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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

&lt;*

26

6. J u l i 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanische Aktion Im Golf diente der Selbstverteidigung

- Brief des Präsidenten an die Parteiführer im Kongreß -

HINTERGRUNDMATERIAL

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush verspricht Außenpolitik des "Friedens durch Stärke'
- Auszüge aus einer Rede in San Francisco -

*

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nationale Strategie im Kampf gegen HIV Epidemie
- Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
%

'"v"

Dokumentation

Ä&lt;

26

6. Juli 19S8
REAGAN:

AMERIKANISCHE AKTION IM GOLF DIENTE DER SELBSTVERTEIDIGUNG

- Brief des Präsidenten an die Parteiführer im Kongreß WASHINGTON - (AD) - In seinem Schreiben an den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses und den Senatspräsidenten pro tempore vom 5. Juli 1988 erklärte Präsident Reagan, die von den amerikanischen Streitkräften als Erwiderung
auf den Angriff iranischer Schnellboote im Persischen Golf durchgeführte Aktion, bei der es bedauerlicherweise zum Abschuß eines iranischen Zivilflugzeuges kam, "wurde im Einklang mit unserem verbrieften Recht auf Selbstverteidigung durchgeführt".
Der Präsident erläuterte in seinem Schreiben: "wir betrachten diesen Zwischenfall als beendet, obwohl amerikanische Streitkräfte weiterhin in Bereitschaft bleiben werden, um zusätzliche Verteidigungsaktionen zum Schutz unserer
Einheiten und desraililtärischenPersonals durchzuführen". Reagan wiederholte
in seinem Brief das tiefe Bedauern der Vereinigten Staaten über "den tragischen Verlust von Menschenleben" am 3. Juli.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut des Briefes:
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrter Herr Präsident,
Am 3. Juli 1988 befanden sich die
USS VINCENNES und die USS ELMER
MONTGOMERY in internationalen Gewässern im Einsatz - im Persischen Golf
in der Nähe der Straße von Hormus.
(Am 2. Juli hatte die MONTGOMERY das
Notsignal
eines
von
iranischen
Schnellbooten angegriffenen dänischen
Tankers beantwortet und einen Warnschuß abgegeben, woraufhin der Angriff
abgebrochen
wurde.)
Der
VINCENNES lagen Anzeichen dafür vor,
daß sich etwa ein Dutzend iranischer
Schnellboote zum Angriff auf Handelsschiffe formierten, und sie entsandte
einen Hubschrauber des Typs Mark III
LAMPS zum Zweck der Lagebeurteilung
zu einem Patrouillenflug in den in-

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ternationalen Luftraum. Um 10.10 Uhr
Ortszeit (im Golf) wurde dieser von
iranischen Schnellbooten beschossen,
als er sich bis auf vier Seemeilen
näherte (die VINCENNES befand sich zu
dieser Zeit etwa zehn Seemeilen vom
Schauplatz des Geschehens entfernt).
Der LAMPS-Hubschrauber wurde nicht
beschädigt und kehrte sofort auf die
VINCENNES zurück.
Als sich die VINCENNES und die
MONTGOMERY den iranischen Schnellbooten um etwa 10.42 Uhr Ortszeit (im
Golf) näherten, nahmen mindestens
vier Schnellboote Kurs auf die amerikanischen Kriegsschiffe und begannen
mit deren Einkreisung.
Zu dieser
Zeit eröffneten beide amerikanischen
Schiffe das Feuer auf die Schnellboote, wobei zwei versenkt und ein drit-

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Telex: 8-85432

�tes getroffea wurde. Bedauerliche)—
weise wurde im Verlauf der amerikanischen Erwiderung das iranischen Augriffs von der VIKCENNES ein iranischej: Zivi lf .ugzeug abgeschossen,
die zum Zweck ihrer Selbstverteidigung ein Objekt beschoß, das sie für
ein feindliches iranisches Kampfflugzeug hielt.
Wir bedauern zutiefst
den tragischen Verlust von Menschenleben.
Das Verteidigungsministerium
wird eine eingehende Untersuchung
durchführen.
Die
von
den
amerikanischen
Streitkräften a .s Erwiderung auf den
Angriff iranischer Schnellboote im
Persischen Golf durchgeführte Aktion
wurde im Einklang mit unserem verbrieften Recht auf Selbstverteidigung
durchgeführt, gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen und im
Rahmen meiner verfassungsmäßigen Autorität im Hinblick auf die Wahrnehmung der auswärtigen Beziehungen und
als Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Es gab keine weiteren feindlichen
Aktionen
der
iranischen
Streitkräfte, und wir betrachten diesen Zwischenfall als beendet, obwohl
amerikanische Streitkräfte weiterhin
in Bereitschaft bleiben werden, um
zusätzliche Verteidigungsaktionen zum
Schutz unserer Einheiten und des militärischen Personals durchzuführen.
Auf seiten der amerikanischen Streitkräfte gab es keine Verluste oder
Schäden.
Seit März 1987 haben Mitglieder
meiner Regierung und ich im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Persischen Golf und den Aktivitäten der
amerikanischen Streitkräfte in der
Region dem Kongreß Briefe und Berichte zugeleitet, Informationsgespräche
geführt und Reden gehalten.
Gemäß
meinem Wunsch, daß der Kongreß auch
weiterhin
in dieser Angelegenheit
vollständig informiert sein soll, lege ich diesen Bericht im Einklang mit
der Resolution über die Kriegsvollmacht vor. Ich sehe der Zusammenarbeit mit dem Kongreß an unserem gemeinsamen, vorrangigen Ziel des Friedens und der Stabilität im Persischen
- 2

