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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON**

37

12. Oktober 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Taft hält Einigung über Bericht zur Lastenverteilung für
wahrscheinlich
- Der Stellvertretende Verteidigungsminister bei der

NATO-Pcessekonferenz -

HINTERGRUNDMATERIAL
Quayle und Bentsen behandeln viele Themenkreise
- Artikel zur Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Legalisierung von Drogen wäre unverantwortlich
- Amerikanische Politiker und Drogenexperten vor ausländischen
Journalisten -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12. Oktober 19(

37

TAFT HÄLT EINIGUNG ÜBER BERICHT ZUR LASTENVERTEILUNG FÜR WAHRSCHEINLICH
-Der Stellvertretende Verteidigungsminister bei der NATO-Pressekonferenz-

BRUSSEL - (AD) - Innerhalb der NATO besteht Einigkeit darüber, daß die Bedrohung des Bündnisses "militärische Bedingungen erzwingt", die dem Stellvertretenden amerikanischen Verteidigungsminister William H. Taft zufolge einen
effizienteren Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen und mehr Mittel
zur Durchführung aller Aufgaben erfordern.
Bei einer Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier in Brüssel verlieh Taft am
5. Oktober seiner Hoffnung Ausdruck, daß sich dies auch in dem gegenwärtig für
das Treffen der NATO-Verteidigungsminister im Dezember vorbereiteten Bericht
zur Lastenverteilung widerspiegeln wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Ich werde nicht viel von der uns
für Fragen zur Verfügung stehenden
Zeit beanspruchen, möchte aber dennoch eine kurze Erklärung zu meinem
Europa-Besuch abgeben.
Heute morgen
habe ich hier in Brüssel Gespräche
mit Vertretern der NATO geführt. Der
Hauptgrund dieses Besuchs ist eine
Überprüfung zum gegenwärtigen Stand
des Berichts, den die Arbeitsgruppe
den
NATO-Verteidigungsministern
im
Dezember zur Beurteilung der Aufgaben, Risiken und Pflichten des Bündnisses und deren gerechter Verteilung
vorlegen wird.
Die Arbeit an diesem Bericht wurde im Mai aufgenommen. Sie hat gute
Fortschritte gemacht, und wir haben
mit den ständigen Vertretern Punkte
besprochen, die unserer Ansicht nach

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dort Eingang finden sollen - und von
denen viele auch berücksichtigt wurden - sowie Punkte, die noch hinzugefügt werden müssen, damit der Bericht
für das Bündnis von größtmöglichem
Nutzen ist. Mein Empfang dort und
die von allen Delegierten und insbesondere vom Generalsekretär eingenommene konstruktive Einstellung zu dieser Aufgabe haben mir Mut gemacht.
Ich werde noch weitere Hauptstädte Luxemburg, Den Haag, Bonn, Rom und
Madrid - besuchen, dort im Laufe der
nächsten Woche das Problem der Lastenverteilung
wie auch
bilaterale
Fragen erörtern
und nächste Woche
nach Washington zurückkehren.
Jetzt
zu Ihren Fragen.
Frage:
Könnten Sie nähere Ausführungen zu den Punkten machen, die

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�von der Arbeitsgruppe noch nicht aufgenommen worden sind, der Regierung
zufolge aber in dem Bericht enthalten
sein sollten?
Antwort:
Ich möchte dazu lediglich sagen, daß der Entwurf noch
nicht vollständig ist. Es geht hier
nicht um das grundsätzliche Problem,
welche Ansätze enthalten sein sollten
oder nicht.
Ich wollte mit meiner
Aussage nur deutlich machen, daß einige Abschnitte des Berichts noch
nicht geschrieben worden sind.
Frage:
Sie haben kürzlich in
einer
Worldnet-Ansprache
auf
drei
Ländergruppen verwiesen: solche, die
überdurchschnittlich
oder
durchschnittlich viel leisten und solche,
die erheblich unter dem Durchschnitt
liegen. Dabei haben Sie fünf Länder
erwähnt, die weniger leisten als der
Durchschnitt. Ist im Nordatlantikrat
etwas getan worden oder wird etwas
getan, damit diese Länder den Erwartungen gerecht werden?
Antwort:
Die notwendigen Maßnahmen können im Grunde nur in den
Hauptstädten getroffen werden, indem
man mehr Mittel für die Verteidigung
aufwendet.
Der Rat drängt bereits
die
Länder
mit
unterdurchschnittlichen Leistungen, ihre Anstrengungen
zu erhöhen, so daß hier keine weiteren Maßnahmen erforderlich sind. Ich
weiß, daß der Rat sein Augenmerk nach
wie vor auf diesen Punkt richtet.
Natürlich sind darauf Reaktionen erfolgt, und die Verpflichtungen und
Mittel müssen aus den einzelnen nationalen Haushalten der betreffenden
Länder kommen. Ich möchte dazu noch
sagen, daß meine Bezeichnung der Ländergruppe keineswegs ein Hinweis darauf sein sollte, andere Länder - einschließlich der Vereinigten Staaten müßten nicht auch mehr leisten oder
sich tatsächlich an die vom Ministerrat ausgesprochenen Forderungen nach
mehr Mitteln halten:
eine allgemein
geltende Aufstockung der Mittel um
drei Prozent jährlich.
Frage:

