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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

#
8. J u n i 1988

22
INHALT

DOKUMENTATION
Gipfeltreffen führte zu "erweitertem Dialog"
- Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische
Verifizierungsexperiment
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der
Kernenergie
- Eine Übersicht -

Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum
- Eine Übersicht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Biotechnik - eine Zukunftsindustrie
- OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen -

Erreger der Non-A-non-B Hepatitis entdeckt
- Bluttests in der Erprobung -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

Dokumentation

^ Js

8. Juni 1988

22

GIPFELTREFFEN FÜHRTE ZU "ERWEITERTEM DIALOG"
Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels -

MOSKAU - (AD) - Der am 1. Juni 1988 im Moskau veröffentlichten gemeinsamen
Gipfelerklärung zufolge befinden sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion inmitten eines "sich entfaltenden Dialogs", der "ein zunehmend wirkungsvolles Mittel zur Lösung von Fragen wird, die von beiderseitigem Interesse
sind und auf beiden Seiten Besorgnis auslösen". Dabei wurden jedoch "aus Geschichte, Tradition und Ideologie herrührende reale Differenzen nicht unterschätzt, die weiterhin das amerikanisch-sowjetische Verhältnis charakterisieren werden".
Die gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut;
Im Einklang mit der beim amerikanisch-sowjetischen
Gipfeltreffen
von Genf im November 1985 erzielten
und beim Washingtoner Gipfeltreffen
vom Dezember 1987 bekräftigten Übereinkunft trafen sich der Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika,
Ronald W. Reagan, und der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion,
Michail S. Gorbatschow, vom 29. Mai
bis 2. Juni 1988 in Moskau.

besonderen Verwendung und Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers
in Rüstungskontrollfragen,
Paul H. Nitze, der Sonderberater des
Präsidenten und des Außenministers in
Rüstungskontrollfragen,
Botschafter
Edward L. Rowny, der amerikanische
Botschafter in der UdSSR, Jack F.
Matlock sowie die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische
Angelegenheiten im Außenministerium,
Rozanne L. Ridgway.

Teilnehmer
waren
auf
amerikanischer
Seite:
Außenminister
George P. Shultz, Verteidigungsminister Frank C. Carlucci, der Stabschef des Präsidenten, Howard H. Baker
Jr., der Berater des Präsidenten in
Fragen der nationalen Sicherheit,
Colin L. Powell, der -Botschafter zur

Auf sowjetischer
Seite nahmen
teil:
Mitglied des Politbüros des
Zentralkomitees der KPdSU und Vorsitzender des Präsidiums des Obersten
Sowjet der UdSSR, Andrej A. Gromyko,
das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU, Außenminister
Eduard A. Schewardnadse, das Mitglied

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�des Politbüros des Zentralkomitees
der KPdSU und Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Alexander N.
Jakowlew, der Kandidat des Politbüros
des Zentralkomitees der KPdSU, Verteidigungsminister Dimitri T. Jasow,
der Sekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, Anatolij F. Dobrynin, der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU, Anatolij S.
Tschernajew,
der
stellvertretende
Außenminister
Alexander
A.
Bessmertnich sowie der Botschafter
der UdSSR in den Vereinigten Staaten
von Amerika, Jurij W. Dubinin.
Der Präsident und der Generalsekretär betrachten das Moskauer Gipfeltreffen als bedeutenden Schritt im
Prozeß der Schaffung einer produktiveren und dauerhafteren Grundlage für
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Ihre umfassenden und eingehenden Gespräche
erstreckten sich
über das gesamte Spektrum von Fragen,
auf das sich die beiden führenden Politiker während ihres ersten Treffens
in Genf im November 1985 verständigt
hatten -, Rüstungskontrolle, Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, die Beilegung regionaler Konflikte sowie die bilateralen Beziehungen. Bei wichtigen Fragen bestehen weiterhin ernsthafte Meinungsverschiedenheiten; der zwischen beiden
Ländern entstandene
offene Dialog
bleibt entscheidend für die Überwindung dieser Meinungsverschiedenheiten.
Die Gespräche fanden in einer
konstruktiven Atmosphäre statt, die
breiten Raum für einen offenen Meinungsaustausch bot.
Als Ergebnis
dessen erzielten beide Seiten ein
besseres Verständnis der Positionen
des anderen. Die beiden Staatsmänner
begrüßten die seit ihrem letzten
Treffen in Washington in verschiedenen Bereichen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen trotz der Schwierigkeit und Komplexität der Fragen
erzielten Fortschritte. Mit Befriedigung nahmen sie zahlreiche konkret
erzielte Vereinbarungen zur Kenntnis
und verliehen ihrer Entschlossenheit
Ausdruck, in den kommenden Monaten

die Anstrengungen in den Bereichen zu
verdoppeln, in denen weitere Arbeit
geleistet werden muß. Sie lobten die
von Vertretern beider Seiten in den
letzten Monaten zur Lösung fortbestehender Meinungsverschiedenheiten geleisteten kreativen und intensiven
Bemühungen.
Bei der Einschätzung des Stands
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betonten der Präsident und der
Generalsekretär die historische Bedeutung ihrer Treffen in Genf, Reykjavik, Washington und Moskau bei der
Schaffung des Fundaments für ein realistisches Konzept für die Probleme
der Stärkung der Stabilität und der
Verringerung
des
Konfliktrisikos.
Sie bekräftigten feierlich ihre Überzeugung, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals ausgelöst werden darf, ihre Entschlossenheit, jeden Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
- ob nuklear oder konventionell - zu
verhindern sowie ihre Zurückweisung
jeglicher Absichten zur Erlangung militärischer Überlegenheit.
Die
beiden
Staatsmänner
sind
überzeugt, daß die Entfaltung des von
ihnen ins Leben gerufenen Dialogs ein
zunehmend wirksames Mittel zur Lösung
von Fragen wird, die von beiderseitigem Interesse sind und auf beiden
Seiten Besorgnis auslösen. Sie unterschätzen jedoch nicht die aus Geschichte, Tradition und Ideologie
herrührenden realen Differenzen, die
weiterhin
das
amerikanisch-sowjetische
Verhältnis
charakterisieren
werden. Sie sind aber der Ansicht,
daß der Dialog von Dauer sein wird,
da er sich auf Realismus gründet und
sich auf die Erlangung konkreter Ergebnisse konzentriert. Er kann als
konstruktive Grundlage nicht nur für
die Behandlung der Probleme heute,
sondern auch morgen und im nächsten
Jahrhundert dienen. Es ist dies ein
Prozeß, der nach Überzeugung des Präsidenten und des Generalsekretärs den
besten Interessen der Völker der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
dient und einen Beitrag zu einer sta-

- 2 -

�bileren, friedlicheren und sichereren
Welt leisten kann.

Rüstungskontrolle
Nachdem sie das Engagement ihrer
beiden Länder bekundet hatten, auf
den bisher in der Rüstungskontrolle
erzielten Fortschritten aufzubauen,
bestimmten der Präsident und der Generalsekretär die Ziele und nächsten
Schritte für ein breites Spektrum von
Fragen in diesem Bereich. Sie werden
in den kommenden Monaten die Bemühungen beider Regierungen leiten, wenn
diese miteinander und mit anderen
Staaten auf ausgewogene, verifizierbare Vereinbarungen zur Stärkung der
internationalen Stabilität und Sicherheit hinarbeiten.

