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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

10. Mai 1989

19

I N H A L T

DOKUMENTATION
Walters zum Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen
~ Rede de^s~lTs-BotschaFters bei "der-Er Öffnung der 35. deutschamerikanischen Freundschaftswoche -

HINTERGRUNDMATERIAL

Stand der Rüstungskontrollverhandlungen

- Wöchentliche Ü b e r s i c h t Atomare Ki^jrtj^y^jasyjsjtenie
- "Eine IJbeTsTcht der ACDA'"
VSBM sind von Optimismus, Realitätssinn und Vernunft geleitet
- Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Radarsonde MAGELLAN auf dem Weg j^ur JVenus
~ T n ~2y0~km~Höhe vöiTYordT dVsTYa^mtransVorters ATLANTIS gestartet

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

10. Mal 1989

19

WALTERS ZUM STAND DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Botschafters bei der Eröffnung
der 35. deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche -

(AD) - In einer Ansprache anläßlich der Eröffnung der 35. deutsch-amerikanische Freundschaftswoche am 7. Mai 1989 in Stuttgart nahm Botschafter Walters
zum gegenwärtigen Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen und zum OstWest-Verhältnis Stellung. Dem Botschafter zufolge haben die deutsch-amerikanischen Beziehungen "durch die noch lebendigen Erinnerungen an den Krieg und
das enge Verhältnis der Nachkriegszeit eine seltsam emotionale Qualität erhalten".
Einen Höhepunkt der Feierstunde bildete die Verleihung der Lucius D.
Clay-Medaille an den (nicht anwesenden) Kongreßabgeordneten Lee H. Hamilton,
dessen Arbeit für das beiderseitige Verständnis hierdurch gewürdigt wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Botschafters im Wortlaut.
Herr Bundesaußenminister,
Herr Ministerpräsident,
Herr Oberbürgermeister,
Frau Frank,
meine Damen und Herren,
es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, so kurz nach meiner Ankunft
in der Bundesrepublik mit Ihnen gemeinsam die jährlich stattfindende
Freundschaftswoche des Verbands der
Deutsch-Amerikanischen Clubs eröffnen
und gleichzeitig im Namen des Kongreßabgeordneten Lee Hamilton die Lucius D. Clay-Medaille in Empfang nehmen zu dürfen.
Der Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs hat dem Kongreßabgeordneten Hamilton eine große und verdiente Ehre erwiesen. Ebenso wie er

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Embassy of the United States of America

bedauere auch ich, daß er heute nicht
anwesend sein kann, um die Auszeichnung persönlich entgegenzunehmen.
Ich kenne Lee Hamilton seit vielen Jahren. Er ist eines der fähigsten und engagiertesten Mitglieder
des Repräsentantenhauses. Er verfügt
dort über großen Einfluß, insbesondere in seinem Spezialbereich Auswärtige Angelegenheiten. Er ist schwierigen Problemen oder Aufgaben nie aus
dem Weg gegangen - seine Arbeit als
Vorsitzender
des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Iran-Contra-Affäre ist Beweis dafür. Als
Vorsitzender des Unterausschusses für
Europa und den Nahen Osten im Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses muß er sich mit einer Reihe heikler, kritischer Fragen auseinander-

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�setzen. Als Vorsitzender des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des Kongresses ist er vehementer Gegner internationaler Handelshemmnisse. Obwohl die Ansichten des Kongreßabgeordneten Hamilton zu zahlreichen Themen von denen der Reagan- und BushAdministration - und meinen eigenen abweichen, hat er sich stets für Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und
der Exekutive eingesetzt.

bührt Ihnen viel von diesem Verdienst.
Und dennoch müssen sich heute
viele von Ihnen sehr frustriert fühlen. Nachdem S^e so lange und intensiv für die deutsch-amerikanische
Freundschaft gearbeitet haben, hat es
den Anschein, als ob die täglichen
Beziehungen zwischen unseren beiden
Ländern heute schlechter sind als je
zuvor in den vergangenen 40 Jahren.

Heute sollten wir uns jedoch vor
allem
daran
erinnern,
daß
Lee
Hamilton ein großer Freund der Bundesrepublik und der Deutschen ist.
dnd aus dierem Grund ist er Vorsitzender der Studiengruppe Deutschland
des amerikanischen Kongresses und unterstützt das Jugendaustauschprogramm
zwischen Kongreß und Bundestag. Er
hat immer wieder bewiesen, daß er die
Bedeutung
enger
deutsch-amerikanischer Bindungen zu würdigen weiß.
Mindestens ebenso wichtig ist, daß
der Kongreßabgeordnete Hamilton der
Tatsache Rechnung trägt, daß Zusammenarbeit nicht ^usr^hließlich Sache
der R' öierungen ist. Er ist ebenso
wie ich davon überzeugL, daß unsere
Beziehungen sich auf menschliche Kontakte und Freundschaften zwischen
ganz
"gewöhnlichen" Deutschen und
Amerikanern gründen müssen.

Aus den Vereinigten Staaten vernehmen wir Beschwerden darüber, daß
die Deutschen nicht länger bereit
seien, ihren Anteil an unserer gemeinsamen Verteidigung
zu tragen.
Kurzsichtig drängten sie auf einen
Rüstungsabbau, der die gesamte NATO
in Gefahr bringen könnte. Sie seien
Gorbatschows "Offensive des Charmes"
kritiklos
erlegen.
Die
deutsche
Agrar- und
Handelspolitik
schädige
sowohl die Vereinigten Staaten als
auch die um ihr Überleben kämpfenden
Länder der Dritten Welt. Und obwohl
die Deutschen mit allen Handel treiben würden, hielten sie sich aus gefährlichen regionalen Konflikten heraus, statt zu deren Lösung beizutragen.
Die Präsenz der verbündeten
Streitkräfte werde eher als Last denn
als Beitrag zur Sicherheit der Bundesrepublik angesehen.

Diesen Punkt brauche ich Ihnen
gegenüber - die Sie aktiv an der Arbeit der Deutsch-Amerikanischen Clubs
teilnehmen - nicht zu betonen. Über
viele Jahre hinweg haben Sie private
Energien und Mittel freigesetzt, um
deutsche und amerikanische "Normalbürger" zusammenzubringen. Sie haben
dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen und die in den Lehrbüchern, Unterrichtsräumen und Medien so häufig
wiederholten falschen Bilder zurechtzurücken.
Sie haben unseren jungen
Menschen geholfen, dauerhafte Freundschaften aufzubauen. Sie haben das
Leben Tausender amerikanischer Soldaten und ihrer Familien bereichert.
Wenn Deutsche und Amerikaner heute
bereit sind, einander zu mögen und zu
unterstützen - und meiner Ansicht
nach sind sie dazu bereit - so ge-

Auf dieser Seite des Atlantiks
hören wir, daß die Vereinigten Staaten die deutsche Souveränität nicht
respektierten. Die Amerikaner machten sich zuwenig Gedanken über die
besondere Gefahr, der sich die Deutschen an der Frontlinie der NATO-Verteidigung ausgesetzt sehen. Amerika
versuche, den Konsequenzen seiner eigenen Verschwendung zu entfliehen,
indem es den deutschen Steuerzahler
auspresse, die deutschen Bauern in
die Armut dränge und die deutschen
Produzenten von ausländischen Märkten
vertreibe.
Daß die Amerikaner von
den Deutschen Dankbarkeit für die
Präsenz ausländischer Truppen erwarteten, die mit ihren Manövern und
Tiefflügen den Tagesablauf beeinträchtigen.

