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                  <text>AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

15. Februar 1989

INHALT
\

DOKUMENTATION

Bush fordert Wettbewerbsfähigkeit als Schwerpunkt
- Die Rede des Präsidenten zur Haushaltsvorlage -

Mäßige sowjetische Fortschritte bei Menschenrechten
- Richard Schifters Rede vor dem Kongreß -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Der Drogenkrieg geht weiter
- Polizeimaßnahmen notwendig - aber Erziehung wichtiger

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

^

15. Februar 1989

BUSH FORDERT WETTBEWERBSFÄHIGKEIT ALS SCHWERPUNKT
- Die Rede des Präsidenten zur Haushaltsvorlage -

WASHINGTON - (AD) - Arn 9. Februar 1989 forderte Präsident Bush den Kongreß
auf, gemeinsam mit der Administration am Entwurf eines Haushalts zu arbeiten,
der das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten fördert:,
dem illegalen Drogenhandel Einhalt gebietet und Umweltprogramme ausbaut. Bush
erläuterte ferner die Veränderungen seiner Administration zu dem von der
Reagan-Regierung im Januar vorgelegten Haushalt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Vor weniger als drei Wochen habe
ich auf der Westseite dieses Gebäudes
gestanden und Ihnen - mit dem Blick
auf die Denkmäler unserer stolzen
Vergangenheit
- meine Hand ausgestreckt, um das nächste Kapitel der
amerikanischen Geschichte mit einer
Chronik
anhaltenden Wohlstands und
Friedens zu füllen. Heute abend bin
ich hierhergekommen, um Ihnen meine
Plana dazu zu unterbreiten. Die Hand
bleibt ausgestreckt, die Ärmel sind
hochgekrempelt, Amerika wartet, und
wir müssen jetzt zur Tat schreiten.
Zusammen
können
wir
ein
besseres
Amerika aufbauen.
Es ist tröstlich, in diese geschichtsträchtige Kammer zurückzukehren.
Vor 22 Jahren habe ich hier
meine Hand zum Eid auf die Verfassung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

erhoben. Heute abend kommt es mir so
vor, als ob ich zu Freunden heimkehre.
Und ich beabsichtige, Ihnen in
den kommenden Monaten und Jahren das
zukommen zu lassen, was Freunde verdienen: Offenheit, Respekt und mein
bestes Wissen über Mittel und Wege
zur Verbesserung von Amerikas Zukunft.
Im Gegenzug bitte ich um echtes
Engagement für unsere gemeinsame Mission des Fortschritts. Wenn wir die
Chancen auf dem vor uns 1 legenden Weg
ergreifen, werden wir alle davon profitieren.
Die Menschen haben uns
nicht
hierhergeschickt,
damit
wir
streiten.
Es ist an der Zeit, daß
wir regleren.

in

Viele Präsidenten haben sich hier
Zeiten schwerer Krisen - Krieg,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Depression, Verlust des Nationalstolzes - eingefunden.
Vor acht Jahren
habe ich auf diesem Stuhl dort gesessen, als Präsident Reagan von der
sträflichen Inflation und den verheerend hohen Zinssätzen, den Arbeitslosen und dem verlorenen Vertrauen in
Amerika sprach. Wir sehen uns einer
anderen Herausforderung gegenüber.
Wir haben Glück - uns stellt sich
heute abend ein anderes Bild.
Ich
schlage also nicht vor, den Kurs zu
ändern.
Wir sind auf dem richtigen
Weg. Aber wir dürfen nicht ausruhen.
Wir sind ein Volk, dessen Energie und
Dynamik unseren Aufstieg zur Größe
angefacht haben. Wir sind eine Nation, die den Blick nach vorn richtet
- sowohl großzügig als auch ehrgeizig
- nicht im Hinblick auf uns selbst,
sondern auf die Welt. Gleichgültigkeit ist uns ein fremder Wesenszug tn ier Vergangeneheit, Gegenwart und
Zukunft.
Heute abend müssen wir an Amerikas Stärke denken - und es noch besser machen.
Wir müssen sehr reale
Probleme bewältigen. Wir müssen sehr
klare Prioritäten setzen.
Und wir
müssen unser Defizit im Bundeshaushalt ganz erheblich abbauen.
Manche mögen dieses Programm unmöglich finden. Aber ich lege Ihnen
heute abend einen realistischen Plan
zu seiner Bewältigung vor. Mein Plan
stellt sich in vier Grundzügen dar:
Beachtung wichtiger Prioritäten, Investitionen für die Zukunft, Inangriffnahme des Defizits und keine
neuen Steuern.
Dieser Haushalt ist ein Abbild
meines bestens Wissens darüber, wie
wir unsere Prioritäten im Einklang
mit ier Auffassung der Menschen angehen können. Es gibt viele Bereiche,
in denen wir alle mehr ausgeben wollen, als ich vorschlage, aber das
können wir nicht tun, bis wir unseren
finanziellen Überbau in Ordnung gebracht haben.
\llein im kommenden Jahr wird die

Bundesregierung dank des Wirtschaftswachstums und ohne Gesetzesänderungen
mehr als 80 Milliarden Dollar mehr
einnehmen haben als in diesem Jahr.
Ganz richtig - mehr als 80 Milliarden
Dollar Mehreinnahmen ohne Steuererhöhungen. Unsere Aufgabe ist es, diese
neuen Mittel klug zu verteilen.
Wir können es uns leisten, die
Ausgaben zu erhöhen - in bescheidenem
Ausmaß, aber dennoch ausreichend, um
in wichtige Prioritäten zu investieren und dennoch das Defizit in einem
Jahr um fast 40 Prozent abzubauen.
Damit können wir die im Gramm-RudmanHollings-Gesetz gesteckten Ziele erfüllen.
Aber um das zu tun, müssen wir
erkennen, daß ein Wachstum, das höher
ist als die Inflation, in Bundesprogrammen nicht zwangsläufig ist und
daß nicht alle Ausgabeposten für die
Ewigkeit ausgelegt sind.
Ich bitte Sie heute abend: Meine
Mitarbeiter und ich sind zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß, zur Bildung einer Führungsgruppe, zu Verhandlungen nach bestem Wissen und Gewissen, zur Arbeit Tag und Nacht wenn das erforderlich sein sollte bereit, um die Ziele des Haushalts zu
erfüllen und einen Haushalt rechtzeitig vorzulegen.
Wir können nicht zur Tagesordnung
übergehen.
Eine Regierung, die von
immer neuen Resolutionen abhängig ist
- und eine Regierung in der Krise wird das nicht tun.
Ich bitte den Kongreß heute abend
um seine Zustimmung zu verschiedenen
Maßnahmen,
die
eine
vernünftigere
Haushaltsführung erlauben.
Wir würden Zeit sparen und rationeller arbeiten, wenn wir einen Haushalt für
zwei Jahre verabschieden würden.
43
Gouverneure haben das Recht auf ein
selektives Veto. Es sollte auch den
Präsidenten zugestanden werden.
Zumindest sollte der Kongreß über
Vorschläge des Präsidenten zur An-