INF
Der Präsident und der Generalsekretär unterzeichneten das Protokoll
über den Austausch der Ratifizierungsurkunden zu diesem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und
kürzerer
Reichweite.
Die
beiden
Staatsmänner begrüßten das Inkrafttreten dieses historischen Abkommens,
mit dem zum ersten Mal eine ganze Kategorie amerikanischer
und sowjetischer Atomwaffen beseitigt wird und
neue Maßstäbe für die Rüstungskontrolle gesetzt werden. Die Staatsmänner sind entschlossen, die vollständige Anwendung aller Bestimmungen
und Vereinbarungen der Vertrages zu
erfüllen, und sie betrachten die gemeinsame und erfolgreiche Arbeit in
diesem Sinne als bedeutenden Präzedenzfall für künftige Rüstungskontrollbemühungen.
Die Gespräche über Nuklear- und
Weltraumwaffen
zur

Die beiden Staatsmänner nahmen
Kenntnis, daß ein Gemeinsamer

Vertragsentwurf über die Reduzierung
und Begrenzung strategischer Offensivwaffen
ausgearbeitet
wurde.
Durch diesen Prozeß waren die Seiten
in der Lage, in dem gemeinsamen Vertragsentwurf umfangreiche und bedeutsame Bereiche der Übereinstimmung wie
auch die Detailfragen zu verbleibenden Bereichen der Nichtübereinstimmung festzuhalten.
Obwohl noch zusätzliche wichtige Arbeit geleistet
werden muß, bevor dieser Vertrag unterzeichnungsreif ist, fanden bereits
viele Schlüsselbestimmungen Eingang
in den gemeinsamen Vertragsentwurf
und gelten als einvernehmlich gutgeheißen unter der Bedingung, daß der
Vertrag fertiggestellt und ratifiziert wird.
Unter
Berücksichtigung
eines
Vertrages über strategische Offensivwaffen haben beide Seiten - aufbauend auf der Sprachregelung der
Gemeinsamen
GIpfelerkläruug
von
Washington vom 10. Dezember 1987 ihre Verhandlungen über ein den ABMVertrag betreffendes getrenntes Abkommen
fortgeführt.
Fortschritte
wurden bei der Erstellung des Gemeinsamen Textentwurfs für ein Zusatzprotokoll festgestellt.
In Zusammenhang mit ihren Verpflichtungen
gemäß diesem Protokoll haben sich
beide Seiten insbesondere darauf geeinigt, die Zentren zur Reduzierung
des nuklearen Risikos für die Übermittlung zweckdienlicher Informationen zu nutzen. Die Staatsmänner wiesen ihre Verhandlungsführer an, den
gemeinsamen Textentwurf für ein getrenntes Abkommen auszuarbeiten und
die Arbeiten an dessen Zusatzprotokoll weiterzuführen.
Der
Gemeinsame
Vertragsentwurf
zur Reduzierung und Begrenzung der
strategischen
Offensivwaffen
spiegelt die bereits erzielte Verständigung über die Schaffung von Obergrenzen von maximal 1 600 strategischen
offensiven Trägersystemen und 6 000
GefechtsKÖpfen wider, ferner das Einvernehmen zu den Untergrenzen von
4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen
Interkontinentalraketen

- 3 -

�(ICBMs) und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) zusammengenommen sowie 1 540 Gefechtsköpfen
auf 154 schweren Raketen.

Erklärungen und zweckmäßiger Benachrichtigungen
zu
Zahl
und
Standort der von START begrenzten
Waffensysteme, darunter auch die
Standorte und Einrichtungen für
Produktion, Endmontage, Lagerung,
Erprobung, Instandsetzung, Ausbildung, Stationierung, Umrüstung
und Beseitigung solcher Systeme.
Derartige Erklärungen werden vor
Unterzeichnung des Vertrages zwischen beiden Seiten ausgetauscht
und regelmäßig fortgeschrieben.

Der Vertragsentwurf fixiert ausserdem die Übereinkunft beider Seiten, wonach als Ergebnis der Reduzierungen
das
Gesamtwurfgewicht
der
ICBMs und SLBMs der Sowjetunion auf
ein Niveau reduziert wird, das etwa
50 Prozent des gegenwärtig bestehenden beträgt und daß dieses Niveau
nicht überschritten wird.
Im Verlauf der Verhandlungen erzielten die beiden Seiten ferner Einvernehmen darüber, bei der künftigen
Arbeit an dem Vertrag davon auszugehen, daß bei stationierten ICBMs und
SLBMs der bestehenden Typen der Zählmodus die in der Gemeinsamen Erklärung vom 10. Dezember 1987 berücksichtigte Zahl von Gefechtsköpfen
einbeziehen wird und daß die Zahl der
für jeden neuen Typ ballistischer Raketen
zugestandenen
Gefechtsköpfe
Verhandlungssache ist.
Ferner verständigten sich beide
Seiten auf einen Zählmodus für in
schweren Bombern mitgeführte Waffen,
demzufolge nur für nukleare Freifallbomben und Angriffsflugkörper kurzer
Reichweite
(SRAMs)
ausgerüstete
schwere Bomber als ein Trägersystem
auf die Obergrenze von 1 600 und als
ein Gefechtskopf auf die Obergrenze
von 6 000 angerechnet werden.
Die Delegationen haben außerdem
gemeinsame Textentwürfe für ein Inspektionsprotokoll, ein Umrüstungsoder Beseitigungsprotokoll und eine
Regierungsvereinbarung über Daten erstellt, die integrale Bestandteile
des Vertrags sind. Diese Dokumente
gründen auf den Verifizierungsbestimmungen des INF-Vertrages, wobei
sie diese unter Berücksichtigung der
höheren Anforderungen, von START erweitern und ausbauen.
Die Verifizierungsmaßnahmen für START werden
mindestens folgendes beinhalten:
A.

Datenaustausch,

einschließlich

B.

Grundinspektionen zur Verifizierung der Richtigkeit dieser Erklärungen.

C.

Vor-Ort-Beobachtung der zur Erreichung der vereinbarten Obergrenzen notwendigen Beseitigung
strategischer Systeme.

D.

Ständige Vor-Ort-Uberwachung von
Umfeld
und
Zugängen wichtiger
Produktionsstätten, um den Produktionsumfang von der Begrenzung
unterliegenden Waffen zu bestätigen.

E.

Kurzfristig anberaumte
Inspektionen an:

Vor-Ort-

(I)
angemeldeten
Stationierungsorten im Verlauf des Verfahrens der Reduzierung auf vereinbarte Obergrenzen;
(II) Stationierungsorten, an denen diesem Vertrag unterliegende
Systeme nach Erreichung der vereinbarten Obergrenzen verbleiben;
(III) Stationierungsorten, an denen solche Systeme stationiert
waren (vormals angemeldete Einrichtungen).
F.

Kurzfristig anberaumte Inspektionen - in Übereinstimmung mit den
vereinbarten Verfahrensweisen von Orten, an denen nach Meinung
einer der Seiten eine geheime
Stationierung, Produktion, Lagerung oder Instandsetzung strategischer Offensivwaffen erfolgen

�kann.
G.

H.

Verbot der Verwendung einer Tarnung sowie anderer Maßnahmen, die
der Erschwerung einer Kontrolle
vermittels nationaler technischer
Mittel dienen. Derartige Bestimmungen würden ein Verbot der
Chiffrierung des Fernmeßverkehrs
einschließen und den vollständigen Zugang zu sämtlichen Fernmeßdaten gewährleisten, die während
des Flugs einer Rakete gesendet
werden.
Verfahrensweisen, die die Verifizierung der Zahl der Gefechtsköpfe auf
stationierten ballistischen Raketen jeden Typs gewährleisten, einschließlich Inspektionen vor Ort.

I. Mit Hilfe nationaler technischer
Mittel
vorgenommene
erweiterte
Beobachtung der Maßnahmen, die
mit der Reduzierung und Begrenzung der strategischen Offensivwaffen
zusammenhängen.
Hierzu
würde die offene Aufstellung der
durch den Vertrag zu begrenzenden
Objekte in den Stützpunkten für
Raketen, Bomber und U-Boote an
den Orten und zu den Zeitpunkten
gehören, die von den inspizierenden Seiten gewählt werden.
Die beiden Seiten begannen ebenfalls mit dem Austausch von Daten
über ihre strategischen Streitkräfte.
Im Verlauf dieses Treffens in
Moskau hat der Meinungsaustausch über
START zu einer weiteren erheblich
Verbreiterung der gemeinsamen Basis
geführt, insbesondere auf den Gebieten der ALCMs und der Versuche, eine
Lösung des Verifizierungsproblems bei
den beweglichen ICBMs zu entwickeln
und sich darauf zu verständigen. Die
Einzelheiten dieser verbreiterten gemeinsamen Basis sind in zwischen den
beiden Seiten ausgetauschten Dokumenten festgehalten worden. Die Delegationen in Genf werden diese Fortschritte in den gemeinsamen Textentwurf des START-Abkommens aufnehmen.

