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                  <text>AMERIKA DIENST

12

22. Ma*rz 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Anhaltende Probleme im Westen trotz Erfolgen der NATO
- Rede des Stellvertretenden Außenministers im Kongreß

HINTERGRÜNCMATERIAL
Wjilter8_ nimmt Abschied von den Vereinten Nationen
- Abschiedsbesuch bei Generalsekretär Perez de Cuellar

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erfolgreicher "DISCOVERY"-Flug
- Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

22. März 1989

12

ANHALTENDE PROBLEME IM WESTEN TROTZ ERFOLGEN DER NATO
Rede des stellvertretenden Außenministers im Kongreß

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats erklärte der stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger am 15.
März 1989, die Erfolge des Nordatlantischen Bündnisses in den vergangenen
vierzig Jahren hätten "chronische Probleme hinterlassen, die in manchen Fällen
zunehmend akut werden".
Eagleburger zufolge seien diese Probleme Ausdruck eines Generationskonflikts, der aufgetreten sei, weil "ein langer Frieden eine gewisse Gleichgültigkeit erzeugt" und weil Unstimmigkeiten über das Problem der Nuklearwaffen
sowie Spannungen im Welthandel bestehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburger's Rede im Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder.
Als ich im Jahr 1957 in den Auswärtigen Dienst eintrat, waren die
Vereinigten Staaten tief in den Kalten Krieg verstrickt.
Der Sputnik
erschütterte unser Vertrauen in Technik und Wissenschaft. Wir hatten gerade die schmerzliche Erfahrung gemacht, daß sich unsere Verbündeten im
Nahen Osten gegen uns stellten. Wir
sahen uns einem sowjetischen Regime
nach Stalin mit einem dynamischen,
reformorientierten
Führer
an
der
Spitze gegenüber, der offensichtlich
zu neuen Denkansätzen bereit war. In
Asien mußten wir mit der Feindseligkeit der chinesischen Kommunisten und
der wirtschaftlichen Schwäche unserer
asiatischen Freunde und Verbündeten,

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einschließlich Japans, fertigwerden.
Die Entwicklungsländer zeigten sich
gegenüber freier Marktwirtschaft und
westlicher Demokratie abgeneigt.
Wer heute in den Auswärtigen
Dienst eintritt, nimmt ganz andere
Gegebenheiten
wahr.
Außenminister
Baker hat Ihnen in seiner Ansprache
einen umfassendesnUberblick über die
Welt gegeben, dem ich nichts hinzufügen muß. Es reicht aus, wenn ich darauf hinweise, daß wir starke und
wohlhabende
Verbündete
haben,
wo
einstmals schwache waren. Viele Entwicklungsländer haben die Vorzüge der
Marktwirtschaft und der Demokratie
für sich entdeckt, und unser sowjetischer Gegner kämpft mit systemimmanenten Schwächen. Die Welt des zuendegehenden zwanzigsten Jahrhunderts

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�ist In vieler Hinsicht eine freundlichere Welt als die meiner Anfangsjahre im Auswärtigen Dienst.
Diese Veränderungen werden noch
deutlicher, wenn man sie in ihrem geschichtlichen Zusammenhang betrachtet. Barbara Tuchman hat einmal gesagt, daß wir bis ins 14. Jahrhundert
zurückgehen müßten, um ein Zeitalter
zu finden, das von soviel Blut und
Unsicherheit gekennzeichnet war wie
die erste Hälfte unseres Jahrhunderts.
Zwei Weltkriege, eine Große
Depression und die Bedrohung durch
totalitäre Regime belegen ihre These.
Dennoch leitete die Nachkriegszeit im
Gegensatz zu den dreißiger Jahren
kein neues Blutbad ein. Der Grund
dafür ist in der amerikanischen Führungsrolle zu suchen.
Wir haben
nicht immer klug und effektiv gehandelt, bei den wichtigsten Problemen
jedoch immer Erfolg gehabt.
Im Gegensatz zur Sowjetunion ergeben sich unsere Probleme heute aus
unserem Erfolg, nicht etwa aus Mißerfolgen.
In den vergangenen vierzig Jahren
waren wir im allgemeinen bei der Behandlung des Ost-West-Problems und in geringerem Maße - beim Nord-SüdProblem erfolgreich, da die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in
Europa und Asien einigermaßen zusammengehalten haben. Das Ergebnis war
ein Triumph für die politischen und
wirtschaftlichen Werte des Westens.
Das Ost-West-Verhältnis ist weniger
gespannt als noch vor einiger Zeit.
Das Nord-Süd-Problem wird hoffentlich
in allernächster Zeit auf solide und
produktive Art und Weise neu definiert. Mit anderen Worten: die Einheit des Westens hat die Tür zu einer
neuen vielversprechenden Zeit im kommenden Jahrhundert aufgestoßen. Aber
um diese Tür offenzuhalten und diese
Schwelle zu überschreiten, brauchen
wir jetzt ebenso wie in den vergangenen vierzig Jahren einen starken, geeinten Westen.
Das Verhältnis zwischen den west-

