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                  <text>AMERIKA DIENST
*

'VON

7. September 1988

32

INHALT

DOKUMENTATION

Gedenken an die Opfer von Ramstein
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier -

Sowjetisch-amerikanische Beziehungen fördern wirksame
Rüstungskontrolle
- Rede von ACDA-Direktor Burns in Den Haag -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Neuer Weg zur AIDS-Bekämpfung

••

- Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen
(

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

*

32

7. September 1988

GEDENKEN AN DIE OPFER VON RAMSTEIN
- Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier -

RAMSTEIN - (AD) - Aus Anlaß der Trauerfeier für die Opfer des Unglücks von
Rarastein sprach der amerikanische Botschafter, Richard R. Burt, am 3. September 1988 in der St. Nikolauskirche zu Ramstein den Angehörigen sowie den Verletzten in den Krankenhäusern sein tiefes Mitgefühl aus und versprach, daß
"wir aus den Ereignissen lernen und sicherstellen (werden), daß sich eine solche Tragödie niemals wiederholt".
Die Ansprache des Botschafters hat folgenden Wortlaut:

Wir sind heute hier versammelt,
um den Verlust und das Leid derer zu
beklagen, die erst vor sechs Tagen
auf der Ramstein Air Base an einem
Fest der Freundschaft teilgenommen
haben. Ich wende mich an diejenigen,
die Angehörige oder Freunde verloren
haben und an diejenigen, die in den
Krankenhäusern liegen:
wir können
heute hier Ihren Schmerz nicht lindern und ihren Verlust nicht ungeschehen machen. Wir können Ihnen nur
durch unser Mitgefühl beistehen und
Ihnen in Ihrem Leid Trost spenden.
Schon immer war es der Traum des
Menschen, fliegen zu können.
Der
Flug hat den Menschen Freiheit geschenkt und sie näher zusammengeführt.
Vergangenen
Sonntag
sind
Hunderttausende
gekommen,
um die

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Flugtechnik und diejenigen zu bewundern, die sie beherrschen. Aber der
Tod ist, wie Johann Wolfgang von
Goethe sagte, "eine Unmöglichkeit,
die plötzlich zur Wirklichkeit wird".
Und mit dieser Wirklichkeit sehen wir
uns heute konfrontiert. Die Tragödie
vom vergangenen Sonntag hat einem jeden von uns die Vergänglichkeit des
Lebens vor Augen geführt und uns erneut erkennen lassen, daß der Beherrschung der Welt durch den Menschen
Grenzen gesetzt sind.
Eine weitere Tragik besteht darin, daß eine Feier zur deutsch-amerikanischen Freundschaft und Solidarität im Bündnis der Anlaß für Verlust und Leid werden sollte. Ich
möchte unseren deutschen Freunden
versichern, daß wir in Ihrem Land zu

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�Gast sind. Wir sind Ihnen für die
Aufnahme dankbar, die Sie uns bereitet haben. Sie haben uns in guten
wie in schlechten Zeiten ihr Herz und
Ihr Land geöffnet. Wir werden Ihre
Gastfreundschaft niemals vergessen.
Und wir werden sie niemals mißbrauchen.
Unseren italienischen Kameraden
sage ich, daß wir den Verlust Ihrer
mutigen Flieger betrauern. Wir bewundern Ihren Beitrag zu Frieden und
Freiheit.
Unsere gemeinsame Trauer
bringt uns einander noch näher.
Und meinen Landsleuten in der
amerikanischen Luftwaffe sage ich,
daß Ihre Präsenz hier in der Bundesrepublik
Deutschland
hochgeschätzt
und dankbar anerkannt wird. Vor acht
Wochen flog ich zusammen mit Oberst
Guy Halvorsen an Bord eines derjenigen Flugzeuge nach Berlin, die er und
seine jungen Kameraden in der amerikanischen Luftwaffe während der Blokkade durch die Winternächte des Jahres 1948 nach Berlin steuerten. Die
Erinnerungen daran sind in Berlin
noch sehr lebendig. Sie sind es auch
in der Bundesrepublik Deutschland und
in der amerikanischen Luftwaffe. Vor
40 Jahren flog die amerikanische
Luftwaffe für die Freiheit, und dies
tut sie auch heute noch.
Vom ersten Moment der Katastrophe
am Sonntag an haben Deutsche, Amerikaner und die anderen Bündnispartner
zusammengearbeitet, um den Verletzten
zu helfen und denjenigen Trost zu
spenden, die Angehörige verloren haben. Obwohl nicht im Dienst, boten
zahlreiche deutsche und amerikanische
Ärzte und Sanitäter spontan ihre Hilfe an. 60 französische Soldaten reisten an, um Blut zu spenden. Zwei
Ärzte, selbst bei der Explosion verletzt, mit blutenden Wunden und versengten Kleidern, eilten anderen Menschen zu Hilfe, die noch schwerer
verwundet waren als sie selbst. Ihnen allen - aus den umliegenden deutschen und amerikanischen Gemeinden,
die Verletzte versorgt und denjenigen
Trost gespendet haben, die außer sich

