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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

15. März 1989

11

y

I N H A L T

INFORMATION

Cheney bringt reichen Erfahrungsschatz In sein Amt mit
- Porträt des designierten Verteidigungsministers Richard Cheney

DOKUMENTATION

Ost-West-Gespräche_über_ konventionelle Waffen gut gestartet
- Pressekonferenz von Botschafter Ledogar USA__flir feste, angemessene Maßnahmen gegen Irans^jJrjqhungeji
- Erklärung von Alvin Adams vor Senatsunterausschuß Vereinigte Staaten wollen "Mauer des Mißtrauens" in Europa abbauen
- Ansprache von John Maresca -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Muskeldystrophie, Typ Duchenne
- Erster Erfolg zur Defektkorrektur im Tierversuch Tabak als Droge einstufen
- Nationaler Krebsbeirat fordert Kampagnen gegen das Rauchen -

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
Information

15. März 1989

11

CHENEY BRINGT REICHEN ERFAHRUNGSSCHATZ IN SEIN AMT MIT
- Porträt des designierten Verteidigungsministers Richard Cheney -

WASHINGTON - (AD) - Der am 10.
März 1989 als Verteidigungsminister
nominierte Richard B. Cheney hat
trotz seines vergleichsweise jugendlichen Alters von 48 Jahren sowohl in
der Legislative als auch in der Exekutive unschätzbare Erfahrungen gesammelt .
Cheney ist seit 1978 als einziger
Abgeordneter seines Heimatstaates Wyoming im Repräsentantenhaus aktiv.
Er hat in Ausschüssen wichtige Aufgaben übernommen und wurde im vergangenen Dezember einstimmig zum Fraktionsgeschäftsführer der Republikaner
im Repräsentantenhaus, der zweitwichtigsten
Führungsposition
innerhalb
der republikanischen Minderheit, gewählt .

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Embassy of the United States of America

Zu Beginn und Mitte der siebziger
Jahre hatte Cheney, der seine politische Laufbahn als Referendar in der
gesetzgebenden Körperschaft von Wyoming begann, in den Administrationen
von Nixon und Ford eine Reihe von
Führungsaufgaben inne.
Im Jahr 1975 wurde er von Präsident Ford zum Stabschef des Weißen
Hauses ernannt und damit Nachfolger
von Donald Rumsfeld, der diese Stelle
aufgab, weil er Verteidigungsminister
wurde.
Präsident Bush nominierte Cheney
nur 24 Stunden nachdem der Senat den
vorher von ihm für den Posten im Pentagon ausgewählten Senator John Tower
abgelehnt hatte. Er bezeichnete den
Abgeordneten aus Wyoming als "einen

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�allgemein
respektierten
Mann
mit
Grundsätzen" und erklärte: "Ich bin
überzeugt davon, daß er ein großartiger Führer der Streitkräfte unseres
Landes sein wird."
Dick Cheney's Wahl in die Führungsspitze der Republikaner im Repräsentantenhaus
verweist auf die
jüngste Tendenz der Partei, jüngeren
Mitgliedern wichtige Ämter zu übertragen. Dem Abgeordneten gelang der
Aufstieg, nachdem er sich seit Mitte
des Jahres 1987 in seiner Eigenschaft
als Vorsitzender der Konferenz der
Republikaner
im
Repräsentantenhaus
für eine "sehr aggressive" Arbeitsweise einsetzte, um der Partei zur
Mehrheit zu verhelfen.
Darüber hinaus rückte der designierte Verteidigungsminister 1987 als
Mitglied des Kongreßausschusses, der
die Iran-Contra Affäre untersuchte,
ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Er
stellte sich bei den landesweit im
Fernsehen
übertragenen
Anhörungen
ausdrücklich auf die Seite Präsident
Reagans.

Cheney arbeitete zunächst im Büro
des Abgeordneten von Wisconsin, William Steiger, und ging dann ins Weiße
Haus, um sich unter dem damaligen Direktor des Büros für Wirtschaftsförderung, Rumsfeld, den Beziehungen mit
dem Kongreß zu widmen.
In den Amtsjahren von Nixon war
er bis 1973 stellvertretender Leiter
der Arbeit des Rates für die Lebenshaltungskosten und trat später zeitweise in ein Wirtschaftsberatungsunternehmen ein.
Bei der Amtsübernahme Präsident
Fords im Jahr 1974, arbeitete Cheney
in dessen Ubergangsteam und wurde im
September desselben Jahren stellvertretender persönlicher Referent des
Präsidenten. Im November 1975 wurde
der dann dessen persönlicher Referent
und Stabschef des Weißen Hauses.
Cheney ist mit Lynne Ann Vincent
verheiratet und hat zwei Töchter.
Zusammen mit seiner Frau schrieb er
ein 1983 veröffentlichtes Buch über
das Repräsentantenhaus, Kings of the

Hill.
In seiner Laufbahn hat Cheney
konservative Meinungen vertreten und
sich bei zahlreichen Gelegenheiten
für eine Beibehaltung starker Streitkräfte ausgesprochen.
Zum Beispiel
warnte er bei seinem Auftritt anläßlich einer Zusammenkunft republikanischer Gouverneure zu Beginn der Reagan-Administration davor, daß innenpolitische Programme nicht auf Kosten
des Verteidigungshaushalts ausgebaut
werden sollten.
Cheney wurde am 30. Januar 1941
in Lincoln, Nebraska geboren und
schloß 1959 in Casper, Wyoming seine
Schulausbildung ab. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Yale machte er
an University of Wyoming Examen.
Nachdem er dort auch seinen Magister erworben hatte, promovierte er
an der University of Wisconsin und
kam 1968 über ein Stipendium der American Political Science Association
nach Washington.

- 2-

* * * * *

-

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

VION &amp;

15. März 1989

11

OST-WEST-GESPRÄCHE ÜBER KONVENTIONELLE WAFFEN GUT GESTARTET
- Pressekonferenz von Botschafter Ledogar WIEN - (AD) - Bei einer nach der ersten Plenarsitzung der VSBM-Verhandlungen abgehaltenen Pressekonferenz in der Wiener Hofburg bezeichnete Botschafter
Stephen J. Ledogar es am 9. März 1989 als "ermutigend", daß Ost und West offensichtlich in vielen Bereichen dieselben Ziele anstrebten. Dem westlichen
Vorschlag zufolge würde die Konzentration der Streitkräfte "vom Atlantik bis
zum Ural" erheblich reduziert und in einer Weise aufgelockert, die keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheitsinteressen der an den VSBM-Verhandlungen
teilnehmenden Staaten des Warschauer Pakts und der NATO hätte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Botschafter Ledogar im Wortlaut:
Wir hatten heute ein nützliches
erstes Treffen im Rahmen der neuen
Verhandlungen. Ich würde es als guten Beginn charakterisieren.
Der
Osten hat uns seine Ideen in Form eines konzeptionellen Rahmens mitgeteilt.
Meines Erachtens ist die
Presse über vieles davon informiert
worden, aber ich bin nicht ganz sicher.
Dieser
"konzeptionelle
Rahmen"
enthält unserer Ansicht nach nichts
entscheidend Neues. Er geht auf den
"Budapester Appell" von 1986 zurück.
Er enthält auch nicht die Art von Details, wie sie für den Vorschlag der
NATO charakteristisch sind. Es mangelt ihm an verwertbarem Zahlenmaterial, und er beinhaltet auch keine
spezifischen Unterregionen etc.

