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                  <text>AMERIKA DIENST
%

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Ä&lt;

2 . November 1988

40

*

INHALT

DOKUMENTATION

Reagan kündigt "energisches Vorgehen" In der Außenpolitik an
- Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council in
Los Angeles -

INFORMATION

Kampf gegen Drogen - eine Aufgabe der Gesellschaft
- Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten -

WIRTSCHAFT

Zusammenarbeit für ein Vereintes Europa
- Von C. William Verity -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
\ o N

^

Dokumentation

2. November 1988

40

REAGAN KÜNDIGT "ENERGISCHES VORGEHEN" IN DER AUSSENPOLITIK AN
- Rede des Präsidenten vor dem World Affairs Council von Los Angeles LOS ANGELES - (AD) - Mit der Feststellung, seine Administration habe in
acht Jahren "in kürzerer Zeit mehr" erreicht als selbst die "größten Optimisten hätten annehmen können", versprach Präsident Reagan in einer am 28. Oktober 1988 vor dem World Affairs Council von Los Angeles gehaltenen Rede während
der ihm noch verbleibenden Amtszeit ein "energisches Vorgehen" in wichtigen
außenpolitischen Fragen. Dazu gehören unter anderem weitere Portschritte zur
Beilegung regionaler Konflikte in Angola, Afghanistan, Kambodscha und insbesondere Mittelamerika, die entschiedene Weiterführung von "Forschung, Entwicklung und Erprobung" der Strategischen Verteidigungsinitiative sowie die Aufrechterhaltung einer starken Verteidigung.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reagans Ansprache im Wortlaut:

Ich freue mich, wiederum vor dem
World Affairs Council sprechen zu
dürfen. Vieles von dem, über das ich
heute sprechen möchte, betrifft den
wesentlichen Zweck dieser Organisation:
Durch öffentliche Diskussion
einen demokratischen Konsens zur Unterstützung einer starken amerikanischen Außenpolitik zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund hat der Council eine bemerkenswerte und sehr notwendige Arbeit geleistet.
Die Bedeutung Ihrer Arbeit tritt
besonders heute in der Endphase eines
Wahlkampfes zutage, eines Wahlkampfes, im Verlauf dessen das amerikanische Volk sich zu den Themen Krieg
und Frieden, Demokratie und Totalitarismus äußern - und Entscheidungen
treffen wird, die die Welt und unse-

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Embassy of the United States of America

ren Konsens in der Außenpolitik auf
lange Zeit beeinflussen werden.
Diese Wahl findet ferner nach
einem der wichtigsten und bedeutendsten Jahre in der Geschichte dieser
Außenpolitik statt. Heute sind wir
hoffnungsvoll - und in diesem Moment
müssen wir uns vergegenwärtigen, daß
dies nur Hoffnungen sind -, daß unsere Kinder das Jahr 1988 einmal als
Wendepunkt in jenem großen Kampf zwischen Licht und Finsternis betrachten
werden, den wir als den Kalten Krieg
bezeichnen.
In einer Reihe von Reden - zuletzt vor den Vereinten Nationen habe ich dieses Jahr über die außergewöhnlichen Fortschritte gesprochen,
die wir an so vielen Fronten erzielt

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�haben, daß wahrhaft "an allen Ecken
und Enden der Frieden ausbricht".
Selbst in den wenigen Wochen nach
meiner Rede vor der Vollversammlung
konnten wir feststellen, wie weitere
Fortschritte zur Beilegung regionaler
Konflikte, etwa in Angola, Kambodscha, Afghanistan, dem Persischen
Golf und andernorts stattfanden - regionale Konflikte, die einst als unlösbar galten.
Der INF-Vertrag ist in Kraft getreten; wir waren Zeugen, wie russische und amerikanische Raketen - die
vormals immer zahlreicher wurden und
bereitstanden, massive Zerstörungen
zu bewirken - in den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion selbst
zerstört wurden. In einer Reihe anderer Bereiche finden Rüstungskontrollgespräche statt oder stehen kurz
bevor: chemische Waffen, konventionelle Rüstung, Kernwaffenversuche und
natürlich die START-Gespräche über
strategische Offensivwaffen.
Wiederholt haben wir auf folgende
Tatsache hingewiesen:
Was in der
Vergangenheit Fortschritte in diesen
Bereichen verhindert hat - ja, was
den Kern des Kalten Krieges gebildet
hat - war nicht ein Zusammenbruch der
Kommunikation oder ein riesiges Mißverständnis zwischen Ost und West.
Ganz im Gegenteil, die grundlegende
Ursache war das Verständnis, nicht
ein Mißverständnis. Und hiermit meine ich den klaren Konsens, der sich
im Westen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg
in
mehreren
entscheidenden
Punkten bildete:
über den wahren
Charakter des sowjetischen Regimes,
den fundamentalen Unterschied zwischen Totalitarismus und Demokratie
sowie die moralische Pflicht, der
durch den sowjetischen Expansionismus
hervorgerufenen internationalen Bedrohung der Menschenrechte entgegenzutreten. Es waren diese Realitäten
- kein unglückliches oder vermeidbares Mißverständnis -, die zu den
Spannungen zwischen Ost und West
führten. Und wenn wir diese Lehre
vergessen, setzen wir uns höchster
Gefahr aus.

