbeziehung östlicher Flugzeuge angeblich Rolle und Mission ist. Äpfel
sind Apfel und Birnen sind Birnen das gilt für beide Seiten. Das ist
meiner Ansicht nach eine vernünftige
Position.

- 3 -

�Zu Ihrer zweiten Frage kann ich
nur zwei Punkte wiederholen. Erstens
macht keine Seite die vorgeschlagenen
Definitionen der Zähleinheiten publik, noch beantworten wir spezifische Fragen darüber, welche Gerätetypen auf beiden Seiten unter diese Definitionen fallen würden. Ich kann
also das Vertrauen hier nicht brechen
und über bestimmte Flugzeuge sprechen. Ich kann bestätigen, daß auf
beiden Listen eine Reihe von Mehrzweckkampfflugzeugen aufgeführt sind,
die zusätzliche zur konventionellen
Fähigkeit auch nuklerfähig sind. Ich
kann mir kaum ein Flugzeug vorstellen, das nuklearfähig, aber nicht
gleichzeitig auch konventionell einsetzbar ist. Wie sollte man sonst
ausbilden? Wie man nun die Reduzierungen aufteilt, die sich aus einem
Abkommen ergeben - das ist keine Frage zwischen Ost und West. Diese Frage ist dem jeweiligen Bündnis vorbehalten. Aus diesem Grund haben wir
eine vereinbarte Obergrenze für Flugzeuge, die Reduziereungen auf der
Seite der NATO erforderlich machen
und wir werden dann Verhandlungen untereinander aufnehmen, wie diese vorgenommen werden. Einige der Verbündeten haben bereits angedeutet, daß
sie Kürzungen bei ihren Kategorien
sicherlich ablehnend gegenüberstehen
würden - aber dies ist eine Angelegenheit, die nur die NATO betrifft.
Ein Großteil dessen kann dank der generellen
Flexibilität
verwirklicht
werden, über die wir 16 bei den Reduzierungen - sollten sie beschlossene
Sache sein - verfügen.
Frage:
Gerüchten
aus
Washington
zufolge verlassen Sie diesen Posten
bald. Haben Sie eine Kommentar dazu
abzugeben?
Antwort:
Tut mir leid, kein Kommentar.
Es ist das Vorrecht des
Weißen Hauses, solche Ankündigungen
zu machen. Ich bin Berufsdiplomat im
auswärtigen Dienst und unterstehe dem
Präsidenten. Ich werde hingehen, wohin immer und wann immer es ihm beliebt.

Frage:
Botschafter
Grinewski hat
die amerikanische Position zu leichten Panzern kritisiert. Können Sie
einen Kommentar zur westlichen Position abgeben?
Antwort:
Ich möchte lieber nicht
ins Detail gehen. Ich kann nur sagen, bei diesen Verhandlungen fühlen
wir uns durch die nüchterne und
ernsthafte Einstellung unserer Verhandlungspartner aus dem Ostblock ermutigt.
Wenn es Probleme gab, so
hatten sie bisher einen bestimmten
realistischen und logischen Grund.
Wir überprüfen diesen Themenkomplex
zur Zeit um herauszufinden, ob wir
zur Beilegung der Differenzen nicht
die Definitionen der Arbeitsgruppen
einbringen können. Neue Technologien
sind ein realistischer Aspekt. Andererseits wollten wir nicht in die Position geraten, schwere Panzer zugunsten der leichteren Panzer zerstören
zu müssen, die einige von uns für bestimmte Zwecke benötigen, die nicht
notwendigerweise in den Rahmen der
europäischen
Gegebenheiten
fallen.
Wir arbeiten daran.
Frage:
Bedeutet die Tatsache, daß
Sie heute keinen NATO-Vorschlag unterbreiten konnten, daß es eine tiefe
Spaltung innerhalb der NATO gibt?
Antwort:
Nein - das trifft ganz
und gar nicht zu. Es bestehen noch
Probleme und dabei handelt es sich um
ernsthafte und komplexe Themenbereiche. Wir sind weiterhin entschlossen, unsere fertiggestellten Kapitel
in dieser Verhandlungsrunde so bald
wie möglich vorzulegen, aber keiner
von uns möchte etwas festlegen, das
nicht richtig ist und nicht von allen
unterstützt wird. Ich möchte die bestehenden
Meinungsverschiedenheiten
nicht bagatellisieren, aber es handelt sich hierbei um kontinuierliche
Verhandlungen innerhalb des Bündnisses. Selbst während wir verhandeln,
arbeiten wir an diesen Fragen und wir
werden letzte Hand an diese vier Kapitel legen und sie so bald wie möglich vorlegen. Damit meine ich: In
dieser Verhandlungsrunde.

