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                  <text>AMERIKA DIENST

9. November 1988

41
INHALT

DOKUMENTATION
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Nach seinem Wahlsieg appelliert Bush an Einigkeit der Nation
- Ansprache des neu gewählten Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush will als Präsident Reagans Programme fortführen
- Artikel über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl

Rüstungskontrolle als Erbe der Reagan-Administration
- Von George P. Shultz -

WIRTSCHAFT
Yeutter; Drei Schlüsselbereiche für Montreal-Gespräche
- Rede des amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem
Commonwealth Club Yeutter nennt Airbus-Subventionen "beunruhigend"
— Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten zum Airbus

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'SroN$&lt;

9. November 1988

41

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
NACH SEINEM WAHLSIEG APPELLIERT BUSH AN EINIGKEIT DER NATION
- Ansprache des neu gewählten Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der am 8. November 1988 zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählte Vizepräsident George Bush versprach in einer kurzen,
landesweit im Fernsehen übertragenen Rede aus seinem WahlkampfZentrum in
Houston (Texas), er werde nach dieser häufig mit Schärfe geführten Wahlkampagne ein "Präsident des ganzen Volkes" sein. Er appellierte an seine Mitbürger,
"Zusammenhalt zu beweisen - wie wir das nach Wahlen immer getan haben".
Bushs Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Ich habe soeben einen Anruf von
Gouverneur Dukakis erhalten, und ich
möchte Ihnen mitteilen, daß er sich
sehr großmütig verhalten hat. Sein
Anruf war sehr persönlich und herzlich und stand im Einklang mit der
großen Tradition der amerikanischen
Politik. Wir können heute die erhebendsten Worte aussprechen, die einer
Demokratie eigen sind: "Das Volk hat
gesprochen."

genauso ist er eben. Er ist einfach
einer der anständigsten Menschen, die
ich je kennengelernt habe.

Aus ganzem Herzen und mit großen
Hoffnungen danke ich all den Menschen
in ganz Amerika, die uns zu diesem
großen Sieg verholfen haben. Und ich
danke Ronald Reagan; ich danke ihm
dafür, daß er das Ruder in unserem
Land herumgeworfen hat und dafür, daß
er mein Freund ist und sich im Wahlkampf so sehr engagiert hat. Aber

Ich möchte mich bei meinem großartigen Freund Jim Baker, einem Sohn
der Stadt Houston, bedanken sowie
auch bei meinem Wahlkampfleiter Lee
Atwater sowie den Wahlhelfern, allen
Mitarbeitern, dem Republican National
Committee (RNC), all unseren Parteivorsitzenden in den Bundesstaaten,
den Organisationen und politischen

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Ich möchte meinem Freund, dem Vizepräsidentschaftskandidaten
Dan
Quayle und seiner Familie danken.
Sie haben trotz scharfer Kritik große
Stärke bewiesen und unermüdlich gekämpft. Ich bin stolz auf ihn und
seine Familie.

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�Clubs.
Insbesondere danke ich den
jungen Leuten, die so viele Nächte
aktiv waren und Wahlplakate geklebt
haben, den Leuten, die so viele Telefongespräche führten und um Stimmen
geworben haben.
Gerade zu dieser Stunde findet im
Washingtoner Hilton-Hotel ein großes
Treffen von freiwilligen Wahlkampfhelfern statt. In Gedanken bin ich
bei Euch - vielen, vielen Dank für
alles, was Ihr von der Bundeshauptstadt aus geleistet habt.
Nun möchte ich mich meiner Familie zuwenden. Tatsache ist, daß ich
ohne sie nichts wäre. Unsere vier
Söhne, unsere Tochter Doro und meine
Frau Barbara. Wahrscheinlich sollte
ich nicht mehr meine Barbara sagen,
denn schon bald wird sie die First
Lady der Vereinigten Staaten sein.
Ich danke Gott für die Zuversicht, die er mir geschenkt hat. Mit
zunehmendem Alter werde ich mir immer
mehr des göttlichen Elements im Leben
bewußt, und ich bitte um Gottes Hilfe.
Ich danke den Männern und Frauen
von Texas; ich sehe Menschen hier
versammelt, die mit mir 1962 in der
Politik angefangen haben. Ihr habt
niemals Eure Zuversicht verloren, Ihr
habt mich niemals verlassen und Ihr
seid ein Quell meiner Stärke.
Dies ist für uns alle eine bewegende Nacht. Man muß gerührt sein,
wenn das eigene Land die Hoffnungen
und die Bewerbung um das Präsidentenamt billigt.
Die Gefühle sind so
persönlich, daß diese Entscheidung
umso schwerer wiegt.
Und jetzt werden wir an einem
Amerika arbeiten, das der Welt Stärke
und Entschlossenheit demonstriert und
auch im Inland Stärke und Großmut beweist. Und wenn ich eine gütigere
und sanftere Nation schaffen möchte,
habe ich das so gemeint, wie ich es
sagte, und ich meine es auch jetzt
noch so.

Ein Wahlkampf ist eine Kontroverse.
Und Kontroversen entzweien.
Aber eine Wahl ist eine Entscheidung,
und Entscheidungen ebnen den Weg für
Harmonie und Frieden.
Ich möchte ein Präsident des ganzen Volkes sein und nicht nur die
Hoffnungen und Interessen meiner Anhänger, sondern auch die des Gouverneurs und derjenigen, die nicht gewählt haben, vertreten.
Meinen Anhängern gegenüber werde
ich versuchen, mich ihres Vertrauens
würdig zu erweisen, und bei meinen
Gegnern werde ich versuchen, ihr Vertrauen zu erwerben. Ich reiche Ihnen
meine Hand und möchte auch Ihr Präsident sein.
Ich denke, ich weiß, wie sich
Gouverneur Dukakis jetzt fühlt. Ich
habe selbst in meiner Laufbahn Niederlagen erlitten, und es schmerzt.
Aber wir sind beide in den Ring gestiegen und haben einen langen und
harten Kampf geführt. Der Gouverneur
kann zufrieden damit sein, daß seine
tapfere Familie - Kitty, Kara, Andrea
und John - ihm alle Ehre gemacht hat.
Und jetzt weiß ich, daß wir - wie
immer - Zusammenhalt beweisen und auf
200 Jahre der Harmonie in der ältesten und größten Demokratie seit
Menschengedenken zurückblicken.
Ich
bin viel gereist, habe vielen Menschen die Hand gereicht, und, wir das amerikanische Volk und ich - haben Gespräche geführt, es hat ein
Austausch
stattgefunden und einen
Dialog gegeben, die nicht außer acht
gelassen werden können. Nicht jetzt,
wenn es für mich am notwendigsten ist.
Und deshalb möchte ich die Gespräche weiterführen und auf Sie zugehen, mit Ihnen sprechen und Ihnen
meine Hand reichen.
Und noch etwas. Ich werde alles
in meiner Macht Stehende tun, um mit
dem Kongreß der Vereinigten Staaten
konstruktiv zusammenzuarbeiten.

