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AMERIKA DIENST

'VON**

19. A p r i l 1989

16
INHALT
DOKUMENTATION
Bush beschließt Handelserlelchterungen für Polen
- Rede des Präsidenten in Hamtramck (Michigan)

Baker betont Notwendigkeit anhaltender amerikanischer Führungsrolle
- Ansprache des Außenministers vor der ASNE Walters betont "Schlüsselrolle" der Bundesrepublik Deutschland
- Eröffnungsansprache vor Senatsausschuß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Brady fordert vollständige Bewilligung der Mittel für multilaterale
Entwicklungsbanken
- Erklärung vor Kongreßausschuß (Zusammenfassung) Der Atomwaffensperrvertrag:
- Bericht der ACDA -

Erfolgreiche Rüstungskontrolle

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NASA unter neuer Leitung
- Präsident Bush nominiert Richard Truly als Leiter der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt Bennett greift durch
- Aktionsplan gegen Drogen und Drogenkriminalität für die
Bundeshauptstadt Washington -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19. April 1989

15

BUSH BESCHLIESST HANDELSERLEICHTERUNGEN FÜR POLEN
- Rede des Präsidenten in Hamtramck (Michigan) -

HAMTRAMCK - (AD) - Präsident Bush hat am 17. April 1989 als Reaktion auf
die in Polen eingeleiteten Reformen handeis- und wirtschaftspolitische Maßnahmen für das Land verkündet. Da das polnische Volk "heute konkrete Schritte
unternimmt, die aktive unsere Unterstützung verdienen", habe er "bestimmte
Maßnahmen der Vereinigten Staaten beschlossen, die den stattfindenden Reformen
Rechnung tragen und sich abzeichnende Reformen ermutigen, sovald die Gewerkschaft Solidarität wieder zugelassen ist". Zu diesen Maßnahmen gehören die
Bitte an den Kongreß, Polen den MeistbegünstIgungsstatus im Handel einzuräumen
sowie das Versprechen, mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten im Pariser
Club an der Entwicklung eines tragfähigen Ruckzahlungsplans für die Auslandsschulden des Landes zu arbeiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:
Wir Amerikaner sind im Hinblick
auf die Ereignisse in Polen nicht nur
von milder Sympathie geleitete Zuschauer. Wir sind mit Polen auf ganz
besondere
Weise
verbunden,
durch
Blutsbande, Kultur und gemeinsame
Werte. Es Lst also ein ganz natürlicher Vorgang, daß wir im Zuge der
in Polen stattfindenden dramatischen
Veränderungen die Bestrebungen und
die Begeisterung des polnischen Volkes teilen.
In der Rede zu meiner Amtseinführung sprach ich von dem neuen Wind
der Freiheit, der auf der ganzen Welt
an Stärke zunimmt. "Zumindest in den
Herzen der Menschen", so erklärte
ich, "ist die Stunde der Diktatur
vorbei.
Das Zeltalter des Totalitarlsmus geht vorüber, seine alten

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Ideen werden weggefegt wie Blätter
eines alten toten Baumes."
Ich sprach von der sich ausbreitenden Erkenntnis, daß Wohlstand nur
durch einen freien Markt und das
schöpferischen Genie des einzelnen
entstehen kann. Ich sprach von der
neuen Macht demokratischer Ideen
dem Recht auf Redefreiheit, freie
Wahlen und Freiheit des Willens.
Wir
sollten
nicht
überrascht
sein, daß die demokratischen Ideen
mit neuer Kraft nach Europa zurückkehren - der Heimat der Philosophen
der Freiheit, deren Ideale in Amerika
so umfassend
verwirklicht wurden.
Victor Hugo hat einmal gesagt: "Gegen eine Invasion von Armeen kann man
Widerstand leisten, nicht aber gegen

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�eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
Meine Freunde, Freiheit ist eine
Idee, deren Zeit in Osteuropa gekommen ist.
Fast ein halbes Jahrhundert lang
hat die von der militärischen Macht
der Sowjetunion aufrechterhaltene Unterdrückung der Freiheit in Osteuropa
Staaten und Nachbarn voneinander getrennt. Während Ost und West den Abbau von Waffen anstreben, darf nicht
in Vergessenheit geraten, daß Waffen
nur ein Symptom, nicht die Quelle,
von Spannungen darstellen. Die wahre
Ursache von Spannungen ist die erzwungene
und
unnatürliche Teilung
Europas.
Wie kann es Stabilität und Sicherheit in Europa und der Welt geben, solange Staaten und Menschen das
Recht auf Selbstbestimmung über ihre
Zukunft verweigert wird - ein Recht,
das ihnen durch die Abkommen der Siegermächte nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges ausdrücklich zugestanden
wurde? Wie können Stabilität und Sicherheit in Europa herrschen, solange
Nationen, die einst stolz zu den führenden
Industriestaaten
gehörten,
durch eine diskreditierte Ideologie
und ein lähmendes autoritäres Regierungssystea
heruntergewirtschaftet
werden? Die Vereinigten Staaten haben die Teilung Europas nie als legitim hingenommen.
Wir akzeptieren
keine Einflußsphären, mit denen Staaten ihr Recht auf Souveränität verweigert wird.
Und doch wird das Schicksal Europas durch den Wind des Wandels neu
bestimmt.
Westeuropa ist zu neuer
3lüte gelangt. In Osteuropa erwacht
die Sehnsucht nach Demokratie, Unabhängigkeit und Wohlstand.
In der
Sowjetunion selbst werden wir durch
den Klang lange schwelgender Stimmen
und dem Anblick von Herrschern ermutigt, die die Beherrschten konsultieren. In einigen Bereichen der sowjetischen Außenpolitik stellen wir ein
"ieues Denken" fest. Wir hoffen, daß
diese Ereignisse Vorboten bedeutender, dauerhafter und weitreichender

Veränderungen sind.
Niemand sollte die Aufrichtigkeit
des amerikanischen Volkes und seiner
Regierung
im Hinblick
auf
ihren
Wunsch anzweifeln, daß den Reformen
in der Sowjetunion. Erfolg beschieden
sein soll. Wir begrüßen die vollzogenen Reformen und werden weiterhin
die umfassendere Anerkennung von Menschenrechten,
ma.rktwirt schaft liehen
Anreizen und Wahlen ermutigen.
Ost und West verhandeln über ein
breites Spektrum, von Problemen, von
Rüstungskontrolle bis hin zu Umweltfragen. Aber der kalte Krieg hat in
Osteuropa begonnen; wenn er beendet
wird, so in diesem Schmelztiegel d;rr
Weltkonflikte - und er muß ein Ende
finden. Das amerikanische Volk möchte die Länder Ost- und Mitteleuropas
in Freiheit, Wohlstand und Frieden
leben sehen. Mit Umsicht, Realitätssinn und Geduld versuchen wir das
Entstehen der Freiheit zu fördern die Chancen, die in der Schlußakte
von Helsinki und vertieften Ost-WestKontakten ihren Ursprung gehabt haben.
In den vergangenen Jahren haben
wir die Beziehungen mit den Ländern
in dieser Region verbessert. In jedem einzelnen Fall haben wir nach
Fortschritten im internationalen Verhalten und innenpolitischen Praktiken
Ausschau gehalten - im Hinblick auf
Menschenrechte, kulturelle Öffnung,
Auswanderungsprobleme, Bekämpfung von
Terrorismus. Auch wenn wir eine Verbesserung der Beziehungen wünschen,
gibt es bestimmte Taten, die wir weder verurteilen noch hinnehmen werden
- ein Verhalten, das die Beziehungen
in die falsche Richtung dirigieren
kann:
Verletzung von Menschenrechten, illegaler Technologietransfer,
gegen uns gerichtete nachrichtendienstliche Ermittlungen oder außenpolitische Aktionen.
Einige Regime versuchen heute,
durch Reformen ihre Legitimierung in
der Öffentlichkeit zu gewinnen. In
Ungarn experimentiert eine neue Führung mit Reformen, die vielleicht

�einen politischen Pluralismus gestatten, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Und in Polen
unterzeichneten der Vorsitzende der
Gewerkschaft
Solidarität,
Lech
Walesa, und Innenminister Kiszczak am
5. April Vereinbarungen, die vorbehaltlich ihrer wortgetreuen Verwirklichung einen Wendepunkt in der Nachkriegsgeschichte Osteuropas markieren
werden.
Im Rahmen dieser Vereinbarungen
am "runden Tisch" wird die freie Gewerkschaft Solidarität formell wieder
zugelassen, die freie Oppositionspresse legalisiert, unabhängige politische und andere freie Verbände zugelassen und Wahlen für einen neuen
polnischen Senat abgehalten.
Diese
Vereinbarungen sind der Beweis für
den
Realitätssinn
von
General
Jaruzelski und seiner Genossen. Und
sie sind anregendes Zeugnis für die
geistige
Führungsrolle
der katholischen Kirche, den unbeugsamen Geist
des polnischen Volkes - und der Stärke und Klugheit von Lech Walesa.
Polen sieht sich mit ernsthaften
WirtSchaftsproblemen
konfrontiert,
und

dies

wir

auch

noch

für

Ich habe die Mittel und Wege
sorgfältig erwogen, mit denen die
Vereinigten Staaten Polen helfen können. Wir werden nicht vorbehaltlos
vorgehen. Wir werden keine unsinnigen Kredite anbieten.
Wir werden
keine Hilfe ohne gesunde Wirtschaftspraktiken als Gegenleistung anbieten.
Wir müssen uns vor Augen halten, daß
Polen noch immer Mitglied des Warschauer Pakts ist. Wir dürfen keine
Schritte unternehmen, mit denen die
Sicherheit des Westens aufs Spiel gesetzt wird.
Der Kongreß, die polnisch-amerikanische Gemeinschaft, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, unserer Verbündeten und internationale
Finanzinstitutionen müssen gemeinsam
handeln, wenn die polnische Demokratie neue Wurzeln schlagen und tragfähig werden soll. Wir können und müssen auf diesen Ruf nach Freiheit antworten. Und hier in Hamtrarack ist es
besonders angemessen, die Mitglieder
und Vorsitzenden der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung
dazu
zu beglückwünschen, daß sie in den besonders schweren Zeiten zur Solidarität
gehalten haben.

