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                  <text>AMERIKA DIENST
A

^r-

6

43

23. November 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Amerikanische Vorschläge zum Agrarhandel modifiziert
- Präsident Reagans Rede vor der Amerikanischen Handelskammer Reagan: USA und Sowjets auf dem Weg zu Abkommen über Kernwaffen
- Erklärung zu den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen -

INFORMATION
Thornburgh bekannt für Härte in der Verbrechensbekämpfung
- Porträt von Justizminister Richard Thornburgh Cavazos Leistungen führen zu seiner Wiederernennung durch Bush
- Porträt des Erziehungsministers Lauro Cavazos Darman kehrt in die Regierung zurück
- Porträt des neuen Haushaltsdirektors Sununu bringt konservative Haltung in Führung des Weißen Hauses ein
- Porträt des designierten Stabschefs John Sununu -

HINTERGRUNDMATERIAL
Präsident Reagans Rede zum Handel
- Eine"Übersicht des Weißen Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Halfan - ein neues Medikament gegen Malaria

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
\ ü N

4

Dokumentation

23. November 1988

43

AMERIKANISCHE VORSCHLÄGE ZUM AGRARHANDEL MODIFIZIERT
- Präsident Reagans Rede vor der Amerikanischen Handelskammer WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer von der Amerikanischen Handelskammer
veranstalteten "Konferenz über das Erbe der Reagan-Administration" erklärte
Präsident Reagan am 17. November, die Vereinigten Staaten seien nunmehr bereit, ihre im Hinblick auf die Uruguay-Runde multilateraler Verhandlungen vorgelegten Reformvorschläge zum internationalen Agrarhandel in zwei Punkten abzuändern. Der ursprüngliche amerikanische Vorschlag forderte alle Teilnehmerländer auf, innerhalb von zehn Jahren Quoten, Subventionen und andere Hemmnisse für den Agrarhandel abzuschaffen.
Reagan verwies ferner auf die Fortführung seiner Handelspolitik unter dem
neu gewählten Präsidenten Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir diese Rede im Wortlaut:
Acht Jahre lang und durch erbitterte Kämpfe hindurch haben uns die
Handelskammer und die National Chamber Foundation als Verbündete beigestanden - in schlechten Zeiten, als
aridere schwach wurden, sind sie für
die Sache der Freiheit eingestanden.
Und wenn ich all das bedenke, was wir
erreicht haben, muß ich daran denken,
was der berühmte und wortgewaltige
Hollywood-Produzent
Samuel
Goldwyn
einmal über ein Drehbuch gesagt hat:
"Diese Geschichte ist wunderbar. Sie
ist ausgezeichnet. Daraus läßt sich
etwas machen."
Und genau das ist unsere Geschichte auch - sie ist wunderbar,
ausgezeichnet, und daraus läßt sich
auch etwas machen. Ich habe die Geschichte unserer wirtschaftlichen Er-

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folge im ganzen Land schon hundertmal
erzählt - wie wir das Amt angetreten
und die größte wirtschaftliche Katastrophe der vergangenen 50 Jahre angetroffen haben; wie wir unsere Ärmel aufgekrempelt, die Steuern gesenkt und die Vorschriften abgebaut
haben und wie die Wirtschaft reagiert
hat, als Inflationsrate und Zinssätze
aus Rekordhöhen auf den niedrigsten
Stand der letzten zehn Jahre fielen,
während Wachstum, Produktivität und
Löhne wieder zum Leben erweckt wurden. Heute haben mehr Menschen Arbeit als jemals zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Wir haben in den vergangenen Jahren Geschichte gemacht, wie sie geradewegs aus "Frag mich was'" stammen
könnte: sechs Jahre - das sind 72

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�Monate - anhaltenden Wirtschaftswachstums: der längsten jemals dokumentierten Wachstumsperiode in Friedenszeiten; 18 Millionen während dieser
Expansion
neugeschaffener
Arbeitsplätze: mehr als alle anderen Industrieländer zusammen; die Produktivität in der verarbeitenden Industrie
anderthalb mal so hoch wie der Durchschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg.
Und als ich nach Washington kam, mußte ich erkennen, daß das, was die
Statistiker
Arbeitskräftepotential
nennen, Junge und Alte umfaßt, von 16
Jahren aufwärts. Dazu zählen Schüler, Mütter, die zuhause ihre Kinder
versorgen sowie Pensionäre. Und heute ist ein größerer Teil dieses Arbeitskräftepotentials beschäftigt als
jemals zuvor - 62,7 Prozent.
Aber die Geschichte, die wir geschrieben haben, betrifft nicht nur
die Wirtschaft. Der Philosoph Ludwig
von Mises schrieb: "Eine Nation ist
heute umso wohlhabener, umso weniger
sie versucht, dem Geist des freien
Unternehmertums und der privaten Initiative Hindernisse in den Weg zu legen."
In den Jahren vor unserem
Amtsantritt hatten viele Menschen die
dauerhafte und in ihren Grundsätzen
moralische Verbindung zwichen Freiheit und Wohlstand aus den Augen verloren - Länder, die einstmals die
Wohltaten der Freiheit gekannt hatten, waren in eine Art Erstarrung gefallen und erlebten den Niedergang
ihres Lebensstandards. Andere sanken
tiefer in den Morast der staatlich
gelenkten Wirtschaft.
Vor 200 Jahren stand ein freiwilliger Soldat auf der Concord Bridge
und feuerte den Schuß ab, der auf der
ganzen Welt vernommen wurde, und irgendwann in diesen acht Jahren haben
die Freiwilligen unserer Zeit - Amerikas Unternehmer - einen weiteren
auf der ganzen Welt hörbaren Schuß
abgefeuert.
Als wir die Steuern,
Zinssätze, die Inflationsrate gesenkt
und die Vorschriften abgebaut haben,
haben wir nur das getan, was Paul
Revere getan hat, als er die zwei Laternen in der alten North Church
- 2

brennen sah - wir sind übers Land geritten und haben die Tapferen aufgefordert, mitzukommen, alles zu riskieren, um das Land neu aufzubauen.
Und ebenso wie damals die Freiwilligen sind sie gekommen. Die meisten
der in unserer Wachstumsperiode geschaffenen neuen Arbeitsplätze wurden
von fünf oder weniger Jahre alten
Firmen und von Unternehmen mit unter
20 Mitarbeitern eingerichtet - Firmen
mit Unternehmergeist, die ein Produkt
der Freiheit in Amerika sind.
Und auf der ganzen Welt haben die
Menschen ihre Geschichte - die Geschichte Amerikas - vernommen und
sind aus ihrer Erstarrung erwacht.
In Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland, in Indien und Japan
sind die Steuersätze gefallen und unnötige Vorchriften abgebaut worden.
In Europa wird der Gemeinsame Markt
bald zu einem Markt werden, der wirklich allen Mitgliedern offensteht,
wenn im Jahr 1992 die Beseitigung der
innereuropäischen
Handelsschranken
ansteht.
Und sogar in China, der Sowjetunion und Osteuropa ist unser Beispiel in den Zitadellen des Kommunismus nicht ungehört verhallt und hat
einen Umschwung eingeleitet, den vor
zehn Jahren noch niemand für möglich
gehalten hätte. Eine Wahrheit, die
Sie jüngst vernommen haben und die
mir wiederholt von anderen Politikern
bstätigt worden ist, lautet: Amerika
wird von der ganzen Welt beneidet.
Obwohl wir der Welt in diesen
acht Jahren ein neues Gesicht verliehen haben, bleibt noch viel zu tun.
Und in keinem Bereich sind die
Schritte nach vorn so wichtig für die
Zukunft Amerikas und der Welt wie im
Welthandel. Der große britische Historiker und Staatsmann des 19. Jahrhunderts, Thomas Macauley, schrieb,
daß "freier Handel, eine der Segnungen, mit denen eine Regierung ein
Volk bedenken kann, in nahezu jedem
Land unbeliebt ist."
Nicht so in
Amerika. Im letzten Jahr des Wahlkampfes waren Protektionismus und hö-

