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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON**

45

7. Dezember 1988

INHALT

DOKUMENTATION
NATO sollte sich auf Modernisierung und Rüstungskontrolle
konzentrieren
- Rede von Paul Nitze zur Verleihung des Atlantic Award -

INFORMATION
Barbara Bush erhebt Kampf gegen Analphabetentum zu ihrer Priorität
- Porträt der künftigen First Lady -

HINTERGRUNDMATERIAL
Powell; Bush wird amerikanisch-sowjetische Beziehungen festigen
- Artikel über eine Pressekonferenz mit Colin Powell -

WIRTSCHAFT
Handelskonferenz in Montreal mit umfassender Tagesordnung
- Überblick über die zu erörternden Themen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Eltern formieren sich
- EURAD - Europäische Elternliga gegen Drogenmißbrauch -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

4

4ri

Dokumentation

7. Dezember 1988

NATO SOLLTE SICH AUF MODERNISIERUNG UND RÜSTUNGSKONTROLLE KONZENTRIEREN
- Rede von Paul Nitze zur Verleihung des Atlantic Award -

BRÜSSEL - (AD) - Um auch in den neunziger Jahren ein starkes Abschrekkungspotential gegen eine Aggression seitens des Warschauer Pakts aufrechtzuerhalten, sollte die NATO dem Berater der amerikanischen Regierung in Rüstungskontrollfragen, Paul H. Nitze, zufolge weiterhin an zwei Fronten vorgehen: Modernisierung der Streitkräfte und Rüstungskontrolle. Nitze erklärte
dies im Anschluß an die Entgegennahme des von der NATO verliehenen Atlantic
Award in Brüssel.
Die Modernisierung der NATO-Streitkräfte sollte die stationären, landgestützten Raketen sowie die nach Beseitigung der INF-Systeme verbleibenden
"veraltenden" Systeme umfassen, sagte Nitze, dessen Rede wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen.
Herr Generalsekretär, Exzellenzen, meine Damen und HerrenI
Ich fühle mich durch die Verleihung des Atlantic Award 1988 und auch
durch Ihre freundlichen Worte, Herr
Generalsekretär, tief geehrt. Es ist
wahrlich ein Privileg, in die erlesene Gesellschaft der früheren Preisträger Dr. Markussen, Professor Van
Der Beugel, Dr. Kaiser und Herrn
Harmel aufgenommen zu werden. Hätte
es insbesondere den Harmel-Bericht
nicht gegeben, so wäre zweifelhaft,
ob der politische Konsens, der nützliche
RüstungskontrollVerhandlungen
mit den Sowjets ermöglicht hat, jemals .zustande gekommen wäre.
Lassen Sie mich ein paar Worte
über den Weg sagen, den das Bündnis

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in den acht Jahren der Reagan-Administration zurückgelegt hat.
Danach
werde ich mich Themen zuwenden, die
vielleicht wichtiger sein mögen - die
vor uns liegenden Herausforderungen
in der Verteidigung sowie die Lehren,
die wir aus unseren jüngsten Erfahrungen bei der Bewältigung solcher
Herausforderungen ziehen sollten.

Die Bemühungen in der Sicherheitsund Rüstungskontrollpolitik 1981-88
Die vergangenen acht Jahre umspannen einen Zeitraum, in dem die
NATO vor enormen Herausforderungen
stand, die aufgrund von Entschlossenheit, Geduld und vor allem Einigkeit
mit großem Erfolg bewältigt wurden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zu Beginn des Jahres 1981 gab die
Lage im INF-Bereich Anlaß zu erheblicher Besorgnis. Die Sowjets setzten im großen Stil ihre Aufrüstung
mit SS-20 fort während die NATO damit
beschäftigt war, sich die Unterstützung der Öffentlichkeit für den Doppelbeschluß aus dem Jahr 1979 zu bewahren. Nach einigem Widerstand hatten sich die Sowjets zu Verhandlungen
über die INF-Systeme bereiterklärt.
Sie bestanden jedoch darauf, daß diese Verhandlungen nur solange stattfinden könnten, wie die NATO auf die
Stationierung amerikanischer INF-Raketen verzichtete.
Ob die NATO den Stationierungsteil des Doppelbeschlusses erfolgreich durchführen könnte, unterlag
angesichts der sowjetischen Haltung,
des verbreiten öffentlichen Widerstands gegen die Stationierung und
der im Jahr 1983 in wichtigen Stationierungsländern anstehenden Wahlen,
bei denen INF ein Hauptthema sein
würde, erheblichen Zweifeln.
Wenn wir uns diese Lage erneut
vor Augen führen, so können wir feststellen, wie erfolgreich die Anstrengungen des Bündnisses bei INF gewesen
sind.
Die Stationierungen wurden
planmäßig durchgeführt, und dieser
Erfolg machte den heute gültigen INFVertrag möglich.
Auch in anderen Bereichen wurden
Fortschritte erzielt. Die Grundzüge
eines START-Vertrages wurden formuliert. Zusammen mit mehreren Verbündeten starteten die Vereinigten Staaten ein Programm mit Namen SDI, um
die Durchführbarkeit defensiver Technologien als sichereres Mittel der
Abschreckung zu erforschen.
Ferner
haben wir mit den Sowjets einen Rahmen abgesteckt, wie SDI und deren
vergleichbares Programm in eine RUstungskontrollregelung
einbezogen
werden könnten.
Gespräche über Atomtests haben
die Fertigstellung eines Protokolls
zum bestehenden Schwellenvertrag und
zum Vertrag über Kernexplosionen zu

friedlichen Zwecken in greifbare Nähe
gerückt, das die Verifizierung dieser
Abkommen erleichtern und die amerikanische Administration in die Lage
versetzen würde, das Ratifizierungsverfahren für diese Verträge einzuleiten.
Wichtige vertrauensbildende Maßnahmen wurden im Rahmen der Stockholmer KVAE, durch den Ausbau des
Heißen Drahts und die Errichtung von
Zentren zur Verringerung des nuklearen Risikos sowie durch den Abschluß
des Abkommens über die Benachrichtigung beim Abschuß ballistischer Raketen geschaffen.
Im nichtnuklearen Bereich wurden
Fortschritte auf dem Weg zu einem umfassenden Verbot chemischer Waffen
erzielt, und wir scheinen heute einem
Mandat für Gespräche über konventionelle Stabilität sehr nahe zu sein.
Dieser Rückblick ist jedoch keine
Litanei
abgeschlossener
Aufgaben,
sondern guter Anfänge, die noch zu
Ende gebracht werden müssen. Selbst
das INF-Problem wird nicht passe
sein, bis der Vertrag erfolgreich
verwirklicht worden ist. In anderen
Bereichen liegt noch ein langer Weg
vor uns. Lassen Sie mich also nun
auf die vor dem Bündnis liegenden
Aufgaben eingehen.

Die zukünftigen Herausforderungen
Auch in der Zukunft wird das
grundsätzliche Ziel des Bündnisses
unverändert bleiben - die Fähigkeit
seiner Mitgliedstaaten zu schützen,
in Frieden und Freiheit zu leben und
dies durch die Abschreckung eines
Krieges zu erreichen.
Zur Aufrechterhaltung eines starken Abschreckungspotentials bis in
die neunziger Jahre hinein muß die
NATO nach wie vor an zwei Fronten
vorgehen. Sie muß durch Modernisierung der Streitkräfte die Schritte
unternehmen, die zur Bewahrung eines
lebensfähigen Abschreckungspotentials

�notwendig sind, und sie muß durch Rüstungskontrolle weiterhin versuchen,
das Ausmaß der Konfrontation zwischen
Ost und West zu begrenzen und zu verringern.

Erfordernisse der Streitkräftemodernisierung
In allen Bereichen der NATO-Triade besteht die Notwendigkeit einer
Streitkräftemodernisierung.
Im Hinblick auf den strategischen
Bereich sind die Vereinigten Staaten
bei der Modernisierung ihrer seegestützten
Streitkräfte
- mit dem
U-Boot Trident, der Rakete D-5 und
dem seegestützten Marschflugkörper und ihrer luftgestützten Streitkräfte
- mit dem B 1 und dem Tarnbomber sowie dem luftgestützten Marschflugkörper - ein gutes Stück vorangekommen.
Die landgestützten Systeme stehen
jedoch auf einem anderen Blatt, und
hierauf müssen sich die Modernisierungsbemühungen in der nahen Zukunft
konzentrieren.
Unsere stationären,
landgestützten
Raketen
sind schon
seit einiger Zeit für einen sowjetischen Angriff verwundbar, und das
Problem verschlimmert sich zusehends.
Mehrere amerikanische Administrationen haben Pläne für die überlebensfähige Stationierung
moderner ICBMs
vorgelegt. Diese Pläne stießen jedoch nicht auf dauerhafte Unterstützung. Die Bush-Administration muß in
diesem Bereich zu einem besseren Ergebnis kommen, wenn die Vereinigten
Staaten eine überlebensfähige strategische Triade aufrechterhalten wollen.
Auch im Bereich der strategischen
Verteidigung sollten die Anstrengungen fortgesetzt werden. Ein solides
SDI-Forschungsprogramm
ist
wichtig
und notwendig, und zwar als Absicherung gegen das bedeutende sowjetische
SDI-Programm, das seit über zwei
Jahrzehnten existiert, sowie aufgrund
der sichereren Welt, die mit einer
auf
Verteidigung
gegründeten
Abschreckung potentiell erreicht werden

kann.
Es bleibt jedoch weiterhin entscheidend, daß SDI von den Kriterien
Überlebensfähigkeit
und Kostenwirksamkeit geleitet ist. Die Stationierung eines weltraumgestützten Verteidigungssystems, das selbst für Angriffe verwundbar ist, würde die Sowjets dazu ermutigen, dieses System
in einem frühen Stadium einer Krise
anzugreifen. Die Stationierung eines
nicht kostenwirksamen Systems würde
die UdSSR ermutigen, ihrerseits mehr
billigere offensive Systeme zu produzieren.
Im Hinblick auf den nichtstrategischen nuklearen Bereich der NATOTriade besteht die wichtigste Aufgabe
in der Modernisierung des veraltenden
Arsenals nuklearer Systeme, das die
NATO nach Beseitigung der INF-Systeme
beibehalten wird.
Dazu gehört als
wichtigstes eine neue Luft-Boden-Rakete für die Mehrzweckkampfflugzeuge
der NATO sowie ein Nachfolgesystem
der Lance.
Letztere Frage bedarf
selbstverständlich besonderer Sensibilität.
In Zusammenhang mit einer
solchen Modernisierung könnte es möglich sein, den Gesamtumfang des
kriegsschauplatzgebundenen
Kernwaffenarsenals zu verringern.
In bezug auf die konventionellen
Streitkräfte der NATO möchte ich nur
sagen, daß es unklug wäre, anzunehmen, das riesige Ungleichgewicht zwischen den konventionellen Fähigkeiten
der NATO und des Warschauer Pakts
könne lediglich durch Verhandlungen
über konventionelle Rüstungskontrolle
behoben werden, insbesondere, wenn
die NATO in solchen Gesprächen kein
Druckmittel In Gestalt von erheblichen, kontinuierlichen Mondernisierungsbemühungen besitzt.
Dabei muß
auch die Tatsache berücksichtigt werden, daß angesichts früherer Versuche
der konventionellen Rüstungskontrolle
jegliche Erleichterung in diesem Bereich wahrscheinlich erst in einigen
Jahren zu erreichen ist.

- 3-

�rungsvorschläge
werden.