- 4 -

�Frage:
Können Sie etwas über die
vertrauensbildenden Maßnahmen sagen,
die sie Ihrem Vorschlag zufolge bald
einfuhren wollen?
Antwort: Nein, lieber nicht. Vertrauensbildende Maßnahmen ist eigentlich ein Begriff, der auf die anderen
Verhandlungen zutrifft. Wir bezeichnen sie als stabilisierende Maßnahmen, nicht nur zur Unterscheidung,
sondern auch, weil die Maßnahmen, mit
denen wir uns befassen, sehr eng mit
Reduzierungen verbunden sind und ihr
Zweck darin besteht, die Wirkung der
Reduzierungen im Hinblick auf verbesserte Stabilität und Sicherheit zu
erweitern.
Ich möchte hier aber
wirklich nicht zu einzelnen Maßnahmen
zitiert werden. Eine Reihe von Maßnahmen ist vorlagereif. Ich bin sicher, einige von Ihnen sind bestens
unterrichtet und wenn ich Ihnen jetzt
die fertiggestellten nenne, werden
einige von Ihnen sofort in der Lage
sein, die Maßnahme auszumachen, mit
der wir noch ein kleines Problem haben - und dann bin ich in Schwierigkeiten.
Frage:
Können Sie sagen, ob es
sich nur um eine oder zwei oder um
mehrere handelt?
Antwort:
Es sind nicht nur eine
oder zwei, sondern auch nur ein oder
zwei Wörter oder eine oder zwei Zahlen in diesen Maßnahmenpaketen.
Frage:
Botschafter
Grinewski zufolge sind eines der Hauptprobleme
die stationierten Truppen. Was meinen Sie dazu?
Antwort: Dazu hätte ich gerne weitere Einzelheiten und auch heute bestand ein Teil des Problems darin,
daß wir nur allgemeine Fakten vorliegen hatten. Erstens hat der Ostblock
darauf bestanden, Fragen der Mannschaftsstärke in diese Verhandlungen
miteinzubeziehen. Unsere ursprüngliche Position, die immer noch sehr
viel für sich hat, lautete, daß Personal logischerweise Zug um Zug mit
dem Gerät reduziert wird. Aber der

Ostblock sagte "nein", es muß bestimmte Grenzen geben. Unserer Ansicht nach müßten diese Grenzen verifizierbar sein und wir können sowjetische Streitkräfte in der Sowjetunion nicht mit einem vernüftigen Maß an
Vertrauen verifizieren. Und wir können die Streitkräfte des Ostblocks
aufgrund der Fragen bezüglich paramilitärischer
Streitkräfte,
Grenzschutzposten, Milizen usw. nicht mit
einem hohem Maß an Vertrauen verifizieren.
Unsere Konzession war folgende:
Da wir der Ansicht sind, daß wir
großes Vertrauen in unsere Fähigkeit
zur Verifizierung der sowjetischen
Truppen in Osteuropa setzen können,
sollten wir uns darauf konzentrieren.
Es erscheint uns also logisch, gleiche Obergrenzen zu haben, und es erscheint uns logisch, daß wir über die
Streitkräfte der beiden Supermächte
sprechen, die außerhalb ihrer Heimatländer stationiert sind. Deshalb haben wir den Vorschlag in der vorliegenden Form gestaltet. Unseres Erachtens ist er in sich schlüssig.
Wenn Herr Grinewski besondere Vorstellungen bezüglich der niederländischen, belgischen, kanadischen, französischen und britischen Streitkräfte
hat, so sollte er seine Vorschläge
erläutern, seine Zahlen vortragen und
seine Sprachregelung vorlegen.
Der
klarere Weg in bezug auf die Frage
der Mannschaftsstärke ist jedoch der,
den wir vorgeschlagen haben.
Frage: Trifft es zu, daß die Positionen Norwegens und der Türkei heute
die Haupthindernisse auf dem Weg zu
Fortschritten sind?
Antwort:
Nein, das trifft nicht
zu. Ich muß leider noch einmal wiederholen, daß ich mich nicht darauf
einlassen werde, bestimmte Länder
herauszugreifen, die besondere Haltungen einnehmen.
Ich habe ferner
bereits erklärt, daß viele Probleme
aus der Tatsache herrühren, daß unterschiedliche geographische Gegebenheiten die Suche nach einem einfachen
Weg zu einer Lösung erschweren, die

