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                  <text>AMERIKA DIENST
%

"*"

Ä&lt;

24. Mai 1989

21
I N H A L T

DOKUMENTATION
Bush:

Vereinigte Staaten begrüßen Entstehung eines Vereinten Europas

- Rede an der Boston University -

Bush "wäre erfreut" über ein wiedervereinigtes Deutschland
- Interview des Präsidenten mit der Washington Times -

HINTERGRUNDMATERIAL
Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Übersicht -

COCOM und der Ost-West-Dialog
- Von Botschafter Allan Wendt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Umweltschäden aus dem Weltraum kartiert
- Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig -

Satellitenbrücke für medizinische Problemfälle
- USA richten Direktverbindung nach Armenien ein -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
\os

Dokumentation

^

21

24. Mai 1989

BUSH:

VEREINIGTE STAATEN BEGRÜSSEN ENTSTEHUNG EINES VEREINTEN EUROPAS
- Rede an der Boston Unlverslty -

BOSTON - (AD) - In Gegenwart des französischen Präsidenten Mitterrand hat
Präsident Bush am 21. Mai 1989 im Rahmen einer Abschlußfeier an der Boston
University erklärt, die Vereinigten Staaten begrüßten "die Entstehung Europas
als Partner bei der Führung der Welt" und seien bereit, gemeinsam "neue Konsultations- und Kooperationsmechanismen zu politischen und globalen Problemen"
zu entwickeln.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:

Als Absolventen der Boston University nehmen Sie das Diplom einer
großen
Institution
und noch etwas
mehr mit sich - das Wissen um die
Vergangenheit und Verantwortung für
die Zukunft. Schauen Sie sich unsere
Welt an.
Die Staaten unterliegen
solch
radikalen Veränderungen, daß
sich das internationale System, wie
sie es im nächsten Jahrhundert vorfinden werden, von dem heutigen so
sehr unterscheiden wird, wie die heutige
Welt
von der Zeit
Woodrow
Wilsons.
Wie werden sich die Vereinigten Staaten auf die vor ihnen
liegenden
Herausforderungen
vorbereiten?
Gerade im Hinblick auf Ihre Zukunft und nach Diskussionen und Bestandsaufnahmen
richten wir unsere
Außenpolitik darauf aus, diese Zeit
außergewöhnlicher
Veränderungen und

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Embassy of the United States of America

Chancen zu bewältigen. Ich habe ausgeführt, wie diese Administration Reformen in Osteuropa fördern wird und
wie wir mit unseren Freunden in Lateinamerika zusammenarbeiten werden.
In Texas habe ich zu einer anderen
Gruppe
von
Universitätsabsolventen
über unsere neue Haltung zur Sowjetunion gesprochen, die über eine Politik der Eindämmung hinausgeht, um zu
versuchen, die Sowjets in die internationale Staatengemeinschaft zu integrieren und ihnen zu helfen, die
Früchte
internationaler
Zusammenarbeit zu ernten.
Heute möchte ich mich jedoch der
Zukunft Europas widmen, jener Mutter
der Nationen und Ideen, die so sehr
ein Bestandteil Amerikas ist. Es ist
diesem
Anlaß
angemessen,
daß ich
dieses Forum mit einem besonderen
Freund Amerikas teile - Präsident

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Telex: 8-85432

�Mitterrand, Sie stehen beim amerikanischen Volk in besonderem Ansehen.
Ich erinnere mich gut an unser Treffen in Yorktown im Jahr 1981 aus Anlaß des 200. Jahrestages des ersten
französisch-amerikanischen Kampfs für
die Freiheit. Schon bald werde ich
in Paris mit Ihnen zusammenkommen, um
den 200. Jahrestag des französischen
Kampfs für Freiheit und Gleichheit zu
begehen.
Dies ist nur ein Beispiel für das
besondere Band zwischen unseren beiden Kontinenten. Sehen Sie sich nur
diese Stadt an. Von der alten Old
North Church bis zu Paul Reveres Heim
im Herzen des italienisch geprägten
Nordteils der Stadt und unseren berühmten,
gesangserfüllten
irischen
Kneipen - die alte und die neue Welt
sind in Boston untrennbar miteinander
verbunden.
Aber wenn wir auf die
Tradition der alten Welt zurückschauen, müssen wir auch den Blick nach
vorn auf das neue Europa richten.
Historische Veränderungen werden Ihren Werdegang und ihr Leben prägen.
Die sich in Westeuropa vollziehenden Veränderungen
sind weniger
dramatisch als diejenigen, die im
Osten stattfinden, aber sie sind deshalb nicht weniger grundlegend. Die
Nachkriegsordnung, die im Jahr 1945
ihren Ausgangspunkt
hatte, erhält
einen völlig neuen Charakter. Zwar
bleiben gewisse Grundzüge bestehen,
da unser Bündnis mit Westeuropa von
jenen zynischen Mächteallianzen der
Vergangenheit
gänzlich
verschieden
ist. Es gründet sich auf weit mehr
als die Wahrnehmung eines gemeinsamen
Gegners. Es gründet sich auf Bande
der Kultur, Blutsverwandtschaft und
gemeinsamer Werte. Während wir den
Blick auf das 21. Jahrhundert richten, sollten Amerikaner und Europäer
sich gemeinsam der Worte von Raymond
Aron erinnern, der das Bündnis als
"moralische
und
geistige
Gemeinschaft" bezeichnete.
Unsere Ideale
entsprechen denen der amerikanischen
Bill of Rights und der französischen
Erklärung der Menschenrechte.
Und
gerade weil die Ideale dieser Gemeinschaft einen solch universellen Charakter besitzen, befindet sich die

Welt heute im Umbruch.
Ein neues Jahrhundert bietet heute die Aussicht auf ein vereintes
Europa.
Wie Sie wissen, befinden
sich die Staaten Westeuropas bereits
auf dem Weg zu verstärkter wirtschaftlicher Integration mit dem ehrgeizigen Ziel, bis zum Jahr 1992
einen europäischen
Binnenmarkt zu
schaffen.
Die Vereinigten Staaten
haben häufig erklärt, sie strebten
nach der Überwindung alter Feindschaften, einer Integration Europas.
Gleichzeitig hatten einige Amerikaner
ein historisch zwiespältiges Verhältnis gegenüber einem geeinteren Europa.
Zu dieser Ambivalenz gesellte
sich Besorgnis im Hinblick auf die
Aussicht des europäischen Binnenmarkts im Jahr 1992. Aber was andere
auch immer denken mögen, diese Administration ist sich einig. Unserer
Überzeugung
zufolge
bedeutet
ein
starkes, vereintes Europa ein starkes
Amerika.
Das Bruttoinlandsprodukt Westeuropas ist etwa ebenso hoch wie das
unsere, und seine Bevölkerungszahl
übertrifft die unserige. Auf vielen
Gebieten nimmt die europäische Wissenschaft
weltweit
eine
führende
Stellung ein, Bildungs- und Ausbildungsniveau der europäischen Arbeitnehmer sind sehr hoch.
Die Vereinigten Staaten begrüßen
die Entstehung Europas als Partner
bei der Führung der Welt. Wir sind
bereit, mit der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten neue
Konsultations- und Kooperationsmechanismen zu politischen und globalen
Problemen zu entwickeln, von der
Stärkung der demokratischen Kräfte in
der Dritten Welt bis zur Bewältigung
regionaler Spannungen und Überwindung
der Teilung Europas. Ein wiederaufstrebendes Westeuropa besitzt wirtschaftliche Magnetkraft
und zieht
Osteuropa
enger
zur
Gemeinschaft
freier Nationen hin.
Eine reifere Partnerschaft mit
Westeuropa wird neue Herausforderungen an uns stellen. Sicherlich wird
es zu Auseinandersetzungen und Kon-

- 2 -

�troversen über wirtschaftliche Fragen
kommen. Die Vereinigten Staaten werden selbstverständlich
ihre Wirtschaftsinteressen
verteidigen.
Es
ist jedoch wichtig, Gegner von Verbündeten und Verbündete von Gegnern
zu unterscheiden. Welch eine Tragödie - wie absurd - wäre es, wenn
künftige Historiker den Zerfall des
Bündnisses auf Streitigkeiten über
Hormone in Rindfleisch und Kriege
über Teigwaren zurückführen würden.
Wir müssen uns alle energisch dafür
einsetzen, daß das Europa des Jahres
1992 die niedrigeren Schranken der
modernen Weltwirtschaft annehmen wird
und nicht die hohen Wälle und Wassergräben des mittelalterlichen Handels.
Letztlich beruhen unsere Hoffnungen für die Zukunft jedoch auf der
Bewahrung des Friedens in Europa.
Vor 42 Jahren hielt Außenminister
George Marshall auf der anderen Seite
des Charles River bei einer Abschlußfeier eine Ansprache, in der er einen
Plan für den Wiederaufbau Europas erläuterte. Westeuropa hat darauf heldenhaft reagiert und später zusammen
mit uns eine Partnerschaft zur gerne insaqmen Verteidigung begründet
einen Schild, den wir als NATO bezeichnen. Dieses Bündnis ist stets
von einer angeregten Debatte über den
besten Weg zur Erlangung friedlichen
Wandels geleitet worden. Die tiefere
Wahrheit besteht jedoch darin, daß
das Bündnis einen historischen Frieden erzielt hat, weil es gemeinsam
ein grundsätzliches Ziel verfolgt.
Hinder dem Schild der NATO hat Europa
bis heute 40 Jahre ohne Konflikt erlebt, die längste Friedensperiode,
die dieser Kontinent je gekannt hat.
Hinter diesem Schild sind die Staaten
Westeuropas von Not zu Wohlstand aufgestiegen - all das aufgrund der
Stärke und Entschlossenheit freier
Völker.
Da Westeuropa sich nunmehr zusammenschließt, erkennen wir, daß neue
Formen der Zusammenarbeit entwickelt
werden müssen. Wir begrüßen die sich
herauskristallisierende
Verteidigungszusammenarbeit in der neu belebten Westeuropäischen
Union, deren
Mitglieder mit uns bei der Offenhal-

