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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

Sonderdienst

*

PRÄSIDENT BUSHS BESUCH IN POLEN UND UNGARN VOM 9.-13. JULI 1989

INHALT

Bush; Zeitpunkt für einen eigenen Weg Polens Ist gekommen
- Rede des Präsidenten vor dem polnischen Parlament Das Aktionsprogramm für Polen
- Eine Übersicht des Weißen Hauses USA wollen Risiko eines Kriegs in Europa abbauen
- Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität
Das Programm zur Förderung der Reformen in Ungarn
- Eine Übersicht des Weißen Hauses * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

BUSH:

ZEITPUNKT FÜR EINEN EIGENEN WEG POLENS IST GEKOMMEN

- Rede des Präsidenten vor dem polnischen Parlament -

WARSCHAU - (AD) - Vor dem neuen, demokratisch gewählten polnischen Parlament erklärte Präsident Bush, jetzt sei "innenpolitisch wie international der
richtige Zeitpunkt für Polen, seinen eigenen Weg einzuschlagen."
In seiner Rede am 10. Juli 1989, dem zweiten Tag seiner zehntägigen Europareise, erinnerte der Präsident daran, daß die geteilte Welt des modernen
Zeitalters ihren Ursprung vor 50 Jahren in Polen hatte. Er erklärte, das polnische Volk "kann heute zur Überwindung der Teilung Europas beitragen."
Bush erläuterte den neuen Gesetzgebern, "jetzt ist es an der Zeit,, um
sich über Containment hinaus einer zu lang hinausgezögerten Welt - einer besseren Welt - zuzuwenden".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut:

Herr
Vorsitzender
Jaruselski,
Präsident Kosakiewicz und Senatspräsident Stelmachowski, Ministerpräsident Rakowski, verehrte Senatoren und
Delegierte. Im Namen des Volkes der
Vereinigten Staaten habe ich die Ehre, die neugewähiten Abgeordneten des
polnischen
Parlaments zu begrüßen.
Meine heutige Anwesenheit hier ist
ein Beweis dafür, daß wir in einer
außergewöhnlichen und in der Tat sensationellen Zeit leben.
Die Macht und das Potential dieses Augenblicks wurden mir erstmals
deutlich, als ich ein auf der ganzen
Welt verbreitetes Photo sah, auf dem
der
Staatsratsvorsitzende
General
Jaruzelski und von der Gewerkschaft
Solidarität
Arbeiterführer
Lech
Walesa Seite an Seite bei der Eröff-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nungssitzung des Parlaments abgebildet waren - als Symbol des neues
Fortschritts in Polen.
Glauben Sie
mir, damit wurde der ganzen Welt ein
Zeichen gesetzt.
Polen und die Vereinigten Staaten
sind, so heißt es, durch Verwandtschaft und Kultur miteinander verbunden.
Aber unsere Völker verbindet
noch mehr als nur Empfindungen.
Mit der Verfassung vom 3. Mai
1791 eilte Polen seiner Zeit und den
anderen Staaten Osteuropas im Streben
nach Freiheit und demokratischen Idealen weit voraus, ebenso wie die amerikanische Verfassung von 1787 neue
Maßstäbe zum Schutz der Rechte des
einzelnen setzte.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Seit Jahrzehnten - seit den Friedensverträgen von Versailles - sind
die Vereinigten Staaten für Unabhängigkeit, Freiheit und den Wohlstand
Polens eingetreten.
Und wir sind
stolz auf unser frühes und langfristiges Engagement für die Selbstbestimmung Polens. Ich stehe heute als
amerikanischer Präsident vor Ihnen,
der diese hehre Verpflichtung erneuern will.
Ich verstehe etwas von der Arbeit, die Sie hier aufnehmen, weil
ich selbst zunächst im amerikanischen
Kongreß in den Dienst an der Öffentlichkeit eintrat.
Demokratisch gewählte Legislativen sind für die Menschheit eines der besten Foren für
Diskussionen und Dialog. Und obwohl
ich bereits in Polen war, hätte ich
nicht gedacht, daß ich dieses Land so
bald wieder besuchen würde - jedenfalls nicht unter so veränderten Umständen. Ebenso werden viele von Ihnen nicht erwartet haben, hierher zu
kommen und in diesem oder überhaupt
einem polnischen Parlament zu arbeiten. Ihre Leistung hat alle Erwartungen übertroffen und verdient unsere Anerkennung.
Als der polnische Astronom Kopernikus vor etwa 450 Jahren die natürliche Ordnung der Planeten entdeckte
und den Mut hatte, das Wissen der damaligen Zeit in Zweifel zu ziehen,
änderte sich die Welt ein für allemal.
Ebenso wird Polen von diesem
Jahr an, in dem es das natürliche
Verhältnis zwischen Menschen und Regierung
neu
festlegt, vollständig
verändert werden.
Heute hat der Umfang der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Polen in der Tat kopernikanischen Stellenwert. Ein grundlegender Wandel in der Betrachtungsweise,
die den Menschen in den Mittelpunkt
stellt. Ein neuen Verständnis davon,
daß die Regierten die echte Quelle
anhaltenden
sozialen
Friedens und
wirtschaftlichen Wohlstands sind, um
den sich die Regierung dreht und dem
sie dient.

Polen hat ein reiches demokratisches Erbe. Die Verfassung vom 3.
Mai war ein Geniestreich. Heute am
Anbruch des dritten Jahrhunderts dieses Dokuments sind Sie aufgefordert,
diesem genialen Akt zeitgenössische
Taten
entgegenzusetzen
und
einen
friedlichen Übergang zu einer politischen und wirtschaftlichen Erneuerung
durch eine repräsentative Regierung
zu schaffen, die den Willen des Volkes widerspiegelt.
Ich konnte vor einigen Wochen
hier in Europa beobachten, daß Ost
und West am Ende eines Zeitalters und
am Beginn
eines neuen angelangt
sind.
Der
Staatsratsvorsitzende
Jaruzelski hat kürzlich über Polen
gesagt, "das Licht der Nation war
tiefgreifenden Veränderungen unterworfen, und es ist gutes Recht der
Gesellschaft, zu fragen, wann wieder
ein Sonnenstrahl über Polen scheinen
wird". Das trifft in der Tat nicht
nur für Polen, sondern auf die Beziehungen zwischen Ost und West insgesamt zu.
Die Reihe der Unruhen und großen
Veränderungen setzt sich von Polen
bis zum Pazifik fort. Sie ist oftmals anregend, wie etwa hier in Warschau. Aber manchmal ist sie auch
furchterregend, wie gegenwärtig in
China. Aber der Umfang der Veränderungen, wie wir ihn auf der ganzen
Welt wahrnehmen, zwingt uns, in uns
zu gehen und zu Gott aufzuschauen,
damit uns eine seltene Mischung aus
Mut und Zurückhaltung zuteil wird.
Die Zukunft birgt sowohl Hoffnung
als auch Unsicherheit. Polen und Ungarn befinden sich an einem Scheideweg:
jeder hat seinen eigenen Weg
der Reformen ohne Gewähr für leichten
Erfolg eingeschlagen.
Den Menschen
dieser Länder - und dem Mut ihrer
Führer - gebührt unsere Bewunderung.
Der Weg ist steinig. Aber jetzt ist
innenpolitisch wie international der
richtige Zeitpunkt für Polen, seinen
eigenen Weg einzuschlagen.
Am Tag, an dem die Gewerkschaft

�Solidarität wiederzugelassen wurde,
habe ich meine Unterstützung und Bewunderung für das jetzt in Polen begonnene politische
Experiment zum
Ausdruck gebracht. Inzwischen haben
Sie ein gutes Stück dieses Weges zurückgelegt und auch die bemerkenswerten Wahlen durchgeführt, die dieses
Parlament hervorgebracht haben. Und
wir wollen uns vor Augen führen, was
dieses Experiment - nicht nur für Polen, sondern für Europa und die ganze
Welt - bedeuten kann.
Die geteilte Welt des modernen
Zeitalters hatte hier - genau hier in
Polen - vor 50 Jahren ihren Ursprung. Ihr Land und nahezu das gesarate Europa waren zunächst belagert
und dann von totalitären Kräften besetzt. Ein mutiges Polen war unser
Verbündeter.

In dieser schrecklichen

Zeit haben Franklin Roosevelt und
Winston Churchill die Atlantik-Charta
entworfen, in der die Grundlage aufgestellt wurde, auf der wir eine bessere Welt hervorzubringen hofften,
einschließlich der Freiheit von Mangel und Furcht und dem Recht der Menschen, die Regierungsform zu wählen,
unter der sie leben wollen.
Aber Sie wissen besser als irgendjemand sonst, daß die Welt, wie
wir sie uns wünschten, nicht entstand. Stalinistische Regime beherrschten ein Drittel des Kontinents.
Der Kalte Krieg begann. Die Länder
des Westens schlössen sich zur Verteidigung demokratischer Prinzipien
zusammen. Und wir unterbreiteten den
Vorschlag, daß der Marshallplan auch
auf Osteuropa ausgedehnt werden sollte. Aber auch das traf nicht ein.
Die Strategie des Westens - die
Strategie des Containment - war ein
Mittel
zum
Zweck,
aber
niemals
Selbstzweck.
Es gab keinen Ersatz
für ein freies und vereintes Europa.
Und wir vergaßen weder die gescheiterten und vereitelten Hoffnungen des
Jahres 1945, noch das Versprechen einer besseren Welt. Das gleiche galt
für das polnische Volk. Ihr Land war
ein Konfliktherd. Nun wird es zu ei-

nem Beispiel des Wandels.
Der Kalte Krieg begann in Polen,
und heute kann das polnische Volk zur
Überwindung der Teilung Europas beitragen. Jetzt ist es an der Zeit, um
sich über Containment hinaus einer zu
lang hinausgezögerten Welt - einer
besseren Welt - zuzuwenden. Und heute haben es uns zwei Entwicklungen
endlich ermöglicht, die Grundsätze
der Atlantik-Charta einzulösen, für
die die Vereinigten Staaten und Polen
als Verbündete gekämpft haben. Eine
ist der offensichtliche Fehlschlag
des klassischen stalinistischen Systems. Die andere besteht im unbeugsamen Willen des Volkes - verkörpert
durch führende Politiker in Polen und
Ungarn, die sich mit Ehrlichkeit,
Kreativität und auch Mut um die Überwindung der Fehler der Vergangenheit
bemühen.
Die Welt betrachtet dies
mit Bewunderung.
Und nun besteht - teilweise auch
durch Ihre Bemühungen - für uns alle
eine echte Gelegenheit, ein Europa
aufzubauen, von dem viele geglaubt
haben, es sei in den vierziger Jahren
für immer zerstört worden.
Dieses
Europa, das Europa unserer Kinder,
wird offen, ungeteilt und frei sein.
Wir können dies auf zwei Wegen
erreichen.
Erstens muß ein neues
Ost-West-Verhältnis auf einem erheblich verringerten RUstungsniveau beruhen. Ich nehme General Jaruzelskis
Äußerungen zu diesem Thema zur Kenntnis und unterstütze Ihn. Wir im Westen haben drastische Reduzierungen
der konventionellen Streitkräfte in
Europa vorgeschlagen, Reduzierungen,
die Aussichten auf die Umgestaltung
der militärischen Landkarte Europas
und eine Verringerung des Kriegsrisikos in sich bergen. Die neue Bereitschaft Moskaus, diesen westlichen
Rahmen für Reduzierungen von Truppen,
Panzern, Flugzeugen und anderen Waffenkategorien zu akzeptieren, läßt
uns hoffen, daß die Verhandlungen in
Wien erfolgreich sein werden.
Ein
guter Anfang wurde gemacht. Von beiden Seiten werden konstruktive Vor-

