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                  <text>; eo

ST&gt;

'^IQN

AMERIKA DIENST

^

27. J u l i 1988

28

INHALT

DOKUMENTATION
Shultzt Irans Erklärung "erster Schritt" zum Frieden Im Golf
- Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio Resolution 598 des Weltsicherheitsrats ein Jahr alt
- UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak -

INFORMATION
Verbesserte Rentner-Krankenversicherung in USA
- Erste wichtige Reform in 23 Jahren -

HINTERGRUNDMATERIAL
ACDA-Chronologie zu Atomtests
- Zusammenfassung der ACDA -

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Wahlplattform der Demokraten auf Einigkeit ausgerichtet
- Meinungen auf dem Parteikonvent -

* * * * * *

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Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
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Ä

Dokumentation

&lt;

28

27. Juli 1988

SHULTZ:

IRANS ERKLÄRUNG "ERSTER SCHRITT" ZUM FRIEDEN IM GOLF

- Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio -

TOKIO - (AD) - Bei einer Pressekonferenz in Tokio erklärte Außenminister
Shultz am 19. Juli 1988, die Vereinigten Staaten begrüßten die Handlungsweise
des Iran und unterstützten den UN-Generalsekretär im Friedensprozeß. Die Zustimmung Irans zur Waffenstillstandsresolution 598 des Weltsicherheitsrates
bezeichnete Shultz als "ersten Schritt" zum Frieden im Persischen Golf.
Zur amerikanischen Präsenz im Golf bemerkte Shultz, "unsere Präsenz wurde
als Reaktion auf Probleme erhöht. Wenn die Probleme gelöst sind, wird die
Flottenpräsenz unserer Schiffe reduziert."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Pressekonferenz:

Dies war ein erfolgreicher Tag
für mich. Ich habe an einem Mittagessen mit dem Premierminister, dem
Außenminister,
dem
Finanzminister,
dem Generalsekretär der Liberalen Demokratischen Partei und einer Reihe
anderer Persönlichkeiten teilgenommen, von denen ich den früheren Premierminister Nakasone besonders erwähnen möchte.

gut und fruchtbar sind, wie ich sie
bisher - und das ist eine ziemlich
lange Zeit - immer erlebt habe. Diesen Erfolg müssen wir uns jetzt zunutze machen, darauf aufbauen und natürlich Probleme an der Wurzel packen
und effektiv bewältigen. Und meiner
Ansicht nach haben wir das Vertrauen,
den Hintergrund und die dazu erforderlichen Verfahrensweisen.

Ich freue mich, zu einer Zeit
hierher zu kommen und vor Ihnen sprechen zu können, da viele Probleme
beigelegt sind und wir erleben, wie
die
gesamte
Wirtschaftsentwicklung
einen günstigen Kurs nimmt. Meiner
Ansicht nach sollte man fairerweise
erwähnen, daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan zum gegenwärtigen Zeitpunkt so

Im Verlauf unserer Gespräche haben wir einige bilaterale Fragen angeschnitten und beide Seiten teilten
die Ihnen gerade dargelegten Einstellungen. Dann haben wir bei einigen
Zusammenkünften verschiedene internationale Themen von gemeinsamem Interesse diskutiert, und dies werde ich
heute abend bei meinem Diner mit den
Außenministern weiterführen.

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�Aber wir haben auch über den
Krieg zwischen Iran und Irak und die
dortigen Entwicklungen gesprochen und
insbesondere natürlich über den jüngsten Schritt des Iran, der meiner Ansicht nach weltweit begrüßt wurde und
den auch ich begrüße. Weitere Themen
waren Kambodscha, der Nahe Osten, die
Philippinen und die koreanische Halbinsel. Den Friedensprozeß im Nahen
Osten habe ich bereits erwähnt. Ich
habe bereits über meine Zusammenkünfte in China sowie auch über unsere
Einschätzung der Entwicklung in der
Sowjetunion - die der frühere Premierminister Nakasone morgen besuchen
wird - Bericht erstattet. Eins weiteres Thema wird Mittelamerika sein.
Sie sehen also, daß unsere Tagesordnung ein breites Spektrum umfaßt.
Und
unsere Gespräche waren sehr
fruchtbar. Meiner Ansicht nach lehrt
uns das - da in der Regel die Zeit
eher knapp wird als die Themen - daß
häufige Zusammenkünfte und Dialoge
eine gute Sache sind, und deshalb
werden wir diesen Prozeß fortführen.

Ich möchte nun Ihre Fragen beantworten.
Frage:
Herr
Außenminister,
wieviel Hoffnung macht Ihnen die offensichtliche Bereitschaft des Iran,
die
UN-Waffenstillstands-Resolution
anzunehmen? Und wenn es sich hier um
eine ehrliche Absicht handelt - prognostizieren Sie in naher Zukunft einen Beginn des Abzugs amerikanischer
Kriegsschiffe aus dem Golf?
Antwort:
Wir
begrüßen
diese
Entwicklung. Diese Einstellung spiegelt sich in unserer gesamten Regierung wider, wurde vom Weißen Haus als
offizielle Reaktion verbreitet, und
auch ich bin dieser Ansicht. Wir erkennen an, daß es sich hierbei um den
ersten Schritt in einem Friedensprozeß handelt, und wir werden den Generalsekretär der Vereinten Nationen in
seinen
Bestrebungen
unterstützen,
diese Entwicklung zu nutzen und an
der Verwirklichung von Resolution 598

zu arbeiten, die mit dem Waffenstillstand eingeleitet wird, die aber auch
viele andere Bestandteile hat, die
noch durchgearbeitet werden müssen.
Wir werden diesen Prozeß unterstützen.
Was die amerikanische Flottenpräsenz im Golf anbetrifft, so wurde unsere Präsenz als Reaktion auf Probleme erhöht. Wenn die Probleme gelöst
sind, wird die Flottenpräsenz reduziert. Das ist eine Frage des Eingehens auf Notwendigkeiten, und wenn
die Notwendigkeiten nicht mehr bestehen, wird auch die Präsenz unserer
Schiffe abnehmen. Es bleibt abzuwarten, wann sich dies herausstellen
wird, aber das ist und bleibt unsere
Politik.
Frage:
Seit vielen Jahren haben amerikanische und japanische Regierungsvertreter die Lösung der jeweiligen Handelsprobleme in verschiedenen Sektoren - beispielsweise in
der Automobil- oder Textilindustrie angekündigt, aber trotz der in einzelnen Bereichen erzielten Verbesserungen hat das Ungleichgewicht im
Handel weiterhin zugenommen. Denken
Sie, daß beide Länder jetzt beim Abbau dieses Ungleichgewichts einen
Schritt weitergekommen, und wann kann
damit begonnen werden?
Antwort:
Wie
Sie mit Ihrer
Frage andeuten, haben wir zahlreiche
Probleme bereits gelöst. Es ist gut,
daß Sie darauf hinweisen. Diese Probleme bildeten nur einen Teil dessen,
was das Handelsdefizit herbeigeführt
hat.
Unser Handelsdefizit und der
große Exportüberschuß auf selten der
Japaner sind das Ergebnis komplexerer
Faktoren. Diese mußten auch besprochen werden, und sie sind besprochen
worden. Und ich denke, daß sich die
Bedeutung der nunmehr in der japanischen Wirtschaft erkennbaren weitreichenden
Umstrukturierung
darin
zeigt, daß der Anstieg der Inlandsnachfrage in Japan den Zuwachs des
Bruttosozialprodukts übersteigt. Mit
anderen Worten:
ihre Abhängigkeit
von einer exportorientierten Form des
Wachstums ist geringer geworden, und

