<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2062" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2062?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T02:56:25+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2073">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4d3be6ffdffa0d92564c61ea07a56956.pdf</src>
      <authentication>8e02ffb6c38f1464d041f3900e9cbaac</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10345">
                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

5 . Oktober 1988

36

f.

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner

Vernachlässigung der Verteidigungsanstrengungen belasten das Bündnis
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft -

UdSSR hat offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert
- Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Rückkehr in den Weltraum
&lt;,

- DISCOVERY-Mission:

Testflug des verbesserten Raumtransporters -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
A?

"***"

Ä&lt;

Dokumentation

5. Oktober 1988

36

PRÄSIDENT REAGANS PROKLAMATION ZUM TAG DER DEUTSCH-AMERIKANER

WASHINGTON - (AD) -Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident
Reagan am 23. September 1988 unterzeichnete Proklamation zum Tag der DeutschAmerikaner 1988 sowie den Beschluß des Kongresses im Wortlaut:

Vor 305 Jahren landeten 13 Familien aus Krefeld am Rhein in der Nähe
von Philadelphia.
In den seither
vergangenen drei Jahrhunderten sind
ihnen über sieben Millionen Deutsche
auf der Suche nach Freiheit und einer
vielversprechenderen Zukunft für sich
und ihre Kinder nach Amerika gefolgt.
Heute kann praktisch
jeder vierte
Amerikaner sein Erbe auf deutsche Abstammung zurückführen.
Diese Tatsachen und die Anerkennung dessen, was Amerikaner deutschen
Ursprungs für unsere Nation geleistet
haben, sind der Anlaß für die Feiern
zum Tag der Deutsch-Amerikaner 1988.
Unsere Geisteshaltung und unsere
Lebensart sind von Amerikanern deutschen Ursprungs stark beeinflußt wor-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

den. Sie haben Leben, Kultur, Fortschritt und Wohlstand in den Vereinigten
Staaten
in Bereichen wie
Kunst, Geisteswissenschaften,
Religion, Handel und Industrie, Wissenschaft
und
Technik,
Staatswesen,
Sport und Unterhaltung unauslöschlich
geprägt.
Dies veranlaßte Benjamin
Franklin vor vielen Jahren zu der Bemerkung:
"Amerika kultiviert das am
besten,
was
Deutschland
hervorgebracht hat...".
Die Bande internationaler Freundschaft sind heute zwischen Deutschen
und Amerikanern enger geknüpft als
jemals zuvor. Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland arbeiten als Partner im NATOBündnis Seite an Seite für die Erhaltung des Friedens.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die
Geschlossenheit
und
Entschlußkraft des Bündnisses hat die
erfolgreiche Unterzeichung des INFVertrages
zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion möglich
gemacht.
Als zwei der führendsten
Welthandelsländer haben die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik
Deutschland gemeinsam eine tiefverwurzelte Verpflichtung zu einer offenen
und
expandierenden
Weltwirtschaft.
Die persönlichen Bande zwischen unseren beiden Nationen gehen
heute über Einwanderung hinaus und
umfassen zahlreiche Austauschprogramme, florierenden Tourismus in beide
Richtungen sowie in der Bundesrepublik Deutschland stationierte amerikanische Streitkräfte und deren Angehörige. Die großartige Stadt Berlin
und ihre Bürger stehen als Symbol für
die Entschlossenheit unserer beiden
Nationen zur gemeinsamen Verteidigung
der Freiheit des Westens.

dieses Tages zu erlassen.
Aufgrund
dessen
erkläre
ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit
den 6. Oktober
1988 zum Tag der
Deutsch-Amerikaner.
Ich bitte alle
Amerikaner, mehr über den Beitrag der
deutschen Einwanderer zu Leben und
Kultur der Vereinigten Staaten in Erfahrung zu bringen und diesen Tag mit
angemessenen Feiern und Veranstaltungen zu begehen.
Unterzeichnet am dreiundzwanzigsten Tag des September, im Jahr des
Herrn
neunzehnhundertachtundachtzig
und im Jahr zweihundertdreizehn der
Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
(unterzeichnet) Ronald Reagan

* * *
Der Besuch von Bundeskanzler Kohl
in Washington zu Beginn dieses Jahres
hat die Vorrangstellung anschaulich
bekräftigt, die unsere beiden Regierungen dem Erhalt und der Förderung
der deutsch-amerikanischen Beziehungen beimessen.
Gemeinsame Traditionen,
Überzeugungen
und
Interessen
verpflichten uns zu verstärkter Zusammenarbeit auf allen Ebenen, um den
Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können. Die kürzlich fertiggestellte Parkanlage zum Zeichen der
deutsch-amerikanischen
Freundschaft,
die - am Einkaufszentrum der Hauptstadt unseres Landes gelegen - in
diesem Herbst ihrer Bestimmung übergeben wird, steht als Symbol für die
engen und freundschaftlichen Beziehungen
zwischen der
Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika.
Sie erinnert uns
auch an die Notwendigkeit, unsere besonderen Bande zu kultivieren, damit
sie weiter gedeihen können.
Durch Gesetz Nr. 100-104 hat der
Kongreß den 6. Oktober 1988 zum "Tag
der Deutsch-Amerikaner" erklärt und
den Präsidenten ermächtigt und ersucht, eine Proklamation zur Feier

Beschluß des Kongresses

In
Anbetracht
dessen,
daß
Deutsch-Amerikaner durch ihre Arbeit
und ihren Beitrag zur Kultur der Vereinigten Staaten seit Ankunft der ersten deutschen Einwanderer
in den
Vereinigten
Staaten
am 6. Oktober
1683 diesen besonderen Tag als Anerkennung für ihre Leistungen verdient
haben in Anbetracht dessen, daß Amerikaner deutscher
Abstammung
in der
Vergangenheit zum Leben und zur Kultur der Vereinigten Staaten beigetragen haben und dies auch in Zukunft
tun werden und im Hinblick darauf,
daß sie für die Regierung der Vereinigten Staaten, ihre demokratischen
Grundsätze und die Freiheit aller
Menschen auf der ganzen Welt arbeiten
und eintreten in Anbetracht dessen, daß solche
Beiträge anerkannt und im Jahr 1988
und danach jährlich - gewürdigt werden sollen - und

�in Anbetracht dessen, daß zwischen den Vereinigten Staaten und der
Bundesrepublik Deutschland sowie anderen deutschsprachigen Ländern enge
Bande und dauerhafte Freundschaft bestehen:
aus diesem Grunde erklären
der Senat und das Repräsentantenhaus
der Vereinigten Staaten von Amerika,
die hier im Kongreß zusammengekommen
sind, den 6. Oktober 1988 zum Tag der
Deutsch-Amerikaner, und der Präsident
ist ermächtigt und angewiesen, eine
Proklamation zu veröffentlichen, mit
der das Volk der Vereinigten Staaten
aufgefordert wird, diesen Tag mit
Feiern und Veranstaltungen angemessen
zu begehen.

(unterzeichnet) Jim Wright
Sprecher des Repräsentantenhauses
(unterzeichnet) John C. Stennis
Präsident des Senats pro tempore
genehmigt am 11. August 1988
(unterzeichnet) Ronald Reagan

* * * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

5. Oktober 1968

ob

VERNACHLÄSSIGUNG DER VERTEIDIGUNGSANSTRENGUNGEN BELASTEN DAS BÜNDNIS
- Rede aes Stellvertretenden Verteidigungsministers laft -

SAN BERNARDINO (KALIFORNIEN) - (AD) - Diejenigen Mitgiiedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses, die nicht genug zur gemeinsamen Verteidigung beitragen, haben einen "aushöhlenden Effekt" auf das Bündnis, erklärte der Stellvertretende US-Verteidip,ungsmini ster William Taft am 28. September 1988 während
eLner Rede in Kalifornien. Im Lauf der Zeit werde ein solches Verhalten "das
Vertrauen in die gemeinsamen Anstrengungen untergraben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Tafts im Wortlaut:
Den Herausforderungen der
ven Sicherheit begegnen

kollekti-

Ich möchte heute über die kollektive Sicherheit sprechen - das Bündnissystem, das den Eckpfeiler der nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten bildet, und die Herausforderungen, mit denen es sich heute konfrontiert sieht. Ich werde mich kurz
der Bedrohung widmen, zu deren Bewältigung das Bündnissystem geschaffen
wurde, und werde dann näher auf die
Frage eingehen, wie wir und unsere
Bündnispartner zusammenarbeiten müssen, um weiterhin in Freiheit, Sicherheit und Frieden zu leben.
Die kollektive Sicherheit war die
Antwort unseres Landes auf die Bedrohung durch die Sowjetunion, die sich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in den sowjetischen Aktionen in Osteuropa und Korea im ersten Jatirzehnt
nach dem Kriege manifestierte.
über
vierzig Jahre hinweg war die kollektive Sicherheit ein schlagender Erfolg, der die Bedingungen für kontinuierliches und biswellen spektakuläres Wirtschaftswachstum
innerhalb
unserer Bündnissysteme hervorbrachte
und gleichzeitig eine sowjetische Aggression abschreckte.
Es besteht jedoch heute - zumindest in einigen Kreisen - das Gefühl,
der
ursprüngliche
Anstoß
für
die
Gründung unserer Bündnissysteme - die
sowjetische Bedrohung - nehme ab.
Die Veränderungen im Charakter der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- wie auch der sich gegenwärtig in
der Sowjetunion selbst vollziehende

