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                  <text>AMERIKA DIENST
V.ON

*

22. Juni

24

1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Dukakis fordert energischen und realistischen Kurs gegenüber der
Sowjetunion
- Ansprache vor dem Atlantic Council -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zweiter genetischer Code entdeckt
Konvention über Erschliessung der Antarktis

* * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
V(0N

Hintergrundmaterial

*

22. Juni L988

24

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DUKAKIS FORDERT ENERGISCHEN UND REALISTISCHEN KURS
GEGENÜBER DER SOWJETUNION
- Ansprache vor dem Atlantic Council -

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen von USIA herausgegebenen
Beitrag in einer Reihe von Veröffentlichungen, in denen die amerikanischen
Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre Positionen zur Außenpolitik
und anderen Themen von internationalem Interesse in ihren eigenen Worten darlegen können. In der heutigen Ausgabe handelt es sich um den vollständigen
Text einer Ansprache des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael
Dukakis vor dem Atlantic Council am 14. Juni 1988 in Washington:

Vor 40 Jahren erteilte der amerikanische Senat dem Präsidenten den
Auftrag, in einer gemeinsamen Anstrengung mit anderen Nationen deren
Sicherheit und die der Vereinigten
Staaten zu schützen.
Dieser historische Vorschlag, den
der demokratische
Präsident Harry
Truman beantragt hatte, wurde von Senator Arthur Vandenberg - einem Republikaner - unterbreitet. Er wurde
einstimmig verabschiedet. Und er ebnete der NATO den Weg - dem erfolgreichsten Bündnis zu Friedenszeiten
in der Geschichte.
Unser Bündnis muß derzeit - militärisch wie auch politisch - eine
Herausforderung bestehen.
Und zwar
wegen der neuen Führungsspitze in der

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Embassy of the United States of America

Sowjetunion, infolge der Tendenzen
eines
weltverändernden
wirtschaftlichen Wandels, und aufgrund der Notwendigkeit, als Konsequenz aus dem
INF-Vertrag eine gemeinsame Verhandlungsstrategie für nukleare, konventionelle und chemische Waffen zu entwickeln.
In diesem Herbst werden wir einen
neuen Präsidenten der Vereinigten
Staaten wählen. Und in den kommenden
fünf Monaten werden wir eine lebhafte
Debatte über die zukünftige Richtung
unseres Landes führen. Diese Debatte
wird sich mit der Art Führung beschäftigen, die wir benötigen, um den
Wandel zu unserem Vorteil und nicht
zu unserem Nachteil zu nutzen. Wir
werden die Frage erörtern, wie wir
mit wirtschaftlicher wie auch mili-

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Telex: 8-85432

�tärischer Stärke in das nächste Jahrhundert eintreten können.
Und es
wird zur Diskussion stehen, wie wir
gesunden Menschenverstand, Prinzipien
und Respekt für amerikanische Werte
wieder in die Außenpolitik unseres
Landes einbringen können.
Wenn wir uns jedoch mit der Zukunft beschäftigen, sollten wir niemals die Lektionen vergessen, die wir
im und nach dem Zweiten Weltkrieg gelernt haben. Laßt uns niemals vergessen, welche Stärken wir aus unserer gemeinsamen Verpflichtung - als
Demokraten und Republikaner - für die
grundlegenden Prinzipien von Freiheit
und Demokratie und Achtung vor dem
Rechtsstaat gewonnen haben.
Durch
diese Prinzipien werden unsere Absichten als Nation festgelegt. Dies
sind Prinzipien, die das Fundament
unseres Bündnisses ausmachen.
Und
dies sind Prinzipien, die uns zusammenhalten und unsere Stärke erhalten.
Diese Stärke und Gemeinsamkeit
ist selten deutlicher geworden als in
den vergangenen Wochen. Als Präsident Reagan in Moskau seine Stimme
für die Sache der Menschenrechte und
Demokratie erhob, sprach er für uns
alle hier in den Vereinigten Staaten; für die Hunderte von Millionen
Menschen auf beiden Seiten des geteilten Europa; und für die Milliarden Menschen in der ganzen Welt.
Der INF-Vertrag - das erste Abkommen, das nukleare Waffen nicht nur
kontrolliert, sondern verringert fand bei der breiten Mehrheit des
amerikanischen Volkes Unterstützung.
Er legt Zeugnis ab von der Schaffenskraft eines entschlossenen und geeinten demokratischen Bündnisses.
Seit acht Jahren und im Verlaufe
zweier Administrationen haben wir
Amerikaner und unsere Verbündeten uns
der sowjetischen Aggression in Afghanistan widersetzt; und nun befinden
sich die Sowjets im Rückzug.
Nach vier Gipfeln in drei Jahren
erkennt eigentlich jeder von uns den

