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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

11.

18

Mai

1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bündnis spielt entscheidende Rolle beim Konzept
der Lastenteilung
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft HINTERGRUNDMATERIAL
Verlagert Moskau wirklich den Schwerpunkt auf Verteidigung?
- Von Verteidigungsminister Frank C. Carlucci -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Rauschgift bedeutet Selbstzerstörung
- Aufklärung und Erziehung muß im Kindesalter beginnen

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11. Mai 1988

18

BÜNDNIS SPIELT ENTSCHEIDENDE ROLLE BEIM KONZEPT DER LASTENTEILUNG
- Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft in London LONDON - (AD) - Dem Stellvertretenden amerikanischen Verteidigungsminister William Taft zufolge kommt der NATO als Institution "eine entscheidende
Rolle" beim Problem der Lastenteilung innerhalb des Bündnisses zu. Taft
sprach am 4. Mai im Londoner Regents College, wo er die Lastenteilung als Problem des gesamten Bündnisses bezeichnete und ferner als wichtigen ersten
Schritt zur Erarbeitung eines "gemeinsamen Konzepts im Bündnis", das "die Vereinigten Staaten in höchstem Maße begrüßen" würden. Taft erklärte, die Absicht seines gegenwärtigen Besuchs in Europa "bestehe nicht darin, neue Vorschläge zu unterbreiten, sondern vielmehr darin, die Bedeutung der Verpflichtungen zu unterstreichen, die von der NATO bereits eingegangen wurden".
Nachfolgend veröffentlichen wir Tafts Rede im Wortlaut:
Vor drei Jahren kam ich zu Gesprächen
über einen
Problembereich
nach London, der für die NATO von
entscheidender
Bedeutung war:
die
Vorzüge einer verbesserten Zusammenarbeit im Bündnis auf dem Gebiet der
Rüstung. Der vorteil gemeinsamer Bemühungen zur Entwicklung neuer Waffensysteme, mit denen einer Bedrohung
für uns alle entgegengetreten werden
könnte, schien auf der Hand zu liegen
- ebenso wie die Verschwendung der
Bündnispartner durch die gesonderte
Entwicklung neuer Waffensysteme.
Ich freue mich, ihnen mitteilen
zu können, welch große Fortschritte
das Bündnis in diesen drei Jahren
seit meinem letzten Besuch bei unseren Bemühungen um Zusammenarbeit im
Bereich
der
Waffensysteme
gemacht

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Embassy of the United States of America

hat. Unsere Leistungen in diesem Bereich bestätigen den Wert gemeinsamer
Aktivitäten
und auch
meine
feste
Überzeugung, daß gemeinsame Arbeit
als Eckpfeiler
des NATO-Bündnisses
der Grund dafür ist, daß ich heute
wiederum nach Europa komme.
Mein heutiges Thema ist sowohl
umfangreicher als auch heikler: die
Verteilung von Rollen, Risiken und
Pflichten unter den Bündnispartnern
im Rahmen der Verteidigung - was wir
in den Vereinigten Staaten oftmals
als Lastenteilung bezeichnen.
Wie in jüngster Zeit vielfach beobachtet werden konnte, wird diesem
Problem in Amerika nunmehr aus unterschiedlichen Gründen große Aufmerksamkeit zuteil.
ich besuche diese

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Telex: 8-85432

�Woche NATO-Hauptquartiere und eine
Reihe von Hauptstädten der NATO, um
darzulegen, welche Betrachtungsweisen
es in den Vereinigten Staaten zu diesem Problem gibt und um gemeinsam mit
unseren Verbündeten Möglichkeiten zu
untersuchen, wie die Bündnispartner
dieses Problem der Lastenteilung einzeln und zusammen mit ihren partnern
lösen könnten.
Meine Mission beschränkt sich nicht nur auf die NATO
- in der nächsten Woche werde ich zu
demselben Zweck Japan und Korea besuchen.
Gestern bin ich in Brüssel mit
den Ständigen Vertretern des Nordatlantikrates und mit Lord Carrington
zusammengetroffen.
ich bin ebenfalls
der dort geäußerten Überzeugung, daß
die NATO als Institution eine entscheidende Rolle bei der Behandlung
dieses Problems spielen muß. ich bin
mir der Tatsache bewußt und wir hegen
die Hoffnung, daß Lastenteilung als
Thema im Bündnis ein Auftakt für die
Entwicklung
eines gemeinsamen Konzepts im Bündnis ist. Solche Bemühungen werden die Vereinigten Staaten
in höchstem Maße begrüßen.
Die Bedeutung einer gemeinsamen
Antwort des Bündnisses darf nicht
unterbewertet werden.
Die vom Warschauer Pakt unter Führung der Sowjetunion ausgehende Bedrohung für die
NATO wird ungeheuer groß bleiben.
Tatsache ist, daß der Warschauer Pakt
gerade qualitativ noch ausgereiftere
Systeme einführt, und damit seinen
seit langem gehaltenen qualitativen
Vorsprung noch erhöht. Doktrin, Fähigkeiten und Übungen im Warschauer
Pakt deuten auf die anhaltende Betonung
des
Elements
eines
Überraschungsangriffs
in
Verbindung
mit
Operationen im Stil des 'Blitzkriegs'
hin.
Alle Tatsachen lassen erkennen,
daß die NATO sich in den kommenden
zehn Jahren einer noch ernstlicheren
Bedrohung gegenübersehen wird.
Das
Bündnis kann sich belastende innere
Streitigkeiten kaum leisten, die es
von seinen politischen und sicher-