- 3 -

�Schläge unterbreitet. Wir sind entschlossen, uns voll und ganz für einen baldigen und erfolgreichen Abschluß dieser Gespräche einzusetzen.

am runden Tisch liegt das Schicksal
Polens heute mehr denn je in polnischer Hand. Und dort muß es für immer bleiben.

Zweitens werden Reduzierungen der
r
Streitkräfte weiterreichend und tragg
fähiger sein, wenn sie gleichzeitig
mit politischen Veränderungen einhere
gehen.
Übermäßige
Waffenarsenale
m
sind unseres Erachtens ein Symptom
r
und nicht die Ursache politischer
e
Spannungen.
In Europa beruhen diese
n
Spannungen
auf einer unnatürlichen
und grausamen Teilung.

Ihre Verantwortung für die Zukunft Ihres Landes ist immens.
Polens Freunde, einschließlich des amerikanischen Volkes, wollen, daß Polen
frei, wohlhabend, demokratisch
und
unabhängig ist - getreu den besten
Traditionen Ihres Landes. Und diese
Regierung
schreitet
in einer Zeit
großer Schwierigkeiten und Herausforderungen mit einem Sinn für Realismus
und Mut in die Zukunft. Lech Walesas
Solidarität fühlt sich der Gründung
von Institutionen in Polen tief verpflichtet, die dem ganzen Volk dienen
werden. Schon aufgrund seiner bloßen
Existenz fördert dieses Parlament den
Pluralismus. Die Kirche hat sich in
stürmischen
Zeiten als Quelle der
geistigen Führung und Einheit erwiesen.
Über allen steht jedoch das
polnische Volk, das unerschütterlich
auf produktive Veränderungen hingearbeitet hat.

Der Entschluß Polens zu politischen Reformen - und auch die Schritte Ungarns in die gleiche Richtung g
haben deshalb auch große Bedeutung
über ihre Landesgrenzen hinaus. Indem Sie durch den Volkswillen legitimierte politische Strukturen schafe
fen, können Ihre Reformen Grundlage
von Stabilität, Sicherheit und Wohln
stand sein, nicht nur hier, sondern
s
in ganz Europa, heute und bis ins
nächste Jahrhundert.
Um Michail Gorbatschow zu zitieren:
"Allseitige Sicherheit beruht
t
auf der Anerkennung des Rechts jedes
s
Landes auf Wahl seines eigenen Weges
•s
der
gesellschaftlichen
Entwicklung
g
sowie auf der Absage an Einmischung
g
in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.
Eine Nation kann sich
h
für Kapitalismus oder Sozialismus entscheiden.
Dies ist ihr souveränes
s
Recht." Dem stimme ich grundsätzlich
h
zu.
Ich hätte jedoch vielleicht gesagt, daß sich das Volk eines jeden
n
Landes entweder für eine freie Marktwirtschaft oder für den Sozialismus
s
frei entscheiden kann. Das ist sein
n
Recht.
Der Westen ist also darum bemüht,,
die Sicherheit eines Landes weder anzutasten, zu bedrohen, noch sich einzumischen, sondern dazu beizutragen,,
engere
und
dauerhaftere
Bindungen
n
zwischen Polen und dem übrigen Europa
a
zu knüpfen.
Als

Ergebnis

der

in
Vereinbarungen

Doch selbst unter den besten Bedingungen
sind
der
repräsentativen
Regierung besondere Herausforderungen
zu eigen. Sie erfordert Geduld, Toleranz sowie ein Geben und Nehmen
zwischen
politischen
Gegnern.
Ihr
Vorzug besteht darin, daß sie der politischen Führung und ihrer Politik
Legitimität
verleiht.
Sie
stattet
Regierungen
und Gesellschaften
mit
dem Mandat für harte Entscheidungen
aus.
Und durch die Beteiligung des
Volkes erhält dieses Anteil an den
getroffenen Entscheidungen,
Über 200 Jahre lang haben die
Amerikaner Auseinandersetzungen über
politische und wirtschaftliche Interessen, über die Rechte des einzelnen
und die Bürgerrechte sowie über die
Rolle einer loyalen Opposition geführt.
Die Demokratie ist kein Abschluß, sie ist ein Prozeß - und ihre
Vervollkommnung hört nie auf.
Die
Geschichte hat die Amerikaner aber
unmißverständlich gelehrt: Die Demokratie funktioniert.

- 4 -

�Wir verstehen in meinem Land die
enormen
wirtschaftlichen
Probleme,
mit
denen
sie
konfrontiert
sind.
Wirtschaftliche Entbehrungen sind eine Gefahr, die jedes große demokratische Experiment bedrohen können. Und
ich muß zu Ihnen offen sprechen.
Wirtschaftliche Reformen und Gesundung können nicht ohne Opfer vonstatten gehen.
Selbst in einer so leistungsfähigen Wirtschaft wie der unseren diskutieren wir weiterhin über
Rolle und Grenzen des Staates - wie
der
Privatsektor
reguliert
werden
soll ohne Innovationen abzuschrecken,
wie unser enormes
Haushaltsdefizit
reduziert
werden
kann,
wie
ein
Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Arbeitnehmer und unternehmerischer Effizienz geschaffen werden
kann, wie man den durch Veränderungen
hervorgerufenen schmerzhaften Beeinträchtigungen begegnen soll -, um der
Produktivität, des Fortschritts und
des Wohlstands willen.
Die Reform der polnischen Wirtschaft bedeutet eine historische Herausforderung.
Für die eigenen Anstrengungen Polens kann es keinen Ersatz geben.
Ich möchte jedoch vor
Ihnen heute betonen, daß Polen nicht
allein
ist.
Aufgrund der enormen
Tragweite dieser Stunde sind die Vereinigten Staaten bereit, Ihnen in dem
Maße zu helfen, wie Sie sich selbst
helfen.
In Hamtramck in Michigan habe ich
vor drei Monaten eine Politik zur Unterstützung der Reformen in Polen erläutert, die damals gerade begonnen
hatten. Ich habe bestimmte, sorgfältig ausgewählte Maßnahmen vorgeschlagen, um die sich hier vollziehenden
und künftigen Reformen anzuerkennen.
Diese Politik baut auf das dynamische
Zusammenspiel zwischen Fortschritt in
Polen und westlichem
Engagement
nicht auf zweifelhafte Kredite, die
ohne Rücksicht auf die notwendigen
Reformen zugesagt werden.
Das war
die Bilanz der siebziger Jahre. Polen und die Vereinigten Staaten sollten diesen Fehler nicht wiederholen.

Bei den in Hamtramck angekündigten Maßnahmen haben wir Fortschritte
erzielt.
Neue Gesetzentwürfe werden in die
Wege geleitet, im Rahmen derer polnische Exporteure dank der Meistbegünstigungsklausel
auf
amerikanischen
Märkten
besser konkurrieren
können
und die unseren privaten Investitionsgesellschaften
in
Übersee
geschäftliche
Transaktionen
in Polen
gestatten, indem sie Garantien für
Investitionen leisten und einen Anreiz für amerikanische Investitionen
in Gemeinschaftsunternehmen in Polen
bieten.
Die Vereinigten Staaten schlagen
ein Abkommen über private Geschäftstätigkeit vor, das Kontakte zwischen
dem wachsenden Privatsektor in Polen
und amerikanischen Geschäftspartnern
fördern wird. Wir hoffen, schon bald
ein Abkommen zu erzielen, damit wir
auf
diese offensichtlich
einmalige
Gelegenheit aufbauen können.
In den Vereinigten Staaten besteht großes Interesse an und Bewunderung für die Ereignisse in Polen
und
der unmißverständliche
Wunsch,
dem Reformprozeß behilflich zu sein.
Am 6. Juli 1989 leitete ich ein Symposium im Weißen Haus, an dem an der
Förderung von Investitionen. Handel
und wissenschaftlichen Austauschprogrammen mit Polen und Ungarn interessierte
Amerikaner
teilnahmen.
Und
ich kann Ihnen mehr denn je versichern, daß das amerikanische Volk an
Ihrem demokratischen Experiment teilhaben wird.
Ich habe erklärt, die Vereinigten
Staaten werden auf den Reformprozeß
in Polen reagieren.
Selbst in der
kurzen Zeit seit Hamtramck ist sehr
viel geschehen. Es ist mir daher eine besondere Ehre, heute unsere Absicht bekanntgeben
zu können, zum
Wohle eines stabilen und florierenden
Polens
mehr
tun
und
noch
einen
Schritt weiter gehen zu wollen.
Erstens werde

