<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2107" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2107?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:07:51+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2118">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/1381c296eaffe0a23cf87c98119542d3.pdf</src>
      <authentication>02a4a15d72d964ef78dfa07091fb540b</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10621">
                  <text>AMERIKA DIENST
%

^ &lt;£

8. März 1989

10
INHALT

A

DOKUMENTATION
Ungleichgewichte Im Außenhandel verringert
- Jahresbericht zur Entwicklung im Handel USA fordern Sowjets zur Beteiligung am Abbau chemischer Waffen auf
- Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die VSBM-Verhandlungen
- Hintergrundmaterial zu den VSBM WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Durchfallerkrankungen bei Kindern
- Orale Rehydration sehr oft wichtiger als Medikamente

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
4

^v*-

V,QN

Dokumentation

- x

&amp;

10

8. März 1989
UNGLEICHGEWICHTE IM AUSSENHANDEL VERRINGERT
r

- Jahresbericht zur Entwicklung im Handel WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Regierung zufolge wird sich die im
Jahr 1988 festgestellte positive Entwicklung bei der Erlangung eines besseren
Gleichgewichts im Welthandel in den kommenden zwei Jahren fortsetzen.
Diese Vorhersage ist im Jahresbericht zur Entwicklung im Handel enthalten,
der dem Kongreß am 1. März 1989 vom Finanzministerium und dem Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) zugeleitet wurde. Darin wird ein weiterer Rückgang
des US-Handelsdefizits sowie der Außenhandelsüberschüsse Japans, Europas und
der asiatischen Schwellenländer prognostiziert.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht im Wortlaut:

Teil I: Einführung
Das Allgemeine Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz
von
1988
(P.L. 100-418) enthält Verpflichtungen, denen zufolge Berichte zu verschiedenen Themenbereichen vorzulegen
sind, darunter in Abschnitt 1641 die
Verpflichtung zur Vorlage eines Jahresbericht zur Entwicklung im Handel.
Auslösendes Moment für diesen Bericht
war die verbreitete Besorgnis über
die Entstehung erheblicher Ungleichgewichte im US-Handel und in der USLeistungsbilanz sowie die Auswirkungen wirtschaftlicher Tendenzen und
Maßnahmen im Ausland auf diese Ungleichgewichte.

und

Der Bericht soll eine Uberpüfung
Analyse der maßgeblichen wirt-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schaftlichen Entwicklungen in Ländern
und Ländergruppen beinhalten, die
wichtige Handelspartner der Vereinigten Staaten sind, Prognosen für Entwicklungen der verschiedenen makroökonoraisehen Variablen im Berichtszeitraum und dem darauf folgenden
Jahr, Schlußfolgerungen und Empfehlungen für einen Kurswechsel zur Verbesserung der Aussichten sowie eine
Übersicht über die Auswirkungen von
Marktschranken und sonstigen unfairen
Praktiken auf den amerikanischen Handel.
Dem Gesetz zufolge ist der Bericht gemeinsam vom Finanzministerium
und dem Büro des US-Handelsbeauftragten in Konsultation mit dem Vorsitzenden des Zentralbankrats (Federal
Reserve Board) zu erarbeiten.
Der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bericht ist dem Finanzausschuß des
Senats sowie dem Haushaltsausschuß
des Repräsentantenhauses jeweils bis
zum 1. März eines jeden Jahres vorzulegen.

Teil II;
Überprüfung
jüngster Entwicklungen

Dies ist der erste nach P.L.
100-418, Abschnitt 1641 unterbreitete
Bericht. Teil II enthält eine Überprüfung und Analyse jüngster makroökonomischer Entwicklungen in Ländern
oder Ländergruppen, die wichtige Handelspartner der Vereinigten Staaten
sind sowie einen Überblick über die
wichtigsten neuen Entwicklungen in
der amerikanischen Wirtschaft. Teil
III beinhaltet Prognosen für die
gleichen Länder und Ländergruppen im
Hinblick auf entscheidende makroökonomische Entwicklungen in den Jahren
1989 und 1990. Die beiden Hauptteile
sind folgendermaßen gegliedert: Abschnitt 1 behandelt Wirtschaftswachstum, steuerpolitische Tendenzen sowie
Leistungs- und
Handelsbilanzentwicklungen in den Industriestaaten; Abschnitt 2 überprüft wichtige wirtschaftliche Entwicklungen in anderen
Teilen der Welt, darunter die nicht
der OPEC angehörenden Entwicklungsländer, die asiatischen Schwellenländer sowie die OPEC-Staaten. Teil IV
enthält eine Einschätzung der von
diesen Prognosen aufgeworfenen politischen Fragen und Teil V behandelt
die Auswirkungen von Marktschranken
und anderen unfairen Praktiken auf
den amerikanischen Handel.

Das reale Wirtschaftswachstum in
den Industriestaaten war im Jahr 1988
nahezu überall erheblich stärker als
weithin erwartet, insbesondere angesichts der von den Turbulenzen an den
Finanzmärkten im Oktober 1987 ausgelösten Besorgnis. Tatsächlich erhöhte sich das durschnittliche reale
Wachstum
des
Bruttosozialprodukts
(BSP) in den OECD-Ländern im Jahr
1988 auf geschätzte 4 Prozent und lag
damit wesentlich über der durchschnittlichen Wachstumsrate des vorigen Jahrzehnts.

Der Leser wird ferner auf den vom
Finanzministerium
im Oktober 1988
vorgelegten Bericht an den Kongreß
über die internationale Wirtschaftsund Wechselkurspolitik hingewiesen,
der detailliert auf wichtige Probleme
eingeht, darunter die Entwicklungen
bei den Wechselkursen und eine genauere Untersuchung wichtiger historischer Tendenzen der jüngeren Vergangenheit liefert. Auch dieser Bericht
wurde gemäß den Verpflichtungen des
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes
von 1988 (P.L.
100-418) erstellt.

1. Entwicklungen
staaten

und

Analyse

in den Industrie-

A.
Wichtige Entwicklungen
Vereinigten Staaten

in

den

Da die wirtschaftlichen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten ein
wichtiger Bestimmungsfaktor für die
Leistung in anderen Industriestaaten
sind, wird ein kurzer Überblick über
diese Entwicklungen dazu beitragen,
die folgenden Erörterungen in den
richtigen Kontext zu stellen.
Das
reale Wachstum des BSP in den Vereinigten Staaten stieg im Jahresdurchschnitt von 3,4 Prozent im Jahr 1987
auf 3,8 Prozent im Jahr 1988. Vergleicht man jedoch jeweils das letzte
Quartal der Jahre 1987 und 1988, so
verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum von 5,0 Prozent auf 2,7 Prozent. (Letztere Meßmethode trägt dazu bei, die Wachstumstendenz im Verlauf des Jahres einzuschätzen - Beschleunigung oder Verlangsamung -,
obwohl sie auch empfindlicher auf
Entwicklungen
in den Anfangs- und
Schlußquartalen reagiert.)
Dieser allgemeine Eindruck einer
Verlangsamung des Wachstums in den
Vereinigten Staaten im Jahr 1988 ist
jedoch irreführend, bedenkt man die
durch die Dürre des vorigen Jahres
verursachten nachteiligen Auswirkungen. Bereinigt man die BSP-Daten um

�die Dürreschaden, tritt ein gänzlich
verändertes Bild zutage: Das reale
Wachstum des BSP in den Vereinigten
Staaten stieg im Jahresdurchschnitt
noch stärker auf 4,1 Prozent und verlangsamte sich beim Vergleich der 4.
Quartale weniger drastisch auf 3,3
Prozent. Die Bereinigung um die Dürreschäden ist besonders eindrucksvoll
beim Vergleich der 4. Quartale, da
die Negativeinflüsse der Dürre auf
das BSP in der zweiten Jahreshälfte
stärker zu Buche schlugen.

Dienstleistungen insgesamt 0,8 Prozentpunkte zum realen BSP-Wachstum
bei; die verbesserte Nettoexportleistung verursachte also ca. 20 Prozent
des amerikanischen Gesamtwirtschaftswachstums des vergangenen Jahres, obwohl die Ausfuhren nur 13 Prozent des
gesamten realen BSP ausmachen. Unter
dem Blickwinkel des BSP betrachtet,
setzte sich im Jahr 1988 der außenwirtschaftliche Anpassungsprozeß für
die Vereinigten Staaten also fort und
verstärkte sich sogar noch.

Die Auswirkungen
der weiteren
Verringerung der Defizite in der amerikanischen Handels- und Leistungsbilanz wirken sich eindeutig in den nationalen Bilanzen aus. (N.B.: Für
die Außenbewertung einer Volkswirtschaft gibt es zwei Maßstäbe. Die
Zahlungsbilanz, d.h. die Handels- und
Leistungsbilanz, mißt den nominellen
Dollarwert des internationalen Umschlags von Gütern (Handelsbilanz)
oder von Gütern und Dienstleistungen
(Leistungsbilanz). Das Bruttosozialprodukt (BSP) enthält das außenwirtschaftliche Element, indem es Einund Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen auf realer, d.h. preisbereinigter
Grundlage,
beinhaltet.
Durch die Trennung des binnenwirtschaftlichen Elements (i.e. privater
und öffentlicher Verbrauch sowie Investitionen) vom außenwirtschaftlichen Element (Ein- und Ausfuhren) und
die inflationsbereinigte Darstellung
beider Elemente lassen sich mit dem
BSP-Maßstab deren relative Beiträge
zum realen Gesamtwachstum der Wirtschaftsleistung identifizieren.)

Die Anpassung wird ferner deutlich sichtbar, wenn man die Zahlungsbilanz als Maßstab anlegt. Wie in
der obigen Zusammenfassung erläutert,
verringerten sich das US-Handelsdefizit im Jahr 1988 um geschätzte 35
Milliarden Dollar und das Leistungsbilanzdefizit um ca. 20 Milliarden
Dollar.
In Prozent des BSP ausgedrückt, was den internationalen Vergleich mit Ländern unterschiedlicher
Größe erleichtert, verringerte sich
das US-Leistungsbilanzdefizit von 3,4
Prozent im Jahr 1987 auf 2,8 Prozent
im Jahr 1988.

Die Zunahme der Binnennachfrage
in den Vereinigten Staaten betrug im
Jahr 1988 3,0 Prozent, war also im
Vergleich zu 1987 unverändert. Das
Wachstum des BSP übertraf demzufolge
sowohl 1987 als auch 1988 das der
Binnennachfrage erheblich. Wie oben
ausgeführt, beleuchtet diese Kluft
den positiven Nettobeitrag des außenwirtschaftlichen Elements zum Gesamtwachstum der US-Wirtschaft seit 1986.
Im Jahr 1988 trug die starke Realzunahme bei den Ausfuhren von Waren und

Die größten Verbesserungen beim
US-Handelsdefizit im Jahr 1988 wurden
gegenüber den Industriestaaten erzielt (ca. 20 Milliarden Dollar), die
zusammen 64 Prozent der amerikanischen Ausfuhren aufnehmen. Innerhalb
dieser Gruppe wurde das amerikanische
Defizit gegenüber Westeuropa (27 Prozent der amerikanischen Gesamtausfuhr) mehr als halbiert, von 27 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar:
das US-Defizit gegenüber der Bundesrepublik Deutschland ging ausschließlich aufgrund verstärkter Exporte um
ca. 3 Milliarden Dollar zurück, und
das amerikanische Handelsdefizit gegenüber
Großbritannien
verbesserte
sich um fast 4 Milliarden Dollar zu
einem
geringen
Überschuß.
Das
Gleichgewicht im amerikanischen Handel mit der EG verlagerte sich um 12
Milliarden Dollar von einem Defizit
von 21 Milliarden Dollar zu einem Defizit von 9 Milliarden Dollar. Die
Verbesserungen der US-Handelsbilanz
gegenüber Japan (das für etwa 12 Pro-

- 3 -

�zent der amerikanischen Ausfuhren und
20 Prozent der amerikanischen Einfuhren verantwortlich ist) erreichten
ca. 4 Milliarden Dollar.
Auch in der Handelsbilanz der
Vereinigten Staaten mit den Entwicklungsländern ergab sich im Jahr 1988
ein erheblicher Defizitabbau. Gegenüber dieser Gruppe, die 33 Prozent
der amerikanischen Exporte aufnimmt
(also mehr als Westeuropa) verringerte sich das US-Defizit um 13 Milliarden Dollar, von 59 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 auf 46 Milliarden im
Jahr 1988. Das US-Handelsdefizit gegenüber Mexiko (dem drittgrößten amerikanischen Exportmarkt nach Kanada
und Japan) verringerte sich um 3 Milliarden Dollar.
Diese Verschiebung
wurde jedoch teilweise von einem Anstieg des US-Handelsdefizits gegenüber Brasilien um 1 Milliarde Dollar
wettgemacht.
Die Verschiebung im US-Defizit
gegenüber den Entwicklungsländern war
etwa zur Hälfte dem Rückgang des Defizits gegenüber den Schwellenländern
Asiens zuzuschreiben, der 5,5 Milliarden Dollar betrug. (Diese Gruppe
macht 11 Prozent der US-Exporte und
14 Prozent der US-Importe aus). Diese Verbesserungen wurden zum Großteil
im Handel mit Taiwan erzielt, demgegenüber das amerikanische Defizit von
17 Milliarden auf 13 Milliarden Dollar zurückging.
Andererseits blieb
das Defizit gegenüber Korea nahezu
unverändert.
Schließlich wurde das amerikanische Defizit gegenüber den OPEC-Ländern um 4 Milliarden Dollar verringert, was hauptsächlich und - betrachtet man den allgemeinen Rückgang
bei den Importen der OPEC-Staaten überraschenderweise auf einen Anstieg
der amerikanischen Ausfuhren in diese
Länder zurückzuführen
ist.
Angesichts der Entwicklung der Ölpreise
im Jahr 1988 verringerten sich die
amerikanischen
Einfuhren
aus
den
OPEC-Ländern um nahezu eine Milliarde
Dollar.