heitspolitischen Zielen ablenken. Es
besteht jedoch kein Grund zu der Befürchtung, daß Lastenteilung zu solch
einem Problem wird, solange wir es
wirklich verstehen und es engagiert
angehen.
Wie erklärt sich nun das wiedererwachte Interesse der Amerikaner an
diesem Thema?
Es ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, welche
Faktoren und Einstellungen amerikanische Diskussionen
zu diesem Thema
prägen, wenn die Bündnispartner in
einen konstruktiven Dialog eintreten
wollen. Heute möchte ich Ihnen einige unterschiedliche Einstellungen und
Meinungen darlegen, die die Art und
Weise beeinflussen, wie Amerikaner und mit ihnen eine Reihe amerikanischer Kongreßabgeordneter - über unsere Bündnisse
im allgemeinen und
Lastenteilung im besonderen denken.
Erstens sind wir in den Vereinigten Staaten angesichts des sehr angespannten finanziellen Klimas, in dem
wir uns befinden, dem Druck ausgesetzt, weniger für die Verteidigung
auszugeben.
Die Besorgnis über das
amerikanische Handels- und Haushaltsdefizit hat zu einem starken Druck
auf
die
Verteidigungsausgaben
und
einer eingehenden Prüfung des Beitrags geführt, den unsere Verbündeten
für die gemeinsame Verteidigung leisten.
Zweitens nimmt das Bewußtsein anderer
strategischer
Prioritäten
Veränderungen der strategischen Landschaft - zu, die Amerika nicht außer
acht lassen darf. Die zunehmende Bedeutung des pazifischen Beckens, die
erhöhte Bedrohung der Stabilität in
Mittelamerika,
Auseinandersetzungen
im Nahen Osten und im Persischen Golf
- diese und andere Probleme konkurrieren
mit
unserer
traditionellen
Verpflichtung gegenüber der NATO, ihr
allein die Aufmerksamkeit im strategischen Bereich zu widmen.
Drittens gibt es das Empfinden,
unsere Verbündeten würdigten oder unterstützten
unsere Aktivitäten
zur

- 2 -

�Verteidigung unserer nationalen Interessen oder sogar der Interessen
der Verbündeten nicht in ausreichendem Maße.
Es besteht zunehmend die
Tendenz, die Weigerung unserer Verbündeten zu hinterfragen, solche Aktionen zu unterstützen, die unserer
Ansicht
nach
einen
existentiellem
Beitrag zu unserer gmeinsamen Sicherheit leisten - einschließlich der Erhaltung
der nuklearen Fähigkeiten,
die notwendig sind, um eine sowjetische Aggression abzuschrecken sowie
außerhalb der Grenzen der NATO unternommene Aktionen, die Auswirkungen im
Bündnis
zeitigen.
Einseitige oder
grundsätzliche Kritik unserer Politik
in Mittelamerika und anderen Bereichen, wo unsere Interessen eher betroffen sind als die unserer Verbündeten, hat bei vielen besorgten Amerikanern den Enthusiasmus für das
Bündnis gedämpft.
Viertens gibt es Enttäuschungen
über die Politik einzelner Bündnispartner.
Die Vielfalt der Meinungen
zu vielen Problemen innerhalb des
Bündnisses ist für viele ein zeichen
für die Auflösung unserer Verbindung.
Politische
Entscheidungen wie etwa
der Beschluß Spaniens zur Verweigerung der stationierungsrechte für das
401. taktische Geschwader oder die
jüngste Abstimmung des dänischen Parlaments über Beschränkungen bei Kernwaffen auch auf Schiffen des Bündnisses untermauern diese Vermutung.
Fünftens herrscht die Auffassung
vor, wir gewährten denjenigen Verbündeten eine zu umfangreiche Unterstützung, die wirtschaftlich weniger begünstigt sind.
Die Amerikaner wundern sich, warum die wohlhabenderen
nördlichen NATO-Staaten nicht mehr
zur Unterstützung ihrer Partner an
der Südflanke tun.
Sechstens und letztens gibt es
die Meinung, daß unsere Verbündeten um es deutlich zu sagen - wohlhabend
genug sind, um mehr zu tun als sie
jetzt leisten.
Meiner Ansicht nach trifft ledig-

lich die letzte dieser Annahmen vollständig
zu.
Die anderen Annahmen
spiegeln - obwohl sie weit verbreitet
sind - bestenfalls eine Mischung aus
verzerrten Informationen und geringerem Verständnis wider.
Leider entbehren diese Annahmen
nicht jeder Grundlage.
Dennoch ist
diese Situation zu komplex, als daß
nur wenige allgemeingültige
Punkte
auch nur auf ein Land - umso weniger
auf alle Länder - zuträfen.
ich
möchte kurz auf jede der von mir erwähnten Annahmen eingehen und sie in
eine präzisere Perspektive rücken.
Erstens können sich die Vereinigten Staaten trotz ihrer angespannten
finanziellen
Lage das gegenwärtige
Niveau
ihrer
Verteidigungsausgaben
sehr wohl leisten.
Sie wenden zur
Zeit 5,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts (BSP) für die Verteidigung
auf.
Diese Zahl liegt unter dem
durchschnittlichen Anteil des BSP für
die Verteidigung in den vergangenen
fünfzig Jahren - ein Beweis dafür,
daß wir keine übermäßigen Beträge für
unsere nationale Sicherheit ausgeben.
Zweitens wird die Bedeutung der
NATO nicht durch die Tatsache verringert, daß die Vereinigten Staaten ein
Land mit weltweiten Interessen sind.
Unsere
Sicherheitspartnerschaft
mit
Europa bleibt unsere wichtigste Priorität.
Um es einfach auszudrücken:
ein unabhängiges Europa ist für unsere nationale Sicherheit insgesamt wesentlich - welche anderen Interessen
auch hinzugekommen sein mögen oder
noch hinzukommen mögen.
Drittens haben unsere Verbündeten
oftmals ihr Bewußtsein für die Notwendigkeit gemeinsamer Maßnahmen und
gegenseitiger Hilfe bewiesen. Die im
Gegenzug erfolgte Stationierung der
Mittelstreckenraketen (INF) ist dafür
ein Beispiel. Die Sowjetunion hätte
niemals ein Abkommen über den Abzug
ihrer SS-20 und aller anderen INF unterzeichnet, wenn die NATO nicht fest
zusammengehalten hätte.
Und es besteht Grund zu der Annahme, daß eine