- 5-

�von allen Teilnehmern getragen wenien
kann.
Zu diesen unterschiedlichen
geographischen Voraussetzungen gehört
die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten und Kanada nur mit Streitkräften beteiligt sind, nicht mit ihrem Territorium. Wenn Sie versuchen,
komplexe Maßnahmen auf eine Art and
Weise anzuwenden, die Schwerpunktbildungen auf verschiedenen Teilen Europas vermeiden - was zu getrennten
Verhandlungen über den Norden, den
Süden oder die Mitte führen würde und sich um allgemeingültige Maßnahmen bemühen, mit denen jeder leben
kann, dann ist zumeist die Geographie
die Wurzel allen Übels. Das bedeutet
nicht, daß die Vereinigten Staaten,
die Türkei oder Norwegen das Prob Lern
sind. Es bedeutet, daß die Geographie Probleme verursacht.
Frage:
Wie lange wird die NATO
brauchen, um einen Vorschlag zu präsentieren?
Antwort:
Ich weiß es nicht. Aufgrund meiner Kenntnis der gegenwärtig
unternommenen Bemühungen gehe ich davon aus, daß dies schon bald der Fall
sein wird. Ich hoffe es.
Frage:
Ihren vorherigen Bemerkungen entnehme ich, daß Sie eine Vorlage dieses Papiers vor dem nächsten
Donnerstag ausschließen?
Antwort: Das ist die nächste planmäßige Gelegenheit. Ich schließe die
Möglichkeit
der Einberufung einer
außerplanmäßigen Plenarsitzung nicht
aus, aber sage auch keine vorher.
Frage:
Wie sehen die amerikanischen Wünsche im Hinblick auf die
Überwachung der Produktionseinrichtungen aus, und ist dies ein Problem
innerhalb des Bündnisses?
Antwort:
Die Frage der Produktionsstätten muß, wie auch Botschafter
Grinewski anscheinend erklärt hat, in
Betracht gezogen werden.
Wie man
dies nun genau tut, ist eine schwierige Frage.
Diejenigen unter uns,
die in Europa keine Produktionsstät-

ten besitzen, neigen dazu, die Vorteile einer einschneidenden Überwachung östlicher Produktionseinrichtungen zu betonen. Diejenigen unter
uns, die in Westeuropa Produktionsstätten besitzen, neigen zu Besorgnis
über den Umfang der Rechte, die dem
Osten auf Gegenseitigkeit eingeräumt
würden.
Frage: Wäre es für die UdSSR nicht
leicht, bei jedem START-Vertrag zu
betrügen, indem sie einige ihrer
strategischen Bomberstreitkräfte dem
KSE-Reglement unterwirft?
Antwort:
Wir sind nicht der Ansicht, daß es für sie leicht wäre,
auf diese Weise zu betrügen. Wir befassen uns hier mit konventionellen
Fähigkeiten. Und ich sehe eigentlich
nur wenige - einige würden sogar sagen keine - Flugzeuge, die rein nuklear sind. Wenn es eine konventionelle Fähigkeit gibt, dann wird sie
In diese Verhandlungen einbezogen.
Ich möchte versuchen, Ihnen das folgendermaßen zu erklären:
Es gibt
keine rein nuklearen Kanonen. Jedes
einzelne Artilleriegeschütz über ein
Kaliber von etwa 152 mm hinaus ist
heute nuklearfähig.
Ob ein großes
Geschütz wirklich dafür eingerichtet,
ob die Bedienungsmannschaft dazu ausgebildet und ob dieses Geschütz für
eine nukleare Rolle vorgesehen ist,
können wir in bezug auf die andere
Seite nicht immer sagen. Was unsere
Seite betrifft, so wissen wir, daß
nur einige unserer Bedienungsmannschaften für 155mm und 8 Inch-Geschütze in den Vereinigten Staaten
für eine mögliche nukleare Fähigkeit
vorgesehen
und
ausgebildet
sind.
Wenn die Waffe selbst nuklearfähig
ist, dann besitzt sie also eine doppelte Fähigkeit - eigentlich eine
dreifache, wenn Sie chemische Munition berücksichtigen oder wenn Sie noch
hinzufügen wollen, daß sie Leuchtmunition verschießen kann, dann besitzt
sie eine Mehrfachfähigkeit. Wir denken also nicht über nukleare Kanonen
nach.
Ebensowenig denken wir über
rein nukleare Flugzeuge nach.

