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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

*

25.

20

Hai

L988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Amerikanische Politik beim Gipfel ist auf Realismus und
Stärke gegründet
- Fernsehansprache Präsident Reagans anitdie Bündnispartnec Baker sieht positive Auswirkungen der Koordinierungsbemühungen
- Rede beim OECD-Ministertreffen HINTERGRUNDMATERIAL
ACDA-Chronologie der Verhandlungen über chemische Waffen
- Zusammenfassung der ACDA Probleme der Freizügigkeit
- Übersicht des Weißen Hauses Fünf Treffen Reagan-Gorbatschow beim Gipfel
- Das Programm des Gipfeltreffens Religiöse Rechte in der Sowjetunion
- Eine Übersicht Menschenrechte in der Sowjetunion
- Eine Übersicht DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Die Präsidentschaftswahlkampagne und Ihre Parallelen in der
Vergangenheit
- von Dom Bonafede * * * * *

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%

AMERIKA DIENST
Dokumentation

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23. Mai 1983

20

AMERIKANISCHE POLITIK BEIM GIPFEL IST AUF
REALISMUS UND STÄRKE GEGRÜNDET
- Fernsehansprache Präsident Reagans an die Bündnispartner WASHINGTON - (AD) - In seiner am 24. Mai 1988 vom Fernsehsender Wor^.dnet
des US-Informationsamts (USIA) über Satellit ausgestrahlten Ansprache erklärte
Präsident Reagan, er begrüße "die Fortschritte, die wir iTI Bereich der Menschenrechte in der Sowjetunion beobachten konnten", fügte jedoch hinzu, die
Menschenrechtssituation "ist immer noch alles andere als gut. Die Politik der
Unterdrückung hält an". In seiner an die "anderen Demokratien der Welt am
Vorabend seiner Abreise zum Gipfeltreffen nach Moskau irit Generalsekretär
Gorbatschow" gerichteten Rede erklärte Reagan, "wir, die Vereinigten Staaten,
sind unsererseits zu einem nützlichen Gedankenaustausch bereit".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache Präsident Reagans Lm Wortlaut.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist,
werde ich Washington morgen verlassen, um nach einem Zwischenaufenthalt
in Helsinki zum Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow nach Moskau
weiterzureisen. Es erschien mir angemessen, am Vorabend meines vierten
Zusammentreffens mit Generalsekretär
Gorbatschow einige Worte an die anderen Demokratien dieser Welt zu richten, mit denen wir den Traum von
Freiheit und Frieden teilen.
Zunächst möchte ich die Politik
erörtern, die zu diesem Gipfeltreffen
geführt hat, und die meiner Ansicht
nach in hohem Maße dazu beigetragen
hat, Freiheit und Frieden in der Welt
weiterzuverbreiten.
Von Anfang an hat unsere Admini-

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stration ?ine Politik gegenüber der
Sowjetunion angestrebt, die auf Realismus, einen vernüftigen Austausch
mit den Sowjets und auch auf Stärke
gegründet ist, insbesondere im Hinblick auf die Einheit des Westens.
Die sowjetische Führung spricht um den von ihr geprägten Begriff zu
verwenden - von einem "gemeinsamen
Haus Europa". Meiner Meinung nach
ist das wahre Heimatland Europas
eines, das von hehren Überzeugungen
definiert ist, dem Glauben an die geheiligte Freiheit des Einzelnen, an
die Bedeutung der Familie, an einen
gerechten und liebenden Gott und an
Demokratie.
Die atlantische Gemeinschaft ist
nicht nur ein militärisches Bündnis.

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�Denn sie ist aus Nationen zusammengesetzt, die sich der Demokratie und
dem freien Unternehmertum verpflichtet fühlen. Die atlantische Gemeinschaft ist auch nicht mehr nur auf
den Westen beschränkt. Denn die Gemeinschaft der demokratischen Nationen hat sich über den Atlantik hinweg
ausgebreitet und umschließt nun auch
Japan, Australien, die Philippinen,
Indien, zahlreiche Länder Lateinamerikas und in anderen Regionen der
Welt.
Bei den Gesprächen und Verhandlungen mit der Sowjetunion standen
die Vereinigten Staaten stets in engen Konsultationen mit dieser Gemeinschaft freier Nationen - mit unseren
Verbündeten im nordatlantischen Bündnis und anderen Freunden. Die NATO
selbst hat angesichts der ernsthaften
Herausforderungen Anfang der achtziger Jahre ihre Standhaftigkeit und
ihren Zusammenhalt unter Beweis gestellt.
Wir waren bereits Zeugen einer
historischen Errungenschaft: die Unterzeichnung des historischen INFVertrages beim Washingtoner Gipfel im
vergangenen Dezember.
Dieser Vertrag, mit dem zum ersten Mal in der
Geschichte eine gesamte Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Nuklearraketen beseitigt -wird, wurde
durch die Solidarität und auch den
Mut der NATO ermöglicht.
Dieser Vertrag birgt auch eine
entscheidende Lehre für die Politik
des Westens gegenüber der Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt, nämlich, daß
die freien Nationen ihre Ziele verwirklichen können, wenn sie fest dazu
stehen.
Bei der Durchführung des
Doppelbeschlusses von 1979 - der Entscheidung,
die
Stationierung
der
INF-Raketen voranzutreiben - hat das
Bündnis weder gezögert noch versagt.
Ebenso war man sich einig, die
durch die neu stationierten sowjetischen SS-20 Raketen entstandene Bedrohung zu beseitigen, und auch hier
hat das Bündnis keine Minute gezö-

gert. Als Ergebnis dessen wird die
SS-20 Bedrohung bald beseitigt, denn
die Sowjets hatten guten Grund, diese
SS-20 und andere Raketen abzuziehen,
die sie im Rahmen des INF-Verträges
abbauen müssen.
Jetzt wenden wir diese Lehren des
INF-Vertrages auf die Verhandlungen
zu einem Vertrag über den Abbau strategischer Fernwaffen an. Wir hoffen
auf den Abschluß eines START-Abkommens noch in diesem Jahr. Der Zeitplan wird jedoch von den Erfordernissen eines guten Vertrages diktiert
und nicht von irgendeiner willkürlich
gesetzten Frist.
Da wir aus einer Position der
Stärke heraus verhandeln, lassen wir
uns von einer realistischen Sichtweise darüber leiten, was in unseren Beziehungen zur Sowjetunion erreicht
werden kann und was die Sowjets
selbst erreichen wollen.
Wir erwarten keine unverzügliche
radikale Umgestaltung des sowjetischen Systems. Wir erwarten nicht,
eines Tages aufzuwachen und festzustellen, daß sich all unsere Probleme
in Nichts aufgelöst haben, weil unser
Gegner sich verändert hat.
Wir
müssen
weiterhin
unsere
Pflicht erfüllen, fest zusammenstehen
und wachsam sein, um Anreize für eine
neue sowjetische Politik zu schaffen,
die sich von der alten unterscheidet.
Denn es bestehen immer noch grundlegende politische und moralische Gegensätze zwischen dem sowjetischen
System und dem unsrigen.
Die Geburtsstätte der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) - die Stadt Helsinki,
die ich auf meinen Weg nach Moskau
besuchen werde - hat einem Prozeß den
Namen gegeben, der das Kernstück der
Ost-West-Beziehungen
bildet.
Die
1975 unterzeichnete Schlußakte von
Helsinki regelt internationale Verhaltensnormen bei den Menschenrechten
und hat - als Barometer für die OstWest-Beziehungen - in den Bereichen

- 2 -

�Wirtschaft und Soziales sowie in der
Sicherheitspolitik neue Maßstäbe für
Offenheit gesetzt.
Es ist keine Übertreibung, wenn
man darauf verweist, daß die Schlußakte von 1975 den Austausch zwischen
Ost und West neu definiert und dabei
Menschenrechte als Thema von dauerhafter Bedeutung
hervorhebt.
Der
Prozeß wird gegenwärtig im KSZE-Folgetreffen weitergeführt, das seit
1986 in Wien stattfindet.
Die
Vereinigten
Staaten
verpflichten sich, gemeinsam mit den anderen KSZE-Ländern an der Erlangung
eines ausgewogenen Ergebnisses in
Wien
zusammenzuarbeiten, das entscheidende
Verbesserungen
sowjetischer und osteuropäischer Praktiken
bei den Menschenrechten umfassen muß,
und ein Gleichgewicht zwischen der
neuen Zusammenarbeit, Sicherheitsbelangen und der Wirtschaft hervorbringt.
Dieses
Gleichgewicht
ist
das
Kernstück des KSZE-Prozesses.
Als
Unterzeichner der Schlußakte von Helsinki haben sich die Regierungen der
Sowjetunion, Europas, Kanadas und der
Vereinigten Staaten formell und öffentlich zur Anerkennung grundlegender Freiheiten verpflichtet: Religionsfreiheit, Recht auf freie Meinungsäußerung,
Pressefreiheit
und
Freizügigkeit.
Nur wenn diese Freiheiten gewahrt
werden, kann das größte Potential
eines jeden Landes - die Kreativität,
Ideen und Initative seiner Bürger gedeihen.
In Moskau werde ich Fortschritte
begrüßen, die wir im Bereich der Menschenrechte insbesondere seit Ende
1986 erkannt haben. Mehr als 300 politische Gefangene und aus religiösen
Gründen Inhaftierte sind aus Arbeitslagern entlassen worden.
Die immer noch zu niedrige Zahl
der Auswanderer ist gestiegen. Viele
Fälle geteilter Familien und getrenn-