�fechtung von Bundesausgaben abstimmen
müssen - und sie nicht durch Untätigkeit zunichte machen dürfen.
Und ich fordere den Kongreß auf,
den Wünschen der Öffentlichkeit durch
die Verabschiedung eines Verfassungzusatzes Rechnung zu tragen, der einen ausgewogenen Haushalt fordert.
Ein solcher Zusatz würde, wenn er
einmal eingeführt ist, sowohl den
Kongreß als auch die Exekutive disziplinieren.
Verschiedene Prinzipien umschreiben das Amerika, das ich mit Ihrer
Hilfe in den kommenden Jahren zu
schaffen hoffe.
Wir werden uns nicht erlauben
können, den leichtfertigen und verschwenderischen Ansatz zur Problemlösung anzuwenden - weil höhere Ausgaben und höhere Steuern das Wirtschaftswachstum gefährden werden.
Wirtschaftswachstum
schafft Arbeitsplätze
und
Hoffnung.
Wirtschaftswachstum versetzt uns in die.
Lage, Sozialprogramme zu finanzieren.
Wirtschaftswachstum erhöht die Sicherheit des Landes.
Und niedrige
Steuern schaffen Wirtschaftswachstum.
Ich glaube daran, daß wir den
Amerikanern mehr Freiheit und bessere
Wahlmöglichkeiten geben sollten - und
ich werde an den Wahlmöglichkeiten
für amerikanische Familien arbeiten,
ob für ihre Wohnungssituation, bei
den Schulen, in die sie ihre Kinder
schicken oder bei der Betreuung, die
sie ihren Kindern zuteil werden lassen.
Meiner Ansicht nach haben wir
eine Verpflichtung gegenüber den Bedürftigen, aber die Regierung sollte
nicht die erste Zuflucht für solche
Dinge sein, die der Privatsektor besser leisten kann.
Ich glaube an eine Gesellschaft,
die von Diskriminierung und Bigotterie frei ist. Ich werde daran arbeiten, um die Schranken niederzureißen,
- 3

die Diskriminierungen in der Vergangenheit errichtet haben und eine tolerantere Gesellschaft zu schaffen,
die
verhindern
kann, daß solche
Schranken jemals neu errichtet werden.
Ich glaube daran, daß Familie und
Religion die moralische Richtschnur
der Nation sind - und werde daran arbeiten, um sie zu stärken, weil schon
Benjamin Franklin gesagt hat: "Wenn
kein Spatz vom Himmel fallen kann,
ohne daß Gott es sieht, wie (kann)
eine (große Nation) ohne Seine Hilfe
zur Größe gelangen?"
Und ich glaube daran, daß die
Menschen die Macht haben sollten, um
ihr eigenes Leben durch Wachstum und
Chancen besser zu gestalten. Gemeinsam sollten wir die Macht in die Hand
des Volkes legen.
Vor drei Wochen haben wir den
200. Jahrestag der Amtseinführung des
ersten
Präsidenten gefeiert.
Und
wenn Sie zurückschauen, beeindruckt
eine Tatsache in der Art, wie die
Gründerväter Amerika gesehen haben.
Sie redeten nicht über sich selbst.
Sie redeten über die Nachwelt, über
die Zukunft. Ebenso müssen wir über
uns selbst hinausschauen
Wir müssen heute die Taten vollbringen, die ein besseres Morgen garantieren. Wir müssen die amerikanische Führungsrolle in der Technologie ausbauen, langfristige Investitionen ermutigen, unser Bildungssystem verbessern und die Produktivität
steigern.
Dies sind die Schlüssel
zum Aufbau einer besseren Zukunft.
Ich gebe
lungen:

dazu

folgende

Empfeh-

- Ich schlage die Bewilligung von
2,2 Milliarden Dollar für die National
Science Foundation zur
Förderung der Grundlagenforschung
vor.
- Ich schlage die dauerhafte Gewährung von Steuernachlässen für
Forschung und Entwicklung vor.

�- Ich habe Vizepräsident Quayle zum
Vorsitzenden einer neuen Arbeitsgruppe zur Wettbewerbsfähigkeit
bestimmt.
- Ich fordere Mittel für die NASA
und ein starkes Weltraumprogramm
- eine Erhöhung um fast 2,4 Milliarden Dollar im laufenden Haushaltsjahr. Wir müssen eine bemannte
Raumstation
einrichten,
ein
gesichertes
Raumfährenprogramm und die kommerzielle Nutzung des Weltraums ausbauen. Das
Weltraumprogramm
sollte
"mit
Volldampf" betrieben werden - das
ist nicht nur unser Ehrgeiz, sondern unser Schicksal.
Ich schlage vor, daß wir die
Höchstsätze der Kapitalertragssteuer
senken, um langfristige Investitionen
zu ermutigen. Die Geschichte zeigt
es deutlich: damit werden die Einnahmen gesteigert, Einsparungen gefördert und neue Arbeitsplätze geschaffen.
Wir werden nicht konkurrenzfähig
werden, wenn wir in Amerika ganze
Sektoren außer acht lassen. In diesem Jahr sollten wir städtische Gewerbegebiete schaffen und Hoffnung in
unsere Innenstädte bringen.
Aber das wichtigste Programm zur
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
ist das amerikanische Bildungsprogramm. Wenn einige unserer Schüler
Schwierigkeiten haben, Amerika auf
einer Weltkarte zu lokalisieren, ist
es an der Zeit, daß wir im Bildungswesen neue Methoden finden.
Wir müssen Leistung belohnen und
Bürokratie abbauen. Wir müssen den
Schulen helfen, die unsere Hilfe am
nötigsten brauchen. Wir müssen Eltern, Schülern, Lehrern und Direktoren Wahlmöglichkeiten einräumen. Und
wir müssen alle Beteiligten zur Verantwortung ziehen. Im Bildungswesen
dürfen wir keine Mittelmäßigkeit zulassen.

Ich möchte die Zahl der vorzeitigen Schulabgänger verringern und das
Analphabtentum in Amerika verringern.
Es läuft alles auf eines hinaus: je
mehr Schulabgänger mit abgeschlossener Ausbildung wir heute haben, umso
weniger Arbeitslose werden wir morgen
haben.
Heute abend schlage ich die folgenden Initiativen vor:
- die Aufnahme eines Programms im
Umfang von 500 Millionen Dollar,
um Schulen in Amerika auszuzeichnen und "beste Schulen" zu finden,
- die Einrichtung von besonderen,
vom Präsidenten verliehenen Auszeichnungen für den besten Lehrer
jedes Bundesstaats - weil sich
Leistung lohnen soll,
- die Einführung eines neuen Programms für Forschung im Dienste
des Landes - ein Wissenschaftler
in jedem Jahr für jeden Abgeordneten in Senat und Repräsentantenhaus - um dieser Schülergeneration einen besonderen Anreiz
zu bieten, sich in Naturwissenschaften und Mathematik auszuzeichnen,
- die
vermehrte
Schaffung
von
Schwerpunktschulen, die Familien
und Schülern mehr Auswahlmöglichkeiten bieten sollen.
- und ein neues Programm zur Ermutigung
"alternativer
Zulassungen", die qualifizierte Bewerber
aus allen Gebieten zum Unterrichten befähigen.
Ich habe erklärt, daß ich der
"Bildungspräsident"
sein
möchte.
Heute abend bitte ich Sie, mir dabei
behilflich zu sein, indem sie zu
einem "Bildungskongreß" werden.
In der vergangenen Woche erhielt
ich einen Brief von einer Mutter aus
Pennsylvania, die von meiner Antrittsrede
sehr
beeindruckt
war.
"Knapp 12 Stunden zuvor", schrieb