�Frage:
Wenn
einige
jedoch
Langstreckenflugzeuge
in den START-Gesprächen abhandeln, wie können diese
dann auch in Ihre einbezogen werden?

kräfte werden ausgeklammert, und das
ist in dem Mandat für die Gespräche
so vorgesehen. Ich erwarte in diesem
Zusammenhang keine Probleme.
Vielen
Dank.

Antwort:
Ich stelle fest, daß Sie
sich sehr stark mit diesem Problem
beschäftigen. Mir bereitet es keine
Schwierigkeiten.
* * * * *
Frage:
Aber die
Schwierigkeiten?

Franzosen

macnen

Antwort:
Auch
hier
möchte
ich
nicht die Liste der französischen
Flugzeuge durchgehen, die in unserer
Definition enthalten sind.
Ich kann
Ihnen sagen, daß auf unserer Liste
der Flugzeuge, die in diese Verhandlungen einbezogen werden sollen, einige französische Flugzeuge stehen,
die der französischen Planung zufolge
strategische Rollen haben.
Frage:
Beide Bündnisse haben Probleme damit, daß durch die Einführung
neuer Waffensysteme Bestimmungen umgangen werden. Können Sie dazu Stellung nehmen?
Antwort:
Nein, das kann ich nicht.
Offensichtlich sind Sie über die internen Konsultationen im Osten weit
besser informiert als ich. Was aber
die westlichen angeht, so enthält Ihre Frage Informationen, die nur Eingeweihten bekannt sind. Ich kann das
bestätigen.
Ich möchte jedoch nicht
weiter gehen, denn ich müßte dann
einzelne NATO-Partner herausgreifen,
die besonders starke Positionen haben.
Auch diejenigen, die nicht in
Europa sind, aber Ausrüstung nach Europa bringen, müssen angemessen berücksichtigt werden.
Darüber möchte
ich nicht hinausgehen.
Frage:
Werden die
Seestreitkräfte
unter den NATO-Mitgliedern überhaupt
besprochen?
Antwort:
Nein, das ist nicht der
Fall - außer insoweit, daß landgestützte Marinefliegerkräfte in unsere
Definition der Kampfflugzeuge einbezogen werden.
Aber die Seestreit- 7 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