ter Ehepartner sind zufriedenstellend
gelöst worden, und die Zensur von
Filmen, Büchern und anderen kreativen
Arbeiten ist gelockert worden.
Trotz dieser Fortschritte ist die
Lage der Menschenrechte in der Sowjetunion und Osteuropa immer noch
alles andere als gut. Die Politik
der Unterdrückung hält an. Friedliche Demonstrationen von Minderheiten,
Ausreisewilligen und anderen Gruppen
werden immer noch von der Polizei gewaltsam aufgelöst.
Religionsfreiheit wird immer noch
verweigert und Mitglieder nichtregistrierter religiöser Gruppen werden
immer noch verfolgt. Nichtoffizielle
Publikationen sind verboten. Dutzende politischer Gefangener und religiöser Abweichler sind immer noch in
den Gefängnissen und viele aus Gewissensgründen Inhaftierte werden immer
noch
in
psychiatrischen
Kliniken
festgehalten.
Die Freizügigkeit ist immer noch
eingeschränkt. Wir alle, die wir uns
in unserem Glauben an die Demokratie
vereint wissen, werden die Sowjetunion weiterhin drängen, in diesen
entscheidenden Bereichen ihr Verhalten zu verbessern, kurz gesagt, die
grundlegenden
Menschenrechte
vollständig anzuerkennen.
Unsere Neigung, diese Probleme
anzusprechen, entspricht nicht nur
einem traditionellen Grundsatz. Gemäß der Schlußakte von Helsinki ist
dies unsere Pflicht.
Die Vereinigten Staaten sind zu
einem
nützlichen
Meinungsaustausch
bereit. Wir werden zuhören, wenn die
Sowjets uns kritisieren, und wir werden ihre Anliegen so offen und konstruktiv
wie möglich diskutieren.
Ich möchte jedoch darauf hinweisen,
daß unser Austausch mit den Sowjets
eine Grundlage hat. Sie ist nicht
neutral oder wertfrei. Diese Grundlage ist nicht nur eine Angelegenheit
amerikanischer Maßstäbe.
Dies sind
moralische Normen, die Maßstäbe der

- 3 -

�westlichen Zivilisation selbst, die
wir Amerikaner von Europa geerbt haben.
Zweimal in diesem Jahrhundert haben wir in Europa gekämpft, um diese
Maßstäbe zu verteidigen. Diese gemeinsamen Normen und Überzeugungen
verbinden uns heute mit Europa. Sie
bilden den Wesensgehalt der Gemeinschaft freier Nationen, der wir angehören .
Ich habe die Reduzierung der Rüstungen genannt, und ich habe die
Menschenrechte erwähnt. Wie die Tagesordnung der meisten Ihrer Regierungen mit den Sowjets enthält meine
Tagesordnung mit Herrn Gorbatschow
noch zwei weitere Elemente. Eines
ist die sowjetische Politik im Hinblick auf regionale Konflikte.
Wir stellen mit Freude fest, daß
die sowjetische Armee Afghanistan
verläßt. Wenn dieser Abzug vollendet
ist und den Afghanen wieder das Recht
auf Selbstbestimmung
zuteil wird,
wird dies ein historischer Triumph
sein.
Ich werde noch andere Problembereiche zur Sprache bringen und die
sowjetische Kooperation bei der Erlangung politischer Lösungen für andere Konflikte anstreben, wie im südlichen Afrika, beim Krieg zwischen
Iran und Irak, Kambodscha, Mittelamerika, Äthiopien und beim arabisch-israelischen Konflikt.
Außerdem werden unsere Gespräche
das Thema größerer Offenheit und des
freieren Austauschs von Menschen, Informationen
und
Ideen
umfassen.
Staatliche Schranken, die das Verständnis der Menschen von der Außenwelt und den Kontakt mit dieser Aussenwelt behindern, müssen beseitigt
werden.
Wir alle glauben, daß Menschen
frei sein müssen, um miteinander in
Kontakt zu treten, seien sie Journalisten, Wissenschaftler, Hochschullehrer, Touristen oder Gymnasiasten,

und ich werde deshalb Generalsekretär
Gorbatschow auffordern, mit uns zusammen die menschlichen Kontakte zwischen Ost und West in großem Umfang
auszubauen.
Eine Angelegenheit liegt mir in
dieser Hinsicht besonders am Herzen,
einer wachsenden Zahl junger Menschen
die Möglichkeit zu verschaffen, zwischen Ost und West zu reisen. Ich
werde mit Generalsekretär Gorbatschow
über den Jugendaustausch sprechen,
weil dieser für ein besseres Verständnis in der Zukunft so vielversprechend ist.
Junge Menschen sollten frei sein,
frei, zu kommen und gehen wie sie
möchten, frei, zu reisen und im Land
des anderen zu leben. Frei, in der
ganzen
Welt
Freundschaften
zu
schließen. Als ich vor fast einem
Jahr in Berlin war, habe ich Generalsekretär
Gorbatschow
aufgefordert,
die Mauer niederzureißen, die diese
Stadt trennt - und die in vieler Hinsicht Europa selbst, Ost und West,
trennt.
Die Mauer steht immer noch, eine
Narbe, eine schreckliche Erinnerung
an die Teilung Europas. Diese Teilung ist grausam, sie ist unnötig;
sie besteht schon zu lange. Wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, bis diese Teilung durch Frieden und Freiheit abgelöst wird. Bis
zu diesem Tage mag noch viel Zeit
vergehen, aber die Vereinigten Staaten werden der Erringung dieser vollständigen Freiheit immer bedingungslos verpflichtet bleiben.
Bis dahin werden wir bei der Verteidigung unseres gemeinsamen Erbes
und unserer Überzeugungen, unserer
gemeinsamen Heimat der Freiheit an
Ihrer Seite stehen. Vielen Dank, und
Gott segne Sie.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
1-7

Dokumentation

C*

20

25. Mai 1988

BAKER SIEHT POSITIVE AUSWIRKUNGEN DER KOORDINIERUNGSBEMÜHUNGEN
- Rede beim OECD-Ministertreffen -

PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolge wird
die zwischen den Industriestaaten vereinbarte Koordinierung in die Tat umgesetzt und hat schon erste Erfolge gezeitigt. Beim jährlichen Ministertreffen
der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in
Paris verwies Baker am 18. Mai auf anhaltendes Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten, das wachsende Volumen des Welthandels und den Rückgang außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte der Industriestaaten als Beweise für die Effektivität der Koordinierung.
Die Rede des Finanzministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender Feldt, Generalsekretär Paye, verehrte Kollegen:
Das Thema unserer Tagesordnung heute
morgen - die weitere Durchführung
wirtschaftlicher Maßnahmen zur Verbesserung
des Wirtschaftswachstums
und der Beschäftigung weltweit - beschreibt im wesentlichen die Aufgaben
der Finanzminister in der ganzen Welt
dar.
Es wirft die grundsätzliche
Frage auf, die wir uns selbst stellen
sollten:
Welche Maßnahmen sollten
wir anstreben, um unsere Volkswirtschaften zu stärken und das Wohlergehen unserer Bürger zu verbessern?
Mit zunehmender Integration der
Weltwirtschaft erfordert die erfolgreiche Bewältigung unserer Aufgaben
als Finanzminister zunehmend einen
kooperativen Ansatz. Bedeutende Ver-

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änderungen in der Weltwirtschaft haben die Notwendigkeit zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik zwischen
den führenden Industriestaaten noch
verstärkt. Insbesondere gilt:
Die weltweite Verflechtung der
Finanzmärkte hat die Unabhängigkeit der politischen Entscheidungsträger
in den einzelnen
Staaten verringert.
Die Liberalisierung von internationalem Handel und Investitionen
hat die Bedeutung des außenwirtschaftlichen
Sektors in allen
Ländern erhöht.
Und schließlich
erfordert das
stärkere Gleichgewicht in wirtschaftlicher Größe zwischen den

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�wichtigsten Landern, daß alle
sich die Verantwortlichkeit für
eine effektive außenwirtschaftliche Anpassung teilen.
Sicherlich haben wir einen fortlaufenden Prozeß zur Förderung miteinander im Einklang stehender Maßnahmen und Leistungen benötigt, von
dem alle profitieren. Der seit der
Plaza-Übereinkunft entwickelte - auf
den Gipfeln von Tokio und Venedig unterstützte und bekräftigte - Koordinierungsprozeß dient dazu, diesem Bedürfnis gerecht zu werden. Er zielt
darauf ab, eine gesunde Weltwirtschaft und ein stabiles internationales Finanzsystem zu fördern. Er hat
die Annahme miteinander vereinbarer,
konsequenter und sich gegenseitig unterstützender Maßnahmen der sieben
führenden Industriestaaten zum Ziel.
Der Prozeß wurde schrittweise in
den vergangenen zweieinhalb Jahren
entwickelt. Heute sind wir im Begriff, einen weiteren Schritt nach
vorn zu machen - mit der Vereinbarung, einen Warenpreisindex als zusätzliches analytisches Instrument in
unsere Koordinierungsbemühungen einzubeziehen.
Die Vereinbarungen der G-7 haben
meiner Meinung nach den Rahmen für
wichtige Bemühungen und positive Ergebnisse geliefert:
Die Vereinigten Staaten haben ihr
Defizit im Bundeshaushalt im vergangenen Haushaltsjahr um 71 Milliarden Dollar verringert. Der
Rückgang ist gleichbedeutend mit
fast 2 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP).
Unser gesamtes
Haushaltsdefizit - einschließlich
der Bundesstaaten sowie Städten
und Gemeinden - ging im Jahr 1987
auf nur 2,25 Prozent des BSP zurück, eine Zahl unter dem OECDDurchschnitt.
Des weiteren garantiert die einzigartige
Haushaltsvereinbarung
zwischen Präsident und Kongreß
ein Einsparungspaket von insge-

