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                  <text>AMERIKA DIENST

1. März 1989
INHALT

DOKUMENTATION
Bush: Behebung des konventionellen Ungleichgewichts noch In weiter
Ferne
- Interview mit dem amerikanischen Präsidenten Mosbacher; Vereinigte Staaten für offeneren europäischen Markt
- Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference Hills zur US-Handelspolitik 1989
- Erklärung der amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Senat WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ozonschicht über der Nordhalbkugel gefährdet
- Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis -

* * * * *

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Dokumentation

9

1. März 1989
BUSH:

BEHEBUNG DES KONVENTIONELLEN UNGLEICHGEWICHTS
NOCH IN WEITER FERNE

- Interview mit dem amerikanischen Präsidenten WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge liegt "die Behebung des konventionellen Ungleichgewicht durch den Warschauer Pakt noch in weiter Ferne",
selbst wenn der von den Sowjets angekündigte Truppenabbau in vollem Umfang
durchgeführt worden ist.
In einem Interview mit der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo vom 16.
Februar 1989, das vom Weißen Haus am 22. Februar veröffentlicht wurde, nannte
Bush den vorgesehenen Truppenabbau auf sowjetischer Seite "einen positiven
Schritt in die richtige Richtung". Der Präsident räumt konventioneller Rüstungskontrolle in seiner Administration hohe Priorität ein und sieht den Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) erwartungsvoll
entgegen.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in der Fassung des Weißen
Hauses.
Frage:
Welche
Rolle
mißt
die
Bush-Administration Japan im Bereich
der Weltwirtschaft und der Sicherheit
des Westens bei?
Antwort: Zunächst möchte ich etwas
zur Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt während meiner Präsidentschaft sagen.
Japan und die Welt
können darauf bauen, daß die Vereinigten Staaten ihre unermüdliche Arbeit zur Verwirklichung von Frieden,
Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit auf der Welt fortführen werden.
Wir haben eine globale Sicht der Welt
und werden wie bisher die Verantwortung übernehmen, die einer Weltmacht
zukommt.
Gleichzeitig ist es natürlich von
vorrangiger Bedeutung, daß unsere

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Verbündeten größere Verantwortung für
die Sache des Friedens und Wohlstands
in der Welt übernehmen. Es steht mir
nicht zu, Japan seine Rolle in der
Welt zuzuweisen. Diese Entscheidung
liegt bei der japanischen Regierung
und dem japanischen Volk.
Während
des jüngsten Besuches von Ministerpräsident Takeshita in Washington waren wir uns einig, daß es viele Mittel und Wege gibt, mit denen Japan zu
Frieden und Wohlstand weltweit beitragen kann.
Unsere Zusammenarbeit
im Bereich der Verteidigung ist einer
dieser Wege. Ein anderer besteht in
Wirtschaftshilfe an das Ausland. Ich
begrüße das von Japan gegebene Versprechen einer weiteren beträchtlichen Aufstockung der Entwicklungshilfeprogramme in Übersee. In diesem
Sinne waren Ministerpräsident Take-

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�shita und ich einer Meinung, wie
wichtig die Unterstützung von Demokratie, anhaltendem Wirtschaftswachstum und Reformen auf den Philippinen
sind. Um dies zu verwirklichen, werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um noch in diesem Jahr die
multilaterale Initiative zur Unterstützung der Philippinen in die Wege
zu leiten.
Darüber hinaus begrüße ich die
Entscheidung Japans, an Aktionen zur
Erhaltung des Friedens teilzunehmen
sowie das großzügige Angebot finanzieller Unterstützung für Afghanistan
und das südliche Afrika. Auch das
sind Mittel und Wege, einen Beitrag
zu leisten.
Den beiden größten Industrienationen der Welt - Japan und den Vereinigten Staaten - kommt eine besondere Verantwortung bei der Aufrechterhaltung des freien Handels zu. Ministerpräsident Takeshita hat in Washington die Entschlossenheit Japans
bekräftigt, starkes Wachstum im Inland und strukturelle Anpassungen zu
fördern. Im Bereich von multilateraler Zusammenarbeit
und weltweitem
Wirtschaftswachstum kamen wir überein, daß wir unsere politischen Maßnahmen weiterhin über die traditionellen Foren, insbesondere den Wirtschaftsgipfel, koordinieren werden.
Wir sehen dem nächsten Gipfeltreffen
in Paris bereits erwartungsvoll entgegen. Ferner waren wir uns über die
Bedeutung einer erfolgreichen Uruguay-Runde sowie häufiger Konsultationen über Wirtschaftsthemen auf allen
Ebenen einig.
Frage:
Wie sehen Sie die Zukunft
der amerikanisch-japanischen Beziehungen unter Ihrer Administration?
Einige Ihrer Berater haben die Gründung einer "neuen Partnerschaft" mit
Japan empfohlen. Was halten Sie von
dieser Empfehlung?
Antwort:
Wir
haben den Begriff
"Partnerschaft" verwendet, um unsere
Beziehungen über nunmehr eine Reihe
von Jahren hinweg zu beschreiben, und

im Verlauf der Reagan-Administration
haben wir diesem Begriff eine neue
Bedeutung verliehen. Unsere Partnerschaft ist bilateral, regional und
global. Wir halten häufig Konsultationen ab und arbeiten eng bei praktisch jedem Thema von Belang zusammen. Es handelt sich hierbei nicht
um eine "neue Partnerschaft", sondern
eine fortwährende, die sich über 40
Jahre der Zusammenarbeit entwickelt
hat. Ich bin zuversichtlich, daß sie
sich auch In Zukunft weiterentwickeln
und neue Bedeutung erlangen wird.
Aber statt einer "neuen Partnerschaft" ist es vielmehr eine kontinuierlich "erneuerte Partnerschaft".
Frage:
Der designierte Verteidigungsminister Tower hat erklärt, Japan solle seine Verteidigung der
Schiffahrtswege über den derzeitigen
Radius von 1 000 Meilen hinaus erweitern.
Unterstützen Sie diese Ansicht?
Würden Sie von Japan eine
Aufstockung seiner Verteidigungsausgaben fordern? Wenn ja, welchen Prozentsatz seines Bruttosozialprodukts
sollte Japan für die Verteidigung
aufwenden?
Antwort: Wir sind mit der beiderseitig vereinbarten
Zuweisung von
Verteidigungsaufgaben und Missionen
gemäß unseren Sicherheitsvereinbarungen, denen zufolge Japan vornehmlich
die Verantwortung zur Verteidigung
seines Territoriums, der Meere, der
Luft und der Schiffahrtswege trägt,
voll und ganz zufrieden.
Darüber
hinaus werden wir durch Japans kontinuierliche Fortschritte bei der Verbesserung seiner Verteidigungsfähigkeit im Rahmen dieser Aufgaben und
Missionen ermutigt, erkennen aber,
daß noch Spielraum für weitere Verbesserungen, insbesondere im Bereich
der
Durchhaltefähigkeit,
vorhanden
ist. Weiterhin begrüßen wir Japans
wachsenden Beitrag zu den Kosten der
Stationierung von US-Streitkräften in
Japan.
Statt
einer
akademischen
Übung, in der Sicherheit nach doppeldeutigen Kriterien wie dem Prozentsatz des Bruttosozialprodukts bemessen wird, richten die Vereinigten

�Staaten und Japan ihre Bestrebungen
auf ein produktiveres und wichtigeres
Ziel - sie wollen zur Erhaltung der
Verteidigungsfähigkeit und damit Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit zusammenarbeiten.
Frage: Würden Sie ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan nach dem Muster des
Abkommens zwischen Amerika und Kanada
unterstützen? Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan ist in
den letzten Monaten wieder gestiegen.
Befürworten Sie eine weitere Aufwertung des Yen gegenüber dem Dollar?
Antwort:
Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Japans sind sich
über die Notwendigkeit weiterer multilateraler und bilateraler Bemühungen einig, mit denen ein offeneres
Welthandelssystem geschaffen werden
soll. Wir messen dem multilateralen
Ansatz besondere Bedeutung bei.
Wir stehen neuen Ideen immer aufgeschlossen gegenüber. Aber unserer
Ansicht nach liegt der Schlüssel
jetzt in harter Arbeit am Erfolg der
Uruguay-Runde.
Beim jüngsten Treffen der G-7 haben die Finanzbehörden der wichtigsten Länder übereinstimmend erklärt,
daß die Situation und Perspektiven
der Weltwirtschaft positiv sind und
keine Veränderungen in ihrem Engagement zur Zusammenarbeit bei der Wechselkurspolitik erforderlich seien.
Bei unserer jüngsten Zusammenkunft haben Ministerpräsident Takeshita und ich auf Fortschritte verwiesen, die sowohl die Vereinigten
Staaten als auch Japan beim Abbau ihres Ungleichgewichts im Außenhandel
vollbracht haben; wir kamen aber auch
Uberein, daß weitere Fortschritte
notwendig seien.
Der Ministerpräsident hat mir gegenüber Japans Entschluß bekräftigt,
das Wirtschaftswachstum im Land und
strukturelle Reformen
zu fördern.
Und ich habe unseren Entschlossenheit