- 2 -

�sie sind dafür weniger anfällig. Und
meiner Ansicht nach ist das eine kluge Politik. Entsprechend erleben wir
den Rückgang unseres Handelsdefizits.
Ich vertrete dazu die Meinung, daß es
noch drastischer zurückgehen wird,
aber das bleibt abzuwarten. Es ist
zurückgegangen.
Und wenn Sie den
Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Japan betrachten, hat unser
Defizit gegenüber Japan abgenommen,
wenn Sie die heutigen Zahlen mit den
Vorjahreszahlen
vergleichen.
Das
trifft seit einiger Zeit sowohl für
das Handelsvolumen als auch für den
Umsatz zu.
Wir erkennen diese Entwicklungen.
Und ich denke, daß hier ein neues Kapitel eingeleitet worden ist. Dies
war als Folge erheblicher Anstrengungen auf beiden Seiten möglich, und
wir werden diese Anstrengungen zweifellos fortsetzen. Es sind in der
Tat begrüßenswerte Entwicklungen.
Frage: Welches würden Sie als
das größte zwischen Japan und den
Vereinigten Staaten verbleibende Handelsproblem betrachten, und - als eine sich daraus ergebende Frage - wie
sind ihrer Meinung nach die Aussichten für ein Freihandelsabkommen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten?
Antwort:
Meiner Ansicht nach
geht es nicht so sehr um ein großes
Handelsproblem. Wir haben viele dieser
Themenkreise
durchgearbeitet.
Sie mögen sagen, daß unsere größte
Chance im Handel darin besteht, der
Uruguay-Runde von Handelsverhandlungen zum Erfolg zu verhelfen und uns
im allgemeinen um den Abbau von Handelshemmnissen auf der ganzen Welt zu
bemühen. Wir sind sehr wohl in der
Lage dazu, haben oft darüber gesprochen, und meiner Meinung nach ist das
der wichtigste von uns zu bearbeitende Themenkreis. Was ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und Japan betrifft, so ist
dies ein interessanter Gedanke, mit
dem man sich hier und in Washington
beschäftigt. Ich denke, davon sind

wir noch ein Stück entfernt. Meiner
Ansicht ist es das Wichtigste, an
diesem Punkt alles nur mögliche zu
tun, um der Uruguay-Runde zum Erfolg
zu verhelfen. Und in diesem Zusammenhang halte ich insbesondere die im
Dezember in Montreal zu ziehende Zwischenbilanz für einen wichtigen Meilenstein auf diesem Weg. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen wir noch soviel
wie möglich erreichen.
Frage:
Haben die Vereinigten
Staaten seit der Erklärung des Iran,
Resolution 598 anzunehmen, dem Iran
über die Schweizer Regierung eine
Botschaft zukommen lassen, in der sie
ihr Wohlwollen über die Zustimmung
ausdrücken, und was bedeutet die Ankündigung
des Waffenstillstands
wenn sie ernst gemeint ist - für die
Zukunft der amerikanisch-iranischen
Beziehungen?
Antwort:
Wir
werden
unsere
diesbezügliche Meinung in jeder Hinsicht klar und deutlich zum Ausdruck
bringen. Mehr möchte ich dazu nicht
sagen, sondern nur nochmals unterstreichen, daß wir unsere Ansichten
zweifelsohne publik machen werden und
zwar auf eine Art und Weise, die sie
überzeugen wird. Was die Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
dem Iran anbetrifft, nehmen wir nach
wie vor dieselbe Haltung ein: Wir
sind zu direkten Gesprächen über das
gesamte Spektrum der uns betreffenden
Probleme bereit, so wie wir über
schweizer und andere Unterhändler indirekte Gespräche mit ihnen geführt
haben. Wir wollen diesen Unterredungen offiziellen Charakter geben, damit kein Zweifel daran besteht, daß
wir mit den zuständigen Regierungsvertretern verhandeln und daher alle
Äußerungen maßgeblich sind. Aber wir
sind bereit, dies zu tun.
Frage:
Hat es Kontakte oder
Verhandlungen mit dem Iran gegeben,
um die Annahme der UN-Waffenstillstands-Resolution über den zu fördern? Sie haben einmal erwähnt, der
Iran habe etwas signalisiert. Haben
wir mit den Iranern je darüber ge-

- 3-

�sprochen?
Antwort: Wir haben seit langem
eindeutig Position bezogen, und wie
Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte,
war die beiderseitige Annahme von Resolution 598 das Beste, was passieren
konnte. Unserer Ansicht nach bietet
sie eine gute Arbeitsgrundlage über
den Waffenstillstand hinaus bis hin
zur Entwicklung friedlicher Beziehungen zwischen den beiden Kontrahenten
in diesem Konflikt. Wir haben diesen
Gedanken natürlich in den Vereinten
Nationen mit unserer Befürwortung der
Resolution vor über einem Jahr unterstützt. Mir wurde die Ehre zuteil,
die Stimme im Namen der Vereinigten
Staaten abzugeben. Wir haben diese
Resolution von Stund an unterstüzt,
und ich denke, der Iran ist sich dessen sehr wohl bewußt.
Frage:
Herr Außenminister, haben Sie in Ihren heutigen Gesprächen
mit japanischen Regierungsvertretern
die Möglichkeit eines japanischen Engagements bei der Lösung der Probleme
im Nahen Osten erörtert - insbesondere die jetzige iranische Kehrtwendung?
Berichten von heute zufolge
könnten die Japaner bereit sein, zur
Wahrung des Friedens beizutragen.
Wurde dies diskutiert und wenn ja, in
welchen Einzelheiten?
Antwort:
Jegliche
Aussagen
über die Bereitschaft Japans, an der
Erhaltung des Friedens mitzuwirken,
müssen von Japan selbst kommen. Die
Japaner haben die unterschiedlichsten
Vorschläge unterbreitet und ich denke, alle begrüßen die Tatsache, daß
Japan angesichts seiner Fähigkeiten
zweifelsohne etwas ausrichten kann.
Meiner Ansicht nach ist es eine
höchst erfreuliche Entwicklung, daß
Japan an diesen Dingen mitwirkt. Was
nun dieses spezielle Thema anbetrifft, so ist es Sache der Japaner
und nicht meine Aufgabe, dies zu erörtern, falls etwas dazu gesagt werden soll. Wir haben den Nahen Osten
betreffende Themen diskutiert, jedoch
nicht den iranisch-irakischen Krieg.
Wir haben über den Friedensprozeß ge-

sprochen und Außenminister Uno hat
mir einen äußerst interessanten Bericht über seine jüngste Reise nach
Syrien, Jordanien, Ägypten und Israel
gegeben - übrigens der erste Besuch
von einem japanischen Kabinettsmitglied, einem Außenminister, in Israel. Dies war in jeder Hinsicht eine begrüßenswerte Entwicklung, und
ich war an seinem vollständigen Bericht höchst interessiert. Ich hatte
bei früherer Gelegenheit eine kurze
Zusammenfassung davon gehört.
Frage:
Können
Sie
uns
den
Zeitpunkt dieser scheinbaren Kehrtwendung der Iraner näher erläutern.
Warum jetzt?
Und können Sie uns
vielleicht erklären, wie dieser Wandel zustande kam?
Antwort:
Nun, wir können Spekulationen darüber anstellen, was den
Iran genau zu diesem Zeitpunkt zu der
Entscheidung veranlaßt hat. Ich habe
keine
vertraulichen
Informationen
über ihre Vorgehensweise, und meiner
Ansicht nach ist mit meinen Spekulationen niemandem gedient. Einige der
auslösenden Faktoren liegen ja wohl
offen auf der Hand. Aber es ist eher
an den Iranern, ihre Entscheidung zu
erklären. Es lohnt sich, die abgegebene Erklärung sorgfältig zu lesen,
und dies würde ich an Ihrer Stelle
tun.
Frage:
Herr
Außenminister,
wurde in den Gesprächen, die der japanische Außenminister mit Ihnen über
seinen Besuch in Israel geführt hat,
irgendeine Andeutung gemacht, daß japanische Firmen bereit sind, ihren
derzeitigen Boykott Israel gegenüber
aufzugeben, der den Amerikanern Sorgen bereitet?
Antwort:
Wir haben die Frage
japanischer Investitionen erörtert,
und Außenminister Uno berichtete mir
von seinen Gesprächen mit den Israelis, aber auch hier ist es meiner
Ansicht nach an ihm und nicht an mir,
die Haltung der Regierung zum Ausdruck zu bringen.

