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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

"

29. März 1989

13

INHALT

DOKUMENTATION
Rldgway;

Europäischer Binnenmarkt "benutzerfreundlich'

- Rede in Minneapolis -

Maresca:

Fortschritte in der ersten VSBM-Runde

-- Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
\

Entscheidende Phase im Kampf gegen Rauschgift
- Präsident Bush und Anti-Drogen-Beauftragter Bennett fordern
Sofortmaßnahmen -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
29. März 1989

13

RIDGWAY:

EUROPÄISCHER BINNENMARKT "BENUTZERFREUNDLICH"
- Rede in Minneapolls -

MINNEAPOLIS - (AD) - Die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Rozanne L. Ridgway,
hat am 21. März 1989 in einer Rede vor dem Komitee für auswärtige Beziehungen,
einer privaten außenpolitischen Vereinigung, in Minneapolis erklärt, es gebe
"keinen Widerspruch zwischen der Verteidigung amerikanischer Interessen" und
der Unterstützung einer verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas. Die
Abteilungsleiterin äußerte in diesem Zusammenhang, die europäische Integration
könne "grundsätzlich und in hohem Maße benutzerfreundlich im transatlantischem
Sinne sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir Ridgways Rede im Wortlaut:

Meine Botschaft lautet, daß kein
Widerspruch zwischen der Verteidigung
amerikanischer Interessen in den Beziehungen mit Europa, wie sie sich
seit 40 Jahren darstellen, und der
Unterstützung einer verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas besteht.
Die europäische Integration
kann grundsätzlich und in hohem Maße
benutzerfreundlich
im
transatlantischen Sinne sein. Und in den Bereichen, in denen sie potentiell negative Folgen für die Vereinigten
Staaten hat, ist es an uns, wachsam
zu sein und ihnen energisch entgegenzuwirken.

glauben nämlich, daß damit Konflikte
vermieden werden und ein Partner entsteht - für die westliche Verteidigung, die Außenpolitik des Westens
und die westlichen Werte freier Gesellschaften und offener Märkte.

Über die wirtschaftliche Integration hinaus besteht eine weitergehende europäische Einigkeit, die von uns
seit 40 Jahren befürwortet wird. Wir

- Die Organisation für Europäische
Wirtschaftliche
Zusammenarbeit
(OEEC) wurde im Jahr 1948 gegründet, um die von den Vereinigten

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Das Jahr 1992 ist ein wichtiger
nächster Schritt einer Entwicklung,
die sich in Schüben seit dem Krieg
mit Unterstützung
der Vereinigten
Staaten vollzogen hat.
Nach dem
Zweiten Weltkrieg haben die führenden
Politiker Europas zunächst durch verschiedene Ansätze nach Einheit gestrebt:

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Staaten im Rahmen des MarshallPlanes zur Verfügung gestellte
Hilfe am effizientesten zu nutzen
und zu vermeiden, daß die verschiedenen Länder in der Wirtschaftspolitik unabsichtlich gegeneinander arbeiteten. Die OEEC
entwickelte sich zu einem auch
die überseeischen Industrieländer
einbeziehenden
Koordinierungsmechanismus für die Industriestaaten, die heutige OECD.
- Im Jahr 1949 entstand der Europarat, um weitergehende Ziele der
Garantierung demokratischer Prinzipien und der Menschenrechte zu
verfolgen. Mit 22 Mitgliedstaaten ist der Rat heute ein aktives
Forum der Diskussion über Politik
und Wirtschaft.
- Ein Versuch der Gründung einer
europäischen
Verteidigungsunion
scheiterte an Einwänden des französischen Parlaments.

Die Evolution der Europäischen
Gemeinschaften
Der wahre Träger der europäischen
Einheit sind jedoch von jeher die Europäischen
Gemeinschaften
gewesen.
Wie schon von diesem Plural angedeutet, beruhten diese auf einer Reihe
von Verträgen, sie wurden Schicht um
Schicht aufgebaut.
Die Europäische Gemeinschaft für
Kohle und Stahl (Montanunion) wurde
im Jahr 1951 ins Leben gerufen, um
die primären Kriegsindustrien in gemeinsamen Institutionen zu vereinigen. Die Theorie forderte Integration durch zentrale Regulierung. Der
Geniestreich der Montanunion bestand
in ihrer einzigartigen institutionellen Struktur, die den Kern einer weitergehenden Integration in sich barg:
- Einen Rat, in dem alle Mitgliedstaaten mit Sitz und Stimme vertreten waren.
- Eine Kommission als unabhängiges
Exekutivorgan.

- Ein Parlament als demokratisches
Beratungsgremium.
- Einen Gerichtshof
um eine bindende Interpretation des Gründungsvertrags zu gewährleisten.
Die Montanunion selbst ist heute
ein Überbleibsel innerhalb der enormen EG-Struktur, aber ihr institutionelles Grundmuster ist in allen europäischen Gemeinschaften erhalten geblieben.
Die Montanunion funktionierte, weil sie praxisorientiert,
mit klaren Zielen und Machtbefugnissen ausgestattet war, eben kein großartiger Vereinigungsplan, der nur beratende Funktion hatte.
Mit den Römischen Verträgen wurde
parallel zur Montanunion im Jahr 1957
die
Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) geschaffen. Die ihr zugrundeliegende Theorie war jedoch
neu:
Wirtschaftliche
Integration
durch einen gemeinsamen Markt anstatt
durch zentrale Regulierung und die
Hoffnung, daß die wirtschaftliche Integration mit der Zeit auch zur politischen Integration führen werde.
Im Jahr 1967 wurden die Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft,
die
Montanunion und Euratom in nach dem
Muster der Montanunion gebildeten gemeinsamen Institutionen zusammengefaßt, die Europäische Gemeinschaft
war entstanden. Von Anbeginn gestattete die Europäische Gemeinschaft politische Zusammenarbeit, aber diese
kam nicht zustande. De Gaulle blokkierte jede Sitzung des Rats für Aussenpolitik.
Selbst nach De Gaulle
zögerten die Mitgliedstaaten weiterhin, der politischen Rolle den gleichen Rang einzuräumen wie der wirtschaftlichen. Die Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ) begann ad
hoc im Jahr 1970 und entwickelte sich
langsam in den folgenden Jahren. Im
Jahr 1987 wurde sie schließlich Institutionalisiert.
Die EPZ ist in erster Linie ein
Konsultationsprozeß zwischen den Mitgliedstaaten, wobei die Rolle von

�Kommission und Parlament immer noch
nicht eindeutig festgelegt ist. Die
Bedeutung der EPZ nimmt trotzdem
ständig zu. Die jüngsten Maßnahmen
der Europäischen Gemeinschaft gegen
den Iran nach der Todesdrohung gegen
Rushdie sind ein Zeichen ihrer Fähigkeit zu schnellem, konkretem und effektivem Handeln.

Der Binnenmarkt
Der Plan zur Schaffung eines einheitlichen Markts im Jahr 1992 wurde
ins Leben gerufen, um den im Jahr
1957 erklärten Zielen neuen Auftrieb
zu verleihen. Ein neuer Ausdruck des
politischen Willens war nötig geworden, um die Entschlußlosigkeit der
siebziger und frühen achtziger Jahre
zu überwinden. Lord Cockfields Weißbuch aus dem Jahr 1985 erbrachte wenig substantiell Neues, aber es faßte
viele nüchterne Einzelheiten zur Vision eines vollständig integrierten
Markts mit einem festen zeitlichen
Rahmen zusammen.