Golf gerne entgegen,
Hochachtungsvoll
(gez.) Ronald Reagan

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Juli 1980

26

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH VERSPRICHT AUSSENPOLITIK DES "FRIEDENS DURCH STARKE"
- Auszüge aus einer Rede in San Francisco WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihre eigenen Worten darlegen können. In der heutigen Ausgabe bringen wir
Auszüge aus einer am 29. Juni 1988 gehaltenen Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush vor dem World Affairs Council in San Francisco, in der dieser die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der Vereinigten Staaten und der Politik des Friedens durch Stärke fordert. Obwohl
Raum für "gedämpften Optimismus" bestehe, erklärte Bush, "ist der Kalte Krieg
noch nicht vorüber".
Die Auszüge haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte mit drei kleinen Geschichten beginnen, drei Episoden aus
meiner Erfahrung als Vizepräsident,
die - wie Schnappschüsse in einem Fotoalbum - eine längere Geschichte erzählen, in diesem Fall die Geschichte
unserer Vision von der Außenpolitik
der Vereinigten Staaten, ihrer Durchführung und ihrer Ziele.
Die erste Geschichte spielt in
Wien im Jahr 1983, der letzten Station einer Reise, die mich in die
Hauptstädte Jugoslawiens, Ungarns und
Rumäniens geführt hatte, hinter ein
Gebilde, das wir so anschaulich als
den "Eisernen Vorhang" beschreiben.
In einer Rede in der Hofburg sprach
ich von der unnatürlichen Teilung Europas, von der Mauer, die das Herz
dieses Kontinents durchschneidet und

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nicht nur den hinter ihr gefangengehaltenen Menschen Gewalt antut, sondern alle Normen des menschlichen Anstands verletzt.
Ich erklärte damals, wir könnten
"eine legale Teilung Europas nicht
anerkennen" und würden uns mit einem
solch grundlegenden moralischen Unrecht nicht arrangieren. Denjenigen,
die von "Realpolitik" sprachen, antworteten wir, daß sich die einzig
wahre Form des politischen Realismus
auf das beständige Engagement für die
amerikanischen Ideale der Freiheit
und Demokratie gründet, und daß die
Preisgabe dieser Ideale hieße, die
Ziele Amerikas - das hieße, Amerika
selbst - preiszugeben.
Wir würden
weiterhin, so sagte ich damals, alle
Parteien des Abkommens von Jalta -

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�das freie Wahlen und Selbstbestimmung
für alle Staaten Europas, Ost und
West, garantierte - beim Wort nehmen.
In jener Rede brachte ich auch zum
ersten Mal die amerikanische Politik
der Differenzierung zum Ausdruck
eine aktive Politik, um die Länder
des Ostblocks zu ermutigen, ihre Haltung zu ändern, zu beginnen, ihre geschlossenen Gesellschaften zu öffnen
und mehr Unabhängigkeit von der sowjetischen Linie anzustreben.
Bild 2: Krefeld in der Bundesrepublik Deutschland, etwas später im
selben Jahr. Das Auto, in dem Bundeskanzler Kohl und ich sitzen, wird
von Demonstranten angegriffen und der
Bus mit unserem Begleitstab mit Steinen beworfen. Die Demonstranten protestieren gegen die geplante Stationierung der Pershing-Mittelstrecjcenraketen in Europa. Zum Glück wurde
niemand verletzt und wir entkamen mit
lediglich ein paar zerbrochenen Fenstern und einigen schockierten Mitarbeitern. Zu jener Zeit konnten wir
nicht sicher sein, daß die NATO ebenso intakt bleiben würde.
Als Reaktion auf die einseitige,
durch die Einführung der sowjetischen
SS-20 in Osteuropa hervorgerufene Eskalation hatten die Verbündeten sich
auf eine zweigleisige Politik von
Verhandlungen und damit einhergehenden Stationierungen geeinigt.
Die
Sowjets verfolgten jedoch ihre eigene
Doppelstrategie - Blockierung der
Verhandlungen und Ausübung all des
ihr zur Verfügung stehenden politischen Einflusses, um das Bündnis zu
entzweien und uns an der Stationierung zu hindern.
Kaum ein Monat
schien zu vergehen, ohne daß in irgendeiner
europäischen
Hauptstadt
eine Massendemonstration gegen die
amerikanischen
Raketen
mobilisiert
wurde. Die Grünen in der Bundesrepublik Deutschland, die Labor Party
in England, verschiedene Parteien in
den Niederlanden und Dänemark sowie
einige in unserem Land übten enormen
Druck für ein "Einfrieren" der Potentiale aus, das den sowjetischen Vorteil festgeschrieben und die INF-Ver-