Glücklicherweise stellen wir aber
auch gerade in diesem Bereich die ermutigendsten Veränderungen fest. Jede neue Ausgabe der Morgenzeitungen
scheint Nachrichten darüber zu enthalten, daß in der Sowjetunion Dinge
in Frage gestellt werden - die staatliche Kontrolle über die Industrie,
die Einschränkung der Menschenrechte
und sogar die Ideologie der Weltherrschaft, des Klassenkampfes in der
Weltpolitik, alles Punkte, die zwischen unseren Nationen unüberwindbare
Schranken geschaffen hatten.
Die Diskussionen über demokratische Reformen in der Sowjetunion
sind noch unverbindlich, kaum geeignet, sichere
Prognosen abzugeben.
Trotzdem erscheinen diese Veränderungen denjenigen unter uns, die an die
monolithische
Struktur der sowjetischen Gesellschaft gewöhnt sind,
bemerkenswert.
Noch nicht überzeugend, aber sicherlich bemerkenswert.
Wie ich selbst, so würden unter Ihnen
die meisten vor Jahren bei dem damaligen Stand der Beziehungen sicherlich Schwierigkeiten gehabt haben,
sich vorzustellen, wie ein amerikanischer Präsident mit seinem sowjetischen Gegenüber auf dem Roten Platz
spazierengeht, oder daß derselbe Präsident in den Leninhügeln zu den Studenten der Moskauer Staatsuniversität
über das Wunder und die Großartigkeit
der menschlichen Freiheit sprechen
würde.
Ferner stellen wir auch in Osteuropa Unruhe fest, wo Völker, denen
das Recht auf Selbstbestimmung seit
vier Jahrzehnten vorenthalten wurde,
nun die Grenzen eines neuen, scheinbar toleranteren Umfeldes erkunden.
In Polen sehen wir das Wiederaufleben
der freien Gewerkschaftsbewegung Solidarität, mit der zu verhandeln sich
die Regierung heute nach Jahren versuchter
Unterdrückung
gezwungen
sieht.
In
Ungarn
werden
kühne
Schritte in Richtung auf wirtschaftliche Reformen unternommen. In der
ganzen Region nimmt der Druck auf
Veränderungen - und auf Freiheit zu. Und falls es immer noch jemanden

- 2 -

�gibt, der das immense Ausmaß der in
den vergangenen acht Jahren erfolgten
Veränderungen bezweifelt, dann sollte
er vielleicht mit Amerikanern sprechen, die aus jenen Regionen stammen
und sie um ihre Meinung bitten. Er
sollte polnisch- oder ungarischstämmige Amerikaner fragen, solche, die
aus Estland, Lettland oder Litauen
stammen, er sollte sie fragen, ob es
etwas bedeutet, wenn Verwandte in der
alten Heimat zumindest in einer lange
Zeit geschlossenen Kathedrale beten
oder über die Arbeitsbedingungen auf
einer Werft vehandeln können. Ja,
Amerikaner, die von dort stammen,
werden es bestätigen: solche Veränderungen, wie lange sie auch schon
überfällig sein mögen, sind sehr
vielversprechend; und heute beten wir
darum, daß dieses Versprechen in Erfüllung gehen möge.
Veränderungen sind in der Tat unausweichlich. Niemand sollte an der
Instabilität der heutigen Lage in
Osteuropa zweifeln, in der sich ein
seit langem gegen den Willen der Osteuropäer
aufrechterhaltenes
künstliches wirtschaftliches und politisches System zunehmend als bankrott
und diskreditiert erweist. Wir begrüßen das neue Maß an Toleranz und
Experimentierfreude.
Niemand sollte
jedoch bezweifeln, daß Moskaus Haltung gegenüber dem wachsenden Trend
zur Selbstbestimmung innerhalb seines
europäischen Imperiums von uns als
entscheidender Prüfstein dafür verstanden wird, wie tiefgreifend die
Umgestaltung der sowjetischen Außenpolitik in einem neuen Zeitalter
wirklich ist.
Was immer auch in Zukunft geschehen mag, können wir eines mit Sicherheit sagen: Wir haben große Fortschritte erzielt, und dies ist eine
verheißungsvolle Zeit. Wir sollten
uns ins Gedächtnis rufen, daß wir in
den vergangenen Jahren große Schritte
unternommen
haben,
Schritte,
um
Schutzmaßnahmen gegen unsere Erzfeinde zu ergreifen - von einer Zerstörung der Welt ganz zu schweigen. Natürlich sollten wir uns damit nicht

zufrieden geben und ^,anz gewiß nicht
selbstgefällig werden.
Wir sollten
jedoch das, was gesc1-hen ist, entsprechend würdigen und entschlossen
sein, auf diesen Fortschritten aufzubauen.
In anderen hier gehaltenen Ansprachen ist mir aufgefallen, daß die
Erhaltung dieses Fortschritts gleichbedeutend mit einem bemerkenswerten
Umschwung ist, den unsere Außenpolitik in diesen vergangenen acht Jahren
erfahren hat: wir vertreten jetzt
die Auffassung, daß Containment nicht
mehr ausreicht und wenden daher eine
konstruktive Strategie für die Freiheit an. Und diese Strategie bedeutet nicht nur, unsere Verteidigung
und ein starkes diplomatisches Engagement
aufrechtzuerhalten,
sondern
auch Offenheit gegenüber unseren Verbündeten, Unterstützung
der Freiheitskämpfer auf der ganzen Welt und
Förderung von Menschenrechten und demokratischen Reformen im Ostblock.
Obwohl diese Elemente einen Umschwung
bedeuten, müssen wir uns dennoch vor
Augen führen, daß sie alle auf dem
unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg vereinbarten und von beiden
Parteien getragenen Konsens basieren
- dem Konsens, der in den ersten
Jahrzehnten der Nachkriegszeit die
Grundlage der Führungsrolle amerikanischer Außenpolitik bildete.
Manche von Ihnen wissen vielleicht, daß Winston Churchills Regierung nach Beendigung des Zweiten
Weltkrieges bei der anstehenden Wiederwahl eine Niederlage erlitt - eine
Niederlage, die mit der Konferenz von
Potsdam zusammenfiel. Als Churchill
die Konferenz verließ, bedrückten ihn
die zunehmend aggressiven Tendenzen
in der sowjetischen Regierung, und er
war äußerst bestürzt über die Unfähigkeit seiner eigenen Regierung, unter neuer Führung der sowjetischen
Weigerung,
ihre
Abkommen
über
Deutschland, Polen und die anderen
Länder Mitteleuropas einzuhalten, den
Kampf anzusagen.