- 5 -

ich

beim

bevorste-

�henden Weltwirtschaftsgipfel in Paris
den Vorschlag unterbreiten, daß die
Teilnehmerstaaten - die G-7 - ihre
Zusammenarbeit und konzertierten Aktionen zur Förderung demokratischer
Reformen in Polen und Ungarn intensivieren und einen sinnvollen Beitrag
zum Prozeß des Wandels leisten. Wir
werden beim Gipfeltreffen mit unseren
Partnern
zusammenarbeiten
und mit
aufgestockten
Hilfsleistungen
und
technischer Unterstützung des Westens
unverzüglich zur Tat schreiten. Diese konzertierte Aktion wird bestehende Institutionen wie die Weltbank,
den Pariser Club und den IWF ergänzen
und sich mit erforderlichen Wirtschaftsreformen, der Verwaltung von
Krediten, Ausbildungsinitiativen, Sozialversicherung, Wohnungsbau und anderen, für Polen entscheidenden Themen befassen.
Zweitens werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, einen Fonds in
Höhe von 100 Millionen Dollar zur
Kapitalisierung und Ankurbelung des
polnischen
Privatsektors
bereitzustellen
- und wir werden entsprechende Beiträge von den anderen Gipfelteilnehmern ermutigen.
Drittens werde ich die Weltbank
auffordern, einen wirtschaftlich lebenswichtigen Kredit in Höhe von 325
Millionen Dollar zu vergeben, damit
die polnische Landwirtschaft und Industrie das Produktionsniveau erreichen, zu dem sie eindeutig fähig sind.
Und viertens werde ich meine Kollegen im Westen bitten, eine frühzeitige und großzügige Umschuldung der
polnischen Kredite zu befürworten.
Dies könnte einen Zahlungsaufschub
für die in diesem Jahr fälligen Rückzahlungen in Höhe von 5 Milliarden
Dollar bedeuten, wenn unsere Verbündeten und Freunde im Pariser Club
auch dazu bereit sind, liberalere
Zahlungsbedingungen anzubieten.
Ich
beabsichtige, dieses Thema mit meinen
Kollegen beim Gipfeltreffen in Paris
zu erörtern.
Fünftens

sollte

wirtschafIticher

Fortschritt nicht auf Kosten unseres
gemeinsamen Erbes, unseres gemeinsamen Vermächtnisses - der Umwelt
stattfinden.
Eine gesunde Ökologie
und eine starke Wirtschaft können und
müssen
nebeneinander
bestehen.
Luft- und Wasserverschmutzung kennen
keine Grenzen. Und diese Sorge besteht weltweit. Vor etwa zwei Jahren
habe ich Krakau besucht - ehemals
Sitz der polnischen Könige - eine
Stadt, die von der UNESCO als internationale Sehenswürdigkeit eingestuft
worden ist. Heute kämpft Krakau gegen die Umweltverschmutzung, seine
kostbaren
Baudenkmäler
fallen der
Zerstörung anheim. Krakau muß gerettet werden.
Und die Vereinigten
Staaten werden helfen. Ich werde den
Kongreß um 15 Millionen Dollar für
ein Gemeinschaftsunternehmen mit Polen zur Bekämpfung der Luft- und Wasserverschmutzung dort bitten.
Sechstens und letztens begann ich
meine Ausführungen mit dem gemeinsamen kulturellen Erbe unserer beiden
Nationen. Es ist mir eine Ehre, heute bekanntgeben zu können, daß die
Vereinigten Staaten in Warschau ein
Kultur- und Informationszentrum gründen und Polen bitten werden, ein entsprechendes Zentrum in den Vereinigen
Staaten ins Leben zu rufen. Damit
können unsere beiden Länder zum ersten Mal Bildungs- und Kulturprogramme außerhalb ihren jeweiligen Botschaften und Konsulate durchführen.
Die Wahlen, aufgrund derer wir
uns alle heute hier versammelt haben,
bedeuten, daß der vom polnischen Volk
eingeschlagene Weg ein Weg des politischen Pluralismus und der wirtschaftlichen Wiedergeburt ist. Der
vor uns liegende Weg ist lang, aber
der einzige, der zu Wohlstand und sozialem Frieden führt. Polens Fortschritte auf diesem Weg werden den
Weg zu einem neuen Zeitalter in ganz
Europa weisen - ein Zeitalter, das
sich auf gemeinsame Werte und nicht
nur geographische Nähe gründet. Die
westlichen Demokratien
werden dem
polnischen Volk und den anderen Völkern dieser Region zur Seite stehen.

- 6 -

�Demokratie liegt im Zeitgeist.
Wie alle Regierungsformen kann Demokratie zwar verteidigt aber niemals
aufgezwungen werden. Wir glauben an
die Demokratie. Denn obwohl Demokratie für viele ein Traum sein mag, ist
sie meiner Ansicht nach ohne jeden
Zweifel der Menschheit vorbestimmt.
Vor zweihundert Jahren wurden von
drei Nationen demokratische Verfassungen verabschiedet, in denen der
starke Einfluß der Aufklärung Zeugnis
von Gedanken ablegte, die Bestand haben.
Die amerikanische Verfassung war
die erste und hat sich in der Geschichte über 200 Jahre unseres Bestehens als Republik bewährt.
In
Frankreich wurde die konstitutionelle
Demokratie in diesem Sommer vor zwei
Jahrhunderten verkündet. Und in wenigen Tagen werden die Staats- und
Regierungschefs aus allen Ländern der
Welt in Paris zusammenkommen, um ihren Jahrestag feierlich zu begehen.
Am 3. Mai 1991 wird auch die polnische Verfassung 200 Jahre alt. Ihre Verfassung aus dem Jahr 1791 wurde
widerrufen, aber niemals vergessen.
Und heute lautet der Ruf dieser Generation, das Versprechen einer freien
polnischen Republik einzulösen. Solange der Geist Polens lebt, ist Polen nicht verloren.
Die Vereinigten Staaten wünschen
Ihnen viel Erfolg bei der Bewältigung
der schwierigen Probleme von heute.
Ich beglückwünsche General Jaruzelski
zu seiner Führungsstärke und danke
für die herzliche Gastfreundschaft,
die er mir zuteil werden ließ. Ich
grüße die Vorsitzenden und Mitglieder
dieser beiden hervorragenden gesetzgebenden Körperschaften.
Gott in
seiner unendlichen Weisheit und Güte,
weilt unter uns. Möge Gott Sie und
Ihre Bestrebungen segnen. Lang lebe
Polen. Ich danke Ihnen.

* * * * *
- 7

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

DAS AKTIONSPROGRAMM FÜR POLEN
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht des Weißen Hauses zur wirtschaftlichen und kulturellen Unterstützung der Vereinigten Staaten für Polen
wurde am 10. Juli 1989 in Warschau veröffentlicht:

Das Aktionsprogramm für Polen

Das Maßnahmenpaket setzt sich wie
folgt zusamen:

In seiner Rede vor dem polnischen
Parlament am 10. Juli 1989 stellte
der Präsident ein umfassendes Paket
mit sechs Maßnahmen vor, um Polen bei
der Bewältigung der historischen Herausforderungen der neunziger Jahre zu
helfen. Diese Maßnahmen berücksichtigen die gegenwärtig stattfindenden
demokratischen Veränderungen in Polen.
Mit diesen Maßnahmen wird der
Tatsache Rechnung getragen, daß erfolgreiche marktwirtschaftliche Reformen und die Demokratisierung in
Polen sowie in anderen Ländern des
östlichen Zentraleuropas die Grundlage für Stabilität und Sicherheit Europas schaffen können.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Konzertierte internationale Maßnahmen.
Der Präsident schlägt
ein
verstärktes
konzertiertes
Vorgehen der Regierungen der Vereinigten Staaten, Westeuropas und
Japans zur Unterstützung der auf
politischem Pluralismus gegründeten wirtschaftlichen Reformen und
Gesundung in Polen vor. Dies
wird ein wichtiges Thema des
Weltwirtschaftsgipfels in Paris
sein.
-

Der Polnisch-Amerikanische Unternehmensfonds.
Der
Präsident
schlägt die Einrichtung eines mit
100 Millionen Dollar ausgestatteten Unternehmensfonds zur Unter-

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�Stützung privater Unternehmer in
Polen vor. Er wird andere führende Staaten ermutigen, ähnliche
Initiativen zu ergreifen.
Weltbankdarlehen.
Der Präsident
wird die Weltbank ermutigen, Polen zwei wirtschaftlich lebensfähige Projektkredite in Gesamthöhe
von 325 Millionen Dollar zu bewilligen.
Umschuldung.
Der Präsident hat
erklärt, die Vereinigten Staaten
würden im Pariser Club eine großzügige und rasche Umschuldung für
Polen unterstützen. Diese würde
Polens finanzielle Beziehungen zu
seinen Gläubigern normalisieren
und Polen erlauben, in beiderseitigen Vereinbarungen mit seinen
Gläubigern die Rückzahlung von
etwa 5 Milliarden Dollar in diesem Jahr aufzuschieben.
Eine Umweltinitiative. Der Präsident ist der Ansicht, daß die
wirtschaftliche Erholung nicht zu
Lasten der Umwelt, des Erbes der
Menschheit, gehen darf. Aufgrund
seines in Mainz verkündeten Vorschlags zur Umweltzusammenarbeit
zwischen Ost und West wird der
Präsident den Kongreß um die Bewilligung von 15 Millionen Dollar
für ein Gemeinschaftsprojekt mit
Polen zur Bekämpfung der Luftund Wasserverschmutzung in der
großartigen
mittelalterlichen
Stadt Krakau bitten.

Vorschlag
Der Präsident schlägt vor, daß
die Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel ihre konzertierte Aktion verstärken, um die auf politischen
Pluralismus gegründeten Wirtschaftsreformen in Polen und Ungarn zu unterstützen.
Ergänzende
Bemühungen
führender demokratischer Industriestaaten werden ein kräftiger Impuls
zu wirtschaftlicher
Gesundung und
Fortschritten in diesen Staaten sein,
die sich gegenwärtig an einem Wendepunkt befinden. Andere interessierte
Länder könnten ebenfalls zu diesem
Prozeß beitragen.

Umfang
Zu diesen Bemühungen wird die Zusammenarbeit mit den Regierungen Polens und Ungarns sowie mit anderen
staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen in diesen Ländern gehören, um Informationen zu sammeln und
den Meinungsaustausch zu Themen beiderseitigen Interesses zu gewährleisten.
Die beteiligten Regierungen
werden ferner gegebenenfalls mit Vertretern von IWF, Weltbank, EG-Kommission und anderen multilateralen und
privatwirtschaftlichen
Institutionen
zusammenarbei ten.
Der Themenkatalog könnte enthalten:
Notwendige Wirtschaftsreformen,

Einrichtung eines Kulturzentrums.
Die Vereinigten Staaten werden
ihre
Austauschprogramme
erweitern, um die Kontakte mit der zunehmend offenen Gesellschaft in
Polen auszuweiten. Die Vereinigten Staaten werden in Warschau
ein Kulturzentrum eröffnen, und
Polen kann ein vergleichbares
Zentrum in den Vereinigten Staaten einrichten.