samt 76 Milliarden Dollar in den
Haushaltsjahren 1988 und 1989.
Wir erwarten weitere Defizitreduzierungen in den folgenden Jahren, wobei das Defizit im Bundeshaushalt bis zum Haushaltsjahr
1990 auf unter 2 Prozent des BSP
fallen wird. Außerdem haben wir
trotz starken Drucks Protektionismus vermieden.
Japan hat eine Reihe monetärer
und steuerpolitischer Maßnahmen
getroffen, darunter vergangenes
Jahr das Paket zur Ankurbelung
der Wirtschaft in Höhe von 6 Billionen Yen, die zum höchsten Anstieg der Binnennachfrage unter
den Industriestaaten geführt haben.
Kombiniert mit Bemühungen
zur weiteren Öffnung seiner Märkte für importierte Waren leistet
dieses Wachstum einen Beitrag zur
Verringerung
außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte.
Großbritannien hat eine bedeutende Steuerreform durchgeführt, zu
der auch eine erhebliche Reduzierung der Spitzensteuersätze gehört.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat besondere Anreize für Investitionen geschaffen und ein bedeutendes mittelfristiges Steuerreformprogramm formuliert.
Ich denke, daß diese und andere
koordinierte Bemühungen zur Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und zur Förderung von
Wachstum bei geringer Inflation beitragen werden. Seit unserem letzten
Treffen im Mai vergangenen Jahres
sind uns gute Gründe zum Optimismus
gegeben worden.
Diese lassen sich
wie folgt illustrieren:
Die Unruhe an den Finanzmärkten
im vergangenen Oktober war natürlich für uns alle Grund zur Besorgnis. Tatsächlich aber wuchs
das reale BSP in den Industriestaaten in der zweiten Hälfte des
Jahres 1987 schneller als in der

�ersten. Die Stärke unseres Wirtschaftsaufschwungs wurde eindeutig unterschätzt. Heute stellen
wir neuen Optimismus im Hinblick
auf die Wachstumsaussichten für
1988 fest.
Überdies stieg das Volumen des
Welthandels 1987 um über 5 Prozent, die größte Rate seit 1984.
Die Exporte der nichtölproduzierenden Entwicklungsländer wuchsen
volumenmäßig um 10 Prozent - und
verhalfen dadurch ihrem BSP real
zu einem Anstieg von 4,5 Prozent.
Außerdem zeichnete sich in den
größten Industriestaaten eine Reduzierung der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte ab. In den
Vereinigten Staaten stiegen die
Exporte 1987 real um 18 Prozent,
während die Importe lediglich um
sieben Prozent anwuchsen.
Wir
erwarten einen weiteren Rückgang
der amerikanischen Handels- und
Zahlungsbilanzdefizite in diesem
Jahr, was sich in den gestern
verkündeten
Handelszahlen
für
März widerspiegelt.
Auch in anderen Ländern werden
weiterhin Fortschritte erzielt.
Japans Handelsüberschuß, ausgedrückt als Anteil am BSP, erreichte im Jahr 1986 seinen Höhepunkt und ging seitdem stetig zurück; der Überschuß der Bundesrepublik Deutschland stabilisierte
sich im vergangenen Jahr und wird
sich erwartungsgemäß 1988 verringern.

Verbleibende Herausforderungen
Um nicht verdächtigt zu werden,
alles durch eine rosarote Brille zu
sehen, möchte ich betonen, daß immer
noch viel Arbeit vor uns liegt. Während die kurzfristige wirtschaftliche
Lage ermutigend aussieht, müssen wir
diesen Elan auch mittelfristig beibehalten. Wir müssen handeln, um das
Wachstum zu bewahren, die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu re-

duzieren und ein günstiges Umfeld für
die wirtschaftliche Entwicklung und
die Verbesserung des internationalen
Schuldenproblems zu schaffen.
Die OECD erkennt die Notwendigkeit struktureller Reformen zur Ergänzung
solider
makroökonomischer
Maßnahmen. Im Februar 1984 hat sie
ein Ministertreffen in kleinem Rahmen
veranstaltet, wobei der Schwerpunkt
darauf lag, wie mit Hilfe struktureller
Anpassungen
Wachstumshemmnisse
abgebaut werden können. Solche Verkrustungen verhindern, daß Marktsignale von Gewerkschaften, Unternehmern
und Verbrauchern in wirtschaftliche
Reaktionen
umgesetzt werden.
Sie
verhindern oder verlangsamen den Grad
der Anpassung an neue Bedingungen in
der Wirtschaft und deren Umfeld. Wir
Tiüssen unsere Regierungen in den
Dienst einer Politik stellen, die unsere Volkswirtschaften befreit.
Viele von uns haben bereits in
erheblichem Maße Schranken abgebaut,
mit denen die Flexibilität unserer
Volkswirtschaften gehemmt wird.
In
den OECD-Ländern sind Steuerreformen
für Privatpersonen und Unternehmen zu
allseits akzeptierten Schritten geworden. Die Stitzensteuersätze sind
in vielen Ländern erheblich und in
anderen in bescheidenem Umfang gesenkt
worden.
Mittels
positiver
staatlicher Aktivitäten werden Anreize für Arbeit, Spartätigkeit und Investitionen geschaffen.
Darüber hinaus ist die Deregulierung auf den Finanzmärkten auf dem
Vormarsch. Großbritannien und Kanada
mit ihrem "big bang" und "little
bang" waren hier Wegbereiter. Andere
folgen auf dem Fuße. In den Vereinigten Staaten suchen wir die umfangreiche Deregulierung auszubauen, die
vor einigen Jahren stattfand. Gegenwärtig überdenkt der Kongreß das Gesetz, demzufolge Bank- und Wertpapiergeschäfte bei uns getrennt sind.
Der Senat hat ein Gesetz verabschiedet, mit dem das Glass-Steagall-Gesetz gründlich überholt wird. Unsere
Regierung unterstützt diesen lange

- 3 -

�überfälligen Schritt zur Modernisierung unseres Finanzwesens.
Wir erkennen ebenfalls die Notwendigkeit zur Stärkung der Spartätigkeit in den Vereinigten Staaten.
Aus diesem Grunde wurden wir im vierten Halbjahr des vergangenen Jahres
von der auf 4,75 Prozent gestiegenen
Sparrate der Privathaushalte ermutigt. Die Rate lag im ersten Halbjahr über 4,50 Prozent. Das bedeutet
eine Zunahme gegenüber 3,50 Prozent
zu Beginn des Jahres 1987 und 4,25
Prozent im Jahr 1986.
Die europäischen Länder haben bei
der Liberalisierung ihrer Arbeitsund Kapitalmärkte sowie bei der Verringerung der Vorschriftenlast für
Unternehmen
Fortschritte
erzielt.
Aber es muß noch mehr getan werden,
um die hohe Arbeitslosenquote abzubauen und mehr Wachstum ohne Inflation herbeizuführen.
Japan hat bemerkenswerte Fortschritte bei der Schaffung von mehr
Wettbewerb und Effizienz auf seinen
Kapitalmärkten erzielt. Aber es sind
weitere Aktivitäten notwendig, um die
bestehenden Verkrustungen abzubauen
und einen verbesserten weltweiten Zugang zu den japanischen Finanzmärkten
zu gewährleisten.

Die Rolle der Schwellenländer
Die Schwellenländer Asiens müssen
sich ebenfalls in erhöhtem Maße an
den Anpassungprozessen in der Außenwirtschaft beteiligen.
Ihre Außenhandelsüberschüsse erschweren - insbesondere im Falle Koreas und Taiwans
- eine Korrektur des weltweiten Ungleichgewichts und tragen zu protektionistischem Druck bei. Zur Verbesserung des Gleichgewichts zwischen
In- und Auslandsnachfrage sind bedeutsame strukturelle Veränderungen
erforderlich.
Bei Wechselkursen, Handel, Besteuerung, Deregulierung, Investitionen und Zugang zu den Kapitalmärkten

sind insbesondere in Korea und Taiwan
besondere Reformen notwendig. Diese
Veränderungen liegen langfristig im
besten Interesse dieser Länder. Die
Veränderungen sind ebenfalls erforderlich, wenn diese Länder ein Maß an
Verantwortung zur Erhaltung des internationalen Handelssystems übernehmen sollen, das mit ihrer rasch zunehmenden wirtschaftlichen Stärke im
Einklang steht.

