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                  <text>: eo

S

T&gt;

AMERIKA DIENST

28. September 1988

35

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan hält START-Abkommen Innerhalb des nächsten Jahres für möglich
- Rede aes Präsidenten vor den Vereinten Nationen HINTERGRUNDMATERIAL
Frieden, Chancengleichheit und Führungsstärke bestimmen die Debatte
- Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Organtransplantationen sind Routine geworden
- Lange Wartezeiten für Empfänger Antarktisforschung begann vor 150 Jahren
u

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

28. September 1988

35

REAGAN HÄLT START-ABKOMMEN INNERHALB DES NÄCHSTEN JAHRES FÜR MÖGLICH
- Rede des Präsidenten vor den Vereinten Nationen VEREINTE NATIONEN - (AD) - Trotz erheblicher Zweifel, ob es zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion innerhalb der nächsten Monate zum Abschluß eines Vertrags über den Abbau strategischer Waffen kommen wird, erklärte Präsident Reagan in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 26. September 1988, es "sei mehr als wahrscheinlich", daß innerhalb
des nächsten Jahres ein solches Abkommen zwischen beiden Seiten erzielt werden
kann.
Reagan verwies ferner auf den Einsatz chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak und forderte die Signatarstaaten des Genfer Protokolls von 1925
über ein Verbot chemischer Waffen auf, gemeinsam mit anderen Interessenten
"gemeinsame Maßnahmen zur Abwendung der ernstzunehmenden Aushöhlung dieses
Vertrages zu erörtern".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär,
sehr verehrte Delegierte. Auf der
anderen Seite der Erde - und weit
entfernt von diesem Ort des Friedens
- haben zum ersten Mal in der jüngsten Zeit Kämpfe, Mord und Blutvergießen in zwei gnadenlosen Konflikten
nahezu ein Ende.
Nachdem wir zunächst der Liste von Schreckenstaten
neue Namen hinzufügen konnten - Namen
wie Halabja, Maidan Schar und Spin
Buldak - besteht heute im Persischen
Golf und in Afghanistan Hoffnung auf
Frieden.
Über Frieden wird auch in den
Hochebenen und Küstenstädten des südlichen Afrika - Stätten des Bürgerkrieges und der Besetzung durch ausländische
Truppen
gesprochen:
Frieden für das geplagte Angola.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

6 500 Meilen weiter östlich besteht
jetzt in dem südostasiatischen Land
Kambodscha Hoffnung auf eine Einigung, Hoffnung auf den Abzug der
vietnamesischen
Besatzungstruppen.
Und schließlich leben auf unserem
Kontinent heute etwa 90 Prozent der
Völker Lateinamerikas in einer demokratischen Regierungsform - vor nur
zwölf Jahren waren es lediglich ein
Drittel. Insbesondere in Mittelamerika haben jetzt Länder wie El Salvador, die einstmals durch Todesschwadrone und das Gespenst totalitärer
Herrschaft von Anarchie bedroht waren, Hoffnung auf Selbstbestimmung
und Aussichten auf wirtschaftliches
Wachstum.
Und es gibt noch eine weitere
Veränderung, Herr Generalsekretär -

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�eine Veränderung steht bevor, die,
wenn sie sich fortsetzt, als eine der
bemerkenswertesten Leistungen der Geschichte gelten wird und uns verwundert den Kopf schütteln läßt - eine
Veränderung, die an die Wurzel der
Spannungen
in
der
Nachkriegszeit
rührt und den einstmals scheinbar unerfüllbaren Traum vom Ende der beiden
eng verknüpften Bedrohungen unserer
Zeit aufgreift - Totalitarismus und
einen thermonuklearen Weltkrieg.
Zum ersten Mal bestehen bei den
Unterschieden zwischen Ost und West grundlegenden
Unterschieden
über
wichtige moralische Fragen zum Wert
des Einzelnen und dem Problem, ob Regierungen die Menschen kontrollieren
sollten oder umgekehrt - Anzeichen
für eine Annäherung und zwar bis zu
einem Punkt, an dem nicht nur wie etwa in Afghanistan ein Abzug von Truppen stattfindet, sondern vielmehr im
Ostblock Gespräche über Reformen und
größere Presse- , Versammlungs- und
Religionsfreiheit
geführt
werden.
Dennoch bestehen weitere grundlegende
Unterschiede. Aber wenn die Gespräche über Reformen darüber hinausgehen
und zur Realität werden, besteht die
Aussicht, daß nicht nur ein neues
Zeitalter in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern ein neues Jahrhundert des Friedens in der
Welt anbricht. Denn solche Reformen
können Frieden hervorbringen; die Geschichte lehrt uns - und mein Land
hat immer daran geglaubt -, daß die
Achtung der Rechte des Einzelnen und
des Volkes den Krieg in weite Ferne
rücken läßt, denn es sind nicht Menschen, die Krieg führen, sondern lediglich Regierungen.
Ich stehe also in einem Augenblick der Hoffnung an diesem Pult Hoffnung nicht nur für die Menschen
in den Vereinigten Staaten oder der
Sowjetunion, sondern für alle Völker
der Welt. Und Hoffnung auch für den
Traum vom Frieden unter den Völkern,
den Traum, der zur Gründung der Vereinten Nationen führte.
Aufgrund

eben dieser Veränderun-

gen haben die Vereinten Nationen heute eine Lebensfähigkeit und Arbeitsmöglichkeiten wie nie zuvor.
Herr
Generalsekretär, Sie haben bereits
durch Ihre Beharrlichkeit, Geduld und
ihre unerschütterliche Willenskraft
bei der Arbeit am Frieden in Afghanistan und im Persischen Golf bewiesen,
welcher Wert den Vereinten Nationen
zukommen kann. Und wir würdigen Ihre
Leistungen.
Genau in diesem Augenblick finden
in
Genf
zahlreiche
Verhandlungen
statt:
multilaterale Verhandlungen
bei der Abrüstungskonferenz sowie bilaterale Verhandlungen zu einer Reihe
von Problembereichen
zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.
Und diese Verhandlungen, von
denen einige unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehen,
beinhalten ein umfangreiches Programm
im Bereich der Rüstungskontrolle bei den strategischen Offensivwaffen,
der strategischen Verteidigung im
Weltraum, Atomtests und der Kriegführung mit chemischen Waffen, deren
Dringlichkeit uns erst vor einigen
Tagen wieder bezeugt wurde.
Herr Generalsekretär, die Verhandlungen sind in vollem Gange und
waren in den vergangenen Jahren weit
mehr als nur eine akademische Fingerübung. Bewegung findet statt. Der
tote Punkt ist überwunden.
Erst
kürzlich wurde mit der Unterzeichnung
des INF-Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjtunion
eine ganze Kategorie amerikanischer
und sowjetischer Nuklearwaffen abgeschafft. Weitere Fortschritte werden
bei Verhandlungen
zur Reduzierung
einer großen Zahl strategischer Waffen bei wirkungsvoller Verifizierbarkeit erzielt. Und in Kürze werden
Gespräche über einen Abbau konventioneller Streitkräfte in Europa aufgenommen.
Viele der Gründe für all dies
liegen meiner Ansicht nach in Genf
selbst - in dem kleinen Schloß am
See, in dem ich zum ersten meiner Kamingespräche mit dem Generalsekretär