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wandel - haben zu diesem Gefühl beigetragen.
Es ist richtig, daß wir einen
außerordentlich nützJichen Dialog mit
der
Sowjetunion
über
ein
breites
Spektrum von Prägen hinweg, von den
Menschenrechten
bis
zu
regionalen
Problemen, Rüstungskontrolle und anderen Sicherheitsbelangen erzielt haben - einen Dialog, von dem wir hoffen, daß er sich weiter entwickeln
wird.
Ferner werden innerhalb der
Sowjetunion entscheidende Veränderungen - offen - diskutiert.
Die Begriffe Glasnost und Perestojka sind
zum Bestandteil des Wort Schatzes amerikanischer Sov. jetexperten geworden,
und die gegenwärtig im sowjetischen
politischen
und
kulturellen
Leben
stattfindenden Veränderungen könnten
sich als weitreichend herausstellen.
Diese Fortschritte verdienen unsere
Auimerksamkeit nicht zuletzt deshalb,
weil sie sich gerade erst im Anfangsstadium befinden - und weil es heute
noch unklar ist, wo sie hinführen
werden.
Es gibt in der Tat viele Facetten
des sowjetischen Regimes, die bis
jetzt von der Perestrojka unberührt ge.schv.eige denn umgestaltet - sind.
Diese sollten uns zum Nachdenken veranlassen, bevor wir so tun, als ob
die sowjetische Bedrohung nachgelassen habe, selbst, wenn wir in bezug
auf andere Entwicklungen hoffnungsvoll sind. Insbesondere im militärischen Bereich hat es bei den Sowjets
wenig Veränderung gegeben. Unter dem
Gorbatschow-Regime
sind die Mittel
des sowjetischen Militärwesens weiterhin Jahr für Jahr stetig und deutlich erhöht worden.
Diese machen
heute schon zwischen 15 und 17 Prozent aer wirtschaftlichen Ressourcen
der UdSSR aus, etwa das dreifache des
Anteils am Bruttosozialprodukt, den
die Vereinigten Staaten für die Verteidigung ausgeben. Die UdSSR arbeitet weiterhin an der Einführung einer
neuen Generation von Kernwaffen sowie
am Ausbau und an der Verbesserung ihrer Land-, See- und Luftstreitkräfte.
Um nur einige Beispiele zu nennen:

Die sowjetische Luftwaffe erhält
jeden lag zwei neue Kampfflugzeuge - über 700 pro Jahr.
Die Armee ernält jeden Tag acht
neue Panzer und sechs Artilleriegeschütze.
Der sowjetischen Marine wird alle
37 Tage ein neues Atom-U-Boot zugeführt.
Perestrojka hat sicherlich keine
Verlangsamung beim Wachstum der sowjetischen Militärmacht bedeutet.
Es steht außer Frage, daß wir jede sich bietende Chance zur Förderung
des heute stattfindenden Dialogs sondieren sollten, als Kittel zum Abbau
von Spannungen mit der Sowjetunion.
Wir müssen uns jedoch vor Augen führen, daß ein riesengroßer Unterschied
zwischen Übergang
und
Umgestaltung
besteht - und es ist ziemlich klar,
daß wenig darauf hindeutet, in der
Sowjetunion habe sich eine Art der
Umgestaltung vollzogen, die sie nicht
länger zu einer Bedrohung der Vereinigten Staaten und des Bündnisses
macht.
Der
neue
Generalsekretär
der
NATO, der ehemalige Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Manfred Wörner, charakterisierte unlängst die unmittelbare Zukunft
des Bündnisses als eine doppelte Herausforderung.
Er erklärte:
"Einerseits muß die NATU
das
richtige
Gleichgewicht
zwischen
Verteidigung
und Dialog gegenüber einem sich wandelnden aber militärisch nicht weniger mä'chtigen Osten finden. Andererseits müssen wir ein Gleichgewicht
zwischen den Rollen und Verantwortlichkeiten im Bündnis herstellen."
Ich möchte mich nun der zweiten
Herausforderung zuwenden - die wir
als die Herausforderung zur Bewältigung des Wandels in unserem Bündnis
bezeichnen können.
Während die Zielsetzung der Bund-

�nisstruktur gleichgeblieben ist, haben sich die Bedingungen innerhalb
der
Bündnisse
in
den
vergangenen
vierzig
Jahren
stark
verändert
weitgehend
als Ergebnis der durch
diese Eündnisse ermöglichten Stabilität. Mit anderen Worten: In diesem
Fall müssen wir unsere Erfolge bewältigen. Im Fernen Osten ist Japan zur
wirtschaftlichen
Supermacht
aufgestiegen, und die Republik Korea entwickelt sich rasch zu einer der führenden Wirtschaftsmächte.
In Europa
erfreuen sich die Bürger vieler NATOStaaten eines Lebensstandards, der zu
den höchsten der Welt zählt - und mit
der weiteren wirtschaftlichen Integration Europas werden die NATO-Staaten in der Weltwirtschaft an Statur
zunehmen.
Während unsere Verbündeten - mit
wenigen Ausnahren - in der Wirtschaft
zunehmenden Einfluß ausüben, spiegeln
die von ihnen für die gemeinsame Verteidigung veranschlagten Mittel ihre
he raus ragenden
wirtschaftlichen
Fähigkeiten
nicht vollständig wider.
Diese Tatsache hat mehr als jede andere ein Wiederaufleben der sogenannten
"Lastenverteilungs"-Debatte
zur
Folge gehabt
- über die Frage, welchen Anteil an den Kosten des Bündnisses jedes Land übernehmen kann und
sollte.
Als Leiter der Sonderkommission
zur
Lastenverteilung
im Verteidigungsm'nisterium war ich unmittelbar
daran beteiligt, diese Frage zusammen
mit unseren Verbündeten in Fernen
Osten und Europa zu untersuchen - und
habe eine gleichmäßigere Verteilung
der verschiedenen Rollen, Risiken und
Verantwortlichkeiten innerhalb unserer Bündnisse gefordert.
Ich werde
diese Bemühungen nächste Woche wiederaufnehmen, wenn ich zum dritten
Mal in diesem Jahr Europa besuchen
werden, und zwar das NATO-Kauptquartier in Brüssel und sechs Haupstädte
von
XATO-Ländern.
Meiner
Ansicht
nach erzielen wir Fortschritte - im
Firnen Osten, wo Japan und Korea zum
Ausdruck gebracht haben, daß sie zusätzliche Kosten für die dort statio- 3

nierten amerikanischen Truppen übernehmen werden, und in Europa, wo die
NATO gegenwärtig an einer büaänisweiten Bewertung des Piublems der Lastenverteilung arbeitet. Ihr Bericht
soll den NATO-Verteidigungsministern
im Dezember vorgelegt werden.
Aber um die mögliche Bedeutung
neuer Entwicklungen zu erkennen, müssen wir wissen, was wir meinen, wenn
wir sagen, daß die Lastenverteilung
gerechter sein muß - und das heißt,
wir müssen über einige der eindimensionalen Ansätze hinausgehen, die in
der Debatte über Lastenteilung nur
allzu oft als Analyse ausgegeben werden.
Kritiker
unseres
Bündnissystems
verweisen darauf, daß die Vereinigten
Staaten von den Kosten für das Bündnis mehr als ihren fairen übernehmen.
Die zur Unterstützung dieser These
vorgebrachten
Beweise
sind
zumeist
statistischer Art:
insbesondere die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
gemessen am Prozentsatz ihres Bruttosozialprodukts nahezu doppelt soviel
für Verteidigung ausgeben wie die
NATC-Verbündeten im Durchscnitt und
mehr als das fünffache der Japaner.
Für die Kritiker stützen diese Tatsachen ihre These, und es bleibt lediglich die Entscheidung darüber offen,
ob wir auf höheren Verteidigungsausgaben
unserer Verbündeten
bestehen
oder ganz einfach unsere Bemühungen
verringern sollen.
Haben diese Kritiker nun recht
oder unrecht'/1
Die Antwort lautet:
sov^ohl als auch. Sie haben insofern
unrecht, als sie den Anteil unserer
Verbündeten an der gemeinsamen Verteidigung nicht in seinem vollen Umfang anerkennen - all die von unseren
Verbündeten
übernommenen
Aufgaben,
Risiken und Pflichten, die. sich nicht
in Dollar aufwiegen Lassen. Und sie
haben in einem anderen Funkt recht:
es stimmt, daß viele unserer Bündnispartner in Europa und im Fernen Osten
mehr tun können und sollten.
Lassen