tung der Seewege im Persischen Golf
zusammengearbeitet haben.
Wir begrüßen die wachsende militärische Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich. Wir
begrüßen britische und französische
Programme zur Modernisierung ihrer
Abschreckungsfähigkeit
und
ihre
Schritte zu mehr Zusammenarbeit in
diesem Bereich.
Es ist nur billig
und recht, daß die Europäer ihre Verteidigungszusammenarbeit
zunehmend
als Investititon in eine sichere Zukunft betrachten. Wir jedoch haben
ein wichtiges Anliegen anderer Natur
im Auge - eine wachsende Selbstgefälligkeit im gesamten Westen.
Sicherlich kann kaum erwartet
werden, daß Ihre Generation die Ängste der Vergangenheit teilt.
Nach
einer solch langen Friedensperiode
ist es schwer vorstellbar, daß es
auch anders sein könnte. Unsere Erwartungen in dieser sich rasch verändernden Welt können jedoch nicht so
weit vorauseilen, daß wir vergessen,
was auf dem Spiel steht. Eine gewisse Ironie ist nicht von der Hand zu
weisen. Während die Grundlagen der
kommunistischen
Gesellschaften
von
einem ideologischen Erdbeben erschüttert werden, wird der Westen durch
die Erscheinung der Selbstgefälligkeit auf die Probe gestellt.
Wir dürfen niemals vergessen, daß
zweimal in diesem Jahrhundert amerikanisches Blut in Konflikten vergossen wurde, die ihren Ursprung in Europa hatten. Wir teilen den leidenschaftlichen Wunsch der Europäer, den
Krieg für immer in das Reich ferner
Erinnerungen zu verbannen.
Gerade
deshalb ist das atlantische Bündnis
ein solch zentraler Bestandteil unserer Außenpolitik.
Aus diesem Grund
bleiben die Vereinigten Staaten dem
Bündnis und der Strategie verpflichtet, die Europa die Freiheit bewahrt
hat. Wir dürfen niemals vergessen,
daß die Erhaltung des Friedens in Europa gleichbedeutend mit der Erhaltung des Friedens für die Vereinigten
Staaten ist.
Die NATO-Politik der flexiblen
Reaktion erhält die Ankoppelung der

- 3 -

�Vereinigten Staaten an Europa aufrecht und läßt jeden möglichen Angreifer wissen, daß wir die Machtmittel einsetzen werden, die für die Abwehr seines Angriffs und die Vereitelung seiner Pläne angemessen sind.
Unser in Europa stationiertes, auf
modernem Stand gehaltenes Abschrekkungspotential im Kurzstreckenbereich
demonstriert, daß die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten untrennbar mit Westeuropa verbunden
sind und daß ein Angreifer niemals
darauf setzen kann, daß er seine
Kräfte nur mit unseren konventionellen Streitkräften messen würde. Obwohl zur Zeit große Hoffnungen auf
einen friedlicheren Kontinent bestehen, lehrt die Geschichte dieses
Jahrhunderts Amerikaner und Europäer,
ihre Bereitschaft aufrechtzuerhalten.
Während wir einen anhaltenden
Frieden anstreben, begrüße ich die
von Herrn Gorbatschow eingeleiteten
Schritte.
Wenn die Sowjets solide
und konstruktive Friedenspläne vorlegen, sollten wir das Verdienst demjenigen zubilligen, der es verdient.
Wir erleben tiefgreifende Veränderungen in der Sowjetunion, die eine
Chance auf dauerhafte Verankerung
enthalten. Gleichzeitig sind wir in
einem
Zeitalter
außergewöhnlicher
Veränderungen dazu verpflichtet, Optimismus durch Besonnenheit zu mildern.
So hat zum Beispiel der sowjetische Außenminister in der vergangenen Woche die Welt davon in Kenntnis
gesetzt, daß die Verpflichtung seines
Landes zur Zerstörung der SS-23-Raketen gemäß INF-Vertrag möglicherweise
nicht eingehalten wird. Die Sowjets
sind sich sicherlich über das Resultat einer Nichteinhaltung dieses feierlichen Vertrags im klaren. Möglicherweise bestand ihr Ziel in der
Spaltung des Westens bei anderen Fragen. Unabhängig davon ist klar, daß
das sowjetische "neue Denken" das alte noch nicht völlig überwunden hat.

in der Sowjetunion dramatische Veränderungen vollziehen, obwohl diese
noch nicht vollständig zum Tragen
kommen. Der Warschauer Pakt erhält
gegenüber dem atlantischen Bündnis
bei den Kurzstreckensystemen und Abschußvorrichtungen für Nuklearwaffen
eine Überlegenheit von nahezu 12 zu 1
und bei den Kampfpanzern von über 2
zu 1 aufrecht. Aus diesem Grund werden wir in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten Land- und Luftstreitkräfte in Europa stationieren solange
diese erwünscht und benötigt werden,
um den Frieden in Europa zu bewahren.
Gleichzeitig wird meine Administration Verhandlungen über ein weniger
militarisiertes Europa mit einem sicheren konventionellen Gleichgewicht
auf niederigerem Niveau hohe und andauernde Priorität beimessen. Unser
höchstes Ziel ist ein Frieden, der
sich auf gemeinsamen Optimismus und
nicht auf bewaffnete Lager gründet.
Im Jahr 1992 begehen wir den 500.
Jahrestag der Entdeckung der neuen
Welt.
Wir feiern dann also fünf
Jahrhunderte, nichts weniger als unsere Zivilisation an sich - die amerikanische Bill of Rights und die
französische Erklärung der Menschenrechte, die alte und ungeschriebene
Verfassung Großbritanniens und die
demokratische
Vision
von
Konrad
Adenauer und Aleide de Gasperi.
Und bei all unseren Feiern erinnern wir uns einer Tatsache - dies
ist wahrhaftig eine moralische und
geistige Gemeinschaft. Sie ist unser
Erbe. Laßt sie uns schützen. Laßt
sie uns fördern. Laßt sie uns für
unsere Kinder und die nachfolgenden
Generationen von Amerikanern und Europäern bewahren.

Ich glaube an einen überlegten,
stufenweisen Ansatz in den Ost-WestBeziehungen, weil sich wiederholende
Anzeichen darauf hindeuten, daß sich
- 4 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VL

7

"**

Dokumentation

Ä&lt;

24. Mai 1989

21

BUSH "WÄRE ERFREUT" ÜBER EIN WIEDERVEREINIGTES DEUTSCHLAND
- Interview des Präsidenten mit der Washington Times -

WASHINGTON - (AD) - In einem Exklusivinterview mit dem Chefredakteur der
Washington Times, Arnaud Borchgrave, erklärte Präsident Bush am 15. Mai
1989, die Wiedervereinigung Deutschlands sei nur "auf einer angemessenen
Grundlage" möglich. Bush bekundete ferner Zweifel über ihre baldige Verwirklichung, da die DDR hinter dem Gedankengut Moskaus und Bonns weit hinterherhinke. An dem Interview nahmen auch der Stabschef im Weißen Haus, John
Sununu, und der Nationale Sicherheitsberater, Brent Scowcroft, teil.

Zur Frage, ob westliche Nationen
die Sowjetunion in das Weltwirtschaftssystem
integrieren
sollten,
wie er es in seiner Rede der vergangenen Woche gefordert hatte, erklärte
Bush:
"Wenn ich die Unterstützung
aller westlichen Länder auflistete,
würden die meisten dieser Zielsetzung
zustimmen."
Der Präsident erklärt
ferner, bei seinem ersten Gipfeltreffen mit Gorbatschow im Laufe des Jahres werde er mögliche Erleichterungen
sowjetischer Belastungen in Osteuropa
zur Sprache bringen und gleichzeitig
die Sicherheitsinteressen der Sowjetunion bekräftigt.
Nachfolgend veröffentlichen
das Interview in Auszügen:
Frage:

Wenn

die

Politik

wir
des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Containments bei der Sowjetunion erfolgreich war und - wie Sie es vergangenen Freitag formulierten - der
größte Kampf zwischen Freiheit und
Diktatur seit dem Zweiten Weltkrieg
ausgefochten ist: Welche Vorstellungen haben Sie dann genau für Europa?
Wird es ein Kontinent sein, auf dem
die Länder Osteuropas frei, aber neutral wie Finnland sind. Deutschland
schrittweise wiedervereinigt wird und
es keine
rivalisierenden militärischen Blöcke mehr gibt?
Antwort:
In meiner Rede habe
ich über kurzfristigere Vorstellungen
gesprochen und erklärt, daß Schranken
abgebaut, die Berliner Mauer niedergerissen, ein freierer Handel zwischen Ost und West stattfinden und
sicherlich
Freizügigkeit
hervorge-

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�bracht werden soll.
Und natürlich
wünsche Ich mir eine Fortsetzung der
Demokratisierungstendenzen, wobei ich
dem Begriff Demokratisierung noch
"Freiheit" hinzufügen möchte.
Und
ich denke, wir beobachten in Polen
heute faszinierende Schritte, die
noch vor zehn - und auch vor fünf Jahren nicht möglich gewesen wären.
Und dieselben Tendenzen können wir in
Ungarn insbesondere in der Wirtschaft
wahrnehmen. Und wer weiß, wann der
Rest Osteuropas diesem Beispiel folgt
und es ebenso weit - und möglicherweise weiter - bringt.
Wenn man also Vorstellungen haben
oder erträumen sollte, was man gerne
sähe, wären das sicher mehr Freiheit
und mehr Demokratie. Wie ich in meiner Rede erklärte, sollte die Ära
Breschnew
vorüber
sein
und
die
Breschnew-Doktrin aufgegeben werden.
Wir sollten darüber hinaus die demokratischen Hoffnungen der Menschen,
wo immer sie auch leben mögen, erfüllen. Das ist einer der Gründe, warum
ich Perestrojka und Glasnost Erfolg
wünsche.
Frage:
Aber wäre dies nicht
auch eine einmalige Gelegenheit für
eigenes neues Denken, Herr Präsident? Zum Beispiel über einen Plan,
mit dem die deutsche Frage gelöst und
der Klotz Osteuropa vom Bein Moskaus
entfernt werden könnte?
Würde man
damit nicht Gorbatschows Ton treffen,
wenn auch nicht unbedingt den seines
Nachfolgers? Warum verpflichten wir
nicht die gegenwärtige Führungsspitze
auf ein neues geopolitisches Konzept,
das Gorbatschows Nachfolger nicht
aufgeben könnte?
Antwort:
Ich denke, genau das
versuchen wir zu tun. Wie ich in
meiner Rede in Hamtramck erklärte habe, haben wir Polen - und nicht nur
Polen, sondern auch anderen Ländern ein starkes Signal gegeben, daß wir
zum Entgegenkommen bereit sind, wenn
Veränderungen erfolgen. Eine differenzierte Politik ist meiner Ansicht
nach eine sehr wertvolle Politik und
auch eine viel bessere Möglichkeit,