Die Einheitliche Europäische Akte
Die Einheitliche Europäische Akte
von 1986 markiert das Widererstarken
der Europäischen Geraeinschaft.
Sie
vereinigte zahlreiche Einzelelemente
mit zweckmäßigen neuen Mechanismen:
Die Reform des Entscheidungsfindungsprozesses in der Europäischen Gemeinschaft, die politische Zusammenarbeit
und das Programm für 1992.
- Heute
werden
mehr
Beschlüsse
durch
Mehrheitsentscheid
als
durch Konsens gefaßt.
- Das Europäische
Parlament hat
mehr Macht in bezug auf die EGGesetzgebung und außenpolitische
Vereinbarungen.
Die Europäische Gemeinschaft und die
Vereinigten Staaten
Wir sind mit dem Verhältnis zwi-

schen der Europäischen Gemeinschaft
und den Vereinigten Staaten insgesamt
zufrieden und fühlen uns durch die
Beschleunigung der europäischen Integration und deren allgemeine Richtung
ermutigt. Gibt es Probleme? Selbstverständlich. Wir sehen jedoch eine
enorme Chance zur Zusammenarbeit in
einer reifen Partnerschaft angesichts
drängender weltweiter Probleme. Unsere
gemeinsamen
politischen
und
wirtschaftlichen Grundwerte sollten
gewährleisten, daß die Maßnahmen der
Vereinigten Staaten und Westeuropas
einander ergänzen und nicht einander
entgegenwirken - vielleicht nicht immer, aber meistens und bei den wichtigsten Fragen. Gleichzeitig werden
wir uns energisch für die Verteidigung
berechtigter
wirtschaftlicher
Interessen der Vereinigten Staaten
einsetzen und sicherstellen, daß die
transatlantischen Beziehungen nicht
durch kurzsichtige Maßnahmen beeinträchtigt werden.
Es wird immer Reibungen im Handel
zwischen
Europäischer
Gemeinschaft
und Vereinigten Staaten geben. Probleme wie der Hormonstreit sind in
einem solch komplexen Verhältnis wie
dem unseren unumgänglich.
Es hat
eine Folge amerikanisch-europäischer
Streitfälle im Handel gegeben, die
wir erfolgreich gelöst haben. Sicherlich gibt es ernste Probleme, und
bei deren Lösung dürfen amerikanische
Wirtschaftsinteressen nicht geopfert
werden. Sie sollten jedoch nicht den
Blick auf unser grundsätzlich kooperatives Verhältnis verstellen.
Bisweilen ist es nützlich, das
Offenkundige ins Gedächtnis zurückzurufen - Europa ist für die Vereinigten Staaten wichtig. Die Europäische
Gemeinschaft erwirtschaftet jährlich
ein Bruttosozialprodukt von 2,5 Billionen Dollar. Unser Handel beläuft
sich jährlich auf 160 Milliarden Dollar und die transatlantischen Investitionen auf beiden Seiten erreichen
nahezu 300 Milliarden Dollar.
Ein
Viertel aller amerikanischen Exporte
geht in die 12 Mitgliedstaaten der
Europäischen Gemeinschaft.

- 3 -

�Wenn man von diesen schwindelerregenden Zahlen einmal absieht, bildet die atlantische
Partnerschaft
eine Grundlage
der amerikanischen
Außenpolit k,
da
die
Vereinigten
Staaten und Westeuropa marktwirtschaftlich
orientierte
Demokratien
mit dem Ziel einer friedlichen Welt
sind, in der politische Freiheit und
wirtschaftlicher Wohlstand herrschen.
Der Erfolg der NATO und die intensivierte
Partnerschaft
zwischen den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft sind ein Beweis
für die anhaltenden Gemeinsamkeiten
zwischen Amerika und Europa.

Wir akzeptieren die Zusicherung
der Gemeinschaft, ihre offene Partnerschaft mit der Welt fortführen zu
wollen. Aber wir sehen eine Gefahr,
daß sich Protektionismus in Gesetzgebung und Vorschriften einschleichen
könnte. Es wird die Versuchung bestehen, im Rahmen des Gesamtplans
enggefaßten Einzelinteressen nachzugeben, vielleicht auch, um dem Programm als Ganzem die Unterstützung zu
sichern. Weiterer Druck wird entstehen, um besondere Regionen zu schützen, die fürchten, vom neuen Europäischen Binnenmarkt überrollt zu werden.

Die Ereignisse in Europa sind in
unserem Sinne - wir würden in derselben Situation genauso handeln.
In
dem Europa, wie es die Europäische
Gemeinschaft hervorbringen will, können Waren aller Ursprungsländer so
frei zwischen Italien und der Bundesrepublik Deutschland gehandelt werden
wie zwischen Kalifornien und Oregon;
ein
belgischer
Versicherungsnehmer
kann zwischen Policen britischer und
französischer Versicherungen oder anderer Gesellschaften wählen; ein holländischer Architekt
kann genauso
leicht ein Büro in Paris und Athen
eröffnen wie in Amsterdam.

Wir haben bei einigen bereits im
Zusammenhang mit dem Binnenmarkt unterbreiteten Vorschlägen echte Bedenken.
Bestimmungen mit einer hohen
lokalen Zustimmungsrate, die sich zum
Beispiel gegen
unfaire asiatische
Handelspraktiken wenden, zwingen europäische
Hersteller,
europäische
statt amerikanischer Teile zu erwerben. Das ist eine unannehmbare Begleiterscheinung die mit der Gemeinschaft noch erörtert werden muß.

Tatsächlich bestehen Parallelen
zwischen dem Binnenmarkt, wie ihn die
Vereinigten Staaten unter ihren Einzelstaaten haben und dem Binnenmarkt,
den
die
Europäische
Gemeinschaft
schaffen wird.
Ihr Wirtschaftsprogranrai zielt darauf ab, Handelsschranken und die Last der Vorschriften abzubauen und die Mobilität von Arbeitskräften und Ressourcen zu verbessern.
Die Vereinigten
Staaten haben
aufgrund ihrer engen wirtschaftlichen
Verbindungen mit der Europäischen Gemeinschaft und aufgrund der wichtigen
Rolle der Gemeinschaft in der Welt
ein reales Interesse an den in Europa
getroffenen Entscheidungen. Aus diesem Grunde beobachten wir die Verwirklichung des Binnenmarktes sehr
genau.

Bei den Vorschlägen der Europäischen Gemeinschaft bezüglich der Gegenseitigkeit bei den Dienstleistungen beobachten wir die Fortführung
eines Ansatzes, der uns in der Vergangenheit
Probleme
bereitet hat.
Die Europäische Gemeinschaft versucht
ihre einseitige Liberalisierung auszunutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Die vielfach in der Europäischen Gemeinschaft vorgeschlagene
Gegenseitigkeit ist mit den traditionellen Prinzipien für Investitionen
unvereinbar.
Amerikanische
Märkte
stehen europäischen Investoren offen,
und wir erwarten das Gleiche von Europa. Wir werden nicht für Reformen
bezahlen, die im eigenen Interesse
der Europäischen Gemeinschaft unternommen wurden. Wir wollen eine "nationale Behandlung".
Der
Europäischen
Gemeinschaft
scheinen generell zwei Möglichkeiten
zur Verfügung zu stehen, und zum besseren Verständnis wollen wir die eine

�das Faß ohne Boden der Subventionierung und die andere eine Steuerreform
nach dem Vorbild der Vereinigten
Staaten nennen.
Die Möglichkeit der Subventionierung läßt sich mit dem Agrarprogramm
der Gemeinschaft vergleichen, einem
System, in dem jeder den Schutz oder
die Subventionierung von Eigeninteressen akzeptiert. Wenn diese Methode
bei der Gesetzgebung und den Vorschriften des Binnenmarktes - der zumeist vom Agrarhandel unabhängig ist
- greift, sähen wir uns echten Problemen gegenüber.
Aber meiner Ansicht nach wird die
Europäische Gemeinschaft diesen Weg
nicht verfolgen. Ich denke vielmehr,
daß der Binnenmarkt dem Modell der
Steuerreform folgen wird, in dem kaum
Eigeninteressen zulässig sind, weil
andernfalls das Programm zum Scheitern verurteilt wäre.
Länder mit
wettbewerbsfähigen Industrien können
nicht zulassen, daß ein geschlossener
europäischer Markt kranke Unternehmen
anderer Länder schützt.
Wir vertrauen darauf, daß die
Probleme vermieden werden können, und
wir planen die Weiterführung unserer
häufigen und eingehenden Diskussionen
mit der Europäischen Gemeinschaft, um
sicherzustellen, daß unsere allgemeinen und besonderen Anliegen zum Binnenmarkt berücksichtigt werden.

