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                  <text>AMERIKA DIENST
\ o N

$ &lt;

22. Februar 1989
INHALT

DOKUMENTATION
Die neue Herausforderung für das Atlantische Bündnis
- Ansprache des Gesandten James F. Dobbins -

Baker bei Lösung der Modernisierungsfrage zuversichtlich
- Fernsehinterview mit dem Außenminister -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Start der Raumfähre "DISCOVERY" verschoben

.NASA-Etat zu knapp
- Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats
\
* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

4

22. Februar 1989
DIE NEUE HERAUSFORDERUNG FÜR DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS
- Rede des amerikanischen Geschäftsträgers
vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft -

FRANKFURT - (AD) - Der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten von Amerika
in Bonn, James F. Dobbins, hat in einer Rede vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft am 21. Februar 1989 zu Fragen der Verteidigung und Abrüstung Stellung
genommen.
Zum derzeit in der Bundesrepublik lebhaft erörterten Problem der Tiefflüge
unterstrich der Geschäftsträger, "wenn die Piloten der NATO in der Lage sein
sollen, unter realistischen Bedingungen zu üben und damit ein angemessenes Niveau der Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, kann nur ein begrenzter Teil
dieser Ausbildung in andere Länder 'exportiert' werden". Selbst wenn es möglich und finanziell tragbar wäre, alle Ausbildungsflüge zu exportieren, würde
damit Sinn und Zweck der Vorneverteidigung durchkreuzt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Geschäftsträgers im V/ortlaut:
Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute abend vor Ihnen
sprechen zu dürfen.
Die SteubenSchurz-Gesellschaf t ist sowohl in der
Bundesrepublik als auch in den Vereinigten Staaten als eine der namhaftesten deutsch-amerikanischen Organisationen bekannt, die sich der Erhaltung und Förderung der tiefen und
allgegenwärtigen Bande verschrieben
hat, die unsere beiden Länder verbinden. Sie alle sind beredtes Zeugnis
der Tatsache, daß die Bande zwischen
unseren Völkern und Institutionen sowie unsere gemeinsamen Werte und
Zielsetzungen stabil und beständig
bleiben. Ich beglückwünsche Sie zu
Ihrer Weitsicht und Ihrem unermüdlichen Einsatz und begrüße diese Gelegenheit, einen Beitrag zum deutschamerikanischen Dialog leisten zu kön-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen.
Ich bin gebeten worden, heute
abend über das Thema Verteidigung und
Abrüstung zu Ihnen zu sprechen. Angesichts der derzeit lebhaften Verteidigungsdebatte in unseren beiden
Ländern kommt diese Einladung sehr
gelegen.
Wie Meinungsumfragen eindeutig belegen, erfreut sich die NATO
auf beiden Seiten des Atlantiks nach
wie vor überwältigender Unterstützung
in Politik und Öffentlichkeit.
Es
entbehrt daher vielleicht nicht einer
gewissen Ironie, daß sich das Grundkonzept, auf dem das Bündnis beruht,
wachsender Kritik und zunehmendem
Druck ausgesetzt sieht.
In den Vereinigten Staaten konzentriert sich dieser Druck erneut

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�auf das Thema Lastenverteilung im
Bündnis. Im Kongreß und in einigen
Kreisen der amerikanischen Bevölkerung herrscht das Gefühl vor, die
Vereinigten Staaten trügen mehr als
ihren gerechten Anteil an der Last
der
gemeinsamen
Verteidigung
des
Bündnisses, und die Europäer sollten
einen
entsprechend
größeren
Teil
übernehmen. Diese Befürworter einer
gerechteren Lastenverteilung streben
keinen Abbau der amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas
an; ihr Ziel ist schlicht und einfach, die europäischen Mitglieder des
Bündnisses davon zu überzeugen, mehr
zu tun. Gleichzeitig ist es nur allzu verständlich, daß der Druck nach
einseitigem Abbau des amerikanischen
Engagements sich verstärken könnte,
wenn keine Reaktion auf diese Bedenken bezüglich einer gleichmäßigeren
Verteilung der Lasten des Bündnisses
erfolgt.
In der Bundesrepublik Deutschland
kommt die Unzufriedenheit mit dem
Grundkonzept und der dem Bündnis zugrundeliegenden Politik auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck. Erstens besteht wachsender Unmut über
die physischen Lasten - den Lärm, die
Zerstörung der Landschaft, die Unterbrechung des Tagesablaufs -, die
durch die Präsenz sehr umfangreicher
militärischer Streitkräfte zwangsläufig entstehen. Der Unmut über die
physische Last der Präsenz umfangreicher
konventioneller
Streitkräfte
geht einher mit der erneuten Frage
nach der Notwendigkeit der politischen Lasten zur Aufrechterhaltung
der
nuklearen
Abschreckung.
Und
schließlich wurde die Frage erörtert,
ob die Aktivitäten der verbündeten
Streitkräfte vollständig im Einklang
mit der Souveränität der Bundesrepublik stehen.
Diese auf beiden Seiten des Atlantiks geäußerten Bedenken und kritischen Einwände sollte man im Kontext der umfassenderen Strategie des
Bündnisses betrachten. Fragen, ob es
für die Vereinigten Staaten erforderlich ist ein ziemlich beträchtliches

Potential an Menschen und finanziellen Ressourcen zur Verteidigung Europas bereitzustellen und ob für die
Bundesrepublik die Nowendigkeit besteht, alliierte Truppen aufzunehmen
und die nukleare Abschreckung zu unterstützen, können am besten beantwortet werden, wenn man sich die Erfordernisse der NATO-Strategie vor
Augen hält und fragt, ob diese Strategie nach wie vor Gültigkeit besitzt.
Die NATO-Strategie hängt von zwei
Faktoren ab: der militärischen Bedrohung, wie sie sich durch die
Streitkräfte des Warschauer Pakts
stellt und den geographischen Gegebenheiten des Bündnisses. Unmittelbar an das Territorium des Bündnisses
angrenzend ist ein massives Potential
von Truppen und Gerät stationiert,
die der größten europäischen Macht
unterstehen - der Sowjetunion. Diese
Streitkräfte verfügen über zahlreiche
Panzer, Artillerie und Flugzeuge und
sind so strukturiert und ausgebildet,
daß sie zu schnellen, raumgreifenden
Operationen fähig sind. Die geographische Lage hat zweifache Auswirkungen auf die Strategie des Bündnisses:
erstens ist das industrielle Kernland
des Bündnisses, sein reichstes und
wertvollstes Gebiet - die Bundesrepublik Deutschland - gleichzeitig dessen Achillesferse:
ein leicht erreichbares Ziel für sowjetische Panzer; zweitens
befindet
sich das
Hauptgegengewicht
zur
sowjetischen
Militärmacht - die Vereinigten Staaten - weit von der Sowjetunion und
den
europäischen
Mitgliedern
des
Bündnisses entfernt.
Die Strategie der NATO ist also
darauf ausgerichtet, zwei Aufgaben zu
erfüllen. Die erste besteht darin,
die unmittelbare Verteidigung des exponiertesten - und wertvollsten - Gebiets des Bündnisses, der Bundesrepublik Deutschland, zu gewährleisten.
Der zweite liegt in der Ankoppelung
der amerikanischen Macht an die Verteidigung Europas. Die Strategie des
Bündnisses besteht deshalb aus zwei
Elementen:
Vorneverteidigung
und
flexibler Reaktion. Im wesentlichen