�here Steuern mit einem Todesstoß
gleichzusetzen. Und warum? Seit der
Zeit George Washingtons über die
Große Depression der dreißiger Jahre
bis zum heutigen Tag an dem Amerikas
Handel mit dem Ausland expandiert,
ist die Zahl der Arbeitsplätze gestiegen - wenn er zurückging, so verringerte sich auch die Zahl der Arbeitsplätze. Und heute sind mehr als
zehn
Millionen
amerikanische
Arbeitsplätze Import- oder exportabhängig oder beides. Und wir exportieren
mehr als jemals zuvor in unserer Geschichte.
Was die Verbraucher anbelangt, so
haben uns die Schlagzeilen vor nur
zwei Jahren eine Lektion über den
Preis der Protektion erteilt.
Das
geschah, als der Staat New York unter
dem Druck der Handelskommission der
Bundesregierung eine Handelsschranke
abbaute.
Er ließ die Einfuhr von
Milch aus New Jersey zu. Und unmittelbar darauf fiel der Durchschnittspreis für eine Gallone Milch auf der
Lower East Side von Manhattan um 40
Cents.
Und dies ist nicht einmal
Beispiel für den Handel mit einem
Produkt zwischen zwei Ländern, sondern zwischen zwei Bundesstaaten.
Wenn wir das auf eine weltweite Ebene
transponieren, wissen Sie, warum Amerikaner in diesem Jahr wiederholt erklärt haben, daß Protektionismus mit
Destruktivität gleichzusetzen ist und
sie daran nicht teilhaben wollen. So
einfach ist das: Amerika und die
Welt brauchen mehr, nicht weniger
Handel. Und wir sind entschlossen,
den Handel am Leben zu erhalten.
Heute verfolgen wir eine Politik
der drei Schritte. Beim Plaza-Abkommen, dem Tokioter Gipfel und in diesem Jahr beim Weltwirtschaftsgipfel
In Toronto haben wir mit den anderen
wichtigen Industrieländern am ersten
Schritt zusammengearbeitet - der Erweiterung internationaler Zusammenarbeit bei der Währungs- und Steuerpolitik sowie in anderen makroökonomischen Bereichen.
In der Zwischenzeit haben wir als

zweiten Schritt jedes uns im Rahmen
internationaler Abkommen zur Verfügung stehende Instrument benutzt, um
ausländische Märkte zu öffnen. Und
wir sind die erste Administration,
die jemals Fälle unfairer Handelspraktiken aufgegriffen und nicht abgewartet hat, bis die Industrie die
Initiative ergreift. Und vor nicht
allzu langer Zeit haben wir die - von
der Administration und der Industrie
aufgegriffenen - Fälle addiert und
sind zu dem Ergebnis gekommen, daß
die Vereinigten Staaten unter dieser
Administration mehr Fällen unfairer
Handelspraktiken den Kampf angesagt
hat als alle Administrationen in der
Geschichte.
Und wir haben- viel Erfolg gehabt
- bei Agrargütern und juristischen
Dienstleistungen bis zu Bauvorhaben
in Japan, bei Versicherungsfällen und
geistigem Eigentum in Korea sowie
beim Agrarhandel mit Europa.
Die
Märkte sind geöffnet worden. Vor 40
Jahren hat Amerika die Hälfte der
Weltwirtschaft bestritten. Wir waren
im Vergleich zu allen anderen so
groß, daß wir die meisten unfairen
Handelspraktiken im Ausland ignorieren konnten. Heute sind wir auf ein
Viertel zurückgefallen. Und es ist
Zeit, daß sich jeder, der mit uns
Handel treiben will, an die Spielregeln hält.
Dies ist nicht, wie manche behaupten, ein Fall vom Niedergang Amerikas. Tatsächlich ist unser Anteil
am Welthandel seit 1980 gestiegen.
Aber die Depression und der Zweite
Weltkrieg haben uns gelehrt, daß unser Frieden, Wohlstand und unsere
Freiheit nur solange gewährleistet
sind wie der Frieden, Wohlstand und
die Freiheit unserer Freunde.
Im Handel gewinnt jeder, wenn die
Märkte größer werden. Das ist kein
Kampf mit einem Verlierer, obwohl einige Kritiker genau das über den Handel zu denken scheinen.
Allseitige Vorteile sind genau
der Grund, aus dem wir den dritten

- 3 -

�Schritt unserer Strategie der drei
Schritte unternehmen: Bilaterale und
multilaterale Verhandlungen.
In einigen Wochen wird die Zwischenbilanz
der Uruguay-Runde von Handelsgesprächen in Montreal stattfinden.
Ich
kenne kein Problem der letzten acht
Jahre, das in unserer Regierung eine
ähnlich breite Basis der Unterstützung gefunden hätte wie diese Gespräche. Der Kongreß hat seine Unterstützung dokumentiert, indem er dem
Handelsgesetz schnell durchführbare
Bestimmungen beigab. Der neu gewählte Präsident Bush hat bei jedem
Schritt daran mitgewirkt. Jeder, der
sich dem Gedanken hingibt, diese Politik würde sich unter der neuen Administration oder mit dem neuen Kongreß ändern, macht sich etwas vor.
Tatsächlich
beabsichtigen
der
neue Präsident und ich, noch vor der
Zwischenbilanz mit dem Handelsbeauftragten Clayton Yeutter und Landwirtschaftsminister Dick Lyng zusammenzutreffen, um unsere allseitige Unterstützung dieser Verhandlungen zu bekräftigen. Was Handelsgespräche anbelangt, so schreiten diese mit voller Kraft voran.
Vor Aufnahme meiner gegenwärtigen
beruflichen Tätigkeit habe ich als
Vertreter
der
Schauspielergewerkschaft bei den Vertragsverhandlungen
mit den Studios Verhandlungstaktik
gelernt.
Nach
den
Studios
war
Gorbatschow ein Kinderspiel.
Aber
ich habe gelernt, daß es nicht Besseres als einen einzuhaltenden Termin
gibt, um die Verhandlungen wunderbar
zu lenken. Und das ist hier geschehen.
Die Tatsache der anstehenden
Zwischenbilanz hat die Gespräche so
intensiviert und beschleunigt, daß
sie meiner Ansicht nach bereits zu
Beginn dieses Treffens von Erfolg gekrönt sein werden.
Wir versuchen jetzt nicht, die
gesaraten Verhandlungen der UruguayRunde in Montreal durchzuführen. Wir
gehen schrittweise vor, und die hier
zu unternehmenden Schritte sind ganz
einfach. Wie Bergsteiger, die sich

auf die letzte Etappe ihres großen
Aufstiegs vorbereiten, wollen wir sicherstellen, daß wir uns alle darüber
einig sind, wo der Gipfel ist, welchen Weg wir dahin nehmen und wann
wir dort ankommen wollen. Auf dem
Programm stehen geistiges Eigentum,
Dienstleistungen, Investitionen, der
Abbau von Handelsschranken für unsere
Produkte im Ausland und die Verbesserung des Schlichtungsmechanismus bei
Streitigkeiten im Rahmen des GATT.
Dies sind heute die Pfähle im Fleisch
des Welthandels und die großen Lücken
im GATT-System.
Obwohl der Handel mit Dienstleistungen schneller wächst als irgendein anderer Bereich des Welthandels,
gibt es zum Beispiel im Rahmen des
GATT dazu keine Vorschriften, und es
bestehen ganz einfach keine Bestimmungen zum Schutz geistigen Eigentums. Allein im Jahr 1986 haben die
Computer- und
Softwarebranche
aufgrund
fehlender
Vorschriften
zum
Schutz geistigen Eigentums Verluste
im Wert von mehr als vier Milliarden
Dollar erlitten. Es ist an der Zeit,
daß wir etwas dagegen unternehmen,
und ich bin zuversichtlich, daß wir
dies tun werden.
Einer der wichtigsten von uns zu
behandelnden Bereiche ist die Landwirtschaft. Wer kann heute über die
weltweite
staatliche
Agrarpolitik
glücklich sein?
Hat es jemals ein
besseres Beispiel dafür gegeben, wie
sich alles ins Negative verkehren
kann, wenn Regierungen sich zu stark
einmischen? Teuer, destruktiv - insgesamt gesehen bringt die staatliche
Rolle in der Landwirtschaft Nachteile
für die Verbraucher, sie schadet den
Volkswirtschaften der Entwicklungsländer und auch den Bauern.
Die Aussagen von Mises über Nationen treffen auch auf Industriezweige ud einzelne Sektoren zu - umso
geringer die Hindernisse gegenüber
der Privatinitiative, umso besser
geht es ihnen allen.

- 4 -

Wir haben erwähnt, daß die Mit-

�glieder des GATT bis zum Ende des
Jahrhunderts eine Beendigung von politischen Maßnahmen vereinbaren sollten, die den Agrarhandel verzerren.
Andere Länder sagen, dieser Zeitplan
sei unrealistich. Sie könnten teilweise Recht haben. Und deshalb möchte ich heute verkünden, daß unsere
Unterhändler in Montreal bereit sein
werden, eine flexible Anpassung zu
erörtern. Sie werden im Hinblick auf
den Zeitplan solange flexibel sein,
wie alle darüber einig sind, einen
Plan über eine Anpassung mit festen
Terminen für die Beseitigung handelsverzerrender Subventionen und Marktzugangsbeschränkungen zu verabschieden. Was wichtig ist, ist das Endziel.
Einige Länder sind auch besorgt
darüber, daß sie bei wegfallenden
Handelsschranken
in der Landwirtschaft der Gnade anderer ausgeliefert
sind, wenn die Nahrungsmittelvorräte
knapp werden. Auch sie könnten zum
Teil recht haben. Deshalb werden wir
in Montreal auch bereit sein, über
die staatliche Lagerbestände, Erwerb
von Grundeigentum und andere Möglichkeiten der "Nahrungsmittelsicherheit"
zu sprechen.
Man könnte es so formulieren, daß
wir in Montreal bereit sein werden,
über Geflügel, Weizen, Hirse und all
das zu sprechen. Unseren Informationen zufolge liegt der Hemmschuh der
Verhandlungen über den Agrarhandel
bei den starren Zeitplänen und der
Nahrungsmittelsicherheit.
Dieser
Vorschlag dokumentiert das Bestreben
der Vereinigten Staaten, diesen Hemmschuh zu lösen, die Schäden zu beheben und sicherzustellen, daß sich die
Verhandlungen auf ihr Ziel im Jahr
1990 zubewegen.
Es steht mehr auf dem Spiel als
nur ein paar Produkte oder ein paar
Verhandlungen. Die Welt steht an der
Schwelle
eines
neuen
Zeitalters.
Neue Technologien und neue Möglichkeiten, die sich vor einigen Jahren
noch unserer Vorstellungskraft entzogen, werden jetzt verwirklicht. Sie