Das

Konzept

oder

die

Aussicht den gemeinsamen Europäischen
Binnenmarkt im Jahr 1992 scheint bei
den Vereinigten Staaten gleichzeitig
Hoffnung
und Furcht hervorzurufen.
Hoffnung
vielleicht, weil sie der
Auffassung sind, ein stärkeres Europa
könnte einen größeren Teil der Last
tragen und Furcht, weil sie in einem
stärkeren Europa einen härteren Konkurrenten sehen. Wie denken Sie darüber?
Antwort:
Meine
Hoffnungen
übertreffen all unsere möglichen Einwände bei weitem.
Und unsere möglichen Einwände hätten nichts damit
zu tun, daß die Europäische Gemeinschaft ein härterer Konkurrent wäre.
Unserer Ansicht nach bringen harte
Konkurrenten andere harte Konkurrenten hervor und ermutigen uns, ein
starker Konkurrent zu werden, was wir
begrüßen.
Daraus ergeben sich auch
stärkere
Handelspartner,
was
den
Wohlstand unseres Volkes und der Menschen in Europa mehrt.
Wir sind also sehr optimistisch
im Hinblick auf die Vorteile, die
sich die Europäer selbst von diesem
für 1992 geplanten Schritt erhoffen.
Und wir sehen auch für uns große Vorteile aufgrund der damit einhergehenden höheren Qualität der europäischen
Wirtschaft wie auch aufgrund der sich
für uns daraus ergebenden Herausforderung.
Aus dem steigenden Wohlstand, zu dem Europa in den vergangenen 20 Jahren gelangt ist, haben sich
für die amerikanische Wirtschaft keine Nachteile ergeben. Ganz im Gegenteil: Es war ebensosehr zum Vorteil
der vereinigten Staaten wie Europas.
Ähnlich liegen die Fälle in Japan und
bei unseren anderen Handelspartnern:
je besser es ihnen geht, umso besser
geht es uns.
Die einzigen Einwände, die wir in
diesem
Zusammenhang
haben
könnten,
beträfen
Handelsschranken, die bei
der Schaffung des Binnenmarktes gegenüber Ländern außerhalb der Gemeinschaft zusätzlich zu den bereits bestehenden errichtet werden könnten.
Unser Anliegen im Verteidigungsmini-

�sterium gilt natürlich
insbesondere
dem Gerät zur Verteidigung. Aber es
gilt gleichermaßen auch für andere
Waren. Wenn die Europäische Gemeinschaft dazu übergehen würde, protektionistische Schranken zu errichten,
wäre das sehr bedauernswert.
Aber
das würde, wie ich bereits erwähnt
habe, nicht im Interesse der Gemeinschaft liegen und sollte auch nicht
durchgeführt werden.
Vielmehr liegt
eine starkes Gleichgewicht in ihrem
Interesse, was auch in den Vereinigten Staaten Unterstützung findet.
Frage:
Können Sie bestätigen,
ob Herr Carlucci auf sein kürzlich an
die europäischen Mitglieder der Gruppe, die unter das "unabhängige europäische Gruppenprogramm" fällt - das
sich hauptsächlich mit der Rüstungszusammenarbeit europäischer Bündnispartner
beschäftigt
gerichtetes
Schreiben von irgendeinem Land auf
seine Bitte, keine Handelsschranken
für Material oder Waffen zu errichten, bereits eine positive Antwort
erhalten hat?
Antwort:
darunter auch
erhalten.