lichen Ländern hat sich grundlegend
verändert. Wo noch vor vierzig Jahren die gesamte Initiative und die
meisten Ressourcen aus Washington
stammten, bringen jetzt unsere europäischen und japanischen Verbündeten
einen großen Teil der Inititive und
einen zunehmenden Anteil der Ressourcen auf, was sie auch tun müssen. Es
ist dabei unvermeidlich, daß durch
die Veränderungen im relativen Gewicht und in der Stärke unserer Partner als auch durch die Tatsache, daß
wir ein Bund freier Nationen mit oftmals
unterschiedlichen
Interessen
sind, Spannungen auftreten. Solange
unsere gemeinsamen Werte und unsere
grundsätzlichen
Interessen
gleich
sind - was ich denke - können wir zusammenhalten.
Aber meiner Ansicht
nach müssen wir uns immer öfter vor
Augen führen, daß wir trotz heftig
geführter Diskussionen zu Ubergangslösungen immer noch Partner sind, die
eine Welt aufbauen müssen, die sicherer und demokratischer ist als die
Welt, wie sie uns von einer Generation hinterlassen wurde, die noch die
Jahrhundertwende erlebt hat.
Die NATO begeht bald ihren 40.
Geburtstag, was nach menschlichem Ermessen ein mittleres Alter, in Bezug
auf
internationale
Bündnisse aber
schon sehr alt ist. Je länger das
Bündnis gedauert hat, umso besser
ging es unseren Verbündeten. Das ist
von Vorteil.
Klagen dazu wären
kleinlich. Es wäre jedoch dumm, sich
nach früheren Zeiten zu sehnen, als
wir die ganze Last tragen mußten.
Wir sollten jedoch anerkennen,
daß die Erfolge der NATO chronische
Probleme hinterlassen haben, die in
manchen Fällen zunehmend akut werden.
Eines davon ist der Generationenkonflikt.
Ein langer Frieden erzeugt
eine gewisse Gleichgültigkeit. Weder
unsere Verbündeten noch wir haben genug dafür getan, daß die junge Generation die Leistungen des Bündnisses
anerkennen kann, insbesondere, daß
wir ihr die Möglichkeit für eine einigermaßen glückliche Zukunft geboten
haben. Diese Aufgabe ist jetzt ange-