Rüstungskontrollbemühungen
Im Hinblick auf das Rüstungskontrollprogramm der NATO in den kommenden Jahren haben die NATO-Minister
Prioritäten festgelegt, die mir als
richtig erscheinen und die sich wahrscheinlich im Gesamtkonzept widerspiegeln werden.
Ich habe auch am
Programm an sich nichts auszusetzen,
sondern vielmehr an dem, wie ich finde, vorherrschenden Eindruck, der
Großteil dieses Programms liege bereits hinter uns.
Dieses Problem tritt am deutlichsten im Hinblick auf den STARTVertrag zutage. Wie ich bereits ausführte, ist der START-Vertrag in seinen Grundzügen fertiggestellt - eine
annähernde
Halbierung
der strategischen nuklearen Gefechtsköpfe sowie
beim Wurfgewicht
der sowjetischen
ballistischen
Raketen auf gleiche
Obergrenzen, mit etwas geringfügigeren Reduzierungen bei. Trägersystemen
und mit Untergrenzen für die destabilisierendsten
Systeme.
Bei START
bleiben jedoch immer noch schwierige
Fragen zu lösen, und deshalb liegen
noch langwierige Verhandlungen vor
uns.
Zum Beispiel liegen die Standpunkte der Vereinigten Staaten und
der UdSSR bei der Frage der SLCMs
noch weit auseinander. Die Sowjets
beharren darauf, daß der START-Vertrag eine strikte Begrenzung der
SLCMs und Verifizierungsbestimmungen
für diese Flugkörper enthält, die denen für andere strategische Systeme
vergleichbar sind. Wir haben den Sowjets erklärt, daß wir zahlenmäßigen
Begrenzungen für nuklear bestückte
SLCMs zustimmen könnten, wenn eine
wirksame Verifizierungsregelung erarbeitet werden könnte. Bis jetzt müssen wir jedoch noch ein Mittel finden, um die SLCM-Begrenzungen effektiv zu verifizieren ohne zu sehr in
geheimhaltungsbedürftige Sektoren der
Marine einzudringen und andere bedeutende Sicherheitsinteressen zu gefährden, und wir sind überzeugt davon, daß die sowjetischen Verifizie- 4

nicht

funktionieren

Aufgrund des Fehlens einer wirksamen
Verifizierungsregelung
haben
wir vorgeschlagen, daß beide Seiten
Erklärungen über ihre Stationierungspläne bei nuklear bestückten SLCMs
austauschen, aber die Sowjets haben
uns mitgeteilt, daß sie an einem solchen Ansatz nicht interessiert sind.
Ferner bleiben weiterhin erhebliche Meinungsverschiedenheiten bei
den Zählregeln sowie anderen, auf
ALCMs anwendbaren Verfügungen, bei
den Verifizierungsmaßnahmen und Begrenzungen für mobile ICBMs, falls
diese erlaubt werden, bei einer Untergrenze für ICBM-Gefechtsköpfe sowie dem Junktim zwischen einem STARTVertrag
und
Begrenzungen
strategischer Verteidigungssysteme bestehen.

*

Es müssen weiterhin noch Hunderte
von Einzelheiten ausgearbeitet werden, insbesondere bei den Verifizierungsverfahren.
Ich sage dies nicht, um die bis
jetzt
erzielten
Fortschritte
zu
schmälern. Der gemeinsame START-Vertragsentwurf
dokumentiert
einen
großen Schritt nach vorn im Hinblick
auf den Abschluß einer Vereinbarung
und bietet eine gute Möglichkeit für
einen solchen Abschluß in den kommenden zwei Jahren.
Aber bis der
Schlußstrich darunter gezogen wird,
müssen noch viele Hürden überwunden
werden, und es steht noch nicht von
vornherein fest, daß dies auch gelingt.
Dasselbe gibt für die Verhandlungen über Verteidigung im Weltraum.
Hier ergibt sich die Hauptschwierigkeit aus den unterschiedlichen Interpretationen der vereinbarten, aber
nicht eindeutigen Formulierung in der
Gemeinsamen Erklärung des Washingtoner Gipfeltreffes, daß beide Seiten
in einem bestimmten Zeitraum "den
ABM-Vertrag in seiner 1972 unterzeichneten Fassung anerkennen und
gleichzeitig ihre Forschung, Entwick-

»

*•

�lung und Erprobung wie vorgesehen
weiterführen, wie dies nach dem ABMVertrag auch gestattet ist". Natürlich legen die Sowjets diese Formulierung als strengere Einschränkung
der Entwicklung und Erprobung weltraumgestützter ABM-Systeme und ihrer
Komponenten aus als wir das tun.

fizierungssystem
zu schaffen, das
neue Technologien, die zunehmende
Verbreitung, eine flexible chemische
Industrie und die Notwendigkeit berücksichtigt ,
geheimhaltungsbedürftige Informationen, die nicht unmittelbar chemische Waffen betreffen,
bei Inspektionen zu schützen.

Die Sowjets schlagen den Abschluß
eines Vertrages über Verteidigung im
Weltraum vor, der die Sprachregelung
der Erklärung von Washington lediglich in rechtsgültige Form umsetzt.
Das scheint ganz einfach zu sein, beinhaltet
jedoch gefährliche Fallstricke.
Angesichts einer fehlenden
Übereinkunft über die Bedeutung dieser Sprachregelung könnten die Sowjets aus dieser Doppeldeutigkeit
Vorteile ziehen und jede der amerikanischen Aktivitäten zur Entwicklung
und Erprobung als Verletzung des Abkommens werten, um im Hinblick auf
diese Aktivitäten den Widerstand der
Öffentlichkeit und Beschränkungen des
Kongresses zu mobilisieren.

Schließlich dürfen wir uns in bezug auf die Gespräche über konventionelle Stabilität keine Sorgen darüber
machen, daß wir unsere Leistungen
überbewerten, da die Gespräche noch
aufgenommen werden müssen. Aber wir
sollten uns vor Augen führen, wie
wichtig es ist, der Versuchung zu widerstehen ,
Rüstungsbeschränkungen
vorherzusagen und die Struktur unserer Streitkräfte sowie Modernisierungspläne vorzeitig anzupassen. Erfahrung und Logik lehren uns, daß
solche Aktionen die Wahrscheinlichkeit reduzieren, daß die vorgesehenen
Beschränkungen
jemals
vorgenommen
werden, wenn wir der anderen Seite
den Anreiz nehmen, daß unsere Reduzierungen ihren Preis haben.

Daher ist es erforderlich, über
die Sprachregelung der Gemeinsamen
Erklärung hinaus eindeutig klarzustellen, welche Aktivitäten zur Entwicklung und Erprobung beide Seiten
in dem festgesetzten Zeitraum des
Nicht-Rückzugs vom ABM-Vertrag durchführen dürfen. Und es ist erforderlich, andere Probleme zu lösen und
etwa die Verpflichtung, sich nicht
vom ABM-Vertrag zurückzuziehen, so zu
definieren, daß beide Seiten ihre
souveränen Rechte zum Schutz ihrer
höchsten nationalen Interessen behalten und am Ende des Nicht-RUckzugszeitraums
die
Stationierungsrechte
beider Seiten detailliert niederzulegen.
Möglicherweise
machen uns die
Verhandlungen über chemische Waffen
die vor uns liegenden Schwierigkeiten
eher bewußt. Man darf die komplexen
Zusammenhänge
nicht
unterschätzen,
die mitspielen, um die Teilnahme aller Staaten zu gewährleisten, die
chemische Waffen besitzen und einsetzen können und um ein wirksamen Veri-

All das heißt, das Bündnis muß
sich über die Modernisierung seiner
Streitkräfte hinaus einem höchst umfangreichen Programm von Rüstungskontrollanstrengungen stellen.
Es besteht die Möglichkeit zu großen Fortschritten, wenn der Umfang militärischer Konfrontation zwischen Ost und
West auf der ganzen Linie reduziert
wird.
Gleichgültigkeit ist jedoch
nicht gerechtfertigt - wenn dieses
Ziel verwirklicht werden soll, liegt
viel harte Arbeit vor uns.

Lektionen für die vor uns liegenden
Herausforderungen
Das Bündnis kann seine Aufgaben
in den Bereichen Modernisierung und
Rüstungskontrolle am wirksamsten angehen, wenn es sich die aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu ziehenden Lehren vor Augen führt. Ich
möchte sechs Lektionen als Leitlinien
für die Bestrebungen des Bündnisses
vorstellen.

- 5 -

�Lektion Nummer eins:
Die richtige Rolle der
Rüstungskontrolle
Erstens sollten wir uns immer die
angemessene Rolle der Rüstungskontrolle vergegenwärtigen und uns klarmachen, was Rüstungskontrolle leisten
kann und was nicht.
Rüstungskontrolle kann eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum
geht, unsere Sicherheit zu verbessern
und
stabilere
Ost-West-Beziehungen
hervorzubringen. Aber sie kann kein
Ersatz für eine angemessene Verteidigung sein. Statt dessen ist sie lediglich ein Bestandteil unserer gesamten Sicherheitspolitik, eine Ergänzung der Maßnahmen, die wir von
unserer Seite aus treffen müssen, wie
die Unterhaltung der für eine angemessene Abschreckung notwendigen Waffen und Streitkräfte.
Tatsächlich
lehrt die Erfahrung, daß alles, was
wir als Bündnis für uns selbst zu tun
bereit und in der Lage sind, wichtiger ist als das, was wir durch Rüstungskontrolle erreichen können.
Dieser Punkt wird insbesondere
für die Beurteilung des Beitrages
wichtig, den der künftige START-Vertrag für unsere Sicherheit leistet.
Damit wird es wünschenswert, unseren
gegenwärtigen Kurs bei den START-Verhandlungen weiter fortzusetzen.
Wie Sie wissen, behaupten einige
frühere amerikanische Regierungsvertreter wie etwa Henry Kissinger, daß
der künftige START-Vertrag die Verwundbarkeit
amerikanischer
strategischer Streitkräfte erhöhen und damit die Stabilität abbauen würde.
Dieser Ansicht bin ich nicht. Das
Argument von Kissinger basiert auf
übertriebenen Erwartungen im Hinblich
darauf, was Rüstungskontrolle leisten
kann.
Rüstungskontrolle
allein
kann
nicht die Probleme der Uberlebensfähigkeit unserer Streitkräfte lösen.
Aber sie kann es uns leichter machen,
die notwendigen Schritte einzuleiten,
um die Überlebensfähigkeit unserer

Streitkräfte zu verbessern, indem wir
die angemessenen Möglichkeiten zu ihrer Modernisierung schützen und die
sowjetische
Bedrohung
abbauen und
eingrenzen, die andernfalls die Wirkung dieser Verbesserungen aufheben
würde. START kann dies leisten.
Wie ich bereits erwähnte, besteht
das Problem der Überlebensfähigkeit
amerikanischer strategischer Streitkräfte vor allem bei landgestützten
Systemen. Unsere festen Silos sind
jetzt und in Zukunft verwundbar, daran kann kein Rüstungskontrollabkommen etwas ändern. Es ist also wichtig, sicherzustellen, daß Rüstungskontrolle keine Maßnahmen blockiert,
mit denen die Uberlebensfähigkeit von
ICBMs gesteigert werden kann, sondern
die Verbesserung der Uberlebensfähigkeit mittels solcher Maßnahmen erleichtert.
Es wird keinen START-Vertrag geben, der mobile und transportable
ICBMs verbietet. Das mobile System
würde schienenbewegliche und straßenbewegliche ICBMs sowie andere Möglichkeiten der Stationierung überlebensfähiger ICBMs schaffen. Darüber
hinaus würde START durch den erheblichen Abbau sowjetischer Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen und
Wurfgewichte die Fähigkeit der Sowjets beschränken, solcherart stationierte ICBMs durch Großangriffe zu
zerstören. Damit würde START uns die
notwendigen Rechte zur Stationierung
überlebensfähiger ICBMs einräumen und
die Bedrohung für diese Streitkräfte
verringern.
Was die seegestützten Streitkräfte anbelangt, so besteht für die Vereinigten Staaten die Möglichkeit zur
Reduzierung auf 18 SSBN, was manche
für eine gefährlich niedrige Zahl
halten. Aber wir planen auch ohne
START eine Verringerung auf etwa 20
Trident, da diese - leiser und in
größeren Meeresgebieten einsatzfähig
als die Poseidons - überlebensfähiger
sind. Dieser Plan ist von niemandem
in Zweifel gezogen worden.

