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                  <text>^£° s ^&lt;
SAfl

AMERIKA DIENST

30. November 1988

44

I N H A L T

INFORMATION
Paul Nltze - Veteran im Staatsdienst
- Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen Scowcroft bringt große Erfahrung für seinen Posten mit
- Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters -

HINTERGRUNDMATERIAL
Entscheidung über Verweigerung von Visum für Arafat
^^fest und endgültig"
- Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums Die Verhandlungen Ober Kern- und Weltraumwaffen:
Amerikanische und sowjetische Vorschläge
- Eine Übersicht der ACDA Sowjetische Landstreitkräfte sind der NATO zahlenmäßig weit überlegen
- Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO "
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lungenentzündung Haupttodesursache bei Kindern der Dritten Welt
- Besjsere Diagnosekenntnisse erforderlich Superbeschleuniger kommt nach Texas
- Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989 -

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Tel.: 0228-339 2035
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VON

Information

&amp;

30. November 1988

44

PAUL NITZE - VETERAN IM STAATSDIENST
- Porträt des Sonderberaters für Rüstungskontrollfragen -

WASHINGTON - (AD) - Paul Nitzes Laufbahn In der Regierung umspannt nahezu
ein halbes Jahrhundert und die Amtszeiten von neun Präsidenten, von denen er
den meisten, angefangen mit Franklin D. Roosevelt während des Zweiten Weltkrieges, diente. Aber im Alter von 81 Jahren scheint Nitze nicht an Ruhestand
zu denken. "Ich mache nur meine Arbeit und bewältige einen Tag nach dem anderen", erklärt er dazu.

Er hatte einige Staatsämter inne
und war Marineminister unter John F.
Kennedy, Stellvertretender Verteidigungsminister unter Lyndon Johnson
und ist gegenwärtig Sonderberater von
Präsident Reagan und Außenminister
Shultz für Rüstungskontrolle.
In einem Exklusivinterview mit
einem Vertreter des US-Informationsamtes erläuterte der altgediente Experte für Verteidigung, Rüstungskontrolle
und
Bündnisangelegenheiten
seine vielen Jahre in der Regierung,
die Debatten und Entscheidungen, an
denen er mitarbeitete und die vor uns
liegenden Herausforderungen.
In der Öffentlichkeit wird er zumeist mit dem INF-Vertrag von 1988
und dem ABM-Vertrag von 1972 identi-

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fizert, an deren Ausarbeitung er beteiligt war. Er ist stolz auf diese
Leistungen. Aber er erklärt, ebenso
stolz auf weniger bekannte Beiträge
zu sein, "wie etwa seinen Beitrag zur
Lösung der Kubakrise im Jahr 1962."
Nitzes Einfluß auf die Politik
der Vereinigten Staaten geht jedoch
noch weiter zurück zu der Zeit vor
dem Kalten Krieg. Es war ein Besuch
im Nazi-Deutschland im Jahr 1937, der
sein Interesse an Außenpolitik weckte. Davor wollte der Harvard-Absolvent (1928) Nitze sein Glück in Wall
Street machen, was ihm auch gelang:
Durch geschickte Investitionen wurde
er noch vor seinem 30. Lebensjahr
Millionär.
Aber

die

grausame

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Realität

der

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�Hitler-Diktatur war für ihn niederschmetternd. Kurz nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten ging
er wiederum nach Harvard, um sich in
das Studium weltpolitischer Ereignisse zu vertiefen. Im Jahr 1940 nahm
er eine Tätigkeit in der RooseveltAdministration auf. Er blieb während
des Krieges in Washington und arbeitete vor allem an der Untersuchung
über strategische Bombardierungen, in
der die Wirkung von Bombenangriffen
auf feindliche Ziele untersucht wurde.
In den Jahren Trumans gewann er
rasch an Einfluß und ist besonders
stolz darauf, "am Marshallplan mitgearbeitet zu haben" Er war einer der
Autoren der Truman-Doktrin und des
Memorandums Nr. 68 vom Nationalen Sicherheitsrat, mit dem den Vereinigten
Staaten die erhebliche Steigerung ihrer Verteidigungsausgaben empfohlen
wurde. Dieser Vorschlag hat einige
Kritiker dazu veranlaßt, ihn als Vater des Kalten Krieges zu bezeichnen,
ein Etikett, von dem er behauptet, es
sei "eine zu große Auszeichnung".
Nitzes Ansicht nach ist die Verantwortung für den Kalten Krieg einzig und allein Joseph Stalin zuzuschreiben. "Wenn überhaupt, dann waren wir zu nett", erklärt er. Als
einer, der das Gefühl hat, den wahren
Hintergrund von Stalins Ambitionen
eher als die meisten anderen erkannt
zu haben, vertritt Nitze eindeutig
die Ansicht, daß der Schlüssel zur
Erarbeitung einer wirksamen Außenpolitik in der Wahl der richtigen Leute
liegt. Seiner Argumentation zufolge
"hängt sie eher von den Menschen als
von Organigrammen ab".
"Meiner persönlichen Meinung nach
hat dies in der Zeit am besten funktioniert, als Harry Trumann Präsident
und Dean Acheson Außenminister war
und George Marshall in diesem Team
mitarbeitete. Dieses Triumvirat hat
außerordentlich gut zusammengearbeitet.
Obwohl Nitzes scharfer Intellekt
und harte Arbeit den meisten in den

Jahren unter Truman wohl bewußt war,
wurde er nicht in die Eisenhower-Administration berufen. Dies war nicht
der einzige Zeitraum, in dem er aussenpolitisch aktiv war, ohne Mitglied
der Regierung zu sein.
Er wurde auch von Präsident Jimmy
Carter angegriffen, der ihn Berichten
zufolge als arrogant und unflexibel
bezeichnete.
Die Feindschaft zwischen beiden war jedoch nicht rein
persönlicher
Natur.
Nitze
fand,
Carters RUstungskontrollpolitik ließe
einiges zu wünschen übrig. Insbesondere hegte er starke Vorbehalte gegenüber dem SALT II-Vertrag über die
Begrenzung strategischer Rüstungen,
der vom Senat nicht ratifiziert wurde.
Eine
Administration,
auf
die
Nitze gerne zurückblickt, war die von
John
F.
Kennedy.
Nitze
kannte
Kennedy bereits aus seiner Zeit als
Senator und attestierte ihm "Scharfsinn und großes Interesse" an einer
Vielzahl
außenpolitischer
Themen.
Bei der Berlin-Krise und bei Verteidigungsproblemen
leitete
er
für
Kennedy einen Krisenstab und hatte
unter ihm das Amt des Marineministers
inne. Was das Land zu jener Zeit
brauchte, "war der Auftrieb durch einen Angehörigen einer anderen Generation". Ihm zufolge lieferte Kennedy
diesen Auftrieb.
Nitze ist seit 1981 Mitglied der
jetzigen Administration und war in
jeder Hinsicht ein enger Berater des
Präsidenten und Außenministers in
Fragen der Rüstungskontrolle, insbesondere bei den Verhandlungen mit der
Sowjetunion über strategische Waffen
(START) und ein Abkommen über die
Verteidigung im Weltraum. Obwohl er
sich der sowjetischen Intentionen
wohl bewußt ist, hofft er weiterhin
auf ein Abkommen, "wenn auch nicht
vor dem 20. Januar 1989".
Einige seiner Kritiker vertreten
die Ansicht, er sei jetzt zu optimistisch über RUstungskontrollabkommen mit den Sowjets. Aber Präsident
Reagan setzt starkes Vertrauen in ihn

�und betont seine "unvergleichliche
Erfahrung und Fachkenntnis, die weit
über Rüstungskontrolle hinaus bis zu
den Beziehungen zwischen den Supermächten im allgemeinen geht".
Im Hinblick auf die Aussichten
für
die
Ost-West-Beziehungen
ist
Nitze weiterhin von gedämpftem Optimismus geleitet. Es gebe immer noch
zu wenige Beweise, die auf einen
grundlegenden Wandel im internationalen Verhalten der Sowjetunion hindeuteten. "Es ist viel offensichtlicher
zu sehen, was er (der sowjetische
Staats- und
Parteichef
Michail
Gorbatschow) bei Glasnost und Perestrojka unternimmt, als die Modifikationen in der sowjetischen Strategie
einzuschätzen", meint er.
Nitze
ist
andererseits
davon
überzeugt, daß der "enorme Zuwachs an
Gesprächen und Kontakten zwischen der
Sowjetunion und uns" eine der bedeutendsten Leistungen der Reagan-Administration darstellt.
"Hoffentlich
wird sich dies als anhaltende Veränderung im Verhältnis zwischen Ost und
West erweisen", erklärt er.

wirklicht. Bei seinen Kritikern verstärkte dies jedoch den Eindruck,
Nitze werde immer mehr zur Taube, eine Klage, die er schwer verständlich
findet, da er von anderen aufgrund
seiner harten Haltung gescholten wurde. Während söine Amtszeit in der
Reagan-Administration ihrem Ende entgegengeht, ist Nitze jedoch offenkundig befriedigt über seinen Beitrag zu
den Leistungen der Regierung in der
Rüstungskontrolle und über seine Rolle bei der Eindämmung des Wettrüstens
der Supermächte, das schon in den ersten Tagen seines Staatsdienstes vor
über vier Jahrzehnten begonnen hatte.
Ein neues, gerade veröffentlichtes Buch über ihn stellt teilweise
eine Hommage an sein langes Wirken
als führender Nuklearstratege dar.
Es heißt Master of the Game und
wurde von Strobe Talbott verfaßt.
Darin bezeichnet Talbott Nitze als
"die graue Eminenz der nuklearen Diplomatie" seit nahezu 40 Jahren. "Obwohl es mir immer peinlich ist, etwas
über mich selbst zu lesen", erklärt
Nitze, "habe ich das Buch gelesen und
meine, daß es eine faire Darstellung
ist."