�sie, "erhielten mein Mann und ich die
Nachricht, daß unser Sohn kokainsüchtig ist. Er hatte alles, was man
sich nur wünschen kann. Er ist intelligent, begabt, sympathisch..., er
hätte alles aus seinem Leben machen
können. Er hat sich für Kokain entschieden" .
Und sie fuhr fort, "Ich flehe Sie
an, einen Weg zu finden, den Kokainhandel zu stoppen. Hart gegen die
Händler
vorzugehen.
Unser
Sohn
braucht Ihre Hilfe."
Meine Freunde - diese um Hilfe
flehende Stimme könnte die Stimme Ihres Nachbarn sein. Ihres Freundes.
Ihres Sohnes.
Im vergangenen Jahr
nahmen über 23 Millionen Amerikaner
Drogen ein - was für unser Land
schwindelerregende Kosten verursacht
hat.
Diese Zeit sollte als das Zeitalter in die Geschichte eingehen, in
dem Amerika sich erhoben und "No" zu
Drogen gesagt hat. Die Geißel "Droge" muß überwunden werden.
Heute
abend bitte ich um eine Aufstockung
von fast 1 Milliarde Dollar aus den
Hanshaltsmitteln, um den Kampf gegen
Drogen
zu
beschleunigen.
Dieser
Kampf wird an allen Fronten geführt.
Unser neuer
"Drogenzar", Bill
Bennett, und ich werden Seite an Seite an der Bewältigung dieser Aufgabe
arbeiten.
Ein Teil des Geldes wird dazu
verwendet, die Hilfe für Bedürftige
und junge Mütter zu verbessern. Damit wird vielen unschuldigen Drogenopfern die helfende Hand dargeboten ebenso wie den Tausenden von Kindern,
die aufgrund der Drogenabhängigkeit
ihrer Mutter bereits drogenabhängig
oder AIDS-infiziert geboren werden.
Ein weiterer Teil der Mittel
dient der Verkürzung von Wartezeiten
für Therapieplätze. Ein Teil ist für
jene städtische Schulen gedacht, bei
denen die Probleme am größten sind.
Und ein Großteil des Geldes dient dem
- 5

Schutz unserer Grenzen, mit Unterstützung der KUstenwache, der Zollbehörden, des Außen- und Justizministeriums und nicht zuletzt des amerikanischen Militärs.
Ich bin entschlossen, mit aller
Härte gegen die Drogenkriminalität
vorzugehen.
Lassen Sie mich dies
eindeutig klarstellen: Dieser Präsident wird diejenigen unterstützen,
die ihr Leben jeden Tag aufs Spiel
setzen - unsere Polizeibeamten.
Meine
Haushaltsvorlage
fordert
verschärftes Vorgehen und Bekämpfung
des organisierten Verbrechens sowie
die Verhängung harter Urteile - und
für die mächtigen Hintermänner bedeutet dies die Todesstrafe.
Ich möchte auch sicherstellen,
daß die Zelle bereits auf ihn wartet,
wenn ein Drogenhändler verurteilt
wird. Er sollte nicht in Freiheit
bleiben, nur weil die Gefängnisse
überfüllt sind.
Verbreitet die Nachricht:
Wenn
Ihr gefaßt und verurteilt werdet,
dann werdet Ihr eure Zeit absitzen.
Aber bei allem, was wir mit
Strafvollzug, Unterbrechung des Nachschubs und Therapie tun können, werden wir diesen Kampf gegen Drogen
niemals gewinnen, wenn wir nicht aufhören, nach Drogen zu verlangen.
Ein Teil der aufgestockten Mittel
dient dazu, die Jugendlichen über die
Gefahren von Drogen zu unterrichten.
Wir müssen Eltern und Lehrer einbeziehen.
Wir müssen die Gemeinden
einbeziehen.
Und, meine Freunde wir müssen uns einbeziehen.
Wir müssen unser Augenmerk und
Mitgefühl vertärkt auf ein Problem
richten, das mit Drogenmißbrauch Hand
in Hand geht. Es handelt sich um die
schreckliche Krankheit AIDS.
Ich
fordere 1,6 Milliarden Dollar für
Aufklärungskampagnen und für die Forschung zur Heilung dieser Krankheit.

�Wenn wir unsere Zukunft schützen
wollen, benötigen wir eine andere
Einstellung gegnüber unserer Umwelt.
Wir müssen die Luft reinhalten, die
wir atmen. In Kürze werden ich Ihnen
einen Entwurf für neues, wirksameres
Gesetz zur Reinhaltung der Luft vorlegen. Es enthält einen Plan mit dem
bis zum Tage X die Emissionen verringert werden sollen, die den sauren
Regen verursachen, denn die Zeit der
Erforschung und Prüfung ist verstrichen - jetzt ist es an der Zeit, zu
handeln.
Wir müssen saubere Kohle verwenden. In meiner Haushaltsvorlage ist
die vollständige und fristgerechte
Finanzierung des Abkommens mit Kanada
über eine neue Technologie für saubere Kohle enthalten. Wir haben die
Absicht, dieses Abkommen einzuhalten.
Wir dürfen unsere Parks nicht
vernachlässigen. Daher bitte ich im
Rahmen des Fonds zur Erhaltung von
Boden und Gewässern um die Beschaffung neuen Geländes.
Wir müssen unsere Meere schützen.
Ich befürworte neue Strafen für diejenigen, die medizinische Abfälle und
sonstigen Müll in unserem Ozean entsorgen.
Das Zeitalter der Injektionsnadel am Strand muß enden.
In einigen Fällen lassen die Gewässer vor unseren Küsten auf Öl- und
Erdgasreserven hoffen, die unser Land
sicherer und weniger abhängig von
ausländischem
Öl
machen
könnten.
Wenn die vielversprechendsten Quellen
sicher erschlossen worden sind - wie
es beim Alaska National Wildlife Refuge fast immer der Fall war - sollten wir weitermachen. Aber wir müssen vorsichtig vorgehen und unsere
Umwelt respektieren.
Heute abend bitte ich um den Aufschub von drei Leasingverkäufen auf
unbestimmte Zeit, die beunruhigende
Fragen aufgeworfen haben - es handelt
sich um zwei Gebiete vor der kalifornischen Küste und eines, das die
Everglades in Florida bedrohen könn-

te. Ein weiteres Vorgehen bezüglich
dieser drei Leasingverkäufe wird erst
erfolgen, wenn eine speziell zur Erforschung der möglichen Umweltschaden
eingesetzte
Arbeitsgruppe
ihre
Schlußfolgerungen vorgelegt hat.
Ich wende mich an den Justizminister und den Direktor der Umweltschutzbehörde, alles in ihrer Macht
stehende zu tun, um die Durchführung
von Gesetzen gegen die Entsorgung von
Giftmüll zu beschleunigen und zu verschärfen. Ich möchte, daß Umweltverschmutzungen schneller beseitigt und
die Schuldigen härter bestraft werden.
Zusätzlich zu der Sorge um unsere
Zukunft müssen wir uns um unsere Mitbürger kümmern. Eine anständige Gesellschaft zeigt Mitgefühl für die
Jugendlichen, Alteren, Schwachen und
Armen.
Unsere erste Pflicht gilt den
Schwächsten - Kleinkindern, bedürftigen Müttern, Kindern, die in Armut
leben - und meine Haushaltsvorlage
wird dem gerecht. Ich bitte um die
vollständige Finanzierung von MEDICAID - dies bedeutet eine Aufstockung
um über drei Milliarden Dollar - sowie die Einbeziehung von an der Armutsgrenze lebenden schwangeren Frauen in das Programm.
Meiner Ansicht nach sollten wir
erwerbstätigen Familien bei der Bürde
der Kinderbetreuung behilflich sein.
Unsere Unterstützung sollte auf diejenigen abzielen, die sie am meisten
benötigen - einkommensschwache Familien mit kleinen Kindern. Ich befürworte die Einführung eines Steuerfreibetrages für Kinderbetreuung, der
sich auf eben diese Familien erstreckt, ohne eine Benachteiligung
der Mütter, die es vorziehen, ihre
Kinder zu Hause zu betreuen.
Ich weiß, daß unterschiedliche
Vorschläge unterbreitet wurden. Aber
Sie sollten sich folgendes vor Augen
führen: Das Gros der Kinderbetreuung
im Vorschulalter erfolgt heute bei
Verwandten und Nachbarn, in kirch-

