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                  <text>AMERIKA DIENST
^

^

c&amp;

26. J u l i 1989

28
INHALT
DOKUMENTATION

"Frieden und Demokratie" leere Versprechungen der Sandinisten
- Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua Bush fordert kontinuierliche Erforschung des Weltraums
- Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI

HINTERGRUND
Apollo - zwanzig Jahre danach
- Amerikas letztes großes Wagnis

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesunder Regenwald von großem Wert
- Umwandlung in Weide- und Farmland unwirtschlaftlich

* * * * *

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

Ä&lt;

28

26. Juli 1989
"FRIEDEN UND DEMOKRATIE" LEERE VERSPRECHUNGEN DER SANDINISTEN
- Erklärung Präsident Bushs zu Nicaragua -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge bieten die in Nicaragua anstehenden Wahlen dem Regime der Sandinisten eine weitere Gelegenheit, ihre im
Jahr 1979 gegenüber der OAS und im vergangenen Jahr im Esquipulas-Abkommen gegebenen Versprechen "zur Errichtung einer Demokratie" in Nicaragua einzulösen.
In einer vom Weißen Haus am 19. Juli 1989 veröffentlichten Erklärung verwies der Präsident jedoch auf einen offensichtlichen "neuerlichen Versuch zur
Verhinderung freier und fairer Wahlen. In scharfem Gegensatz zu den Nachbarländern, die den Weg der Demokratie gewählt haben, demonstriert die Regierung
der Sandinisten lediglich, daß sie den freien politischen Wettstreit fürchtet."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush zu Nicaragua im Wortlaut:
Vor zehn Jahren herrschte hier
und in Lateinamerika allgemein Befriedigung darüber, daß die Revolution gegen Somoza in Nicaragua triumphiert hatte und damit endlich der
Demokratie eine Chance gegeben würde. Im Jahr 1979 verpflichteten sich
die Sandinisten gegenüber der OAs zur
Errichtung einer Demokratie, und sie
erneuerten diese Verpflichtung mit
der Unterzeichnung des Friedensabkommens für Mittelamerika vor nahezu
zwei Jahren. Trotz dieser Versprechen wurde die Verpflichtung bis heute nicht eingelöst.
Die Vereinigten Staaten wollten
die Hinwendung zur Demokratie unterstützen. Wir hatten durch die Einstellung der Militärhilfe zum Sturz
Soraozas beigetragen. Ermutigt durch
das Versprechen der Sandinisten ge-

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genüber der OAS stellten wir der
neuen nicaraguanischen Regierung 118
Millionen Dollar an wirtschaftlicher
und humanitärer Hilfe zur Verfügung.
Dies war erheblich mehr als jedes andere Land dem neuen Regime gewährte
und auch mehr Hilfe, als wir in den
vier Jahren davor für die Regierung
Somoza bereitgestellt hatten.
Trotz der Unterstützung der Vereinigten Staaten und anderer Regierungen haben die Sandinisten unverzüglich einen Kurs eingeschlagen, mit
dem sie die Macht in ihren Händen
konzentrieren konnten, trieben ihr
Land in den wirtschaftlichen Ruin und
zwangen Hunderttausende zur Flucht.
Sie bauten mit Hilfe Kubas, der Sowjetunion und anderer kommunistischer
Länder die größten Streitkräfte Mittelamerikas auf. Die Sicherheitspo-

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�lizei und sandinistische Schlägertrupps verfolgten und Inhaftierten
Oppositionsmitglieder aus politischen
Parteien, Gewerkschaften, Unternehmen, der katholischen Kirche und der
Miskitoindianer.
Wahlen wurden um
fünf Jahre verschoben und als sie
endlich stattfanden, war der Opposition nach den Grundregeln der Sandinisten kein freies und gerechtes Konkurrieren erlaubt.
Heute, da die Augen der Welt auf
ihnen ruhen, haben die Sandinisten
wiederum Gelegenheit, Frieden und Demokratie eine Chance zu geben. Aber
trotz des herannahenden Jahrestages
der Verpflichtungen von Esquipulas
ist nur der neuerliche Versuch zu erkennen, freie und faire Wahlen zu
verhindern. In scharfem Gegensatz zu
den Nachbarländern, die den Weg der
Demokratie
gewählt
haben, demonstriert die sandinistische Regierung
lediglich, daß sie einen freien politischen Wettstreit fürchtet.

kontrollieren.
Zwei
amerikanische
Diplomaten wurden aufgrund ihrer Beobachtung eines Wahlkampfs der Opposition ausgewiesen, und EG-Vertreter
protestierten gegen Behinderungen anderer Mitglieder des diplomatischen
Corps durch die Sandinisten. Diese
Aktionen stehen in scharfem Gegensatz
zu den Erfahrungen in El Salvador, wo
Beobachter von allen Seiten - auch
Kritiker der Regierung -• begrüßt wurden.
Darüber hinaus entspricht das
neue Mediengesetz nicht demokratischen Maßstäben und enthält nur vage
Bestimmungen, mit denen eine Diffamierung der Regierung verfolgt und
durch das Inneministerium bestraft
werden kann. Im Gegensatz zu anderen
Länder Mittelamerikas ist die Regierung per Gesetz Eigentümer der Fernsehanstalten. Umfragen sind nur mit
Genehmigung der Regierung erlaubt und
die Sandinisten damit in der Lage,
dem Volk das wahre Ausmaß ihrer Unbeliebtheit vorzuenthalten.