- 3 -

�Reihe unserer Verbündeten - einzeln
und in manchen Fällen auch gemeinsam
- zunehmend die Bedeutung von Aktionen außerhalb der Grenzen des Bündnisses erkennen. Die Marineeinheiten
der fünf NATO-Länder sind jetzt im
Persischen Golf aktiv und schützen
die Freiheit der Schiffahrt auf diesem Seeweg, der für so viele unserer
Verbündeten von entscheidender strategischer Bedeutung ist.
Viertens
bildet die Verbindung
von unabhängigen Ländern in der NATO
den Hintergrund für ihre Stärke. Es
besteht kein Zweifel, daß einzelne
NATO-Staaten Entscheidungen getroffen
haben, die eine Herausforderung an
andere Hitglieder des Bündnisses darstellen, aber das Bündnis hat im Laufe seines Bestehens demonstriert, daß
es unter solchen Umständen die notwendigen Schritte unternehmen wird,
um die erforderlichen Fähigkeiten zur
Gewährleistung
der gemeinsamen Sicherheit zu erhalten. Wir sind daher
zuversichtlich im Hinblick auf das
Problem des 401. Geschwaders.
Fünftens wissen wir, daß Amerika
nicht allein innerhalb des Bündnisses
wirtschaftliche und militärische Hilfe gewährt.
Die Bundesrepublik unterhält umfangreiche Programme der
Militärhilfe für
Griechenland, die
Türkei und Portugal, und der Europarat gewährt diesen drei Ländern wie
auch dem Süden Italiens erhebliche
wirtschaftliche Unterstützung. Unsere europäischen Partner sollten diese
Anstrengungen weiterführen und ausweiten, um den weniger begünstigten
Mitgliedern des Bündnisses zu helfen.
Aber das stärkste Argument der
Amerikaner
betrifft
den
niedrigen
Stand der Verteidigungsausgaben unserer Verbündeten und die Überzeugung,
daß sie mehr tun können.
Der Prozentsatz des BSP, den jeder Verbündete für seine Verteidigung aufwendet,
ist ein höchst offensichtlicher und
aufschlußreicher Indikator aller Bemühungen
in dieser Hinsicht, auch
wenn er uns keine Informationen über
das liefert, was wir über den Beitrag

zur Verteidigung
sollten.

eines Landes wissen

Im Hinblick auf das Verhältnis
zum BSP ist der Unterschied zwischen
den Ausgaben der Vereinigten Staten
und ihren Bündnispartnern bemerkenswert:
außer den Vereinigten Staaten
wenden gegenwärtig nur Großbritannien
und Griechenland mehr als 5 Prozent
ihres BSP für ihre Verteidigung auf.
Amerika hingegen ist in den vergangenen fünfzig Jahren nur sieben Mal unter die 5 Prozent-Grenze gefallen,
und in den letzten zehn Jahren haben
wir unseren für die Verteidigung aufgewandten Teil des BSP um etwa 1,5
Prozent gesteigert - von etwas unter
5 auf 6,5 Prozent.
Unsere
Bilanz
wirtschaftlichen
Wachstums in den letzten 25 und den
letzten zehn Jahren zeigt, daß eine
Nation ihre Verteidigungsausgaben auf
oder über diesem Niveau halten - und
trotzdem einen Aufschwung erfahren kann.
In den vergangenen fünfzig
Jahren ist unser BSP von 100 Milliarden Dollar im Jahr 1940 auf mehr als
vier Billionen Dollar heute gestiegen.
Bemerkenswertes ist auch in den
sieben Jahren zu verzeichnen, in denen die Vereinigten Staaten unter der
5 Prozent-Grenze lagen.
Das erste
Mal stand - 1940 - der Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg unmittelbar bevor. Die nächsten drei Male
- 1948 bis 1950 - waren von der auf
den Krieg folgenden Demobilisierung
geprägt - und von der bevorstehenden
Invasion Südkoreas.
Die verbleibenden drei Jahre folgten auf das Ende
unseres Engagements in Vietnam, ein
Zeitalter unterschiedlicher Strömungen und Unentschlossenheit, das in
der
sowjetischen
Invasion Afghanistans und der Besetzung unserer Botschaft in Teheran seinen Höhepunkt
fand. Die Senkung der Verteidigungsausgaben kann gefährlicher sein als
wir für möglich halten.
Im Hinblick auf die Zukunft müssen
unsere
Bündnispartner
bereit
sein, mehr für ihre Verteidigung aus-