zum Abbau des Haushaltsdefizits betont.
Frage:
Die höchste Priorität der
Bush-Administration bei den amerikanisch-sowjetischen Abrüstungsverhandlungen nimmt die Reduzierung der konventionellen Streitkräfte ein. Wie
ist Ihre Reaktion auf Präsident Gorbatschows Ankündigung eines Abzugs
von 500 000 Soldaten? Prognostizieren Sie einen amerikanisch-sowjetischen Gipfel im nächsten Sommer?
Antwort: Es trifft zu, daß dem Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle in meiner Administration
eine hohe Priorität zukommt. Wir begrüßen die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa. Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern
werden wir uns bei den VKSE darum bemühen, Stabilität und Sicherheit auf
einem niedrigeren Streitkräfteniveau
zu erhöhen. Aus diesem Grund wird
sich die NATO sich auch um eine Beseitigung der erheblichen Überlegenheit des Warschaur Pakts in Europa
bemühen. Im Rahmen dessen begrüßen
wir die Ankündigung von Reduzierungen
der sowjetischen Streitkräfte als positiven Schritt in die richtige Richtung und sehen der vollständigen
Durchführung der von Parteichef Gorbatschow beschriebenen Streitkräftereduzierungen entgegen. Trotz dieser
Reduzierungen liegt die Behebung des
konventionellen Ungleichgewichts in
Europa durch den Warschauer Pakt noch
in weiter Ferne.
Bevor ein Gipfeltreffen stattfindet, müssen sich beide Seiten gründlich darauf vorbereiten. Wir prüfen
im Augenblick Bestandteile unserer
Politik gegenüber der Sowjetunion und
stehen in engen Konsultation mit unseren Freunden und Verbündeten, um
sicherzustellen, daß wir eine solide
Grundlage
für
langfristige
Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen
haben. Die Außenminister Baker und
Schewardnadze werden in den kommenden
Monaten mehrmals Gelegenheit haben,
die zahlreichen zwischen unseren Ländern anstehenden Themenkreise anzu-

- 3 -

�sprechen. Obwohl ich zuversichtlich
bin, daß in nicht allzu ferner Zukunft ein Gipfeltreffen stattfinden
wird, ist es zu früh, um über einen
genauen Termin zu sprechen.

* * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
'^7

^

Dokumentation

Ä&lt;

1. März 1989

MOSBACHER:

VEREINIGTE STAATEN FÜR OFFENEREN EUROPÄISCHEN MARKT

- Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference -

WASHINGTON - (AD) - Handelsminister Mosbacher zufolge möchten die Vereinigten Staaten Europa dabei unterstützen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und dem Welthandel gegenüber offener zu werden. Anläßlich der von einer
überparteilichen Gruppe von Kongreßabgeordneten zum Thema Europa 1992 veranstalteten Columbia Institute Conference erklärte der Minister am 24. Februar
1989, daß die Vereinigten Staaten im Zuge der Verwirklichung des europäischen
Binnenmarktes durch die EG bis 1992 "einen Sitz am Tisch, zumindest als Beobachter" haben sollten.
Nachstehend veröffentlichen wir die Rede des Handelsministers im Wortlaut:
Ich freue mich, heute vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Wenige Aspekte
unserer Handelsbeziehungen sind so
bedeutend wie das Europa des Jahres
1992, und ich möchte das Columbia' Institute für die Organisation einer
solch hochkarätigen Konferenz beglückwünschen .
Zunächst möchte ich jedoch kurz
auf die Handelssituation im allgemeinen eingehen und unsere Prioritäten
im Welthandel diskutieren.
Der Präsident hat davon gesprochen, daß ein neuer Wind weht und für
die Vereinigten Staaten ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Dazu gehört unsere Haltung zum Handel. Wir
müssen einen neuen Kurs bestimmen,
einen Kurs, der darauf abzielt, uns

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von unserem Handelsdefizit zu befreien und eine solide Grundlage der
Wettbewerbsfähigkeit für die Vereinigten Staaten zu erhalten.
Die vom Handelsministerium vor
einer Woche veröffentlichten Handelszahlen belegen, daß das amerikanische
Handelsdefizit im vergangenen Jahr um
33 Milliarden Dollar zurückgegangen
ist. Somit ergab sich ein Abbau der
Rekordsumme von 170 Milliarden Dollar
im Jahr 1987 - das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist,
daß sich unser Handelsdefizit immer
noch auf 137 Milliarden Dollar beläuft - ein unannehmbares Niveau.
Unser Handelsdefizit ist im vorigen Jahr gesunken, weil unsere Ausfuhren um 27 Prozent zugenommen ha-

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�ben, während die Einfuhren nur um 8,3
Prozent gestiegen sind.
Wenn wir
diesen Trend in diesem Jahr aufrechterhalten können, könnte unsere Handelsdefizit im Jahr 1989 unter 100
Milliarden Dollar liegen.

Die Tage sind vorbei, in denen
wir bereit waren, jahrelang darüber
zu verhandeln, ob wir ein paar Kisten
Orangen, Zitronen, Zigaretten oder
sonstiger Waren mehr an sie verkaufen
dürfen.

Wir können jedoch nicht davon
ausgehen, daß sich diese Tendenzen
von selbst fortsetzen werden. Was
wir brauchen, sind intensive Anstrengungen der amerikanischen Exportwirtschaft und flankierende staatliche
Maßnahmen zur Unterstützung dieser
Bemühungen.

Die Tage sind vorbei, in denen
wir einigen wenigen Ländern, deren
Anteil am Welthandel verschwindend
gering ist, gestatten konnten, weltweiten Fortschritt bei der Verbesserung der internationalen Handelsregeln zu blockieren.

Meines Erachtens gibt es zwei Bereiche für eine intensivere staatliche Rolle, eine Rolle, die enge und
konstruktive Zusammenarbeit zwischen
Administration und Kongreß erfordert.

Handelspolitik
Der erste Bereich betrifft die
Handelspolitik.
Der
amerikanische
Markt ist einer der offensten der
Welt, und wir sind einer der größten
Importeure der Welt. Jede Runde von
Handelsgesprächen im Rahmen des GATT,
von der Genfer Runde des Jahres 1947
bis zur heutigen Uruguay Runde wurde
von uns initiiert. Was Marktoffenheit und Opfer für das Welthandelssystem betrifft, sind die Leistungen
der Vereinigten Staaten unerreicht.
Der Handel muß jedoch eine Zweibahnstraße sein. Für diejenigen, die
da glauben, sie könnten weiterhin auf
unseren Märkten verkaufen und ihre
Märkte gegen unsere Produkte abschotten, habe ich eine Botschaft: Diese
Tage sind vorbei.
Die Tage sind vorbei, in denen
manche Länder auf unseren Märkten
Produkte für Milliarden Dollar verkaufen
konnten, während
sie uns
gleichzeitig erklärten, sie seien zu
schwach, um den Verkauf amerikanischer Computer oder Versicherungen
oder anderer wettbewerbsfähiger Produkte und Dienstleistungen auf ihren
Märkten zu gestatten.

Die Tage sind vorbei, in denen
weniger entwickelte Länder die Vorteile der Handelsliberalisierung genießen konnten ohne die Verpflichtung
zu akzeptieren, gleichzeitig ihre eigenen Märkte zu öffnen.
Ein offenes Amerika ist das Beste
für uns und die ganze Welt. Aber die
Welt muß auch für Amerika offen sein.
Um Präsident Bush zu zitieren: "Amerika ist der Markt der Welt gewesen.
Jetzt ist es an der Zeit für die
Welt, unser Markt zu werden."

Die Wettbewerbsfähigkeit
nigten Staaten

der Verei-

Der zweite Bereich betrifft die
Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten
Staaten. Wir können uns nicht selbst
in die Tasche lügen und behaupten, an
unserem Handelsdefizit seien die anderen schuld. Tatsache ist, daß wir
selbst ein gerüttelt Maß dazu beigetragen haben.
Wir haben zugelassen, daß wir auf
den Weltmärkten und in vielen Fällen
sogar auf unserem eigenen Markt von
anderen im Handel übertrumpft wurden.
Bei Innovationen, Investitionen,
Marketing und Preisgestaltung muß die
amerikanische
Industrie mehr tun.
Hervorragende Leistungen und Qualität
müssen die Norm werden - nicht Mittelmaß.