B.
Entwicklungen
striestaaten

in

anderen

Indu-

Das in den Industriestaaten im
Jahr 1988 verzeichnete beschleunigte
Wirtschaftswachstum beruhte auf einer
Reihe von Faktoren. Erstens verbesserte sich die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen in der ersten
Jahreshälfte drastisch. Damit vollzog sich nach dem extremen Pessimismus, der nach den Ereignissen an den
Finanzmärkten im Oktober 1987 vorgeherrscht hatte, ein Umschwung. Die
Auswirkungen dieser Veränderung kamen
im privaten Verbrauch zum Ausdruck,
der eindeutig höher lag als anfänglich erwartet, sowie - und dies ist
der wichtigste Bereich - in erheblich
erhöhten realen Ausgaben für Investitionen.
Zweitens stieg die reale
Wachstumsrate im Welthandel volumenmäßig um etwa 50 Prozent (von fast 6
Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 9
Prozent im Jahr 1988), was sowohl ein
Echo auf das höhere allgemeine Wachstum in den Industriestaaten als auch
einen Beitrag zu diesem Wachstum darstellt.
Drittens
erhielten
die
Wachstumsraten zu Beginn des Jahres
1988 durch einige besondere Faktoren
- einen milden Winter und zusätzliche
Arbeitstage in Europa - deutlichen
Auftrieb.
Wie oben bereits festgestellt,
trug die stärkere Investitionstätigkeit im Jahr 1988 erheblich zur allgemeinen Verbesserung der Binnennachfrage in den Industriestaaten außerhalb der Vereinigten Staaten bei.
Tatsächlich stiegen die Bruttoinvestitionen real in jedem der sechs
ausländischen
Teilnehmerstaaten
am
Weltwirtschaftsgipfel (Japan, Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich,
Großbritannien, Italien und Kanada),
in einigen Fällen sogar drastisch
(Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien) . In der Gruppe der 12
EG-Staaten stieg das Investitionswachstum von etwa 4,5 Prozent im Jahr
1987 auf geschätzte 7,5 Prozent im
vergangenen Jahr, ein unerwartet gutes Resultat, das allgemein auch in

�den anderen europäischen Staaten erzielt wurde.
Die Entwicklungen bei einer weiteren wichtigen Komponente der Binnennachfrage, dem privaten Verbrauch,
verlief jedoch weniger einheitlich.
Die Wachstumsraten beim Verbrauch
stiegen in Japan, Großbritannien und
den Niederlanden
an, blieben in
Frankreich im wesentlichen unverändert und gingen in den anderen Ländern dieser Gruppe allgemein zurück.
Für die EG insgesamt wird für das
Jahr 1988 eine geringfügige Abnahme
des privaten Verbrauchswachstums angenommen. Mit 3,5 Prozent lag es jedoch immer noch über den durchschnittlichen Wachstumsraten in der
ersten Hälfte dieses Jahrzehnts. Obwohl
Verallgemeinerungen
schwierig
sind, spiegelten sich in diesem Rückgang in gewisser Weise die Auswirkungen der Zurückhaltung bei den Realverdiensten und eine etwas höhere Inflationsrate wider.
Zusammengenommen
belegen
diese
Tendenzen, daß zusätzlich zur quantitativen Verbesserung des Wirtschaftswachstums bei unseren wichtigsten
Handelspartnern unter den Industriestaaten im Jahr 1988 ebenfalls eine
qualitative Verbesserung erzielt wurde.
Insbesondere verbreiterte sich
die Kluft zwischen dem Anstieg der
Binnennachfrage und dem Gesamtwachstum des BSP in den führenden Uberschußländern - ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die Geschwindigkeit
der Anpassung von Handel und Leistungsbilanz -, besonders gegenüber
Japan.
Insgesamt stieg die durchschnittliche Wachstumsrate der Binnennachfrage in den sechs anderen Gipfelstaaten von 4,3 Prozent im Jahr 1987
auf geschätzte 5,5 Prozent im Jahr
1988. Das durchschnittliche Wachstum
des BSP betrug jeweils 3,4 und 4,4
Prozent.
Die Kluft zwischen dem
Wachstum der Binnennachfrage und dem
allgemeinen Wirtschaftswachstum blieb
für diese Ländergruppe real bei ca. 1
Prozent. Das gleiche Gesamtbild er-

gibt sich für die Gruppe der EG-Staaten als Ganzes, obwohl das Wachstum
der Binnennachfrage in den kleineren
europäischen Volkswirtschaften schätzungsweise um die Hälfte über dem
Wachstum des BSP lag.
Was bestimmte Länder angeht, so
lag im Jahr 1988 unter den Gipfelteilnehmern
wiederum
Japan
beim
Wachstum
an
der
Spitze;
seine
BSP-Wachstumsrate stieg von 4,5 Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 6,0
Prozent im Jahr 1988. Die Binnennachfrage (insbesondere der private
Verbrauch und die Investitionen) war
erneut mit einer realen Steigerung
von 8 Prozent die treibende Wachstumskraft.
Für die Bundesrepublik
Deutschland ergibt sich ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so beeindruckendes Bild. Das Gesamtwachstum
des BSP stieg nach einem enttäuschenden Ergebnis von 1,8 Prozent im Jahr
1987 im Jahr 1988 stark an (auf etwa
3,6 Prozent). Mit den Investitionen
als wichtigster Stütze erhöhte sich
das Wachstum der Binnennachfrage von
3,1 Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte 3,9 Prozent im Jahr 1988.
Die Lücke zwischen dem Wachstum der
Binnennachfrage und dem Wachstum des
BSP verringerte sich infolgedessen in
der Bundesrepublik Deutschland erheblich von 1,3 Prozent im Jahr 1987 auf
0,3 Prozent im Jahr 1988.
Der Anstieg des Wachtums der Binnennachfrage lag in Großbritannien im
Jahr 1988 erheblich höher (vielleicht
5,8 Prozent), was großenteils auf
stark gestiegenen Investitionen beruhte. Auch in Kanada und Italien
war das Wachstum der Binnennachfrage
ausschlaggebende Kraft für das BSP;
in Frankreich und Belgien stiegen
beide um 3,5 Prozent, während in den
Niederlanden die Wachstumsraten bescheidenere 2,5 Prozent erreichten.
In der wichtigen Gruppe der sechs
anderen
Gipfelteilnehmer
insgesamt
(die ausschließlich wegen Japan und
der Bundesrepublik Deutschland einen
Gesamtüberschuß in der Leistungsbilanz aufweist) übte das außenwirt-

- 5 -

�schaftliche Element im Jahr 1988 netto eine Sogwirkung aus, d.h. die Nettoexporte von Gütern und Dienstleistungen nahmen real ab. Sowohl für
Japan als auch für die Bundesrepublik
Deutschland war dies das dritte Jahr
der Anpassung in Folge. (In den Vereinigten Staaten leistete umgekehrt
die Erhöhung der Nettoexporte einen
positiven Beitrag zum Wachstum des
BSP seit 1987).

C.

Steuer- und Haushaltspolitik

Die Haushaltsdefizite in den Industriestaaten
lagen insgesamt im
Jahr 1988 niedriger, was hauptsächlich auf automatische Stabilisierungseffekte aufgrund des oben beschriebenen
stärkeren
Wirtschaftswachstum zurückgeführt werden kann.
Insbesondere das höhere Wachstum und
größere Unternehmensgewinne führten
zu einem starken Anstieg der Steuereinnahmen während andererseits die
Ausgaben für öffentliche Unterstützungsprogramme wie etwa die Arbeitslosenversicherung im allgemeinen weniger stark anstiegen oder sogar zurückgingen. Die Anspannung der Haushaltslage im Jahr 1988 scheint hauptsächlich
eher
konjunkturelle
als
strukturelle Gründe zu haben.
Berechnungen von Experten der
OECD zufolge hatten die grundlegenden
fiskalischen Maßnahmen in den Industriestaaten im Jahr 1988 eine geringfügig abschwächende Wirkung, während sie 1987 etwas expansionsorientierter waren. Die OECD schätzt, daß
die "konjunkturbereinigte" fiskalische Gesamtposition der 6 Gipfelstaaten um 0,2 Prozent des BSP zum Überschuß tendierte, während sie sich im
Jahr 1987 um 0,3 Prozent des BSP abgeschwächt hatte.
Nach Abzug der
Auswirkungen automatischer Stabilisatoren (fiskalische Sogwirkung) und
einzelner politischer Veränderungen
vollzog sich also in der allgemeinen
fiskalischen Position der Regierungen
(d.h. unter Einbeziehung aller Regierungsebenen) der sechs Staaten zusammengenommen ein Umschwung von gering-

fügiger Ausweitung (0,3 Prozent des
BSP) im Jahr 1987 zu einer milden Abschwächung Im Jahr 1988. In diesem
Zweijahreszeitraum waren also fiskalischen Rahmenbedingungen der Gruppe
der sechs Gipfelteilnehmer durchweg
neutral ausgelegt. Die OECD schätzt
ferner, daß die gleichen Zahlen auf
die
europäischen
Volkswirtschaften
allgemein zutreffen.
Zwischen den verschiedenen Ländern ergaben sich jedoch einige wichtige Unterschiede. In Japan wurden
die großen Zuwächse bei den öffentlichen Investitionen und eine Senkung
der Einkommensteuern gegen Ende des
Jahres 1988 von einem höheren wachstumsbedingten Steueraufkommen wettgemacht, was in einem geringfügigen Anstieg des kleinen (0,4 Prozent des
BSP) allgemeinen staatlichen Überschusses resultierte. In der Bundesrepublik Deutschland trugen die im
Januar 1988 in Kraft getretenen Einkommensteuersenkungen zu einer gewissen Steigerung des staatlichen Defizits auf geschätzte 2,1 Prozent des
BSP im Jahr 1988 bei. Nach mehreren
Jahren konjunkturabschwächender Maßnahmen bleibt das bundesdeutsche Defizit, in Prozent des BSP ausgedrückt, immer noch weit unter den Niveaus zu Beginn der achtziger Jahre.
In
Großbritannien
verbesserte
sich die allgemeine fiskalische Position im Jahr 1988 weiter, wobei der
Überschuß auf 1,4 Prozent des BSP anwuchs. Die Ausgaben blieben weiterhin innerhalb relativ restriktiver
Zielvorgaben, während die Steuereinnahmen von dem starken Wachstum und
den Privatisierungsmaßnahmen profitierten. In anderen Ländern wird das
Gesamtbild von andauernden Bemühungen
zur Zügelung des Ausgabenwachstums im
Verein mit Steuereinnahmen geprägt,
die höher liegen als vorhergesehen.
Deshalb lagen die im Jahr 1988 erzielten Defizite im Vergleich zum BSP
etwas niedriger.

D.

Die Außenbilanzen

�Obwohl die Entwicklungen bei den
Außenbilanzen der einzelnen Industrieländer im Jahr 1988 naturgemäß
unterschiedlich ausfielen, sind in
wichtigen Bereichen eindeutige Fortschritte zu einem besseren internationalen Gleichgewicht erzielt worden. Die amerikanischen Defizite im
Handel und in der Leistungsbilanz
gingen sowohl nominell wie auch als
prozentualer Anteil am BSP zurück.
Das Gegenstück zu dieser amerikanischen Anpassung konnte im Jahr 1988
bei den geringeren außenwirtschaftlichen Überschüssen in Japan, der EG
(und Europa im weiteren Sinne) und
den
asiatischen
Schwellenländern
festgestellt werden.
Japans
Leistungsbilanzüberschuß
verringerte sich von 87 Milliarden
Dollar im Jahr 1987 auf 79,5 Milliarden Dollar im Jahr 1988. Darin kommt
sowohl der Rückgang des Handelsüberschusses als auch ein Zuwachs des im
Dienstleistungs- und
Kapitalverkehr
mit dem Ausland erzielten Defizits
zum Ausdruck.
Die wichtigste Entwicklung beim Handel war die sehr
starke Zunahme des Einfuhrvolumens
(ca. 16 Prozent) im Vergleich zum Anstieg des Ausfuhrvolumens von ca. 4,5
Prozent.
Da jedoch die Ausfuhren
insgesamt nahezu das doppelte der Gesarateinfuhren erreichten, wurde der
Handelsüberschuß um weniger als 1
Milliarde Dollar (auf 96 Milliarden
Dollar) verringert.
Kanadas Bilanz im Warenhandel erreichte im Jahr 1988 einen Überschuß
von 7,2 Milliarden Dollar, ein Rückgang um 1 Milliarde Dollar seit 1987,
während die realen Wachstumsraten bei
Importen und Exporten gleichermaßen
anstiegen. Da jedoch das traditionell hohe Defizit
im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr unter dem
Stand von 1987 lag, verringerte sich
das Defizit in der Leistungsbilanz
auf geschätzte 7 Milliarden Dollar.
Der Leistungsbilanzüberschuß der
Europäischen Gemeinschaft insgesamt
fiel von ca. 37 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 auf geschätzte 15 Milliar-

den Dollar im Jahr 1988. Beim Abschneiden der verschiedenen Länder
ergaben sich jedoch starke Unterschiede. Die außergewöhnlichste Entwicklung war ein nahezu sechsfacher
Anstieg
im
Leistungsbilanzdefizit
Großbritanniens, von 4,4 Milliarden
Dollar im Jahr 1987 auf geschätzte 25
Milliarden Dollar
im Jahr 1988.
Hierfür waren teilweise die geringeren Einnahmen aus der Erdölförderung
verantwortlich, der Löwenanteil dieses Umschwungs ist jedoch auf die
stark gestiegenen Einfuhren von Investitionsgütern zurückzuführen.
Der Handelsüberschuß der Bundesrepublik Deutschland
wiederum erreichte in DM ausgedrückt einen neuen
Rekordstand (etwa im Wert von 73 Milliarden Dollar), was hauptsächlich
auf den wesentlich gestiegenen Ausfuhren von Investitionsgütern in andere EG-Länder beruhte. Als Ergebnis
dessen wuchs der Überschuß der bundesdeutschen Leistungsbilanz um ca. 4
Milliarden Dollar auf nahezu 49 Milliarden Dollar (die Bundesrepublik
Deutschland weist ein großes und weiter wachsendes Defizit im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr auf), während es im Vergleich zum BSP leicht
auf geschätzte 3,9 Prozent zurückging.
Im Jahr 1988 wies das Gesamtbild
der Leistungsbilanzen
der übrigen
EG-Länder nur geringfügige Veränderungen
auf.
Frankreichs
Defizit
stieg in bescheidenem Umfang auf etwa
4,5 Milliarden Dollar, blieb jedoch
als Prozentsatz des BSP relativ niedrig, wie es im großen und ganzen
auch in Italien der Fall war. In den
übrigen Ländern der EG konnten ebenso
wie in Europa insgesamt einige bemerkenswerte
Entwicklungen
beobachtet
werden: das Defizit aller nordischen
Länder zusammengenommen blieb mehr
oder weniger gleich und belief sich
auf ca. 9 Milliarden Dollar; der
Überschuß aller Benelux-Länder stieg
von ungefähr 6 Milliarden Dollar auf
ca. 9 Milliarden Dollar und das neu
aufgenommene EG-Mitglied Spanien hatte eine defizitäre Leistungsbilanz
aufzuweisen.