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Es ist jedoch festzustellen, daß
West und Ost vielfach dieselben Ziele
anzustreben scheinen, und das ist ermutigend:
A. Wir sind daran interessiert,
die Vorteile und Asymmetrien die destablisierenden Elemente zu reduzieren;
B. Wir wollen die Waffensysteme
definieren, die Anlaß zu Besorgnis geben. Es bestehen bei unseren Listen einige Gemeinsamkeiten
- aber es gibt auch wesentliche
Differenzen;
C. Der Osten möchte die offensiv
ausgerichteten Einheiten reduzieren - auch wir sind daran interessiert;

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�D. Wir möchten Übereinstimmung
über obligatorische Verifizierung
erlangen. Was ich heute über die
Vorstellungen des Ostens zur Verifizierung, wie etwa die Inspektionsmethoden, gehört habe, war
recht ermutigend.
Selbstverständlich bestehen weiterhin einige Meinungsverschiedenheiten, die bereits heute offen zutage
getreten sind:
A. Der Zeitpunkt der Behandlung
von Flugzeugen und deren Definition;
B. Die Behandlung der Personalstärken - aber dies stellt meines
Erachtens kein so schwerwiegendes
Problem dar, wie man erwarten
könnte;
C. Das Ausmaß der Reduzierungen
in der ersten Phase;
D. Die Behandlung des Problems
der Lagerung von Waffensystemen;
E. Wir haben erhebliche Zweifel
an dem Versuch, Rüstungskontrolle
durch Verhandlungen über die Verteidigungshaushalte anzustreben.
Insgesamt gesehen haben wir jedoch meines Erachtens einen guten Anfang gemacht. Ich werde jetzt gern
ihre Fragen beantworten.
Frage:
Herr Botschafter, Botschafter Grinewski hat heute morgen erklärt, die erste Reduzierungsphase
könne bis 1994 abgeschlossen sein.
Halten Sie dies für machbar oder
könnte es sogar schon zu einem früheren Zeitpunkt der Fall sein?
Und
zweitens, warum möchte der Westen gegenwärtig nicht über die Truppenstärken sprechen?
Antwort:
Unser Vorschlag enthält
keine Zeitangaben. Wir halten dies
nicht für einen Mangel. Wenn wir
breite Übereinstimmung über Umfang
und Form eines ersten Abkommens erzielt haben, wird es an der Zeit

sein, über den zeitlichen Rahmen zu
sprechen.
Zur zweiten Frage sind wir der
Überzeugung, daß die destabilisierendsten Elemente der konventionellen
Streitkräfte massierte Feuerkraft und
gepanzerte Kräfte, schnell bewegliche
Ausrüstung und Truppen sind. Wir behandeln die Truppen anfangs im Rahmen
der Frage gepanzerter Mannschaftstransportwagen.
Vereinzelte Behauptungen, wir strebten nicht nach Truppenreduzierung, treffen nicht zu.
Wenn wir die Begrenzungen und Reduzierungen bei den von uns spezifizierten Kategorien - Panzer, Artillerie, gepanzerte Mannschaftstransportwagen - behandeln, würde auch die damit zusammenhängende Personalstärke
gesenkt.
Wenn Sie einmal unseren
Vorschlag genau studieren, werden sie
feststellen, daß wir diese Frage im
Abschnitt über Informationsaustausch
ansprechen. Die Informationen würden
nicht nur Ausrüstung sondern auch
Truppen betreffen.
Zum Thema der
Truppen bin ich nicht der Meinung,
daß unsere Differenzen ebenso groß
sind. Es ist eine Frage der Gewichtung.
Frage:
Herr Botschafter, besteht
innerhalb der NATO Uneinigkeit darüber, daß Zone 4 dasselbe ist wie die
alte MBFR-Zone?
Antwort: Die Antwort ist Nein, es
herrscht keine Uneinigkeit. Wir ziehen es vor, dies als Gebiete oder Regionen zu bezeichnen.
Ich möchte
versuchen, Ihnen dies besser zu erläutern.
(Der Botschafter bittet
seinen Assistenten, einige Landkarten
zu präsentieren.)
Das Mandat geht davon aus, daß
der Anwendungsbereich der Verhandlungen "vom Atlantik bis zum Ural"
reicht. Wir mußten das definieren.
Wir mußten die Tatsache berücksichtigen, daß es bestimmte Inselterritorien gab, die nicht unbedingt von jedermann als Teil des europäischen
Kontinents verstanden wurden. Natürlich ist Island einer der Teilnehmer,

�und wir haben Spitzbergen und andere
spezifiziert, darunter die Azoren,
die Kanarischen Inseln etc.
Auch
über die Frage, welcher Teil der
asiatischen Türkei in die Gespräche
einbezogen werden sollte, haben wir
lange verhandelt.
Das ist also das Gebiet "vom Atlantik bis zum Ural". Diese erste
Karte zeigt das Gesamtgebiet. Und
Sie werden feststellen, daß unsere
Maßnahme 4, Unterabschnitt 1, dieses
gesamte Gebiet betrifft.
Ich werde nun versuchen, aufzuzeigen, wie wir konzentrische Regionen definiert haben und wie wir mit
abnehmender Größe innerhalb dieser
Regionen Untergrenzen festlegen. Wir
reduzieren einige der Streitkräfte.
Wenn Sie eine Untergrenze haben, dann
kann in jeder Unter-Region nicht mehr
als ein bestimmter Anteil der zugelassenen
Gesamtstärke
stationiert
sein.
Die Logik unseres Vorschlags lautet folgendermaßen:
In Nummer eins, Regel eins,
sprechen wir über Gesamtbegrenzungen
für beide Seiten.
- In Nummer zwei behandeln wir
das Problem, daß kein einzelner Teilnehmer auf seiner Seite dominieren
sollte. Regel zwei besagt, daß kein
Teilnehmer mehr als 30 Prozent der
Gesamtstärke besitzen darf.
- In Nummer drei haben wir immer
noch das Problem, wie viel außerhalb
der Grenzen eines Teilnehmerstaats
stationiert sein darf, also besagt
Regel drei, daß kein Bündnis zusammen
eine bestimmte Gesamtstärke der ausserhalb der Grenzen der Entsenderstaaten stationierten Truppen überschreiten darf.
Nun zu Regel vier - da wir immer
noch nicht das Problem der destablisierenden Konzentrationen gelöst haben. Regel vier betrifft eine Reihe
miteinander verknüpfter Regionen, die

dazu führen, bestimmte Streitkräfte
zu verdrängen, wenn diese vier Untergrenzen in einem Schritt eingeführt
werden. Ich möchte dies klarstellen
- das Endergebnis besteht in der obligatorischen Verteilung der Streitkräfte über das gesamte Verhandlungsgebiet.
Dies ist also Unterregel 4, Paragraph 2. Wir haben abgebaut und damit fallen auf der Westflanke Norwegen und Island heraus, die sowjetischen Militärbezirke im Norden und
an der Südflanke Griechenland und die
Türkei, ebenso der Trans-Kaukasus,
der Kaukasus und die Militärbezirke
von Kiew.
Als nächstes behandeln wir Regel
4, Unterregion 3, und hier sehen Sie,
daß wir auf der anderen Achse Beschränkungen vorgenommen haben, die
erfordern, daß bestimmtes zusätzliches Territorium und weitere Streitkräfte ausgenommen werden. Die unter
diesem Punkt erlaubten Zahlen liegen
Ihnen vor, und dies erfordert die
Auflockerung
bestimmter
anderer
Streitkräfte. Sie werden sehen, daß
es die Iberische Halbinsel auf der
westlichen Seite und die sowjetischen
Militärbezirke - zwischen ihren westlichen Bezirken und dem Ural - im
Osten sind.
Schließlich wenden wir uns der in
Regel 4, Unterregion 4 beschriebenen
Bereich zu. Dieser Bereich betrifft
genau den Punkt, der bereits Gegenstand
anderer
Verhandlungen
war.
Aber diese Zusmmentreffen hat nichts
hiermit zu tun, außer in bezug auf
die militärischen Gegebenheiten, die
es notwendig machen.
Es bestehen
überhaupt keine politischen Beziehungen.
Vergleiche mit MBFR hinken,
wenn man dies zu verstehen sucht,
weil diese vier miteinander verknüpften Unterregionen alle gleichzeitig
in Kraft treten. Wir konzentrieren
uns nicht insbesondere auf irgendeine
dieser Zonen und wenden ihnen keine
besondere Aufmerksamkeit
zu.
Wir
schlagen ein Netz von Regionen vor,
die alle zusammen den Effekt erbrin-

- 3 -

�gen, daß
werden.

die

Streitkräfte

verteilt

Ich bedaure, daß ich so detailliert darauf eingehen muß, aber meiner Ansicht nach bestanden hierbei
eine Reihe von Mißverständnissen.
Frage:
Herr Botschafter, der sowjetische Vertreter hat erklärt, er
würde ein erstes Abkommen vor 1992,
dem Datum der nächsten Konferenz in
Helsinki, befürworten.
Stimmen Sie
dem zu? Meine zweite Frage zielt darauf ab, daß Sie in einem WorldNetInterview im Februar erklärt haben,
im Verlauf der Verhandlungen könnten
Flugzeuge einbezogen werden.
Wann
könnte das Ihrer Ansicht nach möglich
sein?
Antwort:
Wir im Westen sind sehr
vorsichtig in bezug auf die Festlegung von Terminen.
Meiner Ansicht
nach wäre es verfrüht, Termine zu
setzen, und es ist unklug, ein wichtiges Thema wie die konventionellen
Streitkräfte unter dem Druck von Terminen zu verhandeln. Dies ist auch
einer der Gründe, warum wir dieses
besondere Verhältnis zum KSZE-Prozeß
haben - wir haben unser Mandat so
vorsichtig
vorbereitet,
daß
der
KSZE-Zeitplan nicht gegen uns arbeitet.
Was die Vorschläge des sowjetischen Vertreters im Hinblick auf
1992 betrifft, so ist meine Reaktion
darauf: Warum nicht eher?
Es ist
möglich, daß wir mehr Zeit benötigen
werden, aber ich hoffe, wir werden
weniger Zeit brauchen.
Wie Sie beim Mandat gesehen haben, schließen wir Flugzeuge nicht
aus. In unserem Vorschlag legen wir
jedoch dar, daß die drei gezählten
Kategorien Panzer, schwere Artillerie
und gepanzerte Mannschaftstransportfahrzeuge erste Priorität haben sollten. Unserer Ansicht nach sind dies
die Waffen, die direkteste Auswirkungen auf die in den ersten Abschnitten
des Mandats und des Vorschlags niedergelegten Zielsetzungen haben.