�liehen und kommunalen Einrichtungen.
Familien, die sich für diesen Vorschlag entscheiden, sollten ihre Unterstützung
anbieten.
Den Eltern
sollte die Wahl überlassen bleiben.
Im Falle von unerwünschten Kindern, Waisenkindern oder Kindesmißhandlungen sollten wir die Adoption
ermutigen. Ich schlage die Wiedereinführung der Steuerabzüge für Adoptionskosten und die Verdoppelung dieses Betrages auf 3 000 Dollar vor.
Wir sollten es diesen Kindern erleichtern, von liebenden Eltern aufgenommen zu werden.
Gegenüber unseren altern Mitbürgern haben wir eine moralische Verpflichtung.
Meine Haushaltsvorlage
sieht die vollständige Finanzierung
der
Sozialversicherung
vor, einschließlich einer Anpassung an die
Lebenshaltungskosten in voller Höhe.
Wir müssen diese Verpflichtung einhalten.
Wir müssen uns um diejenigen "auf
der Schattenseite des Lebens" kümmern, und wie viele Amerikaner bin
Ich zutiefst besorgt über die Misere
der Obdachlosen. Obdachlosigkeit hat
viele Ursachen, ihre Geschichte ist
lang, aber das moralische Gebot, zu
handeln, ist unleugbar.
Dank der überwältigenden Großzügigkeit, von der unser großartiges
Land gekennzeichnet ist, tragen bereits zahlreiche Organisationen zur
Unterstützung bei. Aber wir in der
Regierungsverantwortung dürfen nicht
beiseite stehen.
In meinem Haushaltsentwurf fordere Ich größere Unterstützung für Notunterkünfte und
Verteilung von Nahrungsmitteln an die
Obdachlosen, für Gesundheitsdienste
und Maßnahmen gegen Arzneimittelmißbrauch sowie psychiatrische Kliniken
- und ich schlage eine neue Initiative vor, die das gesamte Spektrum der
Regierungsbehörden einbezieht.
Wir
müssen diese nationale Schmach in den
Griff bekommen.
Ich habe beschlossen, heute abend

ein weiteres Thema zur Sprache zu
bringen. Lange Zeit war ich der Auffassung, die Puertoricaner sollten
das Recht haben, selbst über ihre politische Zukunft zu entscheiden. Ich
persönlich befürworte die Eigenstaatlichkeit. Aber ich bitte den Kongreß
zur
Veranlaßung
der
notwendigen
Schritte, damit die Entscheidung vom
Volk getroffen werden kann.
Als Folge von Jahrzehnten unvernünftiger Praktiken bedrohen einige
Probleme das Wohlergehen und die Sicherheit unseres Volkes. Wenn wir
sie vernachlässigen, werden sie sich
nur verschlimmern - aber heute können
wir sie in den Griff bekommen.
Zu Beginn der Woche habe ich meine Unterstützung eines Planes zur
Wiederherstellung
der
finanziellen
und moralischen Integrität unserer
Sparbanken angekündigt.
Ich bitte
den Kongreß, unsere Reformvorschläge
binnen 45 Tagen zu verabschieden.
Die gegenwärtige Situation ist unhaltbar.
Zweifelsohne müssen die Spareinlagen der Amerikaner weiterhin gesichert sein - versicherte Einleger
sind weiterhin in vollem Umfang geschützt. Aber jeder Plan zur Refinanzierung des Systems muß von einer
umfassenden Reform begleitet sein.
Dank unserem Vorschlag wird sich eine
solche Krise nicht wiederholen. Die
beste Antwort darauf ist sicherzustellen, daß eine solche Geschichte
nicht wieder vorkommt.
Die Mehrzahl der Sparbanken in
den Gemeinden dieses Landes haben in
aufrichtiger Absicht gehandelt; sie
haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, den Familien bei der Verwirklichung ihres Traumes vom Eigenheim
zu helfen.
Aber seien Sie versichert: Diejenigen, die korrupt sind,
die das Gesetz brechen, müssen sich
auf einen Rausschmiß gefaßt machen
und mit Gefängnis rechnen.
Wir sehen uns mit der enormen
Aufgabe konfrontiert, den Atommüll zu

- 7 -

�entsorgen, der in Jahrzehnten der
Vernachlässigung in den Produktionsstätten
für Kernwaffen angefallen
ist. Zweifelsohne müssen wir diese
Anlagen modernisieren und sicher betreiben. Das ist unumstritten - unsere nationale Sicherheit hängt davon
ab.

opfern, und ich werde die Stärke der
Vereinigten Staaten nicht aufs Spiel
setzen.

Aber darüber hinaus müssen wir
den alten Müll beseitigen, der hinterlassen wurde - und in dieser Haushaltsvorlage habe ich mich dazu verpflichtet, unsere Anstrengungen mehr
als zu verdoppeln. Dies wird uns in
die Lage versetzen, zum Kern des jeweiligen Problems vorzudringen und es
zu bewältigen - und dazu sind wir
entschlossen.

Die eingesparten Mittel müssen
entsprechend der Prioritäten bei
unseren
Zukunftsinvestitionen
eingesetzt werden, über die ich
heute abend gesprochen habe.

In den vergangenen acht Jahren
ist es uns gut ergangen. Die Vereinigen Staaten stehen heute besser
da als im Jahr 1980. Die Moral unserer Streitkräfte
ist wiederhergestellt. Unsere Entschlußkraft wurde
unter Beweis gestellt.
Unsere Bereitschaft wurde verbessert. Wir haben Frieden. Es besteht kein Zweifel
mehr daran, daß der Frieden durch
Stärke sicherer gemacht worden ist.
Wenn die Vereinigten Staaten stärker
sind, ist die Welt sicherer.
Die meisten Menschen machen sich
nicht klar, daß nach der erfolgreichen
Wiederherstellung
unserer
Stärke der Verteidigungshaushalt in
jedem der vergangenen vier Jahre in
realen Zahlen abgebaut worden ist.
Weitere Kürzungen können wir nicht
hinnehmen.
Angesichts der zwingenden Notwendigkeit zur Senkung des Defizits unterstütze ich jedoch das Einfrieren
des Verteidigungshaushalts für ein
Jahr - wie ich es vergangenen Herbst
im Rahmen meines Plans flexibler Einfrlerungen vorgeschlagen habe.
Dieses Einfrieren wird nur für
ein Jahr gelten - danach werden Zuwächse über die Inflationsrate hinaus
erforderlich sein.
Ich werde die
amerikanische Kampfbereitschaft nicht

Ich möchte die Bedingungen, an
die meine Empfehlung für das kommende
Jahr gebunden ist, folgendermaßen erläuern:

Das Einfrieren der Verteidigungsausgaben muß Teil einer umfassenden Haushaltsübereinkunft sein,
die den im Gramm-Rudman-HollingsGesetz verankerten Zielen ohne
Steuererhöhungen entspricht und
Reformen
im
Haushaltsbewilligungsverfahren beinhaltet.
Ich habe den Nationalen Sicherheitsrat angewiesen, unsere Sicherheits- und
Verteidigungspolitik
zu
überprüfen und mir innerhalb von 90
Tagen Bericht zu erstatten, um sicherzustellen, daß unsere Fähigkeiten
und Mittel unseren Verpflichtungen
und Strategien entsprechen.
Ferner werde ich das Verteidigungsministerium beauftragen, einen
Plan zur Verbesserung des Beschaffungsverfahrens und der Verwaltung im
Pentagon auszuarbeiten - damit soll
der Bericht der Packard-Kommission
vollständig in die Praxis umgesetzt
werden»
Viele Veränderungen können
nur mit Beteiligung des Kongresses
durchgeführt werden - ich bitte also
um Ihre Hilfe.
Wir brauchen einen Abbau von Vorschriften. Wir brauchen weniger Bürokratie.
Wir brauchen mehrjährige
Beschaffungsprojekte und einen Zweijahreshaushalt. Und offen gestanden
benötigen wir weniger "Mikromanagement" des Kongresses in bezug auf
die Verteidigungspolitik unseres Landes.
Die