- 3 -

Es war aber genau der Mann, den

�viele als Krämer und Roosevelts
schlecht vorbereitete zweite Besetzung verachteten - der neue amerikanische Präsident Harry Truman - der
Churchill Beistand leistete. Es war
Harry Truman, der entschieden der sowjetischen Bedrohung für den Weltfrieden
entgegentrat.
Tatsächlich
erarbeitete
Trumans
Administration
genau zu dem Zeitpunkt, als Europa am
verwundbarsten schien - zusammen mit
einem republikanischen Kongreß - den
Rahmen für eine Strategie des Überlebens:
die
Truman-Doktrin,
den
Marshall-Plan und die NATO.
Man sollte sich vor Augen führen,
daß sich die Truman-Doktrin, die sowohl Griechenland als auch die Türkei
vor der drohenden sowjetischen Herrschaft bewahrte und die freiheitlichen Kräfte in vielen anderen Ländern wiederbelebte, auf zwei wichtige
Postulate stützte:
Erstens müssen
die Vereinigten Staaten "bereit sein,
freien Menschen bei der Erhaltung ihrer freien Institutionen und nationalen Integrität gegen aggressive Bestrebungen, die ihnen totalitäre Regime aufzwingen wollen, zu helfen".
Und zweitens:
"Dies ist lediglich
eine ehrliche Erkenntnis, daß den
freien Völkern durch direkte oder indirekte Aggression aufgezwungene totalitäre Regime die Grundlage des
Weltfriedens und damit die Sicherheit
der Vereinigten Staaten untergraben."
Ich denke, daß diese Postulate
weiterhin gültig sind. Und sie sind
von dieser Administration weniger
verändert als vielmehr erweitert worden. Wiederum beziehe ich mich hier
nicht nur auf das Konzept militärischer Hilfe für Freiheitskämpfer,
sondern auch auf das Konzept des Vorantreibens - durch private Kontakte
aber insbesondere durch Öffentlichkeitsarbeit - demokratischer Reformen
und Menschenrechte im Ostblock und
selbst in der Sowjetunion. Und dennoch kann dieser Fortschritt vom
Containment zu einer konstruktiven
Strategie mißverstanden werden, wenn
er
im
streng
amerikanisch-sowjetischen Kontext betrachtet wird.

Wie die Tatsachen belegen, hat
dieses neue Streben nach Freiheit unsere Außenpolitik durchdrungen und
tritt in allen multilateralen Beziehungen zutage.
Die Forderung nach
einem weltweiten Kreuzzug für Freiheit und Demokratie, die ich erstmals
1982 in Westminister gestellt haben,
betraf alle Nationen und alle Völker.
Und in diesem Zusammenhang haben wir
insbesondere die Bedeutung der Freiheit in der Wirtschaft hervorgehoben
- Freiheit als Quelle von Kreativität
und Wohlstand des Menschen.
Es gab eine größere und sogar
tiefgreifendere Veränderung in unserer Außenpolitik.
Es handelt sich
hierbei weniger um eine politische
Entscheidung, sondern vielmehr um eine eingehende Erneuerung von Amerikas
Engagement für die Freiheit. Deren
Früchte sehen wir heute täglich in
den Schlagzeilen. auf den Philippinen und in Südkorea, aber auch in
Chile, Burma und Haiti streben die
Völker nach Demokratie.
Am Anfang
der achtziger Jahre lebte zum Beispiel lediglich ein Drittel der Völker Lateinamerikas unter einer demokratischen Regierung: heute sind es
nahezu 90 Prozent. In Südostasien,
Taiwan, Hongkong, Sri Lanka, Korea
und selbst in der Volksrepublik China
finden Wirtschaftswunder statt. Darüber hinaus ist in Afrika eine spezielle Vollversammlung der Vereinten
Nationen abgehalten worden, um einen
Konsens für weniger staatliche Kontrolle und mehr marktwirtschaftliche
Anreize zu entwickeln.
Und wenn wir dies eingehend genug
betrachten, sehen wir nicht nur eine
Außenpolitik, die erfolgreich die Sache der Freiheit interpretiert, sondern eine Außenpolitik, die eben deshalb erfolgreich ist, weil ihre Ziele
und Inhalte sich aus dieser Sache definieren und aus der größten aller
Ideen westlichen Gedankengutes und
westlicher
Zivilisation
entstanden
sind - der Freiheit und der Würde des
Menschen vor Gott.

