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                  <text>AMERIKA DIENST
"VoN^

17. November 1988

42

INHALT
-

DOKUMENTATION

Bums erwartet einschneidende Reduzierungen bei konventionellen
Streitkräften
- Rede des Direktors der ACDA in Boston -

INFORMATION
James Baker;

Politischer Stratege und Wirtschaftspolitiker

- Porträt des neuen Außenministers -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Strahlung durch Radon in Raumluft
- Bauliche Schutzmaßnahmen zur Verringerung von Gesundheitsrisiken empfohlen -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

""v"

Dokumentation

A

17. November 1988

42

BURNS ERWARTET EINSCHNEIDENDE REDUZIERUNGEN
BEI KONVENTIONELLEN STREITKRÄFTEN
- Rede des Direktors der ACDA in Boston -

BOSTON - (AD) - Der Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung, William Bums, hat bei einer Rede in Boston erklärt, er erwarte in den
nächsten Jahren "die ersten einschneidenden Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften in Europa". Die bevorstehenden Verhandlungen über konventionelle Stabilität "sollten nicht lediglich Obergrenzen festlegen, sondern
Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte herbeiführen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des ACDA-Direktors im Wortlaut.

Ich freue mich, hier anwesend zu
sein und möchte Ihnen einige Gedanken
darüber vortragen, von welchem Punkt
wir ausgegangen sind, wo wir heute
stehen und was wir in Zukunft in der
Rüstungskontrolle erreichen können.
Ein konzeptionelles Problem der
Rüstungskontrolle besteht darin, daß
sich unsere Vorstellung davon mit den
Jahren verändert hat. Vor 20 oder 25
Jahren behandelten wir das Thema Rüstungskontrolle unter dem Blickwinkel, das "Wettrüsten" aufzuhalten wie es damals von den Menschen verstanden wurde.
Um das Wettrüsten
aufzuhalten, versuchten wir gewissermaßen, vor dem Zug herzulaufen und
sein Tempo ein wenig zu drosseln.
Dabei waren wir nur wenig erfolgreich.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

In diesem Jahrzehnt haben wir
einen etwas veränderten Ansatz verfolgt. Anstatt zu versuchen, den Zug
dadurch zu verlangsamen, daß wir ihm
Grenzen setzten, haben wir tatsächlich versucht, ihn zu stoppen und
dann zur Rückfahrt zu bewegen - und
zwar so, daß wir nicht an der Zulassung höherer Obergrenzen für Waffen
interessiert waren, sondern an deren
Reduzierung. Ich muß beim Rückblick
auf die Jahre 1980/81 sagen, daß wir
ziemlich naiv ans Werk gingen, indem
wir annahmen, alle Menschen guten
Willens würden die Qualität von Reduzierungen erkennen und deshalb darauf
eingehen. Das war nicht notwendigerweise der Fall. Ich möchte dies erklären, indem ich kurz über die Politik der Rüstungskontrolle und die Art
und Weise spreche, in der diese von

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Administration verfolgt wurde.
Zunächst möchte ich in diesem
Rahmen über die innenpolitische Dimension der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik sprechen. Viele mögen der Ansicht
sein, Präsident
Reagan sei wohl der am wenigsten
wahrscheinliche Kandidat gewesen, um
Abrüstungsmaßnahmen
herbeizuführen.
Erinnern Sie sich an den Wahlkampf
des Jahres 1980 und dessen Konzentration auf Defizite in der nationalen
Sicherheit und die Notwendigkeit, unsere Verteidigung wiederaufzubauen.
Glücklicherweise bestand
zu jener
Zeit über diese Notwendigkeit allgemeine Übereinstimmung. Über mehrere
Jahre nach der Amtsübernahme dieser
Administration hinweg wurde unser
Verteidigungspotential
wiederaufgerüstet und einige argumentierten,
dies mache ein Streben nach Rüstungskontrolle unmöglich.
Das Konzept der Administration
bestand darin, daß die nationale Sicherheit auf zwei Säulen beruht. Einer ist eine starke nationale Verteidigung in Form von militärischer
Macht und dem Willen, sie einzusetzen, falls man dazu herausgefordert
wird. Die andere ist der Dialog mit
potentiellen Gegnern.
Zu letzterem
gehören als wichtiges Element Verhandlungen über Abrüstung, da dies
ebenso Sicherheit schafft wie eine
Aufrüstung mit zusätzlichen Waffen.
Mit dieser Politik wurde versucht, die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß ausgewogene und wirksam
verifizierbare Abrüstung auf gleiche
Niveaus ebenso in ihrem wie auch in
unserem Interesse liegt. Die Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit und Lebensfähigkeit des amerikanischen Verteidigungspotentials war für diese
Strategie unabdingbar. Ich bin davon
überzeugt, daß die Sowjetunion nur
deshalb ein Interesse an der Abrüstung entwickelte, weil sie einsah,
daß die Alternative die amerikanische
Aufrüstung sein würde.
Die

Besorgnis

der

sowjetischen

Seite besteht nicht so sehr darin,
daß wir sie zahlenmäßig übertreffen,
sondern daß wir sie technologisch
ausstechen würden.
Sie erinnerten
sich an das Manhattan Project, als
die Vereinigten Staaten innerhalb
kürzester Zeit Kernwaffen entwickelten. Sie erinnerten sich an unseren
Entschluß, den Weltraum zu erforschen.
Sie erinnerten sich daran,
daß die Vereinigten Staaten angesichts eines erheblichen sowjetischen
Vorsprungs im Weltraum zumindest einen Gleichstand erreichten und in
einigen
Weltraumtechnologien
wahrscheinlich sogar einen Vorsprung erwarben. Die Sowjets haben über amerikanische technologische Entwicklungen und Nebenprodukte unseres Weltraumprogramms gelesen, die es uns ermöglicht haben, den Vereinigten Staaten den technologischen Vorsprung zu
gewähren, der - zumindest in gewissem
Maß - sowjetische Übermacht im konventionellen Bereich wettmachen kann.
Ich denke also, daß die Sowjetunion
diesen "technologischen" Faktor in
ihr Kalkül bei der Rüstungskontrolle
einbeziehen muß.
Die
Reagan-Administration
ging
ferner von der Überzeugung aus, daß
Abrüstungsmaßnahmen auf überparteilicher Unterstützung beruhen müssen.
Diese Unterstützung herzustellen war
schwierig, solange im Kongreß sehr
unterschiedliche Ansichten über Rüstungskontrolle herrschten. Trotzdem
versuchte die Administration, auch
abweichende Ansichten aus dem ganzen
politischen Spektrum in ihre Rüstungskontrollbemühungen
einzubeziehen.