- 2 -

�der Sowjetunion zusammentraf und wo
der Austausch von Offenheit, aber
auch Wohlwollen gekennzeichnet war.
Ich habe beim ersten Genfer Gipfeltreffen erklärt, daß dies eine einzigartige Zusammenkunft zweier Menschen war, die genug Macht besitzen,
um den Dritten Weltkrieg oder ein
neues Zeitalter des Friedens unter
den Völkern zu beginnen. Und ich habe ebenfalls darauf verwiesen, daß
Friedenskonferenzen,
Riistungskontrollverhandlungen und Vorschläge für
Verträge nur sinnvoll sein können,
wenn sie Teil eines umfassenderen
Kontextes sind - ein Kontext, in dem
die tiefer zugrundeliegenden Unterschiede zwischen uns erforscht und
gelöst werden. Ich habe damals Herrn
Gorbatschow wie jetzt auch Ihnen hier
erklärt:
Nationen hegen kein Mißtrauen gegeneinander, weil sie bewaffnet sind, sondern sie sind bewaffnet, weil sie einander mißtrauen.
An diesem Ort, an diesem friedlichen See in der neutralen Schweiz,
sind Herr Gorbatschow und ich eine
neue Beziehung eingegangen, die sich
nicht allein auf das Engagement zu
dem Einzelproblem der Rüstungskontrolle gründete, sondern auf ein umfangreicheres Programm über unsere
grundlegenden Unterschiede; ein Programm üter Menschenrechte, regionale
Konflikte und den Austausch zwischen
unseren Völkern. Sogar bei der Rüstungskontrolle selbst haben wir beschlossen, über die Vergangenheit
hinauszugehen und nicht nur nach Verträgen zu streben, die uns den Bau
von Waffen auf höherem Niveau erlauben, sondern nach revolutionären Abkommen, mit denen eine ganze Kategorie von Nuklearwaffen tatsächlich reduziert und sogar beseitigt werden
würde.
Was an diesem Morgen in Genf begonnen wurde, hat Früchte getragen:
den INF-Vertrag, meinen jüngsten Besuch in Moskau, meine Chance, mit
sowjetischen Bürgern und Dissidenten
zu Gesprächen über Menschenrechte zusammenzutreffen. Und ich konnte auf
dem Lenin-Hügel in Moskau zu den jun-

gen Menschen in der Sowjetunion über
das Wunder und die Qualität der Freiheit des Menschen sprechen. Die Ergebnisse dieses Morget.s. in Genf zeigen sich in den Friedenskonferenzen,
die jetzt auf der ganzen Welt zu regionalen Konflikten stattfinden und
auch in der Arbeit der Vereinten Nationen hier in New York und in Genf.
Herr Generalsekretär, die Geschichte mahnt dennoch zur Vorsicht:
tatsächlich ist das Gebäude in Genf,
in dem wichtige Verhandlungen stattgefunden haben - beispielsweise das
Genfer Afghanistan-Abkommen, die Verhandlungen zwischen Iran und Irak steinernes Zeugnis eines unerfüllten
Traums vom Frieden in einem anderen
Zeitalter.
Der Palais des Nations
war der Sitz des Völkerbundes - einer
Institution, die das Ende des Krieges
überhaupt symbolisieren sollte. Und
dennoch fanden diese Institution und
ihre edlen Ziele mit dem Zweiten
Weltkrieg ihr Ende, weil die Länder
der Welt in den dreißiger Jahren
nicht die Chance für den Frieden genutzt und die Menschheit nicht den
Mut gefunden hat, die Aggressoren zu
isolieren und Regierungsformen zu
verwerfen, die dem Staat und nicht
den Menschen dienen.
Herr Generalsekretär, wir haben
uns heute mit der Entschlossenheit
hier eingefunden, daß den Vereinten
Nationen ein solches Schicksal erspart bleiben soll. Wir wollen, daß
den Vereinten Nationen Erfolg beschieden ist und sie der Sache des
Friedens für die Menschheit dienen.
Herr Generalsekretär, wir sind
uns aber auch in dieser Zeit der
Hoffnung der Tatsache bewußt, daß die
Möglichkeit des Scheiterns real vorhanden ist. Dieses Wissen entmutigt
uns jedoch nicht. Es beflügelt uns
vielmehr. Denn der Einsatz ist hoch:
Werden wir jetzt schwanken und versagen und den gerechten Zorn künftiger
Generationen über uns heraufbeschwören? Oder setzen wir die Arbeit der
Gründer dieser Institution fort und
sorgen dafür, daß letzten Endes die

- 3 -

�Freiheit
geachtet
wird
und
die
Menschheit keine Kriege mehr kennt?
Und daß dieser Ort, dieser Boden hier
wahrhaftig
"der
Welt
letztes
Schlachtfeld" sein wird.
Wir sind entschlossen, dies zu
erreichen.
Deshalb wenden wir uns
nun dem Programm des Friedens zu.
Lassen Sie uns zunächst ein Anliegen
ansprechen, daß mich während meines
Treffens mit Herrn Gorbatschow im
Kreml wie auch die sowjetischen Bürger, denen ich in Moskau begegnet
bin, beschäftigt hat. Wie ich weiß,
ist dies auch ein Problem mit unmittelbarer Bedeutung für die Delegierten dieser Versammlung, die diesen
Herbst den 40. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
begehen.
Jene Erklärung drückt ganz klar
das aus, was diejenigen, die nach
Frieden streben, nur unter äußerster
Gefahr vergessen können, nämlich, daß
der Frieden auf einer Grundlage beruht: der Beachtung "der unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der
menschlichen
Familie".
In
einem
Jahrhundert, in dem totalitäre Regierungen die Menschenrechte verweigert
haben, wie nie zuvor in der Geschichte - wobei so viele Millionen Menschen aufgrund staatlicher Politik
willkürlich dem Hungertod preisgegeben oder vernichtet wurden -, einer
Geschichte aus Blut, Dummheit und
Stacheldraht, wie einmal gesagt wurde, da kann sich kaum jemand wundern,
daß sich der Frieden als so schwer
erreichbar erwiesen hat.
Wir sollten folgendes verstehen:
wenn wir Frieden möchten, dann müssen
wir die Grundrechte unserer Mitmenschen anerkennen. In unserem eigenen
Land und in anderen Ländern. Wenn
wir den Frieden wollen, dann darf der
menschliche Geist nicht länger mit
Füßen getreten werden. Menschenrechte gelten nicht nur für einige und
für eine befristete Zeit. Die Menschenrechte gelten, wie in der von
dieser Versammlung im Jahr 1948 verabschiedeten
Allgemeinen
Erklärung

