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                  <text>AMERIKA DIENST
VoH

*

15. J u n i 1988

23

INHALT

DOKUMENTATION
Offenheit Schlüssel zu echter Sicherheit
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam -

INFORMATION
Fähiger Stratege zum neuen Stabschef des Weißen Hauses ernannt
- Kurzporträt von Kenneth Duberstein -

WIRTSCHAFT
Neues System zur Bilanzierung der Handelszahlen

HINTERGRUNDMATERIAL

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush und Dukakis versprechen faire Auseinandersetzung
- Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. Juni -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. Juni 1988

23

OFFENHEIT SCHLÜSSEL ZU ECHTER SICHERHEIT
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Whitehead in Potsdam POTSDAM - (AD) - Dem Stellvertretenden amerikanischen Außenminister
Whitehad zufolge müssen die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Pakts
"die Entwicklung zu mehr Offenheit" in der Region weiterführen, wenn sie "eine
wirklich sichere Welt wünschen". Im Rahmen einer vom Institut für Ost-WestSicherheitsstudien in Potsdam in der Deutschen Demokratischen Republik veranstalteten Konferenz erklärte Whitehead am 10. Juni 1988, daß die gegenwärtig
stattfindende Diskussion über Offenheit in Osteuropa und der Sowjetunion eine
"sehr ermutigende Entwicklung" darstelle.
Die Ausführungen Whiteheads haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte dem Institut für OstWest-Sicherheitsstudien für die Möglichkeit danken, vor diesem erlesenen
Kreis sprechen zu dürfen.
Ferner
möchte dem Institut und dessen Präsident John Mroz ein besonderes Lob dafür aussprechen, daß es in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium der
Deutschen
Demokratischen
Republik
diese Konferenz ermöglicht hat. Ich
weiß, daß ich auch für viele andere
spreche, wenn ich dem Institut und
dessen Leistungen meine Anerkennung
ausspreche. Ich wünsche dem Institut
viel Erfolg bei seinen gegenwärtigen
und Zukünftigen Projekten zur Förderung eines immer umfasenderen OstWest-Dialogs, gegenseitigen Respekts
und Verständnisses.
Verwechslungen von Personen sind,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wie Sie wissen, einer der bevorzugten
Kunstgriffe von Theaterstückautoren.
Gleichermaßen gehören Witze und Geschichten, die auf Verwirrung über
den Sinn von Worten gründen, zum
festen Repertoire der Komödie. Für
diejenigen, die sich mit Diplomatie
und den Beziehungen zwischen Staaten
beschäftigen, ist Verwirrung über den
Sinn von Worten alles andere als belustigend, und dies gilt insbesondere
für Worte, die nicht nur beschreibenden Charakter haben, sondern die für
sich genommen Erwartungen wecken.
In jüngster Zeit ist in diesem
Teil der Welt viel von "Offenheit"
die Rede gewesen. Dasselbe gilt für
den Westen, wo Nachrichten und Analysen über die hoffnungsvollen Entwicklungen in der Sowjetunion und den

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einzelnen Staaten Osteuropas in der
jüngsten Vergangenheit regelmäßig das
Wort "Offenheit" verwenden. Aber gerade weil dieses Wort so häufig benutzt wird, ist es wichtig, seine
verschiedenen Bedeutungen und Begleiterscheinungen klarzustellen.
Im Westen kann sich das Wort "Offenheit" sowohl auf einen Zustand als
auch auf eine Haltung beziehen. Wir
sagen, daß eine Aussicht, eine Straße
oder eine Grenze "offen" ist, wenn
diese frei von Hindernissen und Beschränkungen sind. Diese Definition
ist die Grundlage für die hiermit
verwandte Begriffsbestimmung von "Offenheit"
als
Geisteshaltung
her.
Wird das Wort "Offenheit" in dieser
Form verwendet, bedeutet es die Aufnahmefähigkeit für neue Ideen und
Menschen und es ist in diesem Fall
eng verwandt mit anderen Attributen
wie etwa Toleranz und Unvoreingenommenheit.
Aber
das
vielleicht
Interessanteste, das ich Ihnen über das Wort
"Offenheit" sagen kann ist, daß es abgesehen von seinem jüngsten Gebrauch im Hinblick auf Glasnost
kein Wort ist, für dessen Gebrauch
Amerikaner in ihrem täglichen Sprachgebrauch eine Notwendigkeit sehen.
In vielen unserer Standardwörterbücher gibt es für dieses Wort noch
nicht einmal einen Eintrag.
Auf den ersten Blick scheint dies
doch sehr merkwürdig zu sein, da sowohl ihre Bewunderer wie auch ihre
Kritiker zugestehen, daß die Vereinigten Staaten eine "offene Gesellschaft" sind.
Einige Kritiker behaupten sogar, die Vereinigten Staaten seien zu offen, der Mangel and
Beschränkungen ermutige gesellschaftliche Verwirrung und persönliche Zügellosigkeit.
Des Rätsels Lösung
liegt natürlich auf der Hand. Es ist
unnötig, einen normalen Zustand immer
wieder zu erwähnen, und "Offenheit"
ist der Normalzustand des Lebens in
den Vereinigten Staaten.
Es gibt
aber eine noch tiefergehende Erklärung, die sich auch in der alltäg-