Frage:
Herr Botschafter, gibt es
im Hinblick auf Flugzeuge Umstände,
unter denen sie diese in die erste
Phase einschließen würden?
Antwort:
Sie haben die Position
des Bündnisses vernommen. Meine Meinung dazu lautet, wenn wir die Flugzeuge und ihre Zahl genau festlegen,
würden die Sowjets ihre Forderung
nach einer Betonung der Flugzeuge zurückziehen. In genau diesem Bereich
spielt der Osten unglücklicherweise
das alte Spiel "was mir gehört, behalte ich, und was Euch gehört, kann
ausgehandelt werden."
Sie wollen
mehr als die Hälfte der Flugzeuge des
Ostens beseite nehmen und ihnen dann
eine rein defensive Rolle zuweisen.
Nachdem sie also 7 000 ausgenommen
haben, erklären sie, die NATO sei ihrer Zählweise zufolge im Vorteil, und
wir sollten eine Reduzierung vornehmen. Wenn wir uns also meiner Ansicht nach zunächst der Frage zuwenden, über welche Art von Flugzeugen
wir sprechen und wessen Flugzeuge
ausgenommen werden, wird das Problem
gelöst.
Frage:
Herr Botschafter, die Sowjetunion hat klar herausgestellt,
daß Nuklearwaffen zwar kein Teil dieser Verhandlungen sind, sie aber dennoch einer Modernisierung dieser Raketen in Europa nicht zustimmen. In
welchem Maße sind davon diese Verhandlungen hier betroffen?
Antwort: Das Mandat besagt eindeutig, daß Kernwaffen nicht Gegenstand
dieser Verhandlung sind. Das Mandat
besagt ferner ganz klar, daß vielfältig einsetzbaren Waffensystemen keine
besondere
Aufmerksamkeit
zugewandt
wird. Als Ergebnis davon wird die
schwere Artillerie, mit der auch nukleare Munition abgefeuert werden,
nur im Hinblick auf ihre konventionelle
Fähigkeit
behandelt
werden
kann. Wenn diese abgebaut wird und
das auch zu einer Reduzierung der nuklearen Fähigkeiten führt, ist dies
eine zwangsläufige und keine gewollte
Entwicklung.

�Soviel zum Hintergrund. Um etwas
genauer auf Ihre Frage einzugehen, so
hat Schewardnadse bei seinem Besuch
im Januar zum Abschluß des KSZE-Folgetreffens und erneut vor drei Tagen
erklärt, daß die mit diesen Verhandlungen abgezogenen sowjetischen Einheiten ihre taktischen Nukelarwaffen
mitnehmen würden.
Das ist nicht
überraschend.
Alle zum Abzug bestimmten Einheiten werden ihre schwere Artillerie mitnehmen, die unter
Umständen in der Lage sein kann, nukleare Munition abzufeuern.
Der wahre Grund für diese sowjetische Gewichtung ist der Wunsch nach
Verschärfung eines in Brüssel behandelten Problems der NATO, und ferner
soll in unsere Gespräche hier die
Frage eingebracht werden, wann, ob,
wie und wo man von INF zu dem gelangen kann, was wir SNF nennen, das
heißt, zu Verhandlungen über nukleare
Systeme mit Reichweiten von 500 oder
weniger Kilometern. Es bestehen keine Unstimmigkeiten unter den 16 Verbündeten darüber, daß Nuklearsysteme
von den Verhandlungen ausgenommen
sind. Dazu gibt es einen Konsens.
Fragen darüber, ob, wo und wann nukleare Kurzstreckensysteme in anderen
Verhandlungen
abgehandelt
werden,
sind Fragen, die NATO-Vertretern in
Brüssel oder in den Hauptstädten der
NATO-Länder gestellt werden sollten.
Frage: Wenn wir die Zahlen und die
Zonen betrachten, die uns die NATO
bietet, sieht es so aus, daß sich in
der Bundesrepublik und der Türkei die
Streitkräfte konzentrieren und in anderen Teilen in geringerem Maße vorhanden sind. Die Bundesrepublik wird
stärker militarisiert sein als andere
Bereiche des Bündnisses.
Antwort:
Das ist sicherlich nicht
unsere Absicht, und das ist nicht die
Interpretation aller 16 Länder im
Hinblick auf diesen Vorschlag. Die
Auswirkung unseres Vorschlags ist genau das Gegenteil. Er will die Konzentration der Streitkräfte in der
Mitte Europas verringern, dies aber
auf eine Weise tun, die die Sicher-

heitsinteressen keiner Partei - und
sicher nicht die Sicherheitsinteressen eines NATO-Landes wie die Türkei,
Norwegen, Griechenland, Spanien und
Portugal - verletzt. All dies ist
sehr sorgfältig erarbeitet worden.
Es ist ein ausgeklügelter Vorschlag,
in den viele Überlegungen eingeflossen sind, und ich wünsche mir, wir
hätten bei vorangegangenen Verhandlungen diese Art der Arbeitsweise angewandt.
Ich denke, wenn Sie die
Möglichkeit haben, dies eingehend zu
studieren, werden sie sehen, daß diese Verhandlungen genau das Gegenteil
von dem tun, was sie andeuten.
Frage:
Ich habe eine Frage über
die Detailliertheit bei der NATO-Position. Die Haltung der NATO scheint
detaillierter zu sein als die Position der Sowjets. Erwarten Sie mehr
Details von sowjetischer Seite?
Antwort: Darauf hoffen wir sicherlich. Aber meiner Ansicht nach gibt
es genügend Gemeinsamkeiten, auf denen wir aufbauen können. Am Montag
werden wir anfangen, die Punkte der
Übereinstimmung
festzulegen.
Wir
werden uns gegenseitig Fragen stellen, weiter ausholen und sicherstellen, daß wir die Vorschläge der anderen Seite verstehen. Wie Sie ausführten, fehlen der östlichen Seite
die Einzelheiten, die wir in unseren
Vorschlägen darlegen, aber ich denke
nicht, daß dies eine Hindernis für
eine baldige Bewegung bildet.
Frage:
Obwohl beide Seiten ihre
Zufriedenheit über einen guten Anfang
bekundet haben und auf die gleichen
Ziele zuzustreben scheinen, gibt es,
wie Sie und Herr Grinewski betonten,
zahlreiche Komplikationen. Bei welchen Themen der KSE-Verhandlungen wäre Ihrer Ansicht nach eine Einigung
am schwierigsten zu erzielen?
Antwort: Das erinnert mich an die
Frage des Optimisten und des Pessimisten: Ist das Glas halb voll oder
halb leer? Ich möchte keine Durchbrüche oder schnellen Fortschritte
vorhersagen.
Ich möchte auch keine

- 5 -

�bevorstehenden Sackgassen prognostizieren. Ich habe in meiner Eröffnungsansprache daruf verwiesen, daß
es eine Reihe von Bereichen der Übereinstimmung gibt, aber dennoch einige
Punkte, die möglicherweise Schwierigkeiten bereiten werden. Ich möchte
den hier dargelegten Punkten nicht
vorgreifen.
Zu Ihrer Erinnerung:
ich habe
einige Bereich angeschnitten, in denen Unstimmigkeiten bestehen - ihre
Zählweise unterscheidet sich von unserer, etwa bei den Hubschraubern und
Flugzeugen
und
den Soldaten, es
bleibt unklar, wie weit die Reduzierungen in einer ersten Phase gehen
sollten und wie das Problem der Lagerung von Waffen und der Militärhaushalt behandelt werden sollten.
Vielen Dank.

* * * *

�:e° S&gt;.

AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. März 1989

11

USA FÜR FESTE, ANGEMESSENE MASSNAHMEN GEGEN IRANS DROHUNGEN
- Erklärung von Alvin Adams vor Senatsunterausschuß WASHINGTON - (AD) - Angesichts der terroristischen Todesdrohung des Iran
gegen den britischen Autor Salman Rushdie sowie Verlage und Buchhandlungen
verfolgen die Vereinigten Staaten dem stellvertretenden Koordinator für Terrorismusbekämpfung im US-Außenministerium, Alvin Adams, zufolge eine Politik der
Festigkeit und der angemessenen Reaktion. Vor dem Unterausschuß des Senats
für Terorismus, Drogenhandel und Internationale Operationen gab Adams die folgende Erklärung ab, die wir im Wortlaut veröffentlichen:
Ich begrüße diese Gelegenheit,
mit Ihnen und den Mitgliedern Ihres
Unterausschusses
über
die
Affäre
Rushdie zu sprechen.
Diese Affäre
ist mit ihrer eigentümlichen Verwicklung innen- und außenpolitischer Elemente äußerst komplex und entzieht
sich angesichts der von ihr berührten
hochbrisanten politischen und religiösen Aspekte jeglicher Berechenbarkeit.
Wir möchten von Anfang an klarstellen, daß wir energisch für die
Meinungsfreiheit eintreten, die wir
als grundlegendes Menschenrecht betrachten. Dieses Recht steht allen
Menschen in der Welt zu. Des weiteren wird es für Amerikaner ausdrücklich in unserer Verfassung bekräftigt. Wir - alle, die wir hier ver-

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treten sind und die anderen Mitglieder der Bundesregierung - werden alles in unserer Macht Stehende tun, um
dieses Recht zu schützen.
Wir nehmen die von Teheran in Zu^
sammenhang mit Salman Rushdies Buch
"Die satanischen Verse" ausgesprochenen Drohungen sehr ernst. Die Reaktionen auf das Buch haben in Südasien
bereits zu erheblichen Ausschreitungen geführt und könnten auch das Motiv für die Brandanschläge auf zwei
Buchläden in Berkeley sowie auf The
Riverdale Press in New York liefern.
Wir betrachten die Drohungen gegen
Rushdie und sein Buch als Aufforderung zur Ausführung eines terroristischen Anschlags, die in den internationalen Beziehungen unserer Zeit ihresgleichen sucht. Die Aufforderun-

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�gen zur Ermordung Rushdies seitens
der iranischen Führung erscheinen vor
dem Hintergrund der ausgesetzten hohen Belohnungen noch abstoßender.
Bei der Beschäftigung mit diesen
Drohungen müssen wir zugleich jedoch
einen klaren Kopf bewahren, ihren
Charakter kühl bewerten und eine
wirksame Reaktion darauf ausarbeiten.
Dies ist nicht das erste Mal, daß wir
ernsthaften Drohungen
seitens des
Iran oder anderer, den internationalen Terrorismus unterstützender Staaten ausgesetzt sind, und es wird auch
nicht das letzte Mal sein.
Was wir tun müssen, und was wir
auch tun, ist, die seit langem bestehenden Prinzipien und Taktiken anzuwenden, die zur Abwehr terroristischer Drohungen entwickelt wurden.
Dazu gehören Festigkeit angesichts
von Einschüchterungsversuchen sowie
eine angemessene, mit unseren Freunden abgestimmte Reaktion, die sich an
einer wirksamen und realistischen
Strategie orientiert.
Von unserer Seite gibt es mehrere
unterschiedliche Reaktionen auf die
Affäre Rushdie. Im folgenden möchte
ich diese behandeln und danach auf
die Entstehung der Drohung eingehen.
Unsere Reaktionen werden von folgenden Grundsätzen geleitet:
1. Ungeachtet des literarischen
Werts dieses Buches stellte die
Drohung gegen Rushdie, seine Verleger und den Buchhandel ein
gänzlich unannehmbares Verhalten
seitens des Führers eines Staates
dar.
2. Obwohl die genauen Auswirkungen dieser Drohungen und der öffentlich ausgesetzten Belohnung
für den Mord noch ungewiß waren,
haben wir diese Drohungen ernst
genommen.
3. Angesichts der Drohungen gegen
Amerikaner in Pakistan waren unsere Reaktionen im Hinblick auf
Diplomatie und Sicherheit ange-

messen.
4. Unsere Reaktionen gründeten
sich zunächst auf Konsultationen
mit anderen Ländern, die noch unmittelbarer als wir bedroht waren, insbesondere Großbritannien,
da Rushdie britischer Staatsbürger ist und dort seinen Wohnsitz
hat.

Öffentliche Reaktionen
Was den Beginn der Affäre betrifft, so hat der Ajatollah Khomeini
seine berüchtigte Erklärung, in der
er das Buch "Die satanischen Verse"
verurteilte und den Tod Rushdies verlangte, am 14. Februar 1989 abgegeben. Die Erklärung enthielt allgemeinere Drohungen gegen Unternehmen
in Großbritannien und den Vereinigten
Staaten, die das Buch verlegten und
verkauften. Khomeinis Erklärung erfolgte nachdem das Buch wesentlich
früher schon von anderen betroffenen
Moslems verurteilt worden war und
nach den schweren Unruhen in Islamabad.
Angesichts der von dieser Affäre
betroffenen
äußerst
empfindlichen
Elemente der westlichen und islamischen Werte, dem verworrenen Zustand
der iranischen Politik und der enormen Herausforderung durch diese Affäre haben wir zu Beginn versucht, die
Ereignisse in Teheran zu analysieren
und eine Bestätigung für Khomeinis
Drohungen zu erhalten.
Unsere Reaktion hat unsere scharfe Ablehnung dieser Drohungen klargestellt. Im Rahmen einer Pressekonferenz hat der Sprecher des US-Außenministeriums, Charles Redman, am 16.
Februar 1989 die folgende formelle
Erklärung abgegeben:
"Wir sind über die vom Ajatollah
Khomeini gegen Salman Rushdie ausgesprochenen Todesdrohungen sowie über
die danach ausgesetzte Belohnung für
seine Ermordung entsetzt. Drohungen
dieser Art sind vollkommen verantwor-

- 2 -

�tungslos und unvereinbar mit den
grundlegenden Normen des internationalen Verhaltens."
In Luxemburg bekräftigte Außenminister Baker am selben Tag unsere Ablehnung der Todesdrohung und fügte
hinzu: "Die Vereinigten Staaten stehen fest zu ihrer Verpflichtung der
Bekämpfung des Terrorismus, insbesondere des staatlich geförderten Terrorismus."
Ebenfalls am 16. Februar 1989
verabschiedete
das
Europaparlament
eine Resolution, in der die Drohungen
verurteilt und der Europarat aufgefordert wurde, im Falle von deren
Ausführung Sanktionen gegen den Iran
zu verhängen. In den darauf folgenden Tagen wurden widersprüchliche
Äußerungen iranischer Vertreter bekannt. Einige meinten, der Iran werde die Todesdrohung zurückziehen,
wenn Rushdie sich für die Beleidigung
des Islam entschuldige. Am 19. Februar 1989 jedoch wurde in einer dem
Ajatollah
Khomeini
zugeschriebenen
Erklärung die Drohung in unmißverständlichen Worten bekräftigt, und
bald darauf hatte sich die gesamte
iranische Führung dem Chor derer angeschlossen, die Rushdies Tod forderten. Als Reaktion hierauf verurteilten die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft, die sich am 20.
Februar in Brüssel eingefunden hatten, einmütig das Verhalten des Iran.
In einer bemerkenswerten Demonstration der Einigkeit beschlossen sie,
ihre höchsten Diplomaten aus Teheran
zurückzuberufen.
Innerhalb weniger
Tage hatten alle das Land verlassen.
Am 19. Februar bekräftigte Außenminister Baker in einem Fernsehinterview seine Verurteilung der Todesdrohung und der für Rushdies Ermordung
ausgesetzten Belohnung sowie die allgemeine Ablehnung
des Terrorismus
durch die amerikanische Regierung.
Er fügte hinzu: "Wenn der Iran es
mit dem Wiedereintritt in die Gemeinschaft zivilisierter Staaten ernst
meint, dann ist dies nicht die Art
von Verhalten, die dazu führt."