�Und abschließend möchte ich noch
ein Wort hinzufügen, was Sie - meine
Freunde hier im Saal - mir bedeuten.
Jedes Mal, wenn Barbara und ich nach
Texas kommen, ist es eine Heimkehr.
Wir verbrachten hier unsere Jugend,
haben vor 40 Jahren - im Sommer des
Jahres 1948 - hier auf den Ö'lfeldern
angefangen, und - wie Sie wissen ein Unternehmen aufgebaut und ich bin
in die Politik gegangen. 40 Jahre
der
Arbeit,
Pflichterfüllung
und
Freundschaft.
Und jetzt werde ich dieses hier
im Raum spürbare Entgegenkommen und
die Freundschaft annehmen und bewahren, wenn ich nach Washington gehe,
wo manchmal Kälte herrscht ... und wo
es weiß Gott viel Arbeit zu tun gibt.
Ich danke Ihnen, Gott schütze Sie
und noch eins. In weniger freudvollen Tagen habe ich ein Verprechen gegeben, das ich jetzt einlösen möchte.
Vielen Dank, New Hampshire.
Vielen Dank für alles.
Gott schütze Amerika.
Vielen Dank Ihnen allen.

* * * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

9. November 1988

41

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH WILL ALS PRÄSIDENT REAGANS PROGRAMME FORTFÜHREN
Artikel über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl

WASHINGTON - (AD) - Nach seinem eindeutigen Sieg über Michael Dukakis und
seiner Wahl zum 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika versprach
Vizepräsident Bush, "alles in seiner Macht Stehende" zu tun, um bei der Fortführung und Erweiterung von Maßnahmen und Programmen der Reagan-Administration
mit dem mehrheitlich aus Demokraten bestehenden Kongreß zusammenzuarbeiten.

Präsident Reagan beglückwünschte
Bush und seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Dan Quayle zu ihrem "historischen Sieg" und erklärte in einer Verlautbarung des Weißen Hauses
er sehe "einer reibungslosen Machtübergabe an George und seinen Stab"
gerne entgegen.
Einem Mitarbeiter
zufolge genoß Reagan den Triumph, zum
ersten Mal nach 152 Jahren einem Vizepräsidenten zur amerikanischen Präsidentschaft verholten zu haben.

den Meinungsumfragen zufolge stieg
die Popularität des Vizepräsidenten
Zug um Zug mit der Reagans.

Entscheidend für Bushs Sieg war
seine Bindung an Präsident Reagan,
der höher in der Wählergunst stand
als irgendein anderer Präsident seit
Dwight Eisenhower vor 28 Jahren. Der
Präsident beteiligte sich in den
letzten Wochen vor der Wahl in starkem Maße am Wahlkampf für Bush, und

Aber bei Bekanntgabe der Ergebnisse nach Schließung der Wahllokale
an der Ostküste sprach alles für einen Sieg Bushs, insbesondere durch
die hohe Zahl der Wahlmännerstimmen.
Die drei großen Fernsehsender riefen
ihn bald darauf im Süden und in verschiedenen Staaten des Mittelwestens

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Die Umfragen zeigten Bush in Führung vor Dukakis in einem Wahlkampf
voller Angriffe und Gegenangriffe,
aber sie deuteten ebenfalls auf einen
knappen Wahlausgang und die Unzufriedenheit zahlreicher Wähler mit den
negativen Aspekten des Wahlkampfes
hin.

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�- wo die Wahllokale früh schlössen zum Sieger aus.
Noch bevor Dukakis seine ersten
Wahlmännerstimmen erringen konnte - 3
aus dem District of Columbia - konnte
Bush bereits 100 auf sich vereinigen
und erhielt nach Bekanntwerden der
Ergebnisse aus dem Mittelwesten noch
weitere Stimmen.
Der Vizepräsident
gewann In Ohio, Michigan, Missouri
und Texas - den Staaten, die Dukakis
als für den Sieg entscheidend angesehen hatte.
Der Gouverneur von Massachussetts
gewann jedoch in seinem Heimatstaat
sowie in sieben weiteren Bundesstaaten, darunter New York.
Nach
der
Auszählung
von
71
Prozent der Wahlkreise hatte Bush
35 324 090 Stimmen oder 54 Prozent
auf sich vereinigt und in 35 Staaten
mit 341 Wahlmännerstimmen gewonnen.
In vier weiteren Staaten mit zusätzlich 82 Wahlmännerstimmen lag er
vorn.
Auf
Dukakis
entfielen
29 974 906 Stimmen oder 46 Prozent.
In den von ihm gewonnenen Staaten erhielt er 95 Stimmen im Wahlmännerkollegium; er führte in zwei weiteren
Staaten mit 17 Wahlmännerstimmen.
Noch vor Schließung der Wahllokale an der Westküste hatten die Fernsehanstalten Bushs Sieg verkündet und
Dukakis daraufhin seine Niederlage
eingestanden. Vor seinen enttäuschten Anhängern in Boston erklärte er,
die Nation stehe vor großen Herausforderungen und er werde mit Bush bei
deren Bewältigung zusammenarbeiten.