�sichts einer von den Sowjets wiederentdeckten
sanfteren
Taktik
ganz
wichtig.
Ein zweites Problem trifft die
Nuklearwaffen. Manche nennen es Abneigung, aber es ist tatsächlich nur
eine
ambivalente
Haltung.
Jeder
wünscht sich die abschreckenden Vorteile der Nuklearwaffen, aber die
Menschen sind verständlicherweise zurückhaltend, wenn es darum geht, den
Preis für eine Politik zu zahlen, die
eine Stationierung dieser Waffen auf
ihrem Territorium vorsieht. Wir dürfen nicht dem Trugschluß erliegen,
auf die nukleare Abschreckung verzichten zu können oder daß wir, wenn
wir das täten, die Chancen für einen
Krieg verringern würden. Kriege gab
es schon lange bevor es Nuklearwaffen
gab. Wir dürfen uns auch keinen Illusionen über die ambivalente Einstellung der Öffentlichkeit über diese Nuklearwaffen hingeben, die hier
und in Europa vorherrscht. Sie liegt
den oftmals widersprüchlichen Kommentaren zugrunde, die wir zum INF-Abkommen oder zur Frage der Modernisierung von Kurzstreckenraketen vernehmen. Die Ambivalenz ist real und wir
müssen Möglichkeiten finden, mit ihr
fertigzuwerden.
Dann gibt es Spannungen und Ängste Lm Welthandel. Manchmal wünsche
ich mir, wir könnten all die Hormone,
die Europäer nicht in ihrem Fleisch
haben wollen, nehmen und sie dazu benutzen, unseren gemeinsamen Willen zu
stärken, um einen Kompromiß herbeizuführen, der die Vorteile und die Kosten zum Vorteil der Vereinigten
Staaten,
Westeuropas
und
Japans
gleichmäßig verteilt.
Der Schritt
der Europäischen Gemeinschaft zu ihrem Binnenmarkt Ende 1992 ist der offenkundigste Beweis. Der erfolgreiche Abschluß dieser Bemühungen wird
ein richtungweisendes Ereignis in der
Geschichte des letzten Viertels vom
20. Jahrhundert sein. Ob es zum Vorteil oder zum Nachteil gereichen oder
Europa eine geschlossene Enklave des
Protektionismus errichten wird, so
werden wir und die übrige Welt darauf

angemessen zu reagieren wissen. Wenn
auf der anderen Seite der neue Markt
ausländischen Waren und Dienstleistungen offensteht, dann wird Europa
nicht nur für sich selbst, sondern
auch für seine Handelspartner den
Grundstein für ein neues Zeitalter
gelegt haben.
Alle der von mir kurz beschriebenen Probleme sind miteinander verknüpft. Wenn wir keine Vorsicht walten lassen, könnte ein langsamer,
aber stetiger Niedergang einsetzen.
Im Rahmen der Sicherheitsvereinbarungen der NATO und der Arbeit internationaler, von uns nach dem Zweiten
Weltkrieg geschaffener Institutionen
wie dem IWF, GATT, der OECD und der
Weltbank hat Westeuropa einen langen
Weg von seinem verheerenden Zustand
nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgelegt. Wir dürfen das durch diese Institutionen geschaffene konstruktive
Beziehungsgeflecht nicht beeinträchtigen. Jeder Strang dieses Geflchts
mag bisweilen dünn und brüchig erscheinen, aber zusammen können wir
eine große Last tragen. Die gemeinsame Aufgabe des Westens besteht darin, diese Vergangenheit zu bewahren
und auf ihr aufzubauen. Andernfalls
wird sich dieses Netz aufzulösen beginnen, wir werden zunehmend Streitigkeiten unter uns auszutragen haben
und damit die Gelegenheit zur Erlangung größerer Erfolge verspielt haben.
Dies trifft in besonderer Weise
auf Osteuropa zu.
Einfach ausgedrückt sind die marxistisch-leninistischen Ideologien und die auf sie
gegründeten
Volkswirtschaften
bankrott. Ihr Bankrott beruht größtenteils auf innenpolitischen Fehlschlagen, aber nicht auf diesen allein.
Der Widerstand des Westens gegen sowjetische Aggressionen und das Vorbild unserer eigenen erfolgreichen
Gesellschaften haben den Wandel im 0sten sicherlich beeinflußt.
Wir können Michail Gorbatschows
Fähigkeiten bewundern und den Wandel
in der Sowjetunion zur Kenntnis nehmen ohne unsere Verteidigung zu ver-