�Anschuldigungen wie diese dürfen
nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Selbst wenn sie selten
mehr als ein Körnchen Wahrheit enthalten - und häufig nicht einmal das
- stehen sie doch für Gefühle, die
uns entzweien können. Menschen, die
sich wie Sie eingehend mit den
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
auseinandersetzen, kommt daher eine
besondere Verantwortung zu. Es ist
Ihre Aufgabe - unsere Aufgabe - den
Bürgern unserer beiden Länder komplexe Probleme leichter verständlich zu
machen, unsere Schwierigkeiten in die
richtige Perspektive zu setzen und in
einen Kontext zu betten, der uns falsche Schlußfolgerungen aus alltäglichen Ereignissen vermeiden läßt.
Natürlich gibt es Probleme in unserem Verhältnis. Es gibt echte Meinungsverschiedenheiten, von denen einige tatsächlich divergierende nationale Interessen widerspiegeln.
Es
wäre dumm und gefährlich, vorzugeben,
solche
Unterschiede
existierten
nicht.
Unser
Verständnis
der
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
scheint jedoch von einer ungewöhnlichen Anzahl von Trugschlüssen belastet zu sein.
Drei dieser Trugschlüsse fallen besonders ins Auge.
Erstens, der Trugschluß der Neuheit.
Sowohl Amerikaner als auch
Deutsche haben wiederholt mit einem
gerüttelt Maß an Angst auf beiden
Seiten das "Ende der Nachkriegszeit"
in unseren Beziehungen verkündet.
Dasselbe haben wir in den Jahren des
Vietnamkriegs und während der Raketendebatte Anfang der achtziger Jahre
gesagt.
Bei
der
Eröffnung
der
deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche in Mannheim betonte Botschafter
Burns vor sieben Jahren die grundlegende Stärke der deutsch-amerikanischen Freundschaft und stellte die
Frage:
"Warum ist der öffentliche
Dialog zwischen Deutschen und Amerikanern in der letzten Zeit so mißtönend geworden?"
Auch aus seiner
Sicht gehörten zur Aufrechterhaltung
von Beziehungen zwischen zwei einander freundschaftlich gesonnenen aber

auch konkurrierenden Staaten, deren
Interessen so eng miteinander verflochten sind, tatsächlich manchmal
auch Mißtöne.
Zweitens gibt es den Trugschluß
der Identität. Es ist allzu leicht besonders für Amerikaner -, zu vergessen, daß Deutsche und Amerikaner
nicht völlig gleich sind. Wie könnten wir dies auch sein? Geopolitisch
und historisch ist Amerika mit Europa
verbunden, zugleich aber liegt es
weit davon entfernt. Durch die Tatsachen der europäischen Geographie,
seit langem bestehende Handelsverflechtungen und eine jahrhundertealte
Politik- und Kulturgeschichte werden
die Deutschen jedoch zwangsläufig daran erinnert, daß sie sich mitten auf
der großen Wasserscheide zwischen Ost
und West befinden. Es trifft zu, daß
wir eine reiche gemeinsame Kultur und
zahlreiche Grundwerte teilen.
Wir
glauben beide an Demokratie, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Aber es gibt auch eine ganze
Reihe deutsch-amerikanischer Gegensätze - Stabilität kontra Mobilität,
Sicherheit kontra Möglichkeiten, Homogenität kontra Vielfalt. Wir sind
nicht gleich, und wenn wir Amerikaner
so beurteilen, als seien sie Deutsche
oder Deutsche, als seien sie Amerikaner, tun wir einander unrecht.
Drittens besteht ein gefühlsmäßiger Trugschluß. Durch die noch lebendigen Erinnerungen an den Krieg
und das enge Verhältnis der Nachkriegszeit erhalten die deutsch-amerikanischen Beziehungen eine seltsam
emotionale Qualität. Jede Meinungsverschiedenheit wird unabhängig vor
ihrer "wirklichen" Bedeutung gern zu
einer Krise zwischen den beiden Ländern hochstilisiert. Jeder Deutsche,
der die Vereinigten Staaten kritisiert, ist "antiamerikanisch", jeder
nörgelnde
Amerikaner
"antideutsch"
eingestellt.
Ich
möchte
nochmals
betonen:
Zwischen uns bestehen reale Meinungsverschiedenheiten und reale Probleme,
die gelöst werden müssen. Ich bilde

- 3 -

�mir nicht ein, daß wir immer derselben Meinung sein können oder sollten
- dies wurde uns in den vergangenen
zehn Tagen erneut deutlich vor Augen
geführt.
Und,
Herr
Minister
Genscher, ich gehe davon aus, daß Sie
in mir, wie in jedem amerikanischen
Botschafter, den sie kennengelernt
haben, in vielen Dingen einen energischen Anwalt der amerikanischen Haltung sehen werden. Ich hoffe, Sie
werden dasselbe für Ihre Seite tun.
Ich hoffe jedoch auch, daß wir beide
- und alle, die Sie hier versammelt
sind - im Gedächtnis behalten werden,
daß unsere Aufgabe in der Lösung von
Problemen besteht - so partiell, unvollkommen und unbefriedigend unsere
Lösungen auch häufig sein mögen.
Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen wir sowohl vor den von
mir erwähnten Trugschlüssen als auch
deren Spiegelbildern auf der Hut
sein. Wir sollten uns nicht von Emotionen überwältigen lassen - aber wir
sollten auch nicht zu dem Schluß kommen, es bestehe kein Grund zur Sorge
um di i deutsch-amerikanischen Bezieh e -en. Während wir uns unsere Verschiedenartigkeit vor Augen halten,
müssen wir nicht zwangsläufig zu der
Schlußfolgerung gelangen, die Unterschiede zwischen uns seien so groß,
daß keinerlei Gemeinsamkeiten bestehen. Vor allen Dingen sollten wir
den Trugschluß des vermeintlich Neuen
vermeiden ohne in eine ebenso gefährliche geistige Starrheit zu verfallen. Die Welt verändert sich wirklich. Wer hätte vor einem Jahrzehnt
Gorbatschow und "Glasnost" vorhersehen können? Wir hätten gelacht, wenn
uns jemand erzählt hätte, das sowjetische Regime werde bald Demonstrationen auf dem Roten Platz und Autonomiebestrebungen in den Baltischen Republiken tolerieren, die Werke von
Nabokow und Solschenitzyn veröffentlichen, einen ersten, unsicheren Versuch freier Wahlen wagen oder echte
Begrenzungen ihrer Streitkräfte anbieten.

zen würden - aber wir wären noch törichter, wenn wir die Geschehnisse
dort ignorieren würden. Wir im Westen müssen versuchen, diese Veränderungen zu verstehen, auf sie zu reagieren und sie weiter voranzutreiben.
Wir müssen dies gemeinsam tun. Diese
Veränderungen machen es zwingend erforderlich, daß Deutsche und Amerikaner enger zusammenarbeiten als je zuvor - selbst, wenn Veränderung auch
bedeutet, daß dies häufig schwieriger
erscheint als jemals zuvor.
Eine wichtige Veränderung hat besondere Auswirkungen auf die deutschamerikanische Freundschaft. Noch vor
wenigen Jahren wurde die politische
und intellektuelle Szene in der Bundesrepublik ebenso wie in den Vereinigten Staaten von denjenigen beherrscht, die lebhafte persönliche
Erinnerungen an den Krieg und die unmittelbare
Nachkriegszeit
hatten.
Nun ist hier eine neue Generation
herangewachsen,
deren
dominierende
Eindrücke
im
Hinblick
auf
die
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
von den Konflikten der sechziger und
siebziger Jahre geprägt wurden, nicht
von dem Wiederaufbau der späten vierziger oder der engen Zusammenarbeit
der fünfziger Jahre. In den Vereinigten Staaten gibt es eine "Nachfolgegeneration", die praktisch überhaupt kein Bild von Deutschland hat.
Während also unsere Zusammenarbeit in einer sich verändernden Welt
immer mehr an Bedeutung gewinnt,
nimmt unser Wissen über den Partner
ständig ab.
Das ist gefährlich.
Wenn wir nicht in der Lage sind, die
Gesellschaft des andern zu verstehen,
werden wir nicht effektiv miteinander
kommunizieren oder unsere jeweiligen
politischen Maßnahmen und Ziele richtig einschätzen können. Es ist deshalb unabdingbar, daß wir alles in
unserer Macht Stehende zur Gewährleistung der Kontinuität der deutschamerikanischen Freundschaft tun, indem wir unsere jungen Menschen zusammenbringen.

