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                  <text>AMERIKA DIENST
%r,oN

4

9. August 1989

30
DOKUMENTATION

USA legen Verifizierungsmaßnahmen für START-Abkommen dar
- Rede von Botschafter Richard Burt USA: Fortschritte bei Abwehrsystemen im Weltraum
- Rede von Botschafter Cooper bei der Geafer Abrüstungskonferanz -

HINTERGRUND
Westliche Sicherheit: Die USA und ihre NATO-Partner
- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

*
Integriertes Entsorgungsprogramm fUr Atomanlagen
- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
4-7

Dokumentation

Ä&lt;

9. August 1989

30

USA LEGEN VERIFZIERUNGSMASSNAHMEN FÜR START-ABKOMMEN DAR
- Rede von Botschafter Richard Burt GENF - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen, Botschafter Richard Burt, erläuterte am
3. August 1989 seinen Vorschlag an die Sowjetunion, die Verhandlungen sollten
sich "jetzt sofort" auf eine Reihe von Maßnahmen zu Verifizierung und Stabilität konzentrieren, "die auch Niederschlag in der Endfassung des Vertrags über
die Reduzierung Strategischer Rüstungen (START) finden könnten".
Botschafter Burt beschrieb Präsident Eushs Initiative zu Verifizierung und
Stabilität im einzelnen und erklärte, sie "ergänzt die bisher in Genf geleistete Arbeit". Er verwies ferner darauf, "diese Initiative zielt darauf ab,
die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht sie zu verzögern". Burt ging
darüber hinaus auf Bereiche ein, in denen Unstimmigkeiten zwischen beiden Seiten bestehen und verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf mobile Interkontinentalraketen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Burts Rede im Wortlaut.

Ich danke Botschafter Friedersdorf für seine freundliche Einführung, und es ist mir eine Ehre, beute
hier gemeinsam mit den Mitgliedern
und Nichtmitgliedern der Abrüstungskonferenz die jüngsten Entwicklungen
unserer
bilateralen Gespräche über
Kern- und
Weltraumwaffen
zu
erörtern.
Meines Wissens ist Präsident
Benbima gerade für den Monat August
zum Präsidenten der Konferenz bestimmt worden. Meine Hoffnungen und
besten Wünsche für eine erfolgreiche
und produktive Sitzungsperiode während Ihrer Amtszeit begleiten Sie.
Ich freue mich auch darüber, hier einige alte Freunde wiederzusehen.
Die Runde XI der START-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion war nützlich
und
konstruktiv.
Die
Vereinigten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Staaten haben diese Runde als Sondierungsgespräche betrachtet, die politische Position beider Parteien zu
klären und das Grundrauster des gemeinsamen Vertragsentwurfs zu bestätigen.
Tatsächlich haben wir den
Eindruck, in vielen Bereichen - einschließlich des sehr wichtigen Punkts
über die Durchführung effektiver Verifizierung - mehr als das erreicht
zu haben.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Kollegen eine gründliche Überprüfung
wichtiger
Vertragsbestimmungen
und
noch strittiger Fragen vorgenommen.
Er ist ein erfahrener Unterhändler
und leitet eine fähige Arbeitsgruppe,
die über fundiertes Fachwissen verfügt. Meiner Ansicht nach haben wir
gesunde Arbeitsbeziehungen aufgenommen - obgleich sich im Laufe dieser

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Runde gezeigt hat, daß er ein weit
besserer Tennisspieler ist als ich.
Im Hinblick auf den Vertrag und
die Protokolle, aus denen der gemeinsame
START-Vertragsentwurf
besteht,
hat auf der Ebene der Arbeitsgruppen
ein guter Austausch
stattgefunden.
Beide Seiten haben fruchtbare Gespräche geführt und die verschiedenen Alternativen erörtert.
Wir haben den
Text gemeinsam verbessert, ausgeklammerte Punkte geklärt und Unstimmigkeiten in kleinen, aber wichtigen
Teilbereichen ausgeräumt.
Der Prozeß war sachlich, unpolemisch und konzentrierte sich auf Inhalte und nicht auf Rhetorik. In allen Bereichen hat ein nützlicher Austausch
stattgefunden.
Obwohl
bei
diesen Verhandlungen immer noch bedeutsame
Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion bestehen, haben beide
Seiten meiner Ansicht nach jetzt ein
besseres Verständnis der Beweggründe,
die der Position des anderen zugrundeliegen.
Ich vertrete daher die
Auffassung, daß meine
sowjetischen
Kollegen und ich den Grundstein dafür
legen konnten, was hoffentlich nächsten Monat in den Vereinigten Staaten
zwischen den Außenministern Baker und
Schewardnadse in eine produktive Diskussion über START münden wird.
Bevor ich näher auf einige Bereiche eingehe, die im Mittelpunkt meiner
Gespräche
mit
Botschafter
Nasarkin standen, möchte ich zu den
Grundprinzipien Stellung nehmen, von
denen die amerikanische
Delegation
sich in Runde XI leiten ließ und die
für zukünftige Runden von Beduetung
sind.
Die Vereinigten Staaten sind mit
Präsident Bushs festem Versprechen zu
den Genfer Verhandlungen zurückgekehrt, "wir werden hart arbeiten, um
faire und weitreichende Abkommen auszuhandeln, die dem Frieden dienen.
Nichts hat höhere Priorität."

- 2

Bei ihrem Amtsantritt hat die
Bush-Administration
eine
umfassende
Überprüfung
über die amerikanische
Sicherheits- und
Rüstungskontrollpolitik
durchgeführt.
Als
Ergebnis
dieser Überprüfung ist der Präsident
zu dem Schluß gekommen, das vordringlichste Ziel strategischer Rüstungskontrolle bestehe in der Erlangung
verifizierbarer
Abkommen,
das
das
Kriegsrisiko mindern.
Das Risiko eines Atomkrieges kann
durch
ein
stabileres
nukleares
Gleichgewicht
abgebaut werden, bei
dem die Abschreckung gestärkt wird
und eine Abmachung über Krisenstabilität weiterhin gilt.
Eine solche
Abmachung besteht, wenn jede Seite
von einem Erstschlag abgehalten wird,
weil der für einen solchen Schlag zu
zahlende Preis und das damit einhergehende Risiko mögliche Vorteile bei
weitem aufwiegen.
Aus diesem Grund
besteht ein wesentlicher Bestandteil
zur Aufrechterhaltung der Krisenstabilität im Besitz überlebensfähiger
Streitkräfte zur Vergeltung. In diesem Zusmmenhang muß man sich wiederum
vor Augen führen, daß Rüstungskontrolle einseitige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer effektiven Abschreckung lediglich ergänzen, nicht
aber ersetzen kann.

T

*

Einschneidende Reduzierungen der
strategischen Streitkräfte können die
Stabilität verbessern, wenn sie in
geeigneter Weise durchgeführt wei—
den.
Größere Stabilität könnte etwa
durch
folgende Regelungen
erreicht
werden:
Erstens Reduzierung der Verwundbarkeit, da, wie ich schon sagte,
überlebensfähige Streitkräfte die
Anreize für einen Erstschlag verringern.
-

Zweitens
mehr
Transparenz,
da
Stabilität durch größere Offenheit im Hinblick auf Umfang und
Charakter
der
strategischen
Streitkräfte und Aktivitäten jeder Seite gefördert wird.

f

*•

�Drittens verbesserte Berechenbarkeit, weil die Stabilität größer
ist, wenn Ungewißheiten über die
künftige Entwicklung der Streitkräfte auf beiden Seiten verringert werden.
Die
START-Verhandlungen
haben
bisher einen umfangreichen gemeinsamen Vertragsentwurf hervorgebracht,
der die Bereiche der Übereinstimmung
und Gegensätze widerspiegelt. Zu Beginn dieser Runde haben wir die Absicht der Vereinigten Staaten bekräftigt, von der Grundlage des bestehenden gemeinsamen Vertragsentwurfs auszugehen. Insbesondere haben wir unsere anhaltende Zustimmung zur Struktur der bereits vereinbarten Oberund Untergrenzen bekräftigt.
Diese
sehen 1 600 offensive strategische
Trägersysteme, 6 000 nachweisbare Gefechtsköpfe, 4 900 Gefechtsköpfe auf
Interkontinentalraketen
(ICBMs) und
unterseebootgestützten
Raketen
(SLBMs), 1 540 Gefechtsköpfe auf 154
schweren Interkontinentalraketen sowie eine etwa 50prozentige Reduzierung des Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen vor. Obwohl wir unsere Unterstützung der
grundsätzlich vereinbarten zahlenmäßigen Obergrenzen und anderer im gemeinsamen Vertragsentwurf enthaltener
amerikanischer Positionen bestätigen,
behalten wir uns das Recht zur Unterbrei tung neuer Ideen und anderer Änderungen vor, die unserer Meinung
nach
zur
Uberlebensfähigkeit
der
Streitkräfte und Stabilität beitragen
würden.
Um sicherzustellen, daß Verbesserungen bei der Uberlebensfähigkeit
langfristig wirksam bleiben, müssen
diese mit der Erfordernis in Einklang
gebracht werden, daß Umfang und Charakter der heute bestehenden und
künftigen strategischen Streitkräfte
transparent und berechenbar sein müssen und Vereinbarungen sich wirksam
verifizieren lassen.
Mobile ICBMs
sind hier ein Fallbeispiel: dasselbe
Merkmal, das die Uberlebensfähigkeit
der ICBMs erhöht - nämlich ihre Mobilität -, macht gleichzeitig eine ein-