- 3 -

�nachlässigen. Es ist sogar unerläßlich, dies zu tun, und zwar nicht
nur, um uns zu schützen, falls die
Ref ormbemilhungen fehlschlagen, sondern auch, falls sie erfolgreich
sind. Eine stärkere UdSSR ist nicht
notwendigerweise eine freundlichere
UdSSR.
Das Endergebnis der Perestrojka
kann ich nicht voraussagen. Ich würde gern eine freie, demokratische Sowjetunion sehen, aber dies wäre dann
nicht mehr die Sowjetunion. Gorbatschows Ziel, das einzige Ziel, mit
dem sich seine Politik erklären läßt,
ist die Schaffung einer stärkeren,
leistungsfähigeren Sowjetunion. Gegenwärtig ist eine weniger aggressive
Außenpolitik diesem Ziel am ehesten
förderlich.
In einigen Bereichen,
etwa in Afghanistan, war Gorbatschow
bereit, mit der Vergangenheit zu brechen, wenn eine Fortführung der alten
Politik eine Hypothek für die Zukunft
bedeutet hätte.
Unsere Aufgabe besteht darin, zu
gewährleisten, daß dieser Prozeß anhält und daß letztlich Zurückhaltung
weiterhin im sowjetischen Interesse
liegt.
Es ist offenkundig, daß die Ära
Gorbatschow die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten vor eine wesentlich
nuanciertere
Herausforderung
stellt als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Ob beabsichtigt
oder nicht, diese Nuancen drohen den
Westen zu spalten, insbesondere die
Vereinigten Staaten und Europa und innerhalb Europas - die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verbündeten. Dies muß uns natürlich Anlaß
zur Sorge geben, und wir sollten damit so gut wir können fertig werden.
Ich vertrete jedoch die Auffassung, daß unabhängig davon, wie groß
die Probleme des Westens bei der Bewältigung der neuen sowjetischen Herausforderung auch sein mögen, Gorbatschow mit noch
schwerwiegenderen
Problemen zu kämpfen hat. Die kommunistischen Parteien der DDR und der

CSSR haben bereits die meisten innenpolitischen
Reformen
Gorbatschows
verworfen. Die kommunistische Partei
Ungarns ist erheblich über sie hinaus
gegangen.
Wirtschaftspolitische
Zwänge haben die polnische Partei dazu veranlaßt, Ansätze in Erwägung zu
ziehen, die sie noch vor kurzem energisch verworfen hatte. In Rumänien
schließlich herrscht unter dem persönlichen Regiment Ceausescus eine
trügerische Ruhe. In diesen Ländern
wachsen ferner, ebenso wie in Jugoslawien und der Sowjetunion, die nationalen und ethnischen Spannungen.
Wiederum ist es unmöglich, das
Ergebnis vorherzusagen.
Über eines
sollten wir uns jedoch im klaren
sein: Die Krise des Wandels im Osten
wird nur dann zu einer Krise des Westens werden, wenn wir unsere Einigkeit nicht bewahren können. Es gibt
keine einzige Frage, sei es das Einsatzkonzept der NATO, die Verhandlungen über konventionelle Rüstung oder
die Wirtschaftsbeziehungen mit dem
Osten, die nicht am besten durch vereinte Maßnahmen des Westens beantwortet werden kann. Durch Verwirrung,
einseitige Handlungen oder unnötige
Panik über den Zustand der öffentlichen Meinung des Westens, die einem
kürzlich von Sir Geoffrey Howe geprägten Bonmot zufolge zu einem "gegenseitigen Striptease" bei den Waffensystemen
führen
würde,
werden
Chancen in Gefahren verwandelt. Der
Schlüssel zu den Ost-West-Beziehungen
sind deshalb wiederum die West-WestBeziehungen.
Ein weiterer Bereich der Herausforderung und der Chancen ist die Pazifikregion, insbesondere Japan. Die
Welt hat sich daran gewöhnt, daß amerikanische Unternehmer, Politiker und
Regierungsvertreter
das
pazifische
Jahrhundert ausrufen oder Japan zur
wirtschaftlichen Supermacht proklamieren.
Japans Aufstieg zu diesem
Status in den vergangenen dreißig
Jahren, ohne Krieg oder Depression,
ist gewiß eine hervorragende Leistung. Es ist jedoch an der Zeit,
damit aufzuhören, die Vergangenheit

�zu feiern.
kunft.