handlungen zum Scheitern verurteilt
hätte. Die Sowjets hatten 1 000 Gefechtsköpfe gegen den Westen in Stellung gebracht. Der Westen hatte Mull
Gefechtsköpfe gegen den Osten stationiert.
Der sowjetische Plan sohlen zu
funktionieren: Die Europäer bekamen
den Druck zu spüren und wurc.en immer
unsicherer, ob sie den politischen
Folgen der Stationierung standhalten
könnten. Sie mußten von der Verläßlichkeit
der
Vereinigten
Staaten
überzeugt werden, davon, daß wir die
Verpflichtung
zur
Stationierung
ernstnahmen und bereit waren, sie umzusetzen. Sie konnten es sich nicht
leisten, das Risiko einzugehen, daß
wir ihnen den Boden unter cen Füßen
wegziehen könnten, wie dies die vorherige Administration bei der Absage
an die Neutronenbombe getai hatte.
Das war meine Aufgabe in Europa.
Bei unserer Rückkehr war ich ein
wenig überrascht, ein Lob von ungewohnter Stelle zu bekommen - ein
Leitartikel in der Washington Post
verkündete:
"George schafft es."
Natürlich spielte auch der Außenminister eine wichtige Rolle. Zum Erfolg führte schließlich die Entschlossenheit des Präsidenten und das
standhafte Engagement der gesamten
Administration. Da sie dieses Engagements versichert waren, führten die
Verbündeten die Stationierung wie geplant durch. Endlich gaben auch die
Sowjets ihre Taktik der Verzögerung
und Einschüchterung auf - und zusammen unterzeichneten wir schließlich
den ersten Vertrag in der Geschichte,
durch den eine gesamte Kategorie von
Atomraketen nicht nur reduziert, sondern gänzlich beseitigt wird.
Bild 3:
San Salvador im Jahr
1983, die Residenz von Präsident
Magana, im Hintergrund kann man den
Lärm des Krieges hören. Vom Balkon
seines schwer bewachten Hauses waren
die Berge zu sehen, in denen es kurz
zuvor zu schweren Kämpfen zwischen
der salvadoranisehen Armee und der
Guerrilla gekommen war.

- 2 -

�Kurze Zeit zuvor hatte das Volk
von El Salvador In zwei Wahlen mutig
den Kugeln und Todesdrohungen der
Kommunisten widerstanden und war in
Rekordzahlen an die Wahlurnen geströmt, um mit überwältigender MehrheLt für die Demokratie zu stimmen gerade als die Demokratie in höchster
Gefahr schwebte. Mit Hilfe der Kubaner steigerte die Regierung der kommunistischen Sandinisten in Nicaragua
ihren Waffennachschub an die Kommunisten in El Salvador weiter. Auf die
Intensivierung des Linksterrorismus
reagierte die Rechte mit wiederauflebender Aktivität der Todesschwadronen, und da es schien, daß einige Militärs daran beteiligt sein könnten,
stoppte der Kongreß die Hilfe für die
zerbrechliche neue Demokratie.
Ohne die Hilfe der Vereinigten
Staaten war das Schicksal El Salvadors eindeutig vorgezeichnet - ein
kurzes, blutige Intermezzo sich steigernder Gewalttätigkeit auf der Linken und auf der Rechten, bevor das
zerrissene und übel zugerichtete Land
für immer dem Zugriff des sowjetischkubanischen Lagers anheimfallen würde, ein weiteres Nicaragua auf dem
amerikanischen Festland.
In der Residenz von Präsident Magana führte ich Unterredungen mit
führenden Vertretern von Regierung
und Militär. Das Ziel unserer Administration bestand darin, in unzweifelhaften Formulierungen klarzustellen, daß sie ihr eigenes Haus in Ordnung bringen mußten, daß entweder die
Todesschwadronen ihre Handlungen oder
die Vereinigten Staaten ihre Hilfe
einstellten. Sie hatten die Wahl.
Nachdem sie des amerikanischen
Engagements nochmals versichert worden waren, wurden die demokratischen
Kräfte in El Salvador gestärkt, die
gewalttätige Rechte in großem Maß unterdrückt, und der Kongreß verabschiedete die Hilfe.
Für El Salvador begann ein neues
Zeitalter, und
der heute schwer
krebskranke Napoleon Duarte wies den

Weg. Ich habe ihn kürzlich im Krankenhaus besucht und mußte dabei an
die dramatischen Fortschritte zur Demokratie denken, die in El Salvador
erzielt worden waren.
Ich fragte
mich, ob die Welt diesem noblen und
heroischen Mann jemals die Anerkennung zuteil werden lassen wird, die
er verdient.
Ich erzähle diese drei Episoden,
weil jeder ein gemeinsamer Tenor zugrundeliegt - die Notwendigkeit amerikanischer Stärke, Verpflichtung und
Entschlossenheit. Es sind drei Fallstudien in den Annalen des Friedens
durch Stärke, Beweise dafür, wie die
Vereinigten Staaten in den vergangenen acht Jahren die manchmal so bezeichnete "Kräftekorrelation" dramatisch zu ihrem Vorteil umgekehrt haben, so daß heute die Freiheit, die
sich einstmals in der ganzen Welt auf
dem Rückzug befand, jetzt wieder auf
dem Vormarsch ist.
Wir sollten die durch amerikanische Schwäche gegen Ende der siebziger Jahre hervorgerufene Vertrauenskrise niemals vergessen. Eine unstete Außenpolitik, die ihre moralische Richtung verloren zu haben
schien, rief die Verachtung unserer
Feinde wie auch unserer Freunde hervor. Während der Kongreß ständig unsere militärische Einsatzbereitschaft
für innenpolitische Ausgabenprogramme
opferte, wurden unsere Streitkräfte
gefährlich schwach. Ich werde nicht
noch einmal die inzwischen weithin
bekannte
Litanei
aufzählen:
von
Flugzeugen, die wegen Ersatzteilmangel nicht fliegen konnten, Schiffen,
die aufgrund von Treibstoffmangel ihre Häfen nicht verlassen konnten und
der schwer angeschlagenen Moral unserer Soldaten.
Während die Sowjets ihre militärische Aufrüstung weiter betrieben
und sich in vielen wichtigen Bereichen uns gegenüber einen Vorteil verschafften, wurden in unserem Land
wichtige
Waffensysteme
abgeschafft
oder auf Eis gelegt.
RUstungskontrollverhandlungen trugen nur in ge-