Wir
haben
einige,
zustimmende, Antworten

Frage:
Lastenverteilung
wird
vielfach als gerechte Verteilung von
Aufgaben
und Pflichten
bezeichnet,
und ich frage mich, in welchem Umfang
die verschiedenen Aktivitäten darauf
Einfluß nehmen?
Antwort:
Meiner
Ansicht
nach
waren die von verschiedenen - in der
Regel nicht von allen, das heißt,
aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituationen nie von allen - Mitgliedern des Bündnisses unternommenen
Aktivitäten in bündnisfremden Gebieten im vergangenen Jahr eine sehr begrüßenswerte Entwicklung, insbesondere die Beteiligung zahlreicher Verbündeter durch Förderung der WEU im
Persischen Golf.
Diese in den Vereinigten Staaten anerkannten und begrüßten
Aktivitäten
gereichen
dem
Bündnis und denjenigen Partnern, die
sich ausdrücklich daran beteiligt ha-

ben, zur Ehre.
Diese Aktivitäten gehen über den
Rahmen des üblichen Blickwinkels, der
Übungen und Aktivitäten des Bündnisses hinaus, die zur Sicherheit der
NATO beitragen. Ganz sicher auch der
Begleitschutz und die Friedenssicherung im Golf. Der Schutz der Schifffahrt in der Region hat wesentlich
zur Stabilität und zum Schutz wichtiger Energiequellen und darüber hinaus
erheblich zum Waffenstillstand
zwischen Iran und Irak beigetragen. Bis
zu dessen Vereinbarung stellte der
Krieg eine ständige Bedrohung für die
Energiequellen
dar, von denen das
Bündnis und das gesamte Westeuropa
abhängen. Das war also eine gute Sache. Jeder Fall muß jedoch gesondert
betrachtet werden. Aber es gibt natürlich Fälle wie diese, bei denen
das Bündnis selbst - sowohl im Hinblick auf die Einstellung dazu als
auch tatsächlich - durch solche gemeinsamen Aktionen in bündnisfremden
Gebieten gestärkt wird.
Frage:
Könnten Sie noch etwas
zu dem Bericht über die Lastenverteilung sagen:
in welchem Stadium er
sich befindet, ob bereits im Vorfeld
bestimmte Empfehlungen gegeben wurden
und welche Ergebnisse er Ihrer Ansicht nach bei seiner- Veröffentlichung im Dezember hervorbringen wird?.
Antwort:
Er macht Fortschritte, die meisten Abschnitte liegen bereits im Entwurf vor, aber es muß
noch sehr kritisch daran gearbeitet
und die Zustimmung aller eingeholt
werden.
Die verschiedenen Delegierten müssen Gelegenheit zur Überprüfung und zu eingehenden Überlegungen
erhalten, bevor sie den gesamten Inhalt unterschreiben können. Und dieser Prozeß liegt jetzt vor uns. Und
natürlich wird keine endgültige Zustimmung gegeben werden, bevor nicht
alle Minister den Text gesehen haben
- erst dann wird man Übereinkommen,
daß dies der Bericht ist.
Das ist
das Schwierigste daran, sich zu versichern, daß innerhalb des Bündnisses
ein Konsens zu den Problemkreisen und

�den im Bericht
besteht.

enthaltenen

Punkten

Meiner Ansicht nach besteht Einigkeit bei einigen wichtigen Dingen,
die ich in dem Bericht enthalten erwarte. Es besteht Einigkeit darüber,
daß die Bedrohung für die Sicherheit
der NATO als militärisches Problem
bestehen bleibt, das militärische Bedingungen im Bündnis erzwingt, an deren Schaffung wir gemeinsam arbeiten
müssen, und das wird einen effizienteren und wirtschaftlicheren Einsatz
der zur Verfügung stehenden Ressourcen und noch mehr Mittel erfordern.
Meiner Ansicht nach besteht Einigkeit darüber, daß die Erarbeitung
von Normen wünschenswert ist, um zu
bestimmen, wie die Pflichten gerecht
verteilt werden sollen. Das ist keine leichte Aufgabe, weil die Beiträge, Risiken und Pflichten auf sehr
unterschiedliche Art und Weise übernommen werden - manchmal finanziell,
manchmal auf andere Weise.
Und wir
müssen sicher sein, daß sich jeder
darüber
bewußt
ist, was geleistet
wird und das auch anerkennt.
Dabei
sind gute Fortschritte erzielt worden, es gibt jedoch noch keine Zustimmung aller Seiten, und es ist
noch nicht erschöpfend behandelt worden. Aber das ist sicher eine wichtige Aufgabe, der sich die Verfasser
des Berichts verschrieben haben - die
Aufstellung von Verhaltensnormen, die
im gesamten Bündnis Zustimmung und
Unterstützung finden - wenn bestimmte
Länder Anstrengungen gegen sie richten - darüber, wer was tut und ob es
fair gegenüber den anderen ist. Oder
ob mehr getan werden sollte, oder ob
jemandem eine Aufgabe abgenommen und
jemand anderem übertragen werden soll.
Dies sind die Hauptpunkte, die in
den Bericht aufgenommen werden und
die ich in der Endfassung des Bericht
in verschiedenen Formen wiederzufinden hoffe.
Frage:
Mr. Taft, sind Sie der
Ansicht, daß die dreiprozentige Zuwachsrate bei den Verteidigungsausga-

