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AMERIKA DIENST
Sonderdienst

V O N **

13. Januar 1989

REAGAN BETONT FRIEDEN UND HOFFNUNGEN FÜR DIE ZUKUNFT
- Abschiedsrede des Präsidenten -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�REAGAN BETONT FRIEDEN UND HOFFNUNGEN FÜR DIE ZUKUNFT
- Abschiedsrede des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 11. Januar vom 'Oval Office' des Weißen
Hauses gehaltenen Abschiedsrede erklärte Präsident Reagan, seine Wirtschaftspolitik habe "den längsten Aufschwung in Friedenszeiten" in der Geschichte der
Vereinigten Staaten mit sich gebracht während die Modernisierung der amerikanischen Streitkräfte den "Jahren der Schwäche und Konfusion" ein Ende bereitet
habe.
Er verwies ferner auf die komplexen Herausforderungen, denen sich die Vereinigten Staaten gegenübersehen, "weil wir ein großes Volk sind. Das wird immer so sein. Aber solange wir unserer Grundsätze gedenken und an uns selbst
glauben, wird uns die Zukunft gehören."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Abschiedsrede im Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger,
ich spreche heute zum 34. und letzten
Mal zu ihnen aus dem Oval Office.
Wir haben jetzt acht Jahre zusammen
verbracht, und bald wird es Zeit für
mich sein, zu gehen. Aber bevor ich
gehe, möchte ich Ihnen einige meiner
Gedanken darlegen, die mir zum Teil
schon lange durch den Kopf gehen.

f

»

Es war für mich die wichtigste
Ehre meines Lebens, Ihr Präsident zu
sein. So viele von Ihnen haben mir
in den vergangenen Wochen geschrieben, um mir Dank zu sagen, aber ebenso muß ich Ihnen danken. Nancy und
ich sind Ihnen dankbar für die Gelegenheit, daß wir Ihnen dienen durften.
Eine Besonderheit der Präsidentschaft ist es, daß man sich immer et-

was ausgeschlossen fühlt. Als ob man
zu schnell in einem Auto fährt, das
jemand anders steuert, und die Menschen draußen durch getönte Scheiben
betrachtet - die Eltern, die ein Kind
hochhalten und das zu spät erkannte
Winken, das nicht erwidert werden
konnte. Und so oft wollte ich anhalten, hinter dem Glas hervortreten und
die Verbindung herstellen.
Vielleicht gelingt mir das heute abend.
Ich werde gefragt, wie ich mich
bei meinem Abschied fühle und bekanntlich "hat Abschied eine positive
und eine negative Seite". Die positive Seite heißt Kalifornien und meine Ranch und mehr Freiheit. Die negative? Natürlich 'Auf Wiedersehen'
sagen und diesen schönen Ort zu verlassen.

�Wie Sie wissen, befindet sich
quasi gegenüber von diesem Büro der
Teil des Weißen Hauses, wo der Präsident mit seiner Familie wohnt. Es
gibt dort ein paar Fenster, an die
ich gerne trete und früh morgens hinausschaue. Man blickt dort über die
Wiesen hinweg auf das Washington Monument, die Mall und das Jefferson
Memorial.
Aber morgens, wenn die
Luft noch klar ist, kann man an Jefferson vorbei auf den Fluß Potomac
und das Ufer von Virginia sehen. Jemand hat einmal gesagt, dies sei genau die Aussicht, die Lincoln hatte,
als er den Rauch der Schlacht von
Bull Run sah. Ich sehe prosaischere
Dinge: das Gras am Ufer, den morgendlichen Verkehr, wenn die Menschen zur
Arbeit fahren und dann und wann ein
Segelboot auf dem Fluß.
An diesem Fenster kamen mir einige Gedanken. Ich habe darüber nachgedacht, was mir diese vergangenen
acht Jahre bedeutet haben und jetzt
bedeuten.
Und das wiederholt vor
meinem inneren Auge erscheinende Bild
kommt aus der Seefahrt - eine kleine
Geschichte über ein großes Schiff
einen Flüchtling und einen Matrosen.
Anfang der achtziger Jahre auf
dem Höhepunkt des Problems der ' Boat
People' arbeitete ein Matrose an Deck
der 'Midway', die im Südchinesischen
Meer patroullierte. Der Seemann war
wie die meisten amerikanischen Soldaten jung, klug und ein scharfer Beobachter. Die Besatzung machte am Horizont ein leckes kleines Boot aus voll besetzt mit Flüchtlingen aus Indochina, die ihren Weg nach Amerika
zu finden hofften.
Die 'Midway'
sandte ein Rettungsboot aus, um sie
an Bord und in Sicherheit zu bringen.
Als die Flüchtlinge ihren Weg über
das rauhe Meer nahmen, erblickte einer von ihnen den Seemann an Deck,
stand auf und schrie: "Hallo, amerikanischer Matrose - Hallo, Mann der
Freiheit".
Ein winziger Moment von großer
Bedeutung und ein Augenblick, der dem
Matrosen, der ihn in einem Brief