proklamiert, "für alle Menschen und
alle Staaten". Und für alle Zeit.
Diese Beachtung der Menschenrechte als Grundlage des Friedens bildet
den Kern der Vereinten Nationen. Die
Verhungernden in Äthiopien, die Kurden, die dem Tod preisgegeben sind,
diejenigen, die mit rassischer Ungerechtigkeit in Südafrika konfrontiert
sind, diejenigen, die in der Sowjetunion immer noch nicht frei schreiben
oder sprechen können, diejenigen in
der Ukraine, die ihre Religion nicht
ausüben können und diejenigen, die
auf Booten im Südchinesischen Meer um
ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen,
diejenigen in Managua, die nicht frei
publizieren oder sich versammeln können - all dies ist mehr als nur ein
Tagesordnungspunkt auf ihrem Terminkalender. Es muß ein vordringliches
Anliegen sein; ein Problem, das den
anderen übergeordnet
ist.
Denn,
wenn die Menschenrechte nicht bei den
Vereinten Nationen an erster Stelle
stehen - wenn die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht in diesen Hallen und Konferenzzimmern respektiert wird -, dann steht die
Glaubwürdigkeit dieser Organisation
auf dem Spiel, ist der Zweck ihrer
Existenz in Frage gestellt.
Aus diesem Grund werden die Vereinten Nationen stärker, wenn Fortschritte im Bereich der Menschenrechte erzielt werden, und die Vereinigten Staaten sind darüber sehr erfreut. Nach zweijährigen Bemühungen
unter der Führung der Vereinigten
Staaten hat die UNO-Menschenrechtskommission zum Beispiel einen wichtigen Schritt zur Beendigung von Doppelmoral und Zynismus unternommen,
die sie so lange geprägt hatten.
Jahrelang war Kuba, ein eklatanter
Verletzer der Menschenrechte seiner
Bürger, der Mißbilligung oder auch
nur Überprüfung durch die Vereinten
Nationen entgangen. In diesem Jahr
hat Kuba auf den von der Menschenrechtskommission ausgeübten Druck reagiert, indem es eine Untersuchung
seiner Menschenrechtsverletzungen akzeptierte.
Fidel Castro hat schon

�begonnen, einige politische Gefangene
freizulassen, die Bedingungen in den
Gefängnissen zu verbessern und die
Existenz einer kleinen, unabhängigen
nationalen
Menschenrechtsgruppe
zu
tolerieren.
Es muß noch mehr getan werden;
die Vereinten Nationen müssen beim
Streben nach Veränderungen schonungslos und unnachgiebig sein. In Kuba
und andernorts. Und wir müssen uns
ebenso darum bemühen, daß die Allgemeine Erklärung nicht durch einzelne
Vorgänge entwertet wird, wie etwa die
Resolution "Zionismus ist Rassismus".
Die Beachtung der Menschenrechte ist
die erste und fundamentale Mission
dieses Gremiums, die grundlegendste
Verpflichtung seiner Mitglieder. Wohin man sich in der heutigen Welt
auch wendet, gibt es ein neues Bewußtsein, eine wachsende Leidenschaft
für die Menschenrechte - die Menschen
der Welt werden sich immer einiger;
neue Gruppen, neue Koalitionen bilden
sich; Koalitionen, die die Regierung
beobachten, die sich gegen Diskriminierung wehren, die gegen religiöse
oder politische Unterdrückung kämpfen, gegen unrechtmäßige Inhaftierung, Folter oder Exekution. Mit den
Worten derjenigen, mit denen ich im
vergangenen Juni im Spaso-Haus gesprochen habe: solche Bewegungen machen einen Unterschied.
Wenn wir uns nun den regionalen
Konflikten zuwenden, so spüren wir
wiederum Auftrieb für Hoffnungen. Im
Golf-Krieg zwischen Iran und Irak einem der blutigsten Konflikte seit
dem Zweiten Weltkrieg - gibt es einen
Waffenstillstand.
Die Entschlossenheit und Festigkeit der verbündeten
Nationen, den Persischen Golf für die
internationale Schiffahrt offen zu
halten, hat nicht nur die Herrschaft
des Gesetzes gewahrt, sondern auch
zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Konflikt beigetragen und
die Grundlage des Friedens geschaffen.
Die entschlossene Resolution
des Sicherheitsrats vom Juli vergangenen Jahres ist zum Plan für einen
friedlichen Golf geworden. Laßt die-

sen Krieg - einen Krieg, in dem es
weder Sieger noch Besiegte, sondern
nur Opfer gab - laßt dieser. Krieg
jetzt zu Ende gehen. Sowohl der Iran
als auch der Irak sollte mit dem Generalsekretär und dem Sicherheitsrat
bei der Anwendung der Resolution 598
zusammenarbeiten.
Laßt den Frieden
einziehen.
Wenden wir uns einer zweiten Region zu. Als ich Jahr 1983 zum ersten Mal vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen sprach, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der
Weltöffentlichkeit auf die brutale
Invasion und illegale Besetzung Afghanistans.
Nach fast neun langen
Kriegsjahren haben sich der Mut und
die Entschlossenheit des afghanischen
Volkes und der afghanischen Freiheitskämpfer durchgesetzt - und heute
ist ein Ende der Besetzung in Sicht.
Am 14. April unterzeichnete die UdSSR
die Genfer Vereinbarungen, die unter
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen von Pakistan und dem Kabuler Regime ausgehandelt wurden. Wir ermutigen die Sowjetunion, ihren Truppenabzug zum frühestmöglichen Zeitpunkt
abzuschließen,

damit

das

afghanische

Volk ohne weitere Einmischung von
außen frei über seine Zukunft entscheiden kann.
Auch im südlichen Afrika beginnen
Jahre geduldiger Diplomatie und Unterstützung derjenigen in Angola, die
nach Selbstbestimmung streben, sich
auszuzahlen. Wir sehen einem Abkommen zwischen den Regierungen Angolas,
Kubas und Südafrikas mit Zuversicht
entgegen, das einen vollständigen Abzug aller ausländischen Truppen - vor
allem der Kubaner - aus Angola vorsieht.
Ebenso zuversichtlich sind
wir im Hinblick auf die vollständige
Anwendung der UNO—Sicherheitsratsresolution 435 und unser seit langem
bestehendes Ziel der Unabhängigkeit
von Namibia.
Wir werden weiterhin
den wachsenden Konsens unter den führenden afrikanischen Politikern fördern, die ebenfalls der Meinung sind,
daß ein Ende des Konflikts in der Region unmöglich ist, solange es keine

- 5 -

�nationale Aussöhnung in Angola gibt.
Herr Generalsekretär, es bestehen
neue Hoffnungen in Kambodscha, einer
Nation, für deren Freiheit und Unabhängigkeit wir ebenso leidenschaftlich eintreten wie wir dies für die
Freiheit und Unabhängigkeit Afghanistans taten. Wir fordern den zügigen
Abzug aller vietnamesischen Truppen
und eine Lösung, die die Rückkehr der
Roten Khmer an die Macht verhindert
und stattdessen die Errichtung einer
wirklich
repräsentativen
Regierung
erlaubt
einer
Regierung,
die
schließlich die Rechte der Bürger
Kambodschas vollständig respektieren
und dem unsäglichen Leid, das sie so
mutig und unnötigerweise ertragen haben, ein Ende bereiten wird.
In anderen wichtigen Bereichen
begrüßen wir die Bemühungen des Generalsekretärs, ein Referendum über die
West-Sahara zu entwerfen.
Und im
Mittelmeerraum finden direkte Gespräche zwischen griechischen und türkischen Zyprioten statt, die große Aussichten auf ein Abkommen in diesem
geteilten
Inselstaat
bieten.
Schließlich
hoffen
wir auf eine
friedliche Lösung des arabisch-israelischen Konflikts. Und auch die unnatürliche
Teilung Europas bleibt
weiterhin ein bedeutendes Hindernis
für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
In der Mehrzahl dieser Bereiche
können wir also erfreulicherweise
Fortschritte beobachten.
Noch vor
wenigen Jahren, Herr Generalsekretär,
gerieten diese und andere Konflikte
in gefährlichem Maße außer Kontrolle.
In der Tat schien die Invasion Afghanistans und die offensichtlich fehlende Willenskraft der demokratischen
und friedliebenden Nationen zur Abschreckung solcher Vorfälle eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Aggression großer und wie auch kleiner
Nationen zu einer Epidemie wurde eine Atmosphäre, wie sie die Welt
seit den dreißiger Jahren nicht mehr
erlebt hatte. Nur wurde dieses Mal
ein größerer Krieg verhindert, weil