Sicherung

des

Weltfriedens

�ist die vielleicht vordringlichste
Aufgabe, zu der ich mich heute abend
äußern möchte. Wir kommen in einer
Zeit außergewöhnlicher Hoffnungen zusammen. Niemals in diesem Jahrhundert waren unsere Werte der Freiheit,
Demokratie und wirtschaftlichen Möglichkeiten eine solch mächtige politische und geistige Kraft in der ganzen Welt. Niemals zuvor war unsere
Führungskraft von solch entscheidender Bedeutung, denn während die Augen
der Vereinigten Staaten in die Zukunft gerichtet sind, ruhen die Augen
der Welt auf den Vereinigten Staaten.
Dies ist eine Zeit großer Veränderungen in der Welt - insbesondere
in der Sowjetunion. Vernunft und gesunder Menschenverstand zwingen uns,
den Versuch zu unternehmen, die volle
Bedeutung des dort stattfindenden
Wandels zu verstehen, unsere Politik
sorgfältig zu überdenken und Vorsichtig walten zu lassen. Ich habe Generalsekretär Gorbatschow jedoch persönlich versichert, daß wir nach Abschluß dieser Überprüfung zu Fortschritten bereit sind.
Wir werden
keine Gelegenheit ungenutzt lassen,
um für den Frieden einzutreten.
5s bleibt eine grundlegende Tatsache, daß die Sowjets eine sehr
mächtige
militärische
Maschinerie
aufrechterhalten, die Zielen dient,
die immer noch allzu oft mit den unseren in Konflikt stehen. Laßt uns
also die neue Offenheit ernst nehmen.
Laßt uns einen Schritt nach vorn machen, um zu verhandeln.
Laßt uns
aber auch realistisch sein, und laßt
uns stets unsere Stärke bewahren.
Es gibt einige vordringliche Fragen, die wir angehen müssen:
Ich
werde die Strategische Verteidigungsinitiative energisch weiterverfolgen.
Die Verbreitung und selbst der Einsatz hochmoderner Waffen bedroht die
weltweite Stabilität wie nie zuvor.
Chemische Waffen müssen vom Antlitz
der Welt verbannt werden und nie wieder zum Einsatz kommen. Dies wird
nicht leicht sein. Die Verifizierung
wird schwierig sein.
Zivilisation

-9

und menschlicher Anstand erfordern
jedoch, daß wir darauf hinarbeiten.
Auch der Verbreitung von Kernwaffen muß Einhalt geboten werden. Ich
werde mich bemühen, den Einfluß der
Internationalen Atomenergiebehörde zu
stärken. Unsere Diplomatie muß Tag
für Tag gegen die Verbreitung von
Kernwaffen eintreten.
Weiterhin müssen wir auf der ganzen Welt der Freiheit bester Freund
sein. Wir müssen an der Selbstbestimmung und Demokratie für Mittelamerika festhalten - einschließlich
Nicaraguas. Denn wenn dem Volk die
Möglichkeit gegeben wird, wird es unweigerlich für eine freie Presse, Religionsfreiheit
und
nachweislich
freie und faire Wahlen eintreten.
Wir müssen das Bündnis der demokratischen Industrieländer stärken die beständigste Kraft für den Frieden, die die Welt je gekannt hat.
Dieses Bündnis entstand durch die
Macht unserer Ideale, nicht durch die
Kleinlichkeit
unserer
Meinungsverschiedenheiten.
Laßt uns also den
Blick nach vorn richten - um statt
über Hormone in Rindfleisch zu streiten gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten, um vom Protektionismus zum Fortschritt zu gelangen.
Ich habe den Außenminister beauftragt, nächste Woche Europa zu besuchen und mit den Europäern die ganze Bandbreite der uns gemeinsam betreffenden Herausforderungen und Möglichkeiten zu erörtern - einschließlich der Ost-West-Beziehungen.
Und
ich sehe dem baldigen Zusammentreffen
mit unseren NATO-Partnern gerne entgegen.
Auch ich werde schon bald eine
Reise antreten - an den äußeren Rand
des Pazifischen Beckens, an dem die
Winde der Demokratie neue Hoffnung
entfachen und die Macht der freien
Marktwirtschaft neue Kräfte freisetzt.
Als ich vor nur 14 Jahren als
Vertreter der Vereinigten Staaten in

�China war, hätten sich nur sehr wenige das Ausmaß der von uns seither beobachteten Veränderungen vorstellen
können. Bei der Vorbereitung auf die
kommende Reise wurde mir durch einen
chinesischen
Schriftsteller
etwas
ganz deutlich bewußt. Er sprach von
seinem Land vor einigen Jahrzehnten seine Worte berühren jedoch jeden von
uns in Amerika heute abend.
"Heute", so schrieb er, "fürchten
wir uns vor einfachen Worten wie
Rechtschaffenheit, Mitleid und Güte."
Meine Freunde, wenn wir als Nation
Erfolg haben wollen, müssen wir diese
Worte wiederentdecken.
In drei Tagen werden wir den Geburtstag Abraham Lincolns begehen des Mannes, der unsere Union rettete
und dem Begriff "Möglichkeit" neuen
Inhalt verlieh. Lincoln hat einmal
gesagt:
"Ich bin der Überzeugung,
daß es zeit seines Lebens die Pflicht
des Menschen ist, nicht nur seine eigenen Lebensbedingungen zu verbessern, sondern dazu beizutragen, die
der gesamten Menscheit zu vervollkommnen."
Es ist die Beteiligung an dieser
umfassenderen Aufgabe, zu der ich alle Amerikaner aufrufe. Denn zur Definition eines erfolgreichen Lebens
muß auch der Dienst an der Gemeinschaft gehören.
Den jungen Menschen in Amerika,
die sich bisweilen ausgeschlossen
fühlen, sage ich:
Ich bitte Euch
heute abend darum, uns an Euren Talenten und Energien durch ein neues
Programm mit dem Namen "YES" (Youth
Entering Service to America) teilhaben zu lassen.
Den Männern und Frauen im Wirtschaftsleben - denken Sie an das Endziel Ihrer Tätigkeit - ein besseren
Produkt herzustellen, ein besseres
Leben zu schaffen. Ich bitte Sie,
langfristig zu planen und der Versuchung von kurzfristigen und leicht
erzielten Profiten, die nur auf dem
Papier stehen, zu widerstehen.

Den tapferen Männern und Frauen,
die die Uniform der Vereinigten Staaten von Amerika tragen, sage ich:
Ich danke Ihnen. Sie erfüllen ein
ehrenvolle Aufgabe: als Verteidiger
und Garanten der Freiheit. Ich möchte, daß Sie wissen, daß die Nation
für Ihren Dienst dankbar ist.
Den Bauern in Amerika sage ich:
Wir wissen die von Ihnen bereitgestellten Gaben zu schätzen. Wir werden uns bemühen, die ausländischen
Märkte für amerikanische Agrarprodukte zu öffnen.
Den Eltern Amerikas: Ich bitte
Sie, sich für die Schulbildung Ihrer
Kinder zu engagieren. überprüfen Sie
ihre Schularbeiten. Gehen Sie in die
Schule, treffen Sie die Lehrer, nehmen Sie Anteil daran, was dort geschieht. Es steht nicht nur die Zukunft Ihrer Kinder auf dem Spiel,
sondern die Zukunft Amerikas.
Den Kindern in unseren Städten:
Gebt die Hoffnung nicht auf. Sagt
nein zu Drogen. Bleibt in der Schule. Und "haltet die Hoffnung leben1| •
Den 37 Millionen Amerikanern, die
in der einen oder anderen Weise behindert sind: Sie sind ein fester
Bestandteil
unseres
Wirtschaftslebens. Wir brauchen ihr Talent auf
dem
Arbeitsmarkt
der
Vereinigten
Staaten. Die behinderten Amerikaner
müssen zu vollwertigen Partnern in
der amerikanischen Gesellschaft der
Möglichkeiten werden.
Den
Familien
der
Vereinigten
Staaten, die Sie uns heute von Ihren
Wohnzimmern aus zuschauen:
Halten
Sie an Ihren Träumen fest, denn
letztlich liegt die Zukunft Amerikas
in Ihren Händen.
Und zu meinen Freunden in dieser
Kammer: Ich bitte um Ihre Zusammenarbeit, um das Wachstum der Vereinigten Staaten zu erhalten, während wir
das Defizit senken.
Das ist nur
recht und billig für diejenigen, die