�zugeben.
Aber wir müssen nicht nur
unser Augenmerk darauf richten, wieviel wir ausgeben, sondern auch darauf, wofür wir es ausgeben.
Tatsächlich müssen zusätzliche Investitionen allein dem Bündnis noch keine
Vorteile bringen, wenn nicht andere
Schritte damit einhergehen.
Die Absicht meines gegenwärtigen
Besuchs in Europa besteht nicht darin, neue Vorschläge zu unterbreiten,
sondern vielmehr darin, die Bedeutung
der Verpflichtungen
zu unterstreichen, die von der NATO bereits eingegangen worden sind. In vielen Fällen
hat innerhalb der NATO eine gründliche Überprüfung ihrer militärischen
Schwächen stattgefunden. Das Bündnis
muß nunmehr
seine
Entschlossenheit
bekräftigen, um seine Schwächen auszugleichen und die Beseitigung dieser
Schwachstellen
zu
seiner
höchsten
Priorität erklären.
Dies erfordert folgende gemeinsame Verpflichtungen:
mehr Gewinn aus den derzeit getätigten Investitionen,
besser koordinierte Maßnahmen bei
Problemkreisen, die im Interesse
des gesamten Bündnisses liegen,
Erlangung
der
Ziele
bei
den
Streitkräften
und
Durchführung
der bereits vereinbarten Verbesserungen.
Zusammenarbeit im Bereich der Rüstung ist ein Beispiel für die Maßnahmen, die meiner Ansicht nach die
Leistung unserer Verteidigung steigern und Gewinne aus den gegenwärtig
für
die
Verteidigung
aufgewandten
Mitteln maximieren kann. Wie ich bereits dargelegt habe, erzielt die
NATO hier Fortschritte, aber es kann
noch mehr getan werden.
Das neue
NATO-System zur Planung konventioneller Bewaffnung sollte uns bei der
Harmonisierung unserer Waffenprogramme zu Hilfe kommen, so daß die Mittel
des Bündnisses wirkungsvoller eingesetzt werden können. Die Ausweitung

der gegenseitigen Austauschfähigkeit
unserer
Waffen- und
Kommunikationssysteme ist ein weiteres Gebiet, das
Nutzen für das gesamte Bündnis verspricht, genau wie die stärkere Integration der NATO-Streikräfte.
Die Entwicklung gemeinsamer politischer Maßnahmen über eine Vielzahl
von Problemen der Sicherheitspolitik
würde das Bündnis enorm stärken. Die
NATO muß beweisen, daß sie auch weiterhin zur Übernahme der gemeinsamen
Verteidigungslasten bereit ist.
Das
bedeutet, die Mitgliedstaaten müssen
die Streitkräfte und die verschiedenen Arten der grundlegenden unterstützungsmaßnahmen bereitstellen, die
das Bündnis benötigt - trotz der damit verbundenen unvermeidlichen Risiken und Unannehmlichkeiten.
Der Bedrohung des militärisch starken jedoch wirtschaftlich
schwachen Warschauer Paktes muß begegnet werden.
Die NATO muß auch zusammenarbeiten, um ihren technologischen Vorsprung zu erhalten und fortzuentwikkeln,
durch
den
die
zahlenmäßige
Überlegenheit der Sowjetunion und des
Warschauer Paktes ausgeglichen werden
kann.
Das bedeutet, zur Ausweitung
der gemeinsamen Nutzung von technologischem Fachwissen und Innovationen
innerhalb des Bündnisses zusätzliche
Schritte zu ergreifen - und ebenso
den Zustrom militärisch hochsensibler
Technologie in die Sowjetunion zu beenden, wo sie gegen uns gerichtet
wird.
Diese und andere Formen der Zusammenarbeit im Bündnis auf Gebieten
und zu Themenkreisen gemeinsamen Interesses - ob im Persischen Golf oder
beim Kampf gegen den Terrorismus
würden die Sicherheit eines jeden
Mitglieds im Bündnis stärken, und damit die gesamte Allianz.
Die NATO muß ferner größere Anstrengungen unternehmen, um gemeinsam
vereinbarte politische Maßnahmen und
Initiativen in die Praxis umzusetzen.
Das Bündnis muß im erforderlichen Umfang seine konventionellen und nu-

- 5 -

�klearen Streitkräfte aufrechterhalten
und modernisieren. Gerade die Bedeutung unserer konventionellen Streitkräfte ist durch unseren Erfolg beim
INF-Abkommen
unterstrichen
worden.
Die NATO muß auf den vor drei Jahren
in ihrem Programm zur "Verbesserung
der
konventionellen
Verteidigung"
festgelegten Gebieten auf Portschritte drängen. Das Bündnis muß seine
Betriebsreserven und Waffenlager aufstocken, um seine Kampfbereitschaft
und Infrastruktur zu stärken - durch
Erhalt des bestmöglichen Ertrags aus
den derzeit ausgegebenen Mitteln.
Beim Entwurf der Langzeitstrategie der NATO müssen sich alle Bündnis-Partner der Tatsache bewußt sein,
daß die Stärkung unserer Sicherheit
mehr Geld kosten wird - als direkte
Verteidigungsausgaben und in Form von
Militärhilfe für die wirtschaftlich
benachteiligten Verbündeten.
Dies ist auch keine unmögliche
Forderung. Es ist eine Tatsache, daß
Europa als Ganzes es sich leisten
kann, mehr für seine eigene Sicherheit auszugeben. Selbst die Vereinigten Staaten - die im Vergleich zum
Durchschnitt der europäischen NATOLänder derzeit nahezu das Doppelte
ihres Bruttosozialprodukts für Verteidigung aufwenden - könnten es sich
meiner Meinung nach leisten, mehr
auszugeben. Wie bereits gesagt, haben wir in den vergangenen fünfzig
Jahren fast immer mehr als heute für
die Verteidigung aufgewendet - und
gleichzeitig hat unsere Volkswirtschaft expandiert, und die Sozialhilfeleistungen wurden aufgestockt. Es
trifft schlicht und einfach nicht zu,
daß anstatt der derzeitigen 3 Prozent
3,5 oder 4 Prozent des BSP für Verteidigungsausgaben den europäischen
Volkswirtschaften
schaden oder zu
einer einschneidenden Kürzung bestehender
Sozialhilfeprogramme
führen
würden. Obwohl zweifelsohne niemand
damit andeuten will, daß eine solche
Verlagerung der Prioritäten überwacht
oder selbst in wenigen Jahren stattfinden könnte, so haben die amerikanischen Erfahrungen der vergangenen