- 3 -

�ringem Maße zur Verlangsamung der sowjetischen Eskalation bei - es wurde
vielfach behauptet, damit sei nur das
gegenwärtige Ungleichgewicht festgeschrieben worden.
Nach Jahren der
Verhandlungen wurde SALT II vom Kongreß verworfen.
Mit dem schwindenden amerikanischen Engagement für den Schutz der
Freiheit auf der ganzen Welt wurde
der Tyrannei Vorschub geleistet. Die
Sowjets erkannten die günstige Gelegenheit und ergriffen sie: In Afghanistan, Nicaragua, Kambodscha, dem
SüdJemen, Äthiopien und Angola. Unsere Reaktion darauf: Gespräche über
einen Abzug amerikanischer Truppen
aus Südkorea. Es schien, als ob Amerika vorsätzlich seine Rolle als
WeLtmacht und Beschützer der freien
Welt aufgeben wollte.
•
Der
amerikanische
Machtverlust
hat die Welt nicht sicherer, sondern
gefährlicher werden lassen. Er hat
den Rüstungswettlauf nicht aufgehalten, sondern nur dazu geführt, daß
die Sowjets glaubten, ihn gewinnen zu
können.
Wir haben 1981 unser Amt mit dem
Mandat zum Wiederaufbau unseres Militärs angetreten. Wir haben die Produktion wichtiger neuer Waffensysteme
wie etwa dem B-1-Bomber erweitert und
deutlich gemacht, daß die einzige Position, aus der heraus wir verhandeln
wollen, die Position der Stärke ist.
Unsere
militärische
Aufrüstung
war kostspielig, aber um wieviel höher wäre der Preis gewesen, wenn wir
die weitere Vernachlässigung unserer
Streitkräfte
zugelassen
hätten
nicht der Preis in Dollar, sondern
die dauerhafte Lähmung der amerikanischen Macht. Es sollte nicht vergessen werden, daß wir bei unserem
Amtsantritt 1981 eine Krisensituation
zu meistern hatten - wir mußten
schnell und entschlossen handeln.
Heute beobachten wir mit gedämpftem Optimismus die Veränderungen, von
denen in der Sowjetunion gesprochen

wird. Vieles davon ist imoer loch
Gerede, aber in einer totalii ären Gesellschaft kann bereits Gerede revolutionär sein.
Die Stahltür hat sich einen Spalt
geöffnet und die frische "Mit d"-.r
Freiheit bahnt sich ihren Weg - vird
die Tür wie in der Vergangenheit nieder zuschlagen oder sich ;u einem
neuen Zeitalter der Hoffnung öffnen,
einem neuen Zeitalter, für das der
Frieden auf seiner einzig wehren und
dauerhaften Grundlage prognostiziert
wird - den gemeinsamen Interessen und
der
Interdependez
freier
Gesallschaften.
Wir können das jetzt nicht wissen
- aber wir sollten wissen, daß die
Versprechen
von
Glasnost
und
Perestrojka nicht in einem Vakuum abgegeben wurden, sondern im Kontext
der wiederhergestellten Stärke Amerikas. Ende der siebziger Jahre, am
Tiefpunkt amerikanischer Macht, müssen die Sowjets geglaubt haben, den
Wettbewerb um die Welt gewinnen zu
können. Aber ich denke, daß dieser
Traum schnell zerrann, als Amerika
den Absprung aus der zerrütteten
Wirtschaft der siebziger Jahre in die
aufstrebende,
von
Unternehmergeist
geprägte Wirtschaft
der achtziger
Jahre
schaffte,
als
wir
unsere
Streitkräfte wiederaufgebaut hatten
und der sowjetischen Aggression und
Subversion auf der ganzen Welt mit
neuer Entschlossenheit entgegengetreten sind, um diejenigen zu unterstützen, die für ihre Freiheit und die
Sicherung der Freiheit aller Menschen
kämpfen.
Mit eben dieser Unterstützung
konnte die afghanische Widerstandsbewegung die Sowjetunion zwingen, ihre
Truppen aus Afghanistan abzuziehen.
Der UdSSR zufolge ist der Abzug auf
eine neue Betrachtungsweise regionaler Konflikte zurückzuführen. Vielleicht wird es dazu kommen, aber nur,
wenn die Freiheit weiterhin starke
Unterstützung auf der ganzen Welt erhält.
Wo unsere Unterstützung und
unsere Führungsrolle stark waren -