Die Seiten erörterten ferner die
Frage der Begrenzung der nuklear bewaffneten SLCMs längerer Reichweite.
Ronald
Reagan
und
M.S.
Gorbatschow drückten ihr beiderseitiges Vertrauen in die Tatsache aus,
daß die geleistete intensive Arbeit
eine Basis für den Abschluß eines
Vertrages über den Abbau und die Begrenzung strategischer Offensivwaffen
darstellt, der die strategische Stabilität fördern und die Sicherheit
nicht nur der Menschen in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten,
sondern der gesamten Menschheit stärken wird.
Von dieser grundsätzlichen Übereinkunft geleitet vereinbarten der
amerikanische Präsident und der Generalsekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, ihre Bemühungen auf diesem Gebiet nachdrücklich und entschlossen
fortzusetzen. Die Delegationen beider Länder sind beauftragt worden,
sich am 12. Juli dieses Jahres erneut
in Genf zu treffen. Es wurde eine
prinzipielle Übereinstimmung darüber
erzielt, daß nach Lösung noch bestehender Probleme und der Vereinbarung
des Vertrages nebst der mit ihm zusammenhängenden Dokumente diese ohne
Verzug unterzeichnet werden.

Ankündigung des Starts ballistischer
Raketen
Die während des Moskauer Gipfels
unterzeichnete Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zur Ankündigung von Starts
von interkontinentalen und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen ist
ein zweckmäßiger neuer Schritt, der
den Wunsch beider Seiten wiederspiegelt, die Risiken des Ausbruchs eines
nuklearen Krieges zu begrenzen, insbesondere als Ergebnis einer Mißdeutung,
einer
Fehlkalkulation
oder
durch Zufall.

- 5 -

�Atomtests
Die Staatsmänner bekräftigten die
Verpflichtung beider Seiten, Schritt
für Schritt in einem speziellen Forum
umfassende Verhandlungen über Fragen
bezüglich Atomtests zu führen.
Im
Laufe dieser Verhandlungen werden die
Seiten als ersten Schritt wirkungsvolle
Kontrollmaßnahmen
abstimmen,
die es erlauben, den sowjetisch-amerikanischen Schwellenvertrag von 1974
(TTBT) und den Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von
1976 zu ratifizieren und mit Verhandlungen über weitere Zwischenschritte
zur Begrenzung von Atomtests fortzufahren, die zu der letztlich völligen
Einstellung von Atomtests als Teil
eines wirkungsvollen Abrüstungsprozesses führen. Neben anderen Maßnahmen würde dieser Prozeß als oberste
Priorität das Ziel verfolgen, nukleare Waffen abzubauen und schließlich
völlig abzuschaffen.
Zur Verwirklichung des ersten Ziels dieser Verhandlungen, nämlich die Vereinbarung
von wirkungsvollen Uberprüfungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag von
1974, kamen die Seiten überein, ein
gemeinsames
Verifizierungsexperiment
am Versuchsgelände der jeweils anderen Seite zu planen und durchzuführen.
Mit Genugtuung ist daher die Unterzeichnung eines Vertrages über ein
gemeinsames
Verifizierungsexperiment
aufgenommen worden sowie die umfangreichen derzeit laufenden Vorbereitung smaßnahmen für dieses Experiment
und die positive Zusammenarbeit, insbesondere zwischen den derzeit mit
Arbeiten auf dem jeweils anderen Versuchsgelände beschäftigten zahlreichen Personen. Ferner wurde der erhebliche Fortschritt bei dem neuen
Protokoll zum Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken vermerkt und auf anhaltende konstruktive
Verhandlungen über wirkungsvolle Verifizierungsmaßnahmen , des Schwellenvertrags gedrängt.
Während
sie ihrer Überzeugung
Ausdruck verliehen, daß die bisher
erzielten Fortschritte eine solide

Basis für weitere Fortschritte bei
Problemen bezüglich der Atomtests
darstellen, wiesen die Staatsmänner
ihre Unterhändler an, unverzüglich
die Vorbereitung eines Protokolls für
den Vertrag über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken sowie auch für
den Schwellenvertrag fertigzustellen,
sobald das gemeinsame Verifizierungsexperiment durchgeführt und analysiert worden ist. Sie unterstrichen
ihre Auffassung, daß Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag in
angemessenem Umfang in zusätzlichen eventuell im weiteren Verlauf erreichten - Abkommen zur Begrenzung
von Atomtests angewendet werden können. Sie erklärten ferner ihre beiderseitige Absicht, die Ratifizierung
der beiden Verträge von 1974 und 1976
anzustreben, wenn die entsprechenden
Protokolle zum Schwellenvertrag und
zum Vertrag über ^tomexplosionen zu
friedlichen Zwecken vorliegen, und
die Verhandlungen wie in der gemeinsamen
Washingtoner
Gipfelerklärung
vereinbart fortzusetzen.

Die Nichtverbreitung von Kernwaffen
Die beiden Staatsmänner vermerkten, daß dieses Jahr der 20. Jahrestag
des
Atomwaffensperrvertrages
(NPT) ist, eines der wichtigsten internationalen RüstungskontrollVerträge mit über 130 Unterzeichnerstaaten.
Sie erneuerten ihre Überzeugung, daß
eine weltumfassende
Befolgung des
Atomwaffensperrvertrages wichtig für
den internationalen Frieden und die
Sicherheit ist. Sie verliehen ihrer
Hoffnung Ausdruck, daß jeder NichtUnterzeichnerstaat dem Vertrag beitritt, oder in vergleichbarer Weise
nach internationalem Recht die Verpflichtung eingeht, auf den Erwerb
von Atomwaffen zu verzichten und deren Verbreitung zu verhindern. Dies
wird die Möglichkeiten für Fortschritte zu einem Abbau von atomarer
Bewaffnung verstärken und die Bedrohung durch einen Atomkrieg verringern.
Die beiden Staatsmänner bestätigten ebenso Jhre Unterstützung für die

�Zentren zur Verringerung des Nuklearen Risikos

chemischer Waffen sowie des Verzichts
auf die Nutzung von zweifach verwendbaren chemischen Wirkstoffen für chemische Waffen verwiesen, betonten die
Staatsmänner die Notwendigkeit konkreter Lösungen des Problems der Sicherstellung einer wirkungsvollen Verifizierung und unverminderter Sicherheit für alle Beteiligten der
Konvention. Ihren jeweiligen Delegationen gaben sie entsprechende Anweisungen.

Die Staatsmänner drückten ihre
Zufriedenheit über die Aktivierung
einer neuen KommunikationsVerbindung
zwischen den beiden Zentren zur Verringerung des Nuklearen Risikos in
Moskau und Washington aus, welche gemäß dem amerikanisch-sowjetischen Abkommen vom 15. September 1987 eingerichtet wurden. Man stimmte überein,
daß die Zentren im Zusammenhang mit
einem zukünftigen Vertrag über den
Abbau amerikanischer und sowjetischer
strategischer Atomwaffen eine wichtige Rolle spielen können.

Beide Seiten waren sich einig,
wie wichtig es ist, daß alle Staaten
größere Offenheit an den Tag legen,
weil dies eir Weg zur Vertrauensbildung und zur Stärkung des Fundaments
für eine wirkungsvolle Konvention
ist. Die Staatsmänner betonten ebenfalls die Notwendigkeit einer engen
Koordinierung auf multilateraler Ebene, um die Teilnahme aller Staaten
sicherzustellen, die gemäß der Konvention im Besitz von chemischen Waffen und zur Herstellung solcher Waffen fähig sind.

