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17. Mai 1989

I N H A L T

DOKUMENTATION

USA würden "Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung begrüßen"
- Rede von Präsident Bush in Texas -

Sowjetische Bedrohung noch nicht als schwacher zu bezeichnen
- Rede von Staatssekretär Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats

HINTERGRUNDMATERIAL
f

Stand der Rüstungskontrollverhandlungen
- Wöchentliche Ü b e r s i c h t -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
S t r e i t f r a g e "Kalte Kernfusion"
- W i s s e n s c h a f t l e r warten auf exakte Angaben zum Versuch und
seinen R e s u l t a t e n -

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

17. Mai 1989

20

USA WÜRDEN "RÜCKKEHR DER SOWJETUNION IN DIE WELTORDNUNG BEGRÜSSEN"
- Rede von Präsident Bush in Texas COLLEGE STATION, TEXAS - (AD) - In seiner Ansprache bei der Texas Agricultural and Mechanical University erörterte Präsident Bush am 12. Mai 1989
die Ergebnisse der außenpolitischen Bilanz seiner Administration im Hinblick
auf die Sowjetunion und das Ziel der Vereinigten Staaten, "die Rückkehr der
Sowjetunion in die Weltordnung zu begrüßen".
Der Präsident erklärte, westliche Politik müsse die Entwicklung der
Sowjetunion zu einer offenen Gesellschaft ermutigen. "Diese Aufgabe wird unsere Kraft auf die Probe stellen, unsere Geduld herausfordern und ungeheure
Vorstellungskraft erfordern". Ihm zufolge müßte der Kreml positive Schritte
unternehmen: die sowjetischen Streitkräfte reduzieren, der von den Sowjets
eingegangenen Verpflichtung zur Förderung der Selbstbestimmung aller Länder
Ost- und Mitteleuropas nachkommen, mit dem Westen an diplomatischen Lösungen
für regionale Konflikte auf der ganzen Welt arbeiten, einen dauerhaften politischen Pluralismus und Wahrung der Menschenrechte erreichen und gemeinsam mit
dpn Vereinigten Staaten internationale Probleme behandeln.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut:

Wir müssen uns vor Augen führen,
daß keine Generation ihrer Geschichte
entfliehen kann. Nicht die Eltern wir teilen den brennenden Wunsch, daß
unsere Kinder und deren Kinder eine
bessere und sicherere Welt kennenlernen. Nicht die Studenten - Ihre Eltern und Großeltern haben einen Weltkrieg erlebt und Amerika beim Wiederaufbau der Welt geholfen. Sie haben
das Drama der durch sowjetische Subversion und Gewalt in der Nachkriegszeit geteilten Länder erlebt, die jedoch von der - mit der Berliner Luftbrücke am besten dokumentierten - Reaktion der Verbündeten versorgt wurden.
Kluge Persönlichkeiten - Truman,
Eisenhover, Vandenberg, Rayburn sowie
Marshall, Acheson und Kennan - haben

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Embassy of the United States of America

die Containment-Strategie erarbeitet.
Sie vertraten die Ansicht, daß sich
die Sowjetunion, wenn man ihr den
leichten
Expansionskurs
verweigert,
nach innen und den Widersprüchen ihres
ineffizienten, repressiven und
inhumanen Systems zuwendet.
Und sie
haben recht behalten.
Die Sowjetunion stellt sich dieser harten Realität jetzt öffentlich.
Containment war erfolgreich.
Es
war deshalb erfolgreich, weil unsere
demokratischen
Grundsätze,
Institutionen und Werte gefestigt sind und
immer waren.
Es war erfolgreich,
weil unsere Bündnisses stark sind und
stark waren und weil die Überlegenheit freier Gesellschaftssysteme und
freier Marktwirtschaft über den stagnierenden Sozialismus nicht zu leug-

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�nen ist.
Wir nähern uns der Lösung eines
historischen Streits zwischen zwei
Visionen in der Nachkriegszeit
einer Vision der Tyrannei und des
Konflikts und einer anderen von Demokratie und Freiheit. Die von meiner
Administration gerade abgeschlossene
Bilanz der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen weist einen neuen Weg zur
Lösung dieses Streits.
Unser Ziel ist hoch gesteckt - es
ist ehrgeiziger als alles, was meine
Vorgänger für möglich hielten. Unsere Bilanz deutet darauf hin, daß 40
Jahre Beharrlichkeit uns eine einzigartige Gelegenheit geboten haben.
Jetzt ist es an der Zeit, sich
einer über Containment hinausgehenden
neuen Politik zuzuwenden - einer Politik der neunziger Jahre, die dem
gesamten Umfang des Wandels Rechnung
trägt, der auf der ganzen Welt und
auch in der Sowjetunion stattfindet.
Insgesamt geht das Ziel der Vereinigten Staaten über eine einfache
Eindämmung des sowjetischen Expansionismus hinaus - wir streben die Integration der Sowjetunion in die Staatengemeinschaft an. Während sich die
Sowjetunion größerer Offenheit und
Demokratisierung zuwendet - und damit
der Herausforderung verantwortungsbewußten internationalen Verhaltens gerecht wird - werden unsere Schritte
nicht lange auf sich warten lassen.
Letztlich ist es unser Ziel, die
Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung zu begrüßen.
Die Sowjetunion bekundet ihre Absicht, mit der Welt in Frieden leben
zu wollen und kritisiert ihre eigene
Politik der Nachkriegzeit. Dies können wir nur begrüßen. Aber ein neues
Verhältnis kann nicht nur von Moskau
erklärt oder von anderen ausgerufen
werden. Es muß verdient werden. Es
muß verdient werden, weil Versprechungen niemals ausreichen. Die Sowjetunion hat früher bereits ein kooperativeres Verhältnis versprochen,

nur um dann ihren Kurs zu ändern und
erneut eine kriegerische Haltung einzunehmen. Die sowjetische Außenpolitik unterlag fast jahreszeitlichen
Schwankungen - Wärme kam vor Kälte,
Tauwetter vor Frost.
Wir streben
eine Freundschaft an, die kein Klima
des Mißtrauens und der Verdächtigungen kennt.
Wir hoffen, daß Perestrojka die
Sowjetunion zu einem Bruch - einem
definitiven Bruch - mit der Vergangenheit veranlaßt.
Wer hätte gedacht, daß wir einmal die Überlegungen des Zentralkomitees auf der Titelseite der Prawda lesen könnten
oder den Dissidenten Andrei Sacharow
in der Nähe der Machthaber sitzen sähen? Wer hätte sich jemals träumen
lassen, daß ein sowjetischer Staatsund
Parteichef
auf
den
Straßen
Moskaus und Washingtons um Stimmen
wirbt? Dies sind hoffnungsvolle und
in der Tat bemerkenswerte Anzeichen.
Niemand darf an unserem ernsthaften
Wunsch nach Fortsetzung und Erfolg
der Perestrojka zweifeln. Aber die
nationale
Sicherheit
Amerikas und
seiner Verbündeten darf sich nicht
auf Hoffnung allein verlassen. Sie
muß sich auf Taten gründen. Wir halten nach dauerhaftem, fest verwurzeltem wirtschaftlichen und politischen
Wandel Ausschau.
Obwohl wir die Hoffnung auf eine
Überwindung des Containment hegen,
stehen wir erst am Anfang eines neuen
Weges. Viele Gefahren und Unsicherheiten liegen noch vor uns. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Sowjetunion erschreckende militärische Fähigkeiten erworben hat. Damit mußten
meine Vorgänger leben. Damit haben
unsere Verbündeten immer leben müssen. Und damit werde ich leben müssen.
Bei unserem Streben nach Frieden
müssen wir stark bleiben. Das Ziel
unserer militärischen Stärke besteht
keineswegs in der Ausübung von Druck
auf eine schwache sowjetische Wirtschaft oder im Streben nach militärischer Vorherrschaft.
Es besteht
2 -

