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                  <text>^o^&lt;

AMERIKA DIENST

VION &amp;

5. A p r i l 1989

14

1
i

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bush; NATO Bewahrer von Frieden und Freiheit
- Erklärung zum 40jährigen Jubiläum der NATO Brady fordert rasches Handeln zur Verschuldung der Dritten Welt

- Rede vor dem Interim-Aupschuß des IWF Die Gefahren der Weiterverbreitung von Kernwaffen
- Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles -

INFORMATION
Lehman bringt großen Erfahrungsschatz mit zu ACDA
- Porträt des designierten ACDA-Direktors -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ist das Bildungswesen so schlecht wie eh und je ?
- Von Ben J. Wattenberg Erschütternde Klischees über die Obdachlosen
- Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Fotos aus dem All zeigen Veränderungen der Erdoberfläche
- NASA-Dokumente von Raumtransporterflügen Privatfirma startet erste kommerzielle Rakete

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

5. April 1989

14

BUSH: NATO BEWAHRER VON FRIEDEN UND FREIHEIT
- Erklärung zum 40jährigen Jubiläum der NATO -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge bewahrt die NATO "nicht nur
Frieden und Freiheit der Atlantischen Welt, sondern sie hat auch gemeinsame
Anstrengungen zum Aufbau eines konstruktiveren Verhältnisses mit dem Osten ermöglicht". Während einer Feier anläßlich des 40. Jahrestages der NATO-Gründung erklärte der Präsident am 4. April 1989, er werde den "enormen Erfolg"
der NATO mit seiner für den kommenden Monat angesetzten Reise nach Europa würdigen, in deren Rahmen er am NATO-Gipfel in Brüssel teilnehmen und Rom, Bonn
und London besuchen werde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:
Am heutigen Tag vor 40 Jahren
versammelten sich einige der fähigsten und weitblickendsten Staatsmänner ihrer und aller anderen Generationen - Männer wie Robert Schumann
und Lester Pearson, Paul Henry Spaak,
Dean Acheson, Ernest Bevin - hier in
Washington unter den wachsamen Augen
Harry Trumans, um einen historischen
Schritt zu tun. Sie unterzeichneten
eine feierliche Erklärung zur kollektiven Sicherheit, einen Vertrag zur
Sicherung des Friedens und des Wohlstands der Gemeinschaft freier Nationen.
Jener Vertrag erwies sich als
Grundlage des erfolgreichsten Bündnisses der neueren Geschichte. Heute
haben sich an diesem Ort viele hervorragende
Amerikaner
eingefunden,

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Embassy of the United States of America

die - als Regierungsvertreter, Kongreßabgeordnete oder Privatleute
der Atlantischen Gemeinschaft und den
von ihr verkörperten Idealen gedient
haben. Wir wolle sie heute ehren.
Der Nordatlantikvertrag symbolisierte zum Zeitpunkt seiner Unterzeichnung eine kühne Verpflichtung
zum Schutz gegen neue Gefahren, zur
Bewahrung der Freiheiten, für die wir
noch wenige Jahre zuvor so hart gekämpft hatten. Ebenso sehr verkörperte er die gemeinsamen Werte unserer Zivilisation - Werte, die so vielen anderen historischen Meilensteinen der Nachkriegszeit ihren Stempel
aufgedrückt haben, von der UNO-Charta
bis zum KSZE-Prozeß.
Und zugleich mit der festen Ver-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ankerung der Freiheit entwickelte
sich der Nordatlantikvertrag aufgrund
der von ihm aufgebotenen Stärke zur
Grundlage der längsten Friedensperiode in der Geschichte Europas, die zudem von nie dagewesenem Wohlstand begleitet wurde. In jeder Hinsicht war
die NATO ein enormer Erfolg. Wie jede von Menschen geschaffene Institution unterliegt sie ständigen Prüfungen und Herausforderungen, aber wir
haben stets zusammengehalten.
Im
kommenden Monat werde ich nach Europa
reisen, um am NATO-Gipfel in Brüssel
teilzunehmen und die verantwortlichen
Politiker in Rom, Bonn und Brüssel zu
besuchen.
Dies wird ein historischer Augenblick sein, nicht nur aufgrund des
begangenen Jubiläums, sondern auch
aufgrund der hoffnungsvollen Veränderungen, die er verkörpern kann - Veränderungen, die durch die Stärke und
Solidarität des Atlantischen Bündnisses ermöglicht wurden.
Heute, in einer sich wandelnden
Welt, bewahrt unser Bündnis nicht nur
Frieden und Freiheit der Atlantischen
Welt, sondern hat auch gemeinsame Anstrengungen zum Aufbau eines konstruktiveren Verhältnisses mit dem
Osten ermöglicht.
Europa tritt in
ein Zeitalter nie dagewesener Veränderungen und enormer Hoffnung ein.
Ohne unsere über vier Jahrzehnte aufrechterhaltene Moral und politische
Einheit würde dies niemals geschehen.

Unsere Werte von Freiheit und Demokratie erweisen sich heute als
mächtigste politische Kraft in der
Welt - insbesondere in Europa. An
diesem Jahrestag schließe ich mich
meinen amerikanischen Mitbürgern und
den Bürgern der 15 anderen BUndnisstaaten an, indem ich für das in der
Vergangenheit Geleistete meinen Respekt bekunde. Des weiteren begrüßen
wir eine aussichtsreiche Zukunft und
verpflichten uns erneut auf die gemeinsame Vision eines ungeteilten Europas, in dem Sicherheit und Frieden
für alle Nationen des Kontinents auf
der Grundlage von Freiheit, echter
Demokratie,
Menschenrechten
und
Rechtsstaatlichkeit garantiert sind
und der Traum - die Vision - von vor
40 Jahren verwirklicht ist.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

^7

^

Dokumentation

C&amp;

5. April 1989

14

BRADY FORDERT RASCHES HANDELN ZUR VERSCHULDUNG DER DRITTEN WELT
- Rede vor dem Interim-Ausschuß des IWF -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady zufolge müssen sich Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) rasch darauf verständigen, welche Rolle sie bei der neu vorgeschlagenen Strategie zum
Schuldenabbau der Dritten Welt spielen sollen.
Brady erklärte am Nachmittag des 3. April 1989 vor dem Interim-Ausschuß
des IWF, der für die Politik des Fonds verantwortlich zeichnet, ein Schuldnerland, das durchgreifende Wirtschaftsreformen durchführt, müsse "von Anfang an
- nicht erst Monate später - sichtbare und sinnvolle Unterstützung seitens der
internationalen Gemeinschaft erhalten".
Nachfolgend bringen wir Bradys Rede im Wortlaut:
Seit einer Reihe von Jahren gilt
das besondere Augenmerk dieses Ausschusses der internationalen Schuldenstrategie.
Der Interim-Ausschuß
hat in der Tat zu dieser Frage nicht
nur dem Direktorium des IWF, sondern
auch der internationalen Staatengemeinschaft insgesamt Leitlinien an
die Hand gegeben. Es ist nun wiederum an der Zeit, daß dieser Ausschuß
eine führende Position beim Schuldenproblem einnimmt und den internationalen Bemühungen zur Stärkung der
Schuldenstrategie die Richtung vorgibt.
Wir haben unlängst eine Reihe definitiver Vorschläge
zur Stärkung
dieser Strategie vorgelegt, die auf
Ideen und Vorschlägen aufbauen, die
viele von Ihnen unterbreitet haben.

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Embassy of the United States of America

Ich fühle mich äußerst ermutigt durch
die breite internationale Unterstützung, für die vorgelegten Konzepte
und Ansätze.
Gleichzeitig bin ich
mir jedoch bewußt, daß noch viele
Fragen offen bleiben. Es ist meines
Erachtens an der Zeit, daß wir zusammenarbeiten, um diese Konzepte in
präzise Regeln zu verwandeln, die
eine Grundlage für dauerhafte Fortschritte bei der Bewältigung des
Schuldenproblems liefern.
Wir sind der Meinung, daß die
Prinzipien der gegenwärtigen Strategie - die lebenswichtige Bedeutung
stärkeren Wachstums, der Reformen
seitens der Schuldnerstaaten, finanzieller Unterstützung von außen sowie
eines einzelfallorientierten Ansatzes
für die Probleme der einzelnen Länder