deutige Verifizierung komplizierter.
Die amerikanische
Haltung zum
Verbot mobiler ICBMs bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unverändert. Unsere
Entscheidung zu den mobilen ICBMs
hängt sicherlich teilweise von der
Unterstützung ab, die der amerikanische Kongreß dem Programm des Präsidenten zur ICBM-Modernisierung gewährt. Jedenfalls haben wir der sowjetischen Seite zu verstehen gegeben, daß wir zur Überprüfung unserer
im Licht der von den Sowjets in den
vergangenen Jahren stationierten über
hundert mobilen ICBMs erhobenen Forderung nach einem Verbot bereit sind,
wenn sich beide Seiten auf ein Vorgehen einigen können, das die wirksame
Verifizierung zahlenmäßiger Begrenzungen für mobile ICBMs gestatten
würde.
Obwohl noch viel zu tun
bleibt, hat Runde XI eine eindeutige
Klärung der Erfordernisse und Beschränkungen erbracht, die straßenund schienenmobilen Systemen auferlegt werden müssen.
Als Teil unserer umfassenden Verhandlungsbemühungen und hervorragendes Beispiel der neuen von den Vereinigten Staaten in Runde XI eingebrachten Ideen haben die Vereinigten
Staaten vorgeschlagen, beide Seiten
sollten besondere Anstrengungen unternehmen, um sich auf bestimmte, in
der Vergangenheit von beiden Seiten
vorgeschlagene
Verifizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen zu einigen und
mit deren Anwendung so bald wie möglich zu beginnen. Ich muß gegenüber
den Teilnehmern der Abrüstungskonferenz die Rolle der Verifizierung in
den heutigen RUstungskontrollverhandlungen nicht eigens betonen. Unsere
Initiative zu Verifizierung und Stabilität trägt dieser zentralen Bedeutung Rechnung.
Auf Anweisung
des Präsidenten
wurde den Sowjets insbesondere vorgeschlagen,
die
START-Unterhändler
sollten sich jetzt auf folgende Vertfizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen
konzentrieren, die schließlich im
START-Vertrag ihren Niederschlag fin-

- 3 -

�den würden:
1) Unverzügliche und gegenseitige Einrichtung einer Überwachung von
Umgebung sowie Ein- und Ausgängen bestimmter Raketenproduktionsstätten in
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, um unser Vertrauen in die
Genauigkeit der angemeldeten Arsenale
mobiler
Interkontinentalraketen
zu
erhöhen.
2) Sofortiger Austausch von ausgewählten
Daten
zu den
nuklearen
Streitkräften jedes Landes, um uns
bei der Erarbeitung geeigneter Inspektionsverfahren zu helfen und die
Verifizierung des START-Vertrages zu
erleichtern.
3)
Beendigung der Verschlüsselung telemetrischer Daten von Interkontinentalraketen sowie der Verweigerung von Daten über bestimmte Abschüsse von ICBMs und SLBMs, so daß
jedes Land ein besseres Verständnis
von
neuen
Entwicklungen
in
den
Streitkräften des anderen entwickeln
kann.
4)
Gegenseitige Übungsinspektionen, um Verfahren vorzuführen, mit
denen verifiziert werden soll, daß
die von den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion für diesen bestimmten
Raketentyp vereinbarte Zahl der Wiedereintrittsflugkörper auf bestimmten
ballistischen
Raketen
nicht
überschritten wird.
Eine gegenseitige
Demonstration könnte den Unterhändlern helfen, solide Inspektionsvorschriften für diese beispiellos einschneidenden Inspektionen zu entwikkeln.
5)
Gegenseitige Vorführung von
Technologien zur Identifizierung ballistischer Raketen, ein häufig auch
als "tagging" bezeichnetes Verfahren,
um den Austausch technischer Informationen über erfolgversprechende Ansätze zu erleichtern.
Die Vereinigten Staaten sind ferner der Ansicht, daß beide Länder von
einer Einigung auf zwei zusätzliche

Maßnahmen
profitieren
können, . die
trotz der Tatsache, daß sie in unseren
bisherigen
Verhandlungen
noch
nicht zur Sprache gekommen sind und
selbst nicht Teil des START-Vertrages
sein würden, als getrennt vereinbarte
Maßnahmen die strategische Stabilität
erhöhen würden.
1)
Aufgrund
des Außenminister
James Baker von der Sowjetunion unterbreiteten Vorschlags sind wir bereit, das Problem der unterseebootgestützten
ballistischen Raketen mit
kurzer Flugzeit zu behandeln. Darunter würden auch die bisweilen so bezeichneten niedrigen Flugbahnen fallen.
2) Ferner schlagen wir vor, daß
beide Länder einen in einem früheren
Briefwechsel
besprochenen
Vorschlag
verwirklichen, demzufolge die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
sich
gegenseitig
über
eine
große
strategische Übung pro Jahr in Kenntnis setzen würden.
Die Initiative des Präsidenten zu
Verifizierung und Stabilität ergänzt
die bisher in Genf geleistete Arbeit.
Diese Initiative zielt darauf
ab, die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht zu verzögern: Der
START-Vertrag wird beispiellose Verifizierungsbestimmungen enthalten.
Es
ist von vorrangiger Bedeutung, die
Probleme so früh wie möglich zu erkennen,
so daß
die
Verhandlungen
nicht durch ungelöste technische Verifizierungsfragen
unnötig
in
die
Länge gezogen werden. Die frühzeitige Durchführung dieser Maßnahmen wird
den beiden Ländern Erfahrung in Verifizierungsverfahren
vermitteln,
so
daß wir in Genf realistische Bestimmungen erarbeiten können.
Die Vereinigten Staaten betrachten
die
amerikanische
Initiative
nicht als alles oder nichts. Obwohl
wir zu jeder Maßnahme ein Abkommen
erzielen wollen, sind wir bereit, nur
die Themen anzusprechen, zu deren Erörterung die Sowjets bereit sind.
Darüber hinaus sollen aus der Sicht

�der Vereinigten Staaten alle Maßnahmen auf Gegenseitigkeit beruhen und
daher auf beide Länder In gleichem
Maße Anwendung finden.
Bis heute haben wir mit der sowjetischen Seite Sondierungsgespräche
geführt, dank denen wir die Initiative zu Verifizierung und Stabilität im
einzelnen beschreiben können. Unseren Erwartungen zufolge wird der amerikanischen Initiative zu Verifizierung und Stabilität bei dem Treffen
zwischen Außenminister Baker und seinem Amtskollegen Schewardnadse ein
hoher Stellenwert beigemessen.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Amtskollegen detaillierte Gespräche
über wichtige Bereiche geführt, in
denen beide Seite unterschiedliche
Meinungen vertreten - eine Untergrenze für ICBM-Gefechtsköpfe, schwere
ICBMs, ALCMs/schwere Bomber, SLCMs
und das Junktim zwischen START und
dem ABM-Vertrag. Diese Gespräche waren keine abgedroschenen, rhetorischen Wiederholungen bekannter Themen, sondern vielmehr von Offenheit
und Substanz gekennzeichnet.
Die Vereinigten Staaten vertreten
weiterhin die Auffassung, daß Einigung über eine Untergrenze von 3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfen auf stationierten ICBMs erzielt werden sollte.
Beide Länder könnten von der zusätzlichen Berechenbarkeit einer solchen
Begrenzung profitieren, da die ICBMSysteme nach wie vor hervorragend für
den Einsatz bei einem Präventivschlag
geeignet sind und daher destabilisierender wirken als andere Kategorien
strategischer Offensivwaffen.
Schwere ballistische Raketen haben eine besonders destabilisierende
Wirkung. Aus diesem Grund halten die
Vereinigten Staaten an ihrer Position
fest, daß der START-Vertrag die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung neuer modernisierter schwerer
ICBMs ebenso verbieten sollte wie die
Produktion oder Stationierung zusätzlicher schwerer ICBMs des bereits bestehenden Typs. Beide Länder sollten

es sich darüber hinaus zur Aufgabe
machen, keine Flüge mit den bestehenden Typen schwerer ICBMs zu unternehmen und auf die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung schwerer
SLBMs zu verzichten. Die amerikanische Position zu schweren Raketen
würde wirksam zu einem Gleichstand
beitragen, indem sie letztlich zum
stufenweisen Abbau der sowjetischen
SS-18 Streitmacht führen würde, die
für sich alleine schon das destabilisierendste Waffensystem in der heutigen Welt darstellt.
Im Hinblick auf Bumberwaffen haben die Vereinigten Staaten ihre bisherige Position bezüglich Zählung,
Reichweite und Erkennbarkeit luftgestützter
Marschflugkörper
(Air
Launcbed Cruise Missiles - ALCM) bekräftigt. Wir schlagen daher weiterhin vor, daß ALCMs nach dem Gesetz
der
Zugehörigkeit
gezählt
werden
sollten, das jedem für ALCMs ausgerüsteten schweren Bomber angesichts der
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
unabhängig von der Zahl, mit der er
tatsächlich bestückt ist, eine vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen zugesteht.
Die Vereinigten Staaten
halten ferner nach wie vor die Position aufrecht, daß nur nuklearbestückte
Luft-Boden-Marschflugkörper
mit einer Reichweite über 1 500 Kilometern unter die START-Obergrenzen
fallen sollten.
Die amerikanische
Position zu
seegestützten Marschflugkörpern (SeaLaunched Cruise Missiles - SLCMs)
bleibt fest.
Konventionelle SLCMs
sind nicht Bestandteil des amerikanisch-sowjetischen strategischen atomaren Gleichgewichts und sollten daher nicht in dieses Abkommen einbezogen werden. Nach gründlicher Überprüfung sind die Vereinigten Staaten
zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetischen Vorschläge zu SLCM keine
wirksame Verifizierung vorsehen. Die
angeblich geeignete verfügbare Technologie
zum
Aufspüren
nuklearer
SLCM-Gefechtsköpfe in großer Entfernung und der Unterscheidung von anderen Nukleargefechtsköpfen ist nicht

