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                  <text>AMERIKA DIENST
%

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25. Januar 1989

INHALT
DOKUMENTATION
Shultz: Die Welt tritt In eine Phase der Hoffnung ein
- Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien

Baker nennt fünf wichtige Veränderungen in der Welt
- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats -

INFORMATION

Mulford neuer Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten
im Finanzministerium
- Porträt von David C. Mulford -

Gelb bringt langjährige Erfahrung aus dem Privatsektor mit zu USIA
- Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb -

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
'VON**

Dokumentation

4

25. Januar 1989
SHULTZ: DIE WELT TRITT IN EINE PHASE DER HOFFNUNG EIN
- Ansprache von Außenminister Shultz vor der KSZE in Wien -

WIEN - (AD) - Außenminister Shultz zufolge "tritt die Welt in eine Phase
großer Hoffnung ein, in der die Gefahr eines Krieges durch Beendigung von Expansionismus und durch Abrüstungs- und Rüstungskontrollprozesse gebannt werden
kann".
In seiner Rede vor der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Wien am 17. Januar 1989 erklärte Shultz ferner, dies sei eine
Phase "der Chancen für jene Länder, die zur Unterstützung und Erweiterung eines offenen internationalen Wirtschaftssystems bereit sind; eine Periode, in
der internationale Zusammenarbeit zur Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen wie
der Verbreitung chemischer Waffen, Terrorismus und Drogenhandel unabdingbar
ist".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Außenminister Shultz im
Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Die heutige Wiener Konferenz findet im Anschluß an eine Reihe von
Treffen statt, die ihren Ausgangspunkt in Helsinki hatten. In Helsinki haben unsere Regierungen zum
ersten Mal das Versprechen abgelegt,
die Verpflichtungen gegenüber anderen
Ländern und gegenüber unseren Völkern
zu erfüllen - Verpflichtungen, die
darauf abzielen, ein Europa mit mehr
Freiheit, Wohlstand und Sicherheit zu
schaffen.
Glücklicherweise
haben
unsere
Bürger - in Zeiten der Spannungen,
Unstimmigkeiten und Enttäuschungen an der in Helsinki angekündigten
vielversprechenden Vision der Zukunft
festgehalten. Und durch ihr Verhalten haben sie dieses Versprechen zu
einer positiven Kraft des Wandels ge-

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Embassy of the United States of America

macht. Dieser Prozeß hat dazu beigetragen, die Zukunft Europas zu gestalten.
Das von uns hier in Wien verabschiedete Dokument ist bis heute der
umfassendste Ausdruck der in Helsinki
festgelegten
Prinzipien.
Es fügt
dem, was Präsident Reagan in seiner
Rede in der Finlandia Halle im vergangenen Frühjahr als "einen Wegweiser durch den Dschungel gegenseitiger
Feindseligkeit" bezeichnet hat, eine
neue Dimension hinzu.
Ein weiter Weg liegt jedoch noch
vor uns. Die KSZE kann nur Erfolg
haben, wenn wir uns mit den Realitäten auseinandersetzen, die uns nach
Helsinki, Belgrad, Madrid und Wien
geführt haben.

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�Wir leben noch immer mit dem Vermächtnis des Kalten Krieges. Er war
keine Überraschung. Es war das Ergebnis von Versuchen, den Völkern
Osteuropas mit Gewalt ein politisches
System
aufzuzwingen:
Grenzen
zu
schließen,
Volkswirtschaften
abzuschotten, den Informationsfluß zu unterbinden, die Freiheit der eigenen
Entscheidung zu verweigern.

durch Versprechen erzielt werden.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten bei der KSZE von Anfang
an die zentrale Bedeutung der Durchführung betont.

Die Folgen dieser Politik sind
noch immer spürbar:
die gesellschaftliche und politische Teilung
Europas, die Militarisierung der OstWest-Beziehungen, der Aufbau zweier
diametral
entgegengesetzter
Wirtschaftssysteme sowie das Entstehen
zweier absolut gegensätzlicher Arten
politischer
und
gesellschaftlicher
Organisation - eine, in der der Bürger vom Staat beherrscht und die andere, in der die Staatsgewalt vom
Bürger definiert und gelenkt wird.

Europa ist heute über den gesamten Kontinent hinweg sehr viel offener als zu der Zeit, als wir uns im
November 1986 zum ersten Mal in Wien
versammelten.

Dennoch tritt die Welt in eine
Phase großer Hoffnung ein, in der die
Gefahr eines Krieges durch Beendigung
von Expansionismus und durch die Abrüstungs- und RUstungskontrollprozesse abgebaut werden kann. Eine Phase
der Chancen für jene Länder, die zur
Unterstützung und Erweiterung eines
offenen internationalen Wirtschaftssystems bereit sind; eine Periode, in
der internationale Zusammenarbeit zur
Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen
wie der Verbreitung chemischer Waffen, Terror!smus und Drogenhandel unabdingbar ist.

Wenn die Durchführung das Kernstück des gesamten KSZE-Prozesses
bildet, so ist Offenlegung seine
Triebfeder.

In den zwei Jahren der Wiener
Treffen hat sich das Bild der Sowjetunion und einiger Länder des Ostblocks in bedeutender Hinsicht positiv gewandelt.
Aber es gibt noch
dunkle Bereiche, die vom Licht der
Offenheit noch nicht erhellt worden
sind.
- Das Stören von Rundfunksendungen
wurde beendet. Heute können alle
Bürger unterschiedliche Meinungen
hören und für sich selbst entscheiden, welche der Wahrheit
entspricht. Unser Schlußdokument
verpflichtet uns alle, den Äther
beständig offenzuhalten.
Warum
jetzt nicht noch einen Schritt
weitergehen und alle bestehenden
Störeinrichtungen beseitigen.

Wiens Vermächtnis der Offenlegung

- In der Sowjetunion haben sich die
Gefängnistore für über 600 politische Gefangene geöffnet, einschließlich der Mitglieder der
KSZE-Beobachtergruppe; Minderheiten, Dissidenten und Gläubige
können ihre Rechte freier wahrnehmen und erzielen in einigen
Fällen Fortschritte. Andere jedoch werden immer noch unterdrückt oder ungerechterweise für
die Inanspruchnahme ihrer Rechte
festgenommen.
Wir dürfen sie
nicht vergessen.

Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen müssen durch Taten, nicht
durch Worte, durch Leistung und nicht

- Neue Offenheit besteht in größerer Rede- und Versammlungsfreiheit in den Ländern, wo diese

Am wichtigsten ist jedoch, daß
wir in eine Phase eintreten, in der
die Wahrung der Menschenrechte Fortschritte macht - in der allen klar
wird, daß der Vorrang des einzelnen
und die Achtung seiner fundamentalen
Freiheiten
Merkmal
aller
erfolgreichen Gesellschaften bedeutet.

�Grundrechte
bisher
verweigert
wurden. Wir begrüßen die gegenwärtig zu verzeichnenden Fortschritte in Ungarn, Polen und der
Sowjetunion, von denen wir mehr
zu sehen hoffen. Dennoch bedauern wir die Zurückhaltung der
Deutschen
Demokratischen
Republik, Rumäniens, Bulgariens und
der Tschechoslowakei, die keine
ähnlichen
Schritte
unternommen
haben.
- Erst am Sonntag, eine Stunde nach
der Verabschiedung
der Wiener
Schlußakte und in direkter Verletzung der gerade feierlich von
der tschechoslowakischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen
wurden
Teilnehmer
einer
friedlichen Demonstration in Prag
von der Polizei mit Schlagstökken, Tränengas und Wasserwerfern
traktiert.
Berichten
zufolge
wurden 91 Demonstranten festgenommen.
- Und am gleichen Tag - dem Tag der
Verabschiedung der Wiener Schlußakte - erhalten wir Kenntnis davon, daß die Behörden der DDR 190
aktive Verfechter der Menschenrechte bei einer Demonstration in
Leipzig festgenommen haben. Die
meisten von ihnen scheinen ebenso
wie in Prag freigelassen worden
zu sein. Aber gestern abend waren einige von ihnen noch in Haft
- in krassem Wiederspruch zu der
fast zur gleichen Zeit in internationalem
Rahmen
abgegebenen
feierlichen Erklärung.
- In Rumänien werden die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen wie auch die politischen
und bürgerlichen Rechte aller
Bürger in entmutigendem Ausmaß
untergraben. Und sowohl in Rumänien als auch in Bulgarien sind
Minderheiten von der staatlichen
Politik der jüngsten Zeit besonders stark betroffen.
- Es gibt mehr Offenheit in bezug
auf verbesserte Beweungsfreiheit
- 3 -

der Menschen.
Im vergangenen
Jahr sind mehr als sieben Millionen DDR-Bürger in den Westen gereist, und mehr als fünf Millionen Bundesbürger besuchten die
DDR - Rekordzahlen auf beiden
Seiten. Darüber hinaus sind uns
vorliegenden Informationen zufolge
im vergangenen Jahr etwa
77 000 Menschen aus der Sowjetunion ausgewandert und viele andere - darunter Andrej Sacharaow
durften ins Ausland reisen.
Dennoch streben wir immer noch
nach vollständiger Verwirklichung
des Rechts auf Bewegungsfreiheit
in allen Unterzeichnerstaaten des
Ostblocks.
- Die vollständige Verwirklichung
der von uns eingegangenen Verpflichtungen, jedem das Recht
"auf Verlassen seines Landes" zuzugestehen, wird in den nächsten
Jahren zu einem offeneren Europa
führen. Wir haben uns dabei auf
vernünftige Fristen für die Entscheidungen über Reiseanträge ins
Ausland geeinigt. Und die Unterzeichnerstaaten sind übereingekomen, die Häufigkeit und Willkür
der Verweigerung von Reisen aus
Sicherheitsgründen einzuschränken.
- Wir erwarten, daß bei der Durchführung der Wiener Verpflichtungen zur "schnellen und ungehinderten" Postzustellung und den
Verpflichtungen, die den Respekt
vor der Vertraulichkeit und Integrität von Post- und Fernmeldeverkehr garantieren, zu größerer
Offenheit ermutigt wird.
- Und die Offenheit des Wiener
Treffens selbst - ein Tribut an
unsere österreichischen Gastgeber
wie auch an den KSZE-Prozeß sollte Vorbildcharakter für das
Verhalten bei künftigen Zusammenkünften haben. In der Schlußakte
von Wien verpflichten sich alle
Gastgeberländer - Frankreich, Dänemark, die Sowjetunion, Malta,
Polen, Großbritannien, Spanien,
Bulgarien, Österreich, die Bun-

�desrepublik Deutschland und Finnland
ausländischen
Journalisten, nicht-staatlichen Organisationen und einzelnen Bürgern
Zugang zu gewähren und ihren Bürgern den ungehinderten Umgang mit
Delegierten und Besuchern zu gestatten.
Insgesamt ist die von uns hier in
Wien so eindeutig und laut erhobene
einhellige Forderung nach Einhaltung
und Offenheit stärker geworden und
hat einen Wandel zum Besseren besiegelt, einen Wandel, der den Alltag
von Millionen von Menschen, ihre
Hoffnungen, Rechte und ihre Zukunft,
unmittelbar
betreffen
wird.
Das
Schlußdokument von Wien, zu dessen
vollständiger Veröffentlichung sich
all unsere Regierungen verpflichtet
haben, kann - wie bereits die Schlußakte von Helsinki - ein Motor für
fortgesetzte Veränderungen sein.