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Telex: 8-85432

�- weiterhin gültig sind. Es ist ferner von entscheidender Bedeutung, daß
Fonds und Weltbank auch in Zukunft
eine zentrale Rolle bei der Strategie
und bei der Unterstützung der Entwicklungsländer in der Formulierung
solider makroökonomischer und struktureller Maßnahmen spielen sowie eine
Katalysatorfunktion für die finanzielle Unterstützung
durch andere
Gläubiger einnehmen.
Reformen zur Schaffung lebenswichtiger
makroökonomischer
und
struktureller Veränderungen sind zur
Lösung des Schuldenproblems unerläßlich. Ferner sind besondere Anstrengungen als Teil der Programme von IWF
und Weltbank vonnöten, um das Vertrauen in die Wirtschaftsprogramme zu
fördern und als Alternative zur Neuverschuldung einen neuen Fluß direkter Investitionen sowie den Rückfluß
von Fluchtkapital zu ermutigen. Der
Fonds sollte weiterhin verbesserte
Techniken entwickeln, um Fluchtkapital zu beobachten und frühzeitige Abhilfemaßnahmen einzuleiten.
Schätzungen staatlicher und privater Quellen zufolge sind die im Ausland angelegten Mittel von Angehörigen einer
Reihe von Staaten ebenso hoch oder
noch höher als deren Auslandsverschuldung.
Deshalb stellen diese
Mittel für die Schuldnerländer potentiell eine wichtige Quelle privaten
Kapitals dar, die Teil eines Gesamtansatzes zum Schuldenproblem sein muß.
Wir fordern die Banken auf, anhaltende Reformbemühungen von Schuldnerländern durch freiwilligen Abbau
von Schulden und Schuldendienst sowie
die weitere Gewährung neuer Kredite
zu unterstützen. Um diesen Prozeß zu
erleichtern, müssen rechtliche Beschränkungen bei bestehenden Vereinbarungen über Bankkredite gelockert
werden. Insbesondere wären in diesem
Zusammenhang Verhandlungen über einen
allgemeinen Verzicht auf die Verpflichtung zur gleichmäßigen Bedienung aller Gläubiger sowie auf die
Bereitstellung aller Reserven zur Bedienung der Kredite für jeden Schuldnerstaat, der bestimmte Leistungen

erbringt, wichtig.
Damit könnten
Verhandlungen über ein breites Spektrum von Transaktionen zur freiwilligen Reduzierung der Schulden oder des
Schuldendienstes zwischen Schuldnern
und Banken erleichtert werden, die
sich zur Weiterverfolgung dieser Alternativen entschließen könnten. Ein
solcher Verzicht könnte vielleicht
auf drei Jahre begrenzt sein, um einen Schulden- oder Schuldendienstabbau innerhalb eines relativ kurzen
Zeitraums zu fördern. Wir erwarten,
daß solche Verzichtserklärungen den
Abschluß freiwilliger Markttransaktionen zur Reduzierung von Schulden
oder
Schuldendienst
beschleunigen
werden, womit den Schuldnerländern
gedient wäre und der Bedarf an Neufinanzierung auf ein kontrollierbareres
Niveau gesenkt würde.
Damit sich dieser Prozeß jedoch
weiterentwickeln kann, müssen auch
IWF und Weltbank eine aktive Rolle
darin übernehmen. Deshalb haben wir
vorgeschlagen, daß der Fonds und die
Weltbank ihre politisch motivierten
Kreditprogramme so anpassen, daß sie
damit insbesondere einen freiwilligen
Schuldenabbau fördern.
Für Schuldnerländer, die ein Programm zum
Schuldenabbau
fordern, sollte ein
Teil der Kredite beiseite gelegt werden, um Transaktionen zu unterstützen, die einen erbeblichen Schuldenabbau mit sich bringen könnten. Diese Mittel sollten verfügbar sein, um
den Tausch von Schulden gegen Anleihen zu decken oder um Devisenreserven
nach Rückkäufen wieder aufzufüllen,
wenn solche Transaktionen mit Handelsbanken ausgehandelt worden sind.
Darüber hinaus sind wir der Ansicht, daß beide Institutionen für
Transaktionen, die eine erhebliche
Reduzierung von Schulden Schuldenbedienung vorsehen, bei den Zinsen beschränkte Unterstützung leisten sollten. Diese Unterstützung, die ihrer
Struktur nach die finanziellen Positionen des IWFs und der Weltbank
schützen sollte, könnte für einen beschränkten Zeitraum im Rollverfahren
vergeben werden.
Diese Bemühungen

�könnten für Aktivitäten auf dem Markt
als Katalysator fungieren, die dann
die Last der Schuldenbedienung erleichtern, die Kreditwürdigkeit der
Schuldner verbessern und Impulse für
Wachstum liefern würden. Diese Maßnahmen gereichten damit sowohl den
Schuldnern als auch den Gläubigern
zum Vorteil.

den. Wo dies möglich ist, sollten
Gläubigerländer zur Unterstützung der
gestärkten Schuldenstrategie bilaterale Finanzierung bereitstellen. In
diesem Zusammenhang begrüßen wir die
zusätzliche
finanzielle
Unterstützung, die zur Förderung dieser Bestrebungen von Japan gewährt worden
ist.

In Zukunft wird es wichtig sein,
eine enge Verbindung zwischen den
Leistungen des Schuldnerlandes, der
Finanzierung durch IWF und Weltbank
und der Aktivitäten von Handelsbanken
aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig
sollten wir erkennen, daß es den
Schuldnerländern durch Verkrustungen
im gegenwärtigen System und in manchen Fällen durch fehlende rechtzeitige Hilfe schwerer gemacht wurde,
unter Reformprogrammen gute Leistungen zu erbringen. Wenn ein Land eine
Reform seiner Wirtschaft in größerem
Umfang durchführt, benötigt es von
Anfang an - nicht erst Monate später
- die sichtbare und sinnvolle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Aus diesem Grunde vertreten
wir die Auffassung, daß die Politik
des Fonds zu finanziellen Zusicherungen im Hinblick auf mehr Flexibilität
in diesem Bereich überprüft werden
sollte. Wir haben vorgeschlagen, daß
erste Auszahlungen von IWF und Weltbank dann vorgenommen werden sollen,
wenn eine Verzichtsvereinbarung erzielt wurde, aber noch vor der Fertigstellung vollständiger Finanzierungspakete durch die Privatbanken.

Um Fortschritte bei der Stärkung
der Schuldenstrategie zu erzielen,
ist es von entscheidender Bedeutung,
daß die Interim- und Entwicklungsausschüsse den Direktorien von IWF und
Weltbank in diesen Bereichen klare
Leitlinien an die Hand geben. Ich
möchte sodann beide Direktorien auffordern, bald
erforderliche politische Maßnahmen von IWF und Weltbank
unmittelbar zu erwägen, damit neue
Mechanismen geschaffen werden können.

Gläubigerländer
sollten
ihrerseits
weiterhin
die
offiziellen
Schulden im Pariser Club umwandeln
und eine Deckung der Exportkredite
für Schuldnerländer, die IWF- und
Weltbankprogramme durchführen, vornehmen. Darüber hinaus sollten einzelne Länder ihre jeweiligen Vorschriften, ihr Rechnungswesen und ihr
Steuersystem dahingehend überprüfen,
ob sie Hindernisse für die Schulden
und deren Bedienung abbauen können.
Diese Bereiche müssen eher die nationalen Behörden als die internationalen Institutionen für sich entschei-

Gleichzeitig möchte ich die Banken auffordern, jetzt diese Konzepte
in ihre Verhandlungen mit einzelnen
Ländern aufzunehmen, um die Zeit der
Unsicherheit abzukürzen.
Maßnahmen
zu Verzichtserklärungen kommen dabei
insbesondere Bedeutung zu, um das Umfeld für einen freiwilligem Schuldenabbau oder eine Reduzierung
der
Schuldenbedienung zu schaffen.
Das
Gleichgewicht zwischen Schuldenabbau,
Schuldentilgung und erneutem Kreditwunsch wird natürlich von Land zu
Land und von Bank zu Bank variieren.
Ich bin zuversichtlich, daß dieser Ansatz zur Stärkung der Schuldenstrategie die Basis für neuerliche
Fortschritte
beim
Schuldenproblem
liefern kann.

- 3 -

******

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

5. April 1989

14

DIE GEFAHREN DER WEITERVERBREITUNG VON KERNWAFFEN
- Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles -

LOS ANGELES - (AD) - CIA-Direktor William Webster zufolge ist die Weiterverbreitung von Kernwaffen mit einer Reihe von ernsten Gefahren verbunden. In
einer Rede in Los Angeles nannte er am 30. März 1989 insbesondere "die offensichtliche Gefahr, daß Kernwaffen in regionalen Konflikten eingesetzt werden",
die Tatsache, daß "neue Nuklearmächte in einen Rüstungswettlauf eintreten
könnten, der politisch destabilisierend sein und die Wahrscheinlichkeit eines
Kriegsausbruchs erhöhen könnte" sowie die Möglichkeit, daß "die bloße Anzahl
und Verteilung von Kernwaffen und kernwaffenfähigem Material in der Welt die
Risiken des Diebstahls, der Sabotage und des Terrorismus vergrößern könnten".
Nachfolgend veröffentlichen wir Websters Rede im Wortlaut:

Es mutet wie Ironie an, daß zu
einer Zeit, in der sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf
die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Waffen verständigt haben,
Staaten in der Dritten Welt ihre eigenen Arsenale aufbauen. Heute nachmittag möchte ich über die Weiterverbreitung atomarer, chemischer und
biologischer Waffen sprechen - Waffen, die neue Gefahren für die regionale Stabilität und die Interessen
der Vereinigten
Staaten heraufbeschwören. Ich möchte die Weiterverbreitung ballistischer Raketen erörtern, mit deren Hilfe diese Massenvernichtungswaffen schnell und über
große Entfernungen befördert werden
können, und ich möchte über die Rolle
nachrichtendienstli eher Informationen
bei den Bemühungen unserer Regierung
sprechen, der Weiterverbreitung die-

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ser Waffen und ihrer
Einhalt zu gebieten.