- 2 -

�Wir können es uns nicht leisten,
auf den Weltmärkten preislich unterboten zu werden - das muß aufhören.
Wir können uns keine Position leisten, in der die amerikanische Industrie es versäumt, zusätzliche Kapazitäten für eine Ausweitung der Exportmärkte aufzubauen. Wir können es
uns nicht leisten, kurzfristig Profite zu erzielen und langfristig Märkte
zu verlieren. Die amerikanische Industrie muß lernen, zu tun, was die
anderen tun und alle Hemmnisse beseitigen, um ausländische Kunden zu gewinnen und zu behalten.
Als Handelsminister beabsichtige
ich der Industrie zu helfen und sie
zu drängen, weltweit als ernsthafter
Konkurrent aufzutreten.
In einigen
Bereichen haben wir dabei bedeutende
Fortschritte erzielt. Ich habe vergangene Woche die Automobilausstellung In Chicago besucht und kann Ihnen versichern, daß Qualität ein
Hauptmerkmal unserer Automobilindustrie ist. Der ausländische Konkurrenzdruck hat unser Qualitätsbewußtsein und unsere Effektivität verglichen mit den letzten Jahren erheblich
verbessert.
Aber wir haben gerade erst begonnen. Die amerikanische Industrie muß
doppelt und dreifach an Investitionen, Forschungstätigkeit und ihrem
Bestreben nach hervorragenden Leistungen arbeiten. Aber die Industrie
muß auch die erforderlichen Instrumente erhalten, darunter vielleicht
eine Kartellgesetzgebung, die dem
heutigen Wettbewerbsklima in der Welt
angemessen ist - statt einer Gesetzgebung
die für das erste Viertel
dieses Jahrhunderts gedacht war.
Wenn wir mehr investieren wollen,
müssen wir auch mehr sparen. Die
amerikanische Wirtschaft war bisher
zu sehr von Konsum geprägt, während
die Sparrate unzureichend war. Voriges Jahr betrug die private Spartätigkeit nur 3 Prozent unseres Bruttosozialprodukts - eine Summe, die
schon durch ein fast ebenso hohes
Haushaltsdefizit aufgezehrt wurde.

Wir müssen unser doppeltes Defizit reduzieren, so schmerzhaft das
auch sein mag. Der Schlüssel dazu
ist der von Präsident Bush dem Kongreß zugeleitete Haushalt.
Dialog
und Debatte darüber müssen so bald
wie möglich beginnen.
Die Spartätigkeit in den Vereinigten Staaten muß zunehmen.
Die
Vorschläge des Präsidenten zur Senkung der Kapitalertragssteuer werden
dazu beitragen. Mit einem Zeitrahmen
von drei Jahren wird dies Investoren
zu einer längerfristigen Perspektive
verhelfen und die Zahl der Arbeitsplätze erhöhen sowie Investitionen
und verstärkte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit ermutigen.
Präsident Bush hat die Wettbewerbsfähigkeit zu einer seiner vordringlichsten Aufgaben bestimmt. Er
hat Vizepräsident Quayle beauftragt,
einen nationalen Ausschuß für Wettbewerbsfähigkeit zu leiten, und ich
werde eng mit ihm zusammenarbeiten,
um sicherzustellen, daß die amerikanische Wirtschaft das bestmögliche
Umfeld zur Förderung ihrer Wettbewerbsfähigkeit erhält.

Europa 1992
Welchen Stellenwert nimmt Europa
1992 in meinen bisherigen Ausführungen ein? Einen sehr hohen. Die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten produzieren gemeinsam
zwei Drittel des Bruttosozialprodukts
der westlichen Welt. Europa ist unser größter Kunde und gleichzeitig
unserer größter Konkurrent.
Europa 1992 ist der Versuch der
Europäischen Gemeinschaft, das im
Jahr 1958 definierte Ziel zu verwirklichen - einen Binnenmarkt ohne interne Grenzen zu schaffen. Die EGMitgliedstaaten können große Fortschritte bei dem Versuch verzeichnen,
ihre 12 einzelnen Märkte in einem
Binnenmarkt mit 320 Millionen Einwohnern zu vereinigen.

- 3 -

�Ein
wirtschaftlich
stärkeres,
konkurrenzfähigeres und technologisch
innovatives Europa liegt in unserem
strategischen
und
wirtschaftlichen
Interesse. Ein europäischer Binnenmarkt, zu dem die Welt Zugang hat,
bildet die beste Grundlage für das
Wachstum der weltweiten Wirtschaftstätigkeit und multilateraler Handelskooperation.
Die Position der Bush-Administration ist klar und deutlich. Wir wollen, daß 1992 Erfolg bei der Schaffung eines offeneren, konkurrenzfähigeren Europas hat - ein Europa, das
sowohl der Welt als auch seinen eigenen Ländern geöffnet ist. Und wir
wollen unseren europäischen Partnern
bei der Vollendung dieses Ideals behilflich sein.
In den vergangenen Monaten haben
Experten des Handelsministeriums mit
über hundert Handelsverbänden und
Tausenden einzelner Unternehmen an
einer Analyse der für 1992 vorgeschlagenen Richtlinien gearbeitet.
Die
vorläufige
Schlußfolgerung
lautet, daß die Mehrzahl dieser
Richtlinien die Geschäftsmöglichkeiten in Europa verbesseren werden.
Man ist jedoch auch der Überzeugung,
daß die Vorschläge der EG in einigen
Bereichen den Marktzugang für amerikanische Unternehmen einengen könnten, die damit im Vergleich zu europäischen Firmen im Nachteil wären.
Dies sind die Bereiche, an denen wir
mit unseren europäischen Partnern arbeiten müssen.
Die Führungskräfte aus Industrie
und Wirtschaft, mit denen ich gesprochen habe, teilen die Ansicht, daß
zwar gewisse Probleme bestehen, die
Vorschläge der EG wahrscheinlich jedoch die Marktchancen für amerikanische Untenehmen erweitern werden und zwar für Exporteure wie Investoren.
Regierungsexperten und Unternehmer teilen jedoch auch Bedenken, daß
- 4

kleinkarierte Nationalinteressen die
Liberalisierung
der
europäischen
Märkte verzögern können und besondere
Interessengruppen versuchen werden,
nicht der EG angehörigen Ländern die
Errungenschaften von 1992 zu verweigern.
Warum haben wir diese Bedenken?
Weil die Auswirkungen von 1992 nicht
nur in der Erarbeitung von Richtlinien,
sondern
deren
Durchführung
liegt. Aus diesem Grund wird es noch
Jahre dauern, bis wir wissen, wie das
Europa von 1992 gestaltet sein wird.
In Wirklichkeit befürworten viele
Europäer offenere Märkte nicht uneingeschränkt.
Einige europäische Unternehmen waren daran gewöhnt, daß
ihre mangelnde Effizienz von ihren
Regierungen gedeckt wurde. Das ist
in der Tat der Hauptgrund, warum es
der Europäischen Gemeinschaft in den
ersten 30 Jahren ihres Bestehens
nicht gelungen ist, einen Binnenmarkt
zu schaffen.
In gewisser Weise steht 1992 für
eine Verlagerung der Einstellung der
Mehrheit - weg vom Protektionismus,
hin zur Offenheit - zu einer Risikobereitschaft, daß diese Offenheit
funktionieren wird.
Aber es gibt
noch immer eine nicht unerhebliche
Minderheit, die versuchen wird, ihre

protektionistischen
Maßnahmen
aufrechtzuerhalten oder zu verstärken.
Die Verwirklichung
von Europa
1992 wird das alltägliche Gleichgewicht dieser Kräfte widerspiegeln.
Wir können nicht davon ausgehen, daß
die Kräfte des freien Handels bei jedem dieser Geplänkel den Sieg davontragen werden. Obwohl ich keine "Festung Europa" vorhersehe, wäre es
dennoch naiv zu glauben, daß es nicht
hier und da einige "Bollwerke" geben
wird. Wo immer wir diesen begegnen,
müssen wir an deren Abbau arbeiten.
Wir haben die Absicht, einen zusätzlichen Dialog zwischen der EG und
amerikanischen
Geschäftsinteressen
herbeizuführen. Unser Ziel ist, ei-

�nen substantiellen Informationsaustausch zur Verfügung zu stellen.
Was innerhalb der EG geschieht,
kann tiefgreifende Auswirkungen auf
uns sowie unsere Handels- und Investitionsinteressen haben. Teile des
Progamms für 1992 sind im übrigen bereits verwirklicht. Wir können nicht
darauf warten, daß Bestimmungen schon
hieb-und stichfest formuliert sind,
bevor wir unsere Bedenken zur Sprache
gebracht haben. Meiner Ansicht nach
gibt es drei wichtige Komponenten,
die wir ansprechen müssen:
Erstens müssen wir Europa versichern, daß wir unser Engagement für
offene Märkte aufrechterhalten und
intensivieren werden. Wir werden die
im Handelsgesetz verankerte Befugnis
nicht zur Abschottung unserer Märkte
verwenden, sondern vielmehr dazu beitragen, die Märkte weltweit zu öffnen. Darüber hinaus müssen wir mit
Europa zusammenarbeiten, um einen
scheueren und weniger kontroversen
Weg zur Lösung unserer Handelskonflikte zu finden.
Zweitens müssen wir unsere Verpflichtung zur Uruguay-Runde erneuern
und entsprechendes Engagement von der
Europäischen
Gemeinschaft
fordern.
Auch wenn die EG von ihren Bemühungen
zur Schaffung
eines Binnenmarktes
noch so sehr in Anspruch genommen
sein mag, darf sie sich nicht aus der
Uruguay-Runde zurückziehen.
Und drittens müssen wir die EG in
einen erweitertet! konstruktiven Dialog auf allen Ebenen einbinden. Wenn
wir Probleme haben, müssen wir diese
zur Sprache bringen und Lösungen anstreben.
Wir haben beispielsweise
eindeutig klargestellt, daß wir nicht
bereit sind, ein EG-Konzept der "Gegenseitigkeit" zu akzeptieren, das
die Prinzipien der nationalen Eigenständigkeit und Nichtdiskriminierung
verletzt, die die Grundfesten von internationalem Handel und Investitionen sind.
Als