Kein Ende, ein Anfang
Aus diesem Grund bezeichnet das
Wiener Treffen nicht das Ende unserer
Reise seit Helsinki, sondern vielmehr
einen neuen Anfang.
Der berühmte
amerikanische Dichter Robert Frost
hätte auch Wien meinen können als er
seine Heimat Neuengland beschrieb:
"The woods are lovely, dark and
deep, but we have promises to keep,
and miles to go before we sleep, and
miles to go before we sleep."
Es ist noch ein langer Weg bis
zur Erlangung echten Friedens in Europa - eines dauerhaften Friedens,
der sich auf Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit
und
die
Integrität
freier und souveräner Staaten gründet. Es ist eine Herausforderung für
uns, so weit zu gehen. Was wir hier
in Wien getan haben, ist ein Zeichen
dafür, daß wir diese Herausforderung
wirklich annehmen wollen.
Die in Wien anerkannte umfassende
Tagesordnung zu den Menschenrechten
Ist ein wichtiges Zeichen für unseren
Neubeginn.

Wien steht auch für einen weiteren neuen Anfang - die Aufnahme wichtiger
Rüstungskontrollverhandlungen
über konventionelle Waffen. In einigen Wochen wird die 35 Teilnehmer umfassende Folgekonferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen die Arbeit der Stockholmer Konferenz fortführen, die das Konzept der
Offenheit im militärischen Bereich
ins Leben gerufen hat.
Darüber hinaus werden 23 unserer
Staaten unabhängige Verhandlungen im
Rahmen des KSZE-Prosesses aufnehmen,
die Stabilität bei den konventionellen Streitkräften in Europa zum Ziel
haben.
Zwischen Wien und Helsinki im
Jahr 1992 wird eine Reihe von Treffen
geben, die Bereiche der Kooperation
zwischen Ost und West - oder anhaltende
Meinungsverschiedenheiten
aufdecken können: im Informationswesen, der Wirtschaft, Umwelt, dem Mittelmeer, Kultur, bei der friedlichen
Beilegung von Konflikten und - was am
wichtigsten ist - bei den Menschenrechten. Das Wiener Treffen hat einen Mechanismus geschaffen, der es
allen Ländern ermöglicht, jederzeit
alle Menschenrechtsfragen mit jedem
anderen Land zu erörtern.
Dieser
Mechanismus wird zusammen mit den
Treffen in Paris, Kopenhagen und
Moskau einen anhaltenden Prozeß der
Überprüfung von Menschenrechtsfragen
ergeben.
Darüber hinaus wird der KSZE-Prozeß weiterhin eine bedeutende Rolle
spielen, da er die Lage in Europa widerspiegelt und mitbestimmt. Eigeninitiative, Erfindungsgabe, der freie
Fluß von Informationen und Ideen und
Freizügigkeit sind Qualitäten, mit
denen die einzelnen Staaten am besten
die Herausforderungen und Möglichkeiten der Zukunft bewältigen können.
Dies sind die Ideale der Schlußakte
von Helsinki. Der Erfolg des KSZEProzesses wird daran gemessen werden,
wie gut diese Ideale in das internationale Beziehungsgeflecht eingebunden werden.

�Bereits
heute
beobachten
wir
Schritte in die richtige Richtung.
Heute wird die Behauptung, daß in unserer zunehmend interdependenten Welt
nationale Sicherheit nicht mit militärischen Mitteln allein gemessen,
geschweige denn vollständig erreicht
werden kann, weit häufiger akzeptiert. Mit militärischer Macht läßt
sich eine bestimmte Art von Frieden
sichern, aber es ist ein Friede ohne
Seelenfrieden.
Und
überwältigende
militärische Stärke bringt keine dauerhafte Sicherheit, wenn sie zu Lasten internationaler Spannungen geht
und mit großen Kosten für das nationale Wachstum verbunden ist. Erst
vor wenigen Wochen hörte wir Generalsekretär Gorbatschow vor uen Vereinten Nationen sagen, daß "der einseitige Rückgriff auf militärische Macht
letztlich andere Komponenten der nationalen Sicherheit schwächt".
Ferner ist man zunehmend zu der
Erkenntnis gelangt, daß die Freisetzung von Marktkräften und menschlicher Kreativität die wahre Grundlage für dauerhaften Wohlstand und nationalen Erfolg bildet. Unser Vertrauen in die Lebenskraft freier Gesellschaften und offener Märkte ist
stark und fest in unseren eigenen Erfahrungen und unseren Beobachtungen
der Erfahrungen anderer verankert.

Die anhaltende Herausforderung der
Durchführung
In meinem Amt als Außenminister
kam ich vor sechs Jahren zum ersten
Mal nach Europa. Ich kam als Freund
Europas, als jemand, der an die Größe
Europas glaubte. Nach diesem, meinem
letzten offiziellen Besuch werde ich
überzeugter als je von dier-er Ansicht
nach Kalifornien zurückkehren.
Söhne und Töchter Europas haben
mein Land gegründet und eine Gesellschaft auf von Locke, Montesquieu und
Rousseau abgeleiteten Ideen aufgebaut.
Tatsächlich war die Distanz
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa niemals sehr groß und wir wa-

ren ihm niemals näher als heute. Geschichte, Sprache und Traditionen
bilden ein gemeinsames Band - ein
Band, das jedes der hier vertretenen
Länder mit allen anderen verbindet.
Vor allem jedoch ist es die Macht der
demokratischen Ideen - Ideen, die vor
200 Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks ihren Widerhall fanden und
die Welt auf den Kopf stellten - die
unsere Völker auch weiterhin vereinen
und Europas Bestimmung die Richtung
weisen.
Als ich im Jahr 1986 anläßlich
der Eröffnungssitzung dieser Konferenz eine Rede hielt, blickte ich in
die Zukunft zu dem Tag, an dem alle
Völker der KSZE-Gemeinschaft an dem
Geist der Offenheit und Kreativität
teilhaben würden - dem Tag, an dem
alle sich an der Freisetzung geistiger und gesellschaftlicher Energie
beteiligen könnten. Durch die Arbeit
dieser Konferenz sind wir glaube ich
dem von mir beschriebenen Tag ein
Stück näher gekommen - nicht einfach
durch den Lauf der Zeit, sondern weil
wir den Abstand zwischen Versprochenem und Geleistetem, zwischen Wort
und Tat, verkürzt haben. Es bleibt
aber noch eine große Distanz zu überbrücken.
Ich möchte Sie noch einmal an die
großen Worte Puschkins erinnern, der
im Jahr 1703 schrieb, Peter der Große
habe "ein Fenster nach Europa" aufgestoßen. Dieses Bild trifft auch auf
die in Wien geleistete Arbeit zurück.
Der KSZE-Prozeß hat dazu beigetragen,
Fenster und Türen des Verständnisses
sowie hilfreiche Kommunikationswege
zu öffnen.
Für viele Männer und
Frauen hat er dazu beigetragen, das
Tor zur Freiheit aufzustoßen.
Wir
müssen diesen Prozeß der Offenheit in
beide Richtungen
fortsetzen.
Wir
wissen, daß noch viele Schranken zwischen Ost und West durchbrochen werden müssen - ob dies physische
Schranken wie die Berliner Mauer,
starre Wirtschaftssysteme, entmutigende bürokratische Hemmnisse gegen
Freizügigkeit und Redefreiheit oder
starre Denkgewohnheiten sind.

- 5 -

�Ich möchte Ihnen einige persönliche Gedanken über die KSZE vortragen. Während meiner Amtszeit bin ich
zu diesen Sitzungen gereist und habe
mich an deren Rand mit Kollegen getroffen. Und wo immer ich sonst hingereist bin - zu den Vereinten Nationen oder anderen Orten in der Welt,
nicht nur in Europa - habe ich Menschen kennengelernt, die auf die eine
oder andere Weise an diesem Prozeß
teilhaben
und
interessiert
sind.
Diejenigen, mit denen ich zusammentraf, teilten die Haltung meines Landes zu tagespolitischen Problemen
nicht immer.
Ohne das Bindeglied
KSZE hätte es für uns weder einen Anlaß für ein Treffen gegeben noch irgendeine gemeinsame Grundlage für ein
Gespräch.
Die KSZE lieferte jenes
erste verbindende Band, daß die Konversation erleichterte.
Dies war gewiß der Fall, als
Außenminister Schewardnadse und ich
zum ersten Mal zusammentrafen. Wie
Sie sich vielleicht erinnern, begegneten wir uns während des 10. Jahrestages der KSZE-Schlußakte.
Meine
Frau und ich beschlossen, daß wir die
Schewardnadses als Menschen kennenlernen müßten, unabhängig von unseren
politischen Meinungsverschiedenheiten.
Wahrscheinlich waren sie derselben Meinung. Wir haben unsere jeweiligen Kinder und Enkelkinder kennengelernt - mit anderen Worten: unsere
gemeinsame Zukunft. Dieser zwischenmenschliche Kontakt verkörpert in
vieler Hinsicht den Wesensgehalt des
KSZE-Prozesses. Die KSZE half uns
also dabei, den Stein ins Rollen zu
bringen und konstruktive Arbeit zu
leisten. Seit jenem Tag waren wir
nicht immer einer Meinung, aber wir
haben uns immer engagiert. Ich bin
sicher, daß Sie alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ferner glaube
ich, daß die von der KSZE gebotenen
Chancen für diese einzigartige Art
zwischenmenschlicher
Kontakte
ein
weiterer wichtiger Grund dafür sind,
daß dieser Prozeß so nützlich ist.