Trägersysteme

Seit der Explosion der ersten
Atombombe im Jahr 1945 und dem im
selben Jahr erfolgten ersten Einsatz
von Atomwaffen im Krieg lebt die Welt
ständig mit der Bedrohung der Weiterverbreitung von Kernwaffen. In den
frühen sechziger Jahren prognostizierte Präsident Kennedy, bis 1975
könne es 15 bis 20 Atomwaffenstaaten
geben. Aber im Jahr 1989 gibt es wie
in den sechziger Jahren immer noch
nur fünf Staaten, die eigenen Erklärungen zufolge nukleare Arsenale besitzen - die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion,
China,
Großbritannien
und Frankreich.
Man

sollte

sich

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dadurch

jedoch

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�nicht gänzlich beruhigt fühlen. Während es immer noch lediglich fünf erklärte Nuklearmächte gibt, haben eine
Anzahl weiterer Staaten die Fähigkeit
zur Herstellung von Kernwaffen einfach nicht zugegeben. Mehrere Länder
besitzen entweder Atomwaffen oder
sind in der Lage, solche kurzfristig
herzustellen. Andere entwickeln nukleare
Schlüsseltechnologien,
die
sich später zur Herstellung eines
atomaren Sprengsatzes benutzen H e s sen, falls eine entsprechende Entscheidung
gefällt
werden
sollte.
Wieder andere Staaten befinden sich
im
Frühstadium
atomtechnologischer
Forschung und Entwicklung.
Sicherlich läßt sich die Erforschung nuklearer Technologien mehrfach anwenden. Um Bedenken unserer
Regierung über eine mögliche Weiterverbreitung von Kernwaffen auszulösen, muß ein Land technisches Knowhow und die politische Intention besitzen. Technisches Know-how erfordert Jahre der Forschung und Entwicklung. Nachdem die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, ist ein
Land in der Lage, nukleare Sprengsätze zu entwickeln - wenn eine derartige Entscheidung getroffen wird.
Aber die Intention - das heißt,
der politische Wille und der Wunsch,
häufig begrenzte nationale Ressourcen
zu opfern, um mit der Entwicklung von
Kernwaffen zu beginnen - ist eine
Entscheidung
die von der Regierung
eines jeden Staates getroffen werden
muß. Selten gibt es greifbare Beweise für eine solche Intention. Durch
die Entwicklung eines zivilen Atomprogramms kann ein Land die Entscheidung über den Beginn der Arbeiten an
Kernwaffen hinausschieben, bis ein
Großteil der Grundlagenforschung und
Entwicklung durchgeführt wurde.
Die Weiterverbreitung von Kernwaffen birgt eine Reihe ernster Gefahren. Erstens besteht die offensichtliche Gefahr, daß Kernwaffen in
regionalen Konflikten eingesetzt werden - insbesondere in Gebieten großer
Spannungen und Instabilität wie dem
_

Nahen Osten und SUdasien. Zweitens
könnten neue Nuklearmächte in einen
Rüstungswettlauf eintreten, der politisch destabilisierend sein und die
Wahrscheinlichkeit eines Kriegsausbruchs
erhöhen
könnte.
Drittens
könnten die bloße Anzahl und Verteilung von Kernwaffen und kernwaffenfähigem Material in der Welt die Risiken des Diebstahls, der Sabotage und
des Terrorismus vergrößern.
Für potentielle Weiterverbreiter
liegt der Schlüssel zu einem Waffenprogramm in der Beschaffung von Plutonium 239 oder hochangereichertem
Uran. Sensible und hochspezialisierte Technologien sind erforderlich, um
schon für die simpelste Atomwaffe
eine ausreichende Menge dieser Materialien zu erhalten. Die Fähigkeit
zur Beschaffung und Beherrschung dieser Technologien entscheidet darüber,
wie schnell ein Land Kernwaffen entwickeln und herstellen kann.
Diese sensiblen nuklearen Technologien unterliegen amerikanischen und
internationalen
Exportkontrollen.
Atomare Technologien lassen sich jedoch immer noch gesetzwidrig und verdeckt durch die Einschaltung von
Strohfirmen, Fälschung von Ausfuhrbescheinigungen und die Verwendung mehrerer Umschlagplätze beschaffen. Es
ist ferner möglich, Ausrüstung und
Material legal zu bestellen, die als
Einzelteile nicht unter die Exportkontrollbestimmungen fallen, zusammengenommen jedoch diesen Kontrollen
unterliegen würden.
Versuche zur Kontrolle von Gerät
und Material werden durch die Tatsache kompliziert, daß viele Nukleartechnologien mehrfach verwendbar sind
- mit anderen Worten, sie können sowohl nuklear als auch nichtnuklear
eingesetzt werden.
Dies erschwert
eine Kontrolle von Nuklearexporten
und macht es noch schwieriger, festzustellen, ob ein solches Waffenprogramm beabsichtigt ist.
Unserer Ansicht nach stellen Bemühungen zur Nichtweiterverbreitung

�nuklearer Technologie - einschließlich Verträgen, Organisationen und
Exportkontrollen
- einen unerläßlichen Bestandteil der gemeinsamen
Sicherheit der Menschheit dar.
Als Teil dieser Bestrebungen haben die Vereinigten Staaten seit langem die friedliche Nutzung von Kernenergie aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit wie auch
ihrer wichtigen Rolle in Medizin, Industrie und Landwirtschaft gefördert.
Wir unterstützen technische Hilfsprogramme an Länder, die den Atomsperrvertrag unterzeichnet haben.
Trotz
des wachsenden Erfolges des Vertrages
in den vergangenen 20 Jahren - inzwischen sind 140 Nationen Vertragspartner - haben eine Handvoll Länder, die
als potentielle Kandidaten für nukleare
Weiterverbreitung
angesehen
werden, dem Vertrag noch nicht zugestimmt.
Beim Problem der nuklearen Weiterverbreitung
dürfen
zahlreiche
nachrichtendienstliche Faktoren und
Strategien nicht außer acht gelassen
werden. Wir gehen von der Annahme
aus, daß es im besten Falle - und unter der Voraussetzung eines einigermaßen modernen Kernenergie- und Forschungsprogrammes - einige Jahre dauern wird, bis ein Land seine Nuklearwaffenfähigkeit entwickeln kann.
Es gibt sowohl technische als
auch politische Anzeichen, die für
nachrichtendienstliche Experten, die
das Problem der nuklearen Weiterverbreitung gründlich studieren, alarmierend sind. Unsere Experten konzentrieren sich nicht nur auf die
technischen Fähigkeiten, die sich im
Entwicklungsstadium befinden, sondern
erwägen auch, ob diese Aktivitäten
für rein zivile Zwecke wirklich erforderlich sind.
Wir wären beispielsweise besorgt, wenn ein Land
mit der Entwicklung einer schwierigen
und
kostenintensiven
Urananreicherungsanlage beginnen würde, wenn bereits bestehende Kernkraftwerke dies
nicht erfordern.

Dennoch bedingt die Entwicklung
von Nuklearwaffenfähigkeit viel Zeit
und Ressourcen.
Dies gilt nicht für die Fähigkeit
eines Landes, chemische und biologische Waffen zu entwickeln - Waffen,
die als die Atombombe des armen Mannes bezeichnet worden sind. Vor 20
Jahren waren nur fünf Länder im Besitz von chemischen Waffen.
Heute
können über 20 Länder chemische Waffen entwickeln, und mindestens zehn
Länder arbeiten an der Herstellung
biologischer Waffen.
Im Gegensatz zu Kernwaffen bieten
chemische und biologische Waffen ein
billiges und leicht erhältliches Mittel zur Behebung des militärischen
Ungleichgewichts gegenüber mächtigeren Feinden. Die für chemische und
biologische
Waffen
erforderliche
Technologie ist einfacher als die von
Nuklearwaffen, und ihre Produktion
ist schwieriger aufzudecken, zu überwachen und zu kontrollieren.
Aber ebenso wie bei der nuklearen
Weiterverbreitung erfordert die Fähigkeit zur Begrenzung der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen internationale Verträge und Zusammenarbeit bei deren Durchsetzung.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde
der Einsatz chemischer Waffen von den
Unterzeichnerstaaten des Genfer Protokolls aus dem Jahr 1925 geächtet.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges selbst während der verzweifeltsten
Kämpfe - verzichteten beide Seiten
auf den Einsatz chemischer Waffen Waffen, die Winston Churchill als
"dieses teuflische Gift" bezeichnet
hat.
Im Krieg zwischen Iran und Irak
wurde diese Zurückhaltung aufgegeben
und ein gefährlicher Präzedenzfall
für
zukünftige Kriege geschaffen.
Den Nachrichtendiensten liegt umfangreiches Beweismaterial dafür vor, daß
der Irak chemische Waffen gegen den
Iran und auch gegen die irakischen
Kurden eingesetzt hat. Auch der Iran

- 3 -

�brachte chemische Waffen gegen irakische Truppen zum Einsatz.
Ebenso wie im Falle von Nukleartechnologien ist ein Großteil des zur
Herstellung von chemischen und biologischen Waffen erforderlichen Geräts
von seiner Beschaffenheit her mehrfach verwendbar. Alles zur Produktion von Kampfstoffen zur chemischen
Kriegführung
benötigte Gerät kann
auch zur Produktion von Industriechemikalien benutzt werden, und zahlreiche Anlagen, die Pharmazeutika oder
Pestizide herstellen, könnten zur
Produktion von Chemiewaffen umfunktioniert werden. Das zur Produktion
von Kampfstoffen
zur biologischen
Kriegführung erforderliche Gerät, Material und Fachwissen findet legitimen Einsatz in der pharmazeutischen
Industrie. Mit der derzeit verfügbaren Technologie können Kampfstoffe
zur biologischen Kriegführung in solchem Umfang hergestellt werden, daß
Lagerbestände nicht länger erforderlich sind.
In der Tat kann jedes
Land mit einer bescheiden entwickelten pharmazeutischen Industrie Kampfstoffe zur biologischen Kriegführung
herstellen, wenn es dies wünscht.
Ich bin sicher, daß Sie im Verlauf der vergangenen Monate sehr viel
über chemische und biologische Waffen
gelesen haben.
Wie Sie sicherlich
auch wissen, ist der Kongreß in höchstem Maße über die Weiterverbreitung
dieser Waffen besorgt.
Sowohl im
vergangenen Monat als auch zu Beginn
dieses Monats habe ich vor dem Senatsausschuß über chemische und biologische Waffen gesprochen.
Die Pariser Chemiewaffen-Konferenz vom Januar hat sehr viel dazu
beigetragen, den nationalen und internationalen
Bedenken
über diese
Waffen Taten folgen zu lassen. Die
Vereinigten Staaten nehmen bei der
Genfer Abrüstungskonferenz auch an
Verhandlungen über die weltweite Ächtung chemischer Waffen teil.
Wir
sind einer von 40 Teilnehmern bei
dieser Konferenz.
Zu Beginn diees
Monats hat Außenminister Baker den