�Es stellt sich also die Frage,
warum die Zahl von 20 U-Booten akzeptiert wird, nicht aber die Zahl 18,
oder genauer gesagt, warum 13 U-Boote
auf See akzeptiert werden, aber nicht
12. Darüber hinaus haben wir im Rahmen von START vorgeschlagen, daß einige überholte U-Boote von der Zählung der Gefechtsköpfe ausgenommen
werden; diese Bestimmung würde uns
gestatten, unter START so viele SSBNs
mit jeweils 20 Gefechtsköpfen zu stationieren wie ohne START geplant.
Aber ob wir 18 oder 20 SSBNs stationieren, so sehen die amerikanischen Nachrichtendienste zumindest
bis zum Ende des Jahrhunderts keine
erhebliche
Bedrohung
für
unsere
SSBNs. Sollte sich diese Ansicht ändern und sollten wir über die Uberlebensfähigkeit unserer SSBNs besorgt
sein, dann gibt es START zufolge keine Beschränkung, die eine Verteilung
unserer SLBM-Gefechtsköpfe auf einer
größeren Zahl von Plattformen durch
die Stationierung einer geringeren
Zahl von Gefechtsköpfen auf jedem
U-Boot verhindert.
Im Hinblick auf die Luftstreitkräfte haben wir aufgrund unseres Erfolges bei der Aushandlung der Zählregeln von Waffen in Bombern unser
Recht bewahrt, alle Bomber, die wir
auch ohne START stationieren wollten,
zu dislozieren.
Insgesamt würde START die Probleme der Uberlebensfähigkeit unserer
Streitkräfte nicht verschärfen.
Es
würde
den
notwendigen
Spielraum
schaffen, um sie abzuwenden und den
Abbau und die Eingrenzung der sowjetischen Bedrohung erleichtern.
Es
erfüllt alle Bedingungen eines guten
Rüstungskontrollabkommens.
Meiner
Ansicht nach wäre die Bush-Administration gut beraten, den gegenwärtigen Kurs der START-Verhandlungen mit
Unterstützung der NATO fortzuführen.
Lektion Nummer zwei:
Die Bedeutung der Berücksichtigung des richtigen Ziels.

Die zweite Lektion besteht in der
Notwendigkeit, stets das vordringliche Ziel unserer Rüstungskontrollund Sicherheitsbemühungen im Auge zu
behalten, das da lautet:
Erhöhung
der Stabilität.
Wir streben nach dem Abbau möglicher Anreize für die andere Seite,
in einer Krise den Erstschlag auszuführen oder eine Krise heraufzubeschwören, die zu einer militärischen
Konfrontation führen könnte. Um den
Warschauer Pakt davon abzubringen,
ein rücksichtsloses Vorgehen in Betracht zu ziehen, sollten unsere
Streitkräfte insgesamt die notwendigen Eigenschaften der Wirksamkeit,
Flexibilität, Vielfalt und Überlebensfähigkeit gegenüber einem direkt
gegen sie gerichteten Angriff besitzen.
Es ist gelegentlich zu hören, der
Abbau der Streitkräfte sei an sich
ein achtbares Ergebnis von RUstungskontrollbemühungen, als ob dies unser
vordringliches Ziel wäre. Doch Reduzierungen per se sind nicht notwendigerweise positiv zu bewerten. Wenn
die verbleibenden Streitkräfte gegenüber einem Erstschlag verwundbarer
sind oder wenn das Niveau der verbleibenden Streitkräfte der anderen
Seite einen größeren Anreiz zu rücksichtslosem Vorgehen bietet, verringert sich die Stabilität. Reduzierungen sollten vielmehr als ein Mittel betrachtet werden, das bei richtiger Nutzung dem Ziel der Steigerung
von Stabilität dienen kann.
Dies ist der Grund, warum wir uns
bei den START-Verhandlungen durch die
Festlegung von Untergrenzen für Gefechtsköpfe auf Reduzierungen bei den
am meisten destabilisierenden Systemen konzentriert haben. Darum haben
wir auch bei dem INF-Vertrag darauf
bestanden, daß zur Erzielung des
gleichen Niveaus Reduzierungen asymmetrisch vorgenommen wurden.
Dies ist eine Lektion, die im
Vorfeld der Gespräche über konventio-

- 7 -

�nelle Stabilität ganz besonders wichtig wird.
Einige Vorschläge zum Abbau der
konventionellen Streitkräfte und sogar asymmetrische Einschnitte zugunsten des Westens mögen verlockend
scheinen, tatsächlich aber verschärfen sie die Situation im Hinblick auf
unsere Sicherheit. Es wird von grosser Bedeutung sein, daß sich das
westliche Bündnis nicht auf den Umfang der Reduzierungen konzentriert,
sondern vielmehr auf die nach diesen
Reduzierungen verbleibenden Streitkräfte, um festzustellen, ob das Ergebnis eine größere oder geringere
Stablität als die heutige Situation
hervorbringt.
Lektion Nummer drei:
Beharrlichkeit bei Prinzipien,
Kreativität auf anderen Gebieten.
Die dritte Lektion bezieht sich
auf die zahlreichen Probleme, die im
Verlaufe jeder Verhandlungen auftauchen werden. Um Verhandlungen wirkungsvoll voranzutreiben, ist die
Kenntnis der Unterschiede zwischen
prinzipiellen Problemen und anderen
Themen entscheidend. Bei den erstgenannten muß man geduldig an seiner
eigenen Position festhalten, bei der
letztgenannten ist zur Problemlösung
Kreativität gefragt.
In der Frühphase der INF-Verhandlungen hat die NATO die fünf Prinzipien genannt, von denen die amerikanischen Bemühungen gekennzeichnet waren: Gleichheit der Rechte und Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion; Einschränkungen ausschließlich bei amerikanischen und sowjetischen Systemen ohne Kompensation von Systemen aus
Drittländern;
die weltweite Anwendung der Obergrenzen; keine Schwächung des amerikanischen Beitrags zur
konventionellen Abschreckung der NATO
und wirkungsvolle Überprüfung.
Trotz Widerständen auf Seiten der
Sowjetunion und erheblicher Skepsis
in der Öffentlichkeit haben wir ge-

duldig an diesen Prinzipien festgehalten und haben schließlich einen
Vertrag erarbeitet, der all diesen
Prinzipien gerecht wird.
Doch ein
solcher Vertrag wäre nicht möglich
gewesen, wenn wir nicht dazu bereit
gewesen wären, kreativ und bei einer
ganzen Bandbreite anderer INF-Probleme flexibel zu arbeiten.
Verhandlungen müssen immer von
Geben und Nehmen gekennzeichnet sein.
Ein guter Verhandlungspartner muß
nicht nur ein guter Verfechter seiner
Sache, sondern auch ein guter Zuhörer
sein. Wir müssen die legitimen Sicherheitsbedenken der anderen Seite
anerkennen und unseren Ideenreichtum
einsetzen, um für beide Seiten zufriedenstellende Kompromisse zu finden.
Eine Rüstungskontrollverhandlung sollte kein Nullsummen-Spiel
sein, sondern eine Suche der Verhandlungspartner nach Lösungen, die eine
Verbesserung der Situation für beide
mit sich bringt.
Daher müssen wir uns bei der
Fortsetzung laufender Verhandlungen
und beim Eintritt in Verhandlungen
über konventionelle Waffen über unsere Prinzipien ebenso im klaren sein
wie über die minimalen Bedingungen,
die ein Abkommen annehmbar machen.
Wir müssen darauf vorbereitet sein,
an diesen Prinzipien unnachgiebig
festzuhalten.
Gleichzeitig
müssen
wir in Kauf nehmen, daß die Verhandlungen fehlschlagen, wenn die einzige
Alternative darin besteht, ein Abkommen zu unterzeichnen, das diesen
grundsätzlichen
Sicherheitsanforderungen nicht gerecht wird. Innerhalb
dieser prinzipiellen Rahmenbedingungen müssen wir jedoch zu einer flexiblen Arbeit bereit sein, um zu beiderseitig akzeptablen Ergebnissen zu
gelangen.
Lektion Nummer vier:
Die richtige Methode für die
Einhaltung
Die vierte Lektion bezieht sich
auf die Politik der Einhaltung von
Verträgen, auf die Art, wie wir der
anderen Seite Anreize geben, Verein-

�barungen zu befolgen. Hierzu gehören
zwei wesentliche Aufgaben: die Fähigkeit, die Einhaltung vertraglicher
Verpflichtungen zu verifizieren, und
der Nachweis, daß im Falle der festgestellten Nichtbefolgung der Wille
zur Reaktion vorhanden ist.
Im Hinblick auf die Verifizierung
ist es für uns wichtig, angemessene
Richtlinien
für ausgehandelte und
einzuhaltende Regularien festzulegen.
Es wäre hervorragend, wenn wir zu einer perfekten Verifizierung gelangen
könnten, wenn wir also sicher sein
könnten, jede Verletzung einer vertraglichen Bestimmung sofort zu ermitteln. Ein solcher Standard jedoch
ist unerreichbar, selbst mit dem weitestgehenden vorstellbaren Verifizierungsregularien.
Darüber hinaus müssen wir klar
erkennen, daß wir mit der Durchsetzung des Rechts, das unseren Inspektoren Zugang zu den Einrichtungen der
anderen Seite verschafft, gleichzeitig auch die Voraussetzung für den
gleichen Zugang ihrer Inspektoren zu
unseren Anlagen schaffen.
Und es
gibt zahlreiche stark gefährdete Anlagen, denen durch Inspektoren der
anderen Seite Schaden für unsere Sicherheit zugefügt würde.
Daher sehen wir uns bei der
Schaffung von Verifizierungsregularien mit dem unvermeidlichen Dilemma
konfrontiert, das durch zwei schwer
zu vereinbarende Ziele geschaffen
wird: dem Wunsch nach Zugang zu möglichst vielen Anlagen der anderen
Seite, um Betrug zu ermitteln und abzuwenden, und die Notwendigkeit des
Schutzes unserer eigenen gefährdeten
Anlagen vor Inspektoren der anderen
Seite. Keine Lösung dieses Problems
kann
vollkommen
zufriedenstellend
sein; wir müssen eine Lösung anstreben, die Sorgen über die Verifizierung und unsere Sicherheitserfordernisse in angemessener Weise miteinander in Einklang bringt.
Wir sind der Meinung, daß ein
solcher Ausgleich im INF-Vertrag er-

reicht wurde. Wir sind uns bewußt,
daß wir uns der Aufdeckung jedes
denkbaren Vorfalls einer sowjetischen
Verletzung des INF-Vertrages nicht
sicher sein können.
Gleichzeitig
sind wir uns darüber im klaren, daß
wir hierzu nicht zwangsläufig in der
Lage sein müssen. Vielmehr sollten
wir zuversichtlich sein, daß wir eine
sowjetische Vertragsverletzung erkennen, diese wirksam erwidern und dadurch den Sowjets den Vorteil einer
Vertragsverletzung
nehmen
könnten,
falls sie sich auf irgendeine militärisch bedeutsame Weise außerhalb
der Grenzen des Vertrages bewegen.
Diese Anforderungen nennen wir
wirksame Verifizierung. Es ist eine
Notwendigkeit, daß die Uberprüfungsrichtlinien zum INF-Vertrag ausreichen. Dies ist die Richtlinie, der
wir bei den anderen Verhandlungen
ebenso folgen sollten.
Auf der anderen Seite der Medaille steht die Frage, was zu tun ist,
wenn eine Vertragsverletzung ermittelt wird.
Sicherlich genügt es
nicht, die Fähigkeit zur Ermittlung
von Vertragsverletzungen zu besitzen.
Wenn wir der anderen Seite deutliche
Anreize zur Einhaltung von Vereinbarungen geben wollen, müssen wir ihr
gegenüber unsere Entschlossenheit zur
Erwiderung jeder Vertragsverletzung
in einer Weise verdeutlichen, die ihr
den Vorteil verweigert, den sie sich
von einer derartigen Nichteinhaltung
versprechen könnte.
In den vergangenen Jahren konzentrierten sich Probleme der Einhaltung
von Verträgen zunächst auf den SALT
II- und dann auf den ABM-Vertrag.
In beiden Fällen hatten wir Schwierigkeiten, eine angemessene und entsprechende Erwiderung zu erarbeiten,
als die Sowjets sich unseren Bemühungen widersetzten, sie zu einem überdenken ihrer Vertragsverletzungen zu
bewegen.
Die meisten Alternativen
erschienen entweder ohne Bezug, unangemessen im Hinblick auf die Vertragsverletzungen oder auch politisch
nicht durchsetzbar.