Im Verlauf der Wiener Konferenz
haben
Bevölkerung
und
Regierung
Österreichs uns allen Grund gegeben,
uns hier willkommen zu fühlen. Ihre
Gastfreundschaft hat uns viele Gelegenheiten beschert, miteinander zu
arbeiten und uns in einer Atmosphäre
besonderer Herzlichkeit kennenlernen
zu können.
Im Namen des amerikanischen Volkes und von Präsident
Reagan möchte ich dem Volk und der
Regierung von Österreich aufrichtig
danken.
Wenn wir uns nun den neuen Herausforderungen, die wir in Wien definiert haben, stellen, befindet sich
meine Regierung in einer Periode des
demokratischen Wechsels und der Erneuerung. Doch ich kann allen heute
hier Versammelten versichern, daß der
neue Präsident Bush, seine Regierung
und das amerikanische Volk in den
kommenden Jahren eine aktive und konstruktive Rolle in diesem Prozeß
spielen werden.
Wie von Anfang an, werden die
Vereinigten Staaten auch weiterhin
auf den Tag hinarbeiten, an dem endlich jenes große Ziel des KSZE-Prozesses verwirklicht ist - den Tag, an
dem Europa frei, sicher, offen und
ungeteilt sein wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
%

^

Dokumentation

Ä&lt;

25. Januar 1989

BAKER NENNT FÜNF WICHTIGE VERÄNDERUNGEN IN DER WELT
- Erklärung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Außenminister der Vereinigten Staaten, James Baker, zufolge vollziehen sich weltweit gegenwärtig fünf bedeutende
Veränderungen: eine demokratische Revolution, die Ausbreitung des freien Unternehmertums, wirtschaftspolitische Experimente in den kommunistischen Staaten, technologische Fortschritte im Bereich der Information und Kommunikation
sowie neue militärische Tendenzen.
In der Anhörung vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats, der über die Bestätigung Bakers als Außenminister zu befinden hat, bezeichnete Baker am 17.
Januar 1989 amerikanische Werte und Ideale wie "Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, Achtung der Menschenwürde, Fairplay" als Grundlage und "einzig
sichere Leitlinie für diesen Wandel".
Die Ausführungen Bakers haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder!
Es ist mir eine Ehre, als der vom
neuen Präsidenten Bush für das Amt
des Außenministers Nominierte vor Ihnen zu sprechen.
Ich danke Ihnen
ferner für Ihre Bereitschaft, diese
Anhörungen noch in der Ubergangsphase
zu veranstalten. Jede Administration
möchte einen fliegenden Start, anstatt zunächst in den Startlöchern zu
bleiben.
An diesem Freitag (20. Januar)
wird ein npuer Präsident sein Amt antreten. Er wird ein Land regieren,
das sich von dem, wie wir es noch zu
Beginn dieses Jahrzehnts kannten, erheblich
unterscheidet.
Als sich
George Bush zum ersten Mal um die

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Präsidentschaft bewarb, wurden die
amerikanischen Institutionen und Werte in Frage gestellt. In den vergangenen acht Jahren haben wir sie bekräftigt. Als Ergebnis dessen wurde
unsere Nation sowohl nach innen wie
nach außen wesentlich gestärkt. Dafür schulden wir Außenminister Shultz
und zuallererst Präsident Reagan unseren Dank.
Das Vermächtnis der Reagan-Ara
ist ein kraftvolleres Amerika. Wir
haben bewiesen, daß unser Präsident
führen kann, unsere Regierung funktioniert und Fortschritte möglich
sind. Die Kreativität des Einzelnen
und die Achtung seiner Rechte - die
Prüfsteine der Demokratie - erleben
einen neuen Aufschwung.

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�Ein Teil dieser Lebenskraft spiegelt sich in den internationalen Entwicklungen unserer Zeit wider. Bei
unserem mächtigster Gegner, der die
noch vor einem Jahrzehnt so aggressiven Sowjetunion vollzieht sich eine
ideologische Gewissenserforschung von
historischem Ausmaß. Regionale Konflikte, die lange Zeit als unlösbar
galten - zum Beispiel in SUdwestasien
und im südlichen Afrika -, sind mit
Hilfe der kreativen amerikanischen
Diplomatie ihrer Lösung ein Stück näher gerückt. Die von der längsten
wirtschaftlichen Aufschwungphase der
Geschichte in den Vereinigten Staaten
angetriebene Weltwirtschaft hat neue
Hoffnung auf Fortschritte geweckt.

Eine Welt im Wandel
Diese Entwicklungen
sind symptomatisch für die großen Veränderungen und Herausforderungen, denen wir
uns im kommenden Jahrzehnt stellen
müssen. In unserer Welt vollziehen
sich fünf bedeutende Veränderungen:
Erstens, die demokratische Revolution: In Lateinamerika haben viele
Staaten unlängst die Demokratie errungen oder bemühen sich darum, während sich in Asien die Philippinen
und Südkorea den Demokratien zugesellt haben. Viele dieser jungen Demokratien sind noch nicht gefestigt.
Ihre Institutionen benötigen Zeit, um
Wurzeln zu schlagen, und der Erfolg
ist nicht sicher. Wir wissen ferner,
daß, diese Forderungen nach Freiheit
- wenn überhaupt - nicht immer friedlich gewährt werden, obwohl Millionen
von Menschen in anderen Ländern freie
politische Institutionen fordern.
Zweitens, die Ausbreitung des
freien Unternehmertums: freie Märkte
und
Privatinitiative
sind
neue
Schlüsselbegriffe
der
wirtschaftlichen Entwicklung - weil sie in der
Praxis funktionieren. Der klassische
Sozialismus und Varianten staatlich
gelenkter Wirtschaft sind in Mißkredit geraten. Insbesondere die Staaten des pazifischen Beckens haben be-

wiesen, wie das Modell des freien Unternehmertums in Entwicklungsländern
erstaunlich gut funktioniert, nicht
nur in gereiften Volkswirtschaften.
In vielen Regionen werfen Probleme
der Verschuldung, großer Ungleichgewichte im Handel sowie protektionistischen Drucks einen Schatten auf diese Fortschritte und bedrohen die Zukunft.
Drittens, Veränderungen in der
kommunistischen Welt: Praktisch jede
kommunistische Regierung experimentiert heute mit einst als Häresie
verschrienen
wirtschaftspolitischen
Ideen, darunter auch Marktwirtschaft.
Die Krise der kommunistischen Systeme
ist deren eigenem Eingeständnis zufolge wesentlich tiefgreifender. Politische Veränderungen, insbesondere
die Forderung nach freieren Institutionen, stehen auf der Tagesordnung
ganz oben.
Trotzdem steht nicht
fest, daß die Reformen erfolgreich
sein oder zur Demokratie führen werden.
Viertens, technologischer Fortschritt: Rasche Fortschritte in der
Informations- und Kommunikationstechnologie haben dazu beigetragen, eine
Weltwirtschaft zu schaffen, Zeit und
Raum ihre Bedeutung zu nehmen und die
traditionellen Grenzen des Nationalstaats zu überwinden. Es ist jetzt
bereits klar, daß in der Weltwirtschaft von heute die Binnenwirtschaftspolitik nicht mehr unabhängig
von ihren internationalen Auswirkungen betrachtet werden kann. Es steht
jedoch noch nicht fest, daß wir die
Zusammenarbeit, die wir benötigen,
erreichen werden. Auf unfairem Verhalten
beruhende
Handelsvorteile
könnten ferner verstärkt zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen und
letztlich zu einer Zunahme des Protektionismus führen.
Fünftens, neue militärische Tendenzen: der sich auf die Weltwirtschaft
auswirkende
technologische
Wandel verändert ebenso die militärstrategischen
Beziehungen.
Präzisionsfeuer leittechnologien
gestatten

�es den konventionellen Waffen von
heute, Ziele zu zerstören, die in der
Vergangenheit hauptsächlich den Kernwaffen zugewiesen wurden. Die Forschungsarbeiten im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative untersuchen das Potential zur Veränderung der künftigen Zusammensetzung
von Offensiv- und Defensivpotential.
Wir müssen die Auswirkungen dieser
Veränderungen auf Abschreckung und
Rüstungskontrolle
weiterhin
untersuchen.
Es gibt einen weiteren, zu größerer Besorgnis Anlaß gebenden Gesichtspunkt der neuen militärischen
Tendenzen. Eine gefährliche Verbreitung von Spitzentechnologie hat eingesetzt. Während wir gerade im Begriff sind, einige Kernwaffen zu kontrollieren oder zu beseitigen, sind
chemische Gefechtsköpfe und ballistische Raketen Regierungen und Gruppen
in die Hände gefallen, die sich erwiesenermaßen der Aggression und des
Terrorismus schuldig gemacht haben.

Die Gegensätze unserer Zeit und
unsere Haltung
Diese fünf Wandlungsprozesse konfrontieren uns mit einer Reihe von
Gegensätzen und Paradoxen. Wir könnten zu einer zunehmend demokratischen
Welt gelangen oder - sollten die neuen, noch ungefestigten Demokratien
scheitern - die Sache der Demokratie
könnte zurückgeworfen werden.
Die
Weltwirtschaft könnte weiter wachsen
oder der Wettbewerbsdruck könnte zu
Protektionismus und miteinander rivalisierenden Handelsblöcken führen
letztlich zum Nachteil aller Beteiligten. Ein vernünftig durchdachter
Ansatz des Atlantischen Bündnisses
könnte die mit der Sowjetunion erreichten Fortschritte weiter ausbauen.
Oder diese Chance könnte aufgrund von beiderseits des Eisernen
Vorhangs gemachten Fehlern vertan
werden. Schließlich könnten neue militärische Technologien größere Stabilität auf niedrigeren Streitkräfteniveaus herbeiführen. Oder wir könn-

ten auf ein neues und dunkleres Zeitalter zusteuern, wenn es uns nicht
gelingt, der Verbreitung von Waffen
Einhalt zu gebieten, mit denen Staaten - insbesondere in politisch instabilen Regionen - an den Rand eines
Krieges getrieben werden.
Ich bitte um Ihre Bestätigung als
Außenminister.
Es ist deshalb nur
billig und recht, daß ich Ihnen - so
gut ich kann - über meine Haltung zu
dieser Welt der Herausforderungen und
Gegensätze Auskunft gebe.
Während meiner juristischen Ausbildung las ich in einer Vortragssammlung von Richter Benjamin Cardozo
mit dem Titel "Der Charakter des juristischen Prozesses". Ich erinnere
mich daran, wie ich von seiner Beobachtung gefesselt wurde, daß "jedem
von uns eine Tendenz innewohnt, ob
man es nun Philosophie nennen möchte
oder nicht, die unseren Gedanken und
Handlungen Kohärenz und Richtung verleiht".
Einige haben meine Philosophie als "pragmatisch" bezeichnet.
Ich gebe zu, daß Etikette irreführend
sein können - tatsächlich bin ich ein
texanischer Republikaner, die ja alle
konservativ sind. Ich bin jedoch mit
dem Etikett Pragmatismus einverstanden, wenn Sie damit meinen, daß man
die Welt realistisch betrachtet und
es als wichtig empfindet, Aufgaben zu
erfüllen.
Mein Ziel besteht nicht darin,
die Welt zu verstehen um sie zu akzeptieren, sondern sie zu verstehen,
um sie zu verändern, wo dies nötig
ist - manchmal mit großen, häufig gezwungenermaßen mit kleinen Schritten,
aber immer nach vorn gerichtet. Die
einzig sichere Leitlinie für solche
Veränderungen ist der Kompaß der amerikanischen Ideale und Werte - Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung,
Achtung der Menschenwürde, Fairplay die Prinzipien, denen ich treu bin.
Ich glaube an die Freiheit des
Einzelnen, weil sie ein von Gott gegebenes Recht und die Quelle menschlicher
Schöpfungskraft
ist.
Die