Dies

geschah

auf

verschiedene

Art und Weise.
Erstens ist Paul Nitze, der die
amerikanische RUstungskontrollpolitik
dieses Jahrzehnts maßgeblich geprägt
hat,
kein
Republikaner.
Max
Kampelman, ebenfalls ein wichtiger
Beteiligter an der Formulierung der
Rüstungskontrollpolitik dieser Administration, ist kein Republikaner.
Ich selbst war in den vergangenen 34
Jahren Offizier und in diesem Sinn
unpolitisch, aber mir wurde die Ver-

�antwortung für die Abrüstungsbehörde
übertragen.
Diese überparteiliche Unterstützung wurde auch schon früh durch die
abrüstungspolitische Beobachtergruppe
des Senats gefördert, zu der Vertreter des gesamten politischen Spektrums gehören. Gegenwärtig sind etwa
12 Senatoren aktiv in dieser Beobachtergruppe tätig. Der Vorsitzende des
auswärtigen Senatsausschusses gehört
dazu ebenso wie Sam Nunn und Senator
Daniel Patrick Moynihan. Die Beobachtergruppe ist jederzeit in Genf
willkommen, um an Diskussionen teilzunehmen, die Sowjets zu treffen und
die sowjetische Reaktion auf die amerikanischen RüstungskontrollVorschläge selbst auszuloten.
Ihre Präsenz in Genf, ihr Rat,
ihr in vielen Jahren angesammeltes
Wissen und ihre Unterstützung für bestimmte Initiativen waren meiner Meinung nach sehr wichtig.
Heute gibt es meiner Einschätzung
nach keine Differenzen zwischen den
Parteien über die allgemeine Unterstützung unserer gegenwärtigen Rüstungskontrollinitiativen.
Es
scheint vielmehr ein überparteilicher
Konsens über die Politik der Administration einer Reduzierung der verschiedenen Waffenkategorien auf gleiche Niveaus zu bestehen, anstatt eine
weitere Aufrüstung auf gleiche Niveaus zuzulassen.
Wir
wollen
zum Beispiel die
START-Gespräche betrachten, die seit
1982 stattfinden, als wir Gespräche
über einschneidende Reduzierungen der
Streitkräfte beider Seiten aufnahmen.
Ich muß zugeben, daß innerhalb der
Regierung viele unter uns - und ausserhalb der Regierung sogar noch mehr
Menschen - skeptisch waren, ob solche
Kürzungen wirklich möglich seien. Zu
Anfang forderten wir einschneidende
Reduzierungen in einer Größenordnung
von 20 oder 30 Prozent des Gesamtarsenals.
Die Sowjets

brachen im November

1983 die START-Verhandlungen wegen
der INF-Stationierungen ab. Im Jahr
1985 kehrten sie jedoch nach Genf zurück. In der Folgezeit verständigten
sich im Jahr 1985 Präsident Reagan
und der neue Mann an der Spitze der
Sowjetunion, Generalsekretär - heute
auch Staatspräsident - Gorbatschow in
Genf auf eine 50prozentige Reduzierung. Diese Konzeption wurde soweit
entwickelt, daß uns heute der gemeinsame Entwurf eines Vertrags zur Reduzierung der Strategischen Waffen vorliegt, der die amerikanisch-sowjetische Vereinbarung zur Halbierung
dieser Waffen beinhaltet. Der Rest
des Vertrages ist soweit fertiggestellt, daß man die wichtigen noch zu
lösenden Probleme wahrscheinlich an
einer Hand abzählen kann. Wir führen
gegenwärtig in Genf Gespräche zu deren Lösung. Ich bin der Meinung, daß
es unter der Voraussetzung sowjetischer Bereitschaft zur Zusammenarbeit an einem Vertrag mit den Vereinigten Staaten, der einschneidende
Reduzierungen zur Folge hat, zur
strategischen Stabilität beiträgt, zu
gleichen
Streitkräfteniveaus
führt
und wirksam verifiziert werden kann,
keinen Grund gibt, daß ein Vertrag
über die Reduzierung Strategischer
Waffen nicht zu Beginn der Amtszeit
der nächsten Administration dem Senat
zugeleitet werden könnte.
Dieser Vertrag wird zu einer Verringerung auf etwa 6 000 Gefechtsköpfe auf jeder Seite führen. Dies wird
grob geschätzt eine Halbierung der
auf beiden Seiten stationierten strategischen Gefechtsköpfe bedeuten. Es
wird bedeuten, daß die Zahl der amerikanischen und sowjetischen strategischen Kernwaffenträger, der landund seegestützten ballistischen Raketen sowie Bomber auf 1 600 begrenzt
wird. Der Vertrag wird Beschränkungen für neuere Arten von Trägersystemen beinhalten, wie etwa der luftgestützten Marschflugkörper.
Ist dies ein perfekter Vertrag?
Ganz und gar nicht.
Ist er ein
Schritt in die richtige Richtung?
Ganz sicher. Er bedeutet sicherlich

- 3 -

�nicht das Ende des Prozesses, aber er
ist ein Schritt auf dem Weg zur Begrenzung strategischer Systeme auf
Niveaus, die sicherer und wahrscheinlich viel erträglicher sind. Das Interessante daran ist, daß die sowjetische Regierung sich mit uns Schritt
für Schritt zu genau dieser Position
bewegt hat.
Ich möchte mich nun einer weiteren
RUstungskontrollinitiative
der
Vereinigten Staaten zuwenden.
Im
Jahr 1984 hat Vizepräsident Bush der
Genfer Abrüstungskonferenz den amerikanischen Entwurf einer Konvention
zur Beseitigung
chemischer Waffen
vorgelegt. Obwohl wir für den Beginn
des kommenden Jahres eine internationale Konferenz nach Paris einberufen
haben, um die Weltmeinung gegen chemische Waffen zu mobilisieren, bleiben die Vereinigten Staaten diesem
Entwurf einer Konvention weiterhin
verpflichtet. Eine der Schwierigkeiten bei der Verwirklichung dieses
Entwurfs besteht darin, daß im Gegensatz zu den START-Verhandlungen, bei
denen sich die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten gegenübersitzen,
an der Abrüstungskonferenz 40 Staaten
teilnehmen. Je mehr Nationen, desto
größer die Schwierigkeiten. Da sind
nicht nur die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion als FUhrungsmächte
des Westens und des Ostblocks, sondern auch die sogenannten neutralen,
blockfreien Nationen.
Deshalb gestalten sich die Verhandlungen so
schwierig.
Es bestehen weitere schwierige
Probleme bei den Verhandlungen über
die Beseitigung der chemischen Waffen.
In der Vergangenheit bestand
weltweit eine psychologische Schranke
gegen den Einsatz chemischer Waffen.
Diese war das Vermächtnis des massiven Gaseinsatzes im Ersten Weltkrieg
und spiegelte den Schrecken und die
Verabscheuung von chemischen Waffen
wieder, die in der Folgezeit in der
ganzen Welt entwickelt wurden.
Im
Jahr 1925 wurde das Genfer Protokoll
unterzeichnet.
Dieses verpflichtete
die Unterzeichner, niemals chemische

Waffen einzusetzen.
Die amerikanische Position bestand zu jener Zeit
darin, daß chemische Waffen nur deshalb gelagert wurden, um andere Länder von deren Einsatz abzuschrecken.
Es bleibt offen, ob diese Politik den
Einsatz chemischer Waffen im Zweiten
Weltkrieg verhindert hat, aber Tatsache ist, daß es keinen massiven Einsatz dieser Waffen gab.
Heute jedoch betrachtet manch einer chemische Waffen als des armen
Mannes Waffe zur Massenvernichtung
und als Waffen, die man in einem Konflikt erfolgreich einsetzen kann.
Überdies ist fast jedes Land in der
Lage, chemische Waffen herzustellen,
und die Trägersysteme für chemische
Waffen können ziemlich primitiv sein
- ein Flugzeug für das Besprühen von
Feldern mit Insektenvertilgungsmitteln in Afrika kann für den Abwurf
chemischer
Kampfstoffe
eingesetzt
werden.
Dies hat uns bei den Genfer Verhandlungen mit einer neuen Lage konfrontiert.
Verbreitung und Einsatz
chemischer Waffen erschweren die von
uns angestrebte Erlangung eines umfassenden Verbots chemischer Waffen.
Obwohl wir uns aktiv bei den Verhandlungen über einen Vertrag zum
Verbot chemischer Waffen in der ganzen Welt engagieren - die Sowjetunion
befaßt sich, wie ich meine, ebenso
ernsthaft mit diesem Problem wie wir
-, haben wir es bei den chemischen
Waffen mit einem internen Problem zu
tun, das die Verhandlungen über die
Konvention zu den chemischen Waffen
stark erschwert hat.
Seit fast 15 Jahren nehmen wir an
den Wiener Verhandlungen über die Begrenzung der konventionellen Rüstung
teil, bekannt unter dem Namen MBFR.
Wir stehen gegenwärtig im Begriff,
neue Gespräche auf den Weg zu bringen, die Gespräche über konventionelle Stabilität, deren Mandat im Rahmen
der
KSZE-Folgekonferenz
entwickelt
wird. Die KSZE war in der Vergangenheit sehr erfolgreich bei der Ent-