lichen Sprache des Durchschnittsbürgers in den Vereinigten Staaten niederschlägt.
Wenn ein Amerikaner auf irgendeine Weise verletzt oder geschädigt
wird, so wird er sofort ohne Umschweife zum Ausdruck bringen, daß
man seine Rechte verletzt hat. Ferner wird er auf sehr direkte und persönliche Weise über diese Rechte
sprechen. Er wird von seinen Rechten
nicht so sprechen, als hingen diese
vom Staat ab. Er wird von diesen
Rechten nicht so sprechen, als ob sie
nur aufgrund seiner Mitgliedschaft in
einer Organisation oder Partei bestünden.
Er wird stattdessen von
seinen Rechten als Teil seiner Person
sprechen - ja, als unveräußerlich und
untrennbar von seiner Existenz als
Mensch.
Manchem mag das Prinzip, wonach
jeder Mensch Rechte hat, die untrennbar mit seiner Existenz verbunden
sind, merkwürdig erscheinen. Trotzdem ist dieses Prinzip nicht neu, die
Gründer der Vereinigten Staaten von
Amerika schrieben genau dies vor 200
Jahren in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung fest.
Wo hatten diese ersten Amerikaner
diesen Begriff entlehnt? Aus Athen
und Jerusalem, aus Wittenberg und
Edinburgh, denn man könnte diese
Überzeugung ebenso als ein in vielen
Jahren gereiftes Produkt der größten
Geister der westlichen Zivilisation
beschreiben.
Viel ist einem alten Griechen zu
verdanken, der den Schierlingsbecher
leerte, damit das ihm zugefügte Unrecht die Freiheit künftiger Generationen von Philosophen sichere. Noch
mehr verdankt diese Idee den Jahrhunderten frommer Beispiele von Männern
und Frauen, die in Wort und Tat lehrten, daß das Leben ein Geschenk des
Schöpfers und deshalb jedes Individuum wertvoll sei. Der Anteil Martin
Luthers sowie verschiedener Philosophen der Aufklärung ist so offensichtlich wie umfassend.

- 2 -

�Natürlich nehmen wir im Westen da wir den Ursprung der "offenen Gesellschaften" anerkennen - es zur
Kenntnis, wenn "Offenheit" im Hinblick auf Regierungen andernorts erwähnt wird.
Besonders aber nehmen
wir Notiz davon, wenn sie in einem
Teil der Welt diskutiert und sogar
gefördert wird, in dem die von uns
mit offenen Gesellschaften in Verbindung gebrachten Prinzipien der Menschenrechte von den Regierungen nicht
allgemein akzeptiert wurden.
Wir betrachten die gegenwärtige
Diskussion über Offenheit im Osten
als eine sehr ermutigende Entwicklung.
Bisher ist das gegenwärtig
östlich und südlich von Potsdam in
Erwägung gezogene Konzept der Offenheit nicht so grundlegend wie das
unsrige.
Es scheint Offenheit als
ein Mittel zu anderen Zwecken zu betrachten, insbesondere zu mehr wirtschaftlichem Wohlstand, anstatt als
eines der Merkmale einer gut geordneten Gesellschaft. Trotzdem bedeutet
dLe Diskussion an sich schon einen
Neubeginn. Mit der Zeit könnte sie
sich als historisch erweisen.
In meinen heutigen Ausführungen
möchte ich einen Beitrag zu dieser
Diskussion leisten, indem ich auf Offenheit in ihrer Beziehung zum Thema
unserer Konferenz, "Neue Wege der
europäischen
Sicherheit", eingehe.
Ich tue dies im Geist des kürzlichen
Gipfeltreffens von Moskau, wo Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow ihre Überzeugung bekräftigten, daß ein erweiterter Dialog
"ein zunehmend wirkungsvolles Mittel
zur Lösung von Fragen wird, die von
beiderseitigem Interesse sind und auf
beiden Seiten Besorgnis auslösen".
Obwohl ich zu dem von mir soeben beschriebenen tieferen westlichen Verständnis stehe, werde ich mich ferner
aus instrumenteilen
oder "pragmatischen" Gründen für Offenheit einsetzen. Ich bin nämlich der Ansicht,
daß - in der neuen Welt, an deren
Schwelle wir stehen - Offenheit unverzichtbar für die Sicherheit ist.
Je offener Politik und Praxis einer

Nation sind, desto größer wird ihre
Sicherheit sein, vor militärischer
Bedrohung von außen und auch im Hinblick auf die Sicherstellung des materiellen Wohlstandes ihrer Bürger
durch wirtschaftliches Wachstum.
Meine Hauptthese lautet folgendermaßen: Wenn die Sowjetunion und
die anderen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts eine wirklich sichere
Welt wünschen, müssen sie die gegenwärtige Entwicklung zu größerer Offenheit weiterführen - und vorzugsweise noch beschleunigen. Ich werde
diese These im Hinblick auf Rüstungskontrolle, Wirtschaft und Menschenrechte veranschaulichen - drei Kategorien, die grob genommen den drei
Körben der Schlußakte von Helsinki
entsprechen. Dies ist umso angemessener, als die Vereinbarungen von
Helsinki die Erkenntnis von 35 Regierungen in Europa und Nordamerika widerspiegeln, daß diese Fragen eng
miteinander und mit der europäischen
Sicherheit selbst verflochten sind.
Das offensichtlichste und direkteste Bindeglied zwischen Offenheit
und Sicherheit ist - ziemlich paradoxerweise - im Zusammenhang mit der
Rüstungskontrolle aufgetaucht.
Wie
wir alle wissen, spielte die Frage
der Verifizierung eine zentrale Rolle
bei den erfolgreichen Verhandlungen
zur Beseitigung der Atomwaffen mittlerer und kürzerer Reichweite. Die
Verifizierung spielt auch bei den gegenwärtig stattfindenden START-Verhandlungen eine wichtige Rolle. Man
kann sogar sagen, sie bildet den
Schlüssel für den Abschluß eines
START-Abkommens.
Zu Beginn des Zeitalters der Rüstungskontrolle haben wir viel über
die sogenannten
"nationalen technischen Mittel der Verifizierung" gehört. Dabei handelte es sich niemals
um eine völlig zufriedenstellende
Methode. Sie wurde umso unbefriedigender, als die Raketen kleiner, verschiedenartiger und mobiler wurden.
Heute glaubt niemand daran, daß eine
mobile Nuklearrakete mit Sicherheit

- 3-

�einzig und allein aus der Luft von
ihrer Produktionsstätte bis zum Einsatzort verfolgt werden kann. Und
wie unterscheidet man - aus welcher
Entfernung auch immer - einen atomar
bestückten von einem konventionellen
Marschflugkörper?

tionsgruppen ausgesetzt, die jeden
Winkel ihrer streng geheimen und
schwerbewachten Einrichtungen untersuchen. Das Paradoxon könnte nicht
deutlicher zutage treten: Weil wir
uns nicht trauen, öffnen wir uns der
Gegenseite.