Auf die künftigen Herausforderungen möchte Nitze Anfang Dezember eingehen, wenn er zur Überreichung des
Atlantik-Preises 1988 nach Brüssel
reist. Der Preis wird jedes Jahr von
der NATO für den herausragendsten
Beitrag zum Bündnis verliehen.
Nur selten gelangt ein Abrüstungs-Unterhändler sowohl am Broadway als auch in den Geschichtsbüchern
zu Ruhm. Nitze ist eine Ausnahme.
Sein berühmter "Waldspaziergang", den
er im Jahr 1982 in Genf mit seinem
sowjetischen
Verhandlungspartner
Julij Kwizinski unternahm, wurde zum
Thema eines Broadway-Stücks.
Darin
wird der Plan der beiden Männer dramatisiert, für jede Supermacht die
Zahl der Raketenabschußvorrichtungen
auf 75 zu begrenzen und die Stationierung der Pershing II in Europa zu
verhindern.
Die Vereinbarung wurde nicht ver-

- 3-

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^A

30. November 1988

SCOWCROFT BRINGT GROSSE ERFAHRUNG FÜR SEINEN POSTEN MIT
- Porträt des neuen Nationalen Sicherheitsberaters -

WASHINGTON - (AD) - Die Erklärung des neu gewählten Präsidenten Bush, er
habe mit seiner Ernennung von Brent Scowcroft zum Nationalen Sicherheitsbera
ter eine "wichtige Maßnahme" für die Zusammenstellung eines "starken Teams für
nationale Sicherheit" unternommen, wird ihm sicher die Zustimmung der meisten
Beobachter in Washington eintragen.

Der pensionierte Generalleutnant
der Luftwaffe und altgediente Fachmann für sicherheitspolitische Fragen
in Washington wird von einem seiner
Biographen als "gemäßigter, von Konservativen wie Linken respektierter
Republikaner" bezeichnet und ist möglicherweise einer der intelligentesten und fähigsten Regierungsvertreter im Bereich der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Er
diente bereits unter Präsident Ford
als Nationaler Sicherheitsberater.
Scowcroft ist für seine vorsichtige Position in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
bekannt.
Presseberichten zufolge stieß das für
den 7. Dezember geplante improvisierte Treffen von Präsident Reagan, dem
neuen Präsidenten Bush und dem sowje-

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tischen Generalsekretär Gorbatschow
bei ihm auf wenig Zustimmung, und er
besteht in der Regel auf eingehenden
Vorbereitungen von Rüstungskontrollverhandlungen.
Scowcroft wird in verteidigungs
politischen Kreisen in Washington re
spektiert und erhielt 1986 von Präsident Reagan den Auftrag, unter der
Ägide der Tower-Kommission die Rolle
des Nationalen Sicherheitsrates bei
der Iran-Contra Affäre zu untersuchen. 1983 war Scowcroft in die Firma Kissinger Associates, ein internationales
Consultingunternehmen
des
früheren
Außenministers
Kissinger,
eingetreten.
Scowcroft gilt als
Verwaltungsleiter
mit

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vorsichtiger
ausgeprägtem

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�politischem Gespür und der Fähigkeit,
sowohl zu Konservativen als auch zu
Links liberalen guten Kontakt zu pflegen. Er ist ein Theoretiker im Bereich
der
Rüstungskontrolle
und
spricht Russisch.
Scowcroft
ist Mormone, raucht
nicht, trinkt nicht und gilt als ruhig und fleißig. Er ist ein begeisterter Sportler.
Scowcroft wurde 1925 in Ogden
(Utah) geboren, machte 194 7 sein Examen in West Point und schien sich auf
eine Laufbahn als Militärpilot vorzubereiten. Nach einem frühen schweren
Unfall bei einer Übung, verlegte sich
Scowcroft auf eine eher akademische
Laufbahn. Er arbeitete als Verwaltungsbeamter bei der US-Air Force,
legte 1953 an der Columbia University
ein Examen in internationaler Politik
ab und wurde Spazialist für slavische
Sprachen. 196 7 promovierte er ebenfalls in internationaler Politik an
der Columbia University.
Während dieser Zeit hatte Scowcroft verschiedene Positionen in der
Verwaltung und an der Universität inne. Mitte der fünfziger Jahre lehrte
er in West Point russische Geschichte, und in den sechziger Jahren unterrichtete er politische Wissenschaften an der Air Force Academy.
Er diente ferner im Air Force Hauptquartier in Washington in einem Planungsstab und war Dozent am National
War College.
Scowcroft gelang im Pentagon ein
schneller Aufstieg, und wurde 19 73
Präsident Nixons Militärberater. Im
dieser
Eigenschaft
begleitete
er
Nixon auf dessen legendärer Reise
nach China und zeichnete sich insbesondere als geschickter Verhandlungspartner aus, als es darum ging, 1972
in der schwierigen Phase gegen Ende
des Vietnamkrieges Nixons Reise in
die Sowjetunion zu organisieren.

heit.
In dieser Stellung bestand
eine von Scowcrofts Aufgaben darin,
den Präsidenten jeden Morgen über die
jüngsten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse im sicherheitspolitischen
Bereich zu informieren.
Presseberichten zufolge, gewann er mit seiner
zurückhaltenden Art Kissinger, der
später große Stücke auf ihn hielt.
1975 wurde er mit Kissingers Zuspruch Präsident Fords Nationaler Sicherheitsberater. In dieser Stellung
- und später auch als Berater der
Carter-Administration - war Scowcroft
an der Formulierung der amerikanischen Position des 19 79 unterzeichneten SALT II-Vertrages beteiligt.
Unter der Reagan-Administration
arbeitete Scowcroft - der vielen
Reagan-Anhängern, die SALT II als einen Fehler betrachteten, als zu liberal galt - nicht direkt in der Administration, sondern erstellte Bewertungen für eine mögliche Stationierung von MX-Raketen und Konzepte zur
Abschreckung und Rüstungskontrolle.
Im Jahr 1984 reiste Scowcroft in
die Sowjetunion und versuchte, dem
damaligen Generalsekretär Tschemenko
eine persönliche Botschaft Präsident
Reagans zu überbringen, wurde aber
nicht empfangen.
Nach dem Besuch
äußerte sich Scowcroft in Erklärungen
an die Öffentlichkeit pessimistisch
über
die
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, billigte jedoch beiden
Seiten "gemeinsame Interessen" zu.
Im Rahmen der Iran-Contra-Affäre
leitete Scowcroft für die Tower-Kommission eine eingehende Untersuchung
im Nationalen Sicherheitsrat, die ihren Niederschlag in einem Bericht
fand, der zu dem Ergebnis kam, daß
hier einzelne Personen und nicht der
Aufbau und Auftrag des NSC selbst
verantwortlich zu machen seien.
Scowcroft ist verheiratet und hat
eine Tochter.

1973 wählte Henry Kissinger Scowcroft als Stellvertretenden Berater
des Präsidenten für nationale Sicher- 2 -

* * * * * *

«

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

44

30. November 1988

ENTSCHEIDUNG ÜBER VERWEIGERUNG VON VISUM FÜR ARAFAT "FEST UND ENDGÜLTIG"
- Informationen zur Entscheidung des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die Entscheidung über die Verweigerung eines Einreisevisums für den Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation
(PLO), Jassir Arafat, ist "fest und endgültig" und wird von Außenminister
Shultz "ohne Wenn und Aber getragen", erklärte der Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums Charles Redman am 28. November 1988.

"Unsere Entscheidung, für Arafat
keine Ausnahmegenehmigung zu beantragen, gründet sich auf amerikanische
Gesetze, die Politik der Administration und Besorgnis über die Sicherheit amerikanischer Bürger", betonte
Redman, der daran erinnerte, daß er
zu Monatsanfang bereits mitgeteilt
hatte, falls Arafat einen Visumantrag
stelle, werde dieser "streng geprüft".

Im Weißen Haus erklärte dessen
Sprecher, Marlin Fitzwater, auch Präsident Reagan unterstütze diese Entscheidung.
Ihm zufolge habe Shultz
nach Konsultationen mit dem Nationalen Sicherheitsberater Colin Powell
und anderen die Entscheidung über das
Arafat-Visum getroffen und sich anschließend telefonisch mit dem Präsidenten beraten.

"Genau dies ist geschehen. Als
der Antrag eintraf, wurde er vom Aussenminister sehr sorgfältig erwogen.
Er hörte alle Seiten zu diesem Thema
und traf seine Entscheidung", erklärte Redman. "Diese Entscheidung ist
fest und endgültig, und wird vom Aussenminister ohne Wenn und Aber getragen."