waren, unter Schock standen oder
trauerten - sei gedankt. Unser Dank
ist unermeßlich.
In den nächsten Tagen werden wir
die Ereignisse des vergangenen Sonntags untersuchen. Amerikanische und
italienische Offiziere werden unter
der Leitung ihrer deutschen Kameraden
alle Aspekte dieser Tragödie, der ihr
vorausgehenden Entscheidungen und der
auf sie folgenden Handlungen überprüfen. Ich verspreche Ihnen, daß wir
aus den Ereignissen lernen und sicherstellen werden, daß sich eine
solche Tragödie niemals wiederholt.
Wir alle werden diesen Ort voller
Trauer verlassen.
Jeder unter uns
kann nur in seinem persönlichen Bild
von der Stellung des Menschen im Universum Trost finden. Über zwei Generationen haben Deutsche und Amerikaner Freud und Leid geteilt. Wir tun
dies auch heute. Indem wir uns hier
im Leid versammeln, indem wir zusammen trauern, erneuern wir unsere Verpflichtung auf diese Freundschaft und
wird uns diese Freundschaft eine
Stütze sein.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'1*

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Dokumentation

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7. September 1988

32

SOWJETISCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN FÖRDERN WIRKSAME RÜSTUNGSKONTROLLE
- Rede von ACDA-Direktor Bums in Den Haag -

DEN HAAG - (AD) - Dem Direktor der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Generalmajor a. D. William Burns, zufolge
"könnte der gegenwärtige Zustand der Ost-West-Beziehungen für eine wirksame
Rüstungskontrolle günstiger sein als jemals zuvor in der jüngsten Geschichte".
Dies "gilt insbesondere für die konventionelle Rüstungskontrolle," erklärte
Burns am 2. September 1988 in einer Rede in Den Haag, die wir nachfolgend veröffentlichen.
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, an einem Zeitpunkt zu Ihnen
sprechen zu können, an dem wir alle
mit Befriedigung des 40. Jahrestages
der Gründung
des Nordatlantischen
Bündnisses und des Friedens in Europa
gedenken, den die NATO in all diesen
40 Jahren gefördert und aufgebaut
hat. Das Bündnis ist ein Erfolg ein Segen, den wir alle zu schätzen
wissen, nicht nur unter dem Gesichtspunkt unserer grundlegenden Sicherheitsinteressen, sondern auch aufgrund des Zusammenschlusses in einer
Gemeinschaft freier Nationen mit gemeinsamen moralischen und demokratischen Werten. Als Amerikaner versichere ich Ihnen erneut, daß die
NATO weiterhin der Eckpfeiler der nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten bleibt.

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Als die NATO vor 40 Jahren gegründet wurde, war ihr Ziel der
Schutz der Freiheit und die Abschrekkung eines sowjetischen Angriffs auf
den Westen. Der Harmel-Bericht trug
vor über 20 Jahren der Tatsache Rechnung, daß sich das Bündnis ausreichende militärische Stärke und politische Solidarität bewahren muß, um
eine Aggression abzuschrecken, das
Territorium der NATO im Falle einer
Aggression zu verteidigen und in einem Klima des Friedens ein stabileres
Verhältnis anzustreben, in dem die
zugrundeliegenden politischen Probleme gelöst werden können. Im Lauf der
Zeit haben sich weder die Zielsetzung
der NATO noch der Charakter der Bedrohung geändert. Heute wie in der
Vergangenheit
- trotz "Glasnost",
trotz "Perestrojka", trotz des "neuen