Perspektiven der wirtschaftlichen
Integration
Ich möchte mich jetzt den allgemeineren Aspekten der europäischen
Einheit zuwenden.
Einer jüngst in
Europa durchgeführten und in der
Presse veröffentlichten Umfrage zufolge vertraten nur etwa die Hälfte
der befragten Europäer die Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten eine
stärkere europäische Einheit unterstützen, ein Viertel war der Ansicht,
wir seien dagegen und ein weiteres
Viertel hatte keine Meinung.
Wenn
diese Umfrage repräsentativ ist, ist

unsere Botschaft nicht hinreichend
vermittelt worden.
Die Vereinigten
Staaten haben ein geeintes Europa
länger und enthusiastischer unterstützt als mancher Europäer.
Wir betrachten die Entwicklung
der Europäischen Gemeinschaft als
eine der positivsten Entwicklungen in
der Geschichte der Nachkriegszeit.
Die von uns geäußerte Besorgnis zu
einzelnen politischen Fragen, wie die
Auswirkung der europäischen Agrarzuschüsse, tut unserer Auffassung keinen Abbruch, daß die Entwicklung der
Europäischen Gemeinschaft der Welt
zum Vorteil gereicht.
Der Plan zur Schaffung des Europäischen Binnenmarkts hat große Aufmerksamkeit erregt, aber er ist nur
eins von mehreren miteinander verknüpften Entwicklungen im Rahmen der
europäischen Einheit.
Die mit der
Einheitlichen Europäischen Akte von
1986 bewirkten Veränderungen bei den
Institutionen der Gemeinschaft, die
zunehmende Aktivierung des Mechanismus politischer Zusammenarbeit in Europa und die Belebung der Westeuropäischen Union (WEU) sind wichtige Entwicklungen.
Die Einheitliche Europäische Akte
von 1986 reformiert die Entscheidungsfindung in den Institutionen der
Europäischen Gemeinschaft und legitimiert die außenpolitische Zusammenarbeit in Europa. Aufgrund der Akte
werden Entscheidungen
der Gemeinschaft schneller getroffen und die
Fähigkeit der Europäischen Gemeinschaft
zum entschlossenen Handeln
verbessert. Darüber hinaus ist der
Einfluß des Europäischen Parlaments
auf die Entscheidungsprozesse verbessert worden. Die Einheitliche Europäische Akte verpflichtet die Mitgliedsstaaten darauf, ihre Politik
nach Möglichkeit
zu koordinieren.
Darüber hinaus legt sie fest, daß die
Mitgliedsstaaten ihre Positionen enger an politischen und wirtschaftlichen Aspekten der Sicherheit orientieren muß.

- 5 -

�Mir scheint, daß die miteinander
verknüpften Entwicklungen der europäischen wirtschaftlichen Integration
und die politische Zusammenarbeit in
Europa für die amerikanische Außenpolitik zwei offensichtliche Probleme
aufwerfen: Wie wird sich der Binnenmarkt mit den wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten vereinbaren lassen? Und wird die europäische Zusammenarbeit in der Außenpolitik zu einer besser abgestimmten
oder
divergierenderen
europäischen
und amerikanischen Politik führen?
Die Antwort auf die erste Frage
lautet, daß die Vereinigten Staaten
von einer starken europäischen Wirtschaft profitieren. Solange der Europäische Binnenmarkt offen ist, sind
Maßnahmen zum Ausbau der europäischen
Wirtschaft gut für die Vereinigten
Staaten.
Eine gesunde europäische
Wirtschaft bedeutet einen größeren
Markt für amerikanische Waren, Verbündete, die zahlungskräftiger für
die Verteidigung des Westens sind und
auf der ganzen Welt höheren wirtschaftlichen Wohlstand. Wir fürchten
keinen rigorosen Wettbewerb in der
Wirtschaft - wir begrüßen ihn, solange er fair ist. Ein sekundärer, aber
sehr wichtiger Nebeneffekt ist die
Tatsache, daß ein europäisches Beispiel des Vorteils freierer Märkte
zusätzlichen Vorbildcharakter für andere Länder erlangen könnte, insbesondere für diejenigen im anderen
Teil Europas, die im Hinblick auf ihre Wirtschaft Grundsatzentscheidungen
treffen müssen.
Die Ansichten der Länder Westeuropas zu Fragen der Außenpolitik
stimmen mit unserer Meinung überein.
Einzelne EG-Länder, die meinungsmäßig
eine Minderheit darstellen, können
wahrscheinlich von der Mehrheit zu
einer gemäßigteren Haltung bewogen
werden. Angesichts unserer gemeinsamen Auffassung über Grundwerte mache
ich mir keine Sorgen darüber, daß die
Europäische Gemeinschaft aus unserem
traditionell kooperativen Verhältnis
ausbricht. Angesichts der Tatsache,
daß die Europäische Gemeinschaft als

Vertreter einer gemeinsamen Meinung
mehr Einfluß hat als jeder Staat einzeln, wird die europäische Kooperation wahrscheinlich auch zu einer
verbesserten Einflußnahme des Westens
auf die Welt führen - eine Entwicklung die wir sehr begrüßen würden.

Die Europäische Gemeinschaft und die
NATO
Das verbleibende Problem betrifft
das Beziehungsgeflecht zwischen der
politischen Koordinierung der Europäischen Gemeinschaft und der NATO.
Die NATO ist eine effektive und unerläßliche Institution. Sie bietet den
Stützpfeiler der Sicherheit des Westens und ist heute stärker und enger
verbündet als jemals zuvor. Ferner
sind alle außer einem der 12 EG-Länder Mitglied der NATO, aber dies ist
kein Grund für eine Verwischung politischer Anliegen
zwischen Europäischer Gemeinschaft und NATO - wir
und auch die Europäer erkennen dies.
Die Einheitliche
Europäische Akte
weist ausdrücklich darauf hin, daß
kein Punkt in den EG-Vereinbarungen
eine engere Zusammenarbeit im Bereich
der Sicherheitspolitik innerhalb des
Atlantischen
Bündnisses
behindern
wird.
Die
amerikanisch-europäische
Freundschaft soll nicht nur ein positives Gefühl schaffen. Unsere Aufgaben in der Weltwirtschaft und unsere
Ressourcen weisen uns eine große gemeinsame Verantwortung bei der Behandlung weltpolitischer Probleme zu:
Menschenrechte,
die
Schulden
der
Dritten Welt und deren Entwicklung,
die weltweite Umweltproblematik und
politische Entwicklungen in der Sowjetunion und
Osteuropa.
Augrund
dessen müssen wir weiterhin unsere
bilateralen
Spannungen
im
Handel
überwinden
und
kurzsichtige
oder
fehlgeleitete
politische
Maßnahmen
vermeiden.
Dazu wird harte Arbeit
und ein intensiver Dialog zwischen
den Vereinigten Staten und Europa erforderlich sein.

�Reife
Ich möchte zum Schluß noch eine
besondere Eigenschaft des amerikanisch-europäischen Verhältnisses hervorheben - die "Reife". Kritiker der
amerikanischen
Außenpolitik
haben
darauf verwiesen, die Vereinigten
Staaten weigerten sich, ihre Verbündeten der Nachkriegszeit wie Partner
und nicht wie Grünschnäbel zu behandeln. Meiner Ansicht nach entbehrt
diese Kritik jeder Grundlage.
- Sie ingnoriert insbesondere die
anhaltende Absicht der amerikanischen Nachkriegspolitik - starke und reife Partner zu schaffen,
die den Herausforderungen aus dem
Osten besser begegnen können.

Wir können unseren Spitzenpolitikern zu beiden Seiten des Atlantiks
dankbar sein, daß sie den Mut hatten,
eine weitsichtige und zukunftsträchtige Politik zu wählen, von der wir
nunmehr profitieren. Wenn wir ihrem
Beispiel folgen, werden politische
Entscheidungsträger in Zukunft auf
eine starke amerikanisch-europäische
Partnerschaft aufbauen können.
Wir
müssen sowohl in Europa wie auch in
den Vereinigten Staaten klarstellen,
daß zwischen der Verteidigung unserer
Interessen und der Unterstützung eines europäischen Binnenmarktes heute
und dem Ziel der europäischen Einheit
morgen kein Widerspruch besteht.

- Sie verwechselt Führungskraft mit
Dominanz.
- Eine reife Partnerschaft mit Europa bedeutet nicht, daß die Vereinigten Staaten bei der Förderung ihrer eigenen Interessen Zurückhaltung walten lassen sollten. Das werden wir auch nicht
tun.