- 3-

�Gründer unseres Landes erkannten, daß
diese Freiheit am besten durch eine
begrenzte Regierung bewahrt wird das System der "checks and balances",
das immer noch den Rahmen für unseren
Erfolg liefert. Teil dieses Systems
ist eine dezentralisierte Regierung,
eine volksnahe Regierung, eine Regierung des Volkes. Ich möchte des weiteren argumentieren, daß wirtschaftliche Freiheit, das System der freien
Marktwirtschaft,
ein
unerläßlicher
Bestandteil
dieses
Rahmens
ist.
Schließlich und zuallererst bin ich
wie Lincoln der Meinung, daß die Vereinigten Staaten in der Welt eine besondere Rolle haben, einen besonderen
Beitrag leisten müssen - wie er es
ausdrückte "die letzte, beste Hofnung
der Erde".

Führung und Überparteilichkeit
Mein Sinn für Realismus, meine
Einschätzung des Trends, sagen mir,
daß wir Fortschritte zu diesen Idealen erzielen können, wenn wir bei
zwei Fragen fest bleiben.
Die erste ist die Notwendigkeit
amerikanischer Führung. Als Finanzminister sprach ich vor einigen Jahren von der "Wahl" der Führung - aber
tatsächlich gibt es keine Wahl. Als
mächtigste Demokratie, größte Wirtschaft, reichste Gesellschaft und
größte Ansammlung wissenschaftlicher
Talente werden wir - bewußt oder unbewußt - die Zukunft in erheblichem
Maße beeinflussen. Wir können eine
Kraft für Freiheit und friedlichen
Wandel sein, die mit keiner anderen
Kraft der Welt zu vergleichen ist.
Gelingt uns dies jedoch nicht, werden
wir uns nicht vor den Folgen verstecken können.
Die amerikanische Führungsrolle
muß sich einer Welt anpassen, die der
Nachkriegszeit entwachsen ist. Die
Vereinigten Staaten sind gleichzeitig
Tribun der Demokratie, Katalysator
für internationale Zusammenarbeit und
Wächter unserer nationalen Interessen. Wir leben in einer Welt mächti-

ger Gegner. Wir dürfen das überleben
der Demokratie nicht als selbstverständlich ansehen oder annehmen, daß,
wenn wir unsere Interessen nicht
selbst schützen, jemand anderes oder
irgendeine internationale Organisation dies für uns tun wird. Wir leben ferner in einer Welt zunehmend
einflußreicher Verbündeter, deren Zusammenarbeit unerläßlich ist, wenn
wir gemeinsame Probleme überwinden
wollen. Es gibt neue, weltweite Gefahren wie etwa Terrorismus, internationaler Drogenhandel und die weltweite Zerstörung der Umwelt, die
nicht von einer Nation allein bewältigt werden können, wie mächtig sie
auch sein mag.
Diese Realitäten erlauben keinen
blinden
Isolationismus
oder rücksichtslosen
Unilateralismus.
Nur
durch eine realistische Haltung können wir im Hinblick auf die amerikanische Führungsrolle in einer sich
rasch wandelnden Welt ein neues Kapitel aufschlagen.
Es gibt noch ein zweites Problem,
das von uns gelöst werden muß. Es
betrifft die Beziehungen zwischen
Exekutive und Kongreß im Bereich der
Außenpolitik.
Schlicht ausgedrückt:
wir benötigen zum Erfolg die Zusammenarbeit beider Parteien. Das entspricht dem Urteil der Geschichte und
der jüngsten Erfahrung.
Überparteilichkeit
bedeutet
nicht, daß wir immer übereinstimmen
müssen. Es gibt und wird immer Unterschiede in Ansatz und Substanz geben. Die Äußerung dieser Meinungsverschiedenheiten in einer Art und
Weise, die das Recht des anderen auf
eine andere Meinung achtet, ist eine
deutliche Bekräftigung des demokratischen Prozesses.
Aber letztlich
müssen wir handeln, und wenn wir dies
tun, ist es am besten, es zusammen zu
tun, wenn wir nationale Interessen
verwirklichen wollen.
Zu diesem Thema möchte ich Dean
Acheson zitieren. Offensichtlich war
er mit einigen unserer texanischen

�Bräuche vertraut, denn er sagte, daß
es in den Saloons des alten Westens
ein Gesetz gab:
"Erschieß niemals
den Klavierspieler." Und er schrieb,
daß in der Außenpolitik der Präsident
der Klavierspieler sei.
Ja, dies ist ein Appell für einen
gütigeren, sanfteren Kongreß. Aber
Überparteilichkeit ist auch mehr als
Achesons "Weihwasser der politischen
Notwendigkeit". Sie ist das Schmiermittel, mit dem die verschiedenen
Zweige des Staates in die Lage versetzt werden, ihre natürliche, von
der Verfassung bewußt angelegte Reibung zu überwinden, eine Reibung, die
aus unseren unterschiedlichen Perspektiven
und
Verantwortlichkeiten
herrührt.
Als Realist weiß ich, daß wir der
Zusammenarbeit zwischen den Parteien
bedürfen, um erfolgreich zu sein.
Während die Exekutive für das Vorschlagen und die Ausführung der Aussenpolitik zuständig ist, wird eine
Handlungsweise von der Legislative
unterstützt, modifiziert oder in manchen Fällen mit einem Veto belegt.
Aus diesem Grund wird über die Zusammenarbeit zwischen den Parteien in
der Praxis entschieden.
So laßt uns also die jüngste Erfahrung unser Lehrmeister sein. Als
wir zu Afghanistan oder während der
INF-Verhandlungen eine gemeinsame Linie verfolgt haben, waren wir erfolgreich. Als wir dies nicht taten bei Mittelamerika - war das Resultat
für jedermann unbefriedigend.
Die Schlußfolgerung daraus ist
unausweichlich. Um Erfolg zu haben,
müssen wir zusammenarbeiten.
Und
eine von beiden Parteien getragene
Außenpolitik beruht auf drei Grundsätzen:
- Erstens: Vertrauen darauf, daß
jeder von uns an das öffentliche
Interesse denkt, daß wir unser
Bestes tun, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.

- 5

- Zweitens Konsultationen als Beweis dafür, daß wir versuchen zu
kommunizieren, einen gemeinsamen
Weg einschlagen und gemeinsam ans
Ziel gelangen wollen.
- Drittens
konsequente
Durchführung, die belegt, daß die einmal
erzielten Entscheidungen und Abkommen in der Tat Entscheidungen
und Abkommen sind, die eingehalten werden.
Die Senatoren Danforth und Boren
haben den Vorschlag einer neuen Art
von Konsultationen zur Erörterung der
umfassenderen
und
langfristigeren
Probleme unterbreitet - einschließlich regelmäßiger Treffen der Kongreßabgeordneten mit dem Außenminister und gelegentlich mit dem Präsidenten. Am 18. November 1988 schrieb
der künftige Präsident Bush an Senator Danforth diesbezüglich, "sobald
mein Nationales Sicherheitsteam seine
Arbeit aufgenommen hat, werde ich ein
Treffen dieser Gruppe mit Ihnen zur
Erörterung Ihrer hervorragenden Vorschläge anberaumen". Ich sehe diesem
Treffen erwartungsvoll entgegen.
Lassen Sie uns nun gemeinsam Exekutive und Kongreß -, vom Vertrauen in die amerikanische Führungsrolle
und der Praxis der Überparteilichkeit
geleitet, das vor uns liegende Programm in Angriff nehmen.

Die internationale Tagesordnung:
Nord- und Südamerika
An erster Stelle unserer Tagesordnung stehen unsere Nachbarländer die Länder, die an uns angrenzen, die
Länder unseres Kontinents und unserer
Hemisphäre. Die Vereinigten Staaten
sind sowohl eine Land- als auch eine
Seemacht, was uns eine einzigartige
geopolitische Perspektive verschafft.
Die alte Lehre, daß Außenpolitik zuerst einmal das eigene Land betrifft,
gilt jedoch auch für uns. Sie wurzelt in unseren Werten und dies muß
so sein. Und sie gewinnt Stärke und
Kraft
durch
unsere
unmittelbaren

�Nachbarländer - abhängig von unseren
Beziehungen mit unseren Freunden und
Nachbarn im Nordea und Süden.
Vor kurzem haben wir gemeinsam
mit Kanada ein Freihandelsabkommen
geschlossen - etwas, das beide Nationen hundert Jahre lang erfolglos angestrebt hatten.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Abkommens
auf bestimmte Industriezweige haben
ein vielfältiges Echo und einige Besorgnis ausgelöst.
Meiner Ansicht
nach liegt das Freihandelsabkommen in
unserem
beiderseitigen
Interesse.
Aber es gibt geopolitische Folgen,
die weit über die wirtschaftliche Bedeutung dieser Errungenschaft hinausgehen.
Das amerikanisch-kanadische Abkommen stellt den richtungweisenden
Erfolg einer Strategie dar, die darauf ausgerichtet ist, alle Länder zu
einem
offeneren
Handelssystem
zu
bringen. Es belegt, daß die beiden
größten Handelspartner der Welt nicht
nur Zollschranken abbauen, sondern
auch Lösungen in solchen Bereichen
wie Dienstleistungen und Investitionen - beide zunehmend transnational
ausgelegt - bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen Souveränität aushandeln können. Es ist ein Beweis
dafür, daß eine aktive, internationalistische
Freihandelspolitik
eine
überparteiliche Koalition im Inland
beschleunigen und protektionistische
Bestrebungen abwenden kann. Es ist
also möglich. Und wir sehen der Zusammenarbeit mit Kanada bei anderen
vorrangigen Problemen - einschließlich internationaler Umweltprobleme erwartungsvoll entgegen, während wir
den Rahmen unserer neuen Zusammenarbeit erweitern.
Mit Blick auf den Süden haben wir
eine nicht weniger bedeutende Reihe
von Themenkomplexen zu berücksichtigen.
Unser Nachbarland Mexiko ist
hochverschuldet
und
seine Sozialstruktur sieht sLch mit ernsthaften
Herausforderungen konfrontiert. Andererseits verfügt Mexiko jedoch über
viele Vermögenswerte - die Fähigkei-