- 5 -

�zuverlässig. Die jüngste sowjetische
Demonstration im Schwarzen Meer hat
diese
Schlußfolgerung
bekräftigt.
Die Umgehung von auf diese Technologien gegründeten Bestimmungen wäre
demzufolge einfach. Selbst wenn die
Technologien so angelegt sind, daß
sie nukleare SLCMs zuverlässig aufspüren
und
unterscheiden
können,
scheint es immer noch höchst fraglich, ob wirksame Verfizierungsmaßnahmen entwickelt werden könnten.
Die Vereinigten Staaten kennen heute
noch keine Mittel und Wege, um Obergrenzen bei der Produktion und Lagerung von SLCMs wirksam verifizieren
zu können - was angeblich der Kern
des SLCM-Verifizierungsproblems ist.
Aus diesem Grund sehen die Vereinigten Staten eine nicht bindende
Darlegung der Pläne für nuklearbestückte SLCMs beider Länder vor. Da
nukleare SLCMs für einen Erstschlag
weder geeignet noch durch ihn verletzbar sind, vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung, daß der
amerikanische Vorschlag beiden Ländern die praktischsten Mittel an die
Hand gibt, um Vertrauen aufzubauen,
daß nukleare SLCMs die START-Obergrenzen nicht umgehen.
Abschließend möchte ich die Beziehung zwischen START und anderen
Verhandlungen ansprechen.
In jüngster Zeit wurde die Frage aufgeworfen, ob der Abschluß eines START-Vertrags für die Bush-Administration
niedrigeren Stellenwert einnimmt als
der Abschluß eines KSE-Vertrags, oder
ob wir START vorbehaltlich von Fortschritten bei KSE verzögern wollen.
Beides trifft nicht zu. Die Bush-Administration mißt sowohl den STARTals auch den KSE-Verhandlungen hohe
Priorität bei. Obwohl der Präsident
seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht
hat, daß ein KSE-Abkommen in sechs
bis zwölf Monaten abgeschlossen werden kann, hat er kein Junktim zwischen Fortschritten bei START und denen bei KSE hergestellt.

die Fertigstellung eines START-Abkommens nicht von der Lösung der dornigen Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum abhängig gemacht werden.
Seit 1972, als der ABM-Vertrag in
Kraft trat, hat die Größenordnung und
Macht der nuklearen Bedrohung um ein
vielfaches zugenommen. Eine Schlüsselvoraussetzung dieses Vertrags war
jedoch, daß Gespräche über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen
bald folgen würden. Aus diesem Grund
sollten die Sowjets mit uns gemeinsam
einen STABT-Vertrag abschließen, wenn
es soweit ist, und zwar ohne Bedingungen. Ein getrennter Vertrag über
die Verteidigung im Weltraum - ein
Thema, das Botschafter Cooper in Kürze im einzelnen ansprechen wird
sollte ebenfalls für sich allein und
in einem eigenen Zeitrahmen ausgehandelt werden.
Die
Schlußfolgerungen
unserer
strategischen Übersicht und die Geschichte der Verhandlungen zu diesen
Themen haben die Vereinigten Staaten
überzeugt, daß die vor ihnen liegende
Aufgabe sehr umfangreich ist. Es ist
bereits sehr viel geleistet worden,
dennoch bleibt noch viel zu tun.
Meines Erachtens wird es uns mit
ernsthaften, konstruktiven Verhandlungen gelingen, beachtliche Fortschritte zu erzielen. Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet,
auf ihre bisherigen Leistungen aufzubauen , um Abkommen zur Erfüllung unserer Zielsetzungen zu erzielen: das
Risiko eines Kriegs zu verringern,
über das Containment hinauszugehen
und Sicherheit und Stabilität weltweit zu verbessern.

Da ein stabilisierender Abbau im
Interesse beider Länder liegt, sollte
- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

30

9. August 1989

USA:

FORTSCHRITTE BEI ABWEHRSYSTEMEN IM WELTRAUM

- Rede von Botschafter Henry Cooper bei der Genfer Abrüstungskonferenz GENF - (AD) - Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den Gesprächen über
Weltraumverteidigung, Henry Cooper, zufolge besteht "zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen, nichtnuklearen Verteidigung gegen ballistische Raketen". Vor der Genfer Abrüstungskonferenz stellte der Botschafter am 3. August
1989 fest: "Wenn sich unsere Hoffnungen verwirklichen lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete - bei weitem das gefährlichste,
den Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine 'absolute
Waffe' sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Botschafters im Wortlaut:

Ich freue mich, vor der Abrüstungskonferenz zum Stand der Gespräche über Verteidigung
im Weltraum
sprechen zu dürfen. Ich möchte Ihnen
zunächst
einige
Hintergrundinformationen liefern.
Seit Beginn unserer Gespräche im
März 1985 waren die Vereinigten Staaten bestrebt, einen in der Zukunft
möglichen
kooperativen Übergang zu
einem stabilisierenden Gleichgewicht
bei offensiven und defensiven Streitkräften zu erleichtern, falls sich
eine
wirksame
Verteidigung
gegen
strategische Raketen als machbar erweisen sollte.
Präsident Bush hat
uns angewiesen, den Vereinigten Staaten die Option auf Entwicklung und wenn diese verfügbar sind - Stationierung moderner Verteidigungssysteme

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu erhalten.
Wir gehen davon aus,
daß Stabilität und Sicherheit aller
Staaten mit solchen Verteidigungssystemen verbessert werden können, insbesondere, wenn sie schrittweise und
in kooperativer Weise eingeführt werden.
Es besteht eindeutig die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen,
nichtnuklearen
Verteidigung
gegen
ballistische Raketen.
Große
Fortschritte
bei
Datenverarbeitung,
Sensortechnik, Mikroelektronik, Material- und Antriebstechnik und gerichteter
Energie haben
möglicherweise
ein Fenster zu einer neuen und sichereren Welt geöffnet.
In den vergangenen sechs Jahren haben es unsere
Wissenschaftler und Techniker mit ihren schöpferischen Gaben verstanden,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�diese Fortschritte auszubauen. Heute
verlassen
innovative
nichtnukleare
Verteidigungskonzepte die Labors und
stellen sich der Erprobung.
Wenn
sich unsere Hoffnungen verwirklichen
lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete bei weitem das gefährlichste, den
Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine "absolute
Waffe" sein.
Unsere sowjetischen Kollegen und
andere sind der Meinung, man müsse
diese Entwicklungen mit großer Besorgnis beobachten. Ich möchte mich
direkt mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Tatsächlich wird von vielen Sprechern die Meinung geäußert,
die Öffentlichkeit solle zu der Überzeugung gelangen, daß verantwortungsbewußte Politiker den technologischen
Fortschritt nicht zu einer Verteidigung gegen ballistische Raketen nutzen sollten.
Mit anderen Worten:
der technologische Fortschritt sollte
nur dazu benutzt werden, die Wirksamkeit der von offensiven ballistischen
Raketen dargestellten Bedrohung zu
erhöhen - selbst wenn es technisch
möglich wäre, sich gegen diese Bedrohung zu verteidigen oder sie zu abzuschwächen und damit die Abschreckung
stabiler zu machen. Natürlich argumentieren die Sowjets nicht in dieser
Weise.
Stattdessen lenken sie die
Aufmerksamkeit auf irreführende Auseinandersetzungen über den ABM-Vertrag.
So behaupten die Sowjets zum Beispiel fälschlicherweise, unser SDIProgramm verletze aufgrund seiner offen erklärten Zielsetzung den ABMVertrag.
Natürlich wissen sie es
besser - und wußten schon seit Unterzeichnung des ABM-Vertrags im Jahr
1972 besser Bescheid. Der damalige
Verteidigungsminister,
Marschall
Gretschko, erklärte während des Ratifizierungsprozesses vor dem Obersten
Sowjet, daß der ABM-Vertrag "der
Durchführung von Forschungs- und Erprobungsarbeiten, die darauf abzielen, das Problem einer Verteidigung
des Landes gegen einen Angriff mit

Atomraketen zu lösen, keinerlei Beschränkungen auferlegt".
Die Sowjets und wir sind sich also der Tatsache bewußt, daß der ABMVertrag für Forschung und Erprobung
mit dem Ziel, herauszufinden, ob eine
wirksame Verteidigung machbar ist,
keinerlei Beschränkung enthält. Und
die Sowjets haben selbst ein sehr
großes Interesse an strategischen
Verteidigungssystemen und führen ihre
eigenen damit zusammenhängenden Forschungsarbeiten
und
Experimente
durch.
Im November 1987 erwiderte
Generalsekretär Gorbatschow im amerikanischen Fernsehen auf eine Frage
über sowjetische Aktivitäten in diesem Bereich, daß "die Sowjetunion
praktisch alles tut, was die Vereinigten Staaten tun". Obwohl er des
weiteren erklärte, die Sowjetunion
werde ihr SDI nicht bauen oder stationieren, sind es Fähigkeiten und
nicht Absichten, die zählen.
In der Tat unternehmen die Sowjets im Bereich der strategischen
Verteidigung bereits beute weit mehr
als die Vereinigten Staaten. Der Umfang ihrer Zivil- und Luftverteidigung sucht seinesgleichen.
Ferner
besitzen sie das einzige stationierte
ABM-System auf der Welt, das sie gegenwärtig modernisieren - und das ist
dem ABM-Vertrag zufolge ihr gutes
Recht. Einige ihrer Aktivitäten gehen sicherlich über die Grenzen des
ABM-Vertrags hinaus. Die Handlungen
der Sowjets zeigen also eindeutig,
daß sie nicht Verteidigungssysteme
schlechthin ablehnen - sie lehnen nur
die amerikanischen ab.
Zusätzlich zu ihren Angriffen auf

SDI behaupten die Sowjets, der ABMVertrag lege für alle Zeiten die einzige stabile strategische Regelung
fest: Eine Regelung die eine Stationierung von Verteidigungssystemen
gegen strategische Raketen erheblich
einschränkt. Sie können nicht erklären, warum wirksame Verteidigungssysteme gegen die bedrohlichste offensive Wafe, die strategische Rakete,
destabilisierend wirken würde - wäh-