- 4 -

Hier

möchte

ich

kurz

auf

eine

�Ironie verweisen, die darin besteht,
daß während diese westlichen Gedanken
und Traditionen Grundlage und Iriebfeder der Freiheit des Menschen sind
und auf der ganzen Welt Verbreitung
finden, sie in unserem Land aber in
Frage gestellt und sogar ihre Berechtigung als Unterrichtsfach an Universitäten angezweifelt wird.
Ich habe kürzlich in der Zeitschrift
Time
ein
Interview
mit
Allan Bloom, dem Verfasser von "Der
Niedergang des amerikanischen Geistes" gelesen, in dem er seine tiefe
Bestürzung darüber zum Ausdruck gebracht, daß ein allzu großer Teil der
wissenschaftlichen Welt die Einzigartigkeit und moralische Überlegenheit
westlicher Werte - wie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
aus den Augen verloren hat.
"Die
westliche Kultur muß verschwinden"
lauteten die Parolen auf dem Campus,
überall in den Vereinigten Staaten
haben wir andere Äußerungen der Besorgnis vernommen, wie etwa vom früheren
Erziehungsminister
William
Bennett, der Interessenvertretungen
oder politische Programme kritisiert,
die den Unterricht über die in den
wichtigen Werken und Lehren der westlichen Zivilisation enthaltenen Erkenntnisse abbauen oder einschränken
wollen.
Unser Chefunterhändler
in Rüstungskontrollfragen, Max Kampelman,
hat dazu ein von ihm gern vorgebrachtes Zitat. Er erwähnt gern, daß niemand besser über den Wert dieses Erbes oder seine Relevanz für außenpolitische Fragen gesprochen hat als
der frühere Präsident der UN-Vollversammlung, der inzwischen verstorbene
Charles Malik - ein Freund der Vereinigten Staaten und Wegbereiter der
Freiheit. Er schrieb: "Eine Zivilisation, die ihre Ursprünge auf Homer,
Plato und Aristoteles zurückführt,
auf das Alte und Neue Testament, auf
Cicero und Augustinus, Shakespeare
und Goethe, Newton und Einstein,
Puschkin und Dostojewski und die
Freude und Begeisterung, den Unternehmergeist und die Freiheit der

großen amerikanischen Erfahrung und
all das, für das diese Namen konkret
stehen - kann solch eine Zivilisation
für ihre Überzeugung ohne höchste
Werte und ohne Triebkraft für ihren
Willen sein? Wer besitzt sonst noch
etwas, das sich an diesem unvergleichlichen Erbe messen läßt? Amerika und der Westen unterschätzen ihr
unermeßliches Potential ... Und der
Westen hat nicht nur ein Problem,
sondern auch die Lösung. Sie liegt
in seiner einzigartigen Größe. Und
die Lösung liegt wahrhaftig im höchsten Gut des Westens: der Vorherrschaft des Geistes und der Freiheit
der Seele."
Dank des Durchhaltevermögens des
amerikanischen Volkes und seiner Verbündeten hatte der Kampf zwischen
Licht und Finsternis nicht die Nacht
einer totalitären Herrschaft zur Folge. Statt dessen erstrahlen im Jahr
1988 die Lichter der Freiheit überall
auf der Welt. An diesem entscheidenen Wendepunkt müssen wir sicherstellen, daß dies Bestand hat, daß die
Quelle dieses Lichts, die großen Errungenschaften westlichen Denkens und
westlicher Kultur geschützt und bewahrt und vor allem hier in den Vereinigten Staaten studiert werden.
Die Frontlinie
der amerikanischen
Verteidigung ist ebensosehr in unseren Universitäten und den großen Werken humanitärer Lehren zu finden wie
in allen unseren
Panzerdivisionen
entlang der deutschen Grenze. Und
die Richtung
unserer Außenpolitik
gründet
sich ebensosehr auf den
großen Gedanken, der die freien Nationen der Welt verbindet, wie auf
die Fortschritte der Friedenskonferenzen in Genf. Daher fordere ich
heute die Lehrkörper der amerikanischen Colleges und deren Leitungen
auf, den folgenden Vorschlag zu erwägen: Die Rückkehr zu einer soliden
Ausbildung, die Besinnung auf das Wesentliche beinhalten nicht nur vermehrte Konzentration auf richtige
Grammatik oder bessere Mathematik,
sondern Hinwendung zu den wahren Ursprüngen der menschlichen Freiheit der Pflege des wertvollen intellek-

- 5 -

�tuellen Vermächtnisses der westlichen
Kultur und Hinwendung zu der Kostbarkeit des Gedankens der menschlichen
Freiheit.
Und in eben diesem Geiste können
wir die großen Probleme angehen, die
nach wie vor bestehen, die noch unerledigte Tagesordnung unserer Außenpolitik der Nachkriegszeit. In diesem
Geiste können wir die noch verbleibende Amtszeit dieser Administration
bewältigen und an die nächste herangehen, indem wir uns die wichtigsten
Ziele unserer Außenpolitik vor Augen
halten.
Erstens
müssen
wir
weiterhin
Fortschritte bei der Beilegung regionaler Konflikte erzielen, Konflikte,
die leicht in einen größeren Krieg
eskalieren könnten. Insbesondere in
diesem Bereich ist es von vorrangiger
Bedeutung, die Politik in Mittelamerika fortzuführen, die Fortschritte
in Angola, Afghanistan und Kambodscha
mit sich bringt.
Der Kongreß muß
aufhören, mit zweierlei Maß zu messen
- einmal zugunsten der Freiheitskämpfer in den entlegensten Winkeln der
Welt und einmal zuungunsten der Freiheitskämpfer, die nur einige Tagesreisen von unseren Grenzen entfernt
sind. Bis die Sandinisten ihr Versprechen der Demokratie erfüllen bis Daniel Ortega aufhört, die Bürgerrechte einzuschränken -, müssen
wir die Contras unterstützen.
Zweitens müssen wir Forschung,
Entwicklung und Erprobung unserer
Strategischen Verteidigungsinitiative
entschieden verfolgen. In den vergangenen Monaten konnten wir entscheidende Durchbrüche in der Forschung beobachten - Durchbrüche, die
uns glauben machen, die Stationierung
könne weniger kostenintensiv sein als
ursprünglich angenommen. Unsere Forschungsbemühungen waren so erfolgreich, daß wir die geplanten Kosten
unseres
vielversprechendsten
Programms um Milliarden Dollar senken
konnten. Jetzt ist es an der Zeit,
unsere Anstrengungen zu verdoppeln nicht, sie zurückzuschrauben.
Für