Vorschlag unterbreitet, daß wir die
Regierungen und Vertreter der internationalen chemischen Industrie zusammenbringen, um den zunehmenden internationalen Handel mit den zur Herstellung von chemischen Waffen erforderlichen Chemikalien und der Technologie zu erörtern.
Im Hinblick auf biologische Waffen haben die Vereinigten Staaten und
110 andere Länder das Abkommen über
biologische und toxische Waffen aus
dem Jahr 1972 unterzeichnet.
Mit
diesem Abkommen wird die Herstellung,
Entwicklung und Lagerung dieser Waffen verboten, es enthält jedoch keine
Bestimmungen zur formellen Verifizierung.
Die Nachrichtendienste erforschen
technische und politische Anzeichen,
die auf Entwicklung, Herstellung und
Anreize für den Einsatz chemischer
und biologischer Waffen hindeuten und
werden dies auch weiterhin tun. Darüber hinaus werden wir dem illegalen
Handel mit Material für diese Waffen
nachgehen und darüber Meldung erstatten. Ein Beispiel für unsere Arbeit
in diesem Bereich war unsere Unterstützung für politische Entscheidungsträger im Hinblick auf die Chemiewaffenfabrik in Libyen. Wir werden weiterhin Politikern Informationen über chemische, und biologische
Waffen zuleiten und die Bestrebungen
der Vereinigten Staaten zu ihrem Verbot weiterhin unterstützen.
Die Fähigkeit, eine Waffe mit
einem nuklearen, chemischen oder biologischen Gefechtskopf zu einem entfernten Ziel zu befördern, stellt
eine erhebliche Bedrohung der weltweiten Sicherheit dar. Bis vor kurzem galt unsere Besorgnis vor allem
den Trägersystemen für Nuklearwaffen.
Jetzt erkennen wir eine Bedrohung dadurch, daß diese Raketen zum Abschuß
chemischer und biologischer Waffen
ebenso eingesetzt werden könnten wie
für nukleare und konventionelle Waffen.
Im vergangenen Jahr, als der Iran

�und der Irak im "Städtekrieg" Dutzende von Raketen auf ihre jeweiligen
Hauptstädte abfeuerten,
wurden mit
konventionellen
Gefechtsköpfen
bestückte ballistische Raketen gegen
Zivilisten eingesetzt. Diese Raketen
haben im Krieg zwischen Iran und Irak
einen Präzendenzfall geschaffen: Raketen sind nunmehr in der Dritten
Welt zu einem akzeptierten Instrument
der Kriegführung geworden.
Bis zum Jahr 2000 werden mindestens 15 Entwicklungsländer ihre eigenen ballistischen Raketen herstellen. Obwohl die in diesen Ländern
entwickelten Raketen wenig ausgereift
und zielgenau sind, besitzen viele
von ihnen doch Fähigkeiten über den
Radius des Gefechtsfeldes hinaus und
können ein Ziel in wenigen Minuten
treffen. Wenn sie einmal abgefeuert
worden sind, können sie nicht zurückgeholt werden.
Ballistische Raketen räumen denjenigen, die sie erwerben, einen neuen politischen und militärischen Status ein. Viele Länder, in denen diese Raketen entwickelt werden, liegen
im Nahen Osten - einem Bereich, in
dem wir wichtige Sicherheitsinteressen haben und wo die regionalen Spannungen am größten sind. Auch eine
Kurzstreckenrakete liefert den Ländern des Nahen Ostens ein funktionsfähiges strategisches Waffensystem.
Ebenso wie die Programme für nukleare, chemische und biologische
Waffen stützt sich auch das Raketenprogramm der Dritten Welt in einem
gewissen
Ausmaß
auf
ausländische
Technologie.
Aber ein großer Teil
dieser wichtigen Technologie ist bereits auf der ganzen Welt verbreitet,
wird anderweitig verwendet oder kann
leicht zweckentfremdet werden.
Die
Länder der Dritten Welt nutzen vielfach Technologie, ihre Ressourcen und
ihr technisches Know-how gemeinsam.
Eine weitere von uns beobachtete
beunruhigende Entwicklung
ist der
Transfer vollständigeer Waffensysteme
zwischen einzelnen Ländern.
Damit
- 5

könnten Entwicklungsländer die Möglichkeit erhalten, der Konkurrenz
vorauszueilen, obwohl die meisten
Länder weiterhin ihre eigenen Raketenfähigkeiten zu entwickeln suchen
werden. Darüber hinaus ist zu erwarten, daß die Länder der Dritten Welt
selbst wichtige Exporteure von Raketen und Raketentechnik werden.
Im April 1987 haben sieben Industrieländer - die Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und die Bundesrepublik Deutschland die Einrichtung
eines Kontrollsystems für Raketentechnik (Missile Technology Control
Regime - MTCR) beschlossen. Dieses
System zielt auf die Einschränkung
des Transfers von Technologie und Geräten ab, die zur Entwicklung von Nuklearraketen beitragen könnten, es
bezieht jedoch nicht die Hauptbeteiligten am gegenwärtigen Handel mit
Raketen und moderner Technologie ein.
Darüber hinaus wird mit der Vereinbarung nicht der Anreiz oder die Fähigkeit der Dritte-Welt-Länder zur Entwicklung ihrer eigenen Raketentechnik
eingeschränkt.
Die Nachrichtendienste beobachten
eingehend die Bestrebungen von Ländern der Dritten Welt im Hinblick auf
den Erwerb oder die Entwicklung ballistischer Raketen. Durch die frühzeitige Lieferung von Informationen
zur Weiterverbreitung ballistischer
Raketen unterstützen wir Politiker in
ihrem Bemühungen um eine effektivere
Durchführung
des
Kontrollssystems.
Darüber hinaus helfen wir Ihnen dabei, die nicht an diesem Kontrollsystem Beteiligten von der Vermarktung
ihrer Raketen abzuhalten.
Die Einschätzung der Weiterverbreitung nuklearer, chemischer und
biologischer Waffen und auch ballistischer Raketen zählt zu den schwierigsten Herausforderungen der Nachrichtendienste. Meiner Ansicht nach
ist sie eine unserer Hauptaufgaben,
weil wir in der heutigen Zeit einen
Punkt erreicht haben, an dem Vereinbarungen zur Eindämmung von Massen-

�Vernichtungswaffen entscheidende Bedeutung zukommt. Und die Sicherheit
aller Länder auf der ganzen Welt wird
von der Bereitschaft eines jeden Landes zur Kontrolle und Beschränkung
dieser Waffen abhängen. Die Politikern unsererseits zur Verfügung gestellten nachrichtendienstlichen Erkennntissse ermöglichen nicht nur mit den erforderlichen Verifizierungen - internationale Abkommen, sondern führen auch zu gut durchdachten
Vereinbarungen.
Ich möchte noch etwas über unsere
Arbeit zu bedenken geben: die von
uns den Politikern über die Sowjetunion, die Verbreitung moderner Waffen und viele andere Themen zur Verfügung gestellten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse sind nicht leicht
erhältlich. Tatsächlich fordert sie
manchmal von den Mitarbeitern des
amerikanischen
Nachrichtendienstes
einen hohen Preis. Ich denke insbesondere jedesmal daran, wenn ich
durch das Foyer unseres Hauptgebäudes
gehe, wo Sterne für diejenigen eingemeißelt wurden, die ihr Leben im
Dienst verloren haben.

Seit meinem Amtsantritt als Direktor vor zwei Jahren bin ich im Inund Ausland mit vielen Mitarbeitern
des Nachrichtendienstes zusammengetroffen. Ich habe den Erfolg unserer
Operationen bei der Bewältigung einer
Unzahl komplexer Themen - die oftmals
so komplex sind, daß wir modernste
technische Anlagen einsetzen müssen beobachten können.
Aber die wichtigste Quelle unseres Nachrichtendienstes war immer unser Volk, und
das wird es immer sein. Seine Kreativität, Entschlossenheit und sein
Mut kann den Unterschied zwischen Erfolg und Mißerfolg ausmachen.
Mit solchen Menschen können wir
weiterhin die nachrichtendienstlichen
Ermittlungen zur Verfügung stellen,
die
politische
Entscheidungsträger
benötigen, um im Interesse unserer
nationalen Sicherheit kluge Entscheidungen treffen zu können. Das erwarten Sie zusammen mit dem gesamten
amerikanischen Volk von uns, und ich
kann Ihnen versichern, daß wir unser
Bestes geben, um dies zu leisten.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

