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                  <text>AMERIKA DIENST

24

2 1 . Juni 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Crowe; Sowjetische Armee Immer noch schlagkräftig
- Rede an der Militärakademie in Moskau -

INFORMATION
Gephardt; Erfahren in der Gesetzgebung - Unermüdlich in Wahlkämpfen
- Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus Gray eilt der Ruf von Fairness und Pragmatismus voraus
- Porträt des neuen "Einpeitschers" der Demokraten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Warschauer Pakt mißachtet KSZE-Verpflichtungen
- Der~26. Halbjahresbericht der KSZE in Auszügen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Epidemie für den Amerikanischen Kontinent befürchtet
- WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika -

* * * * *

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�v^SJ 3 ^

^7

AMERIKA DIENST
Dokumentation

C$

21. Juni 1989

24

CROWE:

SOWJETISCHE ARMEE IMMER NOCH SCHLAGKRÄFTIG

- Rede an der Militärakademie in Moskau (Auszüge)

MOSKAU - (AD) - Trotz einseitiger Reduzierungen bedroht der "überwältigende Umfang" der sowjetischen Armee den Westen, so der Vorsitzende der vereinigten Stabschefs, Admiral Crowe, am 14. Juni 1989 vor Studenten und Ausbildern der Woroschilow-Militärakademie in Moskau. Er begrüßte aber "die angekündigten Veränderungen im Denken und in der inneren Struktur der sowjetischen
Armee" und forderte zu intensiveren militärischen Kontakten zwischen den beiden Supermächten auf.
Im folgenden Auszüge aus Crowes Rede:

Die Beziehung zwischen unseren
beiden Militärs wurde in einer Zeit
der Prüfung geboren, jener Zeit des
Zweiten Weltkrieges - Ihres großen
patriotischen Krieges - als die Vereinigten Staaten die Leih-und-PachtHilfe für die Sowjetunion fortführten.
Im Zuge dieser Zusammenarbeit
lernten amerikanische und sowjetische
Soldaten einander gut kennen, und
einige Amerikaner nahmen sogar an militärischen Operationen der Sowjets
teil.

schichte überdauert.
Die Zeit dieser unmittelbaren Zusammenarbeit war natürlich nur von
kurzer Dauer und wurde abgelöst von
der Nachkriegszeit, einer Zeit der
Konfrontation im geteilten Europa und
anderen Ländern. Doch halte ich es
für bemerkenswert, daß sogar in einer
solchen Zeit Uniformierte auf beiden
Seiten bei zahlreichen Aktivitäten
zum Abbau der Spannungen eine wichtige und konstruktive Rolle gespielt
haben.

So beschränkt uns diese Zusammenarbeit heute auch erscheinen mag, hat
doch die Erinnerung daran und an die
Achtung, die amerikanische Soldaten
ihren sowjetischen Kollegen entgegenbrachten, den Wandel der Zeit und damit auch die Wechselfälle der Ge-

- Beispielsweise wurden im geteilten Deutschland Militärmissionen
errichtet und Dialoge zwischen
den Befehlshabern der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in
die Wege geleitet; diese Kontakte.

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�bestehen bis heute fort.
- Militärangehörige
haben
ferner
bei der Einrichtung der Luftkorridore nach Berlin eine Rolle gespielt,
- bei der Verhandlung über und der
anschließenden Durchführung der
"Vereinbarungen über Vorfälle auf
See" von 1972;
- bei den Abrüstungsgesprächen und
Maßnahmen zur Risikoreduzierung,
- bei den SALT, START, und KSE-Verhandlungen in Wien,
- Bei der KSZE-Schlußakte von 1975
sowie dem Stockholmer Abkommen im
Jahr 1985,
- im Ständigen Konsultativausschuß
- und heute bei dem entscheidenden
Veriftzierungsverfahren zum INFAbkommen in beiden Ländern.
Insgesamt zeigt dieser kurze historische Abriß, daß wir trotz der
Ungleichheit der Entwicklungen in der
Vergangenheit über ein großes Kapital
verfügen, auf dem wir in der Gegenwart aufbauen können.
Täuschen wir uns nicht. Wir, die
wir versuchen, die gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen zu erfüllen, ohne dabei unsere
eigene Sicherheit zu gefährden, werden in unserer Geschichte mit großen
Herausforderungen konfrontiert. Aber
diese sollten uns weder entmutigen
noch abschrecken. Die führenden Politiker unserer beiden großen Nationen sind entschlossen, dieser Herausforderung klar ins Auge zu sehen.
Dank des politischen Mutes, den Parteichef Gorbatschow und Präsident
Reagan - jetzt Bush - demonstriert
haben, befassen sich Amerika und die
Sowjetunion heute ernsthaft mit den
großen Streitfragen, die uns trennen.
Die Armeen unserer beiden großen Länder sind nun ihrerseits gefordert,
nach Wegen zu suchen, um diese Bemü-

hungen zu beeinflussen.
Im Zuge solcher Bemühungen habe
ich letztes Jahr Marschall Achromejew
in die Vereinigten Staaten eingeladen, um unsere Armee zu besuchen und
unsere Bürger kennenzulernen.
Wir führten lange Gespräche über
unsere jeweiligen Heimatstaaten und
legten
in
einem
aufschlußreichen
Austausch unsere jeweiligen Standpunkte in Sicherheitsfragen dar.

t

Wir kamen zu einigen allgemeinen
Schlußfolgerungen:

i

Zunächst ist es unbedingt erforderlich, daß unsere beiden Militärs
nach Wegen suchen, um zu dem umfangreicheren Prozeß des Abbaus von Spannungen zwischen unseren beiden Regierungen sowie zur Förderung der Stabilisierung beizutragen.
- Wir waren beide der Meinung daß
das in der Nachkriegszeit zwischen Washington und Moskau entstandene "Mißtrauen" eines der
wichtigsten Hindernisse für verbesserte Beziehungen ist. Echte
Fortschritte erfordern, daß wir
gegenseitiges Verständnis fördern
und Möglichkeiten finden, um Ressentiments und Mißtrauen abzubauen. Es ist unabdingbar, daß jede
Seite die andere so gut wie möglich versteht und sich von Klischees und Argwohn freimacht.
Mit diesem Ziel vor Augen konnten
wir ein Programm für weitere militärische Kontakte vereinbaren.
Das Rahmenwerk sieht zwei Wege
vor:
Eine gemeinsame Arbeitsgruppe über "gefährliche militärische Aktivitäten" und einen
Zweijahresplan, der gegenseitige
Besuche von führenden Militärs,
Kriegsschiffen, Historikern, Medizinern und Sportlern vorsieht.
- In ähnlicher Weise sind der Marschall und ich übereingekomen,
daß Initiativen zur Rüstungsreduzierung für die Verbesserung unseres Verhältnisses von grundle-