nem Wunsch nach "einer gütigeren und
sanfteren Nation" Ausdruck verliehen
habe.
Es wird erwartet, daß Bush nach
seinem Amtsantritt am 20. Januar 1989
eine Serie von Treffen auf höchster
Ebene zu Fragen wie dem amerikanischen Haushaltsdefizit, den außenpolitischen Prioritäten und - mit den
Sowjets - über Abrüstung anstreben
wird.
Vor
seiner
Rückkehr
nach
Washington zu einer Siegesfeier und
einem anschließenden viertägigen Urlaub hat er für den 9. November in
Houston eine Pressekonferenz anberaumt. Nächste Woche wird der gewählte nächste Präsident mit der britischen
Premierministerin
Thatcher
und
Bundeskanzler
Kohl
zusammentreffen.
Zur Vorbereitung eines späteren
Gipfeltreffens mit dem sowjetischen
Staats- und Parteichef Gorbatschow,
auf dem über das weitere Vorgehen bei
strategischen
und
konventionellen
Waffen entschieden werden soll, hat
Bush bereits ein Gipfeltreffen der
NATO vorgeschlagen. Weitere von Bush
angeregte Gipfeltreffen sind eine
Weltumweltkonferenz, ein Treffen der
verantwortlichen nord- und lateinamerikanischen Politiker zum Drogenproblem sowie ein Treffen mit den Gouverneuren aller Bundesstaaten, um
über einheitliche Normen im Bildungswesen zu sprechen.

Zur selben Stunde sprach Bush vor
einer Gruppe begeistert applaudierender Anhänger in Houston und dankte
dabei dem amerikanischen Volk für
seine Wahl und Dukakis für seine
großmütige Haltung, die "im Einklang
mit der großen Tradition der amerikanischen Politik" stehe. Er erklärte, er werde sich bemühen, alle möglicherweise in diesem Wahlkampf geschlagenen Wunden zu heilen und daß
er es ernst gemeint habe, als er sei- 2 -

* * * * * *

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Hintergrundmaterial

4

9. November 1988

41

RÜSTUNGSKONTROLLE ALS ERBE DER REAGAN-ADMINISTRATION
- Von George P. Shultz -

- (AD) - (Der amerikanische Außenminister hielt die hier in Form eines Artikels vorliegende Rede bei den Amerikanischen und Europäischen Gesellschaften
für Kernenergie sowie beim Forum für Kernenergie.)
Vor 25 Jahren haben Experten die
unaufhaltsame Verbreitung von Kernwaffen angenommen.
Ihren Prognosen
zufolge sollten Ende der achtziger
Jahre etwa 15 bis 25 Länder im Besitz
von Nuklearwaffen sein. Sie hatten
unrecht.
Allen Schwierigkeiten zum
Trotz haben die Bestrebungen, die
Weiterverbreitung von Kernwaffen zu
verhindern, Erfolg gezeitigt.

bieten suchen. Sie haben nicht erkannt, daß der Wille der Völker auf
der ganzen Welt im Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen verankert ist. All dies hat allgemeines
Vertrauen in die Bestrebungen zur
Nichtverbreitung geschaffen, und dies
wiederum spiegelt sich in einer zunehmenden Zahl von Vertragspartnern
wider.

Diese frühen Schwarzseher haben
nicht mit der Fähigkeit von Ländern
wie den Vereinigten Staaten und anderen gerechnet, die dieser Bedrohung
für den Weltfrieden mit einem Netzwerk internationaler Vereinbarungen,
rechtsverbindlicher
Verpflichtungen,
technologischer
Sicherungsmaßnahmen
und alternativen Maßnahmen im Bereich
der Sicherheitspolitik Einhalt zu ge-

Bei der Förderung von Bestrebungen um die Nichtverbreitung haben wir
uns die grundsätzliche Tatsache vor
Augen geführt, daß Grundwissen über
Kernwaffen nicht geheimgehalten werden kann.
Die Unmöglichkeit einer
totalen Geheimhaltung wurde bereits
1953 von Präsident Eisenhower erkannt, als dieser ein Programm internationaler Zusammenarbeit im nuklea-

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�ren Bereich vorschlug. Und das lag
als Grundprinzip auch der Schaffung
der Internationalen Atomenergie-Organisation und dem Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen zugrunde, das heißt, die Entwicklung
der Kernenergie zu friedlichen Zwekken sollte durch die Vereinbarung gewährleistet werden, sich nicht an der
Entwicklung von Kernwaffen zu beteiligen.
Nichtverbreitung steht im Einklang mit einer Politik der Kooperation
im nuklearen Bereich.
Das
Schlüsselelement der Sicherheit sind
strenge Beschränkungen für die Verbreitung von nuklearem Know-how und
Ausrüstungsgegenständen für Kernenergie. Aus diesem Grund leisten wir
auch weiterhin solchen Staaten keine
Hilfe im Nuklearbereich, deren Absichten zweifelhaft oder unklar sind.
Ein Aufhalten der Weiterverbreitung von Kernwaffen und Waffentechnologie reicht nicht aus. Die ReaganAdministration hat hart und erfolgreich an Rüstungskontrollabkommen gearbeitet.
Kreatives und anhaltendes diplomatisches Engagement haben zu fairen
und allseits vorteilhaften Abkommen
geführt, mit denen eine größere internationale Sicherheit gewährleistet
wird. Das Zusammenwirken von Stärke
und Diplomatie war der Leitgedanke
unseres Ansatzes bei den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
Aber wir wenden unsere Aufmerksamkeit nicht allein der Rüstungskontrolle und dem RUstungsabbau zu. Unter Präsident Reagan haben sich die
Vereinigten Staaten mit beispiellosem
Engagement und ebensolcher Effektivität in allen Bereichen unserer Tagesordnung mit der Sowjetunion auseinandergesetzt, - Menschenrechte, bilaterale Fragen, Rüstungskontrolle und
regionale Konflikte.
In diesem Umfeld haben sich die
stärkeren Bemühungen in den Bereichen
Rüstungskontrolle und Sicherheit bei