Am 21. Februar 1989 gab Präsident
Bush die folgende Erklärung ab:
"Ich unterstütze voll und ganz
die Erklärung der 12 EG-Staaten im
Hinblick auf die iranischen Drohungen
gegen Rushdie. Wie beleidigend das
Buch auch sein mag, so sind die Anstiftung zum Mord und die Aussetzung
von Belohnungen für dessen Durchführung eine Beleidigung der Normen zivilisierten Verhaltens. Unsere Haltung zum Terrorismus ist bestens bekannt. Im Lichte der vom Iran betriebenen Aufwiegelung kann die iranische Regierung im Falle irgendwelcher Handlungen gegen amerikanische
Interessen davon ausgehen, daß sie
dafür zur Verantwortung gezogen wird."
Am 22. Februar erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums im Hinblick auf die Forderung führender
iranischer Politiker nach Ermordung
Rushdies:
"Diese Erklärungen stellen eine
Anstiftung zur Ausführung eines terroristischen Akts dar, und diese wird
durch das Angebot einer Belohnung für
die Ermordung Rushdies noch abstoßender...
Dies ist ein direkter Anschlag auf die Freiheit der Meinungsäußerung, die ein grundlegendes Menschenrecht ist."
Am 28. Februar erklärte der Präsident nach den Brandanschlägen auf
zwei Buchhandlungen in Berkely und
die Zeitungsredaktion in New York:
"Obwohl Einzelheiten zu diesen Anschlägen und die Motive derjenigen,
die sie begangen haben, noch unbekannt sind, ist es meines Erachtens
wichtig, bei dieser Gelegenheit zu
erklären, wo die Regierung der Vereinigten Staaten und - davon bin ich
überzeugt - das amerikanische Volk in
der Frage der Gewaltanwendung und unserer Rechte stehen.
Dieses Land
wurde auf den Prinzipien der Redefreiheit und der religiösen Toleranz
gegründet. Während unserer gesamten
Geschichte haben wir für die Bewahrung dieser Prinzipien gekämpft. Ich
möchte unmißverständlich klarstellen,

- 3 -

�daß die Vereinigten Staaten keinen
Anschlag auf diese Rechte amerikanischer Bürger hinnehmen werden."
Der Präsident fügte hinzu, falls
sich herausstellen sollte, daß durch
diese
Brandanschläge
Bundesgesetze
verletzt wurden, habe er Justizminister Dick Thornburgh aufgefordert
"alle Mittel des FBI und alle anderen
angemessenen Instrumente dieser Regierung einzusetzen, um die Verantwortlichen zu identifizieren und ihrer gerechten Strafe zuzuführen."
"Wir wissen noch nicht", erklärte
der Präsident weiter, "ob diese Anschläge mit dem Buch 'Die satanischen
Verse' in Zusammenhang stehen. Ich
möchte jedoch eines deutlich machen jeder, der Akte der Einschüchterung
oder der Gewalt gegen den Autor, die
Verleger oder die Händler des Buches
begeht, wird mit der vollen Schärfe
des Gesetzes verfolgt werden. Sicherlich mag sich mancher Anhänger
des Islam durch das Buch tief beleidigt fühlen, und ich habe dafür gewiß
Verständnis.
Aber wir können und
werden Gewalt und Gesetzlosigkeit in
diesem Land nicht hinnehmen, und die
Bürger unseres Landes sollen wissen,
wie ernst es mir mit dieser Haltung
ist.

lems, ist völlig ungerechtfertigt.
Ich möchte betonen, daß keine andere
Regierung und kein anderer Führer der
islamischen Welt - außer Gadhafi diese Todesdrohung
gutheißt.
Der
Scheich der Al-Azhar-Universität von
Kairo, einer führenden Institution
der
islamischen
Geisteswelt, hat
trotz seiner Verurteilung des Buches
Khomeinis Todesdrohung zurückgewiesen
und erklärt, diese stünde mit dem islamischen Rechtssystem nicht im Einklang .
Herr Vorsitzender,
es ist viel
über innenpolitische
Faktoren als
Gründe für Khomeinis Drohungen und
deren Unterstützung durch andere führende Politiker des Iran gesprochen
worden. Dies trifft sicherlich zu.
Wenn wir uns bemühen, das Verhalten
des Iran zu verstehen, dürfen wir jedoch nicht den Fehler begehen, dieses
Verhalten zu rechtfertigen.
Obwohl
sie dies mit unterschiedlicher Intensität getan haben, haben sich alle
führenden Politiker des Iran hinter
die Erklärungen Khomeinis gestellt.
Die gesamte Regierung des Iran ist
für dieses Verhalten verantwortlich die sogenannten Gemäßigten und die
Radikalen gleichermaßen.

Diplomatische Reaktionen
Am 3. März erklärte Justizminister Thornburgh einer Delegation amerikanischer Verleger, daß die amerikanischen Polizeibehörden alle erdenklichen Vorkehrungen treffen würden, um Verleger und Buchhändler vor
Drohungen und Gewaltakten zu schützen, die durch die Kontroverse ausgelöst würden.
Herr Vorsitzender, die Haltung
der Vereinigten Staaten steht außer
Frage. Khomeinis Erklärungen stellen
eine Anstiftung zur Ausführung eines
terroristischen Akts dar. Die Aussetzung einer Geldsumme für die Ermordung Rushdies macht dieses Verhalten noch rücksichtsloser und brutaler. Rushdies Buch hat gewiß viele
Moslems beleidigt, aber Khomeinis Behauptung, er spreche für alle Mos-

Die öffentlich abgegebenen Erklärungen sind nicht unsere einzige Reaktion auf die Drohungen gegen Rushdie. Wir haben uns mit diesem Problem auf mehreren Ebenen auseinandergesetzt, ebenso wie wir andere terroristische Bedrohungen mittels einer
Kombination von öffentlichen diplomatischen
Schritten,
diplomatischen
Verhandlungen hinter verschlossenen
Türen und Sicherheitsmaßnahmen begegnet sind.
Zusätzlich zu unserer öffentlichen Verurteilung des Vorfalls arbeiten wir eng mit Freunden zusammen,
die direkter bedroht sind und wenden
uns an andere Länder, die engere Beziehungen mit Teheran unterhalten als
wir und die daher ihrer Entrüstung

- 4 -

�wirksamer Druck verleihen können.
Unser Ziel besteht darin, andere
Staaten zu ermutigen, sich für diese
Sache einzusetzen und die sich in ihren Beziehungen mit dem Iran ergebenden Möglichkeiten auszuschöpfen, um
ihrer Mißbilligung konkret Ausdruck
zu verleihen.
Wir haben den Fall Rushdie in
mehreren Ländern angesprochen - zum
Beispiel auch in Japan und der Sowjetunion - und sie gebeten, ihre Ablehnung dieses Verhaltens klar und
deutlich zu artikulieren.
Unsere
Botschaften auf der ganzen Welt sind
mit Material über diesen Fall für Gespräche mit dem jeweiligen Gastland
versorgt worden.
Wir stellen fest, daß die westeuropäischen Länder zusammenarbeiten
und ihr Vorgehen koordinieren. Die
Europäische Gemeinschaft
hat beispielsweise ihre Botschafter aus dem
Iran abgezogen und hochrangige Besuche bis auf weiteres verschoben. Wie
bereits erwähnt, hat der Europarat
die iranischen Drohungen schärfstens
verurteilt. Präsident Bush hat seine
Unterstützung dieses Vorgehens zugesichert. Wir beabsichtigen, noch in
dieser Woche eine Erklärung bei der
Sitzung der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen in Genf abzugeben.
Die Kommission weiß, daß die Vereinigten Staaten ihre diplomatischen
und wirtschaftlichen Beziehungen mit
dem Iran bereits zahlreichen Restriktionen unterworfen haben. Das amerikanische Verbot, militärisch verwendbare Produkte an den Iran zu verkaufen bleibt ebenso fest bestehen wie
das nahezu vollständige Embargo gegen
iranische Exporte in die Vereinigten
Staaten. Nach wie vor versuchen wir,
den Verkauf von Waffen aus Drittländern an den Iran zu unterbinden. Wie
Sie bereits wissen, sind wir in Iran
nicht offiziell vertreten und die zu
den Vereinten Nationen in New York
entsandten iranischen Diplomaten unterliegen weiterhin Reisebeschränkungen. Wir haben strikte Sicherheits-