{

�gender Bedeutung sind. Für den
Erfolg solcher Bestrebungen ist
die einhellige Unterstützung unserer beiden Streitkräfte notwendig.
Dabei müssen noch viele
technische Fragen besprochen werden, die nur von den entsprechenden Fachleuten gelöst werden können. Darüber hinaus ist es zwingend erforderlich, daß ausgehandelte Reduzierungen in einer Weise vorgenommen werden, die ein
angemessenes
Gleichgewicht
für
jede Seite und ein verläßliches
Sicherheitsniveau schafft.
Auch
hier wird die gesunde Urteilskraft unserer militärischen Führer besonderes Gewicht haben.
- Um schnellere Fortschritte erzielen zu können, sind wir über die
Notwendgikeit eines freien Meinungsaustauschs und eines besseren Verständnisses der Doktrin
und Ziele der jeweils anderen
Partei übereingekommen. Wir haben erkannt, daß diesen Kontakten
Grenzen gesetzt sind. Alle Länder haben von Natur aus ihre ureigensten Perspektiven, die zum
Teil auf unterschiedliche Geschichte, Geographie und strategische
Umstände
zurückzuführen
sind.
- Zum Schluß haben der Marschall
und ich anerkannt, daß die vor
uns liegenden Aufgaben sehr umfangreich sind.
Es wird viel
Zeit, Geduld, Beharrlichkeit und
Überlegung
erfordern, um alle
Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Aber es steht viel auf dem
Spiel, was diese außerordentlichen
Anstrengungen
rechtfertigt. Wir dürfen nicht, aufgeben
oder uns entmutigen lassen - in
unserem Zeitalter gibt es keine
vernünftige Alternative.
Ich persönlich bin im Hinblick
auf das Endergebnis und die positive
Rolle, die unsere jeweiligen Streitkräfte in den kommenden Jahren übernehmen können, sehr optimistisch.

Was die Zukunft unserer Beziehungen anbelangt, müssen sowohl Moskau
als auch Washington sehr vorsichtig
vorgehen, um bei den Beziehungen zwischen unseren Militärs Fortschritte
zu erzielen.
Geeignete Punkte für
Diskussionen und Austausch müssen im
Einklang mit unseren Sicherheitsinteressen und
angesichts weltpolitischer Entwicklungen sorgfältig definiert werden.
Wir waren in der Tat sehr aufmerksam, und
einige Veränderungen
treten bereits klar zutage. Von unserem Standpunkt aus nehmen wir jedoch manchmal widersprüchliche Anzeichen wahr, die hoffentlich mit der
Zeit zu unseren Gunsten gelöst werden.
In dieser Hinsicht haben die
vom Vorsitzenden Gorbatschow im vergangenen Dezember angekündigten Reduzierungen und Umstrukturierungen bei
den Streitkräften einen weiteren Hinweis darauf gegeben, was das Konzept
des "vernünftigen und ausreichenden
Verteidigungsniveaus" bedeutet. Wenn
die grundlegenden Programme zum Erfolg geführt werden, werden sie einen
wichtigen Schritt zur Lösung unseres
langfristigen
Anliegens
über
das
Übergewicht - das echte Gewicht - Ihrer Streitkräfte darstellen und insbesondere auch über ihren offensiven
Einsatz zum Beispiel bei einem Überraschungsangriff.
Sie müssen auch die Art und Weise
verstehen, wie wir die einseitigen
Vorschläge Ihrer Regierung betrachten. Unserer Ansicht nach werden die
Reduzierungen lediglich einen winzigen Teil der sowjetischen Militärmacht betreffen. Wenn sie durchgeführt werden, konzentrieren sie sich
auf Einheiten, die einen kriegsschauplatzgebundenen
Krieg
führen,
aber auch nach den vorgesehenen Reduzierungen werden Sie das größte aktive Militär der Welt besitzen und zudem bei vielen Arten von Gerät einen
größeren
Bestand
an militärischer
Ausrüstung besitzen als die NATO insgesamt.
Um es ganz deutlich zu sagen, so

- 3 -

�ist es für Amerikaner - und auch für
andere Länder - ziemlich schwierig,
sich vorzustellen, wie eine solche
massive Machtkonzentration durch berechtigte
Verteidigungserfordernisse
zu rechtfertigen ist.
Sie müssen ebenfalls unser berufsmäßiges Anliegen im Hinblick auf
die gegenwärtigen Asymmetrien im RUstungsgleichgewicht verstehen. Nehmen Sie zum Beispiel Europa. Was man
auch über die Absichten Ihrer Führer
oder den Charakter Ihrer Strategie
glauben mag, so führt doch ein einfaches Rechenexempel zu Ihren Fähigkeit unweigerlich zu dem Schluß, daß
die NATO, wenn sie die Verteidigung
Europas ernst nimmt - was ich Ihnen
versichern kann - nicht voreilig
wichtige Waffensysteme aufgeben kann
- insbesondere nicht in der Luft und
bei
den
kriegsschauplatzgebundenen
Waffen.
In ähnlicher Weise lehrt uns Ihre
ungeheure zahlenmäßige Überlegenheit,
daß wir starke maritime Fähigkeiten
haben müssen, um die Seewege offenzuhalten, potentielle Kriegsschauplätze
zu verstärken und zu halten. Es gibt
keine andere vernünftige Haltung die
wir einnehmen können. Ich bin überzeugt, daß Sie, wenn Sie an meiner
Stelle oder im NATO-Rat wären, von
denselben
Erfordernissen
geleitet
sein würden.
Mit anderen Worten - wenn diese
uns seit langem beunruhigenden Asymmetrien nicht gelöst werden, kann
vernünftigerweise nicht erwartet werden, daß Washington - und ich als
Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs - unsere Fähigkeit gefährdet,
Westeuropa zu erreichen und unseren
Verpflichtungen innerhalb der NATO
nachzukommen. In dieser Hinsicht betrachte ich den jüngsten Vorschlag
der Sowjets im Rahmen von KSE als
höchst ermutigend, da hierbei die
Gleichheitsgrundsätze
ausdrücklich
anerkannt werden. Einzelheiten müssen dabei noch gelöst werden, denn
zusammen mit Präsident Bushs jüngster
Intervention sehen wir Aussichten für

echte Veränderungen der militärischen
Landschaft in Europa und ermutigende
Stabilität.
Der gleiche Ansatz bestimmt natürlich auch unsere Erfordernisse bei
den strategischen Waffen und unterstreicht unser gesamtes Abschrekkungskonzept.
Bitte vergegenwärtigen Sie sich,
daß ich hier die amerikanische Auffassung vertrete. Ich bin mir darüber im klaren, daß Sie berechtigte
Anliegen im Hinblick auf Ihre Intentionen und Fähigkeiten lösen müssen,
was in einem Dialog geschehen muß,
daß wir mehr über einander wissen
müssen und daß beide Seiten ihre ganze Phantasie und ihr staatsmännisches
Geschick aufwenden müssen, bevor wir
eine gemeinsame Basis haben.
Damit kein Zweifel entsteht: Ihre amerikanischen Amtskollegen begrüßen die angekündigten Veränderungen im Denken und in der Struktur
beim sowjetischen Militär. Wir werden die weitere Entwicklung dieser
Veränderung genau beobachten und hoffen, daß sich diese Impulse weiter
fortsetzen. Bei diesem Besuch hoffe
ich, viel über ihren neuen Blickwinkel zur Verteidigung zu lernen. Sicherlich kann ein beständiges Programm der Kontakte dazu beitragen,
Unsicherheiten auf beiden Seiten auszuräumen.
Mir ist es ein besondere Anliegen, der sowjetischen Regierung und
dem Volk die grundlegenden Ziele der
amerikanischen Verteidigungsstrategie
darzulegen und darüber hinaus zu betonen, daß unser Ziel darin besteht,
uns einer Aggression zu widersetzen,
nicht sie zu beginnen.
Wenn wir diese Probleme angehen,
ist es wichtig, daß wir ein umfassenderes Verständnis des jeweils anderen
Systems erlangen. Um in diesem Punkt
offen zu sein, so haben die Amerikaner nur ein begrenztens Verständnis
vom Zusammenspiel Ihrer militärischen
und politischen Behörden bei der Kon-