�Wicklung von Wegen und Modalitäten,
um den irrtümlichen oder durch Fehleinschätzungen bedingten Einsatz von
Gewalt in Europa zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten haben sich allgemein darauf verständigt, daß diese Gespräche
nicht lediglich eine Obergrenze für
die
konventionellen
Streitkräfte,
sondern deren Reduzierung zum Ziel
haben sollten.
Die Sowjets haben
eingeräumt, daß bei den Streitkräftestrukturen in Europa Asymmetrien bestehen. Sie haben beispielsweise zugegeben, daß sie bei Panzern und Artillerie Überlegenheit besitzen, und
sie sind bereit, bei diesen Streitkräften asymmetrische Reduzierungen
vorzunehmen.
Dies stellt eine wesentliche Bewegung der sowjetischen
Seite dar. Wir haben vereinbart, daß
Reduzierungen auf Niveaus unterhalb
der gegenwärtigen NATO-Niveaus stattfinden sollten, damit auch auf Seiten
des Westens Verringerungen vorgenommen werden.
Diese Verhandlungen werden meiner
Meinung nach schwierig sein, aber ich
denke auch, daß wir in den nächsten
Jahren
wahrscheinlich
die
ersten
wirklichen Reduzierungen der konventionellen Streitkräfte in Europa aushandeln werden.
Ich sprach bereits über die KSZEVerhandlungen.
Sie haben ein ganz
interessantes Konzept herbeigeführt,
das als Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen bezeichnet wird.
Wir trauen den Sowjets und deren Verbündeten nicht, und sie trauen uns
nicht. Wie können wir also zwischen
beiden Seiten Vertrauen aufbauen?
Eine Möglichkeit besteht darin, den
Warschauer Pakt zu mehr Offenheit in
einigen der von ihm durchgeführten
Schritte zu bewegen. Bis vor kurzem
waren militärische Informationen, die
im Osten als Staatsgeheimnisse eingestuft wurden, im Westen Allgemeingut.
Bei uns werden zum Beispiel im Magazin Time Informationen abgedruckt,
für deren Veröffentlichung ein Sowjetbürger ins Gefängnis wandern würde.

Vor nahezu zwei Jahren haben die
Sowjets zugestimmt, daß wir uns gegenseitig von unsere.! militärischen
Übungen in Europa in Kenntnis setzen
und Beobachter zu diesen Übungen entsenden sollten, um Vertrauen dafür zu
gewinnen, daß eine Übung nicht etwa
Tarnung für einen Überraschungsangriff ist.
Beide Seiten kamen Uberein, daß
es in diesem Zusammenhang nützlich
sei, wenn man im Falle von Zweifeln
einer Seite über den Umfang oder
Zweck der angekündigten Übung des anderen das Recht hätte, daran teilzunehmen und die Übung zu inspizieren,
um herauszufinden, ob Höchstgrenzen
wirklich überschritten worden sind.
In den vergangenen zwei Jahren haben
mehr als ein Dutzend solcher Inspektionen stattgefunden und zum Aufbau
einer Vertrauensbasis unter den Ländern Europas beigetragen. Da keine
Seite dies je angezweifelt hat, haben
wir bald darauf Besuche bei Übungen
abgestattet, um herauszufinden, ob
Höchstgrenzen überschritten werden.
Tatsächlich hat nach mehr als einem
Dutzend beendeter Inspektinoen keine
Seite die andere der Überschreitung
von Höchstgrenzen bezichtigt, und das
sowjetische Militär nimmt westliche
Inspektoren als Selbstverständlichkeit hin.
Die erste Inspektion von Übungen
des Warschauer Paktes fand im August
1987 statt, und seitdem haben die Sowjets eine gewisse Offenheit in diesen Dingen entwickelt. Nicht nur die
Vereinigten Staaten, sondern auch andere Mitglieder des Bündnisses haben
das Recht zur Inspizierung von Übungen, und sie machen ebenso davon Gebrauch wie einige Mitglieder des Warschauer Paktes Übungen im Westen inspiziert haben.
Wir untersuchen die Möglichkeit
weiterer vertrauensbildender Maßnahmen, die bei militärischen Aktivitäten der Sowjets und des Warschauer
Paktes eine ähnliche Offenheit hervorbringen wie dies bei militärischen
Aktivitäten im Westen bereits der

- 5 -

�Fall ist.
Schließlich möchte ich auf die
INF-Verhandlungen und den Ratifizierungsprozeß des INF-Vertrages eingehen und darlegen, wo wir stehen. Vor
fast sieben Jahren, am 17. November
1981, verkündete der Präsident die
Position der Vereinigten Staaten zu
INF - die vollständige Beseitigung
amerikanischer und sowjetischer landgestützter INF-Raketen.
Wir würden
unsere Raketen nicht stationieren,
wenn die Sowjets ihre Raketen - allen
voran die SS-20 als neue Rakete mit
drei Gefechtsköpfen, die als modernste Mittelstreckenrakete galt - beseitigen.
Die Vereinigten Staaten haben
ebenfalls darauf bestanden, daß dies
wegen der Reichweite der SS-20 eine
weltweite und nicht allein auf Europa
beschränkte Beseitigung sein sollte.
Sie haben darauf bestanden, daß nur
Systeme der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion einbezogen und Kernwaffensysteme
Großbritanniens
und
Frankreichs ausgenommen werden sollten. Wir haben ferner darauf bestanden, daß nur landgestützte Raketen
erfaßt werden. Wie früher wurde der
sowjetische Versuch, die Mehrzweckkampflugzeuge des Westens einzubeziehen, zurückgewiesen.
Die Sowjetunion wie auch vielfach
die Medien und ein großer Teil der
öffentlichen Meinung im Westen betrachteten diese Position als extrem.
Sie wurde bestenfalls als interessante Ausgangsbasis bei den Verhandlungen angesehen.
Meine sowjetischen
Kollegen ließen erkennen, sie einige
Monate tolerieren zu können, wenn wir
dies unbedingt wollten, aber mit dieser Haltung würden wir nicht weit
kommen.
Ein Jahr später bestand die Position der Vereinigten Staten immer
noch. Wir hatten nichts anderes auf
den Verhandlungstisch gelegt.
Die
Sowjets hatten drei oder vier Positionen dargelegt, von denen jede den
Umgang der von den Sowjets beibehal-