�Frage:
Berichten zufolge stand
der irakische Minister für Informationswesen und Kultur, Al-Jassem, in
den vergangenen 24 Stunden der Absicht des Iran, Resolution 598 anzunehmen, eher mißtrauisch gegenüber.
Vor ungefähr einer Stunde erhielten
wir eine amerikanische Agenturmeldung
aus Manama in Bahrein, daß zahlreiche
irakische Flugzeuge die iranische
Küste bombardierten und ein irakisches Flugzeug von einer iranischen
F-14 abgeschossen wurde. Wenn dies
die Realitäten sind, wird die amerikanische Regierung dann auf die irakische Führung einwirken, von einer
Provokation der Iraner Abstand zu
nehmen?
Antwort:
Die beste Vorgehensweise ist unserer Ansicht nach, daß
sowohl Iran als auch der Irak Resolution 598 annehmen. Der Irak hat sich
in der Vergangenheit unmißverständlich dazu bekannt. Vor einiger Zeit
erklärte der Außenminister sowohl dem
Generalsekretär in New York als auch
der Öffentlichkeit, daß der Irak Resolution 598 ohne Einschränkung akzeptiert. Punkt. Er hat sie weder
modifiziert noch erweitert, sondern
genau dies gesagt. Wir nehmen dies
also als offizielle Stellungnahme,
und der Iran hat die allen bekannte
Erklärung abgegeben.
Jetzt müssen
wir den Generalsekretär bei seinen
Bemühungen unterstützen, denn er ist
derjenige, der diese Erklärungen beim
Wort nehmen und dann das verwirklichen muß, was Resolution 598 fordert.
Resolution 598 fordert den
Waffenstillstand. Und dann wird der
Friedensprozeß mit den in 598 verankerten Mechanismen in die Wege geleitet, den auch der Generalsekretär
verwirklicht sehen will.

tion aus, brechen mit niemandem einen
Streit vom Zaun und haben dies auch
nicht vor. Wir möchten eine Entspannung der Lage.
Frage:
Hatte die amerikanische
Militärpräsenz im Persischen Golf Ihrer Ansicht nach entscheidenden Einfluß auf die politische Kehrtwendung
der iranischen Regierung?
Antwort: Das ist schwer zu sagen. Die Iraner sollten diese Frage
beantworten. Aus unserer Sicht hatten wir den Auftrag in der Region zu
erfüllen, amerikanischen Flaggschiffen Schutz zu bieten und im Rahmen
der internationalen Bestrebungen die
freie Schiffahrt im Golf zu gewährleisten. Dadurch wurden wir in weitere Aktionen verwickelt, wie das
Verlegen von Minen in den befahrenen
Wasserstraßen zu unterbinden und anderen Schiffen Geleitschutz zu gewähren. Dies ist der Grund für unsere
Präsenz in der Region. Wir haben unseren Auftrag durchgeführt, und wenn
unsere Präsenz nicht länger erforderlich ist, werden wir abziehen. Aber
wir werden so lange dort präsent
sein, wie es unserer friedlichen und
angebrachten Mission dient.

In der Zwischenzeit liegt die
Entscheidung über das militärische
Vorgehen natürlich bei den beiden
Kontrahenten.
Angesichts der sich
abzeichnenden Entwicklung scheint eine Beruhingung der Lage jedoch angeraten. Wir werden die Position beibehalten, die wir stets vertreten haben. Wir sind nicht auf Konfronta- 5 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

27. Juli 1988

28

RESOLUTION 598 DES WELTSICHERHEITSRATS EIN JAHR ALT
UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak -

WASHINGTON - (AD) - Am 20. Juli 1987 wurde Resolution 598 des Weltsicherheitsrats verabschiedet, mit der die unverzügliche Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak gefordert wird. Nach einem Jahr gibt es jetzt Anzeichen,
daß ein Waffenstillstand endlich in greifbare Nähe gerückt ist.

Generalsekretär Javier Perez de
Cuellar erklärte am 20. Juli 1988, er
werde die Entsendung einer UN-Delegation in den Iran und Irak veranlassen, um die militärischen Einzelheiten für einen umfassenden Waffenstillstand
ausarbeiten
zu
lassen.
Die Delegation solle nach "ungefähr
einer Woche" Bericht erstatten, woraufhin er "unverzüglich den Tag X
bekanntgeben" werde, an dem der Waffenstillstand und andere, in Resolution 598 verankerte Verfügungen in
Kraft treten.

Resolution
598 des Weltsicherheitsrats wurde am 20. Juli 1987 nach
sechsmonatigen
Verhandlungen
und
enormem
Druck
des
Generalsekretärs
verabschiedet. Als erster unterbreitete Perez de Cuellar auch den Vorschlag, daß die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats - China,
Frankreich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
- einen Entwurf zur Beendigung des
iranisch-irakischen
Krieges
ausarbeiten.

Die
Entscheidung
des
Generalsekretärs vom 20. Juli erfolgte nur
drei Tage nachdem der Iran die Resolution formell anerkannt hatte. Aber
die Annahme von Resolution 598 war
bereits seit langem in Sicht.

Als sieben der
Weltsicherheitsrats
ster zur Teilnahme
Vereinten Nationen
Resolution formell
wurde das Ereignis
Schritt" gewürdigt.

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15 Mitglieder des
ihre Außenminian der Sitzung der
entsandten, um die
zu verabschieden,
als "historischer

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Telex: 8-85432

�Der
Weltsicherheitsrat
entwarf
eine Resolution auf der Grundlage bestimmter Artikel von Kapitel VII der
Charta der Vereinten Nationen, in dem
Durchführungsmaßnahmen
für den Sicherheitsrat
aufgeführt sind, einschließlich
Wirtschaftssanktionen,
Waffenembargos
und Blockaden.
Der
Sicherheitsrat legte seltene Einmütigkeit unter den fünf ständigen Mitgliedern an den Tag, die alle über
ein Vetorecht verfügen. Der Entwurf
wurde als "Schrift des Präsidenten"
vorgelegt, und nicht als ein von einer Staatengruppe erarbeitetes Dokument, wie es normalerweise der Fall
ist.
Unter anderem fordert die Resolution die unverzügliche Feuereinstellung und den Rückzug aller Streitkräfte zu international anerkannten
Grenzen als einen ersten Schritt hin
zu einer ausgehandelten Beilegung des
Konflikts.
Ferner ist der Generalsekretär aufgerufen, ein Team von UNBeobachtern
zu entsenden, die den
Waffenstillstand und Truppenabzug verifizieren und überwachen sowie darauf drängen sollen, Kriegsgefangene
zu befreien und sie unverzüglich in
ihre Heimat zurückkehren zu lassen.
Die Resolution fordert Iran und Irak
auf, mit dem Generalsekretär bei den
Vermittlungsbemühungen
bis hin zur
vollständigen Beilegung des Konflikts
zusammenzuarbeiten und ruft alle anderen Staaten auf, äußerste Zurückhaltung zu üben und von jeglichen
Handlungen Abstand zu nehmen, die eine weitere Eskalation und Verschärfung des Konflikts zur Folge haben
könnten.
Binnen zwei Tagen hatte der Irak
der Resolution zugestimmt.
Der Iran
weigerte sich jedoch und äußerte Vorbehalte
gegen
die
von
Perez
de
Cuellar eingeleiteten Gespräche sowie
die Beschuldigung, die Vereinigten
Staaten verletzten 598, indem ihre
Kriegsschiffe weiterhin im Golf stationiert blieben.
Mit weiteren Hinhaltemanövern des
Iran kam eine zweite Embargo-Resolu-