�zeptlon sowjetischer Politik.
Wir
beobachten - wenn auch von ferne mit großem Interesse den Prozeß politischer Reformen, die sich in der
Sowjetunion heute vollziehen.
Ich
möchte mich nicht in Ihre innenpolitischen Diskussion einmischen. Tatsächlich haben meine Landsleute seit
1776 die Auffassung vertreten, daß
jede Gesellschaft das Recht hat, die
Regierungsform zu wählen, die sie für
die beste hält. Lassen Sie mich also
ein System beschreiben, daß ich sehr
gut kenne - das amerikanische - und
ihnen darlegen, wie ein Offizier das
Verhältnis des Militärs zum politischen System beurteilt.

gleichzeitig
Oberbefehlshaber
der
Streitkräfte ist. Dieses Mittel der
Verfassung spiegelt den Wunsch unserer Gründerväter wider, 'zivile Kontrolle' militärischer Operationen zu
gewährleisten und gleichzeitig eine
einzige Autorität einzusetzen, die
entschieden
und
energisch handeln
kann.

Das wichtigste Merkmal aller politischen Entscheidungen in der amerikanischen Regierung ist Pluralismus, das heißt, es gibt bei jeder
wichtigen Entscheidung viele Stimmen.
Das trifft insbesondere im Bereich
der Sicherheit zu, wo die Beteiligung
der Zivilbevölkerung sehr stark ist.
Am bemerkenswertesten ist die zu jeder wichtigen Frage stattfindende öffentliche Diskussion.

Aber entscheidend dabei, ist, daß
sowohl der Präsident als auch der
Kongreß vom Volk gewählt sind. Im
amerikanischen System bedeutet zivile
Kontrolle demokratische Kontrolle des
Militärs.
Der
Präsient
hat die
Macht, gegebenenfalls schnell zu handeln, aber das Volk kann sein Urteil
hinterfragen, ihn zur Rechenschaft
ziehen und ihn bei Bedarf kritisieren.

Die Lage wird dadurch noch komplizierter, daß die amerikanische
Verfassung unserem Kongreß verschiedene wichtige Machtbefugnisse überträgt, zum Beispiel die Verantwortung, Verträgen zustimmen, die Armee
und die Marine zu mobilisieren und zu
unterstützen, Reserven zu mobilisieren und Kriege zu erklären. All dies
kann nicht der Präsident veranlassen,
sondern nur der Kongreß. Das heißt,
wichtige Entscheidungen zur Verteidigung werden nicht nur in einem Prozeß
getroffen, der komplex und gründlich,
sondern auch formell und offen ist.
Die Autorität des Kongresses in bezug
auf den Haushalt gestattet beispielsweise konstante und überall veröffentlichte Anfragen, Nachforschungen
und Untersuchungen über das, was wir
tun.
Ergänzend ist zum Verhältnis zwischen zivilem und militärischem Bereich im amerikanische System noch
anzuführen, daß unserer Präsident
- 5

Das ist jedoch keine völlig unabhängige Macht. In jedem Fall diskutieren der Präsident und der Kongreß
die Grenzen der Rechte des jeweils
anderen, insbesondere in der Außenpolitik.
Von außen erscheint dies
manchmal verwirrend.

Die demokratische Kontrolle des
Militärs ist trotz aller Mängel der
wichtigste Grundsatz des amerikanischen Systems. Nach Auffassung des
Militärs werden damit die Aussichten
verbessert, daß unsere Maßnahmen die
Zustimmung der Öffentlichkeit und ihre Legitimierung erhalten. Gleichermaßen wichtig ist die Tatsache, daß
unsere Soldaten - die Freiwillige
sind - mit den Wurzeln der Macht verbunden bleiben - unsereu Bürgern.
Da durch Wahlen sichergestellt
wird, daß unsere zivilen Behörden die
Zustimmung der Regierten genießen,
bedeutet zivile Kontrolle des Militärs nicht, daß eine Bürokratie sich
über eine andere stellt. Wie James
Madison schrieb, ist das Volk "die
reine, ursprüngliche
Quelle jeder
rechtmäßigen
Autorität".
Demokratische Politiker treffen schwierige
Entscheidungen, führen manchmal die
öffentliche Meinung an, der sie sich
manchmal auch anschließen, aber die
Tatsache, daß ihre Autorität auf die

�ausdrückliche Wahl des Volkes zurückzuführen Ist, ist ihr wertvollstes
Kapital.
Kein führender Politiker in den
Vereinigten Staaten - weder aus dem
Militär noch aus dem zivilen Bereich
- wünscht einen Krieg. Wir haben immer die Auffassung vertreten, die sowohl Präsident Reagan als auch Generalsekretär Gorbatschow haben: daß
ein Atomkrieg nicht gewonnen werden
kann und niemals geführt werden darf.
Die Bewahrung des Friedens ist die
grundlegende Mission unserer Streitkräfte, und der vorrangige Maßstab
unseres Erfolgs ist die Fähigkeit zur
Abschreckung von atomaren oder nichtatomaren Konflikten.
Ich spreche als Offizier, dessen
47 Dienstjahre die gesamte Nachkriegszeit umspannen und der auf den
höchsten Ebene europäischer und asiatischer Befehlsbereiche wie auch in
Washington gedient hat, und ich habe
niemals von irgendeinem Plan der Vereinigten Staaten erfahren, mit dem
ein Angriffskrieg gegen die Sowjetunion oder jemand anderen begonnen
werden sollte.
Tatsächlich ist es
diese Grundwahrheit, die hoffentlich
durch unsere Kontakte verstärkt werden kann, und ich spreche dabei mit
einem Vertrauen, daß sich auf unmittelbaren Kontakt mit unserer Führungsspitze wie auch mit unserem Volk
gründet.

Wenn sich die politischen Beziehungen zwischen Moskau und Washington
weiterhin verbessern, sehe ich ein
größeres Potentia] für intensivere
militärische Kontakte als in der Vergangenheit. Sie würden von der beiderseitigen Absicht geleitet, Krisenstabilität und Vertrauen in das Bestreben der anderen Seite um die Vermeidung von Konflikten zu schaffen.
Durch offene und grundlegende Diskussionen über den Charakter der militärischen
Strategie, Informationsaustausch über Fragen wie Haushaltsund Beschaffungspläne, den erweiterten Austausch von Personal, die Entwicklung von Systemen zur Verifizierung von Rüstungsreduzierungen und
die Erarbeitung Vertrauens- und sicherheitsbildender Maßnahmen, werden
wir in der Lage sein, unsere Regierungen bei der Schaffung eines insgesamt konstruktiveren Verhältnisses zu
unterstützen und damit die Aussichten
für einen Konflikt zu verringern.
Marschall
Achromejew,
General
Moissejew und ich haben bei diesem
Projekt den ersten Schritt getan. Es
wird an Ihnen und an Ihren amerikanischen Kollegen liegen, die nächsten
Schritte in die Zukunft zu unternehmen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

'VON'«*

21. Juni 1989

24

GEPHARDT:

ERFAHREN IN DER GESETZGEBUNG - UNERMÜDLICH IN WAHLKÄMPFEN

- Porträt des neuen Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus -

WASHINGTON - (AD) - Mit seiner Wahl zum Mehrheitsführer des amerikanischen
Repräsentantenhauses erklimmt der Abgeordnete Richard Gephardt die weitere
Stufe einer Leiter, die von schnellem Fortschritt und bemerkenswerten Leistungen in der Gesetzgebung gekennzeichnet war.