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�Denkens" - bleibt die Herausforderung
durch die Sowjetunion, und hier insbesondere die anhaltende und weit
über legitime Verteidigungsbedürfnisse hinausgehende Aufrüstung der militärischen Fähigkeiten des Warschauer
Pakts - nuklear wie konventionell die größte Bedrohung der Sicherheitsinteressen des Bündnisses.
Im Zuge des anhaltenden Strebens
der NATO nach Frieden in Europa ist
es jedoch bisweilen zu Ereignissen
gekommen, die eine Neubewertung der
vom Bündnis zur Bewahrung seiner Sicherheit
angewandten
Ansätze
und
Strategien erforderlich machten. Das
vielleicht bemerkenswerteste Beispiel
des evolutionären Wandels in der
NATO-Strategie war die Verabschiedung
der Strategie der flexiblen Reaktion
vor über zwei Jahrzehnten. Während
also die Ziele und der Zweck des
Bündnisses in der ganzen Zeit identisch geblieben sind, müssen die Methoden, um diese Ziele zu erreichen
und die Art und Weise, in der wir die
Verteidigung des Bündnisses planen,
notwendigerweise den weltweiten Entwicklungen angepaßt werden.
Heute sind wir uns alle der Tatsache bewußt, daß der von Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow am 8. Dezember des vergangenen Jahres unterzeichnete INFVertrag einen Meilenstein in unserem
Bemühen um , mehr Stabilität und die
Verbesserung der westlichen Sicherheit darstellt. Diese bemerkenswerte
Errungenschaft ist einer der herausragenden Erfolge der Sicherheitspolitik des Bündnisses in diesem Jahrzehnt. Natürlich hat der INF-Vertrag
nicht all unsere Sicherheitsprobleme
gelöst.
Das eklatante Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften, mit dem wir schon seit vielen Jahren leben, bleibt bestehen.
Der INF-Vertrag hat jedoch erneut die
Aufmerksamkeit auf die Lage im konventionellen Bereich gelenkt und die
politische Bedeutung einer Behandlung
dieser Frage durch eine Kombination
von Rüstungskontrolle und Verbesserungen in der Verteidigung verstärkt.

Die Durchführung des INF-Abkommens
wird unweigerlich die Verteidigungsplanung der NATO in den kommenden
Jahren beeinflussen.
Der lange und schwierige Prozeß,
der im Jahr 1979 mit dem Doppelbeschluß begann und im vergangenen Jahr
im INF-Vertrag kulminierte, hat allen
gezeigt, daß in der Rüstungskontrolle
wesentliche Fortschritte erzielt werden können, wenn das Bündnis aus einer Position der Einigkeit und Stärke
verhandelt. Präsident Reagan hat zu
Beginn dieses Jahres in einem Bericht
an den amerikanischen Kongreß zur nationalen Sicherheitsstrategie bekräftigt, daß
"Rüstungskontrolle kein
Selbstzweck ist, sondern lediglich
eines von mehreren Mitteln zur Stärkung unserer nationalen Sicherheit.
Unsere Ziele in der Rüstungskontrolle
sind vollständig in unsere nationale
Sicherheitspolitik integriert, um die
Abschreckung zu stärken, das Risiko
zu verringern, die Beziehungen im
Bündnis zu fördern und sicherzustellen, daß die Sowjets keinen wesentlichen einseitigen Vorteil erringen."
Unserer Auffassung nach ist diese Politik der Rüstungskontrolle in Verbindung mit einer starken Verteidigung auch für die NATO unerläßlich,
wenn sie mit dem Warschauer Pakt Verhandlungen über Rüstungskontrolle im
konventionellen Bereich aufnimmt.
Ich muß jedoch hervorheben, daß
der INF-Vertrag uns weder von der
Last der Verteidigung entbindet noch
die für Europa bestehende Bedrohung
durch sowjetische Nuklearwaffen beseitigt hat. Der Oberste Alliierte
Befehlshaber, General Galvin, hat dazu erklärt: "Obwohl die nuklearen Fähigkeiten der NATO durch Abschaffung
der Pershing II und bodengestützten
Marschflugkörper verringert werden,
reichen die nuklearen Fähigkeiten auf
dem europäischen Kriegschauplatz für
die weitere Anwendung der NATO-Abschreckungsstrategie aus und die Sicherheit Europas und der Vereinigten
Staaten wird nicht abgekoppelt. Weit
über 4 000 amerikanische Nuklearwaffen - und 326 000 amerikanische Sol-