- 7 -

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AMERIKA DIENST
Dokumentation
29. März 1989

13
MARESCA:

FORTSCHRITTE IN DER ERSTEN VSBM-RUNDE

- Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen, Botschafter John Maresca,
erklärte in einer Pressekonferenz am 22. März 1989, es gebe "zahlreiche Gemeinsamkeiten" bei den Vorschlägen des Westens und des Ostblocks in der ersten
Verhandlungsrunde, die an diesem Tage zuende ging.
Maresca erklärte, einige Delegationen des Ostblocks hätten "recht positive
Reaktionen" auf die westliche Forderung nach einem offiziellen Seminar gezeigt, "im Rahmen dessen offizielle Vertreter militärischer Institutionen in
den Teilnehmerstaaten in der Lage sein werden, sich gegenseitig zu befragen,
ihre Anliegen zur Sprache zu bringen, ihre Sicherheitspolitik zu beschreiben"
und ihr Einsatzkonzept für Europa zur Diskussion zu stellen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Wie Sie wissen, werden die Verhandlungen jetzt unterbrochen.
Wir
werden nach Washington zurückkehren,
um die uns unterbreiteten Vorschläge
und ihre Kompatibilität mit unseren
Vorschlägen zu prüfen.
Wir werden
wie immer eine Bilanz unserer Vorschläge ziehen, um festzustellen, ob
Anpassungen erforderlich sind und zu
Beginn der nächsten Runde mit einigen
neuen Denkanzsätzen aufwarten.
Ich
denke, daß wir uns zu Beginn der
nächsten Runde vor allem auf die
Bildung von Arbeitsgruppen konzentrieren werden, um ernsthaftere Diskussion über substantiell.' Einzelheiten führen zu können. In diesem Zusammenhang wird uns bald eine inhaltlich ausgearbeitete Version eines jeden unserer Vorschläge vorliegen, die
- wie sie anhand unseres Konzepts se-

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hen - jetzt erst in Rohform zu Papier
gebracht worden sind. Ich denke also, daß hier zu Beginn der nächsten
Runde einiges besser zusammenpassen
wird - die Bildung von Arbeitsgruppen
und voll ausgearbeitete, detaillierte
Versionen der Vorschläge, die wir im
Konzept bereits vorgelegt haben.
Nur als Kommentar zu unserer gegenwärtigen Position: meiner Ansicht
nach haben diese Verhandlungen einen
guten Anfang genommen.
Uns liegen
natürlich die beiden Vorschläge vor.
Heute wurde ein dritter - ein Beitrag
Rumäniens - unterbreitet.
Es sind
also auf Anhieb einige substantielle
Vorschläge von beiden Seiten vorgelegt worden. Man kann es fast schon
einen Rekord nennen, daß nunmehr fünf
Vorschläge aus dem Westen und aus dem

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�Ostblock in zwei Verhandlungen in
derselben Stadt zu Beginn dieser beiden Verhandlungen unterbreitet wurden. Ich habe nie zuvor gehört, daß
so etwas in den RUstungskontrollverhandlungen zwischen Ost und West
schon einmal vorgekommen ist. Meiner
Ansicht nach ist das eine gute Sache,
und ich denke, es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den von Ost
und
West
vorgelegten
Entürfen.
Gleichzeitig möchte ich nicht allzu
optimistisch sein, weil auch noch
Meinungsverschiedenheiten
bestehen
und die Haltung beider Seiten nicht
ganz übereinstimmt. Ich werde das,
wenn Sie gestatten, später etwas eingehender erläutern.
Meiner Meinung nach gibt es im
Hinblick auf Fortschritte einen frühen positiven Hinweis, die sehr interessante Übereinstimmung von Ideen
bei dem, was wir in unserem Entwurf,
ein "Seminar über Doktrinen" genannt
haben. Erst heute haben eine Reihe
von Delegationen des Ostblocks sich
in dieser Hinsicht positiv geäußert,
und ich denke, Sie dürfen auf die
baldige Übereinstimmung von Ideen im
Rahmen dieses Seminars hoffen wie
auch auf dessen baldige Durchführung.
Lassen Sie mich hier eine Pause machen und auf Ihre Fragen eingehen,
und wenn ich Ihrer Ansicht nach auf
einige Dinge näher eingehen sollte,
werde ich das gerne tun.
Frage:
Wie stehen Sie zu dem
Konzept der Einbeziehung von Seestreitkräften bei den VSBM-Verhandlungen?
Antwort:
Es gibt ein Problem
im
Zusammenhang
mit
VSBM:
der
Warschauer Pakt hat die Einbeziehung
unabhängiger Luft- und Seestreitkräfte in diese Verhandlungen gefordert.
Unserer Ansicht nach geht dies technisch über das Mandat von Madrid hinaus.
Das Mandat von Madrid sieht
vor, daß diese Verhandlungen sich auf
die zentrale Konfrontation zwischen
Ost und West auf dem europäischen
Kontinent und damit vor allem auf die
Landstreitkräfte konzentrieren.
Die

Sprachregelung des Mandats von Madrid
umfaßt die Möglichkeit der Einbeziehung von Streitkräften, die Operationen zu Land durchführen, und aus diesem Grunde haben wir in die Schlußakte von Helsinki zum Beispiel Bestimmungen über amphibische Streitkräfte
aufgenommen.
Unserer Ansicht nach
ist die wesentliche Konfrontation
zwischen Ost und West eine Konfrontation zu Land in Europa, und diese
Verhandlungen sollten sich daher auf
diese zentrale Konfrontation und die
sich möglicherweise ergebenden Konflikte konzentrieren.
Dies sollte
den Kernpunkt der Verhandlungen bilden. Darüber hinaus habe ich öffentlich darauf hingewiesen, daß einige
dieser vom Warschauer Pakt vorgelegten Vorschläge ihren Auswirkungen zufolge nicht ausgewogen sind. Ich habe sie als "vorteilbildende" Maßnahmen bezeichnet. Dasselbe gilt auch
hier und insbesondere für Maßnahmen
bei den Seestreitkräften. Wir sind
in höchstem Maße von unserer Fähigkeit zur überquerung des Atlantiks
abhängig, um die Verteidigung des
Westens in Europa zu stärken. Das
ist ein sehr entscheidender Punkt für
die Verteidigung des Westens.
Aus
diesem Grunde sind wir der Ansicht,
daß die Aufnahme von Diskussionen
über vertrauensbildende Maßnahmen bei
den Seestreitkräften unausgewogene,
negative Auswirkungen auf die Fähigkeit des Westens zur Verteidigung Europas haben würde.
Meiner Meinung
nach können wir hier keine Übereinkunft über vertrauensbildende Maßnahmen erzielen, die Ungleichheit hervorbringen könnten. Das trifft auch
auf andere Bereiche zu. Durch einige
Vorschläge des Warschauer Pakts zieht
sich ein roter Faden - das Konzept
von Zonen jeweiliger militärischer
Aktivitäten, das Konzept von Beschränkungen, die im wesentlichen bei
Manövern vorgenommen werden.
Auch
das wäre zum Nachteil des Westens.
Aus diesem Grunde können wir das
nicht akzeptieren.
Frage: Noch eine Frage zu demselben Thema - Botschafter Konarski
(der Leiter der polnischen Delega-

^
'

i
*

�tion) hat heute erklärt, daß umfangreiche NATO-Manöver als Bedrohung der
Sicherheit empfunden werden, da diese
Truppen einsatzbereit sind und ein
Angriffspotential darstellen. Theoretisch stellen sie also eine Bedrohung
für die Sicherheit dar. Gibt es für
den Westen eine Möglichkeit, auf diese Sorgen einzugehen?

würden, dies
gleichen.

durch

Übungen

auszu-

Antwort:
Wir haben einen Vorschlag, den Sie bitte unserem Entwurf
entnehmen wollen und der auf das von
Ihnen Vorgetragene abzielt. In der
Schlußakte von Helsinki sollte eine
Reduzierung bei Großmanövern - bei
denen eine lange Vorwarnzeit erforderlich ist - von 75 000 auf 50 000
vorgenommen werden. Unserer Ansicht
nach könnte dies der Besorgnis abhelfen. Lassen Sie mich jedoch das eigentlich Problem
ansprechen.
Der
Warschauer Pakt hat einen erheblichen
zahlenmäßigen Vorteil bei Streitkräften, Panzern und allem anderen auch.
Diesen Vorteil wird er auch dann behalten, wenn die von Gorbatschow angekündigten einseitigen Reduzierungen
vorgenommen worden sind. Auch wenn
das Verhältnis sich bei den wichtigsten Arten von schwerer Ausrüstung in
Europa auf zwei zu eins verändert
hat. Wir müssen Möglichkeiten finden, um diesen ungeheuren Nachteil
des Westens auszugleichen. Eine der
uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sind die Manöver. Solange also dieses Ungleichgewicht und diese
Asymmetrie - um sich der Sprache der
Rüstungskontrolle zu bedienen - besteht, benötigen wir unsere Fähigkeit, in vielfacher Weise Übungen
durchzuführen. Deshalb erklären wir,
daß Beschränkungen auf diese Arten
von Manövern nur im Rahmen von Reduzierungen auf gleiche Streitkräfteniveaus in Europa vorgenommen werden
können. Wenn wir das Ziel gleicher
Streitkräfteniveaus erreichen, kann
meiner Ansicht nach diese Art der
Einschränkung erwogen werden.
Aber
solange wir uns in der Situation dieser Art von erheblichem zahlenmäßigem
Nachteil befinden, begingen wir eine
große Dummheit, wenn wir Einschränkungen unserer Fähigkeit zustimmen

Antwort:
Zunächst
halte
ich
unseren Vorschlag nicht für bescheiden. Wir haben einen sehr dynamischen
Informationsaustausch
vorgeschlagen, der mit einem völlig neuen
System der Bewertung vor Ort einhergehen soll. Dies wäre ein wichtiger
Schritt nach vorn im Hinblick auf gegenseitiges Verständnis und die Fähigkeit, Vertrauen über die Aktionen
der anderen Seite in Europa zu haben.
Das ist kein bescheidener Vorschlag.
Tatsächlich deckt er Tausende von
normalen
Streitkräftestandorten
in
normalen Friedenszeiten ab. Er ist
in der Tat so unbescheiden, daß die
Warschauer-Pakt-Staaten ihn zurückwiesen, als wir etwas Ähnliches zuerst in Stockholm vorschlugen.