tenen Streitkräfte reduzieren, aber
einen festen Bestandteil enthalten
würde, demzufolge keine amerikanische
Systeme in Europa stationiert sein
sollten. Die Sowjets waren in einem
Jahr von 600 auf unter 300 heruntergegangen.
Der sowjetische Plan basierte
meiner Ansicht nach auf der Annahme,
daß die öffentliche Meinung in den
Vereinigten Staaten und Europa sowie
die ständigen Veränderungen in den
Regierungen der 15 Verbündeten Druck
auf die Reagan-Regierung ausüben würde, sich der sowjetischen Position zu
beugen.
Sogar noch im Sommer des
Jahres 1983 waren sie wohl davon
überzeugt, daß nach den Wahlen in der
Bundesrepublik und Großbritannien weder Bundeskanzler Kohls noch Premierministerin Thatchers Regierung dem
Druck einer Reihe von Vertretern der
Rechten und der Linken widerstehen
könnten, entweder die Verhandlungen
fortzuführen oder sie abzubrechen.
Die Sowjets haben zu spät erkannt
- erst im November 1983 - daß wir es
mit unseren Fortschritten bei der
Stationierung sehr ernst gemeint haben. Als wir im November 1983 weitere Stationierungen vorgenommen haben,
hatten sich die Sowjets zurückgezogen
und konnten lediglich die Verhandlungen in der Schwebe halten, was sie
dann auch getan haben. Damit gerieten sie in eine sehr eigenartige Situation.
Sie hatten sich von den
Verhandlungen zurückgezogen, stationierten aber weiterhin ihre Systeme.
Wir hatten erklärt, nicht die Systeme
gegeneinander aufrechnen, sondern 572
Raketen dislozieren zu wollen. Damit
hatten wir bereits begonnen.
Die
"Friedens"-Bewegung, von der die Sowjets sich eine buchstäbliche Verhinderung der Stationierung erhofft hatte, erreichte dies nicht. Zum Beispiel fanden die fast täglich in Genf
abgehaltenen Demonstrationen sowohl
vor der sowjetischen als auch vor der
amerikanischen Botschaft statt.
Es bestand erhebliche Besorgnis
darüber, daß die INF-Verhandlungen

�scheitern würden und damit alles zu
Ende sei.
Tatsächlich scheiterten
sie nicht. 16 Monate später kehrten
die Sowjets an den Verhandlungstisch
zurück. Die Sowjets hatten ursprünglich erklärt, unter keinen Umständen
mit uns zusammentreffen zu wollen,
solange wir weiterhin Raketen in Europa stationieren würden.
Tatsächlich haben sie erklärt, kein Treffen
abhalten zu wollen, wenn wir nicht
unsere Pershing II aus Europa abziehen würden. Bis März 1985 hatten wir
mehr als 70 Pershing II in Europa
stationiert und es kam zu einem Treffen.
Die Sowjets erklärten, sie würden
nur eine regionale Lösung akzeptieren. Sie würden hingegen keine Lösung hinnehmen, die nicht zu einem
Abzug aller amerikanischen INF-Raketen führen würde. Sie würden keine
Lösung befürworten, im Rahmen derer
britische und französische Systeme
nicht gezählt würden.
Sie würden
keine Situation befürworten, in der
keine amerikanischen Mehrzweckkampfflugzeuge erfaßt würden. Sie bestanden ferner auf dem Recht zur Beibehaltung einiger SS-20-Raketen in Europa und erklärten, diese im Hinblick
auf Bedrohungen gegenüber der Sowjetunion in Europa wie auch in Asien zu
benötigen. Als Beispiele führten sie
Afghanistan und China an. Ich bemerkte dazu, leider schienen die Sowjets völlig von feindlichen kommunistischen Regimen eingekesselt zu
sein.
In den Jahren 1986 und 1987 wurde
plötzlich klar, daß die Sowjets sich
unserer
Position annäherten.
Wir
hatten angedeutet, wenn es garnicht
anders ginge, unsere Position abändern und einem Interimabkommen zustimmen zu können, bei dem es für
Pershing II, landgestützte Marschflugkörper und SS-20 die gleiche Anzahl von Gefechtsköpfen gäbe.
Im Dezember 1987 unterzeichneten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einen Vertrag, der die
vollständige Beseitigung der neuen

SS-20, SS-4 und SS-5 forderte, den
Abzug und die nachfolgende Baseitigung aller
landgest"t.zten Marschflugkörper - die Mehrzweckkampfflugzeuge oder britische und französische
Systeme wurden nicht erwähnt - und
die weltweite Beseitigung dieser Systeme, nicht nur der Systeme in Europa.
Dieses Ergebnis hätten offengestanden viele von uns 1981 niemals
für möglich gehalten. Ich denke, es
war ein Zusammenspiel vieler Dinge:
des Wandels in der Sowjetunion - den
wir nicht unterschätzen dürfen. Die
Ära Gorbatschow leitete eine realistischere Betrachtungsweise der Welt
ein als dies bei seinen Vorgängern
der Fall war. Sie bedeutete ebenfalls eine realistischere Sichtweise
der
innenpolitisch
notwendigen
Schritte und das Verständnis, daß
Breschnews Ansicht über die Welt und
innenpolitische Veränderungen in der
Sowjetunion unvereinbar waren.
Zweitens vertrete ich die Ansicht, daß Präsident Reagans starke,
aber maßvolle Position bei den INFVerhandlungen dazu beigetragen hat,
sicherzuustellen, daß wir die Gelegenheit zur Beseitigung sowjetischer
Systeme ganz sicher nutzen würden,
wenn sie sich uns böte.
Schließlich waren unsere Verbündeten standhaft gegenüber der sowjetischen Herausforderung
durch die
SS-20, und sie haben sich an unseren
bereits im Jahr 1979 konzipierten
Plan der Stationierung amerikanischer
Raketen gehalten. Ohne dies wäre ein
Vertrag niemals möglich geworden.
Ich möchte drei Bereiche näher
erläutern, zunächst das Konzept der
Veränderungen in der Sowjetunion.
Meiner Ansicht nach haben in der
Sowjetunion drastische Veränderungen
stattgefunden.
Ich kann und will
nicht sagen, daß die Veränderungen
allein durch die Politik der Vereinigten Staaten hervorgebracht wurden. Aber ich vertrete die Auffas-

- 7 -

�sung, daß die amerikanische Politik
der Aufrüstung unserer Streitkräfte
für unsere nationale Sicherheit und
die Berfolgung
einer Rüstungskontrollpolitik, die eine Reduzierung
von Systemen sowie einen Abbau der
Fähigkeiten auf gleiche Niveaus zum
Ziel hatte, für Gorbatschows Handlungsweise
den Weg geebnet hat.
Gorbatschows Haltung hat anerkannt,
daß die Vereinigten Staaten es ernst
meinten, aber daß sie keinen Vorteil
aus dem ziehen wollten, was die sowjetishe Regierung vielleicht als ihre Schwäche ansah. Gorbatschow hat
ebenfalls anerkannt, daß wir fair mit
ihm umgehen würden, daß aber die Sowjetunion sich ändern müßte, damit
wir dazu in der Lage sind.
Im Verlauf der vier Gipfelgespräche und der 28 Ministertreffen, die
in den vergangenen drei Jahren stattgefunden haben, haben wir ein Vierpunkteprogramm verfolgt, bei dem Rüstungskontrolle nur ein Punkt war.
Rüstungskontrolle
hatte nicht die
höchste Priorität auf der Tagesordnung, obwohl die Sowjets dies wollten
und das Thema auch anderen als zentraler Punkt erschien. Der zentrale
Punkt waren vielmehr Menschenrechte,
und wir haben in diesem Bereich mit
der Sowjetunion große Erfolge erzielt.
Regionale Fragen waren von Bedeutung. Der Abzug der Sowjets aus Afghanistan, zumindest die Verbesserung
der Lage in Angola und Verbesserung
der Situation im Nahen Osten, insbesondere im Persischen Golf sind meiner Meinung nach durch die amerikanisch-sowjetischen
Ministertreffen
wie auch Treffen auf höchster Ebene
gefördert wurden. Bei diesen Zusammenkünften haben wir versucht, der
Sowjetunion zu zeigen, daß die Lösung
regionaler Probleme in beiderseitigem
Interesse liegt. Ich denke, daß die
Sowjetunion das jetzt einsieht.
Den vierten Programmpunkt bilden
bilaterale Beziehungen wie etwa der
zunehmende Austausch zwischen beiden
Seiten, zum Beispiel Austauschprogramme für Studenten sowie der Kul-