*

Was zählt, ist die Zu-

Kann Japans Zielstrebigkeit, Engagement und Kreativität im wirtschaftlichen Bereich für die umfassenderen Interessen des Westens nutzbar gemacht werden?
Kann Japans
wachsende weltpolitische Rolle auf
gemeinsame Ziele des Westens gerichtet werden anstatt auf enggefaßte nationale Ziele? Kann Japan eine Neuorientierung seiner Volkswirtschaft
einleiten, um die gegenwärtig bestehenden Ungleichgewichte zu korrigieren, ohne das internationale System
des freien Handels zu zerstören?
Dies sind Probleme für Japan,
aber es sind auch Probleme für den
Westen. Die Antworten werden nicht
nur Japans Sicherheit und Wohlstand
beeinflussen, sondern auch unsere und
die des Westens. Wir können "Lösungen erarbeiten", wie Ministerpräsident Takeshita zu sagen pflegt. Dies
wird
für alle Beteiligten nicht
schmerzlos ablaufen - vor allem für
Japan. Wir müssen jedoch gemeinsam
für Japan eine verantwortungsvollere
Rolle finden, weil die Alternative
unannehmbar ist.
Ich möchte etwas zitieren, was
ich vor einigen Monaten geschrieben
habe:
Eine Möglichkeit ist eine stärkere Einbindung Tokios in Beratungen
des Westens. Das Instrumentarium für
effektive Konsultationen mit Japan
ist nicht so gut entwickelt wie das
zwischen den Vereinigten Staaten und
Westeuropa. Gipfeltreffen der sieben
führenden Industriestaaten sind wichtig aber sie gestatten nicht die Art
von engen und andauernden Gesprächen,
die den Regierungen der Vereinigten
Staaten und Westeuropas durch die
NATO zur Verfügung stehen.
Selbstverständlich läßt sich die
Struktur der NATO nicht auf Japan
übertragen; Japan kann auch nicht in
den Konsultationsprozeß des Bündnisses einbezogen werden.
Es sollte

aber möglich sein, einen - auch informellen - Mechanismus zu schaffen,
der es uns erlaubt, regelmäßige Konsultationen über das gesamte Spektrum
politischer, wirtschaftlicher und militärischer Fragen durchzuführen, die
Japan, die Vereinigten Staaten sowie
die westeuropäischen NATO-Mitglieder
und die EG betreffen. Die Realität
der letzten Jahre dieses Jahrhunderts
besteht darin, daß die Welt der Demokratien zunehmend zu einer Welt dreier Machtblöcke wird. Der institutionelle Rahmen für Konsultationen und
Koordination zwischen diesen Machtblöcken wurde dieser Realität bisher
nicht angepaßt."
Schließlich möchte ich kurz auf
ein anderes Problem eingehen, das
durch einheitliche Maßnahmen des Westens am besten gelöst werden kann.
Man bezeichnet es als die Schuldenkrise der Dritten Welt, aber es ist
in Wirklichkeit eine Krise der Demokratie.
Nach und nach entscheiden
sich die Entwicklungsländer Lateinamerikas, der Pazifikregion und nun
auch in Afrika für persönliche Freiheit und politische Demokratie als
ihren Wegweiser in die Zukunft. Leider gibt es, wie ein Wirtschaftswissenschaftler einmal gesagt hat, "kein
Mittagessen
umsonst".
All
diese
freien Mittagessen aus den siebziger
Jahren müssen heute zurückgezahlt
werden. Wie die Ereignisse in unserer eigenen Hemisphäre, sei es in Venezuela oder Mexiko, erschöpfend bewiesen haben, sind Sparpolitik und
"Null-Wachstum" Formeln für Stagnation und echte Schwierigkeiten.
Ich möchte hier nicht auf bestimmte Lösungen eingehen. Der Präsident, der Außenminister und der Finanzminister
haben
übereinstimmend
erklärt, daß der gegenwärtig verfolgte Ansatz modifiziert werden muß. Es
ist jedoch einleuchtend, daß die Vereinigten Staaten das Problem nicht
allein lösen können. Unsere Verbündeten sind Teil der Lösung. Es wäre
gewissenlos, wenn wir andere demokratische Staaten herunterkommen lassen
würden, weil wir nicht genug getan

- 5 -

�haben.
Dies sind einige Beispiele für
Probleme, die teilweise aufgrund von
Erfolgen unserer früheren Maßnahmen
entstanden sind und die uns für die
Zukunft noch größere Erfolge versprechen, wenn sie angemessen behandelt
werden. Dazu ließen sich leicht weitere hinzufügen, etwa die Umwelt.
Durch sie alle zieht sich jedoch ein
roter Faden. Wenn wir im Westen eine
einheitliche Haltung einnehmen können, werden unsere Erfolgsaussichten
überproportional
vergrößert.
Wenn
wir versäumen, das richtige zu tun,
dann könnte uns die erste Hälfte des
21. Jahrhunderts fatal an die ersten
50 Jahre des Jahrhunderts erinnern,
auf dessen Ende wir gegenwärtig zusteuern.
Mit den Worten Benjamin Franklins, der über ein früheres Experiment der Kooperation sprach: Entweder wir ziehen alle an einem Strick,
oder wir werden an diesem Strick einzeln aufgehängt.

* * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

22. März 1989

12

WALTERS NIMMT ABSCHIED VON DEN VEREINTEN NATIONEN
- Abschiedsbesuch bei Generalsekretär Perez de Cuellar NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten
Nationen seit 1985 und designierte
Botschafter der Vereinigten Staaten
in der Bundesrepublik Deutschland,
Botschafter Vernon Walters, hat UNOGeneralsekretär Perez de Cuellar am
15. März 1989 seinen Abschiedsbesuch
abgestattet und ein letztes Gespräch
mit bei der UNO akkreditierten Journalisten geführt. Der Nachfolger von
Walters bei der UNO ist Botschafter
Thomas Pickering.
Bei seiner letzten Zusammenkunft
mit UNO-Korrespondenten nannte Walters als Hauptprobleme, mit denen
Pickering während
seiner Amtszeit
konfrontiert sein werde, die "andauerndem Konflikte, insbesondere den
Nahost-Konflikt, der wahrscheinlich

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von allen der komplizierteste ist,
den Konflikt um Zypern; ferner wird
er sicherstellen müssen, daß wir bei
Kambodscha und in der West-Sahara
Fortschritte erzielen."
Während der Amtszeit von Walters
bemühten sich die Vereinten Nationen
erfolgreich um die Herbeiführung eines Waffenstillstands im Golfkrieg,
die Einleitung der Verwirklichung des
UNO-Plans für die Unabhängigkeit Namibias, die Sicherstellung des vollständigen Abzugs der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan sowie die
Durchführung einer Verwaltungs- und
Haushaltsreform.
Dies alles hat in
den Vereinigten Staaten die positive
Stimmung gegenüber den Vereinten Nationen verstärkt.

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�Meines Erachtens haben die Erfolge der Vereinten Nationen bei der Beendigung mehrerer Kriege Wirkung gezeigt", erklärte der Botschafter.
"Ich habe immer gesagt, ich sei das
einzige Kabinettsmitglied ohne Wählerschaft, und jetzt habe ich mir eine herangezogen."
Er lehnte es jedoch ab, sich diese Erfolge als eigenes Verdienst anzurechnen.
"Es hat ein atmosphärischer Wandel
in der Weltpolitik
stattgefunden,
dessen
glücklicher
Nutznießer ich gewesen bin", erklärte
Walters.
Walters führte ferner einen Teil
der Erfolge der UNO auf die neue Aussenpolitik der Sowjetunion zurück,
d!e seines Erachtens bis zu diesem
Wandel "vom amerikanischen Standpunkt
gesehen von nicht-permanenter Konfrontation geprägt zu sein schien".
In den Schlußverhandlungen über Namibia "war die Atmosphäre bei den Gesprächen mit ihnen (den Sowjets) völlig verändert, und ich begrüße dies",
erklärte er.
Des weiteren betonte er besonders
die Einigkeit der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, insbesondere bei der Verabschiedung von
Resolution 598, des UNO-Plans für einen umfassenden Frieden zwischen Iran
und Irak.
Der Botschafter sagte voraus, daß
der Generalsekretär "nach viel Gehabe" seitens des Iran und des Irak in
der Lage sein wird, Resolution 598
vollständig zu verwirklichen, da sowohl der Iran als auch der Irak "sich
für den Frieden entschieden haben,
und ... meines Erachtens ist der
Frieden unumkehrbar".
Auf Fragen zu den von der Sowjetunion vorgeschlagenen Reduzierungen
der
konventionellen
Streitkräfte
meinte Walters, die Europäer "denken,
daß Gorbatschow eine ganze Reihe von
Initiativen eingeleitet
hat.
Sie
sind sich nicht der großen Position
der Stärke bewußt, von der aus er