�steht Vorneverteidigung für die Bereitschaft der NATO-Streitkräfte, gegen eine mögliche Invasion des Warschauer Pakts so weit vorne wie möglich Widerstand zu leisten und diese
abzuwehren,
das
heißt,
an
der
deutsch-deutschen Grenze.
Dies erfordert von der NATO die Aufrechterhaltung umfangreicher militärischer
Streitkräfte so nahe wie möglich an
der östlichen Grenze der Bundesrepublik Deutschland.
Eine Alternative
zur Vortieverteidigung - eine Verteidigung in der Tiefe - könnte von vielen Militärexperten bevorzugt werden.
Eine Verteidigung in der Tiefe würde
indessen dem Hauptzweck des Bündnisses zuwiderlaufen, der darin besteht,
allen Mitgliedstaaten gleichen Schutz
für Freiheit, Sicherheit und territoriale Integrität zu gewähren. Eine
Verteidigung in der Tiefe würde bedeuten, daß das Bündnis sich auf die
Führung eines anhaltenden konventionellen Krieges in der Bundesrepublik
vorbereiten würde, in dessen Verlauf
es sich zum Rhein und in die Niederlande zurückziehen würde, um dort
Streitkräfte für einen Gegenangriff
zu sammeln. Die gesamte Bundesrepublik würde als Kriegschauplatz jedes
europäischen Konflikts dienen, wobei
eine Aggression und darauf folgende
Gegenangriffe auf ihrem Territorium
ausgetragen würden. Ein solches Szenarium war in der Vergangenheit nie
eine akzeptable Grundlage für die
Verteidigungsplanung des Bündnisses.
Ich sehe keinen Grund, warum sich
dies in Zukunft ändern sollte.
Die Vorneverteidigung ist darauf
ausgerichtet, das Engagement amerikanischer atomarer wie konventioneller
Streitkräfte für die Verteidigung Europas zu gewährleisten und insbesondere die nukleare Abschreckung auf
ein
Land
die
Bundesrepublik
Deutschland - auszuweiten, das selbst
auf den Besitz von Kernwaffen verzichtet hat. Die flexible Reaktion
zielt darauf ab, durch Androhung einer nuklearen Reaktion selbst auf einen konventionellen Angriff jeden
Krieg zu verhindern - sei er konventionell oder nuklear. Die flexible
- 3

Reaktion bedeutet im wesentlichen,
daß das Bündnis darauf vorbereitet
sein sollte, auf eine mögliche Aggression des Warschauer Pakts auf der
Stufe militärischer Macht zu reagieren, die notwendig und ausreichend
zur Abwendung dieser Aggression und
zur Wiederherstellung der territorialen Integrität der angegriffenen Nation
erscheint.
Diese
Strategie
setzt voraus, daß das Bündnis - zumindest im Anfangsstadium - mit konventionellen Streitkräften auf einen
konventionellen
Angriff
des Warschauer Pakts antworten würde und
sich die Option offenhält, Kernwaffen
einzusetzen oder ihren Einsatz anzudrohen, falls sich eine konventionelle Reaktion als unzureichend herausstellt.
Die flexible Reaktion bedingt, daß das Bündnis ein angemessenes Arsenal unterschiedlicher Kernwaffen zur Verfügung hat, und zwar in
Europa
stationierte
Nuklearsysteme
und in den Vereinigten Staaten stationierte strategische Systeme. Die
Präsenz der amerikanischen - konventionellen wie nuklearen - Streitkräfte in Europa dient als Bindeglied
zwischen der Verteidigung der europäischen und amerikanischen Gebiete des
Bündnisses und damit der Überwindung
des zweiten von mir beschriebenen
geographischen Nachteils - der Distanz zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß sowohl die flexible Reaktion als
auch die Vorneverteidigung darauf
ausgerichtet sind, den Ausbruch eines
Krieges zu verhindern und - falls
dies dennoch geschähe -, die Aussichten für dessen schnelle Beendigung zu
gewährleisten, ohne weite Teile des
Bundesgebiets zu zerstören.
Ich möchte mich nun dem Verhältnis zwischen dieser BUndnisstrategie
und den besonderen verteidigungspolitischen Fragen zuwenden, die gegenwärtig in der Bundesrepublik erörtert
werden.
Zunächst zu den Tiefflügen.

Wenn

�unsere Strategie der Vorneverteidigung wirksam sein soll, muß die NATO
die Fähigkeit besitzen, nach einem
möglichen Ausbruch von Feindseligkeiten die Invasionsstreitkräfte schon
beim Anmarsch auf unsere Grenzen aufzuhalten, ihnen große Verluste zuzufügen sowie die gegnerischen Luftstützpunkte und Versorgungseinrichtungen anzugreifen. Der Besitz dieser Fähigkeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß die NATO schon
mit konventionellen Streitkräften zur
raschen Abwehr einer Aggression in
der Lage wäre und deshalb nicht auf
den Einsatz von Kernwaffen zurückgreifen müßte. Diese Art der Abriegelungsfähigkeit erfordert jedoch von
den Kampfflugzeugen der NATO das
Fliegen in äußerst niedrigen Höhen,
um das sehr engmaschige Luftabwehr- und Radarnetz des Warschauer
Pakts zu unterfliegen. Um im Konfliktfall zum Tiefstflug in der Lage
zu sein, müssen die Piloten der NATO
regelmäßig in solchen Flughöhen und
über Landstrichen Übungsfüge durchführen, die dem Einsatzgebiet im Fall
eines Krieges möglichst entsprechen.
Ein Teil dieser Tiefflugausbildung
kann andernorts, in Kanada, der Türkei und auf Sardinien durchgeführt
werden - und dies ist bereits der
Fall. Gegenwärtig berät die U.S. Air
Force mit der Bundesluftwaffe und den
Luftwaffen der anderen Verbündeten
über eine weitere Reduzierung der
Tiefflüge in der Bundesrepublik. Ich
bin zuversichtlich, daß wir diese Belastung weiter abbauen können. Wenn
die Piloten der NATO jedoch in der
Lage sein sollen, unter realistischen
Bedingungen zu üben und damit ein angemessenes Niveau der Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, kann nur
ein begrenzter Teil dieser Ausbildung
in andere Länder "exportiert" werden,
in denen andere Witterungs- und Bodenverhältnisse
herrschen.
Selbst
wenn es möglich und finanziell tragbar wäre, all unsere Ausbildungsflüge
zu exportieren, würden wir damit Sinn
und
Zweck
der
Vorneverteidigung
durchkreuzen, denn unsere Streitkräfte können nicht gleichzeitig in Kanada üben und in der Bundesrepublik Ab-

schreckung gewährleisten.
Ein zweites kontroverses Thema in
der Bundesrepublik ist die Stationierung von weiterem hochmodernem und
effektivem militärischem Gerät. Unter der Administration von Ronald
Reagan haben die Vereinigten Staaten
nach einem Jahrzehnt rückläufiger
Verteidigungsausgaben einen anderen
Kurs eingeschlagen und erhebliche
Summen für die Beschaffung neuer Ausrüstung und die Ausbildung der dafür
notwendigen
Bedienungsmannschaften
ausgegeben. Ein Großteil dieser finanziellen Investitionen - etwa bei
Panzern,
Flugzeugen,
Hubschraubern
und Schützenpanzern - war speziell
für unsere Verpflichtungen im Rahmen
der NATO bestimmt. Als Ergebnis dessen besitzen die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten die vielleicht
modernste Ausrüstung aller Streitkräfte auf dem europäischen Kontinent.
Innerhalb der Bundesrepublik gab
und gibt es lokalen Widerstand gegen
die Einführung eines Teils dieser
Ausrüstung.
So wurde vor Gericht
Klage gegen die Modernisierung von
Schießplätzen erhoben, die für die
Ausbildung
der
Mannschaften
des
Schützenpanzers Bradley erforderlich
sind.
Ferner sind wir mit unsere
Plänen zur Stationierung des Panzerabwehrhubschraubers Apache auf Widerspruch gestoßen.
Im Hinblick auf die Strategie der
NATO ist diese neue, von den amerikanischen Streitkräften
in jüngster
Zeit in Europa stationierte Ausrüstung - Panzer, Hubschrauber, Flugzeuge - von entscheidender Bedeutung
für die Erhaltung der Vorneverteidigung. Zum Beispiel besteht die Rolle
des Panzerabwehrhubschraubers Apache
darin, in einem Konflikt einen sowjetischen Panzervorstoß so früh wie
möglich zum Stehen zu bringen und
zurückzuwerfen.
Das
amerikanische
Volk hat für die Beschaffung, Instandhaltung
und Bemannung dieser
Waffensysteme große finanzielle Opfer
gebracht und wird dies auch in Zukunft tun. Darauf ausgerichtet, den