Sie

mich

Ihnen

erklären

�was ich mit meiner Bemerkung meine,
daß sich die Beiträge eines Landes
zur gemeinsamen Verteidigung nicht
immer in Dollar und Cent aufwiegen
lassen. Da bei den meisten unserer
europäischen Verbündeten Wehrpflicht
besteht - und es keine aufwendigere
Armee aus Freiwilligen wie in den
Vereinigten Staaten gibt - können sie
ihre Armeen mit geringeren Kosten ins
Feld schicken.
Tatsächlich stellen
unsere Verbündeten 90 Prozent aller
in Europa zu Friedenszeiten stationierten Landstreitkräfte der NATO sowie 60 Prozent aller NATO-Kampfflugzeuge. Im Krieg würden unsere europäischen Verbündeten - sogar nach
einer Mobilisierung - den größten
leil der Land- und Luftstreitkräfte
der NATO stellen. Aufgrund der allgemeinen Wehrpilicht müssen die Aufwendungen nicht so hoch sein wie bei
einer Armee aus Freiwilligen wie in
den Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus
stellen unsere
Verbündeten den auf ihrem Territorium
stationierten amerikanischen Streitkräften in großem Umfang Liegenschaften und kostenfreie Einrichtungen zur
Verfügung. Betrachten wir zum Beispiel iie Bundesrepublik Deutschland,
wo etwa eine Million Soldaten aus
sieben verbündeten Nationen in einem
Raum von etwa der Größe des Staates
Oregon stationiert sind - mit dem
entscheidenden Unterschied, daß die
Bundesrepublik im Gegensatz zu Oregon
65 Millionen Einwohner hat.
Die
Schäden an zivilem Eigentum bei NATOUbungen, die Belästigung durch dauernde Tiefflüge von Flugzeugen der
NATO und nächtliche Manöver sind Beispiele für echte Lasten, deren Preis
sich nicht so einfach festlegen läßt.
Aber wenn die Kritiker in der Debatte über Lastenverteilung - wie ich
gerade aufgezeigt habe - sich oftmals
zu eingehend auf Zahlen konzentrieren
um; aus diesem Grunde nicht mehr
e;rige der schwerer aufzuwiegenden
Leistungen des Eündnisses betrachten,
so stimmt es auch, daß auf selten
einiger unserer Verbündeten die Tendenz besteht, Zahlen insgesamt zu ig- 4

norieren oder ihre Bedeutung abzuwerten. Das ist ebenfalls ein Fehler obwohl uns die Zahlen allein kein
vollständiges Bild liefern, so vermitteln sie uns doch etwas Wichtiges
über den Grad der Verteidigungsbemühungen eines Landes. Von zu vielen
Verbündeten vernehmen wir jedoch, daß
sie mehr tun könnten.
Natürlich kann man nicht all unsere Verbündeten auf die gleiche Stufe stellen. Es ist vielmehr wichtig,
sich im einzelnen Ihre jeweiligen
Beiträge zu vergegenwärtigen, bevor
man Veränderungen vorschlägt. Lassen
Sie uns deshalb bei den einzelnen
Ländern kurz untersuchen, wie die
Beiträge unserer Verbündeten zur gemeinsamen
Verteidigung
gegenwärtig
aussehen und wo Mängel bestehen. Bereits ein kurzer Abriß dieser Art ist
meiner Ansicht nach hilfreich, um die
vielfältige Art und Weise aufzuzeigen, in der unsere Verbündeten zu unserer gemeinsamen Sicherheit beitragen - und der Umfang, in dem dies geschieht.
Ich möchte mich zunächst Japan
als unserem wichtigsten Verbündeten
im Fernen Osten und häufigsten Zielscheibe in der Debatte über die Lastenteilung zuwenden.
Die Kritiker
Japans verweisen darauf, daß dort nur
ein Prozent des Bruttosozialprodukts
für Verteidigung aufgewendet wird.
Diese Kritiker lassen aber außer
acht, daß Japan in den 80er Jahren
mehr Verteidigungsaufgaben übernommen
hat und für deren Erfüllung zehn Jahre lang eine jährliche Erhöhung der
Verteidigungsausgaben
von
durchschnittlich 5 Prozent hinnahm. Darüber hinaus hat Japan seine strategisch wichtige Entwicklungshilfe in
Übersee proportional erhöht, und diese Hilfe ist jetzt in absoluten Zahlen (in Dollar) umfangreicher als unsere. Ich habe in meinen Diskussionen mit japanischen Politikern darauf
hingewiesen, daß Japan diese - wie
auch weitere - Erhöhungen verkraften
kann. Aber wir müssen berücksichtigen was Japan leistet, auch wenn wir
das Land zu weiteren Leistungen auf-

�fordern.
In ähnlicher Weise hat sich die
Republik Korea mit ihren 47 000 amerikanischen Soldaten für unser Anliefen der Lastenteilung offen gezeigt.
Trotz der Tatsache, daß Korea - im
Gegensatz zu Japan und unseren NATOVerbündeten - immer noch in starkem
Maße ein Entwicklungsland ist, hat es
seine Absicht bekundet, den Beitrag
zu den Kosten für die Unterhaltung
der dort stationierten amerikanischen
Streitkräfte zu erhöhen.
In Europa ergibt sich ein komplizierteres Bild. Die NATO als Institution ist weiterhin höchst erfolgreich. Vor kurzem hat das Bündnis
den Status des 401. Geschwaders geklärt und beschlossen, dessen Stationierung in Italien zu finanzieren.
Zum Ihema Lastenteilung direkt zeigt
sich die Erkenntnis seiner Bedeutung
in dem gegenwärtig von der NATO erstellten Bericht.
Eine länderspezifische Überprüfung unterstreicht die Tatsache, daß
nicht alle Verbündeten gleich sind weder im Hinblick auf Verteidigung
noch bei den schwer vergleichbaren
Beiträgen zur gemeinsamen Verteidigung. Großbritanniens Verteidigungsausgaben betragen zum Beispiel etwa
4,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes, was gegenüber den frühen 80er
Jahren einen Rückgang darstellt, aber
iir.mer noca erheblich höher ist als
die
durchschnittlich
von
unseren
NATO-Verbündeten aufgewendeten 3 Prozent. Darüber hinaus übernimmt Großbritannien untor den fünf im Persischen Golf aktiven NATO-Ländern eine
Führungsrolle und ist eines von fünf
Ländern,
das
Mittelstreckenraketen
stationiert.
Zusätzlich
unterhält
und modernisiert Großbritannien einen
wichtigen Teil des Abschreckungspotentials strategischer Nuklearwaffen
der NATO insgesamt.
Frankreich wendet kontinuierlich
4 Prozent seines Bruttosozialprodukts
für Verteidigung auf, ungeachtet der
Tatsache,
dab
die
französischen

