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                  <text>AMERIKA DIENST
\ o N

V

4

21

1 . Juni

1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
- Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge
Der Krieg zwischen Iran und Irak
- Ein Überblick Der Nahost-Friedensprozess
- Ein Überblick Der KSZE-Prozess
- Eine Ü b e r s i c h t Die B e r l i n I n i t i a t i v e
- Eine Ü b e r s i c h t -

\

Regionaler Dialog
- Eine Ü b e r s i c h t -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

VON

1. Juni 1988

21

VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN
- Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge -

Der folgende Abriß amerikanischer und sowjetischer Vorschläge bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen gibt den Stand vom 6. Mai 1988 wieder.
Verhandlungen über die Verringerung
strategischer Rüstungen - START
Vereinigte Staaten
Allgemeine Haltung
50prozentige stufenweise Reduzierung strategischer Offensivwaffen bis
auf einen Gleichstand im Zeitraum von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrages.
Das Abkommen ist nicht abhängig
von der Lösung anderer Probleme ausserhalb der START-Verhandlungen.

50prozentiger Abbau strategischer
Offensivwaffen bis auf einen Gleichstand in zwei Phasen über einen Zeitraum von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages, mit nachfolgenden Verhandlungen über zusätzliche
Reduzierungen.
Die Durchführung der 50prozentigen Reduzierung ist abhängig von der
Lösung des Problems der Verteidigung
im Weltraum (DDS).

Vereinigte Staaten
Trägersysteme

Sowjetunion
Allgemeine Haltung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Eine Obergrenze von 1 600 stationierten offensiven strategischen Trägersystemen in Form von stationierten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Interkontinentalraketen (ICBMS), stationierten U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) und schweren
Bombern.

Untergrenze von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen,
gleiche Gefechtskopfuntergrenzen für
ICBMs und SLBMs sowie eine Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf Bombern.

Sowjetunion
Trägersysteme

Vereinigte Staaten

Eine Obergrenze von 1 600 stationierten offensiven strategischen Trägersystemen in Form von stationierten
Abschußvorrichtungen für ICBMs und
SLBMs und stationierten schweren Bombern.

Schwere ICBMs
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren
ballistischen Raketen.
Verbot von
Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer oder existierender
Typen schwerer ICBMs.

Vereinigte Staaten
Gefechtsköpfe

Sowjetunion

Eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe auf ICBMs
und SLBMs und atomar bewaffneten
ALCMs (luftgestützten Marschflugkörpern) großer Reichweite; jeder nur
mit Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite (SRAMs) ausgerüstete schwere Bomber zählt als ein
Gefechtskopf.

Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen auf 154 stationierten schweren
ICBMs.
Produktion,
Flugerprobung
oder Modernisierung existierender Typen schwerer ICBMs ist erlaubt. Entwicklung, Erprobung und Stationierung
neuer Typen schwerer ICBMs ist verboten.

Sowjetunion

Vereinigte Staaten

Gefechtsköpfe
Identisch mit der
Vereinigten Staaten.

Schwere ICBMs

Wurfgewichte
Position der

Vereinigte Staaten
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen
Untergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und
3 000 - 3 300 Gefechtsköpfen auf
ICBMs.
Sowjetunion
Untergrenzen bei Gefechtsköpfen

Die Wurfgewichte der sowjetischen
ICBMs und SLBMs zusammengenommen werden um 50 Prozent unter das gegenwärtig
bestehende
Niveau
reduziert.
Während der Geltungsdauer des Vertrages wird keine Seite dieses Niveau
überschreiten.

Sowjetunion
Wurfgewichte
Im Prinzip identisch mit der Position der Vereinigten Staaten, aber
beide Seiten müssen sich darauf verständigen, wie diese Verpflichtung
schriftlich niedergelegt werden soll.

�Vereinigte Staaten
Gefechtsköpfe
Raketen

auf

ballistischen

Für die bestehenden Typen wird
eine Quote von Inspektionen vor Ort
festgesetzt, um zu verifizieren, daß
die beim Washingtoner Gipfel deklarierte und vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen
nicht
überschritten
wird.
Für zukünftige Typen sowie
Veränderungen bei der Zahl der Gefechtsköpfe auf bestehenden Typen
müssen
die
Verfahrensweisen
noch
festgelegt werden.

Sowjetunion
Gefechtsköpfe
Raketen

auf

ballistischen

Inspektionen vor Ort sind nur
dann erlaubt, wenn eine Seite eine
Zahl von Gefechtsköpfen angibt, die
das Maximum der erprobten Gefechtsköpfe unterschreitet.

klearwaffen (SNDV).
Jeder nur für
Freifallbomben
und
Angriffsraketen
kurzer Reichweite ausgerüstete schwere Bomber würde im Rahmen der Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen als
ein Gefechtskopf zählen.
Sowjetunion
Schwere Bomber
Die sowjetische deckt sich
der amerikanischen Position.

mit

Vereinigte Staaten
ALCMs
Luftgestützte
Marschflugkörper
(ALCMs) werden als luftgestützte, nuklearbestückte riarschflugkörper mit
einer Reichweite von 1 500 Kilometern
definiert. Jedem für ALCMs ausgerüsteten schweren Bomber wird eine vereinbarte Anzahl von ALCMs zugeschrieben, damit gegen die Obergrenze von
6 000
Gefechtsköpfen
aufgerechnet
werden kann.
Sowjetunion
ALCMs

Vereinigte Staaten
Mobile ICBMs
Sind verboten, falls es nicht gelingt, das Problem der Verifizierung
zu lösen.

Sowjetunion

ALCMs werden als luftgestützte
Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 600 Kilometern definiert.
Die Anzahl der einem ALCM- fähigen
schweren Bomber zugerechneten ALCMs
soll maximal so hoch sein wie die
Zahl, für die der jeweilige Typ ausgerüstet ist. Die Anzahl der nuklearbestückten ALCMs soll reduziert
werden.