�vielmehr in der Abschreckung eines
Krieges. Es besteht in der Verteidigung unseres Landes und unserer Verbündeten - und darüber hinaus wollen
wir die Sowjets davon überzeugen, daß
sich weitere expansionistische Bestrebungen nicht lohnen und davon,
daß ein Streben nach Frieden lohnenswert ist.
Die Politik des Westens muß die
Entwicklung der Sowjetunion zu einer
offenen Gesellschaft ermutigen. Diese Aufgabe wird unsere Kraft auf die
Probe stellen, unsere Geduld herausfordern und eine ungeheure Vorstellungskraft erfordern - die ich Ihnen
erklären möchte. Ich sehe vor mir
eine westliche Hemisphäre demokratischer
wohlhabender
Länder, die
nicht mehr von einem Kuba oder einem
Nicaragua mit den Waffen Moskaus bedroht wird. Ich sehe eine Sowjetunion, die ihre Verbindungen zu terroristischen Ländern - wie Libyen abbricht, die für die rechtmäßige Sicherheit ihrer Nachbarn eine Bedrohung darstellen.
Ich sehe vor mir
eine Sowjetunion, die Chinas Integrität respektiert und die Territorien
im Norden Japans zurückgibt - als
Auftakt zu dem Tag, an dem alle grossen Länder Asiens harmonisch zusammenleben werden.
Aber um diese Vision Wirklichkeit
werden zu lassen, muß die Sowjetunion
positive Schritte unternehmen:
Erstens: Reduzierung der sowjetischen Streitkräfte. Obwohl bereits
kleine Schritte unternommen worden
sind, besitzt der Warschauer Pakt
über 30 000 Panzer, mehr als zweimal
soviel Artillerie und hunderttausend
Soldaten mehr in Europa als die NATO.
Sie sollte ihre Streitkräfte im Verhältnis zu ihren berechtigten Sicherheitsinteressen auf ein weniger bedrohliches Niveau abbauen.
Zweitens: Einhaltung der von den
Sowjets - in den letzten Tagen des
Zweiten Weltkriegs - eingegangenen
Verpflichtung
zur
Förderung
der
Selbstbestimmung aller Länder Ost-

und Mitteleuropas.
Dies erfordert
insbesondere die Aufgabe der Breschnew-Doktrin. Eines Tages sollte es
möglich sein, von Moskau nach München
zu fahren, ohne einen einzigen Wachturm oder einen Stacheldrahtzaun zu
sehen. Kurz gesagt: Reißt den Eisernen Vorhang nieder.
Drittens: Zusammenarbeit mit dem
Westen an positiven, praktischen
und nicht nur rhetorischen - Schritten für diplomatische Lösungen regionaler Konflitke auf der ganzen Welt.
Ich begrüße den sowjetischen Truppenabzug aus Afghanistan und das AngolaAbkommen. Aber auf der ganzen Welt
gibt es noch mehr zu tun. Wir sind
bereit. Wir sollten die Ärmel aufkrempeln und uns an die Arbeit begeben.
Viertens: Erlangung eines dauerhaften politischen Pluralismus und
Wahrung
der
Menschenrechte.
In
Moskau haben bereits dramatische Ereignisse stattgefunden. Wir sind von
den beschränkten, aber dennoch mit
mehreren
Kandidaten
stattfindenden
Wahlen beeindruckt. Wir sind ferner
beeindruckt von der größeren Toleranz
gegenüber Dissidenten. Darüber hinaus macht eine neue Offenheit über
die Ära Stalin Eindruck auf uns. Herr
Gorbatschow, geben Sie jetzt nicht
auf.
Fünftens: Zusammenarbeit bei der
Behandlung internationaler Probleme,
wie des internationalen Drogenhandels
und den Gefahren für unsere Umwelt.
Wir können unseren Kindern eine bessere Welt schaffen.
Wenn sich die Sowjetunion der Rüstungskontrolle und Reformen zuwendet, wird sie im Westen hilfsbereite
Partner finden. Wir streben verifizierbare, stabilisierende Rüstungskontrolle
und
Reduzierungsabkommen
mit der Sowjetunion und ihren Verbündeten an. Dennoch ist Rüstungskontrolle an sich kein Ergebnis, sondern
ein Mittel, um zur Sicherheit Amerikas und zum Frieden auf der Welt beizutragen.
Ich habe Außenminister

- 3 -

�Baker angewiesen, den Sowjets Vorschläge für eine Wiederaufnahme der
START-Verhandlungen im Juni zu unterbreiten. Und wie Sie wissen, haben
die Sowjets zugestimmt.
Unser Konzept ist klar. Bei den
START-Verhandlungen wollen wir das
Risiko eines Atomkrieges abbauen.
Bei den begleitenden Verhandlungen
über Verteidigung im Weltraum werden
wir die Erhaltung unserer Optionen
zur Stationierung eines modernen Verteidigungssystems
zum Ziel haben,
wenn dies fertiggestellt ist. Bei
den Atomtests werden wir weiterhin
die notwendigen Verbesserungen zur
Verifizierung in den bestehenden Verträgen anstreben, damit diese durchgeführt werden können.
Wir werden
nach wie vor ein verifizierbares
weltweites Verbot chemischer Waffen
anstreben. Wir unterstützen die Bestrebungen der NATO zürn Abbau der offensiven sowjetischen Bedrohung in
den Verhandlungen über Konventionelle
Streitkräfte in Europa. Und ich habe
bereits darauf hingewiesen, daß all
diesen Zielen ganz einfach Offenheit
zugrundeliegt.
Unmißverständlich weht ein neuer
Wind über die Steppen und Städte der
Sowjetunion hinweg.
Warum sollte
dieser neuer Geist der Offenheit
nicht zunehmen, und Warum sollten
nicht weitere Schranken fallen? Offen für Auswanderung, für Diskussionen, offen für den Luftverkehr - Offenheit soll die Veröffentlichung und
den Verkauf verbotener Bücher und
Zeitungen in der Sowjetunion bedeuten. Den 19 000 sowjetischen Juden,
die im vergangenen Jahr ausgereist
sind, sollen all diejenigen folgen
dürfen, die in diesem Jahr ausreisen
wollen. Offenheit darf keine geringere Bedeutung haben als Freizügigkeit und den freien Austausch von Büchern und Ideen zwischen Ost und
West. Und darüber hinaus sollte sie
eine weitere Bedeutung erlangen.
Vor 34 Jähren ist Präsident
Eisenhower in Genf mit der sowjetischen
Führungsspitze
zusammenge-

troffen, die nach dem Tod Stalins
einen neuen Ansatz gegenüber dem
Westen versprach.
Er schlug einen
Plan namens "Offene Himmel" vor, im
Rahmen dessen unbewaffnete Flugzeuge
aus den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion das Territorium des anderen Landes überfliegen durften. Damit könnten militärische Aktivitäten
regelmäßig überprüft und laut Präsident Eisenhower "die Welt davon überzeugt werden, daß wir ... die Gefahr
verringern und die Spannungen abbauen" .
Präsident Eisenhowers Vorschlag
stellte die sowjetische Bereitschaft
zur Öffnung ihrer Gesellschaft auf
eine Probe, der der Kreml nicht
standhielt. Wir Wollen diesen Vorschlag erneut untersuchen, aber auf
einer breiteren, eingehenderen und
radikaleren Basis - der sich hoffentlich auch die Verbündenten auf beiden
Seiten
anschließen
werden.
Wir
schlagen vor, daß Länder, die diesen
Vorschlag prüfen möchten, bald zusammenkommen, um außerhalb ariderer Rüstungskontrollverhandlungen die notwendigen technischen Einzelheiten zu
erarbeiten.
Solche Überwachungsflüge ließen
zusammen mit Satelliten eine regelmäßige Prüfung auf beiden Seiten zu.
Ein solch beispielloser Zugang zum
Territorium deö jeweils arideren würde
der Welt die Bedeutung des Konzepts
der Offenheit dokumentieren. Die Bereitschaft der Sowjets zur Akzeptanz
eines solchen Konzepts an sich würde
ihr Engagement für Veränderungen bekunden.
Wo
Zusammenarbeit
stattfiridet,
kanri es umfassendere Wirtschaftsbeziehungen geberi.
Aber die sowjetische Innenpolitik hat die Wirtschaftsbeziehungen gelähmt. Sie haben unter Moskaus Praxis, dem Westen
uriter dem Mäntelchen des Handels
Technologie
zu stehlen; gelitten.
Ein Ende der Benachteiligung amerikanischer Firmen wäre ein hilfreicher
Schritt.
Geschäfte und finanzielle
Tränsaktionen könnten auf der Basis