festhielt, nicht aus dem Kopf ging.
Als ich dies las, ging es mir ebenso.
Genau das bedeutete es in den
achtziger Jahren Amerikaner zu sein:
Wir standen für Freiheit. Ich weiß,
daß wir das immer taten, aber die
Welt - und vielleicht auch wir selbst
- haben es in den letzten Jahren wiederentdeckt.
In den letzten zehn Jahren haben
wir eine große Strecke zurückgelegt
und in stürmischer See fest zusammengehalten. Und am Ende erreichen wir
zusammen unser Ziel.
Tatsache ist, daß wir von Grenada
bis zu den Gipfeltreffen von Washington und Moskau, von der Rezession der
Jahre 1981 und 1982 bis zu dem Aufschwung, der im Jahr 1982 seinen Anfang nahm und bis heute fortdauert,
Zeichen gesetzt haben.
Wie ich es sehe, haben wir zwei
große Triumphe errungen, zwei Dinge,
auf die ich am stolzesten bin. Eine
davon ist der wirtschaftliche Aufschwung, im Rahmen dessen das amerikanische Volk 19 Millionen Arbeitsplätze geschaffen - und ausgefüllt
hat. Die andere ist die Wiederherstellung unserer Moral: Amerika wird
in der Welt wieder respektiert und
bekommt eine Führungsrolle zugewiesen.
Eines meiner Erlebnisse in den
vergangenen Jahren spiegelt etwas davon wider. Im Jahr 1981 habe ich an
meinem ersten großen Wirtschaftsgipfel teilgenomen, der damals in Kanada
stattfand.
Der Tagungsort ist abwechselnd einer der Mitgliedsstaaten.
Das Eröffnungstreffen war ein Diner
der Staats- und Regierungschefs der
sieben Industrieländer. Ich saß dort
wie ein Erstkläßler und hörte zu, wie
man sich mit Francois und Helmut anredete. Sie ließen die Titel weg und
nannten sich beim Vornamen, warauf
ich in die Unterhaltung eingriff und
mich als "Ron" vorstellte.
In diesem Jahr haben wir die Maßnahmen
ergriffen, von denen wir