die Erfüllung umfassenderer Vorstellungen, wie etwa Demokratisierung und
Freiheit aller Völker und Länder, zu
ermutigen.
Ich denke also, daß hier bereits
Tendenzen im Hinblick auf die von Ihnen angesprochenen Punkte bestehen,
wir aber schrittweise vorgehen.
Frage:
Sie haben die Aufgabe
der Breschnew-Doktrin erwähnt, Herr
Präsident, die ungarische Führungsspitze erklärt demgegenüber, sie sei
bereits tot und begraben. Wir beobachten unter anderem, daß die Gewerkschaft Solidarität wieder zugelassen
wird
und nichtkommunistische Vereinigungen in Ungarn neue Grundregeln
für Wahlen diskutieren... Wie viele
Feuerproben müssen noch bestanden
werden?
Antwort:
Sie müssen noch die
Probe bestehen, ob sie diese Freiheiten weiterhin zulassen können. Ich
begrüße die Tatsache, daß in Polen
keine Intervention stattgefunden hat,
aber Polen macht gerade seine ersten
Schritte auf dem Weg zur Demokratie.
Und deshalb würde ich alle Fälle einzeln betrachten und diejenigen ermutigen, die am wenigsten Macht haben,
damit sie vorankommen... Ich freue
mich, daß Gorbatschow offensichtlich
mehr Selbstbestimmung oder zumindest
mehr Neuerungen in
diesen Ländern
zuläßt.
Es wird Besorgnis darüber laut,
daß es einen Punkt geben könnte, den
zu überschreiten er nicht bereit ist,
und aus diesem Grunde bin ich der Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten
in
ihrem
Ansatz
gegenüber
Gorbatschow einigermaßen vorsichtig
sein.
Als zum Beispiel kürzlich
Außenminister Schewardnadse über eine
mögliche Aufstockung der Mittelstrekkenwaffen sprach, die unserer Ansicht
nach eindeutig eine Verletzung des
INF-Vertrages darstellen würden, habe
ich mir gesagt: Sie mögen mit ihrer
Vorsicht beim weiteren Vorgehen Recht
haben. Das war meiner Ansicht nach
aber kein gutes Zeichen.
Es gäbe

�bessere Zeichen.
Aber das hält mich nicht von dem
ab, was ich für den richtigen Weg
halte.
Ich blicke, wenn auch mit
einer gewissen Vorsicht, nach vorn.
Frage: Sind Sie nicht der Ansicht, beim Gipfel mit Gorbatschow
könnte ein Plan diskutiert werden,
mit dessen Hilfe seine Belastungen in
Osteuropa erleichtert und die Sowjetunion gleichzeitig ihrer berechtigten
Sicherheitsinteressen versichert werden könnte?
Antwort: Das könnte zwar sein,
aber meiner Ansicht nach müssen wir
bereit sein, eine Reihe regionaler
Probleme zu besprechen. Aus den uns
bekannten historischen Gründen will
die Sowjetunion Osteuropa nicht als
regionales Problem betrachten. Wenn
wir den Weg wählten, wie wir eine Belastung verringern könnten, wäre das
schon ein Unterschied zu harten Worten über eine Aufgabe ihrer Verbindungen im Warschauer Pakt.
Frage: Um noch einmal auf die
Finnlandisierung Osteuropas zurückzukommen: würden damit nicht die berechtigten Sicherheitsinteressen der
Sowjets in Osteuropa bestätigt und
gleichzeitig Osteuropa mehr Freiheiten eingeräumt?
Antwort: Es würde für uns kein
Problem darstellen, ihnen gegenüber
ihre Sicherheitsinteressen zu bestätigen, aber meiner Ansicht nach sollte dies vorsichtig und schrittweise
erfolgen.
Außerdem wäre ich etwas
vorsichtig, wie weit man dabei gehen
möchte, wenn man unser anhaltendes
Engagement für Freiheit, freie Wahlen, Pressefreiheit und andere grundsätzliche Verpflichtungen in Betracht
zieht, das nach wie vor besteht und
stark ist, was es auch bleiben soll.
Meiner Meinung nach sollte man
jedoch nicht so weit gehen, daß man
einige dieser Länder zu leichtsinnigen Schritten ermutigt und dann Ergebnisse erzielt wie 1956 in Ungarn.

Und so lassen wir Vernunft walten und
wissen, was wir wollen: wir wollen
soviel Freiheit und Demokratie wie
nötig, und bei all dem bin ich sehr
opt mistisch.
Meiner Ansicht nach sind zahlreiche Punkte auf Schwachstellen im
sowjetischen System selbst zurückzuführen, mit denen die Sowjetunion
selbst genug zu tun hat.
Frage:
Was die Schwachstellen
im sowjetischen System betrifft und
wenn die von ihnen geäußerte Zielsetzung Integration der Sowjetunion in
die Staatengemeinschaft und das Weltwirtschaftssystem heißt, so bedeutet
dies einen konvertierbaren Rubel,
GATT-Mitgliedschaft, ...
Inwieweit
obliegt den westlichen Ländern die
Pflicht, dazu beizutragen?
Antwort:
Wenn ich die Unterstützung aller westlichen Länder auflistete, würden die meisten dieser
Zielsetzung zustimmen. Aber wenn Sie
mir die Frage stellen würden, ob meiner Ansicht nach der Rubel morgen
oder in absehbarer Zukunft konvertierbar sein wird, würde ich das verneinen. Auf diese Frage könnte ich
keine positive Antwort geben. Wäre
eine konvertierbare Währung für eine
Wiedereingliederung notwendig? Diese
Frage ist eindeutig mit Ja zu beantworten. Und auch alle Teilnehmer am
Weltwirtschaftssystem würden dies bejahen.
Frage:
In welchem Umfang sind
Ihrer Ansicht nach die westlichen
Länder zu einem Beitrag verpflichtet,
um dies zu erreichen?
Antwort:
Ich würde mich freuen, wenn sie dies leisten könnten,
aber sie sollten das mit offenen Augen tun. Meiner Ansicht nach bestehen wir zu Recht auf bestimmten Beschränkungen im Hochtechnologie-Handel mit der Sowjetunion oder bei
Technologien, die unseren Vorsprung
in einigen für die Verteidigung bedeutsamen Bereichen verringern könnten. Dieses Problem im Handel zusam-

- 3 -

�men mit dem Problem der Ermahnung zur
Einhaltung der Menschenrechte und dem
Problem der Zusammenarbeit muß uns
dazu veranlassen, den Sowjets die
Notwendigkeit zur Behandlung regionaler Spannungen zu verdeutlichen.
Zusammenarbeit kann dies leisten - in
einem soliden, einigen Bündnis, zumindest im Hinblick auf Rüstungskontrolle.
Frage: Wenn man die Hochtechnologie außer acht läßt, müssen die
Sowjets nicht nur die Waren produzieren, die ihr Volk dringend benötigt,
sondern auch eine Qualität herstellen, mit der sie auf den Weltmärkten
konkurrenzfähig bleiben. Können Sie
dies Ihrer Ansicht nach allein tun,
oder muß man ihnen dabei Hilfestellung leisten?
Antwort: Wenn die Sowjets jemals zu der Meinung gelangen würden,
daß sie von uns keinen Erstschlag zu
fürchten haben, könnten sie einen wesentlich größeren Teil ihres BSP der
von Ihnen angesprochenen Produktion
zuführen. Ich denke, wir haben die
Verpflichtung, sie nicht nur durch
einseitige RUstungsreduzierungen unsererseits, sondern durch Dialoge und
gemeinsame diplomatische Anstrengungen davon zu überzeugen, daß sie aus
dem Westen
keinen Erstschlag zu
fürchten haben. Bei den Sowjets können sich auch die jüngeren Leute noch
lebhaft an Leningrad und Stalingrad
und an den Krieg erinnern, der 20
Millionen
Menschenleben
forderte.
Diese Erinnerung ist in ihren Streitkräften und bei ihren Menschen so lebendig, daß sie Mißtrauen zu den Absichten der Vereinigten Staaten hegen. Sie können sicher keinen einzigen Beweis für die Glaubwürdigkeit
ihrer Furcht vor einem Erstschlag
oder einem Angriff der Vereinigten
Staaten oder ihrer Verbündeten anführen. Aber ich denke, sie hegen immer
noch diese Befürchtungen.
Und bei
jedem Gespräch fällt der Satz: "Sie
wissen nicht, was es heißt, 20 Millionen Menschenleben zu verlieren und
eine Invasion des Landes zu erleben.
Sie sind anders. Sie leben auf der

anderen Seite der Welt." Und darauf
antworte ich, daß wir anders sind,
aber für unseren Glauben und unsere
Überzeugung
gekämpft
haben.
Ich
möchte jedenfalls, daß wir unser
Bestes tun, damit die Sowjets nicht
diesen großen Prozentsatz ihres BSP
für Waffen aufwenden.
Frage:
Mit unserer Weigerung,
über Kurzstreckenraketen zu verhandeln, geben wir uns den Anschein, in
der Materie der Atomwaffen verhaftet
zu sein, die unsere westlichen Verbündeten zunehmend als Mythos betrachten. Die Sowjetunion kann kaum
mit Osteuropa fertigwerden, ganz zu
schweigen von einer möglichen Invasion und Vereinnahmung Westeuropas.
Warum setzen wir uns also nicht die
Abschaffung der künstlichen Teilung
Ost- und Westeuropas in umfassenden
Verhandlungen zum Ziel?
Antwort:
Dazu ist es meiner
Ansicht nach noch zu früh. Ich möchte zunächst beobachten, welche Fortschritte die Länder auf der östlichen
Seite der Trennungslinie bei der Demokratisierung machen. Und wenn wir
mehr erhellende Anzeichen aus Moskau
wahrnehmen, können wir danach handeln. Aber ich denke, der Präsident
der Vereinigten Staaten wäre naiv,
wenn er so schnell handeln würde, um
dann aufzuwachen und sich in einer
schwierigen Lage zu befinden.
Und
bei den Kurzstreckenraketen werden
wir das nicht tun.
Ich bin verpflichtet, alles zu
tun, um unsere Soldaten so gut wie
möglich
zu
schützen.
Und diese
flexible Reaktion mit der Fähigkeit
zum Schutz durch Kurzstreckenraketen
ist insbesondere angesichts des enormen Ungleichgewichts im konventionellen Bereich wichtig. Ich möchte damit nicht sagen, daß niemals Diskussionen
über
Kurzstreckenraketen
stattfinden werden. Und meiner Meinung nach haben Sie recht: Die auf
der Wel*- "orherrschende Auffassung
lautet:
Warum wird darüber nicht
verhandelt.