die freien und friedlichen Nationen
der Welt ihre Willenskraft und Entschlossenheit
wiedergewannen.
Und
die Vereinten Nationen leisten heute
wertvollen Beistand bei der Bekämpfung dieser Epidemie.
Und da wir diesen Zustand aufrechterhalten wollen, käme es einer
Vernachlässigung
meiner
Pflicht
gleich, wenn die eine Ausnahme unter
den regionalen Konflikten unerwähnt
bliebe, bei der keine Fortschritte zu
verzeichnen waren. Ich beziehe mich
auf die kontinuierliche Verschlechterung der Menschrechtssituation in Nicaragua und die Weigerung der verschwindend kleinen Elite, die heute
dieses Land regiert, das Versprechen
der Demokratisierung zu erfüllen, das
sie ihrem eigenen Volk und der internationalen Völkergemeinschaft gegenüber abgelegt haben.
Wiewohl sie
sich selbst als revolutionär bezeichnet, sucht diese Elite keine echte
Revolution; diesen Ausdruck zu verwenden ist eine Täuschung zur Verschleierung des Lasters, das zu den
ältesten und korruptesten der Menschheit gehört - des uralten Willens des
Menschen nach Macht, seine Lust, das
Leben anderer zu kontrollieren und
ihnen die Freiheit zu stehlen.
Aus diesem Grund werde ich als
Präsident weiterhin den Kongreß und
die
amerikanische
Öffentlichkeit
drängen, sich hinter diejenigen zu
stellen, die diesem Versuch widerstehen, dem Volk von Nicaragua ein totalitäres Regime aufzuzwingen; die Vereinigten Staaten werden nach wie vor
denjenigen Beistand gewähren, die von
der Aggression dieses Regimes gegen
seine Nachbarn in Mittelamerika bedroht sind.
Ebenso appelliere ich heute an
die Sowjetunion, in Mittelamerika
denselben konstruktiven Realismus an
den Tag zu legen, wie sie ihn in anderen regionalen Konflikten unter Beweis gestellt hat. Ihren Teil zur
Beendigung des Konflikts in Mittelamerika beizutragen, indem der Strom
von Waffen und Munition in Milliar-

�denhöhe an das sandinistische Regime
unterbrochen wird, ein Regime, dessen
Ziel der regionalen Beherrschung wenn auch letztlich zum Scheitern
verurteilt - weiterhin großes Leiden
für das Volk in diesem Gebiet verursachen kann und ein Risiko für die
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
birgt.
Wenn nicht jetzt Maßnahmen
ergriffen werden.
Zum Thema Rüstungskontrolle habe
ich bereits die Bedeutung des INFVertrages und die bei den START-Verhandlungen erzielten Fortschritte erwähnt. Der START-Vertragsentwurf ist
ein umfangreiches Dokument, in dem
zahlreiche Formulierungen zur Kennzeichnung solcher Abschnitte noch in
Klammern stehen, bei denen die Meinungsverschiedenheiten zwischen den
beiden Vertragsparteien noch nicht
ausgeräumt sind. Aber im Verlauf der
Somtnersitzungen in Genf konnte eine
Vielzahl dieser Formulierungen in
endgültiger Version vorgelegt werden
und es besteht aller Grund zu der Annahme, daß dieser Prozeß fortgesetzt
werden kann. An die Adresse der hier
Anwesenden gerichtet kann ich sagen,
daß es höchst unwahrscheinlich ist,
einen solchen Vertrag in wenigen Monaten fertigzustellen - ich kann Ihnen aber versichern, daß der Zeitraum
eines Jahres von heute an gerechnet
wahrscheinlich, sogar mehr als wahrscheinlich ist. Wir haben uns jedoch
keine Frist gesetzt. Kein Abkommen
ist besser als ein schlechtes Abkommen.
Die Vereinigten Staaten sind
weiterhin optimistisch und erkennen
die von der Sowjetunion bei diesen
Verhandlungen bewiesene Kooperation
an. Wir erwarten, daß diese Einstellung auch bei unserer Besorgnis über
die Einhaltung der bestehenden Abkommen zum Tragen kommt.
Unsere Gespräche über Atomtests,
Verteidigung und den Weltraum waren
ebenfalls sehr nützlich. Ich möchte
hier vor der Vollversammlung jedoch
betonen, daß ein Großteil der bei den
Rüstungskontrollverhandlungen erzielten Fortschritte dem technologischen
Fortschritt selbst zu verdanken sind,

insbesondere im Hinblick auf das Potential für weltraumgestützte Defensivsysteme. Ich bin der Überzeugung,
daß die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, solche Defensivsyteme
- Systeme die der Vernichtung von Raketen und nicht von Menschen dienen zu erforschen, zu entwickeln und
wenn es soweit ist - zu stationieren,
in hohem Maße für die in den vergangenen Jahren in Genf erzielten Fortschritte verantwortlich ist. Im Falle eines versehentlichen Raketenabschusses oder der Tat eines Wahnsinnigen irgendwo auf der Welt werden
die Weltmächte mit solchen Systemen
zum ersten Mal nicht mit der alleinigen Option massiver Vergeltung konfrontiert sein, sondern stattdessen
die Möglichkeit zu einer weiseren
Entscheidung haben - sich gegen einen
Angriff zu schützen, anstatt ihn zu
rächen. In dem Maße, in dem Defensivsysteme an Wirksamkeit zunehmen,
verringern sie also die Bedrohung und
den Wert immer größerer Ofxensivarsenale. Noch vor kurzem habe ich aus
Informationsgesprächen im Oval Office
den Eindruck gewonnen, daß Fortschritte in Richtung auf solche Systeme noch rascher erzielt werden und
weniger kostenintensiv sein könnten,
als wir zunächst angenommen haben.
Heute
bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Verpflichtung zur Strategischen Verteidigungsinitiative und
unserem Angebot, den Nutzen strategischer Verteidigung mit anderen zu
teilen.
Und selbst während diplomatische
und technologische Fortschritte zu
Hoffnungen Anlaß geben, den schrecklichen Alptraum nuklearen Terrors, in
dem wir während der Nachkriegszeit
gelebt haben, aus der Welt zu schaffen - selbst in diesem Augenblick
breitet sich ein anderes bedrohliches
Gespenst des Schreckens auf der Welt
aus. Ein Grauen, von dem wir annahmen, es läge ninter uns, ein Grauen,
das nun aus der lange begrabenen Vergangenheit
bedrohlich
näherrückt:
aus der gespenstischen, traumatischen
Erfahrung der Schützengräben und den
gequälten, fahlen Gesichtern von Mil-