�normaler Handelsbeziehungen
führt werden.

durchge-

Und wenn die Sowjetunion
ihre
Auswanderungsgesetze
internationalen
Standards anpaßt und ihre neuen Gesetze buchstabengetreu verwirklicht,
bin ich bereit, mit dem Kongreß eine
zeitweise
Aufhebung
des
JacksonVanik-Zusatzartikels zu verfügen und
damit den Status der Meistbegünstigung auf die Sowjetunion zu erweitern. Die soeben von mir beschriebene Politik betrifft Sie alle.
Heute legen Sie ihr Examen ab.
Sie werden einen Beruf ergreifen und
eine Familie gründen. Und Sie werden
Amerikas Elite im nächsten Jahrhundert werden. Was für eine Welt werden Sie kennenlernen?
Möglicherweise
wird die Weltordnung der Zukunft eine
echte Staatengemeinschaft sein.
Es ist eine traurige Wahrheit,
daß wir durch nichts eher dazu gezwungen werden, unsere Verbundenheit
als Menschen zu erkennen als durch
eine Naturkatastrophe.
Ich denke dabei an die Sowjetrepublik Armenien
vor einigen Monaten - eine schuldlos
verursachte Tragödie, eine Zerstörung
wie im Krieg, jedoch nicht durch einen Krieg verursacht.

Mein Sohn nahm unseren zwölfjährigen Enkel mit nach Eriwan. Am Ende
des Tages, an dem sie die Verwundeten
getröstet und den Hinterbliebenen Mut
zugesprochen hatten, setzten sie sich
gemeinsam zwischen die Trümmer und
weinten.
Wie können unsere beiden
Länder diesen schlichten Ausdruck der
Fürsorge noch steigern?
Wie können
wir uns gegenseitig den guten Willen
unseres Volkes übermitteln?
Vor 43 Jahren hat der junge Leutnant Albert Kotzebue, der 1945 hier
an dieser Universität sein Examen abgelegt hat, als erster amerikanischer
Soldat den Sowjets an der Elbe die
Hand gereicht. Wir sind wieder bereit, die Hand auszustrecken und bereit, eine ausgestreckte Hand entgegenzunehmen.
Die Zeit ist erneut
reif für Frieden.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

%r,os e&lt;

17. Mai 1989

20

SOWJETISCHE BEDROHUNG NOCH NICHT ALS SCHWÄCHER ZU BEZEICHNEN
- Rede von Staatssekretär Kimmltt vor dem Unterausschuß des Senats WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär für politische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium, Robert Kimmitt, zufolge sollte das westliche
Bündnis die militärische Bedrohung durch die Sowjets noch nicht als schwächer
ansehen. Am 10. Mai 1989 erklärte Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats
für die Bewilligung von Verteidigungsausgaben, es sei voreilig, die sowjetische Bedrohung als "erheblich abgebaut" zu betrachten.
Ihm zufolge wird der NATO-Gipfel Ende Mai "erneut die zentrale Bedeutung
des Bündnisses für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten herausstellen
und darüber hinaus die vor uns liegenden Herausforderungen behandeln: Modernisierung der Streitkräfte, RüstungskontrollVerhandlungen und die Notwendigkeit besserer Lastenverteilung.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Kimmitts im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, ihre Jahre an
der Spitze des Unterausschusses für
die Verwendung von Mitteln im Ausland
haben Ihnen ein gutes Urteil über die
zur Ausübung
einer wirkungsvollen
Außenpolitik
erforderlichen
Mittel
verschafft.
Der Verteidigungshaushalt steht in enger Beziehung zu dieser Aufgabe, und deshalb freue ich
mich über die Möglichkeit, hier vor
dem Unterausschuß zu sprechen, um
über die Auswirkungen von Entscheidungen zum Verteidigungshaushalt auf
die amerikanische Außenpolitik zu
sprechen.
Ich möchte darum bitten,
daß der Wortlaut meiner Rede in das
Protokoll aufgenommen wird.

Der Umgang mit der Sowjetunion
Die

amerikanische

Militärstrate-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gie basiert seit langem auf gemeinsamer Sicherheit, Abschreckung, Vorneverteidigung und flexibler Reaktion.
Diese Verteidigungsstrategie
zielt darauf ab, einer massiven,
weltweiten
militärischen
Bedrohung
durch die Sowjets entgegenzutreten.
In jüngster Zeit konnten wir potentielle Veränderungen wahrnehmen, da
die Sowjets zur Durchsetzung ihrer
Ziele in geringerem Maße auf die Androhung oder den Einsatz militärischer Mittel zu vertrauen scheinen
und in ihrer Außenpolitik weniger den
Klassenkampf betonen.
Wir hoffen,
daß die versprochene Neuorientierung
der sowjetischen Politik und Doktrin
zu Veränderungen im Umfang und der
Struktur der sowjetischen Streitkräfte führt und die Bedrohung abbaut,
die sie für unsere nationalen Interessen darstellt.

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�Es wäre jedoch höchst voreilig,
die sowjetische Bedrohung als erheblich abgebaut zu betrachten. Sicher
hat die Sowjetunion Reduzierungen bei
der Truppenstärke und den konventionellen Streitkräften sowie niedrigere
Verteidigungsausgaben angekündigt und
beseitigt ihre Mittelstreckenraketen
im Einklang mit dem INF-Vertrag.
Dennoch modernisieren
die Sowjets
weiterhin ihre strategischen Atomstreitkräfte mit neuen Klassen von
raketenbestückten U-Booten, strategischen Raketen und Bombern längerer
Reichweite.
Ihre
konventionellen
Streitkräfte
moderner
gepanzerter
Fahrzeuge, Artilliere und taktischer
Kampfflugzeuge sind mit 4,5 Millionen
Soldaten unter Waffen nach wie vor
nahezu die größten der Welt. In den
letzten zehn Jahren hat die Sowjetunion ihre Fähigkeit zum Einsatz ihrer Streitkräfte in entfernten Teilen
der Welt verbessert. Die Sowjets haben kürzlich das größte militärische
Transportflugzeug
der Welt vorgestellt, und der Prototyp einer neuen
Klasse großer Flugzeugträger steht
kurz vor seiner Vollendung
Obwohl
die von Gorbatschow bekundeten Absichten zur Reduzierung der militärischen Stärke der Sowjetunion lobenswert sind, konnten wir eine Umsetzung
dieser Ankündigungen in erhebliche
Veränderungen bei den Fähigkeiten und
der Struktur der sowjetischen Streitkräfte noch nicht beobachten.
Auf regionaler Ebene scheinen die
Sowjets den ausgehandelten Lösungen
einiger Konflitke offener gegenüberzustehen und zeigen ein zunehmendes
Bewußtsein für den Preis einer anhaltenden Expansion.
Dennoch liefern
sie immer noch Waffen und unterhalten
nachrichtendi enstliche
Verbindungen
mit Satellitenstaaten, deren Engagement für die Normen internationalen
Verhaltens in Zweifel zu ziehen ist.
Der Verkauf von Bombern längerer
Reichweite des Typs SU-24 an Libyen
macht dies deutlich. Immer noch gehen umfangreiche Lieferungen an Nicaragua, Angola und Kuba und die Lieferungen militärischer
Güter nach
Libyen, Afghanistan und Nordkorea haben zugenommen.

Wie Sie wissen, weilt Außenminister Baker gegenwärtig zu Gesprächen mit der sowjetischen Führungsspitze in Moskau.
Diese Zusammenkünfte sind Teil langfristiger Bemühungen, die zahlreichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über
so kritische Punkte wie Rüstungskontrolle, regionale Konflikte, Menschenrechte, bilaterale und zwischenstaatliche Fragen beizulegen.
Wir
sind uns in höchsten Maße bewußt, daß
dies eine günstige Zeit für die Behandlung unserer Probleme ist. Präsident Bush und Außenminister Baker
sind entschlossen, diese Chancen zu
nutzen. Eine starke Verteidigung und
Wachsamkeit bei der Sicherung unserer
Interessen sind für die Bestrebungen
um den Aufbau kooperativerer OstWest-Beziehungen von entscheidender
Bedeutung.
Wir begrüßen das Interesse des
Unterausschusses an dem Beziehungsgeflecht zwischen Außenpolitik und Verteidigungshaushalt.
Die Administration und der Kongreß müssen zusmmenarbeiten, um zu gewährleisten, daß
haushaltspolitische
Entscheidungen
auf eine Weise getroffen und ausgeführt werden, die im Einklang mit unseren nationalen Interessen und siehe rheitspoli tischen
Zielsetzungen
steht.