- 9-

�Im Falle der sowjetischen Vertragsverletzungen von SALT II entschied Präsident Reagan schließlich,
daß wir uns nicht länger an die Beschränkungen des Vertrages gebunden
fühlen und doch gleichzeitig bei der
Strukturierung unserer strategischen
Streitkräfte auch weiter Zurückhaltung üben würden. Diese Entscheidung
hatte nicht die von vielen befürchteten Konsequenzen.
Es kam nicht zu
einer massiven Aufrüstung jenseits
der vom SALT II-Vertrag gesetzen
Grenzen. Tatsächlich mag sich diese
Entscheidung langfristig als ein die
Rüstungskontrolle fördernder Faktor
entpuppen, wenn den Sowjets dadurch
klar wird, daß die Vereinigten Staaten bei nicht zurückgenommenen Vertragsverletzungen Maßnahmen der Erwiderung ergreifen.
Beim derzeitigen Ringen um das
Problem des Radars von Krasnojarsk
wollen wir hoffen, daß unsere Maßnahmen beim SALT II-Vertrag, die einhellige Ansicht des Westens über die
klare Verletzung des ABM-Vertrages
durch das Radar und unser Beharren,
bis zur Korrektur der Vertragsverletzungen keine weiteren strategischen
Rüstungsabkommen
zu
unterzeichnen,
ausreichen werden, um die Sowjets von
einer Behebung dieses Problems zu
überzeugen.
Beim Abwägen von Reaktionen auf
die Nichteinhaltung müssen wir eine
langfristige Perspektive im Auge behalten. Der unmittelbar angebrachte
Kurs könnte so aussehen, daß wir Verletzungen ignorieren und uns gegenseitig versichern, sie hätten keine
so großen Auswirkungen. Kurzfristig
gesehen könnte dies tatsächlich so
sein, aber damit wird der anderen
Seite eine Botschaft übermittelt, die
langfristig
beträchtliche
Probleme
mit der Einhaltung hervorrufen könnte.
Lektion Nummer fünf:
Die Bedeutung der Einheit des
Bündnisses und der Unterstützung
durch Parlament und
Öffentlichkeit

Die fünfte Lektion ist uns allen
wohl bekannt. Ich möchte sie dennoch
wiederholen, da sie in den vergangenen fünf Jahren noch an Bedeutung gewonnen hat. Die Lektion besteht in
der vorrangigen Bedeutung der Entwicklung von Programmen und Positionen, mit denen die Einheit des Bündnisses gefördert und Unterstützung
durch Parlament und Öffentlichkeit
geboten wird.
Ein Großteil der Geschichte der
INF-Verhandlungen besteht in sowjetischen Versuchen, das Bündnis zu
spalten und unsere Bevölkerungen und
Parlamente gegen uns aufzubringen.
Entsprechend ist der Vertrag ein Tribut an und ein Produkt der Einheit
des Bündnisses - die Entschlossenheit
der Stationierungsländer, die Dislozierung vorzunehmen, die Geschlossenheit der NATO bei jeder Phase der
Verhandlungen sowie die Solidarität
unserer Verbündeten und Freunde in
Asien, die in so entschiedenem Maße
zu der weltweiten Null-Lösung beigetragen haben.
Solche Einheit und Unterstützung
werden bei den Verhandlungen über
konventionelle Stabilität ebenso wie
bei anderen Verhandlungen unabdingbar
sein.
Während wir neue Positionen
erwägen, müssen wir uns daher beständig die Frage stellen: Können wir
mit einer solchen Haltung den Konsens
im Bündnis und die Unterstützung
durch Öffentlichkeit und Parlament
angesichts der Bestrebungen des Ostblocks aufrechterhalten, diese zu unterminieren?
Lektion Nummer sechs:
Der richtige Ansatz beim Junktim
Die letzte Lektion betrifft eine
umfassendere Perspektive - das Junktim zwischen den jeweiligen Rüstungskontrollbestrebungen und zwischen den
anderen Aspekten der Ost-West-Beziehungen.
Wir Ihnen bekannt sein dürfte,
hat die Reagan-Administration darauf
beharrt, daß die amerikanisch-sowje-

- 10 -

�tischen Gespräche sich nicht nur auf
Rüstungskontrolle konzentrieren, sondern vielmehr eine umfassende Tagesordnung abdecken, die auch Menschenrechte, regionale Konflikte sowie bilaterale Angelegenheiten einschließt.
Dies ist eine Anerkennung der Tatsache, daß die Beziehungen zwischen
unseren Ländern sehr viel mehr beinhalten als das Rüstungsniveau, das
tatsächlich nur eine von vielen Ursachen für Spannungen und Mißtrauen
ist.
Eine ebenso umfassende Perspektive wird im KSZE-Prozeß aufrechterhalten, wo wir darauf beharren, daß die
Fortschritte zwischen Sicherheitsbelangen und Menschenrechtsfragen ausgewogen sind.
Ich unterstütze diesen Ansatz,
stimme jedoch nicht mit jenen überein, die ihn zu weit auslegen, indem
sie darauf bestehen, daß der Abschluß
eines jeden Vertrages eng an Verträge
oder das zufriedenstellende Verhalten
der anderen Seite in anderen Bereichen geknüpft sein muß.
Man hat beispielsweise das Argument vorgebracht, wir sollten keinen
INF-Vertrag mit den Sowjets schliessen, bevor sie ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen oder ihr Verhalten zu Menschenrechtsfragen verbessert hätten. Dies ging an der Tatsache vorbei, daß wir den INF-Vertrag
nicht ausgehandelt haben, um den Sowjets einen Gefallen zu erweisen und
ihnen damit Konzessionen bei anderen
Problemen als Gegenleistung abzuverlangen. Wir haben den Vertrag ausgehandelt, um uns selbst einen Gefallen
zu erweisen, indem wir unsere Sicherheit verbesserten.
Als wir einen
solchen Vertrag schließen konnten,
gab es keinen Grund, uns die unmittelbare Verwirklichung seiner Vergünstigungen zu verweigern.
Wir haben natürlich auf Fortschritte bei Themen wie Afghanistan,
Menschenrechten sowie anderen OstWest-Problemen gedrängt und sie im
einzelnen erörtert, während wir ihren

Stellenwert in den Beziehungen insgesamt stets im Auge behalten haben.
Und wir haben auch in diesen Bereichen Fortschritte erzielt.
Das vorherrschendere Junktim, von
dem heute gesprochen wird, besteht
zwischen START und den Verhandlungen
über konventionelle Stabilität und
zwar dahingehend, daß die einen nicht
vor den anderen abgeschlossen werden
sollten. Ein solches Junktim impliziert, daß ein START-Vertrag unsere
Abschreckung gegen einen konventionellen Angriff schwächen würde oder
daß die Sowjets einen START-Vertrag
so unbedingt benötigen, daß sie - um
dies sicherzustellen - ein konventionelles RUstungsabkommen unterzeichnen
würden, das sie unter anderen Umständen nicht akzeptieren würden. Aber
keiner dieser Umstände trifft zu.
Ein START-Vertrag und ein gut
formuliertes Abkommen über konventionelle Rüstung liegen beide im Interesse des Westens, unabhängig davon, ob sie getrennt oder gemeinsam
erwogen werden. Jedes dieser Abkommen sollte seinen eigenen Verhandlungsverlauf nehmen.

Nachsatz - Wie die NATO auf
Gorbatschow reagieren sollte
Meinen sechs Lektionen möchte ich
einen Nachsatz darüber hinzufügen,
wie die NATO auf Generalsekretär
Gorbatschow und den sich in der UdSSR
vollziehenden Wandel reagieren sollte.
Es besteht kein Zweifel mehr darüber, daß sich in der Sowjetunion
Außerordentliches abzeichnet.
Dies
wurde während der sechs Reisen offensichtlich, die ich in den vergangenen
drei Jahren dorthin unternommen habe.
Noch nicht klar ist jedoch, in welche
Richtung diese Veränderungen gehen,
ob sie andauern und welche Auswirkungen sie langfristig auf die sowjetischen Beziehungen zum Westen haben
werden.

- 11 -

Gorbatschow scheint heute unter-

�schiedlichem Druck im Inland ausgesetzt, das internationale Verhalten
der Sowjetunion zu mäßigen und Fortschritte bei der Aushandlung ernsthafter Rüstungskontrollmaßnahmen zu
erzielen.
Eine Art von Druck ergibt sich
aus der Schwierigkeit, das Ziel der
Perestrojka im Inland zu verwirklichen und gleichzeitig die Bürde
wirklich außerordentlich hoher Militärausgaben der Vergangenheit auf die
Wirtschaft aufrechtzuerhalten.
Ein
anderer Druck resultiert aus der
wachsenden Erkenntnis in der Sowjetunion, daß aufgrund von Glasnost die
Bedrohung eines Angriffs der NATO auf
den Warschauer Pakt eine ganz und gar
überzogene Illusion war.
Die sowjetische Rhetorik einer
"defensiven Verteidigung" und eines
"militärisch vernünftigen und ausreichenden Niveaus" liefert Grund zu der
Annahme, daß dieser Druck eines Tages
ein wünschenswertes Ergebnis produziert. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, unsere Sicherheitspolitik auf
die sowjetischen Fähigkeiten statt
auf Hoffnungen oder Absichtserklärungen zu gründen. Bis heute gibt es
keinen Beweis dafür, daß sich ihre
militärischen
Fähigkeiten
geändert
haben.
Ferner sind optimistische Anzeichen aus der Sowjetunion nicht nur
das Ergebnis des Drucks im Inland,
sondern auch der Anreize aus dem Ausland, die mit der Fähigkeit und Entschlossenheit der NATO, sich inakzeptablem Verhalten der Sowjets zu widersetzen, unter Beweis gestellt werden. Wenn wir die Chancen einer Verwirklichung der erhoften Verbesserungen maximieren wollen, müssen wir
diese Anreize beibehalten.

Perestrojka zu verzögern. Ebensowenig klar ist, ob der NATO aus solcher
Hilfe langfristig ein Vorteil erwachsen würde.
Während wir die Vorgänge in der
Sowjetunion sorgfältig im Auge behalten, sollten wir vielmehr weiterhin
vehement unsere eigenen Interessen
verfolgen. Wir sollten alles erforderliche zur Aufrechterhaltung angemessener
Abschreckungsfähigkeiten
tun. Wir sollten den Sowjets nach
wie vor Anreize bieten, bedeutungsvolle und stabilisierende Rüstungskontrollabkommen zu schließen.
Und
wir sollten Möglichkeiten eröffnen
und vorbereitet sein, kreativ auf
Chancen für konkrete Leistungen in
den Ost-West-Beziehungen zu reagieren.

