<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2098" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2098?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T03:04:10+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2109">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2ae9c89e2890f96f5029335b78a5479b.pdf</src>
      <authentication>6227ae2763ddffd2d2b0e7a271f066d1</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10563">
                  <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst
30. Mai 1989

Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
GEORGE BUSH,
in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,
30. Mai 1989

* * *

Baker:

Gipfeltreffen hat Geschlossenheit der NATO bekräftigt
- Pressekonferenz in Königswinter -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�30. Mai 1989

Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
GEORGE BUSH,
in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,
30. Mai 1989

Herr Bundeskanzler,
und Herren,

meine

Damen

Deutschland
Bündnisses.

und

des

Atlantischen

Ich hätte mich über meinen ersten
Besuch als Präsident hier zu jedem
Zeitpunkt gefreut, denn ich habe Ihr
wunderbares Land schon häufig besucht. Und stets waren meine Frau
und ich von der uns entgegengebrachten Freundlichkeit beeindruckt.

Über vier Jahrzehnte hinweg haben
sich diese Ereignisse gegenseitig positiv beeinflußt.
Heute ist eine
NATO ohne ein demokratisches Deutschland kaum vorstellbar. Denn die Geschichte
Ihrer Republik
war und
bleibt ein Erfolg, der seinesgleichen
sucht. Ebenso ist eine Bundesrepublik ohne die NATO kaum vorstellbar.
Denn dieses Bündnis war und bleibt
eine Zitadelle der Freiheit im Zentrum der amerikanischen Außenpolitik.

Dieser Besuch hat jedoch eine besondere Bedeutung. Er fällt nämlich
mit zwei Jahrestagen zusammen, die
für unsere beiden Länder von großer
Tragweite sind:
Dem 40. Jahrestag
der
Gründung
der
Bundesrepublik

Die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen in der Nachkriegszeit ist eine Geschichte entschlossener und starker Verbündeter,
die durch die Werte des Glaubens, der
Familie, der Menschenrechte und der

es ist uns eine große Ehre, hier
in diesem prachtvollen Saal vom Bundeskanzler und Ihnen allen so herzlich empfangen zu werden.

�Demokratie verbunden sind. Und wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Banden, die unsere Demokratien miteinander verknüpfen. Ein gemeinsames Engagement für die Sache
des Friedens - auch darin sind wir
vereint - und in dem Wissen, daß die
Einheit des Westens für diese Sache
von zentraler Bedeutung ist.
Im Jahr 1989 sind wir unseren
Zielen Frieden und europäische Aussöhnung näher als je zuvor seit Gründung der NATO und der Bundesrepublik.
Aber wir werden sie nur verwirklichen, wenn wir die Grundsätze aufrechterhalten, die unsere Freundschaft und das Atlantische Bündnis
über vierzig Jahre hinweg geleitet
haben.
Der Wind des Wandels weht in Osteuropa, auch in der Sowjetunion.
Dies geschieht
teilweise deshalb,
weil Gorbatschow eingesehen hat, daß
unsere Gesellschaft im Gegensatz zu
seiner funktioniert.
Wir begrüßen
diesen Wandel und sind bereit, über
die Politik des Containment hinaus
eine Politik zu verwirklichen, die um
die Integration der Sowjetunion in
die
internationale
Staatengemeinschaft bestrebt ist. Wir fühlen uns
durch die Veränderungen in Osteuropa,
insbesondere in Polen und Ungarn, ermutigt. Um tiefgreifende wirtschaftliche und politische Reformen zu fördern, werden wir mit einer aktiveren
Einbeziehung der Regierungen und Völker Osteuropas antworten.
Und wenn Hoffnung auf ein Ende
der Teilung Europas besteht, dann
deshalb, weil wir vierzig Jahre lang
zur Verteidigung unserer Freiheit bereit waren.
In Zukunft müssen wir aus der
Vergangenheit lernen. Diese Vergangenheit lehrt uns, daß die Aufrechterhai tung einer starken Verteidigung
die größte Hoffnung auf eine Aufhebung der Teilung und Gewährleistung
der Freiheit Europas birgt.
Denn
Frieden durch Stärke wird der Sowjetunion einen anhaltenden Anreiz bieten, ihre Sicherheit durch Demokrat!-