tion ins Gespräch, um den Iran zur
Einhaltung zu zwingen. Als die Gespräche
scheiterten
und auch eine
Reise in die Region nicht zu einem
Waffenstillstands-Abkommen
führte,
wandte sich Perez de Cuellar im Dezember 1987 an den Weltsicherheitsrat
mit der Erklärung, "neuer Auftrieb"
sei erforderlich.
Als der Sicherheitsrat eine Embargo-Resolution in Erwägung zog, erwies sich die Einstimmigkeit der fünf
ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats als brüchig; China und die Sowjetunion vertraten die Ansicht, dem
Iran müsse mehr Zeit für die Einhaltung gegeben werden. Dennoch bestand
der Sicherheitsrat auf der Einhaltung
von Resolution 598.
Erneute Bemühungen von Perez de
Cuellar scheiterten im März, und im
Juni lehnte der Irak seinen Vorschlag
zur Gründung einer hochrangigen Beratergruppe in Genf ab, die an der Verwirklichung der Resolution arbeiten
sollte.
Der versehentliche Abschuß eines
iranischen
Passagierflugzeugs
durch
ein Kriegsschiff der amerikanischen
Marine, beim dem alle 290 Passagiere
und
Besatzungsmitglieder
ums Leben
kamen, ließ die
Friedensaussichten
auf einen neuen Tiefstand sinken.
Die Diplomaten wurden jedoch durch
die Tatsache ermutigt, daß der Iran
seinen siebenjährigen Boykott des Sicherheitsrats beendete, indem er ihn
zum Handeln aufforderte.
Während die Beratungen des Sicherheitsrats über den Zwischenfall
noch im Gange waren, legte der iranische Botschafter Mohamad Mahallati
überraschenderweise ein Schreiben des
iranischen Präsidenten Ali Khameni an
Perez de Cuellar vor, in dem er den
Entschluß verkündete, Resolution 598
am 17. Juli um 0.00 Uhr "offiziell
und bedingungslos" anzunehmen.
Binnen Stunden nach Erhalt des
Schreibens aus dem Iran kam Perez de
Cuellar mit dem Sicherheitsrat zusam-

- 2 -

�raen und begann Gespräche mit den Botschaftern des Iran und Irak, um den
"Tag
X"
für
den
Waffenstillstand
festzulegen.
Der
britische
Botschafter
Sir
Crispin Tickeil bemerkte, "aus einer
sehr schlechten Situation heraus ergeben sich manchmal Mittel und Wege
zu Fortschritten, die anders nicht
möglich gewesen wären. Die Menschen
gelangten erstmalig zu der Erkenntnis,
daß
dieser
Konflikt
einfach
nicht
länger
andauern
kann."
Er
warnte jedoch, "es ist noch viel zu
früh, um das Ende des Golfkriegs zu
feiern."

Erfahrung nach sei die Situation im
Iran
folgendermaßen:
"Häufig
hört
man sehr starke Rhetorik, gekoppelt
mit friedfertigen Worten oder umgekehrt - und dies ist für uns verwirrend."

Nach dem ersten Jahrestag der Resolution warten die Mitglieder des
Sicherheitsrats
jedoch nur darauf,
den Friedensprozeß in jeder erdenklichen Weise zu unterstützen und hoffen, daß der Frieden dieses Mal in
greifbare Nähe gerückt ist.
Der
amerikanische
Botschafter
Vernon Walters erklärte in einem Interview am 19. Juli 1988, "der Generalsekretär hat seit langem auf eine
Gelegenheit zur Verwirklichung seines
Friedensplans gewartet...
Diese ist
nun gekommen."
"Wir müssen jetzt mit dem Generalsekretär
zusammenarbeiten,
damit
er so bald wie möglich einen Tag für
den Waffenstillstand bestimmen kann",
fuhr Walters fort. "Für beide Länder
ist der Krieg sinnlos.
Wir wollen
das Blutvergießen in beiden Ländern
beenden.
Wir wollen, daß sie ihre
Kampfhandlungen einstellen und einen
friedlichen Weg zur Lösung ihrer Probleme finden."
Walters zufolge ist jetzt jeder
der Kontrahenten im Besitz von Gebieten des anderen, so daß der zweite
wichtige Punkt von Resolution 598 der Rückzug zu international anerkannten Grenzen
- "erledigt ist".
"Die amerikanische Position hat stets
die Unabhängigkeit und territoriale
Integrität von Iran und Irak befürwortet", erklärte Walters.
Seiner
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^

^

Information

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27. Juli 1988

28

VERBESSERTE RENTNER-KRANKENVERSICHERUNG IN USA
- Erste wichtige Reform in 23 Jahren -

WASHINGTON - (AD) - Mit dem von Präsident Reagan am 1. Juli 1988 unterzeichneten Gesetz mit dem Titel "Medicare Catastrophic Coverage Act of 1988",
das am 1. Januar 1989 rechtskräftig wird, erfährt die amerikanische "Medicare"-Krankenversicherung für Rentner und Behinderte eine erhebliche Ausweitung. Etwa 32 Millionen Amerikaner werden von dem Programm profitieren, das
die erste große Reform seit der Einführung der Rentnerversicherung im Jahr
1965 darstellt. Es soll, wie der Präsident bereits 1987 in seiner "Rede zur
Lage der Nation" erklärte, "einen Albtraum beseitigen, der unsere älteren Mitbürger belastet - nämlich die Furcht vor dem Krankwerden, das so teuer ist,
daß es zu einer einfach nicht duldbaren Wahl zwischen dem finanziellen Ruin
oder der Nichtbehandlung und damit dem Tode zwingt" .

Das neue Gesetzeswerk folge, so
Reagan, den gleichen Grundsätzen wie
jedes
vernünftige
Versicherungsprogramm.
Es werde von jenen finanziert, die in den Genuß seiner Leistungen
kommen.
Allerdings müßten
künftige Kongresse und künftige Regierungen der Vereinigten Staaten einer Eskalation von Kosten wehren, "
die genau den Menschen schaden würde,
denen wir zu helfen versuchen". Berechnungen zufolge dürften sich die
zusätzlichen Kosten in den nächsten
fünf Jahren auf ca. 31 Milliarden
Dollar belaufen (1988: ca. 79 Milliarden
Dollar).
Praktisch
werden
sie aber in voller Hähe mit den Beiträgen der Rentner zu ihrer Krankenversicherung finanziert.
Zu

den

gegenwärtig

von

allen

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"Medicare-Berechtigten bezahlten Monatsbeiträgen in Höhe von 24,80 Dollar kommt ab 1989 ein Aufschlag von
vier Dollar hinzu, der sich bis 1993
auf 10,20 Dollar erhöht.
Dies gilt
jedoch nur für Rentner, die nicht
einkommenssteuerpflichtig sind.
Müssen sie aufgrund einer höheren Rente
bzw. von Zusatzeinkommen Einkommensteuer bezahlen, so wird ein einkommensabhängiger Zusatzbeitrag erhoben,
der von 15 Prozent der im Jahr 1989
bezahlten Einkommensteuer auf 28 Prozent der Einkommensteuer im Jahr 1993
ansteigt. Allerdings ist für diesen
jährlichen Zusatzbeitrag eine Höchstgrenze
festgesetzt:
Sie liegt im
Jahr 1989 bei 800 Dollar, 1993 bei
1050 Dollar.
Im