Schlußbemerkung
Im Verlauf der vergangenen acht
Jahre ist viel gute Arbeit geleistet
worden. Meiner Ansicht nach können
wir ruhig sagen, daß sich die NATO
seit 1981 entscheidend verbessert
hat. Aber es nicht an der Zeit, sich
auf den Lorbeeren auszuruhen.
Es
bleibt noch viel zu tun, und große
Leistungen können noch erbracht werden.
Wenn wir bei unseren Fortschritten von klarem Zweckdenken und
von Einigkeit geleitet sind, kann das
Bündnis den Herausforderungen der vor
uns liegenden Jahre begegnen und noch
bessere Gewährleistung dafür bieten,
daß unsere Fähigkeit, in Frieden und
Freiheit zu leben, aufrechterhalten
wird.

Wir sollten uns inständigem Bitten um "Beistand für Gorbatschow" widersetzen. Es ist nicht klar, ob die
Wirtschaftshilfe der NATO an die
UdSSR mehr bewirken würde als den
Druck nach Durchführung der vordringlichsten und schwierigsten Teile der
- 12 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

45

7. Dezember 1983

BARBARA BUSH ERHEBT KAMPF GEGEN ANALPHABETENTUM ZU IHRER PRIORITÄT
- Porträt der künftigen First Lady -

WASHINGTON - (AD) - Die Frau des neu gewählten Präsidenten George Bush bezeichnet sich selbst als "Spätzünder", der an "Lebensabschnitte" glaubt - an
Zeiten, in denen man sich im Leben mit aller Kraft für eine Sache einsetzt.

"Meiner Ansicht nach tut es gut,
sich alle zehn Jahre ein neues Thema
vorzunehmen", erklärt sie. "Es tut
gut, den Arbeitsplatz zu wechseln,
neue Menschen zu treffen und neue
Projekte in Angriff zu nehmen."
Im Weißen Haus wird sie jedoch
wahrscheinlich ihr Lieblingsprojekt,
"den nationalen Kreuzzug zur Ausmerzung des Analphabetentums" weiterführen.
"Bei all meinen Anliegen - Umwelt, AIDS, Schwangerschaft von Minderjährigen - könnte Besserung eintreten, wenn mehr Menschen lesen und
schreiben könnten", so Barbara Bush.
"Eine Million amerikanischer Kinder pro Jahr erhalten keinen Schulab-

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schluß", erklärt sie. "Wenn einer
von uns nicht lesen kann, zahlen wir
alle dafür."
Das Problem betrifft diese eine
Million vorzeitige Schulabgänger sowie schätzungsweise
1,4 Millionen
Flüchtlinge und legale und illegale
Einwanderer. In der langen Reihe von
Arbeitslosen fehlen mehr als der
Hälfte die Fähigkeiten zur Kommunikation und die Motivation, schreibt
Mrs. Bush. "Schätzungsweise 23 Millionen Amerikaner stehen wegen ihres
Analphabetentums im Schatten." Ihr
zufolge gibt das Land etwa sechs Milliarden Dollar pro Jahr für Soziales
und Arbeitslosenprogramme aus, die
sich direkt auf Analphabetismus zurückführen lassen.

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�Mrs. Bush ist jedoch der Ansicht:
"Wir stehen jetzt kurz vor der Lösung
eines großen, aber größtenteils verborgenen nationalen Problems."
Mehrere tausend Freiwillige helfen etwa 100 000 Schülern pro Jahr
beim Lesenlernen.
Mit Mrs. Bushs
Hilfe wurde ein "Heißer Draht für Lesen und Schreiben" eingerichtet, um
Schiller und Lehrer in Kontakt zu
bringen. Barbara Bush freut sich auf
die Zeit, wenn jedes Kind nicht nur
lesen und schreiben, sondern auch einen Computer bedienen kann.
Mrs. Bush war "eine treibende
Kraft hinter der Sensibilität von
George Bush im Hinblick auf das Bildungswesen", erklärte ein Mitarbeiter
des neu gewählten Präsidenten.
Ihr Interesse an dem Thema wurde
entfacht als bei ihrem Sohn Neil eine
Leseschwäche
diagnostiziert
wurde.
Sie fand Lehrer, die mit ihm arbeiteten, und er konnte schließlich seinen
Magister an der Universität machen.
Seit dem Zeitpunkt, als die dreijährige Tochter Robin der Familie
Bush 1953 an Leukämie starb, hat
Barbara Bush auch Interesse an der
Bekämpfung dieser Krankheit bekundet.
Sie ist Ehrenvorsitzende der Gesellschaft zur Bekämpfung der Leukämie in
Amerika.
Die Obdachlosen sind ihr ein weiteres wichtiges Anliegen, insbesondere die 30 Prozent der Frauen mit Kindern. Die Väter "werden nicht für
die Kinder zur Verantwortung gezogen", erklärt sie, "sie gründen neue
Familien und helfen nicht den Frauen
und ihren Kindern, um die ich am meisten besorgt bin."
Mrs. Bush weigert sich, ihre persönliche politische Überzeugung zu
diskutieren.
In der Vergangenheit
hat sie Abtreibung befürwortet, während sich ihr Mann dagegen ausspricht. "Wenn ich zu kontroversen
Themen befragt werde, sage ich immer
'Lassen Sie mich Ihnen erklären was

George Bush dazu meint'. Ich bin mit
George über verschiedene Fragen geteilter Meinung, die ich aber nicht
preisgeben möchte.
Ich habe seine
Ansichten in 43 Jahren nicht verändert, und wüßte nicht, warum ich
jetzt damit anfangen sollte."
Barbara Bush erklärt: "Ich nehme
keine politischen Standpunkte ein,
weil ich mich als Ehepartner eines
gewählten Regierungsvertreters genauso fühle wie der Vizepräsident gegenüber dem Präsidenten. Man schuldet
dieser Person - diesem gewählten Vertreter - in der Öffentlichkeit Unterstützung. Hinter verschlossenen Türen kann man seine eigene Meinung
vorbringen. Aber ich bin kein gewählter
Regierungsvertreter.
Wenn
ich es wäre, würde ich auch von
George Bush verlangen, daß er mich
unterstützt."
Dennoch erklärt Mrs. Bush, daß
sie als First Lady eine Zwischenlösung zwischen Rosalynn Carters öffentlichem Engagement und dem privaten Stil von Nancy Reagan anstrebt.
Barbara Bush ist 63, Mutter von
vier Söhnen und einer Tochter und
zehnfache Großmutter.
Sie ist die
Tochter des Präsidenten der Zeitschrift McCall's und besuchte exklusive Mädchenschulen. Sie traf ihren
Mann bei einer Weihnachtsfeier, als
sie 16 und er 17 war. Kurz bevor er
im Zweiten Weltkrieg als Kampfpilot
nach Übersee geschickt wurde, verlobten sie sich, und Barbara Bush
verließ 1945 das College, um zu heiraten.
Nachdem George Bush in Yale Examen gemacht hatte, zog das Ehepaar
Bush in den Westen von Texas, wo
George Bush im Ölgeschäft ganz unten
anfing.
Seine
Familie lieh ihm
schließlich das Geld zur Gründung einer eigenen Firma.
Von dort aus zog Barbara Bush mit
ihrem Mann im Laufe seiner Zeit als
Regierungsvertreter 17 mal um, auch
nach Peking, wo er Leiter des Verbin-

- 2 -

�dungsbüros war, bevor die Vereinigten
Staaten und die Volksrepublik. China
formell Beziehungen aufnahmen.
Es
existiert ein Photo von ihnen mit ihren Fahrrädern auf dem Platz des
Himmlischen Friedens, und seitdem interessiert sich Mrs. Bush für chinesische Geschichte und Kunst. Nach
ihrer Rückkehr bereiste sie Amerika
mit einer Diavorführung über China,
das damals Ausländern weitgehend verschlossen war. Insgesamt hat sie 68
Länder und alle 50 amerikanischen
Bundesstaaten besucht.
Bei ihren Reden im Wahlkampf erzählte sie gerne Witze über sich
selbst. Um Geld für ihre Anliegen zu
sammeln, gab sie ein Buch mit Geschichten heraus, die im Namen des
Hundes der Familie namens C. Fred geschrieben sind. Bei einer Autogrammstunde für das Buch wollte ihr zufolge eine Frau wissen, wo C. Fred denn
sei. Auf die Antwort, er sei zuhause
in Washington, war die Dame beleidigt
und erwiderte: Sie meinen also, ich
bin umsonst hierher gekommen?
Beim Empfang einer Botschaft für
Vizepräsident Bush, so erinnert sie
sich, wurde sie von einem Gast mit
einem
freundlichen
"Hallo,
Mrs.
Shultz" begrüßt, während ein anderer
ihr mit den Worten "Willkommen in unserem Land" die Hand schüttelte.
Bei einem Auftritt mit dem Vizepräsidenten im Wahlkampf rief ein
Fotograph: "Würde die Dame im roten
Kleid bitte aus dem Bild gehen?"
Nach einem Blick auf ihr Kleid erkannte sie dann: "Mein Gott, er meint
mich."

* * * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

7. Dezember 1988

45

POWELL: BUSH WIRD AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN FESTIGEN
- Artikel über eine Pressekonferenz mit Colin Powell -

WASHINGTON - (AD) - Reagans Nationalem Sicherheitsberater zufolge wird
Präsident Reagan Generalsekretär Gorbatschow nächste Woche davon unterrichten,
daß der neu gewählte Präsident Bush die ausgezeichneten Beziehungen zwischen
Washington und Moskau weiter ausbauen will.
Generalleutnant Colin Powell erklärte am 2. Dezember 1988 gegenüber Journalisten, Reagan sei "stolz auf die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte - wozu er auch allen Grund hat. Ich bin sicher, er wird dies auch
dem Generalsekretär übermitteln."
Bush dem beipflichten wird."

Reagan vertritt die Auffassung,
daß seine Zusammenkünfte mit Gorbatschow den Beziehungen eine neue und
in der Geschichte einmalige Richtung
gegeben haben - durch das Abkommen
über die Beseitigung einer gesamten
Kategorie von Kernwaffen, den Abbau
regionaler Konflikte, die Verbesserung der Menschenrechte in der Sowjetunion und den Ausbau der bilateralen Beziehungen.

Die Vereinigten Staaten "haben
keine wichtigen neuen Vorschläge zu
unterbreiten" erklärte Powell, "und
Entwürfe sind mir nicht bekannt".
Wenn es Vorschläge von seiten der Sowjets gibt, wird Reagan Powell zufolge bereit sein, "diese aufmerksam anzuhören und darauf zu antworten oder
sie gegebenenfalls zu überdenken."