Die reformierten Wahlgesetze der
Sandinisten wurden der Opposition gegen ihren Widerstand aufoktroyiert
und sehen einen Wahlrat vor, in dem
die Sandinisten die Mehrheit haben.
Bestimmungen
zur Finanzierung der
staatlichen Wahlkampagne benachteiligen Parteien, die nicht an der letzten Wahl teilgenommen haben. Um jede
Chance auszuräumen, daß ausländische
Mittel an die Opposition die offizielle Begünstigung der sandinistischen Partei aushöhlen, verfügt das
Gesetz die Zahlung von 50 Prozent der
ausländischen Mittel an den Wahlrat.
Diese Bestimmungen gelten nicht für
die sandinistische Partei.

Die Sandinisten haben auch auf
andere Weise ihre Angst vor freien
Wahlen dokumentiert. Zahlreiche Demonstrationen der Opposition mußten
abgesagt werden, weil die Regierung
die Genehmigung verweigerte. Gewerkschaften wurden bedroht, weil die Demonstration
ihrer
wirtschaftlichen
Macht eine Bedrohung für die Sandinisten darstellt.
In jüngster Zeit
wurden zahlreiche Privatunternehmer
enteignet - nicht aufgrund von Gesetzesübertretungen - sondern in dem
offensichtlichen Versuch, Kritik an
der Politik der Sandinisten im Keim
zu ersticken.

Auf dem Papier sind ausländische
Wahlbeobachter zugelassen, aber die
Praktiken der Sandinisten deuten auf
den Wunsch hin, diese zu behindern.
Zum Beispiel haben die Sandinisten
Vertreter der Nationalen Stiftung für
Demokratie als "CIA-Agenten" gebrandmarkt, einen Beobachter von Freedom
House ausgewiesen und Amerikanern Visabestimmungen auferlegt, um die Berichterstattung über die Wahlen zu

Die Maßnahmen
der Sandinisten
werden von einer staatlichen Propaganda unterstützt, die Opposition mit
mangelnder Staatstreue und Kritik mit
Loyalität gegenüber einer ausländischen Macht gleichsetzt. Die Sandinisten haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß sie den Wunsch
der Opposition nach Dialog zu ignorieren gedenkt. Vergangene Woche hat
Präsident Ortega in San Jose seinen

- 2 -

�Wunsch nach Veränderungen bekundet.
Wir sind gespannt, ob er sie auch
durchführen wird, weil die Aussichten
für eine nationale Aussöhnung düster
sind, wenn die Opposition und der nicaraguanische Widerstand in diesem
Prozeß keine gleichberechtigten Partner werden.
Wir erwarten darüber hinaus, daß
die Sandinisten andere Veränderungen
vornehmen, um ihren Verpflichtungen
von Esquipulas nachzukommen.
Kürzlich entdeckte Waffenverstecke in El
Salvador deuten darauf hin, daß die
Sandinisten ihre subversive Tätigkeit
in den Nachbarnländern nicht aufgegeben haben. Obwohl wir keine todbringenden Waffen mehr an die Widerstandskämpfer
liefern, rüsten die
Sandinisten mit Hilfe neuer Lieferungen aus Kuba und anderen kommunistischen Ländern weiterhin auf.
Und
jetzt machen sie mit dem Noriega-Regime in Panama - einer Diktatur im
Stile Somozas - gemeinsame Sache.
Das Überparteiliche Abkommen mit
dem Kongreß bietet die Gelegenheit zu
besseren Beziehungen zwischen unseren
Ländern. Wir streben die Verwirklichung von Demokratie und nationaler
Aussöhnung in Nicaragua an. Wir sind
weiterhin zu positiven Reaktionen bereit, wenn die Sandinisten ihre Versprechen erfüllen - die sie der OAS
vor 10 Jahren, in Esquipulas, und erneut letzten Februar in El Salvador
gegeben haben - damit die Nicaraguaner ihre demokratischen Rechte wahrnehmen können.
Trotz der düsteren Aussichten unterstützen wir weiterhin freie Wahlen
und Demokratie in Nicaragua und hoffen inständig, daß das nicaraguanische Volk im nächsten Jahr wirklich
etwas zu feiern haben wird.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation
26. Juli 1989