Mobile ICBMs
Vereinigte Staaten
Sind erlaubt, mit Begrenzung für
Abschußvorrichtungen und Gefechtsköpfe.

Vereinigte Staaten
Schwere Bomber
Jeder schwere Bomber zählt als
ein TrägerSystem für stragegische Nu-

SLCMs
Beide
Vertragsparteien
werden
eine für beide Seiten annehmbare Lösung zur Begrenzung der Stationierung
nuklearbestückter
SLCMs
längerer
Reichweite (seegestützten Marschflugkörpern) erarbeiten. Solche Begrenzungen bedeuten nicht, daß diese
SLCMs im Rahmen der Obergrenzen von

- 3 -

�6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen offensiven TrägerSystemen
gezählt werden.
Beide Seiten verpflichten sich zur Schaffung von
Obergrenzen für diese Raketen und zur
Erarbeitung für beide Seiten annehmbarer und wirksamer Methoden zur Verifizierung
solcher
Begrenzungen.
Dazu zählen Nationale Technische Mittel (NTM), kooperative Maßnahmen und
Vor-Ort-Inspektionen. Bisher konnten
die Vereinigten Staaten keinen wirksamen Ansatz zur Verifizierung der
SLCMs erkennen.

nierung von Systemen vermutet. Einzelheiten müssen noch ausgearbeitet
werden.
Sowjetunion
Verifizierung der Einhaltung
Im Prinzip ist die sowjetische
Position mit der amerikanischen identisch. Bei den Einzelheiten sind jedoch beträchtliche Abweichungen festzustellen. Die sowjetischen Punkte
sind für eine wirksame Verifizierung
nicht geeignet.

Sowjetunion
SLCMs
Bei den SLCMs werden besondere
Begrenzungen des Streitkräfteniveaus
auf 400 nuklearbestückte und 600 konventionell bestückte SLCMs vorgenommen. Die Sowjets haben bisher jedoch
keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen ausgemacht. Der sowjetische Ansatz würde ferner die amerikanische
Politik unterminieren, die Präsenz
von Nuklearwaffen an einem bestimmten
Standort weder zu bestätigen noch zu
dementieren.
Dieses Konzept bildet
einen bedeutenden Stützpfeiler der
Abschreckung.
Vereinigte Staaten
Verifizierung der Einhaltung
Die Punkte müssen mindestens folgendes enthalten:
Sowohl vor als
auch nach den Reduzierungen findet
ein Datenaustausch statt sowie Vorort- Inspektionen
zur
Verifizierung
des Datenaustausche und zur Beobachtung der Beseitigung von Waffen ebenso wie von Vor-Ort-Überwachungen des
Zugangs und Geländes der entscheidenden Produktionsstätten. Ferner finden sowohl während als auch nach dem
Reduzierungszeitraum kurzfristig anberaumte Inspektionen von Standorten
statt, an denen sich durch den Vertrag begrenzte Systeme befinden sowie
von Standorten, an denen eine Vertragspartei die geheime Produktion,
Lagerung, Instandsetzung oder Statio-

DDS
Vereinigte Staaten
Allgemeine Haltung
Das Thema der Verteidigung im
Weltraum wird in einem aus der beim
Washingtoner Gipfel abgegebenen Gemeinsamen Erklärung hervorgegangenen
Vertrag behandelt.
Die Vereinigten
Staaten haben am 22. Januar 1988
einen Vertragsentwurf zu DDS unterbreitet.
Sowjetunion
Allgemeine Haltung
Das Thema der Verteidigung im
Weltraum wird in einem neuen und getrennten Abkommen behandelt, das auf
die Gemeinsame Erklärung des Washingtoner Gipfels aufbaut. Die Sowjetunion hat am 22. April 1988 den Entwurf zu einem Abkommen vorgelegt.
Vereinigte Staaten
Verpflichtung
vom ABM-Vertrag

zum

Nichtrücktritt

Das Abkommen würde beide Seiten
zur Einhaltung des ABM-Vertrags in
der 1972 unterzeichneten Fassung verpflichten, während sie die notwendige
und vom ABM-Vertrag genehmigte Forschung, Entwicklung
und Erprobung
durchführen und nicht für einen be-

�stimmten Zeitraum zum Zwecke der Stationierung
strategischer
Verteidigungssysteme oder zum Erwerb strategischer Verteidigungsfähigkeiten vom
ABM-Vertrag zurückzutreten.
Sowjetunion
Verpflichtung
vom ABM-Vertrag

zum

Nichtrücktritt

Das Abkommen würde beide Seiten
zur Einhaltung des ABM-Vertrages in
der 1972 unterzeichneten Fassung verpflichten, während sie die notwendige
und im ABM-Vertrag genehmigte Forschung, Entwicklung
und Erprobung
durchführen und für einen festgelegten Zeitraum (9-10 Jahre) aus keinerlei Gründen vom ABM-Vertrag zurückzutreten.
(Die Sowjets halten sich
weiterhin an eine Auslegung des AMBVertrags, die restriktiver als die im
Jahr 1972 von den Vertragsparteien
vereinbarte Fassung ist).
Vereinigte Staaten
Maßnahmen nach Ablauf der vertraglich festgelegten Geltungsdauer
Intensive
Gespräche
über
das
strategische
Gleichgewicht
sollten
nicht später als drei Jahre vor Ablauf eines bestimmten Zeitraums beginnen.
Falls die Vertragsparteien
nichts anderes vereinbart haben, kann
jede Seite nach Ablauf dieses Zeitraums frei über ihr weiteres Vorgehen
entscheiden.
Jeder
Vertragspartei
steht es frei, die Stationierung von
Verteidigungssystemen gegen strategische Raketen zu wählen, die nicht unter den ABM-Vertrag fallen, nachdem
sie die andere Vertragspartei sechs
Monate vorher schriftlich von dieser
Absicht in Kenntnis gesetzt haben.
(Die Vereinigten
Staaten
streben
einen gemeinsamen Übergang zu eher
auf Verteidigung gestützte strategische Maßnahmen an, für den Fall, daß
wirksame strategische Verteidigungssysteme sich als realisierbar erweisen) .
Sowjetunion