einige

Zeit der Fall sein.
Ein moderner
französischer Schriftsteller stellte
fest, daß Kommunismus keine andere
Form von Volkswirtschaft bedeutet,
sondern deren Tod ist. In Polen wurde ein durch die Ineffizienz der
Planwirtschaft gelähmtes System beinahe zum Tod von Initiative und Unternehmergeist. Beinahe. Aber Wirtschaftsreformen können dem Unternehmergeist und der Kreativität des polnischen Volkes wieder freien Lauf gewähren.
Das polnische Volk versteht die
Größenordnung dieser Herausforderung.
Die demokratischen Kräfte in Polen
haben um die moralische, politische
und wirtschaftliche Unterstützung des
Westens nachgesucht. Und der Westen
wird antworten. Meine Administration
nimmt eine umfassende Überprüfung unserer Politik gegenüber Polen und
ganz Osteuropa vor.

Die Polen unternehmen jetzt konkrete Schritte, die unsere aktive Unterstützung verdienen. Ich habe mich
für ein bestimmtes Vorgehen der Vereinigten Staten entschieden, das den
stattfindenden
Reformen
Rechnung
trägt und sich abzeichnende Reformen
ermutigt, sobald die Solidarität wieder zugelassen ist:
- Ich werde den Kongreß bitten, mit
mir geraeinsam Polen Meistbegünstigungsstatus im Handel einzuräumen, der den begünstigten Ländern bestimmte Zollerleichterungen gewährt.
- Wir werden gemeinsam mit unseren
Verbündeten
und
Freunden
im
Pariser Club an der Entwicklung
eines tragfähigen RUckzahlungsplans für die Auslandsschulden
des Landes
arbeiten
und die
schwere Last erleichtern, so daß
ein freier Markt entstehen kann.

�- Ich werde ferner den Kongreß bitten, mit mir gemeinsam der Overseas Private Investment Corporation die Genehmigung zum Betrieb
in Polen zu erteilen, wovon sowohl die polnischen als auch die
amerikanischen Investoren profitieren können.
- Wir werden Verhandlungen über ein
privatwirtschaftliches
Abkommen
mit Polen vorschlagen, um die Zusammenarbeit
zwischen
amerikanischen Firmen und polnischen
Privatunternehmen zu ermutigen.
Davon können beide Seiten profitieren.
- Die Vereinigten Staaten werden
weiterhin leistungsgerechte Kredite der Internationalen FinanzCorporatLon an den Privatsektor
unterstützen.
- Wir vertreten die Auffassung, daß
die am Verhandlungstisch erzielten Abkommen Polen den Weg zur
Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds bei Förderprogrammen für eine solide,
neugestaltete
und
marktwirtschaftlich
orientierte
Wirtschaftspolitik ebnen.
- Wir ermutigen geschäftliche und
private gemeinnützige Vereine zur
Entwicklung innovativer Programme, mit denen die Schulden Polens
in Beteiligungen an polnischen
Unternehmen
umgewandelt
sowie
durch wohltätige, humanitäre und
umweltpolitische Programme abgelöst werden.
- Wir werden phantasievolle Erziehungs-, Kultur- und Bildungsprogramme unterstützen, um kreative
Energie des polnischen Volkes
freisetzen zu helfen.
Als ich im September 1987 Polen
besuchte, habe ich dem Parteivorsitzenden Jaruzelski und Lech Walesa gegenüber erklärt, das amerikanische
Volk und die Regierung würden auf bedeutsame innenpolitische Reformen von

der Art, wie wir sie jetzt wahrnehmen, unmittelbar und ideenreich reagieren. Beide wußten diese Zusicherung zu schätzen. Es ist mir daher
eine besondere Genugtuung, Zeuge dieser gegenwärtig in Polen stattfindenden Veränderungen zu werden und diese
wichtigen Veränderungen in der amerikanischen Politik zu verkünden. Die
Vereinigten Staaten halten ihr Versprechen.
Wenn Polens Experimente Erfolg
haben, werden andere Länder seinem
Beispiel folgen.
Obwohl wir immer
noch Unterschiede zwischen den Ländern Osteuropas machen müssen, vermittelt uns das Beispiel Polen zwei
Lehren. Erstens kann es keine Fortschritte ohne umfassende politische
und wirtschaftliche Liberalisierung
geben. Zweitens wird die Hilfe aus
dem Westen gleichzeitig mit der Liberalisierung erfolgen. Unsere Freunde
und europäischen Verbündeten teilen
diese Theorie.
Der Westen kann jetzt eine kühne
Vision von der Zukunft Europas mutig
vorschlagen:
Wir träumen von dem
Tag, an dem es keine Schranken für
die Bewegungsfreiheit von Menschen,
Waren und Ideen mehr gibt. Wir träumen von dem Tag, an dem die Völker
Osteuropas die Freiheit zur Wahl ihres Regierungsystems haben werden und
in regelmäßigen Wahlen die von ihnen
favorisierte Partei wählen können.
Wir träumen von dem Tag, an dem Länder Osteuropas die Freiheit zur Wahl
ihres eigenen friedlichen Kurses in
der Welt und engerer Verbindungen mit
Westeuropa haben werden. Und wir haben die Vision eines Europas, in dem
die Sowjetunion vorbehaltslos die militärische Intervention als Instrument ihrer Politik aufgibt. Wir teilen die unverrückbare Überzeugung,
daß eines Tages alle Völker Osteuropas in Freiheit leben werden.
Im kommenden Monat werden die
Staats- und Regierungschefs der westlichen Demokratien diese Anliegen bei
einem Gipfeltreffen des Nordatlantischen Bündnisses diskutieren. Dies

�sind keine bilateralen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion.
Es sind vielmehr die
Anliegen aller westlichen Verbündeten, die einen gemeinsamen Ansatz
fordern. Die Sowjetunion sollte deshalb verstehen, daß ein freies demokratisches Osteuropa, wie es uns vorschwebt, für keinen Menschen und kein
Land eine Bedrohung darstellen würde.
Eine solche Entwicklung würde die
weitere Verbesserung der Ost-West-Beziehungen auf allen Ebenen - RUstungsabbau, politische Beziehungen,
Handel - auf eine Art und Weise hervorbringen und fördern, die Sicherheit und Wohlergehen des gesamten
Europas steigert. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Vor zweihundert Jahren kam ein
polnischer Patriot namens Thaddeus
Kosciuszko nach Amerika, um für die
Freiheit einzutreten. Lassen Sie uns
dieses Helden unseres eigenen Strebens nach Freiheit gedenken und ihn
würdigen und unsere Hand ausstrecken
nach denen, die in den Danziger Werften arbeiten und durch die kopfsteingepflaserten Straßen Warschaus gehen.
Wir wollen der Worte der polnischen
Freiheitskämpfer gedenken: "Für Ihre
und unsere Freiheit". Wir wollen die
friedliche Entwicklung der Demokratie
in Polen unterstützen. Die Sache der
Freiheit kennt keine Schranken und
die Freunde der Freiheit keine Grenzen.

Was hat uns zu dieser Öffnung
veranlaßt?
Die Einheit und Stärke
der Demokratien und noch etwas - das
mutige neue Denken der Sowjetunion;
das innerste Verlangen aller Menschen
nach Freiheit. Wir werden in unserem
Engagement für die Freiheit nicht
schwanken. Wenn wir klug, einig und
bereit sind, die Gelegenheit zu ergreifen, wird man sich an uns als die
Generation erinnern, die dem gesamten
Europa auf seLnem Weg in die Freiheit
geholfen hat.

- 5 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

16

19. April 1989
BAKER BETONT NOTWENDIGKEIT ANHALTENDER AMERIKANISCHER FÜHRUNGSROLLE
- Ansprache des Außenministers vor der ASNE -

WASHINGTON - (AD) - In einem Überblick über die amerikanische Außenpolitik
erklärte Außenminister Baker am 14. April 1989 vor der Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsredakteure (American Society of Newspaper Editors - ASNE)
in Washington, die Welt sei in den letzten zehn Jahren - trotz der Notwendigkeit, sich einer Reihe von Herausforderungen im Hinblick auf die Gestaltung
einer neuen Weltordnung zu stellen - ein sicherer Ort geworden.
Im Rahme n seiner Rede mit dem Titels 'Macht für das Gutes Die amerikanische Außenpolitik in einer neuen Zeit" wies Baker unter anderem auf seine
bevorstehenden Gespräche in Moskau hin, die einerseits eine Verbesserung der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zum Ziel hätten, andererseits aber auch
darauf eingehen müßten, daß dem sowjetischen Schlagwort des neuen Denkens Substanz verliehen würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Ansprache im Wortlaut:

Ich freue mich, heute vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Ich habe immer
die Überzeugung vertreten, daß die
Medien eine entscheidende Rolle bei
der Erziehung zur Demokratie spielen.
Aber wie Sie wissen, haben die Nachrichten nicht nur Tätigkeit oder Untätigkeit der Regierung zum Thema.
Den wichtigsten Dienst, den Sie sowohl der Regierung als auch den Menschen leisten können, sind Erklärungshilfen bei der wichtigsten Veränderungen, die unsere Welt verwandeln. Über diese Veränderungen möchte ich heute sprechen. Und darüber
hinaus möchte ich die Maßnahmen beschreiben, die wir bisher ergriffen
haben, um den Grundstein für die amerikanische Außenpolitik in einer neuen Zeit zu legen.