Frage: Der Warschauer Pakt hat
den vom Westen bei diesen Verhandlungen unterbreiteten Vorschlag bescheiden genannt und sogar innerhalb der
NATO wurde Enttäuschung laut. Welche
Meinung haben Sie dazu?

Wir haben dieses Konzept seitdem
stark weiterentwickelt und es noch
flexibler gestaltet, um Veränderungen
einzubeziehen, die noch in diesem
Jahr stattfinden werden und auch auf
neue Entwicklungen von Waffen eingehen werden. Das ist etwas, das in
Europa noch nicht behandelt worden
ist, aber unser Problem besteht darin, daß die Warschauer-Pakt-Staaten
neue Waffensysteme in der Regel heimlich stationieren. Wir erhalten also
davon erst Kenntnis nach ihrer Dislozierung. Das ist zum Beispiel bei
der SS-20 geschehen. Diese Art der
Entwicklung kann die Stabilität und
das Gleichgewicht in Europa gefährden
und aus diesem Grunde hat unserer Ansicht nach jedes Land in Europa das
Recht zu wissen, wann andere Länder
solche wichtigen neuen Waffensysteme
stationieren.
Dieser Vorschlag ist
also keineswegs bescheiden. Darüber
hinaus sieht er Besuche von Inspektoren vor - die wir aus verschiedenen
Gründen lieber Bewerter nennen - die

- 3 -

�an Ort und Stelle Waffensysteme zählen werden.
Dazu werden sie das
Recht haben, an Ort und Stelle die
Anzahl zun Beispiel dort stationierter Panzer und Artillerie zu zählen.
Das ist keine Kleinigkeit. Ich denke, es stößt an die Grenzen des gegenwärtig zwischen Ost und West in
Europa machbaren. Aber es ist ganz
sicher nicht bescheiden.
Frage:
Haben
Sie in dieser
letzten Runde bereits Meinungsverschiedenheiten
zwischen
NATO
und
Warschauer Pakt entdeckt?
Antwort:
Die Diskussion dazu
ist aufgenommen worden. Ich möchte
in diesem Zusammenhang erwähnen, daß
unser Verhandlungsort eher überwältigend ist und keineswegs zu saloppen
Bemerkungen herausfordert.
Das ist
einer der Gründe, warum wir uns so
schnell wie möglich in Arbeitsgruppen
aufteilen wollen:
die Atmosphäre
soll etwas weniger formell werden und
wir könnten einen echten Austausch
erzielen.
Aber es gab Fragen von
beiden Seiten und, wie Sie sich vorstellen können, vornehmlich über diese Bereiche, auf die wir auch bereits
hingewiesen haben, wo Unterschiede
zwischen beiden Vorschlägen bestehen.
Gleichzeitig gab es positive Übereinstimmung zwischen den Delegationen
des Westens und des Ostblocks im Hinblick auf den Vorschlag für ein "Seminar über Doktrinen". Sie ist durch
informelle Kontakte entstanden, die
sich nebenbei ergeben haben und im
Rahmen derer wir unsere Position darlegen konnten. Andere haben uns dazu
befragt, und meiner Ansicht nach gibt
es genug Übereinstimmungen, aufgrund
derer wir uns bald einigen könnten,
wie ich auch bereits erklärt habe.
Es sind also auf beiden Seiten Fragen
gestellt und Erklärungen abgegeben
worden, so daß zumindest bei einem
unserer
Vorschläge
Übereinstimmung
besteht.
Frage:
(Der polnische Delegationsleiter) Konarski hat erklärt,
das Seminar über Militärdoktrinen
werde auf Regierungsebene durchge-

führt.
Sprechen Sie darüber oder
über den Vorschlag Polens und der
Bundesrepublik (einer zweiten inoffiziellen Konferenz)?
Antwort:
Vielen Dank, daß Sie
mich zu dieser Klarstellung veranlassen. Die Idee aus Polen und der Bundesrepublik im Hinblick auf ein Seminar ist ein ganz anderes Thema. Dazu
möchte ich nicht Stellung nehmen.
Das ist eine von ihnen geförderte
Initiative, die meines Wissens von
einer privaten Institution mit privaten Fachleuten
durchgeführt wird.
Wir sprechen hier über den von uns in
unserem Entwurf unterbreiteten Vorschlag für eine offizielle Zusammenkunft, im Rahmen derer offizielle
Vertreter militärischer Institutionen
in den Teilnehmerstaaten in der Lage
sein werden, sich gegenseitig zu befragen, ihre Anliegen zur Sprache zu
bringen, ihre Sicherheitspolitik zu
beschreiben und ihr Einsatzkonzept
für Europa zur Diskussion zu stellen
sowie die damit in Zusammenhang stehenden Themen - wie etwa das Einsatzkonzept in Europa - zu erläutern.
Sie sollten sich ebenso gegenseitig
Fragen stellen und darauf eine Antwort mit offiziellem Charakter erhalten können. So lauten unsere Vorschläge, und wir denken, dafür ist es
jetzt in Europa an der Zeit. Darauf
beziehe ich mich.
Frage: Wann würde dieses Seminar stattfinden?
Antwort: Das wissen wir nicht.
Es hängt davon ab, wann wir eine
Übereinkunft erzielen können. Unsere
Idee ist, daß es noch im Rahmen dieser Verhandlungsrunde stattfindet, so
daß wir davon profitieren könnten.
Es könnten sich Ideen oder Fragen ergeben, die auch für uns in unseren
Verhandlungen nützlich sein könnten.
Wir wünschen uns, daß es zu irgendeinem Zeitpunkt der laufenden Verhandlungen noch stattfinden kann, damit wir daraus für unsere zukünftige
Arbeit Nutzen ziehen können.
Frage:

Aber wäre das bald?

�Antwort:
Praktisch
betrachtet
erfordert dies einen bestimmten Umfang an geduldiger Arbeit, um dabei
Übereinkünfte - auch bescheidene - zu
erzielen. Bald? Ich denke, es könnte bald sein. Wenn Sie es noch eher
wünschen, so denke ich, daß es seinem
Charakter nach so kompliziert ist,
daß es schwierig sein wird, es eher
zu organisieren, aber ich halte es im
Laufe dieser Verhandlungen noch für
möglich.
Frage:
Ich habe zwei Fragen.
Verstehe ich Sie richtig, daß der
deutsch-polnische Vorschlag eine Konferenz außerhalb der VSBM-Verhandlungen vorsieht? Die zweite Frage betrifft das System stichprobenartiger
Beurteilungen: Welche Art von Besuchen möchten Sie durchführen, und ist
dies nicht ein Vorschlag, dessen Ablehnung Sie von vornherein einkalkuliert haben, um damit die Konferenz
zum Scheitern zu bringen?
Antwort:
Zunächst zum deutschpolnischen Seminar. Das ist ein Vorschlag dieser beiden Länder. Ich bin
dafür
nicht
verantwortlich.
Sie
sollten Ihren Fragen an sie richten,
und meines Wissens wird Botschafter
Joetze in Kürze hier erscheinen. Ich
schlage also vor, daß Sie ihn fragen.
Ich habe damit wirklich nichts zu tun.
Im Hinblick auf das von mir vorgeschlagene Stichproben-System: Meines Erachtens sind die realistischen
Begrenzungen hier von der Praxis vorgegeben. An unserer Konferenz nehmen
große und kleine Länder teil. Eine
der Schwierigkeiten besteht darin,
eine gemeinsame Grundlage für ein Abkommen zu finden, das für alle hier
vertretenen Staaten unterschiedlicher
Größe akzeptabel ist. Dies ist nur
einer der vielen Aspekte, mit denen
wir es hier zu tun haben. Im Hinblick auf das Stichproben-System bedeutet das, daß die Anzahl der zulässigen Besuche wahrscheinlich nicht
sehr hoch sein wird. Sagen wir, wir
hätten das Recht auf fünf Besuche pro
Jahr. Wenn Sie das mit der Zahl von
- 5