Zusammenarbeit
in
schaft und Technik

Handel,

Wissen-

über diese Aufgaben hinaus ist
die Erhaltung eines offenen Handelsystems entscheidend für die interdependente Welt von heute. Um eine Liberalisierung des Handels zu erlangen, insbesondere in der Landwirtschaft, unterstützen wir die Arbeit
der Uruguay-Runde voll und ganz und
engagieren uns für ihren erfolgreichen Abschluß.
Dennoch sind alle
Länder letztlich verantwortlich für
den Erfolg der Runde, nicht nur die
Industrieländer.
Ich möchte ihre Aufmerksamkeit
kurz auf die politischen Empfehlungen
für Mitgliedstaaten, einen "Allgemeinen Rahmen von Prinzipien für die Internationale Zusammenarbiet in Wissenschaft und Technik" richten, der
im letzten Monat vom OECD-Ministerrat
verabschiedet wurde. Angemessene Investitionen
in
dynamische
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme
werden eine zunehmend wichtige Rolle
spielen, wenn es darum geht, die Dauerhaftigkeit des Wirtschaftswachstums
in den OECD-Ländern zu gewährleisten.
Dieser Rahmen stellt für diese Organisation eine große Leistung dar. Er
birgt die Möglichkeit zu weitreichenden Auswirkungen auf einen zunehmend
wichtigen Aspekt der internationalen
Wirtschaftsbeziehungen.
Ich fordere
Sie auf, mit mir zusammen dieses Dokument morgen in unserem Kommunique
zu bekräftigen.
Internationale Schuldenlast

�Ich möchte mich jetzt unseren gemeinsamen Bemühungen in einem anderen
Bereich zuwenden - dem Abbau der internationalen
Schuldenlast.
Der
wachstumsorientierte, auf den Einzelfall ausgerichtete Ansatz, den wir
seit 1985 verfolgen, hat uns unserem
Ziel ein erhebliches Stück näher gebracht und bleibt der einzige, für
alle Parteien akzeptable und praktizierbare Ansatz.
Unsere Strategie
ist evolutionär angelegt, und das hat
sich im vergangenen Jahr in der Weiterentwicklung eines "Spektrums" von
Finanzierungsoptionen für Finanzierungspakete von Geschäftsbanken widergespiegelt.
Im Gegensatz dazu
sind wir strikt gegen jeden Ansatz einschließlich der Schaffung einer
internationalen
Schuldenbehörde
-,
der seiner Beschaffenheit nach allgemein, global, von Regierungen der
Gläubigerländer finanziert oder obligatorisch ist. Solche Programme sind
nicht nur undurchführbar, sondern bewirken auch das Gegenteil. Im Hinblick auf die ärmsten Länder begrüßen
wir die positiven Schritte, die in
diesem Jahr unternommen worden sind,
um die Annahme von wirtschaftlichen
Reformprogrammen zu fördern.

Zusammenfassung
Abschließend möchte ich bemerken,
Herr Vorsitzender, daß trotz unserer
großen Leistungen in den vergangenen
Jahren noch wichtige Aufgaben vor uns
liegen. Das Programm ist weiterhin
von Herausforderungen gekennzeichnet,
und weitere Fortschritte werden anhaltende Zusammenarbeit erfordern.
Der große französische Philosoph
Alexis de Tocqueville hat im Jahr
1835 bemerkt, der Vorteil eines jeden
Mitglieds einer Gemeinschaft bestehe
in der Arbeit für das Gemeinwohl ein Grundsatz, den er als "wohlverstandenes Eigeninteresse" bezeichnete. Wir sollten de Tocquevilles Rat
folgen und die kleinlichen Eigeninteressen zum allgemeinen Wohl der internationalen Gemeinschaft beiseite
legen.
- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

20

25. Mai 1983

ACDA-CHRONOLOGIE DER VERHANDLUNGEN ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
- Zusammenfassung der ACDA -

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Zusammenfassung der Verhandlungen
über chemische Waffen wurde im Mai von der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben.
Verhandlungen über chemische Waffen
Die Vereinigten Staaten streben
seit langem ein umfassendes, wirksames, verifizierbares und wirklich
weltweites Verbot chemischer Waffen
an.

einigten Staaten strebten die Erörterung der umfangreichen Verifizierungsprobleme an, die sich aus dem
Verbot solcher Waffen ergeben würden
sowie die offene Verbreitung der zur
Verwirklichung eines solchen Verbots
erforderlichen Informationen.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten bei der 40 Nationen
umfassenden
Abrüstungskonferenz
in
Genf eine Reihe von Inititiativen
vorgeschlagen.
Im Jahr 1984 legten
die Vereinigten Staaten einen Vertragsentwurf vor, der ein weltweites
Verbot der Entwicklung, Beschaffung,
Produktion, Lagerung sowie des Transfers und Einsatzes chemischer Waffen
vorsieht. Dieser Entwurf bildet nach
wie vor die Grundlage für die andauerden Verhandlungen.
Die Ver-

Im Jahr 1983 haben die Vereinigten Staaten beispielsweise für die
Abrüstungskonferenz
einen
Workshop
über die Verifizierung der Vernichtung chemischer Waffen im TooeleHeeresdepot in Utah veranstaltet. Im
August 1987 nahm die UdSSR die seit
langem ausgesprochene Einladung zum
Besuch des Heeresdepots an, nachdem
sie im Jahr 1983 ihre Teilnahme an
dem Tooele-Workshop verweigert hatte.
Bei diesem Besuch im November 1987
wurden der sowjetischen Delegation

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�Proben aller chemischen Munition in
amerikanischem Bestand gezeigt, einschließlich des Protoyps einer binären Artilleriegranate des Kalibers
155mm . Ferner wurden detaillierte
Ausführungen über die Charakteristika
der chemischen Kampfstoffe in amerikanischem Bestand sowie über das Vernichtungsprogramm für chemische Munition gemacht und das Vernichtungssystem für Munition mit chemischen
Kampfstoffen (CAMDS) besichtigt, wo
die ausgereiftesten Technologien der
Welt zur Vernichtung chemischer Waffen vorgeführt wurden. Im Jahr 1986
legten die Vereinigten Staaten der
Abrüstungskonferenz umfangreiche Informationen über die Zusammensetzung
chemischer Waffen und den Standort
der amerikanischen Bestände vor und
drängten andere Nationen, ihrem Beispiel zu folgen.
Es sind zahlreiche Verletzungen
der Genfer Konvention von 1925 über
das Verbot des Einsatzes chemischer
Waffen festzustellen. Die Sowjetunion war bei Produktion, Transfer und
Einsatz von Giftstoffen und anderen
Kampfstoffen zur chemischen Kriegführung in Laos, Kambodscha und Afghanistan
beteiligt.
Seit Januar
1931 sind chemische Waffen auch wiederholt im iranisch-irakischen Krieg
eingesetzt worden.
Die derzeitige
Anzahl von Staaten, die tatsächlich
oder
möglicherweise
einsatzfähige
chemische Waffen besitzen, ist groß
und weiter im Zunehmen begriffen.
Die amerikanische Regierung verurteilt
jeglichen
illegalen Einsatz
chemischer Waffen und unterstützt die
unverzügliche Überprüfung von Berichten über den Einsatz chemischer Waffen zusammen mit diplomatischen und
politischen Aktionen, die auf die
Wahrung des Genfer Protokolls von
1925 ausgerichtet sind.
Die Vereinigten Staaten treffen in regelmässigen Abständen mit einer Gruppe
westlicher Staaten und auf bilateraler Ebene mit der Sowjetunion zusammen, um Schritte zu erörtern und zu
koordinieren, mit denen der Weitergabe und dem Einsatz chemischer Waffen
Einhalt geboten werden kann.

Die Vereinigten Staaten haben im
Jahr 1984 zum Zweck der Erörterung
bilateraler Fragen in dem Versuch,
multilaterale Verhandlungen zu erleichtern und sich insbesondere auf
amerikanisch-sowjetische Meinungsverschiedenheiten zu konzentrieren, Gespräche mit der UdSSR über chemische
Waffen aufgenommen. Im November 1985
forderte die beim Gipfel abgegebene
Erklärung von Reagan und Gorbatschow
die Intensivierung bilateraler Gespräche über einen Vertrag über chemische Waffen. Wir haben solche Gespräche im Rahmen der Abrüstungskonferenz aufgenommen, und seither haben
acht Gesprächsrunden stattgefunden.
Wir erwarten weitere Gespräche im
Sommer 1988.
Im März 1987 haben die Sov/jets
zum ersten Mal den Besitz chemischer
Waffen zugegeben und behauptet, deren
Produktion
eingestellt
zu haben.
Ebenfalls im Jahr 1987 luden die
Sowjets die Abrüstungskonferenz zum
Besuch in ihren Produktionsstätten
für chemische Waffen in Schichany
ein, akzeptierten das Prinzip der Adhoc-Inspektion ohne Ablehnungsrecht
und gaben zweifelhafte Stückzahlen
für ihre Arsenale an.
Im Jahr 1988 haben die Sov/jets
ihre aktive Propaganda-Kampagne weitergeführt, die darauf abzielt, das
amerikanische Programm zur Modernisierung unseres eigenen CW-Abschrekkungspotentials
zu
unterminieren.
Sie verurteilten dieses Modernisierungsprogramm als Hindernis für den
Abschluß eines Vertrages, ignorierten
aber gleichzeitig die Tatsache, daß
die Vereinigten Staaten seit Jahren
mit ihnen trotz ihres Besitzes chemischer
Waffen
verhandelten.
Die
Sowjets haben für die rasche Erarbeitung eines Verbots öffentlich Druck
ausgeübt. Dennoch haben ihre Experten daraufhin in den Verhandlungen
keine detallierten Vorschläge darüber
unterbreitet, wie noch anstehende
Fragen gelöst werden sollten. Wie
zahlreiche Vertreter bei den Verhandlungen über chemische Waffen festge-

