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                  <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst

VION ^

14. Februar 1989

i
PRESSEKONFERENZ VON US-AUSSENMINISTER JAMES BAKER
IN BONN AM 13. FEBRUAR 1989

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Außenminister Baker: Ich möchte eine offizielle Erklärung über unsere
Zusammenkunft vorlesen. Ich bitte Sie um Entschuldigung, daß ich nicht lange
bleiben kann, aber der Verteidigungsminister erwartet uns schon. Wir haben
unser Treffen um 15 bis 20 Minuten überzogen.
Zunächst möchte ich sagen, daß
unser Treffen in einer sehr freundschaftlichen
Atmosphäre
stattfand,
weil es sich um ein Gespräch zwischen

Ferner über eine Erklärung, die von
der Bundesregierung in Kürze veröffentlicht werden wird und in der alle
diesen Vorfall betreffenden Fakten

alten

aus

Freunden

handelte

-

und

wenn

ich das sage, bediene ich mich hierbei der Formulierung des Bundeskanzlers, und ich mache mir seine Worte
zu eigen. Der Tenor dieses Treffens
bestand meiner Ansicht nach darin,
daß die deutsch-amerikanische Partnerschaft stark ist. Wir sind starke
Partner, und wir vertrauen einander.
Wir haben über die Frage der
Chemiewaffenfabrik in Libyen gesprochen sowie über die von der Bundesrepublik im Hinblick auf Änderungen
ihrer Exportkontrollgesetze und ihrer
Vorschriften zur Bestrafung von Gesetzesbrechern getroffenen Maßnahmen.

ihrer

Sicht

dargelegt

werden.

Ich erklärte hierzu, wir seien über
die von der Bundesregierung getroffenen und uns gegenüber dargelegten
Maßnahmen sehr erfreut.
Wir haben
einige Zeit darüber gesprochen. Wir
haben ziemlich lange über die OstWest-Beziehungen
diskutiert.
Was
dieses Thema angeht, haben wir produktive Gespräche über Ost-West-Sicherheitsfragen, einschließlich der
KurzstreckenSysteme geführt. Wir haben über das Brüsseler NATO-Kommunique von 1988 gesprochen und dieses
bekräftigt. Das gilt auch für die
Bedeutung, die der Aufrechterhaltung
der Strategie der Vorneverteidigung

�und der flexiblen Reaktion beizumessen ist. Wir waren uns über die Notwendigkeit einig, ein Gesamtkonzept
für die Haltung des Bündnisses in
Fragen der Sicherheit und Rüstungskontrolle beim nächsten NATO-Gipfel
zu verabschieden und stimmten überein, die Gespräche zu diesem Thema
fortzuführen. Der Bundeskanzler hat
keinen Zweifel daran gelassen, daß
seine Erklärungen in dem Interview
mit der Financial Times vollkommen im
Einklang mit dem NATO-Kommunique vom
Mai 1988 stehen, und er hat mehrmals
uns gegenüber festgestellt: "Ich habe meine Position nicht geändert."
Er hat uns autorisiert, Ihnen dies
mitzuteilen.
Ich werde jetzt gerne einige Fragen beantworten, bevor ich zu meinem
Treffen mit dem Verteidigungsminister
fahre.
Frage:
Bedeutet das, daß die
Debatte über die Kurzstreckensysteme
jetzt vorüber ist?
Daß sie beim
NATO-Gipfel erörtert werden wird und
daß sie nicht länger...
Antwort:
Es bedeutet, daß ein
Engagement besteht, diese Frage durch
weitere Gespräche und Verhandlungen
zu lösen.
Frage:
Und es wird zwischendurch keine Gespräche geben, die Frage wird dann innerhalb der NATO behandelt werden, ....
Antwort:
Nun, die Frage wird,
wenn man es formell betrachtet, beim
nächsten NATO-Gipfel behandelt werden, aber wir werden natürlich in der
Zwischenzeit weitere Gespräche darüber führen.
Frage:
Glauben
Sie,
den
Kongreß dazu bewegen zu können, die
weitere Modernisierung der LANCE-Rakete finanziell zu unterstützen, wenn
wir nicht bis - sagen wir einmal vor 1991 oder 1992 eine Entscheidung
oder eine Verpflichtung zur Stationierung hervorbringen?