35 Staaten multiplizieren, kommen Sie
wirklich auf eine Menge von Besuchen.
Das bedeutet für die Länder finanzielle, bürokratische und sonstige
Belastungen. Man sollte diese Dinge
also realistisch
betrachten.
Wir
werden mit allen hier vertretenen
Länder darüber sprechen müssen, was
sie realistischerweise leisten können.
Ihre letzte Bemerkung überrascht mich. Wir unterbreiten hier
keine Vorschläge, um die Konferenz
zum Scheitern zu bringen. Wir haben
uns in den vergangenen zwei Jahren
vielmehr sorgfältig mit unseren Verbündeten beraten und versucht, Vorschläge auszusondern, die entweder
nicht zu verwirklichen, unpraktikabel
oder für eine der Seiten inakzeptabel
sind, um uns auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich realisierbar sind.
Diese Dinge lassen sich erreichen,
die Zeit ist reif, um sie zu erreichen, und deshalb haben wir sie vorgeschlagen. Aus keinem anderen Grund.
Frage:
Ein System stichprobenartiger Beurteilungen beinhaltet die
Verifizierung statischer Informationen.
Aus welchem Grund bezeichnen
Sie dies als Verifizierungssystem,
wenn es dem Stockholmer Abkommen zufolge bereits mehrere institutionalisierte Inspektionssysteme gibt? Erwarten Sie Widerstand von selten der
neutralen und blockfreien Staaten gegen das Stichproben-System?
Antwort:
Sie vergleichen zurecht dieses Beurteilungssystem mit
den Stockholmer Regelungen.
Lassen
Sie mich zunächst auf die Frage der
Verifizierung eingehen. Unseres Erachtens ist Verifizierung ein sehr
wichtiger Begriff. Wir möchten diesen Begriff nicht durch Maßnahmen
entwerten, die wir nicht als Verifizierung im umfassenden Sinn verstehen. Der von uns vorgeschlagene Informationsaustausch wird wahrscheinlich Tausende von Orten in Friedenszeiten umfassen. Wir gehen nicht davon aus, daß es physisch möglich sein
wird, diese Art von Informationsaustausch vollständig zu verifizieren.
Es gibt einfach zuviel Material - zu-

�viele Orte, Panzer etc. Es wäre physisch enorm schwierig, wenn nicht unmöglich. Um die Bedeutung der Verifizierung nicht zu verwässern, haben
wir uns absichtlich entschlossen, in
diesem Fall eine andere Terminologie
zu verwenden. Deshalb haben wir den
Begriff "Bewertung" gewählt, einen
neuen Begriff, ein neues Konzept. Es
ist nicht dasselbe wie Verifizierung.
Wir gehen davon aus, daß uns Bewertungsbesuche dieser Art mit der Zeit
ein gewisses Maß an Vertrauen geben
könnten, daß die gelieferten Informationen korrekt waren - mit der Zeit
und nach Jahren. Das ist die Art der
von uns angestrebten Regelung, die
"mit den Jahren" Auswirkungen haben
wird.
Es ist also der Mühe wert,
aber es ist keine vollständige Verifizierung.
Der Vergleich mit dem Stockholmer
Abkommen ist etwas anderes, und ich
hoffe, dies so erklären zu können,
daß es jedem einleuchtet. Die in den
Stockholmer Vereinbarungen vorgesehenen Inspektionen sind so beschaffen,
daß sie durch verdächtige militärische Aktivitäten provoziert werden,
militärische Aktivitäten, die Besorgnis auslösen.
Man sieht sie oder
hört davon auf irgendeine Weise und
dann bittet man um einen Besuch und
eine Inspektion, um zu prüfen, was
dort vorgeht.
Dann hat man das
Recht, innerhalb
einer bestimmten
Frist dorthin zu reisen und nachzusehen. Das ist In der Tat auf recht
konstruktive Weise geschehen.
Der
zugrundeliegende Gedanke ist auf diesen Verdachtsfall angelegt.
In unserem Fall sprechen wir jedoch über etwas ganz anderes. Diese
Inspektionen werden nicht durch irgendein Ereignis provoziert. Es sind
schlicht
Routine-Inspektionen,
bei
denen Leute einreisen und Truppen in
ihren Friedensstellungen zählen. Sie
werden sicherlich verstehen, daß eine
Aktivität, die Besorgnis auslösen
könnte, per definitionem außerhalb
der friedensmäßigen Stellungen der
Einheit
stattfinden
würde.
Das
heißt, die Truppen befinden sich ir-

gendwo außerhalb und führen irgendeine Aktivität durch, die Ihre Besorgnis erweckt. Sie schlafen nicht
in ihren Betten. Hingegen würden unsere Bewerter hingehen und Leute zählen, die in ihren Betten schlafen, in
ihren Panzern, in ihren Parks, während die Artillerie stillgelegt und
in Reih und Glied geparkt ist. Es
besteht also ein Unterschied zwischen
den beiden. Meines Erachtens brauchen die Neutralen keine Probleme damit zu haben. Es ist nicht beabsichtigt, die frühere Idee auszuwalzen.
Es ist im Gegenteil eine ganz andere
Vorgehensweise - eine andere Idee.
Frage:
Ist
dieser
Vorschlag
nicht ein anderer Name für ein amerikanisches Konzept, daß von Ihrer Seite in Stockholm vorgeschlagen wurde?
Und zweitens, unterstützen die Vereinigten Staaten den östlichen Vorschlag für ein Zentrum zur Risikoverringerung?
Antwort:
Wie ich bereits sagte, hatten wir in Stockholm ein Konzept für den Informationsaustausch,
der damals vorgelegt und von den östlichen
Teilnehmerstaaten
abgelehnt
wurde. Dies ist eine weitere Entwicklung in dieser Frage. Sie geht
aber aufgrund der seither hinzugefügten dynamischen Elemente darüber hinaus. Meines Erachtens ist sie also
daraus erwachsen.
Im Hinblick auf das Zentrum zur
Risikoverringerung bestehen zahlreiche Ideen in bezug auf Instrumente
zur Risikoverminderung. Zum Beispiel
haben einige von einem bestimmten Ort
- einem Gebäude - gesprochen, der mit
Abgesandten der verschiedenen Länder
besetzt sein sollte. Ich persönlich
denke, daß dies ernste Probleme aufwirft. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, stellen sich hier meines Erachtens schwierige Probleme. Es gibt
andere Vorschläge, etwa "Heiße Drähte", "Netzwerke" etc., die nicht an
einen geographischen Ort oder ein Gebäude gebunden sind. Wir werden diese anhören müssen und untersuchen,
wie sie zu realisieren wären, bevor

�wir wirklich feststellen, wo die Probleme liegen. Meines Erachtens muß
man in diesem Bereich äußerst sorgfältig vorgehen, damit man nicht
"verwirrungsbildende" Maßnahmen einführt. Wir müssen dies auch hier untersuchen.
Viele davon sind praktische Erwägungen, aber man sollte
sie diskutieren und die Meinung der
Leute hören.
Frage:
Sie haben gesagt, es
sei ein guter Anfang gemacht worden,
aber Sie haben ebenfalls erklärt, Sie
seien nicht allzu optimistisch. Können Sie uns den Grund dafür nennen?
Antwort:
Man kann in gewissem
Maß optimistisch sein, aber ich würde
nicht zu optimistisch sein.
Die
Gründe dafür sind ganz normal. Wir
haben ein gewisses Maß an Erfahrung
in diesem Bereich, und diese Erfahrungen waren nicht immer sehr vielversprechend.
Das ist ein Faktor.
Man sollte meines Erachtens realistisch in bezug auf das sein, auf was
sich Ost und West verständigen können. Die Probleme zwischen Ost und
West haben sich nicht durch Glasnost
und Perestrojka in Wohlgefallen aufgelöst. Sie bestehen weiterhin. Wir
müssen sie realistisch bewältigen.
Die sowjetische Produktion militärischer Güter hat sich nicht verändert. Wir stellen fest, daß immer
noch die gleiche Zahl von Panzern das
Fließband verläßt wie früher; die
Ausrichtung ihrer Streitkräfte ist
immer noch so, wie sie schon immer
war - wir haben dies immer so interpretiert, daß sie auf der Möglichkeit
beruht, eine Offensive in Europa zu
führen. All dies ist immer noch Realität, trotz aller Reden.
Meines Erachtens besteht einer
der Gründe für unseren Wunsch, ein
Seminar über Militärdoktrinen zu veranstalten, gerade darin, festzustellen, was die Sowjets meinen, wenn sie
sagen, sie wollten von der offensiven
zur defensiven Orientierung übergehen. Wir möchten ferner feststellen,
wie sich dies in der Praxis auf die
Ausrichtung ihrer Streitkräfte und