ten seines Volkes und seine bedeutenden Rohstoffe. Unter der Leitung von
Präsident Salinas hat die mexikanische Regierung den Weg wirtschaftlicher und politischer Reformen eingeschlagen. Es ist ein schwieriger
Weg und wir sind zur Unterstützung
entschlossen.
Es liegt in unserem Interesse,
dies zu tun. Es ist an der Zeit, daß
wir Mexiko den Respekt und die Ernsthaftigkeit entgegenbringen, die es
verdient. Unabhängig von der Vergangenheit müssen wir uns darüber im
klaren sein, daß die Beziehungen der
Vereinigten Staaten zu Mexiko sehr
viel bedeuten: Sie sind ebenso wichtig wie unsere Beziehungen mit jedem
anderen Land der Welt. Ich bin davon
überzeugt, daß wir gemeinsam Fortschritte erzielen können, wenn wir
Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt
zu unserer Ausgangsposition
machen.
Ich weiß, daß der neue Präsident
Bush baldigen Konsultationen mit Präsident Salinas und Premierminister
Mulroney
erwartungsvoll
entgegensieht, um den vor uns liegenden Kurs
festzulegen.
Ein anderes Thema auf unserer Tagesordnung für diesen Kontinent betrifft Mittelamerika.
Wir blicken
auf nahezu zehn Jahre frustrierender
und
gelegentlich
widersprüchlicher
amerikanischer Politik gegenüber dieser Region zurück.
Einige Erfolge
sind erzielt worden.
Die meisten
mittelamerikanischen Nationen haben
sich der Demokratie und Wahrung der
Menschenrechte verschrieben. Und wir
müssen helfen, diese Errungenschaften
gegen Bedrohungen der Menschenrechte
zu verteidigen, gleichgültig, ob diese Bedrohung von rechts oder von
links kommt.
Der größte Makel bleibt jedoch
bestehen:
der verheerende Konflikt
zwischen Nicaragua und seinen Nachbarländern und zwischen den nicaraguanischen Marxisten und dem eigenen
Volk, das zum Teil zu den Waffen ge-

- 6 -

�griffen hat und amerikanische Unterstützung verdient.
Im Jahr 1987 kamen alle Regierungen der Region lange genug zu sich,
um sich auf eine Reihe von Grundsätzen für den Frieden zu einigen. Das
Abkommen von Esquipulas - bekannt als
Esquipulas II und von Präsident Arias
von Costa Rica verfaßt - brachte die
Ziele aller sehr gut zum Ausdruck.
Es ist eine gute Friedensplattform.
Was ihm jedoch fehlt, ist ein Mechanismus für seine Durchsetzung. Dieses Problem trat klar und deutlich im
Verlauf der Verhandlungen nach der
Übereinkunft von Sapoa zwischen den
Sandinisten und dem demokratischen
Widerstand zutage.
Bis heute sind
weder Demokratie - wie in Esquipulas

II niedergelegt - noch die Wiedereingliederung des Widerstandes - wie in
der Sapoa-Ubereinkunft gefordert
verwirklicht worden.
Zweifellos benötigen wir einen
anderen Ansatz, einen Ansatz, der
hier in Washington von beiden Häusern
des Kongresses getragen sein muß,
wenn er in der Region Erfolg haben
soll. Die Ereignisse haben belegt,
daß nur solch ein überparteiliches
Vorgehen Einfluß auf die Sandinisten
hat.
Aus diesem Grund müssen wir uns
auf klare Ziele für Mittelamerika einigen - Demokratisierung, Entwicklung
und Sicherheit für jeden einzelnen
Staat der Region. Sie alle müssen
frei von Angst vor subversiven Nachbarländern sein.
Sie alle müssen an einem Plan zur
wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben können - vielleicht unterstützt
von unseren europäischen und japanischen Verbündeten. Aber dies alles
kann nicht verwirklicht werden, bevor
nicht die Versprechen von Demokratie
und Sicherheit Realität werden. Wir
müssen auf dem Schutz der Menschenrechte in Nicaragua, El Salvador und
Ihren Nachbarländern bestehen - indem
wir alle gleich behandeln und allen
gerecht werden.

Diese Ziele der amerikanischen
Diplomatie bergen große Verantwortung. Wir können und dürfen den demokratischen Widerstand nicht aufgeben. Wir müssen ihm beistehen, bis
unsere gemeinsamen Ziele erreicht
worden sind.
Schließlich möchte ich einen Vorschlag unterbreiten.
Im Jahr 1992
werden wir den 500. Jahrestag der
Entdeckungsreise
von
Christoph
Kolumbus feiern.
Ich möchte vorschlagen, daß wir uns heute auf eine
Entdeckungsreise begeben - in die Karibik und nach Südamerika.
Unsere
Nachbarn in dieser Hemisphäre streben
nach größerer Freiheit und wirtschaftlichem Fortschritt. Wir teilen
zahlreiche
ihrer Interessen.
Und
auch die Geißel der Drogen müssen wir
gemeinsam bekämpfen.
Jetzt ist es an der Zeit, diese
Probleme erneut einer Überprüfung zu
unterziehen und mehr aus unseren Möglichkeiten zu deren Bewältigung zu
machen.

Veränderungen bei unseren
Verbündeten und Freunden
Lassen Sie mich nun von unserer
unmittelbaren Nachbarschaft zur der
umfassenderen Welt unserer Freunde
und Verbündeten kommen. Durch Handel, politische Bündnisse und Verteidigungsabkommen verbinden die Vereinigten Staaten zwei höchst dynamische, fortschrittliche Regionen
Westeuropa und die Länder des Pazifiks. Wir sind gleichzeitig eine atlantische und ein pazifische Macht
und wir sollten uns zu keiner Zeit
dem Gedanken hingeben, eine dieser
Beziehungen auf Kosten der anderen zu
erweitern.
Realismus zwingt uns die umfassenden Veränderungen zu verstehen,
die unter unseren Verbündeten und
Freunden in beiden Regionen stattfinden. In diesem Jahr begehen wir den
40. Jahrestag der Gründung der NATO des erfolgreichsten Bündnisses aller

- 7 -

�Zelten. Aber das Westeuropa von heute ist nicht mehr das erschöpfte Europa, das sich von seiner eigenen
Verwüstung erholt, noch ist es das
ungeteilte Europa der politischen
Propheten. Von unserer wie von ihrer
Seite ist eine Neueinschä'tzung erforderlich, wie wir uns an die sich wandelnden Umstände als eine Kraft für
den Frieden anpassen können.
An erster Stelle erfordert dies wie der neue Präsident vorgeschlagen
hat - gedankliche Überstimmung, wie
wir mit einer sich wandelnden Sowjetunion umgehen sollen. In einem Zeitalter gekürzter Verteidigungshaushalte benötigen wir einen gemeinsamen
Ansatz zu den neuen militärischen Gegebenheiten, die durch den INF-Vertrag geschaffen worden sind - die
Notwendigkeit zur Modernisierung unserer nuklearen und konventionellen
Waffen.
Wir benötigen eine Reihe
realistischer und vernünftiger Normen
für konventionelle Rüstungskontrolle.
Wir brauchen ferner einen gemeinsamen
Ansatz zu den Problemen der Darlehen
und Kredite für sowie Handel und
Technologietransfer nach Moskau und
Osteuropa.
Schließlich müssen wir
eine gerechtere und kreativere Grundlage schaffen, auf der wir unsere
Verpflichtungen teilen. Unsere Erörterungen und Konsultationen sollten
so offen und ehrlich sein, wie es
seit langem Verbündete verdient haben.
Der Einsatz ist gleich geblieben.
Unser Engagement für die NATO ist
stärker, da wir als Nationen stärker
sind. Solange Europa der am schwersten bewaffnete Kontinent ist, auf
dem sich amerikanische und sowjetische Truppen an der Frontlinie gegenüberstehen, bleibt das Atlantische
Bündnis unsere erste Verteidigungslinie.
Das Jahr 1989 ist gleichzeitig
der 32. Jahrestag der Unterzeichnung
der Römischen Verträge, mit denen der
Gemeinsame Markt offiziell ins Leben
gerufen wurde. Und in nur drei weiteren Jahren wird die erweiterte Europäische Gemeinschaft das Ziel die-

ser Verträge erreicht haben - die
Schaffung
eines einzigen Marktes.
Aber wird dieses neue Europa - eine
wachsende wirtschaftliche Supermacht
- den Blick nach außen oder innen
richten? Wird es ein weiterer Baustein in dem neuen Gebäude eines offeneren,
weltweiten
Handelssystems
oder ein massiver Block sein, der gegen Wettbewerb von außen abgeschottet
ist? Wird es eine gesunde, dynamische Wirtschaft haben, die eine Fülle
von Abreitsplätzen schafft oder eine
vorsichtige, stagnierende Region, die
sich mit anhaltender Arbeitslosigkeit
zufriedengibt? Die richtigen Antworten auf diese Gegensätze müssen meiner Ansicht nach in einem Europa gefunden werden, das nach außen und
nicht nach innen orientiert ist, das
Strukturreformen
fördert, Handelshemmnisse
abbaut,
wirtschaftliche
Chancen für alle Nationen und nicht
nur für Europa eröffnet.
Als Verbündeter und wichtiger Handelspartner
werden die Vereinigten Staaten an
dieser Veränderung lebhaftes Interesse bekunden.
Wenn wir uns dem Pazifischen
Becken zuwenden, können wir einen
sich bereits abzeichnenden beeindrukkenden Erfolg beobachten. Kein Gebiet kann vergleichbare Leistungen
bei der Schaffung fortschrittlicher
Volkswirtschaften in Rekordzeit vorweisen.
Der wirtschaftliche Fortschritt ist in der beachtlichen,
jetzt vier Jahrzehnte währenden Partnerschaft zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan verankert.
Ich
erwarte, daß diese Partnerschaft noch
weiter gestärkt und erweitert wird.
Viele haben über das pazifische
Jahrhundert gesprochen und das Pazifische Becken als die Welt der Zukunft bezeichnet. Eines ist gewiß.
Bis Ende dieses Jahrhunderts hängt
die Weltwirtschaft davon ab, wie gut
die Vereinigten Staaten und ihre
Partner im Pazifik ihre Angelegenheiten in den Griff bekommen. Unsere
Beziehungen mit der pazifischen Region müssen - ebenso wie unsere Beziehungen mit Europa und auch auf un-

t
»

'