handeln kann. Er kann zum Beispiel
Reduzierungen in Europa vornehmen, er
hat nämlich 46 000 Panzer gegenüber
12 000 der NATO. Er hat doppelt soviel Artillerie, er hat doppelt soviel Flugzeuge für den Fronteinsatz,
da kann er schon sehr großzügig sein.
Er besitzt den traditionellen Vorteil, daß er seine Truppen nur über
die Weichsel bringen muß, was bedeutend leichter zu bewerkstelligen ist
als sie über den Atlantik zu transportieren."
Walters bezeichnete die "abgeschwächte Konfrontation zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion" als eine der wichtigsten Veränderungen seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs, die einen Einfluß auf die
internationalen Beziehungen hatte.
"Es ist nicht nur Gorbatschow allein", erklärte der Botschafter. "Es
mußte auch die Bereitschaft seitens
der Vereinigten Staaten bestehen.
Ich muß ihm jedoch einfach schon deshalb das Hauptverdienst zuschreiben,
weil er derjenige war, der den Menschen das Leben schwer gemacht hat,
und als er damit aufhörte, meinten
die Menschen 'er ist ein großer
Mann', denn er hat aufgehört, uns das
Leben schwer zu machen.'"

* * * *

�v&lt;fc° s &gt;&lt;

VON

*

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Wissenschaft und Technik

22. März 1989

12

ERFOLGREICHER "DISCOVERY"-FLUG
Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation -

WASHINGTON - (AD) - Mission 28 der bemannten Raumtransporterflüge der NASA
(U.S. Behörde für Luft- und Raumfahrt) ist erfolgreich beendet. Nach dem
Start am 13. März 1989 kehrte der Orbiter mit seiner fünfköpfigen Besatzung Kommandant Michael Coats, Kopilot John Blaha, James Buchli, Robert Springer
und James Bagian als Missionsspezialisten - am 18. März 1989 zur Erde zurück.
DISCOVERY landete um 15.36 Uhr auf einer Piste der Edwards Air Force Base in
Kalifornien. Am Kap Canaveral sind mittlerweile die Vorbereitungen für den
Start der Venus-Sonde MAGELLAN im April angelaufen.

Ungewöhnliche
Druckschwankungen
in einem der drei Wasserstofftanks,
die
die
Brennstoffzellen
der
DISCOVERY versorgten, hatten befürchten lassen, daß der Flug um einen Tag
verkürzt werden müßte. Die Astronauten waren angewiesen worden, den Tank
abzuschalten und den Stromverbrauch
einzuschränken.
In einer Wasserstoffleitung zu einer der Brennstoffzellen, in denen durch eine chemische
Reaktion
zwischen Wasserstoff und
Sauerstoff Strom erzeugt wird, klemmte ein Ventil. Das technische Problem konnte jedoch gelöst, das Programm ohne Einschränkungen durchgeführt werden.
Die wichtigste Aufgabe der Mission, das Absetzen des Kommunikationssatelliten TDRS-D und dessen Start zu

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seinem
vorläufigen
"Standort" in
35 680 km Höhe, war bereits sechs
Stunden nach Verlassen des Weltraumbahnhofs Kap Canaveral erledigt. Die
18,5 Tonnen schwere Nutzlast, von der
allein 16,5 Tonnen auf das zweistufige eigene Antriebssystem entfielen,
benötigte anschließend fünf Stunden
für den Aufstieg. Nach Beendigung
der Aktivierungsprozeduren und Funktionstests, die über Hawaii vorgenommen werden, wird das neue TDRS-Gerät
ostwärts zu seinem endgültigen Standort über der Ostspitze von Brasilien
am 41. Längengrad manövriert. Es ersetzt dann den im April 1983 gestarteten ersten TDRS-Satelliten, den man
anschließend über Südamerika am 79.
Längengrad "parken" und so in Reserve
halten will.