- 10 -

�heute noch nicht wählen können - die
folgenden Generationen.
Sie sollen einmal zurückblicken
und sagen können, daß wir die Weitsicht besaßen, zu verstehen, daß eine
Zeit des Friedens und Wohlstands keine Zeit zum ausruhen ist, sondern
eine Zeit, um auf Fortschritte zu
drängen. Eine Zeit, um in die Zukunft zu investieren.
Und alle Amerikaner sollten daran
denken, daß kein von Menschen gemachtes Problem zu groß ist, als daß es
durch die Genialität und Energie des
Menschen und durch die unermüdliche
Hoffnung des menschlichen Geistes
nicht überwunden werden könnte. Ich
glaube daran. Ich hätte mich nicht
darum beworben, Ihr Präsident zu
sein, wenn ich dies nicht täte.
Morgen beginnt die Debatte über
den von mir vorgelegten Plan. Ich
bitte den Kongreß, seine eigenen Vorschläge zu unterbreiten, wenn diese
sich von meinen unterscheiden. Lassen Sie uns nicht die Motive des anderen in Zweifel ziehen. Lassen Sie
uns debattieren. Lassen Sie uns verhandeln.
Aber lassen Sie uns das
Problem lösen.
Jahrestage in Erinnerung zu rufen, mag nicht gerade meine Spezialität bei Reden sein - heute abend aber
gibt es einen solchen Anlaß. Am 9.
Februar 1941, heute abend vor genau
48
Jahren,
sprach
Sir
Winston
Churchill in einer Stunde der Gefahr
für Großbritannien über den Rundfunk.
Er hatte von Präsident Roosevelt
einen persönlichen Brief erhalten, in
dem Longfellow's berühmtes Gedicht
zitiert wurde: "Sail on, Oh Ship of
State. Sali on, Oh Union, strong and
great. Humanity with all its fears,
with all the hopes of future years,
Is hanging breathless on thy fate."
Churchill
antwortete an jenem
Abend in einer Rundfunkansprache an
eine Nation im Krieg, aber er richtete seine Worte an Roosevelt. "Wir
- 11

werden weder aufgeben noch wanken",
sagte er. "Wir werden weder schwach
noch müde werden. Gebt uns die Mittel, und wir werden die Arbeit zu Ende bringen."
Heute, nahezu ein halbes Jahrhundert später, mag die Gefahr, in der
wir uns befinden, weniger bedrohlich
sein, aber Hartnäckigkeit und klarsichtige Standhaftigkeit sind ebenso
notwendig.
Damals wie heute gibt es manch
einen, der meint, es werde nicht gelingen. Es gibt Stimmen, die behaupten, die besten Tage Amerikas seien
vorüber.
Denn wir seien von Beschränkungen eingeschnürt, von Problemen bedrängt, von Unruhen umringt,
die unsere Fähigkeit zu hoffen einschränkten.
Nun, heute abend bin ich voll der
Hoffnung
Wir Amerikaner haben unsere Mission der Rechtschaffenheit und
Größe erst begonnen.
Und an jene
ängstlichen Seelen gewandt, wiederhole ich die Bitte - gebt uns die Mittel, und wir werden die Arbeit zu Ende bringen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
15. Februar 1989

MASSIGE SOWJETISCHE FORTSCHRITTE BEI MENSCHENRECHTEN
- Richard Schifters Rede vor dem Kongreß -

WASHINGTON - (AD) Der Abteilungsleiter im amerikanischen Außenministerium für Menschenrechtsfragen und humanitäre Angelegenheiten, Richard
Schifter, erklärte am 8. Februar 1989 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats,
die Sowjetunion "muß noch einen weiten Weg zurücklegen, bevor ihr die Einhaltung der Schlußakte von Helsinki" über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
"zuerkannt werden kann".
Schifter nahm im Rahmen seiner Anhörung zum Jahresbericht seines Ministeriums an den Kongreß über die Wahrung der Menschenrechte in Ländern Stellung,
die Hilfe von den Vereinigten Staaten erhalten oder Mitglied der Vereinten Nationen sind. Der Bericht über die Menschenrechtssituation in 169 Ländern wurde am 8. Februar 1989 veröffentlicht.
Nachfolgend veröffentlichen wir Schifters Rede in Auszügen:

Was die positiven Entwicklungen
anbelangt, so konnten wir in der Sowjetunion die Hinwendung zu einer offeneren Gesellschaft beobachten. Unseres Wissens ist seit mehr als zwei
Jahren niemand mehr nach den Paragraphen des sowjetischen Strafrechts
angeklagt oder verurteilt worden, denen zufolge sogenannte "anti-sowjetische
Agitation
und
Propaganda",
"staatsfeindliche
Äußerungen"
oder
nicht genehmigte religiöse Aktivitäten
schwere Verbrechen darstellen,
die mit Jahren im Gulag geahndet werden können.
Alle nach diesen Paragraphen verurteilten
Personen sind
freigelassen
worden.
Die
sowjetischen Behörden haben uns informiert, daß die von uns als Mißbrauch
der Psychiatrie erachteten Praktiken
nicht mehr angewandt werden und alle

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ungerechtfertigt eingelieferten Personen entlassen worden sind.
Uns
liegen darüber abweichende Berichte
vor, die wir zu prüfen beabsichtigen.
Die Störung ausländischer Rundfunksender hat aufgehört.
Beeinträchtigungen nehmen erheblich zu.
Rechtmäßige Wahlen werden bald stattfinden
und dem sowjetischen Durchschnittsbürger
zumindest
eine
Möglichkeit
einräumen, seine Präferenz für einen
Kandidaten zu bekunden.
Obwohl sich im Jahr 1988 in der
Sowjetunion ein Wandel vollzogen hat,
den wir vor nur drei Jahren nicht so
schnell für möglich gehalten hätten,
müssen wir uns doch vor Augen führen,
daß die Sowjetunion noch einen weiten
Weg zurücklegen muß, bevor ihr die
Einhaltung der Schlußakte von Helsin-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ki zuerkannt werden kann.
Sie ist
immer noch ein Einparteienstaat. Die
Geheimpolizei spielt immer noch eine
wichtige Rolle bei der Unterdrückung
von Dissidenten.
Rechtsstaatlichkeit
ist eine geäußerte Zielsetzung, keine
Realität.
Die Medien sind in der
Hand des Staates und werden von ihm
kontrolliert.
Religion wird ebenfalls vom Staat kontrolliert.

kung erhob sich das Volk mit der Forderung nach Freiheit und Demokratie
gegen das Militärregime.
Die Erhebung wurde brutal niedergeschlagen.
Die genauen Zahlen werden niemals bekanntwerden, aber es wurden sicherlich mehrere Hundert wenn nicht Tausende Zivilisten getötet, als die
burmesische Armee ihre Gewehre auf
die Demonstranten richtete.

Wir müssen uns darüber hinaus
vergegenwärtigen, daß der Erfolg derjenigen, die um Reformen bestrebt
sind, nicht garantiert ist. Eindeutig ist, daß die sowjetische Führung
zum ersten Mal seit vielen Jahren
nicht
länger
einen
einheitlichen
Block bildet. Es bestehen eindeutig
Unterschiede zwischen denjenigen, die
eine Weiterentwicklung des Landes in
Richtung auf politische und wirtschaftliche
Freiheit anstreben und
denjenigen mit der Auffassung
die
neue Politik sei bereits zu weit gegangen und eine Beschränkung notwendig.