- 2 -

�stellt haben, liegt "der Teufel im
Detail".
Leider waren die Sowjets
gerade bei den Details am unproduktivsten.
Obwohl sowjetische Initiativen,
mit denen größere Offenheit demonstriert wird, begrüßenswert sind, haben sie mehr Fragen aufgeworfen als
sie beantworten konnten. Die Sowjets
haben nicht das gleiche Datenmaterial
geliefert, wie es von den Vereinigten
Staaten über die Zusammensetzung des
Bestands, die Stationierungsorte, abgeschlossene, gegenwärtige und geplante Programme zur Zerstörung und
Technologie
geliefert wurde.
Die
dargelegte
Zahl
zum Bestand von
"nicht mehr als 50 000 Tonnen chemischer
Kriegführungsmittel"
liefert
keine Information über deren Zusammensetzung im Hinblick auf die abgefüllte Munition gegenüber der Gesamtmenge .
Trotz des bis jetzt bei der Abrüstungskonferenz
erzielten
Fortschritts bleiben zahlreiche entscheidende Fragen ungelöst.
Die Konferenzteilnehmer müssen immer noch detaillierte Bestimmungen aushandeln,
die eine verläßliche Verifizierung
sicherstellen, unverminderte Sicherheit für alle am Abkommen Beteiligten
im Zeitraum der Zerstörung der Bestände gewähren, die zivile chemische
Industrie überwachen, um sicherzustellen, daß sie keine chemischen
Waffen herstellt und sich mit dem Risiko befassen, daß einige Staaten,
die mit ihren chemischen Waffen eine
Bedrohung darstellen, nicht Unterzeichner der Konvention über chemische Waffen werden. Darüber hinaus
müssen Struktur, Durchführung, personelle Besetzung und Finanzierung der
internationalen Behörde noch erarbeitet und vereinbart werden, die diese
Konvention verwirklicht und überwacht.
Ein weltweites Verbot über chemische Waffen wäre schwierig zu verifizieren, und wir haben noch keine Lösungen für zahlreiche noch anstehende
entscheidende Verifizierungsprobleme.
Dazu zählen:

Ein militärisch bedeutsamer Bestand könnte in einem kleinen Gebiet versteckt werden.
Die Tatsache, daß viele Chemikalien und Materialien, die bei
chemischen Waffen Verwendung finden, ebenfalls in der Industrie
und Landwirtschaft verwandt werden.
Die Leichtigkeit und das Tempo,
mit dem chemische Waffen heinlich
unter Verwendung neuester Technik
hergestellt werden können.
Die Vereinigten Staaten verhandeln weiterhin über diese Probleme
und modernisieren gleichzeitig ihren
größtenteils veralteten Bestand, sowohl um einen Angriff auf amerikanische StreD.tkräfte und unsere Verbündeten weltweit abzuschrecken als auch
um der UdSSR einen Anreiz 2U schaffen, ernsthaft über ein Verbot, zu
verhandeln. Die Vereinigten Staaten
haben 196) einseitig die Produktion
chemischer Waffen eingestellt. Seitdem haben die Sowjets jedoch ihre
CW-Fähigkeiten erhöht. Demgemäß mußten die Vereinigten Staaten einen
doppelten Ansatz verfolgen.
Als Folge der von den Vereinigten
Staaten geübten einseitigen Zurückhaltung und des intensiven Modernisierungsprogramms der Sowjets bei ihren chemischen Waffen besteht bei
diesen Waffen ein ernstliches Ungleichgewicht zwischen Ost und West.
Die UdSSR besitzt ein enormes modernes C-Waffen-Arsenal, das als größter
Bestand chemischer Waffen auf der
Welt gilt, während die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten - größtenteils
unbrauchbar und vielfach aus den
vierziger und fünfziger Jahren - viel
von ihrer abschreckenden Wirkung gegen einen Ersteinsatz chemischer Waffen verloren hat. Es ist daher von
entscheidender Bedeutung, daß wir die
Glaubwürdigkeit der westlichen Abschreckung mit C-Waffen wiederherstellen, während Verhandlungen über
ein weltweites Verbot weitergeführt

- 3 -

�werden. Die Vereinigten Staaten sind
von Rechts wegen verpflichtet, ihre
Bestände an herkömmlichen C-Waffen
ungeachtet des Ergebnisses des Vertragsverhandlungen zu zerstören.
Ein umfassendes, wirksam verifizierbares und weltweites Verbot chemischer Waffen wäre eine bedeutende
Leistung und bleibt das Ziel der Vereinigten Staaten. Dennoch würde ein
nicht umfassendes oder verifizierbares Verbot die demokratischen Nationen ganz einfach der Fähigkeit berauben, den Einsatz chemischer Waffen
von seiten skrupelloser Mächte abzuschrecken.
Bis zum Abschluß eines
verläßlichen Verbots muß der Westen
seine Fähigkeit erhalten, den Einsatz
dieser Waffen durch andere Staaten
abzuschrecken.

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VON

Hintergrundmaterial

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25. Mai 1983

20

PROBLEME DER FREIZÜGIGKEIT
- Übersicht des Weißen Hauses -

Nachfolgend bringen wir eine vom Weißen Haus am 23. Mai anläßlich des Gipfeltreffens veröffentlichte Übersicht zu Problemen der Freizügigkeit.
Die Freizügigkeit ist bei allen
hochrangigen Diskussionen mit sowjetischen Regierungsvertretern über die
Menschenrechte ein Thema von besonderer Bedeutung. Unser Engagement bei
diesem Themenkomplex entstammt der
ersten Menschenrechtsverfügung, die
in der amerikanischen Gesetzgebung in
Form des Jackson-Vanik-Zusatzartikels
zum Handelsgesetz von 1974 verankert
wurde.
Anfang des Jahres 1987 stieg die
Zahl der auswanderungswilligen sowjetischen Juden beachtlich über den relativ geringen Stand Mitte der achtziger Jahre an. Die Gesamtzahl des
Jahres 1987 belief sich auf 8 155
verglichen mit insgesamt nur 914 im
Jahr 1986. Im Verlauf des Jahres
1987 erhielten pro Monat 700 bis 900

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sowjetische Juden Auswanderungsdokumente. Seit Beginn des Jahres 1988
scheinen die sowjetischen Behörden
diese Zahl auf 1 000 pro Monat angehoben zu haben, eine Zunahme, die in
der Zahl derjenigen ihren Niederschlag fand, die ihre Auswanderungsvorbereitungen im März und April trafen. Die Zahl der auswandernden sowjetischen Juden liegt jedoch noch
immer weit unter den Zahlen der siebziger Jahre, als im Jahresdurchschnitt ca. 25 000 sowjetische Juden
ausreisten. Im Spitzenjähr 1979 emigrierten 51 320 sowjetische Juden.
Am 1. Januar 1987 traten neue sowjetische Einund Ausreisebestimmungen in Kraft. Diesen Bestimmungen
zufolge müssen Antragsteller eine
Einladung von engen Verwandten im

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�Ausland vorweisen - Geschwistern, Eltern oder Ehepartnern. Die sowjetischen Behörden haben sich nicht immer
ganz strikt an diese Bestimmung gehalten, sie dient jedoch dazu, neue
Antragsteller abzuschrecken.

Monat das Land verlassen.

Die Mehrzahl der Ausreiseverweigerungen erfolgt noch immer aufgrund
angeblicher "Kenntnis von Staatsgeheimnissen". Diese Logik wird höchst
willkürlich und häufig auch dann angewandt, wenn der Antragsteller noch
nie Zugang zu sicherheitsempfindlichen Informationen hatte, oder der
Zugang so lange zurückliegt, daß jegliche aus dieser Zeit stammenden Informationen längst nicht mehr sicherheitsrelevant sind.
Ein weiteres
Ausreisehindernis ist die erforderliche Unterzeichnung von finanziellen
Verzichtserklärungen durch die Eltern
und ehemaligen Ehegatten von erwachsenen Antragstellern. Die amerikanische Regierung hat die Sowjets wiederholt aufgefordert, diese und andere die Ausreise erschwerende Hemmnisse abzubauen.
Die Zahl der Emigranten ist auch
bei den anderen beiden Gruppen angestiegen, die als einzige in beträchtlicher Zahl ausreisen dürfen, den
Volksdeutschen
und den Armeniern,
tlehr als 14 000 Deutsche emigrierten
im Jahr 1987 in die Bundesrepublik
Deutschland, ein neuer Rekord im Vergleich zu 783 im Jahr 1986. Im Jahr
1988 belief sich die Zahl der deutschen Auswanderer im Durschnitt auf
über 2 000 pro Monat. Im Jahr 1986
wurde nur 247 sowjetischen Armeniern
die Ausreise gestattet. 1988 erhielten schätzungsweise 0 000 die Ausreisegenehmigung, die meisten von ihnen
in der zweiten Jahreshälfte. Aufgrund dieses steilen und unerwarteten
Anstiegs konnte die amerikanische
Botschaft in Moskau bis Ende des Jahres nur 3 000 armenische Anträge bearbeiten.
Die Botschaft hat jetzt
ihre Bearbeitungskapazität entsprechend der Anzahl derer erhöht, die
eine
Ausreisegenehmigung
erhalten,
und im Jahr 1988 haben durchschnittlich 1 000 sowjetische Armenier pro
- 2 -

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VON

Hintergrundmaterial

**

25. Mai 1988

20

FÜNF TREFFEN REAGAN-GORBATSCHOW BEIM GIPFEL
- Das Programm des Gipfeltreffens -

WASHINGTON - (AD) - Einer Erklärung des Weißen Hauses vom 20. Mai
1988 zufolge wird Präsident Reagan
während des Gipfeltreffens - bei dem
täglich Öffentliche Auftritte vorgesehen sind - fünfmal mit Generalsekretär Gorbatschow zusammentreffen.
Offizieller Beginn des Gipfeltreffens ist der 29. Mai, der Präsident verläßt das Weiße Haus jedoch
bereits am 25. Mai und kommt am frühen Morgen des nächsten Tages in Helsinki an. Reagan wird am 27. Mai von
Präsident Koivisto offiziell in Finnland willkommen geheißen; das Programm sieht eine BegrüßungsZeremonie,
ein Gespräch sowie ein Mittagessen
vor.
Danach

wird

sich

der

Präsident

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zum großen Finlandia Konzertsaal begeben, in dem die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet wurde und um 2.00
Uhr MESZ eine Ansprache über die
Durchführung
dieser
Vereinbarungen
und die Tagesordnung des Moskauer
Gipfels halten. Am 28. Mai wird die
wöchentliche
Rundfunkansprache
des
Präsidenten zum Gipfeltreffen ausgestrahlt.
Präsident Reagan kommt am 29. Mai
um 12.15 Uhr MESZ in Moskau an und
wird von Staatspräsident Gromyko am
Flughafen begrüßt.
Im Anschluß an
eine kurze Begrüßungszeremonie wird
sich der Präsident, begleitet von
einer Polizeieskorte, zum Kreml begeben. Sein erstes Zusammentreffen mit
Generalsekretär Gorbatschow ist für
13.15 Uhr MESZ im Georgssaal des

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�Kreml vorgesehen.

sion vorgesehen.