- 2 -

�rend ihre Verteidigungssysteme in anderen Bereichen, etwa der Luftverteidigung, stabilisierend sind. Ferner
trifft es schlicht und einfach nicht
zu, daß mit dem ABM-Vertrag politisch
eine bestimmte, für alle Zeit gültige
strategische Regelung geschaffen wurde.
Im Gegenteil, der ABM-Vertrag
trug ausdrücklich der Tatsache Rechnung, daß sich die strategische Lage
in Zukunft verändern könnte.
Entsprechend bieten seine Bestimmungen
Raum für Gespräche und Änderungen.
Der ABM-Vertrag bietet darüber
hinaus einen bestimmten Mechanismus,
der besagt, daß keine Seite gegen die
Entscheidung der anderen, sich aufgrund übergeordneter Interessen zurückzuziehen und Verteidigungssysteme
außerhalb seiner Bestimmungen zu stationieren, ein Veto einlegen kann.
Die Vereinigten Staaten haben 1972
deutlich erklärt, solch ein Grund
könne die Tatsache sein, daß innerhalb von fünf Jahren kein Abkommen
zur drastischen Reduzierung strategischer Offensivwaffen erzielt wird.
Solch ein Abkommen wurde nicht geschlossen.
Heute - siebzehn Jahre
später - versuchen die Sowjets, ein
anderes Junktim zu dieser Voraussetzung des ABM-Vertrages aufzustellen.
Sie erklären, eine strenge Einhaltung
des
ABM-Vertrags
sei
für
einen
START-Vertrag zwingend erforderlich.
In der Zwischenzeit haben sich seit
1972 die strategischen Offensivwaffen
der Sowjets vervierfacht, während
sich unsere verdoppelt haben. Das
heißt, sogar gemäß den in START antizipierten erheblichen Reduzierungen
werden mehr strategische Waffen übrigbleiben als 1972. Der Zeitpunkt
für den Abschluß eines START-Vertrages, wie er 1972 vorgesehen war - ohne weitere Beschränkungen für eine
strategische Verteidigung - ist seit
langem überfällig.
Gleichzeitig verstehen wir das
Interesse der Sowjets an der Gewährleistung der Berechenbarkeit, da auf
beiden Seiten Forschung und experimentelle Arbeit fortgeführt werden
und Reduzierungen bei den strategi-

schen
Offensivwaffen
stattfinden.
Auch wir möchten die Berechenbarkeit
sicherstellen - nicht nur jetzt und
in naher Zukunft, sondern auch in
fernerer Zukunft, wenn mit Hilfe noch
ausgereifterer Technologien eine effektive Verteidigung geschaffen werden kann, die eine stärkere Rolle in
den strategischen Streitkräften beider Seiten spielen kann. Darin liegt
eine Grundlage für ein Abkommen im
Rahmen des Vertrags über Verteidigung
im Weltraum. Und obwohl noch Unstimmigkeiten in Schlüsselbereichen bestehen und wir langsamer vorankommen,
als wir uns das wünschen würden, gab
es gewisse Fortschritte in Richtung
auf ein solches Abkommen.
Besondere amerikanische Vorschläge haben angedeutet, wie diese Berechenbarkeit sichergestellt werden
könnte. Wir haben, auf den Vorschlag
von Premierministerin Thatcher, 1986
erste Vorschläge über "Maßnahmen zur
Berechenbarkeit"
unterbreitet.
Zu
Beginn des Jahres 1988 haben die Vereinigten Staaten offiziell ein Protokoll über Maßnahmen zur Berechenbarkeit im Rahmen eines Vertrags über
Verteidigung im Weltraum vorgelegt.
Obwohl noch keine Vereinbarung über
den besonderen Zweck des Protokolls
besteht, arbeiten beiden Seiten konstruktiv an einem gemeinsamen Entwurf. Insbesondere sind sich beide
Seiten darüber einig, daß sie nach
diesem Protokoll mit Hilfe der Zentren nur Reduzierung des nuklearen Risikos einen jährlichen Datenaustausch
über ihre Aktivitäten zu Entwicklung,
Erprobung Stationierung, Modernisierung und Austausch der Raketensysteme
zur strategischen Verteidigung durchführen wollen. Die Vereinigten Staaten wünschen sich darüber hinaus vor
Beginn der offiziellen Entwicklungsphase einen Datenaustausch über Forschungsaktivitäten.
Bei der Erarbeitung dieses Protokolls sind die Parteien ferner übreingekommen, Expertentreffen durchzuführen und auf der Grundlage des
jährlichen
Datenaustauschs
weitere
Aktivitäten zu planen, die auch Be-

- 3 -

�suche der Testgelände des anderen zur
Beobachtung bestimmter Tests vorsehen
könnten, wobei die einladende Seite
das Programm bestimmen würde. Wiederum würden die Vereinigten Staaten
weitergehen und auch gegenseitige Besuche in Labors befürworten, die sich
außerhalb der Testgelände befinden
könnten, ferner die Beobachtung von
Tests, die nicht notwendigerweise auf
Testgeländen stattfinden müßten sowie
Aktivitäten, die nicht unbedingt mit
Nationalen Technischen Mitteln zu beobachten sind. Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
diese Maßnahmen nur praktikabel sind,
wenn sie freiwillig, vergleichbar und
auf der Grundlage von Gegenseitigkeit
durchgeführt werden.
Obwohl sie die Idee solcher vertrauensbildender Maßnahmen akzeptieren, betonen die Sowjets auch die
Entwicklung neuer Verifizierungsmaßnahmen, einschließlich von für die
Vereinigten Staaten nicht akzeptablen
Vor-Ort-Inspektionen.
Natürlich unterstützen die Vereinigten Staaten
gemeinsame
Verifizierungsmaßnahmen,
wenn sie etwas leisten können, ohne
die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
zu verletzen, wenn sie erforderlich,
den Umständen angemessen sind und die
zur Verhandlung stehenden Systeme betreffen. Aber in diesem Fall wird
die Verifizierung des ABM-Vertrags in
seiner 1972 unterzeichneten Fassung
von den Nationalen Technischen Mitteln geleistet. Da die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Maßnahmen zur Berechenbarkeit größere
Transparenz bei den Aktivitäten beider Seiten hervorbringen und einige
Verifizierungsziele vorantreiben würden, handelt es sich hierbei im wesentlichen um vertrauensbildende Maßnahmen.
In jedem Fall konnte der im Hinblick auf dieses Protokoll erzielte
erhebliche Fortschritt keine große
öffentliche Aufmerksamkeit auf sich
lenken.
Die Betonung lag vielmehr
auf sowjetischen Drohungen, es könne
kein START-Vertrag ohne eine Verein-

barung geschlossen werden, sich für
einen bestimmten Zeitraum nicht aus
dem ABM-Vertrag zurückzuziehen.
Tatsache ist, daß die Vereinigten
Staaten ßeit 1986 erklärt haben, sie
würden dem Abschluß eines separaten
Vertrags von unbegrenzter Dauer zustimmen, der auch eine Phase des
Nichtrückzugs umfaßt - nicht jedoch
als Preis für einen START-Vertrag,
der um seiner selbst willen geschlossen werden sollte. Die Vereinigten
Staaten sind vielmehr bereit, der sowjetischen Forderung nach einer Phase
des Nichtrückzugs nachzukommen, wenn
die Sowjets drei Bedingungen der Vereinigten Staaten erfüllen.
Erstens
werden die Vereinigten Staaten nach
der Phase des Nichtrückzugs die Freiheit haben, ohne weitere Berücksichtigung des ABM-Vertrags und nach einer sechsmonatigen Vorwarnzeit Verteidigungssysteme
zu
stationieren.
Zweitens bleiben die gemäß dem Völkerrecht bestehenden Rechte auf Rückzug und Kündigung, sofern sie nicht
mit der Stationierung an sich zusammenhängen, unberührt. Drittens darf
es in der Phase des Nichtrückzugs
keine Unstimmigkeiten über Forschung,
Entwicklung und Erprobung - auch im
Weltraum - geben. In diesem Zusmmenhang möchte ich hervorheben, daß die
Vereinigten Staaten das SDI-Programm
jetzt und in Zukunft im Einklang mit
allen internationalen Abkommen, einschließlich des ABM-Vertrags, durchführen werden.
Zwei dieser drei amerikanischen
Bedingungen wurden in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
vom 10. Dezember 1987 behandelt, einem wichtigen Meilenstein in unseren
Verhandlungen, mit dem es uns in Genf
möglich war, ein Abkommen mit demselben rechtlichen Status wie der ABMund der START-Vertrag auszuarbeiten.
Erstens wurde in Washington vereinbart, daß "intensive Diskussionen
über die Stabilität im strategischen
Bereich nicht später als drei Jahre
vor Ende des zu bestimmenden Zeitraums (des Nichtrückzugs) aufgenommen

- 4 -

�werden sollten, und danach wird jede
Seite - vorbehaltlich anderslautender
beiderseitiger Vereinbarungen - den
weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten
frei bestimmen können". Damit wurde
ein neues System nach der Phase des
Nichtrückzugs anerkannt, demzufolge
jede Seite über die Stationierung von
Raketensystemen zur Verteidigung ohne
Berücksichtigung
des
ABM-Vertrags
entscheiden könnte. Die Position der
Vereinigten Staaten besagt, daß die
Einschränkungen des ABM-Vertrags weiterhin gelten, bis eine Partei von
ihrem "Stationierungsrecht" Gebrauch
macht.
Darüber hinaus wurde zweitens
vereinbart, daß beide Seiten "den
ABM-Vertrag in der 1972 unterzeichneten Version einhalten, während sie
die im Rahmen des ABM-Vertrags erlaubte Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen". Generalsekretär Gorbatschow stimmte dieser amerikanischen Sprachregelung zu, die von
den Sowjets in den vorausgegangenen
18 Monaten in Genf mit dem Argument
abgelehnt worden war, die Vereinigten
Staaten würden darunter die Erprobung
auf anderen physikalischen Prinzipien
beruhender weltraumgestutzter ABM-Systeme und ihrer Komponenten im Weltraum verstehen.
Hier in Genf haben die Sowjets
versucht, diese Vereinbarung des Washingtoner
Gipfels
herunterzuspielen. Im ersten Fall strebten sie eine Beendigung des Vertrags über Verteidigung im Weltraum mit Ablauf der
Nichtrückzugsphase an, womit die vereinbarten neuen Maßnahmen nach dieser
Phase null und nichtig würden. Der
von amerikanischer Seite vorgeschlagene Vertrag über Verteidigung im
Weltraum ist unbegrenzt gültig und
gewährleistet das "Recht zu Stationierung" zusammen mit den entsprechenden
Benachrichtigungsverfahren.
Im zweiten Fall haben die Sowjets erklärt, der "weiten Auslegung" des
ABM-Vertrags nicht zuzustimmen, obwohl die Genfer Verhandlungsprotokolle eindeutig belegen, daß sie verstanden haben, daß die Vereinigten