Antwort: Wir wollen die Ereignisse des nächsten NATO-Gipfels, wo
die Entscheidungen getroffen werden,
abwarten.
Ich habe bereits darauf
hingewiesen, daß diese Reise nicht
als Unternehmen der Entscheidungsfindung geplant war. Bei diesen Zusammenkünften sollen die Tagesordnungspunkte festgelegt werden: es handelt
sich um Konsultationen.
Ich bin
hier, um zuzuhören. Wir können diese
Frage also bis zum Zeitpunkt des Gipfels - wann immer dieser auch stattfinden wird - nicht beantworten.
Frage:
Ich möchte auf einige
Bemerkungen eingehen, die Sie gestern
im Flugzeug über den START-Vertrag
gemacht haben - ihre eigene Ansicht
dazu und die Möglichkeit, ihn im
Kongreß
durchzusetzen.
Vielleicht
können Sie diese Bemerkungen im einzelnen erläutern, weil hier noch etwas Verwirrung herrscht.
Antwort:
Wenn
darüber
noch
Verwirrung herrscht, möchte ich diese
gern ausräumen. Alles, was ich sagen
wollte - und ich habe dies bereits
erörtert, vielleicht nicht bei der
Anhörung zu meiner Bestätigung, obwohl ich in dieser Anhörung etwas
Ähnliches gesagt habe - ist:
wir
wollen die Verhandlungspositionen erneut überprüfen. Betrachten Sie das,
was auf dem Verhandlungstisch liegt.
Wir wollen die Angebote überprüfen,
so daß wir unter der Voraussetzung
weiterer Fortschritte einen Vertrag
aushandeln, der auch ratifiziert werden kann. Das war alles, was ich sagen wollte.
Frage:
In den Gesprächen gestern haben Sie auf Mängel im bestehenden Entwurf hingewiesen, die eine
Verabschiedung durch den Kongreß in
der gegenwärtigen Form fraglich machen.
Antwort:
Ich denke, wenn Sie
sich die Formulierungen durchlesen,
was ich nochmals getan habe, geht
daraus eindeutig hervor, daß ich Vorbehalte gegen die potentielle Ratifizierbarkeit des Abkommens geäußert

- 2 -

�habe.

Wir wollen sicherstellen ...

Frage:
gen Form?

...

in

gemeint hat - es klingt, als sei Ihnen das noch nicht gelungen.

der gegenwärti-

Antwort:
Ich habe wiederholt
darauf hingewiesen, daß wir in den
Vereinigten Staaten eine Entscheidung
über die Modernisierung strategischer
Waffen treffen müssen. Und wir müssen uns vor Augen führen, daß wir und ich betrachte dies nicht etwa als
Mangel in unserer Verhandlungsposition - eine Position gegen mobile Raketen eingenommen haben.
Eine der
Fragen, die wir bei der Modernisierung unserer strategischen Waffen zu
überprüfen haben werden, ist das Problem mobiler Raketen.
Aber worauf
ich wirklich hinweisen wollte, ist
der allgemeine Grundsatz, gewährleisten zu wollen, daß alles, was wir
mit nach Hause nehmen, auch ratifiziert werden kann. Wir möchten kein
SALT-Abkommen mit nach Hause bringen
und vergleichbare Probleme mit dem
von uns ausgehandelten START-Abkommen
vermeiden.
Frage:
Zurück zu SNF - die
Deutschen drängen auf Verpflichtungen
im Gesamtkonzept - Verpflichtungen
für Verhandlungen über SNF - sind Sie
bereit, das zu unterstützen?
Antwort:
Ich kann nur wiederum
darauf hinweisen, daß dies keine Zusammenkunft zur Entscheidungsfindung
war. Mit diesem Treffen sollte nur
die Tagesordnung abgestimmt werden.
Ich habe Ihnen erläutert, worüber wir
gesprochen haben und wie weit wir gegangen sind. Dabei möchte ich es belassen.
Weitere Gespräche werden
stattfinden, und ich bin sicher, daß
Fragen dieser Art im Hinblick auf
einen NATO-Gipfel in künftigen Gesprächen erörtert werden.
Frage:
Bundeskanzler Kohl erklärte, er sage er damit nichts Neues. Sie hingegen erklären, es werde
weitere Diskussionen geben - dies
läßt den Schluß zu, daß hier noch
Meinungsverschiedenheiten
bestehen.
Uns würde interessieren, was genau er