eine gegen einen Angriff - insbesondere einen versehentlichen oder begrenzten Abschuß - mit ballistischen
Raketen geschützte Nation ist dies
nicht nur eine Option der Politik,
sondern ein moralisches Muß.
Drittens müssen wir unter allen
Umständen eine starke Verteidigungsstruktur beibehalten.
Das amerikanische Volk hat in den vergangenen 40
Jahren enorme Opfer gebracht, um die
Einsatzbereitschaft der Vereinigten
Staaten aufrechtzuerhalten.
Dieses
Opfer findet jetzt sichtbaren Niederschlag in den Friedensinitiativen auf
der ganzen Welt, einer Welt mit mehr
Sicherheit und Freiheit und einem
Ostblock, der gezwungen ist, seine
eigenen Probleme in Angriff zu nehmen. Gerade jetzt, in diesem Augenblick der Chance, ist es an der Zeit,
unsere militärische Stärke aufrechtzuerhalten, die all dies ermöglicht
hat.
Viertens müssen wir weiterhin
Menschenrechtsverletzungen öffentlich
anprangern und die fundamentalen moralischen Unterschiede zwischen Totalitarismus und Demokratie hervorheben. Wir dürfen nicht müde werden,
aggressiv für die Sache der menschlichen Freiheit einzutreten und nicht
davor zurückschrecken, unseren Finger
auf das moralische Unrecht derjenigen
zu legen, die die Freiheit unterdrücken. Wir müssen voller Stolz darauf
verweisen,
daß
Wirtschaftswachstum
und materieller Wohlstand das Ergebnis von wirtschaftlicher Freiheit und
nicht einer zentral gelenkten Wirtschaft sind.
Fünftens müssen wir unsere Politik des diplomatischen Engaments bei
den Abrüstungsverhandlungen fortführen. Ein START-Vertrag ist für die
nächsten Jahre in greifbare Nähe gerückt.
In wenigen Monaten werden
neue Verhandlungen über konventionelle Rüstungen aufgenommen.
Es gibt jedoch noch andere Bereiche der Besorgnis. Es grenzt an Ironie, daß gerade zu einer Zeit, in der

�wir den Abbau der Nukleararsenale und
neue Verhandlungen über konventionelle Rüstungen beobachten können, die
Geißel einer älteren und ebenso tödlichen Drohung wiederauflebt.
Ich
beziehe mich hier auf die chemischen
Waffen - Giftgas -, deren Einsatz im
Golfkrieg die zivilisierte Welt in
Schrecken versetzt hat.

*

Und wir sehen uns mit der Aussicht konfrontiert, daß immer mehr
Länder in der Lage sind, solche Waffen herzustellen oder zu beschaffen.
Wir müssen die Wahrung der internationalen Normen gegen den illegalen
Einsatz chemischer Waffen wiederherstellen und darauf achten, daß dies
nicht zu einem Kapitel der Geschichte
des 21. Jahrhunderts wird. Ich habe
eine internationale Konferenz gegen
den Einsatz chemischer Waffen einberufen, die im Januar in Paris zusammenkommt. Zusammen mit den derzeitigen Verhandlungen über ein umfassendes,
wirksam
verifizierbares
und
weltweites Verbot chemischer Waffen
liegt in dieser Konferenz unsere
größte Hoffnung, diesem Schrecken ein
Ende zu bereiten.

unsere berechtigten Sorge müssen gehört werden.
Für die noch verbleibende Amtzeit
dieser Administration ist dies ein
umfangreiches Programm und dies gilt
zweifelsohne für jede zukünftige Regierung. Aber ich bin der Ansicht,
daß wir in diesen vergangenen acht
Jahren in kürzerer Zeit mehr erreicht
haben als selbst die größten Optimisten hätten annehmen können.
Ich
denke, dieser Prozeß kann jetzt fortgeführt werden - solange wir unerschütterlich an die großen Werte und
Traditionen der westlichen Zivilisation glauben und unseren Glauben an
die Freiheit und den letztlichen
Triumph des menschlichen Geistes bewahren. Dieser Glaube muß uns leiten, bis - wie Winston Churchill in
den ersten Tagen des Jahres 1945 an
Harry Truman schrieb - "die dunklen
Tage der Welttragödie vergangen sind".

Ein anderes Problem, das den ansonsten vielversprechenden Horizont
überschattet, ist die stete Nichteinhaltung entscheidender Verpflichtungen im Bereich der Rüstungskontrolle
durch die Sowjetunion.
An erster
Stelle steht hier die große Radaranlage von Krasnojarsk, die den Hauptbestandteil des ABM-Vertrages entschieden verletzt. Wir haben die Sowjetunion darauf hingewiesen, daß wir
keinerlei neue Abkommen über strategische Rüstungskontrolle abschließen
können,
solange
diese
Verletzung
nicht in verifizierbarer Art und Weise behoben wird. Nichts ist der Integrität des Rüstungskontrollprozesses abträglicher als daß eine Seite
in der Lage ist, zu entscheiden, welche Bestandteile eines feierlichen
Abkommens sie zu erfüllen gewillt
ist. Die Sowjets haben sich gestern
zu diesem Thema erneut geäußert.
Zweifelsohne werden wir uns anhören,
was sie zu sagen haben. Aber auch
- 7 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

*

2. November 1988

40

KAMPF GEGEN DROGEN - EINE AUFGABE DER GESELLSCHAFT
- Einzelaktionen können nichts mehr ausrichten -