- 7 -

�2. Entwicklungen
dustriestaaten

außerhalb der In-

Im Jahr 1988 war die Wachstumskurve der Entwicklungsländer im grossen und ganzen zufriedenstellend, obwohl das reale Wachstum insgesamt verglichen mit den Industrienationen
- hinter 1987 zurückblieb. Insbesondere ging die von Experten des Finanzministeriums ausgemachte BSP-bezogene durchschnittliche reale Zuwachsrate der 137 nicht der OPEC angeschlossenen Entwicklungsländer von
ca. 3,7 Prozent im Jahr 1987 auf vorläufig geschätzte 3,1 Prozent im vergangenen Jahr zurück.
Wie gewöhnlich waren jedoch gravierende Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern und Ländergruppen
zu beobachten, von denen ein Großteil
von Entwicklungen in einigen der
größten Volkswirtschaften betroffen
waren.
In Lateinamerika war beim
durchschnittlichen
realen
Wachstum
eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen, in den Schwellenländern
Asiens blieb es jedoch relativ stark.
Das generell rückläufige Wachstum
in den Entwicklungsländern war im
Jahr 1988 nahezu ausschließlich den
negativen Entwicklungen in einigen
wenigen lateinamerikanischen Volkswirtschaften zuzuschreiben.
Insbesondere Brasilien hatte 1988 ein reales Nullwachstum (nach 2,9 Prozent im
Jahr 1987) zu verzeichnen, und Mexikos Wachstumsrate fiel von ca. 1,5
Prozent im Jahr 1987 auf geschätzte
0,5 Prozent im Jahr 1988. Infolgedessen verlangsamte sich der Zuwachs
des BSP ingesamt von 2,5 Prozent im
Jahr 1987 auf 1,4 Prozent im Jahr
1988. In den übrigen nicht zur OPEC
gehörenden Entwicklungsländern entsprach das reale Wachstum dem Stand
des Jahres 1987, lag also knapp unter
4 Prozent.
Die Schwellenländer Asiens (Taiwan, Korea, Singapur, Hongkong) führten das Wachstum erneut eindeutig an
und verzeichneten ebenso wie im Jahr
1986 durchschnittliche Zuwachsraten

von ca. 10 Prozent im Jahr 1988: Koreas Zuwachsrate blieb bei rund 12
Prozent, während Taiwans Wachstum auf
immer noch beeindruckende 8 Prozent
fiel.
Bei der Leistungsbilanz der nicht
der OPEC angeschlossenen Entwicklungsländer insgesamt war ein geringes Defizit von 1 Milliarde Dollar im
Jahr 1988 zu verzeichnen, verglichen
mit einem Überschuß von 4 Milliarden
Dollar im Jahr 1987. Ebenso wie bei
den oben erörterten Wachstumszahlen
bestanden
gravierende
Unterschiede
zwischen den einzelnen Ländern und
Regionen.
Der gemeinsame LeistungsbilanzUberschuß der asiatischen Schwellenländer sank im Jahr 1988 um geschätzte 5 Milliarden Dollar auf ca. 26
Milliarden Dollar. Diese Bereinigung
war ausschließlich der Halbierung des
Überschusses von Taiwan zuzuschreiben, von ca. 18 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 auf geschätzte 9,6 Milliarden Dollar für 1988; ungefähr 4 Milliarden Dollar dieser bereinigten
Summe ergaben sich jedoch aus besonderen und wahrscheinlich einmaligen
Goldkäufen.
Koreas Überschuß stieg
hingegen weiter auf ca. 14 Milliarden
Dollar an.
Andere entscheidende Entwicklungen der Leistungsbilanz von Nichtmitgliedstaaten der OPEC waren:
eine
dramatische Verschlechterung der Position Mexikos, dessen Überschuß von
3,4 Milliarden Dollar sich in ein für
1988 geschätztes 3 Milliarden-Defizit
von verwandelte; eine beachtliche gegenläufige Entwicklung war in Brasiliens Leistungsbilanz zu beobachten,
die nach einem Defizit von ungefähr 1
Milliarde Dollar im Jahr 1987 einen
vorläufigen Überschuß von 4, 4 Milliarden Dollar für 1988 verzeichnete.
Trotz dieser bedeutenden Leistungsbilanzverlagerungen
innerhalb
der einzelnen Länder hat sich unter
dem Strich die Bilanz der lateinamerikanischen Länder in den vergangenen
Jahren (in Dollar) insgesamt relativ

�wenig verändert. Das Defizit von 17
Milliarden Dollar des Jahres 1986
wurde auf 11 Milliarden Dollar im
Jahr 1987 abgebaut, wo es sich im
vergangenen Jahr einpendelte.
Die vier asiatischen Schwellenländer (Korea, Taiwan, Hongkong und
Singapur) wurden besonders wichtige
Akteure im Welthandelssystem.
Seit
1970 hat sich ihr Anteil an den Exporten weltweit mehr als verdreifacht
und beläuft sich derzeit auf 7,4 Prozent.
Darüber hinaus verzeichnen
diese
Volkswirtschaften
gemeinsam
Außenhandelsüberschüsse, die maßgeblich zu den heutigen weltweiten Ungleichgewichten
beitragen.
Taiwan
und Korea konnten jüngst große Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen zwei- bis viermal höher als die von
Japan und der Bundesrepublik Deutschland gemessen am BSP. (Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß Korea erst seit 1986 ein Leistungsbilanzdefizit zu verzeichnen hat).
Die für zunehmende Außenhandelsüberschüsse der asiatischen Schwellenländer verantwortlichen Faktoren
variieren von Land zu Land und erschweren eine Verallgemeinerung. In
nicht unerheblichem Maße tragen hierzu Vorteile bei den Produktionskosten
sowie die Betonung auf Exportproduktion auf Kosten des Verbrauchs im Inland und einer Verbesserung des Lebensstandards bei. Die Schwellenländer haben natürlich von der Ausweitung des Welthandels im allgemeinen
und der Expansion der amerikanischen
Wirtschaft im besonderen profitiert,
obwohl dies auch für die übrige Welt
zutrifft. Unterbewertete Wechselkurse waren ferner ein wesentlicher Faktor im Falle von Korea und Taiwan.
Alle 13 OPEC-Staaten verzeichneten 1988 eine beträchtliche Zunahme
ihres Leistungsbilanzdefizits, da sie
aufgrund
des
etwas
20prozentigen
Preisverfalls von OPEC-Öl erheblichen
Einbußen bei ihren Einnahmen aus Ölund Erdgasexporten hinnehmen mußten.
Nachdem das Defizit von 26 Milliarden
Dollar im Jahr 1986 auf weniger als

11 Milliarden Dollar im Jahr 1987 gesunken war, verdoppelte es sich 1988
auf 20 Milliarden Dollar.
(Obwohl
die OPEC-Staaten für gewöhnlich einen
erheblichen Handelsüberschuß aufweisen können, war dieser in jüngster
Zeit unbeständig und wird von einem
enormen Defizit im Dienstleistungs
und Kapitalverkehr mit dem Ausland
überschattet).

Teil III; Voraussichtliche Entwicklungen für 1989 und 1990
Vor einer Prognose der Entwicklungen in diesem und im kommenden
Jahr sollten zunächst einige der
Grundvoraussetzungen aufgezeigt werden, auf die sich die Analyse gründet. Erstens basieren alle Prognosen
für die einzelnen Länder und Ländergruppen auf den heutigen Gegebenheiten.
Für die Vereinigten Staaten
geht man von der Annahme aus, daß das
Haushaltsdefizit
entsprechend
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz abgebaut
wird.
Für den Betrachtungszeitraum
werden keine Vermutungen darüber angestellt, welche Veränderungen bei
der Steuer- oder Geldpolitik vorgenommen werden könnten.
Zweitens wird davon ausgegangen,
daß die Wechselkurse nominal auf dem
derzeitigen Niveau konstant bleiben.
Und schließlich stellen die in der
Haushaltsvorlage der Administration
enthaltenen Vorhersagen die Grundlage
für die Perspektiven der amerikanischen Wirtschaft dar, die an sich
schon ein wesentlicher Faktor für die
wirtschaftliche Leistung der führenden
amerikanischen
Handelspartner
sind.
Als Ergebnis dieser einzelnen
Grundvoraussetzungen sind die im folgenden erörterten Tendenzen keine
"über den Daumen gepeilte" Prognosen
der Wirtschaftslage für 1989 und
1990. Sie sind vielmehr, vorbehaltlich einer politischen Kursänderung,
"die bestmögliche Beurteilung" -der
künftigen Situation.

- 9 -

�Die jüngsten Vorhersagen und Statistiken deuten darauf hin, daß der
derzeitige wirtschaftliche Aufschwung
der Industrieländer voraussichtlich
1989 und 1990 - und damit im siebten
und achten aufeinanderfolgenden Jahr
- anhalten wird. Man geht jedoch im
großen und ganzen davon aus, daß das
Tempo des gesamten Wachstums sich
verglichen mit 1988 etwas verringern
wird.
Ebenso wie 1988 wird die
Wachstumsrate des Welthandels wahrscheinlich
weiterhin
beträchtlich
über dem Realwachstum des BSP liegen
und damit den derzeit stattfindenden
außenwirtschaftlichen
Anpassungsprozeß unterstützen und gleichzeitig
eine solide Grundlage und einen Anreiz für weltweites Wachstum bieten.
Die Inflation in den Industrienationen wird voraussichtlich bis ins Jahr
1990 gemäßigt bleiben. Eine generelle Übersicht über die steuerpolitischen Entwicklungen erweist sich
als etwas schwieriger: viele Länder
werden nach wie vor - mit wechselndem
Druck - eine Politik verfolgen, die
darauf ausgerichtet ist, das Haushaltsdefizit und die Notwendigkeit
öffentlicher
Anleihen
abzubauen.
Nicht zuletzt bleiben jedoch auch
Steuerreformen und generelle Steuererleichterungen die politische Zielsetzung in vielen anderen Ländern.
1. Prognosen
Wirtschaft

für die amerikanische

Die amerikanische Wirtschaft wird
1989 und 1990 voraussichtlich weiterhin von anhaltendem Wachstum gekennzeichnet sein.
Nach dem teilweise
durch die Dürre des letzten Jahres
verursachten
rückläufigen
Wachstum
wird die BSP-Zuwachsrate (im Vergleich der 4. Quartale) offiziellen
Schätzungen zufolge bis auf 3,5 Prozent im Jahr 1989 aufholen und sich
im Jahr 1990 auf diesem Prozentsatz
einpendeln. (N.B.: Diese Zuwachsrate für 1989 bewertet aufgrund der negativen Auswirkungen der oben erwähnten Dürre, die sich Ende des Jahres
1988 bemerkbar machten, zugrundeliegende wirtschaftlichen Antriebskraft

zu hoch).
Die Wachstumsrate der Vereinigten
Staaten wird im Jahresdurchschnitt
wahrscheinlich etwas niedriger ausfallen, sich aber über beide Jahre
hinweg in der Größenordnung von 3 bis
3,5 Prozent bewegen. Den Vorhersagen
zufolge wird die Zuwachsrate bei der
Inlandsnachfrage weiterhin 2,5 bis 3
Prozent betragen.
Damit wird der
Außenhandel nach wie vor positiv zum
Gesamtwachstum beitragen, mit realen
Zuwächsen bei den Exporten, die voraussichtlich beträchtlich über dem
Anstieg bei den Einfuhren liegen.
Auf der Grundlage der Zahlungsbilanz
wird ein weiterer Abbau des amerikanischen Handels- und Leistungsbilanzdefizits erwartet; angesichts der
steigenden Kosten zur Tilgung der
Schulden wird sich der Abbau des Handelsdefizits nicht in vollem Umfang
auf die Leistungsbilanz niederschlagen.

2. Prognosen für die anderen Industrienationen
A.

Wirtschaftswachstum

Das reale Wirtschaftswachstum der
Industriestaaten wird in diesem Jahr
voraussichtlich etwas zurückgehen und
sich zwischen 3,0 und 3,5 Prozent bewegen, was einer Rückkehr zu den Zahlen des Jahres 1987 entspricht. Dieser gemäßigte Rückgang ist im großen
und ganzen auf die erwartungsgemäß
rückläufige Zuwachsrate bei den Investitionen zurückzuführen, die nach
dem außergewöhnlichen Auftrieb des
Jahres 1988 im Jahr 1989 wieder ein
ausgewogeneres Niveau erreichen wird.
Obwohl für 1990 noch keine Prognosen

gewagt werden können, lassen erste
Studien auf einen weiteren - wenn
auch bescheideneren - Wachstumsrückgang der führenden ausländischen Industrienationen schließen. Man geht
davon aus, daß sich das reale Wachstum der sechs anderen Gipfelteilnehmer 1990 durchschnittlich auf knapp 3
Prozent belaufen wird.

�Unter
den
Konjunkturberatern
herrscht weithin Überinstimmung, daß
der BSP-Zuwachs der Bundesrepublik in
diesem Jahr etwas hinter die entschieden höhere Rate des letzten Jahres zurückfallen wird und damit vor
allem die dämpfende Wirkung einzelner
Steuererhöhungen auf das verfügbare
Einkommen und gesteigerten Privatverbrauch widerspiegelt. Auch in Japan
wird das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr aller Voraussicht nach rückläufig sein - wenn auch aus anderen
Gründen - und sich in einer Größenordnung bewegen, die noch weit über
der
Wachstumsrate
anderer
Länder
liegt. Insbesondere sollte die Steigerung des Privatverbrauchs in Japan
stabil bleiben, während die Investitionszuwächse - im Jahr 1988 ein besonders dynamischer Faktor - beträchtlich abflachen.
Angesichts der Größe der Bundesrepublik Deutschland und der Auswirkungen ihrer Wirtschaftpolitik auf
die anderen Länder des Europäischen
Währungssystems überrascht es nicht,
daß die Wachstumsleistung der vier
größten europäischen Volkswirtschaften
(Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich, Großbritannien und Italien) nicht entscheidend von der Tendenz in der Bundesrepublik abweichen
wird.
Großbritannien
wird
wahrscheinlich die im Jahr 1988 verzeichneten massiven Zuwachsraten bei Investitionen und Privatverbrauch angesichts
der
jüngsten
restriktiven
Geldpolitik
nicht
aufrechterhalten
können; die reale BSP-Zuwachsrate
wird voraussichtlich auf einen konstanteren Prozentsatz zurückfallen.
Frankreich hatte im Jahr 1988 keine
vergleichbaren außergewöhnlichen Entwicklungen zu verzeichnen, aber sowohl die Verbrauchs- als auch die Investitionskurve wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr abflachen.
Die Aussichten für das übrige Europa sind innerhalb wie außerhalb der
EG im großen und ganzen gleich: verlangsamtes Wachstum des BSP und der
Inlandsnachfrage, zum Teil infolge
der Anpassung von Investitionen an

niedrigere Wachstumsraten. Insbesondere wird eine Verlangsamung der
BSP-Zuwächse in den nicht am Gipfel
teilnehmenden europäischen Ländern um
einen halben Prozentpunkt auf 2 3/4
Prozent erwartet.
Der Anstieg der Inlandsnachfrage
in den sechs anderen Teilnehmerstaaten am Wirtschaftsgipfel sollte insgesamt weiterhin den weltweiten BSPZuwachs übertreffen. Die Größenordnung, in der der Anstieg der Inlandsnachfrage über dem BSP-Zuwachs liegt,
wird sich wahrscheinlich in diesem
Jahr beträchtlich verringern.
Darüber hinaus bestehen nach wie vor wesentliche Unterschiede zwischen den
einzelnen Ländern.
Zusammengenommen
wird der Anstieg der Inlandsnachfrage
in den vier führenden Ländern Europas
(wie auch in den kleineren europäischen Ländern) erwartungsgemäß ungefähr ebenso hoch ausfallen wie der
BSP-Zuwachs - also knapp 3 Prozent
ausmachen.
Die Uberbrückung der Kluft von
Inlandsnachfrage und BSP-Wachstum in
den vier führenden Ländern Europas im
Verlauf dieses Jahres wird voraussichtlich auch auf die anderen Länder
Auswirkungen haben. In der Bundesrepublik Deutchland, Frankreich und
Großbritannien werden die Zuwachsraten der Inlandsnachfrage beträchtlich
fallen - obwohl aus anderen als den
oben erwähnten Gründen - und den gesamten BSP-Zuwachs mit nach unten
ziehen. Vom Blickwinkel einer Anpassung des Handels aus betrachtet, läßt
die
mögliche
Uberbrückung
dieser
Kluft den Schluß zu, daß im Verlauf
dieses Jahres weitere begrenzte Fortschritte in Richtung auf eine Behebung des Ungleichgewichts beim Handel
der vier führenden europäischen Länder erzielt werden können. Im Gegensatz dazu wird die Zunahme der Inlandsnachfrage in Japan voraussichtlich weiterhin über dem BSP-Zuwachs
liegen, obwohl sich auch hier die
Kluft verglichen mit 1988 wahrscheinlich verringern wird.