�Fähigkeiten des Warschauer Pakts im
Bereich der schweren Panzer entgegenzutreten, wurden viele dieser Waffensysteme besonders, in manchen Fällen
sogar ausschließlich, für die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland
konzipiert. Es ist schwer, dem amerikanischen Steuerzahler, der Milliarden Dollar für Ausrüstung und Gerät ausgegeben hat, das nur in Mitteleuropa sinnvoll eingesetzt werden
kann, zu erklären, daß viele der Menschen, zu deren Verteidigung diese
Ausrüstung entwickelt wurde, es nicht
in ihrer Nachbarschaft stationiert
haben möchten.
Ein dritter kontroverser Bereich
steht in Zusammenhang mit militärischen Großmanövern, der Unruhe und
den Schäden, die von diesen verursacht werden können. Die Abschrekkung beruht ebensosehr auf der Qualität wie auf der Quantität der Streitkräfte des Bündnisses, und die Ausbildung ist das wichtigste Mittel zur
Aufrechterhaltung
und
Verbesserung
der Qualität. Im Frieden hat das Militär tatsächlich nur den einen Auftrag - zu üben. Selbstverständlich
tun die Kommandeure der verbündeten
und deutschen Streitkräfte ihr Bestes, um die von den Manövern verursachten Beeinträchtigungen so gering
wie möglich zu halten, und Manöverschäden werden natürlich erstattet.
Die Bundeswehr wie auch die USStreitkräfte sind dabei, neue Ausbildungskonzepte einzuführen, die weniger Großmanöver mit Truppen vorsehen und sich mehr auf Ausbildungsmaßnahmen auf Stabsebene konzentrieren.
Das Ergebnis wird in einer verbesserten Qualität der Ausbildung mit weniger Truppen und insbesondere weniger
Panzern und anderen Kettenfahrzeugen
im Gelände bestehen.
Die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung bürdet uns eine andere Art von Last auf, keine physische - man sieht diese Waffen selten
und hört sie nie -, keine finanzielle
- diese Waffen sind vergleichsweise
billig -, aber eine moralische und
politische.
Die nukleare Abschrekkung bietet der NATO eine Alternative
- 5

zu Krieg oder Kapitulation, aber diese Alternative hat ihren Preis. Wie
in den vergangenen vierzig Jahren muß
das amerikanische Volk akzeptieren,
daß die mögliche Zerstörung der Vereinigten Staaten ein angemessener
Preis ist, um den nuklearen Schutzschild auf die europäischen Verbündeten auszudehnen. Die Völker Europas
müssen akzeptieren, daß um der Glaubwürdigkeit
dieses
amerikanischen
Schutzschilds willen ein Teil davon
auf hiesigem Territorium stationiert
sein muß, zu dessen Schutz er geschaffen wurde. Unsere Völker davon
zu überzeugen, diese Lasten auch weiterhin zu akzeptieren, ist eine niemals endende Aufgabe der politischen
Führung des Bündnisses.
Selbstverständlich unterzieht das
Bündnis die Erfordernisse einer wirksamen nuklearen Abschreckung im Hinblick auf die speziellen Systeme und
die Zahl der in Europa benötigten Systeme dieser Art von Zeit zu Zeit einer Bestandsaufnahme. Seit 1979 hat
die NATO ihre in Europa gelagerten
Kernwaffen um 2 400 Gefechtsköpfe reduziert, weitere Gefechtsköpfe werden
mit der Vernichtung der INF-Raketen
abgezogen. Überdies besteht für die
Zukunft die Möglichkeit zusätzlicher
Reduzierungen dieses Arsenals. Jedoch müssen die verbleibenden Waffensysteme effektiv sein, und deshalb
müssen überholte ältere Systeme durch
neue ersetzt werden.
Eines dieser
Systeme, die Lance-Rakete, wird in
der Mitte der neunziger Jahre ersetzt
werden müssen. Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Ersatzsystem zur Verfügung
stehen soll, müssen die Vereinigten
Staaten mit dessen Entwicklung noch
dieses Jahr beginnen.
Sicherlich
lassen sich logische Argumente für
die Beseitigung wie auch für die Beibehaltung jedes beliebigen Kernwaffensystems finden, aber es gibt keine
Argumente für die Beibehaltung von
überholten und unwirksamen Atomwaffen. Vor allem ist es wichtig, daß
die Modernisierungsdebatte nicht nur
die technischen
Fragen behandelt,
sondern auch auf die Grundsätze der
nuklearen Lastenverteilung und die

�Notwendigkeit eingeht, die Strategie
der Abschreckung des Bündnisses aufrechtzuerhalten.
Aus diesem Grund
will sich die NATO diesem Problem im
Kontext eines Gesamtkonzepts für Sicherheit und Rüstungskontrolle zuwenden, das bei einem NATO—Gipfeltreffen
in diesem Frühjahr erörtert werden
soll.
In diese anhaltende verteidigungspolitische Debatte wird der Begriff der "Souveränität" eingebracht.
Eine Reihe der von mir soeben angesprochenen Einzelfragen - insbesondere die Tiefflüge und die sogenannten
Stationierungsprobleme - werden von
manch einem nicht nur im Kontext der
Ost-West-Beziehungen und der Erfordernisse der Abschreckung betrachtet.
Es wird zusätzlich das Argument vorgebracht, die umfangreiche militärische Präsenz und Übungstätigkeit der
Verbündeten in der Bundesrepublik
Deutschland
spiegele
die
eingeschränkte deutsche Souveränität wider, ein Überbleibsel aus der Besatzungszeit.
Diese Einschätzung läßt historische Tatsachen von entscheidender Bedeutung außer acht.
Am Ende des
Zweiten Weltkriegs zogen die Vereinigten Staaten rasch den Großteil ihrer Truppen aus Europa ab, während
die Sowjets ihre Streitkräfte dort
beließen.
Die Vereinigten Staaten
hofften und erwarteten, daß die Europäer selbst in der Lage sein würden,
ihre Verteidigung - ohne das Engagement der Vereinigten Staaten - zu gewährleisten.
Mit den Jahren wurde
jedoch immer deutlicher, daß die Sowjetunion nicht die Absicht hegte,
ihre militärische Präsenz in Europa
zu verringern, sondern daß sie vielmehr versuchte, diese Präsenz zu nutzen, um ihren Einflußbereich auf dem
Kontinent nach Westen auszudehnen.
Es trat immer klarer zutage, daß es
den Europäern angesichts dieser sowjetischen Bedrohung ohne die Beteiligung der Vereinigten Staaten nicht
gelingen würde, eine eigenständige
lebensfähige
Verteidigungsstruktur
aufzubauen. Das Projekt einer Euro-

päischen
Verteidigungsgemeinschaft,
deren Kernstück eine ausschließlich
europäische Armee sein sollte, scheiterte nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen. Erst dann haben
die Vereinigten Staaten in ihrer
Nachkriegspolitik des Rückzugs eine
Umkehr vollzogen, ihre historische
Ablehnung
von
Verpflichtungen
in
Übersee in Friedenszeiten überwunden
und sich bereiterklärt, ein langfristiges Engagement zur Verteidigung
Westeuropas einzugehen.
Der NATOVertrag, der Eintritt der Bundesrepublik Deutschland in die NATO sowie
das Truppenstatut und andere die Präsenz der BUndnisstreitkräfte in der
Bundesrepublik regelnde Vereinbarungen gehen auf dieses Engagement zurück.
Die wichtigste Grundlage der heutigen Präsenz verbündeter Streitkräfte ist jedoch kein vierzig Jahre altes Abkommen, sondern ein lebendiges,
lebensfähiges Bündnis - eine Partnerschaft
zwischen
Verbündeten
und
Freunden.
Die
Bundesrepublik
Deutschland, die Vereinigten Staaten,
Kanada, Großbritannien, Belgien, die
Niederlande
und
Frankreich
haben
grundsätzlich gemeinsame Interessen
und Werte. Diese gemeinsamen Werte
und Interessen bilden das wahre Fundament für die Präsenz all dieser
Streitkräfte. Ich spreche sicherlich
im Namen aller in der Bundesrepublik
lebenden Amerikaner, wenn ich sage,
wir sind uns der Tatsache bewußt, daß
wir in der Bundesrepublik zu Gast
sind. Wir sind hier als Freunde empfangen worden. Wir werden nur so
lange bleiben, wie wir erwünscht
sind. Wir werden die uns zuteil gewordene Gastfreundschaft niemals mißbrauchen.
Bei der Diskussion über Souveränität wird zugrundegelegt, daß Souveränität und eine starke Verteidigung
sehr unterschiedliche und zuweilen
unvereinbare Konzepte sind. Vielfach
wird argumentiert, die Bundesrepublik
habe einen Teil ihrer Souveränität
"aufgegeben", um ihren Beitrag zur
äußeren Sicherheit zu leisten. Tat-