Verstärkte
konzertierte
Maßnahmen
des Westens für Polen und Ungarn

Zeitrahmen und Konditionen
neue Kredite und

für

konkrete Unterstützung für Privatisierung und Privatunternehmen, Umweltprojekte, Managementund Ausbildungsinitiativen, soziale Absicherungsnetze zur Begleitung der Umstrukturierung, Wohnungsbau etc.
Mit diesen Bemühungen würden die
bestehenden Institutionen wie Weltbank, Pariser Club oder IWF nicht um-

�gangen oder ersetzt,

Technische
Hilfe oder Ausbildungsprogramme, die den polnischen Privatsektor unterstützen
oder von ihm verwaltet werden,

Die nächsten Schritte

Finanzierung teilweise oder vollständig privater Exportvorhaben,

Der Präsident wird diesen Vorschlag in Paris mit den politisch
Verantwortlichen der anderen Teilnehmerstaaten am Weltwirtschaftsgipfel Großbritannien,
Bundesrepublik
Deutschland, Frankreich, Japan, Italien und Kanada - erörtern.

Der Polnisch-Amerikanische
mensfonds

Gemeinschaftsunternehmen zwischen
privaten polnischen und amerikanischen Investoren (z.B. Ermutigung zur Teilnahme privater polnischer Firmen an Gemeinschaftsunternehmen) .

UnternehKredite der Weltbank

Vorschlag
Vorschlag
Die wirtschaftliche Gesundung Polens wird einen starken unternehmerischen Sektor erfordern, der rasch
wächst und Wohlstand zum Nutzen der
gesamten Nation schafft. Um diesen
Prozeß zu fördern, hat der Präsident
die Einrichtung eines "Polnisch-Amerikanischen Unternehmensfonds" durch
Polen und die Vereinigten Staaten
vorgeschlagen. Der Präsident bittet
den Kongreß um die Bewilligung von
100 Millionen Dollar für diese Initiative. Der Fonds wird von einem
Gremium hervorragender amerikanischer
und polnischer Vertreter verwaltet
werden.

Der Präsident wird die Weltbank
auffordern, zwei wirtschaftlich lebenswichtige Kredite für Projekte in
Polen in Höhe von 325 Millionen Dollar zu vergeben. Die Kredite für industrielle Unstrukturierung und agroindustrielle Entwicklung zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der
polnischen Exporte zu verbessern.

Hintergrund
Der Kredit zur Industriellen Umstrukturierung (250 Millionen Dollar)
soll folgendermaßen verwendet werden:

Zweck

Einfuhr von Technologie und Gerät, die bei Umstrukturierungsprojekten von Betrieben verwendet
werden, die Chemiefasern, petrochemische Produkte, Polypropylen
zur Verpackung, Spanplatten und
Stickstoff herstellen sowie

Mit dem Fonds wird die Entwicklung des Privatsektors in Polen gefördert. Er ist befugt, für bewilligte Projekte Kredite in harten Währungen oder Subventionen bei Risikokapital zu vergeben, einschließlich:
Entwicklung
des
Privatsektors
(Geschäftskredite/Subventionen,
eventuell Gründung einer Entwicklungsbank für den Privatsektor),
Privatisierung staatlicher Firmen
(z.B. Bereitstellung finanzieller
Mittel für Unternehmer, um sich
in staatliche Firmen einzukaufen),

die mit technischer Hilfe aus dem
Ausland verbundenen Devisenkosten
für diese Projekte.
Der Kredit für Agro-Industrielle
Entwicklung
(75 Millionen Dollar)
soll folgendermaßen verwendet werden:

- 3 -

Kauf von Gerät und Lizenzenzen im
Ausland sowie Devisenkosten für
technische Unterstützung von Be-

�trieben, die in der Verarbeitung
von
Gefrierobst
und
Gemüse,
Fleisch oder anderen Formen der
Nahrungsmittelverarbeitung
tätig
sind.
Die Kredite haben eine
17jährige Laufzeit mit einer tilgungsfreien Zeit von 6 Jahren vor
Rückzahlung.
Eine polnische Bank wird das Geld
an einzelne Unternehmen weiterverleihen. Die Kredite an diese Darlehensnehmer sowie ihre Rückzahlung erfolgt
in Dollar zur Erleichterung der Rückzahlung des Gesamtkredits an die
Weltbank.

Amerikanisch-polnisches
dung sa bkommen

zeichnet.
Verhandlungen
über die beiden
ausstehenden
bilateralen
Abkommen
wurden zu Beginn dieses Jahres wiederaufgenommen, als die polnische Regierung versuchte, dieses Problem mit
ihren Gläubigern zu lösen.

Abkommen und nächste Schritte
Am 10. Juli 1989 haben die Vereinigten Staaten von Amerika und Polen die beiden ausstehenden bilateralen Abkommen unterzeichnet, mit denen
die Umschuldungen von 1985 und 1987
abgedeckt sind.

Umschul-

Vorschlag
Der Präsident wird seine Amtskollegen im Pariser Club bitten, eine
baldige und großzügige Umschuldung
der polnischen Schulden zu befürworten.

Hintergrund
Polens Auslandsschulden in Höhe
von fast 40 Milliarden Dollar stehen
vorwiegend bei westlichen staatlichen
Gläubigern aus.
Der bei den Vereinigten Staaten
ausstehende Teil dieser Auslandsverschuldung beläuft sich auf ca. 2,2
Milliarden Dollar, meist in Form von
Kreditgarantien, die von der amerikanischen Preisstützungsbehörde für die
Landwirtschaft und der Import-ExportBank vergeben wurden.

Damit wird der Weg für weitere
Abkommen zwischen Polen und seinen
Gläubigern über die Umschuldung der
Verschuldung gegenüber ausländischen
Regierungen und internationalen Institutionen geebnet.
Ein Umschuldungsvorschlag des Pariser Clubs zu den Verpflichtungen
aus dem Schuldendienst, die 1989 fällig werden, würde Polen gestatten,
Zahlungen in Höhe von etwa 5 Milliarden Dollar aufzuschieben.
Ein
neues
Umschuldungsabkommen
des Pariser Clubs würde die Finanzbeziehungen Polens normalisieren und
Exportkreditbehörden eine rechtliche
Grundlage zur Wiederaufnahme von Krediten gewähren, wenn die Regierungen
entscheiden, daß solche Kredite gerechtfertigt sind.
Umweltinitiativen
Vorschlag

Der Pariser Club stimmte in den
vergangenen acht Jahren viermal einer
Umschuldung des polnischen Schuldendienstes an staatliche Gläubiger zu.
Bis März 1989 hatte Polen jedoch
noch keine Verhandlungen über die bilateralen Abkommen zu den letzten
beiden Umschuldungen Ende 1985 und
1987 aufgenommen oder diese unter-

Der Präsident hat die Notwendigkeit neuer internationaler Bemühungen
zur Erhaltung und Verbesserung der
Umwelt - des gemeinsamen Erbes der
Menschheit - betont. In Weiterführung seiner Mainzer Rede, in der OstWest-Zusammenarbeit bei Umweltfragen
besonders hervorgehoben wurde, hat
der Präsident drei Umweltinitiativen

�für Polen in Höhe von insgesamt 15
Millionen Dollar verkündet, die sich
vor allem auf die schöne mittelalerliche Hauptstadt Krakau konzentrieren. Diese herrliche Stadt, die von
der UNESCO zur Sehenswürdigkeit erklärt wurde, ist ernsthaft von Umweltverschmutzung bedroht.

Nachrüstung
kraftwerks

lar für ein System zur Überwachung
der Luftreinhaltung im Stadtgebiet
von Krakau als Teil des nationalen
polnischen
Uberwachungssystems,
zu
dem folgende Geräte zählen sollen:
Monitore und andere Geräte zur
Messung
von
Schwefeldioxid,
Stickstoffoxid,
Makroteilchen,
Kohlenmonoxid, Ozon und Blei,

eines bestehenden KohleGeräte zur Datenspeicherung und
-Verarbeitung.

Hierbei handelt es sich um eine
10-Millionen-Dollar-Initiative,
im
Rahmen derer ein bestehendes Kohlekraftwerk in der Nähe von Krakau mit
neuer sauberer Kohleverstromungstechnik ausgestattet werden soll. Diese
Nachrüstung wird die Schwefeldioxidemissionen einer 100 MW-Fabrik um
60-65 Prozent
verringern.
Stickstoffoxid-Emissionen werden ebenfalls
abgebaut.
In der Anfangsphase des Projekts
wird eine Bewertung der wichtigsten
Kohlekraftwerke in der Umgebung von
Krakau vorgenommen, um die besten
Strategien zur Kontrolle dieser Anlagen festzulegen. Dann würde eine Anlage bestimmt und diese mit der für
sie optimalen Technik ausgestattet.
Nach der Auswahl tritt das Projekt in die Entwurfsphase, wobei dann
die Herstellung und Installierung der
Geräte vorgenommen würde.
Das Projekt würde dann durchgeführt und mit einer Ergebnisanalyse
abschließen.
Erwartungsgemäß
wird
Polen
die
Verantwortung
für die
Durchführung des Projekts übernehmen
und den Vereinigten Staaten das Datenmaterial zur Verfügung stellen.
Die Vereinigten Staaten werden Polen
gegenbenenfalls technische Hilfestellung leisten.

Wasserqualität und Wasserversorgung
Hierbei handelt es sich um eine
Initiative in Höhe von 4 Millionen
Dollar zur Verbesserung der Wasserqualität und der Wasserversorgung
Krakaus.
Mit dem Programm für Umweltschutz
und Wasserwirtschaft für die Jahre
1986 bis 2010 als Leitlinie wird die
Umweltschutzbehörde
(EPA) gemeinsam
mit polnischen Experten den gegenwärtigen und künftigen Bedarf Krakaus an
Trinkwasser und Abwasser ermitteln
und danach die den örtlichen Bedingungen am besten angepaßten Methoden
auswählen und erproben.
Um die optimalen preiswertesten
technischen Lösungen zu finden, wird
das Programm Strömungsdaten von Flüssen beobachten und Daten über die Gesundheit einer Reihe von im Wasser
lebenden Spezies sammeln, die Reinheit von Fluß- und Trinkwasser prüfen
und
verbrauchsorientierte
Maßstäbe
für die Wasserversorgung aufstellen.
Das Programm wird Wiederaufbereitung, Verhinderung
der Umweltverschmutzung und preiswerte Methoden
wie etwa die Verwertung von Abwasser
für den Boden betonen.