turaustausch.
Im Rahmen dessen arbeiten wir auch an Schwierigkeiten,
die sich in der Vergangenheit ergeben
haben, etwa die Behandlung unseres
Verbindungsbüros in Potsdam oder unserer diplomatischen Vertreter in der
Sowjetunion.
In all diesen Bereichen sind bei
den Gipfeln und Ministertreffen erhebliche Fortschritte erzielt worden,
und das ist meiner Ansicht nach sehr
wichtig.
Ich habe bereits auf die Erarbeitung eines Konsens zwischen beiden
Parteien in den Vereinigten Staaten
in der Rüstungskontrolle hingewiesen.
Wir konnten ebenfalls mit unseren
Verbündeten einen Konsens im Bereich
der
Rüstungskontrolle
entwickeln.
Die Verbündeten hegen bisweilen Bedenken gegen rein amerikanisch-sowjetische Lösungen für Probleme der Rüstungskontrolle, weil sie eine Gefährdung ihrer Interessen fürchten.
Bei den INF-Verhandlungen waren zum
Beispiel die Briten und die Franzosen
besorgt, daß die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion ihre Probleme auf
Kosten ihrer Kernwaffensysteme lösen
könnten. Wir haben die Briten und
Franzosen wiederholt beruhigt, Konsultationen mit ihnen und anderen
NATO-Partner abgehalten, um sicherzugehen, daß sie im voraus wissen, welchen Kurs wir einschlagen und warum.
Es ergab sich insoweit ein zusätzliches
Problem,
als
unsere
Pershing
II
und
landgestützten
Marschflugkörper in fünf europäischen
Ländern stationiert waren. Als wir
Gespräche über Verifizierung aufnehmen wollten, wurde diesen Ländern
plötzlich klar, daß wir über ihre
souveränen Rechte sprachen. Könnten
wir zum Beispiel im Rahmen eines bilateralen Vertrages sowjetischen Inspektoren Zugang
zu italienischen
Stützpunkten gewähren, über denen die
italienische Flagge wehte und die von
italienischen
Carabinieri
bewacht
wurden.
Wir erkannten, daß unter den Ver-

�bündeten ein eng geknüpftes Netz von
Abkommen existierte. Tatsächlich waren dies im allgemeinen bilaterale
Abkommen, die zu anderen Zeiten, unter anderen Umständen erarbeitet worden waren. Einige unserer Rechte gehen sogar, wie etwa in der Bundesrepublik, auf Besatzungsrecht nach dem
Krieg zurück. Manche Rechte in Großbritannien gehen auf Abkommen zurück,
die zwischen Präsident Roosevelt und
Premierminister Churchill geschlossen
wurden.
Wir benötigten neun Monate, um
die Rechtslage der fünf NATO-Staaten,
in denen wir Stützpunkte unterhalten,
wie auch die der Vereinigten Staaten,
der Sowjetunion und ihrer zwei Stationierungsländer aufzuarbeiten. Und
ich muß sagen, dies geschah im Westen
in einer gesunden Atmosphäre.
Die
Sowjetunion zeigte Verständnis für
unsere Probleme.
Zunächst fragten
sie achselzuckend: "Aber informieren
Sie nicht Ihre Verbündeten? Wir informieren Sie ganz einfach." Worauf
wir antworteten, daß dies bei uns
nicht ganz so einfach sei.
Das ist ein Beispiel für die Probleme, die wir bei der Behandlung der
komplexen Rüstungskontrolle angehen Probleme, die wir im Jahr 1981 noch
nicht erkannten.
Ein weiteres Besipiel
Problem der Verifizierung.

ist

das

Im Februar 1982 haben wir den ersten Entwurf eines 14 Seiten umfassenden INF-Vertrages vorgelegt. Wir
erachteten ihn als fairen und vollständigen Vertrag. Der einzige nicht
enthaltene Punkt war der Zusatz zur
Verfizierung. Statt dessen war eine
Seite mit dem Vermerk "Wird nachgeliefert" eingefügt. Diese "Nachlieferung" umfaßte dann 200 Seiten. Der
Vertrag selbst umfaßte etwa 100 Seiten, und wir liefern ständig im Rahmen der sich weiterentwickelnden Verifizierungspraxis bei INF Ergänzungen nach.
Das Problem der Verifizierung war

größer als vorhergesehen und erforderte, die Kooperation der Verbündeten eingeschlossen, einen ungeheuren
Arbeitsaufwand bis zu seiner Lösung.
Der INF-Vertrag bietet jedoch eine
ausgezeichnete Vorarbeit für zu erwartende komplexere Verträge wie etwa
START.
Der letzte Punkt, auf den ich
hier eingehen möchte, ist eine der
Schwierigkeiten der vergangenen Jahre: die Garantie sowjetischer Einhaltung von Rüstungskontrollverträgen.
Wir hatten zum Beispiel ernsthafte
Probleme mit der sowjetischen Einhaltung des ABM-Vertrages. Bei Amtsantritt der Administration sind wir
über die Notwendigkeit einheitlicher
Vorschriften zur Einhaltung sowie ein
Verifizierungssystem übereingekommen,
um zu gewährleisten, daß wir uns der
Nichteinhaltung bewußt sind.
In den vergangenen sieben Jahren
haben wir eine Reihe von Bestimmungen
und Verfahrensweisen zur Verfizierung
erarbeitet, die jetzt von beiden Seiten anerkannt werden.
Die Sowjets
widersetzten sich im Jahr 1981 energisch jeder Art eindringlicher Inspektion - nationale technische Mittel waren alles, was die Sowjets zu
akzpetieren bereit waren. Sie wollten möglicherweise die Verbesserung
nationaler technischer Mittel, keinesfalls
aber
Vor-Ort-Inspektionen
zulassen. Heute fordern die Sowjets
in all ihren Vorschlägen Vor-Ort-Inspektionen in irgendeiner Form. Zumindest teilweise haben sie ihre
Furcht überwunden, Ausländern Zugang
zu den entlegenen Teile der Sowjetunion zu gewähren. Und ich kann berichten, daß im Rahmen von INF inzwischen vier Monate vergangen sind,
in denen Inspektionen stattgefunden
haben, und die Sowjets waren kooperativ und sogar hilfsbereit bei der
Verwirklichung der Vertragsbestimmungen.
Es hat Meinungsverschiedenheiten
zwischen uns gegeben, aber diese Meinungsverschiedenheiten waren die zu
erwartenden Mißverständnisse, keine

- 9 -

�Versuche der Sowjetunion oder der
Vereinigten Staaten, etwas zu verbergen, was dem Vertrag zufolge nicht
verborgen bleiben sollte oder von
vereinbarten Vertragsbestimmungen abzuweichen.
Was die Zukunftsaussichten anbetrifft, so vertrete ich die Auffassung, daß der Konsens in beiden Parteien der Vereinigten Staaten weiterhin beibehalten wird. Ich denke, der
auf Reduzierungen basierende und der
RUstungskontrollpolitik des Westens
zugrundeliegende Konsens über Rüstungskontrolle wird weiter bestehen.
Meiner Ansicht nach wird die Sowjetunion, zumindest unter Gorbatschow,
weiterhin ein schwieriger Verhandlungspartner sein.
Ich denke, die
Möglichkeit, schnelle Ergebnisse in
allen Bereichen zu erzielen, ist relativ gering, aber der Prozeß, in unterschiedlichem Tempo in unterschiedlichen Bereichen etwas zu bewegen,
ist eingeleitet und dieser Herausforderung muß sich meiner Meinung nach
die nächste Administration stellen.