Die Lösung für dieses Problem
heißt Offenheit. Bei den Verhandlungen zum INF-Vertrag sind beide Seiten
zu der Erkenntnis gelangt, daß der
einzige Weg zur Gewährleistung der
Einhaltung des Abkommens darin besteht, der anderen Seite die Inspektion der Produktionsstätten zu gestatten, in denen die Waffen hergestellt werden.

Im Hinblick auf Rüstungskontrolle
ist Offenheit für die Sicherheit unerläßlich geworden. Das wird darüber
hinaus auch bei den START-Gesprächen
und bei allen zukünftigen Verhandlungen so sein. Um es einfacher auszudrücken:
Je größer die Offenheit,
der jede Seite zustimmt, umso größer
werden unsere Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle, und umso höher
wird die Sicherheit auf beiden Seiten
sein.

Dies könnte sich in den nächsten
Jahren als am meisten richtungweisender Fortschritt in der Geschichte der
nuklearen Abrüstung erweisen. Im Interesse höherer Sicherheit haben zwei
Gegner - argwöhnisch im Hinblick auf
die Motive des anderen und mit geringem Vertrauen - vereinbart, einige
ihrer sichersten und geheimsten Einrichtungen für die Inspektion durch
die andere Seite zu öffnen.
Der
Austausch der Ratifizierungsurkunden
durch Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow beim Moskauer
Gipfel war ein angemessener Höhepunkt
für dieses bahnbrechende Experiment
der Offenheit.
Ungeachtet
des
bemerkenswerten
Charakters der endgültigen Leistung
stellte die Verifizierung bis zum Ende ein Problem bei den Verhandlungen
dar. Obwohl unsere Unterhändler beim
Moskauer Gipfel hart gearbeitet und
einige Fortschritte erzielt haben,
erweisen sich die Probleme im Hinblick auf den START-Vertrag als noch
größer.
START
beschäftigt
sich
schließlich mit einer großen Zahl unterschiedlicher Waffensysteme, deren
Anzahl verringert, die aber nicht
vernichtet werden. Wie beide Seiten
in Moskau erkannt haben, wird die Lösung für das Problem noch größere Offenheit erfordern. Beide Seiten sehen sich der unbequemen Aussicht
einer noch größeren Zahl von Inspek-

Die Vereinigten Staaten sind bereit, bei diesem Fortschritt ihren
gesamten Beitrag zu leisten. Wir befürworten die Öffnung unserer Einrichtungen auf jede Art und Weise,
die notwendig ist, um angemessene Verifizierung bei den Rüstungskontrollverhandlungen auf der Basis der Gegenseitigkeit zu gewährleisten. Aber
wenn wir weiterhin Fortschritte bei
Rüstungskontrollverhandlungen
erzielen wollen, müssen beide Seiten die
gleichen Leistungen erbringen. Gegenseitigkeit wird dem Fortschritt
Tür und Tor öffnen. Offenheit wird
der Schlüssel
zur Gegenseitigkeit
sein.
Das Wirtschaftsleben verweist auf
eine subtilere, aber nicht weniger
wichtige Verbindung zwischen Offenheit und Sicherheit. Natürlich ist
die Beziehung zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landes und
seiner Sicherheit offensichtlich genug. Nicht so offensichtlich ist jedoch, daß Offenheit in der Wirtschaft
der einzig sichere Weg zum wirtschaftlichen Erfolg ist.
Vor nicht allzu langer Zeit freute sich mancher in diesem Teil der
Welt auf eine blühende Wirtschaft im
Sozialismus. Die Schwerindustrie war
in Osteuropa auf dem Vormarsch. Die

�Wachstumsraten der nationalen Volkswirtschaften stiegen steil an - und
übertrafen sogar die des Westens.
Das Vertrauen war so groß, daß sowjetische Politiker den Tag vorhersagten, an dem die sowjetische Wirtschaft die der Vereinigten Staaten
überholen würde.
Es geschah
aber nicht.
Das
"Wirtschaftswunder" im Osten hatte
sich auf ein großes Potential an
überschüssigen
Arbeitskräften
und
einen reichlichen Nachschub preiswerter Rohstoffe verlassen. Als diese
materiellen Vorteile etwa zu Beginn
der siebziger Jahre ausgeschöpft waren, begannen die Wachstumsraten rapide zu fallen.
Statt die Vereinigten Staaten
einzuholen, erreichte die Sowjetunion
den Höchststand ihrer Produktion auf
einem Stand von etwa 50 Prozent des
amerikanischen
Bruttosozialprodukte.
Und da sich die Volkswirtschaften des
Ostblocks auf die Schwerindustrie
konzentrierten
- auf Kosten des
durchschnittlichen Konsumenten, waren
die Zahlen des Pro-Kopf-Verbrauchs in
der Sowjetunion noch aufschlußreicher
- enttäuschende 35 Prozent gegenüber
den Vereinigten Staaten. In anderen
Ländern des Ostblocks waren die Ergebnisse mehr oder weniger gleich.
Seit 20 Jahren weist der Ostblock
trotz anhaltenden absoluten Wachstums
und absoluter Leistung eine vergleichsweise fallende Bilanz auf.
Die Gründe für diesen Niedergang
sind im allgemeinen gut bekannt.
Präsident Reagan verwies in seiner
Rede vor der Moskauer Staatsuniversität darauf, daß Volkswirtschaften im
Sozialismus in stärkerem Maße bürokratisiert und aus diesem Grunde weniger flexibel und leistungsfähig
sind als Volkswirtschaften mit dem
System der freien Marktwirtschaft.
Aber das ist nicht das schwerwiegendste Problem, das sich solchen
Wirtschaftssystemen stellt. Denn die
Unzulänglichkeiten der Vergangenheit
werden durch die künftigen Herausforderungen in den Schatten gestellt, da