Krankheitsfall

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ergeben

sich

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�dadurch u.a.
besserungen :

folgende

wichtige

Ver-

- Unbegrenzte Krankenhausbehandlung
(bisher waren nur 60 Tage kostenfrei) nach Leistung eines Eigenbeitrags für das betreffende Jahr
(560 Dollar im Jahr 1989, später
ansteigend) ;
- Gesamtbetrag
für
Selbstbeteiligung pro Jahr in Höhe von 1400
Dollar für Arzthonorare, Klinikkosten
und andere
medizinische
Leistungen, die dem Medicare-Leistungskatalog
entsprechen.
Wünscht der Betreffende zusätzliche Leistunge, so muß er diese
aus eigener Tasche bezahlen.
- Die Kostenerstattung für Medikamente, die bei ambulanter Behandlung verschrieben werden, sowie
Zuschüsse für Heim- und Hauspflege werden erheblich ausgeweitet.
Für Betreuung in einem Hospiz für
unheilbar Kranke mit einem Tageszuschuß von 68 Dollar gibt es
keine zeitliche Begrenzung mehr.
- Bei Bedürftigkeit der Anspruchsberechtigten sind die zuständigen
Behörden des betreffenden Bundesstaates gehalten, über ihr medizinisches
Sozialhilfe-Programm
"Medicaid"
die
"Medicare"-Beitragserhöhungen, die Gebühren für
Selbstbeteiligung sowie die medizinische Betreuung von Schwangeren und Babies bis zu einem Jahr
(einschließlich
Vorsorgeuntersuchungen)
zu
übernehmen.
Im
Fall von Langzeit-Heimpflege muß
dem Ehepartner des Kranken ein
monatliches
Mindesteinkommen
(1989:
825 Dollar, 1993: 1200
Dollar) belassen werden; ebensowenig sind Sparguthaben bis zu
60 000 Dollar für Eigenbeiträge
heranzuziehen.

* * * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

27. Juli 1988

28

ACDA-CHRONOLOGIE ZU ATOMTESTS
- Zusammenfassung der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Maßnahmenkatalog der Reagan-Administration zu Atomtests wurde am 19. Juli 1988 von der amerikanischen Behörde
für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben:

Die erste Priorität des Präsidenten im Bereich der Nuklearversuche
liegt in der Zustimmung der Sowjets
zu neuen Protokollen, mit denen die
wirksame Verifizierung der beiden bestehenden, jedoch noch nicht ratifizierten Verträge geregelt würde: Der
Schwellenvertrag (TTBT) aus dem Jahre
1974 und der Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken (PNET).
In den vergangenen Jahren hat die Administration
folgende Schritte zur
Verwirklichung dieses Ziels in die
Wege geleitet:
1983
Bei mehreren Gelegenheiten versuchen die Vereinigten Staaten erfolglos, mit der Sowjetunion Verhandlungen über die wirksame Verifizierung von TTBT und PNET aufzunehmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

September 1984
In seiner Rede vor der Vollversammlung
der
Vereinten
Nationen
(UNGA) umreißt der Präsident Vorschläge für direkte Vor-Ort-Messungen
des
Detonationswerts
amerikanischer
und sowjetischer Nuklearwaffen.
Juli 1985
In einem Schreiben an Generalsekretär Gorbatschow lädt der Präsident den sowjetischen
Parteiführer
zur - vorbehaltlosen - Entsendung
seiner Experten auf das amerikanische
Versuchsgelände ein, um die Sprengkraft eines amerikanischen Tests zu
messen.
Die sowjetische Delegation
kann die von ihr für diesen Zweck als
notwendig
erachteten
Meßinstrumente
mitbr ingen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dezember 1985
Präsident Reagan unterbreitet den
Vorschlag zu einem Treffen der amerikanischen und sowjetischen Experten,
um ihren jeweiligen Ansatz zur Verifizierung zu erörtern.
März 1986
In einem Schreiben an Generalsekretär Gorbatschow beschreibt der
Präsident das Verfahren von CORRTEX
(einer
direkten,
hydrodynamischen
Meßmethode vor Ort zur Bestimmung des
atomaren Detonationswertes, die die
Ausbreitung der unterirdischen Druckwelle einer Explosion mißt) und lädt
sowjetische Experten nach Nevada zu
einer umfassenden Prüfung von CORRTEX
ein. Die Delegation hat die Möglichkeit, die amerikanischen Experten bei
der Anwendung der CORRTEX-Methode zu
beobachten und den atomaren Detonationswwert eines amerikanischen Versuchs zu messen sowie Verifikationsmethoden zu erörtern.
25. Juli, 1. August und
4. - 18. September 1986
Als direktes Ergebnis der vom
Präsidenten unterbreiteten Vorschläge
findet ein Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen Technologieexperten in Genf statt, an das
keine Vorbedingungen geknüpft sind,
bei dem der gesamte Themenkatalog von
Atomtests
diskutiert
wird.
Dr.
Robert Barker, Abteilungsleiter für
Atomenergie
beim
Verteidigungsministerium wird zum Leiter der amerikanischen Delegation benannt.
September 1986
In einer Ansprache vor der Vollversammlung
der Vereinten Nationen
erklärt Präsident Reagan die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, die
Ratifizierung von TTBT und PNET voranzutreiben,
sobald
Einigung
über
verbesserte
Ver ifikationsverfahren
erzielt worden ist. Mit der Ratifizierung von TTBT und PNET und im Zusammenhang mit einem Programm zur Re-

duzierung und letztlichen Beseitigung
aller Nuklearwaffen
sind die Vereinigten Staaten bereit, die Verwirklichung eines schrittweisen Parallelprogramms zur Begrenzung und schließlichen Beendigung von Atomversuchen
zu erörtern. Er forderte die Sowjetunion auf, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten unverzüglich praktische Schritte zur Begrenzung der
Versuche in die Wege zu leiten, indem
die erforderliche Verbesserung
der
Verifizierung von TTBT und PNET vorgenommen würde.
Oktober 1986
Beim Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik deutet der
Präsident an, daß er den Senat vorbehaltlich der Zustimmung der Sowjets
zu den wesentlichen Verbesserungen im
Verifizierungsverfahren
um
Beratung
und Zustimmung zu diesen Verträgen
ersuchen werde. Sollten die Sowjets
dem geforderten Paket unerläßlicher
Verbesserungen bei der Verifizierung
vor der Zusammenkunft des Kongresses
im Januar 1987 nicht zustimmen, würde
der Präsident dennoch den Senat um
Beratung und Zustimmung ersuchen, jedoch
mit
den
entsprechenden
Einschränkungen der Verträge, die ein
Inkrafttreten vor ihrer wirksamen Verifizierung verhindern.
In Reykjavik unterbreiteten die
Vereinigten Staaten ferner den Vorschlag zur Aufnahme offizieller Verhandlungen
über Atomtests
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
An erster Stelle dieser
Tagesordnung stünde die Lösung der im
Zusammenhang mit den bestehenden Verträgen
verbleibenden
Verifikationsprobleme.
Sobald
diese Verifizierungsbedenken ausgeräumt und die Verträge ratifiziert worden sind wären
die Vereinigten Staaten bereit, unverzüglich mit der Sowjetunion Verhandlungen
über die Verwirklichung
eines schrittweisen Programms parallel zu einem Programm aufzunehmen,
das den Abbau und die letztliche Beseitigung aller Nuklearwaffen sowie
die Begrenzung und letztliche Beendi-