28

BUSH FORDERT KONTINUIERLICHE ERFORSCHUNG DES WELTRAUMS
- Rede des Präsidenten anläßlich des 20. Jahrestags von Apollo XI -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache anläßlich des 20. Jahrestags der
Landung amerikanischer Astronauten auf dem Mond nannte Bush bemannte Weltraumflüge "die unausweichliche Herausforderung für alle modernen Länder der Welt"
und gab Pläne für ein kontinuierliches Programm zur Erforschung des Weltraums
in den kommenden Jahren bekannt.
Bush zufolge besteht ein erster Schritt seines Projekts im Bau einer permanenten amerikanischen Raumstation in den neunziger Jahren, der im 21. Jahrhundert die Errichtung eines ständigen amerikanischen Stützpunkts auf dem Mond
und eine bemannte Mission zum Mars folgen sollen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich danke Ihnen allen sehr herzlich.
Ich stehe vor einem der am
häufigsten besichtigten Orte der Welt
einem Symbol amerikanischen Muts
und Erfindungsreichtums. Und vor mir
stehen jene, deren Genie dieses Vermächtnis zu verdanken ist - die Männer und Frauen des amerikanischen
Astronautenkorps.
Wir sind sehr stolz, an dieser
einmaligen Versammlung amerikanischer
Veteranen des Weltalls teilnehmen zu
können - und zusammen mit drei der
größten Helden dieses oder jedes anderen Jahrhunderts auf diese Bühne zu
stehen - der Mannschaft von Apollo XI.
Es mutet unglaublich an, daß bereits 20 Jahre vergangen sein sollen.
Neil und Buzz haben den Moon-

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walk 15 Jahre, bevor Michael Jackson
auch nur einen Gedanken daran verschwendete, erfunden.
Michael Collins - der ehemalige
Direktor dieses berühmten Museums und
gleichzeitig der mutige Pilot, der
alleine den Mond umkreiste, während
Neil und Buzz den Mond betraten.
Mike - ich glaube, Sie sind wohl der
einzige Amerikaner über 10, der in
dieser Nacht die Mondlandung nicht im
Fernsehen verfolgt hat.
Später heute abend, wenn sich die
Menge aufgelöst hat und die Sonne untergegangen ist, wird ein fast voller
Mond aus der Dunkelheit aufgehen und
auf ein Amerika scheinen, das in
Wohlstand und Frieden lebt. Diejenigen, die alt genug sind, sich an die

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�historische Nacht vor 20 Jahren zu
erinnern, sollten heute abend gemeinsam mit ihren Kindern und Enkelkindern ins Freie treten, ihre Augen zum
Himmel richten und ihnen von der amerikanischen Flagge erzählen, die noch
immer stolz auf diesem fernen Boden
des Mondes weht.
Und diejenigen, die noch nicht
geboren waren oder noch zu jung sind,
um sich daran zu erinnern und Kinder
dieses neuen Jahrhunderts sind, sollten ihre Augen zum Himmel richten und
mit uns gemeinsam einen großen Traum
träumen, einen amerikanischen Traum,
einen Traum ohne Ende.
Die Apollo-Mission.
Der erste
Mensch auf dem Mond. Einige verglichen es mit Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen, andere hielten es
für unmöglich, weil es nie zuvor gewagt worden war. Aber Amerika hat
diesen Traum geträumt, Amerika hat
ihn verwirklicht: am 16. Juli 1969.
Die Sonne ging ein zweites Mal auf an
jenem Morgen, als diese drei Pioniere
mit Saturn V in einem gleißenden Feuerball in den Wolken verschwanden.
Eine Million Menschen hielten zusammen mit der Hälfte des amerikanischen
Kongresses den Atem an, als die Erde
unter ihren Füßen erbebte und unsere
Sicht des Himmels sich für immer wandelte.
Drei Tage und drei Nächte dauerte
diese gefährliche, einmalige, atemberaubende Reise. Und wir alle erinnern uns an jene Nacht.
Mein Frau Barbara und unsere
Tochter Dorothy befanden sich mit mir
in unserem roten Backsteinhaus am
Rande Washingtons, wo wir hingezogen
waren, um Houston im amerikanischen
Kongreß zu vertreten. Unser 12 Jahre
alter Sohn Marvin war mit Freunden
von uns auf einer Reise in den Westen
und erinnert sich daran, wie sie an
einem Motel an der Straße anghielten,
um zuzusehen.
Unser zweiter Sohn,
der in jenem Sommer 16jährige Jeb,
unterrichtete Englisch in einem kleinen mexikanischen Dorf, das noch kei-

nen Strom hatte und
Mondlandung im Radio.

verfolgte

die

Die Landung selbst war schrecklich. Alarmlampen leuchteten auf und
eine Überlastung des Computers drohte, die Mission abzubrechen, während
die Mondfähre Tausende von Metern
über dem Mond hing. Armstrong übernahm die manuelle Kontrolle, um einen
mit Felsbrocken übersäten riesigen
Kratersee zu umfliegen. Dann leuchteten andere Alarmlampen auf und
zeigten einen Treibstoffverlust an die Sicht war jetzt durch Mondstaub
getrübt - und die Flugsicherung begann mit dem Countdown für den Abbruch der Mission.
Amerika - und die ganze Welt lauschten mit zugeschnürter Kehle und
einem Gebet auf den Lippen. Es blieb
nur noch für 20 Sekunden Treibstoff.
Und dann kamen die Worte aus dem
All: Houston. Hier ist die Raumstation. Der Adler ist gelandet."
Innerhalb einer Generation ist
der Mensch von den Dünen von Kitty
Hawk bis zum Staub einer anderen Welt
vorgedrungen. Apollo ist ein Monument der unvergleichlichen Fähigkeit
unserer Nation, rasch und erfolgreich
auf eine klar definierte Herausforderung zu reagieren sowie der Bereitschaft Amerikas, für eine große Belohnung auch ein großes Risiko einzugehen.
Wir hatten eine Herausforderung,
wir haben ein Ziel gesetzt, und wir
haben dieses Ziel erreicht.
Dies ist heute nicht nur eine Gelegenheit, den Astronauten und ihren
Kollegen, sondern auch den Tausenden
von talentierten Männern und Frauen
im ganzen Land unseren Dank auszusprechen, die mit ihrem Engagement,
ihrer Kreativität und ihrem Mut diesen Traum verwirklicht haben. Es ist
also an der Zeit, dem amerikanischen
Volk für sein Vertrauen zu danken,
denn der Erfolg von Apollo wurde von
dem Elan und der Kühnheit einer gesamten Nation ermöglicht, die sich