Wert regelmäßiger Vier-Augen-Gespräche zwischen den Führern der beiden
Supermächte an. Und wir hegen fast
alle die Erwartung auf einen neuen
und weniger gefährlichen Wettbewerb
mit der Sowjetunion.
Heute aber wollen einige die Zukunft der NATO in Frage stellen, anstatt unsere Einheit zu würdigen.
Einige unter uns sind der Auffassung,
unser Engagement für die NATO würde
sich irgendwie abschwächen und die
Beseitigung nuklearer Mittelstreckenwaffen mittlerer und kurzer Reichweite würde zu einer Änderung amerikanischer Positionen oder einem Nachlassen der amerikanischen Entschlossenheit führen.
Aber all dem kann ich nicht zustimmen.
Unser Engagement für Europa geht
weit über einige hundert Raketen hinaus.
Europas Sicherheit ist entscheidend für unsere eigene Sicherheit. Darum haben wir über 300 000
Soldaten auf europäischem Boden stationiert; darum werden wir auch weiter die NATO-Doktrin der flexiblen
Reaktion unterstützen.
Unser Ziel ist und bleibt eine
NATO, die so stark und so geeint ist,
daß keine Nation in die Versuchung
geraten könnte, einen Krieg gegen uns
zu beginnen. Und wir glauben, daß
der Friede durch unsere Stärke und
Entschlossenheit
aufrechterhalten
wird.
Die NATO hat seit 40 Jahren ihre
Aufgaben erfüllt.
Dies kann auch
weitere 40 Jahre so bleiben. Allerdings nur, wenn unsere Verbündeten
ihren Beitrag hierzu leisten.
Und
wenn wir damit aufhören, die Dinge im
Alleingang zu bewältigen, wie wir
dies im Verlaufe der vergangenen sieben Jahre allzu häufig getan haben.
Wir sollten niemals wieder radikale
Veränderungen unserer strategischen
Doktrin ankündigen oder entscheidende
neue Positionen bei Verhandlungen
über nukleare Waffen einnehmen, ohne

- 2 -

�zuvor unsere Verbündeten konsultiert
zu haben.
Wir müssen zusammenarbeiten. Und
wenn wir uns den Herausforderungen
der neunziger Jahre dieses Jahrhunderts und denen des kommenden Jahrhunderts stellen, müssen wir ein aktives - kein reaktives - Bündnis
bleiben.
Wir müssen die Initiative ergreifen. Wir müssen gegenüber der Sowjetunion einen energischen, stetigen
und realistischen Kurs verfolgen.
Wir müssen einen koordinierten
Plan zur Beendigung des nuklearen
Wettrüstens und für einschneidende,
beiderseitige und verifizierbare Reduzierungen bei den strategischen
Waffen entwerfen.
Und wir müssen den Warschauer
Pakt dazu drängen, eine Reihe besonderer Schritte zu unternehmen, um das
Risiko eines Krieges in Europa weiter
abzubauen.
Unser Ziel?
Ein Gleichgewicht
bei den konventionellen Streitkräften, deren Stationierung höhere Sicherheit mit sich bringen und es den
NATO-Partnern gestatten wird, weniger
auf taktische Nuklearwaffen zu vertrauen.
Dazu werden Reduzierungen bei den
Streitkräften erforderlich sein, aber
nicht die von Herrn Gorbatschow erwähnten gleichen Reduzierungen auf
beiden Seiten. Wenn wir die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs so
vollständig wie möglich ausschließen
wollen, müssen wir stärkere Reduzierungen auf der Seite mit den umfangreichsten Streitkräften vornehmen beim Warschauer Pakt.
Solch ein Abkommen wird nicht
über Nacht zustande gebracht. Aber
wir sind stark, beharrlich und einig,
und ich denke, daß erhebliche Fortschritte erzielt werden können.
Der Warschauer Pakt hat bei Pan-