�gung von Atomversuchen zum Ziel hat.
13. - 15. November 1986
Das dritte Treffen amerikanischer
und sowjetischer Experten für Atomtests findet in Genf statt.
13. Januar 1987
Der Präsident ersucht um Rat und
Zustimmung des Senats zu TTBT und
PNET, mit der entsprechenden Einschränkung, die ein Inkrafttreten vor
ihrer wirksamen Verifizierung verhindert.
Der Senat trifft keine Maßnahmen .
22. Januar - 9. Februar und
16. - 10. März 1987
Das vierte Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen Experten
für Atomtests findet in Genf statt.
18. - 29. Mai 1987
Das fünfte Treffe zwischen amerikanischen und sowjetischen Experten
für Nuklearversuche findet in Genf
statt.
13. - 20. Juli 1987
In Genf findet das sechste Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen
Experten
für
Atomtests
statt.
17. September 1987
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion geben in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, daß sie sich
auf
die
Aufnahme
umfassender,
schrittweiser
Verhandlungen
über
Atomtests vor dem 1. Dezember 1987
geeinigt haben.
Als erster
Schritt bei diesen
Verhandlungen werden sich beide Seiten auf wirksame Verifikationsmaßnahmen einigen. Dadurch wird die Ratifizierung der Schwellenvertrags und
des Vertrags über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken durch die Ver-

einigten Staaten ermöglicht.
Im Anschluß daran sollen weitere mittelfristige Begrenzungen von Atomtests
als Teil eines wirksamen Abrüstungsprozesses verhandelt werden.
Unter
anderem würde dieser Prozeß als vorrangige Priorität die Reduzierung von
Nuklearwaffen und ihre letztliche Beseitigung zum Ziel haben. Zum Zwecke
der Ausarbeitung von verbesserten Verifizierungsmaßnahmen
für TTBT und
PNET beabsichtigen die Vertragspartner, ein gemeinsames Verifizierungsexperiment (JVE) auf dem Testgelände
der jeweils anderen Seite aufzubauen
und durchzuführen.
Diese Verifizierungsmaßnahmen werden im geeigneten
Rahmen bei zukünftigen Abkommen über
die Begrenzung von Atomversuchen Anwendung finden, die zu einem späteren
Zeitpunkt erzielt werden könnten.
9. - 20. November 1987
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion halten die erste Runde
formeller, schrittweiser Verhandlungen über Atomtests in Genf ab. Dr.
Robert Barker ist weiterhin Leiter
der amerikanischen Delegation.
Bei
Beendigung dieser Runde von Verhandlungen über Nukleartests (NTT) geben
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bekannt, daß die Delegationen die Versuchsgelände der anderen
Seite im Januar 1988 besuchen werden,
um sich mit den Bedingungen und Operationen auf dem jeweiligen Testgelände vertraut zu machen. Diese Besuche werden die Aussichten für den
Aufbau und die anschließende Durchführung des JVE verbessern.
9. Dezember 1987
Beim Gipfeltreffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow in Washington geben die
beiden
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse bekannt, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
den Aufbau eines gemeinsamen Verifizierungsexperiments in die Wege geleitet haben. Dieses Experiment wird
so durchgeführt, daß es den von beiden Seiten geäußerten Bedenken im

- 3 -

�Hinblick auf die jeweils vorgeschlagenen Methoden der Verifizierung von
TTBT und PNET Rechnung trägt.
5. Januar 1988
Die Vereinigten Staaten geben die
für den 7. Januar 1988 geplante Abreise einer Delegation amerikanischer
Experten für Atomtests in die Sowjetunion bekannt, wo sie das sowjetische
Testgelände in Semipalatinsk besuchen
werden. Eine Gruppe sowjetischer Experten wird den Vereinigten Staaten
vom 23. - 30. Januar einen Gegenbesuch abstatten und das amerikanische
Versuchsgelände in Nevada besuchen.

CORRTEX-System
für
hydrodynamische
Messung des atomaren Detonationswertes angewandten Techniken und Geräte
vor.
Die
Erklärung
unterstreicht
ferner, daß die gegenseitigen Besuche
erheblich
zum besseren
Verständnis
der praktischen Probleme im Zusammenhang mit der Durchführung eines JVE
beigetragen
haben, mit denen sich
beide Seiten konfrontiert sehen.
15. Februar 1988
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nehmen in Genf mit Eröffnung von Runde II der Gespräche über
Atomversuche die schrittweisen Verhandlungen über Atomtests wieder auf.

8. - 15. Januar 1988
18. Februar 1988
Amerikanische
Experten
für Nukleartests
besuchen
Semipalatinsk.
In einer mit Beendigung des Besuchs
herausgegebenen
gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Erklärung
wird
festgestellt, daß die amerikanische
Seite sich mit der Organisation und
Arbeit auf dem sowjetischen Testgelände
vertraut
gemacht
hat, einschließlich einer Reihe von Operationen zur Vorbereitung und Durchführung
von Atomtests sowie einzelne der zur
Schätzung des atomaren Detonationswerts angewandten Methoden. Der amerikanischen Seite wird Bohr-, Sondier- und
Stemmgerät
vorgeführt,
ebenso wie Techniken und Instrumente
zur hydrodynamischen Messung und weniger
genauen
teleseismologischen
Messungen
von
Nuklearexplosionen.
Der Besuch findet in einer positiven
und konstruktiven Atmosphäre statt.
24. - 30. Januar 1988
Sowjetische
Experten
für Atomtests besuchen Nevada. Eine am Ende
des Besuchs herausgegebene gemeinsame
amerikanisch-sowjetische
Erklärung
hat zum Inhalt, daß die sowjetischen
Experten in Organisation und Betrieb
des amerikanischen Testgeländes eingeführt wurden, einschließlich
der
einzelnen Phasen der Vorbereitung und
Durchführung
von
Nuklearversuchen.
Die amerikanische Seite führte die im

Präsident
Reagan verkündet
die
Benennung von Dr. C. Paul Robinson
zum Unterhändler der Gespräche über
Atomversuche und Leiter der Delegation. Dr. Robinson ist der Nachfolger von Dr. Robert B. Barker, der
seine Tätigkeit als Abteilungsleiter
für Atomenergie im Verteidigungsministerium wieder aufnimmt.
23. Februar 1988
Beim
Ministertreffen
in Moskau
weisen die Außenminister Shultz und
Schewardnadse
ihre Delegatione an,
die Arbeit an neuen Verifizierungsprotokollen für TTBT und PNET zu beschleunigen.
9. März 1988
Die amerikanische Delegation legt
den Entwurf eines Verifizierungsprotokolls vor, der den routinemäßigen
Einsatz
von direkten, hydrodynamischen Messungen des atomaren Detonationswertes vor Ort (CORRTEX) vorsieht, um die Einhaltung von TTBT zu
verifizieren.
16. März 1988
Die Vereinigten Staaten bekräftigen frühere Erkenntnisse, daß "sowjetische Aktivitäten bei einer Reihe

- 4 -

�von Atomversuchen wahrscheinlich ein
Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen von TTBT darstellen".
18. März 1988
Die Sowjetunion legt den Entwurf
eines
Verifizierungsprotokolls
für
TTBT vor.
21. - 23. März 1988
Bei ihrem Treffen in Washington
weisen die Außenminister Shultz und
Schewardnadse ihre Unterhändler an,
bis April die Planung und ein Programm für das JVE zu erstellen. Sie
beauftragen sie ferner, bis zum Termin des JVE einen gemeinsamen Entwurf
zum TTBT-Protokoll vorzubereiten, der
mit der Durchführung und Analyse des
gemeinsamen Verifizierungsexperiments
vervollständigt werden soll und die
Arbeit an einem Verifizierungsprotokoll für PNET zu beschleunigen.