- 7-

�lionen Toten in einem der unmenschlichsten Konflikte aller Zeiten.
Giftgas. Chemische Waffen. Herr
Generalsekretär, verehrte Delegierte
- diese Schrecken.
Dieses Grauen.
Wir verurteilen sie.
Der Einsatz
chemischer Waffen im iranisch-irakischen Krieg bringt - über den tragischen menschlichen Tribut hinaus die Schranken von Moral und Gesetz
ins Wanken, die diese Waffen seit dem
Ersten Weltkrieg unter Kontrolle gehalten haben. Diese Tragödie muß zu
einer erneuten Bekräftigung des Genfer Protokolls führen, das den Einsatz chemischer Waffen für ungesetzlich erklärt. Ich fordere die Unterzeichnerstaaten
dieses
Protokolls
ebenso wie die anderen betroffenen
Staaten zur Einberufung einer Konferenz auf, um gemeinsam zu ergreifende
Maßnahmen zur Abwendung der ernstzunehmenden Aushöhlung dieses Vertrages
zu erörtern. Und wir drängen alle
Nationen zur Zusammenarbeit bei der
Verhandlung
eines
verifizierbaren,
wirklich weltweiten Verbots chemischer Waffen bei der Abrüstungskonferenz in Genf.
Es obliegt allen zivilisierten
Nationen, Kriegführung unter Einsatz
von chemischen Waffen und Giftgasen
ein für allemal - auf einer verifizierbaren Basis und weltweit - zu
verbieten.
Darüber hinaus müssen wir, Herr
Generalsekretär,
unsere
Bemühungen
verdoppeln, der Weiterverbreitung von
Nuklearwaffen auf der Welt Einhalt zu
gebieten. Auch andere hochentwickelte Waffen wie die ballistischen Raketen sind nahezu weltweit verbreitet
und verschärfen somit regionale Rivalitäten in einer Art und Weise, die
weltweite Auswirkungen haben kann.
Die
Anzahl
potentieller
Anbieter
nimmt in alarmierendem Maße zu und es
muß mehr getan werden, um die Verbreitung dieser Waffen zu stoppen.
Dies war ein Thema bei den in der
vergangenen Woche zwischen den Außenministern Shuitz und Schewardnadse
geführten Gesprächen.
Gespräche zu

diesem Thema werden heute zwischen
amerikanischen und sowjetischen Experten aufgenommen. Und wir setzen
unsere Hoffnung auf multilaterale Bestrebungen, damit Krisenherde wie der
Nahe Osten nicht noch tödlichere
Schlachtfelder werden, als sie bereits sind.
Aber in der Mehrzahl dieser Bereiche können wir nicht nur Fortschritte sondern auch das Potential
für die immer maßgeblichere Rolle
multilateraler Bestrebungen und Institutionen wie der Vereinten Nationen beobachten.
Aus diesem Grund
müssen die Vereinten Nationen ihre
Effektivität mehr denn je durch Haushalts- und Programmreformen verbessern. Die Vereinten Nationen nehmen
bereits einschneidende Kürzungen vor,
die Personalabbau, Konsens bei der
Budgeterstellung und die Formulierung
der
Programmprioritäten
betreffen.
Diese Maßnahmen sind von vorrangiger
Bedeutung. Dank der Fortschritte bei
den Reformen konnte ich Mittel freigeben, die Restriktionen des Kongresses unterlagen. Ich gehe davon aus,
daß die Reformprogramme fortgeführt
und weitere Mittel im kommenden Haushaltsjahr freigegeben werden.
Und lassen Sie mich an dieser
Stelle hinzufügen:
wir beglückwünschen die Vereinten Nationen zu der
Arbeit, die sie auf drei besonders
wichtigen Gebieten geleistet hat.
Erstens muß unser Kampf gegen die
Geißel des Terrorismus und staatlich
geförderten Terrorismus unvermindert
anhalten. Ebenso müssen wir Geiselnahmen ein Ende bereiten. Zweitens
ist die Arbeit der Weltgesundheitsorganisation bei der Koordinierung und
der Förderung von Forschungsvorhaben
zur Bekämpfung von AIDS lebenswichtig. Die internationalen Bestrebungen auf diesem Gebiet müssen verstärkt werden. Die AIDS-Problematik
ist bedrohlich - wir müssen ihr gemeinsam begegnen.
Das gleiche trifft auf das Drogenproblem zu.
Ein neues Abkommen
zur Bekämpfung des Drogenhandels ist

�in greifbare Nähe gerückt.
Dieser
wichtige Vertrag wird im Dezember
fertiggestellt sein und ich bin zuversichtlich, daß andere maßgebliche
Programme der Vereinten Nationen zur
Drogenkontrolle folgen werden.
Das
amerikanische Volk ist äußerst besorgt und zutiefst verärgert. Drogenhandel werden wir nicht tolerieren. Wir sind entschlossen, dagegen
zu Felde zu ziehen - und wir glauben,
daß dies ein Krieg ist, den die Vereinten Nationen unterstützen und an
dem sie sich beteiligen können.
Die Vereinten
Nationen stehen
besser da als noch vor acht Jahren dies gilt ebenso für die Welt. Doch
die wirkliche Reformproblematik in
den Vereinten Nationen ist nicht lediglich auf finanzielle oder verwaltungstechnische
Verbesserungen
begrenzt, sondern umfaßt auch eine höhere Ebene von Reformen intellektueller und philosophischer Natur, die
Reform althergebrachter Anschauungen
über die Beziehungen zwischen dem
Einzelnen und dem Staat.
Nur wenige Entwicklungen waren
beispielsweise für die Vereinigten
Staaten ermutigender als jene Sondersitzung, die dieses Organ vor zweieinhalb Jahren über Afrika abgehalten
hat.
Bei dieser Sitzung sprachen
sich die Vereinten Nationen mit einer
Stimme für freie Marktanreize und den
Abbau staatlicher Kontrollen zur Förderung wirtschaftlicher Entwicklungen
aus.
Bei einer der ersten internationalen Versammlungen unter meiner Präsidentschaft erklärte ich im mexikanischen Cancun, die Geschichte beweise stets erneut, daß Wirtschaftswachstum und menschlicher Fortschritt
den größten Auftrieb in Ländern erhalten, die wirtschaftliche Freiheit
fördern. Jene Landwirte, Arbeitnehmer, Eigentümer, Händler und Geschäftsführer sind das Kernstück der
Entwicklung.
Vertraut ihnen.
Denn
wo immer sie etwas schaffen und erbauen dürfen, wo ihnen eine persönliche Beteiligung
an Entscheidungen