�wie etwa In Afghanistan, im Golf und
in El Salvador - schließen unsere
Verbündeten wie auch die Staaten der
Region sich mit uns zusammen, und die
Freiheit triumphiert. Wo das nicht
der Fall ist - wie In Nicaragua trifft das Gegenteil zu.
Mit SDI haben wir Technologie als
unsere große Stärke - und die große
Schwäche der Sowjets - zum Kern des
Wettbewerbs gemacht. Obwohl die Sowjets über 200 Milliarden Dollar für
ihre strategische Verteidigung ausgegeben haben, war es ihnen klar, daß
sie den Wettkampf in der Technologie
niemals gewinnen können, wenn sie uns
nicht zur Aufgabe unseres Programms
veranlassen können - wie sie es in
Reykjavik versucht haben.
Ich lege Wert auf die Feststellung, daß es die acht Jahre amerikanischer Stärke waren, die die Sowjets mit dem wahren Preis der Aggression und der Notwendigkeit für
Reformen konfrontiert
haben.
Aus
diesem Grunde war der Moskauer Gipfel
eine so passende Krönung der Amtszeit
des Präsidenten, da sich die Hoffnungen dieses Gipfels auf acht Jahre moralischer Entschlossenheit und harter
Arbeit
zum
Wiederaufbau
amerikanischer Macht gründen.
Trotzdem müssen wir uns vor Augen
führen, daß der Kalte Krieg nicht
vorbei ist. Wir müssen wagemutig genug sein, um im Hinblick auf Veränderungen die Gelegenheit zu ergreifen,
aber gleichzeitig auf das vorbereitet
sein, was ein Experte in seinem Artikel "Der verschleppte Konflikt" nannte. Wir sollten daran denken, daß
Amerikas militärische Stärke nicht
nur ein Titel in unserem Haushalt
ist, sondern der Preis für die Verteidigung unserer Freiheit.

* * * * * *

- 5

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

6. Juli 1988

26

NATIONALE STRATEGIE IM KAMPF GEGEN HIV-EPIDEMIE
- Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen -

WASHINGTON - (AD) - Mit nahezu 600 Empfehlungen hat die im September 1987
von Präsident Reagaa eingesetzte AIDS-Kommission Ende Juni 1988 ihren Abschlußbericht vorgelegt. Das 13köpfige Gremium unter Vorsitz von Admiral a.D.
James D. Watkins verbrachte allein 43 Tage mit der Anhörung von mehr als 500
Experten verschiedenster Fachrichtungen und suchte sich an zahlreicnen Orten
selbst ein Bild von der Situation der Betroffenen sowie auch von den Problemen
in Forschung, Therapie, Pflege und Gesundheitsvorsorge zu verschaffen.

Die Notwendigkeit der möglichst
frühzeitigen Erfassung und Behandlung
einer HIV-Infektion (HIV - Immunschwäche auslösendes Virus) wird in
dem Bericht ebenso hervorgehoben wie
die Dringlichkeit einer Therapie, bei
der die diskrete und einfühlsame Behandlung des Erkrankten gewährleistet
ist. Die intensive Erforschung des
Wesens dieser Krankheit und die Ausweitung der Bemühungen um Vorsorge,
Beratung, Pflege und Information seien ungemein wichtig.
Als überholt
müsse die ursprüngliche Bezeichnung
AIDS (erworbenes Immunschwäche-Syndrom) angesehen werden, weil sie nur
einem Teilaspekt gilt, nicht aber das
gesamte, weite Spektrum umfaßt. Weil
man sich nur auf AIDS konzentriert
habe, sei "die Nation bisher nicht in
der Lage gewesen, sich angemessen mit
der Epidemie zu befassen". Und da

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Embassy of the United States of America

intravenöser
Rauschgiftabusus
eine
der Hauptquellen für eine HIV-Infektion sei, müsse Vorbeugung gegen
Fixen und die Therapie solcher Süchtigen "zur nationalen Priorität werden" .
Im Folgenden veröffentlichen wir
eine Zusammenfassung des Berichtes:
Die HIV-Epidemie wird auf Jahre
hinaus eine Herausforderung im amerikanischen Leben bedeuten und sollte
allen Amerikaner ein Anliegen sein.
Neuen Schätzungen zufolge sind bis
1992 fast 500 000 Amerikaner der
Krankheit zum Opfer gefallen oder befinden sich in einem fortgeschrittenen
HIV-Erkrankungsstadium.
Aber
nicht einmal diese unglaubliche Zahl
zeigt an, wie ernst die Probleme ge-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�genwärtitg sind. 1 bis 1,5 Millionen
Amerikaner dürften mit dem HI-Virus
infiziert sein, sind aber noch nicht
so krank, daß sie dies realisieren.

sourcen
mie ist
weniger
Nutzung

Mit ihren Empfehlungen will die
Kommission ein ausgewogenes Verhältnis zwischen unseren Verpflichtungen
als Gesellschaft gegenüber den HIVinfizierten
Mitbürgern
und
jenen
schaffen, die das Virus nicht haben.
Die Verlangsamung oder das Ende seiner Ausbreitung, angemessene medizinische Versorgung der Infizierten und
Schutz der Rechte von infizierten und
nicht infizierten Personen erfordern
eine sorgfältige Ausbalancierung von
Interessen in einer überaus komplexen
Gesellschaft.

Für Leser, die keine Zeit zur
Sichtung des gesamten Materials haben, hat die Kommission 20 ihrer
wichtigsten
Resultate
und
Empfehlungen aufgelistet, von denen
jedoch kein Punkt allein stehen oder
außer acht gelassen werden la-fctJ. Sie
werden im Gesamtbericht im Detail erläutert und ergeben zusammen eine umfassende nationale Strategie, zur
wirksamen Bekämpfung der HIV-Epidemie.