sierung und Wirtschaftsreform zu festigen. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten haben die gemeinsame
Vision eines weniger militarisierten
Europas, in dem sich nicht länger
diesseits und jenseits von Stacheldraht und Mauern große Armeen gegenüberstehen. Aus diesem Grunde habe
ich gestern beim NATO-Gipfel meine
Initiative zur konventionellen Rüstungskontrolle vorgelegt. Wir streben ein Europa ohne Schranken an, das
durch freie Märkte und Demokratie
vereinigt ist.
Und es ist mir eine Ehre, heute
abend eine Neuigkeit ankündigen zu
dürfen. Schon bald werden Bürger der
Bundesrepublik Deutschland, die als
Touristen
oder Geschäftsleute die
Vereinigten Staaten besuchen, kein
amerikanisches Visum mehr benötigen.
Dies ist ein kleiner Beweis für die
immer engeren Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern.
Vor vierzig Jahren war die Welt
vom vielleicht besten Beweis für
Deutschlands Mut beeindruckt. Er ist
vielfach als "Wiege deutsch-amerikanischer Freundschaft" bezeichnet worden. Natürlich spreche ich hier von
der Berliner Luftbrücke.
Zusammen
haben wir als Verbündete den Kräften
der Tyrannei
widerstanden.
Heute
müssen und werden wir erneut zusammenstehen.
Einzeln können wir keinen Erfolg
haben.
Zusammen können wir nicht
versagen. Und in diesem Sinne bitte
ich unsere Gäste, ihr Glas zu erheben,
- Auf die Bundesrepublik Deutschland am 40. Jahrestag ihrer Gründung und auf die deutsch-amerikanische Freundschaft,
- Auf das dauerhafteste Bündnis in
der Geschichte der Menschheit,
- Auf die Gesundheit meines Freundes und Kollegen, Bundeskanzler
Kohl.
* * * * * *

�30. Mai 1989

BAKER:

GIPFELTREFFEN HAT GESCHLOSSENHEIT DER NATO BEKRÄFTIGT
- Pressekonferenz in Königswinter -

KÖNIGSWINTER - (AD) - In einer Pressekonferenz während des Besuchs von USPräsident Bush in der Bundesrepublik Deutschland hat der amerikanische Außenminister James Baker am 30. Mai 1989 erklärt, der NATO-Gipfel am 29. und 30.
Mai 1989 in Brüssel habe "bewiesen, daß in der NATO Geschlossenheit herrscht".
Baker ging insbesondere auf Bushs neue Abrüstungsinitiative ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Pressekonferenz im Wortlaut:

Außenminister Baker:
Ich möchte zunächst eine kurze Erklärung abgeben und werde danach gerne Ihre
Fragen beantworten. Wir haben gerade
ein sehr produktives Gipfeltreffen
abgeschlossen, das erste dieser Präsidentschaft.
Wie Sie wissen, hat
der Präsident davon gesprochen, daß
wir in dieser Zeit grundlegenden Wandels
in unseren Beziehungen zur
Sowjetunion über die Politik des
Containment
hinausgehen
sollten.
Meines Erachtens haben wir jetzt eine
Grundlage für die Bewältigung dieses
Wandels.
Dieser Gipfel hat unter Beweis
gestellt, daß in der NATO Geschlossenheit herrscht.
Wir haben eine
Initiative im Bereich der Rüstungskontrolle erlebt. Wie wir schon frü-

her erklärt hatten, haben wir schon
seit geraumer Zeit politische und
wirtschaftliche Erfolge zu verzeichnen. Die Werte des Westens setzen
sich durch.
Und heute können wir
auch eine Initiative in der Sicherheitspolitik anbieten.
Frage:
Herr Außenminister. was
haben die Amerikaner - vom amerikanischen Standpunkt aus betrachtet aufgegeben, um heute diese Übereinkunft (zu den Kurzstreckenraketen SNF) zu erzielen?
Antwort:
Nun, ich würde es
nicht so ausdrücken, obwohl jede Vereinbarung ein Kompromiß ist. Wie Sie
wissen, haben wir zu dieser Frage vor
dem Brüsseler Gipfel über zwei Monate
hinweg Gespräche geführt.
Während