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Vor zehn Jahren war uns die Welt
jenseits unserer Grenzen bekannt,
aber keineswegs beruhigend. Die Sowjetunion war auf dem Vormarsch. Die
Demokratie schien sich auf dem Rückzug zu befinden, und unsere Werte
wurden in Frage gestellt.
Unsere
Verbündeten und wir sahen uns schwerwiegenden Wirtschaftsproblemen gegenüber, die das Vertrauen in freie
Märkte und freien Handel erschütterten.
Nach einem Jahrzehnt, das als Ära
Reagan in die Geschichte eingehen
wird, ist die Welt jenseits unserer
Grenzen beruhigender.
Die sowjetischen Truppen sind aus Afghanistan
abgezogen. Andere durch sowjetische
Einmischung entfachte regionale Konflikte lassen mit Unterstützung einer

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�kreativen amerikanischen Diplomatie
Lösungsmöglichkeiten erkennen.
Die
Demokratie befindet sich erneut auf
dem Vormarsch. Wir haben unsere Werte bekräftigt. Und die von der längsten in Amerika belegten Expansion in
Friedenszeiten
gestärkte Weltwirtschaft gibt zu neuer Hoffnung auf
Fortschritte Anlaß.
Diese beruhigendere Welt beinhaltet jedoch auch Unsicherheiten.
Die Welt hat den Schlagabtausch
zwischen den Supermächten, von dem
die Weltpolitik der Nachkriegszeit
bestimmt wurde, überwunden.
Statt
dessen sehen wir uns einer Reihe von
Herausforderungen gegenüber, die eine
neue Weltordnung gestalten.
- Wir könnten eine zunehmend demokratisierte Welt hervorbringen,
oder die Sache der Freiheit könnte im Falle des Versagens neuer
instabiler
Demokratien
einen
Rückschlag erleiden.
- Die Weltwirtschaft könnte weiterhin wachsen oder der durch Wettbewerb, Ungleichgewichte im Handel
und
Schulden
entstandene
Druck könnte zu Protektionismus
und rivalisierenden Handelsblökken - und damit zu unser aller
Nachteil - führen.
- Die internationale Staatengemeinschaft könnte handeln, um mit
grenzüberschreitenden
Gefahren
wie etwa Umweltkatastrophen, Terrorismus und dem Drogenhandel
fertigzuwerden, oder diese Probleme könnten aufgrund mangelnder
Zusammenarbeit überhand nehmen.
- Ein gut geplanter Ansatz des Atlantischen Bündnisses könnte die
Fortschritte untermauern, die wir
gemeinsam mit der Sowjetunion erzielt haben und zu kooperativeren
Ost-West-Beziehungen führen. Es
sei denn, diese Chance würde
durch Fehler auf beiden Seiten
des Eisernen Vorhangs verpaßt.
_

- Schließlich könnten neue militärische Technologien größere Stabilität auf niedrigeren Streitkräften! vear; schaffen.
Es sei
denn, wir treten in ein düsteres
Zeitalter ein, wenn wir die Verbreitung der Waffen nicht aufhalten, können wir die Nationen an
den Rand des Krieges bringen,
insbesondere, wenn wir bei der
Lösung
schwelender
regionaler
Konflikte keine Fortschritte erzielen.
Im Gegensatz zu den vergangenen
40 Jahren ist die vor uns liegende
Aufgabe komplexer und vielschichtiger. Sie hängt in geringerem Maße
von der großen Geste, der einzigen
Lösung oder der allumspannenden Doktrin ab. Wir sehen uns an vielen
Fronten einem ständigen Wettbewerb
ausgesetzt.
Winston Churchill pflegte zu sagen, in verwirrenden Situationen sei
es am besten, zu den ersten Grundsätzen zurückzukehren. Diese Grundsätze
haben ihren Ursprung in der Notwendigkeit einer amerikanischen FUhrungsrolle. Als mächtigste Demokratie und größte Wirtschaftsmacht der
Welt werden wir - bewußt oder unbewußt - erheblichen Einfluß auf die
Zukunft ausüben. Aus diesem Grunde
können wir wie niemand sonst eine
Triebfeder für Freiheit und friedliche Veränderungen sein. Aber wenn
uns dies nicht gelingt, werden wir
die Konsequenzen zu tragen haben.
Wir können uns dem nicht entziehen
und müssen daher die Macht Amerikas
zum Guten nutzen.
Unsere Führungsrolle muß jedoch
zeitgemäß sein. Gemeinsame Probleme
und immer noch mächtige Gegner machen
unsere
zunehmend
einflußreicheren
Verbündeten für unseren Erfolg unabdingbar. Neue Gefahren, wie Terrorismus, internationaler Drogenhandel
und die Zerstörung der Umwelt können
nicht von einem Land allein bewältigt
werden. Diese Realitäten werden keinen blinden Isolationismus oder rücksichtigslosen Alleingang zulassen.

�Statt dessen erinnern sie uns an Amerikas einzigartige Rolle: Wir sind
gleichzeitig ein Vorbild für Demokratie, ein Katalysator für internationale Zusammenarbeit und der Bewahrer
nationaler amerikanischer Interessen.
Ein zweiter Grundsatz lautet, daß
die amerikanische Führungsrolle realistisch sein muß. Aber ich meine
damit nicht nur ein Verständnis der
Funktionsweise der Welt, sondern die
Nutzung dieses Verständnisses, um die
Welt zu verändern und dabei amerikanische Werte als Leitlinie zu benutzen.
Der Gedanke, amerikanische Werte
und engagierte Außenpolitik seien relativ
unvereinbar,
ist
eindeutig
falsch.
Eine demoraktische Gesellschaft wird nicht über längere Zeit
hinweg eine Politik unterstützen, die
ihren
Überzeugungen
zuwiderläuft.
Und eine Politik, die nicht unseren
Interessen dient, wird sich - selbst
wenn sie uns ein gutes Gefühl verschafft - ad absurdum führen. Realitätssinn heute bedeutet keinen Ausschluß der Werte, sondern ihre Einbeziehung als Richtschnur unserer Politik.
Der dritte und letzte Grundsatz
ist Überparteilichkeit. Damit meine
ich kein Einstellen der Diskussion
oder das Ende der von der Verfassung
vorgesehenen Spannungen zwischen Exekutive und Kongreß.
Unterschiedliche Perspektiven und
Pflichten werden oftmals gegensätzliche Ansichten hervorbringen.
Der
demokratische
Prozeß
fördert
und
schützt das Recht auf Widerspruch.
Wenn jedoch alles gesagt ist,
müssen wir zur Tat schreiten. Wir
müssen unser außenpolitisches Geschäft durchführen und wenn wir das
tun, sollten wir es gemeinsam tun,
wenn wir unsere nationalen Zielsetzungen verwirklichen wollen.
Führung, Realitätssinn und Überparteilichkeit sind das Handwerks-

zeug, mit dem wir ein neues und vielversprechendes
Zeitalter
schaffen
können. Wir haben den Grundstein bereits gelegt. In den 80 Tagen seit
der Amtseinführung von Präsident Bush
haben wir unsere Tagesordnung entworfen und die Grundlage für das weitere
Vorgehen geschaffen.
Heute möchte
ich einige der Aktivitäten im Detail
erörtern und ein Gefühl vermitteln,
wie sie in unser zukünftiges außenpolitisches Programm eingebunden sind.
Wie ich bereits bei meiner Anhörung vor dem Senat ausgeführt habe,
stehen ganz oben auf unserer Tagesordnung die Nachbarländer - die Länder unseres Kontinents. Der Präsident hat die Bedeutung hervorgehoben,
die wir unseren Beziehungen mit Kanada und Mexiko beimessen. Dies wurde
noch durch seine frühzeitigen Treffen
mit Premierminister Mulroney und Präsident Salinas unterstrichen. Unsere
Beziehungen zu diesen beiden lebenswichtigen Nachbarländern haben das
symbolische
Stadium
überschritten.
Wir haben die Initiative zu zwei Themen ergriffen, die jeweils ganz oben
auf der Tagesordnung dieser Länder
stehen.
Mit Mexiko arbeiten wir
daran, dessen Schuldenlast abzubauen.
Der Präsident hat sich ferner verpflichtet, ein Gesetz mit einem endgültigen Zeitplan für einen umfassenden Abbau der Chemikalien vorzulegen,
die den sauren Regen verursachen.
Zum anderen haben wir einen überparteilichen Konsens zu einem Plan
erzielt, Mittelamerika von den Konflikten der vergangenen Jahre weg In
Richtung auf eine Zukunft der Demokratie und wirtschaftlichen Fortschritte zu führen.
Dieser Plan
spricht ein Problem an, das zu lange
nicht nur die Nachbarn in Übersee,
sondern auch die Amerikaner hier im
Lande in zwei Lager gespalten hat.
Die im März unterzeichnete Überparteiliche Übereinkunft umreißt klar
und deutlich die Zielsetzung unsere
Politik gegenüber Nicaragua und Mittelamerika. Diese Ziele heißen Demokratie, Beendigung der Subversion von