Das System zur Überwachung der Luftreinhaltung

Abkommen über den Austausch von Kulturzentren

Es handelt sich hierbei um ein
Projekt im Umfang von 1 Million Dol-

Zweck

- 5-

�Der Präsident hat die Vereinigten
Staaten aufgefordert, phantasievolle
Bildungs- und Kulturprogramme mit Polen zu unterstützen. Gemäß dem am
10. Juli 1989 unterzeichneten Abkommen können die Vereinigten Staaten in
Warschau ein Kultur- und Informationszentrum eröffnen, und Polen hat
das Recht zur Einrichtung eines solchen Zentrums in den Vereinigten
Staaten.

Fernseh- und Videovorführungen,
Durchführung von Seminaren mit
Experten, Wissenschaftlern
und
Prominenten aus dem kulturellen
Leben,
englische
kurse.

und

polnische

* * * * *

Hintergrund
Dies ist das erste Mal, daß beide
Länder die Möglichkeit haben, Öffentlichkeitsarbeit und Kulturprogramme
außerhalb von Botschaften und Konsulaten zu veranstalten. Die Zentren
werden dennoch als integraler Bestandteil des diplomatischen Dienstes
beider Länder betrachtet.
Das amerikanische Zentrum in Polen wird unter der Leitung des US-Informationsamts stehen, das ähnliche
Zentren in vielen Ländern der Welt
unterhält.
In Warschau muß noch ein Standort
für das neue amerikanische Zentrum
gefunden und eingerichtet werden wir hoffen jedoch auf seine Eröffnung
zu Beginn des Jahres 1990. Die Kosten für Errichtung und Betrieb werden sich im ersten Jahr auf etwa 1,1
Million Dollars belaufen.

Dienstleistungen
Die Zentren werden Dreh- und Angelpunkt zahlreicher kultureller Aktivitäten und der Öffentlichkeitsarbeit sein und folgende Leistungen anbieten:
eine Bibiliothek, die als Präsenzbibliothek fungiert und ausleiht, mit einem Bestand an Periodika, Filmen, Videokassetten und
anderen Materialien,
Förderung von Konzerten, Liederabenden, Ausstellungen, Filmen,
- 6-

Sprach-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

USA WOLLEN RISIKO EINES KRIEGS IN EUROPA ABBAUEN
- Ansprache von Präsident Bush in der Karl-Marx-Universität -

BUDAPEST - (AD) - Die Vereinigten Staaten arbeiten "Tag und Nacht" an einem umfassenden Abkommen zur konventionellen Rüstungskontrolle mit der Sowjetunion, "zur Stärkung der Stabilität in Europa und Verringerung des Kriegsrisikos", erklärte Präsident Bush am 12. Juli 1989 in einer Ansprache vor Studenten der Karl-Marx-Universität. "Es besteht kein Zweifel daran, daß wir uns an
der Schwelle eines neuen Zeitalters befinden", fügte Bush hinzu und versicherte seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow, um den Eintritt in dieses neue Zeitalter zu beschleunigen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Herr Präsident,
Herr Ministerpräsident,
verehrte Frau Nemeth,
Herr Dr. Csaki,
meine Damen und Herren,
meine Frau und ich freuen uns
außerordentlich, wieder in Budapest
zu sein. Und ich bin sehr stolz darauf, daß ich als erster amerikanischer Präsident Ungarn besuche.
Es
entbehrt vielleicht nicht einer gewissen Ironie, daß ich meine Rede in
einer nach Karl Marx benannten Universität halte.
Wenn es in Ungarn
schon einer gewissen Ironie nicht
entbehrt, dann erst recht nicht in
den Vereinigten Staaten. Aber meine
heutige Anwesenheit gibt weniger zur
Überraschung Anlaß, sondern ist vielmehr Beweis für die Tatsache, daß die
Vereinigten Staaten den ungehinderten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ideenwettstreit begrüßen. Und meines
Wissens hat etwa 50 Mitglieder des
Lehrkörpers dieser berühmten Universität entweder als Student oder Dozent die Vereinigten Staaten von Amerika besucht. Für unser Land ist das
ein sehr positives Zeichen und ich
freue mich, daß Sie den Weg zu uns
gefunden haben.
Die Hauptaufgabe einer Unviersität liegt in der Förderung von Wettbewerb - dem ungehinderten Ideenwettstreit. Und dieser Geist bringt uns
einander näher - ein Geist, von dem
ein
herausragender
Dozent
an
der
Karl-Marx-Universität mit Namen Imre
Nagy geleitet war.
Als die Trauerprozession zu seinen Ehren vor einigen Wochen über den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heldenplatz zog, vernahm man die
Stimme Ungarns, als die ungarische
Nationalhymne gesungen wurde. Und in
dieser schlichten, traurigen Zeremonie sah die Welt mehr als einen Akt
der Würde - einen Akt der Versöhnung.
Wir wurden Zeuge eines Akts der Wahrheit. Und auf diesem Fundament der
Wahrheit, das fester als Stein ist,
haben die Ungarn begonnen, eine neue
Zukunft aufzubauen. Eine Generation
hat gewartet, um Imre Nagys Mut Ehrerbietung bezeugen zu können - mögen
hundert Generationen dies im Gedächtnis bewahren.
Während Ungarn seine natürliche
Rolle in europäischen Angelegenheiten
wiederentdeckt, blickt die Welt in
der Hoffnung auf Inspiration erneut
auf Ungarn. In den Vereinigten Staaten gibt es ein bekanntes Sachbuch
mit dem Titel Budapest 1900. Dr.
John Lukacs beschreibt liebevoll das
Budapest seiner Erinnerung, mit seiner lebhaften Börse und berühmten
Oper - eine Zeit, in der Europas erste elektrische Untergrundbahn unter
den attraktiven Geschäften des Andrassy Boulevards verkehrte.
Eine Stadt, die Paris in ihrer
Pracht den Ruf streitig machte, Wien
mit seiner Musik und London mit seiner Literatur. Ein Zentrum der Wissenschaft, das die Welt aufgeklärt
und Genies wie Josef Pulitzer und
Bela Bartok hervorgebracht hat, zum
Stolz der Vereinigten Staaten. Aber
seit vierzig Jahren ist diese herrliche Stadt, diese große Nation - die
in jeder Hinsicht das Zentrum des
Kontinents bildet - von Europa und
dem Westen getrennt.
Aber heute öffnet sich Ungarn erneut dem Westen gegenüber - wird zu
einem Lichtstrahl der europäischen
Kultur. Und ich sehe Menschen, Farben, Kreativität, Experimente.
Ich
sehe einen neuen Anfang für Ungarn.
Und die bloße Atmosphäre dieser Stadt
Budapest
ist
elektrisierend
und
strahlt vor Optimismus.
Ihr Volk und Ihre politisch Ver-

antwortlichen - Regierung und Opposition gleichermaßen - haben keine
Angst, mit der Vergangenheit zu brechen und im Geiste der Wahrheit zu
handeln. Es gibt kein besseres Beispiel als eine schlichte Tatsache:
Die Karl-Marx-Universität
hat Das
Kapital von der Liste der Pflichtlektüre gestrichen.
Einige Historiker bringen das Argument vor, der Marxismus sei aus einem menschlichen Impuls heraus entstanden. Aber Karl Marx spürte nur
eine Faser der menschlichen Existenz
auf und übersah den Rest - die farbenprächtigen und vielschichtigen Facetten der Menschheit. Er sah den
Menschen als glücklos - unfähig, seine Umgebung oder sein Schicksal zu
bestimmen. Aber der Mensch ist nicht
von unpersönlichen wirtschaftlichen
Kräften geleitet. Er Ist nicht bloß
ein Objekt, das sich nach den mechanischen
"Gesetzen" der Geschichte
richtet.
Der Mensch ist vielmehr phantasievoll und erfindungsreich. Er ist
ein Künstler, mit einem angeborenen
Drang, Schönheit zu schaffen und zu
genießen. Er ist liebendes Mitglied
einer Familie und ein treuer Patriot
seines Volkes. Der Mensch ist dynamisch und entschlossen, seine Zukunft
selbst in die Hand zu nehmen.
Das lange unterdrückte kreative
Genie des ungarischen Volkes gelangt
in Ihren Schulen, Geschäften und Kirchen zu neuer Blüte. Und dies ist
mehr als eine vergängliche Saison der
Freiheit. Dies ist Ungarn, das zu
seinen normalen, traditionellen Werten zurückkehrt. Ein Ungarn, das zu
sich selbst findet.
Lange Zeit zum Schweigen verurteilte Stimmen sind jetzt wieder zu
vernehmen.
Eine unabhängige Tageszeitung wird heute auf den Straßen
verkauft.
Private
Rundfunk- und
Fernsehstationen werden alles senden,
von Nachrichten bis zur Musik von
Stevie Wonder, und Radio Freies Europa wird hier in Budapest sein erstes

- 2 -

�Osteuropa-Büro eröffnen.
Entlang Ihrer Grenze zu Österreich wird das häßliche Symbol der
Teilung Europas und Isolierung Ungarns abgebaut, wird der Stacheldraht
zusammengerollt und in Ballen aufgeschichtet. Zum ersten Mal hat der
Eiserne Vorhang begonnen, sich aufzutun.
Und Ungarn, Ihr großartiges
Land, weist den Weg.
Die Sowjetunion hat Truppen abgezogen, und ich betrachte dies ebenfalls als Schritt zur Überwindung der
europäischen Teilung.
Während sich
der Abzug dieser Truppen vollzieht,
sollte die sowjetische Führung wissen, daß sie durch friedlichen Wandel
alles gewinnen kann und nichts zu
verlieren oder zu fürchten hat. Wir
können - und ich bin dazu entschlossen - zusammenarbeiten, um die Politik des Containment und den Kalten
Krieg zu überwinden.
Einer der wichtigsten Schritte
zur Überwindung des Containment besteht in der Entspannung der militärischen Konfrontation in Europa. Zu
diesem Zweck haben die NATO-Partner
auf dem Gipfeltreffen im Mai meinen
Vorschlag einer umfassenden Initiative zur konventionellen Rüstungskontrolle aufgegriffen - eine Initiative, mit der die Zahl der Panzer,
Schützenpanzer, Geschütze, Kampfflugzeuge, Angriffshubschrauber sowie der
von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion auf ausländischem Territorium
in
Europa
stationierten
Streitkräfte auf niederigere, gleiche
Niveaus verringert würden.
Diese Fragen mögen sehr komplex
sein, aber wir arbeit en Tag und Nacht
an einem soliden, historischen Abkommen zur Stärkung der Stabilität in
Europa und Verringerung des Kriegsrisikos.
Und wir sind entschlossen,
dies in naher Zukunft zu erreichen.
Es besteht kein Zweifel daran,
daß wir uns heute an der Schwelle eines neuen Zeitalters befinden. Ferner kann kein Zweifel daran bestehen,