die Auswahl der von ihnen in Europa
stationierten Waffensysteme auswirkt.
All dies muß ausdiskutiert werden.
Die Realität der militärischen Konfrontation zwischen Ost und West in
Europa hat sich nicht verändert, und
man muß deshalb bei der Erörterung
dieser Dinge Vorsicht walten lassen.
Frage:
Noch einmal zum Vorschlag von Gesprächen über die Doktrin.
Ist dies ein amerikanischer
oder ein NATO-Vorschlag, und wann
wurde er gefaßt?
Antwort:
In diesen speziellen
Verhandlungen sprechen wir nicht von
NATO-Vorschlagen, denn weder die NATO
noch der Warschauer Pakt sind hier
Verhandlungspartner.
Wir alle sind
souveräne Staaten. Wir sind Freunde
und enge Verbündete bestimmter Länder, aber wir sitzen hier nicht als
NATO am Verhandlungstisch. Die NATO
hat einen solchen Vorschlag nicht beschlossen, aber 16 Länder haben dies
getan, und eines davon waren wir. Er
wurde am ersten Verhandlungstag vorgelegt, und wenn Sie ihn sich genau
ansehen, so betrifft sein letzter
Teil den Gedanken eines Seminars. Er
ist nicht als eine der von uns vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen numeriert, weil wir nicht davon ausgehen, daß es genau das gleiche ist wie eine vertrauensbildende
Maßnahme, unserer Ansicht nach eine
konkrete Maßnahme mit militärischer
Bedeutung. Dies ist eine Art Experiment.
Unseres Erachtens sollte es
eine einmalige Veranstaltung sein, um
festzustellen, was dabei herauskommt.
Wir meinen, daß möglicherweise nützliche Ergebnisse dabei erzielt werden
könnten.
Dies liegt in der Natur
eines Experiments. Das ist der Vorschlag, über den ich spreche, und wir
haben ihn zusammen mit 15 anderen
Staaten eingebracht, die Mitglieder
der NATO sind.
Frage:
Sie haben vier Vorschläge genannt. Welche sind das?
Antwort:
Es sind drei Papiere
vorgelegt worden. Es sind wv-1, 2

- 7-

�und 3. Wv 3 erhielten wir erst heute
morgen. Es ist ein rumänischer Vorschlag.
Frage: Ist dies, wie viele rumänische Vorschläge, nur ein Abklatsch früherer Vorschläge?
Antwort: Ich war noch nicht in
der Lage, ihn zu studieren, ich kann
Ihre Frage also noch nicht beantworten. Ich haben ihn heute zum ersten
Mal gesehen. Es gibt einige Gedanken, die den in wv-2 ähnlich sind,
das grundsätzlich ein Papier des
Warschauer Pakts ist, obwohl es nicht
von allen Pakt-Staaten eingebracht
wurde. Zum Beispiel sind darin Zonen
enthalten. Der Vorschlag beinhaltet
noch einige andere gemeinsame Elemente, aber sie unterschieden sich doch
etwas.
Frage:
Wie steht es mit
Einfrieren der Militärhaushalte?

unser Muster hier stark daran angelehnt sein wird. Wir haben ein grosses Wort im KSZE-Prozeß - mutatis
mutandis -, was bedeutet, daß man die
Dinge den gegenwärtigen Umständen anpassen kann. Sie werden wahrscheinlich ein wenig angepaßt werden müssen, weil einige der in Stockholm besprochenen Themen nicht mehr Verhandlungsgegenstand sind, während einige
neue Ideen hinzugekommen sind.
Es
wird im wesentlichen um eine Anpassung dieses Musters gehen.
Wahrscheinlich werden sie keine Namen erhalten, weil ein Name einer Arbeitsgruppe besondere Bedeutung und ein
definiertes Mandat verleihen würde.
Damit würde es schwierig, unterschiedliche Vorschläge dort einzubringen.

|
'

dem
* * * * *

Antwort: Ja, auch das ist darin enthalten. Es sind eine Menge
von einzelnen Elementen darin enthalten.
Frage:
Sie haben etwas über
positive Reaktionen des Ostens gesagt
- könnten Sie dies näher erläutern?
Antwort:
Ich
habe mich auf
zwei Erklärungen bezogen, die abgegeben wurden, bevor ich das Treffen
verließ, um hierher zu kommen. Sie
enthielten grundsätzlich positive Reaktionen auf unseren Vorschlag eines
Seminars über Doktrinen. Meines Erachtens gab es einige Übereinstimmung
bei unseren Ideen zu dieser Frage.
Deshalb habe ich vorhin erklärt, daß
wir dazu möglicherweise schon relativ
bald eine Übereinkunft erzielen können - besonders über dieses Seminar.
Frage: Wie werden die Arbeitsgruppen aussehen?
Antwort:
Wir haben ein Grundmuster für diese Arbeitsgruppen, das
von den Stockholmer Verhandlungen
überliefert ist. Ich nehme an, daß

I

�v\x

nCh

*H&gt;.

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

29. März 1989

13

ENTSCHEIDENDE PHASE IM KAMPF GEGEN RAUSCHGIFT
- Präsident Bush und Antl-Drogen-Beauftragter Bennett fordern
Sofortmaßnahmen -

WASHINGTON - (AD) - "Drogenmißbrauch geht mich nichts an" - mit einer solchen Einstellung könne sich niemand mehr der Verantwortung entziehen, die jeder einzelne Bürger im Kampf gegen Rauschgift trage. Ohne Umschweife ging
Präsident George Bush bei Vorträgen in verschiedenen Städten u.a. der Bundesstaaten Pennsylvanien und Delaware vor Schülern, Polizeibeamten, Vertretern
von Strafverfolgungsbehörden, Bürgerinitiativen und Mitarbeitern an Programmen
zur Drogenbekämpfung auf die vordringlichsten Probleme ein.

Die stark gestiegene Produktion
von Opium, Kokain und Cannabisdrogen
im Ausland, von Amphetamin, Crack und
Cannabisdrogen auch im Inland signalisiert höchste Gefahr. Rauschgift
und Rauschgiftmißbrauch
seien "in
Amerika die Geißel des 20. Jahrhunderts",
erklärte
der
Präsident.
"Auch die sogenannten Gelegeuueitskonsumenten von Kokain und anderen
Drogen verüben Mord, Raub und anderen
Gewalttaten
im
Zusammenhang
mit
Rauschgifthandel.
Und der 'PartyKonsum' fö:dert und beschönigt nur eile Drogenkultur - also Verbrechen,
Tod, sozialen Abstieg und Verlust der
Menschenwürde."
Erster Schwerpunkt für Gegenmaßnahmen soll nach den Vorstellungen
des Anti-Drogen-Beauftragten William