12. April 1988
Eine Delegation von vier amerikanischen Experten trifft auf dem sowjetischen Testgelände ein.
14. April 1988
Eine Delegation von sieben sowjetischen Experten reist zum Versuchsgelände nach Nevada, um Bohren, Entmischen und Stemmen des Satellitenlochs für das dort durchzuführende
gemeinsame Verifikationsexperiment zu
beobachten.
15. April 1988
In Genf unterzeichnen Bptschafter
Robinson und der Leiter der sowjetischen
Delegation,
Igor
Palenik,
eine Verbalnote mit Einzelheiten über
die Verantwortlichkeiten der jeweiligen Seite bei der Bohrung des Satellitenlochs für das gemeinsame Verifizier ungsexper iment.

31. März 1988
18. April 1988
Die amerikanische Delegation legt
einen Entwurf zum Verifizierungsprotokoll vor, der den routinemäßigen
Einsatz von CORRTEX zur Verifizierung
der Einhaltung
des Vertrages über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken von 1976 vorsieht. Die Vereinigten Staaten stellen ferner fest, daß
die amerikanischen Unterhändler die
notwendigen Vorbereitungen
für die
Durchführung des JVE so bald wie möglich veranlassen werden, da die Sowjets darauf bestehen, daß das gemeinsame Verifizierungsexperiment zur
Vervollständigung des TTBT-Protokolls
erforderlich sei.
12. - 14. April 1988
Beim
Minist ertreffe n in Moskau
verabschieden
Außenminister
die
Shu ltz un d Schewardnadsi= ein vorläuf ig*ss Programm für das JVE und eine
über
seine
Durchführung.
Abk&lt;Dmmen
Sie weisen die Unterh,andler ferner
an, einen Anhang zu dem Abkommen über
die technischen Einzelheiten des Exper iments zu ers teilen.
- 5

Die Vereinigten Staaten transportieren Bohrgerät in die Sowjetunion,
um die Aufstellung und Satellitenlöcher zu überwachen, die von den Sowjets auf ihrem Testgelände in Semipalatinsk gebohrt wurden und um festzustellen, ob das Satellitenloch für
die
CORRTEX-Messung
geeignet
ist.
Das Gerät wird von einer 14köpfigen
amer ikanisehen
Experten-Delegation
begleitet, die das Gerät in Betrieb
nehmen und die die Daten auswerten
soll.
3. - 7. Mai 1988
Auf sowjetische Bitte transportieren die Vereinigten Staaten per
Luft eine Bohrplattform mit Mannschaft nach
Semipalatinsk, um ein
neues Satellitenloch für das JVE zu
bohren.
24. Mai 1988
Die Sowjetunion legt einen Entwurf zum Verifizierungs-Protokoll zu
PNET vor.

�29. Mai - 1. Juni 1988
Beim Moskauer Gipfeltreffen weisen Präsident Reagan und GeneralSekretär Gorbatschow ihre Unterhändler an, die Erstellung eines Protokolls zu PNET zu beschleunigen und so
bald wie möglich nach der Durchführung des JVE und der Analyse der Ergebnisse ein Protokoll zu TTBT anzufertigen. Im Verlauf des Gipfeltreffens unterzeichnen die Außenminister
Shultz und Schewardnadse ein Abkommen
über das gemeinsame Verifizierungsexperiment,
das
Verfahren
für
die
Durchführung des Experiments festlegt.

für das Experiment, das in den Vereinigten Staaten voraussichtlich im
August und in der Sowjetunion im September durchgeführt wird.

* * * * *

14. Juni 1988
Sowjetisches hydrodynamisches Gerät zur Messung des atomaren Detonationswertes der JVE-Explosion auf dem
Testgelände in Nevada kommt in den
Vereinigton Staaten an und wird von
Washington nach Nevada transportiert.
19. Juni 1988
Die wichtigsten
Mitglieder
der
sowjetischen Delegation, die am JVE
teilnehmen, trefCen in den Vereinigten Staaten ein.
28. Juni 1988
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion beenden Runde II der NTT
in Genf.
Im Verlauf der Verhandlungsrunde sind beträchtliche Fortschritte in Richtung auf eine wirksame Verifizierung von PNET und TTBT
erzielt worden.
Ein Abkommen über
das Verifizierungs-Protokoll zu PNET
ist für beide Seiten in greifbare Nähe gerückt.
Die Einigung über das
Protokoll wird weitere Fortschritte
beim Verifizierungs-Protokoll zu TTBT
erleichtern.
Juli 1988
Die Vorbereitungen zum JVE sind
weit fortgeschritten.
Personal beider Seiten befindet sich jetzt auf
dem Testgelände der jeweils anderen
Seite und trifft die Vorbereitungen
6 -

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

27. Juli 1933

28

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

WAHLPLATTFORM DER DEMOKRATEN AUF EINIGKEIT AUSGERICHTET
- Meinungen auf dem Parteikonvent -

ATLANTA - (AD)- Die beim alle vier Jahre stattfindenden nationalen Parteikonvent versammelten Demokraten schlagen zunehmend den ungewohnten Kurs der
dem Wahljahr eigenen Eintracht ein und entschärfen somit die politischen Differenzen zwischen dem Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis und seinem
hartnäckigen Rivalen, dem BUrgerrechtsführer Jesse Jackson.
Die Delegierten beim Konvent vereinbarten am zweiten Tag ihres Zusammentreffens am 19. Juli im Omni
Coliseum die Aufnahme einer Reihe von
neuen Erklärungen zu nationalen Programmen, zur Außenpolitik und Verteidigung in die Wahlplattform ihrer
Partei, mit der die erklärte Politik
der Partei gegenüber der von Jackson
befürworteten
Position
abgegrenzt
wird.
Der
frühere
Kongreßabgeordnete
und Vertreter des Gouverneurs von
Massachusetts Michael Dukakis bei den
Verhandlungen zwischen beiden Lagern,
Michael Barnes, erklärte, die Plattform "schließe den Konvent auf eine
Weise zusammen, in der die Demokratische Partei noch niemals in einer
Plattform vereint war - wie sich alle

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in diesem Saal erinnern werden. Dies
kann dazu beitragen, der Demokratischen Partei in diesem November zum
Sieg zu verhelfen", erklärte er.
Die beiden Themenkreise, über die
Dukakis und seine Anhänger einfach
keine Kompromisse schließen konnten Jacksons Vorschläge für Steuererhöhungen für die Reichen und die Forderung, auf einen Erstschlag mit Nuklearwaffen zu verzichten - wurden nach
den Debatten im Plenum mit eindeutiger Stimmenmehrheit vorworfen.
Ein
anderer
Programmpunkt
Jacksons, der das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung forderte,
erwies sich nahezu als das entzweiendenste Element, das dem Konvent
vorgetragen wurde.
Es wurde gemäß