Internationale Atomenergiebehörde und
vereinbarten, ihre Anstrengungen zur
weiteren Stärkung der Behörde fc_tzusetzen. Sie hoben erneut den Wert
ihrer
regelmäßigen
Konsultationen
über die Nichtverbreitung hervor, und
kamen überein, daß diese beizubehalten seien.

Chemische Waffen
Die Staatsmänner überprüften den
Stand der laufenden multilateralen
Verhandlungen und bilateralen Konsultationen über ein umfassendes, wirkungsvoll überprüfbares und tatsächlich weltweites Verbot von chemischen
Waffen, welches alle zur Herstellung
chemischer Waffen fähiger Staaten
einschließt.
Ferner verliehen sie
ihrer Besorgnis über das wachsende
Problem der. Verbreitung und des Einsatzes von chemischen Waffen Ausdruck.
Die
Staatsmänner
unterstrichen
die Bedeutung der Anstrengungen, die
auf die Behandlung der unvermindert
dringlichen und unvergleichlich wichtigen Aufgabe des Verbots chemischer
Waffen sowie auf den Abschluß einer
wirkungsvollen Konvention gerichtet
sind. Während sie auf die schon erzielten Fortschritte in den Verhandlungen und die schwierigen Probleme
im Hinblick auf eine wirkungsvolle
Überwachung eines weltweiten Verbots

Beide Seiten verurteilen entschieden die gefährliche Verbreitung
und den rechtswidrigen Einsatz von
chemischen Waffen unter Verletzung
des Genfer Protokolls von 1925. Sie
unterstrichen die Bedeutung von sowohl technischen als auch politischen
Lösungen dieses Problems und bekräftigten ihre Unterstützung für internationale Untersuchungen mutmaßlicher
Verletzungen. Die Staatsmänner verwiesen auf erste Bemühungen zur Kontrolle des Exports von chemischen
Wirkstoffen, die bei der Produktion
von chemischen Waffen verwendet werden, und forderten alle Staaten, die
zur Herstellung solcher Wirkstoffe in
der Lage sind, dazu auf, eine strenge
Exportkontrolle einzuführen, um der
Verbreitung chemischer Waffen Einhalt
zu gebieten.

Konventionelle Rüstungskontrolle
Die Seiten unterstrichen die Bedeutung der Festigung von Stabilität
und Sicherheit in ganz Europa. Sie

- 7 -

�begrüßten in diesem Zusammenhang die
bereits erzielten Fortschritte bei
der Ausarbeitung des Mandats für neue
Verhandlungen über Streitkräfte und
konventionelle Rüstungen und äußerten
ihre Hoffnung auf einen baldigen und
ausgewogenen
Abschluß
des
Wiener
KSZE-Folgetreffens.
Der Generalsekretär und der Präsident stellten zugleich fest, daß die vollständige
Verwirklichung der Bestimmungen des
Dokumentes der Stockholmer Konferenz
über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa in bedeutendem Maße zur Erweiterung der Offenheit und zur Festigung
des gegenseitigen Vertrauens beitragen kann.
Sie erörterten ferner den Stand
der Wiener Verhandlungen über die
beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Europa
(MBFR).

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Die Staatsmänner bekräftigten ihr
Engagement zur Fortführung des KSZEProzesses. Die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten werden ihre Zusammenarbeit mit den anderen 33 Teilnehmerstaaten fortsetzen, um das Wiener KSZE-Folgetreffen zu einem erfolgreichen
Abschluß
zu
bringen.
Dies soll durch bedeutsame Ergebnisse
auf allen Hauptgebieten der Schlußakte von Helsinki und des Madrider Abschlußdokumentes geschehen.

Verbreitung von Technologie ballistischer Raketen
Die
Staatsmänner
kamen
darin
überein, das Problem der Verbreitung
der Technologie von ballistischen Raketen bilateral auf Expertenebene zu
erörtern.

Dritte Sondersitzung
versammlung

der UN-General-

Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen auf die Bedeutung
der laufenden dritten UN-Sondertagung
für Abrüstung.

Menschenrechte und humanitäre Anliegen
Der Präsident und der Generalsekretär sprachen eingehend über Menschenrechte und humanitäre Anliegen.
Die Staatsmänner erörterten den immer
breiteren und detaillierteren amerikanisch-sowjetischen Dialog auf diesem Gebiet und stimmten darin überein, daß dieser auf allen Ebenen
stattfinden sollte, um zu anhaltenden
und konkreten Fortschritten zu gelangen. Es wurde festgestellt, daß dieser Dialog darauf ausgerichtet sein
sollte, die Rechte, Freiheiten und
Menschenwürde des Einzelnen möglichst
umfassend sicherzustellen;
menschliche Kommunikation und Kontakte zu
fördern; einen regen Austausch von
geistigen, kulturellen, historischen
und sonstigen Werten zu betreiben;
und größeren gegenseitiges Verständnis und Respekt zwischen beiden Ländern herbeizuführen. Zu diesem Zweck
erörterten sie die mögliche Einrichtung eines Forums, in dessen Rahmen
sich Vertreter der verschiedenen Bereiche beider Gesellschaftsordnungen
regelmäßig treffen würden.
Bereits
vollzogene Schritte zur Herstellung
eines Austauschs von Informationen
und Kontakten zwischen den gesetzgebenden Körperschaften beider Länder
wurden hervorgehoben. Hierzu gehören
ebenfalls die Diskussionen zwischen
Rechtsexperten, Medizinern und Vertretern anderer Berufsrichtungen, die
direkt in Menschenrechtsfragen engagiert sind, und zwischen Vertretern
von regierungsunabhängigen Organisationen.

�Regionale Angelegenheiten
Der Präsident und der Generalsekretär führten eingehende Gespräche
über ein breites Spektrum regionaler
Fragen,
einschließlich
des
Nahen
Ostens, des Krieges zwischen Iran und
Irak, Südafrika, dem Hörn von Afrika,
Mittelamerika, Kambodscha, der koreanischen Halbinsel und anderer Bereiche. Sie drückten ihre Befriedigung
über den im April 1988 in Genf erfolgten Abschluß eines Abkommens über
eine Regelung für Afghanistan aus.
Obwohl die Gespräche sowohl im Hinblick auf die Beurteilung der Ursachen regionaler Spannungen als auch
bei den Mitteln zu deren Überwindung
ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten
aufdeckten, kamen beide Staatsmänner
überein, daß diese unterschiedlichen
Meinungen kein Hindernis für eine
konstruktive Beziehung zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion darstellen sollten.
Sie bestätigten ihre Absicht, Gespräche
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion auf allen
Ebenen weiterzuführen, die darauf abzielen, den an regionalen Konflikten
Beteiligten bei der Auffindung friedlicher Lösungen zu helfen, die ihre
Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit fördern. Sie betonten die Bedeutung, die einer verbesserten Stellung der Vereinten Nationen und anderer internationaler Institutionen im
Hinblick auf ihren Beitrag zur Lösung
regionaler Konflikte zukommt.

Bilaterale Angelegenheiten
Der Präsident und der Generalsekretär erörterten die seit ihrem
Treffen in Washington von Dezember
1987 durch den weiteren Ausbau bilateraler Kontakte, Austauschprogramme
und Zusammenarbeit erzielten Fortschritte. Sie verwiesen auf die zunehmend wichtige Rolle, die ein Austausch zum beiderseitigen Nutzen zwischen beiden Ländern bei der Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses und Schaffung von Stabilität im

amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis
spielen kann. Sie erklärten ihre Absicht zur Intensivierung dieser Verbindungen.
Mit besonderer Genugtuung wurde
verzeichnet, daß in den meisten der
bei den Zusammenkünften in Genf,
Reykjavik und Washington definierten
Bereiche konkrete Abkommen erzielt
wurden.