- 2 -

�glaubten, daß sie den wirtschaftlichen Aufschwung hervorbringen würden:
Steuersenkungen und Abbau von Vorschriften, Einschränkung der Ausgaben.
Bald darauf begann der Aufschwung.
Zwei Jahre später fand ein weiterer Wirtschaftsgipfel in etwa derselben Besetzung statt. Beim großen Eröffnungstreffen trafen wir uns alle
wieder und ich bemerkte, daß mich einen Augenblick lang alle ansahen.
Dann durchbrach einer von ihnen das
Schweigen:
"Erzählen Sie uns vom
amerikanischen Wunder", bat er.
Als ich 1980 für die Präsidentschaft kandidierte, war alles anders.
Einige Experten sahen uns mit unseren
Programmen in die Katastrophe schlittern. Unsere Ansichten zur Außenpolitik würden in einen Krieg münden,
unsere Wirtschaftspläne die Inflation
in die Höhe treiben und zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft führen.
Ich erinnere mich sogar daran, daß
ein hochangesehener Wirtschaftswissenschaftler 1982 erklärte: "Die Motoren des Wirtschaftswachstums sind
hier und auf der ganzen Welt zum
Stillstand gekommen und sie werden
auch in den nächsten Jahren stillstehen ..."
Nun, er hatte - wie auch die anderen "Meinungsmacher" Unrecht. Was
sie als "radikal" ansahen, erwies
sich als "richtig", was sie für "gefährlich" hielten, war "dringend erforderlich".
In der ganzen Zeit erwarb ich einen Spitznamen - "Der große Kommunikator". Aber ich habe niemals geglaubt, daß dies auf meinen Stil oder
die von mir verwendeten Worte zurückzuführen war - es war vielmehr der
Inhalt. Ich war kein großer Kommunikator, sondern ich hatte wichtige
Dinge zu vermitteln, nicht so mir
nichts dir nichts entstanden sind,
sondern einer großen Nation aus dem
Herzen sprachen - sie entsprangen unserer Erfahrung, unserer Weisheit und
unserem Vertrauen in die Prinzipien,

die uns zwei Jahrhunderte
lenkt haben.

lang ge-

Man hat es als Reagan-Revolution
bezeichnet, was ich akzeptiere, aber
mir kam es vor wie eine bedeutende
Wiederentdeckung: Eine Wiederentdekkung unserer Werte und unseres gesunden Menschenverstandes.
Der
gesunde
Menschenverstand
lehrt uns, daß die Menschen ein Produkt in geringerem Umfang produzieren, wenn es hoch besteuert wird.
Deshalb haben wir die Steuersätze gesenkt und die Menschen haben mehr als
je zuvor produziert. Die Wirtschaft
blühte wie eine Strauch, der zurückgeschnitten worden war und jetzt
schneller und stärker wachsen konnte.
Unser Wirtschaftsprogramm
hat den
längesten Aufschwung in Friedenszeiten in der Geschichte der Vereinigten
Staaten mit sich gebracht: das Familieneinkommen ist gestiegen, die Zahl
der Armen gesunken, Unternehmensgründungen erleben einen Boom und
Forschung und neue Technologien nehmen rapide zu. Wir exportieren mehr
als je zuvor, weil die amerikanische
Industrie wettbewerbsfähiger geworden
ist und wir gleichzeitig auf nationaler Ebene den gemeinsamen Willen haben, protektionistische Schranken im
Ausland niederzureißen statt sie im
Inland zu errichten.
Der gesunde Menschenverstand hat
uns darüber hinaus gelehrt, daß wir
zur Erhaltung des Friedens nach Jahren der Schwäche und Konfusion wieder
stark werden mußten. Deshalb haben
wir unsere Verteidigung aufgebaut und zum Neuen Jahr auf die neue Friedensbereitschaft auf der ganzen Welt
angestoßen.
Die Supermächte haben
nicht nur tatsächlich mit dem Abbau
ihrer Nuklearwaffenarsenale begonnen
- und wir dürfen dabei auf weitere
Fortschritte hoffen - sondern die
weltweiten und bedenklichen regionalen Konflikte werden zunehmend eingestellt. Der Persische Golf ist kein
Kriegsschauplaz mehr, und die Sowjets
ziehen aus Afghanistan ab, die Vietnamesen bereiten ihren Abzug aus Kam-