WASHINGTON - (AD) - Die Woche vom 24. bis 31. Oktober 1988 brachte Millionen von Amerikanern auf die Straße, die ihr Engagement gegen den Konsum von
Drogen und für Gesundheit und Wohlbefinden demonstrieren wollten.
Rote Bänder und Abzeichen ließen
erkennen, wer sich gegen Drogenmißbrauch einzusetzen gedenkt. Besonders aktiv waren die "Elternvereinigungen für drogenfreie Jugend" und
die Gruppen "Drogenfreie Jugend von
Amerika", die allein etwa eine Million Mitglieder haben. Schulen und
Kraftfahrer waren gebeten worden,
sich durch das Tragen roter Bänder zu
beteiligen. Polizei und Feuerwehren
luden zu Sonderveranstaltungen ein.
In öffentlichen Bibliotheken, die umfassendes Informationsmaterial anboten, gab es Vorträge, Filmvorführungen und Tonbildschauen. Die Fernsehstationen
brachten
häufig
"AntiRauschgift-Spots". Einige der großen
und die meisten kleineren Tageszeitungen veröffentlichten Sonderartikel
zum Thema "Drogen". Bekannte Sport-

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ler, Schauspieler, Künstler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens ebenso wie der Religionsgemeinschaften stellten sich für Sonderaktionen zur Verfügung.
Nur wenige Tage vor Beginn der
"Woche für ein drogenfreies Amerika"
hatte der amerikanische Kongreß ein
Gesetz verabschiedet und dem Präsidenten zur Unterzeichnung zugeleitet,
das nicht nur zahlreiche Weisungen
zur Vorbeugung und Erziehung gegen
den Drogenmißbrauch (bei Jugendlichen
gegen den Gebrauch aller illegalen
Substanzen
einschließlich
Alkohol)
gibt, sondern unter anderem auch die
Bestrafung von Rauschgiftkonsumenten
und -händlern erheblich verschärft.
So müssen künftig die Hintermänner
von Drogengeschäften, bei denen Men-

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�sehen ermordet wurden, mit der Todesstrafe rechnen. Wer mit Rauschgift
handelt, Jugendliche zum Verteilen
benutzt oder es an Jugendliche verkauft, wird sehr viel härter bestraft
als bisher. Polizei und Justizbehörden sind gehalten, in der Öffentlichkeit und auf den Straßen hart durchzugreifen.
Lokale Stellen sollen
Programme entwickeln und durchsetzen,
die darauf abzielen, den illegalen
Drogenkonsum in Schulen und auf allen
kommunalen Ebenen drastisch zu reduzieren.
Wer verbotene Drogen benutzt, soll von den Anklagenbehörden
dafür belangt werden.
Das Gesetz basiert zum großen
Teil auf den mehr als hundert Empfehlungen des 238 Seiten starken Berichtes, der in sieben großen Konferenzen
mit insgesamt 5 000 Teilnehmern aus
allen Bereichen der amerikanischen
Gesellschaft in eineinhalb Jahren erarbeitet und in seiner endgültigen
Fassung am 21. Juni 1988 verabschiedet worden war.
Mitte Juli 1988
richtete die "Konferenz des Weißen
Hauses für ein drogenfreies Amerika"
unter Hinweis auf den Bericht einen
dringenden Appell an die amerikanische Bevölkerung, jetzt energisch
gegen den Drogenmißbrauch vorzugehen.
Andernfalls sei der Kampf "um eine
drogenfreie Gesellschaft" verloren.
Das neue Gesetz fordert die Einsetzung eines Nationalen Drogenbeauftragten mit Kabinettsrang sowie die
Schaffung einer nationalen Behörde
zur Vorbeugung gegen Drogenkonsum.
Vorbeugende Maßnahmen wird im Kampf
gegen Rauschgift überragende Bedeutung zuerkannt.
Diese beginnen in
der Familie, weshalb auch Eltern und
Erziehungsberechtigte
verantwortlich
dafür zu sein hätten, den Gebrauch
verbotener Drogen aller Personen im
Haushalt zu verhindern.
In allen
Kommunen sollen Elternvereinigungen
eingerichtet werden, um rechtzeitig
Informationen und Rat zu geben und
nicht zu warten, bis die Kinder mit
Drogen bereits in Berührung gekommen
sind. Für die Jugend sollten mehr
als bisher Begegnungszentren einge-

richtet werden, in denen ein drogenfreies Leben anschaulich und überzeugend demonstriert und von jungen Menschen der verschiedensten sozialen,
kulturellen und ethnischen Herkunft
selbst geplant und organisiert wird.
Schulen, Colleges und Universitäten sind gehalten, den Konsum von
Rauschgift generell und von Alkohol
für Minderjährige zu verbieten. In
die Lehrpläne für alle Altersstufen
müssen auch die neuesten Informationen über die Gefahren von Drogen,
über die zu erwartende Bestrafung und
über Therapiemöglichkeiten bzw. Therapiemaßnahmen
eingebaut
werden.
Lehrer aller Schulformen und Fachrichtungen müssen für die staatliche
Anerkennung ihre Kenntnisse über Fragen, die mit Drogen und Alkohol zusammenhängen, nachweisen.
Nicht nur in Behörden aller Art,
sondern auch in der Privatwirtschaft,
bei Gewerkschaften und Angestelltenverbänden sei unter allen nur erdenklichen Aspekten eine "Anti-Drogen-Politik", unter anderem mit Erziehungsund
Rehabilitationsprogrammen
und,
falls erforderlich, mit Drogentests
sowie mit Spezialkursen für Personen
in leitender Funktion durchzusetzen.
Die Arbeitgeberanteile bei Versicherungen für die Sektoren Haftpflicht,
Krankenversicherung und Krankengeld
sollen für Unternehmen, die Anti-Drogen-Programme eingeführt haben, gesenkt werden.
Bundesstaatliche und einzelstaatliche Behörden sowie Kommunalverwaltungen sollen die Therapiekapazitäten
für Suchtkranke wesentlich erweitern.
Dazu gehören unter anderem die Verstärkung des Personals in den zuständigen Institutionen, deren Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen
Bundesstaaten hinaus und die Einführung stärker gegliederter und vielfältiger Behandlungsmodalitäten. Soweit möglich soll der Patient die
Therapiekosten selbst tragen.
Das Ergebnis einer Narkotika-Therapie soll anhand standardisierter,