5. April 1989

14

LEHMAN BRINGT GROSSEN ERFAHRUNGSSCHATZ MIT ZU ACDA
- Porträt des designierten ACDA-Direktors -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bushs Kandidat für das Amt des Leiters der
amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Botschafter
Ronald Lehman, ist als Teilnehmer an wichtigen Gipfeltreffen und multilateralen Gesprächen wie auch an den RUstungskontrollverhandlungen in Genf, Wien,
Brüssel, Washington und Moskau bereits ein bekanntes Gesicht in der internationalen Rüstungskontrolle.
Insbesondere gilt Lehman bei Regierungsvertretern aus der Sowjetunion, der Volksrepublik China, Europa, Japan und Südkorea als Fachmann
für eine Reihe von Problembereichen
wie etwa konventionelle Streitkräfte,
strategische Rüstungskontrolle, Technologietransfer und Militärhilfe.
Während
seiner
Laufbahn
war
Lehman als Nachfolger des früheren
Senators John Tower unter anderem
amerikanischer Chefunterhändler für
strategische Waffen bei den Genfer
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST).
Lehman konnte bei seiner Arbeit
mit anderen Regierungen viele Erfahrungen sammeln und hatte ebenfalls
Schlüsselpositionen im Weißen Haus,

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Embassy of the United States of America

im Vertei.digungsministerium und im
Kongreß inne. Darüber hinaus hat er
in Vietnam gekämpft.
Er verläßt den Posten als Leiter
der Abteilung für internationale Sicherheitspolitik im Verteidigungsministerium, auf dem er die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung
zur Friedenssicherung befürwortete,
um seine neue Tätigkeit aufzunehmen.
Lehman hat davor gewarnt, die zum
erfolgreichen Abschluß eines STARTAbkommens noch auszuräumenden Schwierigkeiten zu unterschätzen und vertritt die Auffassung, daß in Zukunft
ein Vertrag geschlossen werden könnte, wenn die Sowjetunion "den notwendigen politischen Willen" zeigt. Er
hat der Hoffnung Ausdruck verliehen,

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�daß die sowjetische Führungsspitze zu
der
Erkenntnis gelangt, daß ein
START-Abkommen, "das die Sicherheit
des Westens verbessert, nicht notwendigerweise eine Verminderung ihrer
Sicherheit bedeuten muß".

sprächen über Nichtweiterverbreitung
von Nuklearwaffen, die schließlich in
ein Abkommen zwischen beiden Ländern
mündeten, mit dem der "heiße Draht"
verbessert und ausgebaut werden sollte.

Obwohl die beiden Supermächte den
INF-Vertrag erfolgreich abgeschlossen
haben, werden weitere Schritte in der
Rüstungskontrolle
Lehman
zufolge
"immer schwieriger". Im vergangenen
Jahr erklärte er vor einer Rüstungskontrollkonferenz in Washington, "es
ist von großer Bedeutung, daß der
Westen sehr sorgfältig und klar" über
seine nächsten Schritte nachdenkt.

Lehman kam im Jahr 1974 erstmals
als Stipendiat für Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der Hoover
Institution der Stanford University
nach Washington.
Er arbeitete zunächst als Berater in der Legislative, und später gehörte er zum Mitarbeiterstab des Streitkräfteausschusses im Senat, wo er sich auf Fragen
der strategischen und kriegsschauplatzgebundenen
NuklearStreitkräfte
und die Beschaffung von Waffen spezialisierte. Im Jahr 1980 arbeitete
er
für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Ronald Reagan.

Lehman billigte Mitte März dieses
Jahres den Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
einen "guten Anfang" zu; als positives Anzeichen sah er, daß der Warschauer Pakt sich das westliche Prinzip zu eigen machte, "wichtige Waffen
der Landstreitkräfte auf gleiche und
niedrigere Niveaus abzubauen".
Er
erklärte, dies erfordere einschneidende Reduzierungen des Warschauer
Pakts "wofür die von der Sowjtunion
angekündigten einseitigen Reduzierungen einen ersten Schritt darstellen".
Der Botschafter hatte im Rahmen
seiner Tätigkeit für die Regierung
verschiedene Positionen im Nationalen
Sicherheitsrat inne, unter anderem
als Stellvertretender
Berater des
Präsidenten für sicherheitspolitische
Fragen zur Erarbeitung der Verteidigungspolitik. In der Reagan-Administration beschrieb ihn der frühere
Außenminister George Shultz als "einen Menschen mit unerschöpflichen Fähigkeiten" und als einen "fähigen und
sachkundigen" Mitarbeiter im Bereich
der Rüstungskontrolle.

Botschafter
Lehman
promovierte
1975 in Staatswissenschaften an der
Claremont Graduate School in Kalifornien. Er wurde 1946 in Napa (Kalifornien) geboren.
Lehman unterrichtete an der Georgetown University
Examenskandidaten in nationaler Sicherheit.
Der designierte ACDA-Direktor ist
Beobachter des Weißen Hauses im Ausschuß für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und Aufsichtsratsmitglied des U.S. Institute of Peace.
Der frühere Major der Reserve
Lehman wird nach seiner Bestätigung
durch den Senat Nachfolger des früheren ACDA-Direktors William Bums.

* * * * * *

In
seinen
Anfangsjahren
im
Pentagon war Lehman Stellvertretender
Abteilungsleiter für Verteidigungsfragen. Er war ferner Berater bei
der Sondersitzung der Vereinten Nationen zur Abrüstung. Später diente
er als Vertreter bei den amerikanisch-sowjetischen
bilateralen
Ge-

�AMERIKA DIENST
'^7

"""

Hintergrundmaterial

A&lt;

5. April 1989

14

IST DAS BILDUNGSWESEN SO SCHLECHT WIE EH UND JE ?
- Von Ben J. Wattenberg -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 20. März 1989 veröffentlicht.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).

Die Probleme haben sich gewandelt,
das Vokabular ist dasselbe geblieben
Um das "Problem mit der Erziehung" in den Vereinigten Staaten begreifen zu können, ist es nützlich,
sich vor Augen zur führen, wo die Defizite liegen. Angenommen, im Jahr
1970 habe eine Untersuchung im Bildungswesen
stattgefunden.
Welche
Veränderungen hätten damals vorgenommen werden müssen? Eine Aufstellung
würde wahrscheinlich folgende Punkte
enthalten: Man müßte die Abbrecherquote insbesondere von Minderheiten
in High Schools senken, den Besuch
von Colleges und Vorschulen fördern,
mehr Geld in die Ausbildung investieren, die Klassenstärken verringern
und die Schulleistungen insbesondere
von Minderheiten verbessern.

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Embassy of the United States of America

Bis zu einem gewissen Grad ist
all dies eingetroffen. Dennoch ist
das Vokabular über den schrecklichen
Zustand des Erziehungswesens im Hinblick auf diese Punkte nahezu dasselbe geblieben. Tatsache ist, daß
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen Fortschritte erzielen: Die
Einschreibungen an den Colleges nehmen zu, weniger Schüler brechen die
High-School vorzeitig ab, die Schulleistungen haben sich insgesamt verbessert, das Schuleintrittsalter ist
gesunken und unser Land gibt heute
mehr für Erziehung aus. Aber eklatante Probleme bleiben bestehen.
Rein zahlenmäßig gesehen ist die
Bilanz unseres Landes positiv. In
keinem anderen Land besucht ein so
großer Teil der Bevölkerung Colleges.

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Telex: 8-85432

�"Großartig", findet das ehester Firm
von der Arbeitsgruppe für die Verbesserung des Erziehungswesens an der
Vanderbilt University, "und im College erhalten die meisten dann die
Ausbildung, die ihnen in der HighSchool nicht zuteil wurde. Das Ergebnis läßt in jedem Fall zu wünschen
übrig." Finn verweist auf Untersuchungsergebnisse, denen zufolge nur
sechs Prozent aller Schüler in der
11. Klasse bei Prüfungen im Fach Mathematik gut abschneiden. Lediglich
ein Drittel kann den Zeitraum des
Amerikanischen Bürgerkrieges bis auf
50 Jahre eingrenzen.
Positiv zu werten ist dennoch der
stark angestiegene Prozentsatz der
25-29jährigen, von denen noch im Jahr
1950 mehr als 40 Prozent der Weißen
(über 60 Prozent Schwarze) weniger
als vier Jahre eine High School besuchten, während diese Zahl 1987 für
Weiße und Schwarze auf unter 20 Prozent gesunken ist. Der Anteil derer,
die vier Jahre oder länger ein College besuchen, ist bei Weißen von unter zehn
Prozent
im Jahr
1950
(Schwarze: etwa fünf Prozent) auf
über 20 Prozent im Jahr 1987 (Schwarze: etwa 12 Prozent) gestiegen, wobei
dieser Wert seit 1975 relativ konstant geblieben ist.

Ein zweifaches Hoch auf djLe
Flexibilität des Schulsystems
Dagegen gibt es Einspruch.
So
gering die Schulleistungen auch sein
mögen, so ist bei den Leistungen in
den letzten Jahren doch eindeutig ein
Aufwärtstrend zu beobachten, der zugegebenermaßen langsam und von einem
niedrigen Niveau aus ansteigt. Darüber hinaus sind einige der auf internationaler
Ebene
durchgeführten
Vergleiche als schief bezeichnet worden. In den Vereinigten Staaten besuchen mehr Jugendliche eine High
School als in irgendeinem anderen
Land, und manche Untersuchungen vergleichen die Mehrheit unserer Schüler
mit der Elite ihrer Schüler.
Das trifft jedoch nicht auf die
Untersuchung des ETS zu, die Schüler
der Altersgruppe untersucht, in der
die Schule noch nicht vorzeitig abgebrochen werden kann.
Wohlwollend
sollte man dagegenhalten, daß die
Tatsache, amerikanische Kinder lernten im Alter von 13 Jahren keine Naturwissenschaften,
nicht
bedeutet,
daß sie diese niemals lernen. Vielleicht werden sie lernen, was sie
wissen müssen, wenn sie es wissen
müssen.