- 2 -

�einem Traum verschrieben hat.
In dem Gebäude hinter mir werden
die Zeugnisse von Apollo und dessen
Vorgängern aufbewahrt - von den Triumphen
Armstrongs,
Yeagers, Lindberghs und der Gebrüder Wright. Und
in den Nationalarchiven auf der anderen Seite dieser großen Rasenfläche
werden die Dokumente aufbewahrt, die
jene große Idee ins Leben riefen,
durch die dies alles ermöglicht wurde
- das größte Experiment der Freiheit
und Vielfalt in der Welt.
Dieser Ort, zwischen diesen beiden Vermächtnissen gelegen, ist eine
geeignete Stätte, um den Blick in die
Zukunft zu richten.
Denn, die Apollo-Astronauten haben mehr als Flagen und Fußabdrücke
auf dem Mond hinterlassen. Sie hinterließen auch eine unvollendete Aufgabe. Denn selbst vor 20 Jahren erkannten wir bereits, daß das Endziel
der Vereinigten Staaten nicht darin
bestand, dorthin zu reisen und wieder
zurück, sondern dorthin zu reisen und
von dort aus weiter.
Mike Collins hat dies am besten
in dem Satz zusammengefaßt:
"Der
Mond
ist
kein
Bestimmungsort,
er
weist lediglich die Richtung."
Der Weltraum ist die unausweichliche Herausforderung für alle modernen Länder der Welt, und es steht außer Frage, daß der Mensch im 21.
Jahrhundert wieder seinen Heimatplaneten zu Entdeckungs- und Forschungsreisen verlassen wird.
Was einst
kaum denkbar erschien, ist heute unvermeidlich.
Die Zeit ist gekommen, um über
kurzfristige
Projekte
hinauszudenken. Wir müssen uns erneut für ein
dauerhaftes
Programm der bemannten
Erforschung
des
Sonnensystems
und
auch der dauernden Besiedelung des
Weltraums engagieren. Wir müssen uns
für eine Zukunft engagieren, in der
Amerikaner und Bürger aller Staaten
im Weltraum leben und arbeiten werden.

Heute sind die Vereinigten Staaten die reichste Nation der Erde mit
der mächtigsten Volkswirtschaft der
Welt. Unser Ziel ist nichts geringeres als die Vereinigten Staaten zur
ersten Weltraumfahrernation zu machen.
Von den Reisen des Christoph Columbus über den Oregon Trail bis zur
Reise zum Mond hat die Geschichte
stets gelehrt, daß wir niemals verloren haben, wenn wir auf Überwindung
unserer Grenzen gedrängt haben.
Zu Beginn dieses Monats berichtete ein Nachrichtenmagazin, das Apollo-Programm habe reale Dividenden erbracht und wäre selbst zum doppelten
Preis
ein
Sonderangebot
gewesen.
Apollo wurde als bestes Renditeobjekt
seit Leonardo da Vincis Skizzenblock
bezeichnet.
Im Jahr 1961 bedurfte es noch einer Krise, dem Wettlauf zum Weltraum,
um die Dinge in Gang zu setzen. Heute haben wir keine Krise, wir haben
eine Chance.
Um diese Gelegenheit beim Schopf
zu
ergreifen,
schlage
ich
keinen
Zehnjahresplan wie bei Apollo vor.
Ich schlage ein anhaltendes langfristiges Engagement vor.
Erstens, für das kommende Jahi—
zehnt, für die neunziger Jahre, die
Raumstation 'Freiheit', unseren entscheidenden nächsten Schritt bei all
unseren Weltraumprojekten.
Als nächstes, im nächsten Jahrhundert, zurück zum Mond.
Zurück in
die Zukunft, und dieses Mal zurück,
um dort zu bleiben.
Und dann - und dann eine Reise
ins Morgen, eine Reise zu einem anderen Planeten, eine bemannte Mission
zum Mars.
Jede Mission soll und wird die
Grundlagen für die nächste legen, und
der Weg zu den Sternen beginnt wie
vor 20 Jahren bei Ihnen, dem amerika-