zehn Jahre doch gelehrt, daß Anhebungen von einem Prozent des BSP über
einen solchen Zeitraum hinweg leicht
vorgenommen werden können, ohne den
Wohlstand zu gefährden.
Natürlich ist es sehr viel angenehmer, in öffentliche Sozialprogramme und privaten Luxus zu investieren.
Wir sollten uns jedoch vor Augen führen, daß die sowjetische militärische
Aufrüstung allen Anzeichen nach unvermindert
fortgeführt wird.
Wir
sollten uns vorsehen und die Erfahrungen der "verweichlichten und wohlhabenden Provinzen" des Römischen
Reichs nicht wiederholen, die - wie
Gibbon lapidar formuliert - "alles
besaßen, was einen barbarischen Eroberer anzog und nichts, was ihn abhalten konnte".
Das Bündnis muß darauf hinarbeiten, ein solches Resultat zu vermeiden. Es kann sich ein Versagen nicht
leisten.
Unser vorrangiges ziel muß es
sein, die Abschreckung der NATO aufrechtzuerhalten - die nicht nur einen
Krieg verhindert, sondern auch die
sowjetischen Bestrebungen vereitelt,
einen Bündnis-Partner
zu nötigen,
einzuschüchtern oder
zu bedrohen.
Unsere gemeinsame Stärke war stets
der ausschlaggebende Faktor bei unserer Aufgabe, Freiheit und Sicherheit
der Länder des Bündnisses zu bewahren
- und sie ist das unerläßliche Fundament, auf das sich die entschieden
verbesserten Beziehungen mit der Sowjetunion gründen werden.

- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
7

Hintergrundmaterial

&lt;l7-,oN ^

11. Mai 1988

18

VERLAGERT MOSKAU WIRKLICH DEN SCHWERPUNKT AUF VERTEIDIGUNG?
Von Verteidigungsminister Frank C. Carlucci

WASHINGTON - (AD) - Wie ernst ist es der Sowjetunion mit der Entwicklung
einer neuen Militärdoktrin, die Verteidigung betont und von ihren amtlichen
Vertretern als Konzept des "vernünftigen und ausreichenden Niveaus" der
Streitkräfte bezeichnet wird?
Nach meinem kürzlichen Treffen mit Verteidigungsminister General Dimitri T. jasow bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß
sowjetische Regierungsvertreter trotz der fortbestehenden großen Kluft zwischen Realität und Rhetorik zumindest eingehend über einen solchen Wandel reden.
Moskau
scheint das militärisch
"ausreichende Niveau" immer noch als
sehr
umfassend
zu betrachten
und
zeigt
keinerlei
Neigung,
seine
Streitkräfte zu reduzieren, außer in
Zusammenhang mit gegenseitigen Abrüstungsvereinbarungen.
Bevor die vereinigten Staaten eine Lockerung ihres
Verteidigungskonzepts
in
Erwägung
ziehen könnten, müßte es überzeugende
Beweise eines Wandels im offensiven
Charakter
der sowjetischen Streitkräfte und eine Bereitschaft zu einseitigen Reduzierungen geben, um diese Streitkräfte auf ein dem Westen
vergleichbares Niveau zu bringen.
Dies heißt nicht, daß in unseren
Gesprächen
nichts
erreicht
wurde.
Schon
das
Abhalten
eines
solchen
Treffens - dem ersten zwischen den

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führenden amerikanischen und sowjetischen
Militärvertretern
nach
dem
Krieg - schuf einen wichtigen Präzedenzfall und verhalf uns zu einem
besseren Verständnis der Standpunkte
des anderen. Aber die Gespräche ergaben keinen konkreten Beweis für
einen Wandel in der Doktrin.
Obwohl er für die nähere Zukunft
keine größeren Veränderungen bei den
sowjetischen
Streitkräften und den
Militärausgaben in Aussicht stellte,
deutete General jasow doch eindeutig
an, daß gegenwärtig eine defensive
Doktrin umgesetzt werde und bei den
Streitkräften Veränderungen offen zutage treten würden.
Ich wies General Jasow darauf
hin, daß die sowjetischen Militäraus-

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�gaben unseren vorsichtigsten Schätzungen zufolge nach Abzug der Inflationsrate immer noch um etwa drei
Prozent jährlich ansteigen, während
der Verteidigungshaushalt der Vereinigten Staaten
in den vergangenen
Jahren real um 11 Prozent abgenommen
hat.
Ich fügte hinzu, daß die Einschätzung
des ehemaligen Verteidigungsministers Harold Brown weiterhin
zuzutreffen scheint: Wenn wir aufrüsten, rüstet auch die Sowjetunion
auf; wenn wir aufhören, rüstet die
Sowjetunion weiter auf.

sionen unterstützt werden.
Abbau anderer offensiv ausgerichteter Fähigkeiten, wie etwa einer
großen und wachsenden Zahl militärischen Geräts, das in vorderen
Gebieten
stationiert
ist, beträchtlichem Material zum Brükkenbau
und Pioniereinheiten
in
Osteuropa
und
der
anhaltenden
Aufrüstung
von
Reserveeinheiten
des Heeres zu einem aktiven Status im Warschauer Pakt. All dies
stärkt Moskaus Fähigkeit zur Invasion der NATO-Staaten.