Wissen ist eine ganz wichtige
Waffe gegen HIV - Wissen um das Virus
und wie es übertragen wird, Wissen um
die Erhaltung der Getsundheit des einzelnen, Wissen um den persönlichen
Infektionsstatus.
Auch
ist
von
großer Bedeutung, daß Wissen zur Verantwortung gegenüber sich selbst und
anderen führt. Es ist die Verantwortung aller Amerikaner, über HIV informiert zu sein. Es ist die Verantwortung der Infizierten, andere nicht
anzustecken. Es ist die Verantwortung aller Bürger, daß die HlV-Infizierten respektvoll und einfühlsam
behandelt werden.
Jeder einzelne
sollte für seine Handlungen und deren
Konsequenzen verantwortlich sein.
In der ausführlichen Fassung des
Berichtes der Kommissions werden fast
600 Empfehlungen zur Verhinderung
einer weiteren Ausbreitung des Virus,
zur Pflege der HlV-Infizierten und
zur Verbesserung unserer Anstrengungen zur Auffindung von Heilungsmöglichkeiten aufgeführt.
Die Dringlichkeit und Bandbreite der nationalen Anstrengungen in der HIV-Forschung als Reaktion der amerikanischen Regierung auf eine Krise im
Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit ist ohne Parallele in der
Geschichte. Aber von allen notwendigen Antworten sind wir noch weit entfernt. Die Aufwendung von mehr Res-

zur Bewältigung dieser Epideein kritischer Punkt. Nicht
bedeutsam ist die gerechte
solcher Ressourcen.

- Die Bezeichnung "AIDS" ist überholt.
"HIV-Infektion" definiert
das Problem besser. Die führenden Persönlichkeiten in der Ärzteschaft, im Öffentlichen Gesundheitswesen, in Politik und Kommunalverwaltungen müssen sich auf
den gesamten Verlauf der HIV-Infektion anstatt nur auf die späteren Stadien der Krankheit (ARC
und AIDS - d.h. "AIDS"-assoziierter Symptomkomplex und die Vollerkrankung an AIDS) konzentrieren.
Da fortgesetzt AIDS im
Brennpunkt stand, nicht aber das
ganze Spektrum der HIV-Infektion,
war unsere Nation bisher nicht
fähig, sich in angemessener Weise
mit der Epidemie zu befassen.
Die Anstrengungen von Bund und
Einzelstaaten im Hinblick auf die
Sammlung von Daten müssen sich
jetzt auf frühe HIV-Berichte konzentrieren;
gleichzeitig
sind
weiterhin Daten über symptomatische Krankheitsphänomene zusammenzutragen.
- Die frühzeitige Diagnose der HIVInfektion ist nicht nur für die
angemessene medizinische Therapie
und Beratung der infizierten Person, sondern auch für die angemessene
Folgebeobachtung
durch
die Gesundheitsbehörden von entscheidender Bedeutung. Eine HIVInfektion kann wie jede andere
chronische Erkrankung
- Herzkrankheit, Bluthochdruck, Diabe-

�tes, Krebs - wirksamer behandelt
werden, wenn man sie frühzeitig
erkennt.
Deshalb sollten medizinische Stellen regelmäßige HIVTests anbieten, um den gegenwärtig kleinen Anteil jener Infizierten, die sich der Tatsache
bewußt sind und entsprechend betreut werden, zu erhöhen.
Da
sich viele Manifestationen von
HIV für eine Behandlung eignen,
sollten Infizierte ungehinderten
Zugang zur Behandlung der opportunistischen Infektionen haben, die sich häufig für Personen
mit HIV als tödlich erweisen.
- Besseres Verständnis der tatsächlichen Häufigkeit und der Schwerpunkte von HIV-Infektionen spielt
eine Schlüsselrolls und kann nur
durch sorgfältiges Zusammentragen
von Daten aus stark ausgeweiteten
Tests erworben werden. Tests mit
Qualitätsgarantien sollten leicht
zugänglich, vertraulich, freiwillig sowie mit angemessener Beratung und mit Pflegeleistungen
verbunden
sein.
Gegenwärtig
kennt nur ein kleiner Prozentsatz
von HlV-Infizlerten seinen Infektionsstatus. Zum eigenen Schutz
und zum Schutz der nicht Infizierten sollten große Anstrengungen unternommen werden, um freiwillige Tests leicht zugänglich
zu machen. Viele der detaillierten Vorschläge im vorliegenden
Bericht in bezug auf Tests zielen
auf die Erhöhung dieses Prozentsatzes ab.
- HIV ist eine Behinderung und
sollte im öffentlichen und privaten Sektor im Bundes- und Einzelstaatsrecht als solche behandelt
werden. Angst hat zur Diskriminierung von Personen geführt, von
denen man weiß, daß sie infiziert
sind. Diese Reaktion ist unangemessen.
Infizierte
Personen
sollten zur Fortsetzung normaler
Aktivitäten wie Arbeit oder Schule ermutigt werden und so lange,
wie sie dazu in der Lage sind, in
der eigenen Wohnung bleiben. Die