Der SchlUssel zur Minimierung

von Problemen liegt im gesamten Prozeß bei der Bewertung von Auswirkungen haushaltspoitischer Entscheidungen auf die Außenpolitik.
Die militärischen Fähigkeiten unseres Landes sind in den vergangenen
zehn Jahren notwendigerweise erheblich verstärkt worden. Eine starke
Verteidigung ist für die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten weiterhin von entscheidender Bedeutung und
verkörpert die Fähigkeit und Entschlossenheit
unseres
Landes
zum
Schutz unserer Freiheit. Eine starke
und von einer gesunden Wirtschaft unterstützte
Verteidigung,
gesunde
Bündnisse und eine aktive Diplomatie,
die alle zusammen von angemessenen
nachrichtendienstlichen
Fähigkeiten
gestützt werden, bilden die Grundlage

�unserer nationalen Sicherheit.
Wir sehen uns nunmehr neuen Herausforderungen und auch neuen Möglichkeiten gegenüber, die sich aus
grundlegenden Veränderungen im internationalen Umfeld ergeben. Die bemerkenswerteste dieser Veränderungen
ist die Verteilung wirtschaftlicher,
politischer und militärischer Macht,
Fortschritte in den Bereichen Technik
und Kommunikation, die Verbreitung
der Demokratie und des Konzepts der
freien Marktwirtschaft und das Phänomen Gorbatschow.
Unsere Pläne und
Maßnahmen müssen diesen Veränderungen
im Ausland und auch den wirtschaftlichen und steuerpolitischen Gegebenheiten im Inland angepaßt werden.
Amerikas Führungsspitze hat viele
dieser Veränderungen in die Wege geleitet.
Unsere Unterstützung für
Länder, die unseren Einsatz für Demokratie und die Wahrung der Menschenwürde teilen, war eine treibende
Kraft beim Aufbau der Bedingungen für
Frieden und Wohlstand. Die erneuerte
Tatkraft des westlichen Bündnisses
hat für den weiteren Prozeß Vorbildcharakter und dient als Leitlinie,
und die jetzt von uns in der Sowjetunion und anderen Ländern beobachteten Veränderungen spiegeln zum Teil
Bedingungen wider, zu denen wir beigetragen haben.
Unsere diplomatischen Bemühungen
haben mit Unterstützung der militärischen Stärke zur echten Chance einer
Lösung für einige der dringlichsten
regionalen Konflikte und zu Fortschritten in Fragen der Sicherheit
und Rüstungskontrolle geführt.
Die
Situation stellt uns vor große Möglichkeiten, und die Administration
befindet sich inmitten einer umfassenden Bilanz ihrer nationalen Sicherheit, die dem sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld gerecht
werden soll. Diese Bilanz wird die
Integration unserer diplomatischen,
militärischen
und
wirtschaftlichen
Mittel zu einem einheitlichen strategischen Konzept in der amerikanischen
Außen- und Verteidigungspolitik sicherstellen.

Unsere
Verteidigungsbestrebungen
und unsere auswärtigen Beziehungen
sind also eng miteinander verknüpft,
und ich möchte kurz darauf eingehen,
wie der Verteidigungshaushalt und die
amerikanische Außenpolitik in verschiedenen Bereichen zusammenhängen:
im Umgang mit der Sowjetunion, der
sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
mit Freunden und Verbündeten, Verhandlungen über strategische Waffen
und Rüstungskontrolle sowie Stationierungen oder Manövern im Ausland.

Nichtsowjetische Bedrohung
Obwohl wir kurz vor der Lösung
einiger der beunruhigendsten regionalen Konflikte der letzten Jahre zu
stehen scheinen, besteht in politisch
instabilen Regionen weiterhin ein hohes Konfliktpotential, das in einigen
Fällen noch ansteigt. Bestimmte regionale Militärregime, deren Streitkräfte mit immer moderneren Waffen
ausgerüstet sind, stellen für ihre
unmittelbaren Nachbarn - und in geringerem Maße auch für die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten - eine Bedrohung dar.
Für diese regionalen Bedrohungen
lassen sich bedauerlicherweise zahllose Beispiele anführen.
Im Nahen
Osten ist der Irak aus dem Golfkrieg
mit
umfangreicheren,
moderneren
Streitkräften
und
größeren
politischen
Ambitionen
hervorgegangen.
Der Iran bleibt unberechenbar und unterstützt nach wie vor den internationalen Terrorismus. Die Weiterverbreitung ballistischer Raketen unter
anderem mit chemischen Gefechtsköpfen
- nach Libyen, Syrien, dem Iran, Irak
und in andere Länder - und die Gefahr
der Weiterverbreitung von Atomwaffen
stellen
eine
zunehmende Bedrohung
dar. Der Frieden bleibt für den Libanon nur ein Hoffnungsschimmer, und
der grundsätzliche Konflikt zwischen
Israelis und Arabern scheint nach wie
vor unlösbar zu sein. In SUdasien
liegt
eine Konfrontation
zwischen
Nachbarstaaten weiterhin im Rahmen
des Möglichen. In Mittelamerika bietet die trotz ermutigender diploma-

- 3-

�tischer Entwicklungen weiterhin bestehende Möglichkeit für subversive
Aktivitäten Kubas und Nicaraguas die eine mögliche Lösung auf diplomatischem Wege erschweren könnten - den
Vereinigten Staaten weiterhin Anlaß
zur Sorge. Anhaltende Konflikte in
Kambodscha, Äthiopien, dem Sudan und
anderen Teilen Afrikas und Asiens
fordern immer noch zahlreiche Menschenleben und festigen regionale Instabilität.
Angesichts
dieser
regionalen
Spannungen benötigen die Vereinigten
Staaten in absehbarer Zukunft die Fähigkeit zur Übertragung militärischer
Macht zum Schutz unserer Interessen
in instabilen Regionen. Unsere militärische Präsenz ist - auch wenn sie
nur begrenzt eingesetzt wird - in
vielen für die Vereinigten Staaten
entscheidenden
Bereichen
letztlich
der Garant für regionale Stabilität.

Sicherheitspolitische Zusammenarbeit
und Lastenverteilung
Für unsere Freunde und Verbündeten wie auch für die internationale
Stabilität ist unsere anhaltende Fähigkeit zur Erfüllung unserer Verteidigungspflichten in Übersee von entscheidender Bedeutung. Unser sicherheitspolitisches Konzept basiert auf
der Vornestationierung amerikanischer
Streitkräfte und auf Programmen für
Sicherheitsleistungen.
Etwa
drei
Viertel dieser vorne stationierten
Streitkräfte stehen der NATO, Japan
und Korea zur Verfügung, wo sie zur
gemeinsamen Verteidigung
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beitragen.
Der amerikanische
Beitrag zur
NATO ist die umfangreichste unserer
militärischen Aktivitäten in Übersee. Die NATO feiert in diesem Jahr
ihr 40jähriges Bestehen, und sie
bleibt unser bester Garant für den
Frieden in Europa. Der NATO-Gipfel
in diesem Monat wird die zentrale
Rolle des Bündnisses für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
bekräftigen und darüber hinaus die

vor uns liegenden Herausforderungen
behandeln:
Modernisierung
der
Streitkräfte,
Rüstungskontrollverhandlungen sowie die Notwendigkeit
einer
besseren
Lastenverteilung.
Diese Probleme berühren unsere Haushalt sentScheidungen und umgekehrt und
sowohl unsere NATO-Verbündeten als
auch der Warschauer Pakt werden unsere Aktionen und Absichten genau beobachten. Wir müssen unser Engagement
für die Verteidigung Europas und die
weiterhin
bestehende
Notwendigkeit
für
umfangreiche
vornestationierte
konventionelle und nukleare Streitkräfte der Vereinigten Staaten bekräftigen.
Die Sowjetunion verfügt nach wie
vor über ungeheure militärische Stärke. Als Reaktion darauf müssen wir
sicherstellen, daß unsere Verteidigungsbündnisse die für unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten erforderlichen Streitkräfte aufrechterhalten. Alle von uns beabsichtigten
Veränderungen müssen sorgfältig erwogen werden, auf den bekannten Fähigkeiten unserer Gegner basieren und in
enger Abstimmung mit unsren Verbündeten entwickelt werden.