Streitkräfte militärisch nicht in die
NATO integriert sind. Frankreich unterhält ein umfangreiches unabhängiges nukleares Absch^ckungspotential
und ist im Begriff, die Kommunikationswege mit den NATO-Streitkräften
zu verbessern, nimmt aktiv an den Bestrebungen zur Rüstungszusammenarbeit
teil und hat eine Reihe von Pflichten
außerhalb des Bündnisgebiets übernommen.
Griechenland und die Türkei
sind zwei weitere Länder, die mit ihren Verteidigungsausgaben weit über
dem Durchschnitt
der europäischen
Verbündeten liegen. Für die Stärke
des Bündnisses wäre es jedoch von
vorrangiger Bedeutung, wenn die Bemühungen dieser beiden Bündnispartner
zur Beilegung ihrer Differenzen Erfolge zeitigen würden. Solange dieser Konflikt schwelt, ist das Bündnis
geschwächt.
Im Mittelfeld liegen im Hinblick
auf die Verteidigungsausgaben fünf
Länder, die mehr oder weniger den
durchschnittlichen Beitrag der NATOLänder von 3 Prozent aufwenden: Norwegen, die Niederlande, Spanien, Portugal und die Bundesrepublik Deutschland. Hier können wir sowohl positive als auch negative Entwicklungen
beobachten. Zweifellos war die von
Spanien getroffene Entscheidung, seine Stützpunkt-Vereinbarung mit dem
401. Geschwader nicht zu verlängern,
potentiell
ein
ernsthafter
Rückschlag, der nur durch unverzügliche
Maßnahmen des Bündnisses abgewendet
werden konnte. Derzeit stehen wir in
Stützpunkt-Verhandlungen mit Portugal
und hoffen, dort stärkere Verteidigungsbande schmieden zu können. Indem sie ein holländisches Patrouillenboot in den Persischen Golf entsandten, haben die Niederlande der
Tatsache Rechnung getragen, daß die
NATO-Partner Interessen außerhalb des
Bündnisgebiets haben. Die für Verteidigungsfragen zuständigen Verantwortlichen in den Niederlanden haben
ferner im Nordatlantikrat unermüdlich
die Bedeutung der Lastenverteilungsproblematik unterstrichen. In Norwegen wiederum wird zur Zeit Teamwork
'88 abgehalten, eine größere Übung

- 5 -

�auf 1 000 Quadratkilometern norwegischen Territoriums, an der 45 000
Soldaten aus neun NATO-Ländern teilnehmen.
In
der
Bundesrepublik
Deutschland liegen die Verteidungsausgaben bei knapp über 3 Prozent des
BSP und im kommenden Jahr wird sich
die Entwicklung der vergangenen drei
Jahre umkehren, in denen die Verteidigungsauf..'endungen nicht mit der Inflation Schritt halten konnten. Darüber hinaus leistet die Bundesrepublik maßgebliche Wirtschaftsund Militärhilfe an wirtschaftlich eher benachteiligte Bündnispartner wie Portugal, Griechenland und die Türkei eine Maßnahme, die wir gerne auch bei
anderen Verbündeten beobachten würden.
Und während andere Seestreitkräfte der NATO Patrouillenfahrten im
Persischen Golf durchgeführt haben,
hat die Bundesmarine verstärkt Aufgaben Im Mittelmeer übernommen.
In der Rangfolge der Verteidigungsausgaben
kommen
als
nächstes
drei NATO-Mitgliedstaaten, die im Begriff sind, ihre Aufwendungen für die
Verteidigungsbestrebungen der NATO zu
erhöhen.
In den vergangener. Jahren
hat Italien seinen Verteidigungshaushai t aufgestockt, aber trotz dieser
Erhöbung belaufen sich die Verteidigungssusgsben Italiens noch auf 2,2
Prosent seines bSP. In anderer Hinsicht waren die italienischen Beiträge beträchtlich und reichen von der
Entsendung der italienischen Marine
in den Persischen Golf bis zur Stationierung von INF-Raketen auf italienischem Territorium und dem jüngstes) \ngebot, einen Stützpunkt für
das 40i . Geschwader zur Verfügung zu
stellen. In den kommenden Jahren erwarten wir einen stabileren Verteidigungsbausbslt
in
Italien, da
die
Wirtschaft nach wie vor expandiert
un.' Italien damit mit unter die erEten
der europäischen Wirtschaftsnächte rückt.
Auch Luxemburg nimmt
A m Stockungen
vor, wenn
auch
von
einem
noch
geringeren
Prozentsatz
ausgehend als Italien.
Obwohl ohne
Zugang zum Meer, hat Luxemburg sein
Verständnis
für die Bedeutung der
freien Schiffahrt im Persischen Colf

unter Beweis gestellt und finanziell
zu den Patrouillenoperationen in der
Region beigetragen. Eine in jüngster
Zeit vorgenommene deutliche Aufstokkung der Verteidigungsprogramme hat
in Kanada die Verteidigungsausgaben
auf 2,3 Prozent des BSP erhöht. Darüber hinaus leistet Kanada einen erheblichen Beitrag zur nordamerikanischen Sicherheit und ist auch in Zukunft dazu bereit.
Am Ende der Liste der Verteidigungsausgaben stehen zwei NATO-Länder;
Belgien kämpft mit einem gekürzten
Verteidigungshaushalt,
der
die Modernisierung seiner Luftverteidigung
verhindert
oder
verzögern
wird, was für die NATO insgesamt von
Nachteil
ist.
Andererseits
stand
Belgien fest zur Stationierung der
INF-Raketen auf belgischem Gebiet und
ensandte Seestreltkräfte zu Operationen im Persischen Golf.
Dänemarks
Aufwendungen schließlich nehmen kontinuierlich ab und sind von nur 2,5
Prozent Anfang der achtziger Jahre
auf derzeit 2 Prozent gesunken. Dänemark gibt nicht vor, irgendwelche
Versuche zur Aufstockung der Ausgaben
zu unternehmen und erhält das offizielle Ziel von realem Nullwachstum
aufrecht - und selbst das wird nicht
erreicht.
Welchen Platz würden die Vereinigten Staaten bei einem solchen Vergleich einnehmen?
Im Hinblick auf
die Verteidigungsausgaben wenden die
Vereinigten Staaten 5,7 Prozent ihres
BSP für Verteidigung auf - obwohl
1989 das vierte aufeinanderf clger.de
Jahr sein wird, in dem die Verteidigungsausgaben in realen Zahlen abgenommen haben. Trotz dieser Kürzungen
haben wir nach wie vor 400 000 amerikanische Soldaten in Europa und im
Fernen Osten stationiert - dies entspricht einem Fünftel unserer Streitkräfte.
Und schließlich ist es uns
zumindest in diesem Jahr gelungen,
der Versuchung zu widerstehen, unseren Beitrg an das Bündnis zu kürzen
oder den Bündnispartnern Strafen aufzuerlegen, die in unseren Augen weniger als ihren gerechten Anteil lel-

- 6 -

�sten. Angesichts der derzeitigen Bestrebungen innerhalb der NATO und
seitens unserer asiatischen Verbündeten zur Bewältigung des Problems der
Lastenverteilung ist dies ein gemässigtes Vorgehen.
Aus dieser Bilanz sollten verschiedene Schlußfolgerungen gezogen
werden. Wir müssen die beträchtlichen und unterschiedlichen Beiträge
würdigen, die von unseren Verbündeten
heute geleistet werden - ebenso wie
wir die Länder, die wenig beitragen,
drängen müssen, mehr zu tun und diejenigen, die jedes Jahr weniger leisten - auch uns selbst - auffordern,
diesen Abstieg aufzuhalten und einen
anderen Kurs einzuschlagen.
Selbst
Verbündete, die sich nahe am nichtamerikanischen Durchschnitt der Verteidigungsausgaben
bewegen
müssen
sich vor Augen halten, daß 3 Prozent
nicht ausreichen, um die zur Abschreckung der sich uns stellenden
Bedrohung erforderlichen Streitkräfte
aufrechtzuerhalten - noch sind dies
gerechte Anstrengungen gemessen an
den beträchtlichen Verteidigungslasten, die selbst einige der weniger
wohlhabenden
Bündnispartner
tragen
müssen. Es gibt keinen einleuchtenden Grund, warum einige unserer europäischen Partner bis zu 5 Prozent ihres nationalen Einkommens für Verteidigung aufwenden, während ganze fünf
unserer fünfzehn NAIC-Partner, die
alle eigentlich wohlhabend sind, nur
ungefähr die Hälfte ausgeben - und
einige sogar nur 2 Prozent.

gen unweigerlich zu der Annahme, daß
die Bündnispartner, die weniger leisten, entschieden haben, die anderen
ihre Last für sie tragen zu lassen.
Und der aushöhlende Effekt solcher
Vergleiche besteht darin, daß sie im
Verlauf der Zeit das Vertrauen in die
gemeinsamen Anstrengungen untergraben, die das Fundament eines jeden
Bündnisses bilden.
Die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten haben ein gemeinsames Interesse daran, dies zu vermeiden.
Wir müssen zusammenarbeiten, um das
Fundament des Bündnissystems zu festigen, das uns über mehr als vier
Jahrzehnte Freiheit und Frieden beschert hat.
Dazu ist besseres Verständnis unter den
Bündnispartnern vonnöten.
Die Vereinigten Staaten - als Staat
wie als Volk - müssen ihre Verbündeten davon überzeugen, daß sie in vollem Umfang die von ihnen geleisteten
Beiträge verstehen und zu würdigen
wissen.
Unser Bündnis muß seinerseits die Vereinigten Staaten davon
überzeugen, daß es die Lastenverteilung ernst nimmt und die von den
Bündnispartnern
geforderten
unterschiedlichen Rollen, Risiken und Verantwortlichkeiten zu übernehmen bereit ist - in einem Umfang, der den
tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeiten eines jeden Landes entspricht.