über Wirtschaftspolitik und an den
Früchten
ihrer
Arbeit
eingeräumt
wird, werden Gesellschaften dynamischer, erfolgreicher, fortschrittlicher und freier. Wir glauben an die
Freiheit. Wir wissen, daß sie funktioniert.
Und dies, Herr Generalsekretär
und sehr geehrte Delegierte, ist die
unwiderrufliche
Lektion der Nachkriegszeit:
die Freiheit funktioniert. Ich möchte sogar noch weitergehen:
Freiheit und Frieden gehen
Hand in Hand. Jedes Jahr findet diese Lektion weitere Verbreitung auf
der Welt, von der Volksrepublik China
bis zum Kamerun, von Bolivien bis
Botswana, und sogar in der Hochburg
des Marxismus-Leninismus. Nein, mein
Land hat dieses Zusammenwirken von
Frieden und Freiheit nicht erfunden,
aber - seien Sie versichtert - wir
werden dem freien Export unserer in
über zwei Jahrhunderten gesammelten
Erfahrung damit keine Beschränkungen
auferlegen. Freie Menschen, die von
den Segnungen wirtschaftlicher Chancen profitieren und die von Gesetzen
geschützt sind, die die Würde des
Einzelnen wahren, werden nicht in den
Krieg oder die Herrschaft über andere
getrieben. Darin liegt der Weg zum
Weltfrieden,
Und wir Amerikaner verfechten die
Freiheit nicht nur, weil sie praktisch und nutzbringend ist, sondern
auch weil sie gerecht und moralisch
richtig ist. Und ich hoffe, daß Sie,
Herr Generalsekretär, mir an dieser
Stelle erlauben darauf hinzuweisen,
daß ich vor dieser Versammlung häufiger als jeder meiner Vorgänger gesprochen habe, und daß dies zugleich
auch das letzte Mal sein wird. Ich
hoffe, Sie gestatten mir einige abschließende Bemerkungen.
Die Welt ist heute Zeuge einer
anderen Feier internationaler Zusammenarbeit. Bei den Olympischen Spielen beobachten wir, wie Nationen gemeinsam in den sportlichen Wettkampf
eintreten, und erleben junge Menschen, die so herzlich wenig von den

- 9 -

�Ressentiments ihrer Väter wissen, wir
sehen Sie als eine Gemeinschaft zusammenkommen.
Eine unserer jüngeren - aus bescheidenen Verhältnissen stammenden Athletinnen sagte, sie schöpfe die
Kraft für ihre Leistungen aus einer
anderen Quelle des Reichtums. Über
die Liebe, die ihr gegeben, und die
Werte, die ihr vermittelt wurden, erklärte sie: "Als Familie waren wir
reich."
Herr Generalsekretär, ich wage zu
hoffen, daß wir in den Empfindungen
dieser jungen Athletin ein Zeichen
des Wiedererwachens althergebrachter
und erprobter Werte - wie beispielsweise der Familie - erblicken werden.
Dies ist die erste und wichtigste
Einheit der Gesellschaft, in der alle
Werte und alles Lernen beginnt, eine
Institution, die bewahrt und geschützt werden muß. Das gilt auch
für Werte wie Arbeit, Gemeinschaft,
Freiheit und Glauben.
Denn genau
hier finden wir die logische Grundlage für die Sache der Menschenrechte
und des Weltfriedens.
Und unsere eigene - amerikanische
- Erfahrung auf diesem Kontinent konfrontierte uns bei all ihrer Kürze
ganz unverkennbar mit dem Beharren
auf der Bewahrung einer heiligen
Wahrheit.
Es handelt sich um die
Wahrheit, die unser erster Präsident
- unser Gründervater - erstmals in
seiner Abschiedsrede an das amerikanische Volk weitergab. Es ist eine
Wahrheit, die ich mit Ihrer Erlaubnis
nun in meinen Abschiedsbemerkungen
zitieren möchte.
Es handelt sich um eine Wahrheit,
die in unserer Unabhängigkeitserklärung verankert ist: daß die Sache
der unveräußerlichen Rechte, der Gedanke der Menschenwürde, der Stellung
&lt;1es Gewissens über den Zwang nur im
Zusammenhang mit einem höheren Recht
vertreten werden kann. Nur im Zusammenhang mit dem, was einer der Gründer dieser Organisation, Generalsekretär Dag Hammarskjold, die "Hingabe

an etwas, das größer und höher ist
als wir selbst" genannt hat.
Dies ist ein endloser Kreislauf,
die letzte Wahrheit, zu der die
Menschheit anscheinend immer wieder
zurückkehrt. Daß Religion und Moral
und der Glaube an ein höheres Wesen
die
Voraussetzungen
für
Freiheit
sind. Und daß Gerechtigkeit und innerer Frieden der erste Schritt zu
Gerechtigkeit und Frieden auf der
Welt und für alle Zeiten ist.
Dies ist der Ort langer Debatten
und ernsthafter Diskussionen.
Und
dennoch muß ich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß einer unserer
Gründerväter, der weltlich gesinnte
und zugleich international orientierte Benjamin Franklin den Ablauf unserer verfassungsgebenden Versammlung
unterbrach, um im Grunde das Gleiche
zu sagen.
Und ich muß am heutigen Vormittag
an andere Anfänge denken. Daran, wo
und wann ich zum ersten Mal jene Worte las: "und sie sollen ihre Schwerter zu Pflugscharen machen..." und
"ihre jungen Menschen sollen Visionen
haben und ihre alten Menschen sollen
Träume träumen..." An diesem Vormittag gehen meine Gedanken an sie, die
mir so viel im Leben gegeben hat, deren wichtigstes Geschenk aber die Gewißheit ihres Glücks war und der
Trost, den man im Gebet findet. Es
ist die größte Hilfe, die mir in meiner Präsidentschaft zukam. Ich erinnere mich hier an Lincolns Worte, der
gesagt hat, nur der dümmste Mensch
könnte annehmen, die Pflichten des
von mir derzeit übernommenen Amtes
erfüllen zu können, ohne sich an jemanden Stärkeren zu wenden, eine
Macht,
die
über
allem
anderen
steht...
Wenn also zukünftige Generationen
wirklich von uns sagen, daß in unserer Zeit der Friede nähergekommen ist
und wir tatsächlich ein neues Zeitalter der Wahrheit und Gerechtigkeit
hervorgebracht haben, dann wird dies
ein Grund, stolz zu sein. Aber es

- 10 -

�wäre sogar Grund zu noch größerem
Stolz, wenn dann auch gesagt wird,
wir wären klug genug gewesen zu erkennen, daß die Erwägungen großer
Staatsmänner und großer Gremien nur
eine Overtüre sind - daß die wahrhaft
königliche Musik - die Musik der
Freiheit, der Gerechtigkeit und des
Friedens - die Musik ist, die entsteht, wenn wir nicht nur an uns
selbst denken und uns dem Willen des
Schöpfers beugen.
Ich danke für den
Empfang, den Sie mir in
ren bereitet haben und
mich nun von Ihnen.
Sie.

freundlichen
all den Jahverabschiede
Gott schütze

* * * * *

- 11 -

�: e ° S7&gt;

V,aN

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

28. September 1988

35

FRIEDEN, CHANCENGLEICHEIT UND FÜHRUNGSROLLE BESTIMMEN DIE DEBATTE

- Artikel zum ersten Fernsehduell Bush-Dukakis -

WINSTON-SALEM (North Carolina) (AD) - In der ersten Fernseh-Debatte
der Präsidentschaftskandidaten am 25.
September 1988 betonte Vizepräsident
George Bush Frieden und Chancengleichheit, während sein Gegenspieler, der Gouverneur von Massachusetts
Michael Dukakis, den Schwerpunkt auf
eine starke Flihrungsrolle legte.
Beide Kandidaten haben in ihrer
Wahlkampagne immer wieder auf diese
Bereiche verwiesen und sie auch in
der neunzig Minuten langen Debatte,
die in der Wake Forst University
stattfand, erneut selbstbewußt und
überzeugend vertreten. Die Kandidaten beantworteten Fragen von Journalisten, wobei die Antworten landesweit
an ein Fernsehpublikum von
schätzungsweise
100 Millionen Zu-