- 11 -

�Zu diesem frühen Zeitpunkt einer
Prognose lassen Analysen anhaltende
gemäßigte BSP-Zuwächse in den Industrienationen für 1990 vermuten, das
damit zum achten aufeinanderfolgenden
Jahr der Expansion werden könnte.
Während die Wachstumskurve generell
relativ zufriedenstellend im quantitativen Sinne erscheint, trifft dies
qualitiativ weniger zu. Unsere Vorhersagen deuten insbesondere darauf
hin, daß das Muster des Inlands- verglichen mit dem Gesamtwachstum sich
wahrscheinlich nicht stark vom diesjährigen unterscheiden wird.
In den sechs anderen Gipfelstaaten wird sich das BSP-Wachstum voraussichtlich etwas verlangsamen und
knapp unter 3 Prozent liegen. Die
Wachstumsraten in den beiden größten
ausländischen Volkswirtschaften - Japan und der Bundesrepublik Deutschland - werden sich erwartungsgemäß
etwas weiter verlangsamen, wenn auch
aus anderen Gründen. Trotz der Verwirklichung der letzten Stufe einer
mehrjährigen Steuerreform in der Bundesrepublik
werden
Steuersenkungen
von ca. 0,5 Prozent voraussichtlich
den Privatverbrauch nicht entscheidend ankurbeln.
Der Verbrauchszuwachs wird wahrscheinlich durch einen
Anstieg der Sparrate begrenzt und die
Zunahme von Investitionen wird sich
voraussichtlich nach zwei relativ
starken Jahren verlangsamen.
Wenn
diese
Ansichten
sich
bestätigen,
könnte das BSP-Wachstum in der Bundesrepublik
ans
untere Ende des
Wachstums der anderen Gipfelstaaten
zurückfallen.
Im Gegensatz dazu wird in Japan
die Zuwachsrate beim Privatverbrauch
aller Voraussicht nach im gleichen
Tempo wie 1989 steigen, es wird jedoch
ein
ziemlich
beträchtlicher
Rückgang von Investitionen in Produktionsstätten
und
Gerät
erwartet.
Dennoch wird die für 1990 prognostizierte BSP-Zuwachsrate Japans voraussichtlich weit über dem Durchschnitt
der anderen Gipfelstaaten liegen.

Die Wachstumsraten werden wahrscheinlich auch in Italien und Frankreich - den anderen beiden führenden
Volkswirtschaften auf dem europäischen Kontinent - etwas zurückgehen.
Im Gegensatz dazu könnte sich das reale BSP-Wachstum in Großbritannien
etwas stabilisieren, da die Exportsituation sich weiter verbessert und
der Privatverbrauch sich nach einem
in diesem Jahr erwartungsgemäß schwachen Wachstum erholt.
Zum heutigen Zeitpunkt geht man
davon aus, daß das übrige Europa sich
1990 auf einer Wachstumskurve von
rund 2,5 Prozent befinden wird. Spanien, Portugal und die Türkei werden
voraussichtlich wiederum die Spitzenreiter sein, während das reale Wachstum in Dänemark und Schweden relativ
langsam bleiben wird.
Die gesamte
Zuwachsrate der EG wird natürlich
stark von den Entwicklungen in den
vier führenden Volkswirtschaften beeinflußt und daher wahrscheinlich auf
ca. 2,5 Prozent fallen.

B.

Steuer- und Haushaltspolitik

Wenn
die
Haushaltspolitik
so
bleibt wie gegenwärtig vorhergesehen
- wovon man ausgehen muß - wird die
Steuer- und Hauhaltslage
der OECD
insgesamt (wiederum konjunkurbereinigt) im Zeitraum von 1989 bis 1990
im großen und ganzen neutral sein.
Dennoch wird es einige wesentliche
Unterschiede zwischen den einzelnen
Ländern geben.
In den Vereinigten
Staaten wird die Steuerpolitik darauf
ausgerichtet sein, die Grundvoraussetzungen zum Abbau des Haushaltsdefizits zu erfüllen. In Japan wird
der Haushaltsfehlbetrag aller Voraussicht nach etwas ansteigen, was auf
die Kombination einer Reihe von Steueränderungen bei einem gleichzeitigen
geringen Anstieg der Staatsausgaben
zurückzuführen ist. Die von der Bundesrepublik Deutschland für diesen
Zeitraum angestrebte Politik besteht
aus einer Kombination einzelner Steuererhöhungen mit höheren Sozialleistungen für 1989 und weiteren Einkom-

�mensteuersenkungen im Jahr 1990. Das
gesamte Haushaltsdefizit der Bundespublik (als Prozentsatz des BSP) wird
daher im Jahr 1989 fallen und 1990
ansteigen; durchschnittlich wird es
jedoch für 1989-1990 weit unter dem
der Jahre 1987 und 1988 liegen.
Großbritannien konnte trotz Steuersenkungen im Jahr 1988 einen Umschwung zu einem Haushaltsüberschuß
verzeichnen, und - verglichen mit dem
BSP - werden die Jahre 1989 und 1990
wahrscheinlich
leicht
ansteigende
Überschüsse bringen. Frankreich kann
insgesamt höhere Ausgaben bei einzelnen Inlandsprogrammen bei gesenkten
Körperschafts- und
Verbrauchssteuern
aufweisen, bei seinem relativ geringen Defizit werden jedoch wenig Änderungen insgesamt erwartet. Die gegenwärtige Politik eines generellen
Staatsdefizits, das als Prozentsatz
des BSP relativ hoch ist (11,5 Prozent im Jahr 1988), wird in Italien
im wesentlichen unverändert bleiben.
Entsprechend wenig Veränderungen werden für das kanadische Haushaltsdefizit bis 1990 erwartet.
Die kleineren europäischen Länder
haben die Defizite der öffentlichen
Hand als Prozentsatz des BSP seit Anfang der achtziger Jahre kontinuierlich abgebaut, und dieser Trend wird
voraussichtlich anhalten.
Insbesondere wird das durchschnittliche Defizit wahrscheinlich in diesem und im
nächsten Jahr unter 2 Prozent gehalten werden können - verglichen mit
der Fünf-Prozent-Marke
des Jahres
1983.

C.

Außenbilanzen

Die Prognosen für die Leistungsbilanz der Industrienationen in den
Jahren 1989 und 1990 deuten darauf
hin, daß der Anpassungsprozeß im Aussenhandel andauern wird, wenn auch
mit weniger einheitlichen Verbesserungen als wünschenswert erscheinen
mag.
Die internationalen Handelsflüsse werden natürlich vor allem
durch die oben erörterten Wachstums-

tendenzen beeinflußt. Daher wird angesichts des erwarteten leicht rückläufigen Wachstums der Industrieländer in den Jahren 1989 und 1990 insgesamt auch die reale Expansion (das
heißt der Volumenzuwachs) des Handels
zurückgehen. Dennoch sollte sich der
Zuwachs des Handelsvolumens in den
OECD-Ländern immer noch als relativ
stabil erweisen und erneut in einer
Größenordnung von 2 : 1 über dem
BSP-Zuwachs liegen. In der Tat könnte das durchschnittliche Wachstum des
Handelsvolumens von 1989 bis 1990 höher ausfallen als je in irgendeinem
anderen Dreijahres-Zeitraum seit Mitte der siebziger Jahre.
Vorläufige Prognosen deuten darauf hin, daß der Leistungsbilanzüberschuß der sechs anderen Gipfelstaaten insgesamt in diesem und erneut im Jahr 1990 zurückgehen wird.
Im einzelnen bedeutet dies, daß nach
dem geschätzten Überschuß von 88 Milliarden Dollar im Jahr 1988 der gesamte Überschuß der sechs anderen
Teilnehmerstaaten am Wirtschaftsgipfel den Prognosen zufolge im Jahr
1989 auf 74 Milliarden Dollar und
1990 auf 64 Milliarden Dollar fallen
wird. Das heißt, der gesamte Überschuß dieser Gruppe wird seit seiner
Rekordhöhe von 123 Milliarden Dollar
im Jahr 1986 nahezu halbiert sein.
Der größte Umschwung könnte sich
in Japan vollziehen, dessen Leistungsbilanzüberschuß den Erwartungen
zufolge einen starken Rückgang von
den ca. 80 Milliarden Dollar des vergangenen Jahres verzeichnen wird.
Rund die Hälfte dieses prognostizierten Rückgangs ist dem rückläufigen
Handelsüberschuß (in Dollar) zuzuschreiben und der Rest einem Anstieg
im Dienstleistungs- und Transferdefizit Japans.
In der Bundesrepublik Deutschland
stellt sich jedoch ein anderes Bild
dar. Nachdem sich die Exportzuwächse
nach einem kurzen Einbruch im Jahr
1987 (größtenteils aufgrund der Zusammensetzung der deutschen Exportgüter und der stärkeren Auslandsnach-

- 13 -

�frage nach Investitionsgütern) erholt
hatte, wird der deutsche Handelsüberschuß wahrscheinlich bis 1990 leicht
ansteigen.
Trotz der erwartungsgemäßen Zunahme des herkömmlichen Defizits beim Dienstleistungsverkehr mit
dem Ausland wird der Leistungsbilanzüberschuß der Bundesrepublik daher
wahrscheinlich im großen und ganzen
unverändert bestehen bleiben.
Auf
regionaler Ebene ist die deutsche
Handelsbilanz vor allem durch einen
starken Anstieg der Überschüsse mit
den anderen EG-Ländern gekennzeichnet, und diese Entwicklung wird voraussichtlich anhalten.
In den anderen Gipfelstaaten werden keine dramatischen Veränderungen
erwartet. Die Aufblähung des britischen
Handels- (und
Leistungsbilanz-) defizits im vergangenen Jahr
wird sich wahrscheinlich bis 1990
nicht umkehren. Frankreich, Italien
und Kanada werden gemeinsam im Jahr
1990 wohl das gleiche Leistungsbilanzdefizit wie 1988 zu verzeichnen
haben.
Die kleineren OECD-Länder werden
zusammengenommen wahrscheinlich einen
Anstieg ihres relativ geringen gemeinsamen
Leistungsbilanzdefizits
aufweisen, was vor allem auf das erwartete höhere Defizit Spaniens zurückzuführen ist. Unter den anderen
Ländern sind Überschüsse und Defizite
in Dollar relativ gering, und es werden keine tiefgreifenden Veränderungen erwartet. Die Tendenzen der Leistungsbilanz in der OECD insgesamt
werden bis 1990 im wesentlichen den
Entwicklungen der sieben führenden
Industriestaaten folgen.

2.
Prognosen
striestaaten

für

die

Nichtindu-

Die
Entwicklungsländer
werden
1989 zusammen wahrscheinlich etwas
höhere reale Zuwächse zu verzeichnen
haben, die bis 1990 mit Hilfe des erwarteten
anhaltenden
gemäßtigten
Wachstums der Industriestaaten relativ ausgeglichen bleiben werden. Die

Tendenzen in Lateinamerika werden erneut von den Entwicklungen in Mexiko
und Brasilien beherrscht werden. In
beiden Fällen legen die derzeitigen
Entwicklungen
einen
bescheidenen
Wachstumszuwachs in diesem Jahr nahe,
mit einem etwas höheren realen Zuwachs auch in Argentinien. Für die
Region insgesamt erwarten wir ein Absinken der Wachstumskurve auf 3,5 bis
4 Prozent bis 1990.
Die Wachstumsaussichten für die
asiatischen Schwellenländer sind nach
wie vor ziemlich gut.
Obwohl die
zwei größten Volkswirtschaften - Taiwan und Korea - wahrscheinlich einen
Rückgang ihrer derzeitigen zweistelligen Wachstumsraten hinnehmen müssen, sollte das Wachstum noch bei ca.
9 beziehungsweise 7 Prozent liegen.
Diese Prognosen bedeuten Wachstumsraten der Schwellenländer insgesamt in
einer Größenordnung von 7 bis 8 Prozent in diesem und im nächsten Jahr.
Zu diesem verlangsamten Wachstumsszenarium werden die rückläufige Export-Expansionsrate und ein Anstieg
der
Import-Zuwachsrate
beitragen.
Traditionell verfolgen die Schwellenländer
eine
relativ
konservative
Steuerpolitik, was geringe direkte
Wachstumsanreize
von
öffentlicher
Seite und anhaltende Steuerüberschüsse bedeutet.
Eine Bewertung der jüngsten Entwicklungen
beim
Wirtschaftwachstum
der
OPEC-Länder
vorzunehmen
und
glaubwürdige Prognosen für die Zukunft aufzustellen, ist angesichts
der ernsthaften Probleme bei der
Übermittlung von Zahlen aus zwei der
größten Länder - Iran und Irak - sowie Schwankungen bei den Ölpreisen
außerordentlich schwierig. Wir weichen von den jüngsten Prognosen des
IWF nicht sehr weit ab, die darauf
hindeuten, daß das durchschnittliche
Wachstum der OPEC-Staaten voraussichtlich von ca. 1 Prozent im Jahr
1988 auf ungefähr 2 Prozent im Jahr
1989 ansteigen wird. Natürlich wird
das Bild in diesem und im nächsten
Jahr erheblich von den Ö'lpreisentwicklungen abhängen.
Wenn die öl-