* * * * *

Jedes Land sieht sich natürlich
öffentlichem Druck ausgesetzt, eine
Vielzahl sozialer Programme zu finanzieren - Forderungen, die es erschweren, angemessene Verteidigungsausgaben kontinuierlich aufrechtzuerhalten. In einer Demokratie war es noch
nie leicht, Unterstützung für eine in
der Hoffnung errichtete Verteidigung
zu erhalten, sie käme - sofern alles
nach Plan verliefe - niemals zum Einsatz.
Diejenigen Nationen, die zur
der politisch schwierigen Entscheidung einer angemessenen Verteidigunr.sfinanzierung bereit sind, gelan- 7-

�AMERIKA DIENST
'1-7

"""

C&amp;

Dokumentation

5. Oktober 1988

36

UdSSR HAT OFFENSIVES MILITÄRISCHES EINSATZKONZEPT NICHT GEÄNDERT
- Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus -

WASHINGTON - (AD) - Dem Obersten Alliierten Befehlshaber Europa der NATO,
General John R. Galvin, zufolge hat die Sowjetunion ihr offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert.
"Ich kann weder eine Veränderung bei sowjetischen Stationierungen noch bei
Übungen und Beständen feststellen", erklärte der General am 30. September 1988
vor dem verteidigungspolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses. Es heißt,
"gebt den Sowjets Zeit", aber Generalsekretär Gorbatschow hat in seiner mehr
als dreijährigen Amtszeit keinen Vorschlag zum Abbau der Rüstungsproduktion
unterbreitet, fügte General Galvin hinzu, der gleichzeitig Oberbefehlshaber
der amerikanischen Streitkräfte in Europa ist.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von General Galvin im Wortlaut:

Herr Vorsitzender, sehr geehrte
Ausschußmitglieder, ich begrüße diese
Gelegenheit, meine Ansicht zu entscheidenden Problemen des Verteidigungsprogramms der NATO äußern zu
können. Sie haben mir einen Katalog
freimütiger Fragen vorgelegt, die ich
in dieser Eröffnungsrede zu beantworten versuche.
Frage:
Wie definieren Sie konventionelle
Stabilität, und welche
Schritte sollten wir Ihrer Ansicht
nach in diese Richtung unternehmen?

te hat es niemals eine lange andauernde konventionelle Abschreckung gegeben; tatsächlich sind Kriege zwischen Gegnern ausgebrochen, deren relative Stärke im großen und ganzen
vergleichbar war oder sogar in Fällen, in denen der Angreifer dem Verteidiger unterlegen war. Eine Strategie,
die
nuklearen
Fähigkeiten
Rechnung trägt, hat sich als überzeugende Abschreckung eines Krieges erwiesen.
Wir im Westen müssen eine
glaubwürdige nukleare Reaktionsfähigkeit aufrechterhalten.

Antwort:
Konventionelle
Stabilität kann nicht losgelöst vom nuklearen Kontext definiert werden. In
jüngster Zeit war die nukleare Abschreckung zentraler Bestandteil der
Stabilität. Im Verlauf der Geschich-

Wir können jedoch Nuklearwaffen
abbauen, solange wir die Modernisierung dieser Waffen und die Fähigkeiten unserer konventionellen Streitkräfte gewährleisten. wir dürfen die
Sowjets nicht zu der Annahme verlei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ten, daß sie im Falle eines Angriffs
strategische Ziele mit konventionellen Mitteln erreichen könnten, bevor
die NATO mit Nuklearwaffen reagiert.

nehmen, um Sie zu überzeugen?
Wie
sollte die Reaktion der NATO auf die
bisherigen
Initiativen der
Sowjets
aussehen?

Unsere beste Option besteht in
einer von Nuklearwaffen unterstützten
starken konventionellen Verteidigung.
Wir müssen:

Antwort:
Es
liegt
auf
der
Hand, daß Generalsekretär Gorbatschow
einige kühne Initiativen im Inland in
die Wege geleitet hat, es ist jedoch
weniger
offensichtlich,
daß
diese
kurzfristig Veränderungen in der Verteidigungspolitik oder langfristig in
der Außenpolitik zur Folge hatten.

- operativ entscheidende Durchbrüche
der
ersten
strategischen
Staffel des Warschauer Pakts vermeiden ;
- das Vorrücken der nachfolgenden
operativen
und
strategischen
Streitkräfte des Feindes in die
am stärksten bedrohten Bereiche
unserer Verteidigung verzögern;
- die Geschlossenheit unserer rückwärtigen Gebiete und deren Fähigkeit, Nahgefechte und Operationen
in der Tiefe durchzuführen, aufrechterhalten;
- die NATO rasch genug mit
sprechenden
Streitkräften
stärken, um dem Warschauer
seine strategischen Ziele zu
wehren; und

entverPakt
ver-

- konventionelle Operationen lange
genug andauern lassen, um einen
Angriff des Warschauer Pakts zu
vereiteln, und - falls erforderlich - eine beabsichtigte Eskalation zuzulassen.
Konventionelle Verteidigung könnte jedoch zur Aufrechterhaltung der
Geschlossenheit
des
NATO-Gebietes
nicht ausreichen.
Die Strategie des
Bündnisses trägt dieser Tatsache mit
der "Triade" von Optionen Rechnung.
Diese lauten:
direkte Verteidigung,
beabsichtigte Eskalation und allgemeine nukleare Reaktion.
Frage:
Welches sind Ihrer Ansicht nach die von den Sowjets angekündigten Veränderungen in Militärdoktrin und Strategie?
Sofern Sie
diese nicht überzeugen - welche Veränderungen müssten die Sowjets vor-

Bei kurzfristigen Entscheidungen
im Hinblick auf die Verteidigungspolitik müssen wir eher Fähigkeiten als
Absichten bewerten.
Die Fähigkeiten
der Sowjetunion haben verglichen mit
den unseren weiterhin zugenommen. In
dem Gebiet vom Atlantik bis zum Ural
sind wir bei Panzern zahlenmäßig 3 zu
1, bei Artillerie 3 zu 1 und bei
Kampfflugzeugen 2 zu 1 unterlegen.
Bei einem Krieg mit kurzer Vorwarnzeit wären wir bei Panzern 2 zu 1,
bei Artillerie 2 zu 1 und bei Kampfflugzeugen 2 zu 1 unterlegen.
Die Sowjets produzieren modernste
Panzer und Artillerie weiterhin in
einer Geschwindigkeit, die ausreicht,
um eine Division und vier Artillerieregimente pro Monat neu auszurüsten.
Dies führt zu einem kontinuierlich
wachsenden
Ungleichgewicht
bei den
Fähigkeiten, die eher für Offensivais für Defensivoperationen bestimmt
und ausgerüstet sind.
Wir haben beobachtet, wie das sowjetische Militär die Lektion seiner
letzten Offensivoperationen im Zweiten Weltkrieg gelernt und geübt hat Vorausabteilungen als Angriffsspitze
und operative Manövergruppen.
Dies
ist genau die Art von Taktik und operativen Geschicks, die für unsere
Vornestrategie
der Verteidigung
am
gefährlichsten ist. Wir haben beobachtet, wie sie in den vergangenen
fünf bis acht Jahren ihre Streitkräfte für genau die Art von "Blitzkrieg"
umstrukturiert und ausgerüstet haben,
zu der sie sich in ihren ideologischen Schriften bekennen.
Die ra-