- 3-

durchschnittliche Zeitspanne zwischen Infektion und klinischen
Symptomen bemißt man derzeit auf
sieben bis acht Jahre - Jahre,
die produktiv sein sollten.
- Im Bundes- und Staatsrecht ist
strikterer Schutz der Privatsphäre HlV-Infizierter in der Form
erforderlich,
daß
Verletzungen
der
Vertraulichkeitsnormen
mit
beachtlichen Strafen belegt werden, aber auch notwendige Ausnahmen in den Vorschriften klar
definiert sind. Diese Ausnahmen
sind im Detail in Kapitel 9 unseres Berichtes aufgeführt, d.h. im
Abschnitt
über
Schweigepflicht
bzw. vertrauliche Behandlung.
- Einige Vorbeugungsmaßnahmen müssen sofort in Angriff genommen
werden.
- Behörden des Öffentlichen Gesundheitsdienstes überall in den Vereinigten Staaten müssen sofort
mit der vertraulichen Partner-Information beginnen. Dies ist ein
Warnsystem in bezug auf Intimkontakte von Personen, die Träger
sexuell übertragbarer Krankheiten, einschließlich HIV, sind.
- Dienststellen, die medizinische
Einrichtungen
genehmigen
und
überwachen, müssen sofort Maßnahmen ergreifen, mit denen jede
dieser Einrichtungen verpflichtet
wird, alle Personen, die seit
1977 Bluttransfusionen erhielten,
davon zu unterrichten, daß sie
möglicherweise einer HIV-Infektion ausgesetzt waren und Tests
sowie
gegebenenfalls
Beratung
notwendig seien.
- Vorbeugung und Therapie bei intravenösem Rauschgiftabusus, mit
dem der HIV-Epidemie wichtiger
Vorschub geleistet wird, muß zu
einer
nationalen
Aufgabe
von
höchster Priorität werden. Verstärkte Anstrengungen im Rechtsvollzug zur Unterbindung des Angebotes an Rauschgiften müssen

�mit erheblich erweiterter Therapie und Therapiemöglichkeiten mit
dem Ziel einer "Behandlung auf
Verlangen" gekoppelt werden, um
Süchtige wieder ein gesundes Leben zu ermöglichen.
- Der Konsum illegaler Drogen wie
der Mißbrauch von Alkohol erleichtern die Ausbreitung von
HIV, indem sie das Urteilsvermögen beeinträchtigen und das Immunsystem schwächen.
Die Bemühungen von Bund und ELnzelstaaten
um eine Eindämmung der HIV-Verbreitung müssen nichtige Maßnahmen zu Bereich enthalten. Erziehung gegen Alkohol- und Drogenmißbrauch mit entsprechender Information ist für alle Schulkinder und Heranwachsenden, für Angehörige von Minderheiten wie für
alle übrigen Amerikaner lebenswichtig.
- Neue bundes- und einzelstaatliche
Stipendien und Darlehen müssen
sofort im Bereich der Krankenpflege
eingeführt
werden, um
Pflegepersonal zum Dienst in Bereichen mit großer HIV-Häufigkeit
zu ermutigen und gleichzeitig das
Problem des Mangels an Pflegepersonal anzugehen, der auch in allen anderen Bereichen eine wirksame Gesundheitsfürsorge beeinträchtigt. Krankenschwestern und
Pfleger
leisten innerhalb und
außerhalb der Krankenhäuser einen
hohen Anteil zur Betreuung der
HIV-Kranken.
Gegenwärtig
existiert ein gravierender Mangel an
Pflegekräften, der in den nächsten zehn Jahren noch erheblich
zunehmen dürfte.
- Die
Tätigkeit
des
"National
Health Service Corps", das medizinische Fachkräfte in unterversorgte Gebiete schickt, soll gegenwärtigen Plänen zufolge eingestellt werden. Diese müßte jedoch verlängert
und erheblich
ausgeweitet werden. Die im Gesundheitswesen tätigen Verbände
und Berufsgruppen sollten der An-

werbung und Ausbildung von Fachkräften aus Minderheitengruppen
besondere Beachtung schenken.
- Aggressive biomedizinische Forschung ist der Schlüssel zu den
Rätseln und Ungewißheiten, die
mit der Suche nach einem Impfstoff und einer Heilung von HIV
noch verbunden sind. Die Medizinischen Bundesforschungsanstalten
(National
Institutes
of
Health) brauchen mehr administrative Flexibilität, zur Verwirklichung ihrer Forschungszielen.
Schadensrechtliche
Hindernisse
müssen aus dem Weg geräumt und
klinische Versuche stark ausgeweitet werden, um eine größere
Bandbreite der infizierten Bevölkerung einzubeziehen.
- Eine gerechtere und kosteneffektivere Finanzierung der Betreuung
HlV-Infizierter ist zu prüfen,
und zwar durch eine Reihe neuer
oder erweiterter Programme im
Rahmen derer bedürftigen Patienten Zuschüsse von Bundesregierung
und Staatsbehörden zu privaten
Versicherungsleistungen
sowie
größere Beiträge zu Risikofonds
gewährt werden. Es ist wichtig,
auf ein durchorganisiertes Betreuungssystem hinzuarbeiten, in
dem die Individualbehandlung ein
wesentliches
Hilfsmittel
darstellt, um Kosten unter Kontrolle
zu halten und qualifizierte Betreuung zu ermöglichen.
- Die Anliegen der im Gesundheitswesen tätigen Personen müssen auf
allen Behördenebenen sowie vom
privaten Sektor mehr angesprochen
werden. Ihnen allen - vom Sanitätswagenfahrer und anderen für
Erste Hilfe zuständigen Personen
bis zu Ärzten, Krankenschwestern,
Zahnärzten,
Laborpersonal, Sozialarbeitern,
Geistlichen
und
allen übrigen Angehörigen von Berufen im Gesundheitsdienst bis zu
Gynäkologen und Chirurgen, die
invasiv vorgehen müssen - sollten
komplette Informationen über HIV