* * * * * *

�^°s?&lt;

'VON

AMERIKA DIENST
Information

4

42

17. November 1988

JAMES BAKER:

POLITISCHER STRATEGE UND WIRTSCHAFTSPOLITIKER

- Porträt des neuen amerikaniscnen Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Außenminister James Baker, seit 30
Jahren Freund und politischer Berater des neu gewählten Präsidenten George
Bush, war über sieben Jahre lang in der Reagan-Administration ein führender
politischer Stratege und Wirtschaftspolitiker.
Der frühere Stabschef Reagans und
Finanzminister ist für seinen politischen Scharfsinn und seine ausgezeichneten
FUhrungsqualitäten
bekannt. Er gilt als "äußerst pragmatisch" - als Insider in Washington,
den Resultate stärker interessieren
als Ideologie.
Baker gab sein Amt als Finanzminister im vergangenen August auf, um
Wahlkampfleiter für Bush - einem
Texaner wie er - zu werden. Dieser
Schritt wurde von republikanischen
Strategen und Wahlkampfhelfern später
als Schlüsselfaktor für Bushs Vorsprung vor dem demokratischen Kandidaten Michael Dukakis angesehen.
Einem hochrangigen Regierungsvertreter in Bushs Wahlkampf zufolge hat

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bakers Konzept der Kampagne "ein Tempo verliehen, wie wir es früher niemals vorgelegt haben".
Bei der Ankündigung seiner Entscheidung für Baker als Leiter des
Außenministeriums am 9. November hat
Bush dessen "erwiesene Fähigkeiten
als Unterhändler" herausgestellt und
erklärt, "der seiner Person entgegengebrachte Respekt wird ihm behilflich
sein, als unser nächster Außenminister sein Bestes zu geben."
Außenminister Shultz bezeichnete
die Nominierung als "begrüßenswerte
und ermutigende Entscheidung".
Shultz zufolge ist Baker mit aussenpolitischen Fragen "engstens vertraut" und "genießt das Vertrauen der

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Telex: 8-85432

�Staats- und Regierungschefs auf der
ganzen Welt, denen er aufgrund seiner
hervorragenden Leistungen" als Finanzminister bekannt ist.
Als
ehemaliger
Stabschef
im
Weißen Haus kennt Baker "unser Regierungssystem wie seine Westentasche,
und die Bewunderung und das Vertrauen
des Kongresses sind ihm sicher", fügte Shultz hinzu.
"Vor allem hat
Baker sich intensiv mit der Politik
unserer Demokratie auseinandergesetzt
und kennt die Bedürfnisse und Hoffnungen des amerikanischen Volkes.
Seine enge, herzliche und produktive
Beziehung zum neu gewählten Präsidenten Bush machen ihn genau zu dem
Mann, den der Präsident als hochrangigen
außenpolitischen
Berater
braucht wie auch zum Sprecher für den
Präsidenten und die Interessen unseres Landes in der neuen und glänzenden Epoche, in die wir jetzt eintreten."
Als Stabschef des Präsidenten vom
Januar 1981 bis Januar 1985 erlangte
Baker den Ruf eines klugen politischen Strategen. 1981 trieb er die
Steuer- und
Ausgabenkürzungen
im
Kongreß voran und spielte 1983 eine
Schlüsselrolle bei der Aushandlung
eines Kompromisses, durch den die
Mittel für die Sozialversicherung
weiter bereitgestellt wurden.
Bei Bakers Amtsantritt als Finanzminister im Jahr 1985 bezeichnete
Regan ihn als "einen erwiesenermaßen
erfolgreiches Mitglied unserer Beauftragten für Sicherheit, Gesetzgebung
und Wirtschaftspolitik".
Im Finanzministerium errang Baker
Beifall, weil er im Kongreß darauf
drängte, eine eingehende Überprüfung
der Steuergesetzgebung zu beschliessen, mit der viele Steuervergünstigungen beseitigt und der Einkoramenssteuersatz
verringert
wurde.
Er
führte den Vorsitz bei Verhandlungen
über ein Freihandelsabkommen mit Kanada und gab Anstöße für Abkommen mit
führenden Industrieländern, die eindeutig die amerikanische Position im

Handel verbessert haben, indem sie
den Dollar auf ein niedrigeres Niveau
brachten. Sein Vorschlag für die Bewältigung des Schuldenproblems der
Dritten Welt ist zur grundsätzlichen
Strategie der Industrieländer für die
Behandlung dieses Problems geworden.
Die Washington Post bezeichnete
Baker als "dominierende internationale Persönlichkeit und vielleicht den
einflußreichsten amerikanischen Finanzminister unserer Zeit."
"In den siebeneinhalb Jahren der
Reagan-Administration",
so
die
Washington Post weiter "blieb er
von Skandalen verschont.
Und die
ernsthafteste
Fehleinschätzung
des
Präsidenten - das Geschäft Waffen gegen Geiseln - fand nicht während seiner Amtszeit als Stabschef unter
Reagans statt".
Baker, der schon die Präsidentschaftswahlkämpfe des ehemaligen Präsidenten Ford im Jahr 1976 sowie von
Vizepräsident Bush in den Jahren
1979/80 geleitet hatte, war maßgeblich an Reagans überwältigendem Sieg
bei dessen Wiederwahl im Jahr 1984
beteiligt.
Wie die New York Times schrieb,
beinhaltet Bakers politischer Stil
einige Qualitäten, die "einem erfolgreichen Trainer von Vollblutpferden
gut anstehen würden". Baker hat "ein
Geschick für Wahlkampfarithmetik bei
Aufgaben wie der Berechnung von Wahlkampfbudgets oder der Einschätzung
der Wählerschaft zu einem bestimmten
Thema", so die Times.
"Baker hat
ferner einen sechsten Sinn dafür,
wann es Zeit für einen Kompromiß oder
eine neue Initiative ist sowie den
ausgesprochenen Willen, als erster
die Ziellinie zu überqueren. überdies hat er eine geradezu jungenhafte
Freude am Wettstreit, was ihn zu einem guten Begleiter bei Wahlkämpfen
macht."
Der 58jährige Baker und seine
Frau Susan haben acht Kinder. Er ist
ein direkter Nachfahre eines der