Staaten die "weite Auslegung" bei der
Formulierung meinten, der Generalsekretär Gorbatschow beim Gipfeltreffen
in Washington zugestimmt hat.
Infolgedessen haben die Vereinigten Staaten klargestellt, daß der Abschluß eines Vertrags über Verteidigung im Weltraum von der Klärung dieser Formulierung in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
abhängt, um ein klares gegenseitiges
Verständnis der genehmigten Erprobung
zu gewährleisten. Um dies zu verwirklichen und um die Diskussion über
Kontroversen über die Auslegung des
ABM-Vertrags
hinauszuführen,
haben
die Vereinigten Staaten drei Initiativen in die Wege geleitet. Erstens
haben sie die von mir bereits erwähnten Maßnahmen
zur Berechenbarkeit
vorgeschlagen.
Zweitens haben die
Vereinigten Staaten in Anbetracht der
unlösbaren Verifizierungsprobleme und
der vordringlichen Entwicklung neuer,
stablisierender
weltraumgestützter
Sensoren den Vorschlag unterbreitet,
daß beide Seiten übereinkommen, auf
der Grundlage des ABM-Vertrags die
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung weltraumgestutzter Sensoren
der anderen Seite nicht abzulehnen.
Drittens haben wir im vergangenen Oktober eine Garantie für Erprobung im
Weltraum gegeben, die der von den Sowjets vorgebrachten Besorgnis über
die Stationierung von ABM-Systemen im
Weltraum oder die Errichtung eines
Stützpunkts für eine solche Stationierung Rechnung trägt.
In dieser
Garantieerklärung haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, daß
sie nur eine begrenzte Anzahl bestimmter Komponenten weltraumgestützter ABM-Systeme von ABM-Erprobungssatelliten aus erproben werden, die auf
anderen physikalische Prinzipien beruhen und fähig sind, ABM-Abfangraketen zur Abwehr ballistischer Raketen
oder ihrer Elemente während des Fluges zu ersetzen. Die Anzahl dieser
amerikanischen ABM-ErprobungsSatelliten, die sich gleichzeitig in der
Erdumlaufbahn befinden, wird nicht
niedriger sein, als dies realistisch
gesehen der Fähigkeit stationierter

- 5 -

�Systeme entsprechen würde. Im Zusammenhang mit dieser Garantieerklärung
haben wir Benachrichtigungsverfahren
vorgeschlagen, die sich auf die Erprobung
von
ABM-Versuchssatelliten
beziehen.
Obwohl die Sowjets noch nicht zugestimmt haben, sind wir zufrieden,
daß diese Initiativen von einer soliden
technischen
und
politischen
Grundlage ausgehen und sich gerecht
mit der Besorgnis beider Seiten auseinandersetzen.
Sie werden beiden
Seiten Berechenbarkeit im Hinblick
auf alle Verteidigungsaktivitäten mit
strategischen Raketen gewähren. Sie
geben die Garantie, daß über die Bestimmungen des ABM-Vertrags für einen
festgelegten Zeitraum keine Stationierung moderner Verteidigungssysteme
vorgenommen wird - sollte es dazu
kommen, garantieren sie, daß vorher
umfangreiche Diskussionen über die
Stabilität im Strategischen Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion stattgefunden
haben müssen.
Die
amerikanischen
Initiativen
zielen auch darauf ab, sicherere und
stabilere zukünftige Maßnahmen zu erarbeiten, bei denen die Sicherheit
beider Seiten und der ganizen Welt
sich auf die immer bedeutendere Rolle
einer effektiven nichtnuklearen Verteidigung gegen die bedrohlichste
Waffe der modernen Technologie - die
ballistische Offensivrakete - gründet, unabhängig davon, ob sie mit "nuklearen, konventionellen oder chemischen Gefechtsköpfen bestückt ist.
Diese Prognose Scheint sich voll und
ganz mit jüngsten sowjetischen Erklärungen zu decken, denen zufolge die
UdSSR ihre Militärstrategie insgesamt
ändert und ihr defensiven Charakter
verleiht. Und diese Prognose deckt
sich auch vollständig mit dem allseits bekannten sowjetischen Interesse an Verteidigung, generell gesprochen. Daher werden wir uns in Geduld
fassen und eine positive sowjetische
Reaktion abwarten.
In diesem Zusammenhang möchte ich

feststellen, daß wir eine nützliche
Runde unserer Verhandlungen beenden.
Die amerikanische Seite hat die Kontinuität der amerikanischen Position
zur Verteidigung im Weltraum betont
und mit dem Protokoll in Verbindung
stehendes neues Material zur Verfügung gestellt.
Obwohl die Sowjets
kein neues Material vorgelegt und
sich geweigert haben, die Positionen
beider Seiten in «einem Gemeinsamen
Entwurf des Vertrags über die Verteidigung im Weltraum zu verankern, haben sie konstruktiv am Protokoll des
Gemeinsamen Entwurfs mitgearbeitet.
In dieser Runde schien sich auch,
ausgehend von der gemeinsamen Erkenntnis, daß es keine absolute Waffe
gibt - sei sie offensiv oder defensiv
- eine leichte Verlagerung in Richtung auf eine umfassendere Erörterung
des
Offensiv-Defensiv-Verhältnlsses
abzuzeichnen. Wohin eine solche Diskussion angesichts fortschreitender
technischer
Möglichkeiten
führen
wird, ist unklar, aber es wäre höchst
unwahrscheinlich, zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß wirksame Verteidigungssysteme nicht stationiert
werden sollen, wenn sie sich als
machbar erweisen sollten. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, es
sei sinnvoll, wirksame Verteidigungssysteme zu entwickeln, wenn fortschreitende Technologien dies ermöglichen und sie zu Stationieren, wenn
sie fertig sind - vorzugsweise in gemäßigtem Tempo und auf kooperative
Art und Weise.
Abschließend möchte ich die Arbeit des Weltraumausschusses hier bei
der
Abrüstungskonferenz
würdigen.
Wie Sie meiner Beschreibung der Gespräche über die Verteidigung im
Weltraum entnehmen können, ist die
Arbeit in diesem Bereich außerordentlich kompliziert.
Verständnis auf
diesem Gebiet aufzubauen, ist kein
leichter Prozeß, und ich beglückwünsche den Weltraumausschuß zu der geleisteten Arbeit, größeres Verständnis für dieses Thema zu wecken. Während auf bilateraler Ebene zunächst
ein grundsätzlicher Rahmen geschaffen

�werden muß, haben die Vereinigten
Staaten nach wie vor Interesse an den
mit Rüstungskontrolle
im Weltraum
verbundenen Themen bei der Abrüstungskonferenz und wollen diese weiterhin prüfen. Aber die Vereinigten
Staten haben noch keine praktischen
Maßnahmen zur Rüstungskontrolle im
Weltraum ausgemacht, die auf multilateraler Ebene behandelt werden können.
•
*

Herr Präsident, es war mir eine
Ehre und ein Vergnügen, vor dieser
Konferenz sprechen zu dürfen.
Ich
verfolge Ihre Arbeit aufmerksam und
wünsche der Konferenz einen erfolgreichen Verlauf.
Ich danke Ihnen,
Herr Präsident.

* * * * *

- 7-

i

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

30

9. August 1989

WESTLICHE SICHERHEIT:

DIE USA UND IHRE NATO-PARTNER

- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

Die folgende regionale Übersicht zur Sicherheit des Westens wurde vom Außenministerium im Juni 1989 veröffentlicht.

Westliche Sicherheit:
ihre NATO-Partner

USA und

es zum am schwersten bewaffnetenen
Kontinent der Welt machte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen
sich die von der Bedrohung des Naziregimes befreiten Völker Europas ;nit
zwei
diametral
entgegengesetzten
Sichtweisen
der Zukunft
konfrontiert. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten in Westeuropa sahen
ein Zeitalter der Demokratie vor
sich, das von der Freiheit des einzelnen und wirtschaftlichem Wohlstand
geprägt sein sollte, wie sie sich auf
der Grundlage freier Marktwirtschaft
entfalten können. Gemeinsam mit unseren Verbündeten bildeten wir &gt;;ln
Bollwerk gegen die von der Sowjetunion vertretene gegensätzliche Sichtweise - die Europa gegen den Willen
seiner Völker willkürlich teilte und

Anzeichen, daß die Sowjetunion durch Glasnost, Perestrojka, Demokratisierung und "neues Denken" - ihre
Vision der Zukunft ändert, bedeuten
nicht, daß die notwendige Solidarität
der Verbündetenen hinfällig geworden
ist. Mit Interesse und Wachsamkeit
beobachten wir die Veränderungen in
der Sowjetunion.
Die Vereinigten
Staaten
begrüßen
Glasnost, Perestrojka, neues politisches Denken und
die ersten zögernden Schritte in
Richtung auf Demokratisierung. Die
Vereinigten Staaten erwarten jedoch
greifbare Anzeichen, daß die Sowjets
ihr Verhalten im Hinblick auf militärische Expansion der Sowjetunion, Beschaffungsvorhaben
und Aufstellung