United States Information Service
Embassy of the United States of America

J.
Bennett
die
Bundeshauptstadt
Washington sein. Dafür sollen sogar
Mittel umdisponiert werden, die von
der Bundesregierung bereits für Drogenzentren wie die Städte New York
und Miami bewilligt worden sind.
Washington steht zur Zeit im Ruf eines Drogenumschlagplatzes mit hoher
Rauschgiftkriminalität.
Gewalttaten
und Mord in bestimmten Stadtvierteln,
wo sich Hintermänner des Drogenhandels und Dealer untereinander bekämpfen, versetzen die Bürger in Angst
und Schrecken.
Dem Plan Bennetts - der das "Amt
für Nationale Drogenbekämpfung" leitet - auch Bundespolizei und Militär
einzusetzen, stehen jedoch rechtliche
Bedenken entgegen. Im Raum Washington
wäre das Vorhaben nur dann durchführ-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�bar, wenn auch der Tatbestand der illegalen Herstellung sowie des Imports
und der Verteilung von Rauschgiften
gegeben wäre. Eine wichtige Maßnahme
auf Bundesebene stellt allerdings das
kürzlich erlassene Verbot zur Einfuhr
von
halbautomatischen
Waffen
und
Sturmgewehren dar, die im Droge^händlermilieu besonders gefragt und laut
Bennett als "Teil des Drogenprcblems
anzusehen sind".
Die Nation müsse, so hatte Präsident Bush schon Anfang März in New
York erklärt, "ihre fiskalischen, moralischen, geistigen und wirtschaftlichen Ressourcen für den bedingungslosen Krieg gegen die Sucht" einsetzen. Sie müsse an jeder Front kämpfen - im Erziehungswesen, der Therapie, der Fahndung und der Strafverfolgung. Den Kongreß habe er um eine
Aufstockung der Mittel um eine Milliarde Dollar ersucht.
In bezug auf Rauschgiftkonsum,
Handel und Import von Suchtstoffen
steht in den USA der Raum New York an
erster Stelle. Vermutlich die Hälfte
der insgesamt 260 000 Heroinsüchtigen
lebt im Staat New York. In der Stadt
New York dürften weitere 600 000 Personen kokainabhängig oder dem besonders leicht süchtig machenden, aus
Kokain gewonnenen Crack verfaHen
sein.
Fachleute schätzen, daß die
heute in den Vereinigten Staaten konsumierten Drogen eine "Industrie" der
Größenordnung von 110 Milliarden Dollar ausmachen.
Bundesgesetze geben
jetzt
Strafverfolgungsbehörden
die
Möglichkeit, das Vermögen von Rauechgifthändlern
zu konfiszieren.
In
Form von Grundbesitz, Autos und Bargeld kann dies in nur einem einzigen
Fall den Wert von 50 Millionen Do1 lar
ausmachen.
Die Bürgermeister von 30 großen
Städten in den USA, Lateinamerika und
Europa (hier Amsterdam, London und
Madrid) hatten auf ihrer ersten internationalen Konferenz (8. - 10.
März 1989) in New York beschlossen,
sich bei ihren Regierungen für energischere und mit Geldmitteln besser

ausgestatteten
Maßnahmen
gegen
Rauschgift und Rauschgiftkriminalität
sowie für eine ähnliche internationale Konferenz auf höchster Regierungsebene einzusetzen. Die Strafen für
alle Rauschgiftdelikte - auch für
Verkauf, Besitz und Konsum - müßten
verschärft, die Beschlagnahme von
Vermögen strenger gehandhabt werden.
Geldwäsche müsse durch aggressives
Vorgehen gegen Finanzinstitute, die
wissentlich Transaktionen mit Gewinnen
aus
unerlaubten
Aktivitäten
durchführen, wirksamer kontrolliert
werden.
Delegierte aus südamerikanischen
Staaten machten darauf aufmerksam,
daß mit der häufig und auch verständlicherweise geforderten Reduzierung
des Koka-Anbaus in diesen Ländern
komplexe wirtschaftliche und soziale
Probleme verbunden seien. Schuldzuweisungen an die Bauern und die Regierungen seien nicht angebracht.
Vielmehr gehe es darum, den Bauern
einen Wechsel auf andere Produkte zu
ermöglichen, ohne ihnen gleichzeitig
Einkommensverluste aufzubürden, die
sie weit unter das Existenzminimum
drücken. An Ländern, in denen sich
Crack noch nicht epidemieartig ausgebreitet hat, sprachen sich die Teilnehmer der Konferenz für Sofortmaßnahmen zur wirksamen Vorbeugung aus.
Aufklärung und Erziehung seien in
diesem Zusammenhang ganz besonders
wichtig.
Aus der Gruppe der ebenfalls
teilnehmenden hochrangigen Politikern
und Vertretern von Behörden wie der
DEA (U.S. Drug Enforcement Administration
US-Bundesbehörde
für
Strafverfolgung von Drogendelikten)
forderte Charles Rangel, Vorsitzender
des Suchtstoffkomittees im amerikanischen
Repräsentantenhaus,
einen
"internationalen
Sicherheitspakt"
ähnlich dem NATO-Vertrag, um Drogen
wirksamer bekämpfen zu können.
Robert Stutman von der DEA-Sonderfahndung berichtete, daß der amerikanische Markt mit Kokain "fast gesättigt" sei. Den Schätzungen seiner

�Behörde zufolge kommen 90 Prozent davon aus Bolivien und Peru, während
Kolumbien als primärer Umschlagplatz
dient. Die Händlerorganisationen dirigierten nun Kokain vor allem nach
Westeuropa.
Den Westeuropäern redete er eindringlich ins Gewissen, aus den amprikanischen Erfahrungen zu lernen.
Strafverfolgung allein könne das Problem niemals lösen.
Die einzig»
Hoffnung bestehe darin, Kinder UIT4
Jugendliche so zu erziehen, daß sie
sich von Drogen fernhalten und sich
nie auf Rauschgift einlassen. Gerade
die Erfahrungen in New York verdeutlichen, wie schnell sich die Gepflogenheiten bei den Händlern ändern
können.
Die Behörden dürften sich
niemals auf nur einen Bereich bzw.
eine Droge konzentrieren.
Selbst
wenn eine Droge zu eliminieren sei,
nehme eine andere deren Platz ein.
Beispielsweise kamen im Jahr 1985
nur irei Prozent des Heroins in New
York aus Südostasien, 97 Prozent aus
Südwestasien - d.h. Iran, Pakistan
und Afghanistan.
"Heute, nur vier
Jahre später, kommen 80 Prozent des
Heroins aus Südostasien und nur noch
zehn bis 15 Prozent aus Südwestasien." Crack war 1985 in New York
so gut wie unbekannt. "Heute ist es
der Suchtstoff, der diese Stadt kaputt macht. Ganze Stadtviertel hat
er völlig verändert - und wenn wir
nicht sehr gut aufpassen, wird er das
Gesicht dieser Stadt zerstören." Die
Amerikaner, Dominikaner und Jamaikaner, die die Verteilung von Crack
kontrollieren, hätten ihr Netz von
New York aus auf alle 48 kontinentalen Bundesstnaten ausgeweitet. "Die
Bürgermeister stehen an vorderster
Front und wissen, daß an Ort und
Stelle ebenso wie regional, national
und weltweit dringend und mit Vernunft gehandelt werden muß. Andernfalls werden wir in zwei Jahren wehmütig auf die gute alte Zeit vom Jahr
1989 zurückblicken", sagte Stutman.
In ihrem Bericht vor der Arbeitsgruppe "Internationale Suchtstoffkon-

trolle" des amerikanischen Repräsentantenhauses wies Ann Wrobleski,
Unterstaatssekretärin
im
amerikanischen Außenministerium, unter anderem auf folgende Punkte hin:
- In Südwestasien dürfte der Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan eine starke Ausweitung der
Opiumproduktion zur Folge haben,
da eine starke zentrale Autorität
fehlt
und
der wirtschaftliche
Niedergang
kompensiert
werden
soll.
- Im Mittleren Osten ist Syrien ein
Umschlagplatz für alle Suchtstoffe und ein Zentrum für die Heroinaufbereitung.
Ägypten
ist
Umschlagplatz für Drogen auf dem
Weg in die USA. Das Bakaa-Tal in
Libanon liefert in großen Mengen
Heroin nach Europa, in die USA
und in den Mittleren Osten.
In Afrika ist Kenia ein wichtiger
Transitpunkt für Drogen aus SUdwestasien, die nach Afrika, Europa und in die USA transportiert
werden sollen, während Marokko
eine Hauptquelle für Marihuana
und Haschisch darstellt, das nach
Europa und Afrika gebracht wird.
Westeuropäische Länder sind große
Produzenten und Abnehmer von Drogen, jedoch hat die Beschlagnahme
großer Mengen dramatisch zugenommen. Der Konsum von Heroin und
Haschisch in Europa ist beträchtlich, auch aus anderen Regionen
wird immer mehr davon herangebracht. Der Kokainkonsum ist sogar noch stärker angestiegen.
In Osteuropa ist die Sowjetunion
immer stärker von Drogenhandel
und Drogenabhängigkeit betroffen
und wird zunehmend als Durchgangsland für Drogen von Asien
nach anderen Märkten benutzt.

* * * * * *

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              <text>Amerikadienst 29.03.1989</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ridgway: Europäischer Binnenmarkt "benutzerfreundlich"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Minneapolis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maresca: Fortschritte in der ersten VSBM-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz mit dem Leiter der amerikanischen Delegation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Entscheidende Phase im Kampf gegen Rauschgift&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Bush und Anti-Drogen-Beauftragter Bennett fordern Sofortmaßnahmen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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