mit zunehmend komplexer Wirtschaft
die mangelnde Leistungsfähigkeit der
gegenwärtigen Methoden noch schärfer
zutage treten wird.
Warum ist das notwendigerweise
so? Weil solche Systeme, die Marktgesetze durch Bürokratie ersetzen,
ihm eine unmögliche Aufgabe zuweisen.
Im Jahre 1909 hat der italienische
Wirtschaftswissenschaftler
Vilfredo
Pareto errechnet, daß eine Gesellschaft von nur 100 Menschen, die mit
700
Gütern
handelt,
gleichzeitig
70 699 Gleichungen lösen muß, um Angebot und Nachfrage so zu verbinden,
wie dies ein freier Markt aufgrund
seiner ihm eigenen Gesetze tut. Was
muß dann ein System tun, wenn eine
Fabrik allein hundert mal hundert Arbeiter beschäftigt und sieben mal 700
Arten von Maschinen, Ausrüstungsgegenständen und Arbeitsgängen aufweist?
Und so ist das "Wirtschaftswunder" am Ostblock vorübergegangen.
Staatliche Direktiven erlauben keine
effektive Mobilisierung in begrenzten
Wirtschaftssektoren wie etwa beim Militär. Als die anfänglichen Vorteile
eines überschüssigen Arbeitskräftepotentials und im Überfluß vorhandener
preiswerter Rohstoffe erschöpft waren, fanden diese Volkswirtschaften
heraus, daß traditionelle Mechanismen
bürokratischer Kontrolle und Leitung
der Leistungsfähigkeit keinen Vorschub leisteten.
Vielmehr erwiesen
sie sich selbst als Hindernisse für
die Leistungsfähigkeit.
Diese Tatsache ist auch im Rest
der Welt nicht unbemerkt geblieben.
In der gesamten Dritten Welt machen
Länder, die bisher das sozialistische
Modell kopiert hatten, keine Fortschritte, sondern verfallen. Sie haben durch bittere Erfahrung gelernt,
daß eine Organisation der Wirtschaft
allein durch den Staat gemäß dem alten Modell nicht funktioniert. Diejenigen, die in der Lage sind, zu
wählen, beginnen ihre Volkswirtschaften nach marktwirtschaftlichen Kriterieren umzugestalten. Sie erkennen,
daß die einzigen Erfolgsbilanzen in

- 5 -

�der Dritten Welt in Ländern zu verzeichnen sind, die auf ihren Märkten
Freiheit und Offenheit zulassen.
Keine Äußerung irgendeines westlichen Staatsmannes spricht so deutlich zu den Ländern der Dritten Welt
wie die Beispiele von Ländern wie
Südkorea, Taiwan, Singapur und Hongkong. Unter ihnen stellen diese vier
Länder - deren Bevölkerung in der
Dritten Welt lediglich zwei Prozent
ausmacht - die Hälfte der Exporte von
Fertigungsgütern
aller Länder der
Dritten Welt.
Natürlich ist dem vergleichsweisen Niedergang der sozialistischen
Wirtschaftssysteme auch hier im Ostblock
beträchtliche
Aufmerksamkeit
zuteil geworden.
Diese Aufmerksamkeit ist in vielen Ländern in Forderungen
nach
Umstrukturierung
und
größerer Offenheit zutage getreten.
Unserer Ansicht nach trifft diese
Diagnose zu.
Die Rezepte für den
Wandel - dezentralisierte Entscheidungsfindung,
zunehmende
Autonomie
der Kommunen und stärkere materielle
Anreize - erscheinen uns vernünftig
und seit langem überfällig.

Unserer Ansicht nach wird in den
kommenden Jahren die Wettbewerbsfähigkeit der Sowjetunion und der Länder Osteuropas in zunehmendem Maße
von deren Bereitschaft abhängen, ihre
Wirtschaftssysteme zu öffnen und echte Marktreformen durchzuführen.
Sie stellen die Frage:
"Wie
sieht es mit den Wirtschaftsproblemen
im Westen aus? Haben Sie nicht genug
eigene Probleme?" Die haben wir tatsächlich. Meiner Meinung nach unterscheiden sich jedoch die Wirtschaftsprobleme, denen der Westen gegenübersteht, ganz erheblich von denen, mit
denen es die sozialistischen Länder
zu tun haben.
Dem Zeitalter der Industrialisierung sagen wir Lebewohl. Im jetzt im
Westen anbrechenden neuen Zeitalter
der Hochtechnologie ist die Geschwindigkeit wirtschaftlichen Wandels dramatisch gestiegen. Produkte mit einer bisherigen Lebensdauer von einem
Jahrzehnt oder mehr, werden nun innerhalb von zwei oder drei Jahren
durch verbesserte Technologien ersetzt. Die Lebensdauer der am höchsten entwickelten Technologie ist sogar noch kürzer.

Natürlich haben wir im Westen
auch die unterschiedliche Aufnahme,
die diese Tatsachen in der Sowjetunion und in den einzelnen Ländern
Osteuropas erfahren haben, verzeichnet. Manche haben die Reformen begrüßt, andere argumentieren, sie gingen nicht weit genug, wiederum andere
bleiben der Auffassung verhaftet, daß
stark zentralisierte Wirtschaftssysteme funktionsfähig gemacht werden
können.

Wie Präsident Reagan in seiner
Ansprache vor der Moskauer Staatsuniversität betonte, belohnt diese technologische Revolution - vielleicht
die dramatischste in der Geschichte
überhaupt - Flexibilität und Initiative des Einzelnen. Ihre Schlagworte
lauten: Geschwindigkeit der Kommunikation und wirtschaftliche Interdependenz.

Möglicherweise ist das System der
Kombinate in der DDR so leistungsfähig wie jedes andere stark bürokratisierte Wirtschaftssystem auch. Verglichen mit anderen sozialistischen
Volkswirtschaften
funktioniert
es
gut. Vergleiche mit der Bundesrepublik Deutschland und anderen westlichen Wirtschaftsystemen fallen jedoch bei weitem nicht so günstig aus.