�daten - werden im Gebiet des Oberkommandos Europa stationiert bleiben."

i

*

Darüber hinaus erkennen die Spitzenpolitiker des Bündnisses seit langem die Notwendigkeit für Verbesserungen im Bereich der konventionellen
Verteidigung zur Förderung der Stabilität, auch wenn gerade Rüstungskontrollverhandlungen stattfinden, die
darauf abzielen, den Umfang der gegnerischen konventionellen Streitkräfte in Europa zu verringern. Als Folge dessen widmet das Bündnis enscheidenden Notwendigkeiten größere Aufmerksamkeit, wie etwa größeren Munitionslagern und anderen Kriegsreserven, verbesserten Einrichtungen zur
Landung und zum Schutz von Flugzeugen
der Verbündeten, die Europa Verstärkung liefern, besseren Fähigkeiten
zur Neutralisierung angreifender Folgestaffeln des Ostblocks und modernisierten Fähigkeiten zur Verteidigung
in der Luft und auf See.
Obwohl ich mich in meinen folgenden Ausführungen auf konventionelle
Rüstungskontrolle als Aspekt der Sicherheit des Bündnisses konzentrieren
möchte, sollten diese dennoch im Zusammenhang mit meiner uneingeschränkten Unterstützung für die vereinbarte
Bündnispolitik von Verbesserungen im
konventionellen Bereich der Verteidigung verstanden werden, die ich soeben angesprochen habe. Rüstungskontrolle und Abrüstung sind nicht die
einzigen Mittel, um das in Euopa bestehende militärische Ungleichgewicht
zu beheben. Für die Sicherheit des
Westens müssen zur Erhaltung einer
glaubwürdigen Strategie der Abschrekkung eines Krieges bestimmte Bedingungen erfüllt sein und dabei die effektive Mischung nuklearer und konventioneller Waffen Vorrang haben.
Sorgfältig geplante Verbesserungen im
Bereich der konventionellen Verteidigung müssen mit Rüstungskontrollabkommen einhergehen, um sicherzustellen, daß die Bedingungen für die Sicherheit des Bündnisses erfüllt und
nicht verschlechtert werden.

Meiner Ansicht nach könnte der
gegenwärtige Zustand der Ost-West-Beziehungen für eine wirksame Rüstungskontrolle günstiger S'-in als jemals
zuvor in der jüngsten Geschichte.
Das trifft insbesondere für Rüstungskontrolle im konventionellen Bereich
zu. Stürmische Veränderungen in der
Sowjetunion werden von sowjetischen
Politikern als neue Denkweise propagiert, die bei westlichen Beobachtern
ein offenes Ohr findet. Begriffe wie
"Glasnost" und "Perestrojka", Behauptungen über eine neue defensive Militärdoktrin des Warschauer Pakts, die
außenpolitische
"Friedensoffensive"
des Ostblocks und die Bereitschaft,
umfassendere Verifizierungen und echte Truppenreduzierungen zu akzeptieren, üben auf die westliche Öffentlichkeit einen gewissen Reiz aus.
Sie sind tatsächlich so reizvoll, daß
ungeduldige Vertreter der westlichen
Presse kürzlich westliche Politiker
und
Regierungen
wegen
mangelnder
Fortschritte in der Rüstungskontrolle
kritisiert hat. Es ist sogar vielfach klar und deutlich festgestellt
worden, daß die Vorschläge des Warschauer Paktes weitreichender seien
als die des Westens.
Gorbatschows Bestrebungen in der
Öffentlichkeitsarbeit haben zugegebenermaßen Auswirkungen auf Verhaltensweisen im Westen, auch in Westeuropa.
Die Auffassung, es bestehe nunmehr
geringere Bedrohung durch die Sowjetunion breitet sich in der jüngeren
Generation aus, die nicht automatisch
den Ernst der Lage in den Ost-WestBeziehungen oder deren Geschichte erkennt .
Andere wiederum verweisen auf die
Einsparungen, die sich ihrer Ansicht
nach bei einem Rüstungskontrollabkommen bei Mitteln ergeben werden, die
andernfalls für die Entwicklung und
Unterhaltung von Waffensystemen aufgewendet würden. Solche Mittel könnten ihrer Auffassung nach der Verbesserung sozialer Bedingungen zufließen.
Aber wir fechten diese Annahme
an, weil sie illusorisch ist. RU-