zern und schwerer Artillerie - den
Waffen, die im Hinblick auf einen Offensivschlag
die größte Bedrohung
darstellen - einen erheblichen Vorteil. Und er hat zur Vorbereitung
eines mit chemischen Kampfstoffen geführten Krieges viel mehr getan als
wir.
Aber als Herr Gorbatschow vor
drei Jahren sein Amt antrat, erbte er
zusammen mit all diesen Panzern und
Geschützen ein drittklassiges Wirtschaftssystem. Und er weiß, daß diese Art von Ungleichgewicht nicht aufrechterhalten werden kann.
Seit einiger Zeit spricht er vom
Abbau der Spannungen in Europa; er
hat "ausreichende" Streitkräfte statt
überlegener Streitkräfte ins Gespräch
gebracht; er hat über die Umgestaltung der Streitkräfte zu einer Verteidigungshaltung gesprochen, und er
hat erklärt: "Im Europäiseien Haus
darf sich jede Wohnung gegen Einbrecher schützen, aber nur so, daß dabei
nicht die Wohnung des Nachbarn demoliert wird."
Eine einige NATO kann seine Absichten prüfen. Durch Vorlage eines
detaillierten, phasenweise durchzuführenden Plans für erhebliche Reduzierungen bei den konventionellen
Streitkräften, die bei den einsatzbereiten Panzer- und Artillerieeinheiten des Warschauer Pakts beginnt.
Aber wir brauchen nicht auf ein
umfassendes Abkommen zu warten. In
der Zwischenzeit können wir auch mehrere Schritte unternehmen.
Wir sollten nach neuen Wegen suchen, um zwischen beiden Seiten Vertrauen zu schaffen, etwa durch mehr
Inspektionen von Manövern gemäß der
Vereinbarung von Stockholm.
Wir können das Risiko eines Überraschungsangriffs verringern, indem
wir die Sowjets überreden, einen Teil
ihres modernen Panzergeräts aus Osteuropa und Brückenlegegerät bei ihren
vorne stationierten Divisionen abzu-

- 3 -

�ziehen.
Wir sollten mit den sowjetischen
Spitzenpolitikern offen über die Militärdoktrin, den Aufbau der Streitkräfte und Techniken der Verifizierung reden.
Wir sollten weiterhin mit dem
Warschauer Pakt zusammenarbeiten, um
eine verifizierbare Möglichkeit zur
Abschaffung der Bedrohung chemischer
Kriegführung nicht nur in Europa,
sondern auf der ganzen Welt zu finden.
Wir sollten alles in unserer
Macht Stehende tun, um darauf hinzuwirken, daß die Sowjets ihr beschränktes Kapital in die Reform ihrer Wirtschaft statt in die Aufrüstung
ihres Militärs investieren.
Und wir sollten klarstellen, daß verbesserte Wirtschaftsbeziehungen zur
Sowjetunion von den Fortschritten abhängen, die sie bei der Liberalisierung der Ausreisebestimmungen und
Einhaltung ihrer in der Schlußakte
von Helsinki eingegangenen Verpflichtungen erzielen.
Kurz gesagt, wir müssen tun, was
wir können, um die Sicherheit unseres
Bündnisses mittels Verhandlungen zu
stärken.
Aber neben den Verhandlungen müssen wir ebenfalls das Bündnis stärken
und dabei bei unseren konventionellen
Streitkräften beginnen.
Die Befehlshaber unserer Streitkräfte haben uns wiederholt vor den
sich uns stellenden Gefahren gewarnt.
Rückstände bei der Instandhaltung
werden größer.
Es bestehen ernstliche Defizite bei luft- und seetransportfähigen Ersatzteilen und Munition.
Dazu ein hochrangiger Befehlshaber der Luftwaffe: "Ende des
Jahres werden wir wohl Flugzeuge ohne
Triebwerke haben."
Wir alle wissen, daß der Verteidigungshaushalt - wie immer die Wahlen auch ausgehen - real nicht ansteigen wird, es sei denn in einem