ben immer noch ein wichtiger Bestandteil für die NATO ist, und könnten
Sie noch näher darauf eingehen, welche Elemente abgesehen vom Verteidigungshaushalt bei der Lastenverteilung berücksichtigt werden müssen?
Antwort:
Ich vertrete die Auffassung, daß für die militärischen
Bedingungen, die die Streitkräfte erfüllen müssen und zur Gewährleistung
einer wirkungsvollen Abschreckung gegen den Warschauer Pakt und die Sowjetunion sicher drei Prozent zur Finanzierung dieser Bedingungen benötigt werden. Wir haben bei der NATO
Mängel festgestellt:
Mängel bei der
Truppenstruktur, bei Ausbildung und
Munition, Mängel auch bei der Modernisierung - dem könnte man mit mehr
Geld
besser
gerecht
werden.
Die
dreiprozentige
Zuwachsrate
bei den
Ressourcen, die 1979 als jährliches
Ziel festgesetzt wurde, ginge in keiner Weise über die Bedingungen hinaus, wie wir sie vorfinden. Als militärisches Problem und als Frage der
Sicherheit scheint mir das Ziel der
drei Prozent heute noch dieselbe Gültigkeit zu besitzen wie zur Zeit seiner Festsetzung, und es bleibt eine
angemessene Reaktion auf unsere Gegebenheiten.
Wenn wir die Ergebnisse beim Abbau der Spannungen hervorbringen wollen, wie wir sie in den vergangenen
drei oder vier Jahren erstmals beobachten konnten, wenn wir deren Fortsetzung wünschen, müssen wir unsere
Bereitschaft zur Finanzierung der Bedingungen für unsere Sicherheit dokumentieren, die meiner Ansicht nach zu
diesem Abbau der Spannungen geführt
haben.
Sollten die Bedingungen im
militärischen
Bereich
der
einzige
Faktor sein, der als Triebfeder für
diese Beschlüsse dient?
Im Hinblick
auf die Mittel, die von den NATO-Ländern schon heute für die Sicherheit
aufgewendet werden, sollte dies der
Fall sein. Wenn ein Land zehn oder
15 Prozent
seines Bruttosozialprodukts für Verteidigung bereitstellen
würde, könnten wir sagen:
natürlich
ist eine dreiprozentige Zuwachsrate

�unvernünftig, weil damit der Volkswirtschaft
dieses
Landes
eine
zu
große Last aufgebürdet würde.
Das
tut jedoch kein Land.
Kein Land
zwingt heute seiner Volkswirtschaft
solche Kosten auf, daß es sich keine
dreiprozentige Erhöhung leisten könnte, die gerade dem Wachstum - und in
vielen Fällen einem geringeren Wert entsprechen würde, das viele Länder
für ihre gesamte Vokswirtschaft prognostizieren.
Beim
gegenwärtigen
Stand der Dinge würde ich dies als
eine erschwingliche Aufstockung betrachten, und im militärischen Bereich sollten die Bedingungen dafür
akzeptiert und erfüllt werden.
Frage:
Werden
in dem Bericht
Zielsetzungen für die einzelnen Länder erwähnt, die die Verbündeten dann
als neue Ziele akzeptieren werden?
Antwort:
Ich denke nicht, daß
über das von den Ministern festgelegte und von einigen Ländern schon vor
einiger
Zeit akzeptierte Ziel der
drei Prozent hinaus neue Überlegungen
erwogen werden, und ich würde auch
nicht darauf drängen.
Frage:
Vielleicht
habe
ich
mich nicht klar genug ausgedrückt.
Wird der Bericht genaue Zielsetzungen
für einzelne Länder aufstellen?
Es
geht doch hier wohl nur um Finanzen?
Antwort:
Nein.
Der
Bericht
könnte jedes einzelne Land eingehender behandeln.
Das muß meiner Ansicht nach in der Endfassung des Berichts entschieden werden.