- 3 -

�bodscha vor und dank einer von den
Amerikanern vermittelten Vereinbarung
werden bald 50 000 kubanische Soldaten aus Angola abziehen.
Dies alles hat uns gelehrt, daß
unsere
Herausforderungen
komplex
sind, weil wir ein großes Volk sind.
Das wird immer so sein.. Aber solange wir unserer Grundsätze gedenken
und an uns selbst glauben, wird uns
die Zukunft gehören.
Und wir haben noch etwas anderes
gelernt. Wenn man etwas in Bewegung
bringt, kann man es nicht so einfach
aufhalten. Wir wollten eine Nation
verändern und wir haben stattdessen
die Welt verändert.
Länder auf der ganzen Welt wenden
sich der freien Marktwirtschaft und
der Freiheit der Rede zu - und von
den Ideologien der Vergangenheit ab.
Für sie war die große Wiederentdekkung der 80er Jahre die Tatsache, daß
die moralische Art zu regieren die
praktische Art zu regieren ist. Die
grundsätzlich gute Demokratie ist
ebenfalls grundsätzlich produktiv.
Wenn man an den Punkt kommt, wo
man seinen 39. Geburtstag feiert,
lehnt man sich manchmal zurück, läßt
das Leben vorüberziehen und sieht den
Rest vor sich liegen. Für mich war
es wie die Gabelung eines Flusses und
bezeichnete genau die Mitte meines
Lebens.
Ich wollte nie in die Politik gehen - diese Absicht hatte ich nicht,
als ich jung war. Aber ich wuchs in
der Überzeugung auf, daß man das Gute, was man erhält, zurückgeben muß.
Ich war mit meiner Karriere in der
Unterhaltungsbranche zufrieden, aber
ich ging schließlich in die Politik,
weil ich etwas Wertvolles schützen
wollte.
Unsere Revolution hat als erste
in der Geschichte der Menschheit der
Regierung eine neue Richtung gegeben,
und dies mit nur drei Worten: "Wir,
das Volk."

"Wir, das Volk" sagen der Regierung, was sie tun soll, nicht umgekehrt.
"Wir, das Volk" sind die
treibende Kraft - und die Regierung
ist das ausführende Organ. Und wir
entscheiden, wohin sie sich wenden
soll, auf welchem Weg
und wie
schnell. Fast alle Verfassungen auf
der ganzen Welt sind Dokumente, in
denen die Regierungen den Menschen
ihre Privilegien zuteilen.
Unsere
Verfassung ist ein Dokument, in dem
"Wir, das Volk" der Regierung sagen,
was sie tun darf. "Wir, das Volk"
sind frei.
Dieses Prinzip war die Grundlage
all dessen, was ich In den vergangenen acht Jahren zu tun versucht habe.
Aber als ich in den sechziger
Jahren anfing, hatte ich den Eindruck, daß wir die Ordnung der Dinge
umzukehren begonnen hatten - daß uns
die Reierung durch immer mehr Vorschriften, Regeln und ruinöse Steuern
immer mehr Geld abnahm, unsere Möglichkeiten und unsere Freiheit einschränkte. Ich bin auch in die Politik gegangen, um meine Hand zu erheben und "Stop" sagen zu können. Ich
war ein politisch bewußter Bürger und
das schien mir für einen Bürger angemessen zu sein.
Meiner Ansicht nach haben wir
vieles gestoppt, was gestoppt werden
mußte. Und ich hoffe, daß wir den
Menschen nochmals vor Augen geführt
haben, daß der Mensch nicht frei ist,
wenn der Regierung keine Beschränkungen auferlegt werden. Hier besteht
ganz klar ein Verhältnis von Ursache
und Wirkung, so eindeutig und vorhersehbar wie ein physikalisches Gesetz:
wenn sich die Regierung ausbreitet,
nimmt die Freiheit ab.
Nichts ist unfreier als Kommunismus in seiner reinsten Form und dennoch haben wir in den vergangenen
Jahren eine zufriedenstellende neue
Annäherung
zur Sowjetunion hergestellt. Ich bin gefragt worden, ob
dies kein gewagtes Spiel ist, aber
die Antwort darauf lautet nein, weil

�wir unsere Handlungsweise nicht auf
Worte sondern auf Taten stützen.
Die Entspannung der siebziger
Jahre stützte sich nicht auf Taten,
sondern auf Versprechungen. Sie haben versprochen, ihr eigenes Volk und
die Menschen auf der ganzen Welt besser zu behandeln, aber der Gulag war
immer noch der Gulag, der Staat verfolgte immer noch eine expansionistische Linie und führte Stellvertreterkriege in Afrika, Asien und Lateinamerika.