�und ein angemessener Schutz in
bezug auf Materialien und Arbeitsbereich gewährt werden, so
daß eine umfassende und humane
Betreuung der Kranken möglich ist.
- Die sichere Versorgung mit Spenderblut muß von der Bundesregierung
kontinuierlich
sichergestellt werden. Die Bandesbehörde
für
Lebens- und
Arzneimittel
(Food and Drug Administration FDA) sollte die Prüfung neuer,
weniger zeitaufwendiger Tests zum
Aufspüren von HIV vorrangig behandeln. Darüber hinaus muß ein
umorganisierter Beratungsausschuß
für Blutprodukte mit der FDA zusammenarbeiten, un Verfahrenswege
zum Schutz von Kenservenblut kontinuierlich zu überprüfen.

i

- In Kliniken und anderen Einrichtungen
des
Gesundheitswesens
sollte alles unternommen werden,
um eine Transfusion von Fremdblut
(homologe Transfusion) zu vermeiden und statt dessen nach Möglichkeit
Eigenblut
(autologe
Transfusion) zu Infundieren. Zu
den gegenwärtig verfügbaren Methoden einer autologen Transfusion zählen eine vorherige Spende
von Eigenblut, die Rezirkulation
von Eigenblut während der Operation
(intraoperative
autologe
Transfusion), Blutverdünnung (Hämodilution) sowie nachoperatives
Sammeln von Blut: des Patienten
zur Retransfusion. Die Einrichtungen
des
Gesundheitswesens
sollten ihre Mitarbeiter besonders gut und gründlich in diesen
Techniken ausbilden, und der Patient, der seine Zustimmung zu
einer Transfusion von Blut oder
Blutkomponenten gibt, sollte sowohl über das Risiko in Verbindung mit der Transfusion als auch
über die Alternativen zur homologen Transfusion informiert werden.
- Informationsprogramme müssen weiterhin für die nahe Zukunft entwickelt und angewandt, aber auch
im Hinblick auf größte Wirksam- 5 -

keit bei der nächsten Generation
konzipiert werden. Altersgerechte, umfassende Programme zur gesundheitlichen Aufklärung in unseren Schulen - vom Kindergarten
bis zur letzten Schulklasse
sollten als nationale Aufgabe mit
Vorrang behandelt werden.
- Das Problem der HlV-infizierten
"Heimbabies" zählt zu den erschütternsten, denen die Kommission begegnet ist. Diese Kinder
verbringen ihr gesamtes kurzes
und tragisches Leben im Krankenhaus, mit Ärzten und Schwestern
als ihrer einzigen Familie. Die
10 000 bis 20 000 HlV-inf izierten
Neugeborenen, mit denen man 1991
zu rechnen hat, lenken außerdem
die Aufmerksamkeit auf die so
dringend benötigten Pflegeheime.
Wenn die Probleme der Benachteiligten nicht angesprochen werden,
wird die HIV-Epidemie weiterhin
in diese Bevölkerungsgruppen eindringen, und wir werden es mit
einem erheblichen Anstieg sowohl
pädiatrischer als auch drogenassoziierter
HIV-Erkrankungen
zu
tun bekommen.
- Die Probleme von Teenagern, insbesondere von Jugendlichen, die
von Zuhause weggelaufen sind,
sind ein spezielles Risiko der
HIV-Exposition und müssen aggressiv angegangen werden. Die HIVAusbreitung in der heterosexuellen Bevölkerung muß besser definiert, die allgemeine Öffentlichkeit muß korrekt und ausreichend
informiert
werden.
Unrichtige
und irreführende Verlautbarungen,
denenzufolge HIV nicht durch heterosexuelle Kontakte verbreitet
werden könne, sind als unqualifiziert abzulehnen.
- Die HIV-Epidemie wirft Schlaglichter auf eine Reihe ethischer
Überlegungen und Pflichten, u.a.
- die Verantwortung der HlV-infizierten, andere nicht anzustecken;

�- die Verantwortung der im Gesundheitswesen tätigen, allen HlV-infizierten Personen umfassende und
humane Hilfe zukommen zu lassen;
und
- die Verantwortung aller Bürger,
HlV-infizierten Personen respektvoll und einfühlsam zu begegnen.
- Internationale Anstrengungen zur
Bekämpfung
der
HIV-Infektion
sollten von den Vereinigten Staaten durch unsere Wissenschaftler
und unseren nationalen Beitrag
zur
Weltgesundheitsorganisation
und den weltweiten AIDS-Programmen ermutigt werden.
Die Kommission ist überzeugt, daß
eine uneingeschränkte Verwirklichung
der Empfehlungen dieses Berichtes das
schwierige Gleichgewicht zwischen den
komplexen Notwendigkeiten und die
sich für die gesamte Gesellschaft im
Hinblick auf ihre Reaktion auf die
HIV-Epidemie
ergebenden
Pflichten
herzustellen vermag.
Unmittelbar nach Erhalt des Berichtes der Kommission beauftragte
Präsident Ronald Reagan Dr. Ian Macdonald, Berater für Drogenfragen und
im Stab des Weißen Hauses zuständig
für Drogenpolitik, innerhalb von 30
Tagen Pläne zur Durchführung der Kommissionsempfehlungen vorzulegen.

* * * * * *

- 6

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