�stungskontrollabkommen führen nicht
automatisch zu Einsparungen für die
beteiligten Regierungen, insbesondere
nicht in marktwirtschaftlich orientierten westlichen Volkswirtschaften.
Es ist ein Fehler westlicher Regierungen,
Rüstungskontrollinitiativen
im Hinblick auf mögliche finanzielle
Einsparungen zu planen, weil es ganz
einfach keine Garantie dafür geben
kann, daß RUstungskontrollabkommen zu
solchen Einsparungen führen.
Vorschläge zur Rüstungskontrolle müssen
darauf abzielen, die Sicherheit des
Westens zu verbessern und nicht auf
echte oder mögliche Einsparungen.
Gleichzeitig wird es für das Bündnis
bei unseren weiteren Verhandlungen
über konventionelle Streitkräfte von
Bedeutung sein, daß wir den wirkungsvollsten Einsatz der verfügbaren Verteidigungsressourcen des Bündnisses
und eine gerechte Verteilung der Rollen und Pflichten zur Teilung dieser
Last gewährleisten.
Obwohl die jüngsten Rüstungskontrollvorschläge des Warschauer Pakts
und die angeblich in der Sowjetunion
stattfindenden Veränderungen auf einige einen gewissen Reiz ausüben, muß
man sich doch den Charakter dieser
Veränderungen vor Augen führen. Eine
eingehendere und durchdachtere Betrachtung als sie im Großen und Ganzen in der westlichen Presse erfolgte, wird belegen, daß diese Veränderungen aus anderen Gründen erfolgen,
als das Entstehen einer "neuen Sowjetunion" suggeriert. In Wirklichkeit zeigt vieles von dem, was wir
jetzt in der UdSSR beoachten, die zunehmende sowjetische Erkenntnis, daß
man sich an das anpassen muß, was als
qualitative Revolution bei den Entwicklungen im militärischen Bereich
betrachtet wird, möglicherweise auf
Umfang und Auswirkungen der Entwicklungen von Nuklearwaffen. Zum Beispiel haben westliche Entwicklungen
der Doktrin für Luftlandeoperationen
und der Strategie vorne stationierter
Seestreitkräfte, neuer Waffensysteme
und
bei
Technologien
wie
etwa
"Stealth" sowie das veränderte Konkurrenzverhältnis zur Volksrepublik

China die Sowjets gezwungen, mit einer anderen Art von Kriegführung fertigzuwerden und traditionelle Ansätze
zur Taktik, Durchführung von Operationen und Strategie in Frage zu
stellen.
Die Behauptung des Warschauer Pakts, eine auf Verteidigung
ausgerichtete Militärdoktrin zu haben, ist in Wirklichkeit eher ein
Versuch zur Verteidigung sowjetischer
Interessen als eine zuvorkommende
Geste gegenüber dem Westen. Und sie
sollte als das erkannt werden, was
sie ist.
Der schlagende Beweis wird nicht
die Veränderung in den kürzlich vernommenen öffentlichen Erklärungen der
Sowjets sein, sondern eine geänderte
Militärstruktur
und
Stationierung.
Offensichtliche Tatsache ist, daß bis
heute weder positive oder ermutigende
Veränderungen
in der sowjetischen
Truppenstärke und Disposition noch
bei der Lagerung von Munition oder
anderem Material nahe dem mittleren
Abschnitt stattgefunden haben.
Im
Gegenteil, selbst in den Jahren unter
Gorbatschows Führung herrscht in der
sowjetischen Militär- und Außenpolitik eine bemerkenswerte Kontinuität,
indem die Sowjetunion weiterhin militärisch aufrüstet und sich gleichzeitig zu ihren defensiven Absichten
"bekennt". Präsident Reagan hat erklärt, daß "wir auch in Zukunft die
Sowjets eher an ihren Taten als an
ihren Worten messen und unsere nationale Sicherheitsstrategie auf eine
realistische Sicht der sowjetischen
Ziele und Fähigkeiten gründen werden".
Ferner besteht seitens der Sowjetunion die Tendenz, ihre RUstungskontrollinitiativen zuerst in die Öffentlichkeit zu tragen und den Vereinigten Staaten oder anderen NATOPartnern Initiativen auf bilateraler
Ebene zu präsentieren, die zwischen
den beiden Bündnissen ausgehandelt
werden müssen. Der Westen muß ein
Gelingen dieser Taktik vereiteln.
Die Vereinigten Staaten haben es in
den vergangenen Monaten abgelehnt,
eine ganze Reihe sowjetischer Angebote zur konventionellen Rüsutungskon-