"Natürlich hätte der Präsident
diese Entscheidung verwerfen können",
wenn er dies gewollt hätte, sagte
Fitzwater.
"Er wollte es jedoch
nicht, und in der Tat unterstützt der
Präsident diese Entscheidung."

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Fitzwater erklärte, die Vereinigten Staaten würden an einer zur Behandlung der Palästina-Frage nach

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�Genf einberufenen Sondersitzung der
Vollversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen, falls diese - wie von
einigen vorgeschlagen - stattfinde.
Nach den Gründen hierfür gefragt,
antwortete Fitzwater:
"Um nochmals
zu betonen, daß unsere Ablehnung einer Aussetzung der bestehenden rechtlichen Regelungen zwecks Gestattung
der Einreise von Jassir Arafat in unser Land nichts mit den Vereinten Nationen zu tun hat - daß wir keinerlei
Erklärung über die UNO abgegeben haben, sondern über Herrn Arafat und
die Terrorakte der Palästinensischen
Befreiungsorganisation."
Redman nannte eine solche Sitzung
"unnötig", erklärte jedoch, die Vereinigten Staaten würden sich einem
solchen Schritt nicht widersetzen.
Auf Fragen zu dem Beschluß über
Arafat antwortete Fitzwater:
"Ich
meine, wir müssen hier auf die Terrorakte verweisen, die sowohl kürzlich als auch in den vergangenen Monaten stattgefunden haben - am bekanntesten sind wohl die Aktionen des
Abu Abbas, der Mitglied des Exekutivrats der PLO ist und von einem italienischen Gericht für seine Beteiligung an der Ermordung von Leon Klinghoffer im Oktober 1985 in Abwesenheit
zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe
verurteilt wurde. (Anhänger von Abu
Abbas entführten das Kreuzfahrtschiff
"Achille Lauro" und erschossen Klinghoffer, einen an den Rollstuhl gefesselten amerikanischen Juden, und warfen ihn über Bord.) ... Es gibt eine
Reihe weiterer Beispiele für von der
PLO geförderten und von Jassir Arafat
gebilligten Terrorismus, die zu dieser Entscheidung geführt haben."
Auf die Frage, warum israelische
RegierungsVertreter trotz der Ermordung von Palästinensern in den israelisch besetzten Gebieten in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen,
antwortete Fitzwater, "wir können
nicht alle anderen Gewaltakte auf der
Welt unter dem Aspekt dieses einen
Falles betrachten. Wir beklagen die

Gewalt auf beiden Seiten im Westjordanland und im Gaza-Streifen. Wir
haben diese Position mehrfach eindeutig klargestellt und unerschütterlich
daran festgehalten. Das Problem, mit
dem wir uns konfrontiert sehen, ist
jedoch der Auftritt von Jassir Arafat
in den Vereinigten Staaten."
Während einer längeren Pressekonferenz betonte Redman wiederholt, daß
die Gründe für die Verweigerung eines
amerikanischen Visums für Arafat mit
der Bekanntgabe von Außenminister
Shultz's Entscheidung in einer Erklärung vom 26. November 1988 im einzelnen erörtert wurden.
"Diese Erklärung macht eindeutig
einen Unterschied zwischen der Erteilung eines Visums und den Gründen,
aus denen der Außenminister sich gegen die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung entschieden hat" sowie der
Frage des Friedensprozesses im Nahen
Osten, der Palästina-Frage und der
ganzen Bandbreite von Themen, "die,
wie die Erklärung eindeutig klargestellt hat, von den Vereinigten Staaten weiterhin uneingeschränkt unterstützt werden und für die sie eintreten" , führte der Sprecher des Weißen
Hauses aus.
"Es handelt sich hierbei um zwei
getrennte Probleme", erklärte Redman.
"Einerseits geht es um die Frage des
Visums, und diese Entscheidung wurde
aus
Sicherheitsgründen
getroffen.
Dann geht es um ein anderes Problem,
und das ist die Erörterung der Palästina-Frage vor den Vereinten Nationen."
"Wir stehen der Anhörung des Palästina-Problems vor den Vereinten
Nationen nicht ablehnend gegenüber.
Es handelt sich hierbei um eine wichtige Angelegenheit und dies wurde in
unserer Erklärung vom 26. November
deutlich klargestellt", fuhr er fort.
Es gibt PLO-Sprecher, die ihre Position in New York frei zum Ausdruck
bringen können.
Wir haben dagegen
keine Einwände. Jeder Vorschlag zur
Einberufung einer Vollversammlung der

�Vereinten , Nationen in Genf erübrigt
sich somit, da die PLO derzeit in der
Lage ist, ihre Ansichten vor der UNVollversammlung in New York vorzubringen."
"Daher würden wir einen solchen
Schritt weder begrüßen noch ablehnen", erklärte Redman.
Der Sprecher des Außenministeriums betonte, die vom Außenministerium veröffentlichte Erklärung vom
26. November "ist ein eindeutiges Bekenntnis der tiefgreifenden Besorgnis
über Terroranschläge und Organisationen, die den Terrorismus unterstützen
und in diesem Fall über Jassir Arafat
als Führer der PLO".
Alle von PLO-Mitgliedern eingegangenen Visaanträge werden "von Fall
zu Fall" entschieden, fuhr Redman
fort und stellte fest, den Mitgliedern der PLO-Vertretung in New York
sei "routinemäßig" ein Visum erteilt
worden. "Aber in diesem Fall handelt
es sich um eine andere Person - eine
Person, die Vorsitzender der Organisation ist", führte der Sprecher des
Außenministeriums aus.
Er betonte, die Vereinigten Staaten stimmten nicht mit einer von den
Vereinten
Nationen
herausgegebenen
Erklärung überein, der zufolge die
Entscheidung, Arafat ein Einreisevisum zu verweigern, eine Verletzung
des 1947 geschlossenen UN-Headquarters Agreement bedeute.
"Die Vereinigten Staaten erkennen
an, daß sie durch das Headquarters
Agreement verpflichtet sind, den Mitgliedern der PLO-Vertretung ungehinderten Zugang zu Sitzungen der UN zu
gewähren.
Solchen
Personen wurde
routinemäßig eine Ausnahmegenehmigung
für ein Visum erteilt, und seit 1975
ist eine PLO-Vertretung bei den Vereinten
Nationen
tätig",
erklärte
Redman.
"Das
Headquarters
Agreement
zwingt uns jedoch nicht, jeder von
den Vereinten Nationen eingeladenen

Person die Einreise in die Vereinigten Staaten zu gewähren", fuhr er
fort. "Wie in unserer Erklärung vom
26. November angedeutet, haben die
Vereinigten Staaten ihre Annahme des
Headquarters Agreement davon abhängig
gemacht, daß sie zur Gewährleistung
ihrer eigenen Sicherheit das Recht in
Anspruch nehmen können, sich die Einreise von Ausländern vorzubehalten,
die in Beziehung zu den Vereinten Nationen stehen oder von ihnen eingeladen sind".
"Als Folge dieses Vorbehalts haben die Vereinigten Staaten in der
Vergangenheit von ihrem Recht Gebrauch gemacht, denjenigen Personen
die Einreise zu verweigern, die eine
Bedrohung für ihre Sicherheit darstellen", erklärte er.
Redman verwies darauf, daß in den
achtziger Jahren "einer Reihe von
Vertretern des Iran", die zu den Vereinten Nationen reisen wollten, amerikanische Visa verweigert wurden.
Unsere nationale Sicherheit gründet sich nicht allein auf die Bedrohung für unsere New Yorker Bürger",
erklärt er.
"Wenn wir den Schutz
amerikanischer Bürger erörtern und
über die Bedrohung des Terrorismus
reden, geht dies über die Grenzen einer einzelnen Stadt hinaus."
Auf die Frage nach Behauptungen
einiger
Vertreter
aus dem Nahen
Osten, die Vereinigten Staaten hätten
eine Chance verspielt, die PLO zu einer gemäßigteren Haltung zu ermutigen, um die Möglichkeit für eine
Friedensregelung zu verbessern, betonte der Sprecher, hier handele es
sich um "zwei unterschiedliche Probleme" .
"Zu dem Problem, daß die PLO zu
Schritten in die richtige Richtung
ermutigt werden soll, habe ich nach
der Tagung des Palästinensischen Nationalrates Stellung genommen und auf
die Ergebnisse insbesondere dieses
Treffens
hingewiesen",
bemerkte
Redman.
"Was den Friedensprozeß im

- 3 -

�allgemeinen betrifft, so arbeiten wir
sehr hart daran".
"Es gibt wahrscheinlich kein anderes Land auf der Welt, das ebenso
viel für den Friedensprozeß getan hat
wie die Vereinigten Staaten", erklärte er. "Und wir haben sicherlich die
besten Absichten, dies auch weiterzuführen" .
Dennoch, so betonte Redman, "gibt
es noch andere Probleme auf der Welt.
Eines der wichtigsten ist der Terrorismus. Und das ist das Problem, dem
wir uns bei der Bearbeitung dieser
Bitte um eine Einreisegenehmigung gegenübersehen" .
Bei der Behandlung des Terrorismus, so Redman, machen Begriffe wie
"Ermutigung oder Mißbilligung" keinen
Sinn.
Es mache ebenfalls keinen
Sinn, darauf hinzuweisen, daß ein
Preis für die Mäßigung beim gegenwärtigen Kampf gegen Terrorismus gezahlt
werden muß.
"Die Gemeinschaft aller Länder
der Welt versteht jetzt, daß Terrorimus keinen Platz hat", so der Sprecher. "Er wird immer wieder vorkommen, aber es besteht auf internationaler Ebene ein Konsens darüber, daß
Terrorimus auf der Welt keinen Platz
hat".