Wir wären töricht, wenn wir das
Tempo des Wandels 4a Orlen überschät- 4 -

Als

Botschafter

der

Vereinigten

�Staaten
in
der
Bundesrepublik
Deutschland beabsichtige ich, mich
voll und ganz für die Bewahrung der
Bindungen einzusetzen, die in den
vergangenen vierzig Jahren soviel zu
unserer Sicherheit und unserem Wohlstand beigetragen haben. Ich weiß,
daß Präsident Bush und viele andere
Amerikaner ebenso entschlossen sind,
dies zu tun. Ich weiß, daß viele
Mitglieder Ihrer Regierung, angefangen mit Bundeskanzler Kohl, die gleiche Überzeugung hegen. Aber nur mit
Ihrer Hilfe werden wir Erfolg haben.
Unsere politischen und wirtschaftlichen Beziehungen hängen letztlich von
persönlichen Beziehungen ab.
Auf
diesem Gebiet sind Sie, die Mitglieder der Deutsch-Amerikanischen Clubs
überall in diesem Land sowie ihre
Partnerorganisationen in den Vereinigten Staaten die wahren Experten.
Im Grunde meines Herzens bin ich
ein Optimist.
Über vierzig Jahre
lang hat das Bündnis seine Meinungsverschiedenheiten lösen können. Ich
spiele die heute bestehenden Differenzen nicht herunter. Aber ich bin
zuversichtlich, daß wir sie nicht nur
überwinden werden, sondern daß letztlich das Verhältnis zwischen unseren
beiden Ländern enger als je zuvor
sein wird.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

19

10. Mai 1989

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über
den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen sowie chemische Waffen.

Europäisch-amerikanische
über Kurzstreckenraketen
zu

Kontroverse
spitzt sich

Die
Kontroverse
über
atomare
Kurzstreckensysteme (SNF) - ob modernisiert, verhandelt oder eine Kombination von beidem vorgenommen werden
soll - hielt diese Woche an.
Die britische Premierministerin
Thatcher, die eine Modernisierung befürwortet, traf mit Bundeskanzler
Kohl zusammen, der für baldige Verhandlungen der NATO mit der Sowjetunion über Obergrenzen für atomare
Kurzstreckensysteme
und
Geschütze
eintritt.
Premierministerin
Thatcher ist
beunruhigt
über
die zahlenmäßige

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Überlegenheit der Sowjets bei SNF von
7:1. Ebenso wie Präsident Bush befürwortet sie ein Nachfolgesystem für
die derzeitige westliche Version der
Kurzstreckenrakete Lance und lehnt
Gespräche über einen Abbau der SNF
mit Moskau ab.
Premierministerin
Thatcher zufolge sind SNF "für die
NATO-Strategie der flexiblen Reaktion
unabdingbar".
Laut im Anschluß an das Treffen
vom 30. April 1989 in Deidesheim veröffentlichten Presseberichten gelang
es Thatcher und Kohl nicht, ihre Differenzen zu bereinigen. Premierministerin Thatcher, die auf einen Kommentar zur deutschen Position verzichtete, erklärte nur, die Gespräche
seien "sehr offen und sehr freundlich" gewesen.
Kohl zufolge werde

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�seine Regierung versuchen, in den Wochen vor dem NATO-Gipfeltreffen Ende
Mai "die Grundlage für eine gemeinsame Entscheidung" über SNF zu erarbeiten.
In Washington erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, am 3. Mai, die Aufnahme von
SNF-Verhandlungen mit der Sowjetunion
"wäre ein schwerer Fehler, da es keine gemeinsame Grundlage gibt, auf der
solche Verhandlungen aufbauen könnten
... weil Moskau die Beseitigung aller
Nuklearsysteme aus Europa anstrebt.
Eine solche Entnuklearisierung des
Kontinents würde dann die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion
zum entscheidenden Kriterium für die
Sicherheit Europas machen."
Präsident Bush "mißt Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte
höchste Priorität bei", so Fitzwater.
"Wir müssen uns zuerst mit den konventionellen Streitkräften auseinandersetzen. Die Reihenfolge ist aufgrund der Überlegenheit bei den konventionellen Streitkräften entscheidend", über die die Sowjetunion und
ihre Verbündeten im Warschauer Pakt
verfügen, erklärte Fitzwater.
Paul Nitze, der ehemalige ChefUnterhändler bei den RUstungskontrollverhandlungen, erklärte der New York
Times gegenüber, es sei ein Fehler,
keine Gespräche mit der Sowjetunion
über SNF-Reduzierungen aufzunehmen.
Ihm zufolge könnte die Opposition der
Bundesrepublik gegen den amerikanischen Ansatz eine Krise für Bonn und
das gesamte NATO-Bündnis hervorrufen.
Die amerikanische Politik ist "für
Europa politisch unmöglich", stellte
er fest. Seinen Argumenten zufolge
übertrifft der sowjetische Bestand an
Kurzstreckenraketen den des Westens
und SNF-Gespräche könnten zur Behebung des Ungleichgewichts eingesetzt
werden. Er habe erst kürzlich Außenminister Baker über die möglichen
Folgen der von Bush bei Kurzstreckensystemen vertretenen Politik gewarnt.
Auf dem Capitol Hill legten in

der Zwischenzeit der Vorsitzende des
Streitkräfteausschusses des Senats,
Sam Nunn, gemeinsam mit Ausschußmitgliedern eine dreiteilige RUstungskontrollstrategie vor: die Bundesrepublik würde die Stationierung einer
Lance-Nachfolgerakete
akzeptieren;
die Vereinigten Staaten würden Verhandlungen über Kurzstreckensysteme
unter der Voraussetzung zustimmen,
daß die Obergrenze für diese Raketen
mindestens 50 Stück betragen würde
und SNF-Verhandlungen an Fortschritte
beim
Abbau
der
konventionellen
Streitkräfte in Europa gebunden seien.
Der amerikanische Verteidigungsminister Cheney erklärte Nunn gegenüber, er würde die Reduzierung des
sowjetischen
SNF-Bestands
auf ein
gleiches Niveau mit dem Westen begrüßen, wenn jedoch SNF-Verhandlungen
in die Wege geleitet würden, gäbe es
seiner Ansicht nach ernsthaften politischen Druck im Hinblick auf die
vollständige Beseitigung dieser Raketen. Er verwies darauf, daß die amerikanischen taktischen Nuklearraketen
in Europa nicht zur Abwehr sowjetischer Raketen sondern gegen sowjetische
konventionelle
Fähigkeiten
stationiert seien.
Cheney zufolge sei ein dreigleisiger Ansatz sicherlich eines Tages
in Erwägung zu ziehen, ebenso wie das
Weiße Haus bestehe er jedoch darauf,
daß die erste Priorität bei der Rüstungskontrolle dem Abbau konventioneller Streitkräfte zukomme.
Ebenfalls für SNF-Verhandlungen
trat eine überparteiliche Gruppe ehemaliger Vertreter der Regierungen
Reagan, Nixon und Carter ein - der
Ausschuß für Nationale Sicherheit -,
der am 1. Mai 1989 einen Bericht mit
dem Titel "Neues Denken in der sowjetischen Verteidigungspolitik - Neue
Chancen für amerikanische RUstungskontrollinitiativen" vorgelegt hatte.
Der Bericht stellt fest, "klügeres Strategiedenken, der interne politische Nutzen eines Abbaus für die
NATO und die Tatsache, daß die Recht-

�fertigung dieser (SNF) Waffen an sich
abnimmt" deuten alle auf eine Möglichkeit zur Reduzierung einer beträchtlichen Anzahl dieser Systeme
hin.
Darüber hinaus wird erklärt,
der bloße Beginn von SNF-Verhandlungen bedeute nicht zwangsläufig, daß
alle diese Waffen beseitigt werden
würden - was die Bush-Administration
vehement zu vermeiden versucht hat.

f

s

Der Bericht forderte ferner, Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen (START) dürften nicht verzögert werden, "während
man auf Fortschritte beim Abbau konventioneller Rüstungen wartet", da
solche Verhandlungen sich aller Voraussicht nach in die Länge ziehen
würden.
Im Weißen Haus schloß Fitzwater
die Möglichkeit eines Kompromisses
zum Thema Verhandlungen nicht aus,
betonte jedoch: "Wir haben Position
bezogen."