vorschriften, die einzuhalten sind,
bevor ein Visum gleich welcher Art an
einen iranischen Staatsbürger erteilt
wird.
Bedrohungsanalyse
Auch auf anderer Ebene setzen wir
uns mit den Sicherheitsaspekten der
iranischen
Bedrohung
auseinander,
versuchen die politische Bedrohung
umfassender zu analysieren und gegebenenfalls die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Aus den vom Iran
abgegebenen Erklärungen lassen sich
zwei Dimensionen dieser Bedrohung
entnehmen. Die eine besteht in möglichen Aktionen von Einzelpersonen,
die zwar von sich aus, jedoch ermutigt durch die Bekundungen des Iran
und die in Aussicht gestellte Belohnung für die Ermordung des Autors auf
die Ausführungen in Rushdies Buch reagieren.
Die zweite Dimension der
Sicherheitsbedrohung ergibt sich aus
der Möglichkeit vom Iran organisierter
professionellerer
Operationen
oder ähnlichem, falls die Organe der
iranischen Regierung selbst aktiv die
Morddrohung verfolgen.
Bei einer Analyse der Bedrohungen
ist Mr. Rushdie eindeutig das offensichtlichste Ziel. Sein Leben ist in
Gefahr; sowohl er als auch die britischen Behörden müssen davon ausgehen,
daß man versuchen wird, die gegen ihn
gerichtete Drohung in die Tat umzusetzen.
Aufgrund
der
britischen
Staatsbürgerschaft von Mr. Rushdie
und seinem Wohnsitz in Großbritannien
sind die britischen Interessen wahrscheinlich das nächstliegende Ziel,
zumindest aus der Sicht von Einzelpersonen, die auf die iranischen
Drohgebärden reagieren.
Angesichts
der Demonstrationen, die bereits gegen kulturelle Einrichtungen der Vereinigten Staaten in Islamabad stattgefunden haben und einer Reihe von
Drohungen, die gegen Einzelpersonen
und Unternehmen in den Vereinigten
Staaten ausgestoßen wurden, sind auch
wir ein potentielles Ziel. Im Hinblick auf die Einrichtungen in Über-

- 5 -

�see hat das Außenministerium alle diplomatischen Vertretungen in den am
meisten gefährdeten Gebieten von der
Möglichkeit antiamerikanischer Aktivitäten in Kenntnis gesetzt. Die diplomatischen Vertretungen wurden angewiesen, dem Außenministerium über
Reaktionen vor Ort auf den Fall Rushdie Bericht zu erstatten. Die amerikanische Flugsicherheit ist bereits
aufgrund des Bombenanschlags auf Pan
Am-Flug 103 erhöht worden und weitere
Drohungen werden nach wie vor sorgfältig ausgewertet.
Mit Blick auf die Zukunft ist es
schwierig, eine Beurteilung der Weiterentwicklung dieser Situation abzugeben, ob die Drohungen des Iran und
die von ihm heraufbeschworenen Gewaltakte sich in nichts auflösen oder
ob es tatsächlich in Verbindung mit
iranischen Regierungsbehörden weitere
Anschläge geben wird. Für den letzteren Fall hat Präsident Bush bereits
eindeutig klargestellt, daß der Iran
dafür zur Verantwortung gezogen wird.
Solange die iranische Regierung
weiterhin absolut gewissenlos und unverantwortlich handelt, muß sich Teheran zumindest auf heftige Kritik
und Isolation gefaßt machen. Dieser
Vorfall ist nicht das einzige Ereignis, das den Iran isoliert und ihn
von normalen Beziehungen mit der
übrigen Welt ausschließt. Die iranische Regierung setzt ihre Politik der
Unterstützung
des
internationalen
Terrorismus fort, einschließlich der
Terroristen, die die Geiseln im Libanon gefangenhalten.
Wir erachten
diese Politik als verabscheuungswürdig und inakzeptabel. Sie muß ein
Ende haben, wenn der Iran ein Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft werden will.
Herr Vorsitzender - viele Moslems
fühlen sich von diesem Werk beleidigt.
Aber kein Mensch hat das
Recht, einen Mordanschlag auf einen
anderen für das, was er denkt und
schreibt, auszuüben. Der Islam ist
ebenso wie das Christen- und Judentum
eine der größten monotheistischen Re-

ligionen der Welt, die dem menschlichen Leben tiefe Verehrung erweisen.
Der vielleicht traurigste Aspekt dieser tieftraurigen Angelegenheit ist,
daß durch sie einige der Grundüberzeugungen des Islam in Mißkredit gebracht werden können.
Noch ein letzter Punkt: In unserer Entrüstung über das Verhalten des
Iran ist es doch von Bedeutung, daß
wir nicht fälschlicherweise annehmen,
es handele sich um einen grundsätzlichen Konflikt zwischen islamischen
und westlichen Werten. Das Buch "Die
satanischen Verse" verwendet islamische Thesen und Symbole für fiktive
und künstlerische Zwecke. Damit hat
der Autor viele Moslems und auch andere Menschen beleidigt.
Aber der
Konflikt hier besteht nicht zwischen
denjenigen, denen das Buch gefällt
und denjenigen, die es nicht mögen.
Noch liegen wir im Streit mit dem Islam. Wir befinden uns im Streit mit
denjenigen im Iran, die offensichtlich der Überzeugung sind, daß sie im
Namen des Islam das Recht haben,
Mordanschläge
anzustiften und die
sich durch dieses abstoßende Verhalten von der Mehrheit der Moslems und
der Menschheit isoliert haben.
Abschließend möchte ich nochmals
betonen, Herr Vorsitzender, daß die
verantwortungsbewußten Mitglieder der
internationalen
Staatengemeinschaft
in ihrer Verurteilung und ihrer Entrüstung über die Anstiftung zum Mord
und der Bedrohung von Buchhandlungen
und Verlegern und der Redefreiheit an
sich vereint sind. Senator Moynihans
Resolution (S. Res. 69) hebt diese
Tatsache besonders hervor. Wir werden und können Morddrohungen und Versuche, uns bei der Ausübung unserer
Grundrechte zu hindern, nicht tolerieren.
Wir hoffen, daß die iranische
Führung schnell erkennt, daß Anstiftung zur Gewalt den eigenen langfristigen Interessen des Iran in höchstem Maße zuwiderläuft, sein internationales Ansehen zerstört und ein
ernstzunehmendes Risisko für seine

- 6 -

�Beziehungen mit anderen Ländern bedeutet.
Unsererseits werden wir die Situation sorgfältig überwachen und unsere Verpflichtung zum Schutz der
amerikanischen Bürger und Rechte bekräftigen. Darüber hinaus werden wir
weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, jeden davon abzuhalten,
Bedrohungen zu weiteren Gewaltakten
eskalieren zu lassen.

*

* * * * *

- 7

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation

11

15. März 1989
VEREINIGTE STAATEN WOLLEN "MAUER DES MISSTRAUENS" IN EUROPA ABBAUEN
- Ansprache von John Maresca -

WIEN - (AD) - Dem Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen in Europa (VSBM), John
J. Maresca, zufolge betreffen die von den Vereinigten Staaten und ihren westlichen Verbündeten vorgeschlagenen Maßnahmen "den Kern des Vertrauensproblems
in den europäischen Militärangelegenheiten". Bei der ersten Plenarsitzung
schlug Maresca einen jährlichen Informationsaustausch zwischen Ost und West
über die in Europa stationierten konventionellen Streitkräfte und Waffensysteme vor, um die in den vergangenen vier Jahrzehnten errichtete "Mauer des Mißtrauens" abzubauen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des amerikanischen Delegationsleiters im Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Delegierte,
zunächst möchte ich mich meinen
Vorrednern anschließen und die Dankbarkeit meiner Regierung gegenüber
unseren österreichischen Gastgebern
dafür zum Ausdruck bringen, daß sie
diesen herrlichen Rahmen für unsere
Verhandlungen zur Verfügung gestellt
und uns in den vergangenen Tagen
solch großartige Gastfreundschaft erwiesen haben. Wir können nur hoffen,
daß diese historische Umgebung uns
alle zu höchsten Zielen und staatsmännischen Leistungen inspirieren möge.
Bei den von uns heute eröffneten
Verhandlungen geht es um Sicherheit.
Wenn wir nun unsere gemeinsamen Bemü-

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hungen aufnehmen, tun wir gut daran,
alle Teile dieses Konzepts im Auge zu
behalten. Wenn uns die Erfahrung der
KSZE irgend etwas gelehrt hat, dann,
daß die Sicherheit der Nationen durch
militärische
Mittel
allein
weder
vollständig gemessen noch vollkommen
verwirklicht werden kann. Die militärische Konfrontation, die Europa
seit nunmehr vierzig Jahren belastet,
ist tatsächlich Auswirkung und nicht
Ursache, der politischen und gesellschaftlichen Teilung des Kontinents.
Wie Außenminister Baker in seiner
Rede am Montag erklärt hat, kann echte und dauerhafte Sicherheit in Europa nur auf einer Grundlage des Vertrauens begründet werden, des Vertrauens der Nationen gegenüber ihren
Nachbarn und des Vertrauens der Bür-