der Kernenergie bezahlt gemacht. Ein
realistischer Prozeß der Verhandlungen, Durchführung und Verifizierung
hat sorgfältig ausgehandelte Abkommen
hervorgebracht und gründete sich auf
streng befolgte Prinzipien. Der Ausgangspunkt dafür ist das von Präsident Reagan vorgeschlagene und vom
sowjetischen
Generalsekretär
Gorbatschow beim ersten Genfer Gipfel
befürwortete Konzept:
"Ein Nuklearkrieg kann nicht gewonnen und darf
niemals gführt werden."
Wir haben das historische Abkommen über Mittelstreckenraketen ausgehandelt, das erste Abkommen, das Reduzierungen in den Kernwaffenarsenalen erfordert und nicht nur die Zunahme der nuklearen Fähigkeiten verlangsamt.
Der INF-Vertrag beseitigt eine
gesamte Kategorie von Kernwaffen. Er
zeigt, daß Rüstungskontrolle mehr
leisten kann als eine Festschreibung
bestehender
Stationierungspläne.
Dieses Abkommen baut Kernwaffenarsenale ab und gestaltet sie um, es fördert eine sichere und stabilere Welt.
Der Vertrag enthält strenge Bestimmungen zur Inspektion, Überwachung
und zum Datenaustausch, wodurch sich
eine effektive Verifizierung ergibt
und wertvolle Maßstäbe für weitere
Abkommen gesetzt werden. Diese Bestimmungen werden Offenheit und kooperative Kontakte über sensible militärische Fragen hervorbringen, die
mit der Zeit tiefgreifenden Einfluß
darauf haben, wie die Sowjets und wir
uns gegenseitig einschätzen.
Bei den Verhandlungen über die
Verringerung strategischer Rüstungen
(START) verfolgen wir genau diesen
Kurs des Abbaus von Nuklearwaffen.
Wir stehen kurz vor dem Abschluß eines Vertrages, der die 50prozentige
Reduzierung strategischer Offensivwaffen fordert. Einige Schlüsselbereiche sind noch ungelöst. Aber das
Abkommen und viele seiner Teilbereiche liegen bereits in groben Zügen
vor und bieten eine gute Basis für
die Fertigstellung des Vertrages kurz

- 2 -

�nach dem Amtsantritt der nächsten Administration.
START wird zur Abschreckungspolitik beitragen. Bis zur Einsatzreife
eines alternativen Sicherheitssystems
müssen wir uns weiterhin auf die nukleare Abschreckung verlassen.
In
absehbarer Zukunft muß unser Ziel in
der Stärkung der nuklearen Abschrekkung und deren Funktionstüchtigkeit
auf einem geringeren und sichereren
Streitkräfteniveau bestehen. Das ist
die Zielsetzung von START.

Aber
trotz besserer strategischer
Stabilität auf geringeren Niveaus offensiver Nuklearwaffen und trotz unserer echten Fortschritte bei der
Nichtverbreitung von Kernwaffen ergeben sich neue Gefahren. Eine zunehmende Zahl von Ländern setzt chemische Waffen ein.
- Die
fen
zur
hier

- Erstens das zunehmende Angebot
relativ weitreichender Boden-Boden-Raketen auf dem internationalen Waffenmarkt.
Im Golfkrieg
setzten beide Kriegsparteien sowjetische
SCUD-Flugkörper
ein.
Saudi-Arabien beschafft chinesische
CSS-2-Raketen
mit
einer
Reichweite von über 2 400 km.
Weitere
Staaten des Mittleren
Ostens und anderer Regionen erwerben
ballistische
Raketen.
Waffen mit enormem Zerstörungspotential gelangen in die Hände von
Parteien, die wenig Rücksicht auf
die
traditionell
restriktiven
Kontrollen nehmen.

START gestattet uns die Beibehaltung verschiedenartiger und überlebensfähiger
Vergeltungsstreitkräfte.
Obwohl START einen erheblichen Abbau
amerikanischer
und
sowjetischer
Streitkräfte erfordert, einschließlich einer 50prozentigen Reduzierung
sowjetischer schwerer Interkontinentalraketen (ICBM), können unsere Programme zur Verbesserung der Uberlebensfähigkeit und Wirksamkeit unserer
ICBMs,
seegestützten
ballistischen
Raketen (SLBMs) und Bomber weitergeführt werden. Mit der richtigen Kombination von START-Beschränkungen für
die Bedrohung und unsere eigenen Modernisierungsprogramm werden wir im
Hinblick auf die dauerhafte Uberlebensfähigkeit unserer Abschreckung in
einer stärkeren Position sein als ohne ein solches Abkommen.

- Zweitens stellen wir ein Wiederaufleben der chemischen Kriegführung fest, sicherlich die verachtenswerteste und abscheulichste
Entwicklung unserer Zeit.
Die
Staatengemeinschaft
sieht
sich
mit Verletzungen des ältesten und
weitestgehend eingehaltenen Rüstungskontrollabkommens
konfrontiert - des Genfer Protokolls von
1925, das den Einsatz von Giftgas
und chemische Kriegführung untersagt.
Diese Geißel greift um
sich. Das Protokoll wird wiederholt verletzt.

Mit START sollen Reduzierungen
stabilisiert werden - Reduzierungen,
die so strukturiert sind, daß sie den
Anreiz zum Erstschlag verringern.
Der in Genf erarbeitete Vertragsentwurf wird genau das tun. Je eher er
fertigestellt wird, um besser wird es
uns gehen.

Das Rüstungskontrollprogramm
kunft

Verfügbarkeit modernster Wafhat schwerwiegende Probleme
Folge.
Insbesondere sind
zwei Gefahren zu nennen:

der Zu-

Anhaltende
Bestrebungen
zur
Nichtverbreitung und intensivere Verhandlungen über Rüstungskontrolle und
Rüstungsabbau können dazu beitragen,
den Herausforderungen im Zeitalter
der
Kernenergie
entgegenzutreten.