Größere Offenheit
sprächen

bei

den

VSBM-Ge-

Die Vereinigten Staaten wollen
sich bei der neuen Runde der Wiener
Gespräche über Vertrauens- und Sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSBM)
auf größere Offenheit in den OstWest-Beziehungen konzentrieren, erklärte der amerikanische Chefunterhändler John Maresca.
In einem Interview mit der "Stimme Amerikas" erläuterte Maresca einige der in dieser Hinsicht vom Westen
unterbreiteten Vorschläge:
&gt;

Jährlicher
Informationsaustausch
unter den 35 in Wien verhandelnden
KSZE-Teilnehmerstaaten, der
eine Beschreibung aller Streitkräfte umfaßt.
Erweiterte Inspektionen. Zusätzlich zu den derzeitigen zwei Inspektionsmethoden - Beobachtung
militärischer Übungen und "Adhoc-Inspektionen"
militärischer
- 3

Aktivitäten - möchte der Westen
eine dritte Art der Inspektion
einführen, ... um die über Truppenstärke zur Verfügung gestellten Informationen auszuwerten das heißt, Inspektionen zu ermöglichen, solches Gerät wie Panzer
beispielsweise
routinemäßig
zu
zählen.
Solche
Inspektionen
könnten ein "besseres Bild darüber vermitteln, wie die normale
Truppenstärke aussieht".
Seminare, "bei denen führende Militärs zusammenkommen, ihre jeweilige
Politik erläutern und
Fragen beantworten würden".
Die neue Verhandlungsrunde ist
vom 5. Mai bis Mitte Juni 1989 vorgesehen.

Geringe
Fortschritte
chemischer Waffen

beim

Verbot

Beim am 27. April 1989 beendeten
ersten Teil der Genfer Abrüstungsverhandlungen wurde ein "gerüttelt Maß"
an technischen Einzelheiten für ein
Verbot chemischer Waffen erarbeitet,
bei umfassenderen Themen, wie beispielsweise der Verifizierung, wurden
jedoch nur "minimale" Fortschritte
erzielt, erklärt der amerikanische
Vertreter
bei
den
Verhandlungen,
James Granger.
Die aus 40 Nationen zusammengesetzte Genfer Abrüstungskonferenz hat
auf der Grundlage eines amerikanischen Vertragsentwurfs aus dem Jahr
1984 ein umfassendes und wirksames
weltweites Verbot der Entwicklung,
Produktion, Lagerung Weitergabe und
des Einsatzes chemischer Waffen zum
Ziel. Die Konferenz muß sich mit einer Tagesordnung von über 30 Verhandlungsthemen befassen.
Der "Höhepunkt" der in diesem
Jahr erzielten Fortschritte, erklärte
Granger dem US-Informationsamt (USIA)
gegenüber, bestand in probeweisen Inspektionen
ziviler
Chemiefabriken,
die von einigen Teilnehmerstaaten der

�Genfer
Abrüstungskonferenz,
einschließlich der Vereinigten Staaten,
durchgeführt worden waren.
"Diese probeweisen Inspektionen
der jeweiligen Länder haben gezeigt,
wie schwierig es ist, zivile Einrichtungen zu inspizieren, die mit der
Herstellung von Chemikalien befaßt
sind", führte Granger aus. Sollte
ein Vertrag erzielt werden, müßte jeder Unterzeichnerstaat die Inspektion
seiner chemischen Industrien zulassen, um sicherzustellen, daß sie keine chemischen Waffen oder verbotene
chemische Bestandteile
für solche
Waffen produzieren.
Weitere, in diesem Jahr bezüglich
der technischen Einzelheiten einer
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte
beinhalten Granger zufolge Treffen
technischer Experten aus den jeweiligen Hauptstädten mit Delegationsmitgliedern in Genf über Listen chemischer Substanzen, die im Rahmen der
Übereinkunft verboten
oder streng
kontrolliert
werden
sollen.
Die
nächste dreimonatige Sitzungsperiode
der Genfer Abrüstungskonferenz ist
für den 13. Juni 1989 anberaumt.

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

10. Mai 1989

19

ATOMARE KURZSTRECKENSYSTEME
- Eine Übersicht der ACDA -

Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 5. Mai 1989 herausgegebene Übersicht des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) zu
den atomaren Kurzstreckensystemen.
Landgestützte ballistische Raketen kurzer Reichweite (SNF) oder - in
der Sprachregelung
des Warschauer
Pakts taktische
und einsatzfä'hige
taktische ballistische Raketen - können Ziele in einer Entfernung von bis
zu 500 Kilometern treffen. Diese Systeme werden vom INF-Vertrag nicht
erfaßt. Der Warschauer Pakt hat bei
diesen Systemen gegenwärtig einen
überwältigenden Vorsprung.
Obwohl sowjetische Regierungsvertreter in jüngster Zeit darauf verwiesen haben, daß sie ihre Kurzstrekkensysteme nicht modernisieren werden, haben sie in den vergangenen
zehn Jahren bei diesen Systemen ein
umfangreiches Modernisierungsprogramm
verfolgt, das auch Raketen und nukleare Artillerie umfaßt.

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Embassy of the United States of America

Der Gesamtumfang der in den letzten zehn Jahren erfolgten Modernisierung von Kurzstreckensystemen erlaubt
dem Warschauer Pakt die Modernisierung eines modernen und im höchsten
Maße effektiven, direkt gegenüber der
NATO stationierten Kurzstreckenarsenals.
Bis Anfang der achtziger Jahre
haben die Sowjets ihre zahlreichen,
alten und wenig zielgenauen Boden-Boden-Raketen des Typs FROG durch die
modernen,
zuverlässigen
und
sehr
treffsicheren
gelenkten
SS-21 ersetzt. Diese Modernisierungsmaßnahme
der Sowjets ist in Osteuropa fast
vollständig durchgeführt worden. Infolgedessen ist die Zahl der Abschußvorrichtungen für SS-21 unter Gorbatschow erheblich gestiegen.

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�Darüber hinaus haben die Sowjets
die
militärische
Fähigkeit
ihrer
SS-21 verbessert, indem sie Bataillone der SS-21 zu Brigaden unter zentraler Kontrolle der Armee ausbauen.
Diese Reorganisation gewährt längere
Abschußzeit und nutzt die Zuverlässigkeit und Zielgenauigkeit der SS-21
besser aus.
Die Sowjets ersetzen ihre Raketen
des Typs SS-23 (die dem INF-Vertrag
zufolge abgezogen und verschrottet
werden) durch die Rakete vom Typ SCUÜ
mit einer Reichweite von 300 Kilometern.
Als Ergebnis dieser Modernisierung und Umstrukturierung hat der
Warschauer Pakt jetzt eine ungleich
ernstzunehmendere Fähigkeit bei den
Kurzstreckensystemen. Aufgrund eigener Angaben ist der Warschauer Pakt
bei den nicht vom INF-Vertrag erfaßten Kurzstreckenraketen und Abschußvorrichtungen westlich des Urals im
Verhältnis
11,8 zu 1 überlegen.
(Quelle: Erklärung des Ausschusses
der Verteidigungsminister
im Warschauer Pakt "Zum Verhältnis der
Stärke von Streitkräften und Rüstungen des Warschauer Pakts und der NATO
in Europa und den angrenzenden Gewässern" vom 1. Juli 1988, veröffentlicht am 30. Januar 1989. In dieser
"Erklärung" behauptet der Warschauer
Pakt, die NATO habe 136 "Abschußvorrichtungen für taktische Raketen".
Diese Zahl schließt jedoch französische Abschußvorrichtungen für Kurzstreckenraketen ein, die nicht zur
NATO gehören, sondern der unabhängigen nationalen Abschreckung Frankreichs zuzurechnen sind).
Berechnungen der NATO zufolge haben die Sowjets bei den Abschußvorrichtungen für diese Systeme einen
Vorteil von 16:1. Die jährlich in
der Nuklearen Planungsgruppe zusammenkommenden
NATO-Verteidigungsminister haben die sowjetische Vormachtstellung bei den Kurzstreckensystemen
als "massiv und unannehmbar" bezeichnet.