* * * * * *

- 5

�^°J^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

&amp;

37

12. Oktober 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

QUAYLE UND BENTSEN BEHANDELN VIELE THEMENKREISE
Artikel zur Fernsehdebatte der Vizepräsidentschaftskandidaten

WASHINGTON - (AD) - Am 5. Oktober erklärten Dan Quayle und Lloyd Bentsen
einer großen Schar von Fernsehzuschauern im ganzen Land, warum sie jeweils
nächster Vizepräsident der Vereinigten Staaten werden sollten und nicht ihr
Gegenkandidat.

Bei
ihrem
Rededuell
in Omaha
(Nebraska)
legten
beide
Kandidaten
ihre Auffassungen
zu einer großen
Bandbreite von innen- und außenpolitischen Themen dar, wobei der Demokrat
Bentsen
die
Leistungen
der
Reagan-Regierung kritisierte und der
Republikaner Quayle die Politik von
Dukakis als Gouverneur
von Massachusetts angriff.

stungen als auch Erfahrung in Betracht", erklärte Quayle.
"Und eine
der Leistungen, die mich mit dem
größten Stolz erfüllen, ist meine Urheberschaft beim Partnerschaftsgesetz
zur beruflichen Ausbildung, in dessen
Rahmen mehr als drei Millionen wirtschaftlich benachteiligte Jugendliche
und Erwachsene eine Ausbildung und
Anstellung erhielten."

Quayle verteidigte seine Befähigung als Mitstreiter von George Bush
und bezeichnete sich "als meistüberprüften Anwärter für ein öffentliches
Amt" , da die Medien ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf seinen Dienst
in der
Nationalgarde
während
des
Vietnamkrieges und seine Schulnoten
gerichtet hatten.
"Wenn man die Befähigung prüft, zieht man sowohl Lei-

Auf die Frage nach seiner erfolglosen Kandidatur für die Präsidentschaft im Jahr 1976 noch während seiner ersten Amtsperiode im Senat räumte Bentsen ein, "die Bewerbung war
keine gute Idee", fügte aber hinzu,
"heute wollen wir erneut versuchen,
das Erfahrungsspektrum und die Reife
der Person zu beurteilen, die eine
Aufgabe dieser Art übernehmen will."

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�Bentsen erklärte, bei dieser Debatte ginge es "um die Präsidentschaft selbst" da ein Vizepräsident
"ohne Spielraum für Fehler und ohne
Vorbereitungszeit"
einspringen
und
das Land regieren muß, falls der Präsident dazu aus irgendeinem Grund
nicht in der Lage sein sollte.
Bentsen wurde zu seiner abweichenden
Meinung
über
verschiedene
wichtige Themen gegenüber Dukakis befragt
und
erklärte,
"es
bestehen
einige
Meinungsverschiedenheiten,
aber insgesamt gibt es viele Bereiche
der Übereinstimmung."
Der Gouverneur
von Massachussetts "wollte kein Abbild seiner selbst", als er seinen
Kandidaten
für
die
Vizepräsidentschaft wählte, erklärte Bentsen und
fügte hinzu, er sei "erfreut und
stolz, mit ihm gemeinsam zu kandidieren" .
Quayle erklärte, "im Hinblick auf
die drei wichtigsten Herausforderungen, denen sich Amerika stellen muß Rüstungskontrolle und nationale Sicherheit, Arbeits- und Ausbildungsplätze und das Haushaltsdefizit - habe ich mehr Erfahrung und mehr aufzuweisen als der Gouverneur von Massachusetts.
Ich war Kongreßabgeordneter und habe an diesen Problemen gearbeitet."
"Wenn man Rüstungskontrolle betrachtet und mit der Sowjetunion zu
verhandeln sucht, kann man das nicht
aus einer naiven Haltung heraus tun.
Man muß die Sowjetunion verstehen.
Man muß ihre Reaktion verstehen. Ich
habe acht Jahre im Streitkräfteausschuß des Senats gearbeitet und dort
die Erfahrung zum Umgang mit der Sowjetunion und die Fortsetzung unserer
Beziehungen erworben."
Bentsen, der nicht mit Dukakis
übet die Contra-Hilfe übereinstimmte
- die der Gouverneur als "unmoralisch
und illegal bezeichnet hat -, erklärte, "sein großer Unterschied zu
dieser Regierung besteht darin, daß
sie das Hilfsprogramm für die Contras
als einzige Möglichkeit zur Lösung