*

Dieses Mal ist bis jetzt alles
anders:
Generalsekretär Gorbatschow
hat innenpolitische demokratische Reformen eingeleitet und mit dem Abzug
aus Afghanistan begonnen. Er hat Gefangene befreit, deren Namen ich ihm
bei jedem Besuch genannt habe.
Aber das Leben erinnert einen in
der Regel mit Kleinigkeiten an große
Dinge. Einmal während der hektischen
Tage des Moskauer Gipfels trafen
Nancy und ich eines Nachmittags die
Entscheidung, uns von unseren Begleitern zu entfernen und die Geschäfte
der Arbatstraße nahe der Haupteinkaufsgegend Moskaus zu besuchen.

^

Obwohl unser Besuch nicht geplant
war, erkannte uns jeder Russe dort
sofort, nannte uns beim Namen und
schüttelte uns die Hand. Wir waren
gerührt über die Freundlichkeit - man
konnte die Möglichkeiten in all dieser Freude spüren.
Aber innerhalb
von Sekunden bahnte sich eine Einheit
des KGB ihren Weg zu uns und begann
die Menschenmenge aufzulösen.
Das
war interessant zu sehen. Das zeigte
mir, daß der Mann auf der Straße sich
nach Frieden sehnt, die Regierung das heißt, ihre Vertreter - jedoch
kommunistisch ist und deshalb betrachten wir Themen wie Freiheit und
Menschenrechte aus ganz verschiedenen
Blickwinkeln.
Wir müssen wachsam sein - aber
wir müssen auch weiterhin zusammenarbeiten, um Spannungen und Mißtrauen
abzubauen.

Ich vertrete die Auffassung, daß
Generalsekretär Gorbatschow sich von
früheren sowjetischen Staatschefs unterscheidet.
Meiner Ansicht nach
kennt er die Schwachstellen seiner
Gesellschaft und sucht sie auszuräumen.
Dazu wünschen wir ihm viel
Glück. Und wir werden weiterarbeiten, um sicherzustellen, daß die aus
diesem Prozeß möglicherweise hervorgehende Sowjetunion weniger bedrohlich ist.
Es läßt sich alles auf einen
Punkt bringen: Ich möchte, daß die
neue Offenheit anhält. Und das wird
sie tun, wenn wir klarstellen, daß
wir in einer bestimmten Weise handeln
werden, wenn sie aufgeschlossen bleiben. Wenn sie das nicht tun, werden
wir uns zunächst zurückhalten. Wenn
sie insistieren, müssen wir den Kontakt abbrechen.
Es heißt immer noch: Vertrauen
ist gut, Kontrolle ist besser.
Das Spiel geht weiter: aber die
Karten müssen ehrlich gemischt werden.
Es gilt immer noch, wachsam zu
sein - aber wir dürfen vor dem, was
wir sehen, keine Angst haben.
Ich bin gefragt worden, ob ich
etwas bedaure. Das tue ich.
Zum Beispiel das Defizit. Darüber habe ich in letzter Zeit viel
geprochen, aber heute abend ist nicht
der Zeitpunkt, um zu argumentieren,
und deshalb werde ich das Thema nicht
anschneiden.
Nur eine Beobachtung: Ich hatte
meinen Teil an Siegen im Kongreß,
aber nur wenige haben bemerkt, daß
ich niemals etwas gewonnen habe, was
Sie nicht für mich gewonnen haben.
Sie sahen niemals meine Soldaten,
Reagans Regimenter.
Das amerikanische Volk hat jede Schlacht mit jedem
Telephonanruf und jedem Brief mit der
Bitte um Taten gewonnen.