Fürsprecher

amerikanischer

Unternehmen
in der Administration
werde ich mich in diesem erweiterten
Dialog für industriebezogene und andere Themen wie die Normentwicklung,
-erprobung
und -genehmigung sowie
Einzelprobleme von Industrieunternehmen engagieren.
Ich habe einen Sitz am Tisch zumindest als Beobachter - befürwortet. Darunter verstehe ich, daß amerikanische Unternehmen über Fortschritte - insbsondere im Hinblick
auf Normenentwicklung - auf dem laufenden gehalten werden.
Als Mitglieder der Administration
werden wir alle die lebenswichtigen
amerikanischen
Geschäftsinteressen
durch regelmäßige Treffen mit unseren
Amtskollegen in der EG zur Sprache
bringen.
Der erste Bereich, in dem dies
vonnöten ist, betrifft die Normenentwicklung
Die europäischen Regionalbehörden wie der Europäische Normenausschuß (CEN) und der europäische
Koordinierungsausschuß für elektrotechnische Normen (CENELEC) setzen
EG-Richtlinien in Hunderte von technischen Normen um.
Dieses Verfahren verschafft jedoch nicht die angemessene Transparenz oder Möglichkeiten für amerikanische Firmen, konstruktive Kommentare abzugeben.
Amerikanische Unternehmen sind besorgt, das Verfahren
könne von einzelnen europäischen Produzenten zur Entwicklung außergewöhnlicher Normen verwendet werden, die
ihre eigenen Produzenten bevorzugen.
Die Vereinigten Staaten verfechten sehr offene Normenverfahren und
meiner Ansicht nach sollten die europäischen Normenausschüsse amerikanischen Unternehmen entsprechenden Zugang zu ihren Verfahren gewähren.
Verbesserung der Offenheit bei
den europäischen Normen sowie deren
Erprobung und Genehmigung liegt im
Interesse von europäischen wie außereuropäischen Unternehmen.
Ich bin

- 5 -

�ferner der Auffassung, daß noch ein
langer Weg zurückzulegen sein wird,
um amerikanische Firmen davon zu
überzeugen, daß Europa nicht zur "Festung" wird.
Ich werde sowohl mit dem Normenausschuß für den Privatsektor als
auch mit der amerikanischen Geschäftswelt eng zusammenarbeiten, um
die besten Mittel und Wege für ein
gesteigertes
Engagement
amerikanischer Interessen zu erarbeiten. Und
ich beabsichtige, die EG-Kommission
und die europäischen Regierungen und
Normengruppen zu konsultieren, um die
Transparenz dieses Verfahrens zu verbessern.
Schlußfolgerung
Zusammenfassend möchte ich Ihnen
versichern, daß das Handelsministerium zur Unterstützung bereit ist. Ich
habe Europa 1992 mit die höchste Prioritäten eingeräumt, über 6 000 amerikanische Unternehmen haben sich bereits mit dem Handelsministerium in
Verbindung gesetzt und um Informationen und Unterstützung nachgesucht.
Angehörige des Ministeriums haben
über 50 000 Kopien einzelner EGRichtlinien an amerikanische Unternehmen verschickt.
Wir entwerfen ein erweitertes
Programm zur Förderung des Handels
und Unterstützung von Unternehmen,
und zwar über das Handelsministerium
in Washington und über die regionalen
Niederlassungen im ganzen Land. Die
bei dieser Konferenz zur Verfügung
gestellten Broschüren informieren Sie
darüber, wie Sie diese Dienste in Anspruch nehmen können.
Ich ermutige Sie dazu - denn 1992
steht vor der Tür. Und zwar für die
Unternehmen, die vorbereitet sind wie
für diejenigen, die es nicht sind.
Ich fordere Sie auf, zur der ersten
Gruppe zu gehören.
Abschließend möchte ich den amerikanischen
Unternehmen
empfehlen,
bereits heute für Europa 1992 zu pla-

nen, denn es ist genau das, was Ihre
Konkurrenz macht.
Es ist ein Fehler, sich aus
Furcht vor einer "Festung Europa" zurückzuziehen. Die meisten der durch
Europa 1992 geschaffenen Möglichkeiten stehen amerikanischen Unternehmen
zur Verfügung - den kleinen wie den
großen. Ich bin zuversichtlich, daß
- wo immer es Probleme geben mag sie bewältigt werden können.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
1. März 1989

HILLS ZUR US-HANDELSPOLITIK 1989
- Erklärung der amerikanischen Handelsbauftragten vor dem Senat WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Handelsbeauftragten Carla Hills zufolge mißt die Bush-Administration im Bereich des Handels der Uruguay-Runde
multilateraler Verhandlungen im Jahr 1989 höchste Priorität bei, betont jedoch
gleichzeitig auf den Abbau unfairer Handelshemmnisse in den vom Handelsgesetz
des Jahres 1988 umrissenen Bereichen.
In ihrer Ansprache vor dem Haushaltsuntersausschuß des Senats für Handelsfragen am 28. Februar 1989 erklärte Hills, die Vereinigten Staaten würden auch wenn sie einen multilateralen Ansatz beim Handel verfolgen - nicht dehalb
ihre bilateralen Aktionen gegen unfaire Handelspraktiken einstellen, weil solche Praktiken die Atmosphäre der Uruguay-Runde "vergiften" würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung der Handelsbeauftragten im
Wortlaut.
Herr Vorsitzender,
verehrte Ausschußmitglieder,
es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute in dieser Runde
die Tagesordnung unserer nationalen
Handelspolitik für das kommende Jahr
erörtern zu können. Wie im Handelsgesetz des Jahres 1988 festgelegt,
muß unsere handelspolitische Tagesordnung dem Kongreß jeweils bis zum
1. März vorgelegt werden. Bei der
Vorbereitung dieser Tagesordnung haben wir den Rat des Kongresses, anderer Exekutivorgane sowie unserer Beratungsausschüsse für den Privatsektor eingeholt. Es wird eine Gemeinschaftsaktion von Kongreß, Administration und Privatsektor erforderlich sein, um eine nationale Tagesordnung erstellen und durchführen zu
können, die gleichzeitig den Wohl-

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Embassy of the United States of America

stand des amerikanischen Volkes und
unsere Wettbewerbsfähigkeit fördert.
Es steht außer Frage, daß wir uns
in der Handelspolitik mit großen Herausforderungen
konfrontiert
sehen.
Unser Außenhandelsdefizit ist - obwohl es nicht mehr Rekordhöhen erreicht - immer noch zu hoch. Das
multilaterale
Handelssystem
bedarf
unbedingt
der
Modernisierung:
Schlüsselbereichen der Wirtschaftstätigkeit wird unsachgemäß oder überhaupt nicht Rechnung getragen. Zu
viele Länder haben ihre Märkte abgeschottet.
Unsere Handelspolitik allein kann
all diese Probleme nicht lösen. Ein
Großteil des Defizits ergibt sich aus
makroökonomischen Faktoren. Der Ab-

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�bau
ausländischer
Handelshemmnisse
wird uns Exportchancen eröffnen, aber
wir müssen sicherstellen, daß unsere
Produkte und Dienstleistungen wettbewerbsfähig sind, damit wir diese
Chance gewinnbringend nutzen können.
Dies bedingt, daß wir unsere Bildungs-, Technologie-, Verteidigungs-,
Steuer- und Geldpolitik so in den
Griff bekommen, daß sie unsere Handelspolitik positiv beeinflussen.
Unsere handelspolitische Tagesordnung für dieses Jahr ist ehrgeizig. Ich werde in meinen Ausführungen nicht versuchen, alle in unserem
schriftlichen
Bericht
aufgezählten
Punkte
anzusprechen.
Ich
möchte
vielmehr einige wenige wichtige Themen hervorheben, obwohl ich gerne bereit bin, Fragen zu allen Bereichen
der Tagesordnung zu beantworten.
Ich werde meine heutigen Ausführungen auf drei Bereiche konzentrieren:
die
Runde

Verhandlungen

der

Uruguay-

unseren Ansatz bei der Verabschiedung und Durchführung von Richtlinien und Vollmachten des Handelsgesetzes aus dem Jahr 1988, und
Probleme bei der Erarbeitung eines koordinierten Ansatzes zur Durchführung unserer Tagesordnung.