* * * * * *

- 4

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Hintergrundmaterial
30. November 1988

44

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN:
AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE
- Eine Übersicht der ACDA -

- (AD) - (Die folgende Übersicht "Kern- und Weltraumwaffen: Amerikanische
und Sowjetische Vorschläge" wurde am 22. November 1988 von der amerikanischen
Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.)

GESPRÄCHE ÜBER DIE VERRINGERUNG DER
STRATEGISCHEN WAFFEN (START)

Allgemeine Haltung:
Vereinigte Staaten - 50prozentige
stufenweise Reduzierung strategischer
Offensivwaffen bis auf einen beiderseitigen Gleichstand innerhalb von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrags.
Sowjetunion - 50prozentiger Abbau
der strategischen Offensivwaffen auf
einen beiderseitigen Gleichstand in
zwei Phasen innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags,
mit nachfolgenden Verhandlungen über
eine weitere Reduzierung.

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Vereinigte Staaten - Das Abkommen
ist nicht abhängig von der Lösung von
Problemen bei der Verteidigung im
Weltraum.
Es können jedoch keine
weiteren
RUstungskontrollabkommen
über strategische Waffen mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange diese nicht ihre Verletzung des
ABM-Vertrages unter besonderer Berücksichtigung des Radars von Krasnojarsk auf eine verifizierbare Art
und Weise, die amerikanischen Kriterien entspricht, einstellt.
Sowjetunion - Durchführung der
50prozentigen
Reduzierung
abhängig
von der Problemlösung bei der Weltraumverteidigung .

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�Trägersysteme;

Schwere ICBMs:

Vereinigte Staaten - Obergrenze
von 1 600 für die Zahl der strategischen offensiven Trägersysteme; dazu gehören die stationierten Interkontinentalraketen (ICBMs), die stationierten U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und die schweren Bomber.

Vereinigte Staaten - Begrenzung
auf 1 540 Gefechtsköpfe auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot der Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer
oder bereits bestehender Typen von
schweren ICBMs.

Sowjetunion
Obergrenze
von
1 600 strategischen offensiven Trägersystemen; dazu gehören die stationierten
Abschußvorrichtungen
für
ICBMs und SLBMs sowie die stationierten schweren Bomber.

Sowjetunion
Begrenzung
auf
1 540 Gefechtsköpfe auf 154 stationierten schweren ICBMs. Produktion,
Flugerprobung oder Modernisierung bereits bestehender Typen von schweren
ICBMs gestattet. Entwicklung, Erprobung und Stationierung neuer Typen
von schweren ICBMs verboten.

Gefechtsköpfe;
Wurfgewicht:
Vereinigte Staaten - Obergrenze
von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe
auf ICBMs und SLBMs sowie luftgestützten, nuklear bewaffneten Marschflugkörpern
längerer
Reichweite
(ALCMs); jeder nur mit Freifallbomben
und Angriffsraketen kurzer Reichweite
(SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber
zählt als ein Gefechtskopf.
Sowjetunion - Identisch mit der
Position der Vereinigten Staaten.

Vereinigte Staaten - Das Gesamtwurfgewicht sowjetischer ICBMs und
SLBMs wird auf 50 Prozent ihres am
31. Dezember 1986 bestehenden Wurfgewichtniveaus verringert. Keine Seite
wird während
der Vertragslaufzeit
dieses Niveau überschreiten.
Sowjetunion - Im Prinzip identisch mit der amerikanischen Position, jedoch Reduzierung aufgrund des
Wurfgewichtniveaus bei Vertragsunterzeichnung.

Untergrenzen bei Gefechtsköpfen:
Vereinigte Staaten - Untergrenzen
von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und 3 000 bis 3 300
ICBM-Gefechtsköpfe.
Sowjetunion - Untergrenze von
4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen; falls eine Untergrenze
von
3 300
ICBM-Gefechtsköpfen
festgelegt wird, muß ebenfalls eine
Untergrenze von 3 300 SLBM-Gefechtsköpfen vereinbart werden. Untergrenze von 1 100 Bomber-gestützten Gefechtsköpfen.

Gefechtsköpfe auf ballistischen
Raketen:
Vereinigte Staaten - Für bereits
bestehende Typen wird eine bestimmte
Anzahl von Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, um zu überprüfen, ob die
stationierten Raketen nicht mehr als
die beim Washingtoner Gipfeltreffen
vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
enthalten.
Sowjetunion - Für bereits bestehend und künftige Typen wird eine bestimmte Anzahl von Vor-Ort-Inspektionen vereinbart, um zu überprüfen, ob
die stationierten Raketen nicht mehr
als die vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen enthalten.
Für beste-

- 2 -

�hende Typen wurde deren Zahl beim
Washingtoner Gipfeltreffen vereinbart.
Vereinigte Staaten - Für künftige
Typen sowie für Veränderungen in der
Zahl von Gefechtsköpfen auf bestehenden Typen müssen neue Verfahrensweisen vereinbart werden.
Sowjetunion - Keine Angaben.

geschriebenen ALCMs soll der maximalen Anzahl entsprechen, für die jeder
Typ ausgerüstet ist. Nuklear bewaffnete ALCMs sollen durch die vorgeschlagene Untergrenze von 1 100 für
alle von Bombern getragenen Gefechtsköpfe begrenzt werden.

SLCMs;

Mobile ICBMs:
Vereinigte Staaten - Verboten,
falls
Verifizierungsprobleme
nicht
gelöst werden können. In diesem Fall
strikte Begrenzung der zu vereinbarenden Zahl von Gefechtsköpfen.
Sowjetunion - Erlaubt, mit Begrenzung von Abschußvorrichtungen und
Gefechtsköpfen.

Schwere Bomber;
Vereinigte Staaten - Jeder schwere Bomber zählt wie ein strategisches
Trägersystem (SNDV).
Jeder nur für
Freifallbomben und SRAMs ausgerüstete
schwere Bomber würde wie ein Gefechtskopf auf die Obergrenze von
6 000 angerechnet.
Sowjetunion - Identisch mit der
amerikanischen Position.

Vereinigte Staaten - Die Seiten
sollen eine beiderseitig akzeptable
Lösung für die Frage der Begrenzung
der Stationierung nuklear bewaffneter
SLCMs (seegestützte Marschflugkörper)
längerer
Reichweite
ausarbeiten.
Solche Begrenzungen werden die Anrechnung dieser SLCMs auf die Begrenzungen von 6 000 Gefechtsköpfen und
1 600
strategischen
Trägersystemen
nicht berühren.
Beide Seiten verpflichten sich, im Hinblick auf diese
Flugkörper Obergrenzen aufzustellen
und beiderseitig akzeptable und wirksame Methoden der Verifizierung solcher Begrenzungen anzustreben, zu denen die Anwendung Nationaler Technischer Mittel, kooperativer Maßnahmen
und
Vor-Ort-Inspektionen
gehören
könnten. Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten noch keine wirksame
Vertifizierungslösung für SLCMs gefunden. Bei Fehlen eines Plans für
die wirksame Verifizierung haben die
Vereinigten
Staaten
vorgeschlagen,
daß beide Seiten nicht bindende Erklärungen über die Anzahl der nuklear
bestückten SLCMs abgeben.

ALCMs;
Vereinigte Staaten - ALCMs werden
als luftgestUtzte, nuklear bewaffnete
Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 1 500 km definiert. Eine
vereinbarte Zahl von ALCMs soll jedem
der für ALCMs ausgerüsteten Bomber
zugeschrieben werden, um auf die
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
angerechnet zu werden.
Sowjetunion
luftgestUtzte,
Marschflugkörper
von über 600 km
der ALCM-fähigen

- ALCMs werden als
nuklear
bewaffnete
mit einer Reichweite
definiert. Die Zahl
schweren Bombern zu-

Sowjetunion - Die Sowjets akzeptieren grundlegende Prinzipien. Besondere Begrenzungen auf 400 für nuklear bewaffnete und 600 für konventionell bewaffnete SLCMs, aber die
Sowjets haben keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen gefunden. Der sowjetische Ansatz würde ferner die
amerikanische
Politik
untergraben,
der zufolge das Vorhandensein atomarer Waffen an irgendeinem bestimmten
Ort weder bestätigt noch dementiert
wird - ein wichtiger Bestandteil der
Abschreckung.

- 3 -

�Verifizierung der Vertragseinhaltung;

zierbare, den amerikanischen Kriterien entsprechende Art und Weise aufgeben.