Dem Abgeordnete aus Missouri, der
sich im vergangenen Jahr erfolglos um
die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei
beworben hatte, eilt auf der zweitwichtigsten Position, die das Repräsentantenhaus zu vergeben hat, der
Ruf eines unermüdlichen Wahlkämpfers
- für sich und andere - voraus. Er
gilt darüber hinaus als Stratege in
der Gesetzgebung mit der besonderen
Fähigkeit, seinen Kollegen zuzuhören
und bei schwierigen Fragen den Konsens zu suchen.
Als Mehrheitsführer ist der 47jährige Gephardt Nachfolger von Tom
Foley, der den ausgeschiedenen Jim
Wright abgelöst hatte. Foley war einer der 70 Demokraten im Repräsentantenhaus, der 1988 Gephardts Streben

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nach dem Präsidentenamt
hatte.

unterstützt

In einer Stellungnahme zum Wahlkampf von Gephardt erklärte Foley:
"Der seit mehr als 16 Jahren am öffentlichen
Leben
beteiligte
Dick
Gehardt war immer seiner Zeit voraus.
Er scheint immer die Ereignisse vorherzusehen und weiß dann, was als
nächstes getan werden muß. Und dann
schafft er das auch. Er ist eine bemerkenswerte Führungspersönlichkeit."
Gephardt ist Absolvent der Northwestern University und der rechtswissenschaftlichen Fakultät der University of Michigan. Nach seinem Examen
diente er in der Missouri Air National Guard als Hauptmann und Offizier
für Rechtsfragen.
Seine politische

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�Laufbahn begann Anfang der siebziger
Jahre als Ratsherr im Stadtrat von
St. Louis.
Gephardt wurde 1976 in den Kongreß gewählt und hat seitdem jede
Wahl mit über 66 Prozent der Stimmen
gewonnen. Er ist Mitglied im Finanzausschuß und in den Unterausschüssen
für Handel und Sozialversicherungswesen. Er hat sich bei vielen wichtigen Themen wie etwa Steuerreform, Rüstungskontrolle ,
Landwirtschaft,
Welthandel und Gesundheitswesen zu
Wort gemeldet.
Von 1984 bis 1987 war Gephardt
Vorsitzender
der
Gruppe
demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Einer zu seinem Wahlkampf
veröffentlichten Biographie zufolge
war er der jüngste jemals gewählte
Amtsinhaber.
Bei seinem Präsidentschaftswahlkampf fand Gephardt besonderen Anklang bei der arbeitenden Bevölkerung
- Bauern und Automobilarbeitern -,
deren Lebensunterhalt
vom Verkauf
amerikanischer Waren im Ausland abhängt und sagte dem amerikanischen
Handelsdefizit dem Kampf an. Gleichzeitig brachte er einen Gesetzentwurf
- den vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gephardt-Zusatz - im Kongreß ein mit dem Ziel, die HandelsUberschüsse Japans, Koreas und anderer Länder abzubauen, deren Exporte
in die Vereinigten Staaten umfangreicher sind als ihre Importe.
Bei einem im Wahlkampf geführten
Interview verteidigte er seine Vorschläge als nützlich und vernünftig.
Er erklärte, nach langem, scharfen
Nachdenken und durch unermüdliches
Lernen zu seiner Position im Handel
gelangt zu sein.
"Ich bin kein Ideologe", erklärte
Gephardt, "ich habe lediglich versucht, realistisch und pragmatisch zu
handeln... Ich wünsche mir für echte
Probleme echte Lösungen."
Seine

bereits

1982

vorgelegten

Vorschläge zur Steuerreform, mit denen Lücken geschlossen und das Einkommenssteuersystem vereinfacht werden sollten, fanden in der Öffentlichkeit nur wenig Anklang. Als diese Reformmaßnahme 1986 verabschiedet
wurde, galten eher Präsident Reagan
und andere Mitglieder aus Senat und
Repräsentantenhaus als deren Urheber.
Dennoch errang Gephardt Anerkennung und Zustimmung für die Behandlung schwieriger Fragen. Ein politischer Kolumnist schrieb einmal über
Gephardt, als dieser in einem Nichtwahljahr in 30 Staaten für sich warb:
"Er kann nicht rasten und er kann
keiner Herausforderung widerstehen.
Er hat rote Haare, ein jungenhaftes
Gesicht und einen Motor, der nie
stillsteht."
Gephardt wuchs in St. Louis als
Sohn eines Milchwagenfahrers und einer Rechtsanwaltssekretärin auf. Er
war begeisterter Camper und Baseballspieler und tat sich besonders bei
den Pfadfindern hervor, wo er es bis
zum "Eagle Scout" brachte.
Seine Mutter berichtete einem Reporter bei seinem Wahlkampf: "Seit
seinem 16. Lebensjahr haben die Leute
behauptet, er würde eines Tages Präsident werden."
Der neue Mehrheitsführer ist seit
21 Jahren mit seiner Frau Jane verheiratet, mit der er drei Kinder Matthew, Christine und Katherine hat.

* * * * * *

�:e° s&gt;

AMERIKA DIENST
Information
21. Juni 1989

24

GRAY EILT DER RUF VON FAIRNESS UND PRAGMATISMUS VORAUS
- Porträt des neuen "Einpeitschers" der Demokraten -

WASHINGTON - (AD) - Als Führungskraft in der Demokratischen Partei sieht
Gray seine Aufgabe darin "zu gewährleisten, daß alle Ansichten geäußert werden
und berücksichtigt werden".

Darauf verwies der Abgeordnete
aus Pennsylvania gegenüber den Mitgliedern des für die Parteiplattform
verantwortlichen Ausschusses seiner
Partei, der 1988 die Zielsetzungen
für den nationalen Konvent der Demokraten formulierte. In seiner politischen Laufbahn hat Gray vielfach
Führungsrollen
übernommen, so als
Vorsi tzender des Ausschusses demokratischer Kongreßabgeordneter, als Vorsitzender des Haushaltsausschusses im
Repräsentantenhaus und Vizevorsitzender der Gruppe schwarzer Kongreßabgeordneter.
Als neugewählter "Einpeitscher" und dritthöchster Demokrat im Repräsentantenhaus - wird Gray oftmals Gelegenheit haben, die vielfältigsten
Kräfte innerhalb seiner Partei zu

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vereinigen und seinen über viele Jahre hinweg erworbenen Ruf als fairer
und pragmatischer Politiker zu verteidigen.
1985 fegte er Bedenken vom Tisch,
ein schwarzer Liberaler könne keine
ernsthaften
Haushaltseinsparungen
vornehmen und baute eine vielfältige
regionale und ideologische Koalition
auf, um den Vorsitz im Haushaltsausschuß und damit eine der einflußreichsten
und
prestigeträchtigsten
Positionen im Repräsentantenhaus zu
erlangen. Als er die Position erhielt, wurde er damit einer der ranghöchsten gewählten Vertreter unter
den Schwarzen.
Durch seine Klugheit trug Gray
erheblich zur Konsensbildung bei, und