- 3 -

�nischen Volk, und er führt weiter
diese Straße entlang zum amerikanischen Kongreß, in dem über die Zukunft der Raumstation und unsere Zukunft als Raumfahrernation entschieden wird.
Wir befinden uns heute an einem
Scheideweg.
Schwierige Entscheidungen müssen getroffen werden - heute,
da wir uns anschicken, ins nächste
Jahrhundert einzutreten.
Wie William Jennings Bryan kurz
vor der letzten Jahrhundertwende erklärte: "Das Schicksal ist keine Sache des Zufalls. Es ist eine Sache
der Wahl. Es ist keine Sache, auf
die man einfach wartet. Es muß errungen werden."
Und denjenigen, die vor den Herausforderungen der Zukunft zurückschrecken oder an unseren Erfolgschancen zweifeln, möchte ich folgendes sagen:
Bis heute handelt es sich bei den
einzigen Fußspuren auf dem Mond um
amerikanische Fußabdrücke. Die einzige Fahne auf dem Mond ist die amerikanische Flagge. Und das Wissen,
mit dem dieses Meisterstück vollbracht wurde, ist amerikanisches Wissen. Was Amerikaner träumen, können
sie auch verwirklichen.
In zehn Jahren, am 30. Jahrestag
dieses außerordentlichen und erstaunlichen Flugs, erweist man den Apollo-Astronauten nicht dadurch Achtung,
daß man sie zu neuen Ehrenbezeigungen
nach Washington einhält, sondern indem die Raumstation "Freiheit" einsatzfähig und benutzbar wird.
Sie
wird eine neue Brücke zwischen den
Welten schlagen und eine Investition
in Wachstum, Wohlstand und die technologische Vormachtstellung unseres
Landes bedeuten.
Darüber hinaus wird die Raumstation ein Sprungbrett für die Erde
als wichtigstem Planeten im Sonnensystem sein.

Erst vor einigen Tagen habe ich
in Europa darauf hingewiesen, daß die
Zerstörung der Umwelt nicht vor den
Grenzen Halt macht.
Wir brauchen
groß angelegte nationale und internationale Initiativen, um neue Lösungen für die Zerstörung des Ozons, die
zunehmende Erderwärmung und den sauren Regen zu finden. Diese Initiative - Mission für den Planeten Erde
- ist entscheidender Bestandteil unseres Weltraumprogramms und ruft uns
den Anblick ins Gedächtnis, der die
Astronauten am stärksten beeindruckt
hat. Wenn ich mich recht erinnere,
waren es nicht der Mond oder Sterne,
sondern die - kleine, zerbrechliche,
wertvolle blaue Kugel - Erde, die
sich über der Wüstenlandschaft des
Meeres der Ruhe erhob.
Die Raumstation ist ein erster
und notwendiger Schritt für die weitere bemannte Erforschung des Weltalls, für den wir Senator Glenn, Neil
Armstrong und den vielen Astronauten,
derer wir heute gedenken, dankbar
sind, aber es ist eben nur ein erster
Schritt.
Und heute bitte ich meine rechte
Hand, unseren fähigen Vizepräsidenten
Dan Quayle, die Leitung des Nationalen Weltraumrats zu übernehmen und
insbesondere

zu

ermitteln,

was

für

die nächste Runde der Erforschung an
Geld, Personal und Material notwendig
und an
internationaler Zusammenarbeit durchführbar ist und realistische Terminpläne aufzustellen, die
Meilensteine auf unserem Weg darstellen. Der Weltraumrat wird mir sobald
wie möglich konkrete Empfehlungen zu
einem neuen stetigen Kurs zum Mond,
dem Mars und anderen Planeten aussprechen.
Es gibt viele Gründe zur Erforschung des Universums, aber zehn sehr
naheliegende, warum Amerika niemals
aufhören darf, zu neuen Ufern aufzubrechen - die zehn mutigen Astronauten, die das größte Opfer für die Sache der Weltraumforschung gebracht
haben. Sie haben ihren Platz im Himmel eingenommen, damit Amerika seinen

�Platz bei den Sternen bekommen kann.
Ebenso wie sie und ebenso wie Kolumbus träumen wir von entfernten
Ufern, die wir noch nie gesehen haben.
Warum auf den Mond? Warum auf
den Mars? Weil die Menschheit prädestiniert ist, zu streben, zu suchen
und zu entdecken und weil Amerika
prädestiniert ist, dabei die Führungsrolle zu übernehmen.
Vor sechs Jahren hat Pionieer 10
die Umlaufbahnen von Neptun und Pluto
verlassen und hat als erstes von Menschen geschaffenes Werk das Sonnensystem mit unbekanntem Ziel verlassen.
Seine Reise dauert jetzt schon fünf
Amtzeiten von Präsidenten und befindet sich 4 Milliarden Meilen von der
Erde entfernt.

In den kommenden Jahrzehnten werden wir den Weg von Pioneer 10 verfolgen. Wir werden zu Nachbarsternen
reisen und in neue Welten aufbrechen,
um das Unbekannte zu entdecken. Das
wird nicht mehr in meinem Leben und
vielleicht auch nicht im Leben meiner
Kinder der Fall sein, aber mit der
Verwirklichung eines Traums der nächsten Generationen muß in unserer Generation begonnen werden. Wir können
morgen nicht den nächsten großen
Schritt für die Menschheit tun, wenn
wir heute keinen einzigen Schritt
vorangehen.
Ihnen
allen,
unserem
fähigen
NASA-Direktor und allen, die viel geleistet
haben,
insbesondere
den
Astronauten - wir wünschen Ihnen viel
Glück bei Ihren Unternehmungen, wohin
sie Sie auch führen mögen. Ihnen allen viel Glück, und Gott segne die
Vereinigten Staaten von Amerika.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V(DN &amp;

APOLLO - ZWANZIG JAHRE DANACH
Amerikas letztes großes Wagnis Von Charles Murray

Der folgende Artikel erschien erstmals am 20. Juli 1989 im Wall Street
Journal. Der Autor Charles Murray ist Mitarbeiter am Manhattan Institute und
hal: zusammen mit Catherine Bly Cox das Buch "Apollo: The Race to the Moon"
(Simon Ä Schuster, 1989) veröffentlicht.
(C) Wall Street
vorhehalten.