In Afghanistan wird es lange dauern, bis sich das Land von den tragischen Konsequenzen einer fast 10jährigen sowjetischen Besatzung erholen wird. Auch im Jahr 1988 erhielten wir Berichte über zahlreiche politische Morde und Fälle von Folter.
Eine der wichtigsten Fragen für die
internationale
Staatengemeinschaft
lautet heute, wie wir Afghanistan
helfen können, nach dem sowjetischen
Truppenabzug die geschlagenen Wunden
zu heilen, und wie der Achtung der
Menschenrechte in einem Umfeld Geltung verschafft werden kann, das in
solch starkem Maß von den Gewaltakten
der
sowjetischen
Besatzungstruppen
und ihres Marionettenregimes brutalisiert wurde.

Eine Bilanz der Entwicklungen im
Jahr 1988 läßt den Schluß zu, daß Zusammenstöße
ethnischer
Minderheiten
zur größten Zahl von Todesopfern geführt und oftmals die schrecklichsten
Menschenrechtsverletzungen
mit
sich
gebracht hat.
In diesem Zusmmenhang sollten wir
unser Augenmerk auf das Schicksal der
zahlreichen Kurden im Irak lenken.
Zweifellos haben sich wichtige Gruppierungen der irakischen Kurden gegen
die Regierung des Irak erhoben. Aber
die Art und Weise, wie die irakische
Regierung im Hinblick auf ein Ende
des Krieges mit dem Iran darauf reagiert hat, war wahrhaft schockierend.
Wenn es eines Beweises für die
Tatsache bedarf, daß die in unserer
Unabhängigkeitserklärung
verankerten
Normen staatlichen Verhaltens nicht
an eine bestimmte Kultur gebunden,
sondern universell gültig sind, können die Ereignisse des Jahres 1988 in
Burma als Beispiel genommen werden.
Nach Jahrzehnten totaler Unterdrük-

Ich wende mich nun zwei weiteren
Problemfeldern zu, die - wie eine
Analyse der Fakten zeigen wird nicht in die Kategorie
schwerster
Menschenrechtsverletzungen
fallen,
wie ich sie gerade angesprochen habe.
Ihnen wurde stattdessen aufgrund der
guten Beziehungen zwischen den fraglichen Ländern und den Vereinigten
Staaten besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die erste Situation dieser Art
besteht in den von Israel besetzten
Gebieten.
In den vergangenen Monaten habe
ich zahlreiche Briefe mit der Aufforderung erhalten, einen ausgewogenen
Bericht zu den besetzten Gebieten zu
veröffentlichen.
Es wurde angedeutet, wir könnten in diesem Fall besonders nachsichtig verfahren.
Das
Gegenteil
ist
jedoch
der
Fall.
Selbstverständlich tun wir unser Bestes, um bei der Erstellung unserer
Berichte einheitliche Normen anzule-

�gen. Zweifellos sind jedoch unsere
Berichte über offene Gesellschaften,
über di'p wir eine Vielzahl von Informationen erhalten, unvermeidlich umfassender und detaillierter als die
über
verschlossene
Gesellschaften,
über die wir wesentlich weniger Informationen erhalten.
überdies ist
es sicherlich eine ganz natürliche
Tatsache, daß im Falle Israels ein
höherer Maßstab angelegt wird als bei
anderen Ländern. Die in unserem Länderbericht über die besetzten Gebiete
detailliert
dargelegten
Praktiken
würden
in anderen Länderberichten
entweder kurz zusammengefaßt oder
gänzlich ausgelassen.
Was nun die Substanz angeht, unterscheidet sich dieser Fall von allen anderen in der Hinsicht, daß wir
es hier nicht mit den Handlungen einer Regierung zu tun haben, die in
besetzten Gebieten sowohl zivile als
auch militärische Gesetze anwendet.
Das zugrundeliegende Problem betrifft
die Frage der Erlangung einer Friedensregelung. Vor diesem Hintergrund
haben wir in unserem Bericht über die
besetzten Gebiete die Bereiche unserer Besorgnis dargelegt. Diese konzentrieren sich auf die von den
israelischen Streitkräften getroffenen Maßnahmen, um die Welle ziviler
Unruhen zu unterdrücken, die seit dem
Dezember 1987 diese Gebiete ergriffen
hat. Wir erkennen an, daß die von
den Militärs getroffenen harten Maßnahmen von Akten wie dem Werfen von
Steinen und Molotow-Cocktails, dem
Verbrennen von Reifen und der Errichtung von Barrikaden provoziert wurden.
Unserer Ansicht nach war die Reaktion darauf jedoch eher übertrieben
denn gemäßigt, forderte zahlreiche
Verletzte, und im Verlauf des Jahres
1988 waren 366 Tote unter den Palästinensern zu beklagen. Sorge bereiteten uns ferner solche Praktiken wie
Bestrafung durch Deportation und die
Sprengung der Wohnhäuser von Personen, die der Gewaltakte beschuldigt
werden. Schließlich mußten wir feststellen, daß die gegen israelische
Soldaten wegen der Verletzung der
- 3

Verhaltensmaßregeln ergriffenen Disziplinarmaßnahmen entschieden zu mild
sind.
Der zweite Fall in dieser Gruppe
ist El Salvador. Wenn man Menschenrechtsverletzungen in diesem Land anprangert, so ist es von vorrangiger
Bedeutung, zwischen Fakten und Desinformation zu unterscheiden.
Der Hintergrund
der Menschenrechtsprobleme ist hier in der kommunistischen Rebellion zu suchen, die
bereits über ein Jahrzehnt andauert.
Im Verlauf der Jahre hat die FMLN,
die zuvor eine ernste Bedrohung für
das Überleben der salvadorianischen
Regierung darstellte, an Boden verloren. Die FMLN benutzt jedoch nach
wie vor die Ermordung gewählter Regierungsvertreter und Terroranschläge
in den Städten, um Instabilität zu
verursachen.
Es besteht kein Zweifel, daß sie
jegliche Anziehungskraft, über die
sie vielleicht einmal verfügt hat,
für das Gros der Bevölkerung verloren
hat.
Ihre politischen Verbündeten
nehmen an den Präsidentschaftswahlen
teil, werden derzeit jedoch von höchstens zehn Prozent der Bevölkerung
unterstützt.
Im Verlauf des Jahres 1988 belief
sich die Zahl der politisch motivierten Morde auf durchschnittlich 20 pro
Monat. Obwohl jeder einzelne Todesfall eine Tragödie für die betroffene
Familie ist, sollte man sich vor Augen führen, daß diese Zahl verglichen
mit den vergangenen Jahren nicht angestiegen ist... Ich möchte hier unsere Überzeugung bekräftigen, daß die
gewählte Regierung von El Salvador
für diese Morde nicht verantwortlich
ist. Ebensowenig sind wir der Auffassung, daß es irgendeinen Beweis
für die Schuld der militärischen Führung gibt. Das Problem ist auf der
unteren Ebene des Militärs sowie darin zu suchen, daß es der obersten
Führung nicht gelingt, scharf gegen
die
der
Menschenrechtsverletzungen
Schuldigen vorzugehen und insbeson-

�dere Offiziere anzuklagen.
Damit komme ich zu dem Problem
der
salvadorianischen
Gerichtsbarkeit, das damit Hand in Hand geht.
Ich bedauere, sagen zu müssen, daß
die Straftaten mit politischen Auswirkungen von der salvadorianischen
Gerichtsbarkeit
schlicht
umgangen
wurden, gleichgültig, ob der Angeklagte mit der politischen Rechten
oder Linken in Verbindung steht. Ich
muß hinzufügen, daß El Salvador nicht
das einzige Land ist, das in diese
Kategorie fällt. Starke, unabhängige
Rechtssysteme sind weltweit noch rarer als demokratisch gewählte Regierungen.