dieses Problems betrachtet ...
und
ich bin der Ansicht, wir sollten dem
Frieden eine Chance geben."
Bentsen verwies auf seine Unterstützung des Arias-Friedensplans in
Mittelamerika.
"Ich
vertrete
die
Auffassung, daß man mit den Politikern der anderen mittelamerikanischen
Länder zusammenarbeiten muß, um die
Demokratisierung
Nicaraguas
durch
Verhandlungen, durch Druck, durch Beratung und mit diplomatischen Mitteln
herbeizuführen."
Quayle antwortete darauf, "es besteht kein Zweifel darüber, daß unter
einer Regierung Dukakis die Hilfe an
den demokratischen Widerstand in Nicaragua eingestellt werden wird, und
das ist bedauerlich... Es übersteigt
meinen Horizont, warum die Sowjetunion Milliarden Dollar zur Unterstützung der kommunistisch orientierten Sandinisten aufwenden kann, die
Vereinigten Staaten aber aus irgendeinem Grund dem demokratischen Widerstand nicht ein paar Dollar zufließen
lassen dürfen."
Quayle erklärte ferner, daß sich
Dukakis mit seiner Kritik an der amerikanischen Rettungsaktion in Grenada
- von der er sagte, daß sie von 85
Prozent aller Amerikaner unterstützt
wurde - nicht im Einklang mit dem
überwiegenden Teil der Amerikaner befindet."
Auf die Frage, ob im Fall der
südamerikanischen Drogenkartelle und
des panamaischen Machthabers Manuel
Noriega
militärische Maßnahmen
ergriffen
werden
sollten,
erklärte
Quayle, die Reagan-Regierung
"nutzt
das Verteidigungsministerium zur Koordinierung von Aufklärungsmaßnahmen,
aber meiner Meinung nach sollten wir
das Verteidigungsministerium nicht in
ein Polizeipräsidium umwandeln.
Wir
setzen
unsere militärischen
Mittel
vorsichtig ein, wenn wir gegen einen
Übergriff vorgehen müssen.
Und in
diesem Bereich haben wir bereits Erfolge
erzielt:
70 Tonnen
Kokain
konnten gestoppt werden."

�Bentsen beschuldigte seinen Gegner, im Senat gegen eine Resolution
gestimmt
zu haben, derzufolge die
Vereinigten Staaten mit Noriega keine
Geschäfte machen wollten, und laut
Bentsen habe es zuviele Beamte und
Behörden gegeben, die im Kampf gegen
den Drogenhandel um führende Positionen wetteiferten.
Ihm zufolge würde
eine
Regierung
unter
Dukakis
"im
Kampf gegen Drogen einer Person die
Leitung übertragen und sie für ihre
Arbeit mit den entsprechenden Ressourcen ausstatten."
Auf die Frage, ob er einen realistischen Plan zur Befreiung amerikanischer Geiseln im Nahen Osten habe, erklärte Bentsen: "Das ist eines
der
schwierigsten
Probleme,
denen
sich jeder Leiter der Exekutive gegenübersehen wird ... aber wir sollten uns darüber im klaren sein, daß
man nicht hingehen und geheime Geschäfte
mit
dem
Ajatollah
machen
kann.
Man darf keine Waffen gegen
Geiseln tauschen. Wenn man das tut,
ermutigt man
zweifellos noch mehr
Geiselnahmen."
Alles, was getan werden kann, ist
Bentsen zufolge "weiterhin Druck ausüben, vor
allem
jedes
verfügbare
diplomatische Druckmittel einzusetzen
sowie darüber hinaus jede Art von
wirtschaftlichem
Druck
auszuüben,
wenn das möglich ist."
Quayle erklärte, der Tausch Waffen gegen Geiseln sei falsch.
"Wie
soll das durchgeführt werden?
Niemand weiß die Antwort darauf.
Wenn
sie bekannt wäre, würden wir das sicherlich tun. Aber wir versuchen es
weiterhin. Wir halten die Tür offen.
Und möglicherweise werden eines Tages
der Iran und andere Geiselnehmer in
die zivilisierte internationale Staatengemeinschaft zurückkehren wollen.
Sie können das jetzt tun, indem sie
die unrechtmäßig festgehaltenen Geiseln freilassen."
Auf die Frage nach seiner Politik
zum Abbau des Haushaltsdefizits erklärte Bentsen, er würde "eine ag- 3

gressive Handelspolitik verfolgen...
dem Handel erste Priorität einräumen
und ihn nicht zugunsten einer außenpolitischen
Zielsetzung
des Augenblicks vernachlässigen."
Quayle erklärte, eine Möglichkeit
zum Abbau des Haushaltsdefizits bestünde darin, dem Präsidenten das selektive Veto zu gewähren, mit dem 43
Gouverneure gegen einzelne Programme
stimmen
können, ohne
die
gesamte
Haushaltsvorlage zu zerstören.