�serem eigenen Kontinent - in einer
nach außen gerichteten Wirtschaftspolitik bestehen, die Handel und Wachstum fördert. Ich unterschätze die
Herausforderungen in Asien oder in
anderen Regionen zur Erlangung freien
und fairen Handels, zur Vermeidung
jeglicher Form von Protektionismus,
einschließlich der Manipulation von
Wechselkursen, nicht. Nach fast 10
Jahren, in denen die amerikanische
Wirtschaft Motor des internationalen
Wachstums war, sehen wir uns alle mit
einer sich wandelnden Welt konfrontiert. Die Regel, daß Erfolg Verantwortung zeugt, wird ihren Niederschlag in besserer Weise finden, wenn
die Nationen des Pazifiks eine wichtigere Rolle in Wirtschaft und Politik übernehmen.
Darüber hinaus haben wir im Pazifik lebenswichtige
politische und
strategische Interessen.
Diese Interessen werden durch in Japan, auf
den Philippinen und in Korea stationierte militärische Fähigkeiten geschützt - und durch unsere enge Zusammenarbeit mit diesen Ländern. Wir
müssen diese Zusammenarbeit erweitern, während wir "iie gemeinsame Verantwortung für Verteidigung und Entwicklung übernehmen.
Die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zur Volksrepublik China, die
an sich schon von Bedeutung sind,
tragen darüber hinaus maßgeblich zur
gesamten Stabilität der internationalen politischen Ordnung bei. Die vom
künftigen Präsidenten Bush in China
gesammelten
tiefgreifenden
persönlichen Erfahrungen werden die Erweiterung unserer wichtigen und vielschichtigen Bindungen erleichtern.
Unsere Politik gegenüber dem pazifischen Raum insgesamt muß alle Aspekte
berücksichtigen:
Gewährleistung des Wirtschaftswachstums der
Region mit seinen weltweiten Auswirkungen im Kontext einer sicheren regionalen Abschreckung.
Meiner Ansicht nach werden wir in Asien die
Notwendigkeit zu engerer Koordinierung mit den ASEAN-Ländern und ande- 9

ren regionalen Gruppen beobachten
können - und vielleicht sogar neue
institutionelle Vereinbarungen.
Beim Eintritt in ein neues, von
größerer Stärke unserer Freunde gekennzeichnetes Zeitalter kann die vor
uns liegende Herausforderung folgendermaßen formuliert werden:
Unser
gemeinsamer Erfolg sollte den Weg zu
engeren Verbindungen ebnen und nicht
in die Sackgasse kontraproduktiver
Rivalität geraten. Das ist der Weg,
den wir gemeinsam ebnen müssen.

Transnationale Themenkomplexe
Die Zukunft unserer Zivilisation
fordert auch, daß wir gemeinsam bei
der Bewältigung einer neuen Art von
Problemen vorgehen, die transnationaler Natur sind. Terrorismus ist zum
Mittel
kleiner,
gelegentlich
von
Staaten unterstützter Gruppierungen
geworden, unschuldige Menschen auf
der ganzen Welt anzugreifen.
Die
Drogenhändler sind mächtig genug geworden, um Regierungen zu unterminieren, selbst während ihre Drogen ganze
Länder vergiften. Fanatiker verbreiten ihre Botschaft der Intoleranz und
des Hasses unter Einsatz von grenzüberschreitenden
Massenkommunikationsmitteln.
Jedes Land ist sich
auch bewußt, daß wir uns großen ökologischen
Herausforderungen
gegenübersehen.
Umweltschäden
können
durch Wind und Wasser bis hin zu Kontinenten und Hemisphären getragen
werden, die vom unmittelbaren Katastrophenherd weit entfernt liegen.
Wissenschaftler haben uns wiederholt
vor den möglichen Konsequenzen einer
langfristigen Erwärmung - dem sogenannten Treibhauseffekt - gewarnt.
Der neue Präsident Bush hat eine
internationale Konferenz über weltweite Umweltprobleme gefordert. Ich
bin der Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten bei diesen Bestrebungen eine Führungsrolle übernehmen
sollten. Wir müssen dazu beitragen,
einen Gesinnungswandel, eine Kombination der herausragenden Forderungen

�nach wirtschaftlicher Entwicklung einerseits und einer sicheren Umwelt
andererseit herbeizuführen. Als Finanzminister habe ich die multilateralen Entwicklungsbanken zur Berücksichtigung umweltverträglicher, anhaltender Entwicklung gedrängt und
dazu beigetragen, Schuldenerlaß im
Austausch für Gegenleistungen zur Erhaltung der Umwelt in Entwicklungsländern einzuführen.
Als Außenminister hoffe ich, auf diese Bilanz
aufbauen zu können.
Noch niemand konnte bisher den
politischen Rahmen für die gemeinsamen Maßnahmen perfektionieren, die
wir bei der Bewältigung dieser besonderen Art weltweiter Probleme benötigen. Aber der Einsatz ist zu hoch,
als daß wir aufgeben könnten. Wir
werden mit unseren Verbündeten beginnen, unsere Freunde einbeziehen und
unsere Gegner auffordern, sich die
Bewältigung dieser Probleme zum gemeinsamen Anliegen zu machen.

Reduzierungen bei Truppen und Panzern
in Europa erschlichen. Die Bedeutung
und die Dauerhaftigkeit der neuen sowjetischen Politik werden in den Vereinigten Staaten wie im Ausland eingehend erörtert.
Sowohl für eine optimistische als
auch für eine pessimistische Betrachtungsweise der heutigen Sowjtunion
gibt es berechtigte Gründe. Zweifellos haben sehr greifbare Veränderungen stattgefunden, von denen viele
noch vor einigen Jahren unvorstellbar
waren. Die SS-20 sind zerstört worden. Sowjetische Truppen ziehen aus
Afghanistan ab.
Einige politische
Gefangene sind befreit worden. Bald
werden amerikanische Arzte psychiatrische Kliniken besuchen, in die man
Gefangene aus Gewissensgründen eingeliefert hat.
Die sowjetische Geschichte selbst wird manchmal einer
genauen Prüfung unterzogen. Mit anderen Worten: die Schlagworte Glasnost und Perestrojka gewinnen an Inhalt.

Über Nord- und Südamerika, engere
Partnerschaft mit unseren Verbündeten, über
internationale Probleme
hinaus gibt es noch die amerikanischsowjetischen Beziehungen.
Dank der
in den vergangenen acht Jahren verfolgten Politik des Friedens durch
Stärke sind unsere Beziehungen zu
Moskau
spürbar
weniger
gespannt.
Fortschritte gäbe es im Bereich der
Rüstungskontrolle - hervorzuheben wäre der INF-Vertrag -, bei den Menschenrechten, bilateralen Beziehungen
und regionalen Konflikten. Wir sehen
dem Tag entgegen, an dem alle sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sein werden.

Es besteht Grund zur Hoffnung.
Aber die Realität erfordert Vorsicht.
So faszinierend die Drehungen und
Wendungen der Perestrojka und so fesselnd der in den sowjetischen Zeitungen beschriebene Rückzug auch sein
mögen, so sehr bleibt die Sowjetunion
doch eine schwer bewaffnete Supermacht.
Trotz anderslautender Äußerungen haben sich ihre weitreichende
Interessen und Vasallenstaaten unterstützende
Streitkräftestruktur
und
ihre Politik nicht nennenswert gewandelt.
Vielfach sind diese Politik
und diese Vasallenstaaten amerikanischen Werten gegenüber feindlich
gesonnen und stellen eine Bedrohung
für unsere Interessen wie auch für
unsere Verbündeten dar. Das ist eine
Tatsache.

Es wurden vielfach Vorschläge
laut, denen zufolge dieser Fortschritt eine radikal andere amerikanische Politik verdient. Ferner Befürchtungen, Michail Gorbatschow habe
einen Pluspunkt bei den Demokratien
durch solche Aktionen wie einseitigen

Ich würde auch die Auswirkungen
der innenpolitischen Schwierigkeiten
Moskaus auf die sowjetische Außenpolitik
nicht
unterschätzen.
Der
Marxismus-Leninismus muß als Gesellschaftsform zweifelhaft sein, wenn
das System nach 70 Jahren einen Rück-

Realismus in den amerikanischsowjetischen Beziehungen

�gang der Volksgesundheit, Mangel an
Nahrungsmitteln und Konsumgütern und
eine überholte
industrielle Basis
verzeichnet. Die jetzt vorgenommenen
politischen
Veränderungen
spiegeln
ein anhaltendes Paradoxon wider: Obwohl das Ziel der Reform offensichtlich darin besteht, wiederkehrenden
Mißbrauch eines Diktators zu verhindern, hängt die Reform selbst von der
Machtkonzentration in der Hand eines
Mannes ab.
In der Zwischenzeit gibt es Unruhen in den osteuropäischen Ländern,
da die Prinzipien ihrer eigenen Regierungen und ihre Beziehungen zur
Sowjetunion neu festgelegt werden.
Darüber hinaus haben das Baltikum und
Armenien der Welt die seit langem mit
stalinistischen Methoden unterdrückten Probleme ethnischer Minderheiten
in Erinnerung gerufen. Diese Tatbestände dürfen nicht außer acht gelassen werden.
Angesichts von Veränderungen und
Kontinuität in der Sowjetunion sollte
eine realistische amerikanische Politik von folgenden Grundsätzen geleitet sein:
Erstens sollten wir weiterhin Reformen und Veränderungen in der Sowjetunion begrüßen, die mehr Freiheit
zuhause, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Institutionen verspricht.
Wir sollten aber den Fortschritt von
Gorbatschows Reformen niemals an den
von uns eventuell gewährten Krediten,
Zugeständnissen oder Gefälligkeiten
messen, mit denen wir ihm bei seinen
innenpolitischen Plänen zum Erfolg
verhelfen. Letztlich geben die Sowjets selbst zu, daß Perestrojka
nicht nur von auswärtiger Hilfe, sondern von politischen, bürokratischen
und soziologischen Veränderungen in
der Sowjetunion abhängt.
Zweitens: Obwohl wir sehen, daß
die Politik Moskaus von einem neuen
Realitätsbewußtsein
geprägt
ist,
sollten wir erkennen, daß unsere Politik zu diesem Realitätsbewußtsein
beigetragen hat. Unsere Bereitschaft