Antwort:
Meiner Ansicht nach
ist er nicht von früheren Positionen
abgewichen, was man weithin angenommen hatte. Dies hat er gesagt und
mir gestattet, es Ihnen so weiterzugeben. Mir scheint, daß wir Einigung
erzielt haben.
Frage:
Können Sie uns erläutern, wie Sie ihn verstehen, wenn er
davon spricht, er stehe im Einklang
mit dem Kommunique vom Mai 1988. Was
heißt das für Sie?
Antwort:
Im Hinblick auf Paragraph 5 dieses Kommuniques - um nur
einen Paragraphen zu zitieren - heißt
das für mich konkret (Außenminister
Baker liest das Dokument vor): "Unser Ziel besteht darin, weiterhin
jegliche Art von Krieg oder Einschüchterung zu verhindern.
Durch
die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen Abschreckung hat das Bündnis
nahezu vierzig Jahre lang Frieden in
Europa gesichert. Die konventionelle
Verteidigung allein kann dies nicht
gewährleisten. In der unmittelbaren
Zukunft gibt es keine Alternative zur
Strategie des Bündnisses zur Verhinderung eines Krieges.
Es handelt
sich hierbei um die Strategie der Abschreckung, die sich auf angemessene
Arsenale ausreichender und wirksamer
nuklearer und konventioneller Streitkräfte gründet, die auf dem gebotenen
Stand gehalten werden, wo immer dies
erforderlich ist.
Frage: Wann wird die Entscheidung zur Modernisierung der LANCE
fallen? In diesem oder im nächsten
Jahr?...
Antwort:
Ebenso
wie
andere
Fragen bedarf auch diese Entscheidung
noch weiterer Erörterung vor dem
nächsten Gipefeltreffen. Aus unserer
Sicht wäre es wünschenswert, wenn die
Entscheidung beim nächsten Gipfel getroffen werden könnte. Und wir werden versuchen, dies unter Berücksichtigung der Interessen all unserer

�NATO-Partner zu verwirklichen.
Frage:
Dieses Treffen kam für
sie zu einem Zeitpunkt noch ungeklärter Fragen bezüglich der Entscheidung
über die Stationierung, die Sie gerade angeschnitten haben. Zwischen den
beiden Regierungen bestehen jedoch
offensichtliche
Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf Verhandlungen
über dieses Thema. Haben Sie das Gefühl, daß hier eine nenneswerte Annäherung hin zu einem Konsens zwischen
Ihnen und Bundeskanzler Kohl und der
Bundesregierung über Verhandlungen zu
den Kurzstreckenraketen stattgefunden
hat?
Antwort:
Meiner Ansicht nach
wird es im Hinblick auf beide anhaltende Erörterungen geben, obwohl ich
nochmals betonen möchte, daß es sich
hierbei nicht um eine Zusammenkunft
gehandelt hat, mit dem Ziel, Entscheidungen zu treffen.
Das war
nicht der eigentliche Grund unserer
Gespräche. Ich hoffe, ich konnte einige der hier in der Öffentlichkeit
bestehenden Ungereimtheiten klären.
Frage:
Nachdem Sie Gespräche
mit Bundeskanzler Kohl und einigen
der anderen Verbündeten geführt haben, und nachdem Sie die politischen
Probleme in der Bundesrepublik erörtert haben, die auch in Großbritannien zur Sprache gebracht wurden verstehen Sie jetzt besser, wie die
NATO vorgehen sollte, um auf Bundeskanzler Kohl nicht den Druck auszuüben, der ihm bei den Wahlen im nächsten Jahr Probleme bereiten könnte?
Antwort:
Nun, ich glaube, ich
kann guten Gewissens sagen, nachdem
ich soviel Zeit in diesem und den anderen Ländern verbracht habe, werde
ich - hoffentlich - zu einem besseren
Verständnis gelangen - denn das ist
ja schließlich der Zweck meiner Reise.

* * * * * *

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