13. September 1989

34

DIE VERBREITUNG CHEMISCHER WAFFEN
- Eine Übersicht -

(Die folgende Übersicht über die Verbreitung chemischer Waffen wurde im
September von der amerikanischen Delegation bei der Internationalen Konferenz
von Regierungen und Industrieunternehmen gegen chemische Waffen veröffentlicht, die vom 18. bis 22. September 1989 in Canberra stattfinden wird.)
Im Jahr 1984, als der damalige
amerikanische Vizepräsident Bush bei
der Genfer Abrüstungskonferenz einen
Vertragsentwurf einbrachte, der die
vollständige
Verbannung
chemischer
Waffen aus den Arsenalen aller Länder
vorsah, besaßen Schätzungen zufolge
nur fünf Staaten chemische Waffen.
Bis heute ist diese Zahl auf etwa 20
angestiegen, und noch mehr Länder unternehmen Anstrengungen, um chemische
Waffen zu beschaffen. Viele dieser
Staaten befinden sich in instabilen
Weltregionen. Eine Reihe von Faktoren hat die Verbreitung chemischer
Waffen gefördert: sie sind relativ
preiswert, erfordern zu ihrer Herstellung wenig technisches Know-how,
und sie werden im allgemeinen auf der
Grundlage von chemischen Wirkstoffen
und Technologien hergestellt, die le-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gitimen industriellen Zwecken dienen.
Die weitverbreitete Verfügbarkeit von
mehrfach
verwendbaren
chemischen
Wirkstoffen und Geräten hat die Beschaffung chemischer Waffen erleichtert und das Problem ihrer Kontrolle
verschärft.
Die Verbreitung chemischer Waffen
erhöht das Risiko ihres Einsatzes beträchtlich, der eine Verletzung des
Genfer Protokolls von 1925 darstellt,
das den Einsatz chemischer Waffen
verbietet. Sowohl der Irak als auch
der Iran haben im Golfkrieg chemische
Waffen eingesetzt.
Zusätzlich hat
der Irak im vergangenen Jahr chemische Waffen gegen seine eigenen kurdischen
Staatsbürger
eingesetzt.
Trotz des gegenwärtigen Waffenstillstands bemühen sich beide Seiten wei-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ter um die Beschaffung von Bestandteilen zur Herstellung chemischer
Waffen. Das Problem geht jedoch über
Iran und Irak, hinaus.
Mit Hilfe
westlicher Unternehmen und Arbeitskräften aus den Entwicklungsländern
hat der libysche Revolutionsf iihrer
Muammar Gadhafi die größte Produktionsstätte für chemische Waffen in der
Dritten Welt geschaffen.
Berichten
zufolge hat Libyen chemische Waffen
im Tschad eingesetzt. Leider ist Libyen jedoch nicht das einzige Land,
das geheime chemische Fabriken in der
Wüste oder abgelegenen Gebieten versteckt.
Neben der Verbreitung chemischer
Waffen war die in jüngster Zeit beobachtete Verbreitung von Trägersystemen eine weitere beunruhigende Entwicklung.
Eine wachsende Zahl von
Staaten besitzt oder entwickelt Mittelstreckenraketen, die in erheblichem Umfang chemische Waffen transportieren können. Damit wird dem gefährlichen Problem der Verbreitung
chemischer Waffen eine neue Dimension
hinzugefügt.
Schätzungen
zufolge
werden bis zum Jahr 2000 mindestens
15 Entwicklungsländer ihre eigenen
ballistischen Raketen herstellen.
Chemische Waffen sind ein weltweites Problem.
Die beschleunigte
Verbreitung und Anwendung chemischer
Waffen sind Bedrohungen für die Sicherheit aller Mitglieder der internationalen
Staatengemeinschaft
und
gefährden die Verwirklichung unseres
gemeinsamen Ziels - den Abschluß eines weltweiten Vertrags zur Beseitigung dieser gesamten Waffenkategorie.
Die
internationale
Staatengemeinschaft muß energische Maßnahmen ergreifen, um der gefährlichen Verbreitung und dem rechtswidrigen Einsatz
dieser Waffen Einhalt zu gebieten.
Sowohl die Regierungen und als auch
die Industrie müssen sich gemeinsam
darum bemühen.

* * * * *

- 2

�</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 13.09.1989</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Drogenbekämpfung muß Im In- und Ausland erfolgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten zur neuen Drogenbekämpfungsstrategie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maresca: "beachtliche Fortschritte" bei VSBM-Gesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Leiters der amerikanischen Delegation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Drogenmißbrauch muß weltweit bekämpft werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationaler Teil der Drogenstrategie des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush steht voll und ganz hinter dem Zeitplan für KSE-Phase I&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit KSE-Chefunterhändler Ledogar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ostblock akzeptiert NATO-Zeitplan für KSE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit Botschafter Ledogar bei den&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;KSE-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verbreitung chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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