Die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von
Streitkräften,
Militärdoktrin,
Menschenrechte, regionalen Konflikte
und militärische Unterstützung totalitärer Staaten geändert haben, bevor
sich die Haltung der Verbündeten in
den Beziehungen mit dem Ostblock entscheidend ändern kann.
Darüber hinaus ist die ehemals
von den Sowjets vertretene Sichtweise
eines in ideologische Lager aufgespaltenen Europas nicht der einzige
Grund für westliche Bündnisse und
Freundschaften.
In den vergangenen
vierzig Jahren haben die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Partner starke
politische, militärische und wirtschaftliche
Beziehungen
aufgebaut,
die durch gemeinsame Werte und grundsätzlich gemeinsame Interessen verknüpft sind. Bei den westlichen Verbündeten selbst haben enorme Veränderungen stattgefunden, und die Rolle
der Vereinigten Staaten ist heute wesentlich weniger vorherrschend als
nach dem Zweiten Weltkrieg. Weit davon entfernt, ein negatives Anzeichen
schwindenden Einflusses der Vereinigten Staaten zu sein, sind die Veränderungen der bestmögliche Beweis dafür, daß unsere politischen Maßnahmen
funktioniert haben. Obwohl die Vereinigten Staaten nicht die Hauptquelle von Ressourcen für Europas politische, wirtschaftliche und militärische Stärke sind, spielen sie eine
einzigartige Rolle als Katalysator
für Zusammenarbeit.
Die entscheidendste Entwicklung
in der Reaktion der Verbündeten auf
die Herausforderungen der Nachkriegszeit war die Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags im April 1949. Mit
diesem Dokument wurde die Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO)
geschaffen, die vielfach als das
wirksamste und dauerhafteste Verteidigungsbündnis der modernen Geschichte angesehen wird. Die NATO ist ein
rein defensives Bündnis: sie erhebt
keine Gebietsansprüche gegenüber anderen Nationen und ihre Mitglieder
haben sich verpflichtet, ihre Streitkräfte nur zur Verteidigung des Bündnisgebiets einzusetzen. Während die

NATO im Jahr 1989 ihren 40. Jahrestag
feiert, werden kontinuierliche Konsultationen zwischen den Vereinigten
Staaten und den Verbündeten zu einem
umfassenden Ansatz nicht nur bei
Ost-West-Fragen führen, sondern das
westliche Bündnis bei der Bewältigung
der vor ihm liegenden Herausforderungen auch stärker als je zuvor machen.
Diese Übersicht prüft die grundsätzlichen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten, während die NATO eine
Neubewertung eines sich verändernden
Sicherheitsklimas vornimmt und darauf
reagiert.

|

v
(Die
ursprünglichen
Mitglieder
der NATO waren: Belgien, Dänemark,
Frankreich, Großbritannien, Island,
Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal und die
Vereinigten Staaten. Die Bundesrepublik Deutschland, Griechenland, Spanien und die Türkei traten später
bei, wodurch sich die Zahl der NATOMitgliedstaaten
auf
16
erhöhte.
Frankreich zog sich im Jahr 1966 aus
der integrierten militärischen Struktur der NATO zurück, ist jedoch noch
Mitglied des Bündnisses).
Politische Beziehungen
In einer Ansprache beim Treffen
der europäischen
Außenminister in
Wien umriß Außenminister Baker am 6.
März 1989 "vier Freiheiten", die vom
Westen als Grundsteine für Demokratie
und friedliche Beziehungen angesehen
werden:
Die Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
wäre die Legalität der Gewerkschaft Solidarität die Norm und
nicht Thema kontroverser Verhandlungen gewesen.
Die Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

t
v

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
würden die Beobachter der KSZEVereinbarungen zu den Menschenrechten nicht von ihren Regierungen verfolgt.
Die Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht auf Freizügigkeit wahrzunehmen. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, wäre Wissenschaftlern der
Zugang zu Lehrmaterial niemals
verweigert worden - und die Berliner Mauer wäre nur noch Bruchstein.
Die Freiheit aller Europäer nicht
nur von einem militärischen Angriff sondern auch von militärischer Einschüchterung. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, sähen sich die Westeuropäer
nicht einer überwältigenden militärischen Streitmacht im Osten
gegenüber und die Osteuropäer wären in der Lage, eigene politische Entscheidungen ohne Furcht
zu treffen, von sowjetischen Panzern "überstimmt" zu werden, wie
es in der DDR im Jahr 1953, in
Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 der Fall war.
Dank dieser durch die Kraft freier Marktwirtschaften und enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
genährten
unerschütterlichen
Verpflichtung zu diesen vier Grundsätzen
konnte Westeuropa sich mit Hilfe des
Marshall-Plans von der Verwüstung des
Zweiten Weltkriegs schneller erholen
als die meisten noch so optimistischen Planer erwartet hatten. Infolgedessen hat sich ein Teil der Macht
und des Einflusses der Vereinigten
Staaten auf die westeuropäischen Verbündeten verlagert.
Diese Entwicklung ist sowohl positiv als auch wünschenswert. Dennoch stellt sie uns
vor neue Herausforderungen, während
die Vereinigten Staaten und ihre Ver-

bündeten Mittel und Wege ergründen,
um sowohl den Nutzen als auch die Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu
verteilen.
Die Westeuropäer gewöhnten sich
daran, daß die Vereinigten Staaten
einen Großteil der Kosten für die gemeinsame Verteidigung trugen. Heute
jedoch,
da
die
Volkswirtschaften
Westeuropas
amerikanische
Wirtschaf tsinteressen in den Vereinigten
Staaten und der ganzen Welt herausfordern, wird von den Amerikanern die
Meinung vertreten, Westeuropa sei nun
in der Lage, einen größeren Anteil
zur gemeinsamen Verteidigung beizutragen. Die Tatsache, daß das westliche Bündnis sogar inmitten einer
Debatte über solch grundlegende Fragen weiter an Stärke gewinnt, ist der
beste Beweis dafür, daß der demokratische Austausch von Ideen die einzige Garantie für dauerhaften Frieden
und Freundschaft bietet.
Gerade weil, sich die NATO aus
funktionierenden Demokratien zusammensetzt, muß die öffentliche Meinung
in vielen Staaten berücksichtigt werden, bevor wichtige politische, wirtschaftliche und militärische Entscheidungen gefällt werden. Zum Beispiel wurde der amerikanisch-sowjetische Vertrag zur Beseitigung der
nuklearen Mittelstreckenraketen (INF)
ermöglicht, weil sich die Menschen in
mehreren westeuropäischen Demokratien
trotz sowjetischer Schachzüge dafür
aussprachen, zunächst INF-Systeme zu
stationieren. Diese gemeinsame Handlungsweise der Verbündeten setzte
Moskau in Zugzwang, da die Sowjets
vor der Stationierung der westlichen
INF-Systeme ein Monopol bei diesen
Waffen besaßen und keinen Anlaß zu
ernsthaften
Verhandlungen
sahen.
Wichtige Beschlüsse zur Sicherheit
der Verbündeten sowie zu den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen müssen der Überprüfung durch die
Öffentlichkeit aller 16 Mitgliedstaaten standhalten.
Die
westlichen
Bündnispartner
sind sich seit langem der Tatsache

- 3 -

�bewußt, daß ihre Freiheit und ihr
Wohlstand am besten geschützt werden,
wenn sie ein wirksames Abschreckungspotential aufrechterhalten und gewisse Arrangements mit dem Osten treffen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE), die zum ersten Mal im Jahr
1972 in Helsinki zusammentraf, hat
sich bemüht, den Kern der politischen
und militärischen Probleme zu behandeln, die zur Instabilität in Europa
beitragen.
Folgetreffen im Rahmen
des sogenannten "KSZE-Prozesses" wurden zu verschiedensten Themen, von
den Menschenrechten bis zur friedlichen Beilegung von Konflikten und Umweltfragen einberufen.

Namen "flexible Reaktion" bekannte
Strategie, die auch heute noch gültig
ist. Die NATO ist bereit, jede ihr
zur Verfügung stehende Waffe einzusetzen, um einem Akt der Aggression
in geeigneter Weise entgegenzutreten.
Der Warschauer Pakt muß die
Möglichkeit in Betracht ziehen, daß
die NATO jedes ihr zur Verfügung stehende Mittel einsetzen könnte - einschließlich der Atomwaffen -, wenn
die Truppen des Warschauer Pakts in
Westeuropa
einmarschierten.
Diese
Flexibilität dient der Abschreckung
eines Krieges, indem der anderen Seite
unmißverständlich
klargemacht
wird, daß der Westen geeignete Maßnahmen ergreifen wird, um jeder Form
von Aggression zu begegnen.

Die nukleare Rüstungskontrolle

Auf beiden Seiten erschienen atomare Kurzstreckenwaffen, und die sowjetisch geführten Truppen und Panzer
des Warschauer Pakts waren denen des
Westens weiterhin zahlenmäßig weit
überlegen. Dies war ein entscheidender Faktor in der Verteidigungsstrategie des Bündnisses, weil die stärkste Militärmacht der NATO, die Vereinigten Staaten (Tausende von Meilen
von der Grenze zwischen Ost und West
entfernt), nicht in der Lage war,
konventi onelle
Streitkräfte
rasch
nach Europa zu verlegen.

Um
eigener
propagandistischer
Vorteile willen versucht die Sowjetunion häufig, die NATO-Strategie der
"flexiblen Reaktion" und unsere Bemühungen um Abschreckung eines Krieges
falsch darzustellen. So würde Moskau
es beispielsweise vorziehen, wenn wir
den Ersteinsatz nuklearer Waffen ausschlössen und Europa in eine "atomwaffenfreie Zone" verwandelten.
In
der Vergangenheit schlug Moskau ferner ein "Einfrieren" der Atomstreitkräfte auf den gegenwärtigen Niveaus
vor. Der wahre Charakter dieser sowjetischen Argumente wird deutlich,
wenn man in Betracht zieht, daß bei
Abwesenheit eines glaubwürdigen nuklearen Abschreckungspotentials die
konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts das Umfeld der europäischen Sicherheit beherrschen würden. Überdies hat die Geschichte gezeigt, daß selbst bei Vorhandensein
gleicher konventioneller Streitkräfteniveaus konventionelle Streitkräfte
allein einen Krieg nicht verhindern.
Es ist die auf einem glaubwürdigen
Mix moderner atomarer und konventioneller Waffen gegründete NATO-Strategie der Abschreckung, die in den vergangenen 40 Jahren den Frieden in Europa bewahrt hat.