daß Ungarn sich an der Schwelle grosser, historischer Veränderungen befindet.
Sie entwickeln eine echte
Verfassung - und Sie bereiten demokratische Wahlen mit mehreren Parteien vor.
Dies ist teilweise deshalb möglich, weil mutige Männer und Frauen
Oppositionsparteien gegründet haben.
Und dies ist teilweise möglich, weil
die politisch Verantwortlichen in Ungarn das Äußerste an politischem Mut
zeigen - den Mut, sich dem Urteil des
Volkes in freien Wahlen zu unterwerfen.
Um jedoch bei den Reformen erfolgreich zu sein, benötigen Sie
Partner - Partner, die zur Förderung
dauerhaften Wandels in Ungarn beitragen. Und ich bin heute hier, um Ungarn die Partnerschaft der Vereinigten Staaten von Amerika anzubieten.
Drei lebenswichtige Bereiche nehmen
in unserer Partnerschaft einen besonderen Stellenwert ein - Wirtschaft,
Umwelt sowie demokratischer und kultureller Austausch.
Die Vereinigten Staaten glauben
an die Beschleunigung des produktiven
Wandels, nicht an dessen Verzögerung.
Dies ist also unser Leitprinzip - die
Vereinigten Staaten werden Unterstützung nicht zum Zweck der Erhaltung
des Status quo gewähren, sondern um
Reformen voranzutreiben.
Natürlich wird der Unternehmergeist Ungarns immer noch von der Bürde der Vergangenheit belastet.
Es
gibt noch Reminiszenzen an die stalinistische Wirtschaft - riesige, unwirtschaftlich
arbeitende
Fabriken
und ein verwirrendes Preissystem, das
von kaum jemand verstanden wird sowie
massive Subventionen, mit denen wirtschaftliche Entscheidungen vernebelt
werden - all dies bedeutet eine Verlangsamung dessen, was Sie normalerweise erreichen könnten. Es ist ein
ökonomischer Zauberwürfel, der sich
einer Lösung entzieht.

- 3-

Die

Umsetzung

des

Übergangs

zu

�einer
produktiven
Volkswirtschaft
wird Sie als Volk auf die Probe stellen. Die Preise einiger Waren werden
steigen. Einige unwirtschaftlich arbeitende Unternehmen und Fabriken
werden schließen. Aber der ungarische Staat überläßt die Führung der
Geschäfte zunehmend den Ladeninhabern
und die Bauernhöfe zunehmend den Bauern. Die einmal entfesselte schöpferische Kraft des Volkes wird eine Eigendynamik entwickeln. Dies wird Ihnen einen größeren Schatz eintragen
als nur der von Ihnen geschaffene
Reichtum. Es wird ihnen die Kontrolle über Ihr eigenes Schicksal geben das Schicksal Ungarns.
Wie ich schon erklärt habe, werden die Vereinigten Staaten Ihnen bei
der Umgestaltung zu einer erfolgreichen Volkswirtschaft als Partner zur
Seite stehen.
Am vergangenen Donnerstag (dem 6.
Juli 1989) hatte ich im Weißen Haus
führende Vertreter aus Industrie,
Bildungswesen, Gewerkschaften und anderen Bereichen zu Gast, um über die
neuen privatwirtschaftlichen Möglichkeiten zu sprechen, die sich nun in
Ungarn eröffnen. Und ihre Reaktion
war enthusiastisch. Dies galt besonders für die Amerikaner ungarischer
Abstammung, die so stolz darauf sind,
eine Brücke zwischen ihrem neuen Land
und ihrer alten Heimat zu bauen. Solange unsere beiden Regierungen den
Weg ebnen, können die Völker der Vereinigten Staaten und Ungarns das
übrige tun - die Völker können das
übrige tun.
In diesem Geist verkünde ich nun
die folgenden Maßnahmen.
Erstens, wie ich schon in Warschau erklärt habe, werde ich auf dem
Weltwirtschaftsgipfel in Paris eine
konzertierte Aktion des Westens für
Polen und Ungarn vorschlagen, um Ihre
Reformen durch wirtschaftliche und
technische Hilfe der Gipfelteilnehmer
zu unterstützen.
Natürlich werden
unsere Bemühungen für Ungarn speziell
auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten

sein.
Zweitens werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, einen Fonds von
25 Millionen Dollar zu bewilligen,
der eine Quelle neuen Kapitals zur
Belebung des ungarischen Privatsektors bilden soll. Ich werde ferner
parallele Bemühungen der anderen Gipfelteilnehmer ermutigen.
Drittens werde ich nach Verabschiedung des von Ihrem Ministerrat
vorgeschlagenen neuen Auswanderungsgesetzes durch Ihr Parlament unseren
Kongreß davon in Kenntnis setzen, daß
sich Ungarn in völliger Übereinstimmung mit dem Jackson-Vanik-Zusatz zu
unserem Handelsgesetz aus dem Jahr
1974 befindet. Für kein Land sind
bisher die Beschränkungen dieses Zusatzes aufgehoben worden. Ich freue
mich deshalb, Ihnen mitteilen zu können, daß Ungarn das erste Land sein
wird. Dieser Schritt wird Ungarn den
freiesten Zugang zum amerikanischen
Markt für den längsten Zeitraum geben, der unseren Gesetzen gemäß möglich ist.
Viertens sind die Vereinigten
Staaten bereit, Ihrem Land Zugang zu
unserem Allgemeinen Begünstigungssystem zu geben, das selektive Zollerleichterungen bietet. Einfach ausgedrückt werden es Ihnen die letzteren
beiden Maßnahmen gestatten, sich die
Vorteile des größten Einzelmarkts in
der ganzen Welt zunutze zu machen.
Fünftens haben wir den Entwurf
für ein Abkommen erarbeitet, mit dem
die Gesellschaft für private Investitionen im Ausland (Overseas Private
Investment Corporation) - auch OPIC
genannt - in Ungarn tätig werden
kann. Und wenn unser Senat die entsprechende Gesetzgebung verabschiedet, wird OPIC Sicherheiten geben
können und damit amerikanische Investitionen in ungarischen Privatfirmen
ermutigen. Durch OPIC werden amerikanische Geschäftsleute das ungeheure
Potential Ungarn aus erster Hand erleben können.

- 4-

�Private Investitionen sind für
Ungarn ungemein wichtig. Sie bedeuten
Arbeitsplätze,
Innovationen,
Fortschritt. Vor allem schaffen Privatinvestitionen aber eine bessere
Zukunft für Ihre Kinder und eine bessere Zukunft für Ungarn.
Und dennoch kann wirtschaftlicher
Fortschritt nicht auf Kosten der
Luft, die wir atmen und des Wassers,
das wir trinken, durchgesetzt werden.
Vor sechs Wochen habe ich in Mainz
die Zusammenarbeit zwischen Ost und
West bei Umweltfragen vorgeschlagen.
Und deshalb werde ich den amerikanischen Kongreß bitten, fünf Millionen
Dollar für die Gründung eines internationalen Umweltzentrums für Mittelund Osteuropa zu bewilligen, das seinen Sitz hier in Budapest haben wird.
Es soll private und staatliche Investoren und Organisationen zusammenführen, die sich mit der ökologischen
Krise befassen sollen.
Schließlich
ist die Erde unser gemeinsames Erbe,
und ihr Schicksal betrifft alle Länder, nicht nur Ost und West.
Ungarn hat in Mittel- und Osteuropa eine Führungsrolle übernommen,
als es darum ging, die Sorge seiner
Bürger um sauberere Luft und saubereres Wasser anzusprechen. Und jetzt
können Sie noch mehr tun und mit dem
Westen
zusammenarbeiten,
um
eine
Brücke der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik zu schlagen.
In diesem Zusammenhang freue ich
mich auch, Ihnen mitteilen zu können,
daß die Vereinigten Staaten ein Abkommen zwischen unseren beiden Ländern vorgeschlagen haben, um wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung und
in besonderen Bereichen wie etwa Umwelt, Medizin und Reaktorsicherheit
zuzulassen.
Ich hoffe, daß dieser Besuch auch
zu einem erweiterten Austausch zwischen Ost und West führen wird, so
daß unsere Wissenschaftler, unsere
Künstler und unsere UmweltschUtzer
voneinander lernen können; so daß un-

sere Soldaten und Politiker über
Frieden sprechen und unsere Studenten
- Gott schütze sie - die Zukunft erörtern können.
Aber Diskussion erfordern eine
gemeinsame Sprache.
Englischunterricht ist einer der beliebtesten amerikanischen Exportartikel.
Und Sie
als Studenten wissen, daß Englisch
die Lingua franca der Weltwirtschaft
und damit der Schlüssel für Geschäfte
von Hongkong bis Toronto ist. Um also mehr Ungarn die Weitmärkte zu öffnen, freue ich mich, Ihnen mitteilen
zu können, daß das Peace Corps erstmals in einem europäischen Land zum
Einsatz kommen wird. Und damit werden die Lehrer des Peace Corps in Budapest und den 19 anderen Bezirken
Englisch unterrichten.
Mit
diesen
Austauschprogrammen
wollen wir Ihnen bei Ihrem Streben
nach einem neuen Anfang als demokratisches Ungarn helfen. Deshalb stellen die Vereinigten Staaten Osteuropa
über 6 Millionen Dollar für Projekte
im Bildungswesen und im kulturellen
Bereich zur Verfügung.
Wir werden
Mittel für eine Reihe wichtiger neuer
amerikanisch-ungarischer
Austauschprogramme bereitstellen - für Kongreßabgeordnete und Gesetzesexperten,
Gewerkschafter
und
Geschäftsleute,
Rechtsexperten,
Kommunalpolitiker,
Lehrer
und
junge Menschen.
Wir
schaffen eine Reihe neuer Stipendien,
damit Ungarn an amerikanischen Universitäten studieren können. Und wir
werden mit Stiftungsgeldern Lehrstühle für Amerikanistik an Ihren Universitäten einrichten und viele Tausend
Bücher finanzieren, die dann Regale
Ihres neuen Internationalen Management Centers und die Bibliotheken der
Schulen und Universitäten Ungarns
füllen werden.
Und die Vereinigten Staaten werden in den nächsten Jahren auch ein
Amerika Haus im Zentrum von Budapest
eröffnen.
Heute hat der bekannte
amerikanische Architekt Robert Stern
seinen Entwurf für dieses Zentrum
vorgestellt, das als offenes Haus der