stellen für die Menschheit eine unvergleichliche Hoffnung dar.
Biotechnologie,
Kommunikationstechik,
medizinische Technik und vieles mehr
können Krankheiten besiegen, dem Hunger auf der Welt ein Ede bereiten und
all das tun, was wir jetzt tun - und
noch mehr - und gleichzeitig in der
Umwelt weniger Schaden anrichten.
Dennoch ist ganz sicher, daß der Weg
zum Eintritt in dieses neue Zeitalter
über den Abbau von Handelsschranken
weltweit führt.
Denken Sie nur an die Computer.
In den sechziger Jahren kostete ein
Computer, der eine Million Instruktionen pro Minute verarbeiten konnte,
fast zwei Millionen Dollar.
Heute
kostet er nur 1 000 Dollar. Die heutigen Tischcomputer sind keine Errungenschaft eines einzigen Landes, sondern die Leistung von drei der vier
Länder, und ihre Halbleiter können
aus irgendeinem von über zehn Ländern
stammen, wobei nicht genau zu sagen
wäre, aus welchem. Wir können die
aufstrebenden
neuen
Technologien
nicht von dem Markt fernhalten, der
sie hervorgebracht hat.
Vor einigen Jahren schrieb der
Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Friedrich Hayek, ich zitiere:
"Während es in den modernen technischen Entwicklungen nichts gibt, das
uns zu umfassender Wirtschaftsplanung
zwingt, beinhalten diese Entwicklungen vieles, das die einer solchen
Planungsgewalt gegebene Macht unendlich gefährlich macht."
Und doch
könnte die gegenwärtig stattfindende
technologische Revolution dieser zentralen Autorität Macht nehmen anstatt
sie mächtiger zu machen. Ein TischPC hat heutzutage eine größere Rechenkapazität als ein ganzer Raum
voller Computer im Jahr 1960. Trotzdem hat vor kurzem ein führender amerikanischer
Forscher
vorausgesagt,
daß in 15 Jahren ein einziger Computer-Chip die gleiche Kapazität wie
die modernsten Supercomputer von heute haben werde.
Der Schriftsteller George Gilder

i-

�hat argumentiert, daß die Kalkulationen zentraler Planer immer bedeutungsloser würden, wenn solche Macht
in die Hände jedes Hackers und jedes
Unternehmers gelegt wird. Je schneller das Tempo der Innovationen, desto
vergeblicher werden sich staatliche
Autoritäten bemühen, Schritt zu halten, Druck auszuüben oder eine Führungsrolle zu Ubenehmen. Das Äußerste, was die Regierungen noch tun
können, besteht darin, große und ungezügelte Märkte bereitzustellen, die
befruchtend für Innovationen wirken
können und solchen Unternehmen, die
im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, eine solidere heimische
Grundlage zu bieten.
Aus diesem Grunde haben wir uns
im Verlauf unserer Anstrengungen zum
Abbau der Handelsschranken in der
ganzen Welt darum bemüht, die meisten
Schranken gegenüber unserem wichtigsten Partner, Kanada, zu beseitigen.
Was die Vereinigten Staaten betrifft,
so ist das Freihandelsabkommen ein
Beispiel für Kooperation par excellence. Es ist ein Beweis für das Engagement unserer Regierungen für die
Prinzipien des offenen Markts und der
wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Wie
die führenden Politiker der wichtigsten Industriestaaten beim Gipfel von
Toronto folgerten, stellt es ferner
einen Katalysator für die übrigen
Mitglieder des Welthandelssystems dar.

zusammen einen Schritt nach vorn in
Richtung auf freieren Handel gegangen
sind, waren die Ergebnisse genau wie
erwartet - produktivere und wettbewerbsfähigere Volkswirtschaften, mehr
Arbeitsplätze und größere Vorteile
für die Bürger jedes Landes.
Alle Staaten der Welt stehen vor
der gleichen Frage:
Voranschreiten
oder zurückweichen? Und ich glaube,
es liegt etwas in der Seele des Menschen - der Geist der Hoffnung, ein
Verlangen nach einer besseren Zukunft
für die Kinder, ein Gebet für den
Frieden -, das uns alle letztlich,
vielleicht erst nach langem Zögern,
nach vorn katapultieren wird.
Es
wird uns den Mut geben, uns der Zukunft zu stellen, uns dem Licht des
Morgens zuzuwenden und - wie unsere
Vorfahren dies für uns taten, eine
bessere Welt für unsere Kinder und
deren Kinder in den kommenden Generationen aufzubauen.

Während wir weltweite Verhandlungen über den Handel anstreben, sind
die Vereinigten Staaten der Überzeugung, daß die Zukunft denen gehört,
die Handelsschranken abbauen.
Dies
sind die Länder, die bei der Technologie an vorderster Front stehen.
Dies
sind
die Länder, die den
schnellsten Anstieg des Lebensstandards erleben werden. Dies sind die
Länder, die in den kommenden Jahren
eine führende Rolle in der Welt spielen werden. Wir können nach vorn in
diese Zukunft schreiten oder in die
Vergangenheit des Protektionismus zurückfallen.
Auf einen Nenner gebracht heißt das:
Jedesmal, wenn
Länder in irgendeiner Region der Welt
- 6 -

* * * * * *

�^os^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. November 1988

A3

REAGAN:

USA UND SOWJETS AUF DEM WEG ZU ABKOMMEN ÜBER KERNWAFFEN

- Erklärung zu den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 16. November 1988 erklärt, er
hinterlasse seinem Nachfolger George Bush "eine solide Grundlage" für den Abschluß von Abkommen mit Moskau in den Gesprächen über Nuklear- und Weltraumwaffen.
In einer schriftlichen Erklärung zum Abschluß der 10. Runde der Gespräche
über Nuklear- und Weltraumwaffen teilte Reagan mit, es bestünden weiterhin
"Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Bereichen". Die Vereinigten Staaten
und die UdSSR befänden sich jedoch "auf dem Weg" zum Abschluß eines Abkommens
zuc "erheblichen Reduzierung" ihrer strategischen Kernwaffenarsenale.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Heute wurde die 10. Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abgeschlossen. Im Verlauf dieser Verhandlungen
bestand mein Ziel darin, mit der Sowjetunion ein Abkommen über einschneidende, gleichgewichtige und verifizierbare Reduzierungen
in den
strategischen
Kernwaffenarsenalen
beider Seiten als Teil umfassender
Bemühungen zur Verbesserung der strategischen Stabilität und der Verringerung des Kriegsrisikos zu erlangen.
Wir haben in diesen Verhandlungen
bedeutsame Fortschritte erzielt. Wir
haben den INF-Vertrag abgeschlossen
und mit dessen Durchführung begonnen,
den ersten Vertrag, der eine gesamte
Kategorie amerikanischer und sowje-

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tischer Raketen beseitigt, mit den
umfangreichsten je in einen Vertrag
aufgenommenen
Verifizierungsbestimmungen. In den Gesprächen zur Reduzierung
der
strategischen
Waffen
(START) sind wir ebenfalls unserem
Ziel, Reduzierungen bei den destabilisierendsten
Kernwaffen,
den
schnellfliegenden ballistischen Raketen, hier insbesondere bei den schweren Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen,
nähergekommen.
Die Unterhändler haben in einem gemeinsamen Vertragsentwurf umfangreiche und bedeutsame Bereiche der Übereinstimmung fixiert - sowie auch Bereiche, in denen noch Meinungsverschiedenheiten herrschen. Dieser gemeinsame
Vertragsentwurf
spiegelt
ferner
die
von
Generalsekretär
Gorbatschow und mir bei unseren Be-

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�gegnungen in Genf und Reykjavik sowie
bei den Gipfeltreffen in Washington
und Moskau erzielten
Bereiche der
Übereinstimmung sowie die Fortschritte wider, die bei den amerikanischsowjetischen Ministertreffen und in
zehn Verhandlungsrunden in Genf erreicht wurden.
Bei START machen wir gute Fortschritte auf dem Weg zu einem Abkommen, das den Umfang der amerikanischen
und
sowjetischen
strategischen Kernwaffenarsenale erheblich
reduzieren wird. Es besteht Einvernehmen über die Halbierung der stationierten strategischen Streitkräfte
auf eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen auf 1 600 strategischen
Trägersystemen sowie über Untergrenzen von 4 900 ballistischen Gefechtsköpfen sowie 1 540 Gefechtsköpfen auf
154 schweren Raketen. Beide Seiten
haben sich geeinigt, daß das Wurf gewicht der sowjetischen ballistischen
Raketen um ca. 50 Prozent verringert
wird, so daß auf beiden Seiten gleiche Obergrenzen bestehen.
Einvernehmen wurde über die Zahl der jedem
bestehenden Typ ballistischer Raketen
zugeordneten Gefechtsköpfe sowie über
einige Regeln für das Zählen der Bewaffnung auf schweren Bombern erzielt.
Ferner wurde Einigung über
die Umrisse einer Verifizierungsregelung erlangt, darunter mehrere Arten
von Vor-Ort-Inspektionen, Datenaustausch
sowie Maßnahmen, um Täuschungsmöglichkeiten
einzuschränken.
Beide Seiten haben in diesen Bereichen detaillierte Vorschläge gemacht.
Es bleiben Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Bereichen bestehen, darunter solche in Bezug auf mobile Interkontinentalraketen, seegestützte Marschflugkörper, die Berechnung der Zahl luftgestützter Marschflugkörper, Untergrenzen bei ICBM-Gefechtsköpfen, Modernisierung schwerer
ICBMs sowie sowjetische Versuche, den
START-Vertrag mit Verfügungen zu verknüpfen, die SDI verstümmeln würden.
Bei den Gesprächen über Weltraumverteidigung haben wir unsere Bemü-