Maßnahmen nach Ablauf der vertraglich festgelegten Coltungsdauer
Eingehende Gespräche über strategische Stabilität sollen nicht später
als drei Jahre vor Ende des vereinbarten Zeitraums aufgenommen werden.
(Sowjetischen
Vorschlägen
zufolge
soll das Ziel der Gespräche die Erlangung eines Abkommens über die
"weitere Stärkung der strategischen
Stabilität" sein; die Beteiligten
würden die "Probleme der Raketenabwehr unter Berücksichtigung der sich
durch Reduzierungen strategischer Offensivwaffen ergebenden neuen Situation" diskutieren".)
Im Falle, daß
nach Ablauf des Vertrages über Verteidigung im Weltraum im Rahmen dieser Gespräche keine anderslautenden
Vereinbarungen getroffen werden, soll
jede Seite ihre zukünftigen Vorgehensweisen im Hinblick auf den ABMVertrag und den START-Vertrag selbst
bestimmen, vorbehaltlich der Einhaltung entsprechender Bestimmungen dieser Verträge.
Vereinigte Staaten
Inkrafttreten, Dauer, Koppelung
Inkrafttreten abhängig vom Inkrafttreten des START-Vertrages; der
DDS-Vertrag wäre unbegrenzt gültig,
wobei ein "näher zu bezeichnender
Zeitraum" des Nichtrücktritts vom
ABM-Vertrag auszuhandeln wäre, ferner
die Einhaltung des ABM-Vertrages in
diesem Zeitraum. Dies gilt, bis sich
eine Seite zu einer anderen Vorgehensweise entschließt.
Sowjetunion
Inkrafttreten, Dauer, Koppelung
Dieses Abkommen würde gleichzeitig mit dem START-Abkommen in Kraft
treten.
Die Sowjets schlagen vor,
das Abkommen solle am Ende seiner
vertraglich vorgesehenen Geltungsdauer auslaufen. Das START-Abkommen ist
außer Kraft gesetzt, wenn irgendeine
Partei den ABM-Vertrag oder dieses

- 5 -

�Abkommen verletzt.

Verteidigung,
gegenseitige Besuche einschlägiger Forchungseinrichtungen, und
gegenseitige Beobachtung von Erprobungen im Rahmen der strategischen Verteidigung.

Vereinigte Staaten
Rücktr ittsrechte
Die Vereinigten Staaten bestehen
darauf, daß den Beteiligten die aufgrund des Völkerrechts zuerkannten
Rechte
zum
Rücktritt
vorbehalten
bleiben, - etwa solche, die im Fall
der Gefährdung höchster Interessen
einer Seite wahrgenommen werden könnten - sowie das Recht auf Kündigung
und vorläufige Aufhebung, wenn der
Vertrag tatsächlich gebrochen wird.

Sowjetunion
Berechenbarkeit
Die Sowjets gehen über die Gemeinsame Erklärung des Washingtoner
Gipfels hinaus nicht auf Berechenbarkeit ein. Im Rahmen eines am 12.
April 1988 vorgelegten Verifizierungsprotokolls fordern sie jedoch:

Sowjetunion
einen Informationsaustausch zur
Klärung zweifelhafter Situationen,
Datenaustausch im Hinblick auf
bestimmte Vorrichtungen, die im
Weltraum stationiert werden sollen,
Inspektion bestimmter Gelände und
Einrichtungen, die im Hinblick
auf die Einhaltung des ABM-Vertrages Anlaß zur Besorgnis geben,
und
die Lösung von Fragen der Einhaltung im Ständigen Konsultativausschuß .

Rücktr ittsrechte
Die Sowjets schlagen eine "bedingungslose" Verpflichtung
für
den
Nichtrücktritt vor, derzufolge eine
Partei keinerlei Gründe für den Rücktritt vom Vertrag geltend machen kann.
Vereinigte Staaten
Berechenbarkeit
Die Beteiligten werden Möglichkeiten erörtern, um die Berechenbarkeit in der Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
im
strategischen Bereich unter der Bedingung strategischer Stabilität zur
Reduzierung des Risikos eines Nuklearkrieges zu gewährleisten.
Im
Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen
und um für die strategischen Verteidigungsprogrammen der jeweils anderen
Seite Berechenbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen, haben die
Vereinigten Staaten am 15. März 1988
ein Protokoll über die Berechenbarkeit vorgelegt, in dem folgende Punkte gefordert werden:
jährlicher Austausch von Datenmaterial über geplante Aktivitäten
im Bereich der strategischen Verteidigung,
gegenseitige
Informationsgespräche über die jeweiligen Bemühungen im Bereich der strategischen

INF
Die Verhandlungen über Mittelstreckenwaffen sind erfolgreich abgeschlossen worden.
Am 8. Sezember
1987 haben Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow den INF-Vertrag
unterzeichnet.
Der
Vertrag
sieht die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen Mittelstrekkenraketen der Reichweiten von 500
bis 5 500 Kilometern sowie die Abschaffung oder den Umbau damit in Zusammenhang
stehender
Einrichtungen
innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten vor. Der Vertrag verbietet die gesamte Produktion und Flugerprobung dieser Raketen unmittelbar
nach seinem Inkrafttreten. Nach erfolgter Beseitigung wird der Vertrag
alle Einrichtungen zur Stationierung,
Lagerung, Wartung und Produktion die-