�objektiver Methoden bewertet werden,
die das Amt für Alkohol-, Drogenmißbrauch und Geistige Gesundheit (Alcohol, Drug Abuse and Mental Health Administration - ADAMHA) entwickelt.
Therapieprogramme sollen primär auf
ihrer Wirksamkeit, dem Nutzeffekt und
dem Prozentsatz der Klienten, die danach drogenfrei bleiben, basieren.
Das Bundesministerium
für Gesundheits- und Sozialwesen
setzt eine
multidisziplinäre Arbeitsgruppe ein,
die den gegenwärtigen und künftigen
Personalbedarf für den Therapiesektor
untersucht und entsprechende Empfehlungen gibt.
Die Träger von Therapiemaßnahmen
haben dafür zu sorgen, daß die Therapeuten mit der Familie, mit der Schule, mit sozialen Diensten und der Justiz in jedem einzelnen Fall zusammenarbeiten.
Staatliche und lokale
Behörden sollen die Bereitstellung
der Mittel für alle gerichtlich verfügten Therapiemaßnahmen gewährleisten.
Die medizinischen Fakultäten
der Universitäten und Fachhochschulen
müssen eine umfassende Ausbildung für
die Diagnose und Behandlung Drogensüchtiger in ihre Lehrpläne aufnehmen. Die Bundesregierung soll außerdem einen AIDS-Ausbildungskursus entwickeln, der von allen in der Drogentherapie tätigen Personen absolviert
werden muß.

1963 in New York galt "Daytop Village" als die erste drooenfreie Wohngemeinschaft in den Vereinigten Staaten. Mit Selbsthilfe und Unterstützung durch die Familien Süchtiger
wurden Tausende von Männern, Frauen
und Kindern rehabilitiert. Die Einrichtung in New York diente als Vorbild für viele weitere Rehabilitationszentren in den USA und in 40 anderen Ländern. Im Raum New York werden laut Stan Satlin, dem Sprecher
der Organisation, gegenwärtig 1 600
Personen in DAYTOP-Zentren behandelt.
Satlin konnte keine Angaben darüber machen, wieviele Suchtkranke
derzeit in Deutschland, Großbritannien, Italien, Irland, Schweden, Argentinien oder auf den Philippinen
von DAYTOP-Programmen erfaßt sind.
Er verwies aber darauf, daß 92 Prozent der Rehabilitanten ein drogenfreies Leben führten, nicht auf die
Hilfe anderer angewiesen seien, verantwortungsbewußt handelten und vielfach selbst ähnliche Programme in aller Welt eingeführt hätten. Nach der
DAYTOP-Methode
steht der Süchtige
ständig unter strikter Kontrolle seiner unmittelbaren Umgebung, bis feststeht, daß die Therapie erfolgreich
war. (Anfragen können gerichtet werden an "DAYTOP for a Drug Free World,
59 West 40th Street, New York, New
York 10018.)

Der amerikanischen Regierung wird
empfohlen, die diplomatischen Bemühungen sowie den Rechtsvollzug zur
Durchsetzung einer besseren internationalen Kontrolle und Bekämpfung von
Rauschgiften weiter zu intensivieren.
Die im Ausland unterstützten Maßnahmen, die bisher meist der Vernichtung
von Anbauflächen für Drogenpflanzen
galten, sollten mehr auf die Aushebung und Zerstörung von Drogenlabors
und
Produktionsausrüstung
konzentriert werden.
Das älteste amerikanische Zentrum
zur Vorbeugung und Drogentherapie,
DAYTOP, wurde im Oktober 25 Jahre
alt. Zur Zeit seiner Gründung durch
Monsignore William O'Brien im Jahr
- 3 -