Der schrecklichste Alptraum wäre
die mögliche Kombination von chemischen Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen in Händen von Staaten,
die der weltweiten Ablehnung ihres
Einsatzes wenig Beachtung schenken.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten die Führungsrolle dabei

- 3 -

�übernommen, die Verbreitung
Technologien einzudämmen:

beider

- In bilateralen Gesprächen mit den
Sowjets sowie im UNO-Abrüstungsausschuß
fanden
Verhandlungen
über ein umfassendes Verbot chemischer Kriegführung statt, die
auf einen im Jahr 1984 von den
Vereinigten Staaten vorgelegten
Entwurf einer entsprechenden Konvention
zurückgingen.
Ferner
möchten wir die chemischen Exportkontrollen harmonisieren und
stärken. Schließlich hat Präsident Reagan am 26. September 1988
eine Konferenz der Vertragsparteien des Genfer Protokolls von
1925 einberufen, um die Normen
gegen den Einsatz jener abscheulichen Waffen zu stärken. Diese
Konferenz wird Anfang Januar in
Paris stattfinden.
- Die Vereinigten Staaten und ihre
wichtigsten westlichen Partnerländer haben das Regelwerk zur
Kontrolle von Raketentechnologie
entwickelt, um die Weiterverbreitung ballistischer Raketen unter
Kontrolle zu halten. Wir sprechen gegenwärtig mit Sowjets und
Chinesen, um dieser wachsenden
Gefahr Herr zu werden.
Unsere Bemühungen in bezug auf
Nichtverbreitung,
Rüstungskontrolle
und Abrüstung haben uns dabei geholfen, den Herausforderungen der Vergangenheit und Gegenwart ins Auge zu
blicken.
Diese Erfahrung verweist
auf die sieben Elemente, die zu einer
erfolgreichen Bewältigung der Herausforderung der Rüstungskontrolle in
der Zukunft unerläßlich sind:
- Erstens müssen wir uns weiterhin
primär auf unsere eigenen Verteidigungsprogramme
stützen.
Rüstungskontrollbemühungen
können
diese Programme ergänzen und einen bedeutenden Beitrag zu unserer Sicherheit leisten. Sie können sie jedoch nicht ersetzen.
- Zweitens hängt der Verhandlungs-

erfolg für unsere Sicherheit von
der Einsatzbereitschaft ab, mit
der wir unsere Sicherheit selbst
gewährleisten.
Aktive amerikanische Verteidigungsprogramme geben den Sowjets einen Anreiz zu
flexibler Verhandlungsführung.
Drittens müssen wir, damit die
Bemühungen zur Rüstungskontrolle
wirksam werden, in allen Bereichen unserer außenpolitischen Tagesordnung Fortschritte anstreben. Vor dem Hintergrund sowjetischer
Menschenrechtsverletzungen und regionalen Abenteurertums
läßt sich unsere Politik politisch
nicht
aufrechterhalten.
Während Vereinbarungen zwischen
den Supermächten über Streitkräfteniveaus und -strukturen ausgehandelt werden, müssen beide Seiten Bereiche gegenseitigen Vertrauens finden und Sensibilität
gegenüber Menschenrechten, regionalen Konflikten und anderen bilateralen Problemen entwickeln.
Viertens leitet sich unsere Stärke bei Verhandlungen zum großen
Teil von der Unterstützung durch
unsere Verbündeten, den Kongreß
und die amerikanische Öffentlichkeit ab. Der INF-Vertrag ist das
Verdienst und Produkt der Einheit
des Bündnisses - der Entschlossenheit der Stationierungsländer,
die Dislozierungen durchzuführen,
des Zusammenhalts der NATO in allen Verhandlungsstadien und der
Solidarität unserer Verbündeten
und Freunde in Asien, die so erheblich zum Ergebnis - der weltweiten Null-Lösung - beigetragen
haben.
Ebenso unerläßlich ist
die Unterstützung des amerikanischen Kongresses und der amerikanischen Bevölkerung. Die Notwendigkeit, die Vertraulichkeit
heikler
Verhandlungspunkte
zu
schützen, muß in einem ausgewogenen Verhältnis zu der Erfordernis
stehen, den Kongreß und die Öffentlichkeit zu informieren.
- Fünftens

muß

ein

angemessenes

�haben sich im Juni 1987 darauf
verständigt, daß die wichtigsten
künftigen Aufgaben in der Rüstungskontrolle der Abschluß eines START-Abkommens, die Erlangung eines stabileren Gleichgewichts bei den konventionellen
Streitkräften sowie Verhandlungen
über ein wirksam verifizierbares
weltweites Verbot chemischer Waffen sein werden. Diese Prioritäten sind korrekt.
Zusätzlich
müssen wir weiterhin unsere Bemühungen verstärken, um der Weitergabe von Kernwaffen und anderen
destabilisierenden
Waffentechnologien Einhalt zu gebieten.

Verhältnis zwischen Besonnenheit
und
Entschlossenheit
erreicht
werden. Sorgfalt, Geduld und Festigkeit sind unabdingbar bei der
Formulierung von Verhandlungszielen und hartnäckigem Aushalten am
Verhandlungstisch bis zu deren
Realisierung.
Es
muß
jedoch
ebenso Mut vorhanden sein, um einen Abschluß zu erreichen - während man gleichzeitig energisch
auf Regelung
der Einzelheiten
drängt.
Eine starke und entschlossene Führung ist erforderlich, um einen Abschluß zu erzielen wie Präsident Reagan beim
INF-Vertrag.
- Sechstens müssen wir eine realistische Haltung zur Verifizierung einnehmen. Die sowjetische
Bilanz der Nichteinhaltung früherer RUstungskontrollabkommen verlangt ein höchstmögliches Maß der
Verifizierung.
Es sind jedoch
nicht alle einschneidenden Verifizierungsmaßnahmen für die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion akzeptabel; auf unserer
Seite dürfen bestimmte Einrichtungen einfach nicht für sowjetische Inspektoren geöffnet werden.
Realistisch gesehen wird
also kein Rüstungskontrollabkommen perfekt verifizierbar sein.
Die Schlüsselfrage lautet, ob bestimmte Vereinbarungen auf Gegenseitigkeit
gerechtfertigt
sind
und ob die daraus resultierende
Verifizierungsregelung
die Sicherheit der Vereinigten Staaten
schützt, indem sie die rechtzeitige Entdeckung jeglicher militärisch bedeutsamer Verletzungen
gewährleistet.