- 4 -

�trolle auf bilateraler Ebene zu erörtern und zwar genau deshalb, weil es
sich hierbei um multilaterale Bündnisprobleme handelt, die besser im
Rahmen der Genfer Gespräche behandelt
werden, wo derzeit die Diskussionen
zwischen Ost und West über ein Mandat
für neue konventionelle Gespräche
stattfinden. Während die Erarbeitung
eines Konsenses zwischen den unterschiedlichen Standpunkten innerhalb
der NATO einige Zeit erfordern mag,
gibt es letztlich keine Alternative
zu einer sorgfältig abgestimmten Position der NATO bei Verhandlungen,
die alle Bündnispartner direkt betreffen.
Im Hinblick auf konventionelle
Rüstungskontrolle bietet sich den Sowjets auch ein nicht zu leugnender
wirtschaftlicher Anreiz, konstruktive
Verhandlungen mit dem Westen aufzunehmen. Solange es den Sowjets nicht
gelingt, die Truppenstärken der NATO
durch Abrüstungsgespräche zu reduzieren - insbesondere im Bereich neuer
Technologien - haben sie das Gefühl,
sie müßten Schritte zum Ausgleich
dieser
Truppenstärken
unternehmen.
Während die gängigen sowjetischen
konventionellen Streitkräfte wie Panzer, Artillerie und Menschenpotential
entschieden billiger sind als vergleichbare
NATO-Streitkräfte,
sind
Hochtechnologiewaffen, bei denen die
Sowjets nur schwer mit dem Niveau der
westlichen Entwicklungen Schritt halten können, sehr viel teurer. Daher
haben sie ein beachtliches Interesse
daran, die Verhandlungen zur Begrenzung neuer Entwicklungen im Bereich
der Hochtechnologie zu benutzen und
Zeit zum Aufholen zu schinden. Aus
sowjetischer Sicht ist die Alternative zu konventioneller Rüstungskontrolle wahrscheinlich ein massiver
Einsatz von Ressourcen bei dem weiteren Versuch, die technologische Kluft
zu verringern, die für sie immer unüberbrückbarer wird.
Für die sowjetische Führung wäre
dies eine zu schwierige Entscheidung
in einer Situation, in der sie versucht, sich zunehmend im zivilen Be-

reich zu engagieren und dem Militär
immer weniger an Ressourcen zuzugestehen. Daher ist zentraler Bestandteil der neuen sowjetischen Politik,
ein vernünftigeres und zuvorkommenderes Bild der Sowjetunion zu liefern.
Ein weiteres Element ist die Verringerung der
"westlichen Bedrohung"
durch politische Mittel wie Rüstungskontrollverhandlungen, die dann die
militärischen Bedürfnisse des Ostens
reduzieren, oder zumindest die Kosten
der militärischen Aufrüstung zu vermeiden. Es ist kein Zufall, daß das
Thema des neuen sowjetischen Entgegenkommens bei der Rüstungskontrolle
einen zentralen Stellenwert in der
Öffentlichkeitsarbeit
der
Sowjets
einnimmt.
Wir geben uns nicht der Illusion
hin, die Zukunft der konventionellen
Rüstungskontrolle sei leicht.
Sie
befaßt sich nicht mit einer einzigen
Kategorie von Waffen wie die INF-Verhandlungen. Konventionelle Rüstungskontrolle konzentriert sich auf ein
breites Spektrum von Bestandteilen
wie Streitkräftestruktur, Organisation, Gerät und Doktrin. Die diesen
Bestandteilen innewohnende Komplexität muß ferner noch mit der Zahl der
an
den
bevorstehenden
Gesprächen
teilnehmenden
Länder
multipliziert
werden, da es sich hierbei nicht um
bilaterale
amerikanisch-sowjetische
Verhandlungen, sondern um Gespräche
zwischen den 23 Nationen der beiden
Bündnisse handelt.
Auf westlicher
Seite müssen wir uns effektiv mit den
Belangen der 16 souveränen, unabhänigen Staaten auseinandersetzen.
Die
Probleme werden sehr vielschichtig
sein und die Art von Standhaftigkeit
und Geschick erfordern, die das Bündnis erfolgreich durch die INF-Probleme geleitet haben. Wir alle dürfen
nicht vergessen, daß kollektive Verteidigung
kollektive
Verantwortung
bedeutet.
Die INF-Erfahrung sollte
uns jedoch lehren, daß die NATO-Bündnispartner in gemeinsamer Arbeit Rüstungskontrollabkommen
erarbeiten
können, mit denen die Sicherheit der
NATO wirklich verbessert werden kann.