�sächlich hat die Bundesrepublik einen
wesentlich größeren Teil ihrer Souveränität an die Europäische Gemeinschaft - eine überstaatliche Organisation - abgetreten als an die NATO,
die keine solche ist. Souveränität
und Verteidigung sind in jedem Fall
untrennbar
miteinander
verknüpft.
Souveränität ist schließlich nur Ausdruck der Fähigkeit und des Willens
eines Staates, die Interessen seines
Volkes zu schützen und zu vertreten.
Die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist davon überzeugt, das NATOBündnis und die Präsenz der verbündeten Soldaten seien unabdingbar, um
ihre Sicherheit sowie das Fortbestehen ihrer demokratischen Institutionen und ihres offenen Wirtschaftssystems zu gewährleisten. Die NATO und
die Präsenz der Verbündeten stellen
daher einen wesentlichen Bestandteil
der Souveränität der Bundesrepublik
dar. Dies gilt in der Tat ebenso für
die Vereinigten Staaten und die anderen Mitglieder der NATO, von denen
viele verbündeten Truppen auf ihrem
Territorium Gastrecht gewähren. Ohne
diese Präsenz und ohne dieses Bündnis
würden wir alle weniger Freiheit und das heißt geringere Souveränität
- genießen.
Das im Harmel-Bericht von 1967
niedergelegte Grundkonzept der NATO
Strategie macht deutlich, das die
Aufgabe der NATO sowohl Dialog als
auch Verteidigung sein sollen.
In
den vergangenen Jahren war das Bündnis ebenso aktiv im Bestreben um Rüstungskontrollabkommen wie beim Versuch, seine Streitkräfte auf dem gebotenen Stand zu halten. Infolgedessen stehen wir heute in dem umfassendsten Dialog, den wir jemals mit
dem Ostblock geführt haben.
Wir haben bereits
Leistungen vollbracht:

beachtliche

Das im Jahr 1986 zum Abschluß der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm
unterzeichnete Dokument sieht erstmals Vor-Ort-Inspektionen militäri- 7

scher Großmanöver in Ost und West
vor. Das ist zweifelsohne die wichtigste bis heute eingeführte vertrauensbildende Maßnahme.
Der im Dezember 1987 beim Washingtoner Gipfel unterzeichnete INFVertrag ist das erste Abkommen, mit
dem die Anzahl der Nuklearwaffen in
den amerikanischen und sowjetischen
Arsenalen tatsächlich reduziert wird.
Er enthält Bestimmungen für eingehende Vor-Ort-Inspektionen, die an sich
schon sehr wichtig sind und darüber
hinaus die Grundlage für Verifizierungsregeln
künftiger
Rüstungskontrollabkommen über Kernwaffen bilden
werden.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben prinzipiell eine
sehr erhebliche Reduzierung
ihrer
strategischen Kernwaffen vereinbart
und spezielle Obergrenzen für verschiedene Waffenkategorien ausgearbeitet. Obwohl noch schwierige Verhandlungen bevorstehen, haben wir erhebliche Fortschritte erzielt.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben Gemeinsame Verifizierungsexperimente auf ihren jeweiligen Atomtestgeländen durchgeführt
und damit wichtige Schritte im Hinblick
auf
die Ratifizierung
des
Schwellenvertrages und des Vertrages
über Atomexplosionen zu friedlichen
Zwecken sowie weitere verifizierbare
Begrenzungen von Atomtests unternommen. Sowjetische Regierungsvertreter
waren bei amerikanischen Atomtests
zugegen und umgekehrt. Vor einigen
Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, daß irgendeine Regierung der anderen den Zugang zu diesen sicherheitsempfindlichen Bereichen gewähren
würde.
Sowohl das NATO-Bündnis als auch
der Warschauer Pakt setzen sich für
die Aushandlung einer verifizierbaren, umfassenden und wirksamen Konvention zur Ächtung chemischer Waffen
ein. Auch bei diesen Verhandlungen
sind große Fortschritte erzielt worden, obwohl noch Probleme bestehen
bleiben.

�Eine weitere große Herausforderung, mit der wir im Bereich der Rüstungskontrolle
konfrontiert
sind,
ist die Schaffung einer verbesserten
Regelung zur Verhinderung der Verbreitung chemischer, biologischer und
nuklearer Waffen sowie von deren Trägersystemen - insbesondere ballistischer Raketen.
Die
internationale
Staatengemeinschaft hat bereits erhebliche Fortschritte bei der Eindämmung der Weitergabe von Atomwaffen
erzielt, insbesondere durch den Atomwaffensperrvertrag und die Nuclear
Suppliers' Group. Erst in den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit ernsthaft auf die Verbreitung
von chemischen und biologischen Waffen sowie von ballistischen Raketen
konzentriert. Dieses Problem ist in
den vergangenen Wochen in der Bundesrepublik Deutschland besonders intensiv diskutiert worden, es ist aber
nicht zuletzt ein Problem, das alle
hochentwickelten Industriestaaten angeht.
Diese Frage läßt sich nur
durch eine Korabination nationaler
Maßnahmen und internationaler Zusammenarbeit angemessen bewältigen. Die
Vereinigten Staaten begrüßen deshalb
die Initiative von Außenminister Genscher und der Bundesrepublik Deutschland, in der Europäischen Gemeinschaft engere Zusammenarbeit in dieser Frage anzustreben, um die weitere
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Die Vereinigten Staaten befürworten zur Bewältigung dieser Aufgabe die enge Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik, der
Europäischen Gemeinschaft und anderen
Industriestaaten.
Schließlich haben die NATO und
der Warschauer Pakt im Rahmen all
dieser Leistungen und Herausforderungen im Bereich der Rüstungskontrolle
ein Mandat für neue Verhandlungen
über konventionelle Rüstungskontrolle
In Europa vereinbart, die nächsten
Monat in Wien aufgenommen werden sollen. Vor kurzem verkündete einseitige Reduzierungen des Warschauer Pakts
deuten darauf hin, daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten ihre Überlegenheit
bei
den
konventionellen

Streitkräften in Europa erkannt und
sich der Auffassung gebeugt haben,
daß die stärkere Seite am meisten abrüsten muß. Mit 23 Teilnehmern werden die Gespräche nicht einfach oder
leicht durchführbar sein, aber die
Aussichten für Fortschritte bei konventioneller Rüstungskontrolle waren
niemals günstiger.
Für die Zukunft kann man sich eine Situation vorstellen, in der die
Verteidigung der Bundesrepublik und
des Bündnisses insgesamt auf einem
viel niedrigeren Investitionsniveau
und mit einer geringeren Truppenpräsenz
gewährleistet
werden
kann.
Vielleicht wird sogar einmal der Tag
kommen, an dem sich die Länder Westeuropas nicht stärker von der Sowjetunion bedroht fühlen werden als etwa
die Vereinigten Staaten von Kanada
oder die Bundesrepublik von Frankreich. Um das zu realisieren, wäre
weit mehr als der gegenwärtige neue
Stil in der sowjetischen Außenpolitik
und Reduzierungen bei den sowjetischen Streitkräften erforderlich.
Dazu müßten grundlegende Veränderungen im politischen System der Sowjetunion und in der sowjetischen Grundeinstellung gegenüber der Außenwelt
stattfinden - Veränderungen, die sogar den optimistischsten Prognosen
zufolge viele Jahrzehnte erfordern.
Unter den Regierungen des Westens
hat sich ein deutlicher Konsens gebildet, demzufolge insgesamt gesehen
die Bestrebungen Gorbatschows um Umgestaltung der Sowjetunion in eine
offenere, moderne, effiziente und
verbraucherorientierte
Gesellschaft
begrüßenswert sind. Gorbatschow wird
natürlich von dem Wunsch geleitet,
besser mit dem Westen konkurrieren zu
können, aber wir sind zu einem friedlichen Wettbewerb bereit.
So begrüßenswert Gorbatschows Anstrengungen zur Umgestaltung der Sowjetunion auch sein mögen, sollten
wir doch erkennen, daß er keine große
Aussicht auf Erfolg hat.
Die zu
überwindenden
Probleme
sind
fast
überwältigend. Während sich der Re-