�dieser Diskussionen haben die Vereinigten Staaten ihre Bereitschaft zu
verstehen gegeben, den Stationierungsbeschluß zu vertagen - Produktion und Stationierung des LanceNachfolgesystems bis Ende 1991, Anfang 1992 - sowie die Bereitschaft,
Verhandlungen über SNF grundsätzlich
zu akzeptieren.
Wir hatten dies bereits vor unserer Ankunft in Brüssel angedeutet.
Wir mußten einen Weg für eine Sprachregelung finden, mit der keiner der
von uns bewahrten Grundsätze verletzt
würde.
Ich möchte diese Grundsätze
hier erwähnen, da sie durchaus von
Interesse sein könnten.
Wir wollten die Position bewahren, daß wir trotz einer eventuellen
Bereitschaft zu Verhandlungen nach
einem gewissen Zeitraum und vorbehaltlich bestimmter Bedingungen bei
solchen Verhandlungen keine Null-Lösung, keine totale oder vollständige
Beseitigung dieser Raketen anstreben
werden.
Wir haben diese Position
aufrechterhalten.
Ferner wollten wir nicht in die
Lage kommen, verhandeln zu müssen,
bevor wir mit der Verwirklichung
eines Abkommens über die konventionellen Streitkräfte beginnen.
Und
dies kommt auch größtenteils in der
Sprachregelung zum Ausdruck.
Und drittens wollten wir keine
Zweifel daran aufkommen lassen, daß
ein Abkommen über die konventionellen
Streitkräfte verwirklicht werden müßte, bevor wir mit der Umsetzung von
im Rahmen eines Abkommens über Kurzstreckenraketen vereinbarten Reduzierungen beginnen können.
Gibt es dazu eine Zusatzfrage?
Frage: Ja. War das nicht von
Anfang an die Position der Vereinigten Staaten, daß Sie nicht vor einem
Abkommen über konventionelle Streitkräfte über die SNF verhandeln würden?
Antwort:

Das

ist

richtig.
- 2

Nicht, bevor die Durchführung eines
Abkommens über die konventionellen
Streitkräfte in greifbare Nähe gerückt ist. Was wir hier erreicht haben, ist eine Erklärung
derzufolge
wir keine Verhandlungen über atomare
Kurzstreckensysteme aufnehmen werden,
bevor nicht die Umsetzung des Abkommens über die konventionellen Streitkräfte eingeleitet worden ist. Ich
kann dies selbst nicht als große Veränderung interpretieren.
Frage:
Herr Außenminister, das
klingt so, als sei alles schon vor
langer Zeit klar gewesen, aber es
gibt zumindest einen Bericht, demzufolge der Präsident mit den Ergebnissen der strategischen Bestandsaufnahme überhaupt nicht zufrieden war, daß
er in den letzten Tagen von einigen
Vertretern des Pentagon und einigen
zivilen Mitarbeitern eine neue Bestandaufnahme angefordert hat, die
dann ziemlich rasch zusammengestellt
wurde und daß das, was er dann auf
dem NATO-Gipfel vorgelegt hat, das
Produkt dieser Überprüfung gewesen
sei...

^

Antwort: Das ist einfach nicht
zutreffend. Das ist gänzlich falsch.
Frage: Was ist denn geschehen?
Antwort: Was meinen Sie damit?
Die Ausgangsfrage betraf die Kurzstreckensysteme. Worüber möchten Sie
sprechen? Konventionelle...
Frage:
Lassen Sie mich deutlicher werden. Hat der Präsident in
letzter Minute einige wichtige Korrekturen an seiner Bewertung, was die
Vereinigten Staaten im Hinblick auf
diese Raketen und die Truppenreduzierung
tun
könnten,
vorgenommen?
Mulroney und andere wurden ja augenscheinlich etwas davon überrascht.
Antwort:
Ich möchte dazu sagen, daß zwar eine Beziehung zur
Durchführung
besteht, beide Dinge
aber voneinander getrennt sind. Die
Initiative
zu den konventionellen
Streitkräften wurde innerhalb einer

v,

�sehr kleinen Gruppe dieser Administration diskutiert, und dies begann
schon in den ersten Tagen dieser Administration.
Das Abkommen über die atomaren
Kurzstreckensysteme ist mit den Fragen der Modernisierung und Verhandlungen verbunden. Die Gespräche über
dieses Thema haben wir mit unseren
Verbündeten im Rahmen meiner ersten
Reise in die NATO-HauptStädte im Februar aufgenommen. Beide Dinge wurden
auf getrennten Wegen verfolgt und waren in keiner Weise miteinander verbunden.
Frage:
War dies
tens kein Wendepunkt?