Bei der Teilnahme an der Vorschulerziehung ist seit 1965 die Zahl
der 5-6jährigen Kinder von etwas über
80 auf über 90 Prozent im Jahr 1985
gestiegen, die Anzahl der 3-4jährigen
Vorschulkinder hat sich von unter
zehn Prozent im Jahr 1965 auf nahezu
40 Prozent im Jahr 1985 vervielfacht.

Tatsächlich herrscht im amerikanischen Erziehungswesen große Flexibilität. Das ist nicht nur negativ
zu bewerten.
Zum Beispiel ist die
reale Zahl der Schulabbrecher in unserem Land sehr niedrig, weil viele
Jugendliche, die vorzeitig die Schule
verlassen, später wieder zur Schule
gehen.

Ein qualitativer Vergleich zwischen
amerikanischen
und
ausländischen Schülern und Studenten ist
ein wenig erfreuliches Unterfangen.
Eine jüngste Untersuchung des Educational Testing Service (ETS) unter
13jährigen Schülern kam zu dem Ergebnis, daß Amerikaner in Mathematik das
Schlußlicht bildeten und bei den Naturwissenschaften
fast an letzter
Stelle rangierten.

Unternehmen beklagen den niedrigen Wissensstand vieler Jugendlicher
und richten Ausbildungsprogramme ein.
Amerikanische Firmen geben jährlich
etwa 40 Milliarden Dollar für die
Ausbildung ihrer Mitarbeiter aus. Es
ist schlimm - und verschwenderisch -,
daß der größte Teil dieser Ausbildung
nicht in der Schule geboten wird,
aber er wird irgendwie, irgendwo und
irgendwann geleistet.

�Der Sektor der "Berufsbildung"
erfährt gegenwärtig in Amerika einen
Boom.
Es gibt etwa 7 000 private
Handels- und Berufsschulen, die Jugendliche in Fernsehtechnik, Elektronik, Informatik, Installationsarbeiten, kosmetischer Behandlung und
Röntgenassistenz
ausbilden.
Die
Schüler lernen das, was sie lernen
müssen, wenn sie es lernen müssen.
Für die Colleges bedeutet dies,
daß der vielfach (aufgrund der älter
werdenden Angehörigen geburtenstarker
Jahrgänge) prognostizierte Rückgang
der Einschreibungen nicht erfolgt
ist.
Warum nicht?
Zahlreiche Erwachsene besuchen - oftmals nebenbei
- ein College. Sie lernen, was sie
lernen müssen, wenn sie es lernen
müssen.
Es bestehen kaum Zweifel über die
Verfügbarkeit einer ausgezeichneten
College-Ausbildung.
Warum
kämen
sonst so viele ausländische Studenten
zum Studium in die Vereinigten Staaten? Nahezu eine Million Ausländer
machen hier jährlich Examen.
Auch die Kritiker des Bildungssektors erkennen zumeist die Qualität
des besten Teils vom amerikanischen
Universitätswesen an. Und die offene
Kultur bringt kreative und innovative
Studenten hervor. Die Japaner versuchen gegenwärtig, junge amerikanische Wissenschaftler nach Japan abzuwerben.
Bringt Amerika wirklich eine Generation
nicht
konkurrenzfähiger
Trottel hervor? Wo das System versagt, übernimmt oftmals Amerikas Kultur, in der es gilt, aus eigener
Kraft erfolgreich zu werden, seine
Funktion. Dennoch ist etwas Wahres
an Finn's mahnender Bewertung.
Es
kann noch viel mehr getan werden.
Dies wird insbesondere in einer
Untersuchung zu den Leistungen 17jähriger Schüler im Lesen, in Mathematik
und den Naturwissenschaften deutlich.
Dabei wurde ein Test verwendet, in
dem maximal 500 Punkte erzielt werden

konnten.
Das Durchschnittsergebnis
der weißen Schüler lag In allen Fächern von 1970 bis 1986 relativ konstant um etwa 300 Punkte, die schwarzen Schüler schnitten mit durchschnittlich 250 Punkten etwas schlechter ab, Hispano-Amerikaner lagen etwas darüber bei 260 Punkten.
Amerika kann offen sein und dennoch seine Kinder in Mathematik und
Naturwissenschaften
unterrichten.
Ein High-School-Abgänger sollte zumindest verständlich schreiben können.

Was ist zu tun?
Unser Land braucht bessere Lehrer. Ihre Gehälter sind zwar in den
letzten
Jahren
gestiegen,
jedoch
nicht in dem Umfang, daß es gelingen
könnte, Spitzenkräfte anzuwerben.
Der Präsident des Amerikanischen
Lehrerverbandes vertritt die Auffassung, daß die altmodische Schulform
ausgedient hat. Ihm zufolge braucht
das Land individuellere Schulen, in
denen Kinder in dem Umfang unterrichtet werden, wie sie Wissen aufnehmen
können, in denen nicht nur Lehrer,
sondern auch Manager, Angehörige verschiedener Berufsgruppen, Eltern und
Studenten höherer Semester unterrichten und in denen es ein System der
Auszeichnung für gute Lehrer gibt.
Finn behauptet, die altmodische Schule könne immer noch funktionieren,
wenn wir Ansprüche und Disziplin auf
einem hohen Niveau halten.
Beide
sind im Recht: anspruchsvollere Schulen für die Begabteren, andere Schulen für die weniger Begabten.
Die
disziplinarische
Situation
läßt zu wünschen übrig. Nahezu die
Hälfte (44 Prozent) aller Lehrer erklären, Störungen durch die Schüler
hätten in den vergangenen fünf Jahren
drastisch zugenommen. In den höheren
Klassen haben sechs von zehn Schülern
bereits mit Drogen experimentiert.
Dafür werden von den Lehrern
vielfach die Eltern verantwortlich

- 3 -

�gemacht.
Als Hauptursache für die
Schwierigkeiten der Schüler in der
Schule geben sie "nach der Schule alleingelassene Kinder - in Familien
mit einem alleinerziehenden Elternteil" an. Die Lehrer haben recht:
Eltern müssen Hilfe leisten, zumal
sie einer Untersuchung zufolge zu höheren Ausgaben bereit sind, damit ihre Kinder in kleineren Klassen unterrichtet werden. Im Jahr 1985 betrug
der durchschnittliche Betrag, den Eltern im Jahr für die Ausbildung ihrer
Kinder in Privatschulen ausgaben,
4 000 Dollar. Das bedeutet eine Verdoppelung gegenüber 1965 (bei inflationsbereinigten Zahlen), während in
dieser Schulform die Klassenstärke im
gleichen Zeitraum von 25 auf unter 20
Kinder abgenommen hat.

Gouverneure mit Engagement im
Erziehungswesen sind vonnöten
Wie kann das System geändert werden? George Bush hat erklärt, daß er
der "Erziehungspräsident" sein will.
Aber die Bundesregierung ist nur für
sechs Prozent aller Aufwendungen im
Bildungswesen
verantwortlich.
Der
größte Teil der hier ausgegebenen
Dollars kommt aus den Einzelstaaten.
Amerika braucht "Erziehungsgouverneure". Viele stellen sich dieser Herausforderung.
Die
Schulausbildung
wird besser. Zumindest ist das die
Auffassung der Öffentlichkeit.
Im
Jahr 1973 bekundeten 58 Prozent aller
Befragten "sehr großes" oder "großes"
Vertrauen in unsere Schulen.
Bis
1981 war dieser Prozentsatz auf 42
Prozent gesunken. Heute beträgt er
immerhin wieder 50 Prozent. Wir sind
zwar auf halbem Weg zum Ziel, haben
aber noch einen langen Weg vor uns.

******

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

5. April 1989

14

ERSCHÜTTERNDE KLISCHEES ÜBER DIE OBDACHLOSEN
Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 20. März 1989 veröffentlicht.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).

Als vor sieben Jahren obdachlose
Männer und Frauen die Seitenstraßen
der amerikanischen Städte zu bevölkern begannen, entzündete sich eine
oberflächliche
Diskussion
darüber,
wieviele Menschen eigentlich obdachlos seien und woher sie kämen. Republikaner wie Ronald Reagan bagatellisierten das Problem und behaupteten, ein "hoher" Prozentsatz der Obdachlosen seien früher in psychiatrischer Behandlung gewesen. Demokraten und liberale Aktivisten wie
Mitch Snyder aus Washington hielten
dagegen, "Millionen" von Amerikanern
seien obdachlos und mahnten, nur die
"Gnade Gottes" hielte mehr Mittelstandsfamilien aus der Gosse fern.
Da keine verläßlichen statistischen
Daten zur Verfügung standen, lähmten
diese widersprüchlichen Einschätzun-

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Embassy of the United States of America

gen des Problems alle Versuche, den
ärmsten Bürgern des Landes zu helfen.
Heute
legen
drei
landesweite
Übersichten über die Situation der
städtischen Obdachlosen den Schluß
nahe, daß praktisch jeder der an der
Diskussion Beteiligten Unrecht hatte.
Die neuen Statistiken belegen, daß
die Mehrzahl der Obdachlosen weder
psychisch krank noch zu der Familie
nebenan gehören und daß es weniger
Obdachlose gibt, als die meisten angenommen hatten. Die Übersicht widerlegt ferner zusammen mit Daten des
amerikanischen Ministeriums für Bauwesen und Städteplanung (HUD), die
voraussichtlich noch in dieser Woche
veröffentlicht werden, eine Reihe anderer weitverbreiteter Klischees, die
zu wohlgemeinten, jedoch unwirksamen