Journal. 1989 Dow Jones and Company, Inc.

Als John F. Kennedy nm 25. Mai
1961 der Nation die Aufgabe übertrug,
bis zum Ende des Jahrzehnts zum Mond
fliegen, sollten
folgende Menschen
sie ausführen:
Am Langley Forschungszentrum im
ländlichen Virginia war Bob Gilruths
Arbeitsgruppe für den Weltraum tätig,
eine bunt zusammengewürfelte Gruppe
aus einigen hundert Menschen, von einer kleinen Schar fähiger kanadischer
und britischer Ingenieure verstärkt,
die sich nach Langley aufgemacht hatten, nachdem die kanadische Regierung
einen großen Rüstungsauftrag rückgängig gemacht hatte. Im Marshall Weltraumflugzentrum
in
Alabama
waren
Wernher von Brauns' Deutsche tätig,
die nach dem Zweiten Weltkrieg nach
Amerika kamen und einige hundert Süd-

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Embassy of the United States of America

Alle Rechte

staatler aus kleinen Orten in Georgia, Alabama und Mississippi, die
nach Huntsviile gekommen waren. um
für Sie zu arbeiten. An den primitiven Abschußanlagen in Cape Canaveral
waren Deutsche und Amerikaner zu finden, die von der Arbeitsgruppe für
den Weltraum, den Streitkräften und
beteiligten Unternehmen dorthin geschickt worden waren.
Außer den Deutschen und den Kanadiern handelte es sich hier nicht um
eine handverlesene Elite.
Kaum ein
Amerikaner
hatte
eine
renommierte
Universität, das MIT oder die kalifornische technische Hochschule besucht. Sie sprachen vielfach starken
Dialekt, und nicht
wenige
hatten
Schwierigkeiten
mit der Grammatik.
Sie waren keine Manager - lediglich

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�Ingenieure für Flugtechnik, Flugzeugmechaniker und Raketentechniker, die
klares Design liebten und gerne fliegen.
Ihr Arbeitgeber, die NASA, steckte noch in den Kinderschuhen und wurde von einem Wohnhaus am Lafayette
Square gegenüber dem Weißen Haus geleitet.
Die Ingenieure in Langley,
Marshall und Cape Canaveral nannten
es noch nicht einmal "Hauptquartier",
sondern bezeichneten es lieber als
"Washingtoner Büro", womit sie nicht
viel zu tun hatten. Langley und Marshall fauchten sich inzwischen an wie
böse Katzen - jeder in der Gewißheit,
seine
Ideen
seien
die
richtigen.
Aber die NASA jener Tage vibrierte
förmlich vor Energie und Kreativität
und war ein Ort, an dem der "Senior",
der die Abteilung leitete, um die
dreißig Jahre alt und seine Mitarbeiter um die zwanzig waren. Sie waren
(wie auch die Veteranen jener Jahre
immer wieder betonen) zu unerfahren,
um zu wissen, daß ihre Arbeit etwas
Unmögliches war.
Sie taten folgendes:
Als
Kennedy
1961
seine
Rede
hielt, hatte die größte Rakete in
Amerikas Arsenal kaum genug Schubkraft, um eine Ein-Mann-Kapsel in die
Erdumlaufbahn zu befördern, und eine
von vier Raketen explodierte bereits
in der Abschußphase.
Nur sechseinhalb Jahre später startete die NASA
die erste Saturn V, eine Rakete von
der Größe und dem Gewicht eines Zerstörers.
Bereits in ihrer ersten
Flugphase entwickelte sie eine Schubkraft von 7,5 Millionen Pfund und war
damit 40mal so stark wie die stärkste
Rakete aus dem Jahr 1961. Und diesmal versagte sie nicht - und auch
später niemals.
Seitdem ist weder
von den Vereinigten Staaten, den Sowjets oder irgendjemandem sonst eine
so große oder so zuverlässige Rakete
gebaut worden wie Marshalls Saturn V.