Lastenverteilung
Wir erarbeiten sowohl in engen
Konsultationen mit unseren europäischen Verbündeten als auch in multilateralen Rüstungskontrollverhandlungen neue Methoden zur Bewältigung des
Problems der Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Verteidigung in einem
Zeitalter abnehmender Ressourcen.
Andere Verbündete, wie etwa Japan, haben einen größeren Teil der
gemeinsamen Sicherheitslast übernommen, indem sie mehr Auslandshilfe
leisten. Erwartungsgemäß werden sie
noch mehr tun.
Zusätzliche Hilfe
kann eine wertvolle Rolle bei der
Förderung regionaler Stabilität und
der Sicherheit
friedlicher Länder
spielen.

�ropa zieht.

Strategische und konventionelle
Rüstungskontrolle
In einer Zelt knapper Verteidigungshaushalte
müssen
wir
unsere
Prioritäten bei den Verteidigungsausgaben eingehend analysieren. Die gegenläufigen Erfordernisse von Haushaltskürzungen und der Modernisierung
von Streitkräften werden sich auf alle strategischen und konventionellen
Rüstungsprogramme
der
Vereinigten
Staaten auswirken, und amerikanische
Entscheidungen über Ausgaben und die
Stellung der Streitkräfte werden unsere Fähigkeit zum Aushandeln erfolgreicher RUstungskontrollabkommen beeinflussen.
Wenn wir den Anschein erwecken,
daß wir zur einer Bereitstellung von
Mitteln für die Modernisierung und
Erhaltung
unserer
strategischen
Streitkräfte nicht bereit sind, werden die Sowjets geringere Bereitschaft zu konstruktivem Verhalten
zeigen, wenn wir die START-Verhandlungen
wiederaufnehmen.
Ähnliche
einseitige Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften der Vereinigten Staaten würden lediglich einem bereits großen sowjetischen Vorteil Vorschub leisten und darüber
hinaus unsere Fähigkeit zum Aushandeln von Reduzierungen bei den Wiener
KSE-Gesprächen
einschränken.
Bei
diesen Gesprächen scheinen wir generelle Übereinstimmung über den Umfang
erster Reduzierungen sowie über einige Kategorien des zu reduzierenden
Geräts (Panzer, Artillerie und Schützenpanzer) und Schlüsselfragen der
Verifizierung erzielt zu haben. Des
Warschauer Pakt fordert eine Reduzierung von Flugzeugen. Unseres Erachtens ist das unklug, da solche Begrenzungen weder verifizierbar wären
noch militärisch ins Gewicht fielen,
da Flugzeuge schnell in Konfliktzonen
zurückgebracht werden könnten.
In
enger Abstimmung mit unseren Verbündenten streben wir nach einem Ergebnis, das die Verteidigungsfähigkeit
des Bündnisses erhält und gleichzeitig alle Vorteile aus einer möglicherweise
einmaligen
Gelegenheit
zum Abbau des Konfliktrisikos in Eu-

Sowohl bei den strategischen als
auch bei den konventionellen Waffen
gestatten uns die Modernisierungprogramme erhebliche Einflußnahme bei
den Verhandlungen. Wie das Beispiel
des INF-Vertrages zeigt, kann die bekundete
Modernisierungsabsicht
für
die Erzielung eines lohnenden Abkommens entscheidend sein. Wir müssen
sicherstellen, daß jegliche Veränderungen im Verteidigungshaushalt nicht
unsere Fähigkeit
zu erfolgreichen
Verhandlungen unterminieren.

Stationierungen und gemeinsame
Manöver
Außerhalb des Rahmens unserer
formellen Bündnisse fördert die zeitweise Bereitstellung amerikanischer
Streitkräfte
unsere
Interessen in
vielen Bereichen, in denen wir nicht
permanent militärisch präsent sind.
Damit wird die militärische Zusammenarbeit erweitert und friedlichen Ländern Sicherheit geboten, wie dies etwa im Persischen Golf geschah. Sie
fördert darüber hinaus die Entwicklung gesunder Beziehungen zwischen
den Streitkräften, mit denen unsere
diplomatischen
Bestrebungen
sowie
Einfluß und Prestige der Vereinigten
Staaten gefördert werden.
Weniger
zeitweise Stationierungen oder gemeinsame Manöver könnten zusammen mit
zurückgehenden Mitteln bei den Hilfsprogrammen den amerikanischen Einfluß
in vielen Teilen der Welt schmälern,
in denen wir keine Bündnisse haben
oder permanent militärisch sind.
Wie Außenminister Baker in seiner
Anhörung vor dem Senat im Amt erklärte, kann mit einer realisitischen
Führungsrolle der Vereinigten Staaten
die Gelegenheit genutzt werden, in
ein friedlicheres und glücklicheres
Zeitalter überzugleiten. Ein umfangreiches Programm liegt vor uns. Angesichts der Beschränkungen im Haushalt müssen wir herausfinden, wie unsere politische und militärische Effektivität bei gleichzeitigen notwendigen Anpassungen unserer Regierungs-

- 5 -

�ausgaben beibehalten werden kann.
Zur Gewährleistung des anhaltenden
Wachstums und der Sicherheit der Vereinigten Staaten wie auch der ganzen
Welt müssen wir bereit sein, eine
starke diplomatische, wirtschaftliche
und militärische Präsenz in denjenigen Teilen der Welt aufrechtzuerhalten oder aufzubauen, in denen wir
wichtige Interessen haben. Wir sind
der Überzeugung, daß durch die gemeinsamen Anstrengungen des Kongresses und der Administration die Verwirklichung dieses wichtigen Ziels
sichergestellt wird.

* * * * * *

�reo ST&gt;

^7

"*"

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^&lt;

17. Mai 1989

20

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 11. Mai 1989
von US-Informationsamt (USIA) herausgegebene Übersicht über den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, amerikanische Truppenpräsenz in
Europa, die START-Verhandlungen sowie Sanktionen gegen den Einsatz oder die
Verbreitung chemischer Waffen.

Arnerikaniseh- sowjeti sehes Treffen
führt zur Wiederaufnahme ßer
Gespräche
Bei Beendigung der Treffen vom
10. und 11. Mai 1989 mit seinem Amtskollegen Schewardnadse erklärte Aussenminister Baker, "wir haben uns auf
eine Wiederaufnahem der Rüstungskontrollverhandlungen in vollem Umfang geeinigt".
Baker zufolge würden die Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) zwischen
dem 12. und 19. Juni in Genf wiederaufgenommen, wobei "ein genauer Termin auf diplomatischem Wege festgesetzt wird".
Der Ständige Konsultativausschuß
(SCC) wird sein Treffen Mitte Juni
fortsetzen, erklärte Baker, um Themen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

im Zusammenhang mit dem ABM-Vertrag
aus dem Jahr 1972 sowie der damit
verbundenen Verifizierung und Einhaltung des Vertrags zu erörtern.
Baker stellte ferner fest, daß
die Gespräche über ein Verbot von
Atomversuchen am 26. Juni 1989 in
Genf wiederaufgenommen würden.
"Am Rande der Genfer Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen werden wir im nächsten Monat bilaterale
Gespräche über chemische Waffen führen", erklärte Baker.
Die amerikanischen
und sowjetischen Regierungsvertreter sprachen
ferner über die konventionellen Rüstungskontrollverhandlungen
in Wien
sowie über vertrauensbildende Maßnahmen.

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Sie kamen überein, "das Rüstungskontrollprogramm zu erweitern und dem
Problem chemischer Waffen und der
Verbreitung von Raketen größere Aufmerksamkeit zu widmen", stellte Baker
fest.