- 14 -

�preise auf dem gegenwärtigen Stand
bleiben (was eine von vielen Möglichkeiten ist) und vorbehaltlich anderer
außerordentlicher Entwicklungen könnte die Wachstumsrate der OPEC im Jahr
1990 insgesamt wiederum zwischen 1,5
bis 2 Prozent liegen.
Das
Leistungsbilanzdefizit
der
Entwicklungsländer, die keine OPECMitglieder sind, wird Prognosen zufolge in diesem Jahr von schätzungsweise 29 Milliarden Dollar (1988) auf
etwa 39 Milliarden Dollar ansteigen.
Etwa die Hälfte dieses Sprungs ist
auf einen Rückgang bei den Gesamtüberschüssen der Schwellenländer zurückzuführen, die Restsumme spiegelt
eine erwartete Steigerung von 2 Milliarden Dollar im Defizit Lateinamerikas und vereinzelte Zuwachsraten
bei. den restlichen Entwicklungsländern wider, die keine OPEC-Mitglieder
sind.
Die Entwicklungen in den Leistungsbilanzen
der
Schwellenländer
werden wie üblich vor allem von Korea
und Taiwan beeinflußt. Koreas großer
Überschuß wird sich in diesem Jahr
angesichts der
sich abzeichnenden
Trends niedrigerer Zuwachsraten bei
den Exporten und höherer Zuwächse bei
den Importen erwartungsgemäß verringern. In Taiwan wird sich die bereits 1988 erfolgte Anpassung in diesem Jahr fortsetzen und den Leistungsbilanzüberschuß weiter verringern. Diese Voraussage hängt jedoch
in erheblichem Maße von höheren Importen ab. In beiden Ländern wird
ein weiterer Abbau des Überschusses
für 1990 vorhergesagt, der jedoch
wahrscheinlich nicht den gleichen Umfang haben wird wie in diesem Jahr.
Angesichts dieser Grundannahmen
für die beiden größten Volkswirtschaften sollte die Zuwachsrate der
Leistungsbilanz aller Schwellenländer
sowohl 1989 (auf 21 Milliarden Dollar) als auch 1990 (auf 18 Milliarden
Dollar) sinken.
Diese Leistungsbilanzprojektionen verschleiern jedoch
einen stärkeren zugrundeliegenden Anpassungsprozeß in den jeweiligen Han-

delsbilanzen. Sowohl Korea als auch
Taiwan weisen zunehmende Überschüsse
im Dienstleistungs- und Kapitalverkehr aus, die sinkende Zuwachsraten
im Warenhandel ausgleichen. Während
wir im Zeitraum von 1988 bis 1990 einen Abbau um 8 Milliarden Dollar bei
den Überschüssen der Leistungsbilanz
aller Schwellenländer erwarten, wird
der Abbau des Defizits im Warenhandel
voraussichtlich 11 Milliarden Dollar
betragen.
Wenn unsere Vorhersagen
eintreffen, wird der Handelsüberschuß
aller Schwellenländer insgesamt im
Jahr 1990 auf unter 10 Milliarden
Dollar sinken.
Zu den wichtigen Entwicklungen,
die 1989 und 1990 das Leistungsbilanzdefizit der Länder Lateinamerikas
beeiflussen werden, zählen: die erheblich abgebauten Überschüsse Brasiliens gegenüber 1988 und geringfügig
niedrigere Defizite in Mexiko. Insgesamt wird für das Leistungsbilanzdefizit Lateinamerikas im Jahr 1989
eine geringfügige Zunahme (auf 13
Milliarden
Dollar)
prognostiziert,
auf die eine leichter Rückgang folgt
(auf 11 Milliarden Dollar).
Angesichts des oben beschriebenen erwarteten Wachstums in den Industrieländern und der hier angeführten Tendenzen im Handel sehen wir keine dramatischen Entwicklungen voraus.
Die
Überschüsse im Handel werden in Lateinamerika insgesamt nahezu unverändert bleiben und weiterhin etwa 27
bis 28 Milliarden Dollar betragen.
Die Entwicklungen in der Leistungsbilanz
der OPEC-Staaten für
1989/90 werden sicherlich von der Situation auf den internationalen ölmärkten und dem Ausmaß beeinflußt, in
dem die Förderländer darauf einwirken
können.
Angesichts des erwarteten
langsameren Wachstums in den Industrieländern in diesem und im nächsten Jahr und angesichts der weltweiten Überschußproduktion deuten Überlegungen zu Angebot und Nachfrage
nicht darauf hin, daß in naher Zukunft ein starker Druck auf die Preise entstehen wird. Ein geringfügiger
Anstieg im Handelsüberschuß der OPEC

- 15 -

�würde ihr Leistungsbilanzdefizit
gleichem Umfang verringern.

in

Teil IV
Die zugrundeliegenden kurzfristigen Zielsetzungen der Industrieländer, insbesondere derjenigen mit einem erheblichen Ungleichgewicht im
Außenhandel, werden dieselben bleiben
wie in den vergangenen Jahren. Insgesamt müssen sie gewährleisten, daß
reales Wachstum in einem stetigen
Tempo anhält, der Inflationsdruck
eingedämmt wird und der Anpassungsprozeß im Außenhandel im Rahmen eines
gesunden und wachsenden internationalen
Handels- und
Finanzssystems
bleibt. Diese Ziele gelten auch für
Nicht-Industrieländer.
Über diese allgemeinen Zielsetzungen bestehen keine Unstimmigkeiten. Tatsächlich spiegeln sie einen
klaren internationalen Konsens wider
und sind oftmals und eingehend von
den Teilnehmern der jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel, im Rahmen der regulären Treffen von Finanzministern und Zentralbankpräsidenten
und bei den halbjährlichen Treffen
des IWF Interim-Ausschusses bekräftigt worden.
Sicherlich bestehen unvermeidbare
Meinungsverschiedenheiten
über
die
relative Bedeutung der verschiedenen
Zielsetzungen und die beste Methode
ihrer Verwirklichung. Um diese Differenzen erörtern und auszuräumen zu
können, haben die Gipfelländer den
Prozeß zur Koordinireung ihrer Wirtschaftspolitik weiterentwicklet und
verstärkt.
Internationale Zusammenarbeit in der Wirtschaft war ein zentrales Thema der letzten drei Wirtschaftsgipfel (1986 in Tokio, 1987 in
Venedig, 1988 in Toronto) und wird
auch beim bevorstehenden Gipfeltreffen in Paris einen hohen Stellenwert
haben (Dieser Prozeß wurde im Bericht
des Finanzministeriums an den Kongreß
über Internationale Wirtschafts- und
Währungsppolitik vom Oktober 1988
ausführlich behandelt, auf den hier

verwiesen werden soll).
Der Prozeß der politischen Zusammenarbeit hat einen eindeutigen und
soliden Konsens über die grundlegenden Bestandteile hervorgebracht, mit
denen das gemeinsame Ziel eines Abbaus des Ungleichgewichts im Außenhandel hervorgebracht und gleichzeitig der Weg zum Wachstum offen gehalten werden soll. Im weitesten Sinne
erfordert die anhaltende Anpassung
unterstützende makroökonomische Entwicklungen auf den Weltmärkten. Die
Industrieländer müssen auf dem Pfad
nicht-inflationären Wachstums bleiben, um den Welthandel zu stimulieren
und wachsende Märkte für ihre eigenen
Exporte und die Exporte der Entwicklungsländer zu schaffen, um den Zielsetzungen
der
Schuldenbegleichung,
Wachstum und Entwicklung gerecht zu
werden.
Die Teilnehmer verpflichten sich
zu einem grundlegenden politischen
Kurs, der notwendig ist, um diese
Zielstzungen in echte Fortschritte
umzuwandeln. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich ihrerseits zum Abbau ihres Haushaltsdefizits, zur Verbesserung ihrer interntionalen Wettbewerbsfähigkeit und Erhöhung ihrer
Sparrate. Für die Länder mit großen
Überschüssen im Außenhandel - insbesondere Japan und die Bundesrepublik
- bedeutet dies die Anwendung makroökonomischer struktureller Maßnahmen,
mit denen offene, wachsende Binnenmärkte geschaffen werden können. Im
wesentlichen muß der Zuwachs bei der
Nachfrage im Inland in den Überschußländern groß genug sein, um den konjunkturabschwächenden Effekt rückgängiger Überschüsse auszugleichen.
Es setzt sich jedoch zunehmend
die Erkenntnis durch, daß die meisten
Volkswirtschaften unter strukturellen
Beschränkungen für Wachstum und Anpassung leiden, mit denen die Wirksamkeit steuerund währungspolitischer
Maßnahmen abgeschwächt wird.
Aus
diesem Grunde ist der Umfang des Koordinierungsprozesses erweitert worden, der zusätzlich zu seiner tradi-

- 16 -

�tionellen Betonung makroökonomischer
Politik eine besondere Überprüfung
der ergänzenden Rolle, die strukturelle Reformen spielen können, einschließen soll. In Toronto hat jedes
Teilnehmerland besonderen strukturellen Reformen zugestimmt, unter anderem: einem Abbau von Verkrustungen
auf dem Arbeitsmarkt, die Flexibilität behindern und hohe Arbeitslosenraten begünstigen; einer Verringerung
von Subventionen, die den ungehinderten Verkehr von Rohstoffen im Inland
und über alle Grenzen hinweg behindern; der Reformierung eines Steuersystems, das keine Risikoübernahme
und keine Innovationen fördert und
die Nachfrage unterdrückt; einer Liberalisierung der Finanzmärkte und
einem Abbau belastender Vorschriften
und übermäßige Einmischung des Staates in den Privatsektor.
Der politische Koordinierungsprozeß
ist
somit
entwicklungsfähig.
Durch die besondere Berücksichtigung
makroökonomischer und struktureller
Erwägungen und Prüfung der weitreichenderen Konsequenzen einzelner politischer Maßnahmen ist er in hohem
Maße geeignet, mittelfristige Lösungen für die hier anliegenden mittelfristigen Probleme zu finden.
Die Notwendigkeit einer angemessenen makroökonomischen und strukturellen Politik ist jedoch nicht auf
die
Industrienationen
beschränkt.
Die Entwicklungsländer müsen dabei
auch eine wichtige Rolle spielen.
Zum Beispiel müssen die Schwellenländer dafür Sorge tragen, daß ihre
Wechselkurse sich im Einklang mit den
Kräften des Marktes und ihrer wirtschaftlichen Stärke bewegen, um zu
ausgewogenerem Handel und weiterer
weltweiter
Anpassung
beizutragen.
Darüber hinaus sind in den Schwellenländern weitere politische Veränderungen wie etwa strukturelle Reformen
notwendig, um die Nachfrage im Inland
als Quelle des Wachstums und im Falle
Koreas und Taiwans Maßnahmen zur Liberalisierung des Handels und Kapitalflusses anzufachen.
Seit Mitte
des Jahres 1986 haben die Vereinigten

Staaten mit den vier Ländern - insbesondere mit Korea und Taiwan - Gespräche über diese Probleme geführt.
Darüber hinaus untersucht die OECD
Möglichkeiten zur Eröffnung eines informellen Dialogs mit den Schwellenländern und konzentriert sich dabei
auf gemeinsame Pflichten zur Förderung offener Märkte für Handel, Investitionen
und
andere
finanzielle
Transaktionen.
Im allgemeinen müssen die Entwicklungsländer und insbesondere die
hochverschuldeten
Volkswirtschaften
sicherstellen, daß ihre politischen
Maßnahmen die Nachfrage im Inland und
die Kapitalbildung unterstützen, die
Inflation eindämmen und angemessene
finanzielle Unterstützung
von den
Handelsbanken und den internationalen
Finanzinstitutionen ermutigen.
Der
Abbau der ernsthaften Ungleichgewichte in diesen Volkswirtschaften ist
eine wichtige mittelfristige Herausforderung, die sowohl im makroökonomischen als auch in den strukturpolitischen Bereichen eine fundierte Politik erfordert.
Steuerdefizite und Vermehrung der
Geldmenge müssen unter Kontrolle gebracht und die Kapitalflucht eingedämmt werden. Die Investitionspolitik muß den Rückfluß von ausländischen Mitteln zur Unterstützung der
Investitionen im Inland ermutigen,
Verzerrungen bei den relativen Prei&gt;sen - auch bei Zinssätzen und Wechselkursen - müssen abgebaut und übermäßige Vorschriften und staatliche
Einmischung abgeschafft werden, und
die Handelspolitik sollte eine stärkere Integration in das Welthandelssystem ermutigen.
Glücklicherweise tritt zunehmend
die Erkenntnis der Entwicklungsländer
zutage, daß eine marktorientierte Politik
die
besten Aussichten für
Wachstum, Entwicklung und weltweite
wirtschaftliche Integration bietet.
Zusätzlich zur Ermutigung dieser gewandelten Einstellungen ist es von
entscheidender Bedeutung
daß die
Volkswirtschaften der Industrienatio-

- 17 -

�nen materielle Unterstützung leisten,
indem sie offene und erweiterungsfähige Märkte erhalten, Verzerrungen im
Welthandelssystem abbauen und den internationalen Finanzinstitutionen angemessene Unterstützung leisten. Der
politische Koordinierungsprozeß ist
integraler Bestandteil dieser umfassenden Bemühungen.

Teil V
Der Kongreß fordert die Berichterstattung
über
ausländische
Beschränkungen für den amerikanischen
Handel im durch Abschnitt 1304 des
Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes von 1988 revidierten
Jahreswirtschaftsbericht.
Das
Gesetz fordert ferner nach Möglichkeit die Quantifizierung der geschätzten
Auswirkungen
einzelner
Schranken für den Export amerikanischer Waren und Dienstleistungen und
amerikanische Direktinvestitionen im
Ausland. Dieser Bericht wird bis zu
seinem Fälligkeitstermin am 30. April
1989 dem Kongreß vorliegen.
Aufgrund des Zweimonatszeitraums
zwischen den vorgeschriebenen Vorlageterminen der beiden Berichte befindet sich der Jahreswirtschaftsbericht
jetzt bei Abschluß des Jahresberichts
zur Entwicklung im Handel gerade in
Vorbereitung.
Zur Auflistung der
Handelsschranken und ihrer Auswirkungen auf Handel und Direktinvestitionen der Vereinigten Staaten wird der
Kongreß daher auf den bald erscheinenden Jahreswirtschaftsbericht verwiesen.
Bei der Interpretation der Auswirkungen von Handelsschranken auf
den Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten ist Sorgfalt geboten.
Manche Handelsschranken haben
unter Umständen erhebliche Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Exporte, Importe, Produktion und in geringerem Maße auch auf besondere bilaterale Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten. Dennoch haben Handelsschranken
vergleichsweise
geringe

Auswirkungen auf das Ungleichgewicht
im amerikanischen Handel insgesamt.
Wenn man die geschätzten Auswirkungen einzelner Handelsschranken auf
den Handel insgesamt betrachtet, würde man die Auswirkungen überbewerten,
die amerikanische Exporte insgesamt
auf die Abschaffung ausländicher Handelsschranken haben. Der Definition
nach läßt die Analyse des "teilweisen
Gleichgewichts", mit der Auswirkungen
von Handelsschranken geschätzt werden, keine Rückschlüsse von den Auswirkungen einzelner Handelsschranken
auf das gesamte Gleichgewicht im Handel zu.
Handelsschranken sind von großer
Bedeutung, weil sie mikroökonomische
Unzulänglichkeiten (falsche Mittelvergabe) auf nationales und internationales Umfeld transponieren und den
Gesellschaften die Kosten für das
Wohlergehen der Wirtschaft aufbürden.
Dennoch sind ihre Auswirkungen auf
das Gleichgewicht des Handels insgesamt oder dessen Schätzung beschränkt.