Wenn Moskau wirklich ein defensives
Verteidigungskonzept
einführen
möchte,
dann
könnte
es
mehrere
Schritte
unternehmen,
ohne
seine
eigene Sicherheit zu gefährden, darunter die folgenden:
Beseitigung
der
zahlenmäßigen
Überlegenheit
des
Warschauer
Pakts gegenüber der NATO bei panzern, Artillerie und anderen Offensivwaffen.
Der
Ostblock
hat
bei
seinen
Streitkräften
einen
in
besonderem
Maße bedrohlichen Vorteil, der zur
Invasion, Annexion und Besetzung von
Territorium
in
Westeuropa
genutzt
werden könnte. Dazu übersteigen die
Waffenarsenale berechtigte Verteidigungserfordernisse bei weitem.
Abzug von Luftlandeeinheiten aus
Europa und drastischer Abbau der
vergleichsweise großen zahl luftgestützter Streitkräfte, die in
der
Sowjetunion
aufrecherhalten
v/erden.
Luftlandeeinheiten
spiegeln
den
offensiven Charakter der sowjetischen
Militärmacht wider.
Allein in der
DDR unterhält die Sowjetunion genügend Einheiten, um eine vollständige
Luftlandedivision
aufzubauen.
Eine
solche Division könnte rasch durch
zahlreiche ähnliche in Osteuropa und
der Sowjetunion stationierte Brigaden
und Bataillione Verstärkung erhalten
oder von den sieben weiteren vollbemannten
sowjetischen
Luftlandedivi-

Gemeinsam
mit
den
Vereinigten
Staten der Abbau von Nuklearwaffen
längerer
Reichweite
durch
einen Vertrag zum Abbau strategischer Waffen und Anhebung des
Beitrags zur effektiven strategischen Verteidigung gegen einen
Angriff ballistischer Raketen.
Die Sowjetunion behält weiterhin
eine große Zahl silogestützter Interkontinentalraketen
für einen Erstschlag bei. Die sowjetische Bereitschaft, gemeinsam mit uns eine Verlagerung
von
den
Offensivwaffen
zu
einem
größeren
Vertrauen
auf
die
strategische
Verteidigung
vorzunehmen, würde zu unserer beiderseitigen
Sicherheit und insgesamt zu einer
sicheren Welt beitragen.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin gespannt auf Zeichen wie" diese, mit denen bewiesen würde, daß
sich die sowjetische Militärdoktrin
verändert hat.
In der Zwischenzeit
betrachten wir den Dialog über militärische Angelegenheiten als nützlich
und beabsichtigen dessen Fortführung.
Die Sowjetunion hat ihren Anteil
an Leid
in Kriegszeiten kennengelernt, und niemand mißgönnt ihr ein
Militär, das die nationale Sicherheit
der Sowjetunion stärkt. Aber Moskau
kann seine Sicherheit ohne seine gegenwärtig gezeigte aggressive Doktrin
und offensive Haltung gewährleisten.
Bis jetzt haben wir lediglich sowjetische Forderungen nach einer Umwand-

- 2 -

�lung der Doktrin vernommen. Auf die
schlagkräftigen
Beweise warten wir
noch.

* * * * *
- 3 -

i

4

�AMERIKA DIENST
"VoN^

Wissenschaft und Technik

11. Mai 1988

18

RAUSCHGIFT BEDEUTET SELBSTZERSTÖRUNG
- Aufklärung und Erziehung zur Abwehr muß im Kindesalter beginnen - (AD) - Alkohol und Rauschgift - "ein vielschichtiges und mehrdimensionales Problem, das alle Mitglieder der Gesellschaft angeht". Allein die Rauschgifte verursachen Amerika jährlich Kosten von mehr als zwei Milliarden Dollar,
erklärte Peter Bell, ein prominenter Teilnehmer aus Minnesota an der vom Weissen Haus veranstalteten "Konferenz für ein drogenfreies Amerika". uas Präsidentenpaar eröffnete die Tagung, zu der mehr als 2 000 Teilnehmer aus allen
amerikanischen Bundesstaaten nach Washington gekommen waren. In ihren Heimatstaaten arbeiten sie als Lehrer oder Geschäftsleute, als Eltern und junge Menschen in kommunalen und staatlichen Programmen zur Vorbeugung gegen die Sucht,
oftmals auch als freiwillige Betreuer von Gefährdeten und suchtkranken in Therapieprojekten.
Aufklärung
und Information der
Öffentlichkeit, Schärfung des allgemeinen Bewußtseins für die Gefahren
von
Alkohol
und Drogen
erfordern
auch,
wie
Nancy
Reagan
fordert,
selbst den gelegentlichen Rauschgiftkonsum strikt abzulehnen.
Denn er
führe nur zu leicht zum suchterzeugenden Konsum.
"Es gibt keinen Zwischenweg", sagte sie, und deshalb muß
die Nachfrage nach Drogen gestoppt
werden.
Das sei ebenso wichtig wie
die Unterbindung von Schmuggel und
Handel. Nach dem Ende der Präsidentschaft
ihres Mannes wird
sie im
"Nancy Reagan Center" in Los Angeles,
einer Institution der Therapiezentren
"Phoenix House", aktiv mitarbeiten.
Zu dieser Einrichtung gehört eine
weiterführende
Schule mit Internat
für junge Menschen, die sich der