Ihres

Erach-

Antwort:
Nein, die Vorschläge
über konventionelle Streitkräfte sind
bereits in den Anfangstagen dieser
Administration
von
einer
kleinen
Gruppe in dieser Regierung erörtert
worden.
Frage:
Herr Außenminister, ist
es keine Frage der Auslegung verschiedener Parteien, ob jemals eine
Null-Lösung bei den Kurzstreckenraketen ausgehandelt werden kann?
Antwort:
Nein, es ist keine
Frage der Auslegung. Meiner Ansicht
nach ist der Begriff "teilweise" klar
definiert und bedeutet keine vollständige Beseitigung. Aber dabei muß
es nicht bleiben. Das ist in Paragraph 48 der Vereinbarung festgelegt.
Wenn Sie sich darüber hinaus Paragraph 45 - insbesondere den letzten
Satz - ansehen, so wird darin Bezug
auf die betroffenen Nuklearstreitkräfte genommen, und es werden land-,
see- und luftgestützte Systeme angeführt, einschließlich der "landgestützten Raketen unter den gegenwärtigen Bedingungen und soweit in Europa gegebenenfalls erforderlich ist".
Dazu können Sie auch Paragraph 63
prüfen. Unserer Meinung nach liegt
es also auf der Hand, daß es keine
Null-Lösung geben wird.

Frage:
Ja, aber wie sieht es
in Zukunft aus?
"Gegebenenfalls"
kann auch nur ein paar Jahre bedeuten.
Antwort:
Wenn Sie eine Ankündigung von mir wünschen, daß es keine
ausdrückliche Erklärung gibt, derzufolge dies nicht von unbegrenzter
Dauer ist, werde ich diese nur zu
gern abgeben. Aber Tatsache ist, daß
abgebrochene Verhandlungen kein Ei—
gebnis zulassen, das zu einer NullLösung führt oder diese Raketen vollständig beseitigt.
Frage:
Könnten Sie uns noch
etwas über die Verhandlnugen der vergangenen Nacht berichten, die sich
auf den "teilweisen" Aspekt konzentrierten und eine dritte Null-Lösung
ausschlössen. Sollte damit der Bundesregierung
ein
etwas
größerer
Spielraum zugestanden werden. Können
Sie uns etwas dazu sagen?
Antwort: Es sollte nicht in so
harten Worten ausgedrückt werden,
weil diese Worte der Bundesregierung
gegenüber zu stark sind.
Und aus
diesem Grunde haben wir uns auf diese
Sprachregelung geeinigt.
Frage:
Herr Außenminister, zurück zu der Frage der Überprüfung.
Viele von uns haben die Reden des
Präsidenten in den vergangenen Wochen
gehört und dabei vernommen, wie er
mit dem Wort "Vorsicht" umgegangen
ist. Er hat über Besonnenheit gesprochen. Und jetzt haben wir einen
ganz eindeutigen Vorshlag, der sich
von seinen Reden sehr zu unterscheiden scheint. Die Frage, die wir uns
jetzt stellen, lautet, ob hier eine
Kursänderung zu beobachten ist?
Antwort:
Nein, dies ist keine
Kursänderung. Besonnenheit und Realitätssinn werden weiterhin Leitlinien
dieser
Beziehungen
bleiben.
Aber die Tatsache, daß der Präsident
einen eindeutigen Vorschlag unterbreitet hat, bedeutet keineswegs eine
Abkehr von Besonnenheit und Realitätssinn, wenn Sie den Vorschlag eingehend betrachten. Dieser Vorschlag