Powel erklärte im Rahmen seines
Gesprächs mit Journalisten über das
bevorstehende
Treffen von Reagan,
Gorbatschow und Bush am 7. Dezember,
der Präsident werde "dem Generalsekretär bedeuten, daß unsere Leistungen
der letzten drei Jahre von Vizepräsident Bush fortgeführt werden, und ich
bin sicher, daß auch Vizepräsident

Die Spitzenpolitiker werden angesichts des Ablaufs der Reagan-Jahre
eine Bilanz über Fortschritte im Bereich der Rüstungskontrolle ziehen
und erörtern, "welche Schritte Vizepräsident Bush bei seiner Amtsübernahme im Januar generell zu unternehmen gedenkt. Ich erwarte keine detaillierten Vorschläge" . .. Reagan

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�und Gorbatschow wird mit diesem letzten Zusammentreffen die Möglichkeit
geboten, "eine Bestandsaufnahme der
gegenwärtig stabilen und sich verbessernden Beziehungen vorzunehmen und
dem Vizepräsidenten Gelegenheit zu
einem kurzen Gespräch mit dem Generalsekretär über den weiteren Ausbau
dieser Beziehungen gegeben".
Powell erklärte, unter protokollarischen Gesichtspunkten werde Bush
als Vizepräsident und nicht als designierter Präsident an der Zusammenkunft auf Governor's Island teilnehmen.
Er fügte hinzu, entgegen anderslautender Spekulationen sei ein
privates Treffen zwischen Bush und
Gorbatschow nicht vorgesehen.
Gorbatschow wird sich nach seiner
Ansprache vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen mit dem Schiff zu
der Insel begeben, um dort mit Reagan
und Bush in der Residenz des Kommandeurs der Küstenwache der amerikanischen Atlantikflotte (Quarters One)
zusammenzukommen. Zum Auftakt ihrer
Gespräche werden die drei Politiker
auf privater Ebene zusammentreffen
und anschließend gemeinsam mit ihren
Beratern ein Arbeitsessen einnehmen.
Auf Seiten der Vereinigten Staaten
werden Reagan und Bush begleitet von
Außenminister George Shultz, Powell,
Rozanne Ridgway, Abteilungsleiterin
für europäische Angelegenheiten im
Außenministerium, dem Stabsschef im
Weißen Haus, Ken Duberstein, und Jack
Matlock, amerikanischer Botschafter
in Moskau.
Nach dem Essen werden die drei
Staatsmänner vom auf der Insel gelegenen Liberty Village aus Sehenswürdigkeiten im Hafen von New York besichtigen, einschließlich der nahegelegenen Freiheitsstatue. Anschliessend werden Reagan und Gorbatschow
zur Verabschiedung des Generalsekretärs zur Anlegestelle der Insel fahren.
Powell geht von einem inhaltsreichen Arbeitsessen aus, erwartet aber
keine Überraschungen.
Die Diskus-

sion, so Powell, werde der vereinbarten vierteiligen Tagesordnung folgen,
welche auch bei den Gipfeltreffen
zwischen Reagan und Gorbachev eingehalten wurde. Wie üblich werde, fuhr
Powell fort, in den Diskussionen auch
die Frage der Menschenrechte "vorrangig behandelt".
Auch Rüstungskontrolle, regionale Konflikte und bilaterale Fragen würden erörtert, fügte
Powell hinzu.
Powell hob hervor, daß Gorbatschow seit seinem letzten Besuch vor
einem Jahr in Washington "seine Führungsrolle in der Sowjetunion gestärkt hat und vielerlei Änderungen
erfolgt sind". Er sagte, Washington
sei durch die Beendigung der Störung
westlicher Radioübertragungen in die
Sowjetunion und die Gewährung von
Ausreisegenehmigungen an eine Zahl
von langjährigen Regimekritikern "ermutigt".
Powell erklärte, die Sowjetunion
sehe sich mit erschreckenden Problemen konfrontiert, zu denen die Aufstände in den sowjetischen Republiken, insbesondere im Kaukasus, und
der schwierige Kampf zur Verbesserung
wirtschaftlicher Leistungen gehöre.
Er fügte hinzu, die Vereinigten
Staaten begrüßten "Fortschritte in
einigen für die Supermächte kontroversen Bereichen" regionaler Konflikte, insbesondere in Afghanistan, Angola und Kambodscha. Von Gorbatschow
erwarte er eine recht eingehende Erörterung sowjetischer Vorschläge zu
einer Ubergangsregierung in Afghanistan, wobei die Genfer Vereinbarungen über den sowjetischen Truppenabzug bis zum 15. Februar überprüft
werde.
Powell sagte, Reagan werde
seine Haltung hierzu wiederholen,
nämlich daß die Parteien selbst über
eine dem derzeitigen Regime nachfolgende Regierung in Kabul entscheiden
sollten und dies nicht von Moskau
oder Washington durchgesetzt werden
könne.
Powell zufolge wird der Präsident
erklären, daß "Fortschritte (bei der

- 2 -

�Beilegung regionaler Konflikte) ohne
Rückschläge andauern sollen", und erwarte eine Erneuerung des Moskauer
Versprechens, die Truppen bis zum 15.
Februar 1989 aus Afghanistan abzuziehen.
Auf eine Frage erwiderte Powell,
er sehe in dem Besuch Gorbatschows in
Kuba keinen Auftakt für den Versuch
Moskaus, seine Prioritäten in Nicaragua zu verlagern.
Die sowjetische
Seite ist sich nach Powells Ansicht
der
traditionellen
amerikanischen
Übe rzeugung bewußt, daß die Situation
in Mittelamerika entschieden verbessert würde, "wenn die 500 Millionen
Dollar an Militärhilfe", die sie dem
sandinistischen Regime in Managua zur
Verfügung stellen, "einem anderen Regime gegeben würden, das sich dem
Wohlstand und Wohlergehen der Menschen mehr verpflichtet fühlt".

reitungsgesprächen zwischen dem amerikanischen und sowjetischen Außenminister.)
"Auf beiden Seiten besteht Interesse an einer Belebung der Beziehungen", erklärte Powell, "und an Fortschritten.
Andererseits
sind die
Termine zu Beginn der Amtszeit der
neuen Administration bereits dichtgedrängt und ich weiß, daß auch die andere Seite Anfang des Jahres einige
Vorhaben hat ... Ich möchte mich hier
keinen Spekulationen darüber hingeben, was in Generalsekretär Gorbatschow und Vizepräsident Bush vorgeht."

Powell verlieh seiner Hoffnung
Ausdruck, Gorbatschow möge erkennen,
"daß es immer einen Störfaktor in unseren Beziehungen geben wird, solange
nichts im Hinblick auf das durch Kuba
und Nicaragua entstandene Problem getan wird und wir nicht so weit gehen
können, wie wir es bei den regionalen
Problemen gerne täten".
Seinen Worten zufolge erwartet er
einen Abzug der kubanischen Truppen
aus Angola entsprechend dem Zeitplan,
wenn das noch ausstehende Abkommen
zwischen Angola und Namibia unterzeichnet wird, und betonte die "konstruktive Rolle" der sowjetischen
Diplomatie bei der Schlichtung von
Konflikten im südlichen Afrika.
Seiner Aussage nach war ihm nicht
bekannt, ob die Möglichkeit eines
frühen
Gipfeltreffens
zwischen
Gorbatschow und Bush erörtert würde.
Nach seinen allgemeinen Gesprächen
mit Bush gehe er davon aus, daß der
Vizepräsident keinen festen Termin
mit nach Governor's Island nehmen
werde. (Bush hat erklärt, er wünsche
ein Treffen mit Gorbatschow zu einem
frühen Zeitpunkt, aber erst nach Konsultationen mit der NATO und Vorbe-

- 3-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'V,oN *

7. Dezember 1988

45

HANDELSKONFERENZ IN MONTREAL MIT UMFASSENDER TAGESORDNUNG
- Überblick über die zu erörternden Themen -

WASHINGTON - (AD) - Wenn die Handelsminister aus 105 Ländern nächste Woche
für eine "Zwischenbilanz" der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche in
Montreal zusammenkommen, werden in 15 verschiedenen Bereichen Verhandlungen
geführt.
Obwohl einige Entscheidungen bereits getroffen wurden, sind Abkommen
bei zahlreichen Schlüsselthemen noch
nicht in greifbare Nähe gerückt.

darüber erzielt werden können,
was die Minister bis 1990 verwirklichen wollen:
Geistiges Eigentum
Dienstleistungen
Zölle
Handelsbezogene
Investitionsmaßnahmen
Nichttarifäre Maßnahmen

Aus Sicht amerikanischer Reglerungsvertreter können die in Montreal
zu erörternden Themen in drei Bereiche unterteilt werden:

Themen, bei denen greifbare Ergebnisse erzielt werden können:
Landwirtschft
Tropische Produkte
Beilegung von Konflikten
Funktionsweise des GATT-Systems

2.

Themen, bei denen Rahmenabkommen

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3.

Übrige Bereiche, zu den Berichte
über den Stand der Verhandlungen
vorgelegt werden:
Textilien
Natürliche Ressourcen
Sicherungsklauseln
GATT-Abkommen (z.B. Zahlungsbilanzbestimmungen,
Umgang
mit

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�nicht
marktorientierten
Wirtschaften)
Subventionen
GATT-Kodizes (z.B. Regierungsbeschaffung, Zolldeklarierung).
Die Vereinigten Staaten werden
die Mitglieder der GATT-Runde in
Montreal auch dazu drängen, sich in
einem Abkommen zur Beendigung der
Runde im Jahr 1990 zu verpflichten,
und sie nicht bis in die neunziger
Jahre fortzusetzen.

Ein verwandtes Thema, das voraussichtlich Gegenstand bilateraler Gespräche bei dem Treffen sein wird,
betrifft die Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten Yeutter
vom vergangenen Monat, er sei im Begriff, Maßnahmen gegen Japan wegen
der kontinuierlichen unfairen Handelspraktiken dieses Landes zu ergreifen, es sei denn, Japan erkläre
sich beim Treffen von Montreal bereit, Reis als einen Bereich einzubeziehen, in dem die Handelsschranken
abgebaut werden müssen.

Landwirtschaft
Tropische Produkte
Eindeutig eines - wenn nicht das
umstrittenste - Thema bei den Verhandlungen ist die Forderung der Vereinigten Staaten nach der Abschaffung
aller handelsverzerrenden staatlichen
Subventionen für Bauern zu einem noch
auszuhandelnden Zeitpunkt. Die Europäische Gemeinschaft hat dagegen Einspruch erhoben und fordert stattdessen kurzfristige Maßnahmen zur Verringerung der derzeitigen Überproduktion - eine Situation, die sich kostenintensiv auf die Haushalte ausgewirkt und zum Dumping von Überschüssen auf andere Märkte geführt hat.
Das Treffen in Montreal könnte zu einem Abkommen über ein Einfrieren dos
derzeitigen Niveaus an staatlicher
Unterstützung,
Subventionen
und
Schutzmaßnahmen
führen. Diese Aussicht erscheint vielen Gruppen verlockend - der EG, der Cairns-Gruppe
(eine Gruppe von 13 Agrarexportländern) und den Entwicklungsländern.
Aber die Vereinigten Staaten erklären, sie würden sich einem solchen
Abkommen widersetzen, es sei denn, es
würde an die Verpflichtung gekoppelt,
die
langfristigen
Strukturprobleme
der Agrarsubventionen anzusprechen.
Die Cairns-Gruppe ist der Ansicht,
daß ein Zurückschrauben der Subventionen erforderlich sein könnte, um
einen Rückfall in protektionistische
Praktiken zu vermeiden, und daß unverzügliche Maßnahmen - wie ein Einfrieren - selbst ohne langfristige
Verpflichtungen
ergriffen
werden
sollten.

Die Entwicklungsländer sehen ein
Abkommen in diesem Bereich als Lackmustest für die Aufrichtigkeit der
Industrienationen an, die Entwicklungsländer
in den multilateralen
Handelsprozeß einzubeziehen.
Grundsätzlich beinhaltet dies Zollsenkungen und den Abbau anderer nichttarifärer Handesschranken bei tropischen
Agrarprodukten (Kaffee, Kakao, Reis,
Pflanzenöle, Bananen usw.) sowie tropischen Industrieprodukten (Holz und
Gummi, Jute, Hartfasern usw.). Amerikanische Regierungsvertreter haben
Fortschritte bei diesen Verhandlungen
an Fortschritte im umfassenderen Bereich des Agrarhandels geknüpft. Um
ein Abkommen in Montreal zu erzielen,
müssen die Entwicklungsländer - ebenso wie Japan und die Europäische Gemeinschaft - amerikanischen Regierungsvertretern zufolge größere Verantwortung beim Abbau der Handelshemmnisse
für
tropische
Produkte
übernehmen. In dieser Hinsicht haben
nach Aussage der amerikanischen Regierungsvertreter Brasilien, Kolumbien, Malaysia, Thailand - und in begrenztem Maße - Mexiko Fortschritte
erzielt.