Bilaterale Abkommen
Aktivitäten

und

gemeinsame

Der Präsident und der Generalsekretär begrüßten den Abschluß einer
Reihe bilateraler Abkommen, mit denen
einer fruchtbaren Zusammenarbeit in
den folgenden Bereichen neue Möglichkeiten
eröffnet
werden:
wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit im Verkehrswesen; Seenotrettung; praktische Koordination zwischen amerikanischen und sowjetischen
Funknavigationssystemen im Nordpazifik und der Beringstraße sowie Zusammenarbeit im Fischereiwesen.
Beide Staatsmänner begrüßten die
jüngste Unterzeichnung einer neuen
Vereinbarung über die Atomreaktorsicherheit im zivilen Bereich gemäß
dem bilateralen Abkommen über die
friedliche Nutzung der Atomenergie.
Zur Erweiterung dieses Abkommens fand
ein Notenaustausch statt.
Sie drückten Befriedigung über
die jüngste Unterzeichnung eines neuen Protokolls zum bilateralen Abkommen über das Wohnungswesen aus, das
eine Zusammenarbeit im Bereich der
Bauforschung im Hinblick auf extreme
geologische und ungewöhnliche klimatische Bedingungen vorsieht.
Der Stand der Verhandlungen zwischen beiden Ländern zur Schiffahrt,
den Seegrenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR, der Grundlagenforschung und Notfallbeseitigung
von Umweltschäden in der Beringstraße
und der Tschuktschen See wurde einer
Betrachtung unterzogen.
Die Unter-

- 9-

�händler wurden angewiesen, ihre
strengungen zur baldmöglichsten
langung beiderseitig akzeptabler
kommen in diesen Bereichen zu
schleunigen.

AnErAbbe-

Beide Staatsmänner begrüßten die
Aufnahme bilateraler Gespräche zur
Bekämpfung des Drogenhandels.
Mit
Befriedigung verzeichneten sie die
laufenden Konsultationen beider Seiten über See- und Luftrecht, die Sicherheit der Schiffahrt und in Bereichen von gemeinsamem Interesse in juristischen Fragen.

Kulturelle und Austauschprogramme
Beide Staatsmänner verwiesen auf
den Ausbau des Austausches in den Bereichen Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Sport nach dem Allgemeinen
Austauschabkommen, begrüßten die Unterzeichnung eines neuen Durchführungsprogramms für 1989-91 gemäß dem
Abkommen und bekundeten ihre Absicht
zum weiteren Ausbau solcher Austauschprogramme.
Im Zeitraum der
Gültigkeit dieses Abkommens werden
beide Seiten unter Berücksichtigung
ihrer gemeinsamen Interessen und der
finanziellen und technischen Voraussetzungen Verhandlungen über die Eröffnung von Kultur/Informationszentren in den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion führen, mit dem Ziel
der Unterzeichnung eines angemessenen
Abkommens durch die Regierungen beider Seiten.
Es wurde mit Befriedigung vermerkt, daß im Verlauf des Dialogs
beider Staatsmänner menschliche Kontakte und Austauschprogramme zwischen
nichtstaatlichen Organisationen erheblich zugenommen haben und zu einem
der lebendigsten Bestandteile in den
bilateralen
Beziehungen
geworden
sind. Sie bestätigten ihr Engagement
für den Ausbau solcher Austauschprogramme, die zum gegenseitigen Verständnis beitragen und begrüßten Pläne für zukünftige erweiterte Austauschprogramme junger Menschen. In
diesem Zusammenhang drückten sie ihre

Bereitschaft aus, das Konzept der
weiteren Erarbeitung von Austauschprogrammen für Schüler weiterführender Schulen in die Praxis umzusetzen.
Sie verwiesen auf jüngste gemeinsame
amerikanisch-sowjetische
Initiativen
in den Bereichen Kultur, Theater und
Film als Beispiele neuer Möglichkeiten der Zusammenführung von Menschen
aus kreativen Berufen.
Beide Staatsmänner bemerkten die
sich schnell intensivierenden Verbindungen zwischen beiden Ländern im
Sport, auch bei den jeweiligen nationalen olympischen Komitees und drückten ihre Unterstützung für die internationale olympische Bewegung aus,
die durch den Wettbewerb der Athleten
internationale Kooperation und Verständigung fördert.

Andere gemeinsame Aktivitäten
Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen auf den erfolgreichen Ausbau der Zusammenarbeit in
der Wissenschaft im Rahmen bilateraler Abkommen zum Umweltschutz, der
Medizin und
dem Gesundheitswesen,
Forschung und Entwicklung künstlicher
Herzen, Landwirtschaft
und Erforschung der Weltmeere, und sie bekundeten ihre Absicht zum weiteren Ausbau von Aktivitäten unter diesen Abkommen in den Bereichen, die für beide Seiten Nutzen bringen.
Der Präsident und der Generalsekretär verzeichneten erfreut die
Aufnahme der Arbeit an der Konzeption
eines Internationalen Thermonuklearen
Experimentellen Reaktors (ITER) unter
der Schirmherrschaft der Internationalen Atomenergiebehörde und unter
Beteiligung von Wissenschaftlern und
Experten aus den Vereinigten Staaten,
der Sowjetunion, den an der Atomenergie arbeitenden europäischen Ländern
und Japan. Beide Staatsmänner verwiesen auf die Bedeutung dieses nächsten Schritts zur Entwicklung der
Kernkraft als preiswerte, umweitfreudliche und Im wesentlichen unerschöpfliche Energiequelle zum Nutzen

- 10 -

�der ganzen Menschheit.
Der Präsident und der Ger.aralsekretär begrüßten die Übereinkunft
von Vertretern der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Kanadas und
Frankreichs, in nächster Zukunft das
weltraumgestutzte Such- und Rettungssystem zur weltweiten Rettung von
Menschenleben - COSPAS/SARSAT - zu
institutionalisieren.
Beide
Staatsmämmer
bekräftigen
erneut ihre Unterstützung für das
Ziel von WHO und UNICEF, das Ausmaß
der zu verhindernden Kindersterblichkeit mit den wirkungsvollsten Methoden zur Rettung der Kinder zu verringern. Sie drängten andere Länder und
die internationale Gemeinschaft, die
Anstrengungen zur Erlangung dieses
Ziels zu intensivieren.
Initiativen zum Klima auf der Erde
und zur Veränderung der Umwelt
Beide Staatsmänner drückten ihre
Befriedigung über die seit dem Gipfeltreffen in Washington unternommenen Aktivitäten zum Ausbau der Zusammenarbeit im Hinblick auf das Klima
auf der Erde und die Veränderung der
Umwelt aus, einschließlich der beide
Seiten betreffenden Bereiche wie Umweltschutz, insbesondere der Schutz
und die Erhaltung der Ozonschicht und
die mögliche Tendenz zur Erwärmung
des Klimas.
Sie betonten ihren
Wunsch zur aktiveren Nutzung der einzigartigen Möglichkeiten, die die
Weltraumprogramme beider Länder zur
Durchführung der weltweiten Beobachtung der Umwelt und der ökologischen
Bedingungen der Landmassen, Weltmeere
und der Erdatmosphäre bieten.
Sie
unterstrichen die Notwendigkeit der
zukünftigen Weiterführung bilateraler
und multilateraler Zusammenarbeit in
diesem wichtigen Bereich.