Was die Initiative des Einzelnen
betrifft, sind zahlreiche der wichtigsten technologischen Innovationen
im Westen das Ergebnis eines intensiven Wettbewerbs relativ kleiner Unternehmen, vielfach unter der Leitung
ihrer Gründer.
Und die technologische Revolution hat zugleich in zunehmendem Maße internationalen Charakter.
88 Prozent der amerikanischen Hersteller verwenden ausländische Teile für ihre Produkte. Die

�technologische Revolution deutet auf
eine weltweit marktorientierte Wirtschaft hin, in der Wohlstand mit Offenheit innerhalb und zwischen den
einzelnen Nationen einhergeht.
Die sozialistischen Wirtschaftssysteme treten mit überholten und
veralteten Konzepten ins 21. Jahrhundert ein.
Die gleichen bürokratischen Verkrustungen, die für ihren
relativen Rückgang in den vergangenen
20 Jahren verantwortlich waren, erlauben die Aussicht auf sogar noch
größere Schwierigkeiten in den nächsten Jahren.
Man muß sich jedoch
folgende Frage stellen:
Wenn ein
Wirtschaftssystem schon nicht in einem Umfeld konkurrenzfähig sein kann,
in dem sich modernste Technologie alle zehn Jahre überholt, wie kann es
dann darauf hoffen, in einem Umfeld
in den Wettbewerb zu treten, in dem
dies drei-, fünf- oder sogar zehnmal
so schnell abläuft? Ohne eine größere Öffnung bei der Organisation der
Wirtschaft müssen die Nationen des
Ostblocks - wie groß auch immer ihre
Fortschritte insgesamt auch sein mögen - mit einer Beschleunigung der
relativen Rezession
rechnen.
Ich
vermute, eine solche Situation könnte
unsichere Konsequenzen für die Sicherheit in Ost und West haben, Konsequenzen, die wahrscheinlich nicht
im Interesse irgendeiner Seite lägen.
Darum halten wir im Westen die
derzeit in zahlreichen Ländern des
Ostens diskutierten Wirtschaftsreformen für ermutigend. Wir befürworten
energischere und mutigere Schritte.
Wir wünschen dem Osten bei seinem
Streben nach größerer Öffnung in der
Wirtschaft Erfolg.
Warum? Weil wir die Wette einzugehen bereit sind, daß eine größere
wirtschaftliche Offenheit und eine
weitere Integration der Volkswirtschaften des Ostblocks in das Weltmarktsystem dazu beitragen werden,
die Spannungen zu verringern und die
Aussichten auf eine sicherere und
wohlhabendere Welt für uns alle zu
verbessern.

In verschiedenen Ostblockländern
beginnt sich eine andere wertvolle
Einsicht zu verbreiten.
Man stößt
nunmehr auch auf das Argument, daß
eine wirtschaftliche Offenheit die
Wettbewerbssituation der Länder des
Ostblocks zwar temporär verbessern,
jedoch nur eine Lockerung der politischen Kontrolle die Wettbewerbsfähigkeit für einen längeren Zeitraum
fortschreiben kann.
Sicher läßt das Beispiel anderer
Nationen einen solchen Schluß zu. In
der Dritten Welt war der Wohlstand in
den Ländern besonders auffällig, die
nicht nur eine marktwirtschaftliche
Politik übernommen haben, sondern
auch dem Wunsch ihres Volkes nach
mehr individueller Freiheit und politischer Entfaltung nachkamen.
Und
wie Sie wissen, entwickelten sich die
politischen Demokratien des Westens
in ganz ähnlichen Bahnen. Es ist ermutigend, daß das Streben nach mehr
Offenheit in der Sowjetunion und in
Osteuropa eine politische wie auch
ökonomische Dimension angenommen hat.
Fortschritte in der Politik sind
nicht mehr zu leugnen.
In einigen
Ländern ist eine beträchtliche Anzahl
politischer Gefangener freigelassen
worden, und es werden weniger Menschen wegen politischer Vergehen verhaftet. Die Praxis der Verurteilung
politischer Straftäter zur Einlieferung in psychiatrische Anstalten gerät zunehmend in Verruf.
Die Schranken der zugestandenen
Freiheit des Ausdrucks, in Wort und
Bild, sind zunehmend geöffnet worden.
Den Medien dürfen nun über Themen berichten, die zuvor als zu delikat
oder peinlich galten.
Immer mehr
Menschen erhalten die Erlaubnis zu
Auslandsreisen.
Kontakte und Austauschprogramme mit dem Westen sind
gestiegen, was auch für die Zahl der
Ausreisen zutrifft. Solche Maßnahmen
bereichern das Leben im Ostblocks und
verleihen ihm Hoffnung; sie mobilisieren öffentliche Unterstützung für
den schwierigen Prozeß wirtschaftlicher Reformen und Anpassungen.

- 7 -

�Wir im Westen haben diese Entwicklungen mit Interesse verfolgt, da
wir sie in einen direkten Bezug zu
unserer eigenen Sicherheit setzen.
Unserer Meinung nach gibt es eine enge Verbindung zwischen der Art, wie
eine Regierung ihr eigenes Volk behandelt und ihrem Verhalten in den
auswärtigen Beziehungen.
Regierungen, die ihre eigenen Bürger schlecht
behandeln oder ihnen die wesentlichen
Menschenrechte verweigern, scheinen
auch eher zu einem schlechten Umgang
mit ihren Nachbarn bereit zu sein.
Unsere umgekehrte Beobachtung läßt
sich so zusammenfassen:
je größer
die Bandbreite politischer Freiheit
und Offenheit in einem Land, je unwahrscheinlicher ist es, daß das Land
eine Gefahr für andere wird.
Obwohl wir die jetzt in der Sowjetunion und den Ostblockländern offensichtlich werdende größere Offenheit ermutigend finden, wird unser
Enthusiasmus durch die Erkenntnis gedämpft, daß noch viel zu tun bleibt,
um den in Helsinki vereinbarten Maßstäben gerecht zu werden. Außerdem
möchten wir darauf hinweisen, daß im
Ostblock die grundlegenden Menschenrechte - ob Rede- oder Pressefreiheit, ob Freizügigkeit oder Auswanderungsmöglichkeit - immer noch wie Geschenke staatlicher Macht behandelt
werden.
Und was der Staat geben
kann, kann er auch wieder nehmen.
Daher können weder die Nachbarn noch
die Bürger eines Landes darauf bauen,
daß diese Verbesserungen einen unumkehrbaren Trend des zukünftigen politischen Lebens darstellen, bis die
Dinge aus einem grundsätzlich anderen
Blickwinkel betrachtet werden.
In jenem Geist der Offenheit und
der Hoffnung auf eine Verbreiterung
des Dialogs über dieses wichtigste
Thema überhaupt hat Präsident Reagan
beim Gipfel in Moskau solchen Wert
auf die Menschenrechte gelegt. Während er seiner Genugtuung über die in
der Sowjetunion bereits erfolgten
Veränderungen Ausdruck verlieh, verwies der Präsident gegenüber Generalsekretär Gorbatschow auf die Notwendigkeit der Verfestigung dieses Wan-