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�er betrachtete den Haushalt als politische Stellungnahme und nicht SO
sehr als ein Mittel fiskalischer Kontrolle . Er war verantwortlich für
die Konzeption von HaushaltsresolutIonen, die von nahezu allen Demokraten im Repräsentantenhaus wie auch
von zahlreichen Republikanern unterstützt wurden.
Sein Interesse an politischen und
wirtschaftlichen
Entwicklungen
auf
dem afrikanischen Kontinent hat dazu
geführt, daß Gray kontinuierlich auf
mehr Hilfe für diese Länder drängt,
die ihrem Umfang nach dem Marshallplan zum Wiederaufbau Europas nach
dem Zweiten Weltkrieg gleichkommen
soll. Er hat als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf gefordert, mit dem eine Stiftung für die
Entwicklung Afrikas gegründet werden
soll, mittels derer amerikanische
Hilfe direkt in afrikanische Dörfer
weitergeleitet werden kann. Darüber
hinaus übernahm er beim Problem der
Sanktionen gegenüber der Apartheid in
Südafrika eine Führungsrolle und war
an der Entwicklung der amerikanischen
Haltung beteiligt.

der Zwischenzeit war er Pfarrer in
verschiedenen
Gemeinden
und wurde
nach dem Tod seines Vaters 1972
Pastor von Bright Hope.
Durch seinem Kampf um die Verbesserung der Lebensbedingungen für die
Armen interessierte sich Gray zunehmend für Politik als Kraft sozialen
Wandels. Er entschied sich 1976 zu
einer Kandidatur für den Kongreß und
verlor die Vorwahlen an den Mann, dem
er früher als Praktikant gedient hatte - Robert Nix, Zwei Jahre später
besiegte Gray Nix jedoch in seinem
überwiegend demokratischen Bezirk und
gewann seinen Sitz.
Seit diesem
Wahlkampf 1978 ist Gray alle zwei
Jahre erneut durch eindeutige Siege
in seinem Amt bestätigt worden - sogar mit 91 Prozent der Stimmen.
Gray bezeichnet sich selbst als
"Arbeitstier", er ist unkompliziert,
witzig und immer sehr liebenswürdig.
Er ist verheiratet und hat mit seiner
Frau Andrea drei Söhne.

* £ * * *

Gray wurde am 20. August 1941 in
Baton Rouge (Louisiana) als Sohn eines Priesters und Lehrers und einer
Lehrerin geboren.
Die Familie zog
erst nach Florida und später nach
Philadelphia
um, wo Grays Vater
Pastor der Baptistengemeinde Bright
Hope wurde.
Gray studierte am Franklin and
Marshall College in Lancaster (Pennsylvania) Soziologie und danach Theologie an der Drew Theological Sehool
in Madison (New Jersey). Bereits im
Grundstudium interessierte er sich
für Politik und arbeitete als Prakti&gt;kant für den Abgeordneten seines Bezirks.
Nach weiteren Studien an der University of Pennsylvania, Temple University und Oxford University bestand
er 1970 am Princeton Theological Seminary sein Examen in Theologie. In
2 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
21. Juni 1989

24

WARSCHAUER PAKT MISSACHTET KSZE-VERPFLICHTUNGEN
Der 26. Halbjahresbericht der KSZE in Auszügen -

WASHINGTON - (AD) - Das Verhalten der Warschauer Pakt-Staaten im Bereich
der Menschenrechte und menschlichen Kontakte ist nach wie vor in einer Reihe
von Fällen unbefriedigend und steht nicht im Einklang mit den Bestimmungen der
Schlußakte von Helsinki und den Madrider und Wiener Schlußdokumenten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE).
Zu dieser Schlußfolgerung gelangt der vom Kongreßausschuß für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa von Außenminister Baker im Namen von Präsident
Bush am 16. Juni 1989 vorgelegte 26. Halbjahresbericht über die "Durchführung
der Schlußakte von Helsinki".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Kapitel 1 des Berichts.

UdSSR

litischen Aktivismus stimulierte.

Die Verwirklichung der Abkommen
von Helsinki, Madrid und Wien durch
die Sowjetunion hat sich im Berichtszeitraum erheblich verbessert.

Ende des Jahres 1988 berichteten
die Sowjets von der Freilassung aller
aus politischen oder religiösen Gründen Inhaftierter, die ausschließlich
aufgrund der Artikel 70, 142, 190.1
und 227 des sowjetischen Strafrechts
verurteilt worden waren. Zuverlässige westliche Quellen gehen jedoch davon aus, daß sich noch immer einige
Personen aufgrund
dieses Artikels
entweder
in Gefangenenlagern
oder
psychiatrischen Kliniken aufhalten.
Die Sowjets hatten darüber hinaus
Verhandlungen
mit den Vereinigten
Staaten aufgenommen, um einen Mechanismus zur Überprüfung der Fälle zu
schaffen, bei denen der begründete
Verdacht
bestand, die betreffende
Person sei aus politischen Gründen

Am 15. Februar hat die Sowjetunion planmäßig ihre widerrechtliche
Besetzung Afghanistans beendet. Im
Inland hat das Streben der sowjetischen Führung nach Glasnost und
"Demokratisierung" zu einer weiteren
Öffnung der sowjetischen Gesellschaft
geführt. Bei den gerade abgehaltenen
Wahlen für den Kongreß der Volksdeputierten wurden so viele Kandidaten
wie nie zuvor gestellt, und die Wahlen waren von einer Offenheit gekennzeichnet, die in der sowjetischen Geschichte ihresgleichen sucht und po-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wegen vorgeblicher krimineller Delikte verurteilt worden.

stellten, in der Mehrzahl der Fälle
die Ausreisegenehmigung erteilt wurde. Pro Monat werden über 2 000 neue
Anträge zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten gestellt.