�formprozeß in der Sowjetunion weiterentwickelt, müssen wir im Westen auf
Nummer Sicher gehen.
Wenn Gorbatschow versagt und wenn ein Umschwung
in der sowjetischen Außen- und Sicherheitspolitik, stattfindet, müssen
wir nach wie vor in der Lage sein,
uns angemessen zu schützen. Wir haben Jahrzehnte benötigt, um die politische und militärische Struktur des
Bündnisses aufzubauen. Wenige Monate
könnten genügen, um einen abrupten
Umschwung in der sowjetischen Politik
zu bewirken.
Aus diesem Grund müssen wir die
politische und militärische Struktur
des NATO-Bündnisses vollständig erhalten, auch wenn wir jede Gelegenheit wahrnehmen, um Gorbatschows Versprechungen auf die Probe zu stellen
und auf Schritte zu offeneren und
stabileren Ost-West-Beziehungen eingehen. Gerade durch die Aufrechterhaltung der Einheit des Bündnisses
und der Geschlossenheit seiner Verteidigung werden wir Gorbatschows Bemühungen unterstützen, indem wir weiterhin auf Reformen und Offenheit
drängen.
Die Aufrechterhaltung der
Einheit des Bündnisses in einer Zeit
der Hoffnung sowie positive Veränderungen in den Ost-West-Beziehungen
sind die Herausforderungen, vor denen
die NATO in den neunziger Jahren
steht. Es ist eine Herausforderung,
die aus dem Erfolg entstanden ist,
aber es ist immer noch eine Herausforderung.
Es mag in der Tat die
schwierigste sein, mit der wir je
konfrontiert worden sind.

* * * * *

- 9

�^°s?&lt;

4

^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

^&lt;c

22. Februar 1989

BAKER BEI LOSUNG DER MODERNISIERUNGSFRAGE ZUVERSICHTLICH
- Fernsehinterview mit dem Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview der Sendung *Meet the Press' erklärte der zu seinem achttägigen Besuch der NATO-Hauptstädte befragte Außenminister Baker am 8. Februar 1989, Berichte über Unstimmigkeiten zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik über die Modernisierung der Kurzstreckenraketen seien "viel zu sehr hochgespielt worden".
"Wir werden das Problem lösen", erklärte Baker seinen Interviewpartnern.
"Ich bin der festen Überzeugung, daß wir zwischen dem heutigen Datum und Ende
Mai (dem für den nächsten NATO-Gipfel angesetzten Termin) zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werden."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in wesentlichen Auszügen.
Moderator:
Reisen gehört zum Aufgabenbereich
eines Außenministers.
James Baker hat dafür gerade den besten Beweis angetreten und 16 Länder
in acht Tagen bereist. Die Annalen
der Geschichte werden belegen, daß er
mit 15 Ministern, 11 Premierministern
oder Kanzlern, einem NATO-Generalsekretär, einem König und einem Großherzog zusammengetroffen ist. Sein
Besuch der NATO-Staaten war ein Zeichen der engen Verbindungen der Vereinigten Staaten zu diesen Ländern,
aber es stellten sich ihm darüber
hinaus eine Reihe anderer Probleme
und Herausforderungen, die wir im
Rahmen dieser Sendung erörtern wollen.
Frage: Während Sie in Europa weilten, hat in Mittelamerika ein wichtiges Ereignis stattgefunden. Die fünf

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Embassy of the United States of America

Präsidenten Mittelamerikas sind zusammengetroffen und haben ein Abkommen erzielt, das möglicherweise zu
freien Wahlen in Nicaragua sowie der
Entwaffnung und Auflösung der von
Honduras aus operierenden Contras
führen wird. Dies war der Schlüssel
der Nicaragua-Politik unter Reagan.
Unsere Reaktion darauf war recht verhalten. Sind wir für oder gegen das
Abkommen?
Antwort:
Wir befürworten einzelne
Teile des Abkommens. Aber im Hinblick auf den Teil, der die Auflösung
der Contras vorsieht, bleibt abzuwarten, wie das Kleingedruckte aussehen
wird.
Das Abkommen enthält noch
nicht alle Einzelheiten. Es bestand
lediglich eine Verpflichtung, im Hinblick auf die Contras einen Plan aus-

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Telex: 8-85432

�zuarbeiten. Einige Punkte des Abkommens sind vielversprechend, etwa das
Konzept der Demokratisierung in Nicaragua und die Idee der Nichteinmischung Nicaraguas in die Angelegenheiten seiner Nachbarn. Aber diese
Versprechen hat Nicaragua natürlich
schon früher gegeben. Der Schlüssel
wird also in der Verwirklichung liegen. Es muß also - wie wir auch für
die Abkommen von Esquipulas (II) und
Sapoa gefordert haben - einen Durchführungsmechanismus geben, der sicherstellt, daß die Sandinisten die
von ihnen bereits abgegebenen Versprechen einhalten.
Frage:
Aber wollen Sie damit sagen, daß die Vereinigten Staaten
nicht bereit sind, eine sofortige
Auflösung der Contras zu gestatten?
Und heißt das, sie werden den Kongreß
um die sogenannte "humanitäre Hilfe"
bitten, damit sie weiter operieren
können?
Antwort: Meiner An«icht nach haben
wir zumindest moralisch die Verpflichtung, den Contras weiterhin humanitäre Hilfe zu gewähren, wenn diese am 31. März ausläuft. Und meiner
Meinung nach hat Präsident Bush bereits angedeuet, daß er dies tun wird.
Frage: Sie wird also trotz des Abkommens weitergewährt?
Antwort:
Ja, und sie sollte
weiterhin gewährt werden.

auch

Frage: Es ist vielfach darauf verwiesen worden, die Ereignisse in Mittelamerika hätten Sie überrascht.
Alles

ist

während

Ihres

Aufenthalts

in Europa passiert. Der frühere Verteidigungsminister Melvin Laird hat
gesagt, Sie hätten nicht nach Europa
fahren, sondern hier die Geschäfte
weiterführen und sich um Mittelamerika kümmern sollen und daß sie noch
nicht einmal einen Abteilungsleiter
für das Lateinamerika-Ressort ernannt
hätten. Was sagen Sie dazu?
Antwort: Wir haben uns inszwischen
für einen Abteilungsleiter für das

Lateinamerika-Ressort entschieden.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben die vergangenen Tage in Europa
verbracht. Sie haben Gelegenheit erhalten, die Meinung der Europäer zu
hören. Ist es möglich, die nuklearen
Streitkräfte In Europa zu modernisieren und die Bundesrepublik als Verbündeten zu behalten?
Antwort:
Ich denke, das ist möglich. In dieser Angelegenheit werden
wir natürlich zwischen dem heutigen
Datum und einem möglichen NATO-Gipfel
Ende Mai sehr eng mit den Deutschen
zusammenarbeiten.
Das
ist
kein
deutsch-amerikanisches Problem, sondern ein Problem des Bündnisses. Eines der Ziele dieser Reise war sicherlich, Fragen wie diese mit allen
Bündnispartnern zu erörtern, was wir
auch getan haben.
Und wir werden
insbesondere diese Frage noch vor dem
NATO-Gipfel in enger Abstimmung mit
ihnen bearbeiten.
Frage:
Aber
sind
Ihrer Ansicht
nach auch die anderen Europäer so zurückhaltend wie die Deutschen, wenn
es darum geht, alles zwingend Notwendige für die Verteidigung des Bündnisses zu tun?
Antwort:
All unsere Bündnispartner
sind zu bestimmten Grundsätzen verpflichtet, dem Prinzip der flexiblen
Reaktion, dem Prinzip der Vorneverteidigung, dem Prinzip der nuklearen
Ankoppelung, die bei unserer Haltung
in dieser Frage eine Schlüsselrolle
einnehmen. Meiner Ansicht nach haben
sie sich verpflichtet, das sogenannte
"Gesamtkonzept" für Sicherheit und
Abrüstung bis zum NATO-Gipfel zu
vollenden. Daran müssen wir weiterhin arbeiten. Dazu wird es auf beiden Seiten unterschiedliche Auffassungen geben - tatsächlich sind dazu
gegenwärtig einige Bündnispartner anderer Meinung.
Frage:
Herr
Außenminister,
sind
Sie der Ansicht, daß Sie diese Reise
und Ihren Besuch bei Helmut Kohl mit
einer
hieb- und
stichfesten
Ver-

- 2 -

�pflichtung des
Weiterbetreibung
beendet haben?