Als Antwort auf die massive Aufrüstung des Ostblocks verabschiedete
die NATO im Jahr 1967 eine unter dem

Aufgrund dessen haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
die Frage der nuklearen Rüstungskon-

In den ersten Nachkriegsjahren
befand sich das militärische Gleichgewicht in Europa im Fluß. Es wurde
von Versuchen der Sowjets geprägt,
anderen Regierungen den Willen Moskaus aufzuzwingen.
Die amerikanischen strategischen
oder atomaren
Langstreckenraketen bildeten ein Gegengewicht zur Überlegenheit der Sowjetunion
bei den konventionellen
Streitkräften. Nach 1948 stellte die
Entwicklung von Atomwaffen durch die
Sowjetunion eine zusätzliche Bedrohung Europas und der Vereinigten
Staaten dar.

- 4 -

�trolle unter dem umfassenden Gesichtspunkt der westlichen Sicherheit
in Angriff genommen. Die Reduzierung
von Waffen ist kein Selbstzweck, unser Ziel besteht vielmehr in der Verbesserung der westlichen Sicherheit
und regionalen Stabilität. Die Vorschläge des Westens zur konventionellen Rüstungskontrolle zielen auf die
Beseitigung der Ungleichgewichte bei
den konventionellen Streitkräften und
auf die Verbesserung der Stabilität
ab.
Es gibt drei grundlegende Kategorien
landgestützter
Atomraketen:
Kurzstreckensysteme (SNF) mit einer
Reichweite unter 500 Km, Mittelstrekkensysteme mit Reichweiten zwischen
500 und 4 500 Km sowie Langstreckenoder strategische Systeme - Interkontinentalraketen
(ICBMs), unterseebootgestUtzte
ballistische
Raketen
(SLBMs) und schwere Bomber - mit einer Reichweite über 5 500 Km.
Die einzige von den Vereinigten
Staaten und der UdSSR vollständig
verbotene Kategorie von Atomraketen
sind
die
Mittelstreckensysteme
(INF).

Die

Sowjetunion

begann

mit

der Stationierung landgestützter Systeme, die Ziele in Westeuropa erreichen konnten, in den fünfziger Jahren. Die gefährlichsten dieser INFWaffen waren die modernen SS-20-Raketen, die von den Sowjets seit 1977
stationiert wurden.
Die westlichen
Bündnispartner einigten sich im Hinblick auf INF auf einen "zweigleisigen" Ansatz - die Stationierung neuer
INF-Systeme, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, bei gleichzeitigen Verhandlungen mit den Sowjets, um
die SS-20 und andere sowjetische
INF-Raketen zu beseitigen.
Angesichts der Stationierung amerikanischer INF-Raketen stimmte die UdSSR
einem amerikanischen Vorschlag zu,
der ein vollständiges, verifizierbares Verbot aller Mittelstreckensysteme vorsieht.
Die strategischen Atorastreitkräfte sind Thema der Gespräche zur Ver-

ringerung
strategischer
Rüstungen
(START) mit dem Ziel, das Risiko eines Atomkriegs zu verringern.
Das
Ziel der Vereinigten Staaten bei den
START-Verhandlungen ist die Herbeiführung eines ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens, mit
dem ein stabileres atomares Gleichgewicht geschaffen und damit der Anreiz
für jede Seite verringert wird, einen
Erstschlag durchzuführen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus, daß
ein START-Vertrag in der Zukunft möglich ist, zunächst jedoch noch eine
Reihe schwieriger Fragen gelöst werden muß.
Dazu gehören:
mobile
ICBMs, see- und luftgestützte Marschflugkörper
sowie Untergrenzen für
ICBM-Gefechtsköpfe. In vielen dieser
Fälle bildet die Verifizierung die
schwierigste Herausforderung.
Die NATO sieht sich weiterhin der
unmittelbaren Bedrohung einer großen
Zahl atomarer Kurzstreckensysteme des
Warschauer
Pakts
ausgesetzt,
die
kürzlich noch erheblich modernisiert
wurden. In dem im Mai 1989 von der
NATO verabschiedeten
"Gesamtkonzept
für Rüstungskontrolle und Abrüstung"
bekräftigt die NATO ihre Haltung,
derzufolge es in vorhersehbarer Zukunft keine Alternative zur auf einem
geeigneten Mix angemessener und wirksamer nuklearer und konventioneller
Streitkräfte
gegründeten
Strategie
der Abschreckung gibt. Land-, seeund luftgestützte nukleare Systeme in
Westeuropa, darunter
auch landgestützte Raketen, werden weiterhin benötigt und gegebenenfalls modernisiert werden müssen. Im Einklang mit
der Verpflichtung der NATO, nur die
Mindestzahl der zur Aufrechterhaltung
dieser Strategie erforderlichen Atomwaffen beizubehalten, hat das Bündnis
bereits einseitige Kürzungen bei den
nuklearen Kurzstreckensystemen vorgenommen. Die Anzahl der landgestützten Gefechtsköpfe in Westeuropa wurde
seit 1979 um über ein Drittel abgebaut und erreichte somit ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Eine
Modernisierung solcher Systeme würde
zu weiteren Reduzierungen führen.

- 5 -

�Konventionelle Rüstungskontrolle
Präsident Bush und Außenminister
Baker betrachten die konventionellen
Streitkräfte als einen der vorrangigsten Bereiche in der Rüstungskontrolle. Außenminister Baker hat das Problem sehr einfach umrissen: "Die Sowjetunion und ihre Verbündeten haben
eine ungeheure von schwer bewaffneten
Einheiten angeführte und starker Feuerkraft unterstützte Streitmacht stationiert. Diese Streitmacht ist auf
den Westen gerichtet."
Panzer und
Artillerie des Warschauer Pakts sind
der NATO im Verhältnis 3 zu 1 überlegen, und der Warschauer Pakt hat bei
Schützenpanzern einen Vorteil von 2
zu 1. Selbst wenn alle von Generalsekretär Gorbatschow und dem Warschauer Pakt angekündigten einseitigen Streitkräftereduzierungen vorgenommen würden, hätte der Warschauer
Pakt immer noch doppelt soviel Panzer
und Artillerie.
Am 9. März 1989 sind im Rahmen
des KSZE-Prozesses zwei neue autonome
Verhandlungen in Wien eröffnet worden. Die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
decken das gesamte europäische Territorium des Warschauer Pakts und der
NATO-Staaten vom Atlantik bis zum
Ural ab. Bei den separaten Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) haben
alle beteiligten 35 KSZE-Länder das
Ziel, "Offenheit" zwischen Ost und
West hervorzubringen.
KSE.
Beim
NATO-Gipfeltreffen
am 29. Mai 1989 hat Präsident Bush
die Verbündeten aufgefordert, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten den
weitreichendsten westlichen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
zu unterbreiten, der jemals in der
Nachkriegszeit vorgelegt wurde. Der
Präsident hat mit Zustimmung der NATO
folgende Verbesserungen zum nunmehr
in Wien vorliegenden KSE-Vorschlag
der NATO vorgeschlagen:
Erstens sollen die Bündnispartner
die Zustimmung des Ostblocks zu den

vom Westen vorgeschlagenen Begrenzungen bei wichtigen Bereichen ihrer
Landstreitkräfte festklopfen.
Dazu
zählen Obergrenzen für die Anzahl der
Panzer
(20 000 für jede Seite),
Schützenpanzer (28 000 für jede Seite) und Artilleriegeschütze (16 500
bis 24 000 für jede Seite, je nach
Lösung von Fragen der Definition).
Das reduzierte Gerät würde zerstört.
Mit dieser Bestimmung würde der Ostblock verpflichtet, Zehntausende von
Waffensystemen zu vernichten und seine Vormachtstellung in diesen wichtigen Bereichen militärischer Stärke
aufzugeben.

,
\

Zweitens muß der Westen seinen
Vorschlag so erweitern, daß damit zum
ersten Mal das Konzept konventioneller Rüstungskontrolle auch alle landgestützten Kampfflugzeuge und Hubschrauber im Gebiet vom Atlantik bis
zum Ural abdeckt. Jede Seite wäre
verpflichtet, ihren Bestand auf 15
Prozent unter der gegenwärtigen Gesamtmenge der NATO zu reduzieren.
Alles reduzierte Gerät würde verschrottet. Wiederum würde trotz beiderseitig vorgenommener erheblicher
Kürzungen der Ostblock seine gegenwärtige Vormachtstellung bei diesen
Streitkräften verlieren.
Drittens müssen sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
auf einen gemeinsamen Stand von etwa
275 000 Soldaten der Land- und Luftstreitkräfte einigen, die außerhalb
des nationalen Territoriums im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural stationiert sind. Die Vereinigten Staaten
sind bereit, ihre Kampftruppen um 20
Prozent zu reduzieren, um diesen
Stand zu erreichen. Bei dieser Reduzierung auf einen Gleichstand müßten
die Sowjets ihre 600 000 Mann starken
Truppen in Osteuropa um 325 000 Soldaten reduzieren.
Die auf beiden
Seiten abgezogenen Soldaten würden
entlassen.
&lt;
Viertens müßten beide Seiten ihren Zeitplan für den Abschluß eines
KSE-Abkommens im oben beschriebenen
Kontext und die Durchführung der er-

- 6 -

(

i

�Landes (etwa sowjetischer Truppen
in der DDR) sollten zusätzliche
Begrenzungen gelten. Diese beiden Punkte würden zusammengenommen sicherstellen, daß kein einzges Land Europa mit Waffengewalt
beherrschen könnte.

forderlichen Reduzierungen beschleunigen. Die Sowjetunionm strebt dabei
als Ziel das Jahr 1997 an, während
die Vereinigten Staaten innerhalb von
sechs Monaten bis zu einem Jahr ein
Abkommen erzielen und die Reduzierungen bis 1992 oder 1993 vornehmen wollen.