Notfall. Das heißt, der nächste Präsident wird einige sehr schwerwiegende Entscheidungen darüber treffen
müssen, wofür unsere Mittel aufgewendet werden.
Wir brauchen eine starke und
überlebensfähige nukleare Abschrekkung, und wir haben diese starke und
überlebensfähige nukleare Abschrekkung.
Aber wir haben weiterhin
ernsthafte Defizite bei unseren konventionellen Streitkräften.
Wir brauchen keine Aufstellung
neuer strategischer Systeme. Wir benötigen eine Verteidigungsstrategie,
die vernünftige Prioritäten setzt,
eine Strategie, die unsere Ressourcen
wirksam einsetzt, eine Strategie, mit
deren Hilfe das Risiko eines Nuklearkrieges und das Risiko eines konventionellen Krieges abgebaut werden
können.
Wir brauchen nicht SDI, sondern
CDI. Wir müssen die von Kongreßabgeordneten vorgeschlagene Konventionelle Verteidigungsinitiative weiterverfolgen, um moderne Technologie für
den Kampf nutzbar zu machen - und um
damit einen konventionellen Krieg gewinnen zu können.
Wir brauchen keine schienengestützten MX-Raketen.
Wir brauchen
eine Panzerabwehrwaffe gegea sowjetische Panzer.
Wir brauchen keine Milliarden von
Dollar für ein Raumflugzeug auszugeben,
das
in
drei
Stunden
von
Washington nach Tokio fliegen kann.
Wir müssen unsere Luft- und Seetransportkapazität ausbauen, damit unsere
Truppen rechtzeitig an einen Konfliktschauplatz gebracht werden können, um eine Schlacht zu gewinnen und
nicht, um ihr nur zuzuschauen.
Es ist an der Zeit, im Bereich
der Verteidigung durchgreifende Entscheidungen zu treffen. Und nach 40
Jahren ist es an der Zeit, mit unseren Verbündeten ehrlich und offen
über etwas zu sprechen, dessen wir

�uns alle bewußt sind - daß die Welt
sich verändert hat. Unsere Pflichten
müssen unserer Fähigkeit zur Erfüllung von Pflichten ebenbürtig sein.
Das amerikanische Volk erwartet von
unseren Verbündeten in Europa - und
es hat das Recht, dies zu erwarten die Übernahme eines fairen Anteils
der wirtschaftlichen wie auch der militärischen Lasten bei der Verteidigung der Freiheit in der ganzen Welt.
Ein wirksamer europäischer Beitrag bemißt sich nicht einfach danach, wieviele Pfund, Franc oder
D-Mark wir ausgeben, sondern darin,
welche militärischen Fähigkeiten wir
mit unseren Investitionen erwerben.
Eine bessere Zusammenarbeit sowohl
innerhalb Europas als auch zwischen
Europa und den Vereinigten Staaten bei Planung, Ausbildung, Forschung
und Entwicklung - können eine stärkere Verteidigung mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln hervorbringen.
Das Thema der Lastenverteilung
stellt aber nur eine der wirtschaftlichen Herausforderungen dar, denen
sich unser Bündnis in den kommenden
Jahren ausgesetzt sieht.
In vier
Jahren wird der europäische Binnenmarkt die Vereinigten Staaten als
größter Verbraucher und größter Produzent des Weltmarkts ablösen.
Der Grat zwischen Handelspartner
und Handelskonkurrent ist beunruhigend schmal. Wenn sich also Schwierigkeiten ergeben, so müssen wir sie
beilegen - und zwar rasch und gerecht.
Ferner müssen wir jede erdenkliche Möglichkeit zur Zusammenarbeit sondieren - den Handel ausbauen,
starke Volkswirtschaften errichten,
in Forschung und Technologie investieren, die den Lebensstandard des
Arbeitnehmers auf beiden Seiten des
Atlantiks erhöhen werden - wie auch
den Lebensstandard der gesamten Weltbevölkerung.
Schließlich muß unser Bündnis
eine Strategie für die Reaktion auf
den Wandel in Osteuropa entwickeln.
Die vergangenen 40 Jahre waren so