Die Uruguay-Runde
Die Uruguay-Runde nimmt eindeutig
höchste Priorität auf unserer handelspolitischen Tagesordnung für dieses Jahr ein. Unsere generellen Ziele bei diesen Verhandlungen lauten
folgendermaßen:
Erarbeitung einer multilateralen
Reform der Agrarpolitik,
Erweiterung und Verbesserung des
GATT durch zusätzliche Regelungen bei
neuen Problembereichen wie geistigem
Eigentum, handelsbezogenen Investiti-

onen und Dienstleistungen, die für
unsere Wirtschaft unabdingbar sind,
Abbau ausländischer Handelshemmnisse für amerikanische Exporte von
Gütern und Dienstleistungen, und
Verbesserung
und
Stärkung der
Glaubwürdigkeit
unseres
Handelssystems durch Erörterung der wachsenden
Probleme der Integration von Entwicklungsländern in die Handelssysteme,
der Subventionen sowie Verbesserung
der Vorschriften für Sicherungsklauseln oder Importerleichterungen für
fairen Warenhandel.
Ich habe die Absicht, unsere Ziele angesichts der erwartungsgemäß
harten Verhandlungen mit den anderen
Ländern vehement zu verfolgen.
Das Fundament für durchgreifende
Verhandlungen ist gelegt. Das Ministertreffen in Montreal vom vergangenen Dezember hat zu Absprachen bezüglich des Verfahrens in den 11 der 15
Verhandlungsgruppen der Uruguay-Runde
geführt. Für die angesprochenen Bereiche haben diese Absprachen den
meisten unserer Ziele entsprochen.
Insbesondere haben wir beachtliche
Fortschritte in folgenden Bereichen
erzielt:
Dienstleistungen: Die Ergebnisse
der mittelfristigen Bilanz werden die
Verhandlungen
eines
multilateralen
Abkommens über den Handel mit Dienstleistungen beschleunigen. Damit wird
ein toter Punkt in den Verhandlungen
bezüglich der Frage überwunden, wie
mit den Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zur Abdeckung einzelner
Sektoren begonnen werden kann. Die
Schlüsselthemen
der
Verhandlungen
sind ausgemacht, einschließlich nationaler
Behandlung,
Transparenz,
Nicht-Diskriminierung, Meistbegünstigungsklauseln und Marktzugang bis hin
zur Schaffung neuer Märkte.
1989
wird zum entscheidenden Jahr für die
Verhandlungen über Dienstleistungen die Arbeit wird intensiviert, damit
bis Ende des Jahres Einigung über einen ersten Entwurf eines Abkommens

�erzielt werden kann.

Abkommen zu erzielen.

Institutionelle
Rahmenbedingungen:
Die Funktionsweise des GATT
wurde durch einige Verfahrensverbesserungen bei der Beilegung von Konflikten wirksamer gemacht sowie durch
Einigung auf erweiterte Überwachung
der Handelspolitik aller Vertragspartner. Ein erster Schritt wurde in
Richtung auf verbesserte Zusammenarbeit zwischen dem GATT und internationalen Finanzbehörden gemacht, indem ein Bericht zum jeweiligen Thema
vor Beendigung der Verhandlungen zur
Bedingung gemacht wurde.

Die Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit einer Reihe von Befürwortern um einen Verhandlungsrahmen für
ein umfassendes GATT-Abkommen über
handelsbezogenes geistiges Eigentum
gekämpft. Wir haben Vorschläge zurückgewiesen, die sich mit vagen,
doppeldeutigen Lösungen zufriedengeben, mit denen die ohnehin schon komplizierten Verhandlungen nur noch
verfahrener geworden wären.

Marktzugang: Wir haben uns auf
die Aushandlung von Rahmenbedingungen
geeinigt, anhand derer wir über den
Marktzugang auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage verhandeln können. Damit können wir einen integrierteren Ansatz anwenden, um sicherzustellen,
daß
nichttarifäre
Hemmnisse unseren Exporten nicht im
Wege stehen, wenn bestimmte Zölle
einmal abgebaut worden sind.
Unsere unmittelbare Aufgabe besteht jedoch darin, die in Montreal
offen gelassenen Probleme zu lösen:
Landwirtschaft, geistiges Eigentum,
Sicherungsklauseln und Textilien. In
Montreal war man sich einig, daß diese Probleme bis 5. April gelöst sein
sollten, wenn der die Verhandlungen
überwachende Handelsausschuß erneut
in Genf zusammenkommt.
Ich möchte
kurz auf die Hauptprobleme eingehen.
Die Vereinigten Staaten streben
nach wie vor einen Verbandlungsrahemn
für ein Agrarabkommen an, der zu einer
tiefgreifenden
Reform
führen
wird, indem handelsverzerrende Subventionen und protektionistische Maßnahmen abgebaut werden.
Da andere Länder in Montreal allen voran die EG - noch nicht bereit waren, einen Rahmen zu akzeptieren, der uns in diese Richtung führen
würde und da wir wiederum nicht zu
Abstrichen bereit waren, einigten wir
uns auf einige weitere Monate, um ein

Eine stetig wachsende Zahl anderer Länder teilt unser Ziel eines Abkommens über geistiges Eigentum, das
die Verpflichtung
zu maßgeblichen
Normen sowie deren Durchsetzung - sowohl im Inland als auch an der Grenze
-, einschließlich geistiges Eigentum
betreffender überarbeiteter Verfügungen über nationale Behandlung und
Transparenz sowie Bestimmungen über
Schlichtungsverfahren.
Die anderen beiden, seit Montreal
noch offenen Probleme betreffen einigermaßen
komplexe
Themenbereiche:
Textilien
und
Sicherungsklauseln.
Unser für April gesetztes Ziel besteht darin, in Anlehnung an die Uruguay-Runde Einigung über einen Verhandlungsrahmen zu erzielen. Während
wir davon ausgehen, daß die Verhandlungen nach April langwierig und äusserst schwierig sein werden, wird es
uns meiner Ansicht nach gelingen, uns
in diesen beiden Bereichen auf einen
Verhandlungsrahmen zu einigen, der
die Probleme und Verhandlungen der
kommenden 18 Monate nicht nachteilig
beeinflußt.
Die in Montreal vereinbarten Rahmenbedingungen sind vorbehaltlich einer Einigung über die vier verbleibenden Bereiche "auf Eis gelegt".
Obwohl in Genf keine "formellen"
Treffen
der
Verhandlungsgruppen
stattgefunden haben, einigten sich
alle Delegationen darauf, die Fristen
der
Montrealer
Verhandlungsrahmen
einzuhalten. Anlaß dazu ist die Annahme, daß wir unsere Differenzen bei
diesen vier noch ausstehenden Themen

- 3 -

�beilegen werden.
Ferner hat GATT-Generaldirektor
Dunkel in Genf mit den Delegationen
daran gearbeitet, diese vier verbleibenden Bereiche aus der Sackgasse
herauszuführen.
Seit Montreal ist
der Genfer Verhandlungsprozeß in einer konstruktiven Atmosphäre vorangekommen, für ein Fazit ist es jedoch
noch zu früh. Zweifelsohne besteht
eine Hauptschwierigkeit in den anhaltenden Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der EG im Agrarbereich.
Als
Landwirtschaftsminister
Yeutter und ich vor zwei Wochen mit
unseren Amtskollegen in der EG zusammenkamen, sprachen wir über Landwirtschaft und die Uruguay-Runde.
Die
Gespräche waren nützlich - es ist uns
jedoch noch immer nicht gelungen, Einigung über die Richtung und Zielsetzung langfristiger multilateraler Reformen in der Landwirtschaft zu erzielen. Wir waren uns einig, daß das
Risiko zu groß und die Uruguay-Runde
zu wichtig ist, um sie schleifen zu
lassen.
Landwirtschaftsminister
Yeutter und ich werden nach Brüssel
reisen, um diese Gespräche mit unseren Amtskollegen in der EG am 10.
März wiederaufzunehmen.
In der Zwischenzeit werden weiterhin vorbereitende Treffen auf Arbeitsebene
stattfinden.
Bis Ende
März werde ich nahezu alle wichtigen
Teilnehmer der Landwirtschaftsgespräche getroffen oder zumindest mit ihnen gesprochen haben. Ich bin nicht
bereit, fundamentale Interessen der
Fortsetzung der Runde halber aufs
Spiel zu setzen. Meiner Ansicht nach
sind jedoch nahezu alle Länder zum
ErfoLg entschlossen, dank dem die
Runde Fortschritte machen kann ohne
wesentliche Ziel aufgeben zu müssen.
Im Inland treffen wir mit unseren
Beratern zusammen, um unsere Positionen zu entwickeln und zu verfeinern
sowie die Vorschläge anderer Länder
zu überarbeiten.
Auf allen Regierungsebenen finden Treffen statt.