- 5 -

�Nun, Handeln ist immer noch notwendig. Wenn wir die Arbeit zu Ende
führen wollen, dann müssen die Regimenter Reagans die Brigaden Bushs
werden. Bald wird er an der Spitze
stehen, und er wird Ihre Hilfe ebenso
benötigen wie ich dies tat.
Schließlich gibt es beim Abschied
von Präsidenten noch die große Tradition, Warnungen auszusprechen, und
ich habe hier eine, die mich schon
seit einiger Zeit beschäftigt.
Merkwürdigerweise beginnt sie jedoch mit einer Errungenschaft der
vergangenen acht Jahre, auf die ich
am stolzesten bin: mit der Wiedergewinnung unseres nationalen Stolzes,
die ich als "den neuen Patriotismus"
bezeichnet habe. Dieses Nationalgefühl ist gut, aber es wird nicht viel
zählen und nicht lange anhalten, wenn
es sich nicht auf Nachdenken und Wissen gründet.
Was wir erreichen möchten, ist
ein informierter Patriotismus. Und
bemühen wir uns wirklich ausreichend
darum, unsere Kinder zu lehren, was
Amerika ist und was es in der langen
Geschichte der Welt darstellt?
Diejenigen unter uns, die älter
sind als 35, sind in einem anderen
Amerika großgeworden. Uns wurde sehr
direkt beigebracht, was es heißt,
Amerikaner zu sein, und wir nahmen
fast mit der Atemluft eine Liebe für
das Land und Dankbarkeit für seine
Institutionen in uns auf. Wenn man
diese Dinge nicht in der Familie vermittelt wurden, dann von der Nachbarschaft, von dem Vater am anderen Ende
der Straße, der in Korea gekämpft
hatte oder der Familie, die ein Mitglied in Anzio verloren hatte. Oder
man konnte sich einen Sinn für Patriotismus in der Schule erwerben.
Und wenn alles andere fehlschlug,
wurde einem der Patriotismus vielleicht über die Populärkultur vermittelt. In den Spielfilmen wurden demokratische Werte gefeiert und ausdrücklich der Gedanke verstärkt, daß
Amerika etwas Besonderes darstellte.

Bis Mitte der sechziger Jahre war
dies auch im Fernsehen der Fall.
Aber heute stehen wir an der
Schwelle zu den neunziger Jahren, und
einiges hat sich verändert. Jüngere
Eltern sind sich nicht mehr so sicher, daß sie den Kindern von heute
eine ungeschmälerte Bewunderung der
Vereinigten Staaten beibringen sollten. Und für diejenigen, die Populärkultur schaffen, ist wohlbegründeter Patriotismus nicht mehr in Mode.
Unser Geist ist zurückgekehrt,
aber wir haben ihn nicht wieder institutionalisiert.
Wir müssen uns
erfolgreicher darum bemühen, die Botschaft zu verbreiten, daß Amerika
Freiheit bedeutet - Redefreiheit, Religionsfreiheit ,
unternehmerische
Freiheit - und daß Freiheit ein besonderes und rares Gut ist. Sie ist
zerbrechlich, und sie benötigt Schutz.
Wir müssen Geschichte nicht auf
der Grundlage dessen vermitteln, was
gerade in Mode ist, sondern aufgrund
dessen, was wichtig ist: Warum die
Pilgerväter hierher kamen, wer Jimmy
Doolittle war und was jene 30 Sekunden über Tokio bedeuteten... Wie Sie
wissen, las ich vor 4 Jahren, am 40.
Jahrestag der Landung in der Normandie, den Brief einer jungen Frau an
ihren verstorbenen Vater, der am Omaha Beach gekämpft hatte. Ihr Name
war Lisa Zanatta Henn und sie sagte,
wir würden uns immer daran erinnern,
wir würden niemals vergessen, was die
Männer in der Normandie getan haben.
Nun, wir sollten ihr helfen, Wort zu
halten.
Wenn wir vergessen, was wir getan
haben, werden wir nicht wissen, wer
wir sind. Ich warne vor einer Auslöschung der Erinnerung, die letzlich
zur Erosion des amerikanischen Geistes führen könnte.
Lassen Sie uns mit einigen grundsätzlichen Dingen anfangen - indem
wir der Geschichte Amerikas mehr Aufmerksamkeit schenken und staatsbürgerliche Rituale stärker betonen.
6 -