Bundeskanzlers zur
der Modernisierung

Antwort: Nein, aber ich habe diese
Reise auch nicht mit dem Anspruch einer hieb- und stichfesten Verpflichtung des Bundeskanzlers angetreten.
Das war nicht der Zweck der Reise, es
war keine Reise zur Entscheidungsfindung, sondern eher eine Reise, auf
der
Tagesordnungspunkte
festgelegt
werden sollten. Ich bin dorthin gefahren, um zuzuhören und zu lernen,
und das habe ich getan. Ihr Einwand
betrifft also nicht den Zweck der
Reise.
Frage:
Aber Kohl hat seine Verpflichtung zu einem Kommunique der
NATO-Verbündeten von 1988 ausgesprochen, demzufolge die Modernisierung
der dort stationierten Nuklearsysteme
als notwendig erwachtet wird. Betrachten Sie dies als Verpflichtung
zur Modernisierung?
Antwot: Er hat - und wir haben gemeinsam - die Verpflichtung des Brüsseler Kommuniques von 1988 bekräftigt, aus dem hervorgeht, daß diese
nuklearen Kurzstreckensysteme auf dem
neuesten Stand gehalten werden müssen.
Ich möchte noch auf einen Punkt
hinweisen. Ich habe im Verlauf meiner Reise niemanden getroffen, der
die Ansicht vertrat, wir hätten uns
auf eine dritte Null-Lösung einigen
sollen und der nicht der Meinung gewesen wäre, daß wir landgestützte Nuklearraketen in Europa beibehalten
sollten.
Frage:
Meiner Ansicht nach zielte
die Frage auf den Punkt ab, welche
Haltung Sie gegenwärtig zu Helmut
Kohl und den Deutschen einnehmen?
Sind Sie mit ihrer Position in dieser
heiklen Angelegenheit zufrieden?
Antwort:
Ja, weil wir großes Verständnis für den heiklen Charakter
dieses Problems aus ihrer Sicht haben.
Ich habe bereits bei meiner
Rückreise darauf hingewiesen, daß Be-

richte über Unstimmigkeiten zwischen
den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik über die Modernisierung
der Kurzstreckenraketen zu sehr hochgespielt worden sind. Es gibt keine
Unstimmigkeiten.
Wir werden dieses
Problem lösen. Wir vertreten unsere
Ansicht. Wir müssen dem Kongreß bestimmte Zusagen machen, wenn
wir
dieses Programm fortführen wollen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß
wir zwischen dem heutigen Datum und
Ende Mai zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werden.
Frage: Heißt das, Sie haben jetzt
1991 oder 1992 als Termin für die
Stationierung dieser modernisierten
Systeme akzeptiert?
Antwort: Nein, das heißt es absolut nicht. Es bedeutet vielmehr, daß
wir weiterhin in enger Abstimmung mit
den Deutschen und unseren anderen
Bündnispartnern an dem Problem arbeiten werden.
Frage: Zu den Deutschen möchte ich
noch eine Frage stellen. Bundeskanzler Kohl scheint die Meinung zu vertreten: "Meine politischen Probleme
sind so schwierig, daß Sie sich nach
der nächsten Wahl mit einer ungünstigeren Alternative
abfinden müssen
werden, wenn Sie mich zu sehr drängen." Werden wir auch zum Problem
der chemischen Waffen und Libyen
Stillschweigen bewahren oder es ganz
fallenlassen?
Müßten die Deutschen
nicht die Konsequenzen dafür tragen,
daß sie Libyen wissentlich beim Aufbau einer Chemiewaffenfabrik geholfen
haben?
Antwort:
Die Deutschen sind voll
und ganz auf unsere Besorgnis über
die Unterstützung dieser Fabrik durch
einige deutsche Unternehmen eingegangen. Inzwischen haben Sie ihr Außenwirtschaftsgesetz
erheblich
verschärft. Sie haben die Strafen, die
ihre Unternehmen bei zukünftigen Aktivitäten dieser Art hinnehmen müssen, drastisch verschärft, und ich
denke, sie haben gehandelt - stark
und einmütig gehandelt.

- 3 -

�Sie könnten natürlich argumentieren, das hätte schon etwas früher geschehen können. Das mag sicherlich
zutreffen, aber wir sind mit dem Geleisteten zufrieden.
Frage:
Herr
Außenminister,
ich
möchte gerne den Nahen Osten ansprechen. Die Reagan-Administration hat
den Weg für Kontakte und Gespräche
zwischen den Vereinigten Staaten,
Jassir Arafat und der PLO geebnet.
Sind Sie der Ansicht, daß die PLO ihren Teil des Abkommens während Ihrer
Amtszeit erfüllt hat? Haben sie Ihrer Meinung nach gute Absichten?
Antowrt: Bisher hat es einen Zwischenfall gegeben, den einige als man könnte sagen, Verletzung - oder,
wenn Sie wollen, Rückkehr der PLO zum
Terrorismus bezeichnen würden.
Frage:
Israel hat diese Behauptung
vorgebracht.
Antwort:
Ein Zwischenfall im Südlibanon, der die Vermutung nahegelegt
hat, wir würden den Dialog in der einen oder anderen Weise abbrechen.
Wir haben jedoch andere Konsequenzen
gezogen. Wir sind über unseren Botschafter in Tunis mit der Mahnung an
die PLO herangetreten, daß solche
Vorfälle nicht passieren dürfen und
beendet werden müssen, wenn sie den
Dialog mit den Vereinigten Staaten
fortführen wollen.
Frage: Sie haben also eine Warnung
ausgesprochen?
Antwort: Noch bevor wir den Dialog
mit ihnen eröffneten, haben wir sie
gewarnt, denn wir haben ihnen eindeutig klargemacht, daß wir nicht zum
Dialog bereit sind, solange sie sich
nicht in Worten und Taten vom Terrorismus lossagen.
Frage: Nachdem Sie den Dialog mit
der PLO eröffnet haben und Ihr sowjetischer Amtskollege mit allen Ländern
eigene Gespräche auf seiner derzeitigen Nahost-Reise führt - muß es im
Nahen Osten noch zu weiteren Krisen

kommen, bevor Sie tatsächlich eingreifen und versuchen, das Problem zu
lösen, oder kommt es zum Knall, wenn
noch weitere Krisen auftreten?
Antwort:
Der
Ansicht
bin
ich
nicht. Und ich hoffe es auch nicht,
denn wenn man die Risiken hier abzuwägen hätte, wäre das Risiko eines
vorschnellen Eingreifens größer als
etwas abzuwarten, die Situation zu
analysieren, das Terrain sorgfältig
zu sondieren und sicherzustellen, daß
man zumindest eine vernünftige Aussicht auf Erfolg hat, wenn man eingreift. Und das ist die Botschaft wenn ich es einmal so formulieren
darf -, die wir unseren Bündnispartnern übermittelt haben.
Wir haben zumindest erklärt, daß
wir uns der Bedeutung des amerikanischen Engagements bewußt sind, wenn
wir im Nahen Osten jemals Frieden
herbeiführen wollen.
Wir sind uns
dessen bewußt, sind uns jedoch nicht
sicher, ob dem Friedensprozeß am besten mit einer großen, hochrangigen,
exponierten und zu früh anberaumten
internationalen
Konferenz
gedient
ist.
Unserer Ansicht nach sollten
zunächst Konsultationen unter vier
Augen stattfinden, bevor wir den Gedanken an eine Nahost-Konferenz auch
nur erwägen können.
Frage:
Herr Außenminister, führt
Jassir Arafat auf Vermittlung der Palästinenser und europäischer Diplomaten indirekte Gespräche mit den Israelis?
Antwort:
Kenntnis.