- 5 -

�Bücher, Zeitschriften und Videokassetten - als offenes Haus für Ideen fungieren wird.
Zusammenfassend möchte ich sagen
- wirtschaftliche Reformen und demokratischer Wandel, Zusammenarbeit im
kulturellen Bereich und bei Umweltfragen bergen große Chancen und große
Herausforderungen. Für Ungarn bleibt
noch viel zu tun, ebenso für die Vereinigten Staaten und Ungarn, wenn sie
zusammenarbeiten, um diese bessere
und dynamische Zukunft aufzubauen.
Ihre Herausforderung ist enorm
und von historischer Bedeutung: die
Strukturierung
politischen
Wandels
und eines dezentralisierten Wirtschaftssystems auf den Trümmern eines
gescheiterten stalinistischen Systems.
Und bei der Möglichkeiten, die
Sie haben, um die Ihnen eigene Initiative, Kreativität und den Erfindungsreichtum unter Beweis zu stellen, bin ich der Überzeugung, daß Sie
die Herausforderung bewältigen werden. Sie stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters wirtschaftlicher
Entwicklungen und realer politischer
Veränderungen.
Und ich bin der festen Überzeugung, daß Sie bereit sind, sich der
Zukunft zu stellen.
Ich sehe ein
Land, das bereits seinen Weg macht.
Ich sehe ein Land, dessen Menschen
ein reiches Potential in sich bergen
moralischen Mut.
Ich sehe ein
Land, daß seine Vergangenheit hinter
sich läßt und sich seinem Schicksal
stellt.
Ich beglückwünsche Sie zu
dem Weg, den Sie bereits zurückgelegt
haben.
Und wir wollen uns den vor uns
liegenden Möglichkeiten gleichermaßen
stellen. Die Geschichte soll von uns
sagen, daß wir die Generation waren,
unter der Europa ungeteilt und frei
wurde.
Ich danke Ihnen.
alle. Vielen Dank.
*****

Gott segne Sie

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

DAS PROGRAMM ZUR FÖRDERUNG DER REFORMEN IN UNGARN
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Die folgende Übersicht über Präsident Bushs Programm zur Förderung der Reformbestrebungen in Ungarn wurde am 12. Juli 1989 in Budapest vom Weißen Haus
veröffentlicht.

BUDAPEST - (AD) - In Ungarn ist
eine Zeit dynamischer Veränderungen
in Politik und Wirtschaft eingeleitet
worden. Präsident Bush hat verschiedene Maßnahmen angekündigt, um die
bereits
umfangreichen
Anstrengungen
Ungarns zur Entwicklung privaten Unternehmertums und eines freien politischen Systems zu fördern.

Ungarisch-Amerikanischer
Unternehmensfonds.
Der
Präsident
schlägt die Einrichtung eines Unternehmensfonds im Umfang von 25
Millionen Dollar vor, um den Ungarn beim Ausbau ihres Privatsektors zu helfen, der bereits zu
den größten in Mittel- und Osteuropa zählt.

Konzertierte Aktion des Westens.
Der Präsident schlägt eine konzertierte Aktion der Regierungen
der Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japans vor, mit der
Wirtschaftsreformen und der Wiederaufbau
in
Ungarn
gefördert
werden
sollen.
Das wird ein
wichtiges
Thema
beim
Pariser
Weltwirtschaftsgipfel sein.

Meistbegünstigungsklausel.
Der
Präsident hat seine Absicht bekundet, Ungarn die Meistbegünstigung ohne jährliche Prüfung einzuräumen,
sobald
Ungarn
seine
neuen Auswanderungsgesetze verabschiedet hat. Dieses neue Gesetz
wird gemäß dem Jackson-Vanik-Zusatz den Anforderungen nach freier Ausreise entsprechen.
Ungarn
würde damit das erste Land des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�Warschauer Pakts, das voll und
ganz Im Einklang mit Jackson-Vanik stünde.
Umweltinitiative. Präsident Bush
hat Umweltpolitik zu einem Eckpfeiler seines Plans zur Unterstützung von Reformen in Osteuropa erklärt. Der Präsident will
den Kongreß bitten, fünf Millionen Dollar für die Einrichtung
eines regionalen Umweltzentrums
in Budapest bereitzustellen. Das
Zentrum wird Experten aus dem
Privatsektor und der Regierung
sowie Organisationen zusammenführen, um ökologische Probleme zu
erörtern.
Austausch. Der Präsident hat eine erhebliche
Erweiterung der
Austauschprogramme mit Ungarn und
anderen Ostblockländern angekündigt.
Das
US-Informationsamt
(USIA) wird 1,6 Millionen Dollar
für diese neuen Programme bereitstellen.
Abkommen über Wissenschaft und
Technologie (Science and Technology - S und T). Der Präsident
hat die Absicht der Vereinigten
Staaten bekundet, ein Rahmenabkommen mit Ungarn zu S und T abzuschließen. Wir stellen uns ein
breit angelegtes Programm wissenschaftlicher und technischer Zusammenarbeit in Bereichen gemeinsamen Interessens und gemeinsamen
Fachgebieten vor wie etwa Grundlagenforschung, Umwelt, Landwirtschaft, Medizin, Energie und Reaktorsicherkeit.
Peace Corps. Der Präsident hat
die
Einrichtung
eines
Peace
Corps-Programms in Ungarn angekündigt, das hauptsächlich ungarische Bestrebungen zur Entwicklung und Erweiterung des Englischunterrichts
unterstützen
soll.

Vorschlag
Der Präsident schlägt vor, daß
die Gipfelteilnehmer ihre gemeinsamen
Anstrengungen verstärken, um Wirtschaftsreformen in Polen und Ungarn
zu fördern, die auf politischem Pluralismus basieren.
Einander ergänzende Bestrebungen der führenden demokratischen Industrieländer werden
dem Wirtschaftsaufschwung
und dem
Fortschritt dieser Länder an ihrem
Wendepunkt
großen Auftrieb geben.
Andere Interessierte Länder könnten
ebenfalls zu diesem Fortschritt beitragen.
Umfang
Die Bestrebungen werden Arbeit
mit den Regierungen Polens und Ungarns umfassen wie auch mit anderen
offiziellen und unabhängigen Organisationen in diesen Ländern, um Informationen zu sammeln und Reaktionen
auf Probleme beiderseitigen Interesses festzuhalten. Beteiligte Regierungen werden gegebenenfalls auch mit
Vertretern von IWF, Weltbank, der EGKommission und anderen multilateralen
und privatwirtschaftlichen Institutionen zusammenarbeiten.
Hierbei könnten folgende Bereiche
angesprochen werden:
notwendige Wirtschaftsreformen,
Termine und Konditionen für neue
Kredite und
konkrete Unterstützung zur Privatisierung und für Privatunternehmen, Umweltprojekte, Ausbildungsprogramme,
Netze
sozialer
Sicherheit, die auch Umstrukturierung und Wohnungswesen einschließen.
Diese Bestrebungen würde bestehende Institutionen wie die Weltbank,
den Pariser Club oder den IWF nicht
umgehen oder ersetzen.
Der nächste Schritt

Konzertierte Aktion des Westens für
Ungarn und Polen

Der Präsident wird diesen Vorschlag in Paris mit den Staats- und
2 "

�Regierungschefs der anderen Gipfelländer erörtern - mit Großbritannien,
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich, Japan, Italien und Kanada.

Ungarisch-amerikanischer
mensfonds

Unterneh-

Vorschlag
Ungarn hat eine Reihe von Schritten zum Ausbau seines Privatsektors
unternommen, der Wohlstand zum Nutzen
der gesamten Nation schaffen kann.
Auf Anregung des Präsidenten werden
die Vereinigten Staaten und Ungarn
einen "Ungarisch-amerikanischen Unternehmensfonds" ins Leben rufen.
Der Präsident bittet den Kongreß um
25 Millionen Dollar für diese Initiative.
Zweck
Der Fonds wird die Entwicklung
des zunehmenden Privatsektors fördern. Er wird autorisiert sein, Kredite in harter Währung oder Subventionen für bewilligte Projekte zu vergeben, einschließlich:
Entwicklung
des
Privatsektors
(Geschäftskredite/Fördermittel,
mögliche Einrichtung einer Entwicklungsbank für den Privatsektor),
Privatisierung staatlicher Unternehmen (zum Beispiel Hilfe für Unternehmer, sich in Staatsfirmen einzukaufen) ,

Ungarn;

Meistbegünstigungsstatus

Vorschlag
Der Präsident hat angekündigt,
mit der Verabschiedung des neuen Auswanderungsgesetzes durch das ungarische Parlament wird er den Kongreß
davon in Kenntnis setzen, daß der
Jackson-Vanik-Zusatzartikel zum Handelsgesetz von 1974 von Ungarn voll
und ganz eingehalten wird.
Ungarn
qualifiziert
sich
damit für den
Meistbegünstigungsstatus für den im
Rahmen unserer Gesetzgebung gewährten
maximalen Zeitraum, der jährlich automatisch verlängert wird.

Hintergrund
Am 26. Juni 1989 hat der ungarische Ministerrat den endgültigen Entwurf eines neuen Auswanderungsgesetzes genehmigt, der dem ungarischen
Parlament zur Verabschiedung vorgelegt werden soll.
Der genehmigte
Entwurf enthält Bestimmungen, die zur
Erfüllung der in Abschnitt 402 des
Jackson-Vanik-Zusatzartikels
enthaltenen Bedingungen zur freien Auswanderung unabdingbar sind.
Im Rahmen des Jackson-Vanik-Zusatzartikels zum Handelsgesetz von
1974 ist der Präsident befugt, die
Verweigerung des Meistbegünstigungsstatus' für Zölle an ein Land, das
Auswanderungen
maßgeblich
einschränkt, aufzuheben, wenn eine solche Aufhebung die Ziele des Zusatzartikels fördern würde.

Technische
Hilfe oder Ausbildungsprogramme, die Ungarns Privatsektor unterstützen oder von ihm geleitet werden,
Finanzierung von ganz oder teilweise privaten Exportprojekten,
Joint Ventures zwischen privaten
ungarischen und amerikanischen Investoren (zum Beispiel, indem man die
Beteiligung ungarischer Privatfirmen
an Joint Ventures fördert).