�ser Raketensysteme verbieten.
Der
Vertrag enthält die überzeugendsten
Verifizierungsbestimmungen in der Geschichte der Rüstungskontrolle, einschließlich verschiedener Arten von
kurzfristigen Inspektionen sowie auch
Inspektionen durch am Ort stationierte Teams. Der Vertrag wurde dem Senat mit der Bitte um Zustimmung zur
Ratifizierung am 25. Januar 1988 vorgelegt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

1. Juni 1988

21

DER KRIEG ZWISCHEN IRAN UND IRAK
- Ein Überblick -

Washington - (AD) - Nachstehend geben wir eine am 23. Mai veröffentlichte
Übersicht aus dem vom Weißen Haus zum Moskauer Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch wieder.
Die amerikanische Aktion im Golf vom
18. April
Die amerikanische Aktion gegen
die iranischen Plattformen war
eine angemessene Reaktion auf die
iranische verminung von internationalen Gewässern und den Minenangriff, gegen die "Samuel Roberts", wobei zehn Männer verwundet wurden.
Die nachfolgenden amerikanischen
Aktionen hatten trotz der feindseligen iranischen Aktionen defensiven Charakter. Die Angelegenheit ist damit abgeschlossen,
und die Vereinigten Staaten hoffen auf friedliche und normalere
Beziehungen zum Iran. Wir werden
jedoch
zur
Selbstverteidigung

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Embassy of the United States of America

auch weiter entschlossen reagieren, wenn wir dazu herausgefordert werden.
Der Kongreß war im voraus von unserer Reaktion unterichtet worden. Wir werden einen engen Kontakt zum Kongreß aufrechterhalten
und begrüßen die deutliche Unterstützung, die wir von beiden Parteien erhalten haben.
Die amerikanische Politik
Existentielle amerikanische Interessen im Golf: sichere Versorgung mit Öl, Unterstützung für
die nicht kriegführenden arabischen GolfStaaten, Verhinderung
der sowjetischen Einflußerweiterung, Unterbindung von iranischen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Einschüchterungsversuchen und Hegemoniestreben .
Die Präsenz der amerikanischen
Marine, der Sicherheitsbeistand
und diplomatische Bemühungen sind
Mittel
zur
Erreichung
dieses
Ziels.
Zusätzlich zur Begleitung von
Einsätzen haben wir uns dazu entschlossen, unter bestimmten Voraussetzungen befreundeten, unbeteiligten neutralen und unter Beschuß stehenden Schiffen zu helfen. Wir sind nicht die Polizei
des Golfs und schützen nicht die
Fracht irgendeiner kriegführenden
Partei.
Diese Entscheidung erfordert keine Steigerung unserer
Präsenz im Golf.
Die
amerikanische
Entscheidung
bedeutet, daß unsere Kriegsschiffe nun nach Befehlen im Einsatz
sind, die für die französischen
und britischen Kriegsschiffe im
Golf schon gelten. Dies wird von
vielen Regierungen und amerikanischen Schiffseignern als Beitrag
zur Freiheit der Schiffahrt durch
nicht kriegführende Schiffe begrüßt.
Keine Abkehr von unserer Politik.
Wir streben nicht nach einem Konflikt mit dem Iran. Der zentrale
Grund für die Spannungen ist der
Krieg, und auf ihre Lösung muß
man sich nun konzentrieren. Der
Iran verweigert die Annahme und
Verwirklichung
der
Resolution
598, wie dies vom UN-Sicherheitsrat gefordert wird. Der Irak hat
sie akzeptiert.
Die iranische Beschuldigung, die
Vereinigten Staaten hätten die
Saudis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit dem Iran
bewegt, ist unbegründet; es ist
ebenfalls unwahr, daß die Vereinigten Staaten an irakischen
Militäraktionen beteiligt waren.
Die Vereinigten Staaten widerset-

zen sich energisch der Kriegführung mit chemischen Waffen sowohl
durch den Iran wie auch den Irak
und unterstützten den jüngsten
Bericht des UN-Generalsekretärs,
der eine Beendigung ihrer Anwendung und ein Ende des Krieges
durch die Verwirklichung der Resolution 598 des Sicherheitsrates
forderte.
Die Resolution 598 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
Unser Ziel ist die sofortige auf
dem Verhandlungsweg erzielte Beendigung des Krieges zwischen dem
Iran und dem Irak auf der Basis
der Resolution 598. Wir benötigen eine umfassende Beendigung
des Krieges - auf dem Land, zur
See und in der Luft. Jüngste
Vorkommnisse unterstreichen die
Notwendigkeit dringlicher Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates zur
WeiterVerfolgung der Resolution
über ein Waffenembargo gegen den
Iran bei einer Nichteinhaltung
der Resolution 598.
Die Vereinigten Staaten begrüßen
die Annahme der Resolution 598
des Sicherheitsrates durch den
Irak, bedauern aber dessen Zurückweisung des Vorschlags vom
UN-Generalsekretär, daß der Irak
und der Iran die Resolution 598
des Sicherheitsrates akzeptieren
und mit seinem Vertreter nach
Möglichkeiten suchen, wie diese
Resolution im vollen Umfang verwirklicht werden kann.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

&lt;X

1. Juni 1988

21

DER NAHOST-FRIEDENSPROZESS
- Ein Überblick -

Der nachfolgende Überblick zum Friedensprozeß im Nahen Osten ist dem am
23. Mai vom Weißen Haus veröffentlichten Pressehandbuch zum amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Moskau entnommen:
Allgemeines
Außenminister Shultz kehrte am
23. April 1988 aus Moskau zurück.
Den Sowjets zufolge sollte eine
internationale Konferenz eine aktive und substantielle Rolle in
den Verhandlungen spielen. Wir
sind uns der Notwendigkeit einer
internationalen Konferenz bewußt,
jedoch sollte diese nicht mit uneingeschränkten Vollmachten ausgestattet sein, weil dadurch bilaterale Verhandlungen die
einzige Art von Verhandlungen,
die zu einer Einigung führen kann
- unmöglich gemacht werden. Die
Konferenz muß ein Mechanismus zur
Erleichterung - nicht zum Ersatz
- solcher Verhandlungen sein.