Die
Welt

komplizierteste

Maschine

der

Die Langley-Arbeitsgruppe - inzwischen
in Houston angesiedelt
baute auch zwei verschiedene, von
vorn
bis
hinten
völlig
neuartige
Raumschiffe, die Apollo-Kommandokapsel und die Mondfähre, die beide unabhängig voneinander um den Titel der
kompliziertesten
Maschine der Welt
hätten ringen können. In Cape Canaveral
errichtete die
Apollo-Gruppe
die Montagehalle für das Raumschiff den größten umbauten Raum der Welt,
mit Türen, groß genug, daß das UNOGebäude
hindurchgepaßt
hätte,
auf
sandigem Boden, an einem Ort, der in
regelmäßigen Abständen von Hurrikanen
heimgesucht wird.
Sie bauten eine
Zugmaschine mit einer Transportfläche
von der Größe eines Baseballfelds,
die eine Saturn V drei Meilen eine
Steigung mit einem Neigungswinkel von
5 •* hinauf transportieren konnte
ohne daß die Spitze der Saturn. 120
Meter oberhalb ihrer Rampe, sich jemals um mehr als die Größe eines Basketballs aus der Vertikalen bewegt
hätte.
Dann lernten die Flugtechniker,
die 1961 nur AI Shepards einfachen
suborbitalen Lob kannten, wie man bemannten Raumflug betreibt - Langzeitflüge, Spaziergänge und Begegnungen
im All, Navigation in der Tiefe des
Weltraums, Andocken, Flug zum und
Rückflug vom Mond.
Mit nur wenigen
primitiven
Anhaltspunkten
und
ein
paar Telefonleitungen zu den beteiligten Unternehmen wurden die Flugtechniker, deren Arbeit nur in Ansätzen im Kontrollraum sichtbar wurde, zu dem tüftelnden, versierten und
hochqualifizierten
Team,
das
die
Apollo-Missionen am Leben erhielt unter anderem dabei, die Mannschaft
von Apollo XIII nach einer Katastrophe auf halbem Weg zum Mond sicher
zur Erde zurückzubringen, eine Meisterleistung, die vom Bodenpersonal

'

i

v

�1

und der Flugmannschaft die Beanspruchung der Systeme weit über die
Entwurfsspezifikationen hinaus erforderte.
Als Beobachter dieser Wunder haben wir im großen und ganzen die
fal-schen Lehren gezogen:
Apollo sollte ein Triumph hochmodernen Managements sein. Tatsächlich
aber war die NASA selbst in ihren besten, produktivsten und kreativsten
Jahren ein dezentralisiertes, höchst
"ineffizientes" Konglomerat halbautonomer Zentren, in denen jungen Burschen riesige Budgets, große Freiheit
gewährt und unrealistisch ehrgeizige
Aufgaben gestellt wurden. Und obwohl
einige der Appolo-Techniker hervorragende Manager wurden, trifft eine
Überprüfung des von ihnen angewandten
Managementsystems nicht den Kern der
Sache.
Was für Apollo sprach, war ein
harter Kern an Führungskräften, denen
Arroganz und Hierarchiedenken fremd
waren - oft nahmen führende Manager
einen beruflichen Abstieg hin, um die
Arbeit auszuführen, die zu dem Zeitpunkt am vordringlichsten war. Apollo hatte FUhrungskräfte, die auf allen Ebenen miteinander kommunizierten, ungeachtet hierarchischer Strukturen oder Referenzen auf dem Papier
- sogar einige High School-Absolventen hatten entscheidenden Anteil am
Erfolg der Apollo-Mission.
Und trotz seiner gigantischen
Größe weckte Apollo eine Familienzusamraengehörigkeit, die keine Führungsstruktur
vermitteln
konnte.
Techniker, die Grissom und White und
Chaffee nie getroffen hatten, waren
zutiefst betroffen, als diese drei
Astronauten in einem Feuer auf der
Abschußrampe ihr Leben ließen.
Um Raketenstarts sorgten sie sich
wie Mütter, die ihre Kinder in den
Krieg ziehen sehen. Sie feierten eine gelungene Landung mit dem leidenschaftlichen Stolz frischgebackener
Väter. Nach den zahllosen Stunden,

die sie ihrer Arbeit widmeten, darf
man nicht fragen. Einige der Apollo-Leute haben dafür folgenden Satz
parat:
"Die sechziger Jahre sind
spurlos an mit vorübergegangen."
Wir zogen eine weitere törichte
Lehre, indem wir glaubten, Apollo
verkörpere all das, was die Nation
leisten könne, wenn sie sich nur mit
aller Kraft darum bemühte ("Wenn dieses Land einen Menschen zum Mond
schicken
kann,
dann
können
wir
auch..."). Wir dachten, soziale Probleme ließen sich mit ebensolchen gigantischen
Anstrengungen
lösen.
Apollo hat uns jedoch eindringlich
vor Augen geführt, warum die technische Konstruktion eine der vornehmsten und anspruchsvollsten Aufgaben
ist und warum "die Konstruktion des
Sozialwesens" weiterhin einen Widerspruch in sich bedeutet.
Aber die größte Dummheit besteht
vielleicht darin, daß manch einer
Apollo immer noch unter dem Gesichtspunkt bewerten, wie das Geld anders
hätte ausgegeben werden können - als
ob jene 25 Milliarden Dollar für
Apollo einen Fonds bildeten, den man
für die Hungerhilfe oder die Krebsbekämpfung eingesetzt hätte, wenn er
nicht für Apollo ausgegeben worden
wäre. Vielleicht hätten die Menschen
des Jahres 1961 ebenso enthusiastisch
für den Kampf gegen den Hunger eintreten sollen wie für die Reise zum
Mond, aber dem war nicht so.
Wir sollten es nicht im Nachhinein überbewerten. Apollo begann so
subtil und so kühn wie ein Spiel ohne
Limit, in dessen Verlauf man einen
Haufen Chips in die Mitte des Spieltischs schiebt. Es fügte sich in die
lange und geschätzte Tradition großer
amerikanischer Prahlereien - überschwenglicher, übertriebener, grandioser, chauvinistischer Prahlereien -,
daß wir die Briten schlagen und die
Rocky Mountains überqueren, mehr Mais
anbauen und höhere Gebäude errichten
könnten als jeder andere. Eine fast
kindliche Prahlerei, die vielleicht
nur in jungen Nationen entstehen