SNF-Diskussion beherrscht Rüstungsfcontro^ldialog
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse brachte im Verlauf seiner Gespräche mit Außenminister Baker
in Moskau das Thema der Modernisierung der Lance-Raketen sowie Verhandlungen über einen Abbau solcher Waffen zur Sprache.
Bei
Beendigung
der
Gespräche
stellte Baker fest, das NATO-Bündnis
"ist im Hinblick auf die Anzahl der
gegenwärtig stationierten taktischen
atomaren Kurzstreckensysteme ins Hintertreffen geraten".
Baker zufolge
haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion aufgefordert, "ihre atomaren Kurzstreckenwaffen abzubauen, um
das Ungleichgewicht geradezurücken.
Und unserer Meinung nach sollte dies
geschehen, bevor wir überhaupt die
Frage von Verhandlungen anschneiden."
Dem vorausgegangen war ein am 5.
Mai zwischen Präsident Bush und Bundeskanzler Kohl begonnener transatlantischer Dialog.
Im Anschluß an
ihre erste private Unterredung erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, infolge der
Gespräche verstünden die beiden Regierungschefs die jeweilige Position
etwas besser und fügte hinzu, "wir
freuen uns immer über ein Ausloten
von Mitteln und Wegen, mit denen die
Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den Bündnispartnern über die Modernisierung und die Frage von Verhandlungen überbrückt werden können".
Die Vereinigten Staaten suchen
"einen Punkt, an dem in etwa ein
Gleichgewicht bei der Kräfteverteilung und Streitkräftestruktur des
Warschauer
Pakts
und
der
NATO
herrscht, bevor sie das Thema SNF anschneiden", stellte Fitzwater fest.
Jedes Gespräch, das zu "einer Entnu-

klearisierung Europas führen würde,
wäre nicht begrüßenswert", fügte er
hinzu.
Im Anschluß an die Gespräche zwischen Bush und Kohl gab die Bundesrepublik bekannt, daß Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg die Vereinigten Staaten vom 17. - 19. Mai zu
weiteren SNF-Gesprächen mit seinem
Amtskollegen Cheney besuchen und Aussenminister Genscher nach Großbritannien reisen werde.
Das Thema SNF löst in Washington
weiterhin heftige Kontroversen aus,
und der Vorsitzende des Unterausschusses des Repräsentantenhauses für
Europa und den Nahen Osten, Lee
Hamilton, erklärte, seiner Ansicht
nach könnten die Vereinigten Staaten
ihre Position nicht aufrechterhalten,
Verhandlungen über SNF abzulehnen.
Hamilton zufolge sollten die Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle und SNF aneinander gekoppelt
werden und die Vereinigten Staaten
sollten ihre ablehnende Haltung zu
SNF-Verhandlungen aufgeben, wenn "wir
zu Verhandlungen über alles andere
bereit sind:
wir verhandeln über
atomare Langstreckensysteme, wir verhandeln über Mittelstreckensysteme,
aber wir sind nicht bereit, über
Kurzstreckensysteme zu verhandeln meiner Meinung nach können wir diese
Position nicht aufrechterhalten."
In der NBC-Fernsehsendung "Meet
the Press" betonte Hamilton, die Stationierung der SNF sei für die Glaubwürdigkeit der Abschreckungsstrategie
der NATO unabdingbar.
"Meiner Ansicht nach kann man das von der Regierung vorgebrachte Argument nicht
von der Hand weisen, man unternehme
eine Gratwanderung zum vollständigen
Abbau aller Waffensysteme, wenn man
Verhandlungen über diese Waffensysteme aufnimmt. Angesichts der sowjetischen Überlegenheit bei den konventionellen Waffen sind wir dagegen.
Die Administration ist meiner Ansicht
nach gut beraten, wenn sie Vorsicht
walten läßt.
Auf die Frage, ob die Vereinigten
Staaten überhaupt nicht zu Verhand-

�lungen bereit seien, antwortete Verteidigungsmnister Cheney am 7. Mai,
"zum jetzigen Zeitpunkt nicht ... im
Augenblick sollte das Schlüsselelement der Rüstungskontrolle in Europa
im Abbau der konventionellen Streitkräfte bestehen; die Sowjets haben
einen überwältigenden Vorsprung im
konventionellen Bereich, und wir haben in Wien einen Vorschlag unterbreitet (ebenso wie die Sowjets) ...
demzufolge die atomaren Kurstreckensysteme jetzt nicht im Mittelpunkt
stehen sollten".
In einem Interview der ABC-Nachrichtensendung "This Week With David
Brinkley" erklärte Cheney, Atomwaffen
seien für Europa wichtig, weil "sie
gegen die konventionellen und nicht
gegen die nuklearen Fähigkeiten der
Sowjets gerichtet sind. Solange das
Ungleichgewicht fortbesteht, benötigen wir diese Atomwaffen."
Ein ehemaliger Rüstungskontrollberater der Reagan-Administration erklärte, seiner Ansicht nach könne
keine Bundesregierung der Modernisierung der veralteten Lance-Rakete oder
Verhandlungen mit den Sowjets über
SNF irgendwelcher Art zustimmen. In
dem gemeinsamen Interview mit Cheney
erklärte
Botschafter
Paul Nitze,
"Dieses Thema ist geeignet, die Bundesrepublik und die NATO in zwei Lager zu spalten."
Er verwies auf die bereits von
Bundeskanzler Kohl abgegebene Erklärung, er wolle durch Verhandlungen
nicht alle SNF abschaffen - eine Meinung, die seiner Ansicht nach von der
Mehrheit
der Bundesbürger geteilt
wird. Nitze zufolge sollten die beiden Bündnisse gleiche Obergrenzen für
SNF anstreben.
"Ich bin nicht sicher, ob die Sowjets dem zustimmen
werden, aber wir sollten es zumindest
versuchen", drängte er.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses,
Les Aspin, wurde in derselben Sendung
wie Nitze interviewt und erklärte,
die Beseitigung aller SNF "ist inakzeptabel."
Dies
sollte
vielmehr
durch "Mandatsgespräche" als durch

Verhandlungen über SNF vermieden werden. "Damit erhält man eine Feuerpause zwischen den Mandatsgesprächen
und den SNF-Verhandlungen an sich",
fügte er hinzu.
Er erklärte, er hege "gewisse
Sympathie" für die von der Bush-Administration vertretene Ansicht, einmal
begonnene SNF-Gespräche "lösen einen
Erdrutsch aus und am Ende haben wir
eine dritte Null-Lösung (die Beseitigung aller landgestützten Atomwaffen)
und diese Gespräche werden am Ende
weit über die konventionellen Abrüstungsgepräche hinausgehen. Für die
Vereinigten Staaten wäre das die
schlechteste aller möglichen Lösungen."

Keine Veränderung bei der Politik
der Vereinigten Staaten zur Truppenpräsenz in Europa
Der Widerstand der NATO-Mitgliedstaaten gegen die Modernisierug von
SNF hat die Diskussionen im amerikanischen Kongreß über einen möglichen
Truppenabzug aus Europa angeheizt,
das Weiße Haus hat jedoch betont, die
Regierung halte an der bisherigen Politik fest.
Die SNF sind "Bestandteil der
flexiblen Reaktion und Teil der Strategie, die hinter unserer Truppenpräsenz in Europa steht", erklärte der
Sprecher des Weißen Hauses am 9. Mai
1989. "Im Augenblick besteht keinerlei Absicht zu einem Kurswechsel in
dieser Politik."
Verteidigungsminister Cheney betonte am 7. Mai, "wir können uns keine Umstände vorsteilen, unter denen
wir amerikanische Truppen in Westeuropa stationiert haben würden und
nicht gleichzeitig einen beträchtlichen Anteil der aus atomaren Kurzstreckensystemen
bestehenden
Abschreckung aufrechterhalten würden.
Das ist eine Tatsache."
In einem Leserbrief in der Ausgabe der New York Times vom 10. Mai
1989 erklärte der Verteidigungsminister, "Nachdem wir 40 Jahre lang

- 3 -

�zur Abschreckung eines Krieges beigetragen
haben,
beabsichtigen
wir
nicht, irgendetwas zu tun, das die
NATO schwächen könnte. Wir haben die
Absicht, unser weltweites Engagement
aufrechtzuerhalten und sind dabei vom
Konzept der Stärke und Wachsamkeit
geleitet, das bisher gewährleistet
hat, daß der Kalte Krieg kalt bleibt."

die Aufmerksamkeit von den Wiener
Verhandlungen
über
Konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) abzulenken. Er betonte, es bestünden größere Chancen als je zuvor, "um herauszufinden, ob wir ein Abkommen über
konventionelle
Rüstungen
erzielen
können".

Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses,
Les Aspin, unterbreitete am 7. Mai
jedoch den Vorschlag, die Vereinigten
Staaten könnten "zwar nicht in diesem
Jahr, aber in den kommenden Jahren"
ihre Truppen aus der Bundesrepublik
abziehen, wenn sie sich weigern würde, der Stationierung von SNF auf ihrem Gebiet zuzustimmen.
"Wenn der
Wunsch nach einer dritten Null-Lösung
- der Beseitigung aller Atomwaffen besteht, dann rückt das Thema "keine
Atomwaffen, keine Truppen" wieder in
den Vordergrund", erklärte er.

Reduzierungen im strategischen
Bereich bleiben P~riorität~~bei der
Rüstungskontrolle

Lehman will konventionelle Rüstungsgespräche_ voranbringen
Am 10. Mai 1989 erteilte der Auswärtige Ausschuß des Senats seine Zustimmung zur Nominierung von Botschafter Ronald Lehman als designiertem Direktor der amerikanischen RUstungskontroll- und Abrüstungsbehörde
(ACDA).
Die Bestätigung durch den
Senat steht noch aus.
In seiner Anhörung vor dem Senat
erklärte Lehman am 5. Mai, die Verhandlungen über strategische und konventionelle Rüstungen stünden für ihn
nach seiner Bestätigung durch den Senat an erster Stelle.
Auf die Frage, ob ein START-Vertrag seiner Ansicht nach noch vor Ende des Jahres unterzeichnet werden
könnte, erklärte Lehman, angesichts
der Verifizierungsprobleme reiche die
Zeit bis Ende des Jahres 1989 wohl
nicht aus, um ein Abkommen zu erzielen.
Lehman erklärte ferner, sollte
sich die NATO mehr mit Kurzstreckensystemen befassen, liefe sie Gefahr,

Der neue ChefUnterhändler für
Kern- und Weltraumwaffen erklärte am
5. Mai vor dem Senat, dem Abschluß
eines START-Vertrages, komme "in der
Rüstungskontrolle erste Priorität" zu.
Vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats
bezeichnete
Botschafter
Richard Burt dies als vordringlichen
Punkt, da die Sowjetunion "das einzige Land der Welt ist, das über die
Kapazitäten verfügt, um dieses Land,
seine Menschen und seine Werte zu
zerstören".
Bei der Anhörung vor dem Senat
warnte Burt - der Außenminister Baker
zu seinem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse
am 10. und 11. Mai nach Moskau begleitet hatte, um einen Termin zur
Wiederaufnahme der Gespräche im Juni
auszuhandeln - davor, daß die Lösung
der schwierigsten Fragen bei START
noch bevorstünde, wie etwa mobile Raketen, Verifizierung und die Verfahrensweisen bei den luft- und seegestützten Marschflugkörpern.
Burt bestand darauf, daß Bestrebungen zum Abschluß eines START-Vertrages ohne Einbeziehung von Einschränkungen der Strategischen Verteidigungsinitiative zur Raketenabwehr (SDI) erfolgen müssen. Ein solcher Vertrag "muß unsere Optionen zur
Entwicklung und Stationierung einer
strategischen Verteidigung schützen".
Der Ausschuß vertagte am 10. Mai
die Abstimmung über Burts Nominierung
auf Wunsch des Abgeordneten des republikanischen Abgeordneten Jesse Helms.

- 4 -

�"Grundsätzliche" Unterstützung von
Sanktionen bei chemischen Waffen
Der Abteilungsleiter für militärpolitische Angelegenheiten im Außenministerium, H. Allen Holmes, erklärte am 4. Mai gegenüber dem Kongreß,
die Bush-Administration sei "grundsätzlich" bereit, gesetzliche Sanktionen gegen Länder zu unterstützen,
die chemische Waffen einsetzen oder
ihrer Weiterverbreitung Vorschub leisten.
Er bestand jedoch darauf, daß jeder neue Gesetzentwurf "der Exekutive
vorgelegt werden muß und es keine automatische Reaktion oder rückwirkende
Anwendung" geben dürfe.
Holmes erklärte, die Vereinigten
Staaten ermutigten ihre Verbündeten
"zur Verstärkung der Exportkontrollen" und hätten auf diplomatischem
Wege versucht, Libyen vom Erwerb der
Fähigkeit zur Herstellung chemischer
Waffen abzuhalten.
"Obwohl wir nicht für uns in Anspruch nehmen können, den Handel mit
Material und Technologie für chemische Waffen unterbunden zu haben, haben wir es einzelnen Ländern doch erheblich erschwert, die Fähigkeit zur
Herstellung chemischer Waffen zu beschaffen oder zu erweitern", erklärte
Holmes.
Holmes verwies ferner darauf, daß
die Vereinigten Staaten in Genf weiterhin um die Aushandlung eines weltweiten Verbots chemischer Waffen bestrebt sein werden.

* * * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
17. Mai 1989

20

STREITFRAGE "KALTE KERNFUSION"
- Wissenschaftler warten auf exakte Angaben zum Versuch
und seinen Resultaten -

WASHINGTON - (AD) - Forscher in aller Welt sind dabei, die Experimente der
Chemiker Stanley Pons (Universität Utah, USA) und Martin Fleischmann (Universität Southampton, England) auf der Basis der bisher erhaltenen Informationen
zu wiederholen. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich, offenbar auch die
Meßmethoden und Meßgeräte. Der Schlußfolgerung der beiden als Elektrochemiker
durchaus respektierten Wissenschaftler, mit einem Palladiumstab als Kathode
und einer um diesen plazierten Platinspirale als Anode in einem Gefäß mit
schwerem Wasser bei Raumtemperatur, ohne zusätzlichen Druck und nur mit Strom
aus einer Autobatterie, eine kontrollierte Kernverschmelzungsreaktion unter
Energiegewinn erzielt zu haben, begegnet die Mehrheit der Experten mit wachsender Skepsis.
Pons und Fleischmann erläuterten
ihre Beobachtung des vierfachen Energiegewinns (in Form von Wärme) mit
einer durch elektrochemische Vorgänge
vorbereiteten, dann im Kristallgitter
des Palladiumstabes zustandegekommenen Verschmelzung
von Deuteronen,
d.h. von Kernen des schweren Wasserstoffs
Deuterium.
Wassermoleküle
werden unter Stromeinwirkung zersetzt
und in Sauerstoff- und Wasserstoffionen aufgespalten. Dabei spielt es
keine Rolle ob es sich um lechtes
Wasser (H2O) oder schweres Wasser
(D2O) handelt.
Die elektrisch positiven Ionen - im ersten Fall Protonen (Kerne des normalen Wasserstoffs
H), im zweiten Fall Deuteronen (Kerne
des schweren Wasserstoffs D, bestehend aus einem Proton und einem Neutron) - wandern zum elektrisch nega-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tiven Pol, der Kathode. Das Halbedelmetall Palladium ist für Wasserstoff besonders stark aufnahmefähig.
Die beiden Chemiker vermuten, daß die
bei
Stromfluß
in das
PalladiumKristallgitter einsickernden Deuteronen nach gewisser Zeit so dicht darin
"gepackt" sind, daß die gegenseitige
Abstoßung der Teilchen gleicher elektrischer Ladung überwunden wird und
es zur Kernverschmelzungen kommt.
Dabei wird Energie frei - aber nach
Meinung der Nuk!earphysiker geht die
Rechnung
mit
den
von
Pons und
Fleischmann ermittelten Umsetzungsdaten nicht auf. Ein sehr wichtiger
und bekannter Faktor fehle - nämlich
Gammastrahlung oder ein dichter Strom
freigesetzter Neutronen.
Vor