Der Warschauer Pakt gibt zu, in
Europa westlich des Urals mehr als
1600 Raketen und Abschußvorrichtungen
der Typen FROG, SS-21 und SCUD zu besitzen. Davon sind mehr als 1 200
sowjetischen
Einheiten
zuzuordnen.
Allein die sowjetischen Streitkräfte
östlich des Urals übertreffen zahlenmäßig die Kurzstreckensysteme der
NATO, und diese Systeme sind natürlich mobil.
Die Absichtserklärung der Sowjets
zum Abzug von 24 Abschußvorrichtungen
für taktische Nuklearraketen hätte
bei ihrer Verwirklichung nur geringe
Auswirkungen
auf
die
sowjetische
Überlegenheit bei diesen Systemen, da
der Warschauer Pakt viel mehr dieser
Mehrzwecksysteme
(mit konventionellen, chemischen und nuklearen Fähigkeiten) besitzt als die NATO. Tatsächlich würden diese angekündigten
Reduzierungen weniger als zwei Prozent der Abschußvorrichten für die
Kurzstreckensysteme
des
Warschauer
Paktes ausmachen.
Darüber hinaus hat der Warschauer
Pakt einen erheblichen Vorteil bei
nuklearfähigen
Artilleriegeschützen.
Seit 1980 hat die Sowjetunion ältere,
gezogene Haubitzen durch neue Geschütze auf Selbstfahrlafetten ersetzt (einschließlich der Waffen mit
152, 203 und 240 mm), die viel mobiler sind und stärker feuern.
Die
neue Artillerie erhöht die Bandbreite
ihrer nuklearen Optionen auf einem
europäischen Kriegsschauplatz.
Am 12. April haben Minister der
Warschauer Pakt-Staaten Einzelgespräche über taktische Nuklearsysteme in
Europa verlangt und die NATO aufgefordert,
ihre
Nuklearstreitkräfte
nicht zu modernisieren. Im Hinblick
auf die Vorteile des Warschauer Pakts
bei diesen Systemen und angesichts
des zehnjähirgen Modernisierungsprogramms für die Kurzstreckensysteme
kommt dies nicht überraschend. Der
Warschauer Pakt scheint nur Widerspruch gegen die Modernisierung der
NATO und nicht gegen seine eigenen
Modernisierungen einzulegen.

�Perspektiven der NATO

d

Zur Erhaltung einer wirksamen und
glaubwürdigen Abschreckung
in den
neunziger Jahren muß die NATO ihre
kriegsschauplatzgebundenen
Nuklearstreitkräfte modernisieren. Die Verteidigungsstrategie der NATO basiert
auf der Abschreckung eines Krieges
durch vornestationierte Streitkräfte
und eine Politik der flexiblen Reaktion. Die NATO hat über Jahre hinweg
eine effektive Abschreckung aufrechterhalten, indem sie eine glaubwürdige
Mischung nuklearer und konventioneller Streitkräfte in Europa stationierte.
Diese Streitkräfte müssen
auf dem neuesten Stand gehalten werden.
Konventionelle
Verteidigungsmaßnahmen allein können keinen dauerhaften Frieden gewährleisten. Nur Nuklearwaffen können einen potentiellen
Aggressor mit einem inakzeptablen Risiko konfrontieren.
Aus diesen Grunde würde ein Verzicht auf die Modernisierung und Umstrukturierung
der
NATO-Nuklearstreitkräfte die Verteidigungsbande
zwischen den Vereinigten Staaten und

ihren europäischen NATO-Verbündeten
schwächen und gleichzeitig für die
Sowjets den Wert ihrer Überlegenheit
im konventionellen Bereich steigern.

,

Die NATO setzt sich weiterhin für
die Erhaltung der Mindestzahl an modernsten Nuklearwaffen ein, die erforderlich sind, um die konventionellen und nuklearen Streitkräfte der
Sowjets abzuschrecken. Seit 1979 hat
die NATO einseitig ihr Arsenal nuklearer Gefechtsköpfe in Europa um
2 400 und damit auf den niedrigsten
Stand seit zwanzig Jahren abgebaut.
Weitere Reduzierungen sind möglich,
wenn wir moderne Systeme stationieren.
* * * * *
- 3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

19

10. Mal 1989
VSBM SIND VON OPTIMISMUS, REALITÄTSSINN UND VERNUNFT GELEITET
- Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Dem ChefUnterhändler bei den Wiener Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John
Maresca, zufolge ist das gegenwärtige Klima in den Ost-West-Beziehungen "zur
Förderung des Programms von Frieden und Sicherheit heute geeigneter als je zuvor in den letzten vierzig Jahren".
In seinem Vorwort zu einer Veröffentlichung des Außenministeriums zum Prozeß über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen mit dem Titel "Stärkung
der Stabilität durch Offenheit" erklärte Maresca, der Westen habe Grund, "über
die Aussichten zur Hinwendung in Richtung auf eine stabilere und sicherere Zukunft für Europa wahrhaft optimistisch zu sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir das Vorwort und den Bericht des Außenministeriums in wesentlichen Auszügen:
Unser Ziel eines stabilen und sicheren Europa ist durch den KSZE-Prozeß in greifbare Nähe gerückt. Die
1986 in Stockholm erfolgte Verabschiedung einer Reihe militärischer
Vertrauens- und
sicherheitsbildender
Maßnahmen hat erheblich zu einem verbesserten Informationsfluß über militärische Aktivitäten beigetragen und
in diesem Bereich Berechenbarkeit und
Offenheit eingeführt. In Wien streben wir eine Erweiterung der Maßnahmen von Stockholm an, um den sich auf
gegenseitigen
Respekt,
Kooperation
zwischen Ost und West und gemeinsames
Interesse an Sicherheit und Stabilität gründenden Prozeß der Vertrauens- und Sicherheitsbildung zu fördern.
Wir

können

über

die Aussichten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

für Schritte in Richtung auf eine
stabilere und sicherere Zukunft für
Europa wahrhaft optimistisch sein.
Das Klima in den Ost-West-Beziehungen
ist zur Förderung des Programms von
Frieden und Sicherheit heute geeigneter als je zuvor in den letzten vierzig Jahren.
Das Versprechen eines
"Neuen Denkens" in der Sowjetunion
und anderen Ländern Osteuropas birgt
in sich die Möglichkeit eines Wandels
in der Einstellung dieser Regierungen
gegenüber ihren Nachbarn und Bürgern.
Unser Optimismus sollte jedoch
von Realitätssinn und Vernunft geleitet sein. Ebenso wie Chancen bestehen, die es zu nutzen gilt, gibt es
Realitäten, die wir nicht ignorieren
dürfen.
Der kalte Krieg war kein
Trugbild, sondern eine reale weltpo-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�litische Tatsache mit erkennbaren
Merkmalen: der politischen Teilung
Europas,
der
Militarisierung
der
Ost-West-Beziehungen und dem Wettbewerb zwischen zwei im großen ud ganzen unvereinbaren Gesellschaftssystemen und Volkswirtschaften.
Obwohl
eine Verbesserung in den Ost-West-Beziehungen stattgefunden hat, bleibt
die Teilung Europas bis heute bestehen.
Es kann nicht erwartet werden,
daß einzelne Länder ihre Streitkräfte
abbauen, wenn sie nicht darauf vertrauen können, daß ihre Nachbarn ihnen gegenüber keine feindlichen Absichten hegen. Massive Stationierungen von Offensivstreitkräften des
Warschauer
Pakts
in
Mitteleuropa
schaffen keine Vertrauensbasis. Wenn
dann noch geschlossene Grenzen, Unterdrückung politischer und gewerkschaftlicher Vereinigungen und die
Verschleierung hinzukommt, die bei
nahezu allen militärischen Angelegenheiten des Warschauer Pakts stattfindet, ist es nicht verwunderlich, daß
der Westen vierzig Jahre lang seine
Nachh. rt» im Osten mit Mißtrauen und
An^st betrachtet hat.
Die Sicherheit einzelner Länder
kann mit militärischen Mitteln allein
weder eindeutig gemessen noch letztlich erreicht werden.
Tatsächlich
ist die militärische Konfrontation,
die Europa seit vierzig Jahren belastet, Auswirkung - nicht Ursache der politischen und sozialen Teilung
des Kontinents. Echte und dauerhafte
Sicherheit für alle Länder und Völker
Europas kann nur auf einer Grundlage
des Vertrauens geschaffen werden: dem
Vertrauen der Länder in ihre Nachbarn
und dem Vertrauen der Bürger in ihre
Regierungen.
Unsere Bestrebungen sind somit
nur Teil eines umfassenderen Prozesses. Das von uns angestrebte Vertrauen und die Offenheit bei militärischen Angelegenheiten muß auf das
Verhältnis zwischen Regierungen und
Regierten in ganz Europa erweitert
werden. Nur wenn Ideen Menschen und