�AMERIKA DIENST
' V O N **

Wissenschaft und Technik

12. Oktober 1988

37

LEGALISIERUNG VON DROGEN WÄRE UNVERANTWORTLICH
- Amerikanische Politiker und Drogenexperten vor
ausländischen Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Bis Dezember 1988 soll ein Dokument unterschriftsreif
ausgearbeitet sein, das die Bekämpfung des internationalen Diogenhandels merklich erleichtern dürfte:
Es verlangt von UN-Mitgliedstaaten gesetzliche
Grundlagen dafür zu schaffen, daß Geldwäsche verboten wird und Gewinne aus
Rauschgiftschmuggel eingezogen und Besitztümer von Rauschgiftschmugglern beschlagnahmt werden. über den Entwurf verhandeln die Vereinigten Staaten und
mehr als 100 weitere Länder im Rahmen der Vereinten Nationen seit Februar 1985.

Die Vereinbarungen sind dazu angetan, die internationale Zusammenarbeit in der Drogenpolitik zu fördern
und enger zu gestalten. Wie unterschiedlich diese von Land zu Land
noch ist, wurde während eines im September 1988 von der "Stimme Amerikas"
in Washington veranstalteten Seminars
wieder einmal deutlich.
Zwei Wochen
lang diskutierten prominente Journalisten aus Europa, Afrika, Asien und
Lateinamerika Drogenprobleme.
Einer
der Punkte war beispielsweise die
Frage, ob Drogen legalisiert und damit offiziell zum Verkauf freigegeben
werden sollen, um dem Drogenhandel
die Profite zu entziehen.
Von den anwesenden amerikanischen
Politikern, unter ihnen Außenminister
George Shultz (von Beruf National-

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ökonom) und Dr. Donald
Macdonald,
Präsidialberater
für
Drogenpolitik
und Direktor der Abteilung des Weißen
Hauses zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch, wurde diese Idee als "unverantwortlich"
zurückgewiesen.
Man
würde damit etwas legalisieren, was
bekanntermaßen den Menschen schlimmen
Schaden zufüge und sie außerdem in
die Lage versetze, anderen ebenfalls
zu schaden.
Shultz nannte als Beispiel die
Niederlande, wo "liberale Drogenpolitik nicht erfolgreich war". Der bekannte holländische Fernseh Journalist
Gerard Bergers pflichtete ihm bei.
"Unsere liberale Politik... ruiniert
uns. Wir haben 14 Millionen Einwohner
und
15 000
Fälle
schwerster
Rauschgiftsucht.
Legalisierung funk-

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�tioniert nicht", erklärte er. Außenminister Shultz hob hervor, die lebhafte Diskussion in den Vereinigten
Staaten über eine Legalisierung von
Drogen sei ein Zeichen dafür, daß
"wir in diesem Lande unsere Meinung
frei äußern und jede Idee verwirklichen
können".
Das bedeute aber
nicht, daß man solche Ideen auch gutheißen müsse.
Ann Meyer, die Vizepräsidenten
der amerikanischen
"Nationalen Elternföderation für eine drogenfreie
Jugend"
(NFP), verwies darauf, daß
sich jetzt die amerikanische Bevölkerung enger zusammenschlösse, um soziale Normen zu verändern. Die Haltung "keine Toleranz gegenüber Drogen" komme immer stärker zum Ausdruck.
An dieser Entwicklung seien
nicht nur die Eltern, sondern auch
die amerikanischen Medien beteiligt.
Illegaler
Drogenkonsum
werde nicht
mehr einfach ignoriert oder stillschweigend geduldet.
Die NFP-Vizepräsidentin, die im Auftrag des USInformationsamtes
(USIA) Länder
in
Europa, Lateinamerika, Asien und im
Mittleren Osten bereiste, gab dort
wesentliche Anregungen zum Aufbau von
Vorbeugungs-,
Informations- und
Erziehungsprogrammen sowie zur Einrichtung von Organisationen für Eltern
und Jugendliche.
"Wir haben das Problem nicht gelöst und noch einen weiten Weg vor
uns", erklärte sie vor den Teilnehmern des Seminars. Aber es komme Bewegung in die Szene.
"Wir sind dabei, für unsere Kinder einen Wall der
Ermutigung, einen Schutzwall aufzubauen. Und die Jugend bekommt heute
überall zu hören, daß 'Drogenkonsum
nicht akzeptabel1 ist."
Die Herstellung von Drogen und
der Handel damit lähmen die Wirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene - ganz im Gegensatz zu
der Ansicht, man könne sie damit entwickeln
oder
ankurbeln,
erklärte
Shultz.
"Das
Problem
wirtschaftlicher Entwicklung - mit oder ohne
Drogenproblem - verlangt Aufmerksam-