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

10

8. März 1989

USA FORDERN SOWJETS ZUR BETEILIGUNG AM ABBAU DER CHEMISCHEN WAFFEN AUF
- Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE WIEN - (AD) - US-Außenminister Baker hat im Rahmen seiner Rede bei der Eröffnung der Wiener Verhandlungen über die konventionellen Streitkräfte in Europa (KSE) am 6. März 1989 erklärt, die Vereinigten Staaten untersuchten zur
Zeit die Möglichkeit eines Abzugs chemischer Waffen aus Europa. Dabei forderte er die Sowjetunion auf, sich der Initiative anzuschließen und ihre "enormen
Arsenale" an chemischen Waffen zu zerstören. Baker appellierte ferner an die
internationale Staatengemeinschaft, sich der "Bedrohung durch die Verbreitung
chemischer Waffen" zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut:
Verehrte Ministerkollegen, meine Damen und Herren,
wir treffen uns heute in einer
historischen Umgebung. Wien ist sicherlich ein lebendes Denkmal der
Schöpfungskraft
westlicher
Kultur.
Diese Stadt ist ferner ein Scheideweg
der Zivilisation.
Es erinnert uns
daran, daß Europa und die Leistungen
Europas
stets
die
geographischen
Grenzen überschritten haben, um die
Welt insgesamt zu beeinflussen.
Wien steht jedoch auch für fehlgeschlagene Hoffnungen. Verhandlungen und Abkommen, die zur Schaffung
eines anhaltenden Friedens in Europa
gedacht waren, wurden allzu oft durch
Krieg zunichte gemacht. Zu oft bedeutete der Mangel an Sicherheit in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Europa einen Mangel an Sicherheit für
die ganze Welt. Unser Ziel besteht
darin, die Sicherheit Europas zu verbessern
und damit ebenfalls die
Grundlagen des Weltfriedens zu stärken.
Meines Erachtens benötigen wir
eine umfassendere Perspektive, eine
gemeinsame Vision dessen, was wir anstreben und warum, wenn wir Erfolg
haben wollen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren
Europa und die Welt mit zwei gänzlich
entgegengesetzten Auffassungen konfrontiert.
Die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten in Westeuropa
vertraten die Vision freier Völker,
die in einem Rechtsstaat mit geschützten Rechten des Einzelnen leb-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten und deren demokratisch gewählte
Regierungen diesen Völkern gegenüber
verantwortlich waren.
Wir sind der Meinung, und wir
halten an dieser Überzeugung fest,
daß die Rede- und Religionsfreiheit,
die Freiheit von Furcht und die Freiheit zur Wahrnehmung wirtschaftlicher
Möglichkeiten natürliche Rechte freier Menschen überall waren und sind.
Wir waren gewiß, und wir haben auch
heute die Gewißheit, daß freie Märkte
und Eigeninitiative das sicherste Rezept für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt sind. Wir waren und
sind bestrebt, unsere Sicherheit in
einer Koalition freier Staaten zu gewährleisten, die durch gemeinsame
Werte und nicht nur durch gemeinsame
Interessen verbunden sind. Und wir
hatten damals, wie auch heute, die
Vision eines Europas im Frieden, dessen Nationen die Freiheit besitzen,
sich unterschiedlich zu entwickeln,
aber sich gemeinsam gegen den Krieg
wenden.
Unsere Vision war nicht die einzige Vision. Es gab auch eine andere
Haltung, die den teuersten Werten des
westens entgegengesetzt war.
Der
Wettstreit zwischen diesen beiden Visionen brachte uns das schwierige
Vermächtnis, mit dem wir heute leben.
Ein gewaltsam gegen den Willen seiner
Völker geteiltes Europa. Ein Europa,
das der Kontinent mit den meisten
Waffen ist.
Gegen Ende dieses Jahrzehnts eröffnen sich uns neue Horizonte, Horizonte, die uns eine Chance bieten,
die Konflikte der Vergangenheit hinter uns zu lassen. Die andere Vision
verändert sich. Sie verändert sich,
weil wir im Westen unserer Vision
treu geblieben sind. Und sie verändert sich, weil sich in der Sowjetunion der Realismus durchzusetzen beginnt.
Perestrojka, Glasnost, Demokratisierung sind die Schlagworte des
"neuen Denkens". Es gibt ermutigende
Entwicklungen bei den Menschenrechten

und in der Betonung des Prinzips der
Rechtsstaatlichkeit.
Volkswirtschaften, die sich einst im eisernen Griff
zentralisierter
Lenkung
befanden,
werden befreit, und die Rolle der Eigeninitiative ist von Staat anerkannt
worden. Unlängst erklärte Generalsekretär Gorbatschow, "auch die Weltpolitik sollte vom Primat der universellen menschlichen Werte geleitet
werden". In öffentlichen Bekundungen
wird die sowjetische Außenpolitik mit
verringerter Betonung des Einsatzes
von Gewalt umgestaltet.
Minister
Schewardnadse hat dies heute erneut
bekräftigt, und das ist gut so.
Niemand kann vorhersehen, wohin
dieser
Prozeß
führen
wird
oder
selbst
ob er andauern wird.
Wir
können jedoch nicht die Realität dessen außer acht lassen, was heute in
Europa geschieht.
In seinem Roman
"Die Besessenen" schrieb Dostojewski:
"Das Feuer brennt im Geist des Menschen, nicht auf den Dächern von Häusern."
Die revolutionären Veränderungen in jenem Teil Europas, der
sich immer noch hinter einem rostenden Eisernen Vorhang befindet, sind
vor allem Veränderungen im Geist der
Menschen, in ihrer Vision von der Zukunft. Die Menschen wollen Freiheit:
Gedankenfreiheit, Freiheit zuhause,
Freiheit am Arbeitsplatz und frei gewählte Regierungen. Und diese Freiheiten werden die von Stagnation und
Tyrannei geschlagenen Wunden heilen.
Ich schlage vor, daß wir uns der
Schaffung eines neuen Europas verpflichten - eines Europas, das auf
folgenden Freiheiten gegründet ist:
Der Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Die
Legalität
der
Gewerkschaft
Solidarität
sollte beispielsweise die Norm
und kein Thema von Verhandlungen
sein.
Der Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Die Beobachter
der KSZE-Vereinbarungen sollten
beispielsweise geehrt und nicht
von ihren Regierungen verfolgt
werden.
Der Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht der Freizügigkeit wahrzunehmen. So sollte
der Forscher in Prag zum Beispiel
in der Lage sein, die Bücher zu
bekommen, die er benötigt. Verwandte in Hamburg und Dresden
sollten nicht länger durch Stacheldraht
voneinander
getrennt
sein, und Berlin sollte nicht von
einer Mauer geteilt werden, die,
wie wir vorigen Monat erst wieder
gesehen haben, weiterhin Menschen
das Leben kostet, die nach Freiheit streben.
Schließlich der Freiheit aller
Europäer vor militärischer Einschüchterung oder einem militärischen Angriff. Diejenigen im Westen sollten frei von der Furcht
sein, daß die massiven Streitkräfte unter sowjetischem Befehl
über sie herfallen werden. Diejenigen im Osten sollten frei von
der Furcht sein, daß eine bewaffnete
sowjetische
Intervention,
wie sie durch die Breschnew-Doktrin gerechtfertigt wurde, erneut
angewendet wird, um ihnen die
Wahlmöglichkeit zu nehmen.
"Neues Denken" und die Breschnew-Doktrin sind einander diametral
entgegengesetzt.
Wir fordern Generalsekretär Gorbatschow heute auf,
der Breschnew-Doktrin eine Absage zu
erteilen - ohne den Schatten eines
Zweifels.
Möge das "neue Denken"
dieses Überbleibsel des Zeitalters
der Stagnation hinwegfegen.
Diese vier Freiheiten sind untrennbar miteinander verbunden. Sie
sind die Prinzipien des neuen Europas, sie sind die Schlüssel, mit de-

nen die Tür zum europäischen Haus der
Zukunft geöffnet wird. Wie der amerikanische Präsident Abraham Lincoln
einmal gesagt hat: "Ein Haus, das in
sich geteilt ist, kann nicht bestehen." Ein Kontinent, der von einer
Mauer geteilt Wird, kann nicht sicher
sein. Ein sicheres und wohlhabendes
Europa kann niemals auf der Grundlage
künstlicher Schranken, der Furcht und
der Verweigerung der Unabhängigkeit
gegründet werden.
Ich freue mich, Ihnen berichten
zu können, daß wir einige Fortschritte bei der Verwirklichung dieses neuen Europas erzielt haben - Fortschritte, auf denen wir alle aufbauen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hat
mit den Dokumenten von Helsinki, Madrid, Stockholm und jetzt Wien die
Verpflichtungen
der Staaten immer
präziser definiert.
Wir haben die
Freiheit des einzelnen sowie das Konzept der Offenheit und der vertrauensbildenden Maßnahmen
im Sicherheitsbereich erneut bekräftigt. Wir
unterstützen
diesen
Prozeß.
Die
Schlußakte von Helsinki verkörpert
unsere Vision von Europa. Und die
sicherheitspolitische Dimension der
NATO hatte stets das Ziel der Kriegsverhinderung
Auch der wirtschaftliche Wandel
ist ein wichtiges Merkmal des neuen
Europas. Die Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts im Jahr 1992, der
zum Vorteil aller, die Handel treiben
möchten, nach außen orientiert ist,
würde sicherlich die Hoffnungen derjenigen erfüllen, die nach dem Krieg
zu Recht die Vision der wirtschaftlichen Union als Stützpfeiler für Frieden und Freiheit hegten. Zentral gelenkte Volkswirtschaften legen nach
und nach die Zwangsjacke der ausgedienten
marxistisch-leninistischen
Theorien ab. Der Wunsch nach verstärkten Handelskontakten ist stark
und wird noch stärker.
Es besteht ferner eine echte Möglichkeit für alle Industriestaaten,
im Westen wie im Osten, bei neu er-

- 3 -

�kannten übernationalen Problemen zusammenzuarbeiten. Gefahren für unsere Umwelt setzen zum Beispiel die
grundlegendste Sicherheit aller Erdenbewohner aufs Spiel. Erst letzte
Woche haben die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten
beschlossen, die Benutzung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe
(FCKW) bis
zum Jahr 2000 einzustellen, unter der
Voraussetzung daß bis dahin Ersatzstoffe gefunden werden, was wir annehmen. Wir hoffen, daß die Sowjetunion in Erwägung zieht, sich im
Geist des "neuen Denkens" uns anzuschließen.
Dies sind
Fortschritte.
Aber
während die alte Ära vor den Horizonten des neuen Europas zurücktritt,
sind diese Horizonte immer noch zu
weit entfernt.
Immer noch stehen
sich die Waffen und Armeen gegenüber.
Dieser Kontinent wird immer noch von
einem Eisernen Vorhang geteilt. Zu
viele Regierungen haben nach ihrer
feierlichen Unterzeichnung von Verpflichtungen auf die Menschenrechte
abweichende Meinungen gewaltsam unterdrückt.
Bei dieser Tour d'horizon bleiben
wichtige Frage unbeantwortet. Werden
diesen neuen Worten Taten folgen oder
wird es sich um eine bloße Wiederholung der Vergangenheit, um erneut
enttäuschte Hoffnungen handeln?
Werden Ost und West gemeinsam in
der Lage sein, die im Zeitalter des
Wettbewerbsdenkens
aufgebauten
Schranken
niederzureißen?
Werden
diese Schranken endlich abgebaut, die
Berliner Mauer, der Stacheldraht und
die Wachtürme endlich der Vergangenheit angehören?
Wird die Sowjetunion ihre Außenpolitik in Europa entmilitarisieren,
wird sie aufhören, die Demokratien
mit abertausenden von Panzern zu bedrohen?
Die Aussagen von Außenminister
Schewardnadse haben mich ermutigt,
als er von einem umfassenden Abbau

der Streitkräfte sprach.
In jüngster Zeit hatten wir allen
Grund zu Hoffnungen über das neue
sowjetische Denken. Aber sowohl Realitätsbewußtsein als auch Vernunft
erfordern eine Erprobung dieses neuen
Denkens, um sicherzustellen, daß es
sich hierbei um eine neue Politik und vor allem - um einen Wandel in
der
Stationierungspolitik
handelt.
Wir haben sondiert, ob Ost und West
gemeinsam nicht umkehrbare Schritte
unternehmen können, die in Richtung
auf ein Europa der Freiheiten gehen.
Darüber hinaus haben wir versucht,
das Niveau militärischer Konfrontation abzubauen.
Auch hier sind Fortschritte zu
verzeichnen. Als Reaktion auf einen
von den Vereinigten Staaten unterbreiteten Vorschlag hat sich die Sowjetunion gemeinsam mit den Vereinigten Staaten an den Verhandlungstisch
begeben, um einen Vertrag über Mittelstreckenraketen zu erarbeiten, mit
dem eine gesamte Kategorie nuklearfähiger Raketen beseitigt wird.
Der
Vertrag enthält in der Geschichte der
Abrüstung einmalige Bestimmungen, vor
allem im Hinblick auf Verifizierung
und asymmetrische Abrüstung bis zum
Gleichstand. Auch bei den START-Gesprächen haben wir ermutigende Fortschritte in Richtung auf einen Abbau
der strategischen Streitkräfte erzielt. Und sobald unsere Übersicht
fertiggestellt ist, sehen wir weiteren Schritten auf dem Weg zu Abrüstung und Rüstungskontrolle entgegen.
Präsident Bush zufolge messen die
Vereinigten Staaten der Kontrolle und
Vernichtung chemischer Waffen hohe
Priorität bei. Seit der Vorlage des
Vertragsentwurfs zur Achtung chemischer Waffen auf der ganzen Welt auf
einer wirksam verifizierbaren Grundlage im Jahr 1984 haben die Vereinigten Staaten bei den Genfer Verhandlungen eine führende Rolle gespielt.
Wir werden auch in Zukunft diese Bestrebungen zu unserem ersten Anliegen
machen. Bis diese Waffen auf verifizierbare Art und Weise vernichtet