hungen fortgesetzt, Einvernehmen darüber zu erzielen, wie wir und die Sowjets gemeinsam einen stabilen Übergang zu verstärkter Stützung auf
wirksame Verteidigungssysteme vornehmen könnten, falls diese sich als
machbar erweisen. SDI stellt unsere
größte Hoffnung auf eine sicherere
Welt dar, in der sich Abschreckung
zunehmend auf - niemand bedrohende Verteidigungssysteme stützt statt auf
die Androhung von Vergeltung. Ferner
ist SDI für die Sowjets ein wichtiger
Anreiz gewesen, über die Reduzierung
von Kernwaffen zu verhandeln.
Wir
werden SDI nicht zum Verhandlungsgegenstand machen oder Beschränkungen
für SDI akzeptieren, die über die im
ABM-Vertrag vereinbarten hinausgehen.
Schließlich bleibt auch die fortgesetzte mangelnde Bereitschaft der
Sowjets zum Abbau des phasengesteuerten Großradars in Krasnojarsk, das
eine erhebliche Verletzung zentraler
Bestandteile des ABM-Vertrags darstellt, ein Anlaß zu tiefer Besorgnis. Wir haben den Sowjets gegenüber
verdeutlicht, daß wir nichts außer
der vollständigen Einhaltung des Vertrags akzeptieren werden und daß wir
keine weiteren Abkommen über die Verringerung der strategischen Waffen
abschließen können, bevor nicht diese
Verletzung auf eine überprüfbare, unseren Kriterien gerecht werdende Art
und Weise korrigiert worden ist.
Zum Abschluß dieser Runde möchte
ich den Botschaftern Max Kampelman,
Read Hanmer und Henry Cooper sowie
ihren Verhandlungsgruppen meine Anerkennung für die hervorragende Arbelt
aussprechen, die sie in diesen Verhandlungen geleistet haben.
In den Gesprächen über Kern- und
Weltraumwaffen haben wir erhebliche
Fortschritte auf dem Weg zu Vereinbarungen gemacht, die unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten
stärken werden. Wir streben jedoch
nach guten, nicht nach schnellen Verträgen, und wir werden auf diesem Weg
keine Abkürzungen nehmen. Wir hinterlassen der nächsten Administration

- 2 -

�eine solide Grundlage, auf der diese
in Zukunft aufbauen kann, und ich bin
zuversichtlich, daß wir - falls die
Sowjets bereit sind, weitere Fortschritte zu erzielen - in der Lage
sein werden, die schwierigen, noch
ausstehenden Probleme zu lösen.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

Information

4

23. November 1988

43

THORNBURGH BEKANNT FÜR HARTE IN DER VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
- Porträt von Justizminister Richard Thornburgh -

WASHINGTON - (AD) - Der von dem neu gewählten Präsidenten George Bush in
seinem Amt bestätigte Justizminister Richard "Dick" Thornburgh genießt den Ruf
eines "harten Mannes in der Verbrechensbekämpfung" und unerbittlichen Strafverfolgers.

Er ist bekannt für seinen "methodischen Arbeitsstil" und für einen
kühlen Kopf
in Krisensituationen.
Ferner wird er als "Arbeitstier" beschrieben.

tion vollziehen wird. Thornburgh zufolge wird ihm die Wiederernennung
"Gelegenheit geben, den wie ich hoffe
positiven und produktiven Kurs des
Ministeriums weiterzusteuern".

Bush verkündete am 21. November
1988, daß er den gemäßigten Republikaner als Leiter des Justizministeriums behalten möchte, weil er "das
Ministerium gut kennt" und "eine Bilanz unbestrittener Integrität sowie
Engagement für die Aufrechterhaltung
höchster ethischer Normen" vorweisen
kann.

Neben der Führungsrolle im Kampf
gegen Drogen wird das Justizministerium Thornburgh zufolge seine Bemühungen in der Bekämpfung von Wirtschaftsverbrechen
fortsetzen.
Im
Hinblick auf Korruption im Staatsapparat sagte Thornburgh, es "sollte
wichtig sein, hohe ethische Normen im
Staatsdienst und in unseren Wirtschaftsinstitutionen
zu gewährleisten". Er deutete an, daß Korruption
in Zusammenhang mit Umweltangelegenheiten und Bürgerrechten von den Mitarbeitern des Ministeriums besondere
Aufmerksamkeit gewidmet werde.

Aufgrund
des
Verbleibs
von
Thornburgh an der Spitze des Ressorts
wird allgemein erwartet, daß dieses
Ministerium einen nahtlosen Übergang
von der Reagan zur Bush-Administra-

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�Thornburgh leitet das Justizministerium seit 12. August 1988, als er
zum Nachfolger von Edwin Meese und
76. Justizminister ernannt wurde.
Bei seiner Nominierung im vergangenen Sommer hob Präsident Reagan
Thornburghs "hervorragende Laufbahn"
als ehemaliger Gouverneur von Pennsylvania sowie als erfolgreicher Bekämpfer des organisierten Verbrechens
und des Drogenhandels hervor.

Wiederherstellung der Moral in seinem
Ressort, nachdem ein Sonderstaatsanwalt Ermittlungen gegen seinen Vorgänger Meese geführt hatte. (Meese
wurde nicht angeklagt und behauptete,
die Ermittlungen des Sonderstaatsanwalts hätten seine Unschuld erwiesen.)
Während seiner kurzen Amtszeit
bemühte sich Minister Thornburgh
- die
Moral
wiederherzustellen,
teilweise indem er die Posten auf
der Leitungsebene neu organisierte;

Thornburgh trat sein Amt mit dem
Versprechen an, "Drogenhandel und
Drogenmißbrauch
zum
öffentlichen
Feind Nummer eins zu machen". Zur
zweiten Priorität seines Ministeriums
erklärte er das organisierte Verbrechen sowie Wirtschaftsstraftaten und
Korruption im Amt.
Vor seiner Nominierung durch Präsident Reagan hatte Thornburgh aktiv
am Wahlkampf für Bush teilgenommen.
Sein Name war sogar als möglicher
Kandidat für die Vizepräsidentschaft
genannt worden.
Schließlich entschied Bush sich jedoch für Senator
Dan Quayle.
Schon vor dem republikanischen
Konvent im August hatte es Presseberichte gegeben, denen zufolge Bush
Thornburgh im Amt behalten wollte.
Der republikanische Senator Gordon
Humphrey
zum Beispiel bezeichnete
Thornburghs Nominierung im Juli als
"die erste Nominierung einer Bush-Administration" .
Obwohl der neu gewählte Präsident
angeblich erwogen hatte, Thornburgh
durch jemand anderen abzulösen, geht
das Justizministerium nun nach seiner
Bestätigung
mit
einem
fliegenden
Start in die neue republikanische Administration.
Thornburghs ursprüngliche Nominierung, die eine Bestätigung durch
den Senat erforderte, wurde von beiden Parteien unterstützt.
Der neue Leiter des Justizministeriums unternahm rasch Schritte zur

- den innerhalb des Ministeriums
herrschenden Arbeitsstil von der
Konfrontation zum Kompromiß zu
wandeln;
- neue Bestimmungen für Dienstreisen einzuführen, die Dienstreisen
untersagen, wenn sie nicht unmittelbar mit der Arbeit des Ministeriums in Zusammenhang stehen.
Ferner stellte er eine Anweisung
seines Vorgängers in Frage, die es
Sonderanklägern gestattet hätte, Ermittlungen gegen Mitglieder des Kongresses durchzuführen, die Verfehlungen beschuldigt wurden.
Thornburgh wird wahrscheinlich in
den kommenden Monaten auf die Probe
gestellt werden, wenn sein Ministerium mit erwarteten Haushaltskürzungen konfrontiert wird.
Der Christian Science Monitor
schrieb, von ihm werde erwartet, Mittel umzuverteilen "wo immer dies möglich ist, um die Verwaltung zu verkleinern und die Strafverfolgungsund Ermittlungsbehörden zu verstärken
- insbesondere die Abteilung für Verbrechen sowie die Behörde zur Bekämpfung
des
Drogenhandels
und -mißbrauchs".
Zum Miranda-Urteil, das die Rechte eines Verdächtigen garantiert, hat
Thornburgh erklärt, dieses Urteil
könne noch etwas "Verfeinerung" vertragen. Er ist jedoch nicht der Mei-

- 2 -

�nung, es sei möglich oder nützlich,
es abzuschaffen.
Vor dem Posten
sters war Thornburgh
stitute of Politics
School of Government
versity.