�Wir wissen, was wir wollen. Im
konventionellen Bereich besteht ein
Ungleichgewicht - das die Sowjets beseitigen sollten.
Sie sollten den
guten Willen demonstrieren, für den
Gorbatschow soviel Lob erntet. Solange dieses ungeheure konventionelle
Ungleichgewicht existiert, kann ich
als Präsident darauf bestehen, daß
das Bündnis die mit diesen Kurzstrekkenraketen mögliche flexible Reaktion
leisten kann. Sie wollen im Gegensatz zu mir über eine dritte Null-Lösung sprechen. Bei die sem Punkt werden die Vereinigten Staaten und das
Bündnis zusammenhalten.
Frage:
Ich wollte nur darauf
hinweisen, daß zu einer Zeit, in der
jedermann über alle möglichen Themen
verhandelt, die Verweigerung von Verhandlungen den Eindruck erweckt, als
sei man gegen so selbstverständliche
Dinge wie Apfelkuchen und Mutterschaft.
Antwort: Das ist richtig. Ich
werde gefragt: "Warum sprechen sie
nicht mit Castro, warum nicht mit
Orteea?
Sie wissen, was es heißt,
mit mir über bestimmte Dinge zu sprechen. Wir sprechen mit den Sowjets.
Ich möchte sie jedoch nicht mit
Castro, Ortega und Gadhafi gleichsetzen. Die Gespräche werden weitergeführt. Ich möchte nicht diese amerikanischen Soldaten dort stationiert
haben, ohne mich in dem Bewußtsein
schlafen legen zu können, daß wir alles Notwendige tun, um sie im Falle
ausbrechender
Unruhen
schützen zu
können.
Frage: Wie lange kann ein amerikanischer Präsident den Steuerzahler wohl noch um 150 Milliarden Dollar jährlich für Verteidigung im Rahmen der NATO gegen den unwahrscheinlichsten Verteidigungsfall bitten den klassischen Fall einer sowjetischen Invasion Westeuropas?
Antwort:
Solange
wie
die
Streitkräfte der Sowjets in ihrem gegenwärtigen Umfang ausgestattet werden.

Frage
Besteht
Ihrer
Ansicht
nach die Gefahr einer Invasion?
Antwort:
Das habe ich nicht
gesagt. Sie haben gefragt, wie lang
der Zeitraum noch andauern wird, und
ich habe geantwortet: solange es ein
unannehmbares Ungleichgewicht gibt.
Und jeder Präsident, der kein starkes
und
geschütztes
Bündnis
wünscht,
macht einen naiven Fehler. Wir werden also gegenwärtig keine einseitigen Kürzungen vornehmen.
Frage:
Könnte nicht jetzt ein
vollständiger Abzug sowjetischer und
amerikanischer Streitkräfte vom europäischen Kontinent erfolgen, zumal
die Europäische Gemeinschaft 1992 mit
ihrer Bevölkerung von 320 Millionen
Menschen und einem BSP von 4,4 Billionen ein Magnet für die zunehmend
von sowjetischer Kontrolle befreiten
Länder Osteuropas wird?
Antwort: Es könnte an der Zeit
sein, zu überdenken, wie wir gemeinsam mit den Sowjets Reduzierungen
vornehmen können, sofern wir unsere
Verbündeten nicht in einem Zustand
des Ungleichgewichts zurücklassen und
wenn nicht eine Seite im Falle eines
Konflikts schneller reagieren könnte
als die andere. Dies ist meiner Ansicht nach eine aufregende Zeit für
neues Gedankengut und für Erwägungen
darüber, wie realistisch diese Möglichkeit ist. Darüber werden wir mit
den Sowjets gute Gespräche führen.
Aber ich möchte in diesem Zusammenhang die Warnung Schewardnadses anführen, der gesagt hat: Wenn wir
nicht unsere Haltung durchsetzen können, werden wir den INF-Vertrag brechen. Ich denke, daß er das gemeint
hat, auch wenn er es nicht mit diesen
Worten ausgedrückt hat. Und wenn er
das wirklich gemeint hat, müssen wir
vorsichtig sein.
Frage:
Vor
drei Jahren hat
Georgi Arbatow gesagt: Wir werden
Euch etwas Schreckliches antun und
Euch den Feind wegnehmen. Gibt uns
das keine Gelegenheit, wieder Fortschritte zu machen?

- 5 -

�Antwort:
Das ist richtig, und
genau das werden wir in unseren Gesprächen mit ihnen auch anstreben.
Tatsächlich vertrat Jim Baker die
Auffassung die Gespräche seien besser gewesen als die Presseberichte,
in denen vor allem von Gorbatschows
Absicht die Rede war, das zu tun, was
wir bereits zum großen Teil bereits
vor Jahren getan haben.
Frage: Wäre es nicht viel einfacher gewesen, zu sagen:
Vielen
Dank für den Abbau ihrer Kurzstrekkenraketen um 500, aber das sind - in
Prozenten gerechnet - lediglich vier
unserer 88 Lance-Raketen.
Antwort: Das stimmt. Und wieviele taktische Atomwaffen haben wir
bereits abgeschafft? Ich denke, etwa
2 000. Meiner Ansicht nach war die
Berichterstattung
nicht
besonders
gut.
Wir
haben
gelesen,
daß
Gorbatschow uns erneut das Terrain
streitig gemacht hat.
Wir nehmen
seine Äußerungen sehr euphorisch auf,
auch wenn ihm das Vorteile verschafft. Ich werde also darauf nicht
reagieren. Ich würde mich über Fortschritte mit den Sowjets freuen,
bringe aber nur Interesse dafür auf,
wenn er Vorschläge macht, auf die wir
bereits eingegangen sind, oder einseitige Kürzungen vornimmt, die immer
noch weit über unseren Arsenalen liegen. Das fordert keine Entscheidungen heraus, die ich als Präsident der
Vereinigten Staaten treffe.
Frage: Stimmen Sie der Auffassung zu, daß die Sowjetunion als Imperium von ihren äußeren Grenzen nach
innen bröckelt und Perestrojka mit
einem Offenbarungseid gleichzusetzen
ist? Sollte das heißen, wir lassen
die Ereignisse ihren Lauf nehmen?
Antwort:
Nein,
wir
streben
weiterhin Fortschritte mit der Sowjetunion an, und - wie ich in meiner
Rede bereits betont habe - fühlen wir
uns wohl dabei. Wir unternehmen etwas im Handel, aber ich glaube kaum,
daß wir plötzlich ein völlig demokratisches Land vorfinden werden. Die

Sowjets müssen noch viel tun, um ihre
Offenheit und ihre Reformen zu demonstrieren. Ich betrachte die Reformierung ihres politischen Systems als
ihre eigene Angelegenheit. Aber es
gibt bestimmte objektive Kriterien
bei den Menschenrechten, die etwa die
Vertreibung der Juden aus der Sowjetunion und die Verurteilung der dort
gebliebenen
Juden betreffen.
Wir
wollen ganz einfach Ergebnisse sehen.
Sie sollten etwas in dieser Hinsicht
unternehmen und nicht nur großartige
Vorschläge äußern. Ich habe ein umfassendes Ziel der Wiedereingliederung der Sowjetunion in die Staatengemeinschaft
formuliert,
und
das
sollten sie verstehen.
Wir wollen
nicht, daß sie versagen. Wir wollen
ihren Erfolg. Dick Cheney will ihren
Erfolg. Aber meines Erachtens wird
keine Außen- oder Verteidigungspolitik auf der Basis von Wünschen formuliert, sondern auf der Grundlage von
Realitäten. Die Kritiker und Journalisten sollen also ruhig ihre Salven abfeuern und schreiben, wir sollten viel mehr tun. Das wird mich
nicht überzeugen.
Dies ist kein
Starrsinn, sondern Realitätssinn.
Frage:
Wenn
Sie sagen, wir
wollen den Erfolg von Glasnost und
Perestrojka, heißt das, Sie wollen
Gorbatschow bei der Umstrukturierung
seines Systems helfen und es stärken?
Antwort:
Wir wollen dabei unsere Augen weit offenhalten.
Ich
möchte mit ihnen mehr Handel treiben,
aber ich möchte sicherstellen, daß er
im Interesse der Vereinigten Staaaten
liegt.
Ich möchte mehr gemeinsame
Rüstungskontrolle, dabei aber sichergehen, daß sie im Interesse des Bündnisses liegt. Wir wollen keine einseitigen Schritte, um dies zu ermutigen. Wir haben eine zu schwerwiegende Verpflichtung, so daß wir bei jedem Schritt sehr wachsam sein müssen.
Frage: Sie erwarten nicht, daß
sie den Weg einer Demokratie nach
westlichem Muster nehmen werden?