Beilegung von Konflikten
Zahlreiche Länder sehen die Art
und Weise, in der das GATT Handelskonflikte behandelt, als lästig und
übertrieben langwierig an. Verände-

- 2 -

�rungen werden bei den Bestimmungen
angestrebt, um das Verfahren zur Beilegung von Konflikten zu beschleunigen, indem dem GATT-Generaldirektor
eine verstärkte Schlichtungsrolle zugewiesen und die Auswahl und das Vorgehen von Schlichtungsgremien verbessert wird. Die Vereinigten Staaten
würden gerne einen Zeitraum von insgesamt 15 Monaten zur Vervollständigung des Schichtungsverfahrens festlegen.
Aussagen amerikanischer Regierungsvertreter zufolge wurde bereits Einigung zu zahlreichen Themen
erzielt und ein vorläufiges Abkommen
von Montreal, das 1989 in Kraft
tritt, ist wahrscheinlich. Ein noch
umstrittener Bereich betrifft die Art
und Weise, wie die in einem Konflikt
unterlegene Partei davon abgehalten
werden kann, die Durchführung einer
vom GATT-Ausschuß getroffenen Entscheidung zu verhindern, wie es zur
Zeit noch möglich ist.

Funktionsweise des GATT-Systems
Bestrebungen in diesem Bereich
zielen darauf ab, die Rolle des GATT
dahingehend zu erweitern, mehr entsprechend den Richtlinien des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu arbeiten.
Dies würde die Einführung
einer
in
regelmäßigen
Abständen
durchgeführten rigorosen Überwachung
der Handelspolitik der Mitgliedsländer des GATT, mindestens alle zwei
Jahre ein Treffen auf Ministerebene
der GATT-Mitglieder sowie erweiterte
Zusammenarbeit zwischen dem GATT und
Institutionen wie dem IWF beinhalten.
Einer der umstritteneren Vorschläge
in diesem Bereich sieht vor, daß eine
kleine Gruppe von HandelsminiStern
aus etwa 12 bis 15 Entwicklungs- und
Industrienationen
sich
häufiger
trifft, um zur Steuerung der GATT-Politik beizutragen. Amerikanische Regierungsvertreter sind der Ansicht,
zu öinigen dieser Themen könnte in
Montreal Einigung erzielt und mit Beginn des Jahres 1989 deren Einführung
auf vorläufiger Basis vorgenommen
werden.

Geistiges Eigentum
Einem der kontroversen Themen bei
den Verhandlungen, verbesserte internationale Normen für den Schutz von
Patenten, Urheberrechten, Warenzeichen, den Aufbau von Halbleitern sowie Geschäftsgeheimnisse, gilt das
besondere
Interesse
der
amerikanischen Industrie und des Kongresses.
Die Haltung der Vereinigten Staaten geht davon aus, daß der unzureichende Schutz der Rechte an geistigem
Eigentum amerikanische Firmen jährlich über 43 Milliarden Dollar kostet, die wirtschaftliche Entwicklung
in allen Ländern bremst sowie von Investitionen in Forschung und Entwicklung abschreckt, die zu technologischen Durchbrüchen führen könnten.
Während einige Entwicklungsländer
wie Hongkong, Singapur, Thailand, Argentinien, Chile und Industriestaaten
wie
Australien,
Neuseeland,
die
Schweiz, Schweden, die EG-Staaten,
Japan und Kanada schärfere Regelungen
in diesem Bereich unterstützen, lehnt
eine von Brasilien und Indien angeführte Gruppe von Entwicklungsländern
jegliche Rolle des GATT bei dieser
Frage ab.
Letztere argumentieren,
die bestehenden Organisationen, wie
etwa die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), seien der richtige Ort, um solche Vereinbarungen
auszuhandeln.
Die Vereinigten
Staaten haben
keine Bedenken gegen Verhandlungen
über einen besseren Schutz geistigen
Eigentums innerhalb der WIPO, wie ein
führender amerikanischer Handelsvertreter am 30. November 1988 einem Reporter erklärte, solange ein solcher
Schutz bis zum planmäßigen Ende der
Uruguay-Runde im Jahr 1990 vereinbart
werden kann. Er bezweifelte jedoch,
daß in der Wipo bis zu diesem Termin
ein angemessener Schutz ausgehandelt
werden könne.
Ferner bestehen Meinungsverschiedenheiten darüber, ob an den internationalen Grenzen schärfere Uberwa-

�chungsmaßnahmen benötigt werden, um
den Handel mit Gütern zu stoppen, die
Rechte an geistigem Eigentum verletzen, und ob diese Maßnahmen im Inland
angewandt werden sollten.

Dienstleistungen
In bezug auf einen der am schwierigsten faßbaren Verhandlungsbereiche
streben die Vereinigten Staaten in
Montreal eine politische Übereinkunft
dazu an, welche allgemeinen Handelsprinzipien auf einen Dienstleistungskodex anzuwenden seien, sowie einen
Zeitplan für Verhandlungen darüber,
welche Dienstleistungsindustrien genau von diesen allgemeinen Prinzipien
erfaßt würden und wie diese Verhandlungen abgewickelt werden sollten.
Zum Beispiel könnten sich die Unterhändler darauf verständigen, die Verhandlungsgruppe Dienstleistungen in
Untergruppen wie etwa Bankwesen, Versicherungswesen, Tourismus etc. aufzuteilen. Der Handel mit Dienstleistungen umfaßt
schätzungsweise 25
Prozent des gesamten Welthandels.
Und obwohl dies der am schnellsten
wachsende Sektor der amerikanischen
Wirtschaft ist, der zudem 62 Prozent
des amerikanischen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, werden Dienstleistungen gegenwärtig nicht von den
GATT-Regeln erfaßt.
Führende
Handelsvertreter
der
Vereinigten Staaten erklären, der von
der Verhandlungsgruppe Dienstleistungen in Montreal den Ministern vorzulegende Textentwurf sei kaum lesbar,
da er soviele strittige Punkte enthält. Während die amerikanische Position von den meisten Industriestaaten und einigen Entwicklungsländern
unterstützt wird, ist eine andere
Gruppe von Ländern, unter ihnen Brasilien, Indien, Peru, Nigeria, Tansania, Jugoslavien, Kuba und Nicaragua,
der Auffassung, die amerikanischen
Vorschläge würden zu einer Monopolisierung der Märkte von Entwicklungsländern durch die Dienstleistungsindustrien der Industriestaaten führen.
Diese Länder streben einen Sondersta-

tus für Entwicklungsländer an, darunter bevorzugten Marktzugang zu den
Dienstleistungsmärkten der Industriestaaten, das Recht zur Beschränkung
ausländischer Geschäftspraktiken sowie Regelungen, die ihnen den Technologietransfer zu Vorzugsbedingungen
garantieren würden. Die Vereinigten
Staaten lehnen einen solchen Sonderstatus ab, räumen jedoch ein, daß
Entwicklungsländer
einen
längeren
Zeitraum für die Einführung neuer Regelungen zu Dienstleistungen benötigen könnten und anfangs vielleicht
bestimmte Maßnahmen aus entwicklungspolitischen Gründen aussetzen müßten.

Handelsbezogene Investitionsmaßnahmen
Als die Uruguay-Runde im Jahr
1986 initiiert wurde, vereinbarten
die Minister lediglich, handelsbeschränkende Maßnahmen im Hinblick auf
Investitionen zu untersuchen, wobei
die Möglichkeit einer Ausdehnung der
bestehenden GATT-Verfügungen ins Auge
gefaßt wurde, "die zur Vermeidung
solch gegenteiliger Effekte für den
Handel notwendig sein könnten".
Obwohl neue GATT-Sanktionen in
diesem Bereich von den Entwicklungsländern scharf abgelehnt werden, die
der Meinung sind, Regierungen besäßen
das souveräne Recht, ausländische Investitionen in ihren Volkswirtschaften zu kontrollieren, erwarten die
Vereinigten Staaten in Montreal eine
Vereinbarung
der zufolge Maßnahmen
in bezug auf Investitionen dem GATTKodex unterworfen werden. In diesem
Zusammenhang soll bis 1990 Übereinstimmung über eine Liste von Maßnahmen erzielt werden, die als handelsverzerrend betrachtet werden sowie
darüber, welche bestehenden GATT-Kodizes oder neuen GATT-Regelungen zur
Beseitigung solcher Maßnahmen notwendig sind. Vertreter der Vereinigten
Staaten betrachten dies gegenwärtig
nicht als kontroverses Thema, teilweise aufgrund einer Erklärung im
Vertragsentwurf, die eine Berücksichtigung entwicklungspolitischer Ziele

- 4 -

�bei der Schaffung neuer GATT-Verfügungen in diesem Bereich gestatten
würde.
Ein Beispiel handelsbezogener Investitionsmaßnahmen wäre die Bedingung, der zufolge ein Tochterunternehmen in ausländischem Besitz einen
festgelegten Prozentsatz der Produktion oder eine Mindestanzahl oder einen Mindestwert an Waren exportiert.
Bis heute haben die Unterhändler 13
verschiedene handelsbezogene Investitionsmaßnahmen bestimmt.

Zölle
Die meisten Länder haben Einigung
über die Notwendigkeit erzielt, die
Zollsätze erheblich zu senken.
Es
bestehen jedoch weiterhin Meinungsverschiedenheiten darüber, ob alle
Zölle mit der gleichen mathematischen
Formel gesenkt werden sollten oder ob
die Länder Zugeständnisse bei den
Zöllen in bilateralen Verhandlungen
erreichen sollten, deren Ergebnisse
auf der Grundlage der Meistbegünstigung (die Verpflichtung, daß ein Land
einem anderen Land die niedrigsten
einem Drittland zugestandenen Zollsätze gewährt) verwirklicht würden.
Amerikanischen
Vertretern
zufolge
würden bei Anwendung des Formelansatzes alle Länder daran teilnehmen müssen, während bei Verhandlungen in der
Vergangenheit einige Länder sich entschieden, keine Senkungen der Zölle
durchzuführen, gleichzeitig aber von
den Zollsenkungen
anderer Staaten
profitierten.
Obwohl die meisten
Staaten sich bereit erklärt haben,
überwiegend "gebundene" Zölle einzuführen - unter der Voraussetzung, daß
das Zollniveau nicht angehoben wird
-, muß noch ausgehandelt werden, wie
umfassend diese Bindung sein würde.
Die Vereinigten Staaten haben
ferner unlängst vorgeschlagen, alle
Zölle der Industriestaaten auf Produkte aus den ärmsten Entwicklungsländern abzuschaffen. Eine Vereinbarung zu diesem Vorschlag wird in
Montreal nicht erwartet.

Subventionen und Gegenmaßnahmen
Der Schwerpunkt der Verhandlungen
in diesem Bereich liegt auf der Verbesserung der gegenwärtigen GATT-Vereinbarung über Subventionen, die der
Auffassung zahlreicher Länder zufolge
unter mangelnder an Klarkeit und unzureichenden Bestimmungen über Sanktionen leidet. Im jetzigen Stadium
sind die Länder jedoch in höchstem
Maße gespalten darüber, welche Subventionen als zulässig zu erachten
sind, in welchem Umfang ein Land gegen eine Subventionierung vorgehen
kann und ob einem Entwicklungsland
Sonderbehandlung zugestanden werden
sollte.
Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge wird von den Ministern in Montreal erwartet, daß sie
ein vom Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Subventionen verfaßtes Rahmenabkommen "zur Kenntnis" nehmen, ohne
entsprechende Verpflichtungen einzugehen. Dieses Abkommen würde Subventionen in drei Kategorien unterteilen: verbotene Subventionen, gestattete, aber anfechtbare sowie erlaubte
Subventionen. Es betrifft ebenfalls
verbesserte Abhilfe und gestraffte
Schlichtung von Streitigkeiten. Amerikanische Regierungsvertreter erwarten, daß die letzten zwei Verhandlungsjahre schwierig und kontrovers
verlaufen werden.
Obwohl die Vereinigten Staaten das Konzept des Rahmenabkommens befürworten, haben sie
ernsthafte Vorbehalte gegen Bestimmungen, die Subventionen, Erhebung
von Ausgleichszöllen
und erlaubte
Subventionen definieren.