Informationen
Grenzen
frei
überschreiten können und einzelne Menschen überall ein Mitspracherecht bei
Entscheidungen haben, die ihr Leben
betreffen, werden wir in der Lage
sein, ein wahrhaft sicheres und stabiles Europa hervorzubringen.
Die von uns in Wien geführten
Verhandlungen sind ein wichtiger Teil
dieses Gesamtbildes. Sie zielen auf
erhöhte Stabilität und Sicherheit in
Europa durch größere Offenheit und
gegenseitiges Verständnis im militärischen Bereich ab. Bei diesem Unternehmen erzielte Erfolge können nur
an verbesserter Sicherheit für alle
35 Teilnehmerstaaten gemessen werden.
Wir werden uns bei diesen Verhandlungen auf kein Abkommen einlassen, das
die Fähigkeit des Westens zu seiner
eigenen Verteidigung aushöhlt.
Wir werden als Teil unserer kontinuierlichen Aufgabe für einen Beitrag zu Stabilität und Sicherheit
dieses Kontinents alle Möglichkeiten
ausloten und alle Vorschläge in Erwägung ziehen. Wir erwarten, daß alle
35 Staaten dieser Zielsetzung zustimmen. Wir sind in diesem Bereich vorsichtig, nicht etwa naiv.
Wir hoffen inständig
daß diese
/erhandlungen
zur
Sicherheit
und
letztlich zur Freiheit aller Europäer
beitragen werden.

Die Rolle der Vertrauensbildung
der Rüstungskontrolle

in

Vertrauens- und
sicherheitsbildende Maßnahmen haben in jüngster
Zeit Eingang in den Sprachschatz gefunden. Im Gegensatz zu traditionellen
Rüstungskontrollverhandlungen,
die Kriegswaffen zu reduzieren suchen, betreffen VSBM keine Begrenzungen von Fähigkeiten der Streitkräfte
oder deren Struktur. Vielmehr versuchen sie die Wahrscheinlichkeit zu
verringern, daß diese Waffen jemals
eingesetzt werden. VSBM zielen auf
den Abbau von Mißtrauen und Mißverständnissen über militärische Fähig-

�keiten und Absichten ab, indem sie im
militärischen Umfeld mehr Offenheit
und Berechenbarkeit schaffen.
Jüngste Verbesserungen
in den
Ost-West-Beziehungen
wie etwa der
1987 zwischen den Vereinigten Staaten
und der Union Sozialistischer Sowjetrepubliken geschlossene Vertrag über
die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite (INF) haben in Europa und Nordamerika neue
Hoffnungen auf ein bevorstehendes
Zeitalter
anhaltender
Fortschritte
beim Abbau von Waffen geweckt. Tatsächlich führen Ost und West gegenwärtig eine große Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen
über
strategische, konventionelle und chemische Waffen.
Insbesondere diese Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen konzentrieren sich
auf ein grundsätzliches Problem der
Rüstungskontrolle - das Problem gegenseitigen Mißtrauens.
Mit einer
Reihe ausgehandelter Maßnahmen zur
Verbesserung der Offenheit und Transparenz in militärischen Angelegenheiten erhöhen die 35 KSZE-Teilnehmerstaaten den Informationsumfang über
die militärischen Fähigkeiten und Absichten des jeweils anderen stufenweise. Die Verhandlungen gehen von
der Annahme aus, daß verbesserte
Transparenz und Offenheit das Risiko
eines Krieges durch Fehlkalkulation
verringern kann. Tatsächlich können
Ost und West nur in einem Klima gegenseitigen Vertrauens Fortschritte
im Hinblick auf größere Sicherheit
auf niedrigeren Streitkräfteniveaus
erzielen.
Aber das Konzept des Vertrauens
geht über militärische Angelegenheiten hinaus.
Der Westen betrachtet
die militärische Konfrontation in Europa als Auswirkung - nicht als Ursache - der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Teilung des Kontinents.
In der Nachkriegszeit waren
die militärischen Fähigkeiten und Absichten der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten in Osteuropa lange ver-

schleiert.
Mißtrauen und Mißverständnisse
beherrschten
die
OstWest-Beziehungen.
Das
Ziel
des
KSZE-Prozesses besteht in der gleichzeitigen Förderung militärischer Sicherheit, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und humanitärer Werte und damit in der Veränderung des Charakters
dieser Beziehungen.

Bilanz der Durchführung des Stockholmer Schlußdokuments von 1986
Die VSBM des Stockholmer Schlußdokuments traten am 1. Januar 1987 in
Kraft. In den ersten beiden Jahren
der Durchführung von KVAE haben sich
viele KSZE-Staaten aktiv an der Verwirklichung des Stockholmer Schlußdokuments beteiligt.
KVAE-Jahresplanung.
Mehr
als
die Hälfte der KSZE-Staaten haben ihre Jahresplanung zu militärischen Aktivitäten vorgelegt. Einige geplante
Aktivitäten sind zurückgestellt oder
abgesagt worden und in einigen Fällen
sind angekündigte Aktivitäten in die
Kalender aufgenommen worden.
KVAE-Benachrichtung.
Zum
31.
März 1989 sind der KVAE insgesamt 97
Aktivitäten angezeigt worden.
Eine
Benachrichtigung
ist erfolgt über
sechs Aktivitäten ohne Vorabinformation, d.h. über Übungen für den
Ernstfall, die alle von NATO-Staaten
durchgeführt wurden. Die NATO-Staaten haben 38 Aktivitäten angezeigt,
einige freiwillig, da die Zahl der
beteiligten
Streitkräfte
unterhalb
der Grenze lag, die eine Benachrichtigung zwingend erforderlich macht.
Die Warschauer Pakt-Staaten haben 53
Aktivitäten gemeldet und darüber hinaus freiwillige Meldungen gemacht.
Neutrale und blockfreie Staaten haben
sechs Aktivitäten gemeldet.
Im ersten Jahr haben zahlreiche
Staaten bei der Erstellung einzelner
Meldungen Fehler oder Auslassungen
begangen. Ferner gab es bei der Bereitstellung fristgerechter Meldungen
technische Probleme.
Manche Länder

- 3 -

�lieferten umfassendere Beschreibungen
und Informationen als andere. Andere
Länder lieferten Informationen, die
über die im Schlußdokument festgelegten Anforderungen hinausgingen. Die
meisten Diskrepanzen oder Unstimmigkeiten konnten korrigiert werden,
nachdem die einzelnen Länder mit den
Anforderungen vertraut waren.
KVAE-Beobachtungsprogramme.
Insgesamt gab es 36 Beobachtungsprogramme zu militärischen Aktivitäten,
zu denen alle KSZE-Länder eingeladen
wurden. Die NATO-Staaten haben 18,
der Warschauer Pakt 15 Beobachtungsprogramme durchgeführt. Die neutralen und blockfreien Staten haben drei
Programme abgehalten, von denen eines
auf freiwilliger Basis stattfand.
Obwohl die Warschauer Pakt-Staaten nur einige ihrer militärischen
Aktivitäten meldeten und ihre zu beobachteten Aktivitäten niemals für
alle KSZE-Staaten öffneten - wie es
den Bestimmungen der Schlußakte von
Helsinki entspräche - ist ihre Durchführung des Stockholmer Schlußdokuments doch ermutigend.
Im Laufe des Jahres 1988 wurden
von amerikanischen Beobachtern Verbesserungen bei vielen Beobachtungsprogrammen des Warschauer Pakts wahrgenommen, aber die Sowjetunion ist
weiterhin im Hinblick auf ihre Bestimmungen zur Beobachtung wenig entgegenkommend.
Die Sowjetunion legt
oftmals die Beobachtungsmodalitäten
sehr eng aus und liefert häufig nur
eine Minimierung
an Informationen
über die Aktivität, zu der Beobachter
Zugang haben. Amerikanische Beobachter haben an allen sowjetischen Beobachtungsprogrammen teilgenommen und
festgestellt, daß die Sowjets nicht
auf Fragen oder Forderungen nach Veränderungen ihrer Beobachtungsprogramme reagiert haben und nur begrenzte
Kontaktmöglichkeiten zu den beteiligten Streitkräften schaffen.
KVAE-Inspektionen.
In den Jahren 1987 und 1988 wurden Inspektionen
zum integralen Bestandteil der Stock-