Das
zweite
Treffen
zwischen
Reagan und Gorbatschow findet am 30.
Mai um 8.00 Uhr MESZ im Katharinensaal statt. Nach einem für die Mittagszeit anberaumten Besuch des Danilow-Klosters treffen die beiden Regierungschefs ein drittes Mal, wiederum im Katharinensaal, zusammen.
In dem 700 Jahre alten Danilow-Kloster, das mit staatlichen Mittel restauriert wird, unterhält sich der
Präsident
mit
russisch-orthodoxen
Mönchen und sieht ihnen bei der Restaurierung von Ikonen zu. Dem Sprecher des Weißen Hauses Marlin Fitzwater zufolge betrachtet das Weiße Haus
diesen Besuch als "Symbol unseres Anliegens der Religionsfreiheit".

Arn Abend gibt Präsident Reagan im
Spaso-Haus ein Abendessen zu Ehren
von Generalsekretär Gorbatschow.

Um 14.30 MESZ ist eine Begegnung
mit sowjetischen Dissidenten und Ausreisewilligen im Spaso-Haus vorgesehen, der Residenz des amerikanisehen
Botschafters, in der Reagan während
des
Gipfels
untergebracht
ist.
Reagan wird mit den Besuchern Themen
wie die Rede- und Pressefreiheit und
das Recht auf Ausreise erörtern, gab
Fitzwater bekannt.
Der Präsident wird am Abend an
einem von Gorbatschow gegebenen offiziellen Essen im Facettenpalast des
Kreml teilnehmen.
Eine vierte offizielle Begegnung
zwischen Reagan und Gorbatschow findet am 31. Mai wiederum im Kreml
statt. Der Präsident kommt am Mittag
mit der sowjetischen Kulturund Künstlergemeinde im Schriftstellersaal zusammen.
"Bei diesem Treffen mit
Schriftstellern, Künstlern, Filmemachern und Intellektuellen wird die
Freiheit der Künste diskutiert", erklärte Fitzwater.
Am frühen Nachmittag wird der
Präsident vor Studenten der Moskauer
Universität eine Rede über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen halten, unter besonderer Berücksichtigung der Jugendlichen; im Anschluß an
seine Ausführungen ist eine Diskus-

Am 1. Juni findet das fünfte und
letzte Treffen mit Gorbatschow im
Kreml statt. Der Präsident hat für
14.00 MESZ eine Pressekonferenz im
Spaso-Haus anberaumt.
Am Abend des 1. Juni werden die
Ehepaare Reagan und Gorbatschow einer
Aufführung des Bolschoi-Balletts beiwohnen und anschließend an einem privaten Abendessen in Gorbatschows Datscha teilnehmen.
Die beiden Ehepaare verabschieden
sich offiziell am 2. Juni um 8.00 Uhr
MESZ, und Staatspräsident Gromyko
nimmt an der Abschiedszeremonie für
Präsident Reagan am Flughafen teil.
Der Präsident unterbricht den
Rückflug in London. Zum Nachmittagstee ist er zu Gast bei Königin Elisabeth im Buckingham Palast. Nach Abschreiten der königlichen Ehrengarde
kommt Präsident Reagan mit Premierministerin Thatcher in Nr. 10 Downing
Street
zusammen.
Das
Ehepaar
Thatcher gibt am Abend ein Essen zu
Ehren der Reagans.
Am 3. Juni hält der Präsident um
13.00 Uhr MESZ eine Ansprache im Rathaus der City von London mit einer
Zusammenfassung der Ereignisse in
Moskau. Fitzwater zufolge wird der
Präsident ferner die Zukunft der
Ost-West-Beziehungen ansprechen. Vor
der Rede ist ein Treffen mit dem japanischen Premierminister Takeshita
vorgesehen.
Der Präsident und seine Gattin
werden am 3. Juni um 22.30 Uhr MESZ
auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrew
Air Force Base zurückerwartet.

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1

W

Hintergrundmaterial

25. Mai 1983

20

RELIGIÖSE RECHTE IN DER SOWJETUNION
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht ist dem am 23. Mai vom Weißen Haus veröffentlichen
Pressehandbuch zum amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen in Moskau entnommen:
Obwohl die sowjetische Regierung
für sich in Anspruch nimmt, die Rechte ihrer Bürger auf Ausübung jeglicher Religion zu respektieren, werden
die Gläubigen durch zahlreiche vom
Staat auferlegte Hindernisse eingeschränkt.
Zum Beispiel garantiert
die sowjetische Verfassung das Recht
auf "religiöse Verehrung", gestattet
aber nicht die Bildung religiöser Organisationen und die Verbreitung religiöser Überzeugungen im Hinblick
auf eine vollständige verfassungsmässige Gleichstellung mit atheistischen
Organisationen.
Selbst das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Religionsausübung
ist in der Sowjetunion sehr eingeschränkt. Alle religiösen Bekenntnisse müssen zur legalen Religions-

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ausübung vom sowjetischen Staat offiziell anerkannt sein.
Diese Vorschrift wurde in der Vergangenheit
dazu benutzt, um die Legalisierung
der von der sowjetischen Regierung
vor über 40 Jahren verbotenem Ukrainischen Katholischen Kirche zu blokkieren und die Registrierung der Hare-Krishna-Bewegung
zu
verhindern.
Des weiteren muß jede Religionsgemeinschaft per Gesetz mindestens 20
Gläubige zählen und vom Staat zugelassen
und
registriert
werden.
Manchmal schleppt sich die Bearbeitung von Anträgen dieser Art jahrelang dahin und hindert somit eine Gemeinde daran, sich legal zu formieren.
Sowjetische Bürger, die trotz
dieser Hindernisse hartnäckig an der
Praktizierung ihres Glaubens fest-

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�halten, sind häufig Belästigungen
ausgesetzt. Gläubige sind von der
Mitgliedschaft in der Kommunistischen
Partei ausgeschlossen und haben deshalb in der Sowjetunion praktisch
keinerlei Zugang zu einflußreichen
Stellungen. Außerdem wird Gläubigen
der Zugang zu bestimmten Bildungswegen und Berufen verweigert.
Zahlreiche Gläubige wurden inhaftiert. Die meisten wurden auf der
Grundlage von Paragraphen des Strafgesetzbuches verurteilt wie etwa denen für "antisowjetische Verleumdung"
oder "antisowjetische Agitation und
Propaganda", die eine direkte Verletzung freiwillig von der Sowjetunion
eingegangener
internationaler
Verpflichtungen darstellen. Andere etwa
"die Verletzung von Gesetzen über die
Trennung von Kirche und Staat" betreffende Paragraphen werden benutzt,
um Gläubigen ihre Rechte vorzuenthalten. Obwohl, über 100 Gläubige in den
vergangenen eineinhalb Jahren aus
Haftanstalten, Arbeitslagern und Verbannung entlassen wurden, sind über
100 Personen weiterhin
in Haft.
Einigen Berichten zufolge sind die
Zahlen der Häftlinge aus religiösen
Gründen noch höher.
Religiöse Erziehung ist ebenfalls
sehr stark eingeschränkt. Alle Formen religiösen Unterrichts, mit Ausnahme der Ausbildung in Priesterseminaren und der elterlichen Erziehung,
sind in der Sowjetunion verboten.
Die Ausübung der Religion wird weiterhin durch Schranken gegen die Einfuhr und Herstellung religiösen Materials sowie durch den Mangel an
ausgebildeten Geistlichen und Gebetsstätten behindert.

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^^ION

25. Mai 1983

20

MENSCHENRECHTE IN DER SOWJETUNION
- Eine Übersicht -

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin unbefriedigt über das sowjetische Verhalten bei den Menschenrechten.
Die Sowjetunion verletzt
anhaltend Menschenrechte und Grundfreiheiten, wie sie in der Schlußakte
von Helsinki und anderen internationalen Abkommen definiert werden.
Dennoch haben in den vergangenen
anderthalb Jahren mehrere bedeutsame
Entwicklungen bei den Menschenrechten
in der Sowjetunion stattgefunden. Im
Dezember 1986 gestatteten die sowjetischen Behörden Andrej Sacharow nach
sieben Jahren Verbannung die Rückkehr
nach Moskau. Mehr als 300 politische
Gefangene sind seit Februar 1987
freigelassen worden, die umfangreichste Haftentlassung von Dissidenten
seit der Zeit unmittelbar nach Sta-

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lin. Die Sowjets haben ebenfalls erklärt, psychiatrische "Spezial"-Kliniken gehörten nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich des Innenministeriums.
Vereinigungen und Organisationen
ohne staatliche Unterstützung werden
geduldet, obwohl die Mitglieder einiger
politischer
Interessengruppen,
wie etwa des "Presseclubs Glasnost"
belästigt werden. Im Dezember 1987
gelang dem "Presseclub Glasnost" die
Durchführung eines Seminars zur Problematik der Menschenrechte, obwohl
sich die Teilnehmer in Privatwohnungen treffen mußten und einige potentielle Teilnehmer
verhaftet wurden.
Einer Reihe von Amerikanern, die sich
um eine Teilnahme bemüht hatten, wurden sowjetische Visa verweigert.