- 6 -

Antwort:

Nein,

nicht

ganz,

�aber ich werde durch diese Wahlen mit
zahlreichen Kandidaten ermutigt und
dann weiß ich, daß Roger Ailes dort
sein wird. Und das wird der Seite
nutzen, die er unterstützen wird.
Aber wir wollen dies ernsthaft
ermutigen. Wenn Sie mich fragen, ob
ich heute davon träume, daß dort Demokratie herrscht und die von uns als
selbstverständlich erachteten Freiheiten genossen werden, kann ich das
nur beIahen. Aber werde ich danach
meine Politik ausrichten? Nein.
Frage:
Dick Cheney hat kürzlich in einer Talkshow erklärt, er
könne sich die Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands in der Zukunft
vorstellen und diese beginne - wie
Sie gesagt haben - mit der Beseitigung der Berliner Mauer. Entspricht
das auch ihrer Ansicht?
Antwort:
Ich wäre darüber erfreut. Jeder, der zurückschaut, dann
die Gegenwart betrachtet und ein
durch eine Teilung entzweites Land
und durch politische Teilung getrennte Menschen sieht, sollte Wiedervereinigung
auf
einer
angemessenen
Grundlage
befürworten.
Das
wird
nicht unmittelbar möglich sein, weil
die
DDR
hinter
dem
Gedankengut
Gorbatschows und insbesondere Bonns
weit hinterherhinkt.
Frage:
Sie haben die sowjetische Hilfe an Nicaragua zur Feuerprobe für verbesserte Beziehungen zu
Moskau erklärt.
Sind dabei Fortschritte zu verzeichnen? Warum ist
es Ihrer Ansicht nach für Gorbatschow
wichtig, jährlich eine Milliarde Dollar für ein zerrüttetes marxistisches
System auszugeben?
Antwort:
Ich denke, das hängt
zu einem großen Teil mit der Vergangenheit zusammen.
Die gegenwärtige
sowjetische
Unterstützung
ist ein
Überbleibsel der umfangreichen Unterstützung für den treuen Freund Fidel
Castro. Aber wenn heute damit begonnen würde, hätte ich Zweifel, ob
Gorbatschow jedes Jahr eine halbe

Milliarde oder eine Milliarde in Nicaragua
investieren würde.
Sogar
Europa gelangt jetzt zu der Überzeugung, daß die Sandinisten ihrem Volk
die Demokratie verweigert haben, die
Anlaß für die Revolution war. Das
würde ich Gorbatschow zubilligen.
Wenn er heute die Mittel vergeben
müßte, würde er sicher nicht seinem
Politbüro die Ausgabe von einer Milliarde Dollar an Nicaragua vorschlagen. Die Antwort lautet also, wir
müssen ihn ermutigen, dies aufzugeben
und das auf der Grundlage der größeren Offenheit, die jetzt in seinem
Land stattfindet.
Frage:
Gibt
Fortschritte?

es

Anzeichen

für

Antwort: Das könnte sein. Ich
werde dabei nicht aufgeben. Ich denke, das ist sehr wichtig, und ich
möchte dieses Interview nutzen, um
meinen Aufruf an die Sowjetunion zu
wiederholen, sich von Nicaragua abzusetzen. Ich war kürzlich sehr beeindruckt von den Westeuropäern, die den
Sandinisten weit weniger Mittel gewährten, als gemeinhin angenommen
worden war.
Frage: Es handelte sich immerhin noch um 50 Millionen Dollar.
Antwort:
Meiner Ansicht nach
sollten sie überhaupt keine Mittel
gewähren.
Es gibt in der Region
zahlreiche demokratische Länder, die
Unterstützung verdienen. Ich begrüße
nicht die Tatsache, daß lediglich 50
Millionen Dollar gewährt wurden, obwohl Ortega um 150 Millionen gebeten
hatte.
Aber das ist immerhin ein
Fortschritt. Und wir werden weiterhin mit unseren Freunden in Europa
zusammenarbeiten, um ihnen das Problem vor Augen zu führen. Ich habe
darüber ein langes Gespräch mit Brian
Mulroney geführt und bin überzeugt,
daß wir hier Fortschritte erzielen
werden.
Frage:
Warum sind Sie offensichtlich stärker über Noriega, der
keine Operationen im Panamakanal an-

- 7 -

�gedroht hat, als über Ortegas marxistische Regierung beunruhigt, die in
der gesamten Region amerikanische Interessen untergräbt.
Antwort: Darüber bin ich nicht
stärker beunruhigt, aber es hat ein
Ereignis
mit
umwäüzender
Wirkung
stattgefunden. Es gab eine Wahl, die
unter den Augen des Volkes und der
ganzen Welt zunichte gemacht wurde.
Und es besteht noch ein weiterer Unterschied. Dort gibt es 40 000 amerikanische Bürger, viele amerikanische Soldaten und immerhin die Interessen des Kanals zu vertreten.
Diese Kriterien unterscheiden sich
von denen in Nicaragua. Was die Mißachtung der Menschenrechte betrifft,
so bestehen große Ähnlichkeiten.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1-7

^

Hintergrundmaterial

C&amp;

24. Mai 1989

21

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 18. Mai 1989
vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, amerikanische Truppenpräsenz in
Europa, die START-Verhandlungen sowie Sanktionen gegen den Einsatz oder die
Verbreitung chemischer Waffen.

Sowjetische Erklärungen schüren
SNF-Kontroverse innerhalb der NATO

Entwicklung eines Ersatzes
Lance-Rakete weiterverfolgt.

Die anhaltende Kontroverse innerhalb der NATO über das Problem der
nuklearen Kurzstreckenraketen
(SNF)
in Europa entbrannte in dieser Woche
erneut aufgrund jüngster Erklärungen
der sowjetischen Führungsspitze über
einseitige Truppenreduzierungen und
neue Raketen.

Außenminister
Baker
nannte
Gorbatschows Vorschlag "einen sehr,
sehr
bescheidenen Schritt . . wenn
man sich die Tatsache vor Augen
führt, daß die NATO im Laufe der
letzten zehn Jahre diese Waffen einseitig um 2 400 reduziert hat".

Am 11. Mai 1989 kündigte Generalsekretär Gorbatschow an, die Sowjets
würden vor Ende dieses Jahres 500
Kurzstreckenraketen
verschrotten.
Darüber hinaus erklärte Außenminister
Schewardnadse, Moskau würde eine eigene neue Kurzstreckenrakete entwikkeln oder die im INF-Vertrag vereinbarte Verschrottung der SS-23 aufgeben, wenn die NATO ihre Pläne zur

United States Information Service
Embassy of the United States of America

für

die

Baker verwies darauf, die Sowjets
"bewegen sich auf uns zu" und sie
reagierten auf die amerikanische Forderung nach einseitigen sowjetischen
Reduzierungen der Kurzstreckenraketen, im Rahmen derer sie mit der Zerstörung von 2 400 Waffen durch die
NATO gleichziehen sollen.
Verteidigungsminister Cheney bemerkte, die Sowjets "verfügen in Ost-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�europa über so viele Versteckmöglichkeiten, daß 500 eine kümmerliche Zahl
ist." Gorbatschows Angebot betrifft
lediglich 5 Prozent der 10 000 sowjetischen Kurzstreckenraketen.
Cheney
zufolge macht Schewardnadses Vorschlag zu möglichen sowjetischen Reaktionen auf Ersatz für die Lance-Rakete keinen Sinn.
"Das ist kein
ernsthafter Vorschlag. Er zielt vor
allem darauf ab, im Bündnis Unfrieden
zu stiften."
Der stellvertretende Sprecher des
Außenministeriums, Richard Boucher,
erklärte:
"Unserer
Ansicht
nach
liegt eine besondere Ironie darin,
daß die Sowjets mit einem Bruch des
INF-Vertrags drohen, um bei den Kurzstreckenraketen Druck auf den Westen
auszuüben, zumal sie diese Raketen
gerade erst modernisiert haben und
gegenüber dem Westen mit 12 zu 1 im
Vorteil sind."
Baker hob hervor, daß die Sowjets
bei den INF-Verhandlungen einer Beseitigung der SS-23 zugestimmt hätten
und "es ist niemals der Vorschlag unterbreitet worden ... daß die Vereinigten Staaten oder die NATO ihre
Kurzstreckenraketen
nicht auf dem
neuesten Stand halten sollten."
Der ehemalige RUstungskontrollberater der Reagan-Administration, Paul
Nitze, schlug in einem am 14. Mai in
der Washington Post erschienenen Artikel vor, die Vereinigten Staaten
sollten sich unter folgenden Bedingungen zu Verhandlungen mit den Sowjets über SNF bereitfinden:
- die
Bundesrepublik
Deutschland
stimmt zu, "weiterhin ihre traditionelle
Position
einzunehmen,
daß sie eindeutig gegen die vollständige Beseitigung von Kurzstreckenraketen ist",
- die Regierung Kohl stimmt zu, die
Vereinigten Staaten in ihren Bestrebungen um "gleiche Obergrenzen wie die Sowjets" bei SNF zu
unterstützen, "die auf einem Niveau erheblich über Null (vorzugsweise bei den Reichweiten von

200 bis 300 Meilen) liegen", und
- das NATO-Bündnis würde seine Unterstützung für die gesamte Initiative bekunden.
Der frühere Beamte im Pentagon,
Richard Perle, sprach sich für ein
weltweites Verbot von SNF aus. In
einem am 13. Mai 1989 mit der New
York Times geführten Interview erklärte Perle, ein Verbot solle nur
ausgehandelt werden, wenn der Westen
seine atomaren Artilleriegeschoße behält und seine Fähigkeit zur Führung
nuklearer Luftangriffe gegen Ziele am
Boden verbessert.

Bush: SDI sollte als Option beibehalten werden
Am 12. Mai 1989 erklärte Präsident Bush, die Zielsetzung der Vereinigten Staaten bei der Strategischen Verteidigung "besteht in der
Erhaltung unserer Option zur Stationierung moderner Verteidigungssysteme, wenn diese fertiggestellt sind."
Diese Äußerung wurde vom Leiter
der Organisation zur Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI0), Generalleutnant George Monahan, bekräftigt, der den Senat am 11. Mai davon
unterrichtete, die Zielsetzung des
Programms zur Verteidigung gegen ballistische Raketen "bleibt unverändert
bestehen". Monahan zufolge erfordert
die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) die Entwicklung sowohl
Weltraum- als auch landgestützter Bestandteile eines strategischen Verteidigungssystems .
Er erklärte, eine Entscheidung
über die mögliche Stationierung einer
ersten Phase des Programms könne in
drei bis vier Jahren getroffen werden.
"Wir müssen jedoch flexibel
bleiben und uns die neueste Technologie zunutze machen."
Der Leiter der SDIO betonte, daß
jede der in den kommenden vier Jahren
durchgeführte Erprobung von SDI mit
einer engen Interpretation der Be-