Mein Stab steht in ständigen Konsultationen mit Mitarbeitern des Kongresses, so daß wir alle voll in die
Verhandlungen einsteigen können, sobald der 1. April verstrichen ist.

Bilaterale Initiativen
Diese Administration ist dem Abbau von Schranken gegen den Export
amerikanischer Güter und Dienstleistungen verpflichtet.
über unsere
multilateralen Bemühungen in der Uruguay-Runde hinaus werden wir in energischer
und
verantwortungsbewußter
Weise auf dem Wege bilateraler Konsultationen und Verhandlungen die Beseitigung von Hemmnissen durch unsere
Handelspartner anstreben. Zu diesen
Bemühungen werden Verhandlungen über
bilaterale Abkommen zum Abbau formaler und nichtformaler Schranken gegen
die Ausfuhr amerikanischer Güter und
Dienstleistungen auf die wichtigsten
Märkte in Übersee gehören. Ich möchte dem Ausschuß gegenüber drei unserer wichtigsten bilateralen Anliegen
für das kommende Jahr erläutern: Die
Verwirklichung unserer kürzlich vereinbarten
Freihandelsabkommen,
der
EG-Binnenmarkt des Jahres 1992 und
Japan.
Freihandelsabkommen:
Wir werden
weiterhin an der wirksamen Umsetzung
unserer Freihandelsabkommen mit Kanada und Israel arbeiten, in denen sich
die besonderen wirtschaftlichen, handelspolitischen und sonstigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und diesen beiden Ländern widerspiegeln.
Vorigen Monat begleitete ich Präsident Bush nach Ottawa, wo ich mit
Minister Crosbie nützliche Gespräche
über die wichtigsten Fragen unserer
bilateralen Tagesordnung mit Kanada
geführt habe.
Die Umsetzung des
Freihandelsabkommens mit Kanada steht
dabei eindeutig an erster Stelle.
Minister Crosbie und ich haben uns
darauf geeinigt, am 13. März das erste Treffen der von uns geleiteten
Handelskommission abzuhalten. Obwohl

- 4 -

�wir bei der Verwirklichung dieses
neuen Abkommens noch eine Reihe von
Anfangsproblemen zu bewältigen haben,
war der Beginn meines Erachtens vielversprechend.
Außer einer durchgreifenden Liberalisierung des Handels zwischen den
Vereinigten
Staaten
und
Kanada
schafft das Freihandelsabkommen einen
neuen wichtigen institutionellen Rahmen zur Lösung von Streitfällen und
für weitere Verhandlungen über die
noch verbleibenden bilateralen Handelsprobleme.
Wir
möchten
diese
durch das neue Abkommen eröffneten
Möglichkeiten in enger Konsultation
mit dem Kongreß und dem Privatsektor
nutzen.
In bezug auf das Abkommen zwischen Israel und den Vereinigten
Staaten ist festzustellen, daß wir
trotz einer Reihe von seit 1985 aufgetretenen Durchfuhrungsproblemen in
der Lage waren, diese überwiegend auf
dem Verhandlungsweg zu lösen. Wir
werden uns weiterhin dafür einsetzen,
die erfolgreiche Verwirklichung dieses Abkommens sicherzustellen.
Die Europäische Gemeinschaft und
1992: Eine weitere von uns vordringlich verfolgte Angelegenheit ist die
EG-Initiative für 1992. Das Drängen
der EG auf Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts bis 1992 bietet amerikanischen
Unternehmen
Aussichten
auf bedeutende neue Chancen im Handel, falls dieses Vorhaben ohne Diskriminierung umgesetzt wird.
In einigen Bereichen könnten die
Vorschläge zur Förderung der europäischen Integration jedoch potentiell
legitimen amerikanischen Wirtschaftsinteressen in der EG zuwiderlaufen.
Um uns gegen diese möglicherweise negativen Folgen zu wappnen, werden wir
die Initiativen innerhalb der Gemeinschaft sorgfältig beobachten und eine
wirksame politische Antwort auf solche EG-Maßnahmen entwickeln, die eine
unfaire
Diskriminierung
amerikanischer Exporteure und Investoren darstellen. In dieser Frage wird der

Regierung der Vereinigten Staaten das
ganze Instrumentarium der amerikanischen Handelsgesetzgebung zur Verfügung stehen.
Japan: Das enorme bilaterale Defizit in unserem Handel mit Japan
bietet sicherlich Anlaß zur Besorgnis.
Die Reagan-Administration hat
beim Abschluß von Abkommen mit Japan
zur Reduzierung der formalen Handelsschranken Fortschritte erzielt, aber
es bleibt sicherlich noch viel zu
tun. Ich habe keine Patentrezepte,
aber ich bin doch der Ansicht, daß
die Zeit halbherziger Lösungen, die
nie zum Erfolg führen, vorüber ist.
Im vergangenen Monat erhielt ich einen wichtigen Bericht von der Arbeitsgruppe Japan unseres privatwirtschaftlichen Rats für Handelspolitik
und Verhandlungen. Der Bericht liefert eine wirtschaftliche Analyse unserer Handelsbeziehungen mit Japan
und spricht Empfehlungen für die Verbesserung dieser Beziehungen aus.
Dieser Bericht, der von uns gegenwärtig sorgfältig geprüft wird, kommt zu
einem wichtigen Zeitpunkt der Bewertung unserer Handelspolitik mit allen
unseren bedeutenden Handelspartnern
im Licht des Handelsgesetzes von
1988. Ich habe die Gruppe zur Überprüfung unserer Handelspolitik aufgefordert, unsere Handelspolitik in bezug auf Japan auf der Grundlage dieses Berichts und der Konsultationen
mit unseren Beratern im Hinblick auf
unsere anderen Handelspartner in der
Pazifikregion zu untersuchen.

Die Anwendung des Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetzes
Um die Ziele unseres handelspolitischen Programms zu erreichen, müssen wir das gesamte, uns vom Allgemeinen Handels- und Wettbewerbsfähigkeitsgesetz des Jahres 1988 zur Verfügung
gestellte
Instrumentarium
kreativ nutzen und all die Rechte und
Möglichkeiten vollständig ausschöpfen, die uns gemäß den von den Vereinigten Staaten unterzeichneten inter-

- 5 -

�nationalen Abkommen eingeräumt werden.
Unser strategisches Ziel ist
die Öffnung von Märkten, nicht deren
Abschottung, die Schaffung eines stetig wachsenden internationalen Handelssystems auf der Grundlage gleicher und durchsetzbarer Regeln.
Die durch das Gesetz von 1988
verliehene Verhandlungsvollmacht wird
natürlich entscheidend für die Verhandlungen im Rahmen der Uruguay-Runde sein. Wir werden uns ferner um
Initiativen zur Öffnung der Telekommunikationsmärkte bemühen, ein Thema,
zu dem ich Ihnen unlängst einen Bericht zugeleitet habe. Mein Amt wird
ferner seine normalen Bemühungen zur
Lösung von Handelsproblemen in allen
Bereichen und mit allen unseren Handelspartnern fortsetzen.
Das
politische
Hauptaugenmerk
wird sich gegenwärtig jedoch auf den
im Gesetz von 1988 abgeänderten Abschnitt 301 richten. Ich werde mich
mit Ihnen bei der Festlegung unserer
Prioritäten für Verhandlungen in Verfahren gemäß "Super 301" und über die
besonderen unter 301 vorzunehmenden
Schritte zum Schutz der Rechte an
geistigem Eigentum beraten. Wir werden ferner energisch die Ermittlungen
im Rahmen unserer gegenwärtigen Tagesordnung nach 301 fortsetzen - sowohl die von uns eingeleiteten wie
auch die auf Petitionen privater Parteien beruhenden.
"Super 301": Ich betrachte das
Verfahren gemäß "Super 301" als hervorragende Gelegenheit für uns, um zu
bestimmen, wo wir unsere Bemühungen
in den kommenden zwei Jahren konzentrieren sollten und wo wir Abschnitt
301 am wirksamsten einsetzen können.
Wir nehmen zur Zeit eine quantitative
Einschätzung der Vorteile beim Abbau
verschiedener ausländischer Handelsschranken vor, um die Prioritäten
festzulegen. Wir werden uns vornehmlich Bereichen widmen, in denen wir
das größte Ausfuhrpotential haben.
Der
Quantifizierungsprozeß
ist
nicht leicht, aber wir haben uns das