des JustizminiDirektor des Inan der Kennedy
der Harvard Uni-

Thornburgh wurde im Jahr 1932 als
Sohn einer Familie von Ingenieuren in
einem Vorort von Pittsburgh geboren.
Er trat in die Fußstapfen seiner Vorfahren und machte im Jahr 1954 sein
Diplom als Tiefbauingenieur an der
Yale University. Später entschloß er
sich jedoch, Rechtswissenschaft zu
studieren und erlangte im Jahr 1957
einen Abschluß an der University of
Pittsburgh.
Im Jahr 1958 wurde er in Pennsylvania als Anwalt zugelassen und
nahm im folgenden Jahr eine Anwaltstätigkeit
für die Kanzlei Kirkpatrick,
Lockhart,
Johnson
and
Hutchinson in Pittsburgh auf. Dort
arbeitete er fast zehn Jahre lang und
kehrte auch von 1977 bis 1979 für
zwei Jahre zu dieser Kanzlei zurück.
Thornburgh war ferner von 1967
bis 1969 Direktor der American Civil
Liberties Union in Pittsburgh.

sierte Verbrechen verwickelten Straftätern. Seine Erfolge wurden vom damaligen Präsidenten Gerald Ford zur
Kenntnis genommen und führten im Jahr
1975 zu seiner Ernennung zum Stellvertretenden Staatsanwalt der Abteilung Verbrechensbekämpfung im Justizministerium. Er schuf die Abteilung
für die Integrität des Staatsdienstes, die der Verfolgung von Korruption im Amt diente.
Drei Jahre später wurde Thornburgh zum Gouverneur von Pennsylvania
gewählt. Seine Fähigkeit als Krisenmanager wurde ernsthaft auf die Probe
gestellt, als er nach nur drei Monaten im Amt den Unfall im Atomreaktor
von Three Mile Island bei Harrisburg,
der fast eine Kernschmelze zur Folge
hatte, zu bewältigen hatte.
Im Jahr 1987 schlug Thornburgh
das Angebot aus, zum Direktor des FBI
ernannt zu werden.
Thornburgh, der als unersättlicher Leser und Sportfan beschrieben
wird, ist verheiratet und hat vier
Söhne, drei von seiner ersten Frau
Virginia, die im Jahr 1960 bei einem
Autounfall ums Leben kam, und einen
von seiner zweiten Frau, die ebenfalls den Namen Virginia trägt.

Im Jahr 1969 wurde er zum Staatsanwalt für das westliche Pennsylvania
ernannt und erwarb sich bald einen
Ruf als unerbittlicher Verfolger von
in den Drogenhandel oder das organi-

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23. November 1988

A3

CAVAZOS LEISTUNGEN FÜHREN ZU SEINER WIEDERERNENNUNG DURCH BUSH
- Porträt des Erziehungsministers Lauro Cavazos -

WASHINGTON - (AD) - Der neu gewählte Präsident Bush verlieh seiner Befriedigung über die Leistungen von Lauro Cavazos Ausdruck, der erst seit kurzer Zeit Erziehungsminister ist, und bestätigte am 21. November den HispanoAmerikaner auch unter der neuen Administration in seinem Amt.
Cavazos ist einer der wenigen Minister in der Geschichte, die unter
einem neuen Präsidenten ihre Position
behalten.
Dennoch wird wenigstens
zwei weiteren Ministern in der BushAdministration diese Ehre zuteil.
Der Justizminister Richard Thornburgh
wird weiterhin das Justizministerium
leiten und Nicholas Brady wird Finanzminister bleiben.
Cavazos, damals Präsident der
Texas Technical University, wurde von
Präsident Reagan am 9. August nominiert und kam so ins Erziehungsministerium. Er ist für seinen Einsatz
für Hispano-Amerikaner
und andere
Minderheiten bekannt - insbesondere
für seine Bemühungen um eine Reduzierung der Quote vorzeitiger Schulabgänger bei dieser Gruppe.

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Cavazos ist Texaner in der sechsten Generation und wurde nach der
Bestätigung seiner Nominierung durch
den Senat der erste Hispano-Amerikaner im einem Ministeramt.
Der amerikanischen Verfassung zufolge ist eine erneute Nominierung
und Bestätigung nicht erforderlich.
In einer Rede vor Schulleitern in
Texas betonte Cavazos 1986, daß Hispano-Amerikaner, die zu 45 Prozent
vorzeitig die Schule verlassen, "Ende
dieses Jahrhunderts in unserem Schulsystem die Mehrheit darstellen werden, und es wird schwierig sein, sie
zum weiteren Besuch der Schule zu bewegen." Er fügte hinzu: "Wir werden
niemals die Welt bekommen, die wir
haben möchten, wenn unsere Kinder ungebildet sind."

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Cavazos erklärte ebenfalls, Bildung sollte nicht nur den entsprechenden
Berufsgruppen
überlassen
bleiben, sondern jeder Bürger sollte
sie als entscheidenden Bestandteil
der demokratischen Gesellschaft Amerikas unterstützen.
"Es ist sicher wichtig, zur militärischen Verteidigung des Landes bereit zu sein, aber ebenso wichtig ist
die innere Bereitschaft, jedem Kind
eine qualitativ gute Erziehung angedeihen zu lassen."
Obwohl Cavazos Demokrat ist, hat
Reagan ihn den "idealen Kandidaten"
genannt, der William Bennett als Leiter des Erziehungsministeriums ablösen soll. "Sein Engagement für den
Lehrberuf und die Qualität der Erziehung, sein Glauben an die Notwendigkeit grundlegender Veränderungen, und
vor allem seine Betonung der besonderen Bedeutung der Erziehung für Amerikas Minderheiten sind Botschaften,
die hoffentlich überall im Land Gehör
finden werden," erklärte Reagan.

1980 erhielt Cavazos als erster
Absovent der Texas Technical University und erster Hispano-Amerikaner
zwei Posten - als Präsident dieser
Universität und ihrer medizinischen
Fakultät.
Von 1964 bis 1980 war er Professor für Anatomie an der medizinischen
Fakultät der Tufts University und
wurde 1975 ihr Dekan. Von 1954 bis
1964 lehrte er am Medical College in
Virginia als Dozent für Anatomie.
Von 1949 bis 1951 lehrte Cavazos an
der Texas Technical University.
Er hat Abschlüsse der Texas Technical University (1949 B.A., 1951
M.A.) und promovierte 1954 an der
Iowa State University. Von 1945 bis
1946 diente er in der US-Army.
Cavazos ist 1927 geboren und hat
mit seiner Frau Peggy zehn Kinder.
Wohnsitz der Familie ist Lubbock,
Texas.
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4

23. November 1988

43

DARMAN KEHRT IN DIE REGIERUNG ZURÜCK
- Porträt des neuen Haushaltsdirektors -

WASHINGTON - (AD) - Für Richard Darman hatte sein Verlassen des Staatsdienstes zugunsten einer Laufbahn in der Privatwirtschaft lediglich den Charakter einer Stippvisite.
Als der fleißige Darman - in der
Reagan-Administration ein wichtiger
Planer der Außen- und Wirtschaftspolitik - seine Position als Stellvertretender Finanzminister im vergangenen April gegen einen hohen Posten in
Wall Street eintauschte, gab er dafür
"familiäre Verpflichtungen" an, die
"sich im Privatsektor besser erfüllen
ließen".
Am 21. November verkündete der
neu gewählte Präsident George Bush,
Darman werde als Direktor seines
Haushaltsbüros (OMB) wieder für die
Regierung in den Ring steigen. Damit
wird dem 45jährigen Darman die wichtigste Rolle bei der Aufgabe zugewiesen, die manche als die größte Herausforderung der Bush-Administration
betrachten:
die Senkung des hohen

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Embassy of the United States of America

Haushaltsdefizits.
Bei der Ankündigung seiner Wahl
erklärte Bush, die Position erfordere
"eingehende Kenntnis der Bundesregierung, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit dem Kongreß und das Verständnis seiner Arbeitsweise sowie
die Fähigkeit, Einzelheiten von Regierungsprogrammen aufzugreifen und
sie in eine umfassendere Strategie
für die Zukunft unseres Landes einzupassen".
Darman hat in fünf Ministerien
gearbeitet, und als wichtiges Mitglied im Stab des Weißen Hauses unter
Präsident Reagan qualifiziert er sich
Bush zufolge "in allen Punkten".
Bei

seiner

sechsjährigen

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Arbeit

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�unter Präsident Reagan wurde der neue
Leiter des OMB als einer der führenden Köpfe bei der Ausarbeitung des
Programms der Administration betrachtet.
Bei der Formulierung der Strategie über Steuersenkungen und Kürzungen im Bundeshaushalt wurde ihm 1981
eine Schlüsselrolle zugewiesen, ebenso bei den Waffenverkäufen an SaudiArabien 1982 und der Überarbeitung
des Sozialversicherungssystems 1983.
Ferner war er 1985 einer der Wegebereiter des Plaza-Abkommens, in dessen
Rahmen sich die Finanzminister der
wichtigsten Industrieländer zur Wertminderung des Dollars verpflichteten,
damit das Haushaltsdefizit abgebaut
werden konnte.
Darman war einer der wichtigsten
Wegbereiter von Bemühungen der Regierung, die amerikanische Steuergesetzgebung zu ändern, eine Aufgabe, die
1986 mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Steuerreform durch beide
Parteien im Kongreß erfolgreich abgeschlossen wurde.
Darman machte auf dem Capitol
Hill viele Überstunden um das zu erarbeiten, was vielen als unerreichbarer Kompromiß erschien. Der damalige
Vorsitzende des Finanzausschusses im
Senat, Senator Robert Packwoood, lobte ihn als "Juwel, ein richtiges Juwel".
Andere haben Darman vielfach als
brillianten, engagierten, kreativen
Mitarbeiter mit Talent beschrieben manchmal mit soviel Selbstbewußtsein,
daß er sich an der Grenze zur
Schroffheit bewegt.
Als Darman die Regierung verließ,
um eine Stelle als Geschäftsführer
der Investmentbank Shearson Lehman
Hutton Inc. anzunehmen, hieß es, er
sei von der Auffassung getrieben, der
Reagan-Administration sei die Luft
ausgegangen und sie könne, geschwächt
durch den Iran-Contra Skandal nichts
Grundlegendes mehr hervorbringen.