Nichttarifäre Handelshemmnisse
Zielsetzung der Uruguay-Runde in
diesem Bereich ist die Abschaffung
nichttarifgebundener
Handelshindernisse (NTB) - unter anderem Quoten,
Subventionen
und
diskriminierende
staatliche
Beschaffungspraktiken
die
von
bestehenden
GATT-Kodizes
nicht ausreichend erfaßt werden. Eine Reihe dieser NTBs wird von anderen

- 5 -

�Verhandlungsgruppen der Uruguay-Runde
abgedeckt. Die Gruppe ist angesichts
der von den Vereinigten Staaten vorgelegten Liste der von 32 Ländern
aufgebauten 150 Hindernissen gegenwärtig damit befaßt, diese Hindernisse zu identifizieren. Der im Rahmen
der Zwischenbilanz vorgelegte Bericht
soll ein Statusbericht vergangener
Treffen wie auch eine Richtlinie für
zukünftige Verhandlungen sein.

Bei den Runden erzielte
Vereinbarungen und Kodizes
Im Rahmen der letzten 1979 abgeschlossenen Runde von Handelsverhandlungen wurden sechs Kodizes ausgehandelt und damit neue Regeln zur staatlichen Beschaffung, Normen, Zolldeklarierung, Importlizenzen, Antidumping, Subventionen und Ausgleichszölle festgesetzt. Die Direktive dieser
Gruppe liegt gegebenenfalls in der
Klärung und Verbesserung der Kodizes.
Bis jetzt haben sich die Verhandlungen auf Normen, Importlizenzen und
Antidumping konzentriert. Im Rahmen
des Normencodes unterstützen die meisten Länder Bestrebungen zur besseren
Disziplin bei Zustimmungs-, Inspektionsund
Testverfahren.
Neue
Sanktionen bei Importlizenzen stießen
auf wenig Zustimmung. Und eine Reihe
von Ländern streben Änderungen an, um
einem Land Antidumpingmaßnahmen zu
erschweren.
Es wird erwartet, daß
die Minister in Montreal den gegenwärtigen Stand der Gespräche zur
Kenntnis nehmen, Bereiche der Übereinstimmung umreißen und intensivierte Verhandlungen fordern.

Sicherungsklauseln
Artikel 19 des GATT gestattet gegenwärtig
einem Importland, seine
heimische Industrie zeitweise zu sichern, wenn eine Zunahme der Importe
ernsthafte Nachteile mit sich bringt
oder mit sich zu bringen droht. Dennoch sind die Vorschriften vage und
werden oftmals umgangen.

Angesichts der den Entwicklungsländern zugestandenen hohen Priorität
sind die Verhandlungen dennoch nur
langsam vorangekommen, weil Vereinbarungen darüber fehlten, ob es einem
Land gestattet sein soll, nur Maßnahmen gegen die .Länder zu ergreifen,
die das Problem angeblich verursachen
oder ob gegen alle Länder einheitliche Maßnahmen ergriffen werden sollen. Die Zwischenbilanz wird die Unterhändler
erwartungsgemäß
auffordern, bis Mitte 1989 Verhandlungen
über die Bestandteile der neuen Sicherungsklauseln aufzunehmen.

Artikel des GATT
Die Zielsetzung dieser Gruppe ist
die Überarbeitung bestehender GATTArtikel, Bestimmungen und Sanktionen
auf Wunsch der GATT-Mitglieder. Unter den von dieser Gruppe erörterten
Problemen befindet sich eine Bestimmung, die es einzelnen Ländern gestattet, Handelsschranken zu errichten, wenn sie sich im Hinblick auf
ihre Zahlungsbilanz in Schwierigkeiten befinden wie auch eine Bestimmung
über die Behandlung der nicht marktwirtschaftlich
orientierten
Volkswirtschaften des GATT.
Die Länder
befinden sich immer noch im Prozeß
der Prüfung, und über einzelne GATTArtikel sind noch keine Verhandlungen
aufgenommen worden.

Stillstand und Rückschläge
Im Jahr 1986 haben die Mitgliedstaaten des GATT gefordert, daß die
Errichtung
neuer
Handelsschranken
vermieden und alle den Handel einschränkenden oder verzerrenden Maßnahmen abgeschafft werden, die nicht
mit gegenwärtigen Bestimmungen des
GATT im Einklang stehen. Gegen die
Verletzung dieser Forderung sind viele Einwände
erhoben worden.
In
Montreal wird die Wirksamkeit dieser
Verpflichtung überprüft und das GATT
wahrscheinlich gebeten werden, bis
Juli 1989 eine eingehende Bewertung
dazu durchzuführen.
Ferner werden

�die Handelsminister kommenden Monat
zur Bestätigung ihrer Verpflichtung
aufgefordert werden.

Textilien
Die Länder haben Informationen
ausgetauscht, aber noch keine Verhandlungen aufgenommen. Die Entwicklungsländer haben ein Ende des bestehenden Multifaser-Abkommens (Multifiber Arrangement - MFA) gefordert,
mit dem den Importländern gestattet
wird, Länderquoten mit den einzelnen
Textilherstellern auszuhandeln.
Obwohl die Vereinigten Staaten ihre
Verhandlungsposition noch nicht dargelegt haben, behandeln alle bisher
vorgelegten Dokumente Verfahrensweisen zur Einstellung des MFA.

Produkte aus Rohstoffen
Die Vereinigten Staaten haben
vorgeschlagen, daß das ursprünglich
die Überprüfung von Problemen des
Marktzugangs bei nicht eisenhaltigen
Metallen, forstwirtschaftlichen Produkten und Fischereierzeugnissen umfassende Mandat der Gruppe jetzt auf
energiewirtschaftliche Produkte ausgedehnt werden soll.
Die Gruppe
überprüft gegenwärtig noch Marktzugangsbeschränkungen und berät andere
Gruppen der Uruguay-Runde über Möglichkeiten der Verbesserung von GATTSanktionen im Hinblick auf diese Produkte.

* * * * * *

- 7 -

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
7. Dezember 1988

45

ELTERN FORMIEREN SICH
- EURAD - "Europäische Elternliga gegen Drogenmißbrauch" -

WASHINGTON - (AD) - "Einer der wichtigsten Beiträge, den die Vereinigten
Staaten zu den internationalen Anstrengungen bei der Bekämpfung von Drogenproduktion und Drogenhandel leisten können, besteht in der Verringerung der Nachfrage bei uns." Ann Wrobleski, Unterstaatssekretärin für Internationale Drogenangelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, stellte sich auf der
ersten PRIDE-Konferenz in der Bundesrepublik Deutschland am 22. November 1988
in Stuttgart uneingeschränkt hinter das von Präsident Reagan am 18. November
unterzeichnete neue Anti-Drogengesetz mit seinen außerordentlich verschärften
Maßnahmen. Es soll außerdem "... jenen ein Mittel an die Hand geben, deren
tägliche Aufgabe darin besteht, die Straßen und Städte Amerikas von der Geißel
illegaler Drogen zu säubern".

PRIDE bedeutet "Parents Resources
Institute for Drug Education". Die
Organisation ging aus einer vor 12
Jahren in Atlanta (Georgia) gegründeten Elterninitiative hervor, sowohl
die Jugend wachsam gegenüber Drogen
zu machen und sich der Verführung zu
widersetzen, als auch die Eltern über
die Fakten gründlich zu informieren
und zur strikten Überwachung ihrer
Kinder zu "erziehen".
Eine solche
Überwachung sei natürlich bei 17jährigen nicht mehr möglich, sagt Dr.
Thomas Gleaton, Präsident der amerikanischen PRIDE-Organisation.
"Aber
bei Kindern bis 16 wollen wir zum
mindesten vorbeugen." So ist die Arbeit der kommunalen PRIDE-Vereinigungen mit Aktionen aller Art in ganz
Amerika verbunden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Inzwischen haben sich nach dem
Modell von Atlanta auch in einer Reihe
anderer Länder oder Regionen
PRIDE-Organisationen
konstitutiert.
Die jüngste mit Namen EURAD (European
Parents against Drug Abuse), wurde in
Stuttgart aus der Taufe gehoben wurde. Dr. Gleaton vom US-Informationsamt (USIA) hatte als Vertreter von
AMPART, der amerikanischen PRIDE-Sektion, an der Stuttgarter Konferenz
teilgenommen.
Nach
der
Rückkehr
zeigte er sich sehr beeindruckt von
der Entschlossenheit der Partner in
Europa, sich der Drogenflut entgegenzustemmen und auch schon gegen gelegentlichen Drogenkonsum hart vorgehen
zu wollen.
Die Äußerungen der ca. 700 Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hätten erkennen lassen, daß EURAD eine "viel militantere Position" einnimmt, als dies bei den amerikanischen Bürgergruppen
anfangs der
Fall war. Der europäisch Regionalorganisation gehören die Staaten Bundesrepublik
Deutschland,
Dänemark,
Großbritannien, Frankreich, Irland,
Niederlande,
Norwegen,
Portugal,
Schweden und Spanien an. "Die Europäer wissen sehr genau, was in ihren
Ländern vorgeht, und vertreten deshalb schon von Anfang an einen härteren Standpunkt", meinte Gleaton. Die
Regierung kann unterstützen, sie kann
ermutigen, sie kann etwas erleichtern
- aber das Drogenproblem braucht Initiativen aus der Bevölkerung.
Und
die Europäer sagen, auch der gelegentliche Konsument dürfe nicht ungestraft davonkommen."
EURAD wurde ins Leben gerufen, um
Eltern, Bürgerschaft und Politikern
ein Forum für engere Zusammenarbeit
und
Informationsaustausch
zwischen
den Staaten zu geben.
Gegenwärtig
sei man dabei, so Gleaton, das "Netzwerk" betroffener Personen - Eltern,
Behördenvertreter, Experten - enger
zu knüpfen. Vor Stuttgart waren Konferenzen in verschiedenen Regionen
der Welt, zuletzt In Tel Aviv und
Kairo, abgehalten worden. Kairo wurde 1988 die sechste PRIDE-Sektion im
Ausland. Dr. Gabriel Nahas, der in
Ägypten geborene
Pharmakologe und
Psychiater, wandte sich als einer der
ersten gegen den Mythos, Marihuana
sei harmlos. Der Schwede Dr. Nils
Bejerot ist Spezialist in der Suchtforschung. Dem Amerikaner Dr. Mark
Gold sind die meisten Erkenntnisse
über die sekundären Auswirkungen von
Kokain zu verdanken.
Alle von diesen und vielen anderen Forschern erarbeiteten Erkenntnisse werden den PRIDE-Elternvereinigungen sofort zur Kenntnis gebracht.
Sie arbeiten erfolgreich, wie nicht
zuletzt durch die Tatsache belegt
wird, daß nach dem amerikanischen Modell ähnliche Initiativen in Belize,
Bolivien, Australien, Kanada, den
Caum-Inseln, Honduras, Panama und

Nigeria entstanden.
Die Mitarbeit der Eltern kann gar
nicht hoch genug bewertet werden.
Denn selbst die wirksamste, professionell durchgeführte Drogen-Rehabilitation hat "bestenfalls 50 Prozent
Erfolg", berichtet Gleaton. Außerdem
sei ein Erfolg nur zu halten, wenn er
extensiv von Therapie und der verständnisvollen Mithilfe von Familie
und Umwelt gestützt werde. Dr. Gold
schätzt, "daß bestenfalls auf eine
Dauererfolgsrate von 25 Prozent, das
heißt Heilung, gehofft werden kann".
Und aus diesem Grund kommt der Vorbeugung die allergrößte Bedeutung zu.
Die nächste Jahreskonferenz in
Atlanta, zu der auch die Delegierten
aller ausländischen PRIDE-Sektionen
kommen, ist für April 1989 vorgesehen.

* * * * * *

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