- 3 -

�Nachbarn und Abbruch der militärischen Beziehungen zur Sowjetunion,
durch die sich die amerikanische und
regionale Sicherheit bedroht sehen.
Die Übereinkunft stützt sich auf das
von Präsident Arias von Costa Rica
verfaßte Esquipulas II-Abkommen sowie
die Bestrebungen der mittelamerikanischen Länder, ihre eigenen Grundsätze für Freiheit und Frieden zu
entwickeln. Und unsere Politik konzentriert sich darauf, daß der zu
diesen Zielen führende Prozeß sich
auf glaubwürdige Normen der Einhaltung, genaue Zeitpläne für die Durchführung und wirksame, dauerhafte Verifizierungsmaßnahmen stützen muß.
Die
Übereinkunft
legt
ferner
fest, daß der Kongreß dem nicaraguanischen Widerstand humanitäre Hilfe
im gegenwärtigen Umfang bis zum 28.
Februar 1990 gewähren wird, kurz
nachdem in Nicaragua international
überwachte Wahlen abgehalten worden
sind.
Die neue amerikanische Politik unser "neues Denken" sozusagen - erfreut sich bereits der Unterstützung
der mittelamerikanischen Demokratien,
Kanadas, Venezuelas und anderer Demokratien auf diesem Kontinent und in
Europa. In den vor uns liegenden Wochen werden wir auf diese Unterstützung aufbauen.
Mit dieser Übereinkunft übermitteln wir der Welt eine bedeutsame
Botschaft:
Amerikaner
können
zu
einem Thema von vordringlichem nationalen Interesse Einigung erzielen.
Und wir können noch eine weitere Botschaft übermitteln: Unser Kontinent
ist nicht der Schuttabladeplatz für
sowjetische Waffen oder eine gescheiterte sowjetische Ideologie.
Offen gesagt haben wir in diesem
Zusammenhang auf Zeichen des "neuen
Denkens" aus Moskau gewartet. Kürzlich vernahmen wir einige vielversprechende Worte. In Anwesenheit von
Fidel Castro erklärte Generalsekretär
Gorbatschow:
"Wir lehnen Theorien
und Doktrinen, die den Export von Re-

volution und Konterrevolution rechtfertigen sowie alle Formen ausländischer Einmischung in die Angelegenheiten souverä-.or Staaten vehement
ab."
Das klingt zweifelsohne vielversprechend. Wir hoffen, daß es wahr
ist. Aber bis heute ist die Sowjetunion dem Aufruf von Präsident Arias,
diesem Schlagwort des neuen Denkens
Inhalt zu verleihen, nicht nachgekommen. Sowjetische Hilfe für Kuba und
Nicaragua bedeutet nach wie vor Unterstützung der Subversion gegen El
Salavador. Die sowjetische Militärhilfe an Nicaragua allein beläuft
sich auf über 500 Millionen Dollar
pro Jahr - fünfmal so viel wie die
amerikanische Hilfe an El Salvador und weit höher, als alle legitimen
sowjetischen Sicherheitsbelange dies
rechtfertigen würden. Als Konsequenz
dieser Hilfe stellt Nicaragua heute
eine militärische Streitmacht, die
sehr viel größer ist als die seiner
Nachbarn - die größte Armee in der
Geschichte Mittelamerikas.
Ich rufe die sowjetische Regierung erneut auf, dieses Vorgehen auf
unserem Kontinent und seine Konsequenzen für die Zukunft zu überdenken.
Der dritte Bereich, in dem wir
den Grundstein für Frieden und Sicherheit gelegt haben, ist der Nahe
Osten.
Am 25. März haben wir den zehnten
Jahrestag des ägyptisch-israelischen
Friedensvertrages
gefeiert.
Aber
einen Jahrestag zu begehen, bedeutet
auch die Erkenntnis dessen, wieviel
noch zu tun bleibt. Die täglichen
Ausschreitungen im Westjordanland und
dem
Gazastreifen,
die
geworfenen
Steine, die verlorenen Leben kommen
zu dem an sich schon bitteren Vermächtnis des Hasses zwischen Arabern
und Israelis hinzu.
In der vergangenen Woche haben
der ägyptische Präsident Mubarak und
Premierminister Shamir Washington besucht. Seine Majestät, König Hussein

�von Jordanien, wird für nächste Woche
erwartet.
Ich hege keine Zweifel, daß nach
so vielen Jahren des Haders ein tiefes Verlangen nach Frieden besteht.
Es steht jedoch ebenso außer Zweifel,
daß die Kluft zwischen den Parteien
zu tief ist und das Klima zu sehr von
Gewalt und Spannungen überschattet,
um jetzt Verhandlungen in die Wege
leiten zu können. Aus diesem Grund
haben wir zwei Monate lang die Notwendigkeit eines stufenweisen Vorgehens betont. Dessen Ziel besteht im
Abbau von Spannungen, Förderung des
Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern und in der Schaffung eines
Umfelds, in dem Verhandlungen über
Interimlösungen und den permamenten
Status überdauern können.
In der vergangenen Woche hat Premierminister Shamir geantwortet. Er
hat klargestellt, daß der Status quo
inakzeptabel ist. Er hat ferner den
Wunsch Israels unterstrichen, den politische Prozeß voranzubringen, der
letzlich zu einer Lösung führen könnte. Er schlug Wahlen für palästinensische Vertreter in den besetzten Gebieten vor, die ein Interimabkommen
aushandeln sollten.
Dieser Prozeß
würde in Verhandlungen über den endgültigen Status gipfeln. In solchen
Verhandlungen wären alle Optionen offen. Alle Parteien könnten ihre bevorzugte Position auf den Verhandlungstisch legen und das Ergebnis
müßte für alle akzeptabel sein.
Dies ist ein positiver Schritt,
der weiterer Erwägung und Fortentwicklung wert ist. In den kommenden
Wochen werden wir mit Isreal und den
Arabern die Einzelheiten dieses Gedankens erörtern, wie darauf aufgebaut werden kann und er sich in die
Vorbereitung von Verhandlungen einpaßt.
Wir haben ein schrittweises
Vorgehen in die Wege geleitet, das
unserer Ansicht bezüglich Fortschritten bei diesem schwierigsten aller
Konflikte entspricht.
Der nächste

und vierte Bereich,

auf den wir unsere anfänglichen Bemühungen konzentriert haben, betrifft
die Vorbereitung weiterer Verbesserungen in den Ost-West-Beziehungen.
Von all den Veränderungen, die wir im
vergangenen
Jahrzehnt
beobachten
konnten, sind die in der Sowjetunion
zweifelsohne am bemerkenswertesten.
Die sowjetischen Truppen wurden aus
Afghanistan abgezogen. Der INF-Vertrag wird verwirklicht. Einige politische Gefangene wurden freigelassen.
Die Zahl der Auswanderer ist drastisch angestiegen. Und eine Art von
Demokratisierung - weit entfernt von
Demokratie, aber immerhin ein Demokratisierungsprozeß - hat begonnen.
Die
Gorbatschow

von
in

Generalsekretär
die

Wege

geleiteten

politischen und wirtschaftlichen Reformen haben jedoch auch ein breites
Feld der Unzufriedenheit aufgedeckt.
Praktisch jeder Bereich des sowjetischen Lebens und der sowjetischen
Geschichte sah sich Kritik ausgesetzt. Eine ebensolche Welle der Unzufriedenheit hat die Länder Mittelund Osteuropas überspült. Die Reaktionen darauf waren uneinheitlich.
Einige Länder widersetzen sich dem
Wandel.
Andere haben ihre politischen und wirtschaftlichen Systeme
in einem Maß verändert, wie es einst
als unmöglich galt.
Die vor einer Woche in Polen erzielten historisch einmaligen Vereinbarungen am runden Tisch sind beispielhaft für diese Veränderungen in
der kommunistischen Welt. Vor sieben
Jahren wurden Kerzen angezündet, um
Polens unterdrückte
freie Gewerkschaft Solidarität zu unterstützen.
Heute hat die Hoffnung neue Nahrung
bekommen. Polen hat einen wichtigen
Schritt weg vom Totalitarismus getan,
obwohl die Demokratie noch bei weitem
nicht verwirklicht wurde.
In Wien habe ich die Veränderungen im Osten vor allem als Zeichen
dafür begrüßt, daß sich die westliche
Vision von Freiheit, Frieden und Demokratie durchgesetzt hat. Gemeinsam
mit unseren Verbündeten haben wir in

- 5 -

�den vergangenen vier Jahrzehnten diese Vision hochgehalten. Heute bestätigt ein neuer Sinn für Realismus im
Kreml den Erfolg unserer Bemühungen.
Ich kann sagen, daß wir Herrn
Gorbatschow bei seinem Versuch, die
Sowjetunion zu reformieren, viel Erfolg wünschen. Wir haben kein Interesse an einem Fehlschlag der Perestrojka. Wir begrüßen das Konzept
des "neuen Denkens" in der Außen- und
Sicherheitspolitik, und wir sehen erwartungsvoll der Wiederaufnahme der
Verhandlungen zum Abschluß eines neuen Vertrages entgegen, mit dem die
strategischen Waffen begrenzt werden.
Vereinfacht ausgedrückt besteht
unser allgemeines Ziel darin, insbesondere bei regionalen Fragen unser
kooperatives Verhältnis zu vertiefen
und auszuweiten.
Es ist
jedoch verfrüht, den
Schluß zu ziehen, daß die dem Westen
am meisten Sorge bereitenden Maßnahmen der Sowjets für immer überwunden
seien. Die bis heute erzielten Fortschritte in der Rüstungskontrolle haben nichts an der Tatsache geändert,
daß die Sowjetunion eine schwer bewaffnete Supermacht ist, deren militärischer Arm jeden Winkel der Welt
erreichen kann. In jüngster Zeit hat
es Anzeichen für einen konstruktiveren sowjetischen Ansatz gegeben, der
die Notwendigkeit anerkennt, die Fähigkeit zum Überraschungsangriff zu
beseitigen.
Diese Möglichkeit muß
jedoch noch sondiert und weiterentwickelt werden. So real die Möglichkeiten auch sein mögen, sind sie doch
noch nicht verwirklicht.
Es bestehen in der Tat noch zu
viele Bereiche, in denen die Schlagworte des neuen Denkens noch keine
Substanz enthalten. Lassen Sie mich
einige Beispiele nennen:
- Moskau hat erklärt, jedes Mitglied der sozialistischen Staatenfamilie habe das Recht, seinen
eigenen Weg zu gehen, hat sich
jedoch geweigert, der Breschnew-