Er stritt dies ab und erklärte,
"es gibt für die Reagan-Administration noch interessante Dinge zu tun".
Eines dieser Dinge: der Abschluß eines Kompromisses zum Haushalt mit dem
Kongreß - eine Aufgabe, die er jetzt
in der Bush-Administration leiten
wird.
Obwohl ein großer Teil seiner Arbeit unter der Reagan-Administration
im
Hintergrund
stattfand,
konnte
Darman dennoch Kontroversen in der
Öffentlichkeit hervorrufen. Im Jahr
1987 hielt er eine Rede als Stellvertretender Finanzminister, in der er
die größten Unternehmen des Landes
als aufgebläht und ineffizient bezeichnete.
Er sprach von "einem Problem, das
oftmals unter der Bezeichnung 'corpocracy' zusammengefaßt wird und ein
Hinweis auf die Tendenz von Amerikas
Großunternehmen ist, wie eine Bürokratie zu funktionieren, über die von
Amerikas FUhrungskräften gern gelästert wird: sie sei aufgebläht, wenig risikofreudig, ineffizient und
phantasielos".
Als er im Jahr 1987 zu Shearson
ging, gab Darman in einem Interview
mit der Washington Post zu, daß
jährliche Haushaltsdefizite, die während der Reagan-Administration bis
auf 221 Milliarden Dollar angestiegen
waren, "ein Element der Fehleinschätzung" beinhalteten.
Neben anderen Punkten - so Darman
- "sah das ursprüngliche Wirtschaftsprogramm der Reagan-Regierung den Abbau von Ausgaben im Inland in größerem Umfang vor als sich dies politisch durchführen ließ. Und da ich
zur Gruppe derer gehörte, die die ursprüngliche Strategie ausgearbeitet
und später auch an der Entwicklung
dieser Strategie gearbeitet hat, muß
ich einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen."
Im Gegensatz zu manch anderen
Vertretern der Reagan-Administration
hat Darman eindeutig dargelegt, daß

- 2 -

�er an die Fähigkeit der Regierung
glaubt, eine positive Kraft in der
Gesellschaft zu sein. In einem 1983
erschienenen Buch über die Reagan-Administration
schreibt
Lawrence
Barrett, "Darmans schmutziges kleines
Geheimnis lautete, daß er an den
Staat und auch an die Bundesregierung
glaubte."
In
dem
Interview
mit
der
Washington Post sprach Darman über
eine Meinungsverschiedenheit zwischen
ihm
und Reagan.
Während Reagan
glaubt, die enorme Komponente der Sozialversicherung
im
Bundeshaushalt
"muß und kann abgebaut werden", erklärt Darman, politisch betrachtet,
würden die Ausgaben in diesem Bereich
"nahezu auf ihrem jetzigen Stand
bleiben".

Darman wurde 1943 in Charlotte
(North
Carolina) geboren, erhielt
1964 seinen B.A. cum laude und schloß
1967 sein Examen in Betriebswirtschaft ab - beide an der Harvard University.
Im Laufe seiner früheren
Tätigkeit im Staatsdienst hatte er in
den siebziger Jahren verschiedene Positionen inner Unterabteilungsleiter
für Gesundheit und Soziales, Assistent
des
Verteidigungsministers,
Sonderberater
des
Justizministers,
Abteilungsleiter im Handelsministerium und Stellvertretender Vorsitzender der amerikanischen UN-Delegation
bei der Seerechtskonferenz.
Er war von 1977 bis 1980 Dozent
für
Politik
und
Verwaltung
in
Harvard, 1981 wurde er im Weißen Haus
Assistent von Präsident Reagan und
erhielt 1985 seine Stellung im Finanzministerium.
Darman und seine
haben zwei Söhne.

* * * * * *

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Frau

Kathleen

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23. November 1988

43

SUNUNU BRINGT KONSERVATIVE HALTUNG IN FÜHRUNG DES WEISSEN HAUSES EIN
- Porträt des designierten Stabschefs John Sununu -

WASHINGTON - (AD) - Der neu gewählte Präsident Bush hat mit seiner Wahl
des Gouverneurs von New Hampshire, John Sununu, einen fähigen Manager und konservativen Ideologen zum neuen Stabschef des Weißen Hauses bestimmt.

Sununu, der einen tief in der
Tradition
möglichst
geringfügiger
staatlicher
Eingriffe
verwurzelten
Staat regiert, wird seine republikanischen Werte der Nichteinmischung
in die Wirtschaft, niedriger Steuern
und Staatsausgaben sowie einer starken Verteidigung mit nach Washington
nehmen.
Diese Haltung könnte den neuen
Stabschef in einer Zeit, in der vielfach Forderungen nach einem Ausgleich
laut werden, auf Kollisionskurs zum
demokratisch kontrollierten Kongreß
bringen. Andere Stimmen sehen jedoch
in Sununus Härte einen positiven Faktor bei der Bildung der neuen Administration, die Bush frei machen wird,
selbst im Kongreß um Unterstützung
seiner Politik zu werben.

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Beobachtern zufolge wird Sununu
den Stil eines als Ingenieur ausgebildeten Menschen mit politischem
Temperament ins Weiße Haus einbringen. Es wird ihm nachgesagt, daß er
peinlich genau ist und viele Aufgaben
lieber selbst in die Hand nimmt als
sie zu delegieren.
Sununu wurde am 2. Juli 1939 in
Havana geboren, als sich seine Eltern
im Rahmen einer Geschäftsreise auf
Kuba aufhielten. Sein Vater, ein Libanese, war Inhaber einer Import-Export-Firma in Boston. Seine Mutter
stammt aus El Salvador. Seine Eltern
leben heute als Rentner in Florida.
Sununu machte zunächst mehrere
akademische Abschlüsse in Ingenieurwissenschaft am Massachussetts Insti-

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Tel.: 0228-339 2035
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�tute of Technology (MIT).
Er war
Professor für Ingenieurwissenschaft
und schließlich Stellvertretender Dekan an der Tufts University.

will, einem Problem, das Notenbankchef Alan Greenspan zufolge in die
wirtschaftliche
Katastrophe
führen
könnte.

In seinen drei zweijährigen Amtszeiten als Gouverneur war Sununu beim
Abbau des jährlichen Haushaltsdefizits seines Staates von 44 Millionen
Dollar erfolgreich.
Es gelang ihm
ferner, die Arbeitslosenrate weit unter dem Bundesdurchschnitt zu halten.

"Meiner Ansicht nach liegt ein
wichtiger Faktor zum Abbau des Defizits in der Zusammenarbeit zwischen
dem Weißen Haus und dem Kongreß," erklärte Sununu.
"Im Kongreß deuten
viele Anzeichen darauf hin, daß dies
jetzt als ein Bestreben beider Parteien anerkannt wird, eine Partnerschaft zwischen Exekutive und Legislative."

Er war stellvertretender Vorsitzender von Bushs Wahlkampfleitung,
und Bushs Sieg in der Vorwahl des
Staates New Hamshire, der seiner nach
der Niederlage in den Caucus-Versammlungen von Iowa ins Trudeln geratenen
Kandidatur neuen Auftrieb verschaffte, wird weithin Sununus Unterstützung zugeschrieben.
Sununu wird ein lebhaftes Temperament nachgesagt. Eigenen Aussagen
zufolge war er jedoch sehr gut in der
Lage, mit den Mitgliedern des Staatsparlaments
zusammenzuarbeiten.
Er
könne sehr wohl eine kompromißbereite
Haltung einnehmen, wenn dies nötig
sei.
Kritische Verweise auf seine
mangelnde Erfahrung
in Washington
konterte Sununu unlängst wie folgt:
"Einer meiner Pluspunkte besteht darin, daß ich auf beiden Seiten in
Haus und Senat eine Menge guter
Freunde habe. Ich komme sehr gut mit
ihnen aus."
Trotzdem ist Sununu der Meinung,
daß sich hauptsächlich der neue Präsident um die Unterstützung des Kongresses bemühen wird.
"Eine der besten Voraussetzungen
in der Auseinandersetzung mit dem
Kongreß ist ein Präsident, der das
System versteht - er war früher Mitglied des Kongresses - und ein Präsident, der ein gutes Verhältnis zu Republikanern und Demokraten hat", erklärt Sununu.
Und er versichert, daß der Kongreß mit dem Präsidenten am Abbau des
Haushaltsdefizits
zusammenarbeiten