�worden sind, werden die Vereinigten
Staaten jedoch ein Minimum an chemischen Abschreckung aufrechterhalten.
Vor kurzem konnten wir die positive Resonanz auf Präsident Reagans
Forderung nach einer Konferenz über
den Einsatz chemischer Waffen verbuchen - und den Erfolg dieser Konferenz unter dem Vorsitz der französischen Regierung. Es steht außer Frage, daß einige Länder zu Taten bereit
sind.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Bewältigung dieses Problems die Führung zu übernehmen. Und
es ist mir eine große Ehre, bekanntgeben zu dürfen, daß Präsident Bush
als einen ersten Schritt die neue Administration angewiesen hat, Mittel
und Wege für die Beseitigung der in
der Bundesrepublik Deutschland gelagerten chemischen Waffen aufzuzeigen.
Die frühzeitige Beseitigung dieser
Waffen erfordert die Bereitstellung
sicherer Lagerungsstätten sowie die
Erarbeitung praktischer Pläne zu ihrer Vernichtung.
Aber einseitiges
Vorgehen ist nicht genug. Die Sowjetunion verfügt über enorme Lagerbestände an chemischen Waffen, die
Europa bedrohen.
Aus diesem Grund
fordern wir die Sowjets auf, mit uns
gemeinsam die Vernichtung ihrer enormen Lagerbestände dieser furchterregenden Waffen voranzutreiben.
Und nicht zuletzt müssen wir auch
die Bedrohung durch die Verbreitung
chemischer Waffen ansprechen.
Hier
können wir auf unsere jüngsten Pariser Erfolge aufbauen.
Unser Vorschlag geht dahin, Regierungen und internationale Vertreter der chemischen Industrie zusammenzubringen.
Wir haben gemeinsam
mit Australien die generelle Frage
der Verbreitung sowie die Veranstaltung einer Konferenz zu diesem Thema
erörtert.
Seit einigen Jahren hat
Australien international eine führende Rolle bei dem Versuch gespielt,
der Verbreitung
chemischer Waffen
Einhalt zu gebieten, auch als Vorsit-

zender der australischen Gruppe westlicher mit chemischer Produktion befaßter Staaten. Ich freue mich daher
besonders, Ihnen mitteilen zu können,
daß Australien zugestimmt hat, die
Initiative zur Veranstaltung einer
solchen Konferenz zu ergreifen.
Zweck dieser Konferenz wird sein,
das wachsende Problem des internationalen Transfers von chemiewaffenfähigem Material und der entsprechenden
Technologie zu erörtern. Wir hoffen,
ein besseres Informationssystem über
diesen todbringenden Handel aufbauen
zu können.
Fortschritte bei nuklearer Rüstungskontrolle und chemischen Waffen
sind jedoch nicht genug. Es wird uns
niemals gelingen, die Ost-West-Beziehungen auf einen nicht umkehrbaren
Kurs in Richtung auf dauerhafte Verbesserungen zu bringen, wenn wir uns
nicht mit dem enormen militärischen
Ungleichgewicht bei den konventionellen Waffen in Europa auseinandersetzen. Wir können das Problem klar umreißen. Eine riesige, von schwer gepanzerten Einheiten angeführte und
massiver
Feuerkraft
unterstützte
Streitmacht ist von der Sojwtunion
und
Ihren Verbündeten aufgestellt
worden. Diese Streitmacht ist gegen
den Westen gerichtet.
Wir im Westen haben uns dieser
Bedrohung seit Anbeginn des Kalten
Krieges gegenübergesehen. Heute gehen die Streitkräfte der Sowjetunion
und des Warschauer Pakts weit über
das erkennbare Maß an Verteidigung
hinaus.
Bei Panzern ist der Warschauer Pakt der NATO im Verhältnis 3
zu 1 überlegen. Bei der Artillerie
ist der Warschauer Pakt im Verhältnis
3 zu 1 überlegen. Und bei Schützenpanzern ist der Warschauer Pakt der
NATO im Verhältnis 2 zu 1 überlegen.
Diese
sich. Und
hat, sind
sten für
geeignet.

- 5 -

Prozentsätze sprechen für
wie die NATO festgestellt
diese Streitkräfte am beeine Invasion Westeuropas

�Es ist dieses breite Spektrum sowjetischer Macht, das Europa gegen
seinen Willen teilt und europäische
Hoffnungen
zur
Geisel
möglicher
feindseliger Absichten der Sowjets
macht.
In jüngster Zeit haben wir gehört, die sowjetische Militärdoktrin
würde geändert, um das sogenannte
"vernünftige
und
ausreichende"
Streitkräfteniveau zu erreichen. Und
im Dezember hat Generalsekretär Gorbatschow vor den Vereinten Nationen
die
sowjetische
Absicht
erklärt,
50 000 Soldaten, 5 000 Panzer und anderes ausgewähltes Gerät aus bestimmten Gebieten Osteuropas abzuziehen.
Auch einige osteuropäische Regierungen haben einen einseitigen Truppenabbau angekündigt.
Dies ist ein Anfang - ein sehr
guter Anfang. Es ist ein hoffnungsvoller Anfang und natürlich beobachten wir, ob den Worten Taten folgen.
Ebenso klar ist die Notwendigkeit,
noch weiter zu gehen. Selbst nach
diesen Reduzierungen hätte der Warschauer Pakt noch einen Vorteil von 2
zu 1 bei Panzern und Artillerie. Die
militärische Überlegenheit des Warschauer Pakts im konventionellen Bereich, insbesondere bei den für Offensivoperationen wichtigsten Komponenten, macht eine Invasion in der
Tat möglich.
Dies sind harte Tatsachen. Und
es sind diese Tatsachen, die einer
Änderung bedürfen, wenn unsere Verhandlungen
erfolgreich
und unsere
Fundamente eines neuen Europas von
Dauer sein sollen. Der Rüstungskontrollprozeß muß sich jetzt stark auf
dieses Ungleichgewicht zwischen Ost
und West konzentrieren.
Die Vereinigten Staaten haben geraeinsam mit den anderen westlichen
Teilnehmerstaaten an diesen Gesprächen ernsthafte Vorschläge zur Behebung der Ungleichgewichte bei den
konventionellen Landstreitkräften und
zur Einführung weitreichender vertrauensbildender und stabilisierender

Maßnahmen erarbeitet.
Unser Ansatz konzentriert sich
auf die Verwirklichung einschneidender Reduzierungen bei entscheidenden
militärischen Fähigkeiten, die auf
eine Invasion ausgerichtet sind. Wir
schlagen zum Beispiel eine Obergrenze
für die gesamte Rüstung in Europa vor
sowie eine Obergrenze von 40 000 für
alle von den 23 Teilnehmerstaaten an
den KSE-Verhandlungen
stationierten
Panzer.
Darüber hinaus sind die
westlichen Teilnehmerstaaten in naher
Zukunft zur Einführung neuer vertrauensbildender Maßnahmen bereit, die
darauf abzielen, die Transparenz zu
erhöhen und die Möglichkeit eines
Überraschungsangriffs zu verringern.
Letztlich wird Stabilität natürlich
nur dann erreicht, wenn kein Land in
der Lage ist, ein anderes durch Waffengewalt zu beherrschen.
Ich möchte jedoch nochmals betonen, daß Veränderungen im militärischen Gleichgewicht nur einen Teil
des Prozesses darstellen. Nur wenn
die Ursachen der historischen Teilung
Europas beseitigt sind, wir Freizügigkeit und den freien Fluß von Informationen erreicht haben, wenn alle
Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung genießen - nur dann wird es
möglich sein, die militärische Konfrontation vollständig zu beseitigen.
Mit anderen Worten: wir können keine
Symptome beseitigen, wenn wir uns
nicht eingehend mit den Ursachen auseinandersetzen.
Es ermutigt mich,
daß immer mehr Menschen aus Ost und
West diesen Zusammenhang verstehen.
Wir müssen gemeinsam daran arbeiten,
um weitreichende Veränderungen hervorzubringen, mit denen die Teilung
dieses Kontinents beendet werden kann.
Die
Vereinigten
Staaten
verpflichten sich zur Zusammenarbeit mit
vernunftbegabten Menschen auf der
ganzen Welt, um Erfolge zu erlangen.
Wir werden in einigen Tagen in eben
diesen Räumen die Verhandlungen aufnehmen und dabei ein klares Ziel, solide Grundsätze und eindeutig definierte Zielsetzungen vor Augen haben.
—

�Unser Ziel bei diesen Verhandlungen besteht wie bei allen Rüstungskontrollverhandlungen in der Verhinderung des Krieges - jedes Krieges,
sei er nuklear oder konventionell -,
Abschreckung von Aggression und Steigerung der Stabilität auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau.
Wir
werden jeden Vorschlag nicht nur im
Hinblick auf die Anzahl der reduzierten Waffen, sondern nach seinen Auswirkungen auf Abschreckung und Stabilität beurteilen.
Zur Verwirklichung dieses Ziels
bestätigen wir erneut das Zweckbündnis zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren europäischen Verbündeten.
Wir sind uns seit langem bewußt, daß
"Europa Amerika ebenso braucht wie
Amerika Europa", wie NATO-Generalsekretär Manfred Wörner es formulierte.
Als einzelne würden wir Opfer der historischen Entwicklungen, heute können wir den Weg der Weltgeschichte
selbst positiv beeinflussen.
Unsere
Verhandlungsziele
sind
eindeutig definiert. Erstens - und
darauf habe ich bereits hingewiesen haben die NATO-Verbündeten gleiche
Obergrenzen
bei
wichtigen
Ausrüstungsgegenständen auf einem Niveau
gefordert, das unter dem gegenwärtigen
der
NATO-Streitkräfte
liegt.
Dies wäre der beste Schritt in Richtung auf ein sicheres Europa auf niedrigerem RUstungssniveau.
Zweitens sollte kein Staat Fähigkeiten besitzen, mit denen sich eine
Invasion ausführen ließe.
Drittens sollte ein System gegenseitiger Offenheit und Transparenz
bei militärischen Angelegenheiten erweitert werden, mit dem Vertrauen gefördert, Absichten geklärt und folglich die Stabilität gestärkt werden
kann.
Darüber hinaus hoffen wir, daß
alle Staaten Doktrinen und Streitkräftestrukturen erarbeiten, die eine
Verteidigungsabsicht glaubwürdig widerspiegeln.

Im Rahmen der fortschreitenden
Verhandlungen werden wir gemeinsam
mit unseren Verbündeten alle Möglichkeiten für Fortschritte in Erwägung
ziehen. Das gegenwärtige Streitkräfteniveau und die Struktur der Streitkräfte in Europa sind nicht in Stein
gemeißelt. Sie sind das Produkt der
Geschichte, das Ergebnis von Konflikten. Und sie können geändert werden.
Wenn die Vergangenheit als Leitlinie dienen kann, haben wir viele
Vorschläge zu erwarten, die eine Perfektionierung der Abrüstung versprechen, wenn wir nur das Konzept der
Abschreckung aufgeben würden. Winston Churchill hat dazu sinngemäß gesagt, Perfektionismus sei an einem
Pfarrer bewundernswert, für einem Politiker jedoch nicht durchführbar.
Die Möglichkeiten sind zu kostbar,
als daß sie in radikalen, aber nicht
realisierbaren Vorschlägen verschenkt
werden dürften. Wir müssen stattdessen bei der Arbeit für den Frieden
Sorgfalt walten lassen, Schritt für
Schritt vorgehen und jeden Schritt
verifizieren.
Ich habe heute von dem neuen Europa der Freiheiten gesprochen, von
den neuen Horizonten, die sich einem
Kontinent eröffnen, der vor 40 Jahren
aufgrund unvereinbarer Vorstellungen
geteilt wurde.
Mit der Annäherung
dieser Vorstellungen aneinander könnte die Möglichkeit bestehen, die alten Hindernisse zu beseitigen, die
Europa im Wege stehen. Dies ist unsere Aufgabe. Wir müssen endlich die
konventionellen Ungleichgewichte und
Verschleierungen beseitigen, die so
lange die Sicherheit Europas und damit den Weltfrieden bedroht haben.
Der entscheidende Schritt wird
nicht leicht sein. Er wird neue Herausforderungen
und
möglicherweise
schwierige Situationen heraufbeschwören. Aber wir dürfen uns dieser Aufgabe nicht entziehen.
Ich habe darauf verwiesen, daß
ein besseres Verständnis des Europas
der Zukunft die Last erleichtern

- 7 -

�wird. Wir können bereits einen Teil
dieses Horizonts eines friedlicheren
und wohlhabenderen Europas erkennen,
für das so viele Opfer gebracht wurden. Obwohl es erkennbar ist, dürfen
wir es nicht als selbstverständlich
hinnehmen. Es ist an uns, den nächsten - wenn nicht den letzten
Schritt auf diesem Weg zu tun.
Prophezeiungen werden nur wenigen
von Gott zuteil, aber jeder Mensch
verfügt über Phantasie. Wir können
die Zukunft durch den Nebel der Veränderungen nur schwer erkennen, aber
wir können uns die Welt vorstellen,
wie wir sie uns wünschen. Das ist
der Zweck unserer Übung.
Lassen Sie uns gemeinsam vorgehen, um ein Europa aufzubauen, wie
wir es gern hätten, ein freies, offenes, sicheres und wohlhabendes Europa, ein ungeteiltes Europa, das der
ganzen Menschheit als Beispiel dienen
kann.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

8. März 1989

10

DIE VSBM-VERHANDLUNGEN
- Hintergrundmaterial zu den VSBM -

WIEN - (AD) - Am 9. März 1989
werden in Wien offiziell die auf die
Vertrauens- und
Sicherheitsbildenden
Maßnahmen (VSBM) aufbauenden Gespräche eröffnet, die während der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) im Jahr 1896
vereinbart wurden. Teilnehmen werden
alle 35 am KSZE-Prozeß beteiligten
Staaten.
Die VSBM sind darauf ausgerichtet, Mißtrauen und Mißverständnisse
bei militärischen Fähigkeiten und Absichten durch größere Offenheit bei
militärischen Angelegenheiten abzubauen. Unter VSBM sind beispielsweise Benachrichtigung und Beobachtung
militärischer Übungen und Vor-Ort-Inspektionen zu verstehen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die VSBM wurden mit der Schlußakte von Helsinki im Jahr 1975 ins Leben gerufen, mit der die freiwillige
Benachrichtigung und Beobachtung bestimmter
militärischer
Aktivitäten
ermutigt wurde. Die Stockholmer Konferenz, die von 1984 bis 1986 dauerte, stellte eine Erweiterung der Maßnahmen von Helsinki dar und machte
sie obligatorisch.
Die Stockholmer Maßnahmen basierten im wesentlichen auf westlichen
Vorschlägen und beziehen Berechenbarkeit, Offenheit und Vertrauen in den
Ausbildungs- und
Ubungsprozeß
der
Streitkräfte in Europa ein. Die Maßnahmen erstreckten sich ferner auf
den Austausch der Jahresübersicht
über militärische Aktivitäten, die
Benachrichtigung
über
militärische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Übungen oberhalb einer vereinbarten
Obergrenze,
Einladungen
in
alle
KSZE-Staaten zur Beobachtung größerer
Übungen sowie Ad-hoc-Inspektionen militärischer Aktivitäten als Verifizierungsmittel.
Die Durchführung der Stockholmer
VSBM war ermutigend. Seit Inkrafttreten der Maßnahmen im Jahr 1987
konnte größere Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten
in Europa beobachtet werden. In den
zwei Jahren seit ihrem Inkrafttreten
traten die KSZE-Staaten bei über 35
militärischen Aktivitäten in 12 Ländern formell als Beobachter auf. Von
Ost und West wurden jeweils 18 VorOrt-Inspektionen durchgeführt.
Intensivere Kontakte der Militärs untereinander haben zu besserem Verständnis beigetragen.
Dies
sind
ermutigende
erste
Schritte.
Aber es kann noch sehr
viel mehr getan werden. In Wien werden die westlichen Verbündeten eine
Reihe durchgreifender und integrierter Maßnahmen vorschlagen, die darauf
ausgerichtet sind, diesen vertrauensbildenden Prozeß voranzubringen.
Zur Förderung der Offenheit bei
militärischen
Organisationen
beabsichtigen die Verbündeten, einen Vorschlag für einen weitreichenden, umfassenden jährlichen Informationsaustausch über militärische Organisationen, die wichtigsten Stationierungen
von Waffen, Personal und Gerät im Gebiet vom Atlantik bis zum Ural zu unterbreiten. Die NATO wird ferner die
Schaffung
eines
Auswertungssystems
vorschlagen, das zur Beurteilung des
Informationsaustauschs gedacht ist.
Um darüber hinaus größere Offenheit bei militärischen Aktivitäten zu
erlangen, beabsichtigt das Bündnis,
die Einbeziehung detaillierterer Informationen in die Benachrichtigung
über militärische Übungen, verbesserter Verfahren zur Beobachtung militärischer Aktivitäten und verstärkter
Verfizierungsmaßnahmen.