�schafft ein Gleichgewicht bei der gesamten
Bandbreite
konventioneller
Waffen, außer den Seestreitkräften,
die davon nicht betroffen sind. Er
schafft einen Gleichstand angesichts
des ungeheuren Ungleichgewichts, der
dem Ostblock Vorteile verschafft.
Wenn wir also über Reduzierungen
sprechen - über die Reduzierung um
29 000 Soldaten, oder wenn wir den
Abbau von 750 oder 800 Kampfflugzeugen erörtern, müssen wir uns vor Augen führen, welche viel umfangreicheren Reduzierungen der Ostblock vornehmen muß. Es bandelt sich hierbei
um 300 000 Soldaten und Tausende von
Flugzeugen. Das ist keineswegs ein
unbesonnener Vorschlag.
Frage: Sie bezeichnen dies als
Ergebnis der Überprüfung, aber nicht
als Kursänderung. Der Präsident bat
der
Überprüfung
zugestimmt,
und
selbst bekundet, es habe ...
Antwort:
Nein, das habe ich
nicht gesagt.
Der Präsident, wie
auch wir alle, war mit der Überprüfung sehr zufrieden. Diese besondere
Initiative fand auf einer anderen
Ebene statt. Sie durchlief nicht die
Dienstwege. So kann ich es am besten
erklären.
Alle mit diesen Dingen befaßten
Dienststellen in unserer Bundesregierung haben diesen Vorschlag geprüft.
Aber er wurde nicht zur allgemeinen
Überprüfung freigegeben, sondern auf
einer höheren Regierungsebene behandelt.
Frage:
Ich denke, Sie haben
zugestimmt, daß die deutsche Bundesregierung den von Ihnen und dem Präsidenten in Kennebunkport unterbreiteten
Gegenvorschlag
grundsätzlich
akzeptiert hat.
Der Präsident hat
sogar heute morgen in seiner Pressekonferenz den Begriff "eindeutig"
verwendet. Und dennoch hat die Bundesregierung ihn, als sie zuerst davon Kenntnis erhielt, zurückgewiesen.
Es wird vielfach behauptet, SNF-Gespräche könnten demnach möglicherwei-

se erst
im nächsten
Jahrhundert
stattfinden.
Und jetzt haben sie
denselben Vorschlag akzeptiert. Was
ist geschehen? War es der konventionelle
Rüstungskontro]lvorsch]ag
des Präsidenten oder die Tatsache,
daß die Vertreter der Bundesrepublik
sich im NATO-Rat in einer sehr kleiner Minderheit sahen oder beides?
Antwort:
Beides
stimmt
zum
Teil. Beim Gipfel gab es die Haltung, daß die Vereinigten Staaten
noch vor ihrem Eintreffen dort entgegenkommend waren. Wie ich Ihnen berichtet habe, was dies Thema einer
zweimonatigen Übung. Und viele Verbündete nahmen die Position ein, daß
wir so entgegenkommend waren, die
veränderten Bedingungen anzuerkennen,
dabei Flexiblität zu beweisen und
dennoch unsere Abschreckung zu schützen. Und viele der Verbündeten waren
wohl der Ansicht, daß wir diesen Ansatz verfolgt hatten.
Das war jedoch nicht der einzige
Grund. Ich bin der Meinung daß die
Initiative über konventionelle Rüstungskontrolle Eingang in die deutsche Denkweise gefunden hat, obwohl
sie dazu selbst befragt werden sollten. Aber die Tatsache, daß wir eine
Initiative und damit einen Rüstungskontrollvorschlag über konventionelle
Streitkräfte unterbreitet haben, der
zumindest die Möglichkeit eines Abschlusses vor Jahresfrist zuläßt,
wird jetzt auch von ihnen erwogen.
Frage:
Herr Außenminister, Sie
haben erklärt, daß keine Kursänderung
stattgefunden hat, aber hat nicht
eine Veränderung im Denken des Präsidenten stattgefunden? In seiner Rede
in Texas am 12. Mai schien er die Betonung auf eine Reibe von einseitigen
Schritten zu legen, die die Sowjets
unternehmen sollten, einschließlich
eines einseitigen Truppenabbaus vor
einem Schritt unsererseits, und in
seinem Vorschlag gestern hat er von
beiderseitigen
Reduzierungen
gesprochen.
Antwort:

Ich

denke,

es

gibt

�4

immer noch Schritte, die er zunächst
von den Sowjets vorgenommen sehen
möchte. Wir würden gern beobachten
können, daß sich das neue Denken in
vielen Teilen der Welt auch in Taten
und nicht nur in Worten manifestiert.
Sie sollten die Tatsache, daß der
Präsident einen eindeutigen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
unterbreitet hat, nicht als Kursänderung oder Richtungswechse] deuten, weil dieser Vorschlag sehr gut
für ....