Die vor uns liegenden Herausforderungen
Tempo und Ausmaß des Wandels sind
heute groß. Dies gilt auch für das
Potential
wissenschaftlichen
und
technologischen Wandels. Vor 45 Jahren begegneten die Vereinigten Staaten der Herausforderung von Faschismus und Aggression mit einem Engagement für die Wissenschaft, das zu einer neuen Welt der Kreativität und
Entdeckungen führte. In den folgenden Jahrzehnten haben wir die Herausforderung des Nuklearzeitalters bewältigt, indem wir uns für den Aufbau
unseres eigenen Abschreckungspotentials sowie auch für die Nichtverbreitung, Rüstungskontrolle und Abrüstung eingesetzt haben.
Die vor
uns liegende Zeit wird nicht weniger
herausfordernd sein.

* * * * * *

Die neue sowjetische Offenheit
gegenüber Inspektionen ist höchst begrüßenswert, aber der Kern unserer
Verifizierungsfähigkeit wird weiterhin von unseren Nationalen Technischen Mitteln gebildet, die modernisiert und ausgebaut werden müssen.
- Schließlich müssen wir Prioritäten setzen.
Die NATO-Minister
- 5 -

�WMSuSanmMi
Wirtschaft

41

9. November 1988
YEUTTER:

DREI SCHLÜSSELBEREICHE FÜR MONTREAL-GESPRÄCHE

- Rede des amerikanischen Handelsbeauftragten vor dem Commonwealth Club WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
wird der Liberalisierung des Handels in drei Schlüsselbereichen während des
bevorstehenden Treffens der Handelsminister in Montreal hohe Priorität beimessen. Das Ministertreffen - eine Zwischenbilanz der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche - wird am 5. Dezember 1988 in Montreal beginnen.
In einer Ansprache vor dem Commonwealth Club of California in San Francisco erklärte Yeutter am 4. November 1988, Fortschritte in 15 Bereichen seien
unabdingbar, er sei jedoch "vor allem besorgt" über Landwirtschaft, geistiges
Eigentum und Probleme im Dienstleistungsbereich. Yeutter zufolge sehen sich
die Vereinigten Staaten bei der Liberalisierung des Handels in diesen Bereichen dem Widerstand einiger Länder ausgesetzt.
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen des amerikanischen Handelsbeauftragten in wesentlichen Auszügen:

Vor 40 Jahren - nach dem Zweiten
Weltkrieg - beschlossen die führenden
Handelsnationen das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT), mit dem
die Richtlinien und Prinzipien zur
Regelung des internationalen Handels
festgelegt wurden. Seit jener Zeit
haben alle Länder von niedrigeren
Zöllen und dem Abbau der Handelsschranken profitiert.
Der internationale Handel hat sich enorm ausgeweitet, hat das Wirtschaftswachstum
gefördert und zu ungeahntem Wohlstand
geführt.

Um diesen beunruhigenden Tendenzen entgegenzutreten, greift die Welt
wiederum auf das GATT zurück bei dem
Versuch, Wachstum durch Handelsliberalisierung zu erzielen. Die im September 1986 in Punta del Este ins Leben gerufene Uruguay-Runde hat die
ehrgeizigste Tagesordnung für Verhandlungen, die es in der Geschichte
des GATT je gegeben hat.

Trotz des offensichtlichen Nutzens offener Märkte ist das internationale
Handelssystem
heute
mit
ernsthaften Problemen befrachtet. In
zunehmendem Maße benutzen die Länder
Exportsubventionen und nichttarifäre

Die Verhandlungen der UruguayRunde sind in 15 Verhandlungsgruppen
unterteilt, die sich jeweils mit unterschiedlichen Aspekten des internationalen Handels befassen.
Während
es unerläßlich ist, Fortschritte in

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Embassy of the United States of America

Importbeschränkungen, um sich Vorteile gegenüber ihren Konkurrenten zu
verschaffen.

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�allen diesen Gruppen zu erzielen,
sind wir vor allem über drei Bereiche
besorgt - die sogenannten "neuen Probleme" bei Landwirtschaft, Dienstleistungen und dem Schutz geistigen Eigentums. Diese Probleme sind natürlich nicht neu für den internationalen Handel, sie sind nur neu für das
GATT und aus diesem Grund sehen wir
uns dem Widerstand einiger Mitglieder
des GATT ausgesetzt.
Landwirtschaft.
Die
Landwirtschaft befindet sich weltweit am Rande des Chaos, da die nationalen Regierungen die Handelspolitik als Waffe einsetzen, um sich Vorteile für
ihre eigenen Bauern zu verschaffen.
In zahlreichen Ländern halten Importbeschränkungen und Preissubventionen
die Agrarpreise im Inland künstlich
hoch und stimulieren dadurch zur
Überproduktion.
Wenn
Überschüsse
entstehen, werden die Exportsubventionen dafür verwendet, um sie auf
den Weltmärkten abzuladen, und als
Folge können die Bauern in den anderen Ländern nicht mehr ihren Lebensunterhalt verdienen.
Trotz der Tatsache, daß die Landwirte effektiver und produktiver sind
als jemals zuvor, wird dadurch eine
Welt geschaffen, in der die Menschen
in einigen Ländern nicht über ausreichende
Nahrungsmittel
verfügen.
Trotz
erheblicher
Agrarüberschüsse
wird dadurch eine Welt geschaffen, in
der die Verbraucher gezwungen sind,
unnötig hohe Preise für Nahrungsmittel zu zahlen.
Die Vereinigten Staaten haben auf
die Uruguay-Runde zurückgegriffen, um
einen Weg aus dieser erschreckenden
Situation herauszufinden. Wir haben
bei den Agrarverhandlungen den Vorschlag unterbreitet, daß alle Länder
ihre handelsverzerrende Politik so
schnell wie möglich abschaffen. Wir
haben vorgeschlagen, daß dies bis zum
Jahr 2000 verwirklicht werden soll.
Unser Vorschlag umfaßt alle Exportsubventionen, Importschranken und
Subventionen auf nationaler Ebene,