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�TDRS-2, im September vergangenen
Jahres beim ersten DISCOVERY-Flug
nach dem Unglück der CHALLENGER im
Januar 1986 gestartet, steht über dem
Zentralpazifik am 171. Längengrad.
Mit Hilfe dieser beiden Kommunikationssatelliten kann die NASA mit bemannten und unbemannten Satelliten in
niedrigen Umlaufbahnen nicht nur zu
85 Prozent der Zeit ständig Verbindung halten, sondern von ihnen auch
erheblich mehr Daten als bisher bekommen. Dies ist zum Beispiel für
die Funkverbindung mit dem HubbleWeltraumteleskop, das noch in diesem
Jahr gestartet werden soll, und erst
recht mit der künftigen Raumstation
von größter Bedeutung.
Durch die
TDRS-Geräte werden einige Bodenstationen überflüssig.
Die Funktionen
von
drei
Stationen
in
Spanien,
Australien und Kalifornien wurden bereits anderen Bereichen übertragen.
Sechs weitere Stationen werden in
Kürze geschlossen oder an andere Behörden abgegeben.
Die Astronauten hatten eine Reihe
von Experimenten zu betreuen, von denen zum Glück keines durch den vorübergehenden Strommangel beeinträchtigt wurde. Das größte Versuchssystem war ein über 15 m langer Temperaturregulator in der Nutzlastbucht,
der auf seine Eignung zur Verwendung
in einer künftigen Raumstation erprobt
wurde.
Weitere
technische
Tests galten unter anderem Neuentwicklungen für den Raumtransporter.
Wissenschaftliche Experimente an
Bord sollten unter anderem spezielle
Fragen der Pflanzenentwicklung, der
Zellteilung bei Pflanzen und der für
ihr Wachstum in Behältern erforderlichen Atmosphäre im Hinblick auf die
mögliche Errichtung
von Mondbasen
klären helfen.
Den Einfluß der
Schwerelosigkeit auf die weitere Entwicklung von Hühnerembryonen wollen
Studenten an den Küken untersuchen,
die aus den 32 Hühnereiernn schlüpfen
werden, die im Mitteldeck des Orbiter
verstaut waren. An vier weißen Ratten, denen an einem Beim ein kleines
Stück Knochen entfernt worden war,

wird man nun den möglichen Einfluß
der Schwerelosigkeit auf den Heilungsprozeß studieren. Dieses Experiment war von der Orthopädischen
Klinik der Universität Südkalifornien
(Los Angeles) gefördert worden.
Viel Zeit verwendeten die Missionsspezialisten auf Filmaufnahmen
von unserem Planeten mit einer 70-mmSpezialkamera
der
Firma IMAX in
Toronto (Kanada). Für eine Umweltdokumentation filmten sie zum Beispiel weite Regionen Afrikas, Südamerikas und der Vereinigten Staaten.
Sie brachten umfangreiche Bildserien
vom Viktoria-See und dem Gebiet um
den Kilimandscharo in Tansania, von
der vordringenden Wüste am TschadSee, der fortschreitenden Entwaldung
des Niger-Deltas sowie von überschwemmten Trockengebieten im Bereich
des Limpopo in Südafrika zurück.
Auch die Auswirkungen der schweren Regenfälle in letzter Zeit in
Peru, Zerstörungen durch den Wirbelsturm Gilbert im September in Jamaika, durch den Ausbruch des Vulkans
Pacäya Anfang dieses Monats in Guatemala sowie durch einen Waldbrand wurden erfaßt, der gegenwärtig in einem
Nationalpark im Südwesten der Vereinigten Staaten wütet.
Mit Fernsehkameras wurden Gewitterfronten samt Blitzentladungen in
der Nähe von Brisbane (Australien)
aufgenommen. Die infolge der starken
Sonnenaktivität während der Flugtage
besonders
auffälligen
Polarlichter
hofften die Astronauten ebenfalls dokumentieren zu können. Die Aufnahmen
sollen zu einem für eine Großprojektion geeigneten Farbfilm zusammengefaßt werden. Das Projekt wird von
der NASA und dem "Nationalen Luftund Raumfahrtmuseum" der Smithsonian
Institution in Washington gemeinsam
getragen.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anhaltende Probleme im Westen trotz Erfolgen der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walters nimmt Abschied von den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsbesuch bei Generalsekretär &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Perez de Cuellar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreicher "DISCOVERY"-Flug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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