Trotz einiger positiver Entwicklungen ist die Durchführung der Abkommen in der Sowjetunion nach wie
vor unbefriedigend und zwar hauptDie sowjetische Regierung besächlich, weil für die meisten Vertrachtet die Verbreitung von Inforbesserungen noch der institutionelle
mationen weiterhin als Instrument, um
Rahmen oder eine feste gesetzliche
die öffentliche Meinung auf den Kurs
Grundlage geschaffen werden muß. Der &gt; der aktuellen Politik zu bringen. Im
Entwurf neuer Gesetze zur Anpassung
Rahmen von Perestojka und Glasnost
der sowjetischen Rechtsgrundlagen an
verfügen die offiziellen Medien jeden internationalen Standard im Bedoch jetzt über etwas mehr Spielraum
reich der Menschenrechte liegt hinter
bei der Entscheidung was veröffentdem Terminplan zurück. Gesetzentwürlicht werden soll. Infolgedessen gefe zur Presse- und Meinungsfreiheit,
ben die Journalisten und Zeitungen
zu Gerichten, sozialen Organisationen
heute ein sehr viel breiteres Spekund Auswanderung werden ebenso wie
trum an Meinungen wider als in der
ein neues Strafgesetz erst im weiteVergangenheit. Mitte Dezember hatten
ren Verlauf des Jahres erwartet.
die Sowjets alle Störungen westlicher
Menschenrechte sind in der SowjetRundfunksendungen eingestellt.
union also immer abhängig von der jeweiligen Politik und nicht eine geIm Berichtszeitraum war die Zusetzlich verankerte Angelegenheit.
sammenarbeit bei Austauschprogrammen
in den Bereichen Kultur und Bildung
insgesamt gut, obwohl sich Anzeichen
Das
Nationalitätenproblem
hat
bemerkbar machten, daß die Ausweitung
sich in den vergangenen 6 Monaten
bilateraler Austauschprogramme allverschärft.
Gewaltakte führten zur
mählich zu Lasten der sowjetischen
Verhängung des Ausnahmezustands in
Infrastruktur geht...
großen
Teilen
von
Armenien
und
Aserbeidschan und zu scharfem Vorgehen gegen nationale Aktivisten. In
anderen Regionen - insbesondere den
Rumänien
baltischen Staaten, aber auch in der
Ukraine, Georgien und der MoldauDie augenfälligste Bekundung der
ischen SSR - tolerierte Moskau wachPolitik Rumäniens im Hinblick auf
sende nationale Selbstbestimmung, obseine KSZE-Verpflichtungen erfolgte
wohl in jüngster Zeit die Sorge über
am Ende des Wiener Folgetreffens im
"Extremisten"
und
"ültrareformer"
Januar, als Rumänien das Schlußdohervorgehoben wurde, die Grundfesten
kument akzeptierte, jedoch bekanntdes sowjetischen Sozialismus und "Ingab, sich nicht an die Verfügungen zu
ternationalismus" angreifen...
halten, gegen die es zuvor Einspruch
erhoben hatte. In den seit Ende des
Wiener Treffens vergangenen Monaten
In der sowjetischen Politik der
hat die rumänische Regierung wiederFamilienzusammenführung konnten erholt Versuche abgewehrt, den im Wiehebliche
Verbesserungen
beobachtet
ner Schlußdokument festgelegten Mewerden, obwohl immer noch Probleme
chanismus der menschlichen Dimension
bestehen.
Die Zahl der jüdischen
auszuüben.
Auswanderer blieb so hoch wie im vergangenen Berichtszeitraum und einer
Reihe
jüdischer Dissidenten wurde
Was die generelle Politik Rumänach langer Zeit endlich die Ausreiniens zu den laufenden KSZE-Verpflichtungen anbetrifft, so hat die
segenehmigung erteilt.
Es hat den
rumänische Regierung im BerichtszeitAnschein, daß jüdischen Auswanderern,
raum die Vertrauens- und sicherheitsdie zum ersten Mal einen Antrag

k

t

.
\

�bildenden Aspekte der KSZE weiterhin
aktiv unterstützt und besondere Betonung auf die ersten sechs Artikel
der
Schlußakte
von Helsinki als
Schlüsse]elemente
ihrer
Innen- und
Außenpolitik gelegt. In den meisten
anderen Bereichen blieb die Bilanz
der rumänischen Regierung weit hinter
ihren KSZE-Verpflichtungen zurück...
Im Bereich der Religionsfreiheit
konnten keine Verbesserungen beobachtet werden, und die Religionsausübung
wird nach wie vor von der Regierung
vorgeschrieben und kontrolliert...
Die
weitverbreitete
Besorgnis
über das Regierungsprogramm zur "Systematisierung" oder Modernisierung
der ländlichen Gebiete hält an. Dem
Plan zufolge soll nahezu die Hälfte
der 13 000 rumänischen Dörfer dem
Erdboden gleichgemacht werden, aber
bis heute ist der Abriß erst in einem
Gebiet in der Nähe von Bukarest erfolgt.
Die "Systematisierung" des
ländlichen Raums wird in Bukarest und
anderen Städten
fortgesetzt.
Die
Einwohner haben wenig oder gar kein
Mitspracherecht bei der Entscheidung
über die Anwendung von politischen
Maßnahmen und wurden gegen ihren Willen zur Umsiedlung gezwungen. Während dieses Berichtszeitraums hat die
Regierungspolitik die ethnische Identität der ungarischen, deutschen und
anderer Minoritäten weiterhin untergraben.
Rumäniens Verhalten zu Korb II
(Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Umwelt) hat sich während dieses Berichtszeitraums insgeamt nicht
verbessert. Die Aufhebung der Meistbegünstigungskausel für Rumänien trat
am 3. Juli 1988 in Kraft. Rumänien
hat die Mischung an Exportgütern etwas angepaßt, um den Verlust der
Meistbegünstigungsklausel
wettzumachen. . .
Im Bereich der menschlichen Kontakte hat sich Rumäniens Verhalten
nicht verbessert. Obwohl die Anzahl
von Personen leicht angestiegen ist,
denen die Genehmigung für einen kur-

zen Familienbesuch erteilt wurde, erhöhte sich die Zahl derjenigen, denen
die Ausreise bewilligt wurde, nicht
maßgeblich. Der amerikanischen Botschaft liegen Informationen über nahezu 2 500 in Frage kommende Antragsteller vor, die bisher noch nicht
die Genehmigung zur Auswanderung in
die Vereinigten Staaten erhalten haben.
Rumänien strebt außerhalb seiner
Grenzen ein etwas positiveres Image
an, teils indem es die Aktivitäten
der zu Besuch weilenden westlichen
Journalisten einschränkt und sie ausweist, wenn sie sich für von der rumänischen Regierung nicht genehmigte
Aktivitäten engagieren oder denjenigen die Einreise verweigert, die in
der Vergangenheit wenig Schmeichelhaftes über Rumänien zu berichten
hatten...

Polen
Unter den Warschauer Pakt-Staaten
hat Polen im Hinblick auf die generelle Einhaltung der Verfügungen der
Schlußakte
von
Helsinki
und der
Madrider und Wiener Schlußdokumente
eine etwas bessere Bilanz vorzuweisen. In dem hier behandelten Zeitraum geben die politischen Entwicklungen jedoch berechtigten Anlaß zu
der Hoffnung, daß Polen seine KSZEBilanz im nächsten Berichtszeitraum
noch weiter verbessern könnte.
Diese Entwicklungen können praktisch ausnahmslos unter dem Oberbegriff der "Gespräche am runden Tisch"
zusammengefaßt werden.
Diese Verhandlungen wurden am 6. Februar nach
monatelangen Verzögerungen für die
Dauer von 8 Wochen aufgenommen. Vertreter von Opposition und Behörden
kamen zu offenen und äußerst detaillierten Verhandlungen über die vordringlichsten
politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Probleme
zusammen, mit denen sich Polen konfrontiert sieht.
Daß das Abkommen am runden Tisch

�einen solchen
bedeutenden Schritt
nach vorne verkörpert, ist jedoch ein
Anzeichen für das ungenügende Ausmaß,
in dem Bürgerrechte zum gegenwärtigen
Zeitpunkt in Polen institutionalisiert sind. Viele der Restriktionen
heim Recht auf freie Meinungsäußerung
und der Versammlungsfreiheit in Polen
blieben im Berichtszeitraum weiterhin
gesetzlich verankert, obwohl die Änderung vieler dieser Gesetze im Verlauf der Gespräche am runden Tisch
vereinbart worden war...
Selbst wenn die Vereinbarungen am
runden Tisch in Polen generell anerkannt würden, wäre die Verwirklichung
des Abkommens immer noch eine Herausforderung. Eine Vielzahl unabhängiger Faktoren - vornehmlich in der
krisengeschüttelten polnischen Wirtschaft - bergen das Potential, die
vollständige Verwirklichung der Bestimmungen des Abkommens zu durchkreuzen oder sogar zu verhindern.