die den Handel beeinträchtigen. Er
schließt nicht die bona fide gewährten Nahrungsmittelhilfe-Programme und
solche Zahlungen an Landwirte aus,
die keinen Einfluß auf Preisgestaltung oder Produktionsentscheidungen
haben.
Schließlich
fordert unser
Vorschlag die Schaffung einheitlicher
Hygienevorschriften für Nahrungsmittel auf der ganzen Welt, um sicherzustellen, daß solche Vorschriften für
den Handel mit Agrargütern keine
nichttarifären Hemmnisse darstellen.
Einige Verhandlungspartner haben
unverzügliche, kurzfristige Schritte
vorgeschlagen, um den Prozeß des Abbaus international handelsverzerrender Maßnahmen einzuleiten. Die Vereinigten Staaten unterstützen das
Konzept
kurzfristiger
Maßnahmen.
Tatsächlich haben wir ein sofortiges
Einfrieren
von
Exportsubventionen,
nationalen Subventionen und Marktzugangsbeschränkungen gefordert.
Ich
möchte jedoch eins klarstellen. Wir
werden - kurz- oder langfristig - nur
Maßnahmen in die Wege leiten, die
auch von unseren Handelspartnern ergriffen werden. Und wir werden kurzfristig keine Maßnahmen verabschieden, die nicht langfristig zu einer
umfassenden Reform führen.
Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, daß unser Vorschlag auf erheblichen Widerstand - insbesondere
aus der EG - gestoßen ist. Einige
Europäer sind der Ansicht, der Abbau
handelsverzerrender
Praktiken
sei
"unrealistisch". Ich vertrete hingegen die Meinung, es ist unverantwortlich, bis in alle Ewigkeit auf dem
Status quo zu bestehen. Bei unserer
Zusammenkunft in Montreal werden die
Vereinigten Staaten am Verhandlungstisch auf der Verpflichtung zum Handeln bestehen.
Schutz geistigen Eigentums.
In
den vergangenen vier Jahren sind die
Vereinigten Staaten international in
die Offensive gegangen, was die Verbesserung des Schutzes geistigen Eigentums anbelangt, etwa bei Patenten,
Warenzeichen, Copyrights und Handels-

�geheimnissen. Das ist aufgrund der
jüngsten, drastisch zunehmenden Piraterie bei Gütern, die mit Patenten
oder Copyrights belegt sind, ein
wichtiges Thema. Allein im Jahr 1986
verzeichnete die Unterhaltungsbranche
Verluste von über zwei Milliarden
Dollar aufgrund unzureichenden Schutzes von geistigem Eigentum. Die Computer- und Softwareindustrie erlitt
Verluste von über vier Milliarden
Dollar.

nen wichtigen Stellenwert ein. Trotz
der
zunehmenden
Verflechtung
der
Weltwirtschaft bestehen - wenn überhaupt - nur wenige Regelungen für den
Handel in solch grundlegenden Wirtschaftsbereichen wie Bank- und Versicherungswesen, Verkehr, Bauindustrie
und Tourismus. Wenn mit GATT Ordnung
und Fairneß auf dem Weltmarkt geschaffen werden sollen, so muß dieses
den Realitäten des modernen Handels
Rechnung tragen.

Im Rahmen der Uruguay-Runde haben
wir versucht, unsere Handelspartner
davon zu überzeugen, daß dieses Thema
in einem Forum des GATT angemessen
besprochen werden muß, da die Verletzung geistigen Eigentums Auswirkungen
auf den Handel hat. Die Vereinigten
Staaten haben ein umfassendes GATTAbkommen vorgeschlagen, das echte
Maßstäbe für den Schutz von Patenten,
Copyrights, Warenzeichen, Handelsgeheimnissen und das Design von Halbleiterchips setzen würde.
Darüber
hinaus würde das Abkommen Regierungen
verpflichten, auf nationaler und internationaler Ebene das Recht auf den
Schutz geistigen Eigentums anzuerkennen.

Um das GATT zu modernisieren, haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß dessen Prinzipien auch
auf internationale Transaktionen im
Dienstleistungsbereich Anwendung finden. Der von den meisten Industrieländern
übernommene
amerikanische
Vorschlag fordert die Geltung solch
traditioneller Handelsprinzipien wie
Transparenz,
Nichtdiskriminierung,
nationale Behandlung, Niederlassungsfreiheit, Zurückhaltung bei staatlich
geförderten Monopolen und Subventionen,
nichtdiskriminierende
Zulassungsverfahren sowie einen Konsultations- und Schlichtungsmechanismus im
Dienstleistungsbereich.

Ich bin enttäuscht darüber, daß
wir in diesem Bereich keine größeren
Fortschritte erzielt haben. Für Piraterie gibt es keine Entschuldigung.
Ich kann nicht verstehen, wie irgendein Land sie verteidigen kann. Genau
das geschieht jedoch, wenn Länder,
die sich der Produktpiraterie schuldig gemacht haben, formaljuristische
Bedenken über den Umfang des Mandats
der
Verhandlungsgruppe
vorbringen.
Beim Treffen in Montreal werden die
Vereinigten Staaten bestrebt sein,
einen Konsens in bezug auf die Rahmenbedingungen
einer
GATT-Regelung
über geistiges Eigentum herbeizuführen.

In Montreal wird unser Ziel darin
bestehen, einen Konsens über die Konturen eines Dienstleistungsabkommens
zu erreichen.
Ich fühle mich bestärkt, da viele Entwicklungsländer
die Erkenntnis gewonnen haben, daß
ihnen aufgrund ihrer Wettbewerbsfähigkeit in vielen Dienstleistungsindustrien Regelungen für den Handel
mit Dienstleistungen helfen würden.