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Embassy of the United States of America

Der Außenminister reiste Anfang
April in den Nahen Osten und besuchte bei dieser Gelegenheit Israel, Jordanien, Ägypten, Saudi
Arabien und Syrien. Er bekräftigte unser Engagement für die
Friedensinitiative.
Unser Vorschlag fand nirgendwo Zustimmung,
aber es lehnte ihn auch niemand
rundweg ab. Wir werden allseits
zur Fortführung unserer Bemühungen ermutigt.
Unser Vorschlag stellt den einzigen realistischen und durchführbaren Ansatz dar. Er besteht aus
einem integrierten Paket - kein
Teil kann herausgelöst werden ohne die Ausgewogenheit des gesamten Plans zu zerstören. Präsident Reagan hat dazu erklärt:

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�I

"Die Vereinigten Staaten werden
diese Initiative nicht zerstükkeln, und sie werden sie auch
nicht aufgeben."
Unsere Initiative betont die Verzahnung zwischen Ubergangsregelungen und Verhandlungen über den
Endstatus.
Die
Verhandlungen
müssen
mit
Ubergangsregelungen beginnen, um
zu vermeiden, daß die verschiedenen Parteien zur Einnahme von Extrempositionen getrieben werden.
Sie müssen auf eine schnelle Beendigung der israelischen militärischen Besetzung drängen, den
Palästinensern
das
Recht
auf
Selbstverwaltung
gewähren
und
eine Grundlage für die Gespräche
über
den
endgültigen
Status
schaffen.
Die grundlegenden
Ziele einer
Verhandlungslösung sind weiterhin
die Sicherheit aller Staaten in
der Region, einschließlich Israels, sowie die Verwirklichung
der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes. Keines dieser
zentralen Ziele läßt sich langfristig ohne eine Verständigung
erreichen.
Drei Probleme nehmen beim Prozeß
der Herbeiführung von Verhandlungen zwischen Israel und seinen
Nachbarn einen zentralen Stellenwert ein: eine angemessen strukturierte
internationale
Konferenz, die Vertretung der Palästinenser und die Bedeutung der Resolution 242 des UN-Sicherheitsrats.

Verhandlungen innerhalb einer angemessen strukturierten internationalen Konferenz aufnehmen.
Die von uns vorgeschlagene Konferenz würde keine Lösungen aufzwingen oder Vereinbarungen durch
Veto zu Fall bringen. Sie würde
direkte Verhandlungen
in Gang
bringen und von den Verhandlungsparteien in noch zu vereinbarender Weise Berichte erhalten.
Die zu den Verhandlungen eingeladenen Teilnehmer müssen die Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats als Grundlage der
Verhandlungen akzeptieren und auf
Gewalt und Terrorismus verzichten.

Vertretung der Palästinenser
Alle stimmen darin überein, daß
die Palästinenser eine Partei des
arabisch-israelischen
Konflikts
sind, die in jeder Phase des Verhandlungsprozesses vertreten sein
muß.
Alle sind sich ferner einig, daß
eine Regelung die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes
berücksichtigen muß - in der
gleichen Art und Weise, wie die
legitimen Rechte der anderen Verhandlungsparteien zu berücksichtigen sind.
Die palästinensischen Vertreter
werden an den Verhandlungen als
Teil der gemeinsamen jordanischpalästinensischen
Delegation
teilnehmen.

Die von einigen abgelehnte Konferenz ist nicht die Art von Konferenz, wie wir sie vorschlagen.

Diejenigen, die sich an den Verhandlungetisch setzen, müssen guten Willens sein und sich für den
Frieden engagieren.
Es dürfen
keine Personen ausgewählt werden,
die Vertreter anderer Parteien
vertreiben würden.

Den Verfahrensweisen unseres Vorschlages zufolge werden die beteiligten Parteien rasch direkte

Das Beharren auf einer sichtbaren
Teilnahme der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO) von

Internationale Konferenz

-S

�gen abhängen.

Beginn an würde bedeuten, daß
keine Konferenz und kein Prozeß
zustandekommt.

Zusammenfassung
Die Bedeutung der Resolution 242 des
UN-Sicherheitsrats
Dies ist die erste substantielle
Frage, mit der sich die Parteien
konfrontiert sehen. Sie ist deshalb so bedeutsam, weil die Parteien die akzeptierte Grundlage
der Verhandlungen verstehen müssen und grundsätzlich eine ähnliche Sichtweise zu den möglichen
Parametern
einer
endgültigen
Übereinkunft teilen.

Der amerikanische Vorschlag ist
ein sorgfältig durchdachter Plan, der
die grundlegende substantielle Frage
anspricht - Land für Frieden - und
der einen Weg bietet, um mit den zwei
wichtigsten Problemen der Verfahrensweise fertigzuwerden - der Konferenz
und der Vertretung der Palästinenser.
Je eher Entscheidungen getroffen werden, desto eher können die beteiligten Parteien am Verhandlungstisch
Platz nehmen.