Doktrin eine Absage zu erteilen,
die immer noch die von der UdSSR
dominierten Staaten überschattet.
- Die Sowjetunion strebt nach einer
Reduzierung der Streitkräfteniveaus an der Trennungslinie in
Europa. Sie weigert sich jedoch
immer noch, die Berliner Mauer
und andere mit sowjetischem Druck
erzwungene Realitäten der europäischen Teilung zu beseitigen.
- Generalsekretär Gorbatschow hat
erklärt,
die
"vordringlichste
Aufgabe besteht nun in der Beilegung der sogenannten regionalen
Konflikte". Wie ich jedoch vorhin schon festgestellt habe, weigert sich Moskau, dem "neuen Denken" im Hinblick auf Mittelamerika Substanz zu verleihen.
- In der vergangenen Woche hat Generalsekretär Gorbatschow den Nahen Osten als echtes Pulverfaß
bezeichnet. Wie sollen wir jedoch den Verkauf modernster Hochleistungsbomber an Libyen interpretieren, ein Land, das den Terrorismus in Europa und andernorts
unterstützt?
Und wie fördert
dieser Verkauf die (angeblich von
Moskau unterstützten) weltweiten
Bemühungen zur Kontrolle chemischer Waffen, wie sie von Libyen
in der Fabrik von Rabta hergestellt werden?
Diese und andere Fragen werden
auf meiner Tagesordnung stehen, wenn
ich
im
Mai
mit
Außenminister
Schewardnadse zusammentreffe.
Ich bin voll und ganz davon überzeugt, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen das Potential für
eine wesentlich engere Zusammenarbeit
in sich bergen. Wir werden bei unserem Treffen im Mai in der Tat einige
neue Themen besprechen, darunter internationale Umweltfragen, Drogenhandel und Terrorismus. Wir können mehr
neues Denken fördern, die Schlagworte
mit Inhalt füllen und das Spektrum
der Zusammenarbeit ausdehnen.

�Damit komme ich zu dem fünften
und letzten Bereich, in dem wir seit
Januar beharrliche Arbeit geleistet
haben.
Letztlich hängt der Erfolg
unserer Ost-West-Politik von unserer
West-West-Politik ab - der Fähigkeit
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten zur Zusammenarbeit. Unsere kollektive Stärke, nicht nur die
innenpolitische Schwäche der Sowjets,
hat dem bemerkenswerten Realismus den
Weg bereitet, den wir in jüngster
Zeit in Moskau festgestellt haben.
Die Sowjetunion ist jedoch nicht
der einzige Beweggrund für unsere
Bündnisse und Freundschaften. In den
vergangenen 40 Jahren haben wir starke politische, militärische und wirtschaftliche
Beziehungen
aufgebaut,
die durch gemeinsame Werte und grundsätzliche Interessen miteinander verbunden sind.
Durch den Erfolg unserer Maßnahmen haben enorme Veränderungen zum
Besseren stattgefunden.
Heute sind
unsere Verbündeten stark und wohlhabend, und die Vereinigten Staaten
bilden nicht die einzige Quelle von
Initiativen oder Ressourcen. Wie ich
vorhin schon bemerkt habe, bleibt jedoch die Tatsache bestehen, daß wir
für die Zusammenarbeit eine einzigartige
Katalysatorfunktion
erfüllen.
Damit sind wir zu kreativer und aktiver Führung aufgerufen.
Aus diesem Grund haben wir mit
unseren Verbündeten und Freunden umfangreiche Konsultationen über Probleme von gemeinsamem Interesse aufgenommen.
Ich habe meine Ministerkollegen in allen 15 NATO-Hauptstädten besucht, und wir sind zum Beginn
der Verhandlungen über konventionelle
Rüstungskontrolle in Wien erneut zusammengetroffen.
Der Präsident hat
Japan, Korea und die Volksrepublik
China besucht. In den kommenden zwei
Monaten werden wir wiederum Europa
besuchen, um am Gipfeltreffen zum 40jährigen Jubiläum der NATO und am
Weltwirtschaftsgipfel
teilzunehmen.
Aus diesen Gesprächen wird sich ein
gemeinsames Programm ergeben, das wir

benötigen, um die Zukunft zu meistern. Dies gilt nicht nur für die
Behandlung von Ost-West-Fragen, sondern für alle vor uns liegenden Herausforderungen .
Lassen Sie mich diesen Überblick,
den man mit dem Titel "In 80 Tagen um
die Welt" umschreiben könnte, mit der
folgenden
Beobachtung
beschließen.
Vor
langer
Zeit
stellte
de
Tocqueville fest, daß es der Demokratie bei der Durchführung ihrer Diplomatie für gewöhnlich an Geheimhaltung, Schnelligkeit und Zusammenhalt
fehle.
Ich stimme dem zu und füge
noch hinzu, daß sich diese Probleme
in einem Bündnis von Demokratien vervielfachen.
Und doch könnte sich der diplomatische Stil der Demokratien hervorragend für das vor uns liegende komplexe Zeitalter eignen.
Wie Wunder
bringt die Geschichte bisweilen auch
Helden hervor, aber wir können weder
auf Helden noch auf Wunder zählen, um
unsere Interessen zu sichern. In jedem Fall muß der Durchschnittsbürger
die Folgen tragen. Das ist Amerika das Abenteuer des Durchschnittsbürgers. Das ist Demokratie - die Freiheit wird für alle, nicht nur einige
wenige gewährleistet.
Konsultation
und Konsens, die
vorsichtigen Bewegungen eines Programms, das sich Schritt für Schritt
vollzieht und langsamer, aber stetiger Wandel zum Besseren, das sind die
Wege der Demokratie, die Wege, die am
besten zu uns passen.

- 7 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19. April 1989

16

WALTERS BETONT "SCHLÜSSELROLLE" DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
- Eröffnungsansprache vor Senatsausschuß WASHINGTON - (AD) - In seiner Eröffnungsansprache anläßlich seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats erklärte der neue Botschafter der
Vereinigten Staaten in Bonn, Vernon A. Walters, am 12. April 1989, er könne
sich "kein Verhältnis von größerer Tragweite für die Vereinigten Staaten und
den Westen vorstellen als das deutsch-amerikanische". Die Bundesrepublik
Deutschland stehe "im Mittelpunkt der Ost-West-Beziehungen" wie auch der amerikanischen Beziehungen zu den Westeuropäern in der NATO und der Europäischen
Gemeinschaft.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Botschafter
Walters im Wortlaut.

Herr Vorsitzender,
verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre, heute
vor Ihnen sprechen zu dürfen, und ich
werde mich kurz fassen.
Zunächst möchte ich dem Präsidenten für meine Nominierung zum amerikanischen Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland und dem Außenminister für das in mich gesetzte
Vertrauen meinen Dank aussprechen.
Darüber hinaus möchte ich Ihnen,
Herr Vorsitzender, dafür danken, daß
sie heute diese Anhörung zu meiner
Nominierung einberufen haben. Es ist
mir immer wieder eine Freude, mit dem
Ausschuß
zusammenzutreffen.
Heute
ist das dritte Mal, daß ich zur Bestätigung hier geladen bin.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Herr Vorsitzender,
ich kann mir gegenwärtig kein
Verhältnis von größerer Tragweite für
die Vereinigten
Staaten und den
Westen vorstellen als das deutschamerikanische.
Der Kongreß hat in
den vergangenen Jahren die diesen Beziehungen beigemessene Bedeutung betont, unter anderem mit dem Austauschprogramm zwischen Bundestag und
Kongreß, der gemeinsamen Resolution,
die den 6. Oktober zum "Tag der
Deutsch-Amerikaner"
erklärt
sowie
auch mit der Einrichtung dieser einzigartigen, informellen, überparteilichen und von beiden Häusern getragenen Körperschaft - der Forschungsgruppe Deutschland des Kongresses.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
steht im Mittelpunkt der Ost-West-Be-