Das

entzieht

sich

meiner

Frage:
Eine persönliche Frage zur
Administration.
John Tower wartet
noch immer auf seine Bestätigung
durch den Senat. Ein mit den Ermittlungen beauftragter FBI-Agent wird
folgendermaßen zitiert:
"Wenn die
Überprüfung eines Bewerbers um einen
Posten beim FBI dieselben Ergebnisse
erbracht hätte wie bei John Tower,
würde er vom FBI nicht eingestellt.
Halten Sie ihn in Anbetracht solcher

- 4-

�Äußerungen für den geeigneten Verteidigungsminister?
Antwort: Ja, und ich habe dem Präsidenten gestern über die Ergebnisse
meiner Reise Bericht erstattet und
kann Ihnen mitteilen, daß der Präsident den gleichen Eindruck hat.
Frage: Wann werden wir unsere Waffenlieferungen an die Rebellen einstellen, nachdem die Sowjets nun ihre
Truppen aus Afghanistan abgezogen haben?

schlicht und einfach, das alles - und
vor allem ein Kopfgeld auf Rushdie
auszusetzen - sei bedauerlich. Das
erscheint mir eine sehr gemäßigte
Antwort auf solch einen gravierenden
Vorfall. Warum so gemäßigt?
Antwort:
Wenn mich nicht alles
täuscht, habe ich auch gesagt, daß
die Vereinigten Staaten nach wie vor
Terrorismus in allen seinen Erscheinungsformen ablehnen, und insbesondere staatlich geförderten Terrorismus.
Frage:

Antwort:
Meiner Ansicht nach vertrauen wir hier auf das Prinzip der
positiven Symmetrie. Die Sowjets Frage:
Da3 ist
ausgedrückt -

sehr

diplomatisch

Antwort:
Es mag sein, daß dies
sehr diplomatisch
formuliert ist,
aber lange Zeit haben wir von negativer Symmetrie gesprochen und aus diesem Grund verwende ich den Begriff
der positiven Symmetrie. Die Sowjets
haben dort sehr viel militärisches
Gerät stationiert, um dieses Marionettenregime zu unterstützen.
Sie
haben immer wieder die Menschenrechte
verletzt und verweigern dem afghanischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung.
Wir vertreten daher den
Standpunkt, daß wir alles in unserer
Macht stehende tun müssen, damit diesem Volk die Möglichkeit zur Selbstbestimmung gewährt wird.
Frage: Wir lange geben Sie dem Regime noch? Wie lange müssen wir noch
Waffen an die Rebellen liefern?
Antwort:
Ich weiß es nicht.
Ich
möchte mich auf keinen Termin festlegen, denn es würde sich um bloße Vermutungen handeln. Uns liegen nachrichtendienstliche Erkenntnisse vor,
die ich Ihnen jedoch nicht mitteilen
darf.
Frage: Als im Verlauf Ihrer Reise
der Stein um Salman Rushdie und sein
Buch "Die satanischen Verse" ins Rollen kam, war Ihre Antwort darauf

Aber -

Antwort: Und ich glaube, wir haben
im weiteren Verlauf der Reise hinzugefügt, daß dieses Verhalten eher ungeeignet ist, wenn der Iran wirklich
ernsthaft in Erwägung zieht, wieder
in die Gemeinschaft zivilisierter Nationen aufgenommen zu werden.
Frage:
Aber diese Situation ist
ungeheuerlich.
In den Vereinigten
Staaten wurde das Buch in einigen
Buchhandlungen aus den Regalen genommen. So etwas ist in unserem Land
noch nie vorgekommen.
Antwort:
Ja, ich bin ganz Ihrer
Meinung. Wir können eine solche Situation keinesfalls dulden und müssen
uns dagegen zur Wehr setzen.
Frage:
Versuchen wir mit dieser
realtiv gemäßigten Reaktion - die
Niederländer haben zum Beispiel einen
Besuch ihres Außenministers im Iran
abgesagt - den Iran zu ermutigen,
sich wieder in die "Völkergemeinschaft einzugliedern", um Ihre Formulierung zu gebrauchen?
Antwort:
Wir versuchen nicht, sie
in diesem Verhalten zu ermutigen absolut nicht. Offen gesagt, haben
wir
meiner
Ansicht
nach unseren
Standpunkt klar dargelegt, daß dieses
Verhalten im Grunde die Toleranzgrenze überschreitet. Ohne mir ein Urteil über das Buch erlauben zu wollen, denn das steht uns meiner Meinung nach nicht zu - und ich habe das
Buch weder gesehen noch gelesen und

- 5 -

�weiß daher nicht, was darin steht.
Ich möchte den Buch nicht meinen Segen geben, indem ich das sage.
Frage: Ich möchte Sie kurz auf das
Land ansprechen, das Sie nächste Woche besuchen werden - Asien. Als Finanzministar haben Sie des öfteren
von der Notwendigkeit einer besonderen oder anders gelagerten Beziehung
mit den Japanern gesprochen.
Sind
Sie, nachdem Sie nun dieses Amt übernommen haben, immer noch der Ansicht,
wir sollten eine besondere Beziehung
mit den Japanern anstreben, weil sie
wohlhabend und wir angeblich arm
sind?
Antwort: Meiner Ansicht nach pflegen wir besondere Beziehungen mit den
Japanern. Und was ich als Finanzminiater zun Ausdruck bringen wollte,
vir, offen gesagt, daß wir nicht nur
mit den Japanern einen besseren Dialog anstreben sollten^ sondern auch
mit jenen Demokratien In Asien, die
sich auf dem Wege der Industrialisierung befinden, und zwar Insbesondere
Im Hinblick auf Wirtschafts- und Handelsfragen. Meiner Ansicht nach unterhalten wir ausgezeichnete Beziehungen zu den Japanern. Es ist für
beide Seiten eine außerordentlich
wichtige Beziehung, was meiner Meinung nach durch die Tatsache belegt
wird, daß der Präsident an den Trauerfelerllchkelten für Kaiser Hirohlto
teilnehmen wird.
Frage:
Wird es gravierende Unterschiede zu der Politik der Reagan-Administration geben oder handelt es
sich um eine bloße Wetterführung des
Grundtenors dieser Politik?
Antwort:
In vieler Hinsicht wird
der Grundtenor der Politik der Reagan-Administration
fortgeführt
und
dies sollte meiner Ansicht nach auch
der Fall sein. Die Woge der Freiheit
macht sich überall auf der Welt bemerkbar - ich könnte eine Reihe Von
Beispielen anführen, die meiner Meinung nach Beweis dafür sind, daß es
ein schwerwiegender Fehler wäre, von
den Grundzügen dieser Politik abzu-

Weichen» Auf der anderen Seite wird
es auch Abweichungen geben. Einige
habe ich bereits in meiner Anhörung
vor deöi Auswärtigen Ausschuß des Senats angeführt! Aus Ihrer Sicht handelt es sich dabei vielleicht nicht
um Prognosen, aber ich habe dennoch
über einige dieser Unterschiede gesprochen üttd möchte hinzufügen, daß
es sich hierbei un eine ziemlich ausführliche Erklärung gehandelt hat»
Moderator:
Herr Außenminister» wir
danken Ihnen für dieses Gespräch»
Wir sehen einer Verwirklichung Ihrer
Prognosen in dert kommenden Jahren erwartungsvoll entgegen.

* * * * *

�reo s&gt;.

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
22. Februar 1989

START DER RAUMFÄHRE "DISCOVERY" VERSCHOBEN

WASHINGTON - (AD) - Um drei Wochen, das heißt bis Mitte März, muß die NASA
(US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) die "Mission 29" mit dem Raumtransporter
DISCOVERY verschieben. Der Grund: Bei einer Inspektion der Motoren der Raumfähre ATLANTIS nach ihrem fünftägigen Flug im November 1988 wurden in einem
Turbopumpen-Lager winzige Risse festgestellt. Da diese Teile der Haupttriebwerke typenmäßig mit jenen der Triebwerke der DISCOVERY identisch sind und den
gleichen Fabrikationsprozeß durchlaufen haben, wurde beschlossen, bei den Motoren des Orbiters DISCOVERY sämtliche Turbopumpen gegen neue, sorgfältig geprüfte Einheiten auszutauschen. Denn jegliches Risiko soll ausgeschaltet werden .