Ein Bestandteil der Prinzipien
der Resolution 242 sind eindeutig
Verhandlungen über einen Tausch
von Land gegen Frieden. Die amerikanische Haltung: Im Austausch
für Frieden findet die Rückzugsklausel von Resolution 242 Anwendung
auf alle Fronten, einschließlich Westjordanland, Gaza-Streifen und die Golan-Höhen.
Alle Versuche, der Resolution 242
auszuweichen oder sie neu zu interpretieren, sind zum Fehlschlag
verurteilt.
Die Araber können
dem Frieden nicht ausweichen, die
Israelis können den Rückzug nicht
vermeiden.
In unserem Vorschlag wird die Resolution 242 als Grundlage der
Verhandlungen
festgeschrieben,
und alle ihre Bestimmungen und
Prinzipien werden auf sämtliche
zwischen Israel und seinen Nachbarn stattfindenden Verhandlungen
Anwendung finden.
Es bleibt noch viel Spielraum für
die Verhandlungen.
Unserer Ansicht nach wird das Ausmaß, in
dem Israel zur Aufgabe von Territorium aufgefordert werden sollte, zu einem großen Teil von dem
Ausmaß an echtem Frieden und Normalisierung sowie den im Gegenzug
angebotenen Sicherheitsvorkehrun- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

1. Juni 1988

21

DER KSZE-PROZESS
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus zum Moskauer Gipfeltreffen
veröffentlichten Pressehandbuch entnommen:
Im November 1986 wurde in Wien
das dritte Folgetreffen der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) eröffnet. Delegationen
aus den 35 Teilnehmerstaaten - Vertreter aus Ost und West sowie neutraler und blockfreier Staaten - haben
die Verwirklichung der in der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975
verankerten
Verpflichtungen
überprüft. Gegenwärtig fassen sie Vorschläge ins Auge, um eine strengere
Einhaltung dieser Verpflichtungen zu
ermutigen.
Die Bedeutung einer Überprüfung
der
Verwirklichung
der KSZE-Verpflichtungen - und warum eine solche
Überprüfung häufig umstritten ist erklärt sich aus dem Charakter der
Schlußakte selbst und aus dem bishe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

rigen Verlauf des KSZE-Prozesses.
Die nach jahrelangen Ost-V Jest-Verhandlungen verabschiedete Schlußakte
definiert eine Reihe von Normen und
Zielsetzungen für das Verhalten der
Staaten untereinander und gegenüber
ihren eigenen Bürgern. Außerdem enthält sie ein Programm für praktische
Schritte zur Verwirklichung dieser
Ziele.
Bei der Behandlung menschlicher,
wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer
Angelegenheiten
bekräftigt
die Schlußakte die grundlegenden Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie
andere Prinzipien wie die gleiche
Souveränität der Staaten und das
Recht auf Selbstbestimmung.
Grundsätzliches

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Ziel

des KSZE-

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�Prozesses ist der Abbau künstlicher
Schranken, die Ost und West über das
ganze Spektrum menschlicher Belange
hinweg trennt - darunter die Respektierung der Menschenrechte, freier
Informationsfluß, Zusammenarbeit in
den Bereichen Bildung und Kultur,
wirtschaftliche und wissenschaftliche
Zusammenarbeit und Vereinbarungen im
sicherheitspolitischen Bereich.
In der Schlußakte wird anerkannt,
daß diese Fragen miteinander in Verbindung stehen und daß die Solidität
des KSZE-Prozesses von ausgewogenen
Fortschritten in allen diesen Bereichen abhängt.
Leider wird die Bilanz der Einhaltung von Verpflichtungen aus der
Schlußakte durch das Verhalten der
Sowjetunion und anderer osteuropäischer Staaten getrübt, wie folgende
Beispiele zeigen:
Obwohl sich die Sowjetunion zum
Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan verpflichtet hat, hält sie
das Land weiterhin besetzt; ferner inhaftiert und bestraft sie
ihre Bürger für die Ausübung von
Bürgerrechten, zu deren Schutz
sich die UdSSR in Helsinki verpflichtet hat (z. B. Religionsfreiheit und Freizügigkeit).
Trotz der gelegentlichen Lösung
von Einzelfällen sind zahlreiche
Sowjetbürger weiterhin auf grausame Weise von ihren Familien getrennt, weil ihnen von offizieller Stelle die Ausreisegenehmigung verweigert wird.
Obwohl die Zahl der sowjetischen
Juden, denen die Auswanderung gestattet wird, im vergangenen Jahr
gestiegen ist, bleibt sie doch
unter dem Niveau der Genehmigungen gegen Ende der siebziger Jahre.
Dennoch sind im Laufe der Jahre
einige Fortschritte bei KSZE zu verzeichnen.

Einige
Warschauer-Pakt-Staaten
haben Maßnahmen zur Erfüllung ihrer
Verpflichtungen
getroffen,
und ein paar bemerkenswerte Fälle, bei denen es um Verfechter
der Menschenrechte und getrennte
Familien ging, sind gelöst. In
der sowjetischen Bilanz zur Beachtung der Menschenrechte gab es
positive Entwicklungen, aber insgesamt muß noch viel mehr getan
werden,
einschließlich
solcher
Schritte zur Institutionalisierung jüngster Reformen.
Unter dem Schutz der KSZE haben
menschliche Kontakte zwischen den
Bürgern in Ost und West um ein
Vielfaches zugenommen.
Durch die im September 1986 in
Stockholm beendeten KSZE-Verhandlungen sind der Schlußakte wichtige Bestimmungen zur Vertrauens- und Sicherheitsbildung und
zum Abbau des Risikos eines durch
Fehleinschätzung
hervorgerufenen
Krieges hinzugefügt worden. Die
vereinbarten Maßnahmen umfassen
die Vorhersage, Ankündigung, Beobachtung und Inspektion militärischer Aktivitäten vom Atlantik
bis zum Ural.
Der KSZE-Prozeß hat sich seit
Helsinki durch Folgetreffen in Belgrad (1977-78) und Madrid (1980-83)
weiterentwickelt wie auch durch eine
Reihe von Expertentreffen über spezielle Aspekte der Schlußakte, einschließlich Menschenrechte, menschliche Kontakte, friedliche Beilegung
von Streitigkeiten und kulturelle Beziehungen.
Bei jedem dieser Treffen haben
die Vereinigten Staaten auf einer
aufrichtigen und gründlichen Überprüfung der
Bilanz bestanden.
Die
Schlußakte enthält die politische
Verpflichtung der 35 Teilnehmerstaaten, sich an bestimmte Vorgaben zu
halten; sie ist rechtlich nicht bindend und enthält keinen Mechanismus,
um ihre Verwirklichung zu erzwingen.
Aus diesem Grunde ist es von ent-