grausam für Warschau und Budapest und
Prag, wie sie für Paris und London
und Bonn angenehm waren. Als Ergebnis ist Osteuropa heute ebenso reif
für die Umgestaltung wie die Sowjetunion selbst.
Natürlich können wir nicht mit
Sicherheit vorhersagen, welche Richtung die sechs osteuropäischen Nationen mit ihrer jeweils eigenständigen
geschichtlichen Entwicklung
- und
einer gemeinsamen Last - einschlagen
werden. Wir wissen aber, daß ihre
Zukunft Auswirkungen auf unsere Zukunft und noch mehr auf die unserer
Verbündeten haben wird.
Als Bündnis müssen wir darauf
hinarbeiten,
Forschritte
zu
mehr
Freiheit in Osteuropa zu unterstützen, die Vielfalt zu ermutigen, Veränderungen zu fördern, so daß wir in
fünf Jahren nicht nur eine Diskussion
über Glasnost aus Moskau vernehmen,
sondern über "Offenheit" in OstBerlin und "verejna informace" in
Prag, daß wir eine Diskussion über
Offenheit und erwachende Hoffnung in
der gesamten Region feststellen.
Meine Freunde, wenn wir über Veränderungen in Osteuropa nachdenken,
während wir uns des Anblicks von
Ronald Reagan erinnern, wie er Arm in
Arm mit Michail Gorbatschow auf dem
Roten Platz spazieren ging, ist es
vielleicht wichtig, uns der Tatsache
zu entsinnen, daß Geschichte ein evolutionärer und kein revolutionärer
Prozeß ist.
Wir werden auch weiterhin grundlegenden
Meinungsverschiedenheiten
mit der Sowjetunion haben. Wir werden weiterhin zu unseren starken und
einigen Bündnissen stehen. Wir müssen weiterhin vorbereitet sein. Und
es wird zwischen uns Meinungsverschiedenheiten geben, so wie dies
auch innerhalb unseres Landes der
Fall ist.
Aber wir haben in vier Jahrzehnten niemals das Ziel aus den Augen
verloren; wir haben die Lehren des

- 5 -

�Zweiten Weltkriegs nicht vergessen;
wir haben nicht zugelassen, daß Meinungsverschiedenheiten uns entzweien
und Irritationen in Zorn umschlagen.
Wir können - und wir müssen - im
selben Geist in die Zukunft schreiten. Denn die Zukunft hängt von uns
ab. Dies galt vor vier Jahrzehnten,
und dies gilt auch heute.

Und wir wissen, wenn wir den
Blick nach vorn richten, daß das
beste Amerika nicht hinter uns liegt;
das beste Amerika liegt noch vor uns.

* * * * *

Wenn wir eine bessere Welt aufbauen wollen, muß unser Bündnis den
Weg weisen, und wenn Amerika stark
ist, müssen wir das Bündnis anführen.
Vor 28 Jahren verkündete ein anderer Sohn von Massachusetts seine
Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten. John F.
Kennedy weckete unseren Sinn für das
Mögliche. Er entfachte unseren Idealismus aufs Neue. Und er verstand
den Wesensgehalt nationaler Stärke
und nationaler Sicherheit.

*

"Ich glaube, ein starkes Amerika
ist dasjenige, das die freie Welt
führt", so erklärte er, "nicht nur,
weil wir die Reichsten oder die
Stärksten oder die Mächtigsten sind,
sondern weil wir diese Führungsrolle
für die Sache der Freiheit in der
ganzen Welt ausüben. Weil wir sowohl
agieren als auch reagieren, weil wir
Vorschläge machen wie auch zurückweisen und ... weil wir den Weg des
Friedens gehen."
Meine Freunde, Amerika ist nicht
einfach ein Stück Land oder nur irgendein Land, wir sind eine Nation
der Einwanderer, die hierher kamen,
wo es keine Könige gab, die hierher
kamen, wo es keine Diktatoren oder
Gulags oder Todesschwadronen gab, die
hierher kamen, wo niemand uns sagte,
wo wir zu beten oder was wir zu drukken oder wie wir zu denken hatten.
Wir sind die Erben einer stolzen
und ruhmreichen Vergangenheit. Wir
sind die Teuhänder eines großartigen
und erfolgreichen demokratischen Experiments.
Wir sind Führer, keine
Mitläufer.