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langwierigen Therapie und Rehabilitation unterziehen, ferner eine Pädagogik- und
Trainingsabteilung
sowie
eine Forschungsbereich.
Das Zentrum
solle zu einem Ort werden, wo neue
Methoden entwickelt, neue Wege erprobt und neue Antworten gefunden
werden.
Präsident Reagan verwies darauf,
daß in den vergangenen sieben Jahren
zum ersten Mal in den Vereinigten
Staaten
koordinierte Kampagnen von
Dienststellen des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen gegen den
Drogenschmuggel geführt wurden. Polizei und Zoll wurden verstärkt, militärische Einheiten zu Lande, zu
Wasser und in der Luft einbezogen.
Dieser Zusammenarbeit ist es unter
anderem zu verdanken, daß 1987 Dro-

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�genfahnder der amerikanischen Bundesregierung Sachwerte und Guthaben von
Drogenkriminellen im Wert von mehr
als 500 Millionen Dollar konfiszierten. 683 geheime Drogenlabors wurden
geschlossen und 41 768 kg Kokain beschlagnahmt.
Die
Gefängnisstrafen
für
Rauschgiftdelikte
wurden
drastisch erhöht, die Zahl der Verhaftungen stieg in den letzten Jahren um
66 Prozent, die von Rädelsführern der
Händlerringe sogar um das Dreifache.

Einstiegsdroge Marihuana
Marihuana gilt bei manchen noch
immer als nahezu harmlose
"weiche
Droge". Das ist sie aber nicht, und
zwar
in
doppelter
Hinsicht:
Zum
einen weckt sie beim Konsumenten den
Drang zur Wiederholung des Rauscherlebnisses und bahnt so den Weg zum
Einstieg in härtere Drogen bis hin
zum Heroin.
Zum anderen sind Haschisch-Zigaretten auch unter medizinischen Aspekten gefährlich.
Denn
sie belasten zum Beispiel die Lunge
mindestens fünfmal stärker mit Kohlenmonoxyd und Ablagerungen als gewöhnliche
Zigaretten.
Fast
8 000
Studien belegen inzwischen, was im
menschlichen Körper durch Marihuana
alles geschädigt werden kann - von
den Zellen über das Gehirn bis zu den
Fortpflanzungsfunktionen.
Aufgrund
solcher Befunde und Erfahrungen haben
in den USA Bestrebungen zur Legalisierung von Marihuana keine Aussicht
mehr auf Erfolg.
Dennoch bereitet der illegale Anbau von Cannabis in den USA dem amerikanischen Bundesamt für Rauschgiftbekämpfung (Drug Enforcement Administration - DEA) erhebliche Sorgen.
Wo immer solche Kulturen ausgemacht
werden, werden sie vernichtet.
Im
vergangenen Jahr waren es mehr als
7,4 Millionen Pflanzen, gegenüber 4,7
Millionen im Jahr 1986. Bei den Sinsemilla-pflanzen wurden 1987 ca. 72
Prozent mehr als 1986 vernichtet.
Diese haben einen besonders hohen Gehalt an THC (Tetrahydrocannabiol),
dem aktiven Bestandteil von Marihua-

na.
Hauptanbaugebiete sind Kalifornien, Tennessee und Hawaii.
im Zusammenhang mit den Vernichtungsaktionen wurden im vergangenen Jahr 6 502
Personen verhaftet und 1 728 Waffen
sichergestellt.
Aber Untersuchungen von Mitarbeitern des amerikanischen Außenministeriums zufolge sind die Vereinigten
Staaten dem Bericht zur internationalen Strategie für Suchtmittelkontrolle (International Narcotics control
Strategy) nach Mexiko und Kolumbien
noch immer drittgrößter Erzeuger von
Marihuana.
Hauptsächlich in den lateinamerikanischen
Ländern
wurden
1987 Mengen im Umfang 11 000 und
17 000 Tonnen produziert, wovon ein
erheblicher Anteil in die USA eingeschmuggelt wurde.
Nur Jamaika und
Belize gelang es, den Cannabis-Anbau
drastisch zu reduzieren.
in den übrigen
lateinamerikanischen
Ländern
stieg der Anbau trotz umfangreicher
Vernichtungsaktionen um 25 Prozent an.

Europa wird mit Kokain überschwemmt
Der stellvertretende DEA-Administrator, David L. Westrate, äußerte
sich kürzlich in einem vom US-Informationsamt (USIA) für Worldnet vermittelten Interview mit europäischen
Spezialisten für Drogenbekämpfung zu
der Kokainwelle, die jetzt offensichtlich Europa überschwemmt.
Sinkende Profite auf dem amerikanischen
Kontinent hätten die Händler veranlaßt,
ihre Methoden
einschließlich
der Verteilungsstrategie zu ändern,
und Europa stärker ins Visier zu nehmen, vor etwa fünf Jahren sei in den
USA ein Kilogramm Kokain für 60 000
Dollar verkauft worden. Heute bringt
in New York, Los Angeles oder Miami
die gleiche Menge nur noch 9 000 Dollar, in Europa dagegen ca. 40 000
Dollar.
Diese
"Profitdynamik" gefährde nicht nur Europa, sondern auch
Japan und Australien. Zwar wurden in
Europa 1987 mit 2,5 Tonnen Kokain und
drei Tonnen Heroin erhebliche Mengen
beschlagnahmt. Aber dies sind erfahrungsgemäß nur zehn bis 15 Prozent

�der Mengl, die tatsächlich abgesetzt
werden.