- 2 -

�sehe
und umfassende
Modernisierung
ihrer Panzertruppen mit Panzern, die
zu bekämpfen für uns - selbst mit unseren moderneren Panzerabwehrsystemen
- immer schwieriger wird, verbessert
ihre Offensivfähigkeit mehr als ihre
Defensivfähigkeit.
Welche
Veränderungen
sollten
stattfinden, um uns zu überzeugen?
Ich würde eine entscheidende Verringerung der militärischen Produktion
insbesondere bei den Panzern begrüssen. Wir würden es befürworten, wenn
die sowjetischen Streitkräfte so stationiert, ausgerüstet
und strukturiert wären, daß sie ihre eigene Verteidigungsdoktrin widerspiegeln.
Wenn die Sowjets ihre Streitkräftestruktur so optimal gestalten würden, daß
ihre Verteidigungsdoktrin
und ein Verteidigungsplan darin ihren
Niederschlag finden, sollten wir eine
Verlagerung beim Übergewicht der gepanzerten und vorne stationierten Divisionen hin zu mehr Infantrie mit
von Pionieren unterstützten Panzerabwehrwaffen beobachten können - Einheiten, die eher als Besatzung von
Stützpunkten und zum Bau von Barrieren und Hindernissen geeignet sind.
Bei den rückwärtigen Formationen und
Staffeln sollte eine größere Panzerdichte herrschen als - wie wir heute
beobachten können - bei den vorne
stationierten.
Depots für Nachschub und Logistik
sollten tiefer im rückwärtigen Bereich liegen: ein Offensivplan sieht
vor, daß sich der Nachschub so nah
wie möglich am Ausgangspunkt des Angriffs befindet, um die zügige Verlagerung des Nachschubs nach vorne zu
gewährleisten.
Dies entspricht den
sowjetischen Gegebenheiten.
Ein Defensivplan erfordert, daß sich der
Nachschub tiefer im rückwärtigen Bereich befindet, um seine Eroberung
und Zerstörung zu verhindern und eine
umfassende Verteidigung sicherzustellen (wie es die sowjetische Doktrin
vorschreibt).
Wir

würden

es

ferner

begrüßen,

wenn die Sowjets bei ihren Ansätzen
im Bereich der Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen und in
den Mandatsgesprächen über konventionelle Stabilität größeres Entgegenkommen zeigten.
Wir würden Fortschritte im Hinblick auf größere "Transparenz" militärischer Aktivitäten auf beiden Seiten begrüßen, damit wir nicht durch
Kriegsvorbereitungen überrascht werden. Wir würden ferner gerne ein Angebot des Warschauer Pakts vorliegen
haben,
das
eine
Reduzierung
der
Streitkräfte vorsieht, die sich stärker im Einklang mit ihrer Verteidigungsdoktrin befindet, eine defensive
Abschreckungshaltung und strategische
Planung sowie ein etwas reduziertes
EJ"satzkonzept der NATO-Streitkräfte.
Wie sollen wir auf die bisherigen
sowjetischen
Initiativen
reagieren?
Wir sollten weiterhin unsere Kontakte
zwischen
den
zivilen
und
militärischen Vertretern
von NATO und
Warschauer Pakt ausbauen, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern.
Wir sollten nach wie vor die in der
Schlußakte von Helsinki festgelegten
Verfahren zur Benachrichtigung, Beobachtung und Inspektion von Manövern
anwenden, um die Transparenz zu erhöhen.
Und wir sollten bereit sein,
beim Beginn der Gespräche über konventionelle Stabilität (CST) eine gemeinsame Position der NATO vorzulegen, die Parität als erstes Ziel auf
dem Weg zu größerer Stabilität und
einer
Verringerung
des
Konfrontationsniveaus vorsieht.
Dises Gespräche werden durch die
Tatsache erschwert, daß sie nicht
zwischen NATO und Warschauer
Pakt
stattfinden,
sondern
zwischen
den
souveränen Staaten beider Bündnisse insgesamt 23 Teilnehmerstaaten. Dies
erschwert die Koordinierung der Positionen und schränkt die Rolle des
Obersten
Alliierten
Befehlshabers
Europa (SACEUR) erheblich ein.
Zur
Aufrechterhaltung
eines
glaubwürdigen
Abschreckungskonzepts

�mit Nuklearwaffen
bis ins nächste
Jahrhundert
muß die Modernisierung
jetzt erfolgen. Die Lance-Rakete und
viele der von der Artillerie abgefeuerten Waffen werden bald nicht
mehr erforderlich sein.

entscheidender Bedeutung sind.
Die
damals von den Ministern festgestellten gravierndsten Mängel ziehen sich
durch alle fünf der oben genannten
Bedingungen. Die folgenden Beispiele
mögen dies verdeutlichen:

Eine ausreichende konventionelle
Abschreckung gegen die konventionellen
Streitkräfte
des
Warschauer
Pakts, wie sie sich uns heute darstellt, muß folgende Bedingungen erfüllen:

Defizite
bei den
stationierten
Landstreitkräften und die Abhängigkeit von Verstärkung aus dem
Ausland schränken die Fähigkeit
ein,
die
Leitstaffeln
des
Warschauer
Paktes
zu besiegen.
Die Reserveeinheiten des Bündnisses sind im Hinblick auf ihre
Ausbildung, Ausrüstung
personelle Ausstattung und Verfügbarkeit
sehr unterschiedlich strukturiert.

- Sie muß einen Durchbruch der ersten strategischen Staffel gegen
eine noch um Verstärkung bemühte
NATO-Verteidigung verhindern.
Sie muß das Vorrücken der zweiten
operativen und der zweiten strategischen
Staffel
lange
genug
aufhalten, um die Verstärkung der
Verteidigung zu gewährleisten und
die erste operative Staffel zu
besiegen.
Sie muß die Häfen, Depots, Luftwaffenstützpunkte,
Kommunikationswege,
Reserven,
Verstärkungseinheiten und das Abschrekkungspotential der Nuklearstreitkräfte vor einem Luftangriff, vor
Sabotage und den Landstreitkräften wie etwa Luftlande- und Luftsturmeinheiten und den SpetznatzStreitkräften schützen.
Sie muß schnell für Verstärkung
aus Nordamerika sorgen und
sie muß konventionelle Operationen lange genug führen, um einen
Angriff des Warschauer Pakts zu
vereiteln, und - falls erforderlich - eine beabsichtigte Eskalation zuzulassen.
Im Dezember 1984 haben sich die
NATO-Minister zur Initiative für eine
Verbesserung der konventionellen Verteidigung
(CDI)
zusammengeschlossen
und wichtige Zielsetzungen für die
Streitkräfte
der
Mitgliedstaaten
festgelegt, die für die Verbesserung
der konventionellen Verteidigung von
- 4

- Die Mittel
zum Aufhalten,
Spaltung
oder
Zerstörung
nachfolgenden
Streitkräfte
Feindes sind unzureichend.

zur
der
des

- Wir sind von der raschen Verstärkung
durch
ausländische
Luftstreitkräfte abhängig, um in der
Luft eine vorteilhafte Situation
beizubehalten.
Es bestehen Mängel bei den Einrichtungen
für
Aufnahme, Schutz und Stationierung der Flugzeuge, die zur Verstärkung dienen.
Bei der Luftverteidigung
bestehen
Schwachstellen, insbesondere durch das
Fehlen eines gemeinsamen, konkurrenzfähigen und sicheren NATO-Systems
zur
Identifizierung
von
Flugzeugen.
- Eine bedeutende Schwäche auf See
besteht
im Mangel an Begleitschutz,
Minensuchbooten
und
Patrouillenbooten,
um
Missionen
zur Abwehr
von Unterseebooten,
Flugzeugen und zur Auffindung von
Minen durchzuführen.
- Schließlich könnten Defizite bei
der Durchhaltefähigkeit zur einer
frühzeitigen
Entscheidung
über
den
Einsatz
von
Nuklearwaffen
führen.
Seit ihrer Gründung haben die
NATO-Länder im Hinblick auf die Ver-

�wirklichung der von CDI hervorgehobenen Ziele bei den Streitkräften weit
bessere Ergebnisse erzielt als andere
Länder, und es ist bereits viel zur
Verbesserung der oben genannten Bedingungen getan worden.
Es ist seit langem bekannt, daß
unsere vorne stationierten
Streitkräfte
keine angemessenen
Reserven
haben. Die Ziele der CDI sehen mehr
als 19 Reservebrigaden vor, die in
den einzelnen Ländern aus anderen Reserven gebildet werden.
Der Mangel
an verfügbaren Ressourcen zur Ausrüstung dieser Einheiten mit wirksamen
Waffen hat deren Aufbau bis nach
1994, der Frist für die gegenwärtigen
Zielsetzungen, aufgeschoben. Die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts und die Modernisierung sowjetischer
Panzer
bedeuten,
daß
Streitkräfte besiegt werden können,
wenn sie mit veralteten Waffen ausgerüstet sind. Im gesamten Oberkommando Europa modernisieren wir in nicht
ausgewogenem Maße. Meine größte Sorge gilt der Möglichkeit, daß Panzerabwehrsysteme - auch in der Hand der
Soldaten unserer am besten ausgerüsteten Einheiten - gegen einen großen
Teil der gegenwärtigen Panzereinheiten des Warschauer Pakts nicht wirksam einsetzbar sind. Der Kongreß muß
unsere Bedingungen für moderne Panzerabwehrsysteme unterstützen.
Das Aufhalten der zweiten Staffel
hängt vom Konzept zur Bekämpfung der
Folgestaffeln (FOFA) ab. Obwohl Verbesserungen bei den Waffen die potentielle Stärke von FOFA erhöhen werden, stellt dieses Konzept doch bereits einen wesentlichen Bestandteil
unserer heutigen Verteidigung dar.
Das Oberste Hauptquartier der alliierten Mächte in Europa (SHAPE) hat
das FOFA-Konzept veröffentlicht, und
die NATO hat für alle Mitgliedstaaten
Leitlinien zur Planung und Zielsetzungen für die Streitkräfte veröffentlicht.
Wir machen Fortschritte
beim Erarbeiten von Möglichkeiten zum
Austausch nachrichtendienstlichen Materials zwischen den NATO-Ländern.