dels. Wie bei solchen Zusammenkünften üblich, rief der Präsident zu
mehr Veränderungen, zu mehr Offenheit
und zu häufigerem Dialog auf. Und
unser Dialog über Menschenrechte hat
sich tatsächlich erweitert. Wie immer fand Präsident Reagan in dem Generalsekretär
einen
willigen
Gesprächspartner über dieses Thema.
Und man muß nur die in Genf vereinbarte Gemeinsame Erklärung mit der in
Moskau veröffentlichten vergleichen,
um zu sehen, wie weit unser Dialog
gediehen ist.
Ferner glauben wir, daß der Osten
trotz Ermangelung eines grundsätzlichen Wandels dennoch beginnt, ein
Gefühl für die Anziehungskraft der
Öffnung zu bekommen und deren Nutzen
zu erkennen, und wir schätzen dies.
Die Notwendigkeit des Wandels wird
anerkannt. Dies sind positive Entwicklungen. Sie geben Grund zu Optimismus. Wir würden es begrüßen, wenn
daraus dauerhafte, unumkehrbare Elemente eines stärkeren Prozesses des
Wandels auf breiter Ebene würde.
Bis dahin werden wir im Westen
alles in unser Macht stehende tun, um
den Reformprozeß im Osten zu fördern.
Fortschritten werden wir, wenn sie
sich einstellen, positiv gegenüberstehen - in Worten und Taten. Und da
wir auf die Offenheit stolz sind, die
das Leben in unseren eigenen Ländern
charakterisiert, und uns des Lebensstils erfreuen, der unsere Freiheiten
schützt und uns gleichzeitig mit vielen materiellen Segnungen versorgt,
werden wir zugleich auch stets unsere
Ansichten freimütig vortragen - wie
ich dies heute getan habe.
In einer abschließenden Analyse
bleibt die Rolle des Westens jedoch
begrenzt.
Es ist schließlich die
Sowjetunion und jede Nation Osteuropas selbst, die den Nutzen der Offenheit erkennen müssen.
Sie müssen
aufgrund eigener Erfahrung zu der
Einsicht gelangen - wie wir im Westen
aus unserer Erfahrung gelernt haben daß echte Sicherheit auf größerer Offenheit basiert.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

VlON $ &lt;

15. Juni 1983

23

FÄHIGER STRATEGE ZUM NEUEN STABSCHEF DES WEISSEN HAUSES ERNANNT
- Kurzporträt von Kenneth Duberstein -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge ist der neue Stabschef des
Weißen Hauses, Kenneth Duberstein, "ein hervorragender Organisator und fähiger
Stratege". Duberstein, der sein neues Amt am 1. Juli 1988 antreten wird, ist
seit März 1987 Stellvertreter des scheidenden Amtsinhabers Howard Baker. In
dieser Funktion hat er, wie Reagan erklärte, "entscheidend an unseren bedeutenden Leistungen in der Innen- und Außenpolitik mitgewirkt".

In der Frühzeit der Reagan-Administration hatte Duberstein die Funktion des Stellvertretende Beraters
und dann des Beraters des Präsidenten
für legislative Angelegenheiten. Im
Dezember
1983 quittierte er den
Staatsdienst und wurde Vizepräsident
der
Unternehmensberatungsfirma
Timmons and Company in Washington,
bei dem er bis zu seiner Rückkehr ins
Weiße Haus tätig war.
Zu seiner früheren beruflichen
Tätigkeit zählen vier Jahre als Vizepräsident und Direktor für Beziehungen zwischen Privatindustrie und Regierung des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung (CED), einer gemeinnützigen Organisation für öffentliche Politik, deren Mitgliederschaft
sich aus 200 prominenten Unternehmern

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und Universitätspräsidenten zusammensetzt.
Während der Ford-Administration
war Duberstein Stellvertretender Unterstaatssekretär im Arbeitsministerium und in dieser Funktion verantwortlich für alle legislativen und
zwischenstaatlichen
Handlungen
des
Ministeriums. Ferner war er Direktor
für Kongreß- und zwischenstaatliche
Angelegenheiten bei der General Services Administration der Vereinigten
Staaten.
Davor war Duberstein Assistent
für
Verwaltungsangelegenheiten
des
Präsidenten am Franklin and Marshall
College in Lancaster (Pennsylvania),
wo er im Jahr 1965 den Grad eines
Bachelor of Arts erworben hatte. Ein

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Jahr später erwarb er den Grad eines
M.A. an der American University in
Washington D.C. Ferner war er Praktikant und schließlich Forschungsassistent des zwischenzeitlich verstorbenen Senators Jacob Javits.
Duberstein und seine Frau Sydney
haben drei Kinder.