.
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Selbst in den Anbauländern schaffe Kokain in seinen verschiedenen
Produktionsstufen
inzwischen
ebenfalls erhebliche Drogenprobleme. Als
Beispiel nannte Westrate in Kolumbien
"Bazooka", ein Derivat der Kokapaste.
Auf "Crack" angesprochen, erklärte
Westrate, weshalb er diese Droge für
besonders gefährlich halte: Sie werde aus Kokainbase, der Vorstufe zum
eigentlichen
Rauschgift
(Kokainhydrochlorid),
hergestellt.
In den
Vereinigten Staaten seien wegen der
großen Nachfrage nach "Crack" die
Händler sogar dazu übergegangen, diese letzte Stufe wieder in Base zurückzuverwandeln, weil Kokain nur in
dieser Form geraucht werden könne.
Der Rauch werde inhaliert und erreiche somit das Gehirn ebenso schnell
wie Sauerstoff. Beim Schnupfen dagegen dauerte es länger, bis das Rauschmittel absorbiert werde. "Crack"
hat verheerende Auswirkungen auf den
Blutdruck und führt häufig zu Schlaganfällen, Herzinfarkt oder schweren
Herzattacken.
Außerdem bewirkt es
noch stärker als Kokainhydrochlorid
eine zwanghafte Sucht - manche behaupteten, stärker noch als Heroin.
Westrate äußerte sich auch besorgt über den wachsenden Konsum von
Aufputschmitteln wie Amphetamin und
neuerdings von Metamphetamin, das man
als "Kokain des armen Mannes" bezeichnet. Unter den «83 im vergangenen Jahr ausgehobenen Geheimlabors
hatten 615 Metamphetamin hergestellt,
Angesichts dieser Umstände kommt der
Vorbeugung, die bei den Kindern einsetzen müsse, allergrößte Bedeutung
zu.
Zwar sei die Tatsache ermutigend, daß in den vereinigten Staaten
unter Oberschülern der höheren Klassen in letzter Zeit der Kokainkonsum
erstmals zurückgegangen ist.
Aber
unter
den Acht- bis
Zwölfjährigen
nehme der Konsum von Kokain und anderen Drogen zu, so daß Therapie, Rehabilitation, Aufklärung und Schulung
immer wichtiger werden und natürlich
auch mehr Personal und Zeit erfordern.

Dem Internationalen Strategie-Bericht zufolge haben sich die lateinamerikanischen Länder noch nicht zur
Vernichtung
von Kokaplantagen
mit
Herbiziden entschließen können, obgleich die 1987 durchgeführten Tests
gute
Ergebnisse
zeitigten.
Diese
Haltung dürfte dem Druck durch Händlersyndikate
zuzuschreiben
sein.
Ähnliches zeigt sich in bezug auf die
Vernichtung von Marihuanapflanzen in
Kolumbien und von Schlafmohn zur
Opiumgewinnung
in
Mexiko.
Man
schätzt heute, daß 1987 in den Anden
zwischen 162 000 und 211 400 Tonnen
Kokablätter produziert wurden.
Heroin
Dem internationalen Strategie-Bericht über Suchtstoffkontrolle zufolge nahm die Opiumproduktion im Jahr
1987 weiter zu, wobei Opium aus der
Region "Goldener Halbmond", insbesondere aus Afghanistan mit 735 bis
1 360 Tonnen den größten Anteil hatte. In Pakistan machte die Opiumgewinnung in Gebieten von Volksstämmen,
die gegenwärtig von der Regierung
nicht kontrolliert werden können, die
Bemühungen um strikte Reduzierung im
übrigen Land durch Sprühaktionen von
Flugzeugen aus nahezu zunichte. Seit
1980 hat in Pakistan selbst der Heroinmißbrauch stark zugenommen. Zur
Zeit rechnet man dort mit ca. 660 000
Süchtigen.
Rechtsvollzug und Fahndung sind in Pakistan nach wie vor
schwach. So war es bisher nicht möglich, die Herstellung von Heroin und
den Handel mit dem Rauschgift zu
stoppen.
Nicht ganz so drastisch nahm in
Südostasien die Opiumproduktion zu,
obgleich die Region mit Kulturen in
der Größenordnung von 1 095 bis 1 575
Tonnen nach wie vor als der Welt
größter Opiumproduzent zu gelten hat.
Nur in Thailand wurde in den letzten
Jahren der Anbau stark eingeschränkt.
Dennoch ist Thailand ein bedeutendes
Transitländ für Heroin. Hauptlieferant für den amerikanischen Markt ist
gegenwärtig Mexiko.

- 3 -

�Seit Mitte März 1988 verlieren
amerikanische Staatsbürger, die beim
Handel mit Rauschgift erwischt werden, ihren Paß.
In einigen Bundesstaaten wird Personen, die man im Besitz von Rauschgift findet, der Führerschein abgenommen. Ann Wrobleski,
Unterstaatssekretärin für internationale Suchtstoffprobleme im amerikanischen Außenministerium, forderte erneut mehr und engere Zusammenarbeit
auf
internationaler
Ebene, um die
Macht der Händlerringe und der Drogenbosse zu brechen: "Jedes Land ist
gefährdet, denn Drogen und Drogengelder korrumpieren, unterminieren und
liefern
Geldmittel für
Gewalttaten
und
Einschüchterungsaktionen.
Und
sie drohen jene zu paralysieren, die
beauftragt sind, das Richtige zu tun.
Wir alle haben den Schaden, wenn ein
Land zur Geisel des Drogenhandels
wird. Wir alle leiden, denn das ist
ein Krebsgeschwür, das sich in der
Völkerfamilie ausbreitet und jegliche
Stabilität bedroht."

* * * * * *

- 4

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bündnis spielt entscheidende Rolle beim Konzept&lt;br /&gt;der Lastenteilung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Taft &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verlagert Moskau wirklich den Schwerpunkt auf Verteidigung?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Verteidigungsminister Frank C. Carlucci&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rauschgift bedeutet Selbstzerstörung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aufklärung und Erziehung muß im Kindesalter beginnen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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