�Stimmungen des ABM-Vertrages im Einklang stünde.
Monahan beschrieb den vorläufigen
Plan für die erste Phase:
- 1991: Entwicklung
eines neuen
Sensors zur Überwachung und Zielverfolgung wird in vollem Umfang
aufgenommen.
- 1994: Entwicklung der FUhrungsund Kontrolleinrichtungen wird in
vollem Umfang eingeleitet.
- 1998: Entwicklung wuchtabhängiger Abwehrflugkörper wird begonnen.
- 1999:
Verschiedene Bestandteile
des Systems würden erstmalig stationiert.
Nach der ersten Phase fordern
Monahan zufolge die Pläne eine Stationierung modernerer Abfangraketen
mit gebündelter Energie, wie etwa
"neutrale Teilchenstrahlwaffen sowie
Weltraum- und landgestützte Laser".
Der Leiter der SDIO sprach über
den wertvollen Beitrag, den eine neue
Technologie
namens
"Brilliant
Pebbles" für das Programm leisten
könnte. Bei diesem Konzept würden wenn es verwirklicht wird - Tausende
kleiner Raketen im Abstand von 250
bis 300 nautischen Meilen im Weltraum
stationiert, mit infraroten und ultravioletten Sensoren sowie mit einem
Laserradar ausgerüstet werden, das
den Abschuß ballistischer Raketen
entdecken kann. Die Raketen würden
bereits abgeschossene Raketen zerstören.
Monahan zufolge steht eine Bewertung der Leistungsfähigkeit und der
Kosten des Konzepts der "Brilliant
Pebbles" noch aus. Eine Reihe von 12
Erprobungen in der Entwicklung ist
für das Haushaltsjahr 1992 vorgesehen.
"Zügiger Verlauf" der Gespräche über
konventionelle Streitkräfte möglich

Runde der Wiener Verhandlungen über
Konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) erklärte ein hochrangiger Vertreter des Außenministeriums am 16.
Mai 1989, die Vereinigten Staaten
seien optimistisch, daß die Verhandlungen einen "zügigen Verlauf nehmen
können".
Der
Unterabteilungsleiter
für
Europäische und Kanadische Angelegenheiten im Außenministerium, Charles
Thomas, erklärte, in zwei bis drei
Jahren könne ein Ost-West-Abkommen
abgeschlossen werden, da beide Seite
"dies schnell vorantreiben wollen".
Die Position beider Seiten über
die Anzahl der auf jeder Seite erlaubten Panzer und Schützenpanzer ähnelt sich, Thomas zufolge könnten bei
den letztgenannten noch "Definitionsprobleme" bestehen. In einigen Punkten gibt es bei Artillerie, Mannschaften und Flugzeugen noch Unstimmigkeiten.

Bush fordert Vertrauen im Luftverkehr
In einer poitischen Grundsatzrede
schlug Präsident Bush vor, die Himmel
West- und Osteuropas für unbewaffnete
Uberwachungsflüge zu öffnen.
Diese vertrauensbildende Maßnahme
des Präsidenten für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ist eine
moderne Version von Präsident Dwight
Eisenhowers Politik des "Offenen Himmels".
Obwohl Überwachungsmissionen
im allgemeinen von modernen Satelliten durchgeführt werden können, haben
die Vereinigten Staaten diesen Vorschlag zur symbolischen Demonstration
ihrer Offenheit unterbreitet und um
aus der Sowjetunion ein Signal für
das Engagement für Offenheit zu empfangen.
Amerikanische Rüstungskontrollexperten haben Flüge als Mittel zur
Überwachung eines einseitigen Abzugs
sowjetischer Truppen und militärischen Geräts aus Osteuropa.

Zum weiteren Verlauf der zweiten
- 3 -

�Lehman zum ACDA-Dlrektor ernannt
Außenminister Baker nahm am 12.
Mai 1989 Botschafter Ronald Lehman
den Amtseid ab, mit dem dieser 10.
Direktor des Amerikanischen Amtes für
Rüstungskontrolle und Abrüstung wurde. Beide befanden sich im Flugzeug
des Außenministers auf der Rückkehr
von Informationsgesprächen mit den
NATO-Verbündeten in Brüssel.

Israel will beim Verbot chemischer
Waffen in den Vereinten Nationen
aktiv werden
Israel hat seine Absicht bekundet, im nächsten Monat bei der Konferenz der Vereinten Nationen in Genf
Beobachterstatus zu erlangen, die mit
der Ausarbeitung eines Vertrags zum
Verbot der Herstellung und des Besitzes chemischer Waffen befaßt ist. An
der Abrüstungskonferenz
nehmen 40
Länder teil, 23 Nichtmitglieder werden bei der nächsten Sitzung Beobachterstatus haben.

In einem Artikel der New York
Times vom 14. Mai 1989 wird dazu
Elisa Harris von der Brookings Institution in Washington zitiert: "Israel muß eine aktive Rolle übernehmen, wenn die arabischen Länder die
Verhandlungen ernst nehmen sollen."
Zur gleichen Zeit haben die Vereinigten Staaten die Verhaftung des
Vorstandsvorsitzenden
der
Imhausen
Chemie für seine umstrittene Hilfe
beim Bau einer Chemiewaffenfabrik in
Libyen begrüßt. Der stellvertretende
Sprecher
des
Außenministeriums,
Richard Boucher, erklärte am 11. Mai
1989, diese Entwicklung "ist ein weiteres Zeichen dafür, daß die Bundesregierung es mit der Beendigung der
Beteiligung deutscher Firmen an der
Verbreitung chemischer Waffen ernst
meint.

* * * * * *

4 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

24. Mai 1989

21

COCOM UND DER OST-WEST-DIALOG
- Von Botschafter Allan Wendt -

Der Autor dieses Artikels ist ein hochrangiger Beauftragter für strategische Aspekte Technologiepolitik im amerikanischen Außenministerium. Dem Artikel liegt eine Ansprache Botschafter Wendts zugrunde, die erstmalig in der
diesjährigen Mai-Ausgabe von World Link erschien, einer für die Teilnehmer
des jährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforums in Davos erstellten Publikation.

- (AD) - Keine Abfolge von Ereignisse hat in den letzten Jahren
weltweit soviel Interesse und soviele
Hoffnungen geweckt wie die jüngsten
Ereignisse in der Sowjetunion. Im
geistigen und kulturellen Leben der
Sowjetunion finden zukunftsträchtige
Veränderungen statt. Die sowjetische
Presse liest sich immer interessanter. Mit der Unterzeichnung des INFVertrages, dem Abzug
sowjetischer
Truppen aus Afghanistan und dem Vorschlag zur Reduzierung einer halben
Million Soldaten der sowjetischen
Streitkräfte beobachten wir neue Ansätze in der Außenpolitik.
Welche
Politik sollte also der Westen gegenüber dem Komitee zur Koordinierung
der Ost-West-Handelspolitik
(COCOM)
angesichts dieser Veränderungen verfolgen?

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Woher rühren diese Veränderungen?
Zunächst einmal ist eine neue Führungsspitze an der Macht. Gorbatschow
und seine Zeitgenossen bringen einen
anderen Werdegang und andere Erfahrungen mit. Sie haben eine bessere
Ausbildung genossen und mehr Reisen
außerhalb der Sowjetunion unternommen.
Im Jahr 1988 hat Gorbatschow
einschneidende Veränderungen in der
Führungsspitze vorgenommen und den
Prozeß einer ernsthaften politischen
Umstrukturierung eingeleitet, der im
März zu Wahlen für den Kongreß der
Volksdeputierten geführt hat.
Darüber hinaus werden wir Zeuge
des Phänomens Glasnost, das zur eingehenden Behandlung bisheriger Tabuthemen geführt hat. In den vergangenen Jahren haben sich die sowje-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�tischen Medien von der immerwährenden
Rückschau in die Geschichte abgewandt
- was zu Kritik an Stalin und zur Rehabilitierung von Bukarin führte -,
Frontalangriffe auf wichtige Bereiche
sowjetischer Außenpolitik unternommen
und bei manchen Gelegenheiten sogar
die Vorteile der Herrschaft der Kommunistischen Partei in Frage gestellt. Wir haben ferner bescheidene, aber bedeutsame Verbesserungen
bei den Menschenrechten beobachten
können: Gefangene werden freigelassen und die Zahl der Auswanderer
steigt.
Es ist vernünftig, das Ausmaß und
die Dauerhaftigkeit dieser Veränderungen
sorgfältig
zu
beobachten.
Werden wir hier Zeugen einer unwiderruflichen Lockerung zentraler Macht?
Werden die bis jetzt aufgezeigten Alternativen eine völlig andere Sowjetunion hervorbringen, die nicht mehr
die
grundlegenden
Interessen
der
westlichen Demokratien bedroht? Dies
sind Fragen von großer historischer
Tragweite, deren langfristige Beurteilung schwierig ist und die kurzfristig erst recht nicht zu beantworten sind. Der Erfolg von Gorbatschows
Reformen zur Liberalisierung - deren
Funktionieren von der Lockerung der
Macht abhängt - liegt in unserem Interesse, aber da wir nicht über die
Gabe der Weissagung verfügen, sollten
wir objektiv und vorsichtig bleiben,
wenn es um die - günstigen oder ungünstigen - längerfristigen Implikationen für den Rest der Welt geht.
Gorbatschow hat noch nicht eindeutig klargestellt, daß er nicht die
Absicht hat, das sowjetische Einparteiensystem abzuschaffen, sondern es
- insbesondere im Bereich der Wirtschaft - lediglich effektiver gestalten will. Er hat seine Bereitschaft
demonstriert, sowohl seine Außen- als
auch seine Innenpolitik auf die Förderung dieses komplexes innenpolitischen Ziels abzustimmen. Wir begrüßen die sowjetischen Fortschritte
bei den Menschenrechten, die jedoch
noch nicht zur festen Einrichtung geworden sind und bei denen noch viel

getan werden muß. Trotz allen Geredes über neues Denken in der Außenpolitik und ein vernünftiges und ausreichendes Niveau der Verteidigung
produzieren sowjetische Fließbänder
die neuesten Panzer und Raketen in
einer Stückzahl, die vernünftige Berechnungen über die zur berechtigten
Verteidigung der Sowjetunion erforderliche Anzahl weit übersteigen.
Die Maßregel für den Westen heißt
Vorsicht, was aber nicht etwa Stillstand bedeutet. Die von Gorbatschow
vorgeschlagenen Veränderungen bieten
uns neue Möglichkeiten, die wir bisher stets ergriffen haben - INF, Afghanistan, Zusammenarbeit
im südlichen Afrika - und auch weiterhin
gern zu ergreifen bereit sind.
Außenminister Baker hat den Kurs
der amerikanischen Politik gegenüber
der Sowjetunion beschrieben. Erstens
sollten wir weiterhin sowjetische Reformen ermutigen, diese Ermutigung
sollte jedoch moralischen und nicht
materiellen Charakter haben.
Perestrojka wird aus eigener Kraft erfolgreich sein oder versagen, nicht
aufgrund außerordentlichen Zuspruchs
oder anderer Konzessionen, die der
Westen gewährt oder auch nicht.
Zweitens müssen wir angesichts
des neuen Realitätssinns, von dem
Moskaus Außenpolitik neuerdings geleitet wird, anerkennen, daß die
Handlungsweise des Westens zu dieser
aufkeimenden Akzeptanz der Realität
geführt hat.
Umfassende Unterstützung der Mujahedin von außen hat zum
Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan beigetragen und die Entscheidung der NATO zur Stationierung der
Pershing II und Marschflugkörper war
ein notwendiger Schritt zum erfolgreiche Abschluß des INF-Vertrages.
Der Westen muß Moskau weiterhin
zu allen Aspekten unseres umfassenden
gemeinsamen Anliegens einer besseren
Welt ausforschen und herausfordern.
Die Reagan-Administration
hat mit
Moskau ein gemeinsames Programm erarbeitet:
Menschenrechte,
regionale

�Konflikte, RUstungsreduzierung
und
bilaterale Fragen. Die Bush-Administration hat es übernommen und einen
fünften Punkt hinzugefügt: überregionale oder weltweite Probleme, wie
etwa Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Drogen und Eindämmung der
Umweltverschmutzung.