Ungarn
Verglichen mit anderen Warschauer
Pakt-Staaten weist Ungarn insgesamt
eine relativ gute Bilanz der Einhaltung von Prinzipien der Schlußakte
von Helsinki und der Schlußdokumente
von Madrid und Wien auf. Im untersuchten Zeitraum wurden alles in allem bedeutsame weitere Fortschritte
bei der Menschenrechtssituation in
Ungarn erzielt.
Dazu zählten der
friedliche Regierungswechsel und einige der größten von inoffiziellen
Gruppen
organisierten
friedlichen
Massendemonstrationen seit 1948. Ein
Dutzend neue unabhängige Organisationen wurde gegründet, und im Berichtszeitraum wurden drei politische Pai—
teien wieder zugelassen.
Zusammenkünfte der Opposition und Aktivitäten
der 'Samisdat' fanden - zumeist ohne
staatliche Einmischung - weiterhin
statt.
Die Nationalversammlung hat dem
Entwurf einer neuen ungarischen Verfassung zugestimmt, die das im Jahr
1949
verabschiedete
Dokument
der

Stalin-Ara ersetzen soll.
Darüber
hinaus hat sie wichtige neue Gesetze
über das Recht auf Versammlungsfreiheit und Streiks gebilligt. Sie unternimmt Schritte zur Erhöhung der
richterlichen Gewalt und führt eine
Reihe neuer Gesetze über Gewerkschaften, politische Parteien und die
Presse ein.
Ein
drastisch
liberalisiertes
Paßgesetz hat 1988 den Ungarn 11 Millionen Reisen ins Ausland und dreimal
soviele Reisen nach Österreich ermöglicht.
Negativ zu verzeichnen ist die
Intervention der Polizei in einer Uberwältigenden
Demonstration
ihrer
Macht, mit der sie am 15. November
die Demonstration der Opposition zur
Unterstützung der Flüchtlinge aus Rumänien auflöste.
Einige der heute
wahrgenommenen Verbesserungen bei den
Menschenrechten können vom Regime zunichte gemacht werden, das immer noch
die wichtigsten Entscheidungen über
die künftige Rolle der kommunistischen Partei am Arbeitsplatz und bei
den Streitkräften sowie das Ausmaß
der in Ungarn zulässigen repräsentativen Demokratie debattiert.

Deutsche Demokratische Republik
In der Deutschen Demokratischen
Republik (DDR) werden weiterhin nur
geringe Fortschritte bei der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki
verzeichnet.
Wenn im Berichtszeitraum positive Entwicklungen stattfanden, so schienen diese durch ostdeutsche Versuche zur Einhaltung der
im Schlußdokument von Wien eingegangenen Verpflichtungen beeinflußt zu
sein. Die allgemeine Situation insbesondere im Hinblick auf Menschenrechte, Grundfreiheiten und Zusammenarbeit im humanitären Bereich ist jedoch weiterhin unbefriedigend, und
Verbesserungen
beispielsweise
bei
Reisen und Ausreisen in den Westen
und eine beschränkte Entspannung im
kulturellen Bereich waren begleitet
von anhaltenden Spannungen zwischen

�Evangelischer Kirche und Staat und
der zunehmenden Anwendung des Schießbefehls an der Mauer.
Ein lange erwartetes Gesetz zur
Regelung von Reisen und Ausreisen
wurde im Dezember 1988 verabschiedet
und trat am 1. Janaur 1989 in Kraft.
Nach diesem Gesetz werden Bürger nach
dem 1. Juli das Recht auf richterliche Überprüfung
von Negativentscheidungen haben.
Weiteren Mitte
März verabschiedeten Zusätzen zufolge
werden die Regelungen für private Besuche in dem Versuch gelockert, auf
vielfach geäußerte Kritik zu reagieren, der zufolge die neuen Gesetze
mehr Einschränkungen enthalten als
die der vergangenen Jahre. Im allgemeinen sind Familienzusammenführung,
Heirat mit anderen Staatsangehörigen,
Ausreisen und Westreisen für DDR-Bürger wach wie vor eher Privilegien als
Rechte, und in der DDR herrscht weithin Skepsis darüber, ob die Bestimmungen zu großzügigeren Reisen und
Ausreisen im Jahr 1989 führen werden.
Im Hinblick auf die Alarmbereitschaft der DDR an ihren scharf bewachten Grenzen und am Sektorenübergang in Berlin hat keine Entspannung
stattgefunden.
Trotz Installierung
eines
hochmodernen
Frühwarnsystems
werden vereinzelt Fälle geglückter
Fluchtversuche. . .

Tschechoslowakei
Die Situation in der Tschechoslowakei bei der Verwirklichung von KSZE
ließ in den vergangenen sechs Monaten
zu wünschen übrig. ... Trotz einiger
positiver
Entwicklungen
ereigneten
sich in diesem Zeitraum zahlreiche
Zwischenfälle, bei denen die Behörden
Gewalt und eine Reihe von gerichtlichen und außergerichtlichen Maßnahmen
wie Drohungen, Verhöre, kurze Verhaftungen anwendeten und Pässe verweigerten, um unabhängige politische,
religiöse und kulturelle Aktivitäten
zu behindern.
Das bedeutendste Ereignis in die-

sem Zeitraum waren der Prozeß und die
Verurteilung des bekanntesten Verfechters von Menschenrechten in der
Tschechoslowakei, Vaclav Havel, aufgrund von Beschuldigungen, die im Zusammenhang mit Demonstrationen in
Prag im Januar zum Gedenken an den
Selbstmord von Jan Palach im Jahr
1969 erhoben worden waren.
Havel
wurde zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.
Bei vertrauensbildenden und damit
in Zusammenhang stehenden Maßnahmen
hat die Tschechoslowakei alle Anforderungen des Stockholmer KVAE-Abkommens zur Benachrichtung einer im Februar und März dieses Jahres auf ihrem
Territorium durchgeführten militärischen Übung erfüllt. Darüber hinaus
haben die Tschechoslowaken vorab Informationen über eine militärische
Übung veröffentlicht, die wahrscheinlich nicht unter die Notwendigkeit
der Benachrichtung gemäß der KVAE
fällt.
Bedingungen für ausländische Geschäftsreisende sind immer noch weit
vom Ideal zustand entfernt.
Dennoch
könnten sich mit den in der Tschechoslowakei verfügten Reformen zum
beschränkten wirtschaftlichen Wiederaufbau einige Verbesserungen ergeben. . .
Die Tschechoslowakei
hat eine
schlechte Bilanz beim Problem geteilter Familien. Bei anderen Problemen
der Freizügigkeit lassen die Zustände
immer noch stark zu wünschen übrig.
Die Reisemöglichkeiten für Bürger der
Tschechoslowakei
haben
sich etwas
verbessert, sind aber immer noch beschränkt. Das Land führt weiterhin
scharfe Grenzkontrollen durch.
Im Berichtszeitraum waren in der
Tschecholowakei sehr geringe sichtbare Verbesserungen bei der Verbreitung von gedruckten, gefilmten und in
Radio und Fernsehen gesendeten Informationen zu verzeichnen.
Insgesamt
gab es weiterhin relativ starke bilaterale Beziehungen in den Bereichen
Kultur und Bildung, was teilweise auf

- 5 -

�die Verwirklichung eines bilateralen
Abkommen über einen Austausch in den
Bereichen Kultur, Bildungswesen und
Wissenschaft zurückführen ist, das im
April 1986 geschlossen und 1988 erneuert wurde.