- 2 -

�Gründerväter von Houston (Texas).
Bakers Urgroßvater war Mitbegründer
von Baker and Botts, heute eine der
12 größten Anwaltskanzleien in den
Vereinigten Staaten. In der Folgezeit gründete und leitete sein Großvater die South Texas Commercial
Bank, die später zur Texas Commerce
Bank wurde.
Der
hochgewachsene,
schlanke
Baker erwarb sich seine politische
Sachkenntnis, für die er heute weithin anerkannt ist, relativ spät.
Nach der Abschlußprüfung an der
Prlnceton University im Jahr 1952
diente er zwei Jahre bei der Marineinfanterie. Im Jahr 1957 bestand er
das juristische Examen an der University of Texas Law School mit Auszeichnung.
Im selben Jahr begann
seine 23jährige berufliche Laufbahn
bei
der
Houstoner
Anwaltskanzlei
Andrews, Kurth, Campbell and Jones.
Von August 1975 bis Mai 1976 war
er Abteilungsleiter im Handelsministerium
und
gab
diesen
Posten
schließlich auf, um am Wahlkampf für
Gerald Ford teilzunehmen. "Unspektakulär" und "unprätentiös" waren die
von Beobachtern häufig benutzten Ausdrücke, um Bakers Tätigkeit im Handelsressort zu beschreiben.
Frank Hodsoll, Bakers Hauptberater im Handelsministerium, zufolge
besitzt Baker ein hochentwickeltes
"Gespür für Menschen, einen Sinn dafür, jedem das Gefühl zu vermitteln,
daß er eine wichtige Rolle spielt".
Baker hat das Talent, "die richtigen
Themen anzuprechen, geeignete Maßnahmen zu bestimmen und danach sicherzustellen, daß diese Maßnahmen auch
durchgeführt
werden,"
erklärte
Hodsoll.
Nach einem erfolglosen Versuch,
im Jahr 1978 als republikanischer Bewerber für das Amt des Justizministers von Texas nominiert zu werden,
leitete er 1980 die Kampagne von
George Bush für die Nominierung als
republikanischer Präsidentschaftskandidat.

Bei Reagans erstem Präsidentschaft swahlkampf übernahm Baker die
Rolle eines Krisenmanagers und führte
die Verhandlungen über die Fernsehdebatten zwischen den Kandidaten. Gerade seine Leistung in dieser letzteren Funktion überzeugte Reagan angeblich davon, Baker während seiner ersten Amtszeit zu seinem Hauptberater
zu machen.
Dem Christian Science Monitor
zufolge spielte sich das folgendermaßen ab:
"Es war Baker, der bisweilen ganz
auf sich gestellt darauf bestand, daß
Reagan
dem
früheren
Präsidenten
Carter im Fernsehen gegenübertreten
solle, selbst in der Endphase des
Wahlkampfs, als Reagan in den Meinungsumfragen vorn lag und man hätte
argumentieren können, daß Carter die
Konfrontation im Fernsehen benutzen
könnte, Reagans Schwungkraft zu bremsen ... Reagan hörte auf Bakers Rat.
Die nach der Debatte durchgeführten
Meinungsumfragen zeigten, daß das sichere Auftreten und der Humor des
Herausforderers ihm einen deutlichen
Vorteil gegenüber einem zu nüchternen
und fast verbissenen Präsidenten eingebracht hatten ... Reagan nahestehende Persönlichkeiten behaupten, der
Präsident betrachte die Debatte mit
Carter als Wendepunkt in seinem Wahlkampf - der Schachzug, der Ihn an die
Spitze geführt hat."
Baker wurde schon häufig eine unabhängige politische Zukunft vorhergesagt. Vor einigen Jahren wurde ein
enger Mitarbeiter der Reagan-Administration mit dem Ausspruch zitiert,
Baker werde "in den nächsten zehn bis
15 Jahren eine wichtige Kraft auf der
politischen Szene sein, egal was mit
dem Präsidenten geschieht - fast unabhängig davon, was mit der Republikanischen Partei geschieht".

- 3-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

17. November 1988

42

STRAHLUNG DURCH RADON IN RAUMLUFT
- Bauliche Schutzmaßnahmen zur Verringerung von
Gesundheitsrisiken empfohlen -

WASHINGTON - (AD) - Radon, eines der sechs geruch- und farblosen Elemente
aus der Gruppe der reaktionsträgen Edelgase, bereitet den Baubiclogen und der
Bautechnik zunehmend Sorgen. Grund: Es ist radioaktiv und wird in der Raumluft von Gebäuden, ohne ständigen Austausch von Außenluft angereichert. Aus
dem Untergrund sickert es durch winzige Risse im Fundament in das Gebäude ein;
in den unteren Geschossen ist deshalb seine Konzentration größer als in höheren Stockwerken.

Für Bewohner oder in den Gebäuden
tätige Personen kann Radon im Laufe
der Zeit zu einem Gesundheitsrisiko
werden, denn es fördert - indirekt die
Entstehung
von Lungenkrebs.
Schuld daran ist nicht Radon selbst
bzw. das häufigste seiner 16 Isotope
(Radon 222), sondern das unter Aussendung von Alpha-Teilchen (elektrisch positiv geladene Heliumkerne)
daraus entstehende feste Zerfallsprodukt Polonium.
Mit der Atemluft gelangt Polonium
in Bronchien und Lunge. Es ist radioaktiv und gibt wiederum AlphaTeilchen ab, die eine ionisierende
Wirkung auf das umliegende Körpergewebe haben. Bereits 1964 berichtete
die
amerikanische
Zeitschrift
Science über das als "Verunreinigung" in Zigarettentabak stets vor-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

handene Polonium als möglichen Mitverursacher von Lungenkrebs.
Die
Konzentration sei allerdings unterschiedlich und vom Standort der Tabakpflanzen abhängig.
Ebenso besteht ein regionaler Unterschied bei der Konzentration von
Radon in Gebäuden. Sie hängt - von
der Bauisolierung des Fundaments einmal abgesehen - weitgehend von der
Art der Masse an uran-, thorium- und
radiumhaltigem Gesteins im Untergrund
sowie von der Beschaffenheit der oberen Bodenschichten ab. Auch meteorologische Bedingungen wie Luftdruck
und Feuchtigkeit spielen eine Rolle.
Als natürliches Zwischenprodukt des
radioaktiven Zerfalls von Uran bzw.
Radium
und
anderen
radioaktiven
Schwermetallen dieser Gruppe ist es
praktisch überall in der Erdrinde

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Telex: 8-85432

�vorhanden und sickert an der Oberfläche in die Atmosphäre. Auch in
der Außenluft sind seine Konzentrationen infolge der unterschiedlichen
Gesteinsformationen
im
Untergrund
verschieden - sie liegen etwa zwischen 7,4 und 25 Becquerel pro Kubikmeter/Luft ("Becquerel" ist eine Maßeinheit für die Strahlungsaktivität
und gibt die Anzahl der Zerfälle pro
Sekunde an). Liegt beispielsweise
Granit im Untergrund, ist die Aktivität an der Oberfläche größer als über
dicken Kalkschichten.
Vor allem in den USA und in
Schweden werden bereits seit einigen
Jahren Studien zur Erforschung der
Konzentrationen und Auswirkungen von
Radon durchgeführt.
Inzwischen hat
sich auch das amerikanische Amt für
Umweltschutz (EPA - U.S. Environmental Protection Agency) des Problems angenommen. In sieben Bundesstaaten ließ die Behörde Tausende von
Wohnhäusern untersuchen, was angesichts der ziemlich komplizierten und
vor allem zeitaufwendigen Meßverfahren erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Jetzt liegen erste Ergebnisse
vor: In fast jedem dritten Haus wurden Aktivitäten von mehr als 150
Becquerel pro Kubikmeter Raumluft ermittelt
(was vier Picocurie/Liter
Raumluft nach dem älteren Meßverfahren entspricht). Diesen Wert hatte
die EPA als noch unbedenklichen
Grenzwert angegeben, obgleich er nach
Aussage von Experten für die Bewohner
etwa das gleiche Risiko für eine Erkrankung an Lungenkrebs in sich berge
wie das tägliche Rauchen einer halben
Packung Zigaretten.
Die EPA empfahl, alle Häuser auf
Radon hin zu inspizieren und bei höheren als den noch für unbedenklich
gehaltenen Aktivitäten Sanierungsmaßnahmen vornehmen zu lassen.
Das
könnte vor allem durch Abdichten des
Fundaments und Verbesserung der Ventilation geschehen. Im Oktober 1988
billigte der amerikanische Kongreß
das "Gesetz zur Kontrolle der RadonKontamination", das landesweit - allerdings erst auf längere Sicht - die
Verringerung von Radon-Konzentratio-