�scheidender Bedeutung, Nichteinhaltungen ans Licht der Öffentlichkeit
zu bringen und auf einem besseren
Verhalten zu bestehen.
Unsere
NATO-Partner
verfahren
nach demselben Muster.
Gemeinsam
nutzen wir den KSZE-Prozeß als Mittel, um auf die Sowjets und andere
politischen und moralischen Druck
auszuüben, damit sie die Menschenrechte und Grundfreiheiten respektieren.
Eine bessere Einhaltung bleibt
vordringliches Ziel unserer Delegation beim laufenden Wiener Folgetreffen. Wir streben nach einem ausgewogenen Ergebnis innerhalb und zwischen
den einzelnen KSZE-Bereichen - bei
menschlichen
Kontakten,
Wirtschaft
und Sicherheit.
Entsprechend hat der Westen beachtliche Vorschläge zu allen Bereichen unterbreitet. Im Sicherheitsbereich zum Beispiel wurden vom Westen
zwei getrennte Verhandlungsrunden im
Rahmen des KSZE-Prozesses vorgeschlagen: 1. die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen allen 35 KSZEStaaten, um auf den in Stockholm erarbeiteten Vertrauensund Sicherheitsbildenden Maßnahmen aufzubauen und
diese zu erweitern, und 2. autonome
Verhandlungen zwischen den 23 Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer Pakts, die darauf ausgerichtet sind, ein konventionelles Gleichgewicht in Europa auf einem niedrigeren Streitkräfteniveau zu erzielen.
Im Bereich der Menschenrechte und
menschlichen Kontakte sind wir mit
der Ausarbeitung und Erweiterung der
Verpflichtungen von Helsinki befaßt,
wobei die Betonung auf Taten und
nicht auf Worten liegt. Unter anderem beinhaltet dies verstärktes Engagement für Freizügigkeit im eigenen
Land und das Recht auf Ausreise aus
jedem beliebigen Land; Religionsfreiheit,
insbesondere
Religionsunterricht? Erleichterung von Familienzusammenführungen; Zugang zu Informationen sowie die Freiheit zur Bewahrung

der kulturellen Identität. Der Westen hat ferner einen Vorschlag über
umfassende
Nachfolgeaktivitäten
zu
Menschenrechtsfragen
unterbreitet,
wobei die verbesserte Wahrung der
Menschenrechte einschließlich eines
Instruments zur Erörterung schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen im
Mittelpunkt steht.
Wir sind von der Entschlossenheit
geleitet, daß neue Schritte nach vorn
sich fest auf die entschieden verbesserte Verwirklichung der Menschenrechte und die in der Schlußakte von
Helsinki verankerten Grundfreiheiten
im Ostblock gründen müssen.
Die sechste Runde des Wiener
Treffens begann am 15. April 1988.
Die Delegationen arbeiten anhand von
Kompromißpapieren, die von den Koordinatoren der neutralen und blockfreien Staaten vorgelegt wurden. Zusammen mit den bereits unterbreiteten
Vorschlägen bilden diese Dokumente
eine solide Grundlage für ernsthafte
Verhandlungen
über
den Text des
Schlußdokuments. Aufgrund der Verzögerungstaktik des Ostblocks sind jedoch buchstäblich
keinerlei Fortschritte im Bereich der Menschenrechte gemacht worden, obwohl über einen
Großteil
der
Sprachregelungen
im
Sicherheitbereich vorläufige Einigung
erzielt wurde.
Die Vereinigten Staaten arbeiten
zusammen mit ihren Bündnispartnern
und den Delegationen der neutralen
und blockfreien Staaten an der Gewährleistung nützlicher und beachtlicher Fortschrittte in Wien. Wir haben eindeutig unsere Bereitschaft zum
Ausdruck gebracht, so lange in Wien
zu bleiben, wie es zur Verwirklichung
der verbesserten Einhaltung und erweiterten Verpflichtungen im Bereich
der Menschenrechte und Grundfreiheiten durch den Osten erforderlich ist.
Trotz der Diskrepanz zwischen den
Versprechungen und dem Verhalten des
Ostens ist es nach wie vor Hauptaufgabe der Schlußakte, das Leben der in
Unterdrückung lebenden Menschen zu

- 3 -

�erleichtern.
Daher
bleiben
die
Schlußakte und der durch sie eingeleitete Prozeß entscheidende Instrumente westlicher Diplomatie, denen
eine Schlüsselrolle in unserer gesamten Ost-West-Tagesordnung zukommt.

* * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

\DN'^

1. Juni 1988

21

DIE BERLIN INITIATIVE
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus am 23. Mai zum Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch entnommen:
Die Berlin Initiative wurde von
Präsident Reagan anläßlich seines Besuchs in Berlin am 12. Juni vergangenen Jahres ins Leben gerufen.
Ihr Ziel besteht darin, für das
Leben der Berliner gewisse praktische
Verbesserungen zu schaffen:
Ausweitung des Luftverkehrs in
die Stadt,
Förderung
des
Jugendaustauschs
und
anderer
Austauschprogramme
zwischen Ost- und Westberlin,
Vermehrte Durchführung internationaler Zusammenkünfte in Berlin,
Abhaltung von mehr internationalen Sportveranstaltungen in Berlin, einschließlich möglicherweise einer zukünftigen Olympiade.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Initiative der Vereinigten
Staaten findet die aktive Unterstützung und Beteiligung der Regierungen
von Frankreich, Großbritannien und
der Bundesrepublik.
Seit dem Sommer letzten Jahres
finden zwischen den vier Regierungen Diskussionen auf Expertenebene statt.
Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich haben im
vergangenen Dezember den Sowjets die
Initiative formell unterbreitet und
Gespräche über ihre vier Vorschläge
angeregt.
Die Sowjets erklärten, sie hofften darauf, bis zum Sommer auf
die Initaitive reagieren zu kön-

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�nen.
Der Präsident hat beim Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow im Dezember vergangenen Jahres
die Initiative angesprochen und wird
dies aller Wahrscheinlichkeit nach
auch beim Gipfeltreffen in Moskau tun.
N.B.: Die drei westlichen Verbündeten in Berlin werden mit der Unterstützung und in Zusammenarbeit mit
der Bundesregierung in Bonn und den
Behörden Berlins gegenwärtig und in
Zukunft erhebliche Bemühungen unternehmen, um in Berlin positive Veränderungen herbeizuführen.
Es wird keine Veränderungen im
Status der Stadt geben. Unser
Vorschlag zielt darauf ab, auf
das Viermächteabkommen über Berlin von 1971 aufzubauen, nicht
darauf, es zu revidieren.
Wenn die Sowjets es mit dem Abbau
der Spannungen in Europa und der
Sicherung des Friedens ernst meinen, fordern wir sie auf, mit den
drei westlichen Verbündeten gemeinsam einige Schritte insbesondere im Bereich der menschlichen
Kontakte zu unternehmen, um die
Situation der Menschen in Berlin
zu verbessern.
Wir freuen uns, baldmöglichst die
Vorschläge des Präsidenten mit
den Sowjets zu besprechen, sowie
sie positiv auf die Anstöße der
Verbündeten reagieren.

* * * * *

- 2

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

1. Juni 1988

21

REGIONALER DIALOG
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem vom Weißen Haus am 23. Mai zum Gipfel herausgegebenen Pressehandbuch entnommen.

In den vergangenen Jahren haben
wir mit Moskau einen aktiven und
freimütigen Dialog über regionale
Angelegenheiten
aufgebaut
und
aufrechterhalten.
Dieser bleibt
integraler
Bestandteil
unseres
Vier-Punkte-Programms.

Gesprächen über regionale Konflikte bewiesen und dabei die
Notwendigkeit politischer Lösungen auf der Basis nationaler Aussöhnung,
Selbstbestimmung
und
verbesserten regionalen Dialogs
betont.

Dieser Dialog hat sich zum Abbau
möglicher
Mißverständnisse und
Fehlkalkulationen
als nützlich
erwiesen.

Dies ist ermutigend, insbesondere
weil diese Ideen an Präsident
Reagans Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen vom
Oktober
1985 angelehnt
sind.
Aber wir müssen die Sowjets weiterhin an ihren Taten und nicht
nur an ihren Worten messen.

Wie auch in anderen Bereichen der
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen betrachten wir den Dialog
jedoch nicht als Ersatz für konkrete Fortschritte.
Die Sowjets haben in jüngster
Zeit mehr Flexibilität in ihren

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Unserer Ansicht nach besteht ein
entscheidender Faktor für die Erlangung von Fortschritten mit den
Sowjets bei regionalen Konflikten

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�in unserer anhaltenden Unterstützung (sei sie nun politischer,
wirtschaftlicher oder militärischer Art) für Freiheitskämpfer,
die sich gegen Unterdrückung von
Moskau und seinen Verbündeten zur
Wehr setzen.
Unsere Zielsetzung besteht allein
darin, politische Lösungen für
regionale Konflikte zu finden.
Der Gipfelerklärung von Washington gemäß wollen wir Möglichkeiten finden, um "die bei regionalen Konflikten beteiligten Parteien bei der Suche nach friedlichen Lösungen zu unterstützen,
die ihre Uabhängigkeit, Freiheit
und Sicherheit fördern".
Die Unterzeichnung des Genfer Afghanistan-Abkommens am 14. April
stellte für die Lösung regionaler
Konflikte durch politischen Dialog einen in der Geschichte einmaligen Schritt dar.
Generalsekretär Gorbatschow hat
darauf hingewiesen, daß mit dem
Abkommen über Afghanistan Wege
zur Lösung anderer regionaler
Konflikte mit politischen Mitteln
eröffnet werden sollten.
Dem
stimmen wir voll und ganz zu.
Wir werden dies gemeinsam mit den
Sowjets
weiterverfolgen,
indem
wir auf praktischen Möglichkeiten
zur Beendigung anderer regionaler
Konflikte drängen, von denen viele
sowjetische
Vasallenstaaten
betreffen.
Der Präsident erwartet, die gesamte Bandbreite regionaler Angelegenheiten während des Gipfeltreffens in Moskau abdecken zu
können. Dazu zählen Afghanistan,
der Krieg zwischen Iran und Irak,
der
Friedensprozeß
im
Nahen
Osten, Südafrika, Äthiopien, Kambodscha, Korea und Mittelamerika.

- 2

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              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überblick über amerikanische und sowjetische Vorschläge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Krieg zwischen Iran und Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Nahost-Friedensprozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der KSZE-Prozess&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Berlin Initiative &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regionaler Dialog&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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