Für Montagearbeiten und Tests benötigt die Rocketdyne Division der
kalifornischen Firma Rockwell International Corporation, die die Turbopumpen baut, ca. drei Wochen. Als
Rißursache vermutet man eine belastungsbedingte
Korrosion
des
aus
Hochleistungsstahl gefertigten Lagers
infolge während der Arbeitsgänge beim
Zusammenbau eingesickerter Feuchtigkeit.
Die Raumfähre DISCOVERY, die ursprünglich am 23. Februar starten
sollte und bereits zur Rampe gebracht
wurde, dürfte frühestens an 10. März
startklar sein. Letzter Termin wäre
der 18. März. Wenn er nicht eingehalten werden kann, muß die gesamte
Flugeinheit (d.h. Trägerraketen mit
Orbiter) zum Hangar zurück, weil dann

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Rampe für den Raumtransporter
ATLANTIS gebraucht wird. Er soll die
Venus-Radarsonde MAGELLAN zunächst in
eine Erdumlaufbahn bringen, von der
aus sie die Reise zum Schwesterplaneten der Erde antritt. Das "Startfenster" zur Venus ist 30 Tage lang
geöffnet - vom 28. April bis zum 27.
Mai.
Innerhalb dieser Periode muß
ATLANTIS starten und die Sonde absetzen, wenn das Programm MAGELLAN Erfolg haben soll.
Während des fünftägigen Fluges,
der mit DISCOVERY unter der Führung
von Kommandant Michael Coats mit John
Blaha
als
Kopilot
sowie
Robert
Springer, James Buchli und James
Bagian als Missionsspezialisten unternommen wird, sind zahlreiche wissenschaftliche Experimente vorgese-

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�hen. Hauptaufgabe ist jedoch wiederum das Absetzen eines Spezialsatelliten flir Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung, kurz TDRS genannt. Als
drittes Gerät dieser Art in der geostationären Bahn (36 000 km über der
Erdoberfläche) vervollständigt er das
Kommunikationsnetz der NASA, um mit
bis zu 28 unbemannten Satelliten
gleichzeitig oder mit einem bemannten
Raumschiff Verbindung zu halten. Für
die Bodenstationen, deren Zahl dann
sogar eingeschränkt werden kann, wäre
diese dann praktisch rund um die Uhr
möglich.
Zu den wissenschaftlichen und medizinischen Experimenten zählt u.a.
ein Versuch mit Ratten, an denen studiert werden soll, ob und wie gut in
der Schwerelosigkeit Knochenverletzungen heilen.
Fragen solcher Art
müssen besser als bisher beantwortet
werden können, wenn man Langzeitflüge
unternehmen will oder ein längerer
Aufenthalt auf einer Raumstation vorgesehen ist. Zur Genüge bekannt ist
ja die Tatsache, daß bei längerem
Aufenthalt im Weltraum das menschliche Skelett Mineralverluste erleidet, die allerdings nach der Rückkehr
zur Erde wieder ausgeglichen werden
können.

Vom 5. bis 7. Februar absolvierte
die Besatzung in voller flugmäßiger
Ausrüstung
eine
Generalprobe
mit
komplettem simuliertem Countdown, aktivierten Bordsystemen im Orbiter und
Erprobung der Prozeduren sowie der
Rettungsausrüstungen für den Notausstieg in verschiedenen Phasen bis unmittelbar vor dem Start. Die Astronauten hatten außerdem Gelegenheit zu
ausführlichen Gesprächen mit der Ingenieurgruppe im Kennedy-Raumfahrtzentrum.
Sie wurden u.a. über den
gegenwärtigen Stand der Umrüstung des
Fluggeräts und über alle Punkte unterrichtet, in denen noch Schwierigkeiten oder unterschiedliche Meinungen bestehen.
Zur Fortsetzung des
Trainings kehrten sie inzwischen nach
Houston zurück und finden sich erst
wenige Tage vor dem Start wieder im
Kennedy-Raumfahrtzentrum
ein.
Die
"Mission 29" ist für die Raumfähre
DISCOVERY der achte Einsatz im Weltraum.

* * * * * *

Eine weitere Aufgabe der DISCOVERY-Besatzung wird die Fotokartierung
der überflogenen Gebiete sein. Mit
leistungsstarken Kameras wird sie
versuchen, Schäden zu erfassen, die
Mensch und Natur dem Planeten Erde
zufügen.
\

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
22. Februar 1989

NASA-ETAT ZU KNAPP
- Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats -

WASHINGTON - (AD) - Das noch von der Regierung Reagan zum Haushaltsjahr
1990 für die US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) vorgesehene Budget von
13,3 Milliarden Dollar ist "extrem knapp". Dieser Umstand habe, wie NASA-Administrator Dr. James Fletcher kürzlich vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats erklärte, die Raumfahrtbehörde gezwungen, wichtige Programme
entweder ganz zu streichen oder langsamer anzugehen.

Zwar stünden 2,4 Milliarden mehr
als 1989 zur Verfügung; jedoch liege
der Betrag um über eine Milliarde
Dollar unter den angeforderten Mitteln.
Die 2,4 Milliarden würden
praktisch für die im vergangenen Jahr
bewilligten Programme vollauf gebraucht - mehr Raumtransporterflüge,
Entwicklung einer neuen Feststoffrakete, die das jetzt gebräuchliche
Trägersystem für die Raumfähre ablöst, und Fortsetzung der Entwicklungsarbeiten für die Raumstation,
die Anfang der neunziger Jahre im
Weltraum zusammengebaut werden soll.
Nach dem CHALLENGER-Unglück vom
Januar 1986, das die sieben Astronauten an Bord das Leben kostete, wurden
1988 zum ersten Mal wieder zwei Raumtransporter-Einsätze
geflogen.
Im

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Haushalt jähr 1989 sind fünf, im darauffolgenden Jahr neun Missionen vorgesehen. Dennoch habe man, Fletcher
zufolge "noch einen langen Weg vor
sich, um die NASA wieder in die richtige Spur zu bringen". Der Etat sei
unzureichend und die NASA gerate in
Schwierigkeiten, weil wichtige Programme, die jetzt eingeschränkt werden müßten, ineinandergreifen.
So
werde beispielsweise auch die Entwicklung der orbitalen Manövriereinheit beeinträchtigt.
Dieses unbemannte Gerät (OMV - Orbital Maneuvering Vehicle) werde gebraucht, um
Satelliten und andere Objekte vom
Raumtransporter in höhere Umlaufbahnen zu befördern und "Hilfsdienste"
beim Zusammenbau der Raumstation im
Orbit zu leisten.

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�"Das CHALLENGER-Unglück hat uns
eine Menge gelehrt", sagte Fletcher.
"Es lehrte uns, daß wir zu wenig Leute hatten, daß unsere Einrichtungen
veraltet waren, daß wir in Wirklichkeit zu wenig auf Sicherheit achteten. .. Dies alles schlägt in dem beträchtlich höheren NASA-Budget zu
Buche... Wenn wir noch mehr kürzen
müssen, weiß ich nicht, wo wir eigentlich ansetzen sollen, weil alle
NASA-Programme miteinander verknüpft
sind."
Ein weiteres kritisches Problem
sei die Personalsituation.
Anfang
1989 hatte die NASA über 2200 Mitarbeiter zu wenig. Cirka 45 Prozent
der gegenwärtigen Mitarbeiter seien
in einem Alter, in dem sie sich pensionieren lassen könnten.
Da aber
Nachwuchskräfte noch nicht ausreichend geschult seien, hätte das Ausscheiden auch nur eines Bruchteils
der erwähnten 45 Prozent schlimme
Auswirkungen.
Viele der erfahrenen
Mitarbeiter könnten sich angesichts
der kürzlich erfolgten Ablehnung einer 51prozentigen Erhöhung der Bezüge

für Kongreßabgeordnete, Richter und
hohe Regierungsbeamte gezwungen sehen, die Behörde zu verlassen. Unter
den jetzigen Umständen könne die NASA
mit der Privatindustrie nicht konkurrieren.
Teile des Etats für 1990 seien
bei mehreren wichtigen Raumfahrtprogrammen von Investitionen der Privatwirtschaft abhängig.
Auch der Bau
von Ausrüstungen zur Entwicklung und
zum Aufbau der Raumstation gehöre dazu. Alles in allem handle es sich im
Finanzjahr 1990 um 200 Millionen Dollar. "Wir werden unser Bestes tun,
um für die Privatwirtschaft Investitionen für diese Raumfahrtprogramme
attraktiver
zu
machen",
erklärte
Fletcher vor dem Ausschuß.

* * * * * *

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              <text>Amerikadienst 22.02.1989</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neue Herausforderung für das atlantische Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Gesandten James F. Dobbins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker bei Lösung der Modernisierungsfrage zuversichtlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview mit dem Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Start der Raumfähre "DISCOVERY" verschoben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA-Etat zu knapp&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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