zur Unterstützung der Mujahedin - und
nicht nur wirtschaftliche Dilemmas in
der Sowjetunion - haben zum Rückzug
der Sowjets aus Afghanistan geführt.
Unsere zusammen mit der NATO bekundete Bereitschaft zur Stationierung der
Pershing und Marschflugkörper - und
nicht nur der Mangel an Nahrungsmitteln - haben zum INF-Vertrag geführt.
Wo wir nicht den Preis für Abenteurertum oder Aggression erhöht haben,
nehmen wir kaum Veränderungen wahr.
Kann es Zufall sein, daß wir bei dem
einzigen regionalen Konflikt, bei dem
wir
keinen
anhaltenden
wirksamen
Druck ausgeübt haben - in Mittelamerika - kaum Spuren einer neuer Denkweise in der sowjetischen Außenpolitik wahrnehmen?
Drittens müssen wir weiterhin
Moskau zu jedem Punkt unserer Tagesordnung - Rüstungskontrolle, Menschenrechte, regionale Konflikte und
bilaterale Beziehungen - auf die Probe stellen. Wir sind an Kooperation
und an Verhandlungen interessiert, um
in möglichst vielen Bereichen Fortschritte zu erzielen. Rüstungskontrolle sollte konventionelle und chemische Waffen wie auch die Weiterverbreitung ballistischer Raketen umfassen, über die Formulierung allgemeiner Prinzipien hinausgehen und praktische Details erarbeiten. Und Menschenrechte bedeuten die vollständige
Einhaltung der Schlußakte von Helsinki. Wir dürfen nicht von unseren
Maßstäben in diesem Bereich abrücken.
Viertens müssen wir den regionalen Konflikten in Mittelamerika, Südasien, dem südlichen Afrika, dem Persischen Golf oder dem israelisch-arabischen Konflikt zusätzliche Aufmerksamkeit widmen. Liegen ein Abbau von
Spannungen und Verhandlungen wirklich
im ureigenen Interesse der Sowjetunion?
Wir dürfen weder zulassen,
daß Gespräche über Begrenzungen ein
Ersatz für Begrenzungen werden noch
dürfen wir gestatten, daß Interesse
an diplomatischen Prozessen bei mangelndem Engagement für echte Fortschritte ausreichend ist.

- 11 -

�Fünftens müssen wir vielleicht
einen neuen Bereich in unseren Beziehungen definieren, der internationale
Probleme wie Terrorismus, Drogen und
Umwelt abdeckt. Wir sollten herausfinden, ob Moskau bei diesen Problemen Hilfe leisten kann und oder wenn nicht - aus welchen Gründen.
Ich bin überzeugt, daß die Stärke
des Westens und die innenpolitische
Schwäche der Sowjetunion dem bemerkenswerten
Realitätssinn,
der
Gorbatschows Amtszeit bis jetzt gekennzeichnet hat, den Weg bereitet
haben. Unsere Aufgabe besteht darin,
die Angelegenheiten so zu ordnen, daß
ungeachtet aller Ergebnisse der Perestrojka eine verantwortungsbewußtere,
konstruktivere sowjetische Außenpolitik weiterhin im Interesse Moskaus
liegt. Wir möchten, daß sich diese
Politik nicht nur mit alten Problemen
beschäftigt, sondern auf die uns betreffenden neuen Gefahren und Themen
eingeht. Ein großer Teil der Hoffnung der ganzen Welt auf eine stärker
von Frieden geprägte internationale
Ordnung hängt von diesem Ergebnis ab.

Die Lösung regionaler Konflikte
Ich möchte mich jetzt den sehr
regionalen Konflikten zuwenden, durch
die den Völkern im südlichen Afrika,
Süd- und Südostasien und im Mittleren
Osten Frieden und Freiheit vorenthalten yarden« Wir haben in den jüngst
durch Vermittlung
der Vereinigten
Staaten zustande gekommenen Vereinbarungen ermutigende Fortschritte erzielt, die Unabhängigkeit für Namibia
und den Abzug kubanischer und südafrikanischer Truppen aus Angola vorsehen. Und wir werden sorgfältige Beobachtungen vornehmen, um sicherzugehen, daß Kuba seinen Verpflichtungen
nachkommt.
Aber es ist noch mehr
notwendig. Angola braucht unbedingt
eine nationale Aussöhnung. Und bis
sie stattfindet, werden wir weiterhin
lie UNITA und ihren Führer Jonas
Sawimbi unterstützen, wie der neue
Präsident Bush angedeutet hat. Namibia wir! ein neuer, leicht zu er- 12

schotternder Staat sein. In Südafrika selbst werden die das unvermeidliche Ende der Apartheid begleitenden
Spannungen und Belastungen alle Beteiligten auf eine harte Probe stellen. Wir müssen in diesem Land unsere Rolle und die Auswirkungen unserer Handlungsweise sorgfältig überdenken, nicht um unseres eigenen
Selbstwertgefühls, sondern um der
Menschen willen, denen wir helfen
wollen. Schließlich dürfen wir auch
den sehr unmittelbaren Bedarf an humanitärer und Entwicklungshilfe der
Menschen im Afrika südlich der Sahara
nicht vergessen.
In Südasien hoffen wir auf den
endgültigen Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan und darauf, daß
dieses Land zu unabhängiger Neutralität mit einer Regierung findet, die
das afghanische Volk voll und ganz
akzeptieren kann. Und mit einem Abbau der Spannungen in Afghanistan
hoffen wir auch, auf dem jetzt von
den politisch Verantwortlichen Indiens und Pakistans geschaffenen konstruktiveren Verhältnis aufbauen zu
können. Es ist unerläßlich, daß wir
unsere Beziehungen sowohl zu Indien
als auch zu Pakistan verbessern, wenn
wir diesen Prozeß fördern wollen.
Alle Länder Südostasiens und der
internationalen Gemeinschaft insgesamt sollten den Abzug vietnamesischer Truppen aus Kambodscha anstreben. Dort muß ebenfalls eine schwierige nationale Aussöhnung erfolgen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin an einem neuen Kambodscha arbeiten, befreit sowohl von der vietnamesischen Besatzung als auch von
den Roten Khmer.
Im Mittleren Osten beansprucht
der
israelisch-arabische
Konflikt
seit langem die Aufmerksamkeit, Ressourcen und den guten Willen der Vereinigten Staaten. Unsere Vermittlung
hat teilweise im Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten - dem Teil
des Camp David-Abkommens für eine umfassende Regelung - Früchte getragen.
Und unsere Politik im Mittleren Osten

�Ist wahrhaft überparteilich.
Jede
Administration hat ihren Beitrag dazu
geleistet. Ich war stolz darauf, unter Reagan an der Ausweitung unseres
Verhältnisses mit Israel in ein echtes strategisches Bündnis zu arbeiten, das auch unsere Verpflichtungen
im Persischen Golf erfüllt hat.
Jetzt hat Präsident Reagan einen
Dialog mit der PLO gestattet, nachdem
Jassir Arafat erklärt hat, seine Organisation erkenne das Recht Israels
auf friedliche Existenz an, unterstütze die UN-Resolutionen 242 und
338 und sage sich vom Terrorismus
los.
Durch Dialoge entstehen Botschaften. Und wir vermitteln der PLO
eine Botschaft über Terrorismus und
die Notwendigkeit eines stärkeren Realitätssinns, der praktische Fortschritte auf vorhandenen Grundlagen
schafft. Aber das Bestehen des Dialoges sollte niemanden dazu verleiten, unsere Politik insgesamt mißzuverstehen oder unsere anhaltende Unterstützung des Staates Israel in
Zweifel zu ziehen.
Wie der neue Präsident Bush es
beschrieben hat, besteht ein solider
Konsens über Ziele und Mittel der Erlangung des Friedens zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn. Dazu
zählt die Zielsetzung der Verhandlungen, die vor allem in einem gerechten, anhaltenden Frieden besteht, der
die Sicherheit Israels gewährleistet
und die legitimen Rechte der Palästinenser berücksichtigt. Wir sprechen
uns für direkte Verhandlungen auf der
Grundlage der UN-Resolutionen 242 und
338 aus, die einen Austausch von Territorium als Gegenleistung für den
Frieden vorsehen.
Realisitisch betrachtet, muß Jordanien in jedes Abkommen einbezogen werden. Die Palästinenser müssen an der Bestimmung
ihrer eigenen Zukunft teilhaben. Wir
sind jedoch auch weiterhin der Auffassung, daß ein unabhängiger Palästinenserstaat keine Quelle der Stabilität sein oder zu einem gerechten
und dauerhaften Frieden beitragen
wird. Dies sind gesunde Prinzipien,
von denen wir uns leiten lassen sollten.

Heute fliegen Steine und es gibt
Blut - böses Blut - zwischen den Palästinensern und den Israels in den
militärisch von Israel verwalteten
Gebieten. Wir sind entschlossen, auf
den Leistungen unserer Vorgänger aufzubauen und die Situation so zu verändern, daß sie eine Grundlage für
echten Frieden bildet. Und wir wollen mit allen Beteiligten in der Region zusammenarbieten, um dies hervorzubringen.
Eine sich ausschließlich auf den
israelisch-arabischen Konflikt konzentrierende
Politik
im Mittleren
Osten wäre jedoch zu eng gefaßt. Libyen ist weiterhin ein destabilisierender Faktor in Nordafrika und an
anderen Orten der Region. Der Libanon macht alle Hoffnungen auf eine
Wiederherstellung von Stabilität und
Unabhängigkeit in diesem tragischen
Land zunichte. Ein dauerhafter Frieden zwischen Iran und Irak muß noch
geschaffen werden. In der Zwischenzeit erfordern die Probleme chemischer Kriegführung und der Weiterverbreitung ballistischer Raketen unsere
Aufmerksamke11.
Wir werden weiterhin mit anderen
Ländern zusammenarbeiten, um bei diesen Problemen die Initiative zu ergreifen.
Ganz sicher fordern die
tragischen Erfahrungen, die Verluste
und die Opfer des iranisch-irakischen
Krieges eine zivilisiertere Ordnung
in der Region und von der Welt.
Darüber hinaus werden wir einige
dieser regionalen Konflikte auch vor
den Vereinten Nationen erörtern. Die
Vereinten Nationen sollten als das
gesehen werden, was sie sind - als
Ausdruck des weltweiten Wunsches nach
Frieden aber auch allzuoft als Bühne
solcher Auftritte, die den Frieden
verhindern. Die Erfahrung lehrt uns,
daß die Vereinten Nationen ein nützliches Forum zur Erzielung von Fortschritten sind, wenn Nationen Mittler
brauchen und Einigkeit über Verfahrensweisen und die meisten grundsätzlichen Fragen herrscht. Wir unterstützen dies und auch die Vereinten

- 13 -

�Nationen. Dennoch können die Vereinten Nationen letztlich weder Ersatz
für eine amerikanische FUhrungsrolle
noch eine Entschuldigung für nicht
unternommene Bemühungen sein.