- 3 -

�kann.
Vielleicht sind wir seither
älter geworden, und Apollo war die
letzte dieser Prahlereien. Wenn dies
aber der Fall war, dann war es ein
ungeheuerliches Unterfangen. Dennganz
gleich, wie man die Bedeutung von
Apollo
im kosmischen Ganzen bewerten mag, man sollte sich stets vor
Augen führen: Bei Gott, wir haben es
durchgezogen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

C$

Wissenschaft und Technik

26. Juli 1989

28

GESUNDER REGENWALD VONGROSSEM WERT
- Umwandlung In Weideund Farmland unwirtschaftlich -

(AD) - Der wirtschaftliche Nutzen
der tropischen Regenwälder ist grösser, wenn sie konsequent als Lieferanten für Produkte wie eßbare Früchte, Öle, Gummi und Pharmazeutika genutzt werden, als wenn zur Holzgewinnung und für die Umwandlung in Weiden
und Äcker gefordert wird.
In der
britischen
Zeitschrift Nature vom
29. Juni 1989 veröffentlichten drei
amerikanische Wissenschaftler die Ergebnisse einer über DreiJahresstudie,
im Rahmen derer detaillierte Untersuchungen
zu den genannten Fragen
durchgeführt werden.
Dr. Charles M. Peters, Pflanzenökologe am Institut für Wirtschaftsbotanik des Botanischen Gartens New
York, Alwyn H. Gantry, Botaniker am
Botanischen Garten von Missouri, und

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dr. Robert 0. Mendelsohn, Professor
dür Forstwirtschaft an der Universität Yale, kommen zu dem Schluß, daß
die Tropenwälder einen erheblich höheren Wert haben als bislang angenommen und die tatsächlichen Marktvorteile der Bauholzgewinnung gegenüber
dem Marktwert der anderen Ressourcen
relativ gering seien.
Die Wissenschaftler berücksichtigten den Marktwert aller kommerziell verwertbaren
Naturstoffe von einem Hektar des artenreichen Tropenwaldes im Amazonasgebiet.
"Unsere Studie zeigt zum ersten
Mal, daß es wichtige wirtschaftliche
Gründe für die Unversehrtheit des Regenwalds gibt", erklärte Dr. Peters.
Das untersuchte Areal am Rio Nanay.
einem Nebenfluß des Amazonas, in der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Nähe des Dorfes Mishana 30 km südwestlich der Stadt Iquitos (Peru) umfaßt 842 Bäume. Davon wurden 41 Prozent zum Abernten von Früchten, für
Holz- und Gummi gewinnung und damit
für Produkte genutzt, die in Iquitos
verkauft werden. Der Wert des Landes
würde unter Zugrundelegung des Marktwerts von Produkten wie Früchten und
Latex (ohne Holz) bei einem Ertrag
über 50 Jahre auf 6 820 Dollar betragen. Würde die gleiche Fläche nur
für Bauholz und Rohstoffe zur Papierherstellung genutzt, verringerte sich
im gleichen Zeitraum der Bodenwert
auf 3 184 Dollar, bei Umwandlung in
Weideland auf 2 960 Dollar. Die Dollar-Angaben spiegeln den kumulativen
Wert aller künftigen Erträge in 50
Jahren wider, wurden jedoch - wie etwa bei der Wertermittlung langfristiger Anleihen - in heutigen Dollar berechnet. .
Die Vergleiche zeigen Dr. Peters
zufolge, daß mit dem kontinuierlichen
Abernten der Naturprodukte der intakte Wald mehr Ertrag bringt als durch
Roden und Umwandlung in Weideland
oder Anlegen von Bauholzplantagen.
Die Einheimischen im Amazonasgebiet
nutzten tropische Wälder in einer
Weise, die ökologisch auf die Dauer
tragbar und wirtschaftlich vernünftig
ist und überdies ihr Einkommen sichert.
"Millionen von Menschen tun
dies", erklärte Peters.
"Aber das
gesamte Handelsnetz ist so diffus und
so schwer zu erfassen, daß diese Art
von Aktivitäten in Regierungsstatistiken oder volkswirtschaftlichen Berechnungen gar nicht auftauchen. Die
Politiker haben dies bisher übersehen." Auch sollte man keine Naturparks schaffen und die Menschen verzweifelt aus den Wäldern herauszuhalten suchen, damit diese geschützt
werden, sondern große Waldbezirke zum
Ernten von Früchten, Latex und Pharmazeutika reservieren. Damit fänden
die Einheimischen eine Erwerbsquelle
und der Schaden am Wald würde begrenzt.

* * * * *

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