f

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2 2 . J u n i 1988

24

ZWEITER GENETISCHER CODE ENTDECKT

Ein
zweiter
genetischer
Code,
d e s s e n E x i s t e n z s e i t langem v e r m u t e t
wurde
und d e r
nur
bei
bestimmten
Schritten
in biologischen
Prozessen
wirksam i s t , wurde am M a s s a c h u s e t t s
I n s t i t u t e of T e c h n o l o g y (MIT) n a c h g e w i e s e n und zum T e i l
entschlüsselt.
Paul Schimmel, P r o f e s s o r
für M i k r o b i o l o g i e , und Ya-Ming Hou, e i n D o k t o rand a u s s e i n e m I n s t i t u t , b e r i c h t e t e n
kürzlich
in
der
britischen
Zeits c h r i f t " N a t u r e " (Ausgabe v . 1 2 . Mai
1988) ü b e r i h r e E n t d e c k u n g .
Der e r s t e , i n den s e c h z i g e r J a h r e n e n t z i f f e r t e g e n e t i s c h e Code s e t z t
entsprechend
den I n s t r u k t i o n e n ,
die
das lange Kettenmolekül
Desoxyribonukleinsäure
(DNS) im Z e l l k e r n
enth ä l t , den Aufbau s p e z i f i s c h e r P r o t e ine a u s Aminosäuren a l s " A r b e i t s m o l e -

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küle" der Z e l l e für d i e Lebensprozesse
i n Gang.
Das j e t z t
entdeckte
z w e i t e System s o r g t d a f ü r , d a ß u n t e r
den zwanzig i n d e r Z e l l e v e r f ü g b a r e n
Aminosäuren d i e j e w e i l s r i c h t i g e Verbindung gefunden
und im wachsenden
P r o t e i n m o l e k ü l an dem vom e r s t e n Code
vorgeschriebenen o r t eingebaut wird.
Eine S c h l ü s s e l r o l l e s p i e l e n d a b e i
die
sog.
Transfer-Ribonukleinsäuren
(t-RNS) im Z y t o p l a s m a , d a s d e n Z e l l kern u m g i b t .
D i e s e b i n d e n d i e Aminos ä u r e n und t r a n s p o r t i e r e n s i e zu den
Ribosomen.
Dabei i s t j e d e r Aminosäur e e i n e t-RNS g a n z b e s t i m m t e r c h e m i scher
Zusammensetzung
zugeordnet.
Bei d e n Ribosomen h a n d e l t e s s i c h um
k l e i n e Z e l l o r g a n e l l e n a u s P r o t e i n und
r-RNS
(ribosonale
Ribonukleinsäure) .
Sie v e r m i t t e l n d i e Verbindung mit der

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�m-RNS
(Boten-Ribonukleinsaure) ,
die
an der - d o p p e l s t r ä n g i g e n - "informat i o n s z e n t r a l e " DNS s y n t h e t i s i e r t wurde und dabei einen bestimmten Abschnitt kopierte.
Nach dem Ablösen
von der M a t r i t z e wanderte s i e durch
die Poren der Kernmembran in das Zytoplasma.
Die von der DNS übernommenen I n formationen für d i e Synthese des Prot e i n s sind bei der in nur einem
Strang vorhandenen m-RNS durch die
Aufeinanderfolge der Nukleotide (Baus t e i n e der Nukleinsäuren) f e s t g e l e g t ,
wobei j e d e s Nukleotid e i n e von v i e r
organischen
Basen
enthält.
Diese
wiederum ergeben a l s s p e z i e l l a r r a n gierte
Dreiergruppen
(als
Triplett
oder Codon bezeichnet)
d i e Anheftung spunkte für d i e s p e z i f i s c h e n Aminosäuren zum Aufbau des Eiweißkörpers.
Die Aminosäuremoleküle können
n i c h t von s i c h aus mit der m-RNS Verbindung aufnehmen, sondern benötigen
dazu das s o g . Anticodon am Ende der
t-RNS, dessen Drei-Basen-Kombination
die Bindung mit dem zugeordneten Codon der m-RNS e r m ö g l i c h t .
Dies ges c h i e h t nach dem e r s t e n g e n e t i s c h e n
Code.
Das andere Ende der t-RNS aber
benutzt den zweiten Code um d i e r i c h t i g e Aminosäure
zu f i n d e n .
Dafür
i s t , wie Schimmel und Ya-Ming Hou e r m i t t e l t e n , e i n s p e z i f i s c h e s Basenpaar
an einem s p e z i f i s c h e n Ort des t-RNSMolekülendes
erforderlich.
Sowohl
das Basenpaar a l s auch s e i n Ort sind
T e i l des Codes.
Er wird von einem
Enzym, d . h . dem bestimmten Typ e i n e s
P r o t e i n s , " g e l e s e n " , das d i e Aminosäure bindet.
Nach Ansicht der W i s s e n s c h a f t l e r
könnte der zweite g e n e t i s c h e Code,
der e i n f a c h e r a l s der e r s t e i s t , d e s sen Vorläufer in der Evolution gewesen und damit ä l t e r s e i n .
Schimmel
bezeichnet das System a l s "ein spektakuläres Beispiel
für
biologische
Logik oder für das von der Natur ben u t z t e l o g i s c h e System.
Je weiter
wir es e n t s c h l ü s s e l n , d e s t o l e h r r e i cher könnte e s für uns werden - s p e -