*

Frage: Ich habe es als Veränderung im Denken bezeichnet.
Antwort:
Bedenken
Sie
aber
bitte: dieser Vorschlag ist für die
Vereinigten Staaten von großem Nutzen. Deshalb hat er ihn unterbreitet. Es handelt sich hierbei nicht
um etwas, was wir für die Sowjetunion
tun. Das ist von unserem Standpunkt
aus betrachtet sehr positiv.
Im
Westen wird es uns besser gehen, und
wir werden sicherer sein, wenn die
Sowjets ihn akzeptieren. Und übrigens haben wir gerade davon Kenntnis
erhalten, daß Schewardnadse diesen
Vorschlag als sehr ernsthaft, positiv
und substantiell bezeichnet und darauf hingewiesen hat, er würde ernsthaft in Erwägung gezogen, und das ist
sehr gut.

i)

Frage:
Ich möchte eine kurze
Anschlußfrage stellen. Bei dem gestrigen Informationsgespräch bezeichneten Regierungsvertreter den sowjetischen Vorschlag als einen Grund dafür, daß wir jetzt von ihrer Ernsthaftigkeit überzeugt seien und dies
auch der Anlaß für die jüngste Reaktion des Präsidenten war.

J

Antwort: Sie meinen die sowjetische Antwort auf den ursprünglichen
NATO-Vorschlag zu den konventionellen
Streitkräften? Ja.
Frage: Die Antwort auf den ursprünglichen Vorschlag der NATO. Es
schien, als habe sich hier etwas bewegt.

Antwort: Richtig.
Frage: Ich meine, streiten Sie
ab, daß es keinen Wandel im Denken
oder Verhalten gab?
Antwort:
Aber nein.
Ich sage
nur, daß keine tiefgreifende Veränderung stattgefunden hat. Aber die in
diesem Zusammenhang angestellten Erwägungen des Präsidenten liegen weit
zurück und datieren noch vor der
sowjetischen Antwort auf den ursprünglichen Vorschlag der NATO zu
konventionellen Rüstungen.
Frage:
Herr Außenminister, Sie
erklären, dieses Abkommen im konventionellen Bereich könnte binnen eines
Jahres erzielt werden. Ist es möglich oder denkbar, daß SNF-Verhandlungen noch vor der Modernisierungsentscheidung im Jahr 1992 stattfinden?
Besteht da die entfernteste
Möglichkeit?
Und möchten Sie auf
diese Art und Weise Verhandlungen mit
der Sowjetunion aufnehmen?
Antwort: Das ist eine Möglichkeit. Meiner Ansicht nach ist die
Einjahresfrist
optimistisch,
aber
nicht unrealistisch.
Frage:
Möchten Sie Verhandlungen dieser Art mit der Sowjetunion
führen, bei denen die Modernisierungsfrage ausgeklammert bleibt und
aus diesem Grund kein Druck auf die
Sowjets ausgeübt wird, die dann denken, sie werden diese Raketen bekommen und können weiterhin ihr politisches Spiel mit der Bundesrepublik
treiben?
Antwort:
Verhandlungen
aufzunehmen, bedeutet noch lange nicht,
daß man nachgibt. Und die Entscheidung über die Modernisierung fällt im
Jahr 1992. Wir sprechen also von
einem Zeitraum von 14 bis 17 Monaten.
Abgesehen davon sind hier Bestimmungen enthalten, denen zufolge unsere
derzeitigen Streitkräfte auf dem neuesten Stand gehalten werden müssen,
und das werden wir tun. Diese Waffen
werden also weiterhin
stationiert

- 5 -

�bleiben.
Frage:
Aber das erfordert Mode rniserung, da sie Mitte der neunziger Jahre veraltet sein werden.
Antwort:
Mitte der neunziger
Jahre, also ungefähr 1996 - ja. Aber
wir sprechen nicht über diesen Zeitraum. Wir werden die Frage der Modernisierung im Jahr 1992 erneut
überprüfen.
Frage:
Aber um Waffen zu unterhalten, müssen sie modernisiert
werden. Trifft das nicht zu?
Antwort:
Nein, eine Modernisierung ist nicht erforderlich. Im
Augenblick unterhalten wir 88 Waffensysteme und haben bei jedem einzelnen
Gipfeltreffen vereinbart, daß diese
Systeme auf dem neuesten Stand gehalten werden. Wir halten sie instand
und auf dem neuesten Stand und das
werden wir auch weiterhin tun. In
diesem Kommunique ist nichts enthalten, das uns davon abhalten könnte.
Frage:
Besteht hier nicht ein
Widerspruch, wenn es keinen Modernisierungsbeschluß gibt?
Antwort:
Die
Modernisierung
bezieht sich auf ein neues System,
die Entwicklung eines Lance-Nachfolgesystems. Bis wir diesen Beschluß
fassen, werden wir unsere Lance-Raketensysteme auf dem neuesten Stand
halten.
Frage:
Herr Außenminister,
Präsidenten zufolge können Sie
sagen, wer dafür verantwortlich
daß das Wort "teilweise" in dem
munique unterstrichen wurde.

dem
uns
war,
Kom-

Antwort: Wir.
Frage:
Staaten?