- 5 -

�Zweifelsohne muß der Westen die
potentiellen Möglichkeiten der sich
angeblich in der Sowjetunion abzeichnenden neuen Einstellung ebenso in
Erwägung ziehen wie die scheinbare
Bereitschaft, die traditionellen OstWest-Probleme in einem neuen Licht zu
betrachten - was immer die Motive des
Ostblocks dafür sein mögen. Im Hinblick auf konventionelle Waffen und
die Angst des Westens vor konventioneller
Überlegenheit
hat
Michail
Gorbatschow erklärt, "Laßt uns dies
alles in einem neuen Licht betrachten. Bei den Waffenkategorien, bei
denen der Westen eine größere Anzahl
besitzt, soll er die entsprechenden
Reduzierungen vornehmen, und bei den
Kategorien, von denen wir mehr besitzen werden wir ohne zu Zögern diesen
'Überschuß' abbauen.
Mit anderen
Worten, wir streben ein Gleichgewicht
auf einem niedrigeren Niveau an."
Wir dürfen uns von solchen Bekenntnissen der sowjetischen Bereitschaft zur Verringerung der Streitkräfte nicht einlullen lassen und
glauben, diese Gefühle signalisierten, der Osten mache sich unsere
Sicht der Natur des Problems der konventionellen Sicherheit in Europa zu
eigen.
Wir müssen jedoch bereit
sein, jede Gelegenheit für wirkliche,
auf
dem
Verhandlungsweg
erzielte
Fortschritte bei der konventionellen
Rüstungskontrolle zu nutzen in unserem andauernden Bestreben zur Behebung des konventionellen Ungleichgewichts in Europa, das die größte Bedrohung eines anhaltenden Friedens
darstellt.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
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Wissenschaft und Technik

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7. September 1988

NEUER WEG ZUR AIDS-BEKÄMPFUNG
Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen

WASHINGTON - (AD) - Im Nationalen Krebsforschungsinstitut (U.S. National
Cancer Institute - NCI) der Vereinigten Staaten in Bethesda (Maryland) wird an
50 Patienten mit AIDS-Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium seit kurzem ein
neues Medikament erprobt, das NIV-Viren "abfangen" soll, bevor sie in die Immunzellen des menschlichen Körpers eindringen und das Abwehrsystem des Organismus lahmlegen.

Es handelt sich um synthetisches
CD4, ein gentechnisch hergestelltes
Präparat.
Dieses imitiert gewissermaßen das natürliche CD4-Protein, das
sich an der Oberfläche der Immunzellen befindet. Im Gefolge einer HIVInfektion heftet sich ein spezielles
Protein der Hülle des AIDS-Virus an
das natürliche CD4-Protein, was das
Einschleusen des Virus in die Zelle
ermöglicht.
Dort vermehrt es sich
und
löst eine katastrophale Reaktionskette aus.
Die Forscher hoffen, daß das gentechnische Produkt AIDS-Viren vom natürlichen CD4-Protein abzulenken und
zu binden vermag, bevor sie gesunde
Zellen infizieren.
Viele AIDS-Spezialisten halten es für den bislang
aussichtsreichsten Wirkstoff in der