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Embassy of the United States of America

schauern gerichtet waren.
Keinem
Kandidaten unterlief bei der erneuten
Darstellung seiner Ansichten und Qualifikationen gegenüber den Wählern
ein größerer Schnitzer.
Bush verteidigte die Leistungen
der Reagan-Administration und erklärte, mit Frieden durch Stärke sei es
möglich gewesen, ein Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion zu
erzielen, das niemand für möglich gehalten hätte. Bush wörtlich: "Jetzt
erkennt jeder, daß Frieden durch
Stärke funktioniert."
Er erklärte, die Bilanz mit der
Vereinbarung eines Vertrages über die
Reduzierung strategischer Waffen und
eines Verbots zum Einsatz chemischer
Waffen noch verbessern zu wollen.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Der andere zentrale Punkt der
Wahl Ist Bush zufolge Chancengleichheit, die er als die Möglichkeit definierte, Amerika Arbeitsplätze - vor
allem im Privatsektor - zu erhalten.
Dukakis bekannte sich als leidenschaftlicher Verfechter der Führungsrolle, da ihm an den Menschen liegt
und er sich aus diesem Grunde um Probleme wie Gesundheitsfürsorge und den
Wohnungsmarkt kümmert. Er erklärte,
das Land benötige eine starke und
wirkungsvolle Abschreckung mit Nuklearwaffen, er befürworte dennoch nur
eine begrenzte Forschung im Rahmen
der Strategischen Verteidigungsinitiative
der
Reagan-Administration,
und seiner Ansicht nach sei die Ausgabe von Milliarden Dollar für das
Programm sinnlos. "Unsere nationale
Sicherheit und die Sicherheit unserer
Wirtschaft sind untrennbar", erklärte
Dukakis.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

28. September 1^88

35

ORGANTRANSPLANTATIONEN SIND ROUTINE GEWORDEN
- Lange Wartezeiteten für Empfänger -

(AD) - Seit der ersten Herztransplantation durch Dr. Christiaan Barnard vor mehr als 20 Jahren in Kapstadt (Südafrika; wurden chirurgische
Techniken und spezielle Medikamente
entvickelt, die heute
den Erfolg
einer Organübertragung in den allermeisten Fällen sichern können. Stets
geht es darum, ein unheibar krankes
oder funktionsunfähiges Organ - Herz,
Leber, Niere - durch ein gesundes Organ von einer anderen Person zu ersetzen. Bei den Spendern handelt es
sich meist um Unfallopfer, seltener
um Menschen mit plötzlicher massiver
Hirnblutung.
Ihre
Hirnfunktionen
sind irreversibel zum Stillstand gekommen, obgleich das Herz mit apparativer Hilfe noch schlägt. Sie hatten
verfügt - oder ihre Angehörigen hatten zugestimmt -, in eiern solchen

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Embassy of the United States of America

Fall Organe zu entnehmen und anderen
Menschen mit einer Organspende zu
helfen.
Den größten Fortschritt für das
Gelingen
von
Organübertragungen
brachte zweifellos die Entdeckung von
Cyclosporin, eines Medikaments, das
die Abstoßung von Fremdgewebe drastisch verringert, ohne gleichzeitig
die körpereigenen Abwehrkräfte gegen
Infektionen völlig auszuschalten. Es
wurde Ende der siebziger Jahre gefunden, als man Bodenpilze auf mögliche
antibiotische
Eigenschaften
untersuchte.
Noch vor weniger als einem Jahrzehnt war das Einheilen eines Fremdorgans infoige von Abstoßungsreaktionen des körpereigenen
Immunsystems

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�ernsthaft behindert. Aber schon 1986
konnten dank des nun verfügbaren Cuclosporings z.B. alleine in den Vereinigten Staaten 8 900 Nieren übertragen werden. Im gleichen Jahr kam
es zu 1 300 Herztransplantationen,
dreimal mehr als 1984 bis 1986, wurde
die Anzahl von Leberübertragungen
verdoppelt - auf 924. Eine Transplantation
der
Bauchspeicheldrüse,
die noch immer als risikoreiche Prozedur gilt, wurde im Jahr 1986 140
mal vorgenommen, dreimal so oft wie
zwei Jahre zuvor.
Der erste Transplantationspatient
Barnards starb 18 Tage nach Empfang
des neuen Herzens an Lungenentzündung. Heute ist damit zu rechnen, so
Dr. Glenn Barnhart, Chefarzt für Chirurgie am Herztransplantationszentrum
aes Virginia Medical College (Washington) , daß zwei Drittel der Organempfänger länger als ein Jahr, 50
Prozent länger als fünf Jahre leben.
Allerdings kann Cyclosporin Nebenwirkungen, u.a. Nierenschädigungen, hervorrufen. Aber es gibt dem Arzt auch
die Möglichkeit, Patienten über 50
Jahren, die zuvor von solchen Operationen ausgeschlossen waren, ein neues Organ einzupflanzen.
So kann
jetzt auch ein 58jähriger Patient ein
neues Herz erhalten, und er hat die
Chance, damit 65 Jahre oder älter zu
werden.
Der bisher älteste Organempfänger war 67 Jahre alt.
Die Zeit, in der ein Spenderorgan
transplantationsfähig bleibt, konnte
ebenfalls verlängert werden: Nieren
lassen sich jetzt für ca. 50 Stunden
(noch vor kurzem höchstens 24 Stunden) konservieren.
Eine Leber muß
innerhalb von 24 Stunden, ein Herz
innerhalb von 12 bis 14 Stunden implantiert werden. Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, diese Fristen durch verbesserte Konservierungstechniken zu verlängern. Ebenso
werden die Untersuchungen auf Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und
Empfänger immer weiter verfeinert, um
ein möglichst komplikationsloses Einheilen des Spenderorgans zu gewährleisten.

Im Jahr 1984 verabschiedete der
US-Kongreß ein "National Organ Procurement and Transplantation Act".
Dieses Gesetz über die "Bereitstellung von Spenderorganen und deren
Transplantation" verlangte die Schaffung privater Organisationen zur Förderung der Bereitschaft, Organe zu
spenden, sowie eines privaten gemeinnützigen Netzwerks, um die Gewebetypisierung und die Entscheidung über
die
Gewebeverträglichkeit
zwischen
Spender und Empfänger zu erleichtern.
Dieses zentralisierte Netzwerk trägt
den Namen "United Network for Organ
Sharing"
(UNOS).
Es gewähleistet
eine faire Verteilung von Spenderorganen.
Einem im November 1987 verabschiedeten Bundesgesetz zufolge muß
jedes Hospital, in dem Organtransplantationen vorgenommen werden, der
Transplantationsorganisation UNOS angehören und genau spezifizierten Anforderungen genügen, um auch in die
zur medizinischen Versorgung alter
und minderbemittelter Bürger eingerichteten
Bundesprogramme
MEDICARE
und MED1CAID einbezogen werden zu
können. Das Gesetz verlangt außerdem
von allen Kliniken "schriftliche Protokolle über die Identifizierung potentieller Organspender".
Ca. 97
Prozent der 6 800 privaten und öffentlichen Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten partizipieren am
MEDICAREoder
MEDICAID-Program,
häufig auch an beiden.
Wie Dr. Keith Johnson, der Präsident von UNOS, berichtet, sei die
UNOS-Organisation verpflichtet, spezielle Daten über alle Spender und
Empfänger von Organen zu sammeln, die
innerhalb der USA transplantiert wurden - "gleichgültig, ob die Spender
bzw. Organe aus den Vereinigten Staaten...oder aus anderen Ländern stammen und zur Vornahme der Transplantation in die USA verbracht wurden".
John Gold, Stallvertretender Direktor
der Abteilung Organtransplantation am
US-Bundesministerium für Gesundheit
und soziale Dienste (HHS), fügte hin-