Handelspolitik für strategisch
wichtige Güter
Welche Politik des Westens ist
vor diesem Hintergrund sich verändernder Ost-West-Beziehungen nun für
den Handel mit strategisch wichtigen
Gütern angemessen? Wir unterstützen
bereits den Ausbau des nichtsubventionierten Handels mit Gütern für
nichtstrategische Zwecke mit der Sowjetunion, der beiden Seiten Vorteile
bringt. Unsere Politik des Handels
mit
strategisch
wichtigen
Gütern
sollte auf dem besonderen Charakter
der sowjetischen militärischen Bedrohung basieren, wie er sich konkret
militärisch darstellt.
Rhetorische
Bekundungen des guten Willens sind
eine unzureichende Grundlage für die
Ausarbeitung von Politik. Unsere Politik sollte wirksame Exportkontrollsysteme im Rahmen des COCOM, die
Gleichbehandlung von Unternehmen aller Länder und minimale Einmischung
in den gerechtfertigten Handel mit
nichtstrategischen Gütern betonen.

Verwirklichung erfordert jedoch harte
Arbeit.
Die
Harmonisierung
der
Durchführung von Exporten und der Genehmigungsverfahren bedingen zusammen
mit der schrittweisen Abschaffung von
Exportlizenzen im Handel der C0C0MLänder untereinander erhebliche Änderungen in der Gesetzgebung, bei den
Vorschriften, bei der Mittelvergabe
und den Geschäftspraktiken. Bei der
Zusammenarbeit mit Drittländern sollten Eingriffe in ihre Souveränität,
ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit oder in einigen Fällen ihren
neutralen Status vermieden werden.
Die schwierigste Aufgabe ist die
Neuorientierung oder Straffung der
Exportkontroll-Listen. Auf den Laien
haben die umfangreichen Kontroll-Listen eine einschüchternde Wirkung sie sind lang, komplex und sehr technisch. Ihre Straffung ist jedoch weniger ein technisches als ein grundsätzliches politisches Problem. Mit
der Straffung der Kontroll-Listen
entscheidet der Westen, wieviele Risiken er beim Export in die Sowjetunion und die Länder Osteuropas zu
tragen bereit ist. Diese Entscheidungen haben bedeutende Konsequenzen
für die Sicherheit des Westens, wichtige Geschäftsinteressen und die Aussenpolitik der COCOM-Mitgliedsregierungen.

Die Frage des Risikos
Im Rahmen des COCOM ist eine
vierteilige Strategie erarbeitet worden, um dieser Notwendigkeit gerecht
zu werden: erstens die bessere und
einheitlichere Durchführung von Exportkontrollen,
zweitens
die
Beschränkung der Kontroll-Listen auf
wirklich sicherheitsempflindliche Güter und Technologie, drittens die Abschaffung von Kontrollen beim Handel
mit den meisten dieser Güter zwischen
COCOM-Mitgliedern
und
schließlich
verbesserte Zusammenarbeit und Abstimmung mit Ländern, die nicht Mitglieder des COCOM sind.
Alle Aspekte der oben beschriebenen Strategie sind entscheidend, ihre

So sehr wir die verbesserten Beziehungen zur Sowjetunion begrüßen,
haben doch noch keine Entwicklungen
wahrgenommen,
die
eine
Akzeptanz
größeren strategischen Risikos beim
Handel mit der Sowjetunion rechtfertigen würden. Die Vereinigten Staaten betrachten diejenigen von der Sowjetunion für ihre militärische Produktion benötigten Güter als "sicherheitsempfindliche" Technologie, über
die sie selbst nicht in ausreichendem
Maße oder in ausreichender Qualität
verfügt.
Angesichts des desolaten
Zustands der sowjetischen Wirtschaft
und des technischen Standards, hat
dieser Ansatz den Handel oftmals auf

- 3 -

�Technologie beschränkt, die für unsere Begriffe bereits zehn Jahre veraltet ist.
Darüber hinaus sollten wir uns
vor Augen führen, daß der größte Teil
des Handels mit den Warschauer-PaktStaaten mit nichtstrategischen Gütern
abgewickelt wird und außerhalb von
COCOM stattfindet. Tatsächlich fällt
nur ein relativ geringer Teil unserer
Exporte in den Osten unter COCOM.
Ein größeres Hindernis als COCOM für
den Ausbau des Handels stellt das sowjetische System mit seinen vielen
immanenten Beschränkungen für den
freien internationalen Warenhandel an
sich selbst dar. Zu diesen Beschränkungen zählt die mangelde Konvertierbarkeit des Rubels, die geringe Zahl
der marktfähigen sowjetischen Exportgüter und die strukturellen Mängel,
die die meisten ausländischen Unternehmen von Investitionen in Joint
Ventures in der Sowjetunion abhalten.
Jede Zunahme im Handel mit nichtstrategischen Gütern, die auf die Aufhebung dieser ungeheuren wirtschaftlichen Hemmnisse in der Sowjetunion
zurückzuführen ist, wäre begrüßenswert.
In jedem Fall sollten wir beim
Export sicherheitsempfindlicher kontrollierter Güter in die Sowjetunion,
wo sie scheinbar "nichtstrategischer"
Verwendung zugeführt werden, weiterhin wachsam sein. Es gibt keine zuverlässigen Möglichkeiten, um strategisch sensible Ausrüstung und Technologie vor einer Verwendung für wichtige Verteidigungszwecke zu schützen.

In den kommenden Jahren muß unser
Ziel weiterhin im Schutz des westliche Vorteils bei strategisch sicherheitsempfindlichen und für unsere
Sicherheit entscheidenden Gütern bestehen. Der Vorteil des Warschauer
Pakts war immer quantitativ.
Auch
wenn die Sowjets ihre bekundete Absicht zum Abbau ihrer Streitkräfte um
500 000 Soldaten in die Tat umsetzen,
werden sie immer noch eine Streitmacht von fünf Millionen Soldaten und
damit mehr als die Streitkräfte der
westliche Verbündeten haben.
Der
Vorteil des Westens lag immer in der
Qualität - der Technologie unserer
Waffen und der Phantasie unserer Menschen.
Wenn sicherheitsempfindliche
Technologie nicht in die Hände unserer Gegner fällt, sichern wir damit
unseren technologischen Vorteil, der
zusammen mit unserer nuklearen Abschreckung seit 1945 den Frieden der
ganzen Welt erhalten hat. Jetzt ist
nicht die Zeit, in unserer Wachsamkeit nachzulassen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik
24. Mai 1989

21

UMWELTSCHÄDEN AUS DEM WELTRAUM KARTIERT
- Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig -

WASHINGTON - (AD) - Die Emission von Stickstoffoxiden in Autoabgasen, in
der Abluft von Kraftwerken und von Heizungen müßte nach Meinung der Amerikanischen Gesellschaft für die Bekämpfung von Lungenerkrankungen (American Lung
Association) in den nächsten zehn Jahren um mindestens ein Drittel verringert
werden. Das ergab eine von der Gesellschaft in Auftrag gegebene umfassende
Studie zu den Auswirkungen von Stickstoffoxiden auf die Entstehung von saurem
Regen, auf die Zerstörung der Vegetation, die Schädigung der Gewässer und auf
den sogenannten Treibhauseffekt. Die Gesellschaft widmet sich der Bekämpfung,
Behandlung und Verhütung von Lungenerkrankungen. Mediziner, Pflegepersonal
und Laien gehören der einflußreichen American Lung Association an, die über
Delegierte ihrer Sektionen in den Bundesstaaten direkt mit Kongreß- und Regierungsausschüssen in Washington zusammenarbeitet.

Aufgrund der jetzt vorgelegten
Resultate setzte sich Senator Max
Baucus, der Vorsitzende des Senatsunterausschusses
für
Umweltschutz,
für strengere Maßnahmen zur Luftreinhaltung ein. Solche Maßnahmen könnten wesentlich dazu beitragen, die
jährlichen Ausgaben für Krankheitskosten in den Vereinigten Staaten um
40 Milliarden Dollar zu verringern.
Durch Umweltschäden an Ernteerträgen,
Gebäuden und Materialien entstünden
derzeit außerdem Verluste in Höhe von
60 bis 100 Milliarden Dollar pro
Jahr, erklärte Baucus. Die Technologie sei vorhanden, um Stickstoffoxide, von denen zum Beispiel im Jahr
1985 durch Kraftfahrzeuge 6,9 Millionen Tonnen, durch Kraftwerke 6,8 Millionen Tonnen und durch anderweitige
Nutzung fossiler Energiequellen in

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Industrie, Wirtschaft und Wohnhäusern
weitere 6,9 Millionen Tonnen in die
Luft strömten, ganz erheblich zu reduzieren. Die in den USA entwickelten Verfahren werden gegenwärtig in
Japan und Europa verbessert.
Im November 1988 hatten zahlreiche westeuropäische Länder und die
USA ein internationales Protokoll unterzeichnet, demzufolge bis Mitte der
neunziger Jahre die Emission von
Stickstoffoxiden auf dem Stand von
1987 eingefroren werden
soll. Für
wirksamere und strengere Maßnahmen
seien, Senator Baucus zufolge neue
Investitionen erforderlich, mit denen
zusätzlich ca. 85 000 Arbeitsplätze
geschaffen werden könnten.