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Telex: 8-85432

�Ziehungen wie auch unserer Beziehungen zu den Westeuropäern in der NATO
und der Europäischen Gemeinschaft.
Gerade wegen der Bedeutung der Bundesrepublik für das Bündnis ist die
bundesdeutsche Öffentlichkeit wichtigste Zielgruppe von Gorbatschows
"Offensive des Charmes".
Wie dem Ausschuß bekannt ist,
stellt die Bundesrepublik die größten
aktiven konventionellen Streitkräfte
des Westens in Europa. Ebensoviele
verbündete Truppen - einschließlich
250 000 amerikanischer Soldaten des
Heeres und der Luftwaffe - und ein
großer Anteil der kriegsschauplatzgebundenen atomaren Streitkräfte der
NATO sind auf ihrem Territorium stationiert. Nach den Vereinigten Staaten belegt die Bundesrepublik im
Welthandel den zweiten Platz und
steht bei unseren Handelspartnern an
dritter Stelle.
Wir haben mit Bonn ein solides
Fundament bilateraler Zusammenarbeit
in einem Verhältnis geschaffen, das
in den vergangenen vier Jahrzehnten
erheblichen Veränderungen unterworfen
war. Obwohl unsere Beziehungen heute
den Charakter einer reifen Partnerschaft haben, sind sie weiterhin anfällig für Mißverständnisse und bisweilen auch Meinungsverschiedenheiten. Meines Erachtens sind die in
unserem Verhältnis zutage getretenen
Friktionen - und wir sollten die
jüngsten Ereignisse nicht als Ausnahmefälle betrachten -, eher Ausdruck
der Bedeutung, Vielfalt und Intensität unserer Bindungen und gemeinsamen
Interessen als grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten.
Sicherlich setzt sich die Bundesrepublik energischer für die Wahrung
ihrer Interessen ein. Sie erhebt zu Recht - Anspruch auf den ihr zukommenden politischen und wirtschaftlichen Rang in der Welt. Eine solche
Position bringt jedoch zugleich zusätzliche Verpflichtungen mit sich,
die zu erfüllen Bonn bereit sein muß.
Zudem haben ein Generationswechsel
sowie Veränderungen in der innen- und
außenpolitischen Landschaft stattge-

funden. Parallel dazu hat in einigen
Kreisen das Vertrauen in die Fähigkeit der Vereintsten Staaten abgenommen, den Westen effektiv und berechenbar zu führen. Unsere FUhrungsrolle und Beharrlichkeit haben jedoch
ebenso wie die unserer Bündnispartner
Europa nicht nur Freiheit und Veränderungen im Osten beschert, sondern
die längste Friedensperiode, die Europa seit der Schlacht von Waterloo
erlebt hat.
Meines Erachtens erkennen die
Bonner Regierung wie auch die Mehrheit der Bundesbürger, daß für sie
die feste Verankerung in der NATO und
in der Europäischen Gemeinschaft unerläßlich ist. Westpolitik genießt
weiterhin Vorrang vor Ostpolitik.
Der auch heute schon wichtige
wirtschaftspolitische
Teil
unseres
Verhältnisses
wird
wahrscheinlich
noch an Bedeutung gewinnen, jedoch
zunehmend von Entscheidungen bestimmt
werden, die in Brüssel und nicht in
Bonn fallen. Allerdings spielt die
Bundesrepublik
Deutschland
eine
Schlüsselrolle bei der Entscheidungsfindung innerhalb der Europäischen
Gemeinschaft. Wir erwarten, daß ihre
Stimme zur Unterstützung des freien
Handels und eines offenen europäischen
Binnenmarkts,
insbesondere
nach 1992, Gehör finden wird.
Herr Vorsitzender,
ich kann mir keine größere Ehre,
keine wichtigere Aufgabe und keine
größere Herausforderung vorstellen,
als an der Schwelle zum nächsten
Jahrhundert die Vereinigten Staaten
in unseren Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten.
Vorbehaltlich meiner Bestätigung
wird meine vornehmste Aufgabe darin
bestehen, auf unseren vielfältigen,
zum Teil deckungsgleichen Interessen,
gemeinsamen Werten sowie dem gegenseitigen Respekt und Vertrauen aufzubauen, von denen die deutsch-amerikanischen
Beziehungen
gekennzeichnet
sind, um gemeinsame Zielsetzungen im
Namen von Frieden, Wohlstand und

�Freiheit zu verwirklichen.
Dabei werde ich die amerikanischen Interessen und Anliegen klar
und deutlich vertreten, über die Entwicklungen
in
der
Bundesrepublik
wahrheitsgetreu und gewissenhaft berichten und dabei berücksichtigen,
daß auch die Bundesbürger Interessen
und Ansichten haben, die sich gelegentlich von den unseren unterscheiden, heute vielleicht noch mehr als
in der Vergangenheit. Ich gebe mich
keinerlei Illusionen darüber hin, daß
meine Aufgabe leicht sein wird, aber
in den nahezu 50 Jahren meiner
Dienstzeit sind mir selten leichte
Aufgaben gestellt worden.
Die Herausforderung - und nicht
nur für einen Botschafter in Bonn besteht darin, dieses für beide Seiten wichtige Verhältnis auf allen
Ebenen und in allen Bereichen so zu
gestalten, daß gemeinsame, überragende Prinzipien und Zielsetzungen - und
insbesondere gegenseitiges Vertrauen
weiterhin gefördert werden.
In
diesem Zusammenhang dlirfen die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland nicht jedes neue

Problem auf beiden Seiten des Atlantiks
entweder
zum
"Prüfstein"
deutscher Zuverlässigkeit oder zum
Beispiel amerikanischer Unnachgiebigkeit werden lassen. Ein solches Vorgehen
würde bedeuten, dieses entscheidende Verhältnis aufs Spiel zu
setzen. Sicherstellung enger, dauerhafter Kontakte - nicht zuletzt auch
mit der politischen Opposition - und
die wirksame Erfüllung unserer besonderen Verantwortung für Berlin sind
andere Schlüsselelemente des Erfolges.
Herr Vorsitzender,
im Bewußtsein der schwerwiegenden
Verantwortung, die ich vorbehaltlich
meiner Bestätigung zu tragen haben
werde, kann ich diesem Ausschuß versichern, daß ich mein Bestes geben
werde, um mich des in mich gesetzten
Vertrauens würdig zu erweisen.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
^7

^

C&amp;

Hintergrundmaterial
19. April 1989

16

BRADY FORDERT VOLLSTÄNDIGE BEWILLIGUNG DER MITTEL FÜR
MULTILATERALE ENTWICKLUNGSBANKEN
- Erklärung vor Kongreßausschuß (Zusammenfassung) -

WASHINGTON - (AD) - Die Bush-Administration hat Finanzminister Nicholas
Brady zufolge für das am 30. September 1990 endende Haushaltsjahr beim Kongreß
die Bewilligung von 1,637 Milliarden Dollar für die amerikanischen Zahlungen
an die multilateralen Entwicklungsbanken (MDBs) beantragt. Dazu gehören die
Weltbank, die Internationale Entwicklungsorganisation, die Internationale Finanz-Corporation, die Interamerikanische Entwicklungsbank, Asiatische Entwicklungsbank und -fonds sowie Afrikanische Entwicklungsbank und -fonds.

Ferner fordert die Bush-Administration 313 Millionen Dollar, um in
der Vergangenheit entstandene Fehlbeträge bei den amerikanischen Verpflichtungen gegenüber diesen Institutionen abzudecken sowie die Freigabe von 150 Millionen Dollar zur Finanzierung der amerikanischen Beteiligung an der Erweiterten Strukturellen Anpassungseinrichtung (ESAF) des
Internationalen Währungsfonds (IWF).
Mit diesem IWF-Programm wird den ärmsten Ländern finanzielle Unterstützung zu günstigen Bedingungen gewährt, wenn diese mit anhaltenden
Zahlungsbilanzproblemen
konfrontiert
und bereit sind, mehrjährige Wirtschaftsreformen durchzuführen.
"Die Vereinigten Staaten sind das
einzige führende Industrieland, das

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Embassy of the United States of America

noch keinen Beitrag zur ESAF geleistet hat", erklärte Brady am 17. April 1989 vor einem Unterausschuß des
Repräsentantenhauses. "Eine bescheidene Zuwendung an die ESAF würde viel
dazu beitragen, um unsere Glaubwürdigkeit im IWF zu erhalten und den
Vereinigten Staaten Einfluß bei Fragen von zentraler Bedeutung für unsere nationalen Interessen und das
Wohlergehen der Weltwirtschaft zu
sichern."
Der Finanzminister erklärte vor
dem Unterausschuß für die Bewilligung
von Mitteln für auswärtige Angelegenheiten, gemäß der neuen Schuldenstrategie für die Dritte Welt - die sich
auf Schulden und Schuldendienstreduzierung konzentriert - komme der angemessenen Bereitstellung von Mitteln

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�für die multilateralen Entwicklungsbanken entscheidende Bedeutung zu.
Diese Institutionen werden ihm zufolge eine stärkere Rolle bei der Stimulierung des Schuldenabbaus spielen
und müssen "für ihre Arbeit angemessene Mittel erhalten".
Brady ging ausführlich auC die
Bedeutung von Fragen des Umweltschutzes bei von internationalen Institutionen finanzierten Projekten aus der
Sicht der Vereinigten Staaten ein.
Insbesondere behandelte er detailliert das Problem der tropischen Regenwälder und erklärte: "Die Regierung der Vereinigten Staaten ist entschlossen, daß die MDBs Maßnahmen und
Verfahrensweisen zum Schutz vor Projekten beschließen sollen, die diese
Wälder und andere instabile Ökosysteme beeinträchtigen." Wir haben verschiedene Schritte unternommen, um
weltweit Verständnis für die Bedeutung dieses Problems zu wecken und
größere Unterstützung für Maßnahmen
zum Schutz solcher Ökosysteme zu gewinnen, die durch Entwicklungsprojekte und -programme bedroht sein könnten.