- 3 -

Im Hinblick auf Ungarn hat der
Präsident dieses Verfahren seit
1978 jedes Jahr angewandt.
Ungarn ist auf dem Wege der vollständigen Einhaltung der Bestimmungen des Jackson-Vanik-Zusatzartikels.
Ungarn wird das erste
Warschauer Pakts sein,
Auswanderung gesetzlich
hat und praktiziert und

Land des
das freie
verankert
damit die

�Bestimmungen des Jackson-VanikZusatzartikels erfüllt.
Ein regionales Umweltzentrum
dapest

4.

Obwohl das Zentrum in oder in der
Umgebung von Budapest errichtet
werden soll, besteht seine Aufgabe vornehmlich darin, staatliche
und private Gremien und Gruppen
aus Ost und West für die Bereitstellung von Mitteln und direkte
Teilnahme an den Projekten zu gewinnen.

in Bu-

Vorschlag
Der Präsident hat die Gründung
eines Umweltzentrums für 5 Millionen
Dollar vorgeschlagen, das in Budapest
errichtet werden soll.
Damit wird
die vom Präsidenten in Mainz unterbreitete Initiative in die Praxis umgesetzt, Ost- und Mitteleuropa bei
der Bewältigung ihrer Umweltprobleme
behilflich zu sein.

Zweck
Dieses Zentrum wird als Einrichtung für gemeinsame Forschungstätigkeit fungieren, in dem Experten aus
Regierung und Privatwirtschaft sowie
gemeinnützige Vereine aus den Vereinigten Staaten, West- und Osteuropa
sich mit Umweltfragen einschließlich
Energiewirtschaft und Reaktorsicherheit befaßen.

Umfang
Bei dem Zentrum soll es sich um
eine mit privaten und staatlichen
Mitteln geförderte Organisation handeln. Ihre Arbeit konzentriert sich
darauf, ein Potential von Mitarbeitern zur umfassenden Verbesserung der
Umwelt und zum Schutz von Aktivitäten
in der Region heranzubilden.
-

Verbesserung von Technologie und
Verfahren zur Reaktorsicherheit.

Austauschprogramm mit Ostmitteleuropa
Vorschlag
Der Präsident hat erweiterte und
phantasievolle Austauschprogramme gefordert. Das US-Informationsamt wird
von den für 1990 bewilligten Mitteln
6,1 Millionen Dollar zur Verfügung
stellen, um diese neue Initative zur
Unterstützung der Hinwendung zu demokratischen Werten und Institutionen
durch erheblich erweiterte Kontakte
auf wissenschaftlicher und kultureller Ebene und von Mensch zu Mensch zu
verwirklichen.
Diese
Initiative
konzentriert
sich vornehmlich auf Ungarn und Polen, erstreckt sich jedoch auch auf
andere Länder in der Region.
Im
nächsten Jahr wird das neue, staatlich geförderte Austauschprogramm bereits Hunderte von Teilnehmern haben.
Die Initiative
Aspekte:

umfaßt

folgende

Politische, gesellschaftliche und
rechtliche Institutionen

Das Zentrum verleiht Laborgeräte
und veranstaltet Seminare und andere Austauschprogramme.
Besondere Betonung wird auf folgende Probleme gelegt:

1.

Grenzüberschreitende
Umweltprobleme
2. Giftmüllentsorgung
3. Alternative,
umweltfreundliche
Energiequel1en
- 4 -

Das John Marshall-Studienprogramm
für Rechtswissenschaften.
über
50 Anwälte, Juristen und Parlamentarier besuchen die Vereinigten Staaten, um die amerikanische
Rechtsprechung und Gesetzgebung
zu studieren.
Besuche von Fachleuten des Kongresses, um die neue demokratische Gesetzgebung in Ungarn und

�Jugend,
tausch

Polen kennenzulernen.
Konsultationen von Vertretern der
ostmitteleuropäischen politischen
Parteien mit amerikanischen Parteiverbänden, um die Mechanismen
demokratischer Wahlen kennenzulernen.

Übersetzung und Verteilung von
bis zu 100 000 Büchern, Zeitschriften und Videokassetten über
das politische und wirtschaftliche System der Vereinigten Staaten in den Landessprachen.

Austauschinitiative.
Unterstützung des amerikanischen Privatsektors bei der Entwicklung von
Jugend- und anderen Austauschprogrammen in Ost- und Mitteleuropa.
Mehrere hundert amerikanische und
europäische Bürger wären in diese
intensivierte Austauschinitiative
einbezogen.

Umweltschutz und
turdenkmälern

Initiative für freie Marktwirtschaft
Alexander Hamilton-Stipendien im
Bereich
Management.
Praktika,
Aus- und
Fortbildungsprogramme
für mindestens 50 Unternehmer und
Manager.
Besuche von amerikanischen Unternehmern und Management-Experten
zur Beratung privater Unternehmen
und Genossenschaften.

Erhaltung von Kul-

Austausch von Spezialisten für
Umweltschutz und die Erhaltung
von Kulturdenkmälern.

Entsendung amerikanischer Fachleute für Recht vind öffentliche
Verwaltung an ostmitteleuropäische Forschungseinrichtungen.
Besuche
"zukünftiger
Führungskräfte" unter 30 Jahren aus Ostmitteleuropa in den Vereinigten
Staaten.
Für dieses Programm
sind ca. 100 Teilnehmer vorgesehen.

Studentenaus-

Einrichtung
von Noah WebsterLehrstühlen
für
amerikanische
Sprache und Literatur an Universitäten Mittel- und Osteuropas.

Samuel Gompers Gewerkschaftsführer-Austauschprogramme.
Reiseund Studienprogramme für Gewerkschafter in den Vereinigten Staaten.
-

Schüler- und

Vereinbarung mit Ungarn
Wissenschaft und Technik

!• Bereich

Umfang
Der Präsident hat die Absicht der
Vereinigten Staaten verkündet, mit
Ungarn ein Rahmenabkommen über Wissenschaft und Technik abzuschließen.
Wir stellen uns darunter ein breitgefächertes Programm wissenschaftlicher
und technologischer Zusammenarbeit in
Bereichen von gemeinsamem Interesse
und Fachwissen vor, etwa in Grundlagenforschung, Umwelt, Landwirtschaft,
Medizin, Energie, Geologie und Reaktorsicherheit.

Zweck
Unterstützung von Management-Ausbildungsprogrammen
und -instituten durch amerikanische Ausbilder, Lehrmittel sowie Kurzseminare. Hunderte von Management-Experten in Ostmitteleuropa würden
von diesen breitgefächerten Bemühungen profitieren.

Die Vereinbarung würde eine qualitativ
hochwertige
Zusammenarbeit
bei Forschungsprogrammen entwickeln
und umsetzen.

- 5 -

Die Zusammenarbeit
in Wissenschaft und Technik trägt Ungarns
ausgezeichnetem
wissenschaftll-

�ehern Potential Rechnung.
Die Vereinbarung ergänzt zudem
die Umweltinitiative des Präsidenten für Osteuropa durch Koordinierung von Forschungsvorhaben,
Bereitstellung des erforderlichen
Grundkapitals und Ermutigung von
Kontakten im Umweltbereich.

Die Vereinigten Staaten und die
Regierung Ungarns haben prinzipiell
vereinbart, ein Peace Corps-Programm
einzurichten, das sich primär auf die
Unterstützung ungarischer Bemühungen
zur Entwicklung und Ausweitung des
Englischunterrichts
konzentrieren
soll.
Die Aufnahme der Tätigkeit des
Peace Corps in Ungarn stellt eine
neue Ära für die amerikanischen
Freiwilligen in Übersee dar. Das
ungarische Programm, das schon im
Herbst 1989 mit der Ausbildung
für einen Einsatz Anfang 1990 beginnen könnte, hat den Englischunterricht in Budapest und allen
19 Bezirken des Landes zum Ziel.

Die nächsten Schritte
Wir erwarten in Kürze die Entsendung einer technischen Delegation
nach Ungarn, um abschließend über die
Vertragsbedingungen zu verhandeln und
detaillierte Vereinbarungen über die
Finanzierung auszuarbeiten.

Finanzierung

Die Freiwilligen

Von beiden Seiten entrichtete
jährliche Beiträge in Höhe von je etwa einer Million Dollar oder der entsprechende Betrag in ungarischer Währung würden die Umsetzung dieser Vereinbarung ermöglichen.

Heute gibt es nahezu 6 000 Freiwillige und Praktikanten in 65 Staaten Amerikas, Afrikas, Asiens und des
Pazifiks. Ungarn wird das erste europäische Land sein, in das amerikanische Freiwillige entsandt werden.

Die Vereinigten Staaten können
eine vernünftige und spürbare
Rendite erwarten, die wesentlich
über den für die Vereinigten
Staaten
entstehenden
Kosten
liegt, da ein solches Grundkapital häufig wesentlich höhere Dividenden in Form von wissenschaftlichen Innovationen und Anreizen für weitere Mittelvergabe
durch die beteiligten technischen
Behörden abwirft.

In der gesamten Welt bieten diese
Freiwilligen des Peace Corps ihre
Fähigkeiten
in
einem
breiten
Spektrum von Programmen an, darunter Gesundheit für Mutter und
Kind, Ernährung, SÜßwasserfischerei , Ausbau der Landwirtschaft,
Lehrerausbildung,
Beratung
von
Kleinunternehmen,
öffentliche
Verwaltung, Erschließung von Bodenschätzen, Energie, Ingenieurwesen und Industriedesign.

Dieses Programm wird andere mit
Polen und Jugoslawien bestehende,
wertvolle amerikanische Programme
im Bereich Wissenschaft und Technik ergänzen.

Ein Freiwilliger muß amerikanischer Staatsbürger mit einem Mindestalter von 18 Jahren sein. Es
gibt keine obere Altersgrenze,
nahezu 500 Freiwillige sind über
50.

Das
Peace
Corps
Staaten in Ungarn
Das Programm

der

Vereinigten
Ausbildung
Alle Freiwilligen werden eine
Sprach- und landeskundliche Ausbildung in Ungarn durchlaufen, bevor sie
- 6 -

�an die Schulen entsandt werden. Ein
Hauptschwerpunkt wird die Erlernung
der ungarischen Sprache sein.
Zu
Landeskunde zählen Ungarns Geschichte, Sitten- und Gebräuche sowie soziale und politische Systeme.

* * * * *

- 7-

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