Wir werden zur Verbesserung der Eindringfähigkeit und Allwetterfähigkeit
unserer Flugzeuge und der Fähigkeit
unserer
nachrichtendienstlichen
Systeme
zur Auffindung, Analyse und
Verbreitung
entscheidender
Informationen
weiterhin
die Unterstützung
des Kongresses benötigen.
Es gibt eine Reihe von Initiativen zur Verbesserung der konventionellen Streitkräfte, die die ersten
beiden Bedingungen erfüllen und nicht
sehr kostenintensiv sind.
Wir verbessern
unsere
Verteidigungsdoktrin
oberhalb der Korpsebene, wo die Luftund
Landstreitkräfte
vieler
Länder
zusammengeführt werden. Das betrifft
das Einsatzniveau im Krieg, ein Niveau, auf dem unsere potentiellen
Gegner überlegen sind. Wir verfolgen
aktiv die Möglichkeit, unsere hochrangigen Offiziere zur Kommandoführung unter Anwendung von Computertechnologie auszubilden.
Die Verbreitung von Technologie
im Bereich der Planspiele wird uns zu
besseren und kostengünstigeren Möglichkeiten zur Ausbildung großer Formationen verhelfen.
Es gibt neben
der Kostensenkung viele gute Gründe,
den Umfang unserer Übungen einzuschränken.
Mit der Verbreitung von
Planspielen können wir mehr Kommandobereiche
realistischer
für
den
Kriegsschauplatz
trainieren,
die
Kosten dämpfen und die Umwelt schonen.
Im Kriegsfall werden viele wichtige Funktionen von unseren rückwärtigen Gebieten wahrgenommen. Das ist
das Gebiet, aus dem wir unsere Stärke
für Luftgefechte und unser nukleares
Abschreckungspotential
gewinnen.
Dort wird die Verstärkung aufgenommen, formiert und nach vorne verlagert, und von dort aus versorgen Depots und Pipelines unsere vorne stationierten Kampfeinheiten.
All dies
muß geschützt werden.
Die Bedrohung unserer rückwärtigen Gebiete durch Agenten, Saboteure,
Luftlande- und Luftsturmeinheiten ist
beträchtlich, und wir setzen eine

- 5 -

�große Zahl von Reserveeinheiten zum
Schutz dieser Bereiche ein.
unsere
landgestützte Luftverteidigung muß im
gesamten
Alliierten
Befehlsbereich
Europa verbessert werden, wir müssen
ferner unsere passiven Maßnahmen wie
etwa Flugzeughallen und getarnte Landebahnen weiter verbessern.
Einige
unserer
Mitgliedstaaten
haben sich
zur Entwicklung eines Systems zur Abwehr taktischer ballistischer Raketen
zusammengeschlossen. Wir werden nach
wie vor die Unterstützung des Kongresses . für moderne Flugabwehrraketen
und moderne Luftverteidigungssysteme
benötigen.
Die rechtzeitige Verstärkung für
Europa aus Nordamerika ist von entscheidender
Bedeutung.
Der
größte
Teil der Verstärkung aus Nordamerika
könnte zu spät eintreffen, um zur
konventionellen Verteidigung und Abschreckung beizutragen.
Zur Lösung
dieses Problems gibt es viele Ansätze, aber der größte Bedarf besteht
bei
der
Verbesserung
der
strategischen Transportfähigkeit.
Wir haben erst kürzlich unsere Bedingungen
für den Transport vereinfacht und unsere Pläne zum effektiveren Einsatz
des
verfügbaren
Seetransportpotentials verbessert. Wir benötigen die
Hilfe des Kongresses bei vielen Teilbereichen des Problems der Verstärkung, wenn wir in naher Zukunft Fortschritte erzielen wollen.
Die Feuerprobe einer glaubwürdigen Abschreckung im konventionellen
Bereich besteht darin, ob sie bei den
im Falle eines Krieges wahrscheinlichen
schweren
Kämpfen
angemessen
eingesetzt werden kann. Wir haben im
Rahmen der CDI für alle Länder in
diesem Bereich Zielsetzungen aufgestellt. Wir arbeiten ferner an wissenschaftlicheren und zuverlässigeren
Wegen, um den Bedarf an Munition
festzulegen.
Der Warschauer Pakt hat in den
vorderen Abschnitten genug Nachschub
gelagert, um 60 bis 90 Tage lang Operationen durchzuführen.
unser Nachschub wird wahrscheinlich sehr viel

eher verbraucht sein.
Meine größte
Sorge gilt dem Mangel an der zur Panzer- und
Flugabwehr
entscheidenden
Munition.
Auch bei größeren Ausrüstungsgegenständen, die im Kriegsfall
schwer beschädigt werden, ist der Bestand knapp.
Wenn wir uns alle fünf Bedingungen für eine wirkungsvolle konventionelle Abschreckung vergegenwärtigen, wird uns bewußt, daß sie wie jedes einzelne Glied einer Kette stark
und effektiv sein müssen.
Die Vernunft gebietet, daß wir die von mir
beschriebenen Mängel weiterhin entschlossen
beheben
und
gleichzeitig
nach Möglichkeiten suchen, um ein für
beide
Seiten
vorteilhaftes
neues
Gleichgewicht auszuhandeln.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

5. Oktober 1988

36

RÜCKKEHR IN DEN WELTRAUM
DISCOVERY-Mission:

Testflug des verbesserten Raumtransporters -

WASHINGTON - (AD) - Die "Mission 26" der amerikanischen Bundesbehörde für
Luft- und Raumfahrt (NASA) mit dem Raumtransporter DISCOVERY und seiner fünfköpfigen Besatzung ist erfolgreich beendet. Nach dem Start am 29. September
1988 um 16.37 Uhr MEZ von der Rampe 39 B in Kap Canaveral und einem ViertageFlug um die Erde in Höhen zwischen 250 und 300 km landete DISCOVERY am 3. Oktober um 17.37 Uhr MEZ in der Mojave-Wüste (Kalifornien).

Neben
der
Computer-Überwachung
aller technischen Funktionen während
Start, Flug und Landephase kommt den
Beobachtungen der Astronauten größte
Bedeutung zu. Alle fünf - Kommandant
Frederick
Hauck,
Kopilot
Richard
Covey, sowie David C. Hilmers, Mike
Lounge und George D. Nelson als Missionsspezialisten
- waren
bereits
mehrmals im Weltraum, einige von ihnen bei früheren Einsätzen der DISCOVERY.
Nach dem CHALLENGER-Unglück vom
28. Januar 1986, das 73 Sekunden nach
dem Start infolge der Explosion von
Trägerraketen und Orbiter den sieben
Astronauten an Bord das Leben kostete, unterzog die NASA das gesamte Sy-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stem einer eingehenden Überprüfung.
Die seitdem mit einem Aufwand von
mehr als zwei Milliarden Dollar betriebenen
technischen
Veränderungen
und Neukonstruktionen
stellen
nach
Ansicht
der beteiligten
Ingenieure
wie auch der NASA-Vertreter das Menschenmögliche
zur Verbesserung der
Sicherheit dar. Aber erst die Eignung Hunderter neuer oder verbesserter Komponenten unter Raumflugbedingungen kann Gewißheit bringen, ob das
Richtige getan wurde. Die Auswertung
der damit zusammenhängenden Meßdaten,
aber auch der wissenschaftlichen Daten von den mitgeführten oder an Bord
vorgenommenen
elf Forschungsexperimenten, dürfte geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ein KoloB wurde ausgesetzt
Eine•der Hauptaufgaben der Besatzung, nämlich das Absetzen des Nachrichtensatelliten (Tracking and Data
Relay Satellite - TDRS) , wurde bereits sechs Stunden nach dem Start in
Florida erfüllt.
Nachdem Kommandant
Hauck nach Freisetzen der fast elf
Meter langen und 18,5 Tonnen schweren
Nutzlast mittels eines Federmechanismus die DISCOVERY in Sicherheitsabstand manövriert hatte, wurde die erste der beiden TDRS-Raketenstufen gezündet. Damit begann 250 km über der
Erde der zweitägige Aufstieg des Satelliten zur geostationären Bahn in
36 000 km Höhe, wo nach mehrwöchigen
Tests und funkgesteuerten Vorbereitungen für den regulären Betrieb der
nun als TDRS-2 bezeichnete Nachrichtensatellit auf dem 171. Längengrad
über dem Zentralpazifik stationiert
werden soll.
Von den Trägerrakten
befreit, ist seine Masse auf 2,25
Tonnen geschrumpft.
Die Spannweite
beträgt in der Achse der beiden ausgefahrenen
Sonnenenergie-Kollektoren
17 Meter, im 90-Grad-Winkel dazu in
der Achse der beiden Parabolantennen
13,5 Meter.
Zusammen mit dem Pendant TDRS-1
bietet dieses System die Möglichkeit,
die direkte Funkverbindung zwischen
Bodenstationen
und bemannten
sowie
unbemannten
Raumschiffen
wesentlich
zu verbessern und gleichzeitig einige
kostspielige
Bodenstationen
einzusparen.
Mit einem
Raumtransporter
oder mit anderen Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen wird über 85 Prozent der Flugbahn um die Erde ständiger Kontakt möglich. Dabei fungieren
die
beiden
leistungsstarken
TDRSNachrichtensatelliten
in 36 000 km
Höhe als Relaisstationen. Bereits im
Februar 1989 plant die NASA ein weiteres TDRS-Gerät für Bahnbeobachtung
und Datenübermittlung in den Weltraum
zu schicken, um den seit April 1983
über
dem
Atlantik
stationierten
TDRS-1, zu ersetzen und diesen dann
nur noch als Reservegerät zu verwenden.
Für
die
Forschungsprojekte
MAGELLAN (Radar-Sondierung des Plane-