Schließlich wird das westliche
Bündnis zusätzliche Maßnahmen vorschlagen, die darauf abzielen, Kontakte und Kommunikation zwischen den
KSZE-Teilnehmerstaaten im militärischen Bereich zu verbessern, den Zugang des Militärpersonals und der Medienvertreter zu erleichtern sowie
das gegenseitige Verständnis militärischer Fähigkeiten, Verhaltensweisen
und des Einsatzkonzepts zu erleichtern. Das Bündnis wird ferner den
Vorschlag zu einem organisierten Gedankenaustausch über eine Militärdoktrin unterbreiten, mit der die tatsächlichen Struktur, Fähigkeiten und
Aufstellung der Streitkräfte in Europa abgedeckt wird.
Der Westen nimmt die VSBM-Gespräche also mit einer Reihe positiver,
zukunftsorientierter Vorschläge auf,
mit denen die Offenheit über militärische Strukturen und Aktivitäten in
Europa nachhaltig verbessert werden
könnte. Wir sind ferner bereit, andere Vorschläge zu überprüfen, die
zur militärischen Offenheit und Berechenbarkeit beitragen.
Diese Gespräche sowie die getrennt stattfindenden Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) schlagen eine neues Kapitel in der Geschichte der europäischen Sicherheit und Zusammenarbeit
auf. Wir sollten uns jedoch vor Augen führen, daß militärische Konfrontation in Europa das Ergebnis - und
nicht die Ursache - der politischen
Teilung Europas ist.
Aus diesem
Grund müssen Bestrebungen zum Abbau
der Spannungen auf dem Kontinent
nicht nur die Sicherheitsbelange,
sondern auch den zugrundeliegenden
poltitischen Konflikt und die Verweigerung grundlegender Menschenrechte
und Freiheiten durch einige Länder
ansprechen.

Frage:
Worin besteht der Unterschied
zwischen den Verhandlungen
über Konventionelle Streitkräfte in
Europa (KSE) und den Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbil-

�dende Maßnahmen (VSBM)?
Antwort:
Das Mandat, die Teilnehmer und der Inhalt der beiden Verhandlungen sind unterschiedlich gelagert. Während beide Sicherheit und
Stabilität zum Ziel haben, streben
die KSE den Abbau von Ungleichgewichten bei den konventionellen Streitkräften vom Atlantik bis zum Ural sowie ein höheres Maß an Sicherheit und
Stabilität
auf
einen
niedrigeren
Streitkräfteniveau an.
Obwohl die
KSE-Gespräche im Rahmen der KSZE
stattfinden, sind die Verhandlungspartner Mitgliedstaaten der NATO und
des Warschauer Pakts. Die VSBM-Verhandlungen
hingegen
konzentrieren
sich auf Offenheit und Berechenbarkeit im Bereich militärischer Informationen und Aktivitäten.
An den
VSBM-Verhandlungen nehmen alle 35
Teilnehmerstaaten der KSZE teil.
Frage: Welche VSBM stehen zur Verfügung?
Antwort:
Das
Schlußdokument
von
Stockholm sieht folgende Bestimmungen
vor:
eine 42tägige vorherige Benachrichtigung über militärische Aktivitäten, bei denen mehr als
13 000 Soldaten oder 300 Panzer
(bei
Luftsturm- oder LandungsUbungen 3 000) beteiligt sind.
Obligatorische Beobachtng militärischer Aktivitäten mit mehr als
17 000 Soldaten (5 000 bei Luftsturm- oder Landungsübungen.
Austausch einer Jahresübersicht
über Aktivitäten, die der Benachrichtigung unterliegen.
Keine Aktivitäten mit mehr als
40 000 Soldaten, wenn diese nicht
vorher in der Jahresübersicht angekündigt worden sind.
Keine Aktivitäten mit mehr als
75 000 Soldaten, wenn diese nicht
zwei Jahre zuvor in der JahresUbersicht zwei Jahre zuvor angekündigt worden sind.
Ein System der Vor-Ort-Inspektion.

Antwort:
Das gesamte Europa, wie
es das Mandat der Stockholmer KVAEVerhandlungen vorsah.
Frage: Betreffen die VSBM auch USStreitkräfte?
Antwort:
Insofern
amerikanische
Streitkräfte auf dem Gebiet der KVAE
stationiert sind, ja.
Frage: Der Warschauer Pakt hat die
Einbeziehung
unabhängiger
See- und
Luftübungen in die VSBM-Verhandlungen
vorgeschlagen.
Warum
stimmen die
Vereinigten Staaten dem nicht zu?
Antwort:
Das
Mandat,
das
die
Stockholmer
KVAE-Verhandlungen
und
auch die nachfolgenden VSBM-Verhandlungen steuerte, sieht vor, daß die
VSBM die Manöver der Landstreitkräfte
in Europa abdecken. Dennoch müssen
gemäß dem Schlußdokument von Stockholm LuftSturmangriffe und Landungen
von Amphibienfahrzeugen
einer bestimmten Größenordnung gemeldet und
beobachtet
werden.
Unabhängige
Luft- und Seeübungen fallen daher
nicht unter die Bestimmungen des Verhandlungsmandats der VSBM.

Frage:
Welchen geographischen Raum
decken die VSBM-Verhandlungen ab?
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

8. März 1989

10

DURCHFALLERKRANKUNGEN BEI KINDERN
Orale Rehydration sehr of wichtiger als Medikamente

(AD). - Als eine ihrer besonders
wichtigen Funktionen betrachtet die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) die
Bekämpfung von Diarrhö bei Babies und
Kleinkindern in Ländern der Dritten
Welt. Jedes Jahr sterben dort 4,5
bis 5 Millionen Kinder unter fünf
Jahren an Durchfallerkrankungen. Sie
stellen nach den Erkrankungen der Atraungsorgane die zweithäufigste Todesursache dar. Und dies, obgleich eine
relativ einfache Therapie zur Verfügung steht, die im akuten Stadium
zwar nicht heilen, aber Leben retten
kann. Es ist die sogenannte orale
Rehydrations-Therapie (ORT), eine Methode, mit der der Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten (Natrium und
Kalium) ausgeglichen und bei der
durch Glukosezusatz die Resorption
unterstützt wird.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Als Hauptursache für die Diarrhöen bei Kleinkindern (etwa 80 Prozent der Todesopfer sind noch keine
zwei Jahre alt) gelten Rotaviren, die
durch Nahrung, Wasser und Hautkontakt
übertragen werden. Selbst gegen Desinfektionsmittel sind sie äußerst widerstandsfähig. Obgleich nur sehr
wenige Entwicklungsländer noch keine
nationalen Programme zur Bekämpfung
von Durchfallerkrankungen besitzen,
werden gegenwärtig erst etwa 60 Prozent der Kinder in diesen Staaten davon erreicht. Dennoch liegt dieser
Prozentsatz bereits über dem von der
WHO vor einigen Jahren angestrebten
Ziel von 50 Prozent bis 1990.
Die Entwicklung der ORT-Methode
geht in die sechziger Jahre zurück,
als man herausfand, daß ein aus Glu-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kose, Salz und Wasser gemischtes Getränk gegen die durch Druchfall verursachte Dehydration ebenso wirksam
war wie aufwendige und oft quälende
Infusionen im Krankenhaus. Medikamente, z.B. Antibiotika, sind ohnehin
nicht wirksam, andere nur unter ganz
bestimmten, eng begrenzten Voraussetzungen angebracht. Dagegen kann
die Rehydrationslösung auf Glukosebasis aus Zutaten bereitet werden, die
praktisch in jeder Küche vorhanden
sind, und für die meisten Mütter ist
es einfach, sie anzuwenden. Das
Hauptproblem besteht jedoch darin,
daß weder die Menge der Ausscheidung
nocht die Dauer der Krankheit verringert werden. Nur der Flüssigkeitsverlust und die Gefahr der hypertonen
Dehydration, die bis zum Koma und
Atemstillstand führen kann, wird behoben.
In Abänderung der Zusammensetzung
der Lösungen, die weltweit von der
WHO verteilt werden, schlagen Wissenschaftler heute die Verwendung von
Lösungen vor, die statt Glukose pulverisierten Reis und andere Nährmittel enthalten. Sie ersetzen nicht
nur den Flüssigkeitsverlust, sondern
verkürzen auch die Dauer der Erkrankung. Man kann den Reis als Brei mit
Salzzugabe kochen oder andere Nährmittel, z.B. Sorghumoder Maispulver
verwenden. Noch werden die neuen
Mixturen klinisch getestet, um die
erforderlichen Mengen von Stärke und
Protein für die Eingabe von Salzen
und Wasser in den Körper bestimmen zu
können. Eine Anwendung in großem Umfang dürfte frühestens in zwei bis
drei Jahren zu erwarten sein.
Aber auch die simple ORT-Lösung
hat sich in manchen Ländern, etwa in
der Sahel-Zone, noch kaum durchgesetzt. Selbst in afrikanischen Ländern mit guter Salzversorgung erreicht die Anwendung kaum zehn Prozent. Nach WHO-Angaben dürfte zwar
die Verwendung in manchen lateinamerikanischen Ländern mehr als 20 Prozent betragen, in anderen dagegen,
etwa Guatemala und Peru, wird die Lösung bei nicht einmal fünf Prozent

der Fälle von Kinder-Diarrhö eingesetzt. Ähnlich ist es im Jemen, während die Rehydrationstherapie in Bangladesch bereits bei 51 Prozent der
Erkrankten angewandt wird. Als Musterland erweist sich Ägypten: Plakataktionen, Fernsehund Radiosendungen haben dazu geführt, daß die ORTMethode zwischen 1983 und 1986 von
ursprünglich nur 1,5 Prozent Anwendungsbreite auf 98 Prozent ausgeweitet werden konnte. Gegenwärtigen
Schätzungen zufolge ist anzunehmen,
daß in Ägypten Todesfälle bei Kindern
unter zwei Jahren als Folge von Diarrhö-Erkrankungen auf etwa die Hälfte
zurückgegangen sind.
Alan Woods, der Chef der US-Behörde für Internationale Entwicklung
(AID), betont, daß für einen Erfolg
von ORT-Programmen mehr erforderlich
sei als nur die Bereitstellung von
Lösungen zur oralen Rehydration für
die Entwicklungsländer. Voraussetzung sei vielmehr, innerhalb der Länder der Dritten Welt Kapazitäten zur
Produktion und Verteilung der Lösungen zu schaffen. Auch müßten die erforderlichen Informationen an die Familien herangebracht werden, wann und
wie die Lösungen anzuwenden seien und
wie wichtig es ist, das Kind ohne Unterbrechung während und nach Diarrhö-Erkrankungen zu füttern.
Schließlich müßten finanzielle Mechanismen für die Fortführung der Programme entwickelt werden. "Wir wissen, daß wir eine ganze Generation
von Müttern durch regelrechte Kampagnen mit der oralen Rehydrationstherapie vertraut machen können", meint
Woods. "Aber die Kenntnis der Wirksamkeit dieser Therapie muß Eingang
in die Gesellschaft finden - in das
Gesundheitssystem ebenso wie in die
nachfolgende Müttergeneration. So
bedeutet die ORT-Methode auch für
Dorfhelfer und Ärzte eine sehr wichtige Aufgabe."
Daß auch in Industrieländern,
beispielsweise in den Vereinigten
Staaten, Todesfälle bei Kindern infolge Durchfallerkrankungen noch eine
Rolle spielen, war das überraschende

- 2 -

�Ergebnis einer Studie der Zentren für
Krankheitsüberwachung (Centers for
Disease Control) in Atlanta (Georgia). Der Studie zufolge starben
zwischen 1973 und 1983 mehr als 5 500
amerikanische Kinder im Alter zwischen einem Monat und vier Jahren an
Diarrhö - die Mehrzahl in den Südstaaten während der Wintermonate.
Allerdings ging die jährliche Todesrate von 719 im Jahr 1973 auf 372 im
Jahr 1983 zurück. In den USA sind
Durchfallerkrankungen die Ursache für
ca. zwei Prozent der Kindersterblichkeit. In dem Bericht, der dies als
"vermeidbar" bezeichnet, heißt es
weiter, daß jedes Jahr etwa 200 000
Kinder unter fünf Jahren wegen Diarrhö stationär behandelt werden müßten. Die meisten amerikanischen Kinderärzte seien sich noch immer nicht
der Sicherheit und Wirksamkeit der
oralen Rehydrationstherapie bewußt
und hielten an der kostspieligen und
oft gar nicht angebrachten medikamentösen Therapie fest.

* * * * *

- 3 -

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10616">
              <text>03.08.1989</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10617">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10618">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10619">
              <text>Amerikadienst 03.08.1989</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10620">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungleichgewichte Im Außenhandel verringert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht zur Entwicklung im Handel&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Sowjets zur Beteiligung am Abbau chemischer Waffen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker zur Eröffnung der KSE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die VSBM-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundmaterial zu den VSBM&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Durchfallerkrankungen bei Kindern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Orale Rehydration sehr oft wichtiger als &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Medikamente&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