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2 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

23

15. Juni 198(1

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH UND DUKAKIS VERSPRECHEN FAIRE AUSEINANDERSETZUNG
- Die Ergebnisse der Vorwahlen von 7. Juni -

WASHINGTON - (AD) - Michael Dukakis, Gouverneur von Massachusetts, gewann
am 7. Juni mit überwältigendem Ergebnis die Vorwahlen in vier Bundesstaaten
und sicherte sich damit die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und das Recht, Vizepräsident George Bush bei den Präsidentschaftswahlen am 8. November herauszufordern.
In getrennten Interwies versprachen beide Kandidaten eine harte, aber faire Auseinandersetzung, die den Wählern bei den einzelnen Problembereichen echte Alternativen bietet.
Nahezu vollständige Wahlergebnisse aus Kalifornien, New Jersey,
Montana und New Mexiko wiesen für
Dukakis einen Vorsprung im Verhältnis
von etwa zwei zu eins vor seinem Rivalen,
dem
Bürgerrechtler
Jesse
Jackson, auf. Erwartungsgemäß gewann
Bush ohne einen Gegenkandidaten die
Nominierung der Republikaner in allen
vier Staaten.
In der vergangenen Woche errang
Dukakis die Unterstützung von etwa
250 Delegierten für den Parteikonvent
der Demokraten in Atlanta, die sich
entweder noch nicht festgelegt oder
sich an frühere Kandidaten gebunden
hatten, und bei den Wahlen am 7. Juni
fehlten ihm zu der für die Nominierung benötigten Zahl von 2 081 Delegierten noch weniger als 200 Stimmen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Er gewann etwa 300 der 466 Delegierten aus den vier Staaten, die als
letzte ihre Auswahl trafen, für sich.
In den letzten zehn Wochen der
Nominierungskampagne
beeindruckte
Dukakis als Gewinner von 14 aufeinanderfolgenden Vorwahlen in den Bundesstaaten. Am 6. Juni, dem letzten Tag
seiner Kampagne in Kalifornien, verbreitete er Optimismus und versicherte, die Demokratische Partei sei in
stärkerem Maße geeint als er in seinem ganzen Leben erlebt hätte. Als
Grund dafür bezeichnete er eine "in
der Luft liegende Siegesgewißheit"
für die Präsidentschaftswahl.
Nach den Ergebnissen vom 7. Juni
erklärte Dukakis, keine großen Unstimmigkeiten innerhalb der Demokra-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�tischen Partei zu erkennen. Auf dem
Parteikonvent in Atlanta, "könnte es
einen oder zwei harte Kämpfe geben,
und... einige Problembereiche könnten
zur Sprache kommen".
Jackson, mit dem Dukakis am Vorabend der Vorwahlen privat zusammengetroffen war, versprach, das Thema
Apartheid aufzuwerfen, wenn die von
den Demokraten beim Konvent verabschiedete Erklärung über ihre Ziele
die Regierung Südafrikas nicht als
terroristisches Regime verurteile eine Forderung, die Dukakis als "bedeutungslos" bezeichnete.
Jackson beglückwünschte und lobte
seinen ehemaligen Rivalen und erklärte, Dukakis "bringt Integrität und
Intelligenz
in
den
Öffentlichen
Dienst ein... und dies zeichnet eine
Führungspersönlichkeit aus".
Bei einer Pressekonferenz in Los
Angeles erklärte Dukakis, er werde
bei seiner Suche nach einen geeigneten Vizepräsidenten "seine Netze weit
auswerfen".
Der frühere Präsidentschaftskandidat Senator Paul Simon verwies in
Washington darauf, daß er Dukakis unterstützen werde und drängte seine
etwa 150 Delegierten, das gleiche zu
tun. Aber er erklärte auch, Jackson
verdiene als Zweiter bei der Abstimmung der Delegierten, für die Nominierung zum Vizepräsidenten berücksichtigt zu werden. Gleichzeitig erklärte Simon aber, die Nominierung
sei kein "Freibrief", und fiele dem
Kandidaten
auf
dem
zweiten
Platz
nicht automatisch zu.
Dukakis erhielt auch die Unterstützung
der ehemaligen Kandidaten
Bruce Babbitt und des Abgeordneten
Richard Gebhardt.
Bei den Vorwahlen, in Kalifornien
erhielt Dukakis aus 97 Prozent der
Wahlkreise 61 Prozent der Stimmen vor
Jackson, dem 35 Prozent zufielen.
Von 99 Prozent der Wahlkreise in New
Jersey führte Dukakis mit 63 Prozent

der Stimmen vor Jackson mit 33 Prozent. In Mew Mexico und Montana erzielte er sogar noch bessere Ergebnisse.
Bei den Vorwahlen am 7. Juni wurde Widerstand gegen Bush allein durch
Stimmen für die Kandidaten laut, die
bei der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten bereis aus dem Rennen sind.
Für den Konvent seiner
Partei im August in New Orleans gewann er die Delegierten aller Staaten.
Der Vizepräsident hat eine e'rste
"Wandlung" vollzogen, mit der er aus
dem Schatten Präsident Reagans heraustritt, dem er siebeneinhalb Jahre
gedient hat. Er erklärte, er hoffe,
das tun zu können, ohne "diesen Präsidenten schlecht zu machen".
In Kalifornien wurde Bush zum
Beispiel von ABC News über Reagans
Kommentar
bei
der
abschließenden
Pressenkonferenz in Moskau befragt,
daß grundlegende Meinungsverscheidenheiten
zwischen
den
Supermächten
"weiterhin in den Hintergrund treten"
und daß sowjetische Sprecher einen
"grundlegenden Wandel in der Politik... und in ihrer Regierung" verzeichnet haben.
Berichten zufolge
antwortete Bush, seiner Ansicht nach
hätten die Sowjets ihre Politik nicht
grundlegend geändert und fügte hinzu,
"meiner Meinung nach ist es noch zu
früh, um ein Urteil zu fällen" was
die Absichten des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow angeht.
Um beim Parteikonvent der Republikaner den Grundstein der Einheit
zu legen, wird Bush am 10. Juni mit
vier seiner ehemaligen Rivalen in
Denver
zusammentreffen.
Auch Bush
wird
seinen Vizepräsidenten wählen
müssen, aber er wird mit der Verkündung seiner Entscheidung wahrscheinlich bis nach dem Treffen der Demokraten warten.