"Der Vizepräsident hat erklärt,
er wolle dabei persönlich die Führung
übernehmen. Und ich denke, in diesem
Bereiche werden Sie viele Aktivitäten
beobachten
...
der
Vizepräsident
selbst wird mit der Führungsspitze
zusammentreffen und die notwendige
Kommunikation einleiten. Meiner Ansicht nach werden Kongreß und Präsident tatkräftig und schnell an der
Bewältigung dieses Problems zusammenarbeiten."
Eine der schwierigsten Kontroversen, denen sich Sununu aussetzte, war
seine Weigerung, sich an der Verurteilung einer Resolution der Vereinten Nationen zu beteiligen, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt.
Als Vorsitzender der Vereinigung der
Gouverneure war er 1986 der einzige
von 50 Gouverneuren, der nicht unterschrieb.
Aber Sununu stellte zahlreiche
Kritiker zufrieden, als er bei einer
Pressekonferenz am 17. November nach
der Ankündigung seiner Ernennung für
das Weiße Haus erklärte, warum er
diese Verurteilung nicht unterschrieben hatte. Er verwies darauf, daß
der Gouverneur eines Staates zwar die
Gelegenheit zum Gedenken an außenpolitische Ereignisse ergreifen kann,
als Vertreter des Bundesstaates aber
keine formelle Zustimmung zu außenpolitischen Erklärungen abgeben sollte.
Aber er erklärte seine Unterstützung für die Verurteilung der UN-Re-

- 2 -

�Solution gegen den Zionismus als einer Angelegenheit der amerikanischen
Außenpolitik. "Die Haltung der Vereinten Nationen muß geändert werden,"
erklärte Sununu.
Sununu wird als Außenseiter in
Washington eine der wichtigsten Positionen innehaben.
Aber er glaubt,
sein Erfolg könnte von seiner Fähigkeit abhägen, im Hintergrund zu wirken. "Vielleicht habe ich Glück und
bleibe in diesem Prozeß unsichtbar,
aber im Hinblick auf den Druck der
Presse denke ich, daß es sich um einen harten Job handelt."
"Aber wenn es mir gelingt, unsichtbar zu bleiben, habe ich viel
geleistet. Der Schlüssel liegt darin, den Präsidenten zu unterstützen
und ihm das Material für Entscheidungen an die Hand zu geben, aus dem er
dann seine eigenen Schlußfolgerungen
ziehen muß. Und wenn ich hinter ihm
zurücktrete, stimmt das Bild."

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Hintergrundmaterial

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23. November 1933

PRÄSIDENT REAGANS REDE ZUM HANDEL
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 17. November
vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu Präsident Reagans Rede aus Anlaß
der "Konferenz über das Erbe der Reagan-Administration" der Chamber of Commerce Foundation:

Präsident Reagan hat heute vor
der National Chamber of Commerce
Foundation erklärt, daß " in keinem
Bereich die Schritte nach vorn so
wichtig für die Zukunft Amerikas und
der Welt sind wie im Welthandel".
Der Präsident umriß die Tagesordnung der Vereinigten Staaten für die
im nächsten Monat in Montreal stattfindende Zwischenbilanz der UruguayRunde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT).
Die wichtigsten von den Vereinigten Staaten bei
der Uruguay-Runde eingebrachten Vorschläge betreffen die Bereiche Landwirtschaft, Schutz geistigen Eigentums, Dienstleistungen, Investitionen
und Beilegung von Streitigkeiten.
Von

Beginn

an

war

Präsident

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Reagan ein starker Befürworter der
Uruguay-Runde und ihrer Vollendung
innerhalb des in Punta del Este im
Jahr 1986 vorgesehenen Zeitraums von
vier Jahren. Falls eine fristgerechte Beendigung der Verhandlungen nicht
erreicht werden kann, könnte dies
eine gefährliche Wiedergeburt des
Protektionismus zur Folge haben. Die
Zwischenbilanz ist ein bedeutender
Meilenstein auf diesem Weg. Der Präsident erwartet, daß "wir sichergestellen, daß wir uns alle darüber
einig sind, wo der Gipfel ist, welchen Weg wir dahin nehmen und wann
wir dort ankommen wollen".
Bis heute waren die Verhandlungen
über Landwirtschaft besonders schwierig, was weitgehend auf Besorgnis
über den Zeitplan für Reformen und

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�über Nahrungsmittelsicherheit zurückzuführen ist. Der Präsident kündigte
in diesem Zusammenhang eine Politik
der "flexiblen Anpassung" an, der zufoLge die Vereinigten Staaten bei den
Zeitplänen eine flexible Haltung einnehmen werden, falls die anderen sich
bereiterklären, einen Anpassungsplan
zur
Beendigung
handelsverzerrender
Subventionen und Handelsschranken sowie zur Harmonisierung der Gesundheits- und
HygienebeStimmungen
mit
angemessenen internationalen Normen
zu fixieren.
Der Präsident erklärte ferner,
die Vereinigten Staaten seien bereit,
über
"Nahrungsmittelsicherheit"
zu
sprechen.
Dies betrifft die Frage
des Zugangs zu Nahrungsmitteln für
jedes Land nach Abbau der Handelsschranken.
Er erwähnte dabei ausdrücklich staatliche Vorräte, Landaufkäufe und andere Methoden zur Bewältigung des Problems der Nahrungsmittelknappheit als Ergebnis von Natur- und anderen Katastrophen.
Der Präsident betonte ausdrücklich die Kontinuität der amerikanischen Politik in bezug auf die Verhandlungen der Uruguay-Runde und berief sich dabei auf die Unterstützung
des neu gewählten Präsidenten Bush
für die gegenwärtigen Ziele der amerikanischen Politik. Ferner stellte
er fest, daß er und der neu gewählte
Präsident sich vor der am 5. Dezember
beginnenden Zwischenbilanz mit dem
amerikanischen
Handelsbeauftragten
Clayton Yeutter treffen werden.

Schutz geistigen Eigentums - Der
amerikanische
Vorschlag
zum
Schutz geistigen Eigentums betrifft Handelsprobleme im Hinblick auf Nachahmung oder Produktpiraterie. Er erstreckt sich
auf sämtliche Formen von Rechten
an
geistigem
Eigentum,
einschließlich Patenten, Warenzeichen und Geschäftsgeheimnissen.
Dienstleistungen - Der amerikanische Vorschlag zum Welthandel
mit Dienstleistungen - heute der
wichtigste Sektor der amerikanischen Wirtschaft - würde zum
ersten Mal multilaterale Regelungen über den Handel mit Dienstleistungen einführen.
Investitionen und andere Ziele Weitere amerikanische Ziele in
der Uruguay-Runde sind die Erweiterung der GATT-Regeln und Vorschriften
auf
handelsrelevante
Investitionsmaßnahmen, die Ausweitung
des
Zugangs
amerikanischer Exporteure
zu ausländischen Märkten sowie die Verbesserung des GATT-Mechanismus für
die Schlichtung von Streitfällen.

Hintergrund; Allgemeines Zoll- und
Handelsabkommen (GATT)
Die Vereinigten Staaten waren die
treibende Kraft hinter der Gründung
des GATT im Jahr 1947. Es stelLt das
wichtigste multilaterale Forum dar,
durch das die Reagan-Administration
das Welthandelssystem zu verbessern
versucht hat.

Die amerikanische Tagesordnung
1. Landwirtschaft - Der ursprüngliche Vorschlag der Vereinigten
Staaten in bezug auf den Welthandel mit Agrarprodukten fordert
die gänzliche Abschaffung aller
den Agrarhandel verzerrenden Maßnahmen bis zum Jahr 2000. Dies
ist der umfassendste und weitreichendste Vorschlags für die Reform des Weltagrarhandels, der
jemals unterbreitet wurde.

- GATT ist sowohl ein Regelkodex
als auch ein Forum, in dessen
Rahmen Verhandlungen und andere
Arten
von
Handelsgesprächen
stattfinden. Im Januar 1988 waren 96 Staaten, die über vier
Fünftel des Welthandels ausmachen, Vertragsparteien, wie die
Mitglieder bezeichnet werden.

�Die Uruguay-Runde
Sieben
multilaterale
Verhandlungsrunden sind innerhalb des GATT
durchgeführt worden. Die letzte war
die im Jahr 1979 beendete Tokio-Runde.
Am 20. September 1986 trafen
sich die Handelsminister aus 74 GATTStaaten in Punta del Este (Uruguay),
um eine neue Runde multilateraler
Handelsgespräche einzuleiten, die als
Uruguay-Runde bekannt sind.
- Die Verhandlungsstruktur der Uruguay-Runde wurde im Januar 1987
verabschiedet.
Sie besteht aus
speziellen Verhandlungsgruppen in
15 Themenbereichen.
Die erste
Serie von Gruppentreffen begann
im Februar 1987, die zweite Phase
im Januar 1988.
- Im Dezember 1987 wurde zwischen
den GATT-Vertragsparteien vereinbart, zur Halbzeit ein Treffen
auf Ministerebene abzuhalten, um
die im Verlauf der Uruguay-Runde
erzielten Fortschritte zu bewerten.

einigten Staaten hat zu einer Rekord-Beschäftigungsquote
beigetragen. Seit Beginn des heutigen
Wirtschaftsaufschwungs im November 1982 wurden 18,4 Millionen
neue Arbeitsplätze geschaffen.
Die Beschäftigung in der Textilindustrie wuchs allein im Jahr
1987 um 22 000 Arbeitsplätze. In
den vergangenen zwei Jahren stieg
die Beschäftigung in der verarbeitenden Industrie um 768 000.
Die Vereinigten Staaten haben in
den vergangenen fünf Jahren mehr
Arbeitsplätze geschaffen als alle
anderen westlichen Industriestaaten und Japan zusammen. Der Prozentsatz neugeschaffener Arbeitsplätze lag in den Vereinigten
Staaten doppelt so hoch wie in
Großbritannien, dreimal so hoch
wie in Japan, viermal so hoch wie
in der Bundesrepublik Deutschland
und betrug achtmal soviel wie in
Italien.