X

\
'

^

(

�Als erste Lektion über Amerika möchte
ich Ihnen folgendes sagen:
Alle
großen Veränderungen in den Vereinigten Staaten beginnen am Eßtisch. Ich
hoffe also, daß nun morgen abend in
der Küche die Gespräche einsetzen
werden. Und, Kinder, wenn Eure Eltern Euch nicht gelehrt haben, was es
heißt, Amerikaner zu sein - laßt es
sie wissen und nagelt sie fest. Das
wäre eine sehr amerikanische Reaktion.

/

Das ist so ungefähr alles, was
ich heute abend zu sagen habe. Nur
noch eines:
Als ich in den letzten Tagen an
jenem Fenster im Obergeschoß stand,
habe ich ein wenig über die leuchtende "Stadt auf dem Hügel" nachgedacht.
Dieses Bild wurde von John Winthrop
benutzt, um das Amerika zu beschreiben, wie er es sich vorstellte. Was
er sich ausmalte war wichtig, weil er
einer der ersten Pilger war - ein
"Mann der Freiheit" der ersten Stunde. Er benutzte für seine Reise nach
hier ein Gefährt, das wir heute als
kleines hölzernes Boot bezeichnen
würden. Wie die anderen Pilger suchte er nach einer Heimat, die frei
sein sollte.

&lt;
\

Und wie steht es um diese Stadt
am heutigen Winterabend?
Sie ist
wohlhabender, sicherer und glücklicher als vor acht Jahren. Aber mehr
noch: nach 200 Jahren, zwei Jahrhunderten, steht sie immer noch stark
und unverrückbar an diesem Grat aus
Granit, und ihr Leuchten hat alle
Stürme überdauert. Und sie ist immer
noch ein Leuchtfeuer, ein Magnet für
alle, die frei sein müssen, für all
die Pilger von den verlorenen Orten,
die durch die Dunkelheit nach Hause
eilen.
Wir haben unseren Beitrag geleistet. Und wenn ich mich jetzt anschicke, in die Straßen der Stadt zu
gehen, möchte ich noch ein letztes
Wort an die Männer und Frauen der
Reagan-Revolution richten - die Männer und Frauen in den ganzen Vereinigten Staaten, die acht Jahre lang
die Arbeit getan haben, mit der Amerika zu neuer Größe gelangt ist:
Meine Freunde, wir haben es geschafft. Wir haben nicht nur einem
Zeitabschnitt unseren Stempel aufgedrückt, wir haben etwas bewegt. Wir
haben die Stadt stärker gemacht - wir
haben die Stadt freier gemacht - und
wir haben sie in gute Hände gegeben.

Ich habe in meinem gesamten politischen Leben von der leuchtenden
Stadt
gesprochen, aber
ich weiß
nicht, ob ich jemals genau das vermittelt habe, was ich sah, wenn ich
darüber sprach. In meinen Gedanken
war sie eine hoch aufragende stolze
Stadt, die auf Felsen stärker als
Ozeane gebaut, von Winden umtost, von
Gott gesegnet war und von Menschen
aller Art bewohnt, die in Eintracht
und Frieden lebten - eine Stadt mit
freien Häfen, die voller Handel und
Kreativität waren, und falls diese
Stadt Mauern benötigte, hatten diese
Mauern Tore, und diese Tore standen
jedermann offen, der den Willen und
die Kraft hatte, dorthin zu gelangen.
So sah ich es, und so sehe ich es
immer noch.

- 7 -

�</text>
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