keit... aber ich meine, das Drogenproblem als solches blockiert bereits
die
wirtschaftliche
Entwicklung."
Die Vereinigten Staaten setzten sich
nach wie vor für die Unterstützung
von Ländern ein, die Drogen produzieren, damit sie ihre Agrarwirtschaf t
auf andere Erzeugnisse umstellen und
den Bauern helfen könnten, ihr Einkommen zu sichern.
"Letzten Endes
ist das Ganze eine finanzielle Frage", so shultz, "und wir sollten uns
Mühe geben, alternative Einkommensquellen ausfindig zu machen".
Dr. Macdonald äußerte sich als
absoluter
Gegner der
Legalisierung
von Rauschmitteln. Er lehnte es ab,
auch nur an Diskussionen über dieses
Thema teilzunehmen. Es sei ein Fehler, es im Kongreß überhaupt erörtern
zu wollen.
Illegale Drogen sollten
nach wie vor an allen Fronten bekämpft werden.
Und das Beste, was
die Medien dazu beitragen könnten,
sei die Weitergabe von Informationen
und deren Vermittlung an eine breite
Öffentlichkeit.
Er selbst habe begonnen, sich für den Kampf gegen Drogen einzusetzen, als er entdecken
mußte, daß sein damals 15jähriger
Sohn Drogen nahm. Durch eine elf Monate währende Therapie konnte ihm geholfen werden. Jetzt sei er 24 Jahre
alt und Assistent an einer hervorragenden Universität.
"Therapie kann
großartig und voll wirksam sein, wenn
das
Problem
früh
genug
angepackt
wird."
Macdonald zufolge waren nie zuvor
"die Konsequenzen von Drogenmißbrauch
in diesem Lande schlimmer als jetzt".
Vier von fünf Straftäter hätten den
gerichtlichen Untersuchungen zufolge,
in irgendeiner
Form mit
illegalen
Drogen zu tun gehabt.
Die Zahl der
Menschen, die jetzt in ein Therapieprogramm aufgenommen werden wollen,
sei heute siebenmal höher als vor
zehn Jahren bei der Behandlung Kokainsüchtiger. Und die Zahl der Toten durch Kokain allein liegt zur
Zeit viermal höher als vor vier Jahren.
Die
Infektionen
mit
HIV
(menschliches
Immunschwäche-Virus)

�und AIDS (Syndrom der erworbenen Immunschwäche) hingen zum großen Teil
eng mit Drogenkonsum zusammen, insbesondere bei Fixern, die sich Drogen
spritzen. Große Besorgnis verursacht
die wachsende Zahl der Babies, die
drogengeschädigt zur Welt kommen und
die von der Mutter in der Schwangerschaft oder bei der Geburt mit AIDS
angesteckt werden.
Eine Untersuchung an 36 amerikanischen Kliniken mit Entbindungsstationen ergab, daß nicht nur in
größeren
Städten, sondern auch in
ländlichen Regionen ca. elf Prozent
der Frauen während der Schwangerschaft illegale Drogen genommen hatten.
Dies lasse auf das ganze Land
übertragen nach Meinung mancher Fachleute befürchten, daß jährlich bis zu
375 000 Babies mit
drogenbedingten
Gesundheitsschäden
zur Welt
kommen
könnten.
Gerade Kokain bedeute ein
großes Risiko für das Kind, selbst
wenn das Gift nur kurzfristig oder
nur zu Beginn der Schwangerschaft genommen wurde.
Es könne beim Fötus
Schlaganfälle mit Lähmungen, schwere
Gehirnschäden und Mißbildungen an inneren
Organen
verursachen.
Selbst
das häufig als "harmlos" angesehene
Marihuana könne zahlreiche neurologische Störungen und eine oft bedenkliche
Entwicklungsverzögerung
beim
Kind hervorrufen.
Ab 1989 soll ein einfacher Bluttest an jedem dritten Neugeborenen
mehr Erkenntnis darüber bringen, wie
groß der Durchseuchungsgrad mit AIDS
unter Frauen im gebärfähigen Alter
ist. Die Studie wird anonym durchgeführt, Namensnennungen oder Berichte
an
infizierte Personen bzw. deren
Arzte gibt es nicht. Die Blutproben
werden bei den Tests abgezweigt, die
an jedem Neugeborenen routinemäßig mit Entnahme eines Tropfens Blut an
der Ferse auf verschiedene angeborene
Stoffwechselkrankheiten
durchgeführt werden.

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