Fachwissen anderer Behörden und unserer Berater aus der Privatwirtschaft
zunutze gemacht, um diese Aufgabe zu
erfüllen.
Der behördenübergreifende
301-Ausschuß hat begonnen, die erforderliche
Analyse
dieser
Handelsschranken vorzunehmen, und wir werden
uns eingehend mit Ihnen beraten, wenn
wir im Mai an die Erstellung der endgültigen Prioritätenliste gehen.
"Special 301": Ich unterstütze
energisch die hohe Dringlichkeitsstufe, die dem Schutz geistigen Eigentums vom Kongreß, von der Regan-Administration und von der Privatwirtschaft eingeräumt wurde.
Von Amts
wegen eingeleitete Verfahren gemäß
Abschnitt 301 können ein wirksames
Mittel sein, um verbesserten Schutz
und eine bessere Durchsetzung der
Rechte an geistigem Eigentum zu erlangen.
Abschnitt 301 kann jedoch
nicht unser einziges Instrument sein,
und wir werden weiterhin parallel zueinander unsere bilateralen Bemühungen und die multilateralen Verhandlungen innerhalb der Uruguay-Runde
fortsetzen.
Das reguläre Programm unter 301:
Gegenwärtig beschäftigen wir uns aktiv mit einem Dutzend Fällen unter
301. In einigen dieser Fälle streben
wir immer noch die Schlichtung durch
das GATT an, in anderen stehen wir in

bilateralen Verhandlungen, und in einigen beobachten wir weiterhin die
Ergebnisse von Schlichtungsabkommen
oder von Maßnahmen, die nach Abschnitt 301 getroffen wurden. In all
diesen Fällen beabsichtige ich, die
uns von Abschnitt 301 verliehenen
Druckmittel einzusetzen, um unfaire
Handelspraktiken des Auslands abzubauen.
Ich habe Ihnen die neueste
Tabelle solcher Fälle vorgelegt, die
den gegenwärtigen Stand widerspiegelt, und ich werde Ihnen schon bald
den Halbjahresbericht zu Abschnitt
301 vorlegen, der die zweite Hälfte
des Jahres 1988 behandelt.

Koordinierung der verschiedenen Elemente unseres Programms:

- 6 -

�In meiner Rede und in unserem
schriftlichen Bericht habe ich unter
verschiedenen Überschriften eine Reihe von Fragen angesprochen. Es ist
angemessen, hier einige weitere Anmerkungen zur Notwendigkeit zu machen, unsere Maßnahmen und Handlungen
zu koordinieren, um einander auf
bestmögliche Weise zu unterstützen.
Die uns von Abschnitt 301 verliehenen
Instrumente können und sollten z. B.
wichtige Druckmittel bei den von uns
in der Uruguay-Runde verfolgten Zielsetzungen liefern. In der UruguayRunde streben wir nicht Abkommen um
ihrer selbst willen an, sondern die
Öffnung ausländischer Märkte und die
Stärkung der wirtschaftlichen Vorteile für die Vereinigten Staaten.
Die Koordinierung der politischen
Maßnahmen wird nicht immer leicht
sein, es werden schwierige Entscheidungen zu treffen sein. Im weitesten
Sinne werden wir - wenn ich dazu noch
einmal die bei der Anhörung zu meiner
Bestätigung
benutzte
Formulierung
verwenden darf - zu entscheiden haben, wann wir das Zuckerbrot und wann
die Peitsche einsetzen. Wir dürfen
nicht der Versuchung erliegen, alle
Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken deswegen einzustellen, weil sie
in der Uruguay Runde "die Atmosphäre
vergiften". Andererseits werden wir
unser Ziel der Marktöffnung nicht dadurch erreichen, daß wir unsere eigenen Märkte gegenüber anderen Ländern
abschotten.
Wir müssen die Tatsache akzeptieren, daß es bei den von uns getroffenen Entscheidungen häufig zu Abwägungen kommen wird. Das bedeutet, daß
unser Entscheidungsfindungsprozeß die
sorgfältige Erwägung der Optionen und
die Berücksichtigung der Ratschläge,
die wir vom Kongreß und der Privatwirtschaft
erhalten,
einschließen
muß.
Wir dürfen jedoch nicht vor
Entscheidungen deshalb zurückschrekken, weil sie einen Preis haben.
Ein anschauliches Beispiel dafür
ist der jüngste Streit über Brasiliens Verweigerung eines Patentschut-

zes für Arzneimittel und Feinchemikalien. Nachdem wir uns jahrelang auf
beiden Seiten um die Lösung dieses
Problems bemüht haben, sind wir zu
dem Schluß gelangt, daß wir Gegenmaßnahmen im Sinne von Abschnitt 301 ergreifen müssen. Es stellte sich die
Frage nach der Art der Schritte.
Nach sorgfältiger Überlegung haben
wir beschlossen, daß Maßnahmen im Bereich des geistigen Eigentums im Falle
Brasiliens
kein
angemessenes
Druckmittel wären.
Wir haben entschieden, daß Beschränkungen von Warenimporten aus Brasilien die wirkungsvollste Maßnahme wäre.
Brasilien hat gerade unsere Vergeltungsmaßnahmen im Rahmen des GATT
angefochten und behauptet, diese seien unvereinbar mit den von den Vereinigten Staaten im GATT eingegangenen Verpflichtungen. Wir haben darauf geantwortet, daß Brasiliens Anschuldigungen in diesem Fall nicht
das zentrale Problem treffen: Brasiliens fehlenden Patentschutz für Arzneimittel und Chemikalien, fehlende
internationale Vorschriften und einen
internationalen Schlichtungsmechanismus zum Schutz gegen diese unfairen
Handelspraktiken. Darüber hinaus haben wir darauf verwiesen, daß wir die
Vergeltung nicht aufheben können und
dies auch nicht wollen, ohne daß Brasilien Patentschutz für Arzneimittel
und
Feinchemikalien
verfügt.
Schließlich haben wir Brasilien und
anderen mit dem Land sympathisierenden Vertragspartnern im GATT gegenüber erklärt, man möge sich keinen
Illusionen darüber hingeben, daß ein
GATT-Ausschuß diese Angelegenheit so
einfach lösen kann, indem er Brasiliens Verstöße gegen die bestehenden
GATT-Vorschriften
untersucht.
Wir
haben in diesem Fall die Welt darüber
unterrichtet, daß wir keine den Handel einschränkenden Maßnahmen ausschließen werden, die notwendig werden könnten, um auf den Diebstahl
amerikanischen geistigen Eigentums zu
reagieren.
Ich glaube fest daran, daß wir in
diesem Fall den richtigen Kurs ein-

- 7 -

�schlagen. Hätten wir lieber auf eine
Konfrontation
im GATT verzichtet?
Sicherlich. Wir werden der Beseitigung unfairer Praktiken durch ein Abkommen eindeutig den Vorzug geben.
Wo dies nicht möglich ist, sollten
wir meiner Ansicht nach ein Druckmittel finden, das wirkungsvoll ist und
uns nicht in GATT-Streitigkeiten verwickelt. Aber wenn keine andere wirkungsvolle Maßnahme greift, müssen
wir bereit sein, unsere Prinzipien zu
verteidigen und angesichts der eklatant unfairen Maßnahmen zu unseren
Schritten stehen, auch wenn diese im
GATT Kontroversen hervorrufen.

Zusammenfassung
Ein nationales Programm für die
Handelspolitik kann nicht isoliert
von internationalen Entwicklungen im
Welthandel erstellt werden.
Unser
Programm für das nächste Jahr wird
wahrscheinlich die makroökonomische
Politik, internationale Zusammenarbeit und die steigende Interdependenz
des Welthandels beeinflussen und umgekehrt.
Obwohl die Zielsetzungen der Administration in Zusammenarbeit mit
dem Kongreß und dem Privatsektor erarbeitet worden sind, wird zu ihrer
Verwirklichung auch die Zusammenarbeit mit unseren Handelspartnern erforderlich sein. Obwohl eine Grundlage für diese Zusammenarbeit besteht, erfordert die Erhaltung dieser
Zusammenarbeit den kreativen Einsatz
der uns nach dem amerikanischen Handelsgesetz zur Verfügung stehenden
rechtlichen Mittel.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
'/U

"**""

c&amp;

Wissenschaft und Technik

1. März 1989

OZONSCHICHT ÜBER DER NORDHALBKUGEL GEFXHRDET
Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis

(AD) - Was manche Wissenschafter
vermutet, andere bereits befürchtet
hatten, ist offenbar Realität. Auch
über der Arktis gibt es ein Ozonloch.
Seit Mitte Februar liegen erste, vorläufige Ergebnisse einer großangelegten internationalen Forschungskampagne vor. Sechs Wochen lang, vom 1.
Januar bis 15. Februar 1989, wurden
von Flugzeugen und Bodenstationen aus
sowie mit Instrumenten in Ballonund
Raketensonden Meßdaten aus der Atmosphäre über arktischen Breiten bis
zum Nordpol gesammelt. In die Auswertung, die allerdings bis Ende 1989
dauern dürfte, werden auch die meteorologischen Meßdaten amerikanischer
und europäischer Satelliten aus dem
gleichen Zeitraum einbezogen.
Mehr als 160 Experten aus Nord-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

amerika, Mittelund Nordeuropa sowie
der Sowjetunion waren an dieser Gemeinschaftsaktion
beteiligt.
Wie
schon bei einer ähnlichen Studie während der Monate September und Oktober
im vergangenen Jahr zur systematischen Erkundung des Ende der siebziger Jahre entdeckten "Ozonloches"
über der Antarktis sollte nun mit
gleichen Methoden und Instrumenten
die Zusammensetzung
der Hochatmosphäre über der Arktis erforscht werden. Angesichts der hohen Bevölkerungsdichte
und
der
ausgedehnten
Agrarwirtschaft auf der Nordhalbkugel
der Erde muß als Alarmsignal gewertet
werden, daß es trotz der sehr viel
stärkeren atmosphärischen Dynamik in
dieser Region und den nicht ganz so
tiefen Wintertemperaturen
im Vergleich zur Antarktis über dem nördli-