z i e l l für d i e Konstruktion neuer Computersysteme" .
Dank der neuen E r k e n n t n i s s e e r g i b t s i c h u . a . e i n e zweite S t a t i o n in
der P r o t e i n s y n t h e s e , wo Veränderungen
der
Interpretation
genetischer
Ins t r u k t i o n e n für e i n e Z e l l e möglich
wären.
Dies i s t für d i e Erforschung
bestimmter Erbkrankheiten von großer
Bedeutung - v i e l l e i c h t sogar für Bemühungen, g e n e t i s c h e F e h l e r auszumerzen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

&lt;£

Wissenschaft und Technik

22. Juni 1988

24

KONVENTION ÜBER ERSCHLIESSUNG DER ANTARKTIS

Bislang war nach dem Antarktisvertrag von 1959 die Erschließung von
Bodenschätzen auf dem Weißen Kontinent praktisch tabuisiert. Militärische Aktivitäten sind verboten, Forschung darf betrieben werden.
Vorstöße einzelner Länder, wirtschaftliche Möglichkeiten zumindest zu erkunden, wurden seit acht Jahren durch
ein informelles Moratorium zur Erschließung des Kontinents geregelt.
Am 2. Juni 1988 haben sich jedoch 33
Staaten
in Wellington
(Neuseeland)
über eine Konvention geeinigt, die
das Moratorium ablösen und Maßstäbe
für eine geregelte Erschließung der
Ölund Mineralvorkommen setzen soll.
Der neuen Konvention zufolge muß
von einer Komission der 20 stimmberechtigten Partnerländer des Antark-

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tisvertrages die Öffnung jeder Region
der Antarktis für die Exploration zunächst einmal genehmigt werden. Erst
dann dürfen Öl- und Bergbaufirmen
Lizenzen
zur Exploration
und Erschließung der Bodenschätze in dem
betreffenden Gebiet beantragen. Aufgrund der Konvention sind die Firmen
dann gehalten, einem aus zehn Mitgliedern bestehenden Kontroikomitee,
das für jede Region gebildet wird,
ihre Pläne vorzulegen, Dieses befindet über Genehmigung oder Ablehnung
der Lizenzen und überwacht die Einhaltung der Vorschriften. Sowohl die
Komission als auch die Kontrollkomitees werden mit Gebühren finanziert,
die die Firmen zu zahlen haben.
Für die Kontrollkomitees ist rotierende
Mitgliedschaft
vorgesehen,

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�jedoch sollen die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion als die Staaten
mit den umfangreichsten Forschungsprojekten
in der Antarktis
darin
ständig vertreten sein. Die Konvention tritt in Kraft, wenn sie von 16
der wegen ihres Forschungsengagements
20 stimmberechtigten Mitglieder der
Antarktisvertrages (18 weitere Staaten sind dem Vertrag als Beobachter
angeschlossen)
ratifiziert
worden
ist.
Schätzungen
des
R.
Tucker
Scully, Unterhändler der Vereinigten
Staaten bei der Konferenz in Wellington, zufolge werden bis zur Ratifizierung zwei bis drei Jahre vergehen.
Scully zufolge hat bisher noch
keine amerikanische Ölfirma Interesse
an der Antarktis bekundet. Das dürfte auch in naher Zukunft nicht zu erwarten sein. Aber "wir wollten etwas
in der Hand haben, wenn sich Interesse an der Erschließung der Antarktis
zeigen sollte".
Die Signatarstaaten
der Konvention müssen gewährleisten,
daß Firmen ihres Landes, die sich auf
dem
Südkontinent
betätigen wollen,
nicht gegen die Vorschriften handeln.

* * * * *

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Dukakis fordert energischen und realistischen Kurs gegenüber der Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache vor dem Atlantic Council &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zweiter genetischer Code entdeckt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Konvention über Erschliessung der Antarktis</text>
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