Vereinigte Staaten - Es müssen
mindestens folgende Regelungen enthalten sein: Datenaustausch vor und
nach Durchführung der Reduzierungen;
Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung des Datenaustauschs und zur Beobachtung der Beseitigung von Waffen;
dauernde Vor-Ort-Beobachtung von Umkreis sowie Ein- und Ausgängen wichtiger Produktionsstätten; kurzfristig
anberaumte Inspektionen von Orten, an
denen vertraglich begrenzte Systeme
sowohl während als auch nach der Reduzierungsphase
stationiert
sind.
Inspektionen an Orten, an denen eine
Partei heimliche Produktion, Lagerung, Reparatur oder Stationierung
vermutet. Einzelheiten bleiben noch
auszuarbeiten.
Sowjetunion - Im Prinzip identisch mit der amerikanischen Haltung.
Unterschiede bei den Einzelheiten.
Die sowjetischen Regelungen sind für
eine wirksame Verifizierung nicht angemessen.

VERTEIDIGUNG IM WELTRAUM

Allgemeine Haltung:
Vereinigte Staaten - Fragen der
Verteidigung im Weltraum sollen in
einem neuen separaten Vertrag auf der
Grundlage der Gemeinsamen Erklärung
vom Washingtoner
Gipfel behandelt
werden. Die Vereinigten Staaten haben am 22. Januar 1988 einen Vertrag
über Verteidigung im Weltraum im Entwurf vorgelegt. Sie haben die Sowjets erfolglos gedrängt, einen gemeinsamen Vertragsentwurf auszuarbeiten. Mit der Sowjetunion können keine weiteren RUstungskontrollabkommen
über strategische Waffen geschlossen
werden, wenn sie nicht ihre Verletzung des ABM-Vertrages durch das Radar von Krasnojarsk auf eine verifi-

Sowjetunion - Fragen der Verteidigung im Weltraum sollen in einem
neuen separaten Abkommen auf der
Grundlage der Gemeinsamen Erklärung
behandelt werden.
Die Sowjetunion
hat am 22. April 1988 ein Abkommen im
Entwurf unterbreitet.
Die Sowjets
verweigern die Erarbeitung eines gemeinsamen Vertragsentwurfs.

Verpflichtung zur Einhaltung des
ABM-Vertrages
Vereinigte Staaten - Mit dem Abkommen würden sich beide Seiten verpflichten, den ABM-Vertrag in seiner
1972 unterzeichneten Form einzuhalten, gleichzeitig die im Rahmen des
ABM-Vertrages gestattete Forschung,
Entwicklung und Erprobung weiterzuführen und sich in einem bestimmten
Zeitraum nicht zum Zweck der Stationierung oder Erlangung strategischer
Fähigkeiten vom Vertrag zurückzuziehen.
Sowjetunion - Mit dem Abkommen
würden sich beide Seiten zur Beachtung des ABM-Vertrages in seiner 1972
unterzeichneten Form verpflichten und
gleichzeitig die notwendige im ABMVertrag gestattete Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen
und sich während eines bestimmten
Zeitraums (9-10 Jahre) aus keinem
Grund vom ABM-Vertrag zurückziehen.
(N.B.: Die Sowjets legen hier eine
Interpretation des ABM-Vertrages zugrunde, die restriktiver ist als die
1972 von beiden Parteien vereinbarte.)

Aktivitäten in der Phase der Einhaltung
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten haben Inititativen
vorgeschlagen, mit deren Hilfe der
Terminus "notwendige Forschung, Entwicklung und Erprobung, wie sie der
ABM-Vertrag
gestattet"
eindeutiger

- 4 -

�geklärt werden soll.

Regelung nach der Phase des NichtRückzugs

Sowjetunion - keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Um zu demonstrieren, daß die Erprobung weltraumgestützter Komponenten, die in der
Lage sind, eine ABM-Abfangrakete zu
ersetzen - nach dem ABM-Vertrag gestattet - nicht gleichbedeutend ist
mit der Stationierung solcher Komponenten, sind die Vereinigten Staaten
bereit, diese erlaubte Erprobung nur
von bestimmten ABM-Testsatelliten aus
vorzunehmen. Die Vereinigten Staaten
vertreten die Auffassung, daß die Anzahl von Satelliten, die sich gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befinden,
keinesfalls über der realistischen
Anzahl gegebenenfalls stationierter
Systeme liegen sollte. Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß die
Anzahl von 15 erheblich unter dieser
Grenze liegt.
Sowjetunion - keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Im Protokoll
über die Berechenbarkeit würde die
Benachrichtung über Tests von Raketenabwehrsystemen im Weltraum festgehalten.
Sowjetunion - Keine Vorschläge.
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten haben ferner vorgeschlagen, daß sich keine Partei auf
der Grundlage des ABM-Vertrages der
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von weltraumgestutzten Sensoren der anderen Partei wiedersetzen
sollte.
Dementsprechend kann jede
Partei weltraumgestützte Sensoren ohne Einschränkung entwickeln, erproben
oder stationieren.
Sowjetunion - Die anfängliche Reaktion der Sowjetunion war ablehnend,
sie hat jedoch Interesse an der weiteren Erörterung dieser Frage geäußert.

Vereinigte Staaten - Eingehende
Gespräche über Stabilität im strategischen Bereich sollen nicht später
als drei Jahre vor Ende des festgesetzten Zeitraums aufgenommen werden,
nach dem - vorbehaltlich anderer Vereinbarungen beider Parteien - jede
Seite ihre Vorgehensweise frei bestimmen kann. Jede der beiden Parteien kann dann frei über die Stationierung einer Raketenabwehr entscheiden und damit über die Beschränkungen
des ABM-Vertrages, denen zufolge die
andere Seite sechs Monate im voraus
schriftlich über eine entsprechende
Absicht benachrichtigt werden muß,
hinausgehen.
(N.B. Die Vereinigten
Staaten streben einen gemeinsamen
Übergang zu einem strategischen System an, das sich eher auf Verteidigung stützt, wenn sich eine effektive
strategische Verteidigung als durchführbar erweist.)
Sowjetunion - Eingehende Gespräche über strategische Stabilität sollen nicht später als drei Jahre vor
Ende des vereinbarten Zeitraums aufgenommen werden. (N.B. Die Sowjets
schlagen als Ziel der Gespräche eine
Vereinbarung über "die weitere Stärkung der strategischen Stabilität"
vor, beide Parteien sollten "die Probleme der ABM-Verteidigung unter Berücksichtigung der neuen Situation
erörtern, die sich aus den Reduzierungen strategischer Offensivwaffen
ergibt".) Im Falle, daß beide Seiten
in ihren Gesprächen nichts anderes
vereinbart haben, kann jede Seite
nach Ablauf des Vertrages selbst ihre
weitere Vorgehensweise im Hinblick
auf den ABM-Vertrag und den STARTVertrag bestimmen, vorbehaltlich der
Einhaltung entsprechender Verfahrensweisen dieser Verträge

Inkrafttreten/Dauer/Bedingungen
Vereinigte Staaten - Das Inkrafttreten ist abhängig vom Inkrafttreten
des START-Vertrages, der Vertrag über

- 5 -

�Verteidigung im Weltraum wäre unbegrenzt gültig, wobei der "bestimmte
Zeitraum"
des
Nicht-Rückzugs
vom
ABM-Vertrag und die Beachtung des
ABM-Vertrages in diesem Zeitraum bis
zur Änderung des Kurses durch eine
der beiden Parteien noch ausgehandelt
werden müßten.
Sowjetunion - Dieses Abkommen
würde gleichzeitig mit dem START-Vertrag in Kraft treten. Die Sowjets
schlagen vor, daß das Abkommen zum
Ende der Nicht-Rückzugs ausläuft.
Der START-Vertrag läuft aus, wenn irgendeine Partei den ABM-Vertrag oder
dieses Abkommen verletzt.

Rücktrittsrecht
Vereinigte Staaten - Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß
beide Seiten das vom Völkerrecht zugebilligte Rücktrittsrecht beibehalten, auf das sie sich berufen könnten, wenn die höchsten Interessen einer Seite in Gefahr sind. Im Falle
eines
Vertragsbruchs
besteht
das
Recht auf Kündigung oder Aussetzung.
Sowjetunion - Die Sowjets schlagen eine "unbedingte" Verpflichtung
zur Einhaltung vor, derzufolge eine
Partei sich aus keinem Grund vom Abkommen zurückziehen könnte.

Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten - Beide Seiten
sollten Möglichkeiten erörtern, um
die Berechenbarkeit der Entwicklung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen Bereich zu
gewährleisten, unter den Bedingungen
von Stabilität und zum Abbau des Risikos eines Nuklearkrieges. Im Zusammenhang
mit
vertrauensbildenden
Maßnahmen, die für jede Seite die
Programme zur strategischen Verteidigung der jeweils anderen Seite berechenbar machen sollen, haben die Vereinigten Staaten am 15. März 1988 ein
Protokoll über die Berechenbarkeit
vorgelegt, in dem folgende Punkte auf

freiwilliger Basis gefordert werden:
jährlicher Austausch von Statistiken
über Aktivitäten zur strategischen
Verteidigung, gegenseitige Informationsgespräche über die jeweiligen
Bestrebungen
in der strategischen
Verteidigung, .gegenseitige
Besuche
von Forschungseinrichtungen und die
gegenseitige Beobachtung von Tests
zur strategischen Verteidigung. Beide Seiten arbeiten an einem gemeinsamen Entwurf für das Protokoll.
Sowjetunion - Die Sowjets sind
über die Gemeinsame Erklärung vom
Washingtoner Gipfel hinaus nicht näher auf Berechenbarkeit eingegangen.
Die Sowjets haben prinzipiell einige
der von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen akzeptiert, einschließlich des
Datenaustauschs, der Expertentreffen
und Beobachtung von Tests der strategischen Verteidigung. Dennoch würde
der von den Sowjets am 12. April 1988
unterbreitete Vorschlag zur Verifizierung
solche Maßnahmen zwingend
vorschreiben, um eine Einhaltung des
ABM-Vertrages und des ausgehandelten
Abkommens über Verteidigung im Weltraum sicherzustellen. Darüber hinaus
schlagen sie den Austausch von Informationen zur Klärung zweifelhafter
Situationen vor, ferner Vor-Ort-Inspektionen bestimmter Einrichtungen,
die Anlaß zur Besorgnis bieten und
die Lösung von Fragen der Einhaltung
im
Ständigen
Konsultativausschuß.
Beide Seiten arbeiten an einem gemeinsamen Entwurf für das diesbezügliche Protokoll.

Mittelstreckenraketen
Am 8. Dezember 1987 haben Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Washington den INFVertrag unterzeichnet. Der amerikanische Senat hat am 26. Mai 1988 eine
zustimmende Resolution verabschiedet,
und beim Gipfeltreffen in Moskau wurden am 1. Juni 1988 Ratifizierungsurkunden ausgetauscht, mit denen der
Vertrag rechtskräftig wurde. Dieser
Vertrag sieht die Beseitigung aller

- 6 -

�amerikanischen und sowjetischen landgestützten
INF-Raketensysteme
der
Reichweite von 500 bis 5 500 Kilometer vor sowie die Abschaffung oderr
Umwandlung entsprechender Einrichtungen innerhalb von drei Jahren nach
Inkrafttreten des Vertrages.
Der
Vertrag verbietet die Herstellung und
Flugerprobung dieser Raketen unmittelbar nach seinem Inkrafttreten.
Nach abgeschlossener Beseitigung wird
der Vertrag alle Einrichtungen der
Stationierung, Lagerung, Wartung und
Herstellung für diese Raketensysteme
verbieten. Der Vertrag sieht die umfassendsten
Verifizierungsbestimmungen in der Geschichte der Rüstungskontrolle wie auch verschiedene Arten
kurzfristiger Inspektion und die Inspektion durch vor Ort stationierte
Expertengruppen vor.
Nach Inkrafttreten
begann die
Verwirklichung der Vertragsbestimmungen.
Im Juli und August wurden
grundlegende
Inspektionen
durchgeführt, um das von jeder Seite gelieferte Datenmaterial über die Anzahl
und den Standort ihrer INF-Raketen
und Einrichtungen zu verifizieren.
Im Rahmen dieser Inspektionen haben
amerikanische Teams 130 sowjetische
Einrichtungen an 115 Standorten in
der Sowjetunion und Stationierungsländern in Osteuropa inspiziert. Die
Sowjetunion hat 31 INF-Einrichtungen
an 21 Orten in den Vereinigten Staaten und Stationierungsländern Westeuropas inspiziert. Jede Seite hat einen ständigen Beobachterposten an den
Ein- und Ausgängen einer Raketenmontage- oder Produktionsstätte auf dem
Territoriums des Vertragspartners bezogen, und im Augenblick werden dort
technische
Überwachungsanlagen
installiert. Seit Beginn der Beseitigung Anfang September haben beide
Seiten im Einklang mit den Vertragsbestimmungen und in Anwesenheit von
Inspektoren der anderen Seite INF-Raketen, Abschußvorrichtungen und entsprechende Ausrüstungsgegenstände demontiert.

* * * * * *

- 7

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

30. November 1988

44

SOWJETISCHE LANDSTREITKRÄFTE SIND DER NATO ZAHLENMÄSSIG WEIT ÜBERLEGEN
- Artikel zum Bericht über die konventionellen Streitkräfte der NATO -

WASHINGTON - (AD) - Dem jüngsten Bericht der NATO zufolge hat die Sowjetunion mehr Panzer, Artillerie und Schützenpanzer in Europa stationiert als die
anderen 22 Nationen der NATO und des Warschauer Pakts zusammengenommen.
Der Bericht wurde am 25. November 1988 unter dem Titel Konventionelle
Streitkräfte in Europa: Die Fakten veröffentlicht. In graphischen Darstellungen und Tabellen wird der beträchtliche zahlenmäßige Vorteil im einzelnen
dargestellt, den die Sowjetunion bei den konventionellen Fähigkeiten in der
Region vom Atlantik bis zum Ural aufrechterhält. Dieses Gebiet soll von den
vorgesehenen Verhandlungen über konventionelle Stabilität in Europa (KRK) sowie bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und
den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM)
abgedeckt werden.
Mit der Vornestationierung einer solch überlegenen Zahl an Panzern, Artillerie, Hubschraubern, Flugzeugen und Brückenbaugerät steht den Sowjets eine
schnelle, raumgreifende, offensive Kampffähigkeit zur Verfügung, der das Bündnis nichts entgegenstellen kann. Die Mitgliedstaaten der NATO sehen dieses
Ungleichgewicht als den einzigen militärischen Faktor mit der größten destabilisierenden Wirkung in Europa an.
Der NATO-Bericht unterstreicht nicht nur den Vorteil der Sowjetunion gegenüber dem Bündnis bei Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie, der
beL über zwei zu eins liegt, sondern veranschaulicht auch die zahlenmäßige
Überlegenheit der sowjetischen Waffen und Truppen bei den Streitkräften des
Warschauer Pakts.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der Bericht stützt sich auf seit Januar 1988 vom internationalen Stab der
NATO zusammengetragene Zahlen aus den 16 Mitgliedstaaten des Bündnisses. Im
Gegensatz zu dem vorliegenden Bericht schloß der letzte, im Jahr 1984 herausgebene Bericht der NATO die Zahlen für Frankreich und Spanien nicht ein.
Mit Veröffentlichung der Daten betont die NATO ihre Verpflichtung zu "Offenheit bei militärischen Angelegenheiten und zunehmender. Transparenz", stellt
der Bericht fest. "Eine vergleichbare Verpflichtung des Ostblocks zu Transparenz wäre ein begrüßenswerter und entscheidender Schritt zur Verbesserung
der Sicherheit in Europa", fährt der Bericht fort.
Da der Warschauer Pakt keine Zahlen zur Verfügung gestellt hat, gründen
sich die Daten über Streitkräfte und Gerät des Warschauer Pakts auf Schätzungen der NATO.
Nachfolgend bringen wir einige der wichtigsten Erkenntnisse des Berichts:
- Kampfpanzer. Die Sowjetunion allein hat 37 000 Panzer. Zusammengenommen verfügen die sechs anderen Nationen des Warschauer Pakts über zusätzliche 14 500 Panzer. Im Gegensatz dazu haben die Vereinigten Staaten
l 800 Panzer, während den anderen NATO-Mitgliedstaaten insgesamt 14 624
Panzer zur Verfügung stehen.
- Schützenpanzer. Die Sowjetunion hat 19 000 Schützenpanzer, während die
übrigen Staaten des Warschauer Pakts über 3 400 verfügen. Die Vereinigten
Staaten besitzen 550; die anderen NATO-Länder 3 603.
- Artillerie. Die Sowjetunion verfügt über 33 000, die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 10 400 Geschütze. Die Vereinigten Staaten haben
1 100 und die anderen NATO-Mitgliedstaaten 13 358 Geschütze.
- Panzerabwehrwaffen. Die Sowjetunion hat 36 500 Panzerabwehrwaffen zur
Verfügung, die übrigen Staaten des Warschauer Pakts 7 700. Die Vereinigten Staaten haben 3 300 und die anderen NATO-Mitgliedstaaten 14 940.
- Hubschrauber. Die Sowjetunion verfügt über 2 850, die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 850. Die Vereinigten Staaten haben 700 Hubschrauber, die anderen NATO-Mitgliedstaaten 1 719.
- Ständig vollbemannte Landstreitkräfte. Die Sowjetunion verfügt über
2 200 000 ständig vollbemannte Landstreitkräfte, verglichen mit 890 000
der übrigen Warschauer Pakt-Staaten. Die Vereinigten Staaten haben
216 000, die anderen NATO-Mitgliedstaaten 1 997 593.
- Flugzeuge. Die Sowjetunion verfügt über 6 050 und die übrigen Staaten
des Warschauer Pakts über 2 200 Flugzeuge. Die Vereinigten Staaten haben
800, die übrige NATO 3 177.
Nachfolgend bringen wir eine Auswahl der im Bericht enthaltenen Tabellen
mit nach Ländern aufgelisteten Kampfgerät, das die 16 Mitgliedstaaten der NATO
und die sieben Staaten des Warschauer Pakts im Einsatz haben:

- 2 -

»

[

�Kampfpanzer (1)

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Gesamtzahl (2)

320
60
228
1 250
4 330
1 420

Land

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

-

Gesamtzahl (2)
1
3
3
1
3
1
37

800
800
000
300
400
200
000

1 500
-

750
117
66
866
3 000
717
1 800

(1) Beinhaltet folgende Typen: Challenger, M 1, Leopard I und
Leopard II, AMX 30, M 60, Chieftain, Centurion, M 47 und M 48 für die
Mitgliedstaaten der NATO und T 80, T 72, T 64, T 62, T 55/54 und T 10/10M
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts.
(2) Die Gesamtzahlen pro Land beinhalten Kampfpanzer in vollständig
oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO haben
insgesamt 5 800 Kampfpanzer gelagert. Der Lagerbestand an Kampfpanzern
der Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts liegt schätzungsweise über dem
der Mitgliedstaaten der NATO.