holmer Vereinbarungen.
Seit März
1989 sind insgesamt 18 KVAE-Inspektionen durchgeführt worden: neun vom
Westen und neun vom Osten. An acht
der neun vom Osten durchgeführten Inspektionen
waren
amerikanische
Streitkräfte beteiligt.
Der vom Westen bei den Wiener
Verhandlungen
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen unterbreitete Vorschlag
Am 9. März 1989, dem Eröffnungstag der Wiener Verhandlungen über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen, schlugen die 16 westlichen
Verbündeten eine Reihe durchgreifender und integrierter Maßnahmen vor,
die darauf abzielen, den Prozeß der
Vertrauensbildung in Europa voranzutreiben.
Die 12 Maßnahmen werden
ebenso wie der damit in Verbindung
stehende Vorschlag für einen Gedankenaustausch über Militärdoktrin und
deren Anwendung auf die derzeitigen
Truppenstationierungen im folgenden
beschrieben.

I.
Transparenz
nisationen

militärischer

Orga-

Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, größere Offenheit und mehr
Vertrauen bezüglich der Streitkräfteaufstellung des jeweiligen Teilnehmerstaats herbeizuführen. Dies wird
durch regelmäßigen Informationsaustausch über die Landstreitkräfte in
der Zone sowie über wichtige Waffenstationierungsprogramme erzielt.
Maßnahme 1: Austausch militärischer
Informationen
Die Teilnehmerstaaten werden Informationen über militärische Organisation, Anzahl von Streitkräften und
Gerät in der Zone austauschen. Dies
beinhaltet jährlichen Austausch von
Informatioen über:
—

die
Kommandoorganisation
der
Landstreitkräfte in der Zone;

�diese zeitlich begrenzten Besichtigungen
werden
von
Personen
durchgeführt,
die
bereits
im
Gastland akkreditiert oder vom
besuchenden Staat dafür bestimmt
worden sind;

die Bestimmung der Heeresgroßverbände, bis hin zur Divisionsebene;
die
normalen
Friedensstandorte
dieser Einheiten;
die Personalstärke dieser Einheiten;

Beobachtern wird die Besichtigung
der wichtigsten Waffensysteme und
Geräte gestattet;

die wichtigsten Waffensysteme und
das diesen Einheiten zugeteilte
Gerät;
Landgestützte Lufteinheiten
deren Flugzeugstärke.

die entsprechenden Vorkehrungen
für den Beobachtungsbesuch werden
vom Gastland veranlaßt, dessen
Vertreter das Beobachterteam jederzeit begleitet.

und

Dies beinhaltet ferner die unverzügliche Benachrichtigung über:
die Verlegung von Heeresgroßverbänden innerhalb der Zone von einem Friedensstandort zu einem anderen, wie oben ausgeführt;
die Einberufung einer beträchtlichen Anzahl von Reservisten.

II. Transparenz und Berechenbarkeit
militärischer Aktivitäten
Diese Maßnahmen bauen auf den in
Stockholm vereinbarten Maßnahmen auf
und stellen eine Verbesserung dar, da
sie größere Offenheit zur Folge haben
und die Berechenbarkeit militärischer
Aktivitäten verbessern.

Maßnahme
2:
Informationsaustausch
über die wichtigsten Stationierungsprogramme für konventionelle Streitkräfte.

Maßnahme 4: Verbesserte Informationen bei der Jahresplanung

Jeder Teilnehmerstaat wird die
anderen über die in Maßnahme 1 genannten
wichtigsten
konventionelle
Waffensysteme und das Gerät informieren, das er in der KVAE-Zone über einen bestimmten Zeitraum hinweg bei
seinen Streitkräften einzuführen gedenkt.

Die Teilnehmerstaaten werden bei
ihrer
Jahresplanung
umfangreichere
und detailliertere Informationen über
zukünftige militärische Aktivitäten
zur Verfügung stellen. Diese beziehen sich auf Bestimmung, Anzahl und
Art der Heeresverbände bis hin zur
Divisionsebene, die zur Teilnahme an
angemeldeten Aktivitäten in der Zone
vorgesehen sind.

Maßnahme 3: Schaffung eines Stichproben-Auswertungssystems
Um die gemäß Maßnahmen 1 und 2
gelieferten Informationen auswerten
zu können, werden die Teilnehmerstaaten ein Stichproben-Auswertungssystem
einführen, mit dem:
sie das Recht auf vorher angekündigte Besichtigungen von Friedensstandorten gemäß Maßnahme 1
haben;

Maßnahme 5: Verbesserte Informationen bei der Benachrichtigung
Zur Verbesserung der Benachrichtigung über militärische Aktivitäten
werden die Teilnehmerstaaten umfangreichere und detailliertere Informationen über das Engagement ihrer
Streitkräfte, die wichtigsten Waffensysteme sowie das bei solchen Aktivitäten der Landstreitkräfte eingesetzte Gerät zur Verfügung stellen.

- 5 -

�Maßnahme 6: Verbesserung der Beobachtungsmodalitäten
Die Teilnehmerstaaten werden die
Beobachtung durch detailliertere Informationsveranstaltungen,
Bereitstellung besserer Karten und den Einsatz von mehr BeobachtungsgerMt erleichtern. Um die Möglichkeiten des
Beobachters zur Auswertung des Umfangs der Aktivitäten zu verbessern,
werden die Teilnehmerstaaten darüber
hinaus ermutigt, eine Luftaufnahme
des
tlbungsgebiets
bereitzustellen.
Ferner wird die Dauer des Beobachtungsprogramms erweitert.

Maßnahme 7: Lockerung der Beobachtungsmodalitäten
Die Teilnehmerstaaten werden Beobachter zu angemeldeten Aktivitäten
einladen, wenn die Anzahl der eingesetzten Soldaten 13 000 oder mehr beträgt oder wenn über 300 Panzer daran
teilnehmen.

Maßnahme 8: Verbesserung der Inspektionsobergrenzen
Die Teilnehmerstaaten werden folgende Maßnahmen zur wesentlichen Verbesserung der Inspektionen verabschieden:
Erhöhte Anzahl
tionen;

passiver

Inspek-

Verkürzung des Zeitraums zwischen
Inspektionsantrag und Zugang der
Inspektoren zum benannten Gebiet;
Auf Antrag der Inspektoren Erlaubnis zu einer Luftaufnahme vor
Beginn der Inspektion;
-

Verbesserung von Gerät und Fernmeldeeinrichtungen, die das Inspektionsteam benutzen darf;

Verbesserung der Informationsveranstaltungen für die Inspektoren.

Maßnahme 9: Lockerung der Obergrenze
für längerfristig anberaumte Benachrichtigung größerer Aktivitäten
Die Teilnehmerstaaten werden keine militärischen Aktivitäten durchführen, die vorheriger Benachrichtigung unterliegen und mehr als 50 000
Soldaten umfassen, es sei denn, sie
fallen unter
die im Stockholmer
Schlußdokument vereinbarten Regelungen.

III.

Kontakte und Kommunikation

Diese Maßnahmen
durch Kommunikation
militärischer Ebene
die militärischen
Teilnehmerstaaten zu

zielen darauf ab,
und Kontakte auf
das Wissen über
Fähigkeiten der
verbessern.

Maßnahme 10: Verbesserter Zugang für
akkreditiertes Personal, das mit militärischen Angelegenheiten befaßt ist
Um das Prinzip größerer Offenheit
in militärischen Angelegenheiten zu
verwirklichen und das gegenseitige
Vertrauen zu stärken, werden die
Teilnehmerstaaten die ReiseVorkehrungen des mit militärischen Aktivitäten
befaßten akkreditierten Personals erleichtern und ihm bei der Kontaktaufnahme mit Regierungsvertretern behilflich sein.
Einschränkungen für
akkreditiertes Personal in der KVAEZone sollten gelockert werden.