Es ist zwingend erforderlich, daß
in den MDBs und den Schuldnerländern
angemessene Verfahrensweisen zur Bewertung der Auswirkungen auf die Umwelt erarbeitet werden. Ferner besteht die dringende Notwendigkeit für
die MDBs, der Öffentlichkeit die für
die Umwelt relevanten Informationen
über Projekte im Vorfeld der von der
Bank getroffenen Maßnahmen zugänglich
zu machen. Ich habe bei der Jahrestagung der Weltbank in Berlin im September vergangenen Jahres die Bedeutung von Umweltproblemen hervorgehoben. Im März dieses Jahres habe ich
einen Brief an Präsident Conable geschrieben und darin auf die Bedeutung
verwiesen, die wir dem Zugang von Informationen und der Notwendigkeit zum
schnelleren Handeln der Bank in diesem Bereich beimessen. Vor zwei Wochen haben wir vor dem Entwicklungsausschuß der Weltbank eine Erklärung
abgegeben und darin erneut die Bedeutung unverzüglichen Handelns betont.
Ich habe meine Kollegen in den anderen Industrienationen zur Untertsützung dieser Bestrebungen aufgefordert, und wir werden in den kommenden
Monaten auf die internationale Vereinbarungen angemessener Verfahrensweisen drängen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

16

19. April 1989

DER ATOMWAFFENSPERRVERTRAG:

ERFOLGREICHE RÜSTUNGSKONTROLLE

- Bericht der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Bericht der amerikanischen Rüstungskontroi L- und Abrüstungsbehörde (ACDA) erläutert den Zweck des Nichtverbreitungsvertrages.

Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) ist der
Rüstungskontrollvertrag, der weltweit
am wenigsten gebrochen wird. Die 138
Nationen unterzeichneten den Vertrag
in dem Bewußtsein, daß die Weiterverbreitung von Kernwaffen die Sicherheit aller Staaten ernsthaft gefährden würde.
Die Bedrohung durch die Weiterverbreitung von Kernwaffen führt zu
Problemen unter regionalen Rivalen,
insbesondere bei bereits bestehenden
Spannungen . Der darin resultierende
Rüstungswettlauf kann sehr gefährlich
werden und zu einem bewaffneten Konflikt führen. Solche Aussichten haben an sich schon nicht nur für die
fragliche Region, sondern auch für
andere Gebiete der Welt eine destabilisierende Wirkung.

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Embassy of the United States of America

Verhinderung der Verbreitung von
Kernwaffen
Die kontinuierliche Zunahme der
Länder, die dem NPT beitreten, ist
eindeutiger Beweis für die wachsende
weltweite Verpflichtung zur Nichtverbreitung.
Durch die Unterzeichnung
des Vertrages haben Staaten ohne
Kernwaffen sich verpflichtet, Kernwaffen weder herzustellen noch zu erwerben. Die Vertragspartner des NPT,
die im Besitz von Kernwaffen sind die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und Großbritannien -, haben
sich verpflichtet, auf die Weitergabe
von nukleren Sprengsätzen an einen
anderen Staat zu verzichten und Staaten, die keine nuklearen Sprensätze
besitzen, nicht bei der Herstellung
oder Beschaffung solcher Waffen be-

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Telex: 8-85432

�hilfllch zu sein. Frankreich und die
Volksrepublik China sind dem Vertrag
nicht beigetreten, Frankreich hat jedoch erklärt, es werde seine Beziehungen im Nuklearbereich im Einklang
mit den Zielsetzungen des Vertrages
führen und China hat versichert, daß
es anderen Ländern nicht bei der Entwicklung von Kernwaffen behilflich
sein wird.

Förderung der friedlichen Nutzung
von Kernenergie
Der NPT erleichtert den Zugang
zur friedlichen Nutzung von Kernenergie. In der Tat gewähren zahlreiche
Lieferanten von Kernenergie ihren Nuklearexporten in Länder, die dem Vertrag be-'getreten sind ebenso wie anderen gemeinsamen Unternehmungen mit
NPT-Mitgliedern eine bevorzugte Behandlung.
Die
NPT-Vertragsparteien
haben
von den zahlreichen Vorteilen aus der
friedlichen Nutzung von Kernenergie
in großem Umfang profitiert. Die vom
NPT geförderte friedliche Anwendung
von Kernenergie wird weltweit in
vielfältiger produktiver Weise genutzt, zum Beispiel: in der Landwirtschaft bei der Schädlingsbekämpfung und Aufstockung von Nahrungsmittelvorräten; in der Medizin zur
Krebstherapie; in der Geologie zur
Lokalisierung von Rohstoffen und natürlich bei der Energieproduktion als
Mittel zur Stromerzeugung.

Vorkehrungen zur Gewährleistung von
Sicherheit und Vertrauen
Einzelne Länder sind dem NPT beigetreten, weil der Vertrag ein wichtiges Instrument zur Förderung gegenseitigen Vertrauens sowie weltweiter
Sicherheit und Stabilität darstellt.
Sie leisten ihren Beitrag dazu, indem
sie ihre Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken Sicherheitsmaßnahmen
unterwerfen, die von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
überwacht werden. Mit Hilfe der Si-

cherheitsmaßnahmen des NPT soll verifiziert werden, daß die friedliche
Nutzung der Kernenergie nicht für
Atomwaffenprogrrmme verwendet wird.
Die mit dem System der Schutzmaßnahmen gebotenen Sicherheiten sollen
Mißtrauen abbauen, das andernfalls
Nachbarstaaten ermutigen könnte, Fähigkeiten für Nuklearwaffen anzustreben oder andere Maßnahmen zu ergreifen, die dem regionalen und weltweiten Rüstungswettlauf Vorschub leisten
könnten.
Da
die
Sicherheitsvorkehrungen
der IAEO Vertrauen schaffen, daß zu
friedlichen Zwecken genutztes nukleares Material nicht mißbräuchlich verwendet wird, liefert der NPT eine
feste Grundlage für die friedliche
internationale Zusammenarbeit im Nuklearbereich. Ohne den NPT und die
Sicherheitsvorkehrungen der IAEO bestünde kein volles Vertrauen, daß nukleares Material nur zu friedlichen
Zwecken verwendet wird. Unter diesen
Bedingungen würde der Handel mit
friedlichen Zwecken dienenden nuklearem Material weitaus schwieriger und
die sich aus dieser internationalen
Zusammenarbeit
ergebenden
Vorteile
erheblich reduziert.

Weiterführung der atomaren Abrüstung
Bei der schwierigen Aufgabe, Maßnahmen zur Beendigung des atomaren
Rüstungswettlaufs
auszuhandeln
und
eine Abrüstung von Kernwaffen zu erzielen, sind erhebliche Fortschritte
erzielt worden.
Seit Bestehen des
NPT arbeiten die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion an der Festsetzung von Obergrenzen für die Anzahl
und die Kategorien von Kernwaffen.
Jüngste Verhandlungen haben mehr hervorgebracht als lediglich die Begrenzung dieser Waffen und sie reduziert.
Der 1988 zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion geschlossene INF-Vertrag stellt eine einzigartige Leistung in der Abrüstung dar.
Heute beseitigt der INF-Vertrag eine
gesamte Kategorie amerikanischer und

- 2 -

�sowjetischer
Atomwaffen.
Darüber
hinaus sieht er die umfangreichsten
Vor-Ort-Inspektionen vor, die jemals
für einen Abrüstungsvertrag erarbeitet worden sind.

NPT verfolgt eine dreifache Zielsetzung:

Auch im Bereich der Verhandlungen
über strategische Rüstungen (START),
einer weiteren Bestrebung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
um echte Abrüstung, sind erhebliche
Fortschritte
erzielt worden.
Die
START-Verhandlungen haben in ihren
Bemühungen um einen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion um 50
Prozent viel erreicht.

- Förderung der friedlichen Nutzung
von Kernenergie.

Bedeutende
Fortschritte
wurden
ferner auf dem Weg zur Ratifizierung
des Schwellenvertrags und des Vertrags über Atoraexplosionen zu friedlichen Zwecken erzielt. Durch Zusammenarbeit bei gemeinsamen Experimenten in einem Ausmaß, das noch vor wenigen Jahren für unrealistisch gehalten worden wäre, haben sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bemüht, eine wirksame Verifizierung
von Atomtests zu gewährleisten, um
eine Ratifizierung dieser Verträge zu
ermöglichen. Die beiden Länder haben
sich überdies darauf geeinigt, daß
nach Ratifizierung dieser Verträge
Verhandlungen über Möglichkeiten zur
Durchführung stufenweiser, parallel
ablaufender
Programme
eingeleitet
werden, mit denen Atomtests begrenzt
und beendet sowie alle Kernwaffen reduziert und
letztlich abgeschafft
werden sollen.
Zusammen mit verstärkter amerikanisch-sowjetischer Zusammenarbeit bei
Inspektion und Verifizierung zeigen
diese Errungenschaften bei Rüstungskontrolle und Abrüstung, daß die Verhandlungen über nukleare Abrüstung
aufrichtig betrieben werden - und mit
bedeutendem Erfolg.

- Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen.

- Ermutigung aufrichtig geführter
Verhandlungen über wirksame Mittel und Wege zur Beendigung des
nuklearen Wettrüstens, Erlangung
nuklearer Abrüstung und Aushandlung eines Vertrages über allgemeine und umfassende Abrüstung.
Mit der Verhinderung der Verbreitung von Kernwaffen fördert der NPT
zudem die friedliche Nutzung der
Kernenergie
durch
internationale
Schutzmechanismen, um zu verhindern,
daß die friedliche Nutzung der Kernenergie für Programme zum Bau von
Kernwaffen mißbraucht wird.

Sicherheit für alle Staaten
Bei der letzten Überprüfung des
NPT im Jahr 1985 wurde die allgemeine
Einhaltung des Vertrages als bestes
Mittel angesehen, um den Schutz vor
der Verbreitung von Kernwaffen zu
stärken.
Die Vertragsparteien verliehen feierlich ihrer Überzeugung
Ausdruck, daß der NPT für Frieden und
Sicherheit in der ganzen Welt unerläßlich ist. Diejenigen, die daran
zweifeln, daß dies der Wahrheit entspricht, sollten sich nur eine Welt
ohne NPT vorstellen.
Das Fehlen
rechtlicher Beschränkungen für die
Verbreitung von nuklearen Sprengsätzen würde

Was leistet der NPT?
Der unter Berücksichtigung der
Interessen aller Staaten entworfene
- 3 -

- regionale Spannungen und Verdächtigungen verschärfen,
- die Bedrohung durch
Wettrüsten erhöhen,

regionales

- die auf dem Weg zu nuklearer Abrüstung
erzielten
Fortschritte
untergraben,

�- die Grundlagen der friedlichen
internationalen
Zusammenarbeit
und des Handels im Nuklearbereich
zerstören.
Der NPT erhöht eindeutig die Sicherheit aller Staaten. Ohne inn wäre die Welt ein schrecklicherer und
unsicherer Ort.

* * * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
VON

&amp;

Wissenschaft und Technik

19. April 1939

16

NASA UNTER NEUER LEITUNG
- Präsident Bush nominiert Richard Truly als Leiter der US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt -

WASHINGTON - (AD) - Konteradmiral Richard Harrison Truly wurde am 11.
April 1989 von Präsident George Bush zum Nachfolger von Dr. James J. Fletcher
als Leiter der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) nominiert. Vorbehaltlich der erwarteten Zustimmung durch den Senat würde damit zum ersten Mal
ein Astronaut diese bislang meist mit Wissenschaftlern besetzte Position übernehmen.

Bei der Bekanntgabe der Nominierung Trulys erklärte der Präsident
u.a.: "Dies ist in der ruhmreichen
Geschichte der NASA das erste Mal,
daß eine überragende Persönlichkeit
aus den eigenen Reihen ihre Leitung
übernimmt - ein Astronaut mit Weltraumerfahrung, ein Mann, der auf besondere Weise mit der großartigen
Teamarbeit in der NASA und ihren Leistungen vertraut ist." Die Zustimmung des amerikanischen Kongresses
sei jedoch erforderlich, weil Truly
aktiver Marine-Offizier ist.
Seit 1986 war Truly beigeordneter
Leiter der NASA für bemannte Raumfahrt. Zuvor war er zwei Jahre lang
als erster Kommandeur des MarineRaumfahrtkommandos
in
Dalhgreen
(Virginia) tätig. Im Jahr 1973 ge-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hörte er der Bodenmannschaft für die
SKYLAB-Missionen an. Bei allen drei
bemannten Einsätzen des "Himmelslabors" war er zuständig für die Funkverbindungen mit der Besatzung. In
ähnlicher Eigenschaft leitete er zwei
Jahre später den Funkverkehr mit den
Astronauten bei dem amerikanischsowjetischen APOLLO-SOYUS-Unternehmen.
Im Jahr 1977 konnte Truly erste
praktische Erfahrungen
zum "Space
Shuttle"-Programm mit dem Vorläufer
ENTERPRISE des Raumtransporters als
Pilot der zweiköpfigen Besatzung bei
Tests sammeln, die der Erprobung von
Anflug- und
Landemanövern
galten.
Seinen erster Einsatz im Weltraum
flog er 1981 (12. - 14. November) als
Kopilot von Joseph Engle bei der
zweiten Mission der COLUMBIA. Sei-

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�nerzeit wurde zum ersten Mal der in
Kanada gebaute "mechanische Arm" verwendet. Er ist in der Ladebucht untergebracht und leistete den Astronauten beim Umsetzen und Absetzen von
Nutzlasten schon viele gute Dienste.
Beim achten Flug des wiederverwendbaren
amerikanischen
Raumtransporters, der mit fünf Mann an Bord vom
30. August bis 5. September x983 mit
der CHALLENGER durchgeführt wurde,
war Truly der Kommandant, Daniel
Brandenstein der Kopilot. Zum ersten
Mal erfolgten Start und Landung in
der Nacht.
Truly wurde am 12. November 1937
in Fayette (Mississippi) geboren. Er
studierte Flugzeugbau am bekannten
Georgia Institute of Technology und
schlug nach Erwerb des BachelorGrades im Jahr 1959 die Berufsoffizierslaufbahn bei der US-Marine ein.
1960 erwarb er das Pilotenabzeichen
als Marineflieger. Von 1963 bis 1965
war er zunächst Student, dann Ausbilder an der Forschungsakademie für
Luft- und
Raumfahrt,
gleichzeitig
Testpilotenschule der US-Luftstreitkräfte in "Edwards Air Force Base"
(Kalifornien). Im Jahr 1965 gehörte
er zur ersten Gruppe militärischer
Astronauten, die für das Programm
"Bemanntes
Orbit-Laboratorium"
der
amerikanischen
Luftstreitkräfte
in
Los Angeles ausgewählt wurden. Truly
ist verheiratet und hat drei Kinder.

Am Tag der Nominierung Trulys gab
Präsident Bush ferner seine Absicht
bekannt, James R. Thompson, Jr., als
Stellvertretenden Leiter der NASA zu
nominieren. Er würde in dieser Eigenschaft die Nachfolge von Dale D.
Myers antreten. Thompson leitet seit
1986 das Marshall-Raumflugzentrum der
NASA in Huntsville (Alabama).

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
V»ON *

Wissenschaft und Technik

19. April 1989

16

BENNETT GREIFT DURCH
- Aktionsplan gegen Drogen und Drogenkriminalität für die
Bundeshauptstadt Washington -

WASHINGTON - (AD) - Einen "Bundesaktionsplan" gegen Drogenhandel und damit
einhergehende Gewalttaten gab Dr. William Bennett, der Direktor des amerikanischen Amtes für Anti-Drogen-Politik, für die Bundeshauptstadt Washington bekannt. Die lokale Polizei war bisher nicht in der Lage, die Eskalation von
Mord und Gewalt oder den offenen Straßenhandel mit Rauschgift zu stoppen.

Das am 10. April 1989 in Anwesenheit
des amerikanischen Justizministers Dick Thornburgh und des Ministers für Wohnungsbau und Stadtentwicklung, Jack F. Kemp, verkündete
Programm soll zum Testfall für andere
drogengeplagte Städte in den Vereinigtn Staaten werden. Die Strafverfolgungsbehörde für Drogendelikte
(DEA) werde unter Einbeziehung von
Mitarbeitern von 57 Fahndungsstellen
der Behörden des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen die Schaffung einer Arbeitsgruppe für den Raum
Washington koordinieren, der unter
anderem
elf DEA-Angestellte sowie
fünf
Geheimdienstspezialisten
vom
amerikani sehen
Verteidigungsrainisteriuo angehören sollen. Außerdem werden ihr 25 zusätzliche Beamte vom FBI
(Bundeskriminalamt) für die Tätigkeit
in der Hauptstadt zugeteilt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Um mehr Raum in den Gefängnissen
der Stadt zu schaffen, werden Gefangene in Einrichtungen des Bundes verlegt. In Washington wird ein neues
Untersuchungsgefängnis mit 500 Plätzen sowie ein Bundesgefängnis mit 700
Plätzen errichtet. Die Räumung von
Wohnungen der öffentlichen Hand, in
denen derzeit Rauschgifttäter wohnen,
wird beschleunigt. Gleichzeitig werden Maßnahmen ergriffen, die für die
Mieter mehr Sicherheit bringen und
gewährleisten, daß leerstehende Wohnungen nicht von Drogenhändlern benutzt werden. Präsident Bush stimmte
dem Plan Bennetts zu und appellierte
an die zuständigen Behörden auf allen
Ebenen, sich zusammenzuschließen, um
das Drogenproblem der Bundeshauptstadt zu lösen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Nach
den
Worten
von
Marlin
Fltzwater, dem
Pressesprecher des
Weißen Hauses, "mögen die Vorschläge
von Direktor Bennett unpopulär sein aber sie zeigen an, daß man den drängenden Problemen in gebührender Weise
begegnet". .
"Um sie zu bestehen,
hängt viel davon ab, ob wir gewillt
sind, die zahlreichen schwierigen
Maßnahmen zu akzeptieren, die zur Bekämpfung der Drogenkriminalität ergriffen werden müssen."
"Wir handeln so, als befänden wir
uns in einer NotsituatIon, um herauszufinden, was wir zu lernen haben abgesehen davon, daß die Stadtverwaltung nicht verantwortlich genug gehandelt hat", sagte Bennett auf seiner ersten Pressekonferenz als Direktor des Amtes für Anti-Drogen-Politik. Seit Beginn dieses Jahres habe
es in Washington 135 Morde gegeben.
Bei den meisten davon ging es in irgend einer Form um Rauschgift.

Die
Kosten
für
seinen
Plan
schätzt Bennett auf 70 bis 80 Millionen Dollar. Vom Kongreß seien keine
zusätzlichen Mittel dafür erforderlich; vielmehr würden Gelder aus
Fonds mehrerer ^undesbehörden für Anti-Drogenprogramme umdirigiert.
Obgleich der Plan auch eine gewisse
Hilfe für Drogentherapie, berufliche
Schulung und kommunale Aktionsprogramme im Raum Washington vorsehe,
liege
das
Schwergewicht
auf der
Strafverfolgung.
erklärte
Bennett.
In den nächsten fünf Monaten werde er
eine national? Anti-Drogen-Strategie
ausarbeiten, wie sie das Gesetz gegen
Drogenmißbrauch
von 1988 fordere.
Diese werde sowohl auf eine Reduzierung der Nachfrage als auch des Angebots an Drogen abzielen. "Wir werden
das Problem nicht los, solange 24
Millionen Menschen einen riesigen Appetit auf Drogen haben. Mit Strafverfolgung allein ist es nicht zu bewältigen.
Die Bevölkerung muß mit
uns handeln und erkennen, daß es an
der Zeit ist, sich ihre Straßen, ihre
Wohnviertel und ihre Kinder zurückzuholen. "

* * * * * *

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