ten Venus, Start April 1989), GALILEO
(Sondierung des Planeten Jupiter und
seiner Atmosphäre, Start im Oktober
1989)
und
WELTRAUMTELESKOP
(Start
1990) ist das TDRS-System ebenfalls
von besonderer Bedeutung. im übrigen
sind diese von der amerikanische Firma CONTEL gebauten Satelliten von der
NASA angemietet.

Experimente in der Schwerelosigkeit
Bei einer Reihe von Experimenten
wurde die Schwerelosigkeit (korrekter
wäre die Bezeichnung "Mikrogravitation"
statt "Schwerelosigkeit", da
die Masse des Raumschiffs auch eine allerdings geringe - Gravitationswirkung hat) genutzt, um z.B. Kristallwachstum, Phasentrennung von Flüssigkeit verschiedener Viskosität, Kornbildung für metallisches Gefüge und
anderes zu studieren.
So schickten
Wissenschaftler
der
Firmen
Upjohn
Company, DuPont Corporation, Merck
Pharmaceuticals,
Schering-Plough,
Burroughs
Wellcome
Co.
(USA) und
Wellcome Research Laboratories (Großbritannien) Proben in Spezialbehältern mit, die bestimmte Proteinsubstanzen enthielten.
In einem Fall
war auch das Enzym Reserve Transkriptase beteiligt, das eine Schlüsselrolle bei der Vermehrung von AIDSViren spielt. Bei einem Wachstum der
Proteinkristalle unter Mikrogravitation können sich diese groß genug
ausbilden, um die
dreidimensionale
molekulare
Struktur
zu
erkennen.
Dies wiederum ist wichtig für die
Entwicklung geeigneter Medikamente nicht
nur gegen AIDS-Erkrankungen,
sondern beispielsweise auch gegen andere Immunstörungen, gegen Bluthochdruck, Emphysem, Schmerzzustände und
Entzündungen.
AgrarWissenschaftler
sind im Hinblick auf die Entwicklung
besserer Fungizide zur Behandlung von
Pilzkrankheiten bei Pflanzen an den
Experimenten interessiert.
Die Firma 3M setzte ihre Versuche
fort, bei denen festes organisches
Material bis zum Dampfzustand erhitzt
wird und sich dann als Kondensat in

- 2 -

�einem dünnen Film niederschlägt. Die
sich
dabei
bildenden
Kristallenen
sind in einer Weise geordnet arrangiert, wie sie unter irdischen Bedingungen niemals erreicht würde.
Mit
solchen
und ähnlichen
Experimenten
könnten z.B. der Computertechnik neue
Dimensionen eröffnet werden.
In einem
anderen
Experiment
wird
ein
Schmelzofen
zur
Herstellung
einer
Mangan-Wismuth-"Legierung"
benutzt,
die
möglicherweise
Bemühungen
zur
Entwicklung
besserer
magnetischer
Werkstoffe weiterbringen kann.
Von
der Universität Sydney kam ein Experiment, mit dem an menschlichem Blut
der Verklu.iipungsvorgang
von Zel len
studiert werden
kann.
Man hofft,
aufgrund der jetzt gewonnenen Ergebnisse überblicken zu können, ob künftige Versuche unter Schwerelosigkeit
die klinische Forschung auf dem Gebiet von Anomalien bei roten Blutzellen fördern könnten.
Die
Astronauten
erprobten
ein
Verfahren, im Orbiter über Infrarotwel'en statt über die üblichen Radiowellen miteinander zu telefonieren.
Dieses Verfahren würde die Unterhaltung völlig abhörsicher machen, weil
Infrarotwellen nicht nach außen dringen.
Fallt sich das Verfahren als
qeeignet erweist, könnte es später in
der geplanten Raumstation, aber auch
auf Kriegsschiffen sowie in Militärflug- und Fahrzeugen eingesetzt werden .
Ein weiteres Experiment, das die
Astronauten ausführten, galt der Beobachtung (mit Foto- und Fernsehkameras) von Blitzen auf der Nachtseite
der Erde.
Geophysiker sehen in dem
Versuch eine Möglichkeit, mehr Erkenntnisse
über
die
gegenseitigen
Auswirkungen
von
Blitzentladungen,
übei die Auswirkung von Blitzentladungen auf benachbarte Sturmfronten
und auf die wechselnde Struktur von
WinJströmungen über weiträumigen Gebieten zu gewinnen. Astronaut Nelson
hatte dabei die Aufgabe, mit einer
35-mm-Kamera und Spezialfilm zu genau
angegebenen Zeiten Aufnahmen vom Erdhorizont zu machen.
Das geschah im

Auftrag eines Unternehmens, das verbesserte Horizont-Sensoren für Satelliten in erdsynchroner Bahn - das
heißt in 36 000 km Höhe - herstellen
will.
Schließlich
durften
auch
die
Schülerexperimente nicht fehlen. Eines galt der Erzeugung möglichst fehlerfreier
Blei-Jodid-Kristalle,
die
eines Tages vielleicht in astrophysikalische Instrumente zum Erfassen von
Gamma- und Röntgenstrahlen im Universum eingebaut werden und die Leistung
solcher Apparaturen verbessern könnten.
Beim zweiten ging es um die
gleichmäßigere Kornbildung im Gefüge
von Titan.
Am dritten Flugtag legten Ilauck
und Nelson ihre Druckanzüge an und
machten die zum ersten Mal installierte Vorrichtung für einen Notausstieg
betriebsbereit.
Sie probten
den Ernstfall, um sich zu vergewissern, daß das Gerät auch bei Schwerelosigkeit funktionsfähig ist.
Während des Trainings für "Mission 26" kam dem Einsatz des Rettungsgeräts
in den
verschiedensten
Situationen
entscheidende
Bedeutung
zu.
Es handelt sich um einen durch
eine Seitenluke des Orbiter teleskopähnlich ausfahrbaren Tragmast, an dem
die Astronauten einer nach dem anderen bis zum Absprung in sicherem Abstand vom Fluggerät entlanggleiten.
Im Schutzanzug ist u.a. ein Fallschirm und ein aufblasbares Boot eingebaut.
Das Rettungssystem kann jedoch nur während des gesteuerten Fluges in der Atmosphäre verwendet werden .

- 3 -

* * * * * *

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10340">
              <text>05.10.1988</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10341">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10342">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10343">
              <text>Amerikadienst 05.10.1988</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10344">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Proklamation zum Tag der Deutsch-Amerikaner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vernachlässigung der Verteidigungsanstrengungen belasten das Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;UdSSR hat offensives militärisches Einsatzkonzept nicht geändert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von General Galvin vor dem Repräsentantenhaus &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückkehr in den Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;DISCOVERY-Mission: Testflug des verbesserten Raumtransporters&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