einem

Ausschuß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

des

ameri-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kanischen
Kongresses
bezeichnete
Fleischmann am 26. April 1989 das Experiment, über das er und Pons am 23.
März auf einer Pressekonferenz in
Salt Lake City zum ersten Mal berichtet hatten, als eine Form von Fusion,
die der Wissenschaft zuvor unbekannt
gewesen sei.
Sein Kollege und er
hätten jahrelang mit bestimmten Materialien und chemischen Reaktionen im
elektrischen
Feld
experimentiert.
Was sie jetzt erreicht hätten, sei
"kein Schuß ins Blaue" gewesen, sondern basiere auf logischen Überlegungen zu der Fragestellung, was unter
gegebenen Bedingungen geschehen werde. "Natürlich müssen jetzt die theoretischen Überlegungen und Hypothesen verbessert werden ... und diese
Forschung ist eindeutig Sache der
ganzen wissenschaftlichen Welt", sagte Fleischmann.
Angesichts des wachsenden weltweiten Interesses an "kalter Kernverschmelzung" wies das amerikanische
Energieministerium ungeachtet der gegenwärtigen Unklarheiten seine nationalen Laboratorien an, Forschungen zu
verstärken, die zum Verständnis des
Phänomens führen könnten. Energieminister James D. Watkins möchte alle
Möglichkeiten sondiert wissen, die
vielleicht
zur Erschließung einer
neuen Energiequelle führen könnten.
Er verwies jedoch darauf, daß der
Prozeß, der bei den Experimenten zu
der berichteten Freisetzung von Wärme
geführt habe, bisher nicht bekannt
sei - ob es sich nun um einen nuklearen, chemischen, mechanischen oder
anderen Vorgang gehandelt habe. Das
Parlament des amerikanischen Bundesstaates Utah bewilligte inzwischen
fünf Millionen Dollar zur Durchführung weiterer Experimente.
(Bisher
waren von den beiden Wissenschaftlern
ca. 100 000 Dollar dafür aufgewandt
worden.) Unter der Leitung von James
Fletcher, der kürzlich als Chef des
US-Amtes
für
Luft- und
Raumfahrt
(NASA) zurücktrat, sollen die Studien
für das Projekt von Utah aufgeteilt
und die Gelder an Universitäten und
Privatunternehmen vergeben werden.

Kernfusion ist der Prozeß im Innern der Sterne, also auch in unserer
Sonne, bei dem mehr Energie freigesetzt als verbraucht wird. Er wird,
ließe er sich technisch nutzen, als
ideal angesehen, weil dabei relativ
wenig radioaktiver Abfall entsteht.
Und der Brennstoff, schweres Wasser,
wäre in großen Mengen billig aus
Meerwasser zu gewinnen.
Im nicht
kontrollierten Ablauf
besitzt der
Prozeß ein ungeheures Zerstörungspotential
(z.B.
Wasserstoffbombe).
Seit Mitte der fünfziger Jahre beraühen sich Forscher in der ganzen Welt
darum,
eine
kontrollierte,
sich
selbst
erhaltende
Wasserstoff-Fusionsreaktion
zustandezubringen.
Dies aber war bisher nur bei sehr hohen Temperaturen mit mehreren Millionen Grad für sehr kurze Zeit möglich,
und reichte nicht aus, um wenigstens
bis zum "break-even point", d.h. zum
Gleichgewicht
zwischen
Energieverbrauch und Energiegewinn, zu gelangen. In letzter Zeit konzentrierten
sich in den USA viele Hoffnungen auf
die
mit
Magnetkräften
arbeitende
"Compact Ignition Tokamak"-Maschine,
die an der Universität Princeton errichtet werden soll, und auf die
"Nova"-Maschine am Lawrence Livermore
National Laboratory, wo mit enorm hoher Laser-Energie Deuterium in winzigen Kügelchen zum Verschmelzen gebracht wird.
Die Experimente von Pons und
Fleischmann
wurden
inzwischen
in
zahlreichen Instituten der Vereinigten Staaten sowie von Wissenschaftlern in Italien, in der Sowjetunion,
in Ungarn, Indien, Brasilien und in
der Bundesrepublik Deutschland teilweise oder ganz nachvollzogen. Aber
nur ganz selten fand man ähnliche Ergebnisse, die dann häufig nicht wiederholbar waren. Die meisten amerikanischen und europäischen Forschergruppen sind nicht überzeugt, daß es
sich bei dem in Utah beobachteten
Phänomen
um
Kernfusion
handelte.
Pons und Fleischmann berufen sich jedoch darauf, nicht nur die Freisetzung von Wärme, sondern auch von Neutronen sowie die Bildung von Tritium

v

i
*

�und Helium festgestellt zu haben also von erwarteten Nebenprodukten
der
Kernverschmelzungsreaktionen.
Auch sei der "break-even point" überwunden worden.
Die Reaktion habe
mehr Energie erbracht als verbraucht.
Pons und Fleischmann erklärten
ferner, nach dem von ihnen angewandten Prinzip könnten Großanlagen zur
Erzeugung von Wärme und Strom gebaut
werden. Das würde bedeuten, daß saubere, billige Energie praktisch unbegrenzt verfügbar wäre. Ein einziges
Gramm Deuterium setze so viel Energie
frei wie in ca. 9500 Litern Benzin
enthalten sei. Allerdings müsse, so
Fleischmann, zum Verständnis der Vorgänge weiter an den wissenschaftlichen
Grundlagen
gearbeitet
und
außerdem der Wert des Verfahrens für
die Energieökonomie gründlich untersucht werden.
Eine Forschergruppe an der Stanford-Universität (Kalifornien) unter
Leitung von Prof Robert A. Huggins
(Werkstoffwissenschaftler) berichtete
am 18. April, den Fusionstest erstmals in einem Experiment mit exakten
Kontrollbedingungen durchgeführt zu
haben. Man habe zwei Versuchsreihen
nebeneinander laufen lassen, wobei
einige
Palladium-Platin-Zellen
mit
schwerem Wasser, andere mit normalem
(leichtem) Wasser gefüllt waren. Ergebnis: Die Schwerwasser-Version erbrachte 50 Prozent mehr Wärmeenergie,
als verbraucht wurde, die Leichtwasser-Version brachte dagegen keinen
Wärmeüberschuß. Dies wurde als Anzeichen für eine nukleare, nicht für
eine chemische Reaktion verstanden,
da alle denkbaren chemischen Reaktionen in Verbindung mit leichtem Wasser
genauso
ablaufen
müßten wie mit
schwerem Wasser.
George Chapline,
Physiker am Lawrence Livermore National Laboratory, meinte dazu jedoch,
das Experiment der Stanford-Gruppe
beweise "nicht zwangsläufig", daß die
Wärmeentwicklung auf nukleare Reaktionen zurückzuführen sei.

giert, ebenfalls Neutronen aus einer
"kalten Kernfusion" im Labor beobachtet zu haben. Ihren ersten Angaben
hätten
Meßfehler
zugrundegelegen,
sagten beispielsweise Forscher am
Georgia
Institute
of
Technology.
Professor
Ronald
Ballinger
vom
Massachusetts Institute of Technology
(MIT) in Cambridge berichtete dem
Kongreßausschuß, daß seines Wissens
keine Forschergruppe - vielleicht mit
Ausnahme der Stanford-Universität die experimentellen Ergebnisse, die
an der Universität Utah erzielt wurden, habe nachvollziehen können. Am
MIT sei bisher keines der Ergebnisse
bestätigt worden "ungeachtet der Tatsache, daß wir ... sehr viel genauere
und empfindlichere Strahlenmeßmethoden anwenden als die Universität
Utah". Ihm und den anderen Gruppen
fehlten
ohnehin
genügend
wissenschaftliche Details der Utah-Versuche, die garantieren, "daß wir die
Experimente
tatsächlich
genauso
durchführen".
Fleischmann bezeichnete es als
Zeitvergeudung anderer Forschergruppen, nach großen Mengen von Neutronen
und anderen herkömmlichen Begleitproduktion einer Kernfusion zu suchen.
Vielmehr sei man an der Universität
Utah auf eine bislang unbekannte Art
von Kernfusion gestoßen, die als ungewöhnliches
Nebenprodukt
Helium-4
freisetze, dazu sehr viel Wärme und
einige andere Produkte.

Forscher aus anderer Institutionen haben inzwischen Aussagen korri- 3 -

�</text>
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              <text>Amerikadienst 17.05.1989</text>
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          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA würden "Rückkehr der Sowjetunion in die Weltordnung begrüßen"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush in Texas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Bedrohung noch nicht als schwächer zu bezeichnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Kimmitt vor dem Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Streitfrage "Kalte Kernfusion"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wissenschaftler warten auf exakte Angaben zum Versuch und seinen Resultaten&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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