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�Hilfsprogrammen für Obdachlose geführt haben. Nachfolgend einige Beispiele:

Klischee 1.
Obdachlose

Es gibt abermillionen

Von
Demokraten
wie
Michael
Dukakis und dem Präsidenten des Repräsentantenhauses, Jim Wright, wurden ebenso wie in unzähligen neuen
Berichten die Behauptung aufgestellt,
drei
Millionen
Amerikaner
fänden
Nacht für Nacht Unterschlupf auf
Straßen, in Hauseingängen oder Obdachlosenheimen. Falsch! Eine 1988
vom überparteilichen Urban Institute
veröffentlichte Studie, die sich zum
Teil auf Interviews mit 1 700 Obdachlosen in 20 Großstädten stützt, kommt
zu dem Schluß, daß im Jahr 1987 maximal 600 000 Amerikaner die Nacht im
Obdachlosenasyl oder auf der Straße
verbrachten.
Das heißt, unter den
Stadtbewohnern und selbst den Armen
gibt es relativ wenige Obdachlose.
Weniger als zwei Prozent der Armen
sind beispielsweise obdachlos.
Fürsprecher der Obdachlosen halten dagegen, daß schon ein Obdachloser - ganz zu schweigen von 600 000 zu viel ist. Mitch Snyder ist sogar
so weit gegangen, die "nagende Neugier" nach genaueren Zahlen als das
Werk
"westlicher
Kleinkariertheit"
abzutun.
Selbst ein Bewohner des
Elfenbeinturms kann jedoch nicht die
Augen davor verschließen, daß das Obdachlosenproblem sehr viel leichter
zu bewältigen ist, wenn es, sagen wir
einmal, fünfmal kleiner ist als vorher angekündigt. Um Martha Burt, die
Autorin der Studie des Urban Institute, zu zitieren:
"Was wir nicht
brauchen sind drei Millionen Wohneinheiten zur Unterbringung der Obdachlosen von heute - um dann noch drei
Millionen für die Obdachlosen von
morgen zu bauen."

Klischee 2. Es gibt Scharen von
weiblichen Obdachlosen
Im
vergangenen
Jahr
erklärte
George Bush, psychische Krankheit sei
die "Hauptursache" der Obdachlosigkeit. Doch sowohl die HUD-Studie als
auch ein 19 Städte umfassendes Projekt über Gesundheitsfürsorge, das
größtenteils von der Robert Wood
Johnson-Stiftung
finanziert
wurde,
belegen, daß nur ein Drittel der obdachlosen Erwachsenen psychisch krank
sind. Darüber hinaus hat die massenhafte Entlassung psychisch Kranker
aus den Kliniken wenig zum Obdachlosenproblem der achtziger Jahre beigetragen. In dem in Kürze erscheinenden Buch Address Unknown berichtet
Professor James Wright von der Tulane
University, daß sich weniger als fünf
Prozent der 83 000 an den Robert Wood
Johnson-Kliniken behandelten obdachlosen Männer und Frauen unmittelbar
vor ihrer Obdachlosigkeit in psychiatrischen Anstalten aufhielten.

Klischee 3.
wir

Sie sind Menschen wie

Ebenso
falsch
sind
emotional
griffige Argumente der Fürsprecher
von Obdachlosen und liberalen Demokraten, daß die Obdachlosen ganz gewöhnliche - nur vom Pech verfolgte Angehörige der Mittelschicht seien.
Vor nicht allzulanger Zeit formulierte es der demokratische Abgeordnete
aus New York und Vorsitzende einer
Arbeitsgruppe
des Kongresses, die
sich mit Wohnungsproblemen befaßt,
Charles
Schumer,
folgendermaßen:
"Die große Mehrheit der Obdachlosen
sind wie Du und ich; sie können sich
nur keine Wohnung leisten."
Zahlreiche Medienberichte, insbesondere
im Fernsehen, haben diese Beschönigung des Obdachlosenproblems gefördert. Um nur ein Beispiel zu nennen:
In einem NBC-Sonderbericht des vergangenen Jahres reiste Tom Brokaw ins
ländliche Iowa, um weiße Familien
aufzuspüren, bei denen beide Elternteile obdachlos sind. Brokaw informierte seine Zuschauer, die Obdachlosen seien "Menschen, die Sie kennen".

�Nicht ganz. Während die meisten
Obdachlosen nicht psychisch krank
sind und ihre Reihen von Stadt zu
Stadt erheblich variiert, haben zwei
Drittel der obdachlosen Erwachsenen
mindestens ein ernsthaftes persönliches Problem, das dazu beiträgt,
daß sie auf der Straße oder im Obdachlosenasyl landen.
Jüngste Studien belegen, daß 33 bis 38 Prozent
der Obdachlosen Alkoholiker, 13 bis
25 Prozent drogenabhängig und 21 bis
24 Prozent entweder straffällig geworden oder eine Gefängnisstrafe verbüßt haben. Abgesehen von extremer
Armut sind obdachlose Männer und
Frauen auch von ihren Familien und
den herkömmlichen amerikanischen Einrichtungen
völlig
isoliert.
Im
Durchschnit sind sie seit nahezu vier
Jahren arbeitslos.

Klischee 4. Die Gelegenheitsarbeiter sind wiederjla
Der
vielleicht
irreführendste
Eindruck von den Obdachlosen betrifft
die obdachlosen Familien - die auffälligsten Neuankömmlinge
auf den
Straßen und in den Obdachlosenheimen
des Landes. Zahlreiche Medienberichte haben diese Familien als neue Gelegenheitsarbeiter dargestellt, entlassene Amerikaner der Arbeiterklasse, die keine billigen Mietwohnungen
mehr finden können. Ein schlagendes
Beispiel dieser Art war der von der
Kritik gelobte Fernsehfilm "God Bless
the Child", in dem Mare Winningham
eine weiße, getrennt lebende Mutter
spielt, die ihren Arbeitsplatz verloren hat und dann ihre kleine Tochter
aussetzt, damit das Kind nicht in dem
schrecklichen
Obdachlosenasyl
aufwächst.
In Wahrheit sind jedoch die meisten Obdachlosen mit Kindern schwarze
oder hispanoamerikanische alleinstehende Frauen, die von der Sozialfürsorge leben und über wenig Berufserfahrung verfügen.
Insgesamt machen
Mütter mit Kindern ein Viertel der
Obdachlosen auf der Straße und im
Heim aus. Und während die neuen Stu-

dien belegen, daß sie entschieden weniger anfällig als alleinstehende obdachlose Erwachsene sind, Alkoholiker, psychisch krank oder straffällig
zu werden, sind sie traurigerweise
sehr viel eher im Obdachlosenasyl gelandet, weil sie ihr Zuhause wegen
Gewalttätigkeiten verlassen haben.

Klischee 5. Mehr Wohltätigkeit ist
die Antwort
Die neuen Studien widerlegen auch
zwei gängige Lösungen des Obdachlosenproblems.
Auf der politischen
Rechten haben Präsident Bush und andere gewarnt, daß "ein großes Erwachen" seitens der Wohltätigkeitsorganisationen und religiösen Gruppen,
den "Tausend Lichtern" erfolgen muß.
Die HUD-Obdachlosenstudie läßt jedoch
erkennen, daß der Privatsektor bereits ein phänomenales Programm auf
die Beine gestellt hat, um den Obdachlosen zu helfen. Im vergangenen
Jahr wurden rund neun von zehn Obdachlosenunterkünften von Gemeindeverbänden und Kirchen betrieben. Es
ist fraglich, wie die "Tausend Lichter" noch mehr Licht anzünden können.
Letztes Jahr stieg die Zahl der freiwilligen Helfer in Obdachlosenheimen
auf überwältigende
80 000, nahezu
viermal soviele wie noch vor fünf
Jahren.
Erwartungsgemäß hat der Privatsektor seit 1984 auch seine finanzielle Unterstützung der Obdachlosenunterkünfte erheblich aufgestockt und
im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Dollar, beziehungsweise zwei
Drittel der Betriebskosten übernommen. Die Bundesmittel zur Bekämpfung
dieses landesweiten Problems sind jedoch bescheiden, insbesondere wenn
man sie gegen die Beiträge zahlreicher Bundesstaaten und Gemeinden aufrechnet.
In diesem Haushaltsjahr
wird New York City allein ca. 475
Millionen Dollar an direkter Hilfe
für die Obdachlosen aufwenden - also
nicht sehr viel weniger als die Regierung in allen 50 Bundesstaaten
ausgibt.

- 3 -

�Klischee^ 6.
Wohnungen

Sle brauchen nur

Viele Liberale und Fürsprecher
der Obdachlosen bekräftigen die von
Robert Hayes von der National Coalition for the Homeless vorgelegte Lösung des Obdachlosenproblems: "Wohnungen, Wohnungen und nochmals Wohnungen." Die jüngsten Studien legen
jedoch den Schluß nahe, daß rund die
Hälfte der städtischen Obdachlosen
mehr als einmal obdachlos gewesen
sind, was darauf hindeutet, daß ein
Dach über dem Kopf eines Alkoholikers, eines psychisch Kranken oder
eines Drogenabhängigen ihn nicht für
immer von der Straße fernhält. Unglücklicherweise sind die meisten Obdachlosenunterkünfte zu sehr mit der
kurzfristigen Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie der Bereitstellung warmer Mahlzeiten und Schlafstellen in Anspruch genommen, als daß
sie angemessene Rehabilitationsmaßnahmen anbieten könnten.
Die HUDStudie liefert den Beweis, daß weniger als ein Drittel der Obdachlosenheime des Landes eine Behandlung für
Suchtkranke oder psychisch Kranke zur
Verfügung stellen und ebensowenige
Kinderbetreuung oder Gesundheitsfürsorge anbieten.