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�AMERIKA DIENST
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"V

Wirtschaft

6

15. Juni 1983

23

NEUES SYSTEM ZUR BILANZIERUNG DER HANDELSZAHLEN

WASHINGTON - (AD) - Einem am 9. Juni 1988 vom amerikanischen Wirtschaftsministeriun eingeführten neuen System zur Bilanzierung der Handels^ahlen zufolge würde sich das im vergangenen Monat für März 1988 errechnete Handelsdefizit von 9,746 Milliarden Dollar nunmehr auf 11,946 Milliarden belaufen. Den
ersten Eindruck zum Trotz bedeutet dies jedoch nicht, daß das Handelsdefizit
höher liegt als zuvor berechnet.
Dem neuen System zufolge werden
die Zahlen für den monatlichen Import
und Export von Waren saisonbereinigt,
um die starken monatlichen Schwankungen teilweise auszugleichen.
Addiert man jeweils die nichtbereinigten und die saisonbereinigten
Zahlen am Ende eines Jahres, so werden sich die gleichen Gesamtsummen
ergeben. Nur die Verteilung über die
einzelnen .Monate wird sich unterscheiden.
Durch die saisonbereinigte Bilanzierung wird sich Vertretern des
Wirtschaftsrainisteriums zufolge ein
besseres Bild von den Tendenzen in
der Handelsbilanz gewinnen lassen.
Beispielsweise

fiel das nichtbe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

reinigte
Handelsbilanzdefizit
von
13,828 Milliarden Dollar im Februar
auf 9,746 Milliarden Dollar im März.
Oberflächlich
betrachtet
erschein),
dies als eine bedeutende Wende in der
Handelsbilanz. Da die Exporte jedoch
traditionell im Monat März sehr hoch
sind, ist die rückläufige Tendenz
nicht so bedeutend, wie man den Zahlen nach vermuten könnte.
In einem Informationsgespräch mit
Journalisten
erklärte der Staatssekretär
im
Wirtschaftsministeriun
Robert Ortner, auch saisonbereinigt,
sei das durchschnittliche monatliche
Handelsdefizit von 14,3 Milliarden
Dollar in den letzten sechs Monaten
des Jahres 1979 auf 12,5 Milliarden
Dollar in den ersten drei Monaten des
Jahres 1988 zurückgegangen.

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Eine saisonbereinigte Bilanzierung der Handelszahlen ist nicht neu;
sie wurde bis 1985 angewendet und
dann aufgrund von Problemen mit der
Datenqualität
eingestellt.
Damals
wurde
vom
Wirtschaftsministerium
festgestellt, daß bis zu 55 Prozent
der verzeichneten Importe tatsächlich
während der voraufgegangenen Monate
eingeführt worden waren. Diese Bilanzierung früherer Handelsdaten in
den Zahlen des letzten Monats wird
als "Übertrag" bezeichnet.
Das Ministerium hat dieses Problem so korrigiert, daß der Übertrag
heute auf etwa drei Prozent zurückgegangen ist. Zusätzlich zur Saisonbereinigung wird das Ministerium die
Handelsdaten des letzten Monats dergestalt überarbeiten, daß auch der
Übertrag berücksichtigt wird, obwohl
diese Berichtigung im Vergleich zur
Saisonbereinigung recht gering ausfallen wird.
Vertretern
des
Wirtschaftsministeriums zufolge erwiesen sich Januar und Februar dieses Jahres aufgrund von Problemen mit den kanadischen Zahlen als Ausnahmen von der
normalerweise geringen Berichtigung
beim Übertrag.
Das Problem ergebe
sich aus der Tatsache, daß Kanada ein
neues System der Zollklassifizierung
einführte.
Das Gesamthandelsdefizit der Vereinigten Staaten im Jahr 1987 wurde
nach Berichtigung der Ubertragszahlen
von 171,217 Milliarden Dollar auf
170,320 und- für 1986 von 156,156 auf
155,137 Milliarden Dollar nach unten
korrigiert.
Schließlich erklärten Vertreter
des
Wirtschaftsministeriums,
daß
trotz der Berichtigung von saisonalen
und Ubertragsfaktoren weiterhin mit
starken monatlichen Schwankungen der
Handelszahlen zu rechnen sei. Zur
Bewertung der zugrundeliegenden Tendenzen bei den Handelszahlen werde
die Berücksichtigung der Daten des
letzten Dreiraonatszeitraums empfohlen.

Die am 9. Juni veröffentlichten
Erklärung des Ministeriums beinhaltet
einen solchen Überblick mit einer Tabelle, die den gleitenden Durchschnitt der saisonbereinigten Daten
innerhalb eines Dreimonatszeitraums
angibt.
Ein gleitender DreimonatsDurchschnitt von" 12,544 Milliarden
Dollar für das Handelsdefizit des Monats März wird auf der Grundlage der
monatlichen Defizite von Januar bis
März berechnet. Der gleitende Durchschnitt für Februar würde sich demzufolge auf den Durchschnitt der Monatsdefizite von Dezember 1987 bis
Februar 1988 stützen.
Diese
gleitenden
DreimonatsDurchschnitte sind in vier der vergangenen fünf Monate gesunken, was
darauf hindeutet, daß die Tendenz des
Handelsdefizits in diesem Zeitraum
rückläufig war.

�Nachfolgend einige besonders wichtige Zahlen:
US-Handelsbilanz
Milliarden Dollar, saisonbereinigt und nichtbereinigt

Saisonbereinigt

Nichtbereinigt

1987
Januar-Dezember

-170,3202

-170,3202

Januar

-14,7330

-14,8211

Februar

-13,5265

-12,2703

März

-13,8243

-12,0913

April

-13,2368

-13,1002

Mai

-14,0744

-13,9128

Juni

-15,0581

-15,2908

Juli

-13,8782

-16,0761

August

-15,0781

-15,3098

September

-13,9350

-13,9754

Oktober

-15,5561

-16,9867

November

-13,6224

-13,4600

Dezember

-13,7972

-13,0259

Januar-März

-37,6317

-34,2731

Januar

-11,2712

-11,5326

Februar

-14,4146

-12,9943

März

-11,9458

-9,7462

1988

* * * * *

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