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Entwicklung
von Medikamenten
gegen
die tödliche Immunschwächekrankheit.
Es ist das erste Präparat, bei dem
von Erkenntnissen
Gebrauch
gemacht
wird, die man beim Studium der Struktur des AIDS-Virus gewinnen konnte.
Die am 10. August 1988 am NCI begonnenen Versuche werden
in Kürze
durch weitere Erprobungsaktionen an
Kliniken in San Francisco und Boston
ergänzt. Vorläufig dienen sie in erster Linie dazu, festzustellen, ob
der Wirkstoff auch beim Menschen sicher ist und ob er die Vermehrung von
AIDS-Viren
verhindern
kann.
Bei
Tierversuchen
konnten
mit
dieser
"chemischen Falle" die Viren völlig
absorbiert werden, ehe sie in der Lage waren, Zellen zu infizieren. "Alle ersten Tests brachten gute Ergeb-

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�nisse",
berichtete
Dr.
Stephen
Sherwin, Direktor für klinische Forschung bei der Firma Genentech in Kalifornien, eine der Biotechnik-Firmen, die das synthetische CD4-Protein
herstellen.
Dr. Samuel Broder (NCI) sieht in
der Verwendung des Wirkstoffs einen
der wichtigsten Schritte, die bisher
im Kampf gegen die Immunschwächekrankheits AIDS überhaupt unternommen
werden konnten.
Es sei anzunehmen,
daß eine in dieser Richtung ständig
weiter verfeinerte Technik dazu beiträgt,
AIDS-Viren
zu
blockieren.
Dennoch sei es noch viel zu früh, um
etwas darüber sagen zu können, wie
gut und wie wirksam das Präparat tatsächlich sei.
Das einzige Medikament, das von
der zuständigen amerikanischen Behörde bisher zugelassen wurde und in
Apotheken
gegen
Rezept
erhältlich
ist, ist AZT.
In bestimmten Fällen
kann es das Leben von AIDS-Patienten
verlängern. Seine Nebenwirkungen erfordern allerdings ständige Beobachtung und regelmäßige Blutkontrollen.
Inzwischen
räumt die Bundesbehörde
für
Nahrungs- und
Arzneimittelüberwachung (Food and Drug Administration
- FDA) AIDS-Patienten auch die Möglichkeit ein, sich aus dem Ausland
kleine Mengen von Medikamenten zu beschaffen, die
in
den
Vereinigten
Staaten noch nicht zugelassen sind
und dort nicht für den Markt produziert werden. Die importierten AIDSMedikamente dürfen nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt sein und
ausschließlich den Bedarf von drei
Monaten decken.
Die FDA hat bisher 178 Anträge
amerikanischer Stellen genehmigt, Medikamente gegen AIDS-Erkrankungen zu
testen. In den meisten Fällen dürfte
jedoch ein weiter Weg zurückzulegen
sein, bis - wenn überhaupt - das getestete Präparat zur Behandlung eingesetzt werden
kann.
Angaben des
amerikanischen
Zentrums
für Krankhoitsüberwachung
(Atlanta, Georgia)
zufolge wurde in den letzten sieben

Jahren AIDS bei 66 464 Amerikanern
diagnostiziert; 37 535 Personen sind
inzwischen
daran gestorben, allein
etwa 13 000 im vergangenen Jahr.
Auch im Zusammenhang mit der Erprobung von synthetischem CD4 am Menschen sind noch viele Fragen offen:
So darf beispielsweise der Wirkstoff
nicht die normalen Funktionen des natürlichen
CD4-Proteins
stören, die
man noch nicht völlig versteht. Manche Forscher nehmen an, daß das natürliche CD4-Protein mit anderen Proteinen
zusammenwirkt, die
an
der
"Kommunikation" zwischen Zellen des
Immunsystems und damit einem wichtigen Teil der normalen Immunreaktionen
des Körpers beteiligt sind.

* * * * * *

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedenken an die Opfer von Ramstein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Burt bei Trauerfeier&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetisch-amerikanische Beziehungen fördern wirksame Rüstungskontrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Burns in Den Haag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Neuer Weg zur AIDS-Bekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Medikament soll Zellen vor Virus-Infektion schützen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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