Initiative für mehr Zusammenarbeit
bei der zivilen Nutzung des Weltraums
Beide Staatsmänner erkannten das

seit langem bestehende Engagement
beider Länder für die Weltraumwissenschaft und die Erforschung des Alls
an und verwiesen auf die im Rahmen
der Gemeinsamen Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von 1987 über die Erforschung und Nutzung des Weltraums für
friedliche
Zwecke erzielten Fortschritte. In diesem Zusammenhang einigte man sich auf eine neue Initiative zum Ausbau der Zusammenarbeit im
Weltraum im zivilen Bereich durch die
Gewährung gegenseitiger Flugmöglichkeiten für wissenschaftliche Instrumente im jeweils anderen Raumfahrzeug
und durch den Austausch von Ergebnissen unabhängiger nationaler Studien
über zukünftige unbemannte Missionen
zur Erforschung des Sonnensystems.
Damit soll eine Beurteilung über die
zukünftige
amerikanisch-sowjetische
Zusammenarbeit bei solchen Missionen
ermöglicht werden. Beide Staatsmänner vereinbarten ebenfalls den erweiterten Austausch von Daten und Wissenschaftlern im Bereich der Weltraumwissenschaft sowie die Verbesserung des wissenschaftlichen Nutzens,
der aus den Forschungsmissionen beider Länder im Weltraum gezogen werden
kann.
Sie verwiesen auf wissenschaftliche Missionen zum Mond und
zum Mars als Bereiche möglicher bilateraler und internationaler Kooperation.

Kontakte und Kooperation am Nordpol
Beide Staatsmänner berücksichtigten die einzigartigen ökologischen
und
demographischen
Merkmale
des
Nordpols und bestätigten ihre Unterstützung erweiterter bilateraler und
regionaler Kontakte sowie der Zusammenarbeit in diesem Bereich.
Sie
verwiesen auf Pläne und Möglichkeiten
für mehr wissenschaftliche und ökologische Zusammenarbeit im Rahmen einer
Reihe bilateraler Abkommen sowie im
Rahmen eines Internationalen Komitees
zur Erforschung des Nordpols, der
Länder angehören, die Interessen in
der Region verfolgen. Sie haben ihre
Unterstützung für mehr menschliche

- 11 -

�Kontakte zwischen der Bevölkerung
Alaskas und der Sowjetunion bekundet.
Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen in diesem Zusammenhang auf die positive Rolle des
multilateralen
Antarktis-Vertrages
und betonten die Bedeutung der wissenschaftlichen und umweltpolitischen
Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in
dieser Region.

Wirtschaft und Handel
Beide Seiten bestätigten ihre
einhellige Unterstützung für den Ausbau von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zum beiderseitigen Nutzen
und verwiesen auf jüngste Aktivitäten
in diesem Bereich. Sie verliehen ihrer Überzeugung Ausdruck, wirtschaftlich lebensfähige und mit den Gesetzen und Bestimmungen beider Länder im
Einklang befindliche Joint Ventures
könnten bei der weiteren Entwicklung
der Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle
spielen. Sie begrüßten die Ergebnisse der Zusammenkunft der Gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Wirtschaftskommission im April und bemerkten mit Befriedigung die Schaffung von Arbeitsgruppen im Rahmen der
Kommission, mit denen bessere Bedingungen hervorgebracht werden sollen,
im Rahmen derer sich ein für beide
Seite vorteilhafter Handel entwickeln
kann. Unter Verweis auf die Gemeinsame Erklärung von 1974 sowie das
Protokoll mit dem Anhang des langfristigen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union Sozialistischer Sowjetrepubliken zur Erleichterung wirtschaftlicher, industrieller und technischer
Zusammenarbeit, das beim Abschluß der
Geraeinsamen
Wirtschaftskommission
veröffentlicht wurde, kam man überein, daß die Kommission weiterhin zusammentreffen sollte, ,um auf den bisherigen Impulsen aufzubauen.
Beide Staatsmänner verwiesen auf
den Ausbau der Beziehungen zwischen
Aeroflot und Pan American Airlines
- 1

unter dem zwischen beiden Regierungen
geschlossenen Abkommen über den zivilen Luftverkehr als positives Beispiel der Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen.

Austausch über
Konsulate/Diplomatische und
konsularische Vertretungen
Der Präsident und der Generalsekretär bestätigten ihre Vereinbarung, in Kiew und New York Generalkonsulate zu eröffnen, sobald dies
praktikabel ist.
Beide
Staatsmänner
erörterten
Fragen im Hinblick auf die Gewährleistung angemessener und sicherer Bedingungen für amerikanische und sowjetische diplomatische und konsularische Einrichtungen und deren Personal auf dem Territorium des anderen.
Sie waren sich über die Notwendigkeit
einig, Fragen zu diesem Problemkreis
konstruktiv und auf der Basis der Gegenseitigkit anzugehen.

Zukünftige Treffen
Der Präsident und der Generalsekretär erkennen die Bedeutung ihrer
persönlichen Beteiligung an der Entwicklung der Beziehungen in den kommenden Monaten und wiesen die Außenminister Shultz und Schewardnadze an,
sich gegebenenfalls zu treffen und
ihnen Möglichkeiten vorzuschlagen, um
weitere praktische Fortschritte bei
der gesamten Bandbreite von Themen zu
gewährleisten.
Kontakte auf Expertenebene werden auf einer intensivierten Grundlage weitergeführt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
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"""

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

8. Juni 1988

22

DIE VEREINBARUNGEN ÜBER DAS GEMEINSAME AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
VERIFIZIERUNGSEXPERIMENT
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Die folgende Übersicht zu den Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische Verifizierungsexperiment (JVE) wurde am 31. Mai 1980 in Moskau vom Weißen Haus veröffentlicht:

Die Arbeitsgruppe Sicherheit und
Rüstungskontrolle hat die technischen
Einzelheiten des Gemeinsamen Verifizierungsexperiments
fertiggestellt,
und damit können wir diese Vereinbarungen heute unterzeichnen.
Dies ist ein bedeutender Schritt
zu einem Abkommen über effektive Verifizierungsmaßnahmen, die uns die
Ratifizierung des Schwellenvertrages
(TTBT) und des Vertrages über Kernexplosionen
zu
friedlichen
Zwecken
(PNET) erlauben würden.
Die Vereinbarungen über das JVE
werden jeder Seite eine Gelegenheit
bieten, den Detonationswert einer
Kernexplosion der jeweils anderen
Seite zu messen und dabei jeweils das
eigene, bevorzugte Verfahren anzuwen-

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den.
Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß bei Abschluß des JVE-Prozesses zu dem auch die Auswertung durch jede
Seite und der Austausch von Daten gehören - die Sowjets in der Lage sein
werden, die routinemäßige Anwendung
des CORRTEX-Verfahrens als angemessene Verifizierungsmethode der Vereinigten Staaten zu akzeptieren. Wir
hoffen, daß das JVE diesen Sommer abgeschlossen werden kann.
Die
technischen
Vereinbarungen
umfassen ca. 160 Seiten, darunter 37
Anhänge. Die beiden durchzuführenden
Tests werden über 100 Kilotonnen und
annähernd bei der TTBT-Obergrenze von
150 Kilotonnen liegen. Der amerikanische Test wird auf dem Versuchsge-

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Tel.: 0228-339 2035
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�lande in Nevada, der sowjetische Test
auf dem Versuchsgelände von Semipalatinsk stattfinden.

* * * * *

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AMERIKA DIENST

Ä&lt;

Hintergrundmaterial
8. Juni 1988

22

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE
FRIEDLICHE NUTZUNG DER KERNENERGIE
- Eine Übersicht Die nachfolgende Übersicht zum amerikanisch-sowjetischen Abkommen über die
Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde am 31. Mai
vom Weißen Haus in Moskau veröffentlicht.

Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über wissenschaftliche und
technische Zusammenarbeit im Bereich
der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde in seiner Urfassung im Juni
1973 von Präsident Nixon und Generalsekretär
Breschnew
unterzeichnet.
Der Energiebehörde obliegt die Verwirklichung der Zusammenarbeit, und
sie trägt die Verantwortung im Hinblick auf den Ablauf und die Oberaufsicht der amerikanischen Beteiligung
an Aktivitäten gemäß diesem Abkommen.
Das Abkommen sieht die Zusammenarbeit in den Bereichen Kernschmelzung und Hochenergiephysik vor und
wird weiterhin als Grundlage für zukünftige bilaterale Aktivitäten zur
zivilen Nutzung der Kernenergie dienen. Beim Abschluß des siebten Tref-

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Embassy of the United States of America

fens des gemeinsamen Ausschusses für
das Abkommen am 2. Mai 1988 in Washington beschlossen beide Seiten
eine einjährige Verlängerung des Abkommens, damit Zusatzartikel zur Urfassung beschlossen werden konnten,
einschließlich solcher Bestimmungen
zum zusätzlichen
Schutz geistigen
Eigentums.
Beide Seiten bekundeten
nach Vereinbarung der Zusatzartikel
ihr Interesse an der Verlängerung des
Abkommens für einen Zeitraum von fünf
bis zehn Jahren.
Sie vereinbarten
ebenfalls neue Arbeitsprogramme zur
Kernschmelzung und Physik und unterzeichneten eine neue Gemeinsame Vereinbarung über die Sicherheit von
Atomreaktoren im zivilen Bereich, die
damit in Kraft trat.
Angesichts

der sich

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aus diesem

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�seit langem bestehenden Abkommen ergebenden Vorteile und im Hinblick auf
die Bedeutung der neuen Übereinkunft
über Sicherheit von Atomreaktoren
kamen beide Seiten überein, die Verlängerung mit einem Austausch diplomatischer Noten anläßlich des Besuchs
von Präsident Reagan in der Sowjetunion zu vollziehen.

* * * * *

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Hintergrundmaterial
8. Juni 1988

22

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ZUR
ZUSAMMENARBEIT IM WELTRAUM
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht über das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum wurde vom Weißen Haus am 31. Hai in Moskau herausgegeben :
Im April 1987 unterzeichneten der
amerikanische
Außenminister
Shultz
und der sowjetische Außenminister
Schewardnadse das Abkommen zur Zusammenarbeit bei der Erforschung und
Mutzung des Weltraums zu friedlichen
Zwecken. Das Abkommen sieht die Einrichtung von fünf gemeinsamen Arte itsgruppen auf den Gebieten der Erforschung des Sonnensystems, Weltraum-Astronomie und Astrophysik, Geowissenschaften,
Sonnenphysik
mit
Rückwirkung auf die Erde (solar terrestrial physics), sowie der Weltraumbiologie und -medizin vor. Sämtliche
fünf Arbeitsgrupen haben Sitzungen
abgehalten. Ihre Tagesordnungen basierten auf mindestens einem der ursprünglichen 16 gemeinsamen Projekte,
die im Anhang des Weltraumabkommens
aufgelistet sind.

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Embassy of the United States of America

Angesichts der im Rahmen des
Weltraumabkommens
erzielten
Fortschritte haben beide Seiten vereinbart, die Zusammenarbeit bei der
Weltraumwissenschaft
kontinuierlich
auszuweiten. Sie kamen überein, den
Austausch von Daten aus der Weltraumwissenschaft und von Wissenschaftlern
zu verstärken und gegenseitig Möglichkeiten des Transports von wissenschaftlichen Instrumenten in den bemannten oder unbemannten Raumtransportern beider Seiten einander anzubieten. Schließlich haben sie sich
dazu verpflichtet, die Ergebnisse unabhängiger nationaler Studien über
zukünftige unbemannte Missionen zur
Erforschung des Sonnensystems auszutauschen, um mit deren Hilfe die Aussichten auf eine zukünftige amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei
derartigen Missionen zu bewerten.

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Wissenschaft und Technik

8. Juni 1903

22

BIOTECHNIK - EINE ZUKUNFTSINDUSTRIE
- OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen -

Das Amt für Technologiebewertung
(Office of Technology Assessment OTA) , eine Forschungsinstitut des
US-Kongresses hält Umweltprobleme infolge der Freisetzung genetisch veränderter Organismen bei begrenzten
Tests außerhalb von Laboratorien für
unwahrscheinlich. Das geht aus einem
Bericht hervor, der die Ergebnisse
einer von OTA durchgeführten Dreijahresstudie
zusammenfaßt.
Damit
liegt die gründlichste Analyse im
Hinblick auf mögliche Probleme vor,
die durch das Einbringen künstlich
erzeugter Organismen in die Umwelt
entstehen könnten. Die gegenwärtig
üblichen Prüfungsverfahren für die
Felderprobung genetisch manipulierter
Lebensformen reichen demnach aus, um
die meisten denkbaren Probleme im voraus zu erkennen und zu verhindern.

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Embassy of the United States of America

Luther Val Giddings, der Leiter der
Wissenschaftlergruppe, sieht jedoch
keine Gewähr dafür, daß dies mit
fortschreitender Technik und ehrgeizigeren
Anwendungsversuchen
auch
künftig der Fall sein wird.
Gentechnik zielt darauf ab, die
Erbsubstanz lebender Zellen so zu
verändern, daß diese neue Substanzen
produzieren oder neue Funktionen erfüllen können. Genetisch veränderte
Organismen dienen den verschiedensten
Zwecken - beispielsweise der Gewinnung von Vakzinen zum Schutz von
Mensch und Tier, der Züchtung neuer
Pflanzensorten mit verbesserter Resistenz gegen Krankheiten, Schädlinge
und Herbizide, der Produktion von Mikroben,
die
Ernteverluste
durch
Frosteinwirkung verringern oder durch

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�den Abbau toxischer Abfälle die Qualität der Umwelt verbessern.
Manche Wissenschaftler und Umweltschutzgruppen äußerten sich besorgt, einmal freigesetzte veränderte
Mikroben könnten sich vermehren und
ausbreiten und dann vielleicht andere
Organismen schwer schädigen oder empfindliche ökologische Systeme aus
dem Gleichgewicht bringen. Der OTABericht schließt potentielle Risiken
nicht aus: "Praktisch jeder Organismus, der in eine neue Umgebung gelangt, wird eine geringe, aber doch
reale Chance zu überleben und zur
Vermehrung haben. Das könnte in manchen Fällen unerwünschte Konsequenzen
haben". Jedoch seien solche Sorgen
eher bei irgendwann in der Zukunft zu
erwartenden großräumigen Tests oder
kommerzieller Anwendung berechtigt.
"In der Tat dürften begrenzte,
kleine Feldtests der einzige Weg
sein" - sagen die Verfasser des Berichts - "um Unsicherheiten in bezug
auf diese oder jene kommerzielle Anwendung genetisch veränderter Organismen zu klären. Ergeben sich dabei
keine
besorgniserregenden
Fragen,
dürfte aus wissenschaftlicher Sicht
kein Grund bestehen, Feldtests oder
die Anwendung
in größerem Rahmen
nicht in Angriff zu nehmen". Vor
einem Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses verwies Giddings darauf,
es sei für die zuständigen Behörden
wichtig, wenn auch schwierig, die
richtige Mischung von Vorsicht und
sachgerechter Beurteilung zu finden,
so daß kein ehrgeiziges Projekt ohne
angemessene Überprüfung "durchschlüpfen" könne.
Seit Oktober 1986 haben das USLandwirtschaftsministerium
und
die
Bundesumweltschutzbehörde
EPA
34
Feldtests mit genetisch veränderten
Mikroben oder Pflanzen genehmigt.
Als erstes Unternehmen erhielt im
April vergangenen Jahres eine kalifornische Biotechnikfirma die Erlaubnis zu einem Freilandtest mit genetisch veränderten Bakterien, die Erdbeerpflanzen vor Frostschäden bewah-