- 3 -

�Schützenpanzer (1)

Land

Gesamtzahl (2)

Land

Gesamtzahl (2)
.

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

208
—

750
1 960
100
&amp;
_

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

100
1 100
800
300
1 100
-

19 000

m

585
_
_
_
_

550

(1) Beinhaltet folgende Typen: Marder^ AMX 10P, M 2 (Bradley) und
YPR 765 (25 mm) für die Mltglledstaaten der NATO und BMP 1/2 und BMD 1
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts.
(2) Die Gesamtzahlen pro Land beinhalten Schützenpanzer in vollständig oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO
haben insgesamt 575 Schützenpanzer gelagert; Die entsprechende Zahl für
die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts liegt schätzungsweise über der
für die Mitgliedstaaten der NATO angegebenen Zahl.
(3) Schützenpanzer und andere gepanzerte Kampffahrzeuge können der
folgenden Tabelle entnommen werden, die in zweiter Linie als Plattform
für Panzerabwehrsysteme dienen, auf die auch in der Tabelle über Panzerabwehrwaffen Bezug genommen wird.

�Artillerie

Einschließlich Artillerie, Mörsern und Mehrfach-Raketenwerfern mit
Rohrdurchmesser von 100 mm und darüber.

Land

Gesamtzahl (1)

Land

Gesamtzahl (1)

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

248
35
542
780
2 220
1 752

Bulgarien
CS SR
DDR 1 700
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

2 000
2 100

-

800
2 500
1 300
33 000

2 100
-

667
522
260
1 038
2 800
394
1 100

(1) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet vollständig oder teilweise
bemannte Einheiten. Die Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses
besitzen insgesamt 2 870 gelagerte Artilleriegeschütze. Die geschätzte
Zahl der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Artilleriegeschütze übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.

5 -

�Panzerabwehrwaffen
Beinhaltet auf Fahrzeugen montierte und nicht auf Fahrzeugen montierte Abschußvorrichtungen für Panzerabwehr-Lenkflugkörper, Panzerabwehrgeschütze sowie rückstoßfreie Gewehre. Schützenpanzer sowie Hubschrauber,
deren primäre Rolle nicht der Panzerabwehr dient, die aber mit Panzerabwehr-Lenkflugkörpern ausgerüstet sind, werden ebenfalls aufgeführt. (1)

Land

Gesamtzahl (1) Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Tta1ien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

518
45
330
1 460
1 710
2 267

Bulgarien
CSSR
DDR 1 700
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

-

Gesamtzahl. (1)

500
2 000
800
2 000
70Q
36 500

i—i

2 200
6
674
550
362
1 222
2 400
196
3 300

(1) Hie Gesamtzahl der Schützenpanzer und Hubschrauber, die aufgrund
ihr-er Sekundärrolle als Plattformen für Panzerabwehrwaffen aufgeführt
sin", beträgt für die Mitgliedstaaten der NATO 2 400 Systeme sowie für
die Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts 23 000 Systeme. Diese Schützenpanzer und Hubschrauber werden ebenso in den jeweiligen Tabellen aufgeführt.
(2) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet Panzerabwehrwaffen in vollständig oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO
haben insgesamt 2 700 Panzerabwehrwaffen gelagert. Die geschätzte Zahl
der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Panzerabwehrwaflren übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.

- 6 -

�Hubschrauber
Beinhaltet mit Panzerabwehr-Lenkflugkörpern sowie Maschinengewehren
ausgerüstete Angriffshubschrauber und Transporthubschrauber.

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
FrankreIch
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Gesamtzahl (2) Land

-

Bulgarien
CSSR
DDR
150
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

270
554
64
-

Gesamtzahl (2)

100
200
100
200
100
2 850

170
-

54
-

160
160
287
700

(1) Die Gesamtstärke pro Land beinhaltet Hubschrauber in vollständig
oder teilweise bemannten Einheiten. Die Mitgliedstaaten der NATO haben
insgesamt 180 Hubschrauber dieser Kategorie gelagert. Die geschätzte
Zahl der von den Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gelagerten Hubschrauber übertrifft die der NATO-Mitgliedstaaten.
(2) Hubschrauber, die als Plattformen für Panzerabwehr-Waffensysteme
eingesetzt werden, sind ebenso in der Tabelle "Panzerabwehrwaffen" aufgeführt.

- 7 -

�Mannschaften
Dazu zählen die Angehörigen der Landstreitkräfte einschließlich der
Soldaten im Heer, die Pflichten der landgestützten Luftverteidigung übernehmen. Dazu gehören ferner Angehörige von Stabseinheiten sowie von Einheiten zur allgemeinen Unterstützung und andere Truppen des Verteidigungsministeriums, aber keine paramilitärischen Einheiten.

Land

Gesamtzahl

Land

Gesamtzahl

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbri tannien
Vereinigte Staaten

68
5
20
267
35i
116

Bulgarien
CSSR
DDR 120 000
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

135 000
145 000

000
000
540
000
800
900

-

297 000
695
68 000
25 059
46 949
210 000
380 000
140 560
216 000

80 000
230 000
180 000
2 200 000

�Struktur
Dazu zählen die aktiven Kampf- und Artilleriedivisionen sowie unabhängige Kampf- und Artilleriebrigaden, die gegenwärtig mit etwa 5 Prozent
ihrer Kriegstärke bemannt sind.

Aktive Kampf- und Artilleriedivisionen

Land
(NATO)

auf nationalem
Territorium

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei

1
2
12
12
12
2 2/3
5
13
1
-

Großbritannien

Vereinigte Staaten

außerhalb
nat. Terrotoriums

2
15
12
12

1/3
5
13
4
4

3
4

(Warschauer Pakt)

Bulgarien
CSSR
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

8
11

6

6
13
10
125

31

0
11
6
6
13
10
156

Insgesamt

�Aktive unabhängige Kampf- uod Artlllerlebrlgaden

Lan^
(NATO)

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bunilesrepubli k
Griechenland
Island
Italien
Luxemburg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Grotßbritannien
Vereinigte Staaten

auf nationalem
Territorium

1
-

außerhalb
nat. Territoriums
1
1

1
-

2

1

4
11

-

-

11

24
-

1
5
8
23
6
—

24
-

\
2
5

23
8
5

(Warschauer Pakt)

Bulgarien
CSS^
DDR
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

6
3
1
4
7
5
9

I
1
4
7
5
17

Insgesamt

�Kampfflugzeuge (1)

Land

Belgien
Kanada
Dänemark
Frankreich
Bundesrepublik
Griechenland
Island
Italien
Luxt;mlurg
Niederlande
Norwegen
Portugal
Spanien
Türkei
Großbritannien
Vereinigte Staaten

Insgesamt
(3,4,5)

Land

Insgesamt

144
40
87
450
547
319

Bulgarien
CSSR
DDR 350
Ungarn
Polen
Rumänien
UdSSR

(2,3,4,5)

-

250
400
150
700
350
6 050

250
-

162
78
99
186
370
445
800

(1) Dazu gehören die folgenden Kampfflugzeuge: Bei den Mitgliedsländern des Nordatlantischen Bündnisses: F-16, F-4, F-5, NF-5, F-104,
F-100, F-18, CF-18, F-lll, F-35/RF-35, T-2E, A-7/TA-7, A-10, Alphajet,
G-91, Buccaneer, Harrier, Jaguar, Mirage Fl/3/5, Tornado, F-15, Mirage
2000, Lightning, RF-4, TR-1, C-212, PD808, EF-111, EC-130HY, DC-8
Sarigue, C-160 Gabriel, RF-5, RF-16, RF-84, Hunter, Canberra.
Für die Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes: MiG-15, MiG-17,
MiG-21, MiG-23, MiG-25, MiG-27, MiG-29, MiG-31, SU-7, SU-15, SU-17,
SU-22, SU-24, SU-25, SU-27, YAK-28, YAK-28P, L-29, L-39, IL-28, AN-12,
TU-16, TU-22, TU-128, TU-22M.
(2) Dazu zählt der TU-22M (Backfire), wie er für Missionen im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural eingesetzt werden kann. Er kann jedoch ebenfalls als Interkontinentalbomber eingesetzt werden und ist gegenwärtig
Thema der START-Verhandlungen.
(3) Dazu gehören landgestützte Marineflugzeuge.
(4) Die Gesamtzahlen betreffen Kampfflugzeuge in Einheiten. Die
Mitglledstaaten des Nordatlantlschen Bündnisses lagern insgesamt 530
Kamp fflugzeuge. Die entsprechende Zahl für die Mitgliedsstaaten des
Warschauer Paktes wird höher geschätzt als die der NATO-Mitgliedsstaaten.
(5) Einsatzfähige Ubungsflugzeuge sind in den Gesamtzahlen nicht
enthalten. Sie machen insgesamt für die NATO etwa 530 Flugzeuge aus und
für die Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes über 5 700.

* * * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
VON

*

Wissenschaft und Technik

44

30. November 1988

LUNGENENTZÜNDUNG HAUPTTODESURSACHE BEI KINDERN DER DRITTEN WELT
- Bessere Diaenosekenntnisse erforderlich -

IRVINE, KALIFORNIEN - (AD) - Die biologischen Ursachen und die Epidemiologie akuter Infektionskrankheiten der Atmungsorgane bei Kindern in der Dritten
Welt war Hauptthema einer Konferenz in Irvine (Kalifornien).
Bei der Erörterung der ersten,
seit 1982 laufenden multinationalen
Studie zu diesem Fragenkomplex wur le
offenbar, daß Infektionen der Atmungsorgane, insbesondere Lungenentzündungen, inzwischen sogar häufiger
als Todesursachen in Frage kommen a's
Durchfall
verschiedener
Ursachen.
Jährlich sterben etwa v*cr Millionen
Kinder unter fünf Jahren, die meisten
in Ländern der Dritten Welt, an solchen Infektionen.
Die unter der Regie der amerikanischen Nationalen Akademie der
Wissenschaften durchgeführten Studie
wird vom amerikanischen Amt für Internationale Entwicklung (AID) finanziert.
Man will di&lt;.' Ursachen für
diese Infektionen herausfinden und
Risikofaktoren ermitteln, die wahrscheinlich daran beteiligt sind, daß
Kinder erkranken.
Die Entwicklung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von Programmen zur Gesundheitspolitik
der Länder in diesem Teil der Welt
zählten ebenso zu Aufgaben der Studie
wie das Ausfindigmachen von Möglichkeiten zur Vorbeugung und zur Heilung
akuter Atemwegsinfektionen.
In 12
Ländern wurden Tausende von Müttern
und Kindern untersucht.
Einbezogen
sind Argentinien, Bangladesch, Brasilien, Guatemala, Kenia, Kolumbien,
Nigeria, Pakistan, Papua-Neuguinea,
die Philippinen, Thailand und Uruguay. Ende 1989 soll die Studie endgültig abgeschlossen werden, die Veröffentlichung der Ergebnisse in amerikanischen Fachzeitschriften dürfte
in etwa sechs Monaten beginnen.
Die Teilnehmer am Symposium - 64
Ärzte und Verwaltungsfachleute aus 15
Ländern - kamen zu dem Schluß, daß
die Krankheitserreger überall ähnlich
seien.
Bei den Viren habe man es

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hauptsächlich mit Synzytium-Viren in
Atmungsorganen, mit Parainfluenza-Viren vom Typ 1 und 3, mit Influenzaviren vom Typ A und B und nit Adenoviren zu tun. Bei den Bakterien handle
es sich um "Streptococcus pneumoniae"
und um die drei Haemophilus-Typen.
Die Häufigkeit der Atemwegserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren sei
bei Kindern in Industrieländern und
Ländern der Dritten Welt ziemlich
gleich. Aber die Schwere der Erkrankung sei bei letzteren größer, die
Todesrate um bis zu 50 Prozent höher.
Risikofaktoren ergäben sich vor allem
durch Unterernährung, schlechte hygienische Verhältnisse und übervolle
Schlafräume. Bei armen Familien liege auch die Pflege im argen, weil die
Eltern weder über die notwendigen
Kenntnisse noch die Mittel verfügen,
gegen die Krankheiten der Kinder in
der richtigen Weise anzugehen.
Dennoch könnten durch klinische
Information wenigstens einige Risikofaktoren vermindert werden, meinte
Dr. Thelma Tupasi, Präsidenten der
"Stiftung tropische Krankheiten" mit
Sitz in Makati (Philippinen). Würden
beispielsweise Masern durch Impfen
verhindert, verringere sich das Risiko der Atemwegserkrankungen. Unterund Fehlernährung könne durch einfache Medikamente korrigiert werden.
So habe sich gezeigt, daß Kinder mit
Vitamin-A-Mangel häufiger als andere
von Infektionen des unteren Atmungstraktes befallen werden. Sowohl Erkrankungen als auch Todesfälle waren
nach Vitamin-A-Gaben geringer. Dazu
bedarf es nicht zusätzlichen Personals, sondern nur der richtigen Maßnahmen.
Die Teilnehmer waren sich einig,
daß das Gesundheitspersonal lernen
müsse, bakterielle Pneumonie besser
zu diagnostizieren. "Offenbar haben
wir die Rolle der Bakterien unterschätzt", meinte Tupasi. "Wir müssen
begreifen, wie bedeutsam Bakterien
sind, weil die Therapie der Kinder
von der richtigen Diagnose abhängt.
Die meisten Kinder in Entwicklungsländern sind mit Bakterien infiziert,
wir brauchen viel empfindlichere Erfassungsmethoden."

Außerdem wurde mehr Genauigkeit
in der Beschreibung klinischer Erkrankungen gefordert, die zum Komplex
der akuten Atemwegserkrankungen gehören. Tupasi hält es für erforderlich, biologische Ursachen dieser Erkrankungen zu .identifizieren, damit
Vorbeugungsstrategien
ausgearbeitet
werden können.
"Wir müssen beispielsweise herausfinden", sagte sie,
"ob Viren bei der Entwicklung schwerer Bakterieninfektionen
im Spiel
sind.
Dann könnten wir vielleicht
einen Impfstoff gegen diese Viren
entwickeln.
Außerdem
wissen
wir
nicht genug darüber, welche krankheitsverursachenden
Organismen
in
Neugeborenen existieren.
Auch die
Auswirkung des Gesundheitszustandes
der Mutter auf das Kind ist von grosser Bedeutung. Stillen kann die Widerstandsfähigkeit des Kindes gegen
Infektionskrankheiten stärken.
Muttermilch enthält Zellen, die eindringende Bakterien vernichten.
Daten
aus jüngster Zeit zeigen auch, daß
Muttermilch verhindern kann, daß sich
Bakterien im oberen Teil der Luftwege
festsetzen und später in die Lunge
vordringen, wo sie die Infektion verursachen."
Alles in allem müsse es mehr
grundlegende Informationen und Wissen
über die eingeschlagene Therapie und
die Behandlung mit Antibiotika geben.
Gesundheitsfürsorger könnten für die
Therapie angelernt werden. Die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) habe
Richtlinien für Personen ohne medizinische Ausbildung herausgegeben, so
daß diese Leute entscheiden können,
welche Kinder Antibiotika bekommen
sollen.
Dorfgesundheitsfürsorger
könnten nach kurzem Training therapeutische Aufgaben sehr gut wahrnehmen.
"Wir müssen alle verfügbaren
Quellen für medizinische Dienste ausschöpfen", meinte die Wissenschaftlerin, und befürwortete, die traditionellen "Heiler" davon nicht auszunehmen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
30. November 1988

44

SUPERBESCHLEUNIGER KOMMT NACH TEXAS
- Entscheidung über endgültigen Standort im Januar 1989 -

WASHINGTON - (AD) - John Herrington, Chef des amerikanischen Energieministeriums, gab kürzlich bekannt, daß sich die Regierung für den Bundesstaat
Texas als Standort für den größten und leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger der Welt entschieden habe.

Elektromagnet«, die auf so tiefen
Temperaturen gehalten werden, daß der
elektische Widerstand praktisch verschwindet
("Supraleiter"),
werden
Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit (300 000 km/sec) beschleunigen.
Der Umfang des Beschleunigerringes
beträgt ca. 85 km. Verständlich, daß
für eine so riesige Anlage ein großes
Gelände benötigt wird.
Es umfaßt
6 400 Hektar. Protonenstrahlen werden gegenläufig auf diese "Rennbahn"
geschickt, so daß bei der Kollision
selbst jene Kräfte überwunden werden,
die elementare Partikel zusammenhalten. Dabei entstehen Kaskaden kleinerer Teilchen, die beobachtet und
analysiert werden können. Dies gibt
den Wissenschaftlern die Möglichkeit,
zum besseren Verständnis der Beschaffenheit von Materie und den Gründen
für ihr Verhalten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Kosten werden sich auf ca.
4,4 Milliarden Dollar belaufen. Jedoch hat der Kongreß im laufenden
Haushaltjahr nur sog. Nebenkosten in
Höhe von 100 Millionen Dollar für
StandortStudien,
ingenieurwissenschaftliche Arbeiten und gewisse Forschungs- und Entwicklungsaufgaben bewilligt. Es ist vorgesehen, 20 Laborgebäude mit etwa 4 000 Arbeitsplätzen zu errichten. Später sollen
dort 2 000 Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten, 1 300 weitere Personen werden mit Wartung und Technik
betraut.

* * * * * *

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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