Chemische Kriegführung und Weitergabe von Technologie
Der letzte Punkt, den ich heute
erörtern möchte, ist die Weitergabe
neuer und gefährlicher Waffen an
Staaten, die oftmals auf eine von
Terrorismus und Aggression geprägte
Geschichte zurückblicken. Die größte
Furcht jagt dabei vielleicht die Kombination von ballistischen Raketen gegen die es gegenwärtig noch keine
Verteidigung gibt - mit chemischen
Waffen - die als Verbrechen an der
Zivilisation geächtet werden - ein.
Dennoch bleibt die Tatsache bestehen,
daß diese Waffen eingesetzt werden.
Die internationale Reaktion auf diesen Einsatz war nicht stark und
rechtzeitig genug. Diese Waffen werden jetzt von einigen Nationen gelagert. Und oft genug lassen die wenigen zur Herstellung der todbringenden
Chemikalien fähigen Staaten nicht genug Vorsicht walten, um ihre Weiterverbreitung zu verhindern.
Waffen fangen jedoch keinen Krieg
an. Ein Krieg wird durch Konflikte,
Haßgefühle, Ehrgeiz und manchmal Zufall, begonnen.
Dennoch müssen wir
besondere Maßnahmen ergreifen, um die
Ansammlung von Waffen zu verhindern,
die von Natur aus Furcht und überstürzte Reaktionen provozieren. Ich
weiß, daß dies ein besonderes Anliegen des neuen Präsidenten Bush ist,
und wir sind entschlossen, auf der
gerade beendeten Pariser Konferenz
aufzubauen und bald Fortschritte zu
erzielen.

Schlußfolgerung
Wir sehen uns zweifelsohne einem
gewaltigen Programm gegenüber, wenn
wir die Gegensätze unseres Zeitalters
lösen wollen. Dennoch haben wir als

Ausgangspunkt die starke Hand eines
starken Amerikas.
Und wir werden
weitermachen, weil wir wissen, daß
sehr viel auf dem Spiel steht.
In einigen Jahren könnten wir
wissen, ob dauerhafte, konstruktive
Beziehungen mit der Sowjetunion möglich sind.
Ob die Weltwirtschaft
Fortschritte machen wird. Ob unsere
Verbündeten in Europa und Asien ihren
Blick nach außen richten. Ob wir Rüstungskontrolle und Abschreckung ausbauen können. Ob wir erfolgreich mit
internationalen Problemen wie Umwelt,
Terrorismus und Drogen fertigwerden
können. Ob wir den Entwicklungsländern einen neuen Rahmen schaffen können, damit sie sich frei vom Fluch
regionaler Konflikte bewegen können.
Für mich und meine Generation
sind dies großartige Aussichten, aber
sie sind noch großartiger für die
nächste Generation von Amerikanern.
Der neue Präsident Bush hat für uns
alle gesprochen, als er im Westminister College zu einer Gruppe von
Studenten sagte:
"Wir haben unser
Leben teilweise auf der Sonnenseite,
aber immer im Schatten von Kämpfen
verbracht ... Dieser Kampf ist noch
nicht vorüber." Und dann erklärte er
den jungen Amerikanern: "Ihre Generation hat die Möglichkeit, aus diesem
Schatten
herauszutreten
und
schließlich furchtlos die Sonne zu
genießen."
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Ich bin sicher, daß
eine realistische amerikanische Führung diese Gelegenheit ergreifen und
in ein friedlicheres und wohlhabenderes Zeitalter aufbrechen kann.
Es
ist die Chance, den Schatten des
Kampfes wegzureißen und Amerika eine
bessere Welt zu hinterlassen, die
mich motiviert. Dafür bitte ich Sie
heute um Ihre Unterstützung. Zusammen und unter Leitung unseres Präsidenten können wir es schaffen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

25. Januar 1989

MULFORD NEUER UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
IM FINANZMINISTERIUM
- Porträt von David C. Mulford -

WASHINGTON - (AD) - David Mulford, treibende Kraft hinter den Initiativen
der Reagan-Administration zur stärkeren internationalen Koordinierung der
Wirtschaftspolitik und Entwicklung eines Plans zur Bewältigung der Schuldenkrise der Dritten Welt, wurde von Präsident George Bush als neuer Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium ausgewählt.
Der seit 1984 als Leiter der Abteilung für internationale Angelegenheiten im Finanzministerium tätige
Mulford hat einen Großteil der vergangenen vier Jahre mit Reisen zwischen den Industriestaaten verbracht,
um mit führenden Vertretern der Finanzwelt Möglichkeiten verbesserter
weltweiter Koordinierung und Wechselkursstabilität zu erörtern.
"Mulford wird mehr oder weniger
dasselbe tun, was er immer schon getan hat," erklärte ein Sprecher des
Ministeriums.
Mulford wird jedoch
als Erster formal den Titel eines Unterstaatssekretärs für internationale
Angelegenheiten im Finanzministerium
führen.
In der Vergangenheit war der Un-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

terstaatssekretär für Währungsangelegenheiten auch für den internationalen Bereich zuständig. Nachdem Beryl
Sprinkel im Jahr 1984 diesen Posten
aufgegeben hatte und Vorsitzender des
Rates der Wirtschaftsberater Präsident Reagans wurde, waren diese Aufgaben von Abteilungsleiter Mulford
wahrgenommen worden.
In den vergangenen vier Jahren
profilierte Mulford sich als energischer Befürworter staatlicher Interventionen auf den Devisenmärkten,
wann
immer
solche
Interventionen
durch
andere
wirtschaftspolitische
Maßnahmen unterstützt wurden.
"Wenn offizielle Interventionen
positive Auswirkungen haben sollen",
erklärte Mulford während einer Rede

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�1

am 28. Mai 1988, "müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. Am wichtigsten ist, daß offizielle Interventionen andere wirtschaftspolitische Maßnahmen unterstützen und mit diesen in
Einklang stehen...
(Zweitens), daß
die Marktteilnehmer auf die Bereitschaft der Behörden zur Anpassung ihrer Maßnahmen vertrauen müssen, wenn
es scheint, daß letztere den gewünschten Zweck nicht erreichen...
(Drittens), daß die führenden Länder
auf den Devisenmärkten auf konzertierter und kooperativer Grundlage
auftreten müssen, die eindeutige Vereinbarungen zu den Zielen und Pflichten jedes Teilnehmers bei bestimmten
Maßnahmen widerspiegeln muß."

hielt er mehrfach Forschungsstipendien und schrieb zwei Bücher, die
beide von der Oxford University Press
verlegt wurden.
Mulfords Nachfolger als Abteilungsleiter für internationale Angelegenheiten wird
Charles Dallara.
Seit 1984 war Dallara leitender amerikanischer Direktor des Internationalen Währungsfonds.

Er hat sich solchen Vorschlägen
widersetzt, die einen drastischen und
formaleren Umbau des gegenwärtigen
Weltwährungssystems
forderten.
Stattdessen betrachtet er die Bemühungen der Industrieländer, binnenwirtschaftliche Maßnahmen stärker mit
den international vereinbarten Zielen
in Einklang zu bringen, als den korrekten Ansatz zum Abbau der Instabilität auf den Weltmärkten. In dieser
Hinsicht ist Mulford davon überzeugt,
daß die Industriestaaten ihre Koordinierungsbemühungen auf die Bereiche
Steuerreform, Liberalisierung der Finanzmärkte, Abbau von Hemmnissen für
die Mobilität der Arbeitnehmer, Reform der Landwirtschaft, staatliche
Subventionen und Handelsschranken erweitern müssen.
Mulford, der 20jährige Erfahrung
im internationalen Bankwesen mitbringt, war vor seiner Tätigkeit im
Finanzministerium leitender Berater
der saudi-arabischen Währungsbehörde
in Riad. Davor war er einer der Direktoren
des
Finanzunternehmens
Merril, Lynch, Pierce, Fenner and
Smith sowie Direktor von White, Weld
and Company. In den Jahren 1965 und
1966 war er Sonderberater des Finanzministers im Rahmen des White House
Fellow Program.
Mulford promovierte im Jahr 1965
an der Oxford University. Ferner er- 2 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Information

C&amp;

25. Januar 1989

GELB BRINGT LANGJXHRIGE ERFAHRUNG AUS DEM PRIVATSEKTOR MIT ZU USIA
- Porträt des designierten USIA-Direktors Bruce Gelb -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Bush zum Leiter des US-Informationsamtes (USIA) designierte Bruce Gelb hatte noch keine öffentlichen Ämter oder
Aufgaben in der Regierung inne, bringt aber als langjähriger Topmanager in der
pharmazeutischen Industrie einen großen Erfahrungsschatz in Führungsaufgaben
mit in die international tätige USIA.

Gelb begann seine Laufbahn in der
pharmazeutischen Industrie 1950 bei
der Kosmetikfirma Clairol, kehrte jedoch ein Jahr später wieder auf die
Schulbank zurück, um an der Universität Harvard einen Abschluß (MBA) in
Betriebswirtschaft zu erwerben.
Nach Abschluß seiner Studien im
Jahr 1953 wurde er Manager bei einem
anderen führenden Unternehmen der
pharmazeutischen Industrie, Procter
und Gamble, wo er bis 1957 tätig war.
1958 ging er zu Clairol zurück, und
wurde 1961 zum Vizepräsidenten befördert.
Im Jahr 1965 wurde er dann
Präsident der Firma.
1981 trat er in das Unternehmen
Bristol Myers ein, das vor allem Arzneimittel herstellt.
1984 übernahm

United States Information Service
Embassy of the United States of America

er dort die Abteilungen Konsumgüter
und Gesundheitsfürsorge.
Gelb ist
gegenwärtig Stellvertretender Vorsitzender von Bristol Meyers.
Der am 18. Januar 1989 für das
höchste Amt bei USIA nominierte Gelb
erinnert sich an sein erstes Zusammentreffen mit Bush vor 47 Jahren,
als beide die Privatschule Andover in
Massachusetts besuchten und der künftige Präsident ihm bei einem Streit
in der Schule beistand.
Bush und Gelb trafen sich erst
1978 wieder. Gelb arbeitete bei der
Sammlung von Spendengeldern für Bushs
Kampagne, mit der er die Nominierung
der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 1980 erringen wollte.
Ihm wird das Verdienst dafür zuge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schrieben, für Bush bei den Vorwahlen
der Republikaner und der Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1988
große Summen aufgebracht zu haben.
Gelb wurde am 24. Februar 1927 in
New York geboren. Sein Vater war der
Gründer von Clairol. Er besuchte die
Universität Yale, wo er 1950 sein
Examen ablegte.
Kurz nach Beendigung seines Studiums in Harvard heiratete Gelb Lueza
Denise Thirkield.
Die Gelbs haben
vier Kinder: John, Joan, Richard und
Mary.

* * * * *

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