Wir,

Antwort:
Ja
einigten Staaten.
Frage: Warum?

die
wir,

Vereinigten
die

Ver-

Antwort:
Weil wir aus dem in
der ersten Frage erörterten Grund
eine gewisse Betonung auf dieses Wort
legen wollten.
Frage:
Herr Außenminister, was
muß vor einem Modernisierungsbeschluß
geschehen?
Müssen Fortschritte bei
den Gesprächen erzielt werden? Muß
tatsächlich ein Abbau der konventionellen Waffen erfolgen?
Antwort:
Es muß genug politische Unterstützung für den Modernisierungsbeschluß der NATO im Jahr
1992 geben.
Frage: Und was wird diese Entscheidung auslösen?
Antwort:
Nun, das hängt von
den weltweiten sicherheitspolitischen
Entwicklungen ab. Wir müssen prüfen,
ob das neue Denken Bestand hat, abwarten, ob die Sowjetunion weiterhin
auf den Westen zugeht, beobachten, ob
der Osten nach wie vor einen Schritt
in Richtung
auf westliche Werte
macht. Alle diese Aspekte fließen in
das politische Kalkül ein, ob es im
Jahr 1992 ausreichende Unterstützung
für diesen Beschluß geben wird.
Frage:
Ein Vertrag über den
Abbau konventioneller Rüstungen wäre
also nicht unbedingt Voraussetzung?
Antwort:
Nein, es gibt keine
solche Bedingung oder Einschränkung.
Frage: Werden Sie sich vor der
dritten Verhandlungsrunde im September mit Außenminister Schewardnadse
treffen?
Antwort:
Bisher
beabsichtige
ich nicht, mich vor September mit ihm
zu treffen. Sie dürfen nicht vergessen, daß es sich hierbei um Entscheidungen des Bündnisses handelt. Der
Vorschlag über einen Truppenabzug betrifft amerikanische und sowjetische
Streitkräfte
und
würde
natürlich
einen bilateralen Dialog gestatten,
aber wir würden dazu sehr enge Konsultationen mit dem Bündnis bevorzugen.

�Frage:
Aber
direkter
Dialog
würde sie auch nicht unbedingt beschleunigen.
Sobald also die offizielle Sprachregelung
im September
vorliegt, könnte man wirklich Fortschritte machen?
Antwort:
Wir
würden
diesen
Vorschlag sehr gerne bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen am - wenn
ich mich richtig erinnere - 7. September - auf den Verhandlungstisch
legen. Aber hierbei handelt es sich
um ein Maßnahmenpaket.
Wir unterbreiten diesen Vorschlag nicht mit
dem Gedanken, daß der Osten sich dann
das herauspickt, was ihm gefällt und
das andere übrigläßt. Natürlich müssen noch einige Probleme gelöst werden.
Es gibt Zählvorschriften, insbesondere für Flugzeuge, aber auch
für Artillerie. Es gibt noch Fragen
bezüglich
der
Demobilisierung
und
Außerdienststellung
der
abgebauten
Truppen.
Diese Fragen bedürfen der
Erörterung, aber wir hoffen, einen
solchen Vorschlag bei der Wiederaufnahme der Wiener KSE-Verhandlungen am
7. September unterbreiten zu können.
Herr Außenminster,
dieses Gespräch.

wir

* * * * * *

danken

für

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10558">
              <text>30.05.1989</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10559">
              <text>Amerikadienst 30.05.1989 - Sonderdienst</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10560">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10561">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10562">
              <text>Tischrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;in der Redoute in Bonn-Bad Godesberg,&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;30. Mai 1989&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Baker: Gipfeltreffen hat Geschlossenheit der NATO bekräftigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz in Königswinter&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