ren sollten. Inzwischen wurde Anträgen von zwei weiteren Biotechnik-Firmen stattgegeben; über den Antrag
eines vierten Unternehmens auf Erprobung eines gentechnisch produzierten
Pestizids zum Schutz von Mais, soll
in allernächster
Zeit entschieden
werden.
Der
Kongreßabgeordnete
James
Scheuer, Vorsitzender des Unterausschusses für Natürliche Ressourcen,
Agrarforschung und Umwelt, äußerte
allerdings "ernste Besorgnis", ob die
von Bundesbehörden erlassenen Vorschriften im Zusammenhang mit der
Freisetzung genetisch veränderter Organismen den Problemen gerecht werden. "Von konkreten, klaren Verwaltungsvorschriften für biotechnische
Produkte scheinen wir noch weit entfernt zu sein", meinte er. "Dennoch
werden solche Produkte weiterhin geprüft und ihre Freisetzung erlaubt.
Diese Situation dürfte in Zukunft bei
dem erwarteten dramatischen Anstieg
angewandter Biotechnik nicht befriedigend sein."
Die Biotechnik gilt als eine
künftige Schlüselindustrie. Aus diesem Grund kommt nach Ansicht führender Persönlichkeiten in der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS) den Aktivitäten von
Kongreß und Regierung zum Schutze der
Öffentlichkeit,
gleichzeitig
aber
auch zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit
der
amerikanischen
Wirtschaft, ganz besondere Bedeutung zu.
Die Akademie kann eine nützliche Rolle spielen, indem sie den Politikern
hilft, zwischen echten und hypothetischen Problemen
zu unterscheiden.
Der NAS-Ausschuß, der im August 1987
einen Bericht zum Thema der Anwendung
gentechnisch
erzeugter
Organismen
veröffentlicht hatte, befürwortet ein
Klassifizierungssystem,
mit
dessen
Hilfe abgeschätzt werden kann, ob genetisch veränderte Organismen, deren
Freisetzen beabsichtigt ist, ein Risiko darstellen. Dieses System könnte z.B. an der Art der durch genetische Manipulation eingeführten Funktionen, an der natürlichen Umwelt und

�den ökologischen Merkmalen der betreffenden Organismen und an den Gegebenheiten des Gebietes orientiert
sein, in dem die Organismen freigesetzt werden sollen .
* * * * *

- 3 -

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AMERIKA DIENST
A

Wissenschaft und Technik

8. Juni 1988

22

ERREGER DER NON-A-NON-B HEPATITIS ENTDECKT
- Bluttests in der Erprobung -

Das dritte Hepatitis-Virus, das
sich im Gegensatz zu den Typen A und
B lange Zeit dem mikrobiologischen
Nachweis entzog, wurde endlich identifiziert. Wissenschaftler der Chiron-Corporation, eines Biotechnik-Unternehmens im Emeryville (Kalifornien) , berichteten kürzlich auf einem
wissenschaftlichen Symposion der Universität Kalifornien in San Francisco
über ihre Entdeckung. Zusammen mit
Forschern der Zentren für Seuchenüberwachung in Atlanta (Georgia) wurden Teile des Erregers sogar schon
kloniert, so daß Aussicht besteht,
Spenderblut auf Verseuchung durch Hepatitis-Viren vom Typ Non-A-non-B testen zu können. Fast 95 Prozent der
Leberentzündungen nach Bluttransfusionen gehen auf das Konto dieses Erregers. Mehr als 15 Jahre lang war

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in vielen Laboratorien der Welt an
seiner
Identifizierung
gearbeitet
worden. Da keine Züchtung auf Gewebekulturen gelang und die herkömmlichen Tiermodelle sich als nutzlos erwiesen, war er nur indirekt, nämlich
durch Ausschließen einer Infektion
mit Viren von Typ A und Typ B, nachweisbar.
Die auf dem Blutwege oder durch
engen persönlichen Kontakt übertragene Infektion ist weltweit ein Problem, vor allem in westlichen und
asiatischen Ländern.
Nach Angaben
der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes
of Health - NIH) erkranken in den USA
jährlich bis zu 150 000 Personen infolge einer Bluttransfusion an einer
Leberentzündung, die auf der Infek-

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Tel.: 0228-339 2035
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�tion mit dem Non-A-non-B-Virus beruht. Und pro Woche kommen zu den
Fällen von chronischer Hepatitis, die
auf eine Transfusion zurückzuführen
sind, 1500 neue hinzu.
Edward E. Penhoet, Präsident der
Chiron-Corporation, verwies auf einer
Pressekonferenz in Washington darauf,
daß "unsere Entdeckung und die sich
daran anschließenden Arbeiten einen
bedeutsamen Schritt darstellen, der
Millionen von Menschen zugute kommen
wird". Gegenwärtig werden mit einem
Prototypverfahren
zur
Untersuchung
von Blut auf Antikörper gegen den
dritten Hepatitis-Virustyp und damit
zur Feststellung einer Infektion präklinische
Tests
durchgeführt.
Penhoet ist zuversichtlich, daß die
Behörde für Nahrungsund Arzneimittelüberwachung (FDA) noch in diesem Jahr
die Aufnahme klinischer Tests genehmigen wird. Gegenwärtig gibt es in
den Blutbanken, in Krankenhäusern
oder an anderen Stellen noch keine
Möglichkeit,
Non-A-non-B-Hepatitis
Infektionen direkt zu diagnostizieren. Die Symptome können sich als
milde bis schwere Gelbsucht, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit und
Mattigkeit äußern.
In der chronischen Form kann es zu Lebernekrose
und Leberzirrhose wie auch zu primärem Leberkrebs kommen.
Sobald das neue Verfahren zugelassen und verfügbar ist, könnten
Blutbanken mit einem relativ einfachen Test infiziertes Blut herausfinden. Durch Klonieren bzw. Genisolierung läßt sich Penhoet zufolge das
bei dem Bluttest verwendete Virusprotein reproduzieren.
Außerdem wird
das neue Verfahren die Ärzte in die
Lage versetzen, bei Patienten mit Hepatitissymptomen,
die
verschiedene
Ursachen haben können, exakte Diagnosen zu erstellen und den Verlauf der
Erkrankung während der Therapie zu
kontrollieren. Die Forschungen wurden von der Chiron-Tochterfirma Biocine Company durchgeführt, deren Wissenschaftler mit Ciba-Geigy in Basel
zusammenarbeiten.

- Hepatitis-B Chiron entwickelte auch als erstes Unternehmen auf gentechnischem
Wege eine Vakzine zur aktiven Schutzimpfung gegen Hepatitis-B.
Schätzungsweise 200 Millionen Menschen,
meist in Entwicklungsländern, sind
mit Hepatitis-B infiziert. Die aktive Vakzine wird, da sie sehr kostspielig ist, meist nur bei besonders
exponierten Personen, z.B. im Gesundheitsdienst, durchgeführt.
Es gibt
auch eine passive Immunprophylaxe,
die einige Monate lang bei Infektionen vor der schweren Form einer Hepatitis-B-Erkrankung schützt.

•
i

Wissenschaftler der Universität
Kalifornien in Davis setzten sich
jetzt dafür ein, Tests auf Hepatitis-B-Infektion bei Neugeborenen routinemäßig durchzuführen, um die Babies sofort zu immunisieren und damit
"unsägliches Leid und jährlich Kosten
von Millionen von Dollars zu ersparen".
Gegenwärtig werden, so Dr.
Jose A. Arevalo, nur Schwangere auf
Hepatitis-B getestet, die als "großes
Risiko" gelten. Wird dieses Kriterium jedoch als einziger Indikator
benutzt, übersieht man bis zu 50 Prozent chronisch infizierter schwangerer Frauen. Betrachtet man die direkten und indirekten Kosten der Erkrankungen, so sind Test-und Immunisierungsprozeduren mehr als gerechtfertigt.

- 2 -

* * * * *

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              <text>Amerikadienst 08.06.1988</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen führte zu "erweitertem Dialog"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische&lt;br /&gt;Verifizierungsexperiment&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der Kernenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Biotechnik - eine Zukunftsindustrie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erreger der Non-A-non-B Hepatitis entdeckt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bluttests in der Erprobung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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