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�ger gegenüber ihren Regierungen.
Der von den Mitgliedstaaten des
Nordatlantischen
Bündnisses
heute
eingebrachte Vorschlag stellt einen
bedeutenden Schritt zum Aufbau dieser
Art von Vertrauen im Bereich der militärischen Angelegenheiten dar. Aus
diesem Grund wird er von der Regierung der Vereinigten Staaten voll und
ganz unterstützt.
Es kann nicht erwartet werden,
daß die Nationen ihre Streitkräfte
verringern, wenn sie nicht in gewissem Maß darauf vertrauen können, daß
ihre Nachbarn keinerlei feindselige
Absichten gegen sie hegen. Die massiven Stationierungen von Streitkräften mit offensiven Fähigkeiten seitens der Sowjetunion und des Warschauer Pakts in ganz Mitteleuropa
sowie an den Flanken des europäischen
Kontinents lassen kein Vertrauen aufkommen. Fügt man dem noch die geschlossenen Grenzen, die Unterdrückung politischer und gewerkschaftlicher Bewegungen sowie die erdrückende
Geheimhaltungspraxis hinzu, mit deren
Hilfe praktisch alle militärischen
Angelegenheiten des Warschauer Pakts
verschleiert werden, dann nimmt es
nicht wunder, daß der Westen seit
vier Jahrzehnten seine Nachbarn im
Osten mit Mißtrauen und Furcht betrachtet.
Unser Vorschlag ist darauf ausgelegt, weiter am Abbau dieser Mauer
des Mißtrauens zu arbeiten. Die von
uns und unseren Verbündeten vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen den
Kern des Vertrauensproblems in den
europäischen militärischen Angelegenheiten. Mit einfachen Worten: Wir
schlagen vor, daß alle europäischen
Staaten auf jährlicher Basis vollständige Informationen darüber austauschen sollten, welche konventionellen Streitkräfte und Waffensysteme
sie auf dem europäischen Kontinent
stationiert haben und wo diese stationiert sind. Um unser Vertrauen in
die erhaltenen Informationen zu vertiefen, werden wir das Recht fordern,
diese direkt auszuwerten.

Ferner schlagen wir und unsere
Verbündeten vor, die bestehenden Regelungen zur Inspektion und Beobachtung
militärischer
Handlungen
zu
stärken, um unsere Einschätzung von
Fähigkeiten und Absichten zu verbessern. Wie Sir Geoffrey Howe am Montag erklärt hat: "Eine gute Idee ist
es wert, daß man sie verbessert."
Des weitern haben wir ein innovatives neues Forum vorgeschlagen, auf
dem Vertreter des militärischen Establishments unmittelbar ihre Meinungen
und
Anliegen
austauschen
können.
Meines Erachtens können wir im Hinblick auf die Aussichten für Fortschritte in Richtung auf eine stabilere und sicherere Zukunft Europas
wirklich optimistisch sein. Das Klima der Ost-West-Beziehungen ist heute
Fortschritten bei der Tagesordnung
von Frieden und Sicherheit vielleicht
förderlicher als zu irgendeinem Zeitpunkt der vergangenen vierzig Jahre.
Das "neue Denken" in der Sowjetunion
und in einigen Staaten Osteuropas
birgt in sich die Möglichkeit des
Wandels in der Haltung jener Regierungen gegenüber ihren Nachbarn und
Bürgern.
Unser Optimismus sollte jedoch
von Realismus und Klugkeit gezügelt
werden. Ebenso wie Chancen bestehen,
die wir verfolgen müssen, gibt es Realitäten, die wir nicht außer acht
lassen dürfen. Der Kalte Krieg war
keine Fata Morgana. Er war eine reale internationale Lage mit eindeutigen Merkmalen, der politischen Teilung Europas, der Militarisierung der
Ost-West-Beziehungen und dem Wettbewerb zwischen zwei weitgehend unvereinbaren
Gesellschafts- und
Wirtschaftssystemen. Alle diese Merkmale
existieren
in mehr oder weniger
scharfer Form auch heute noch.
Trotzdem müssen wir keine Gefangenen einer unglücklichen Vergangenheit oder einer komplizierten Gegenwart sein.
Kein Aspekt der OstWest-Beziehungen ist vor dem Wandel
zum Besseren gefeit. In dieser Hinsicht begrüßen wir den neuen Wind aus

�dem Osten. Glasnost und Perestrojka
sind Begriffe, die Hoffnung in den
Herzen von Millionen Europäern geweckt haben.
Unsere Hoffnungen auf eine stabilere und
friedlichere europäische
Ordnung sind jedoch in der Vergangenheit enttäuscht worden. Wir im Westen sehen erwartungsvoll den Taten
entgegen, die den Schlagworten Bedeutung und Substanz verleihen.

t
*

Wir begrüßen die Gelegenheit zu
Gesprächen über unsere konventionellen Streitkräfte - dies sind defensive Streitkräfte, und sie haben niemals eine Bedrohung für die Sicherheit irgendeines Staates auf diesem
Kontinent
dargestellt.
Wir
sind
gleichermaßen bereit, die Ausweitung
der Offenheit in militärischen Angelegenheiten zu diskutieren.
Offenheit bedeutet für die westlichen Demokratien keine Herausforderung, sie
ist ein natürliches Merkmal unserer
freien Gesellschaften.
Gleichzeitig werden wir jedoch
alle im Rahmen dieser Gespräche unterbreiteten Vorschläge mit den gleichen strengen Maßstäben messen, die
wir an die von uns und unseren Verbündeten heute eingebrachten Maßnahmen gelegt haben. Der Erfolg unseres
Unterfangens kann nur mit der Dimension verbesserter Sicherheit für alle
hier vertretenen Staaten gemessen
werden, Wir werden in diesen Verhandlungen auf keine Vereinbarungen
eingehen, mit denen die Fähigkeit des
Westens zur Selbstverteidigung ausgehöhlt werden.
Die vor uns liegende Aufgabe der Ausbau von Offenheit und Vertrauen in militärischen Angelegenheiten ist wichtig. Wie ich jedoch schon
vorhin festgestellt habe, sind unsere
Bemühungen lediglich Teil eines umfassenderen Prozesses. Die von uns
in militärischen Angelegenheiten angestrebte Sicherheit und Offenheit
muß sich also auch auf das Verhältnis
zwischen Regierungen und Regierten in
ganz Europa erstrecken.
- 3

Nur wenn Ideen, Menschen und Informationen die Grenzen ungehindert
passieren können und der Einzelne in
allen Ländern ein Mitspracherecht an
Entscheidungen besitzt, die sein Leben betreffen, werden wir In der Lage
sein, ein Europa zu schaffen, das
wahrhaft stabil und sicher ist,
Diese Gedanken sind vielen von
uns lieb und teuer, für andere eine
attraktive Alternative. Leider werden sie jedoch von einigen immer noch
als Bedrohung empfunden. Wie man sie
jedoch betrachten mag, diese einfachen Ideen verkörpern die Zukunft.
Wir hoffen aufrichtig, daß das von
uns heute im Bereich der militärischen Vertrauensbildung begonnene Unterfangen dazu dienen wird, diese umfassendere Vision der Offenheit und
Freiheit für alle Europäer zu fördern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON**

Wissenschaft und Technik

15. März 1989

11

Muskeldystrophie, Typ Duchenne
Erster Erfolg zur Defektkorrektur im Tierversuch

(AD) - Knapp ein Jahr nach der
Entdeckung eines als "Dystrophin" bezeichneten Proteins, dessen Ausfall
im Organismus
zu fortschreitendem
Muskelschwund mit schwerer Behinderung und Tod meist schon in jungen
Jahren führt, haben Forscher im Tierversuch einen Weg gefunden, um den
Abbau der Muskelzellen zu stoppen.
Sie injizierten dystrophen Mäusen unreife Muskelzellen, woraufhin der
tierische Organismus begann, Dystrophin zu produzieren. Dies mag ein
erster, aber sehr bedeutsamer Schritt
sein, um endlich eine Therapie entwickeln zu können.