nen in Gebäuden auf Außenluft-Aktivität anstrebt, das heißt auf 7,4 bis
25 Becquerel.
Es gewährt für die
nächsten drei Jahre 43 Millionen Dollar, um den Bundesstaaten bei der
Entwicklung von Meß- und Schutzprogramme zu helfen. Außerdem sieht es
die Schaffung einer Zentralstelle für
Informationen über Technologien zur
Reduzierung von Radon in Innenräumen
vor.
Einige Bundesstaaten haben bereits selbst die Initiative ergriffen. Der Staat New York wendet im
kommenden Jahr 2,75 Millionen Dollar
auf, um Hausbesitzern bei der Beseitigung des Radon-Risikos zu helfen.
In den vergangenen drei Jahren gaben
New York, New Jersey und Pennsylvanien fünf Millionen Dollar für Radon-Programme aus.
EPA-Berechnungen
lassen die Annahme zu, daß Radon für
mindestens 5 000, vielleicht für bis
zu 20 000 Todesfälle pro Jahr durch
Lungenkrebs verantwortlich ist. Viele solcher Todesfälle beträfen Zigarettenraucher, und bei diesen potenziere sich zweifellos durch Radon die
Gefahr, an Lungenkrebs zu sterben.
Im Jahr 1987 verzeichneten die Vereinigten Staaten 136 000 Todesfälle
durch Lungenkrebs.
Den Statistiken
der "American Cancer Society" zufolge
sind 85 Prozent davon auf Rauchen zurückzuführen.
Der Nationale Forschungsrat der
USA schätzt für den Bürger das durchschnittliche Risiko, an Lungenkrebs
durch Radoneinwirkung zu sterben, auf
0,4 Prozent. Es ist also wesentlich
größer als das von anderen Umweltgefahren wie Asbest, Pestiziden oder
Aerosolen wie Benzoldämpfen ausgehende und mit 0,001 Prozent angesetzte
Risiko. Die Berechnungen zum Lungenkrebsrisiko basieren auf Studien an
Bergarbeitern in Uranminen der USA,
Schwedens und Kanadas. Durch Extrapolation kam man zu den Zahlen für
Radon-verursachten Lungenkrebs in Gebäuden.
Der
Geologe
Christopher
Mathewson (A&amp;M Universität, Texas)
verweist darauf, daß die RadongasProbleme geologisch bedingt seien und
es eine Reihe von Regionen im Lande

- 2 -

�gebe, in denen man sich keine Sorgen
zu machen brauche.
Ein Gebiet mit besonders hoher
Radon-Konzentration
ist
"Reading
Prong", eine uranreiche geologische
Formation, die
sich von Reading
(Pennsylvanien) durch den nördlichen
Teil New Jerseys bis in den Staat New
York hinzieht. In vielen Häusern der
Region ist die Raumluftkonzentration
von Radon deutlich erhöht; bei 60
Prozent liegt sie über dem Grenzwert
von 150 Becquerel/cbm.
Ähnliches gibt es auch in anderen
Ländern. Der Physiker Bernard Cohen
(Universität Pittsburgh) stellte in
Häusern im südöstlichen Finnland Radonaktivitäten von knapp 300 Becquerel/cbm Raumluft fest, was dem Achtfachen des weltweiten Durchschnittswertes entspricht.
In einem Regierungsbezirk in Schweden wurden bei
einer anderen Studie gar 450 Becquerel/cbm Raumluft gemessen - der höchste
bisher
überhaupt
ermittelte
Durchschnittswert in einem großen Gebiet.
Das amerikanische Bundesenergieministerium, die Umweltschutzbehörde
EPA und mehrere amerikanische Bundesstaaten sind im ganzen Land dabei,
"heiße" Punkte, das heißt besonders
strahlungsaktive Gebiete, zu identifizieren. In Florida beispielsweise,
wo vor allem reichhaltige Uranlagerstätten für das Radonproblem verantwortlich zu machen sind, wird an bestimmten Stellen Bauland von der
staatlichen
Gesundheitsbehörde
als
besonders risikobehaftet für Neubauten ausgewiesen. Derzeit wird erwogen, die Eintragung von Radon-Meßwerten in Grundstücksdokumente gesetzlich vorzuschreiben.
Aus dem Geologischen Bundesamt
der USA verlautet, daß in solchen
Häusern die höchste Radon-Konzentration gefunden wird, die auf stark
durchlässigem
Gletschersand
oder
Gletscherkies über uranreichem Gestein in der Tiefe liegen. Dies hätten Studien gezeigt, bei denen Bodentyp, Bauweise und Außentemperatur mit

Radon-Meßdaten
verglichen
wurden.
Der Geologe Allan Tanner berichtete
kürzlich, "wir kommen jetzt an den
Punkt, wo wir schon vor dem Bau eines
Hauses oder für dieses oder jenes
Haus sagen können, wann es größere
Probleme gibt".
Radon-Experten sind der Ansicht,
daß nicht nur das Abdichten von Wänden und Boden des Fundaments von Gebäuden, sondern in erster Linie die
Durchlässigkeit oder Nichtdurchlässigkeit des Grundes, auf dem das Haus
steht, eine Rolle spielt. Auch diffundiere das gasförmige Radon nicht
einfach in das Haus ein, sondern werde regelrecht eingesaugt, wenn durch
natürliche Ursachen oder auf mechanische Weise Luft aus dem Haus nach
außen gedrückt und der Innendruck
verringert wird. Der Saugeffekt entsteht zum Beispiel durch Kaminfeuer,
Öfen und Heizungen, Wind, der ums
Haus weht, und durch die "Kaminwirkung" wärmerer Luft, die im Haus aufsteigt und durch Öffnungen am bzw. im
Dach entweicht. Am besten sei es,
durch Öffnungen im Kellerboden die
radonhaltige Luft ständig nach draussen zu pumpen. Mit diesem Verfahren
sei es schon gelungen, Radonkonzentrationen
von
7400
Becquerel/cbm
Raumluft auf weniger als 150 Becquerel zu verringern.
Die einfachste
Ausrüstung dafür koste ca. 1 000 Dollar.
Welche Grenzwerte für Radon in
Innenräumen gelten sollen, wird nicht
einheitlich bewertet.
So empfiehlt
beispielsweise die Nationale Strahlenschutzkommission in England bis zu
370 Becquerel pro cbm Innenluft in
bereits errichteten Gebäuden und ca.
90 Becquerel in Neubauten zuzulassen.
Die Internationale Strahlenschutzkommission hat für bereits bestehende
Bauten 550 Becquerel für noch zulässig erklärt.

- 3 -

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