* * * * *

�«fc°s&gt;&lt;

Sr IO N #

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
15. Februar 1989

DER DROGENKRIEG GEHT WEITER
- Polizeimaßnahmen notwendig - aber Erziehung wichtiger -

WASHINGTON - (AD) - "Diese Geißel wird gestoppt werden", erklärte Präsident George Bush in seiner Antrittsrede. Jedoch sei die Lösung in erster Linie in der Drosselung der Nachfrage, nicht in Polizei- und Justizmaßnahmen
oder Schließung der Grenzen zu suchen. Der gesamte private Sektor und die
Schulen müßten in die Erziehungskampagnen einbezogen werden, erläuterte Bush
später auf einer Pressekonferenz.

Dem Berater des Senatsunterausschusses für Ermittlung und Fahndung,
John Sopko zufolge wäre es eine Illusion, anzunehmen, daß sich die Vereinigten Staaten mit ihren mehr als
10 000 km langen Festlandsgrenzen gegen das Einschleusen von Rauschgift
abschotten könnten.
Das neue AntiDrogengesetz konzentriere sich deshalb auf die Entwicklung von Programmen, die der Nachfrage entgegenwirken, eine wirksame Vorbeugung ermöglichen und die Bürger davon abbringen, sich Drogen überhaupt in Erwägung zu ziehen.
An der Spitze des 1988 vom Kongreß geschaffenen Amtes für Drogenbekämpfung (Office of Drug Control Policy) steht William J. Bennett, der
in der Regierung Reagan von 1985 bis

United States Information Service
Embassy of the United States of America

September 1988 das Amt des Bildungsministers innehatte.
Schon als Präsident des "Nationalen Zentrums für
Geisteswissenschaften"
in Nordkarolina (1979 bis 1981) ging ihm der Ruf
voraus, für "Gewährenlassen" und undiszipliniertes Verhalten nichts übrig zu haben. In seinen philosophischen Vorlesungen an der Universität
North Carolina wie in seinen Veröffentlichungen aus jener Zeit betonte
er stets den konservativen Standpunkt.
Nicht zuletzt aufgrund der reichen Erfahrungen, die Dr. Bennett
während seiner Tätigkeit in Regierungsämtern sammelte, wurde ihm die
Leitung des Amtes für Drogenbekämpfung übertragen.
Der "Drogenzar",
wie man ihn bereits nennt, hat Kabinettsrang, ist aber nicht dessen Mitglied.

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�Der neue Justiznrinister Richard
Thurnburgh stimmt mit Bennett darin
überein, daß zur Verbesserung der Situation
im Zusammenhang mit dem
Rauschgiftproblem die Justiz allein
wenig ausrichten kann, wenn es nicht
gleichzeitig zu einem grundlegenden
Umdenken in der Gesellschaft kommt.
Die Nachfrage nach Drogen müsse durch
umfassendere Aufklärungsprogramme unbedingt eingedämmt werden. Es seien
wirksamere Anstrengungen in den Bereichen Therapie und Rehabilitation
erforderlich.
Aber
nicht
minder
wichtig seien andere Wertmaßstäbe und
Standpunkte bei großen Teilen der Bevölkerung, um einer Anfälligkeit für
Drogen vorzubeugen.
Nach dem neuen Drogenbekämpfungsgesetz stehen derzeit 1,4 Milliarden
Dollar für den Kampf gegen illegale
Rauschmittel zur Verfügung. Strafen
wurden verschärft, der Rechtsvollzug
wird strikter gehandhabt. Zum ersten
Mal sind 55 Prozent des Budgets für
erweiterte Therapie, Rehabilitation
und Aufklärung vorgesehen. Ab September 1989 müssen Personen, die in
den Vereinigten Staaten eines Drogenvergehens überführt wurden, auch wegen des Besitzes von Drogen mit hohen
Geldstrafen
rechnen.
Schüler und
Studenten verlieren den Anspruch auf
Darlehen und andere Formen staatlicher Unterstützung.
Von den zu erwartenden Maßnahmen
der 107 übrigen Länder, die im Dezember 1988 in Wien gemeinsam mit den
USA
internationale
Zusammenarbeit
vereinbarten, um den Drogenhandel zu
unterbinden und Händlern das Handwerk
zu legen, versprechen sich die Vereinigten Staaten auch eine größere
Effektivität ihrer Drogenbekämpfungspolitik im Inland. Der Ausgang der
Konferenz bedeutete "einen enormen
psychologischen Auftrieb für jene,
die im Drogenkrieg in den Schützengräben
stehen", sagte jetzt Ann
Wrobleski, Staatssekretärin im amerikanischen Außenministerium für das
Ressort Internationale Suchtstoffangelegenheiten, in einem Interview.

Sie ist sich jedoch im klaren
darüber, daß der härteste Teil der
Aufgaben noch bevorsteht, wenn die
einzelnen Länder mit der Ratifizierung der Konvention auch entsprechende Gesetze zu ihrer Durchführung verabschieden müssen. "Papier ist geduldig", sagte sie. "Wir werden erleben, daß manche Länder in ihren
Parlamenten Schwierigkeiten bekommen
und sich sogar großangelegten Einschüchterungskampagnen
gegenübersehen." Die Drogenkartelle dürften erhebliche Geldmittel
aufbieten, um
Entscheidungen in ihrem Sinne durchzusetzen. Auch gebe es noch manche
unangenehme Streitfragen wie zum Beispiel die Kontrolle von chemischen
Stoffen, die zur Drogenherstellung
gebraucht werden oder Zwischenprodukte sind. Diese Kontrolle stelle ein
großes Problem in Ländern dar, die
als wichtige Chemie-Produzenten gelten.
Der UN-Konvention zufolge, die am
19. Dezember 1988 von der Konferenzversammlung
angenommen wurde, ist
Drogenhandel als eine "internationale
kriminelle Aktivität" anzusehen. Sie
verpflichtet jedes Land, Handlungen
im Zusammenhang mit der Produktion,
dem Handel und dem Verkauf illegaler
Drogen ebenso wie mit Geldwäsche als
verbrecherisch einzustufen. Die Konvention befaßt sich außerdem mit Gesetzen zum Bankgeheimnis und der Beschlagnahme von Erträgen aus Drogenhandel. Sie verpflichtet die Länder,
Drogenhändler auszuliefern oder gerichtlich zu verfolgen. Die Konvention tritt in Kraft, wenn sie von 20
der 108 Signatarstaaten ratifiziert
worden ist. Sie ist die erste, die
"ausschließlich auf das grenzühergreifende Verbrechen des Drogenhandels abgestellt ist", sagte Wrobleski.
Die Idee äußerte als erster
Jaime Lusinchi, der Präsident von Venezuela. Er machte darauf aufmerksam, daß Drogenhandel - im Gegensatz
zur Drogenproduktion - ein Verbrechen
ist, das die Grenzen vieler Länder
überschreite und deshalb eine Körperschaft wie die Vereinten Nationen berechtigt und zuständig für entspre-

�chende Untersuchungen sei. Fast kein
Land bleibe vom Drogenhandel unberührt, meinte die Staatssekretärin.
Zur Ratifizierung der Konvention
beretten das amerikanische Außenministerium und andere Behörden für den
amerikanischen Senat eine Dokumentation vor, die jeden Punkt der Übereinkunft samt der rechtlichen Auswirkungen und Nebeneffekte erklärt und
erläutert.
Sie soll noch in diesem
Jahr dem Senat zugeleitet werden.
Allerdings sei der Zeitpunkt der Ratifizierung durch den Senat nicht abzusehen.

* * * * * *

- 3 -

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