Eine Schlußfolgerung der neuen
Studien lautet, daß die Obdachlosen
sehr viel eher auf ihre Bedürfnisse
zugeschnittene Dienstleistungen und
Wohnungen als Ubergangslösung benötigen als neue Sozialwohnungen.
Die
meisten Obdachlosen bedürfen einer
Behandlung in einer psychiatrischen
Klinik der Gemeinde, der Einweisung
in ein Rehabilitationszentrum für Alkoholkranke, Anleitung bei der Kindererziehung, Unterstützung zur Erlangung einer Behindertenrente oder
nur ein Bett in einer sicheren und
sauberen kleinen Pension. Sobald die
Öffentlichkeit die Tatsache akzeptiert hat, daß die Mehrzahl der obdachlosen Erwachsenen anhaltende persönliche Probleme hat, besteht natürlich die Gefahr, daß sie als Arme abgetan werden, die kein Mitgefühl verdienen. Hayes zufolge sind die Obdachlosen jedoch "keine andere Spezies Mensch". Und selbst wenn einige
Amerikaner sie als unwürdig erachten,
gibt es keine Anzeichen dafür, daß
sich die Reihen der Obdachlosen lichten. Das Problem ist nicht, ob die
Obdachlosen weiterhin Hilfszahlungen
in Milliardenhöhe für Notunterkünfte
und Mahlzeiten verdienen, sondern ob
diese Milliarden in den kommenden
Jahren besser angelegt werden.

* * * * * *

�:£D S &gt;

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
5. April 1989

14

FOTOS AUS DEM ALL ZEIGEN VERÄNDERUNGEN DER ERDOBERFLÄCHE
- NASA-Dokumente von Raumtransporterflügen -

WASHINGTON - (AD) - "Fast jede heute existierende Landkarte gibt ein völlig falsches Bild vom Tschad-See in Zentralafrika. Den neuen Aufnahmen aus
dem Weltraum zufolge ist nur noch ein kläglicher Rest von ihm vorhanden", sagt
Dr. Charles Wood, der Leiter der Abteilung Erdbeobachtung für bemannte Raumflüge des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA). Der Tschad-See wird auf
den meisten Karten in seiner früheren GLänge von 200 km dargestellt, seine
Oberfläche ist jedoch in den 23 Jahren, seitdem GEMINI-Astronauten mit briltlianten Aufnahmen aus dem Weltraum die überflogenen Gebiete unserer Erde In
neuer Perspektive zugänglich machten, um fast 95 Prozent geschrumpft.

Tausende solcher Fotografien geben Wissenschaftlern in aller Welt
die Möglichkeit, die "Geschichte" bestimmter Landschaften über die vergangenen paar Jahrzehnte zu verfolgen. Der Tschad-See und der NasserSee (am Assuan-Staudamm in Ägypten)
eignen sich schon deshalb gut als Fotoobjekte, weil diese Regionen selten
durch Wolken verdeckt sind. In Südostasien ist das ganz anders. "Dort
ist häufig wegen der Wolken kaum etwas zu erkennen", meint Dr. Woods.
In Südamerika wiederum, insbesondere
über dem Amazonasbecken, sind es "von
Menschen erzeugte Wolken", die von
den Rodungsfeuern zu bestimmten Zeiten des Jahres herrühren.
Woods verweist ausdrücklich darauf, daß das Fotografieren im Welt-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

raum und die Auswertung dieser Aufnahmen keinesfalls mit Spionage in
Zusammenhang zu bringen sei und die
Bilder jedermann zum Selbstkosten^
preis für Reproduktionen zur Verfügung stünden.
Für einen bemannten
Raumflug wählt seine Abteilung be~
stimmte Gebiete aus, von denen Wissenschaftler - Geologen, Meteorologen, Biologen, Meereskundler und Ökologen - mehr Daten für ihre Arbeit
benötigen. Zwar erhielten die Astronauten während ihrer Mission täglich
aktualisierte Meldungen zu möglichen
Fotoobjekten und jeweiligen Wetterbedingungen, jedoch komme es auf ihre
Beobachtungsgabe und das Erfassen unerwarteter Ereignisse an, damit ein
Raumfahrtunternehmen
so
profitabel
wie möglich wird.
Im Durchschnitt
bringen sie 2000 Fotos von einem Flug

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�mit. Nach wie vor werden HasselbladKameras der gleichen Bauart wie in
den sechziger Jahren verwendet, die
mit 70 mm- und 250 mm-Objekten ausgestattet sind. Gewöhnliche EktrachromFilme liefern hochwertige Bilder.
Bei Vergleichen mit früheren Fotos zeigte sich, daß der im Jahr 1966
ca. 26 500 Quadratkilometer große
Tschad-See bis zum Juli 1985 auf 2400
qkm geschrumpft und inzwischen noch
kleiner geworden ist. Der im Jahr
1984 mit 500 km Länge als der größte
Stausee der Welt bezeichnete NasserSee war 1981 auf die nahezu größte
Ausdehnung angestaut. Aber schon die
Trockenheit im darauffolgenden Jahr
ließ vom Weltraum aus ein merkliches
Absinken des Wasserspiegels erkennen.
Aufnahmen aus dem Raumtransporter
DISCOVERY von September 1988 zeigten,
daß er zu diesem Zeitpunkt den niedrigsten Wasserstand seit den sechziger Jahren hatte. Deutlich sind auf
den Fotos die Schlickablagerungen an
den immer tiefer freiwerdenden Ufergebieten zu erkennen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
5. April 1989

14

PRIVATFIRMA STARTET ERSTE KOMMERZIELLE RAKETE

WASHINGTON - (AD) - Ein kleines amerikanisches Privatunternehmen, Space
Services Inc., startete am 29. März 1989 seine erste Rakete. Die 22 m lange
STARFIRE erreichte eine Höhe von 317 km; die Nutzlastkapsel landete am Fallschirm 80 km vom Startplatz White Sands in Neu Mexiko entfernt. Die US--Armee
hatte Startanlagen zur Verfügung gestellt. In der Kapsel befanden sich sechs
Experimente von Wissenschaftlern der Universität Alabama, die sich mit Werkstoffentwicklung befassen und die Auswirkungen der sieben Minuten dauernden
Schwerelosigkeit auf ihre Materialproben untersuchen wollen. Die Universität
zahlte Space Services Inc. eine Million Dollar für den Start aus einem von der
US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) finanzierten Fonds.

Space Services Inc. baute die Rakete mit Elementen "aus dem Magazin",
wie der Präsident des Unternehmens,
der
ehemalige
Astronaut
Donald
Slayton, sagte.
Das Triebwerk für
den suborbitalen Flug kam von der
Firma Morton Thiokol, dem gleichen
Unternehmen, das die Feststoffraketen
für den Raumtransporter liefert. Die
Genehmigung für den Start mußte vom
amerikanischen
Verkehrsministerium
erteilt werden. Dieses ist zuständig
für die entsprechenden Vorschriften
zum Abschuß kommerzieller Raketen und
Raumfahrtunternehmen der Privatindustrie. Seine Abteilung für "Kommerzielle Raumfahrt" bewertet und prüft
die Sicherheit der Mission, gibt
Startgenehmigungen und setzt den Rahmen für die Versicherungshöhe.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Diese neue Rolle des Verkehrsministeriums ist Teil eines Planes der
amerikanischen Regierung, die Privatindustrie zu Raumfahrtunternehmen zu
motivieren.
Er sieht unter anderm
vor, daß Bundesbehörden kommerzielle
Dienstleistungen auf dem Sektor Raumfahrtaktivitäten in Anspruch nehmen.
Die Privatunternehmen ihrerseits benutzen regierungseigene Startanlagen
und entschädigen den Staat für die
entstehenden
Kosten.
Nutzlasten
konnten bisher nur an Bord des Raumtransporters der NASA oder regierungseigener unbemannter Raketen In
den Weltraum transportiert werden.
Space Services Inc. machte bereits im September 1982 mit dem Start
des ersten von privater Seite finanzierten Raumfahrtgeräts Geschichtet

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�Die Versuchsrakete CONESTOGA wurde
mit Wasserballast von einer Insel vor
der Küste von Texas gestartet und kam
im Golf von Mexiko zur Erde zurück.
Inzwischen haben einige große Firmen
der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie Projekte für den Bau
privater Trägergeräte in Angriff genommen. In den nächsten paar Jahren
dürften nach und nach 20 wichtige Satelliten gestartet werden können, für
die Kontrakte im Gesamtwert von über
einer Milliarde Dollar abgeschlossen
werden. Die Firmen McDonnell Douglas
Astronautics, Martin Marietta und General Dynamics haben mit den Regierungen von Indien, Großbritannien,
Japan und der USA bereits Vereinbarungen über den Start von Nachrichtensatelliten getroffen.
•

.:

••

* * * * * *

•

.

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: NATO Bewahrer von Frieden und Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zum 40jährigen Jubiläum &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brady fordert rasches Handeln zur Verschuldung der Dritten Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Interim-Aupschuß des IWF&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gefahren der Weiterverbreitung von Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman bringt großen Erfahrungsschatz mit zu ACDA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten ACDA-Direktors&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist das Bildungswesen so schlecht wie eh und je ?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Ben J. Wattenberg &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erschütternde Klischees über die Obdachlosen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fotos aus dem All zeigen Veränderungen der Erdoberfläche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA-Dokumente von &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Raumtransporterflügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Privatfirma startet erste kommerzielle Rakete</text>
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