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�Es muß noch viel mehr getan werden. Uns sind die Namen von über 300
Personen bekannt, die aufgrund ihrer
politischen oder religiösen Überzeugung immer noch in Gefängnissen, Arbeitslagern und psychiatrischen Kliniken eingesperrt sind.
Obwohl im
November 1986 eine Überprüfung des
entsprechenden Gesetzes zugesagt wurde, ist bis jetzt keine einschneidende Reform durchgeführt worden. Einen
besonderen Anlaß zur Besorgnis liefert die Festnahme des armenischen
Aktivisten Paruir Arikian im März
1988 wegen "antisowjetischer Verleumdung". Es handelt sich hierbei um
einen der "politischen" Paragraphen,
der Vertretern der sowjetischen Regierung zufolge mit der ' Gesetzesreform abgeschafft werden sollte - Arikian war seit anderthalb Jahren die
erste aufgrund dieses Paragraphen
festgenommene Person.
In diesem Jahr der Tausendjahrfeier des Christentums in der Kiewer
Rus ist die religiöse Unterweisung
außerhalb des eigenen Hauses verboten. Die Gebetsstätten, die Zahl der
Priester und die Versorgung mit religiöser Literatur reichen nicht aus,
um den Bedarf der Gläubigen zu dekken. Die Lehre der hebräischen Sprache ist verboten. Die unabhängige
Ukrainische Orthodoxe Kirche bleibt
zwangsweise mit einer russisch-orthodoxen Kirche verbunden, und die
Ukrainische Katholische Kirche darf
dem Gesetz nach nicht bestehen.
1987 stieg die Zahl der Auswanderer. Die Gesamtzahl der im Jahr 1987
ausgewanderten Juden betrug 8 155,
und gegenwärtig erhalten monatlich
etwa 1 000 sowjetische Juden Ausreisegenehmigungen. Obwohl diese Zahlen
gegenüber 914 im gesamten Jahr 1986
ein günstiges Bild zeigen, liegen sie
wesentlich unter den Zahlen der siebziger Jahre, als jeden Monat etwa
2 000 sowjetische Juden ausreisten.
Im Spitzenjähr der Auswanderung von
Juden, 1979, emigrierten mehr als
51 000 sowjetische Juden.

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25. Mai 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE UND IHRE PARALLELEN
IN DER VERGANGENHEIT
- von Dom Bonafede (Der Verfasser ist leitender Redakteur der Zeitschrift 'National Journal')

Die
amerikanische
Präsidentschaftswahlkampagne des Jahres 1988
hat ähnlich wie die voraufgegangenen
Wahlkämpfe der letzten zwei Jahrhunderte Parallelen in der Vergangenheit
und Auswirkungen für die Zukunft.
Ein hervorragendes Beispiel dafür
liefern die gegenwärtige Kampagne und
der Wahlkampf von 1960, bei denen offensichtlich Parallelen bestehen. In
beiden Fall standen zwei populäre
Präsidenten - damals Dwight Eisenhower und jetzt Ronald Reagan - am
Ende
ihrer
verfassungsmäßig
beschränkten zwei Amtszeiten und machten den Weg frei für ein offenes Rennen in beiden politischen Parteien.
Jeder war bei seinem Rücktritt
der älteste Präsident der Geschichte

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und in seiner Eigenschaft als Regierungschef bekannt dafür, daß er Vollmachten delegierte. Während seiner
Amtszeit erlebte jeder eine nationale
Rezession, eine Wahlniederlage seiner
Partei zur Mitte der Amtszeit sowie
Skandale bei seinen Beratern und fand
dennoch weiterhin Anklang in der Öffentlichkeit.
Im Bereich der Außenpolitik amtierte jeder gerade zu der Zeit, als
die sowjetische Führungsspitze die
überkommenen
Formen
aufzubrechen
suchte, zuerst Nikita Chruschtschow
und gegenwärtig Michail Gorbatschow.
Sowohl Eisenhower als auch Reagan
ließen der Republikanischen Partei
als Teil ihres Vermächtnisses die
Wahl zwischen Kontinuität oder Wan-

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�del.
Darüber hinaus versetzten sie
ihre Vizepräsidenten in die Lage,
Nachfolger zu werden.
Ungeachtet
der
Übereinstimmung
zwischen Vergangenheit und Gegenwart
hat jedes Streben nach der Präsidentschaft seinen besonderen Eigencharakter und eigene Merkmale, wenn es darum geht, die Anliegen und Wunschvorstellungen der Zeit zu berücksichtigen.
Im Einklang mit dem historischen
Zyklus und der Stimmung im Land
scheinen amerikanische Wähler bei ihrem nächsten Präsidenten in stärkerem
Maße Kompetenz und eine starke Führungsrolle zu suchen als Stil und
Charisma, wozu im Zeitalter der Massenmedien die Tendenz bestand.
Der gegenwärtige Wahlkampf ist
der ertse seit 1968, in dem sich kein
amtierender Präsident zur Wiederwahl
stellt. Noch wichtiger ist, daß der
erste ernsthafte schwarze Kandidat,
Jesse Jackson, sich nunmehr um die
Präsidentschaft bewirbt.
Obwohl George Bush schon für die
Nominierung der Republikaner feststeht, sollte man sich vergegenwärtigen, daß die Geshichte nicht wohlwollend mit Vizepräsidenten umgegangen
ist, die direkt aus ihrer Position
der Nummer Zwei heraus ins Weiße Haus
gewählt werden wollten. Der letzte
erfolgreiche Kandidat war Martin Van
Buren im Jahr 1836 als Vizepräsident
unter Andrew Jackson.
Van Buren war der Nutznießer der
loyalen Gefolgschaft von "Old Hickory", wie Jackson genannt wurde. Dasselbe trifft nicht auf das Verhältnis
zwischen Bush und Reagan zu.
Die Billigung des Präsidenten bedeutet nicht den Sieg für einen Vizepräsidenten, wie Richard Nixon 1960
und Hubert Humphrey 1968 erfahren
mußten.
Als Nicht-Regierungspartei suchen
die Demokraten - wie im Jahr 1960 bei

ihrer Nominierung John F. Kennedys nach einem neuen und anders gearteten
Kandidaten, der keine Assoziationen
mit der Vergangenheit hervorruft.
Diese Beschreibung trifft auf den
möglichen Kandidaten der Partei, den
Gouverneur von Massachusetts Michael
Dukakis, zu.
Im Gegensatz zu den letzten Präsidentschaftswahlkampagnen zieht keiner der Kandidaten gegen Washington
zu Felde. Unter den möglichen Faktoren, die zu dieser Entwicklung beitragen, ist die allgemein gesunde
Wirtschaftslage der Nation, mit bemerkenswert niedriger Inflationsrate
und Arbeitslosenquote sowie die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
eine Zeitspanne relativen Friedens
erleben, obgleich sie ihre nationalen
Interessen gegen internationale Terroristen verteidigen und weltweit ihre Präsenz in Unruheherden behaupten,
wie etwa in Mittelamerika und dem
Persischen Golf.
Es ist auch das erste Mal in der
jüngeren Vergangenheit, daß es keine
Kandidaten gibt, die als Außenseiter
oder Unabhängige gegen den Strom und
das politische Establishment kandidieren, wie etwa George Wallace,
Eugene McCarthy, John Anderson und
Jimmy Carter in früheren Kamapagnen.
Darüber hinaus gibt es den Beobachtungen Gary Orrens von der John F.
Kennedy School of Government an der
Harvard University
zufolge keinen
herausragenden Kandidaten, der eindeutig das Zeug zum Präsidenten hat.
Zitat Orren: "Es gibt keinen Kandidaten, der als Komet fungiert, an dem
sich die anderen orientieren".
Ihm zufolge "bedeutet dies, daß
die Kampagne von kurzfristigen Faktoren dominiert wird - den Medien, den
Vorschriften, Geld und der Charakterfrage" .
Damit besteht ebenfalls die grössere
Wahrscheinlichkeit
für
ein
Kopf-an-Kopf-Rennen im November.

�Ein weiterer herausragender Faktor der Kampagne von 1988 besteht darin, daß die führenden Kandidaten Bush, Dukakis und Jackson - eher
Pragmatiker als Ideologen sind. Das
steht in starkem Gegensatz zur Kampagne von 1984, bei der Reagan seine
konservativen Werte und der demokratische Kandidat Walter Mondale seinen
Liberalismus propagierte.
Statt dessen stellt sich jeder
Kandidat mit dem Thema dar, daß er
die Kompetenz, Kenntnisse und Erfahrungen mitbringt, um mit den Problemen des Landes sowohl auf nationaler
wie auch auf internationaler Ebene
fertigzuwerden.
Jeder stellt seine
zupackenden organisatorischen Fähigkeiten stärker heraus als seine Ideologie.
Ungewöhnlich an der gegenwärtigen
Kampagne ist das Fehlen eines 'heißen
Eisens', mit dessen Hilfe die Parameter des Wettbewerbs abgesteckt werden
und zu dem die Kandidaten eine Koalition mobilisieren können. Traditionell schlägt der Spitzenkandidat ein
Programm vor, das größtenteils auf
eine Wiederbelebung der Wirtschaft
und Stärkung der amerikanischen Aussenpolitik abzielt. Aber dieses Mal,
so bemerkt der Politikwissenschaftler
Erwin Hargrove von der Vanderbilt
University, "gibt es keine Problembereiche, die der Öffentlichkeit ein
Anliegen wären".
Dennoch gibt es zahlreiche soziale und die Lebensqualität betreffende
Fragen von großer Bedeutung für nahezu jeden Amerikaner, auf die der Kandidat eingehen muß. Dazu zählen Erziehung,
Drogenkonsum, Verbrechen,
Gesundheitsfürsorge, AIDS, die Todesstrafe, Abtreibung und Pornographie.
Die vom Meinungsforscher des Weißen
Hauses, Richard Wirthlin, durchgeführten Untersuchungen zur öffentlichen Meinung zeigen, daß soziale Fragen die Wähler stärker beschäftigen
als die Wirtschaft. Man sollte sich
auch daran erinnern, daß Reagan in
seiner
Präsidentschaftswahlkampagne
Werte wie Familie, Gemeinwesen und