Bulgarien
Bulgarien verweigert seinen Bürgern weiterhin bestimmte Menschenrechte und Grundfreiheiten und beschränkt den Fluß von Informationen,
errichtet
weiterhin
gesetzliche
Schränken für die Freizügigkeit im
In- und Ausland, behindert die Versammlungsfreiheit
und verfolgt die
Mitglieder verschiedener unabhängiger
Menschenrechtsgruppen durch Maßnahmen
wie Schikanen, Verhaftung und Verbannung und tatsächliche Ausweisung.
Die
Ausübung
des
islamischen
Glaubens wird verhindert, und Bulgarien erkennt weiterhin die Existenz
der im Land stark unterdrückten türkischen Minderheit nicht an...
Bulgarien hat weitere wirtschaftliche Reformmaßnahmen mit dem Ziel
einer Dezentralisierung und größerer
wirtschaftlicher
Freiheit
verfügt.
Anhaltende
Wirtschaftsprobleme,
wie
etwa ein steigender Schuldenberg in
harter Währung haben das Interesse
der Regierung an der Erweiterung von
Handels- und
Geschäftskontakten
mit
dem Westen entfacht . . .
Bulgariens
generell
kooperative
Haltung und ein andauernder Prozeß
bilateraler Konsultationen führte zur
Lösung einer Reihe von der amerikanischen Botschaft bekannter Fälle geteilter Familien . . . Gesetzliche Beschränkungen über Reisen und Ausreisen blieben jedoch bestehen und führten zu immer neuen Fällen. Trotz der
steigenden Zahl ins Ausland reisender
Bulgaren bleiben Gesetze über die
Ausstellung von Pässen im Berichtszeitraum ein unerfülltes Versprechen.
Die bulgarische Regierung dokumentierte größere Offenheit mit der

- 6

Veröffentlichung
sozialer
Probleme
wie Drogenabhängigkeit, Prostitution
und Jugendkriminalität.
Seit Dezember 1988 wird Radio Free Europe nicht
mehr gestört, türkische Rundfunksender jedoch weiterhin blockiert.
In
jüngster Zeit haben Schriftsteller,
Künstler und andere "Intellektuelle"
erstmalig auf Kongressen offene und
lebhafte Diskussionen über eine Reihe
heikler Themen geführt.
Andererseits
diszipliniert
das
Regime nach wie vor diejenigen Mitglieder der Presse, die sich über die
von der Regierung abgesteckten Grenzen hinaus auf Glasnost berufen und
führt eine aktive Propagandakampagne
gegen Dissidenten und erklärte Mitglieder der Intelligenz! ja des Landes . . .

* * * * *

•

�AMERIKA DIENST
\ l G N

^

Wissenschaft und Technik
21. Juni 1989

24

AIDS-EPIDEMIE FÜR DEN AMERIKANISCHEN KONTINENT BEFURCHTET
- WHO-Experten vergleichen Situation mit Afrika -

WASHINGTON - (AD) - Gesundheitsexperten der Pan-Amerikanisehen Gesundheitsorganisation (PAHO), einer Sektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO),
prognostizieren eine "massive" AIDS-Epidemie für die Länder des amerikanischen
Kontinents. Sie könnte, wie auch die Fachzeitschrift "New England Journal of
Medicine" kürzlich warnte, durchaus den Umfang annehmen, wie er bereits in Afrika zu beobachten ist.

Aufgrund der vorliegenden Daten
kann man Marjorie Anderson Clifford
von der statistischen Abteilung der
PAHO zufolge die Zahl der Infizierten
mit 2,5 Millionen beziffern. "Bis
zum Jahr 1992 dürfte eine AIDS-Erkrankung bei einer halben Million
Menschen zum Ausbruch gekommen sein",
erklärte sie.
Laut Dr. Jonathan M. Mann, Direktor der Weltgesundheitsorganisation
in Genf, wurden weltweit bisher etwa
250 000 Krankheitsfälle registriert.
Fünf bis zehn Millionen Menschen sind
bereits Träger von AIDS-Viren. Die
meisten gemeldeten Erkrankungen verzeichnen
die Vereinigten Staaten,
Brasilien, Uganda
und Frankreich.
Auch Mexiko, Kanada, Haiti und die
Dominikanische Republik stehen weit

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oben auf der Liste.
Gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl ist Ms. Clifford zufolge
die Erkrankungsrate auf den Bahamas,
in Trinidad-Tobago, auf den Bermudas
und in Honduras alarmierend hoch.
Eines der schwierigsten Probleme bei
der Ermittlung der genauen Zahl von
AIDS-Erkrankungen in Entwicklungsländern, sind irrige Vorstellungen und
Tabus im Bereich der Sexualität.
Beispielsweise sei dem aggressiveren
Partner eines homosexuellen Paares
nicht klarzumachen, daß er homosexuell ist, so daß Wissenschaftler,
die statistische Erhebungen in Ländern wie Haiti vornehmen, irreführende Angaben bekommen.
Ms. Clifford
schätzt, daß die 1850 in Haiti registrierten AIDS-Fälle nur etwa ein

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�Fünftel der tatsächlichen Zahl manifester Erkrankungen ausmachen. "Und
dies gilt meines Erachtens überall in
der Karibik und in den übrigen zentral- und südamerikanischen Ländern",
meinte sie. "Man kann sich vorstellen, was all dies für die bereits angespannte Haushaltssituation der meisten Regierungen in der Region bedeutet. AIDS wird zweifellos die Volkswirtschaft dieser Nation aufs Schwerste belasten. Mehr als drei Jahrzehnte wirtschaftlicher und sozialer
Entwicklung dürften buchstäblich ausgelöscht werden, weil die Regierungen
dieser Länder Entwicklungsgelder zur
Abdeckung der Gesundheitskosten aufwenden müssen."
Die PAHO unterstützt mittel- und
langfristige Programme, um der Ausbreitung von AIDS entgegenzuwirken.
Aufklärung und Information in Wort
und Schrift, vor allem auch Vorträge
mit Bildvorführungen bei der häufig
leseunkundigen Landbevölkerung sind
wichtige Punkte. Sie soll in die Lage versetzt werden, AIDS-Symptome wie
geschwollene Lymphdrüsen, Durchfall,
Nachtschweiß, trockener Husten, Erschöpfung, Fieber und Gewichtsverlust
zu erkennen. "Solche Symptome können
natürlich auch Hinweise auf andere
Erkrankungen wie z.B. auf Tuberkulose
sein", meinte Ms. Clifford.
"Aber
die Leute sollten zumindest wissen,
wann sie einen Arzt aufsuchen müssen."

Große Sorge bereitet der WHO und
der PAHO die Übertragung von AIDS auf
Neugeborene durch ihre Mütter, die
häufig vielleicht gar nicht wissen,
daß sie Virusträger sind und bei denen sich womöglich auch nie die Erkrankung in vollem Umfang entwickelt.
So würden sie immer wieder Babies zur
Welt bringen, diese sterben sehen und
glauben, so sei nun einmal der Lauf
der Welt, sagte Marjorie Clifford.
Der finanziellen Förderung zahlreicher Projekte, mit denen man die Ausbreitung von AIDS in der ganzen Welt
aufhalten will - etwa durch amerikanische und kanadische Organisationen wie die Kanadische Internationale
Entwicklungsbehörde und die US-Behörde für Internationale Entwicklung
(A.I.D.) - gebühren große Anerkennung.

* * * * * *

�</text>
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