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einer früheren Vereinbarung zurückgezogen, nachdem Jacksons Anhänger ihre
Position in einer emotionsgeladenen
Diskussionen dargelegt hatten.
Die Plattform war in den vergangenen Wochen von erheblichen Kontroversen geprägt.
Dukakis Anhänger
suchten eine allgemeine Erklärung
über ein weitgestecktes Parteiprogramm zu entwerfen und hofften damit
einzelne Punkte zu umgehen, mit der
die eine oder andere Wählergruppe abgeschreckt werden könnte, während
Jackson auf die Einbeziehungen sehr
viel
kontroverserer
Bestimmungen
drängte.
Einige der Ideen Jacksons fanden
zu Beginn des Verhandlungsprozesses
Eingang in die Plattform - am bemerkenswertesten der deutlich formulierte Punkt, in dem Südafrika zu einem
terroristischen Staat erklärt wird,
gegen den eine Reihe von Sanktionen
verhängt werden sollen.
Jacksons Erfolg bei der Einbringung einiger seiner Positionen stärkt
die noch vor einigen Tagen zweifelhaften Aussichten darauf, daß er bei
der Wahlkampagne im Herbst enthusiastisch für Dukakis arbeiten wird.
Dukakis, der zu Beginn dieses
Jahres Jackson und einige andere Mitstreiter bei den Vorwahlen der Einzelstaaten überrundet hatte, ist am
20. Juli vom Parteikonvent formell
zum Kandidaten seiner Partei gewählt
worden.

rückgehen:
- Eine eindeutige Abkehr von den
Prioritäten
der Reagan-Administration beim Umgang mit dem Bundeshaushalt.
Der Punkt besagt,
daß "Investitionen in Amerika und
ein Abbau des Defizits es erfordern, daß die Wohlhabenden und
die Unternehmen ihren gerechten
Anteil tragen und wir die Ausgaben des Pentagon beschränken."
- Sofortige Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur Aushandlung
eines gemeinsamen Moratoriums mit
der Sowjetunion über die Erprobung von Raketen im Flug zusammen
mit einem Teststopp für Nuklearraketen.
- Durchführung einer Politik gegenüber Mittelamerika, die "ein Ende
der Unterstützung für nicht reguläre
Streitkräfte"
vorsieht,
wahrscheinlich einschließlich des
Widerstands der Contras, die das
sandinistische Regime in Nicaragua bekämpfen, sowie eine Politik, die von Verhandlungen und
Wirtschaftshilfe und nicht durch
militärische Lösungen geprägt ist.
- Im Nahen Osten, Unterstützung der
"Souveränität, Unabhängigkeit und
territorialen Integrität des Libanon", sowie Förderung der Anstrengungen der Vereinten Nationen um Beendigung des Krieges
zwischen Iran und Irak und Sicherung der freien Schiffahrt im
Golf.

Obwohl eine Wahlplattform die Politik der Partei darlegt, ist sie
nicht bindend für den Präsidentschaftskandidaten, wenn er gewählt
wird. Tatsächlich wies der frühere
Präsident Jimmy Carter beide Male
nach seiner Nominierung in den Jahren
1976 und 1980 Teile der demokratischen Wahlplattform sofort nach ihrer Verabschiedung zurück.

- Im Hinblick auf Sozialprogramme
im Inland, eine erhebliche Erhöhung der Mittel für das Bildungswesen, die Verpflichtung zur Verbesserung der Schwangerschaftsvorsorge, Ernährung von Kleinkindern und der Vorschulerziehung
sowie die Erarbeitung eines "nationalen Gesundheitsprogramms".

Nachfolgend die von den Delegierten befürworteten Zusätze, die auf
Jacksons wichtigste Forderungen zu-

Der Zusatz, in dem ausdrücklich
Steuererhöhungen für Unternehmen und
hohe
Einkommensgruppen
gefordert

�wird, wurde mit mehr als zwei zu eins
verworfen.
Obwohl viele Demokraten erklärt
haben, Steuererhöhungen seien zum Abbau des ungeheuren Haushaltsdefizits
der vergangenen Jahre erforderlich,
sind sie doch der Ansicht, das deutliche Aussprechen dieser Idee würde
die Wähler abschrecken.
Zahlreiche Beobachter sind der
Ansicht, daß die Forderung des früheren Vizepräsidenten Walter Mondale
nach Steuererhöhungen ihn bei den
Wahlen 1984 die Präsidentschaft gekostet hat.
Gegen diesen Punkt wandte die Abgeordnete Barbara Kennelly aus Kalifornien gegenüber den Delegierten
ein, "Michael Dukakis will seine Präsidentschaft nicht mit einer Steuererhöhung beginnen, und meiner Ansicht
nach sollten wir ihn auch nicht dazu
zwingen."
Ein Zusatz, mit dem die Vereinigten Staaten aufgefordert werden, den
Ersteinsatz von Nuklearwaffen auszuschließen, wurde mit noch größerer
Mehrheit abgelehnt.
Führende Kernwaffengegner wie Senator Alan Cranston sprachen sich gegen diesen Punkt aus. Cranston gab
zu bedenken, die Sowjetunion hätte
keinen Grund, einer solchen Forderung
Glauben zu schenken, ebensowenig wie
die Vereinigten Staaten kein Vertrauen in eine solche Erklärung der Sowjets hätten. Und "die Versicherung
eines unglaubwürdigen Punktes trägt
nicht zu gegenseitigen Respekt bei",
erklärte
Cranston.
Stattdessen
schlug Cranston vor, "wir sollten zusammenarbeiten, um
eine Welt zu
schaffen, in der es keinen ersten
Einsatz, keinen zweiten Einsatz und
überhaupt keinen Einsatz von Kernwaffen gibt."

war. Es kamen Emotionen auf, als der
amerikanische Delegierte arabischer
Abstammung
James
Zogby
aus
Washington, D.C. einen von Jackson
unterstützten Vorschlag aufgriff, der
für die Palästinenser das Recht auf
Selbstbestimmung fordert.
Zogby nannte diesen umstrittenen
Vorschlag eine "grundlegende Forderung nach Gerechtigkeit, Menschenrechten, Gleichberechtigung und Frieden". Er erklärte, daß die Befürworter der Selbstbestimmung einen wichtigen Sieg errungen hätten, indem sie
das Thema erst einmal zur Diskussion
gestellt hätten und daß eine Abstimmung darüber nicht erforderlich und
auch nicht beabsichtigt sei.
Senator Daniel Inouye aus Hawaii
sprach sich gegen diesen Zusatz aus,
und erklärte, er "möge unschuldig
klingen", aber tatsächlich "einen
Staat errichten, der sich weigert,
auf Terrorismus gegen Israel zu verzichten.
Aus den Reihen der Delegierten
und Beobachter waren Buh-Rufe zu vernehmen, und man suchte Inouye niederzuschreien, als er erklärte, mit der
Umwandlung der Palästinensischen Befreiungsfront und ihrer Befürworter
in eine Regierung "könnte für Amerikas einzig verläßlichen Verbündeten
in dem Teil der Welt - Israel - der
Samen der Zerstörung gesät werden".
Es gab weitere Buh-Rufe, als der
Abgeordnete Charles Schumer aus New
York erklärte, Zogbys Argumente "zutiefst falsch" zu finden, und darauf
hinwies, daß der Vorschlag sicherlich
noch vor einer Abstimmung zurückgezogen würde, weil er keine Zustimmung
finden würde.

* * * * *

Nahezu die gesamte Debatte über
die Wahlplattform fand in zivilem
Rahmen statt, was bei früheren Parteikonventen nicht immer der Fall
- 3 -

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Irans Erklärung "erster Schritt" zum Frieden im Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz von Außenminister Shultz in Tokio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Resolution 598 des Weltsicherheitsrats ein Jahr alt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;UN-Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbesserte Rentner-Krankenversicherung in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste wichtige Reform in 23 Jahren &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ACDA-Chronologie zu Atomtests&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der ACDA &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Wahlplattform der Demokraten auf Einigkeit ausgerichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Meinungen auf dem Parteikonvent &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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