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Wirtschaft

2. November 1988

40

ZUSAMMENARBEIT FÜR EIN VEREINTES EUROPA
- Von C. William Verity -

Der folgende Artikel des amerikanischen Handelsministers wurde am 26. Oktober
1988 im Journal of Commerce veröffentlicht:
Die aus zwölf Staaten bestehende
Europäische Gemeinschaft hat sich ein
ehrgeiziges Programm vorgenommen, um
zu vollenden, was sie vor über 30
Jahren begonnen hatte: Den Abbau interner
Handelshemmnisse
und die
Schaffung eines einzigen großen Binnenmarktes bis 1992 mit Freizügigkeit
für Güter, Menschen und Dienstleistungen. Das Ergebnis wird ein Markt
von vier Billionen Dollar mit über
340 Millionen Verbrauchern sein.
Jeder Wirtschaftsbereich in Europa wird hiervon berührt werden, sei
es in Form von neuen gemeinsamen
Zolldokumenten, harmonisierten Produktnormen und der Liberalisierung
des Kapitaltransfers bis zur Harmonisierung der Richtlinien für Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das EG-Programm hat schon an Schwungkraft zugenommen, aber es bleibt noch
viel zu tun.
Für die Vereinigten Staaten ist
die erfolgreiche Schaffung eines gemeinsamen europäischen Marktes von
enormem Interesse. Die EG ist bei
weitem unser größter Handelspartner.
Zählt man die amerikanischen Exporte
in die EG und die Lieferungen von in
Europa
ansässigen
amerikanischen
Tochtergesellschaften
zusammen, so
belief sich der Gesamtumsatz amerikanischer Unternehmen in der Europäischen Gemeinschaft im vergangenen
Jahr auf über 500 Milliarden Dollar.
Das ist mehr als das Doppelte des
amerikanischen Absatzes in Kanada und
über dreimal so viel wie der Absatz
von amerikanischen Produkten in Japan.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�EG-Schätzungen zufolge könnte der
Abbau gegenwärtig bestehender Handelsschranken und die Vollendung des
Binnenmarktes zu einem Anstieg der
europäischen Produktionsleistung um
260 Milliarden Dollar führen. Das
bedeutet einen erheblichen Zuwachs
der europäischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen - einschließlich amerikanischer Güter und
Dienstleistungen.
Die gesamte Weltwirtschaft wird
von einem europäischen Binnenmarkt
profitieren. Der Abbau von Schranken
innerhalb der EG wird einige der
strukturellen Verkrustungen aufbrechen, die in den vergangenen Jahren
die Wachstumsrate in Europa so niedrig hielten. Die Unternehmen werden
konkurrenzfähiger werden, da sie sich
die kontinentale Dimension des Marktes zunutze machen können.
Dies
sollte zu einer erhöhten Beschäftigungsquote führen und eine dauerhaft
robuste europäische Wirtschaft nach
sich ziehen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen den Abbau von Binnengrenzen
innerhalb Europas und die Vollendung
des "Gemeinsamen Marktes".
Dies findet nicht nur aus - auf
der Hand liegenden - politischen,
sondern auch aus wirtschaftlichen
Gründen unsere Unterstützung.
Im
Großen und Ganzen bestehen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft offene Handelsbeziehungen. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie etwa europäische Subventionen für Landwirtschaft und Kohle.
Aber insgesamt hat der bilaterale
Handel zugenommen und beiden Seiten
Vorteile verschafft. Seit 1965 war
der Handel der Vereinigten Staaten
insgesamt mit Europa in etwa ausgewogen. Tatsächlich konnten wir einen
leichten Überschuß erzielen.
Die Offenheit im Handel der Vereinigten Staaten mit der EG könnte
sich infolge des Programms von 1992
verändern.
Es darf keine "Festung
Europa" geben. Protektionismus würde

das gesamte Konzept für 1992 zerstören.
Die europäische Industrie kann
weltweit keinesfalls wettbewerbsfähiger werden, wenn sie sich dem Wettbewerb gegenüber abschottet. Die Planer des europäischen Programms für
1992 - weitsichtige europäische Politiker und Industrievertreter - haben
das erkannt. Sie wollen eine "Festung Europa" verhindern.
Bedauerlicherweise sind die Planer des Binnenmarktes ins Kreuzfeuer
der Kritik geraten. Es gibt Anzeichen dafür, daß Rückfälle, engstirnige Eigeninteressen und Protektionismus zunehmen könnten, je näher das
Jahr 1992 heranrückt. Wir müssen besorgt darüber sein, daß bestimmte Interessengruppen die Durchführung der
Liberalisierung verzögern oder die
Vorteile der Liberalisierung außereuropäischen Firmen nicht zugänglich
machen wollen.
F.s gibt zum Beispiel Stimmen in
Europa, die ein Prinzip der Gegenseitigkeit fordern, das auf ausländischen Märkten nahezu identische
Vorschriften fordert, bevor die Vorzüge einer Liberalisierung im Rahmen
der EG gewährt werden. Dieses Konzept ist vor allem im Zusammenhang
mit Dienstleistungen der Handelsbanken erwähnt worden, die gegenwärtig
nicht vom allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen erfaßt werden. Wie vorgeschlagen, würde Gegenseitigkeit zu
einer Absage an die Bearbeitung auf
nationaler Ebene führen, die bisher
für internationales Investment galt
und könnte amerikanische Unternehmen
ernsthaft gefährden. Die Vereinigten
Staaten sollten das nicht akzeptieren.
Die Regierung
der Vereinigten
Staaten muß eng mit der EG-Kommission
und den Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten, um das Konzept von 1992 zu
bewahren und sicherzustellen, daß ein
EG-Markt wirklich offen ist. Wenn
spezielle Interessen dieses Ziel gefährden, müssen wir etwas dagegen unternehmen.

- 2 -

*

(

\

�Ich möchte den Vorschlag unterbreiten, daß die Vereinigten S aaten
und die Europäische Gemeinschaft eine
Reihe bilateraler Beratergruppen für
verfahrenstechnische Fragen und Vorschriften ins Leben rufen, die Wege
empfehlen, wie wir unsere Zielsetzungen im Hinblick auf die Vorschriften
erreichen und gleichzeitig miteinander zu vereinbarende wirtschaftliche
Umfelder schaffen können. Ich hoffe,
die EG wird diesen Vorschlag unterstützen.
i

i

Im Januar wird in Brüssel eine
neue EG-Kommission ihre Arbeit aufnehmen.
Gleichzeitig wird in den
Vereinigten Staaten eine neue Administration ihr Amt antreten. Eine neuerlich
eingegangene
Verpflichtung
wird in der Europäischen Gemeinschaft
im Hinblick auf das Grundkonzept des
Binnenmarktes und die Vorteile, die
ein offener und einheitlicher EGMarkt für die Bürger Europas und die
Weltwirtschaft mit sich bringt, erforderlich sein. Wir müssen mit Europa zusammenarbeiten, um diesen Erfolg sicherzustellen.

* * * * * *

- 3 -

�</text>
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