Folge einer genetischen Störung, die
die Produktion des Proteins Dystrophin verhindert. Bereits im ersten
Lebenjahr macht sie sich bemerkbar
und schreitet dann sehr rasch fort.
Nur wenige Patienten haben eine Chance, das dritte LebensJahrzehnt zu erleben.
In den Vereinigten Staaten
beträgt
die Häufigkeit
bei ausschließlich männlichen Neugeborenen
1:3500. Noch nicht allzu lange ist
bekannt,daß das dafür verantwortliche
Gen auf dem X-Chromosom liegt, sehr
groß ist und etwa ein Zweitausendstel
des menschlichen Genoms (d.H. der
Genmasse im Chromosomensatz) ausmacht.

Die Rede ist von infantiler progressiver Muskeldystrophie, "Typ Duchenne" (in der englischen Terminologie mit DMD abgekürzt). Sie ist die

Obgleich die exakte Funtkion des
bei DMD-Patienten fehlenden Proteins
noch nicht bekannt ist, lassen die
Ergebnisse von neuen Studien vermu-

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�ten, daß es die Wand der Muskelzelle
stützt. Bei der Untersuchung extrem
dünner Schnitte von Muskelgewebe unter dem Elektronenmikroskop fand man
das durch spezielle Nachweisverfahren
sichtbar gemachte Dystrophin an der
Innenseite der Plasmamembrane.
Bei
dieser handelt es sich um die die
Zelle nach außen abschließende Wandung, die eine wichtige Funktion für
Transportvorgänge beim Stoffaustausch
zwischen Zelle und Außenmedium erfüllt. Dystrophin scheint Teil des
Zellskeletts zu sein, eines Netzwerks
von Proteinen, das die Zellstruktur
aufrechterhält.
Nach Meinung der
Forscher könnten somit Zellen, denen
Dystrophin fehlt, der normalen Muskelarbeit nicht
standhalten.
Sie
würden durch sie aufgerissen und zerstört.
Der amerikanische Genetiker Louis
Kunkel vom "Howard Hughes Medical Institute" In Boston (Massachusetts),
der die Tierexperimente mit Mäusen
leitete, bezeichnet die neuen Ergebnisse als "Voraussetzung für erste
Schritte zur Entwicklung therapeutischer Präparate für die Behandlung
von DMD". Weitere Experimente mit
Mäusen wurden und werden an der "Charing
Cross
and
Western
Medical
School" in London sowie am Neurologischen Institut von Montreal (Kanada)
durchgeführt. Dr. Donald Wood, Direktor für Forschung der Amerikanischen Gesellschaft für Muskeldystrophie, sagte kürzlich in Washington,
daß noch im Laufe dieses Jahres erste
Experimente an DMD-Patienten geplant
seien. (DMD ist die häufigste Form
von Erkrankungen im Zusammenhang mit
Muskeldystrophie.)
Diese
Studien,
für die einzelne Muskelstränge und
wenige Muskelgruppen ausgewählt würden, könnten den Anfang größerer Studien am Menschen bilden. Aber es sei
viel zu früh, sich dazu zu äußern,
wann Injektionen - sollten sie sich
als nützlich erweisen - im größeren
Umfang verfügbar werden.
Frühere Arbeiten hatten übrigens
auch gezeigt, daß Dystrophin, ofgleich es nur ein Fünfzigtausendstel

Anteil an den Muskelproteinen besitzt, offenbar eine wichtige Rolle
bei der Erhaltung des Calcium-Gleichgewichts spielt.
Calcium wird als
Elektrolyt für die normale Muskelerregung
und
Muskelkontraktion
gebraucht. Dr. Eric Hoffman von "Children's Hospital" in Boston vermutet,
daß durch die Störung des Calciumgleichgewichts ein Enzym aktiviert
wird, das Muskelfasern auflöst. Und
im Versuch des Organismus, dem gegenzusteuern, komme es zur Fibrose der
Skelettmuskulatur, d.h. zu einem Verhärtungsprozeß, der die Muskelfunktion beeinträchtigt.
Forschungsberichte
israelischer
Wissenschaftler besagen, daß Dystrophin, allerdings in anderer Form,
auch
von
Gehirnzellen
produziert
wird. Diese Entdeckung könnte möglicherweise erklären helfen, weshalb
bei manchen DMD-Patienten geistige
Retardierung beobachtet wird.
Etwa
30 bis 50 Prozent der Patienten sind
in sehr leichter bis mäßiger Form davon betroffen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
r

V,oN^

Wissenschaft und Technik

15. März 1989

11

TABAK ALS DROGE EINSTUFEN
Nationaler Krebsbeirat fordert Kampagnen gegen das Rauchen

(AD) - Mit ca. 576 000 Krebstoten
pro Jahr haben die Vereinigten Staaten nach Schätzungen von Wissenschaftlern des "National Cancer Institute" (Krebsforschungsistitut der
Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA) bis zum Jahr 2000 zu
rechnen.
Das hieße, mehr als ein
Viertel aller Todesfälle wären auf
Krebs zurückzuführen. In den gegenwärtigen Krebsstatistiken falle auf,
so der Direktor des Instituts Dr. Samuel Broder, daß etwa ein Drittel aller Todesfälle durch Krebs auf Rauchen zurückzuführen sei. Er nennt es
"eine traurige Tatsache, daß in unseren Schätzungen für 1989 Lungenkrebs
bei Frauen den Brustkrebs als häufigste Todesursache bei Krebserkrankungen überholt hat. Bei Männern macht
er 35 Prozent der Krebserkrankungen

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mit Todesfolge aus".
Der Nationale Krebsbeirat (National Cancer Advisory Board - NCAB),
dessen Mitglieder vom amerikanischen
Präsident ernannt werden und der das
Nationale Krebsforschungsinstitut berät, setzte sich kürzlich für verstärkte Anstrengungen ein, um Tabakrauchen ganz auszuschalten. Außerdem
sollten in verstärktem Maße Krebsvorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden. Die Empfehlungen basieren u.a. auf den Ergebnissen öffentlicher Anhörungen, die in den
vergangenen zwei Jahren in fünf grossen amerikanischen Städten landesweit
durchgeführt wurden.
In ihrem Bericht fordert das
NCAB-Gremium mehr Druck und Aktivitä-

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�ten der Behörden und anderer öffentlicher Stellen, um Rauchen und Tabakgenuß in den Vereinigten Staaten bis
zum Jahr 2000 völlig zu eliminieren.
Auch solle der US-Kongreß Tabak als
eine Droge klassifizieren, so daß er
unter die von der US-Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erlassenen Bestimmungen falle.
In den
Passagierflugzeugen aller Fluglinien
und in allen übrigen Transportmitteln, am Arbeitsplatz, in öffentlichen und privaten Schulen und Hochschulen und in allen öffentlichen Gebäuden solle Rauchen verboten werden.
Krebsvorsorgeuntersuchungen, insbesondere auf Brust-, Gebärmutterhalsund Darmkrebs, sollten weit
mehr als bisher wahrgenommen werden.
Zwar seien in der Bevölkerung die
verschiedenen Methoden zum Aufspüren
von Krebs wie z.B. die Mammographie
bereits recht gut bekannt, aber es
werde zu wenig Gebrauch davon gemacht.
Noch bleibe viel zu tun,
heißt es im NCAB-Bericht, um Erkenntnisse und Wissen zu verbessern. Das
gelte auch für den Zugang zu qualitativ guten und preiswerten Testverfahren. Diese sollten "aggressiver" als
bisher eingesetzt werden.
Als "gute Nachricht" bezeichnete
Dr. Broder die Fortschritte der letzten Jahre in der Erforschung genetischer und molekularer Grundlagen von
Krebserkrankungen. Dazu gehöre auch
die Identifizierung regelrechter Familien von Genen, die eine Entwicklung von Krebs beschleunigen oder
verzögern können. Dennoch sehe man
sich noch gewaltigen Problemen gegenüber. "Bis heute verfügen wir noch
nicht über lückenlose Kenntnisse, um
auf molekularer Basis Krebs erklären
zu können. Nicht jeder Krebspatient
kann mit den verfügbaren Therapien
geheilt werden. Und häufig wird das,
was wir genau wissen, zu wenig ernst
genommen."

* * * * *

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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 15.03.1989</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Cheney bringt reichen Erfahrungsschatz In sein Amt mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten Verteidigungsministers Richard Cheney&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ost-West-Gespräche über konventionelle Waffen gut gestartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Botschafter Ledogar&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA für feste, angemessene Maßnahmen gegen Irans Drohungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Alvin Adams vor &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Senatsunterausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten wollen "Mauer des Mißtrauens" in Europa abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von John Maresca&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Techniken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Muskeldystrophie, Typ Duchenne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erster Erfolg zur Defektkorrektur &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;im Tierversuch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabak als Droge einstufen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Nationaler Krebsbeirat fordert Kampagnen gegen das Rauchen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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