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�Umweltschäden In Entwicklungsländern
Im Gegensatz zu den Industrieländern verfügen die meisten Entwicklungsländern weder über die Mittel
noch über das Know-how, um Umweltschäden aus der Wirtschaftsentwicklung oder der dort üblichen Landnutzung zu begrenzen oder zu vermeiden.
Eine zum Teil erschreckende Übersicht
über das weltweite Ausmaß an Zerstörung von Lebenräumen für Pflanze,
Tier und Mensch erhielt die DISCOVERY-Besatzung während ihres FUnf-Tage-Fluges um die Erde im März 1989:
In ausgedehnten Landstrichen Mexikos,
Afrikas und Südamerikas ist die Bewaldung sehr stark zurückgegangen und
teilweise sogar völlig verschwunden.
Große Gebiete in Süd-Zaire weisen, wie der NASA-Geologe Charles
Wood Anfang April auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte,
überhaupt keine Vegetation mehr auf "keine Spur von Grün ist dort zu sehen". Drei der fünf Tage im Weltraum
hatten die Astronauten der Erdbeobachtung gewidmet. Sie brachten 6000
Meter Film und über 4000 Fotos zurück. Die Filme werden nun bei einer
Kongreß-Anhörung zur weltweit wachsenden Bedrohung der Umwelt vorgeführt.

diese Art Luftverschmutzung auch Einfluß auf den Abbau der Ozonschicht
haben könnte, ist noch offen. Nach
einer gründlichen Analyse der jüngsten Weltraumaufnahmen der von Menschen verursachten Wald- und Dschungelfeuer und ihrer Rauchwolken beabsichtigt
das
Langley-Forschungszentrum der NASA, mit neuartigen Atmosphären-Meßsonden erstmals "Treibhausgase" wie Stickstoffoxide und
Kohlendioxid in der Luft zu analysieren.
Abholzungen
haben
Bodenerosion
zur Folge, was die Massen von Schlamm
vor den Mündungsgebieten großer Ströme wie Mississippi und Ganges im Meer
nur zu deutlich machen. Auch entlang
des Sambesi-Flusses, der kürzlich
Hochwasser führte, macht sich - wie
die Aufnahmen aus der DISCOVERY zeigen - starke Erosion bemerkbar.

Landerschließung

Brasilianische und amerikanische
Wissenschaftler
schätzen, daß die
Brandrodungen in den tropischen Regenwäldern vor allem im Amazonasbecken mindestens zehn Prozent des
vom Menschen verursachten Ausstoßes
von Kohlendioxid ausmachen, der in
erster Linie für den Treibhauseffekt,
d.h. die Erwärmung der Erde mit daraus sich ergebenden tiefgreifenden
KlimaVeränderungen,
verantwortlich
gemacht wird.
Die weitaus größten
Mengen an Kohlendioxid werden jedoch
in den Industrieländern freigesetzt.

Im abgeholzten Regenwald Südamerikas prägt den Astronauten zufolge
ein Netzwerk von Straßen das Landschaftsbild. Es wurde angelegt, um
Bodennutzung
nach
agrarwirtschaftlichen Gesichtspunkten betreiben zu
können.
In Zentralafrika dagegen
seien kaum Anzeichen einer Infrastruktur
vorhanden.
über
weite
Strecken sehe man nur nackten, braunen Boden, hier und dort von Flußläufen durchzogen. Wo aber Aufbauarbeit
geleistet werde, sei dies sofort erkennbar - etwa im Grenzgebiet der
Staaten Mosambik und Malawi. Der Boden in Malawi sei infolge von Überweidung oder falscher Nutzung bis zur
Landesgrenze eintönig braun, ohne irgendwelchen
Pflanzenbewuchs.
Jenseits der Grenze aber, in Mosambik,
sei das Land grün von natürlicher Vegetation.

Natürliche Vorgänge wie Vulkanausbrüche tragen zur Anreicherung sowohl von "Treibhausgasen" als auch
von Staubteilchen in der Atmosphäre
bei.
Inwieweit beziehungsweise ob
zusammen mit den riesigen Brandwolken

Auf den Fotos ist ferner zu sehen, daß gegenwärtig "die grüne Linie", d.h. die Grenze der Vegetation
- normalerweise die südliche Grenze
der Sahara - so weit nach Norden verschoben ist wie nie zuvor.
Sogar

�große Wassertilmpel waren im Wüstengebiet der Sahara zu erkennen. Der Regen hatte offenbar auch die Sandstürme gestoppt, die zum Beispiel 1984
und 1985 eine Ausdehnung von ca. zwei
Millionen
Quadratkilometern
über
Nordafrika hatten und noch über weiten Teilen des Atlantiks auszumachen
waren.
Daß moderne Bewässerungstechniken
auch Wüste in Grünland verwandeln
können, zeigen die Aufnahmen von Saudi-Arabien.
Sie seien ein Beweis
dafür, wie gut manche Umweltschäden ob vom Menschen oder durch Naturereignisse verursacht - korrigiert werden
können,
sagte
Staatssekretär
William Nitze vom amerikanischen Aussenministerium. Der starke Bevölkerungszuwachs in Entwicklungsländern
und die Versuche dieser Menschen, unter allen Umständen zu überleben, übten jedoch einen gewaltigen Druck auf
die verbliebenen natürlichen Ressourcen aus. Ein Bericht der "International Herald Tribüne" vom 10. April
1989 über den Schwund der Fischbestände in den Küsten- und Hochseefanggebieten
im
südostasiatischen
Raum, den vor allem die kleinen Fischereiunternehmer zu spüren bekommen, läßt auf eine besorgniserregende
Entwicklung
schließen:
Das wegen
seines Eiweißgehaltes so wichtige
Grundnahrungsmittel Fisch wird dort
allmählich knapp und immer teurer.

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

24. Mai 1989

21

SATELLITENBRÜCKE FÜR MEDIZINISCHE PROBLEMFÄLLE
- USA richten Direktverbindung nach Armenien ein -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben vereinbart, unter Einsatz der neuesten Satellitentechnik direkte Funkverbindungen
zwischen Kliniken in den Vereinigten Staaten und dem Diagnosezentrum in Eriwan
(Armenien) herzustellen. Hierdurch sollen medizinische Konsultationen bei der
Behandlung von Erdbebenopfern mit schweren körperlichen oder seelischen
Traumata zwischen Fachleuten beider Länder ermöglicht werden.
Das zunächst auf drei Monate befristete Projekt bietet die Möglichkeit, weitere Erfahrungen in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit beider
Länder zu sammeln. Gleichzeitig kann
die NASA (US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt) Verfahren demonstrieren,
wie medizinische Diagnosen über Telekommunikations-Einrichtungen
am besten durchzuführen sind. Im Hinblick
auf künftige Langzeitflüge ist dies
zum Beispiel ein Gebiet, auf dem es
wenig Erfahrungen gibt.

Arbeitsgruppen, die 1987 im Rahmen
einer Vereinbarung über Zusammenarbeit im Weltraum eingerichtet wurden.
INTELSAT (die Internationale Organisation
für
Fernmeldesatelliten)
stellt kostenlos die Benutzung eines
Transponders
(Verstärkeranlage)
in
einem ihrer Satelliten zur Verfügung.
COMSAT, die amerikanische Organisation von INTELSAT, koordiniert die
internationalen Maßnahmen, und die
NASA stellt eine in Armenien installierte Erdfunkstelle bereit.

Die Vereinbarung wurde im März
1989 zwischen Vertretern der NASA und
des sowjetischen Gesundheitsministeriums in Moskau getroffen. Das Projekt wird von der amerikanisch-sowjetischen gemeinsamen Arbeitsgruppe für
Weltraumbiologie und Weltraummedizin
koordiniert. Dies ist eine von fünf

Die Sowjetunion verzichtet ihrerseits auf Gebührenerhebung innerhalb
ihres Territoriums und sorgt für den
Transport der Bodenstation durch ihre
Fluglinie AEROFLOT. über die Satellitenfunkbrücke laufen Fernsehverbindungen in jeweils einer Richtung und

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�Sprechfunkverbindungen
in
beiden
Richtungen mit Klinikzentren der Universitäten Texas, Utah, Maryland und
der
Sanitätsoffiziersakademie
in
Bethesda (Maryland). Die Satellitenverbindung ist an fünf Tagen pro Woche für jeweils vier Stunden in Betrieb.
Der Direktor des Instituts für
Medizinische Information im sowjetischen
Gesundheitsministeriums,
Alexander Kiselew, bezeichnete das
Erdbeben in Armenien als ein Ereignis
"von enormer Zerstörungskraft, das
viele, viele Opfer gefordert hat".
Die Auswirkungen einer solchen Katastrophe können sich über viele Jahre
erstrecken, in denen den Opfern psychologische Beratung und Rehabilitation ermöglicht werden muß und in denen sie Therapie für erlittene körperliche Schäden brauchen. Der Vorschlag der NASA zur Einrichtung einer
Satellitenbrücke für Fernkonsultationen sei mit großer Dankbarkeit aufgenommen worden, sagte Kiselew. "Nur
durch gemeinsame Anstrengungen können
wir den besten Weg finden, um den
Erdbebenopfern zu helfen".
Der Vizepräsident
der "COMSAT
World Systems Division", Jack Hannon,
berichtete, daß das INTELSAT-Satellitensystem bereits in anderen Notsituationen wertvolle Dienste geleistet
habe, beispielsweise bei den Verwüstungen durch den Hurrikan GILBERT im
vergangenen Jahr und bei dem Erdbeben
in Mexiko im Jahr 1985.

* * * * * *

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Vereinigte Staaten begrüßen Entstehung eines Vereinten Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede an der Boston University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush "wäre erfreut" über ein wiedervereinigtes Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview des Präsidenten mit der Washington Times&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;COCOM und der Ost-West-Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Allan Wendt &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umweltschäden aus dem Weltraum kartiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weitere Einschränkung von Stickstoffoxidemissionen notwendig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Satellitenbrücke für medizinische Problemfälle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA richten Direktverbindung nach Armenien ein&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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