- 2 -

�zu, daß im allgemeinen keine Organe
aus anderen Ländern, Kanada ausgenommen, eingeführt werden. Von UNOS arrangiert würden allerdings bestimmte
Organe in andere Länder gesandt,
hauptsächlich nach England und in
einige weitere europäische Staaten.
Aufgrund des Gesetzes sei es ferner
ausdrücklich
verboten,
menschliche
Organe für Transplantationen zu kaufen oder zu verkaufen. Sämtliche im
Zusammenhang mit einer Transplantation ergriffenen Maßnahmen müssen den
Vorschriften der nationalen Organisation UNOS entsprechen.
Andernfalls
verlieren die betreffenden Kliniken
jeglichen Anspruch auf Zahlungen im
Rahmen von MEDICARE- und MEDICAIDProgrammen, was als sehr harte Strafbestimmung gilt.

Die Zahl der Zentren, in denen
Chirurgenteams Spenderorgane implantieren, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Landesweit gibt
es in den Vereinigten Staaten z. Zt.
123 Kliniken die Herztransplantationen durchführen (vor vier Jahren waren es erst 37). Obgleich die amerikanische Öffentlichkeit zum größten
Teil
Organtransplantationen
unterstützt, besteht ein erheblicher Mangel an Spenderorganen.
Mehr als
13 000 Menschen warten auf eine neue
Niere, erwa 900 auf ein Spenderherz.
Bei jedem dritten aus der letztgenannten Gruppe ist der Zustand so bedenklich, daß er den Zeitpunkt nicht
erleben dürfte, and dem für ihn ein
vielleicht ein geeignetes Spenderherz
zur Verfügung stünde.

Die mehr als 70 gemeinnützigen
Verbände zur Organbeschaffung in den
USA stellen dort die wichtigste Verbindung zwischen Spendern und Empfängern dar. Es gibt sie in fast jedem
amerikanischen Bundesstaat.
Gewöhnlich sind sie großen Kliniken angeschlossen. Sie verfügen über hochspezialisierte
medizinische
leams,
die potentielle Organspender identifizieren, Familien über Gewebeund Organspenden beraten, die Krankheitsgeschichten potentieller Spender prüfen
und Informationene über Spender and
die nationale Organisation
(UNOS)
weiterleiten.
UNOS speichert diese sofort in
einem permanent auf dem neuesten
Stand gehaltenen Computer, wo die Informationen mit den Daten aller in
den USA inzwischen erfaßten Personen,
die auf eine Organspende warten, verglichen werden. Spezielle Computerprogramme machen es möglich, den für
ein in Frage kommendes Organ am besten geeigneten Empfänger ausfindig
zu machen. Dann arrangiert UNOS den
Transport und sorgt für die sofortige
Kontaktaufnahme zwischen dem Zentrum,
wo die Explantation vorgenommen wird,
und dem Empfängerzentrum.
Täglich
rettet UNOS auf diese Weise Menschenleben.

- 3-

* * * * *

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Wissenschaft und Technik

28. September 1988

35

ANTARKTISFORSCHUNG BEGANN VOR 150 JAHREN

(AD) - Vor 150 Jahren begann eine
der wichtigsten Forschungsexpeditionen der Geschichte - eine Expedition,
in deren Folge geographische Karten
um eine bis dahin fast völlig unbekannte Region und entsprechende Bücher um ein neues großes Kapitel ergänzt wurden. Unter der Leitung des
amerikanischen
Marineleutnants
Charles Wilkes brach am 18. August
1838 eine wissenschaftliche Expedition aus den Vereinigten Staaten zu
den südlichsten Gewässern des Stillen
Ozeans auf. Am 30. Januar 1840 sichtete Wiikes Land. Er nannte es den
"Antarktischen Kontinent".
Als erster hatte Wilkes erkannt, daß man es
mit einer riesigen Landmasse, einem
"Kontinent", nicht nur mit unendlichen Eis- und Schneefeldern zu tun
hatte.

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Embassy of the United States of America

Generationen von Entdeckern und
Wissenschaftlern haben seitdem in der
Antarktis geforscht.
Während der
weltweiten als "Internationales Geophysikalisches Jahr" bezeichneten Gemeinschaftsaktien 1957/58 bildete sie
sogar einen der Schwerpunkte. Wissenschaftler aus 13 Ländern waren an
der Errichtung von 60 Forschungsstationen beteiligt. Der "Weiße Kontinent" wurde zu einem riesigen Laboratorium und ist es bis heute geblieben. In noch weitestgehend unberührter Natur studieren dort Wissenschaftler Erdgeschichte aus Zeiträumen, die Hunderte von Millionen Jahren zurückreichen. Sie suchten - und
fanden - Meteoriten aus Materie, die
vom Mond und vom Planeten Mars
stammt. Im Eis der Antarktis waren
sie unverändert erhalten geblieben.

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�Und die Forscher stellten z.B. fest,
daß der antarktische Kontinent eine
weite Strecke gewandert sein mußte,
bis er seine jetzige Position am Südende unserer Welt erreichte.
Versteinerungsfunde
und
Kohleschichten
geben Kunde von einer Zeit, in der
sich die Antarktis in einer tropischen Klimaregion befand.
Angesichts der Erfolge im "Internationalen
Geophysikalischen
Jahr"
setzten die USA ihr Antarktisprogramm
bis zum heutigen Tag fort. Eine Reihe anderer Nationen richteten ähnliche Programme ein, um die einzigartigen Forschungsmöglichkeiten in dieser
Region zu nutzen. Die Nationale Forschungsstiftung
der USA ("National
Science Foundation" - NSF) wendet
derzeit mehr als 115 Millionen Dollar
im Jahr für die Antarktisforschung
auf, an der etwa 100 000 Amerikaner
mitarbeiten.
Die
USA
unterhalten
jetzt ganzjährig vier Forschungsstationen, von denen aus Untersuchungen
auf den Gebieten Meeresund Landbiologie, Biomedizin, Geologie und Geophysik, Meteorologie
und
Physik
der
Hochatmospäre vorgenommen werden.
Dem 1959 abgeschlossenen Antarktis-Vertrag sind mittlerweile 32 Länder beigetreten.
Zusammen repräsentieren sie zwei Drittel der Erdbevölkerung. Der Vertrag schuf den rechtlichen Rahmen für internationale Zusammenarbeit in der Antarktis, für
freie Forschung in der Region und für
den Austausch von Forschungsplänen,
von Personal, Beobachtungen und von
Forschungsergebnissen.
Er verbietet
ausdrücklich nukleare Explosionen und
das Deponieren radioaktiver Abfälle
in diesem Gebiet und garantiert das
Recht
jedes
Teinehmerstaates,
die
Stationen und Ausrüstungen der anderen Partner zu inspizieren.

* * * * *
- 2 -

�</text>
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