Religion hervorhob.
Jackson hat sich mehr als alle
anderen Kandidaten auf diese Themen
konzentriert und vorgeschlagen, der
Staat solle bei ihrer Lösung eine
größere Rolle spielen. Zum Drogenproblem vertritt Bush die Auffassung,
führende Köpfe des Drogengeschäfts
sollten im Falle ihrer Überführung
mit dem Tode bestraft werden; Dukakis, der die Todesstrafe ablehnt,
spricht sich dagegen für verstärkte
Erziehungsmaßnahmen, Prävention und
Rehabilitation bei Jugendlichen aus.
Um die Präsidentschaftswahl 1988
zu gewinnen, muß ein Kandidat der
einhelligen Meinung der politischen
Beobachter zufolge in gesellschaftlichen Fragen einen nachhaltigen Eindruck bei ethnischen, religiös motivierten und zur Arbeitnehmerschaft
zuzurechnenden Wählern hinterlassen.
Ein weiteres parteiübergreifendes
Thema betrifft die persönliche Moral
und das Berufsethos der Kandidaten.
Robert Teeter, ein Experte zu Fragen
der öffentlichen Meinung, der sich
auf republikanische Kandidaten und
Anliegen spezialisiert hat, behauptet, daß nach der Ausschaltung von
Ideologie als entscheidender Faktor
die Wähler nun dem Charakter der Kandidaten mehr Beachtung schenken.
Die von großem publizistischen
Echo begleiteten Skandale um den ehemaligen demokratischen Kandidaten Senator Gary Hart, die Insider-Geschäfte an der Wall Street und die Sexund-Geld-Enthüllungen um die Fernsehevangelisten Jim und Tammy Bakker und
Jimmy Swaggart sowie die Verurteilungen
der
früheren
Reagan-Berater
Michael Deaver und Lyn Nofziger haben
die amerikanische Öffentlichkeit besonders für das Problem der Moral
sensibilisiert.
Enthüllungen über moralisch zweifelhafte Verhaltensweisen sind kaum
neu. Dennoch habe sich die Spielregeln geändert: das Privatleben von
im Lichte der Öffentlichkeit stehen-

- 3 -

�den
Personen,
Regierungsvertretern
und Politikern wird heute als legitimes Betätigungsfeld der Nachrichtenmedien angesehen, womit theoretisch
ein Schlüssel zu ihrem Charakter hinter den Kulissen, ihren potentiellen
Fähigkeiten und zu erwartenden Leistungen geliefert wird.
Eine damit in Zusammenhang stehende Frage betrifft die Kontroverse
über den Mißbrauch staatlicher Macht
in der Iran-Contra-Affäre.
Obwohl
gegen zwei ehemalige Berater des
Weißen Hauses für Angelegenheiten der
nationalen Sicherheit, Admiral John
Poindexter und Oberstleutnant Oliver
North, in diesem FalL Anklage erhoben
wurde, bleiben die Auswirkungen auf
Bushs Wahlkampf weiter ungewiß. Der
Vizepräsident hat standhaft behauptet, daß er mit dem Entscheidungsfindungsprozeß vor der Affäre nichts
zu tun hatte.
Trotzdem könnte die Besorgnis der
Öffentlichkeit über den Vorfall Auswirkungen auf die Wahl haben.
Ein ehernes Gesetz der amerikanischen Politik besagt, daß die Außenpolitik - mit Ausnahme der Frage von
Krieg oder Frieden - keinen starken
Einfluß auf den Präsidentschaftswahlkampf hat. Die anstehende Wahl könnte jedoch eine Ausnahme bilden.
Bushs Haltung zur Außen- und Verteidigungspolitik
ist zum größten
Teil eine Reproduktion derjenigen
Präsident Reagans - Unterstützung antikommunistischer Kräfte, eine starke
Verteidigung, Weiterverfolgung eines
Rüstungskontrollabkommens
mit
der
Sowjetunion
und Unterstützung der
Strategischen Verteidigungsinitiative
(SDI).
Die beiden führenden Bewerber bei
den Demokraten haben andere politische Maßnahmen vorgeschlagen, die
sich in vielen Bereichen unterscheiden.
Aufgrund
seiner
Erfahrung
in
"Privatdiplomatie" und seines Ein-

fühlungsvermögens für die Dritte Welt
tritt Jackson für eine radikale Neuorientierung amerikanischer Außenund Verteidigungspolitik ein, die er
als "neuen Realismus" bezeichnet.
Grundlegende
Vorschläge
sind:
Beendigung der amerikanischen Hilfe
für die Contra-Rebellen in Nicaragua,
Unterstützung eines unabhängigen Palästinenserstaates,
schärfere
USSanktionen gegen Südafrika, Schuldenentlastung für Staaten der Dritten
Welt. Im Verteidigungsbereich befürwortet er: Einfrieren der Militärausgaben auf gegenwärtigem Dollarstand für fünf Jahre, Reduzierung der
US-Streitkräfte in Westeuropa, Einstellung der Entwicklung von Tarnbombern (Stealth) und SDI, Reduzierung
der Flugzeugträgerverbände der Marine, Abschaffung der MX-Raketen und
einen Stop bei Midgetman und D-5-Raketen.
Kritiker argumentieren, die
Reduzierungen im Militärarsenal des
Landes machten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten verwundbar
für einen sowjetischen Angriff. Ausserdem drücken sie ihre Besorgnis
über sein gutes Verhältnis zu Kubas
Fidel Castro und zu Yassir Arafat,
dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), aus.
Was seine Vorschläge zur Außenund Verteidigungspolitik angeht, so
hat sich Dukakis weniger deutlich
ausgedrückt und wurde sowohl von
Jackson wie auch von Bush wegen seines Mangels an direkter Erfahrung in
diesem Bereich kritisiert.
Er hat eine außen- und verteidigungspolitische Haltung umrissen, die
den Vorstellungen der liberalen Mitte
der Demokratischen Partei entspricht.
So hat er betont, was er als eine politische Position bezeichnet, die
"amerikanische Werte" widerspiegelt,
darunter Menschenrechte, Respektierung der Herrschaft des Gesetzes und
einen multilateralen Ansatz zur Lösung weltweiter Probleme durch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die Organisation
Amerikanischer Staaten.

- 4 -

�Dukakis ist strikt gegen die Gewährung von Hilfe an die Contras. Er
ist ein energischer Freund Israels,
weigert sich aber gleichzeitig, eine
positive oder negative Haltung gegenüber einem Palästinenserstaat einzunehmen. Er hat über die Möglichkeit
eines Abzugs amerikanischer Truppen
aus Korea spekuliert und Wege zur
Aufnahme von Gespräche mit Castro
sondiert.
In der Verteidigung befürwortet
er eine Reduzierung der strategischen
Waffen um 50 oder mehr Prozent, einen
umfassenden Atomteststopp, die Beschränkung von SDI auf das Forschungs- und Entwicklungsniveau von
vor 1983 sowie eine Aufrüstung der
konventionellen Streitkräfte.

der enorm breiten Berichterstattung
durch die Medien sowie des großen
Felds früher Kandidaten hat der Präsidentschaftswahlkampf
1988
nicht
vermocht, intensives Interesse oder
echte Begeisterung unter den Wählern
hervorzubringen. Weitgehend aufgrund
seiner Fähigkeiten als Redner, persönlicher Anziehungskraft und seinem
Status als Superstar hat Jackson allein ein gewisse Maß an Energie und
Enthusiasmus geliefert. Bush und Dukakis entbehrten dem allgemeinen Empfinden zufolge der Wärme, des Flairs
und jener undefinierbaren Aura, die
einer nationalen Zuhörerschaft imponiert.
Angesichts dessen ist es nicht
unvorstellbar, daß die Wahlbeteiligung geringer ausfallen wird als die
im Jahr 1984 verzeichneten 53 Prozent.

Während Dukakis weniger Erfahrung
im Umgang mit ausländischen Politikern hat als Bush oder Jackson, ist
er ihnen gegenüber jedoch durch seine
natürliche Begabung für Fremdsprachen
im Vorteil. Er spricht fließend Spanisch und besitzt ausreichende Kenntnisse in Griechisch und Französisch.
In einer bedeutsamen Abkehr von
der Praxis des Jahres 1984 hat Dukakis es sorgfältig vermieden, Politik
für einzelne Wählergruppen zu machen
und vor seiner Nominierung Verpflichtungen für mächtige Interessengruppen
einzugehen, wie Mondale dies zu seinem Bedauern getan hatte. Zu Beginn
seiner Kampagne um die demokratische
Nominierung hatte Mondale sich beflissen um die Unterstützung der
AFL-CIO, der National Education Association und der National Organization
for Women bemüht und sie auch erhalten. Zu seinem Nachteil wurde Mondale als "Gefangener" von Interessengruppen dargestellt.
Im
Dukakis
höherer
wohl er

Gegensatz zu Mondale vermied
es auch, sich zur Einführung
Steuern zu verpflichten, obdies nicht ausgeschlossen hat.

Trotz des langen Zeitraums der
Vorwahlen und Caucus-Abstimmungen und
- 5 -

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