Die Beseitigung von Fähigkeiten
zur
Durchführung
von
Überraschungsangriffen und großen Offensivoperationen. Die Arten von
Waffensystemen, bei denen der
Ostblock die größten Vorteile hat
- Panzer, Artillerie und Schützenpanzer - sind solche Systeme,
die für den Einfall und die Besetzung von Terrotorium - dem
Hauptziel eines jeden Aggressors
von entscheidender Bedeutung
sind.

Die NATO hat als Ziel für die
Vorlage dieser Verbesserungen zusammen mit den Verifizierungsbestimmungen die Eröffnung von Runde III der
KSE am 7. September 1989 avisiert.
Wenn die Sowjetunion und ihre Verbündeten Bereitschaft zur Änderung ihrer
nationalen Prioritäten signalisieren
und
ihre ungeheuren militärischen
Aufstellungen reduzieren, sind die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bereit, an der Verwirklichung
der seit langem gehegten Hoffnung eines sicheren und weniger militarisierten Europas mitzuwirken.

Die Vereinigten Staaten bestehen
darauf, daß jeder Rüstungskontrollvertrag wirksam verifizierbar sein muß und Inspektionen
verstärkt
durchgeführt
werden
sollen.

Die westlichen Verbündeten verfolgen bei KSE vier Hauptzielsetzungen:
Die Errichtung eines sicheren und
stabilen Gleichgewichts konventioneller Streitkräfte auf niedrigerem Niveau. Die gegenwärtige
Konzentration
konventioneller
Streitkräfte
zwischen
Atlantik
und Ural stellt das größte jemals
aufgestellte destruktive Potential konventioneller Streitkräfte
dar.
Allein die Präsenz einer
solchen massiven Feuerkraft bedroht die Sicherheit Europas.
Die Behebung von Stabilität und
Sicherheit abträglichen Ungleichgewichten. Es ist das erhebliche
Ungleichgewicht bei Panzern, Artillerie und Schützenpanzern, das
die Stabilität und Sicherheit Europas am stärksten bedroht. Insbesondere sollte es keinem einzigen Land erlaubt sein, mehr als
einen festgelegten Anteil aller
Waffensysteme zu besitzen, die
alle Parteien haben.
Für die
Stationierung von Soldaten auf
dem Territorium eines anderen

VSBM. Mit Hilfe der VSBM soll
das Risiko für bewaffnete Konflikte
abgebaut werden, die aufgrund von
Mißverständnissen oder Fehleinschätzungen militärischer Fähigkeiten und
Absichten in Europa entstehen könnten. Nach dem erfolgreichen Abschluß
des Stockholmer Abkommens von 1986
und der zweieinhalbjährigen Erfahrung
mit seiner Durchführung werden die 35
Teilnehmerstaaten der KSZE erneut in
Wien zusammenkommen, um zusätzliche
Maßnahmen zu erarbeiten. Der westliche Vorschlag konzentriert sich dabei
auf Maßnahmen zur Förderung von Offenheit und Transparenz von militärischen Strukturen, Gerät und Aktivitäten und verringert damit die Wahrscheinlichkeit, daß solche Waffen jemals eingesetzt werden.
Ausblick
Wirtschaftliche, soziale und politische Veränderungen in der Sowjetunion und Osteuropa finden genau zu

- 7 -

�dem Zeitpunkt statt, an dem die
Volkswirtschaften und Demokratien der
Verbündeten einen Aufschwung erfahren. Neue Ufer liegen jetzt vor einem Kontinent, der vor vierzig Jahren
durch einen Konflikt zweier gegensätzlicher Visionen geteilt wurde.
Mit dem nachlassenden Konflikt könnte
es möglich sein, alte Hindernisse auf
Europas Weg in die Zukunft zu beseitigen.
Die Vereinigten Staaten und ihre
NATO-Verbündeten arbeiten gemeinsam
an der Beseitigung der größten Hindernisse - insbesondere des konventionellen Ungleichgewichts und den
Schleiern der Geheimhaltung, die sich
lange über die Sicherheit Europas und
den Weltfrieden gelegt haben. Dieser
Prozeß wird nicht leicht sein, aber
einem freien, offenen, sicheren und
wohlhabenden Europa den Weg bereiten.

* * * * *

- 8-

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

30

9. August 1989

INTEGRIERTES ENTSORGUNGSPROGRAMM FÜR ATOMANLAGEN

- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

(AD). - Der Energieminister der Vereinigtes Staaten, Admlral James D.
Watklns, kündigte am 1. August 1989
Im Nationalen Presseklub in Washington einen auf zunächst fünf Jahre angesetzten Plan zur Entsorgung an nuklearen
Produktionsstätten an.
Er
ist Teil des wenige Tage zuvor bekanntgegebenen Programms zum Aufbau
einer "Nationalen Energiestrategie",
mit deren Hilfe das Land seinen Energiebedarf weit in das nächste Jahi—
hundert hinein decken kann.
Mehr denn je muß Watkins zufolge
nach Energietechnologien gesucht werden, bei denen keine Abfälle erzeugt
werden oder, falls sie nicht zu vermeiden sind, diese ordnungsgemäß entsorgt werden. Das gilt z.B. für die
festen
Rückstände
von
Entschwefe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

lungsanlagen in Kohleund Heizölkraftwerken aber ebenso für die Rückstände
aus der Produktion von Kernmaterial
für Verteidigungszwecke.
Aus vielerlei Gründen
befindet
sich Watkins zufolge der letztgenannte Komplex in einem desolaten Zustand.
Eine Reihe von Anlagen Ist
überaltert. Manche mußten wegen notwendiger
S1eherheitsVerbesserungen
abgeschaltet werden, was bereits zu
einer Verknappung von Tritium führte.
Erst kürzlich hat man den Bau
eines
neuen
Produktionsreaktors
ernsthaft in Erwägung gezogen.
Infolge fragwürdiger Prioritäten in der
Vergangenheit und sich häufig ändernder Betriebsvorschriften sind Umweltprobleme In diesen Anlagen weit verbreitet; Gesundheitsund Sicherheits-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Vorkehrungen sind erst im nachhinein
getroffen worden und daher noch unvollständig. Ursprünglich waren sie
in den Betrieben nicht vorgesehen.
Der jetzt vorgesehene Fünfjahresplan gibt Auskunft darüber, wie das
Energieministerium die Einhaltung von
Gesetzen,
Betriebsbestimmungen
und
Abkommen zum Schutz der Gesundheit
von Mensch und Umwelt in den Einrichtungen, die Forschung für Verteidigungsprogramme, an Kernenergie und
Energie allgemein betrieben, gewährleisten will. Die auf 90 Tage angesetzte öffentliche Erörterung des Dokuments beginnt nach Bekanntgabe im
Bundesregister am 28. August. Nur
die nationale Sicherheit betreffende
Aktivitäten unterliegen weiterhin der
Geheimhaltung.
An der Ausarbeitung des Planes
waren Fachleute und Dienststellen des
Energieministeriums, Gouverneure der
betroffenen Bundesstaaten, gewählte
Vertreter des Indianerreservate sowie
Repräsentanten des Nationalen Gouverneursrats, der Nationalen Konferenz
der Parlamente der Bundesstaaten und
des Nationalen Verbandes der Justizminister
beteiligt.
Anschließend
wurde der Plan dem Ausschuß für Atommüll
bei
der Nationalen Wissenschaftsakademie vorgelegt.
Die von
all diesen Gremien vorgebrachten Bedenken wurden berücksichtigt.
"Wir
planen ein lebendiges Dokument - keinen starren Fünfjahresplan", sagte
Watkins.
Zum ersten Mal werden zur Korrekturmaßnahmen, Umweltschutz und Entsorgung sowie angewandte Forschung
und Entwicklung, für Verteidigungsprogramme, Kernenergie und Energieforschung in ein Gesamtprogramm integriert. Man wird alle wissenschaftlich anwendbaren Möglichkeiten nutzen, um Probleme an Ort und Stelle zu
lösen, statt sie ständig zu verlagern.
Technologien zur Behandlung
vou deponiertem Abfall, die nicht
dessen Abtransport erfordern, haben
dabei höchste Priorität.

Bereits bekannte Verseuchung an
stillgelegten Anlagen darf sich nicht
ausbreiten.
Verseuchung in anderen
Betrieben, über deren Art und Ausmaß
Unklarheit besteht, muß im Rahmen
realistischer technischer und zeitlicher Planung sowie zur Bereitstellung
der erforderlichen Mittel analysiert
werden. Gesundheitsdaten der Mitarbeiter aus dem Energieministerium unterstehenden
Betrieben
sollen zur
wissenschaftlichen Auswertung freigegeben und Gesundheitsrisiken beim
früherem, gegenwärtigem und künftigem
Betrieb der Anlagen bewertet werden.
Watkins verwies auf die Notwendigkeit, intensiv und kompetent auf
die Ziele des Planes hinzuarbeiten,
um sich auch die Unterstützung des
Kongresses zu sichern. Risiken für
die menschliche
Gesundheit müssen
wirksam abgebaut werden.
Am Forschungsund Entwicklungsprogramm sind
Universitäten, die Industrie, nationale Laboratorien und andere Bundesbehörden zu beteiligen, um Prioritäten und notwendige Projekte zu steuern und neue bzw. verbesserte Technologien zur Abfallminimierung und Entsorgung anzuwenden. Der Personalbedarf mit engagierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern ist den Aufgaben entsprechen zu berücksichtigen.
Watkins schätzt, daß die Entseuchung, Entsorgung und Wiederherstellung der Umwelt bei nuklearen Anlagen
30 Jahre in Anspruch nehmen wird.
Der Kostenaufwand wird vielfach auf
150 Milliarden Dollar veranschlagt,
was Watkins als zu hoch ansieht.

* * * * *

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