Dienstleistungen.
Aufgrund der
wachsenden Bedeutung von Dienstleistungen in der amerikanischen Wirtschaft nimmt die Festsetzung von Regeln für den Handel mit Dienstleistungen auf unserer Tagesordnung ei- 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

41

9. November 1988

YEUTTER NENNT AIRBUS-SUBVENTIONEN "BEUNRUHIGEND"
- Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten zum Airbus -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Clayton Yeutter
hat scharfe Kritik an der Bundesregierung geäußert, die im Rahmen der Übernahme des führenden deutschen Luft- und Raumfahrtkonzerns MBB durch DaimlerBenz nach wie vor Subventionen für die Produktion des Passagierflugzeuges
gewähren will.
In einer am Abend des 7. November 1988 in Washington veröffentlichten Erklärung nannte er die Entscheidung zur Beibehaltung der Subventionen, die Vertreter der Bundesregierung dem hohen Kurs der D-Mark gegenüber dem amerikanischen Dollar zuschreiben, "eine sehr beunruhigende Entwicklung".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten im Wortlaut:

Es liegen uns Berichte vor, denen
zufolge das Bundeskabinett vorbehaltlich eines Bundestagsvotums seine Zustimmung zu einem Plan erteilt hat,
im Rahmen dessen Daimler-Benz Mehrheitsaktionär
von
MesserschmidtBölkow-Blohm (MBB) wird - einem Unternehmen der Rüstungsindustrie und
Muttergesellschaft der Deutschen Airbus, dem deutschen Partner im AirbusKonsortium. Den vorliegenden Angaben
zufolge würde Daimler-Benz die Kontrolle von MBB als Gegenleistung für
die weitere Bereitstellung erheblicher Subventionen
zum Ausgleich
möglicher Verluste bei der Herstellung des Airbus übernehmen, die deutsche Regierungsvertreter dem hohem
Kurs der D-Mark gegenüber dem amerikanischen Dollar zuschreiben.

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Ich werde vermutlich in Kürze mit
Vertretern der Bundesregierung zusammentreffen, um dieses Vorgehen zu erörtern. Anhand der Veröffentlichungen der Bundesregierung halte ich
dies für eine höchst beunruhigende
Entwicklung.
Vor allem die Entscheidung zur
Bereitstellung zusätzlicher Subventionen für den Airbus ist inakzeptabel, da sie mitten in die laufenden
Gespräche zwischen den Airbus-Partnerregierungen und den Vereinigten
Staaten über die Schlüsselbestimmungen des GATT-Flugzeugkodex fallen,
mit denen die Bedingungen und Konditionen für staatliche Unterstützung
des zivilen Flugzeugbaus festgelegt
werden sollen.
Diese Entscheidung
würde das Fundament der bilateralen

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�Verhandlungen
erschüttern und sie
möglicherweise zum Erliegen bringen.
Ein solches einseitiges Vorgehen der
Bundesregierung zu eisten; Zeitpunkt
und in solcher Art und Veise wird zu
einer gravierenden Verschärfung der
Spannungen im Handel führen«
Ferner :iu ich über den hiermit
gesc't.df fenev. Prä_-.":er.zf all zutiefst
beunruhigt. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz der Privatwirtschaft, daß
Firmen die mit ihren Transaktionen
verbundenen Risiken übernehmen, bis
hin z'J Wechselkurseinbrüchen. Weltweit schützen sie?: Tausende von Firmen gegen ihre eigenen Wechselkursschwankungen. Warum sollte bei Flugzeugherstellern eine Ausnahme gemacht
werden? Und warum sollte der Airbus
eine Sonderstellung einnehmen? Wechselkursschwankungen sind ein bei internationalen Geschäften zu zahlender
Preis; sie sollten von den Beteiligten und nicht vom deutschen Steuerzahler oder Arbeitnehmern in anderen
Industriezweigen - sei es in der Bundesrepublik Deutschland oder in den
Vereinigten Staaten - getragen werden.

men der freien Wirtschaft und seine
internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Wir hatten uns der Hoffnung hingegeben, daß die Airbus-Partnerregierungen den Airbus auf der Grundlage
von marktwirtschaftlichen Prinzipien
größerer Privatisierung unterwerfen
würden. Dieses Vorgehen wird unsere
Hoffnung zunichte machen; es scheint
sich um eine massiv subventionierte
Privatisierung zu handeln. Man muß
sich fragen, wie die Bundesregierung
reagieren würde, wenn ihre Handelspartner anfangen würden, all ihren
Exportfirmen Wechselkursgarantien zu
gewähren. Es ist ein bedauerliches
Beispiel, das hier im Falle des Airbus geboten wird.
Wir werden das endgültige Vorgehen in Bonn sorgfältig im Auge behalten und prüfen, inwieweit eine solche
Unterstützung mit den internationalen
Verpflichtungen
der
Bundesrepublik
Deutschland im Einklang steht.

Die Vereinigten Staaten haben Anfang der achtziger Jahre nicht auf
den starken Dolllar und den damit
einhergehenden Verlust unserer Wettbewerbsfähigkeit bei den Preisen reagiert, indem die Regierung die Wechselkursschwankungen aufgefangen hat,
oder indem wir neue Wege zur Subventionierung amerikanischer Exporte erschlossen haben. Entsprechend erwarten wir von anderen Ländern, solchen
Versuchungen nicht zu erliegen. Ein
anderes Verhalten vereitelt den internationalen Anpassungsprozeß.
Es
ist im übrigen widersinnig und unvertretbar
für
die
Bundesrepublik
Deutschland - ein Land, das sich eines enorm hohen Handelsüberschusses
erfreut - durch Wechselkursgarantien,
Neukapitalisierung und/oder Schuldenerlaß oder andere Mechanismen ein
primär für den Export bestimmtes Produkt zu subventioneiren.
Es steht
auch nicht im Einklang mit dem gerecht iertigten Stolz der Bundesrepublik Deutschland auf seine Unterneh- 2 -

* * * * * *

f

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