Maßnahme 11: Entwicklung von Kommunikationsmitteln
Zusätzlich zur Benutzung der diplomatischen Kanäle für die Übermittlung von mit den vereinbarten Maßnahmen in Verbindung stehenden Fakten
(Terminpläne, Benachrichtigung usw.)
werden die Teilnehmerstaaten ermutigt, weitere Vorkehrungen in Erwägung zu ziehen, um den schnellstmöglichen Austausch von Informationen
sicherzustellen.

�Maßnahme 12: Gleiche Behandlung der
Medienvertreter
Die Teilnehmerstaaten werden ermutigt, Medienvertretern die Teilnahme an beobachteten militärischen Aktivitäten zu gestatten; wenn Medienvertreter eingeladen werden, wird das
Gastland diese Vertreter aller Teilnehmerstaaten zulassen und sie unterschiedslos behandeln.

Gedankenaustausch Über Militärpolitik
Vertrauensbildung ist ein dynamischer Prozeß, der durch den offenen
und freimütigen Gedankenaustausch erweitert wird und darauf ausgerichtet
ist, Mißverständnisse
und falsche
Darstellungen
der
militärischen
Fähigkeiten abzubauen.
Zu diesem
Zweck werden die Teilnehmerstaaten
bei den bevorstehenden Verhandlungen
von folgenden Möglichkeiten Gebrauch
machen:
Erörterung von die Durchführung
der im Stockholmer Schlußdokument
vereinbarten Regelungen betreffenden Themen;
In Veranstaltungen mit Seminarcharakter Diskussion der Militärdoktrin im Zusammenhang mit Einsatzkonzept und Struktur der konventionellen Streitkräfte in der
KVAE-Zone, einschließlich:
Informationsaustausch über
jährlichen Militärausgaben;

ihre

Informationsaustausch
über
die
Ausbildung ihrer Streitkräfte unter
Verwendung
militärischer
Handbücher;
Verdeutlichung von Entwicklungen,
die zu Unsicherheit Anlaß geben,
wie beispielsweise Veränderungen
bei Anzahl und Ablauf der angemeldeten militärischen Aktivitäten.

* * * * *

- 7 -

�AMERIKA DIENST
'VON'^

Wissenschaft und Technik
10. Mai 1989

19

RADARSONDE MAGELLAN AUF DEM WEG ZUR VENUS
In 270 km Höhe von Bord des Raumtransporters ATLANTIS gestartet

(AD) "Präzision"
war
das
Schlüsselwort sowohl für den Start
des Raumtransporters ATLANTIS min
seiner interplanetaren Fracht, der
Venussonde Magellan, am 4. Mai 1989
von Kap Canaveral, als auch für das
Absetzen der Sonde und Zünden ihrer
Triebwerke in der Erdumlaufbahn. Das
sogenannte Startfenster war seit dem
28. April täglich nur kurze Zeit geöffnet und schließt sich am 28. Mai
1989 wieder für zwei Jahre. Nur innerhalb dieser vier Wochen hatte ein
zum richtigen Tageszeitpunkt vorgenommener Start Sinn, wenn die VenusRadarsonde MAGELLAN ihr Ziel überhaupt erreichen soll. Damit ist im
August 1990 zu rechnen. Bis dahin
wird sie aus einer Erdumlaufbahn abgeschossen und auf interplanetare Geschwindigkeit beschleunigt, die Sonne

United States Information Service
Embassy of the United States of America

eineinhalb Mal umrundet und sich ihr
dabei auf die Entfernung der VenusUmlaufbahn genähert haben. Um in eine Umlaufbahn um den Planeten Venus
eintreten zu können, ist dann so
starkes Abbremsen erforderlich, daß
die Instrumente einem Druck standhalten müssen, der 10 g, d.h. der zehnfachen Erdbeschleunigung, entspricht.
Wenige Stunden nach dem Eintritt
von ATLANTIS in die Erdumlaufbahn
(Höhe 270 km, Neigung zum Äquator
28,9 Grad) hatten Kommandant David M.
Walker und Kopilot Ronald J. Grabe
das Fluggerät durch komplizierte Lagesteuerungsmanöver in eine ganz bestimmte Position zu bringen:
Das
Heck der ATLANTIS mußte in Flugrichtung, der "Bauch" in Richtung Sonne
und die geöffnete Ladebucht mit der

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�Nutzlast MAGELLAN in Richtung Erde
stehen. Denn bis zum Absetzen sollte
die Sonde weder extremer Hitze noch
Kälte ausgesetzt sein, außerdem vor
dem Aufprall von Sauerstoffatomen,
die auch in der dünnen Hochatmosphäre
noch vorhanden sind, auf empfindliche
Instrumente geschützt werden.
Die
drei
Missionsspezialisten
Norman E. Thagard, Mary L. Cleave und
Mark C. Lee waren verantwortlich dafür, daß alle Prozeduren zum überprüfen und Aktivieren der Systeme des
3,5 Tonnen schweren und 6,3 m langen
Forschungssatelliten samt der Systeme
seiner
zweistufigen
Antriebsrakete
(Gewicht: 9,1 Tonnen) ordnungsgemäß
durchgeführt
wurden.
Rund
sechs
Stunden
nach
dem
Eintritt
von
ATLANTIS in den Erdorbit schwebte
MAGELLAN, von Befestigungen gelöst
und durch einen Federmechanismus in
Bewegung gesetzt, aus der Ladebucht.
Walker setzte den Raumtransporter zurück und steuerte in eine etwas tiefere Bahn, um in sicherem Abstand die
Zündung der ersten Feststoff-Raketenstufe der MAGELLAN-Sonde abzuwarten.
Für die Zündung selbst war der Leiter
der Abteilung Weltraumwissenschaften
der NASA (US-Behörde für Luftund
Raumfahrt), Dr. L.A. Fisk, verantwortlich.
Zuvor waren bereits die
Sonnenenergie-Kollektoren des interplanetaren
Fluggeräts
ausgefahren
worden, um sie vor Erschütterungen
besser zu schützen. Die zweite Raketenstufe beschleunigt kurze Zeit später die Sonde auf die notwendige Geschwindigkeit für die interplanetare
Reise.
Nach
der
PIONIER-VENUS-Mission
vom Jahr 1978 haben Planetenforscher
in den USA und mit ihnen zahlreiche
ausländische Kollegen ab August 1990
wieder Gelegenheit, über ein amerikanisches Forschungsgerät topographische Daten von der Oberfläche des
Planeten Venus zu bekommen. Da dieser ständig von dichten Wolken verdeckt ist, sind Fernrohruntersuchungen nicht möglich. Für die Radarstrahlen der MAGELLAN-Sonde sind die
Wolken jedoch durchlässig. Im Gegen-

satz zu den Radarbildern früherer
amerikanischer und sowjetischer Venus-Sonden, auf denen die kleinsten
erkennbaren Objekte ca. 600 m Durchmesser haben, dürfte das Auflösungsvermögen bei den von MAGELLAN übermittelten Bildern bei 60 bis 90 m
liegen. Das bedeutet, daß viel mehr
Einzelheiten auf der teilweise sehr
gebirgigen und zerklüfteten Oberfläche unseres "Schwesterplaneten" ausgemacht werden können.
Nach dem Freisetzen von MAGELLAN
standen für die ATLANTIS-Astronauten
Erdbeobachtungen und einige wissenschaftliche und technische Experimente auf dem Programm. Vier Tage nach
ihrem Start kehrten sie zur Erde zurück und landeten mit dem Orbiter auf
dem Lufthafenstützpunkt Edwards in
Kalifornien.

* * * * *

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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 10.05.1989</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Walters zum Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Botschafters bei der Eröffnung der 35. deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atomare Kurzstreckensysteme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VSM sind von Optimismus, Realitätssinn und Vernunft geleitet &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Radarsonde MAGELLAN auf dem Weg zur Venus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;In 270 km Höhe von Bord des Raumtransporters ATLANTNIS gestartet&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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