Beispiellose Schritte gegen unfaire
Handelspraktiken
Bedeutende Fortschritte im
amerikanischen Handel und deren Auswirkungen auf die Beschäftigung
In der heutigen Rede hat Präsident Reagan viele Leistungen seiner
Administration
aufgezählt.
Durch
harte Maßnahmen gegen die unfairen
Handelspraktiken
anderer
Staaten,
durch die Stärkung der Koordinierung
internationaler Handelspolitik sowie
durch Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels hat die Administration bedeutende Fortschritte im
amerikanischen Handel erzielt.

Die Reagan-Administration war die
erste Regierung, die aus eigenem Antrieb Fälle unfairer Handelspraktiken
gemäß Abschnitt 301 des Handelsgesetzes von 1974 untersucht hat anstatt
auf Beschwerden der Industrie zu warten, wie dies in der Vergangenheit
üblich war. Während der Reagan-Administration
haben
die
Vereinigten
Staaten mehr Fälle unfairer Handelspraktiken geprüft als jede andere Administration in der Geschichte der
Vereinigten Staaten.

- Seit dem dritten Quartal des Jahres 1986 sind die Exporte amerikanischer Waren real um 40 Prozent gestiegen. Ein Großteil des
enormen Anstiegs der amerikanischen Exportaktivität wurde im
Produktionssektor erzielt.

- Seit der Präsident im September
ein energisches Vorgehen gegen
die unfairen Handelspraktiken anderer Staaten ankündigte, hat die
Administration aufgrund der ihr
in
Abschnitt
301
verliehenen
Macht in 26 Fällen Handelspraktiken untersucht.

- Das

- In 20 Fällen führte dieses Vorge-

Exportwachstum

in

den Ver- 3

�hen zu einer Liberalisierung des
Handels.
In acht dieser Fälle
verfügte Präsident Reagan Sanktionen gemäß Abschnitt 301.

Verstärkte wirtschaftspolitische
Zusammenarbeit
Bei aller Bedeutsamkeit dieses
Vorgehens sind den meisten Wirtschaftswissenschaftlern zufolge unfaire Handelspraktiken doch nur für
einen Bruchteil des amerikanischen
Handelsdefizits verantwortlich. Weit
wichtiger ist der Anteil der makroökonomischen Maßnahmen.
- Die
Reagan-Administration
hat
sich energisch darum bemüht, die
internationale
Koordinierung
wirtschaftspolitischer
Maßnahmen
als Mittel zur Reduzierung der
Ungleichgewichte im Handel, zur
Stabilisierung der Devisenmärkte
und Förderung des Wirtschaftswachstums zu stärken.
- Der
Erfolg
dieser
Bemühungen
spiegelt sich in den von der
Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G-7 = USA, Japan,
Frankreich,
Bundesrepublik
Deutschland, Großbritannien, Kanada und Italien) erzielten Vereinbarungen über den grundsätzlichen Kurs ihrer Wirtschaftspolitik wieder sowie in den speziellen Verpflichtungen, die sie
zur Erlangung dieses Ziels eingegangen sind.
- Der gegenwärtige Export-Boom sowie der erhebliche Rückgang des
Handelsdefizits sind unmittelbar
auf die Tatsache zurückzuführen,
daß die Koordinierung der internationalen Wirtschaftspolitik die
amerikanischen Exporte auf einem
wachsenden
Weltmarkt
preislich
extrem wettbewerbsfähig gemacht
haben.

* * * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

43

23. November 1988

HALFAN - EIN NEUES MEDIKAMENT GEGEN MALARIA

- WASHINGTON - (AD) - Trotz der intensiven Bemühungen um die Ausrottung
der Malaria steht das "Sumpffieber" noch immer als Todesursache bei Kindern in
der Dritten Welt an erster Stelle. Etwa drei Millionen Menschen fallen ihm
alljährlich zum Opfer. Maßnahmen zur Ausrottung sowohl der Parasiten-Überträger (Anopheles-MUcken) als auch zur Bekämpfung der Krankheitserreger (Plasmodien) im Blut scheitern letztlich immer wieder an der Bildung resistenter
Stämme dieser Organismen. Einen wirksamen Impfstoff gibt es noch nicht, obgleich schon seit vielen Jahren daran gearbeitet wird.

Der Hartnäckigkeit der Forscher
sind aber immer wieder Teilerfolge zu
verdanken. Als solcher ist auch die
Entwicklung
des Präparates "Halofantrine"
(in der Pharmazie als
"Halfan" bezeichnet) zu werten, mit
dem Malaria noch bekämpft werden
kann, wenn andere Medikamente infolge
Resistenz der Erreger nichts mehr bewirken. Auf dem 12. Weltkongreß für
Tropische Medizin und Malaria in
Amsterdam (Ende September 1988) wurde
ausführlich darüber berichtet. Mitarbeiter des Arzneimittelunternehmens
"Smith Kline and French Laboratories
International", dem Hersteller des
Präparates, sprachen von einer Heilungsrate von mehr als 95 Prozent sowohl bei Infektionen mit Plasmodium
falciparum (Verursacher von 85 Prozent der Malariafälle mit meist töd-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

lichem Ausgang) als auch bei Infektionen mit Plasmodium vivax, dem
zweithäufigsten Erreger.
Dies traf
auch dort zu, wo das bewährte Chloroquin versagt hatte.
Das ursprünglich im Walter Reed
Army-Forschungsinstitut
(Washington)
entwickelte Halfan wurde seit 1986 in
Malawi, Kenia, Gabun, Pakistan, Thailand und auf den Salomon-Inseln klinisch erprobt. Beteiligt waren daran
einheimische Mediziner und Forscher
aus England sowie Mitarbeiter der
Arzneimittelfirma.
Angesichts der
guten Ergebnisse hat Frankreich das
Medikament
inzwischen
zugelassen;
sechs westafrikanische Länder dürften
es noch 1988 freigeben, die weltweite
Freigabe wird bis Ende 1989 erwartet.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Halfan ist ein rasch wirksames
Mittel in der Schizontenphase der
komplexen Zyklen bei der Vermehrung
der Parasiten. Es wird in Tablettenform verabreicht - dreimal in zwölf
Stunden je zwei Tabletten zu 250 mg.
Diese Dosis normalisiert die Temperatur des Patienten in 24 bis 36 Stunden und macht das Blut in 36 bis 48
Stunden parasitenfrei.
Für Kinder
ist das Medikament in Form eines Saftes verfügbar. Dennoch sei das Präparat "nicht als endgültige Antwort,
sondern eben nur als wertvolle Hilfe
bei
Resistenzentwicklung
gegenüber
Standardmedikamenten" zu betrachten,
sagte Dr. Paul Klein vom Walter-ReedInstitut. Irgendwann werde es gegen
Halfan ebenfalls Resistenz geben, wie
diese bei Chloroquin und Meflouin,
auf das man vor Jahren viele Hoffnungen setzte, zu beobachten sei. Dennoch erweisen sich mancherorts diese
Präparate noch immer als wirksam.

die mithelfen, zu verhindern, "daß
Menschen den Parasiten bis zum Entwicklungsstadium als Wirt dienen".
Mit Einzelmaßnahmen sei Malaria wohl
nie auszurotten. Sie müsse von vielen Seiten her gleichzeitig attakkiert werden.

Bei der Suche nach einem Impfstoff, mit dem die Krankheit besiegt
werden könnte, arbeitet Dr. Klein zufolge das Walter-Reed-Institut eng
mit der pharmazeutischen Industrie
zusammen.
Bis er gefunden werde,
müsse aber alles erdenkliche unternommen werden, um, angefangen bei der
Bekämpfung der Moskito-Überträger, in
den gesamten Entwicklungs- und Lebenszyklus der Parasiten einzugreifen, wo immer dies nur möglich ist.
Bis Anfang der vierziger Jahre
war Malaria auch in den Vereinigten
Staaten ein Problem. Man habe damals
mit Insektenvernichtungsmitteln, Wasserbaumaßnahmen und Besprühen stehender Gewässer mit Öl zur Ausrottung
von Moskito-Brutstätten sowie mit der
Verabreichung vorbeugender Medikamente an gefährdete Bevölkerungsgruppen
versucht, die Ubertragungsmechanismen
und Entwicklungszyklen zu unterbrechen. Aus heutiger Sicht könne das
allein jedoch nicht bewirkt haben,
daß Malaria in den USA praktisch verschwunden sei, meinte Dr. Klein.
Eine überzeugende Erklärung gebe es
dafür noch nicht. Allerdings komme
Medikamenten doch große Bedeutung zu,
- 2 -

* * * * * *

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