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�chen Polargebiet im Hochwinter ebenfalls zu einem Ausdünnen der Ozonschicht kommt. Auch in der Arktis
waren die stratosphärischen Polarwolken (in Fachveröffentlichungen meist
nur mit "PSC" bezeichnet) vorhanden,
die sich bei Temperaturen von minus
85 Grad Celsius und darunter bilden
und aus Wassereis und Salpetersäurekristallen, also einer Sauerstoffsäure des Stickstoffs, bestehen.
Daß
sie gemeinsam mit dem aus Fluorchlorkohlenwasserstoffen
(FCWK) freigesetzten Chlor Ozon zerstören, weiß
man erst seit ca. zwei Jahren.
Etwa 90 Prozent des Spurengases
Ozon, einem aus drei Sauerstoffatomen
bestehenden Molekül, sind in der 20
bis 35 km hohen Luftschicht in der
Stratospähre
konzentriert.
Dieses
Ozon hat eine wichtige Schutzfunktion
für alles Leben auf der Erde, weil es
schädliche Anteile aus der Ultraviolettstrahlung der Sonne absorbiert
und so davon abhält, bis zur Erdoberfläche vorzudringen. Sie können beim
Menschen Hautkrebs und Linsentrübung
hervorrufen, zu schweren Pflanzen-,
und sogar Planktonschäden führen und
selbstverständlich auch Tiere gesundheitlich und in ihren Ernährungsmöglichkeiten beeinträchtigen.
Daß die Ozondichte in der Stratosphäre mit der Jahreszeit und dem jeweiligen geographischen Breitengrad
schwankt, ist ein schon seit langem
bekanntes natürliches Phänomem. Daß
Ozon aber zusätzlich von Spurengasen,
die durch menschliche Aktivitäten in
die Atmosphäre gelangen, angegriffen
und zerstört wird, ist jetzt kaum
mehr zu bestreiten. Lange Zeit wehrten sich Industrie und Politiker gegen die Anfang der siebziger Jahre
von zwei amerikanischen Wissenschaftlern aufgestellte Hypothese, daß es
vor allem die in den unteren Luftschichten nichtreaktiven FCKW-Verbindungen seien, die der Ozonschicht in
der Stratospäre schaden. Das Problem
wird dadurch kompliziert, daß im bodennahen Bereich, innerhalb der Troposphäre,
die
Ozonkonzentrationen
stetig zunehmen, was ebenfalls auf

menschliche Aktivitäten und die Industrie zurückzuführen ist.
Zusammen
mit anderen Spurengasen wie Methan,
Kohlendioxyd und das durch den massiven Kunstdüngergebrauch aus dem Boden
sickernde
Distickstoffmonoxyd
(N2O
- Lachgas) trägt Ozon in dieser tiefen Luftschicht zur Aufheizung der
Atmosphäre, dem sogenannten Treibhauseffekt, bei.
Die einzig sinnvolle und wirksame
Gegenmaßnahme gegen diese Prozesse,
die sich offenbar beschleunigen, kann
nur in einer Reduzierung der Schadstoffemissionen bestehen.
Die Vereinbarungen des internationelen Abkommens von Montreal aus dem Jahr
1987, das u.a. bis 1999 eine Verringerung der Produktion von FCKW um 50
Prozent vorsieht, halten die Wissenschaftler
für
nicht
ausreichend.
Selbst unter diesen Voraussetzungen
würden sich die Mengen der ozonschädlichen Stoffe in der Stratosphäre, zu
denen auch Bromverbindungen gehören,
in den nächsten 50 Jahren verdoppeln.
Nach den Vereinigten Staaten und
Schweden, die bereits Ende der siebziger Jahre die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen als Treibgase für Sprühflaschen im Alltagsgebrauch verboten, entschlossen sich
jetzt auch einige weitere Staaten zu
dieser Maßnahme. Amerikanische Firmen sind beispielsweise seit längerer
Zeit dabei, unschädliche Ersatzstoffe
zu entwickeln - zum Teil mit gutem
Erfolg. Aber sie bilden ja nur einen
Bruchteil des Anwendungsspektrums für
FCKW.
Merklicher
Ozonrückgang
Arktis seit 15 Jahren

über

der

Im Februar und März vergangenen
Jahres fanden einige amerikanische
Wissenschaftler unabhängig voneinander erhöhte Werte von Chlorverbindungen in der Atmosphäre über der Arktis. Daniel Albritton, Direktor des
Aeronomie-Instituts der US-Bundesbehörde für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA) in Boulder/Colorado,
gab im Dezember 1988 bekannt, daß

- 2 -

�sich der Ozongehalt der Stratosphäre
im hohen Norden in den letzten 15
Jahren um 2,5 bis 6,5 Prozent verringert habe. Erwartet habe man nicht
mehr als 1,5 Prozent. Mit dem Verlust von 30 bis 50 Prozent über der
Antarktis sei das natürlich nicht annähernd zu vergleichen - dort herrschen im Winter sehr viel extremere
und dem Ozonabbau besonders förderliche Bedingungen.
Aber die Tendenz
signalisiere Gefahr.

f
*

Im Verlauf der jüngsten Expedition mit Wissenshaftlern aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland,
Dänemark und Norwegen wurden unter
anderem zwei zu fliegenden Laboratorien umfunktionierte Flugzeuge von
Stavanger (Norwegen) aus eingesetzt.
Die ER-2 der US-Behörde für Luftund
Raumfahrt (NASA) operierte in ca. 20
000 m Höhe, das heißt am unteren Rande der Ozonschicht, die amerikanische
DC-8 im mittleren Flugbereich in Höhen bis etwa 13 000 m. Letztere, ein
ehemaliges Passagierflugzeug, hatte
Wissenschaftler und Techniker für die
Luftprobennahme und zur Bedienung der
Instrumente an Bord.
Die Meßdaten
wurden zum Teil sofort ausgewertet.

Schwergewicht der Forschungsaufgaben
lag hier bei der Entnahme von Proben
der
stratosphärischen
Polarwolken,
Messung
von
Windgeschwindigkeiten,
Druck, Temperaturen und vertikalen
Temperaturunterschieden, Entnahme von
Luftproben in verschiedenen Höhenbereichen, Erfassung von Spurengasen von Ozon über verschiedene Stickstoffverbindungen bis zu Bromverbindungen.
Bestimmte, von beiden Flugzeugen
gesammelte Meßdaten aus der Atmosphäre bildeten gleichzeitig Referenzwerte für ein Sonderprojekt des britischen Wetterdienstes: Wissenschaftler versuchten, für eine bestimmte
Region mittels verschiedener Computer-Modelle Vorhersagen zur Wetterentwicklung für einen längeren als
den bisher üblichen Zeitraum zu erstellen.

Die wichtigsten Instrumententypen
an Bord der DC-8 waren LIDAR-Geräte
(sie erfassen polare Stratosphärenwolken, können zwischen Wassereis und
Kristallen stickstoffhaltiger Verbindungen
unterscheiden,
registrieren
Ozon und andere Aerosole), ferner Detektoren
für
bestimmte
chemische
Stoffe in der Atmosphäre sowie Spektrometer für Ultraviolettund Infrarotstrahlung.
Letztere geben indirekte Hinweise auf schädliche Spurengase.
Die Instrumente für dieses
Projekt waren von der Kernforschungsanlage in Jülich und dem amerikanischen
Nationalen
Atmosphärenforschungszentrum bereitgestellt worden.
Der Pilot der ER-2, eines Flugzeugs von 18 m Länge und 31 m Flügelspannweite, bediente auch gleichzeitig die 13 Instrumente. Im Cockpit
ist nur Raum für eine Person. Das
- 3 -

* * * * *

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Behebung des konventionellen Ungleichgewichts noch in weiter Ferne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem amerikanischen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mosbacher: Vereinigte Staaten für offeneren europäischen Markt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Handelsministers bei der Columbia Institute Conference&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hills zur US-Handelspolitik 1989&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Senat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Techniken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ozonschicht über der Nordhalbkugel gefährdet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste Ergebnisse einer internationalen Studie in der Arktis&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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